Indiana Tribüne, Volume 17, Number 199, Indianapolis, Marion County, 8 April 1894 — Page 6
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Eingeregnet.
?on Hans Hartmann. ! Der Jlll'ttzg brach mit leuchtend:! iKlarheit an. D!e Sonne ließ alle die Thrjtrövfchen auf Feld und Flur wie Diamanten bttfcen, und das Hochgebirg? schimmerte in röthlichem Ölan.:. Es w.r noch vor sechs Uhr, als drei Damen, von einem Führer begleitet, von Krummhübel aus nach dem Melzcr Grunde einlenkten. Zwei der Samen ivareji ältlich und beleibt. Sie gingen sehr gemächlich fürbaß und blieben häufig stehen, um .die Aussicht zu bewundern, oder vielleicht auch, um Luft zu schöpfen. Die dritte Dame war jung und 'hübsch. Sie hüpfte leichtfüßig wie eine Gazelle voraus, und nur der strenge Ruf 5täihchen" veranlaßte sie immer wieder, zu ihren Beschützerinnen zurückzulehren. Das ansehnliche Packet, welkes der alte Führer auf dem ZlMti. trug, ließ auf eine längere F::'z:ol: der drei Touristinnen schlie&n Die leiden älteren Damen, Tante und Tante Salchen, machten T. so o?i Station, nahmen an so vielen l.vschizen Vlätzchen kleine Imbisse ein, daß mehrere stunden vergangen wacen, als die kleine Gesellschaf! den bequemen Waldpfad verließ und die ktyi steile Partie zum Kamm emporki'cmm. Die Tanten waren von der Ä'nftrenzung puterroth. pusteten und stöhnten und wischten sich alle Augenolicke den Schweiß von Stirn und Wangen. Käthchens blondes Haar hatte der Wind zerzaust. Der lose Gesell hatte auch ihrem rosigen Antlitz eine etwas frischere Rvthe verliehen, aber sie blieb nur stehen, um von Zeit zu Zeit einen entzückten Blick auf die anmuthige Welt zu ihren Füßen zu werfen. Plötzlich bemerkte Käthchen einige kleine, graue Wolken am Horizont, die ihr Unheil zu verkünden schienen. Herr Ende," rief sie den alten Führer an, was meinen Sie, bekommen wir Negen?" Der Führer sah gedankenschwer auf den sich verdüsternden Himmel. Hm," sagte weise, es -kann sein, daß der Wind es vertreiben thut, dann bleibt's schön. Wenn aber, daß es heraufzieht, dann gibt's Neatui Stattn hatteMühe. nicht hell aufzulacben über diesen Orakelspruch. Wir wollen das Beste hoffen," rief sie fröhlich. Ja. ja, Fräulein," pflichtete der Alte bei. da haben Sie Recht! Sehen Sie, da ist auch schon die Niesen-baude!-Die Tanten kamen ächzend nachgehinkt. Ich bin zu Ende mit meiner Kraft!" versicherte Tante Salchen. Kätöen, würdigst Du auch das Opfer, das wir Dir bringen?" forschte salchen. Ach, Tanichin, die Fußtour ist Euck so heilsam wie eine Karlsbader Kur!" tröstet: Käthchen. Jetzt ist ja auch das Schlimmste überwunden. In der Riefenbaude essen wir Mittag. halten eine Siesta, und zur Koppe hinauf ist's dann nur noch Kinderspiel!" Di: Tanten blickten nach dem Koppenwirthshause empor, das in greifbarer Deutlichkeit vor ihnen lag, und schöpften neuen Muth. In der Niesenbaude bei einem guten Mahl vergaßen sie bald ihre Strapazen. käthchen blickt: munter um sich. In der Riesenbaude war jeder Tisch besetzt. oie erkannt viele Touristen wieder, die sie heute ' im Laufe des Vormittags überholt hatten. In der Oftnecke saß der alt: Harfner mit seiner musikalischen Genossin. Jetzt stimmte er sogar mit kräftigem Baß ein Lied an. über das Käthchen sich am liebsten halb todt gelacht hätte. Ein Weibchen gleich: der Sonne,' Der Mond, das ist ihr Mann, Das zeig! uns schon bei beiden Das Geschlechtswort deutlich an." Käthchen hörte andächtig zu, als ein neuer Gast in das Zimmer trat. Es war ein hübscher, junger Mann in netter Touristentracht. Er sah, daß alle Tischs besetzt waren, und trat an den Tisch der drei Damen, wo noch etliche Plätze leer waren. Gestatten die Damen?" fragte er verbindlich. Tante Salchen ertheilt: ziemlich- ungnädig ihre Einwilligung. Si halte eine unbestimmte Befürchtung, daß sie von diesem Augenblick an ihre Nichte wie ihren Augapfel hüten müsse. Als eingefleischte alte Jungfer hatte sie ein grenzenloses Mißtrauen gegen das männlich: Geschlecht. Der neue Ankommlinz bestellte sich ein Mittagessen und warf einen verstohlenen Blick auf Käthchen. In diesem Au gnblick sang der greise Äarde in der Ofenecke Im Winter macht di: Sonne Ear spä! erst Toilett', Sie liegt wie manche Frauen Um neun Uhr noch im Bett Das dünkte Käthchen zu drollig. Sie mußte hell auflachen. Der junge Mann stimmte herzhaft ein und das Eis war gebrochen. Beabsichtigen die Damen auch über den Kamm zu gehen?" .fragte er höflich. Wir wollen zuerst auf die Koppe!" berichtet: Käthchen. Dort wollen wir übernachten, um den Sonnenaufgang in genießen, und dann wollen wir über den Kamm auf der anderen Seite heruntergehen nach Schreiberfall!" Ganz mein Plan!" stimmte dcr jung: Herr Ul
Sein damdrendes Sckmikel kam
und er hieb in den nächsten Minuten zu kräftia ein. um die Unterbaltuna fortzuführen. Tante Salchen hatte unterdessen ihren Kaffee ausgeschlürft. Sie flüsterte ibrer Sckwester eine ernste Weisuna zu' und zoa fick in das Nebenzimmer zurück. Dort schlummerre )it aus einem harten Sopya bald den Schlaf des Gerechten. Malchen, die als Hüterin ihrer Nichte angestellt worden war, neb sich die Auaen. aäbnte. lebnte fies) tiefer in die Sophaecke zurück und war nach ?tlichen Minuten hinter ihrem Zeitungsblatt gleichfalls erngeniat. Der zunge Herr hatte seinen ersten Hunger ge stillt und wendete sich wieder an seine hübsche Gefährtin: Machen anadmes Fräulein zum ersten Male eine Niesengebirgspartur O nein!" saate Käthchen. Wir sind Breslauer und ick babe fast jeden Sommer einen Abstecher in's Gebirge gemacht. Breslauer!" wiederholte der iünae Mann. Sind anädiaes Fräulein in Breslau gut bekannt?" Gewiß, ich bin dort aufgewacht sen." Kennen anädia:s Tsräulein einen Herrn Steuerrath Neimann?" Der Schalk blitzte für einen Moment . in Käthchens blauen Auaen ouf. Den Herrn Steuerrath kenne ich nur flüchtig," erwiderte sie. Aber ich bin mit seiner Tochter in di: Schul? gegangen. Sie ist ungefähr in meinem Alter. Ist Fräulein Reimann hübsch?" fragte der Tourist mit brennender Wißbegierde. Nicht mein Geschmack!" war die kurze Antwort. Das hübsche Gesicht des iunaen Herrn verdüsterte sich etwas. Aber sie ist gewiß sehr liebens würdig?" forschte er eifrig. Pah. maßlos kindi ch!" verurtheilte .Käthchen. Also auch nicht kliia?" fraate der Tourist mit seltsamer Spannung. Nun, wenn sie klua ist. bin ick es auch!" rief Käthchen schnippisch. Der Tourist vergaß ganz, daß er eigentlich nach allen Regeln der Galanterie verpflichtet war, auf diefe unbesonnene Rede mit einem Comvliment zu antworten. Er versank für einige Minuten in ein tiefes, gedankenvolles Schweigen. Da rief plötzlich Käthchen entsetzt: Wahrhaftig, t regnet!" Alle stürmten zu den Fenstern. Tante Malchen erwachte mit einem Schreckensruf. Es reanet!" so kiana der allaemeine Verzweiflungsschrei. In der That, während man sick's in der Niesenbaude wohl sein ließ, hatte sich der ganze Himmel grau umzogen. Bon dem so naben Kopvenhause war keine Spur mehr zu erblicken. Langsam und gleichmaLig tropfte der Regen hernieder. Auck Tante Salcken war erwackt und eilte mit gerungelien Händen zu den Ihrigen. Es regnet!" wehklagte sie. .Was beginnen wir?" ' Wir warten ab. bis es aufbort m ? regnen und gehen dann auf die ' moppet" icylug ttatyqen vergnügt vor. tU P s f I Es sieht nach Landreacn aus!" jammerte Malchen. Gott im Him mel. was für Pech wir haben. Womöglich müssen wir hier übernachten!" Das Unglück wäre dock nickt so groß!" tröstete die Nichte. Die.Gastzrmmer m der Riesenbaude sind ganz nett. Ein: Stunde vor Sonnenaufgang wird läutet, also könnten wir -i. r .1 r r c r . cvritiv gui morgen sruq aus ore oppe sieigen. Der Sonnenaufgang entgeht uns nicht!" Die Tanten ergaben sich schweren Herzens in ihr Schicksal und sicherten sich sofort als vorsichtige Damen ein Zimmer. Käthchen warf ein Tuch über und trat vor di: Thür, um nach dem Wetter zu sehen. Es sah wirklich sehr schlimm aus. Ringsum nichts wie graue Nebelschleier, Berg und Thal waren den Blicken cntschwunden, und der Regen plätscherte hübsch gleichmäßig hernieder. Das sieht ja erbaulich aus!" 'rief eine frisch: Stimme neben ihr. Käthchen wendete sich um und sah in das hübsch: Gesicht des Tischnachbarn. O. es schadet nichts!" rief sie vergnügt. Wir bleiben über Nacht hier. Jeden Abend wird hier flott getanzt. Ich habe mich schon köstlich hier amüsirt!" Dann bleibe i'ch auch hier!" war die eifrige Antwort. Gnädiges Fräulein gestatten wohl, daß ich mich vorstelle " Nicht doch!- wehrte Kä'töcken w stig ab. Das ist im Riesengebirge nicht Mode. Hier spricht und tanzt man mit einander, ohne förmliche Bekanntschaft gemach! zu haben. Alfo wahren Sie nur auch Ihr Jncoznito, mein Herr!" Der Fremde sah sie erstaunt an. Es ist ja sehr hübsch, daß es hier so zwanglos zugeht," murmelte er. Aber ist es für eine junge Dame nicht gewagt, mit dem ersten Besten zu reden und zu tanzen?" O. ich weiß immer, wen ich vor mir habe!" rief Käthchen übermüthig. Ich kann sehr abweisend sein, wenn es mir paßt!" Auf wen taxiren gnädiges Fr'äulein meine Wenigkeit zum Beispiel?" forschte der jung: Herr amüsirc. Erstens sind Sie Ostpreuße!" tvar die heitere Antwort. D weh. da verräth mich mein Dialekt, und ich gebe mir solch; Mühe,
die verrätherischen Vokale ganz dialektfrei hervorzubringen.' Aber was bin ich meines Zeichens?" ZlymnlsiQllehrn!" erwideeKäth chen prompt. Alle Achtung vor Ihrem Scharfsinn!" rief der Ostpreuße erstaunt. Ich lsätte nicht gedacht, daß ich meinen Beruf schon sichtbar als Kainszeichen auf der Stirn tKige. Geht Ihre Hellseherei auch so weit, daß Sie meinen Namen errathen können?" So halb und halb!" rief Käthchen übermüthig. Sie haben auf Ihren Manchettenknöpfen das Monogramm M. B. Folglich werden Sie woht mit Vornamen Max heißen. Den Vatersnamen will ich nicht wissen, denn ich will auch mein Jncognito wahren!" Käthchen!" rief in diesem Augenblick eine scharfe Stimme aus der Baude. Die Tante ruft!" erklärte Käthchen eilig und huschte davon wie der Wind. Ihr neuer Bekannter sah ihr mit unverhehlter Bewunderung nach. Sie ist entzückend!" dachte er. Das reizendste Mädchen, das ich je gesehen habe, und so frisch, so munter, so natürlich, so intelligent! Ein Prachtmädel! Ich möchte wissen, wer sie ist?" Er stand noch lange im Regen in tiefe Gedanken versunken. Endlich trat er in die Baude und ließ sich ein Zimmerchen anweisen. Dort packte er seine Touristentasche aus, nahm Papier und ein Reiseschreibzeug hervor und schrieb in großen, kühnen Zügen folgenden Brief: Liebste Mutter! Auf der Riesenbaude eingeregnet, will ich die erzwungene Muße benutzen, um Dir einen recht herzlichen Gruß zu senden. Bis jetzt war meine Reise sehr genußreich. Schlesien ist wirklich ein wunderschönes Land, Und ich kann mir jetzt erklären, daß Du mit solcher Liebe an Deinen Areslauer Erinnerungen hängst. Ich werde erst auf der Rücktour den Besuch bei Deiner Jugendfreundin machen. Wenn Dir auch die Familie Reimann sehr an's Herz gewachsen ist, so sind es mir doch Fremde. Namentlich von Fräulein Reimanns Bekanntschaft verspreche ich mir nichts. Ich habe eine Ahnung, daß ste häßlich, dumm und unlievenswürdig sein wird. Jedenfalls werde ich aber Deinen Wunsch erfüllen und die Familie kennen lernen. Mit tausend Grüßen in Liebe Dein treue? Sohn ' Max." Diesen Brief adressirte er an die verwittwete Frau Oberlehrer Bertram in Königsberg, steckte ihn in den Kasten und begab sich wieder in das große Gastzimmer. Hier ging es schon heiter zu. Die Musikanten spielten einen flotten Walzer. Stühle und Tische waren bei Seite geräumt worden und die tanzlustigen Paare wirbelten umher. Käth-
chen schwebte in den Armen eines Görlitzer Einjährigen durch den Saal und MaxBertram fühlte bei diesem Anbli schon eine leise Anwandlung von Eifersucht. Er faßte neben den Tanten Posto, die kein Auge von ihrem Schützling abwendeten, und sobald Käthchens Tänzer sie an ihren Platz zurückführte, machte er seine Verbeugung. Ein eigenthümliches Gefühl der Wonne ergriff ihn, als er die fchlanke Gestalt umfaßte, er hätte immer so, getragen von den Klängen der blauen Donau, mit dem reizenden Mädchen dahinschweben mögen. Im Laufe des Abends engagirte er Käthchen noch so oft, daß die Tanten ihn schon mit zornigen Blicken maßen. Punkt ?ehn Uhr zogen Salchen und Malchen sich mit ihrem Schützlinge zurück. Max Bertram verließ wenige Minuten nach ihnen den Saal. Sobald Käthchen verschwunden war, hörte das Vergnügen für ihn auf. Am nächsten Morgen erwachteTante Malchen nach einem langen, erquickenden Schlummer in bester Laune. Sie sekte sich im Bett auf und sah, daß das Zimmer noch ganz dunkel war. Es ist noch Rächt!" dachte sie. Ich werde noch ein bisch:n dämmern, bis es zum Sonnenaufgang läutet!" Malchen legte sich auf die andere Seite, aber si: war so munt:r, daß sie vergebens auf den Schlaf wartete. Nach einer Weile richtete sich Salchen empor. Malchen." rief sie, hat es schon geläutet?" Gott bewahre, es ist ja noch mitten in der Nacht." Ich werde doch einmal nach der Uhr sehen!" meinte Salchen. Sie machte Licht und stieß im nächsten Augenblick einen schrillen Schreckensschrei aus. Herr des Himmels, es ist neun Uhr, und in der Baude ist es so still wie in einer Kirche. Sollte es wieder regnen?" Es regnete nicht wieder, sondern noch immer. Der Regen, plätscherte noch ebenso gleichmäßig und anhaltend hernieder, und als Käthchen aus dem Fenster blickte, sah sie nichts wie bleigraue Wolkenmassen, Es ist trostlos!" jammert Tante Malchen, der Thränen nahe waren. Gott behüte. Tantchen, nimm's nicht so tragisch!" rief Käthchen fröhlich. Man kann doch nicht immer nur bei gutem Wetter Gebirgspartien machen! Ich finde es sehr lächerlich, in der Riesenbaude gefangen zu sein. In ein paar Stunden hört es sicher auf zu regnen, nur Geduld!". Als sie in die Restaurationszimmer traten, war ein großer Theil der gestrigen Gesellschaft noch versammelt, nur ein paar tollkühne Seelen hatten sich trotz Regen und durchweichten Weges fortgewagt. Bei Käthchens Ein-
tritt sprang sofort ihr Bekannte? auf und grüßte verbindlich: Ist den Damen vielleicht gefäNg. an meinem Tiscö Platz zu nehmen? Reben der Thür wird es sehr ziehen!" Tante Salchen leuchtete der Grund ein.und sie nahm die Aufforderung an. Etwas später stieß Malchen zu den Ihrigen. Ich habe den alten Ende gefragt, was er zu dem Wetter meint!" rief sie kläglich. Aber diese Leute sind so,unbestimmt mit ihren Wetterprophezeiungen. Er widersprach sich in drei Sätzen viermal. Ich fürchte schon, daß es heute vielleicht gar nicht aufhört zu regnen!" Erst das ausgezeichnete Frühstück gewährte Malchen einigen Trost. Nach her ergrisf sie ein: etwas altbackene Zeitung, Salchen begann die mehr oder weniger geistreichen Inschriften des Fremdenbuchs zu studiren, und Käthchen plauderte munter mit Max Bertram. Es war geradezu erstaunlich, wie viel Anknüpfungspunkte diese beiden Menschen besaßen, die sich erst Tags zuvor kennen gelernt hatten und nicht einmal den Namen, des Andern wußten. Käthchen las leidenschaftlich gern, ihre Lieblingsautoren waren auch di: Bertram's. Käthchen war musikalisch; schwärmte für Chopin, Schumann, Schubert, Mendelssohn und Bertram mit ihr. Käthchens Passion war das Theater, und sie hatte viele hervorragende Künstler gesehen, die auch Bertram bewunderte. Trotz dieser lebhaften Unterhaltung wurde das Gespräch nie persönlich, und Käthchen vermied sittlich, die geringste Ausklärung über ihre reizende, kleine Person zu geben. Es wurde Mittag und noch immer goß es in Strömen. Hin und wieder erschienen kühne Wanderer, naß wie die gebadeten Katzen, und wurden meist mit der begierigen Frage begrüßt: Wie steht's mit dem Wetter? Wird sich'ö bald aufklären?" Die Sonne scheint ja schon!" erklärte ein schnoddriger Berliner. Ich habe blos ein Douchebad genommen, davon bin ich so naß!" Salchen und Malchen hatten Zeiiung und Fremdenbuch längst weggeworfen. Sie- sangen jetzt zweistimmig Klagelieder und warfen zornige Blicke auf ihre Nichte, die gar so angelegentlich mit dem Unbekannten plauderte. Aber Käthchen that wie Goldschmied's Junge, sie lietz sich in ihrem Vergnügen nicht stören. Wenn es bis um drei Uhr nicht aufhört zu regnen, gehen wir nach Krummhübel zurück!" erklärte Malchen endlich zornig. Aber Tantchen, willst Du Dir muthwillig einen Rheumatismus holen?" fragte Käthchen sanft. Und die arme Tante Salchen würde sich gewiß eine schwere Grippe zuziehen." Malchen war überwunden. Wenn dieser Mensch sich wenigstens entfernen wollte!" dachte sie mit heimlichem Grimm. Er hängt wie eine Klette an Käthchen. Womöglich ist er ein Hochstapler, der es auf ihr goldene Uhr abgesehen hat." Für einen jungen Herrn dürfte doch das Wetter nichts Abschreckendes haben!" wendete sie sich in aufreizendem Ton an Bertram. Gnädiges Fräulein," war die ruhig- Antwort, ich bin Philosoph. Ich versuche niemals, mit dem Kopf durch
die Wand zu dringen. Wenn die Sonne wieder lacht, setze ich memen Weiterstab weiter, so lange amüsire ich mich ln bu Riesenbaude. Man muß die Feste feiern, wie sie fallen!" Er war wirklich nicht abzuschütteln, und es war auch unmöglich, vor ihm die Flucht zu ergreifen, denn es regnete unaufhörlich und die abschüssigen Wege glichen schon kleinen Wasserfällen. Die Tanten verwünschten heimlich ihre unglückselige Partie, während Käthchen sich himmlisch amüsirte. Der alte Harsner sang abwechselnd heitere und schwermüthige Lieder, und seine schöne Gefährtin ging ebenso re gelmäßig mit dem Teller herum. Dazwischen wurde immer wieder einmal ein Tänzchen gemacht, und dcr hübsche Ostpreuße wich nicht von Käthchens Seite. Ihr bereitete der Wolkenverhangene Horizont keinen Verdruß, im Gegentheil, sie hätte die Gesängenschast auf der Riesenbaude noch verlängern mögen. Ihre stummen Gebete wurde erhört. Erst am dritten Tage klärte sich der Himmel auf, als die Tanten schon am Rande der Verzweiflung waren. Jetzt aber ohne Säumen auf die Koppe!" rief Tante Malchen diktatorisch. An diese drei Tage werde ich denken!" Ich auch!" flüsterte Bertram seiner reizenden Nachbarin in's Ohr. Diese drei Tage waren die glücklichsten meines Lebens. Werde ick Sie mithtTlehtn fSrnuUin &nihr,2" f VIk vi y V V v Käthchen erröthete heiß und blickte verschämt zu Boden, dann begann btx Muthwille schon wieder die Oberhand in ihr. Freilich!" lachte sie. Ich denke, Sie gehen auch auf die Koppe! Dort oben ist keine solche Wüste, daß man sich verfehlen könnte. Auf Wiederfehen!" Sie eilte den Tanten nach. Max Bertram wagte es nicht,' sich den drei Damen anzuschließen. Die Tanten hatten ihm zu unverhohlen ihr Mißfallen gezeigt. Er folgte nach einer Anstandspause. Sie ist ein entzückendes Geschöpfchen!" dachte er, als er den steilen ttoppenkegel erklomm. Wenn ich nur wüßte, wer sie ist! Sie muß einer gebildeten Familie angehören, das ben?eist ihr ganzes Wesen. Was würde Mutter sagen, wenn sie wüßte, daß ich j mich in ein Mädchen verliebt habe, des
sen Vatersnamen ich nicht einmal kenne! Aber das ist der coup de foudre", an den ich niemals glauben wollte. Wenn ich nur Näheres über Käthchens Eltern wüßte! Vielleicht steht sie so hoch über mir, daß ich sie nicht begehren darf; vielleicht auch klebt an der Familie irgend ein Makel. Ah, ich wollte, ich hätte Gewißheit!" Als er das Koppenhaus erreichte, waren die Tanten allein im großen Saal. Er nahm an ihrem Tisch Platz, obwohl die ältlichen Damen ihn mit wenig Freundlichkeit empfingen. Tante Malchen schrieb in schnörklicher, altmodischer Handschrift eine Karte. Jetzt füllte sie in sorgfältigen Zügen die Adresse aus. Bertram konnte nicht umhin, verstohlen auf den Namen zu schielen. Er wollte seinen Augen nicht trauen. War es möglich? Wahrhaftig, er hatte recht gesehen. Tante Malchen adressirte in deutlichen Zügen: Herrn Steuerrath Reimann, Bres lau." Max Bertram ging plötzlich ein Licht auf über seine reizende Neisebekanntschast. In der Freunde seines Herzens hätte er am liebsten laut aufgejauchzt. Jetzt begriff er. warum Käthchen so sorglich ihr Inkognito gewahrt hatte, jetzt wurde ihm klar, warum sie sofort seinen Wohnort, Beruf, ja sogar seinen Vornamen errathen hatte. Seine Mutter hatte ihn bei Frau Steuerrath Reimann angemeldet, und er hatte sich dann selbst durch seine Frage nach der Familie Reimann verrathen. Er konnte das Lachen nicht bezwingen, als er daran dachte, wie det klein: Schalk sich selbst vor ihm schlecht gemacht hatte. Bertram war überglücklich, daß das Räthsel sich so freundlich gelöst hatte; aber er beschloß. Käthchen für ihren Muthwillen ein klein wenig zu strafen. Er trat auf die Platform. Dort stand Käthchen vor dem Riesenteleskop. und schaute aufmerksam hindurch. Ah, da sind Sie ja!" rief sie vergnügt. Ich suche gerade Trautenau. Jetzt habe ich es. Ö, wie die Fenster in der Sonne glänzen. Man sollte garnicht denken, daß es überhaupt einmal geregnet hat." Gnädiges Fräulein," begann Vertram ernst, ich komme, um mit Ihnen zu empfehlen! Ich will meine Tour abkürzen und direkt nach Hause zurückkehren." Käthchen wurde plötzlich sehr blaß. Ich denke, Sie wollten noch Freunde in Breslau besuchen?" stammelte sie. . Allerdings!" entgegnete Bertram. Aber ich habe meine Absicht aufgegeben. Sie haben mir die Familie des Steuerraths Neimann als so unliebenswürdig geschildert, daß ich begreiflicher Weise nicht darauf brenne, diese Bekanntschaft zu machen." Käthchens Augen füllten sich mit Thränen. Ich sprach ja nur von der Tochter!" flüsterte sie in grenzenloser Verlegenheit. Ich schließe von der Tochter aus die Eltern!" entgegnete Bertram ernst. Aber die Eltern sind wahre Prachtmenschen!" rief Käthchen eifrig. Ich denke, Sie kennen den Steuerrath nur . ganz flüchtig?" forschte
Max. Käthchen blickte zu Boden. Auf lhrem reizenden Gesicqtchen kämpften Aerger und Verlegenheit. Sie hatte sich in der eigenen Falle gefangen. Als sie ihre Identität leugnete, hatte sie sich den Schluß des kleinen Abenteuers ganz anders gedacht. Sollte sie jetzt Farbe bekennen und sich auslachen lassen? Was war das? Da lachte ja schon Bertram laut und lustig. Fräulein Käthchen Reimann." rief er. Ihr Inkognito ist durchschaut. Verzeihen Sie den kleinen Scherz, den ich mir mit Ihnen erlaubte, es war nur Revanche!" Käthchen schlug fröhlich in die dargebotene Hand und lachte herzlich mit. Bertram stellte sich jetzt in aller Form den Tanten vor und wurde in Gnaden als Reisemarschall angenommen. Gemeinschaftlich mit den Damen fuhr er nach beendeter Tour nach Breslau, und acht Tage später war er Käthchens glücklicher Bräutigam. Beim Verlobungsfest brachte er einen Toast auf die Riesenbaude aus. In den drei Regentagen daselbst habe ich das Glück meines Lebens gefunden!" schloß er strahlend. Warte nur ab," rief Käthchen übermüthig. Dir werden noch die Augen aufgehen! Wenn wir zehn Jahre verheirathet sind, wirst Du die Riesenbaude verwünschen und klagen: Dort bin ich aus dem Regen in die Traufe gekommen!" Bertram antwortete nicht. Er zog es vor, dem holden Schalk mit Küssen den Mund zu schließen. Soldatenbrief. 'Liebe Eltern! Ich hab' immer kein' Zei! - zum schreiben und het' rruch jetzt kein' Zeit zum. schreiben, wann ich nicht . Geld brauchet schikd mir gleich zehn Mark es grüst eier Sohn Franz. Lesjexron. Studiosus : Hm, da heißt es in dnr Blättern oft. daß die Welt voll Ungläubiger sei. Unsinn! Erst heute morgen waren sieben Gläubiger bei mir!" Heimgeleuchtet. Tourist (Geck, an dem Wirthstische sich über einige, kleinstädtisch; Einrichwngett lustig machend): Hören Sie, mein Lieber, bei Jhneu hier stirbt wohl die Dummheit nie aus?" EMeimjscher (kurz): Nein, denn immerwährend kaben wir hier ja Fremden-Zufluß."
Gin alter Taucycr.
Nöram Ondcrdonk auf fccnt Meerc55oden. Arbeiten, roclche Muth verlangen. Von Sceungeheuern anLkgriffen. Einsame Gegenden und rcrlaffene Schiffe. Der älteste Tiefsee-Taucher des Landes ist Abram Onderdonk, welcher zur Zeit mit einer Erfindung zum Heben gesunkener Schiffe beschäftigt ist. Gegen 37 Jahre wohnte der Mann nahe Fort Tompkins. Staten Island, von wo aus er seinen Taucher-Geschäften oblag. Auf seine Laufbahn zurückblickend sagte er kürzlich: Ich habe so ziemlich Alles gesehen, was ein Taucher zu sehen vermag. So ein Spaziergang auf dem Meeresboden ist ein merkwürdiges anregendes Vergnügen, vielleicht gerade, weil er manchmal nicht ganz ohne Gefahr ist. Mit Muth und Vorsicht braucht man sich, übrigens nicht besonders zu fürchten. In einzelnen Gegenden kann der Schwertfisch dem Taucher Schrecken einjagen. Der Fisch mit seiner kurzen aber starken und tödtlichen Waffe schwimmt kerzengerade auf den von ihm 'ausersehenen Gegenstand los. Er geht nur den Felsen und den eisernen Schiffsbäuchen aus dem Wege. Einmal in meinem Leben ist mir passirt, daß ein Schwertfisch direkt auf mich zuschwamm, während ich aus dem Verdeck eines gesunkenen Schiffes arbeitete. Die Haare standen mir zu Berge, doch erhob ich meine Axt zum Schlag. Das Ungethüm aber bog seitwärts ab als es mich nahezu erreicht hatte, und ich sah mit großem Vergnügen, wie es in der Ferne verschwand. Die kleinen Fische umschwimmen den Taucher in große? Anzahl und belästig gen manchmal seine Hände oder glotzen mit ihren großen runden Augen durch die Scheiben des Helms. Die großen Seekrebse hängen sich an seine Gummistiefeln, die sie nicht selten mit ihren Scheeren angreifen. Ich muß bemerI ken, daß sich die Taucher in den nördlii Y. ... . ? r. cm.n. cyen jayen nur oei lauem iiicc der Handschuhe bedienen, da sie sich auf ihrenGefühlssinn verlassen müssen.Das Wasser ist in genannten Häfen so unrein, daß man in einer Tiefe von 20 Fuß kaum mehr zu sehen vermag. In den südlichen Gewässern, wie z. V. im Golf von Mexiko ist es noch in einer Tiefe von 60100 Fuß hell. An der Nordkllste von Südamerika ist der Meeresboden so eben wie der Boden eines Tanzsäales. Das Gehen in einem Tauchcr-Anzug ist - mühelos, wenn auch langsam. Man schwebt daher. Die Gegenstände erscheinen alle vergrößert. An manchen Stellen in genannter Gegend bedecken den Boden aanze Gelder von Wasserpflanzen in denen sich unzählige Arten von Seethieren aufhalten. Einige derelben sind von merkwürdigem Aussehen. Unter ihnen befinden sich aber auch die gefürchteten Tintenfische. Einer der Letzteren, ein Bursche, dessen achtFangarme eine Länge von 9 Fuß hatten, überfiel einen meiner Leute an der Küste von Neuseeland. Der Mann war an dem Fundamente einer Werfte beschäftigt, als ihn der Fisch von hin!en angriff. Es war ihm unmöglich sich aus den Fangarmen des Ungethüms zu befreien. Er verhielt sich daher einige Zeit ganz ruhig, bis der Fisch seine Umarmung etwas lockerte. Hierdurch bekam der Mann den Arm srei und konnte das Signal zum Ausziehen geben.' Als er auf der Oberfläche des WasserS erschien, hing der Fisch auf seinem Rücken, ließ sich aber schnell in das Wasser zurückfallen. Einen schrecklichen Anblick gewähren manchmal die Scenen um ein gesunkenes Schiff. Man mag noch so muthig sein, aber hie und da stehen einem doch die Haare zu Berge, besonders wenn einen plötzlich in nächster Näh: ein Todtenschädel angrmst. Als vor etwas über drei Jahren im Stillen Ocean de? Dampfer City of Ehester" infolge eines Zusammenstoßes unterging, wurde einer meiner Collegen ge-
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gen einen Tagelchn von $150 angestellt, eine Untersuchung des Schiffes vorzunehmen. Als er den Schiffsraum betrat, stieß er auf einen Mann, welcher aufrecht dastand und in Stricke verwickelt war. Die Zunge hing der Leiche aus dem Munde, während der Körper zu seiner doppelten Größe angeschwollen war. In kurzer Entfernung von dieser Leiche, erblickte der Taucher ein Opfer, welches auf den Knien lag und einen dritten Mann um die Lenden gefaßt hatte. Der Taucher hatte genug gesehen, er ließ sich an di: Oberfläche ziehen und kehrte nur noch in Begleitung eines zweiten Tauchers nach dem Schiffe zurück.
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Ich selbst habe genug ähnliche Dinge gesehen. Es gibt keinen einsameren Ort als das Innere eines gesunkenen Schiffes. Aus dem englischen Dampfer Albatroß" habe ich neun Leichen nach der Oberfläche gefördert. Die Letzte war die Leiche eines jungen Weibeö, welches mit weit aufgerissenen Augen auf dem Bette lag. Als ich ihre Hände losmachte, drehte sie sich um, erhob sich und beugte sich über mich. Ich fiel nahezu in eine Ohnmacht. Ein andermal schwamm mir in der Dunkelheit der Tiefe eine Leiche in die Arme. Als ich sie nach oben brachte, stellte es sich heraus, daß die Leiche ein Kind in den Armen hatte. Mutter und Kind müssen im Schlafe vom Tode überrascht worden sein, denn sie hatten die Augen geschlossen und ein tiefer Friede ruht: auf ihren Gesichtszügen. Zum Schlüsse möchte ich noch be merken, daß die Taucher neuerdings bei elektrischem Lichte arbeiten können. was ihre Arbeiten natürlich bedeutend erleichtert. Auch den Fischen scheint die Neuerung zu gefallen, denn siä kommen in solchen Schwärmen aus das Licht zugeschwommen, so daß si? emen häufig an der Arbeit hindern. Elegie. In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Dort lag ich manche Stunde Und aß umsonst mich satt. . Die Müll'rin hatte nämlich Ein Mädel rund und prall. Das war ein Bißchen dämlich. Doch gut auf jeden Fall. Und sah ich dann dem Spiele Der muntern Räder zu. Kam Annelies aus der Müh!: Und theilte meine Ruh. Und brachte Wurst und Schinken. Brod, Butter, Käse an, , Dazu auch was zu trinken: Just wie man's wünschen kann. . Und wollt' ich dann si: küssen. Natürlich nur zum Lohn Für ihre leck'ren Bissen, Dann lief sie flink davon. Und ich? ich ließ sie laufen. Lag mir ja nichts daran! Wozu um Küsse kaufen, 4 Was man so haben kann? Nun ist manch Jahr entschwunden. Das Bächlein rauscht noch fort. Und ich in Mußestunden Ruh' manchmal wieder dort.. Dann seh ich. dick und grämlich. Auch noch die Annelies. Gott Dank, daß sie so dämlich Und sich nicht küssen ließ. Militärische Blumenspräche. Sergeant (zu einem Nekruten. der sich etwas ungeschickt anstellt): Kcrl, wo habe ick Dir doch schon 'mal durch 'n Nadelöhr gehen 'sehen?!" Vergriffen. Rentier (einem Freier sein: häßliche, mit auffal lend großer Nase gesegnete Tochter vorstellend): Nun, Herr Mayer, wie gefällt Ihnen meine Tochter?" Freier: Sehr gut wenn Sie ihr mit 30,000 Mark uafc fci: Nase grnr rf..! in; rauucu;
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