Indiana Tribüne, Volume 17, Number 206, Indianapolis, Marion County, 15 April 1894 — Page 7

Briefe aus Deutschland.

Von Oilyelmausmn. l Dresden, Ende März. ' Abbazia ist ein erst seit wenigen Jahren bekannt gewordener, aber schon tagen seiner theuren Preise berüchtigier Bade- und Lustcurort in der sögenannten österreichischen Riviera, also am adriatischen Meere. Von Wien aus ist A. vermittelst der SemmeringBahn in 15 bis 16 Stunden zu erreichen. Die klimatischen Verhältnisse sind ähnlich wie in Nizza oder San Remo am Mittelmeere, ein sonniger Küstenstrich mit vielen landschaftlichen Reizen. Es verkehrt in Abbazia besonders der reiche Wiener und der ungarische Aristokrat. Auch die Gräfin Hoyos, jetzige Gräfin Herbert Bismarck, war dort viel zu Gaste, sie machte ihren Schwiegervater und dieser den deutschen Kaiser auf A. aufmerksam, und so ist der kleine Ort plötzlich zur Weltberühmtheit gelangt. Die Gattin des Kaisers soll leidend sein, wie es heißt, in Folge der Vornahme einer Entfetiungskur, welche eine nervenstärkende Nachkur erfordert. Bei der Uebersiedelung der ganzen kaiserlichen Familie nach der sonnigen Küstenstadt am adriatischen Meere fei hier einiges aus dem alltäglichen Leben und Treiben am Berliner Hofe mitgetheilt, mit Hinweglassung alles dessen, was an den Hofchronisten erinnert. Ich glaube, daß diese Nachrichten auch in Amerika Interesse finden werden. Sie stützen sich allerdings zum wenigsten auf eigne Beobachtungen, sondern sind aus Mittheilungen der Presse geschöpft, welche ich nach und nach gesammelt habe. Der kaiserliche Haushalt in Berlin ist ein recht einfacher irnd steht in starkem Gegensatz zu den Pracht- und Prunkentfaltungen des Hofs bei festlichen Gelegenheit. Die Kaiserin gilt als gute Hausmutter, widmet sich ihrein Manne und ihrenKindern und erfüllt nur diejenigen RepräsentationsPflichten, welche sich nicht gut abweisen lassen. Die Dienerschaft ist sehr wenig zahlreich, und die beiden Hofdamen, welche sich in ihrer Gesellschaft befinden, sind eher als ihre Freundinnen anzusehen. Si: sind mit den beiden Flügeladjutanten des Kaisers ständige Gäste an der kaiserlichen Tafel. Letz'tut ist für gewöhnlich sehr einfach und mancher Handelsherr in Hamburg bieiet eine prunkvollere Tafel als der Monarch. Beim zweiten F rühstück wird nur leichter Mosel gereicht, beim Mittagessen um 6 Uhr zwei oder drei Sorten Weine, darunter Champagner. Das erste, aus Thee, Gebäck, Ei und kaltem Fleisch bestehende Frühstück nehmen Kaisers" um 7 Uhr früh ein. Auch wenn der Kaiser zu militärischen Uebungen um 5 Uhr Morgens ausrückt, findet sich seine Gattin zum Frühstück ein. Unter allen Familiengliedern, mit Einschluß der Verwandten entfernten Grades, herrscht das Du". Wenn der Kaiser vorf seiner Gattin zu Andern spricht.so sagt er meineFrau" oderdie Kaisern", .während Letztere meistens der Kaiser" sagt, ihn persönlich aber mit Willy" anredet. Wenn der Kaiser von seinen Kindern spricht, so sagt er stets meine Jungen". Ist er irgendwo zu Gast;, s.? steckt er eine Tüte mit Confekt ein sür die Jungen. Um die Schulbildung derselben kann er sich nicht kümmern, dagegen thut dies umsomehr seine Gattin. Die Kinder werden streng erzogen, die Schulstunden aussen mit großer Pünktlichkeit eingehalten werden, und in den Freistunden wird besonders auf körperliche Ausbildung gehalten. Die von der kaiserlichen Familie bewohnten Räume im Berliner Schlosse sind von Wilhelm dem Zweiten vollständig umgebaut und neu eingerichtet worden. Alle modernen Bequemlichkeiten, 'Aufzüge, Luftheizung, elektrische Beleuchtung u. s. w. sind dabei angebracht worden. Jedoch ist die Ausstattung eine recht einfache. So soll das Arbeitszimmer des Kaisers eher den Eindruck eines Geschäftsbureaus, als denjenigen eines fürstlichen Salons machen. Der Kaiser muß seinen Tag genau eintheilen, um mit seiner Arbeit zurechtzukommen. Denn abgesehen von den vielen zeitraubenden Reprasentationspflichten, hat der Monarch viele Routinearbeiten zu erledigen. Schon die Unterzeichnung der Ernennungen nimmt viel Zeit in Anspruch, wird doch jedes Patent eines Rathstitels und der Beförderung der Offiziere vom Hauptmann, resp. Kapitän-Lieutenant der Marine, aufwärts vom Kaiser persönlich unterzeichnet. Im Durchschnitt treffen mit der Post sechshundert Briefe und Schriftstücke per Tag beim Kaiser ein. Natürlich kann letzterer die wenigsten derselben lesen und beantWorten, jedoch schon, die Correspondenz mit fürstlichen Personen, namentlich mit den vielen kleinen Höfen Deutschlands, ist umfangreich und diese wird vom Kaiser persönlich erledigt. Viele dieser Angelegenheiten sind herzlich unbedeutend, jedoch die Etikette erfordert in allen diesen Dingen eine Arbeitsleistung des Kaisers. Sie nehmen gut die Hälfte der Zeit des Monarchen in Anspruch. Ein brennender Ehrgeiz, oder um es milder auszudrüöen. ein hochentwickeltes Pflichtgefühl, treiben jedoch den Kaiser, ein guter General, ein gründlicher Kenner der Flotte und sein eigener Reichskanzler sein zu wollen. Was seit Bismarcks Rücktritt deutsche.Politik genannt worden ist, war im Grunde kaiserliche Politik, vom Kaiser angeordnet. Caprivi ist nur die ausführende Hand des Kaisers, und nicht etwa als selbstständig handelnde Persönlichkeit aufzufassen. Ob diese Politik gut oder schlecht ist, gehört hier nicht zur Sache, wo es sich ja nur um eine Schilderung der Arbeitslcistungen des Kaisers handelt

ich persönlich bin der Ansicht, daß die' deutsche Politik der letzten vier Jahre sehr wohl den Vergleich mit den letzten vier Jahren Bismarck'scher Politik aushalten kann. Es wurde schon gesagt, daß der Kaiser bestrebt ist.als nn guter General zu gelten. Ob ihm das gelingt, kann ich nicht beurtheilen, jedenfalls verlangt das Bestreben ein gutes Quantum seiner Zeit. Schon die auf diesem Gebiete zu verfolgende Literatur ist eine umfangreiche. Dazu kommt das Interesse, welches der Kaiser für die Marine bekundet. Und schließlich noch der Ehrgeiz, als Kunstkenner und Protektor der Künstler gelten zu wollen. Man sollte meinen, auch die größte Arbeitskraft, gepaart mit dem stärksten Pflichtgefühl und angespornt von mehr als persönlichem Ehrgeiz müßte sich bei solchen Arbeitsleistungen zersplittern und nach und nach sich aufreiben. Angesichts dieser Thängkeit ist die Frage nach dem angeborenen körperlich? Gebresten des Kaisers überflüssig. Daß nur ein Mann von robuster Gesundheit derartig ununterbrochen thätig sein kann versteht sich wohl von selbst und die Thatsache, daß der rechte Arm des Monarcken etwas zu kurz ist. sowie die andere Thatsache, daß der Kaiser stets Watte in den Ohren trägt, kommen nicht in Betracht. Eine weit berechtigtere Frage wäre, wie lange ein auch noch so gestählter Körper im Stande sein wird, sich solchen Arbeitsleistungen gewachsen zu zeigen. Bekanntlich erhält der deutsche Kaiser vom Reiche keine materielleEntschädigung, sondern derselbe ist auf seine Besoldung als König von Preußen angewiesen. Selbst sür die repräsentativen Ausgaben des Kaisers bezahlt das Reich keinen Pfennig, sondern überweist dem Kaiser für Gnadenbewilligungen aller Art im Jahre dieSumme von 1 1-2 Millionen Mark. DerStaat Preußen stellt seinem Könige dieselbe Summe für dieselben Zwecke zur Verfügung, sodaß dem Kaiser also sür sog. Gnadenbewilligungen drei Millionen Mark zukommen. Außerdem empfängt er als König von Preußen nahezu .sechszehn Millionen Mark und zwar laut Gesetz vom Januar 1820 eine Rente im Betrage von 7,719.296 Mark aus den Erträgnissen der Domänen und Forsten, ferner acht Millionen Zuschuß (dieser Zuschuß betrug unter den früheren Königen nur 4 1-2 Millioiren, wurde aber im Jahre 1889 um weitere 3 1-2 Millionen erhöht). Der König von Preußen hat also zusam'men ein Einkommen von 13.719.296 Mark, sowie drei Millionen sür Gna.denbewilliqungen, also zusammen 18. i719,296 Mark. Das eigentliche Vermögen der Krone Preußen besteht aus dem Gute Erdmannsdorf in Schlesien, drei Gütern in Osthavelland, 48 Pachtvorwerken und einem Forstbzsitz von vierzehn Obcrsörstereien. Der zKLnig von Preußen verfügt ferner 'über den von Friedrich Wilhelm dem Dritten begründeten und von Wilnelrn dem Ersten bedeutend vermehrten Krontresor, der heute an 30 Millionen Mark betragen mag, dessen eine Hälfte jedoch als eiserner Bestand betrachtet und nicht angegriffen werden darf. Der Krontresor stellt sich dar,, als die Silberkammer und die nach und nach

aufgespeicherten Schätze an Edelsteinen und Kronmwelen. Diesen gewiß großen Einnahmen stehen nun aber sehr erhebliche Ausgaben gegenüber, denn in Preußen werden nicht, wie in England, noch besondere Bezüge für die Mitglieder des königlichcn Hauses bewilligt, auch nicht Ausstattungen bei etwaigen Vermahlungen, sondern dem König liegt die Versorgung seiner Familienmitglieder zur Last. So hat die Ausstattung der Schwestern des Kaisers eine sehr fühlbare Lücke in die Finanzen des Monarchen gerissen. Dazu kommen die bedeutenden Zuschüsse für die kvnigll chen Theater in Berlin, Kassel, Hannover, Wiesbaden, für die Hofmusik, für die königlichen Guter und Schlösser, Pensionen, Unterstützungen (die für Gnadenbeweise bewilligten drei MilliV nen Mark reichen dazu nicht aus) und dann besonders umfangreiche Beträge für repräsentative Pflichten. Wenn der deutsche Kaiser sich im Auslande als solcher zeigt, so läßt er sich nicht lumpen, sondern gefällt sich vielmehr in einer verschwenderischen Prachtenifaltung. So soll die erste Reise des jetzigen Kaisers nach Oesterreich und Jtalien die Summe von 800.000 Mark gekostet haben. Kaiser Wilhelm der Erste war sparsamer, bei seinem wben Alter verboten sich derartige eisen von selbst und er hcrt seinen Nachsolgern ein sehr bedeutendes Privatvermögen hinterlassen, über dessen genauen Betrag jedoch nichts sicheres bekannt ist. Dieser Nachlaß soll bei der Ausstattung der Schwestern des Kaisers gute Dienste geleistet haben. In der französischen Presse und in dem daraus gern schöpfenden New Aork Heiald" ist oft die Behauptung aufgestellt worden, daß der deutsche Kaiser tief verschuldet sei. Auch in deutschen antisemitischen Kreisen ist derartiges schon angedeutet worden mit der Beifügung, daß Bleichröder des Kaisers Hauptgläubiger sei, daß also die Juden auf den Monarchen einen nicht zu unterschätzenden Einfluß hätten. Die Quellen, aus welchen diese Genichte kommen, sind trübe, auch sind jene Behauptungen entschieden widerlegt worden und man hat alle Ursache, jene Nachrichten für erlogen zu halten. In Deutschland wenigstens' finden sie gar keinen Glauben. Nicht uninteressant dürfte es sein. j einen Blick auf die Civillisten der grö- ! ßeren deutschen Staaten und auslän- ! bischen Reiche zu werfen. Die Krone Baiern begeht 5.403.986 Mark, der König von Württemberg hat 2.095,303. der von Sachsen 3.022.300 M. ! Einkommen von den betr. Staaten.

Der Großherzog ' von Hessen erhätt 1.199.145 M., der von Baden 1.289,983, der von Weimar 960.000, der

Prinzregent von Braunschweig 1.125.323 M. Die Eivilliste de? Kaisers von Rußland beträgt 35.216.000 M.. die des österreichischen Kaisers 23,250.000, die der Königin von England 18.385.550. die deö Königs von Italien 15,250,000, die des Königs von Spanien 9,800,000 Mark. Die Einnahmen deS Königs von Preußen stehen also bedeutend hmter denjenigen des Zären' und des osterrnchischen Kaisers, sowie auch hinter demn der Konigin Brctona zurück, und ferner ist noch zu erwägen, daß der russische und österreichische Herrscher sehr große Privatvermögen besitzen, welche ein weit freieres Schalten und Walten vom (Zeldstandpunkte aus gestatten, als es in Preußen möglich ist. Undenkbar wäre es deshalb schon nicht, daß der Kaiser vorübergehend in Geldverlegenheiten - gewesen wäre. Beiläufig sei hier erwähnt, daß der Kaiser von Oesterreich einer der reichsten Männer Europas ist. Auf den greisen Kaiser und aus den weisen Kaiser ist nach dem bekannten Berliner Witz der Reise kaiser gefolgt. Zwar ist Wilhelm der Zweite in letzterer Zeit etwas seßhafter geworden, als in den ersten Jahren seiner Regierung, jedoch auch jetzt noch legt er mehr Kilometer im Jahre zurück, als sämmtliche übrigen Herrscher der großen europäischen Staaten zusammen. Die übermäßige Reiserei der ersten Regrerungsjahre findet in der Thatsache eine Erklärung, daß Wilhelm der Zweite als Prinz keine Gelegenheit gehabt hat, sich im Auslande umzusehen. Er hat das selbst einmal dem Könige von Schweden im Jahre 1890 in folgenden Worten erklärt: In meiner Jugend ist es mir nicht vergönnt gewesen, größere Reisen zu machen, weil es der Wunsch meines Großvaters war, ich möchte stets in seiner Nähe weilen. Ich erachke es aber für einen Regenten für nothwendig, daß er sich über Alles persönlich informirt und aus directer Quelle Anschauungen sammelt, seine Nachbarn kennen lernt, um mit lynen gute Beziehungen anzuknüpfen und zu unterhalten; diefe Zwecke sind es. die ich bei meinen Reisen in's Ausland verfolge." Daß dazu, namentlich seit der Entlassung Bismarcks, der Wunsch gekommen ist, im Auslande durch seine Persönlichkeit ,zu rmponiren, versteht sich wohl von selbst. Aber wenn der Kaiser reist, befindet er sich beständig in Thätig,teit. Er hört im Eisenbahnwagen Worträge an, erledigt seine Correspondenz und steht 'im regsten Depeschenwechsel mit Berlin. Auch wähnd der Jagden auf dem weltentlegenen Gebiet Theerbude werden beständig Regierungsgeschäft: erledigt. Die Feldjäger und Couriere müssen ihm stets auf den Fersen sein, ja sogar auf den Erholungsreisen nach dem Norden wird der direct: Verkehr mit Berlin selten länger als auf e!n:n Tag unterbrochen. Uebrigens reist der Kaiser auch auf den deutschen Bahnen nicht als Dead Head", einerlei ob er im Sonderzuge das Land durcheilt, oder einen Salonwagen benutzt. Die Oberhofmarfchallskasse hat für den Kaiser sowohl, als für jede Person semer Begleitung den tarifmäßigen Preis für Fahrkarten erster Klasse an die Skaatsbahnverwaltung zu entrichten. Auf den Nordlandsfahrten begleiten den Kaiser stets der Maler Salzmann, der Professor Gllßfeldt und der sogenannte Troubadour des Kaisers, der Sänger, Componist, Dichter und Diplomat Graf Philipp Eulenburg, 'der soeben zum Gesandten in Wien ernannt worden ist. . Diese drei Herren werden von Wilhelm dem Zweiten als besonders.gute Gesellschafter sehr geschätzt, und in den, Künstler-Soireen, welche Abends in der Cajllte veranstaltet werden, spielen sie die Hauptrollen. Auch spiritistische Experimente werden in diesem Kreise und unter Betheiligung des Kaisers an Bord des Hohenzollern" veranstaltet, obschon keines der Mitglieder dieses Kreises zu den Gläubigen" gehört. Eine Haarlolke Jean Paul'S. Den Locken Jean Paul's unter dem Mikroskop widmet der Romanschrift steller RosenthalBonin folgende hei tere Reminiscenz: Meine Mutter besaß eine Locke Jean Paul's, eine unzweifelhaft echte, der Dichter hatte sie mit einem eigenhändigen Briefe ihrer Mutter übersandt; sie lag zwi schen zwei vergilbten Stücken Atlasses, auf welchem mit Gold eine Jahreszahl eingestickt war. Diese Locke wurde in unserer Familie hoch und heilig gehalten und bei besonders feierlichen Gelegenheiten mit großen Ceremonien gezeigt ich sah sie als Kind mit Verwunderung, und mir prägte sich der fahle Metallqlanz deö Haares ein. Als ich später Physiolo gie studirte und ein Mikroskop bekam, untersuchte ich alles Mögliche im Hause. Ich stahl mir ein Haar von der geheiligten Locke, legte es unter das GlaZ und entdeckte, daß es ein Hundehaar war; das dritte vierte und fünfte Haar, welche ich unter suchte, zeigte dasselbe Resultat. In meiner wissenschaftlichen Begeisterung machte ich meiner Mutter Mittheilung von der überraschenden Entdeckung, und daS trug mir nach der damali gen patriarchalischen Erziehungsmethode kein Wort der Erwiderung, sondern nur a tempo eine tüchtige Ohrfeige ein. Ich suchte mir jetzt noch mehr Jean Paul's Locken zu verschaffen. DaS war zu jener Zeit in Berlin nicht schwer. Ludmillä v. .Ajsing, die. bekannte Nichte Barnha

gen's, besaß ein derartig urkundlich echtes Heiligthum, ferner eine Ber wandte der Henriette Herz ich glaube, sie hieß Flora Philipp! als Erbstück von Jener her. Ich bat die Inhaberinnen um leihweise Ueber lassung eines HaareS der heiligen Locke, erhielt dies unter großen Schwierigkeiten und Sicherheitsmaß regeln seitens der glücklichen Besitze rinnen, und das mikroskopische Un tersuchungsresultat war das gleiche wie bei der Jean PaulsLocke meiner Mutter. Es waren Pudelhaare. Ich kam nun zu folgender Erklärung die seS WunderS: Jean Paul wurde, wie bekannt, bestürmt, überschwemmt mit Bitten um Locken von seinem Dichterhaupte. Dieses war frühzei tig schon so kahl, daß die Stirn ohne Hinderniß hinten in den Rockkragen überging und nur zur Seite noch einige sorgfältig bewahrte Locken vin der ehemaligen Pracht seines Haupt schmuckes übrig waren. Hätte Jean Paul nur den hundertsten Theil sei ner Berehrer und Verehrerinnen, die flehentlich um Locken seine Dichter Hauptes baten, zufrieden stellen wol len. würde er bald keine Spur mehr von Haar besessen haben und hätte wie ein armer Landmann jedenNachwuchs sofort abmähen müssen. Jean Paul aber hatte ein weiches Herz, war ein galanter Mann und sein Haar war röthlich, das seines Pudels auch. An Mikroskopie dachte damals noch Niemand, und so mag der geniale Schriftsteller in seiner Ver zweiflung auf den Gedanken gekom men sein, hie und da seinen Pudel zur Aushilfe bei dem großen Locken begehr für sich eintreten zu lassen. Vielleicht reizte auch den großen Humoristen die Vorstellung, daß die hübschen Locken seine munteren Pa tos" jetzt eine solche Anbetung ge nössen und von schönen Damen und sentimental schmachtenden Herren an die Lippen gedrückt, auf Atlaskissen

unter GlaS aufbewahrt und m kost baren Albums, mit getrockneten Veil chen umrahmt, aufbewahrt wurden.GeldwSsche. Es stinkt nicht- sagen zwar so Manche vom Gelde es stinkt nicht-. allein, riecht es auch nicht so übel. daß es an weniger empfindlichen Ge ruchsorganen spurlos vorüberstrelcht, so ist es doch zuweilen im höchsten Grade unreinlich und unappetitlich. Sehr reiche Leute oder Hochgestellte, was allerdings Nicht immer auch gleichbedeutend ist, wissen sich auch nach dieser Richtung zu helfen, sie verschasten sich stets neue, funkelna gelneues Geld: Neue, zwischen den Fingern knirschende Papiere und glei ßendeS Gold, funkelndes Silber, und wenn ein solch' Bevorzugter Brief tasche oder Portemonnaie öffnet. werden immer jungfräulich reine Greenbaas oder blanke Gold- und Silberstücke zum Vorschein kommen. Aber das Geld des Bürgersmannes und der noch kleineren Leute, wie eS zwischen Hausfrau und Wäscherin, zwischen Arbeiter und Grocer in ewl gem Austausch sich befindet, welche Schichten von undefinirbarem Schmutz, welche Krusten von Staub und Unrath, vielleicht auch durch die Thräne der Armuth zusammengekit tet, hastet nicht an diesem Papier und an diesem Metall? So sehr die Pa tina an den Werken der Kunst ge schätzt ist, die Patina der landläusi gen Münzen ist keine angenehme Zugabe. Wohl auch keine von den ganz ungefährlichen. Dann ist eS auch noch nicht bis zur Evidenz nachgewiesen, daß durch dieses oder jenes speckige Wertbzeichen nie eine Krank heit verschleppt worden ist, möglich ist es immerhin. Das Papiergeld ist einmal nicht zu reinigen; für Green backS gibt eS keine chemische Putze reien, und man bedenke, wie viele Klagen sich eine solche Putzanstalt zu ziehen müßte, wenn bei der Manipu lation aus einem Fünfer ein Stük herausgerissen würde Aber das Hartgeld läßt sich eine zeitweilige Reinigung wohl gefallen, und in dem Lande, das gerade jetzt mit seinem Kleingelde gar sedr zu kämpfen hat und dessen Detailverkehr sich zwischen Lirezetteln und riesigen Kupferstücken bewegt, ist man zuerst auf die Idee gekommen, das Hartgeld zu waschen und hat auch bereits damit angefan gen. In einem ersten Cafe von Mai land wird jeden Morgen das am vorhergegangenen Tage eingegangene Kupfergeld Silber giebt's da nicht mehr, Nickel bekommen sie erst in einem großen Kübel gewaschen. Zu erst eingeseift und dann durch eme Lösung von Kleesäure gezogen. DaS Kupfer verliert dadurch seinen Schmutz, erlangt hellen Glanz und büßt durch die Prozedur nichts von seinem Gehalt" ein. Der Vorgang ist nachahmenöwerth und die Geld Wäsche würde nur geringe Kosten ver Ursachen. Aber es dürste nicht etwa blos alle 8 oder gar 14 Tage .Wasch tag" sein. W WM MM Die unheilschwangere Wolke, welche seit geraumer Zeit über dem -Berliner Victoria . Theater schwebte. hat sich entladen: der Krach ist da und der schwer erkrankte- Di rector Litaschi ist um seine Ner ven zu schonen, auf Reisen aeaanaen. Die .rückständigen Gagen für die zweite Hälfte deS Monats Februar wurden nicht bezahlt und stürmisch verlangte das .Orchester und Tbea terpersonal die sofortige Bezahlung, während ein Theil der Valleteusen sich weigerte, aufzutreten. In einer Versammlung der Gläubiger, in welcher Frau Litaschi, die Gattin des verflossenen Tirectors, anwesend war. wurde ein lesammtfehlbctrag von 130.000 Mark constaiirt: die le sammteinnahmen sollen während der ireltionsperlode an 400,000 M. be tragen haben.

2r. Wortman'S Funde. Die Arbeiten der wissenschaftlichen

Expedition, welche unter der Führung des Dr. I. L. Wortman nach den sonannten Bad Lands von Wyoming und Montana unternommen wurde, sind von Resultaten gekrönt worden, welche für die Wissenschaft sehr großes Interesse haben. Im Bad Lands umfassen em Territorium von 5000 Quadratmeilen und sind die Betten gewaltiger Seen, deren Wasser, wie die Geologen versichern. während der sogenannten mesozoischen Zeit das Land bedeckten. Die in jene Seen der Urwelt mündenden Flüsse führten Alluvialmassen mit sich, welche im Laufe der Jahrtausende die ungebeuren Becken auffüllten und in den Betten dieser urweltlichen Seen und zwar in den versteinerten Depositen werden zahlreiche Skelette von Thieren gefunden, welche in jener grauen Vorzeit lebten. Zuweilen finden sich die Fossilien in tn steilen Abhängen, welche die Ufer jener Seen bildeten; oft aber liegen sie in dem grünenSandstein eingebettet. Dr. Wor.nan und seine Begleiter mußten bei Handhabung ihrer Funde mit größter Bekzutsamkeit zu Werke gehen, da die Knochen in Folge ihres hohen Alters überaus brüchig sind. Sobald die Fossilien aus dem umgebenden Gestein genommen waren, wurden sie mit breiten Bandagen, die in Stärke oder ähnlichen Massen getränkt waren, um wickelt; die derartig präparirten Bandagen verhärteten sich alsbald und hielten die Knochen in ihrer Lage, bis die Funde in New Aork, wohin sie bestimmt waren, von sachkundigen. Händen für die Aufstellung :m naturwissenschaftlichen Museum hergerichtet werden konnten. Zahlreiche Funde wurden niit den anhaftenden Gesteinmassen an ihren Bestimmungsort gesandt. Das Unitathericum. Das interessanteste Thier unter den Funden des Dr. Wortman ist das Unitathericum, welches seinen Namen von dem Unita-Gebirge erhalten hat. 15 Schädel, von denen zwölf vollständig sind, und ein fast unversehrt erhaltenes Skelett wurden gefunden. Das genannte Thier, welches größer als ein Rhinoceros und kleiner als ein Elephant war, hatte drei Hörnerpaare; das kleinste am Ende der Nase, das größte auf dem Kopfe und das dritte am vorderen Ansatz des Kopfts. Dieses lchtere Hörnerpaar war das stärkste und diente dem Thiere als Waffe. Der größte der Schädel mißt 2 1-2 Fuk in der Breite, woraus sich folgern läßt, daß das Thier wenig kleiner als ein mittelgroßer Elephant war. Ein weiterer hochinteressanter Fund des Dr. Wortman ist ein Patirofelis, den die Zoologen für den Stammvater des jetzigen Katzengeschlechts halten. Dieses Exemplar, welches, in Sandstein gebettet, an dem Fuße emes Abhanges am Henry Fork gesunden wurde, ist das einzige rn der Welt. Der genannte Forscher hält einen dritten ?und für die wichtigste Ausbeute seiner Expedition. Derselbe besteht in einem Schädel des Paläosyps. des größten Säugethieres, das auf der westlichen Hemisphäre gelebt hat. Dieser alte Bursche hatte auf der Nase em Horn von 20 Zoll Lange. Rhnwzeros. Tapir und Pferd gelten als seine Nachkommen. Bemerkenswerth unter den Funden ist ferner eme Collectiv urweltllcher Affen. Sin neuer Bernstein. Außer den bereits bekannten Bernsteinen, wie dem. in der norddeutschen Ebene vorkommenden Bernstein, dem in Rumänien gesammelten Rumänit und dem auf Neuseeland erscheinenden Ambrit, hat man nach einem Bericht von O. Helm in der Pharm. Post vor kurzem auch im nordlichen Blrma Ab lagerungen von Bernstein angetroffen, die schon Jahrhunderte hindurch von den Chinesen ausgebeutet werden. Das Gebiet dieser Bernsteinminen ist schwer zugänglich, weil es von wilden, kriegerischen Völkerschaften bewohnt wird. Die Produkte dieser Minen (Birmit genannt), welche in Manda lay. der Hauptstadt Birmas zu allerlei Schmucksachen, zu Perlen, Ohrpflock chen, Rosenkränzen, Cigarrenspitzen u. dergl. verarbeitet werden, zeichnen sich durch eme schone Hellrothbraune, ru binrothe'oder auch goldgelbe Färbung aus und erreichen bisweilen die Größe eines Kinderkopfes. Sie sind ebenfalls wie der baltische Bernstem von ei ner Verwitterungsschicht umgeben, die spröde und dunkelbraun ist, und best ßen nur eine größere Härte-und, was ein charakteristisches Zeichen für den Birmit ist, einen bläulichen Schimmer, der durch Fluorescenz an der Oberfläche im Lichte, entsteht. Niemand kennt bis jetzt die Pflanze, aus welcher dieses Fossil seinerzeit gequollen ist und eL bleibt weiteren mikroskopischen Forschungen vorbehalten, aus den Einschlössen desselben auf die Natur jener Pflanzen Schlüsse' zu machen. Schließlich unterscheidet sich der Birmit von allen bekannten Vernstcinarten dadurch, daß er keine Bernsteinsäure, statt deren aber eine große Quantität organisch verbundenen Schwefels enthält. .

Wisse und Glauben.

Vieltausendjährige Entwickelung brauchte das Menschengeschlecht, ehe es sich zu der Anschauung durchrang, daß nur das, was wir m unseren leiblichen fünf Sinnen erfassen, in den Bereich unserer Betrachtungen gehört und von uns als bestehend angenom men werden darf. 5das Spiel der Phantasie ist gefährlich für jeden, der sich nicht zu den sonmgen Hohen der Kunst aufschwingen kann. Die Massen werden durch die Phantasie verführt und auf Irrwege geleitet, die die Verblendeten an den Rand des Verderbens bringen. Die Sagenbildung von Hexen und Teufeln liefert dafür einen klaren Beweis. Was haben Dichter wie Dante und Shakespeare für gewaltige Wirkungen erzielt durch die poetische Belebung dieser übersinnlichen Gestalten und welchen Schrecken, welche Verwirrung, welchen Jammer hat der Glaube an Hexen, und Teufel bei den Völkern verbreitet. Neben dem herrschenden Teufelsglauben regte sich schon früh der Gedan?e, daß alle Zauberei nichts Anderes als nichtiger Teufelsspuk sei. Die Synode von Bracara (563) verfügt: Wer da glaubt, daß der Teufel, ixtil er einige Ding, in der Welt hervorgebracht bat, ucr) aus eigener Macht Dormer und Blitz, Gewitter und Dürre mache, der sei verflucht." Wie oft oder selten, ob strenge oder gelinde, Strafbestimmungen gegen Zauberei in Anwendung gekommen, darüber geben die Geschichtsschreiber vor Karl dem Großen nur unvollstätfae Auskunft. Was indeß Gregor von Tours über den Zustand der Dinge unter den Franken berichtet, läßt eine auffallende Milde und Mäßigung erkennen. Es mögen hier einige Vorfälle kurz erwähnt werden. Die berüchtigte Fredegunde beschuldiäte (um's Jahr 582) den Präfekten Mummolus, ihren und Chilperichs Sohn durch Zaubere: getodtet zu haben. Als sie Zwei Söhne. Chlodobert und Dagobert, an einer Seuche verloren. ließ sie sich nicht ungern überreden, ihr verhaßter Stiefsohn Chlodwig habe die Kinder durch die bösen Künste" der Mutter seiner Buhlerin aus dem Weae aeräumt. Das Wem wurde eingezogen und ließ sich unter den Qualen der Folter ein Geständniß abpressen. Fredegunde erhob jetzt ein Rachegeschrei und brachte Chilperich, ihren Gemahl, dahin, daß er seinen Sohn Chlodwig der Wüthenden Preis gab, der nun unter den Messerstichen gedungener Mörder fiel, während das verhaftete Weib trotz ihres Widerrufes lebendig verbrannt wurde. Bald darauf raffte die Ruhr den dritten Sohn Fredegundens hinweg. Da geschah es, daß der Mazordomus Mummolus gelegentlich bei Tische zu seinen Gasten äußerte, er habe ein Kraut, dessen Absud auch den hoffnungslosesten Ruhrkranken in kurzer Zeit wiederherstellen könne., Kaum bat dies Fredegunde erfahren, so greift sie etliche Weiber auf und zwingt sie durch die Folter zu dem Geständnisse, daß .sie den Prinzen durch Zauberkünste für das Wohlergehen des Majordomus hingeopfert haben. Nachdem dies geschehen, werden die Weiber theils verbrannt, theils gerädert, Mummolus aber zunächst gefoltert. Dieser bekannte indeß nur. daß er von jenen Frauen zuweilen Salben und Getränke erkalten habe, die dazu die nen sollten, ihm die Gnade des Königs und der Königin zu erwerben. Auf die Folter gespannt und gemartert, sagt er zum Büttel: Sage dem Könige, meinem Herrn, daß ich nichts Uebles empfinde von dem, was man mir zugefügt hat!" Darüber ruft Chilperich aus: Muß denn dieser Mensch nicht ein Zauberer sein, wenn ibm alle diese Strafen nicht wehe getban haben!" Und Mummolus wird von Neuem gegeißelt und soll, nachdem man ihm Pflöcke unter die Nagel ge trieben hat, enthauptet werden; doch di: Königin verfügt endlich seine Beanadmuna und verweist ihn nach Bor deaur. Mummolus aber starb auf de? Reise an den Folgen der erlittenen Tortur. Karl der Große erließ im Jahre 785 folgenden Beschluß: . Wer vom Teufel verblendet, nach Weise der Heiden glaubt, es sei Je mand eine Hexe und fresse Menschen und diese Person deshalb verbrennt etc.. der soll mit dem Tode bestraft werden. Im 8. Jahrhundert glaubten die Leute fest an Teufel und sprachen von ihnen, als von fliegenden Drachen, von glühenden Schlangen, die durch die Lüfte fliegen, durch Fenster und Schornsteine drängen und mit ihren Verbündeten Umgang pflegen. Ehe man sich den steten Versuchungen des Satans aussetzte, zog man es vor, Ire ber ein Bündniß mit ihm einzugehen, wobei man sich ihm mit seinem eigenen Blute verschrieb. Derartige Bündnisse wurden auch imGroßen geschlossen und ganz: Gemeinden verstanden sich dazu, den Zauberern und Teufelsbündnern :inen jährlichen Tribut zu entrichten, damit wenigstens die Wettermacher den Feldern keinen Schaden durch Hagel, Mißwachs und dergl. zufügen mochten So berichtet Bischof Agobart (gestorben 841). - Derselbe erzählt ferner, daß nach dem damaligen Volksglauben die Zauberer in Schiffen in der Luft umherführen, um die ' aufgeflogenen Schätze zu sammeln, und daß er im Jahre 832 schwere Mühe gehabt habe, vier Männer und eine Frau aus den Händen des Pöbels zu befreien, die aus einem solchen Schiffe herausgefallen sein sollten. So weit," sagt Agobart

aber am Schlüsse seiner Schrift, ml es mit der Dummheit der armseligen Menschen gekommen, daß man jetzt unter den Christen an Albernheiten glaubt, die in früheren Zeiten niemals ein Heide sich aufbinden ließ." Zur Kennzeichnung der Stellung, welche die Kirche in der nachkarolingi schen Zeit im 10., 11. und 12. Jahrhundert zur Hexerei und zum Glauben an dieselbe einnahm, kommt vor Allem der sogenannte Ancyranische Kanon Episcopi (um's Jahr 900) in Betracht, in welcher den Bischöfen zur Pflicht gemacht wird.

den Glauben an die Möglichkeit damonisch:r Zauberei und an eine Möglichkeit von Nachtfahrten zu und mit Dämonen als bare Verblcndung in ihren Diccesen und Gemeinden entschieden zu bekämpfen und die demselben Ergebenen als Frevler am Glauben aus der Kirchenzemeinschaft auszuschließen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde es lichter i? den Köpfen. Mancherlei Ableitung crch Außen, wie die Kreuzzua.e, und religiöse Aufklaruig lockerten den finsteren Glauben an Teufel und Zauberei. Im 13. Jahrhundert begann indessen der TeufelZglaube sich wieder mächtig zu regen. Von da ab wurde besonders das sudliche Frankreich und in diesem wieder die Gegend von Narbonn: die Pflanzstätte aller Ketzerei und Teufelskünste, wozu besonders die Nähe von Spanien beitrug, welches als ' das verrufenste Zauberland der Sarazenen und Juden galt. Nach den damaligen Vorstellungen hatten die spanischen Zauberer alle Tiesen der finsteren Magie (Zauberei, Zauberkunst, Geheimnißkunst) erforscht und die Nekromantie (Schwarzkunst, Todtenbefragung, Geisterbeschwörung und Ceisterbannung) wurde in Salamanca und Toledo öffentlich gelehrt, wie später in Prag und Krakau. Nachdem man zu Trier mehrfach Hexen und Zauberer verbrannt hatte, nahm das Hexenverbrennen vom Jahre 1232 an in der Rheingegend fo überHand, daß man endlich zu Mainz ernstliche Klagen über das Verbrennen so vieler unschuldiger Menschen führte. Aber nicht nur am Rhein, sondern auch in Schwaben, Bayern, Franken und Thüringen flammten die Scheiterhausen. in welchen Gegenden besonders der glaubenswüthige Konrad von Marbura sein fluchwürdiges Wesen trieb. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts wurde und zwar auf französischem Boden her gebildetste, reichste und machtigste geistliche Ritterorden, der der Templer, der Zauberei und des Teufeldienstes beschuldigt. Me fehlenden Geständnisse suchte man durch die Folter zu erpressen, auf welcher allein 36 Ordensritter starben. Durch besondere Grausamkeit zeichnete sich dabei namentlich der Dominikaner Jmbert aus, welcher durch entsetzliche Qualen 362 Ritter zum Geständniß brachte, infolge dessen am 12. Mai 1311 76 Ritter von der Abtei St. Antoine und am 19. März 1314 die übrigen' mit dem Großmeister Molay vor dem Justizpalaste verbrannt wurden. ' Außer in der erwiesenen Ansteckung, die jede solche Gerstesfeuche ausübt, meint man in neuerer Zeir, im Genuß und in den Einflüssen der Pflanzenaifte. wie beispielsweise des weitverbreiteten Stechapfels, die Erklärung des Hexenspuks gefunden zu haben. Wie ein dunkler Schatten zieht sich die Geschichte dieser unheimlichen Pflanze durch die Ueberlieferungen der vergangenen Jahrhunderte. Er vor Allem gehört zu jenen geheimnißvollen Giften. die betäubend und aufregend zugleich auf die Nerven einwirken und dadurch die merkwürdigsten Visionen oder Einbildungen hervorzubringen vermögen. Es erscheint unter diesen Umstanden immerhin glaubhaft, daß von den zahlreichen Unglücklichen, die als Hexen und Hexenmeister verbrannt wurden, ein guter Theil nicht blos als Opfer der Beschränktheit oder Bosheit ihrer Richter gefallen ist, sondern daß Viele von ihnen geradezu geglaubt hatten, Zusammenkünfte mit bösen Geistern gehabt zu haben. In den, Erzählungen undBekenntnissen der meisten kehrt als Grundthema immer derselbe Heraana wieder. Meist waren es Personen niederen Standes und von beschrankte? Geistesbildung. Zu ihnen gesellte sich, gewöhnlich in abgelegenem Walde, ein fremder Mann oder ein unbekanntes braunes Weib wieder der Zigeuner, wie er leibt und lebt. Nach vorhergegangener anderweitiger UnterHaltung 'bestreicht endlich der Unbekannte die Achselhöhlen mit der Hexensalbe und kurze Zeit darauf nachdem das Mittel wirkt fühlt sich der Gesalbte leicht und wie verwandelt. Er fliegt, er schwebt wie ein Vogel, und Alles, was er erlebt zu haben voraibt. deutet auf die Erregung bestimmter Nervenpartien hin. wie sie bei Gebrauch von Stechapfel und ähnlichen Betäubungsmitteln jedesmal eintritt. Die, Bethörten glauben, ihre Visionen wirklich erlebt zu haben. Aha! Es ist doch eine ganz andere Sacke, wenn man verheirathet ist; früher hatte ich nie einen Knopf i- c- 4i cr . c i am yemo . . . Jta, uno icji, iuu Du eine Frau hast?" ), jetzt habe ich gelernt, wie ich mir wellche annähe!" Ein Pechvogel. Frau (zu ihrem, Nachts heimkehrenden Mann): Wie, jetzt kommst Du erst; Du wolltest doch schon um zehn Uhr zu Hause sein!" Mann: Ja. Frauchen, ich habe aber auch immer Pech; grad, wie ich gehen wollt, wurde a srisch'- Faß angestochen!"