Indiana Tribüne, Volume 17, Number 192, Indianapolis, Marion County, 1 April 1894 — Page 7
Briefe aus Deutschland.
Von Wilhelm Kaufmann. Dresden Anfang Marz. f Die Reden. Kelche Wilhelm der Zweite alljährlich beim Festmahl des Brandenburger Landtags zu halten pflegt, haben eine gewisse Berühmtheit. Hier kam die Zerschmetterungsredezum Vorschein.später die vom Staubabschütteln". In den letzten beiden Jahren waren die Brandenburger Reden zahmer, doch hat auch die diesjährige eine Stelle, welche den vor 150 Jahren von Friedrich dem Großen, als jungemPrinzen vertretenen Anschauungen direkt widerstreitet. Der Kaiser sagte nämlich, daß die Hohenzollern nur deshalb so Großes bewirkt hätten, weil sie sich als von Gott eingesetzt be trachten und nur ihm und ihrem eignen Gewissen Rechenschaft schulden. Im späteren Verlauf der Rede vermißt der Kaiser die Freude an unserem geeinten großen Deutschen Reiche" und er fordert auf, von anderen Völkern diese Freud? zu lernen. Ich greife dabei zurück auf das uns stamm und religionverwandte Volk der Holländer, in dem der Große Kurfürst seine .erste Jugend zubringen durfte, um Das, was er dort lernte, nachher für das große Ganze zu verwerthen. Wie dort im Volksbewußtsein Das, was das Herrscherhaus für Holland gethan, fest eingewurzelt ist, Das geht aus der einfachen, rührenden Begebenheit hervor, die sich zutrug, als einst eine holländische Vauernfrau mit ihren kleinen Kindern an das Haus hintrat, wo in der Mauer die Kugellöcher zu sehen waren von jenem Mörderschuß, durch den Wilhelm von Oranien gefallen war. Als die alte Frau an diese Stelle gekommen, da wandte sie sich zu ihren Kindern und zeigte mit dem Finger darauf und sagte: Dat is Wilhelm!" Nun. das Selbe wollen wir auch thun!" Wenige Tage vorher hatte Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Kaisers, in einer landwirthschaftlichen Versammlung einen ähnlichen Gedanken in folgende Worte gefaßt: Eine jede Vereinigung, die eine besondere Bestrebung über sich hat, sieht gern noch zu einem höheren Wesen hinauf. Ich meine, meine Herren, wir stehen am Ende des neunzehnten Jahrhunderts unter einem Zeichen, einein großen Zeichen, und das ist das Zeichen: Wilhelm der Zweite!" Diese beiden Reden lesen sich ja fast, cls ob der Kaiser das Bedürfniß hätte, seine Verdienste lauter anerkannt zu sehen.jedenfalls kann man daraus construiren.daß die Reichspolitik nicht als eine vomReichskanzler gemächte.sondern als eine persönlich kaiserliche Politik betrachtet werden soll. Dat is WilHelm" sollen auch die Deutschen rufen, bei jedem vom Bundesrath ausgehenden Vorschlage Das wäre ein völligesAbweichen von der vonWilhelm demErsten klug verfolgter Politik, welcher nur in wichtigen Militärangelegenheiten selbst in den Vordergrung trat, sonst aber stets durch die Verantwortlichkeit seines Kanzlers gedeckt wurde. Wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, ist die Entscheidung über den russischen Handelsvertrag bereits gefällt, und es scheint deshalb zwecklos, hier näher auf die hochinteressante Redeschlacht einzugehen, welche gegenwärtig im Reichstage ausgefochten wird. Nur auf einen Umstand, sei hingewiesen: Die junkerlichen Gegner des Vertrages fürchten sich vor ihrem etwaigen Siege also, vor der Abweisung des Verträges noch mehr, als die, in solchem Falle, geschlagene Regieruna. Denn sollte der Vertraa verworfen und der Reichstag in Folge denen ausgelost werden, so wurden die Herren Junker am allerschlechtesten dabei fahren. Sie würden bei einer Neuwahl viele Sitze an die Liberalen abtreten müssen. Sie haben überHaupt den Wahlkampf zu scheuen, in welchem es sich handelt um die Sonderinteressen der Großgrundbesitzer gegenüber den berechtigten Forderungen von Handel und Industrie. Aber auch der Kaiser und sein Kanzler Caprivi haben allen Grund zu wünschen, daß der Handelsvertrag ohne Auflösuna des aeaenwärtiaen Reickstaas zur Annahme gelangen möge. Denn die vielen neuen Steuerpläne, welche in Folae der starken öeeresvermebrung nothwendig werden, harren noch der Erledigung und die Regierung bedarf der konservativen Stimmen zu deren Annahme. Heute kämpft die Regierung im Bunde mit den Socialde mokraten, Freisinniaen. Welsen. Vo len und anderen Reicösfeinden aeaen die Junker für den Handelsvertrag und morgen hat Dieselbe Regierung dieselben Junker wieder nöthig, um mit ihrer Hilfe die Steuerdroiekte durchzubringen gegen das Votum der -rothen Regierungsparteien von gestern Vor einigen Tagen legte der Führer ider Socialdemokraten auf den Tisch des elazs:ags ewige aus DeutschWestafrika geschickte Peitschen aus Flußpferdhaut nieder mit der Bemerrtixna: Das sind Eure Culturträgcr." Mit solchen Peitschen hatte der ! celcrisbeamte Leist m Kamerun die 'Weiber der in deutschem Solde stehenden Dahomey-Soldaten durchprügeln ianen uno dadurch den blutigen Militäraufstand in Kamerun veranlaßt. Der Vorwurf Bebels ist durchaus gerechtfertigt. Die schneidigen jungen : Assessoren, welche von der deutschen Regierung als Verwaltungsbeamte nach den Colonien geschickt wurden, : haben von Peitsche und Strang häufig in geradezu grausamer Weise Gebrauch gemacht. Ein eben der Universität entlaufener junger Jurist, dessen Menschenkenntniß sich in der Regel .auf einen kleinen Freis von Gleiche-
sinnten beschränkt, ist wohl die denkbar schlechteste Persönlichkeit als Statthalter unter wilden Völkern. Aber die Juristen spielen auch in Deutschland eine große Rolle, wenn sie auch noch nicht ganz so als Alleskönner" angesehen werden, wie in den Ver. Staaten, (die ja der Ausbeutung durch Hunderttausende von hungrigenLawyers" rettungslos preisgegeben zu sein scheinen, und die das schöne Land ruiniren würden, wenn es überhaupt ruinirt werden könnte). Aber auch in Deutschland drängen sich die Juristen in alle tiöheren Verwaltungsfächer ein, und so sind denn auch die sog. Colonien ihre Domäne geworden. Deutschland hätte in den Angestellten der großen Hamburger und Bremer HandelsHäuser genügend erfahrene Leute für Verwaltungsposten in den Colonien finden können, Männer, welche sich Jahrelang in den Tropen aufgehalten haben, acclimatisirt sind und durch ihren kaufmännischen Beruf darauf angewiesen waren, sich das Vertrauen der Schwarzen zu erwerben. Ab diese Kaufleute haben kein Stac-tsera-men bestanden,' nicht einmal den Dok tor gemacht und deshalb sind sie im bureaukratischen Deutschland für den Colonialdienst nicht verwendbar. Die deutschen Colonieen verschlinaen jedes Jahr mehrere Millionen Mark und eine erschreckende Anzahl von Menschenleben. Eingebracht haben sie bisher so gut wie gar nichts, abgesehen von einer besseren Kenntniß des Landes und einer mit beträchtlichen Gefahren verknüpften Rivalität mit England und namentlich Frankreich. Es ist ein beständiges Kriegführen nothwendig gewesen, um in den weitausgedehnten Gebieten der deutschen Flagge nur einigermaßen Autorität zu verschaffen. Weiße können in den deutschen Colonien nicht leben, das Klima ist ein so mörderisches, daß das Beamtenpersonal, oder vielmehr' derjenige Theil, welcher noch übrig geblieben ist, alle zwei abre gewechselt werden muß. Deutschland wird also niemals seinen großen BevölkerungsÜberschuß nach diesen unter dem Aequator belegenen Colonien hinleiten können, sondern sich im allergünstigsten Falle mit den problematischen Erträgnissen einer späteren Plantagenwirthschaft zufrieden geben müssen. Ist das aber der Einsatz werth? Die in Afrika verpufften Millionen an Geld und die bisher dort an den Tag gelegte Energie hätten viel sicherer und nutzbringender angelegt werden können, wenn sie z. B. zur Verbesserung der Wasserstraßen in Deutschland angewendet worden waren; zur Verbindüng der großen Ströme und zur Schaffung eines ähnlichen Netzes von Canälen, wie es z. B. Frankreich schon längst besitzt. Das Verlangen der Deutschen nach Colonialbesitz ist ja ein wohl berechtigtes. Denn kein anderes Volk, selbst das britische nicht ausgenommen, hat so viel natürliche Bestimmung zur Colonialarbeit, als das deutsche, und zwar weil kein anderes Volk so viel als Culturträger brauchbares MenschenMaterial abzugeben hat. Wer weiß, wie die Weltkarte heute aussehen würde, wenn vor 200 Jahren ein einZeitlich geleitetes deutsches Reich be-
standen hätte, das stark genug gewesen wäre, den ausgewanderten Vev'ölkc rungsüberschuß. so lange im Auslande zu schützen, als zu einer gedeihlichen Kraftentwicklung nothwendig war. Aber als endlich die Deutschen sich an die Ausführung ihrer Coloniepläne machten, da war die Erde fchon vertheilt und sie mußten mit den von anderen Volkern übrig gelassenen schlech testen Brocken vorlieb nehmen. Die Geschichte der Colonien beweist. daß nur die gcrmanlscyen Volker Erfolge als Culturträger aufzuweisen haben. Portugal und Spanien haben meist die Welt beherrscht, aber das ist sowohl ihnen selbst, als den von ihnen beqluckten Landern zum Fluch ge worden. Auch die Franzosen haben in Jahrhunderte langer Culturarbeit fast nur Schlappen erlitten, ausgenommen in dem ganz nach englischen vJlu ster besiedelten und nur wenige hundert Meilen vom Stammlande entfernten Algerien, dessen Unterwerfung übrigens ungeheuer vielGeld und Men schenopfer gekostet hat. Die Engländer dagegen haben ihre Sprache und ihre Flagg: über die ganze Erde getragen und dos britische Weltreich hat seit 100 Jahren beständig an Macht und Größe zugenommen und das Mutterland m großartiger Welse be fruchtet. Holland ist ausschließlich in Folge seiner Colonien das relativ reich ste Land Europas geworden. Deutsch-. land dagegen, das volkreichste unter den germanischen Ländern, hat sich damit begnügt, die englischen und hollandi schen Eroberungen mit Menschenmaterial auszufüttern. Und gerade die Erkenntniß des Letzteren hat der verfpäteten deutschen Colonialschwärmerei Rückhalt gegeben. Die ausgewandorten Millionen Deutsche betrachtet man als einen nie wieder gutzumachenden Verlust. Was hätten diese Millionen ihrem Mutterlande wohl genützt, wenn es Engländer gewesen wären? Ja, wenn wenigstens die nach den Ver. Staaten gewanderten Deutschen einen der dortigen Unionsstaaten ausschließlich besiedelt hätten, was wäre das für ein Gewinn für Deutschland gewesen?' So lese ich in einer jungst erschienenen Schrift der Colonlalschwarmer. Ob es wirklich ein so besonderer Vortheil für Deutschland geweftn wäre, wenn einer der Unionsstaaten, z. B. Wisconsin, ausschließlich von Deutschen besiedelt worden wäre? Ich kann keine Gründe dafür finden, dagegen meine ich, daß ein solcher völlig deutscher Staat, mit deutsch:? Sprache des Markts, des Gerichts..
Gesetzgebung, von betrachtlichem Vortheil für Amerika hätte sein fön nen. Diese Ansicht stützt sich nicht auf
sentimentale Grunde, obschon auch diese eine Berecktiauna baben. sondern ausschließlich auf praktische Gründe. jüit Gefahr, daß das Wlsconstner Deutsch ein ähnlicher Mischmasch geworden wäre, wie eZ vor 130 Jahren das Pennsylvanisch-Deutsch geworden ist. laa nickt vor. denn Wisconsin wurde von einer größeren Anzahl geblideter Deutschen besiedelt und stand in reaem aeistiaen Berkebr mit dem Mutterlande. Auch der etwa erhobene Einwand, daß die Gründung emes solchen rein deutschen Staats unamerikanisch gewesen wäre, ist nicht zutrefsend, enn was rjt m Wirklichkeit amerikanisch? !tft es die in den Ver. Staaten gesprochene Sprache ShakeIpeares und Mlltons, sind es die Landessittcn. welche den enaliscken aufs Haar ähneln, ist es das dem Englisehen genau nachgebildete und heute Noch bäufia auf enaländiscken VrocekEntscheidungen fußende amerikanische Recht? Sind die berüchtigten blauen isejetze Connecticuts etwa amenkaNijcy, oder icht vielmehr echte Kinder des englischen Vuritanertbums: ist der Vacillus der Sabbathmuckerei und der aller Vernunft hohnsprechenden Temperenz- und Prohrmtlonsgesetze dem amerikanischen Boden entsvrunaen. oder ist er nicht vielmehr aus England eingeschleppt worden? Wohin wir blicken in den Ver. Staaten, in Haus und Kirche, in Gesetzgebung und Gericht, auf den Markt und an die Börse, ja sogar in Küche und Keller, an die Familientafel und in das stille Walten des Frauenlebens, überall stoßen wir auf englische Muster, und wo wir eine Abweichung bemerken, da ist es eine zuernarlung des englischen Vorbilds, eine Verstärkung, welche nur beweist, vay die puritanischen Stammv'äter, welchen wir alle diese sckönen Dinge verdanken, eine fanatisirte Auslese des englischen Volksstammes miDtwz. Die Errichtung, eines rein deutscken Gemeinwesens in den Ver. Staaten wäre deshalb nicht als unamerikanisck anzusehen, denn in einem solchen Gemeinwesen würde nicht amerikanischen Grundanschauunaett tniatatnatiTtttn. sondern nur englischen. 5tä alaube icht, daß die extremen, Temperenzund ProyibittonsgeseHe, welche wir jetzt antreffen, hätten aufkommen son nen, wenn wir auf einen rein deutsehen Unlonsstaat hatten hinweisen können, der gewiß hlnier keinem anderen Staate in Bezua auf Sittlickkeit und Moral zurückgestanden wäre. bei Wahrung xtm deutscher Anschau ungen in Bezug auf heiteren Lebensgenuß. Auch meine ich. dem der in der (Schweiz gelieferte Beweis völliger Gleichberechtigung zweier sogar dreier Landessprachen m einem derartigen amerikanischen Staate mit derselben überzeugenden Kraft hatte geführt werden können. Von welchem Nutzen das für die Erhaltung und Pflege unserer Muttersprache im ganzen Gebiete der Ver. Staaten gewesen wäre, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Aucb in politischer Beziehung konnte man m der Existenz eines rein deutschen UkionsstaateZ wesentliche Vortheile erblicken, jedenfalls weit mehr Vortheile als Nachtheile. Was hilft es den amerikanischen Deutschen, wenn sie mit Reckt betonen, daß sie verhältnißmäßig mehr Soldaten für das Unwnsheer gestellt haben, als iraend ein anderes Bevölkerunaselement, einschließlich derAna-lo-Amerikaner, und wie wenig kommt es zur Geltung, daß sie im Kampfe gegen den Grünbackfchwindel einig waren und den Ausschlag zu Gunsten einer ehrlichen und gesunden FinanzPolitik gaben, ihre Zersplitterung macht sie als politischen Factor nur unter ganz selten eintretenden VerHältnissen bemerkbar.' Dagegen wäre die Eristen-, eines rein deutscken Staates ein Ding, mit welchem die amerikanische Politik b e st a n d t g zu rechnen haben würde. Ich habe genug gesehen von der in Amerika vom deut' schen Volke bethätigten Culwrkraft, um fest zu glauben, daß ein solche? Staat dem deutschen Namen Ebre aemacht hätte und in mehr als der schon angedeuteten Beziehung als Muster staat zu betrachten aewesen wäre, tret lich. ein sehr langes Leben hätte ein solche? Staat wohl nicht gehabt, nach einigen Generationen Ware der Einfluß der umliegenden Staaten nicht mehr zu bekämpfen gewesen, aber das Ansehen der Deutschen in Amerika wäre wesentlich dadurch gestärkt, die Beibehaltung der deutschen Sprache erheblich erleichtert und der amenkaNischen Nation Ware ein großer Dienst geleistet auch Ware der spatere Ge schichts schreibe! wohl gezwungen wor den, von dem Wirken des zweitwich tigsten Bevölkerungselements d: neuen Welt gebührend Notiz zu neh men. Aber, es hat ja nicht sollen sein! Die aus der Furcht vor der Social demokratie geborene Socialpolitik des deutschen Neichs, begonnen von Bis marck im Jahre 1881, trägt jetzt schon sehr bemerkenswerthe Früchte. Im letzten Jahre sind schon über eine Viertel Million , Personen der Wohlthaten der Unsallversicheruna thellhaftia ac worden. Nach dem vom Reichsverslcherungsamt dem Reichskanzler vor gelegten Geschäftsbericht für das Jahr 1833 betrug die Zahl der von den Berussgenossenfchaften wahrend des Be richtsjahres entschädigten Unfälle 62, 605, von denen 6285 den Tod, 2893 eine dauernd völlige. 33.803 eine dauernd theilweife Erwerbsunfähigkeit und 19.622 eine vorübergehende Erwerböunfähigkeit zur Folge hatten.
Die im Jahre 1893 verausgabten Ent-
schadigungen, Renten u. s. w. betrugen nach vorläufiger Ermittelung 38,175.000 M.z insgesammt sind im Berichtsjahre 223,777 Personen der Wohlthaten der Unfallversicherung theilhaftig geworden. Alters- und Invalidenrenten bezogen im Berichtssahre rund 240,500 Personen, davon 187.450 Alters-, 53.650 InvalidenRenten. Die Summe der .Renten betrug 22.9 Millionen, davon 22,7 Mill. Alters- und 7.2 Mill. InvalidenRente. Von der antisemitischen Presse in Dresden habe ich schon früher geschrieben. Es ist da em cachtrag, und zwar ein recht heiterer zu machen. In den Dresdener Nachrichten" fungirte früher ein Dr. Liman als Redakteur. Er war der forscheste Judenhetzer weit und breit. Seiner Ansicht nach nutzte es nichts, wenn der Jud sich taufen ließ. Die Rasse ist nichts werth, wetterte Liman beständig, das bischen Wasser ändert nichts an der Sache. Als die Herausgeber der Dresdener Nachrichten einsahen, daß es doch eme sehr eintönige Geschichte sei, nur antiscmitische Leitartikel zu drucken, da empörte sich der biedere Liman. Er trat mit großem Eclat aus der Redaktion der Nachrichten" aus und widmetc seine Feder der Deutschen Wacht , demOrgan des antisemitischen Abgeordneten Zimmermann. Weiteres'Resultat. ein wüthender Federkrieg mit seinem früheren Collegen Lohan, der bei den Nachrichten geblieben war: soaar eine ??orderuna auf Pistolen und dann das Allerdümmste, was einJournalist überhaupt begehen kann: Anklage des Gegners bei Gericht, wegkn Verleumdung. Das Gericht hat nun sein Urtheil abgegeben: Lohan muß wegen Verleumdung 300 Mark und Liman weaen desselben Verbrechens 250 Mark Strafe zahlen. Aber das Schönste kommt noch, oyan vewies vor Gericht, daß Limans Vater L i p p m a n n geheißen habe und selbst ein Jude gewesen sei. Es kam heraus, daß die Collegen Limans und die Herausgeber der antisemitischen Nächrichten" von Limans semitischer Abstammung seit Jahren wußten, ihn aber trotzdem Tag für Tag feine Hetzartikel gegen die durch keine Taufe und durch keine Mischung zu bessernde semitische Rasse haben schreiben lassen. So geht die ganze Gesellschaft, Kläger wie Verklagte, als unsterblich blamirt aus dem Processe hervor und die hiestgen Antisemiten schäumen vor Wuth, daß er einJude gewesen ist.der seitJahren hier die geistige Führerschaft in der antisemitischen Partei ausübte. So wird jeder dieser Ehrenmänner" von dem Andern abgethan. Der Königsberger Paukenhund. An dem heißen Tage vonTrautenau, dem 27. Juni 1866. geschah es. daß das 43. preußische Infanterieregiment heute Infanterieregiment Herzog Karl von Mecklenburg-trelltz (b. ostpr.) Nr. 43." eine seltsame Trophäe erbeutete. In der österreichischen Armee ist es nämlich Sitte, die Pauke der Jnsante rieregimentsmusik nicht durch den Pau kenschläaer selbst tragen zu lassen, son dern auf einem eigens hierzu gebauten, von einem Hunde gezogenen. Wagen mitzuführen. An jenem Tage nun war ein solcher Paukenhund infolge von Erschöpfung und Verwundung durck eine Kuael auf dem Schlachtseid zusammengebrochen und sammt dem ihm anvertrauten Musikinstrument in preußische Hände gefallen. Der arme, schone Bernhardiner! Er war zu schwer verletzt, als daß aus eine Seiluna noch zu hoffen gewesen wäre, eine mitleidige Kugel machte seinem Leben ein Ende. König Wilhelm aber ertheilte, seine tapferen Dreiundvierziaer zu ehren, dem Reaimente dasRecht, jenen Wagen sammt der Pauke auch fernerhin bei jedem Dienste mitzuführen. bei welchem die Regimentsmusik bethciligt war und fo hat das ersteBataillon jenes Regiments in seinen Verpflegungslisten neben den Musikern auch zwei Hunde, einen Paukenhund" und seinen präsumtiven Nachfolger, den Lehrhund". Jetziger Inhaber der ersteren Würde ist ein großer gelbbrauner Leonberger. Beim Marsche schreitet er. ordnangsgemäß Richtung und Fühlung haltend, in der Mitte des letzten Gliedes der Kapelle. Auf das Kommando Halt!" bleibt er stramm stehen, auf Rührt euch!" legt er sich nieder. Spielt die Musik im Stehen, so breitet ihm sein Herr, der Paukenschläger, eine Decke auf den Boden, auf welche hingestreckt er die schmetterndsten Klänge ruhig über sich ergehen läßt. Mit den Ossizieren des Regiments und ihren Damen ist er sehr vertraut und weiß ohne jede Hilse ihre Wohnungen zu finden. An seinem Herrn hängt er mit aller Treue, bereit, trotz Paukenwagen jedem an den Hals zu springen, der sich einen schlechten Scherz gegen seinenBeschütze? erlauben wollte. Für solche Verdienste ist er denn auch in lustiger Stunde zum Gefreiten" gemacht worden, sein Halsband zieren die Knöpfe", welche die unterste Sprosse auf der Leiter zur höchsten Macht bedeuten, nach dem zeitgemäß ungeformten Verse: 'Und wer's zum Gefreiten erst hat gebracht, Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht!" - Kongreßmitglied Wasoington Townsend ist in Westchester. Pa.. im Alter von 82 Jahren ge starben. Er wurde zuerst 1860 in den Congreß gewählt und gehörte demsel ben acht Jahre an. Er gehörte der republikanischen Partei an.
Auf ungewöhnlichem Wege
Von Moritz Lilie. V Die erste Etage eines eleganten Hauses :m Westen Berlins bewohnte mit ihrer Tochter und Dienerschaft Frau Rothenberg, die reiche Wittwe eines der bedeutendsten Großindustnellen dsr Reichshauptstadt. Wor Kurzem latte sich die Dame eine eigene Villa in der Residenz gekauft und infolge , dessen ihre bishengeWohnung gekündigt, letztere war aber sofort wieder vermiethet worden und zwar an Herrn Silberstein, einen der bekanntesten Berliner Banklers. Wenige Wochen vor dem bevorsiehenden Umzüge saßen eines Vormittags Frau Rothenberg Mi! ihrer Tochter Ella beim Frühstück, als draußen die elektrische, Vorsaalglocke ertönte. 'Leise trat der Diener ein und meldete einen Herrn und eine Dame, welche die Frau des Hauses zu sprechen wünschten. Führe sie in den Salon," entschied die Wittwe, indem sie die Serviette aus der Hand legte und sich erhob. Dann warf sie rasch noch einen Blick in den Spiegel, zupste hier und da ein Band, eine .Spitze zurecht und verließ daö Zimmer, um die Fremden zu empfangen. Es war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, einfach aber sauder gekleidet. Beim Eintritt der Dame machte er eine Verbeugung wie ein zuklappendes Taschenmesser und der Hut in seinen Händen drehte sich gleich einem im Gange befindlichen Earroussel; um die Lippen aber spielte jeneZ verlegene! Lächeln, das sich in Gegenwart von Frauen häufig bei denen einstellt, welche bisher wenig Umgang mit Damen hatten. Desto unbefangener erschien sein: Begleiterin, eine auffallend starke Person, die den Wendepunkt des Echwaöenalters offenbar längst hinier sich hatte. Sie trug sich riesig aufgedonnert, in den Ohren blitzten Cimili-Arillanten und auf der dicken Halskette mit Medaillon, dem schweren Uhrgehänge und den breiten Armbändern hätte ein geübtes Auge den Stempel: Schweich Gebrüder", den bekannten Herstellern der TalmiSchmucksachen.entdecken können. Beim Eintreten derFrau Rothenberg machte sie einen Knix, so tief es ihre Corpulenz zuließ, die freilich diese Art der Begrüßung für die d:ck: Dame zu einer sehr schwierigen Procedur gestaltete. Um Verjebung, jnädige Frau," begann die Dicke im unverfälschten Dialekte Spreeathens, ick und der Herr hier sind Besitzer einer Möbelhalle, wissen Sie. von nur jute feine Sachen, denn mit so'n Schundzeug jeben wir uns nicht ab. Jestern war nun der Herr Bankier Silberstein bei uns in's Geschäft, um sich Möbels vor seine Wohnung auszusuchen, die er ja woll hier jemiethet hat. Aber er konnte sich man Nicht entschließen, weil er die Breite und Höhe der Wände nicht kannte, und d:t muß man doch wissen, wenn man Möbel stellen will. Her? Slloerstem hat uns daher jebeten, uns die neue Wohnung mal anzusehen, und ick wollte Sie bitten, uns zu gestatten, det wir die Zimmer man msl ausmessen dürfen. Warum sollte ich Ihnen das verweigern," versetzte Frau Rothenberz. Bitte, messen Sie, so viel Sie wollen!" Dem jungen Manne schien die Sache Nicht mehr so ganz angenehm zu sein, mit der fetten Dame hier zu erscheinen. Diese aber war voller Seelenruhe. Ick danke Ihnen, jnädige Frau!" fuhr die Möbelhändlerin fort, indem sie ein langes Metermaß aus der Tasche zog. Komme Sie, Herr Mar low, fassen Sie man mit an. Die Beiden begannen nun die Wände abzumessen und die Zahlen auf ein Blatt Papier zu notiren. Hierher das Büffet, da hat der Vertiko Raum, dieser Platz ist für eine Easeuse," erklärte mehr zu sich selbst als zu ihrem Begleiter die Dicke. Ueberhaupi schien der Mann durchaus nicht bei der Sache zu sein; er sah sich aufmerksam im Zimmer um; er betrachtete die Bilder und Nippsachen und blickte auffallend oft nach der Thür, als wolle er sich den Ausging sichern. Im Wohnzimmer, welches sie nun betraten, saß Ella, mit einer feinen Handarbeit beschäftigt. Sie erwi derte den Gruß der Mobelhandlerrn mit einem freundlichen Kopfnicken, ließ sich aber sonst nicht weiter stören. Desto aufmerksamer war Herr Mar low geworden und so oft es, ohne aufdringlich zu sein, geschehen konnte, ruhten seine Augen af den hübschen, jugendlich frischen Zügen des Mädchens. Auch die dicke Frau schaute öfter verstohlen zu ihr hin und dann begegneten sich verständnißvolle Blicke der beiden Mobelmhaber. Endlich hatten sie ihren Zweck er reicht und verabschiedeten sich von den beiden Damen. Diesmal gab sich Marlow Mühe, ine möglichst correcte Verbeugung zu machen, was ihm auch so ziemlich gelang. Kaum ein: halbe Stunde nach der Entfernung der Mobelhandler schlug die Vorsaalglocke wiederum an und der Diener meldete den Herrn Bankier Silberstein. Auch er erbat sich die Erlaubniß, die Wohnung noch einmal besichtigen zu dürfen, um für etwaige Reparaturen und Verande--. rungen schon jetzt Anordnungen zu treffen. Sie scheinen Ihren Hausstand wesentlich vergrößern zu wollen, Herr Ellbersteln," sagte Frau Rothenberg,
während sie den Besucher durch die
Wohnräum, führte .Wenligstens beabsichtigen Sie wohl bedeutende Neuanschaffungen an Mobiliar zu machen?" Der Bankier schaute die Dame erstaunt und fragend an. Woraus schließen Sie das, gnadige Frau?" versetzte er. Nun, die Leute, welche Sie beauftragt haben, die Zimmer auszumessen, haben das Haus eben erst verlassen," berichtete Frau Rothenberg. Leute beauftragt? Zimmer ausgemessen? Sie sprechen in Räthseln, Frau Rothenberg!" Aber Herr Silberstein besin nen Sie sich doch?" rief Letztere lachend. Die furchtbar dicke Frau und der jüngere Mann, die Inhaber des Magazins, in welchem Sie die neuen Möbel zu kaufen beabsichtigen, waren hier, um in Ihrem Auftrage die Raume m Augenschein zu nehmen. Ich will nicht Silbe?stein heißen, wenn ich irgend Jemandem einen derartigen Auftrag gegeben habe!" beiheuerte der Bankier fast heftig. Möbel kaufen denke nicht daran, habe alle Zimmer voll stehen!" Was in aller Welt konnten aber die Leute damit bezweckt haben?" warf Ella ein. Das will ich Ihnen sagen, meine Damen: bemausen pill man mich, wie ich schon vor drei Monaten schändlich bestohlen worden bin," eiferte der Herr und sein Gesicht ward purpurroth vor Erregung. Hier liegt ein schwarzes Complott vor, das dicke Weib und ihr sauberer Gefährte sind Spltzbubengesindel! Sie gehen wohl zu weit Sicher nicht, gnädige Frau," unterbrach Jener rasch, die Menschen haben sich blos Kenntniß von den Räumlichkeiten verschaffen sich bloö unterrichten wollen, wo ich meinen Schreibsecretär. meinen Geldschrank hinstelle, damit sie bei dem beabsichiigten Einbruch genau Bescheid wis-, sen. Aber ich will ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, ich lege auf jede? Thürschwelle Fuchseisen, ich stopfe in jedes Schlüsselloch eine Dynamitpatrone.' jeder Schrjibtischkasten soll eine Pulvermine enthalten, die das Spitzbubenvolk zerschmettern wird, ich ich " Er schwieg erschöpft, sein Vorrath von Mordwnkzeugen war zu Ende. Die Da?.ie würde wohl Mühe haben, durch ein Fenster einzusteigen und der Herr, sah wirklich nicht aus wie ein Dieb," meinte das junge Mädchen. . Das ist eben das Gefährliche bei dieser Sorte, daß sie meist ein vertrauenörweckende Aeußeres haben," eiferte der Bankier. Wenn so ein Kerl mit einem Knüttel in der Hand zu Ihnen gekommen wäre, hätten Sie ihn gewiß nicht die Zimmer ausmessen lassen." 3egen diese 'Logik war freilich nichts einzuwenden, das war unfehlbar richtig. Frau Rothenberg nickte zustimmend mit dem Kopfe. Vor. Kurzem haben die Gauner erst das Haus verlassen, sagten Sie?" forschte der Mann weiter, als komme ihm plötzlich eine gute Idee. Dann fort, ihnen nach, eine dicke Frau. mit einem jüngeren Herrn, die sind leicht zu erkennen. Geben Sie mir Ihren Diener mit, gnädige Frau, damit ich nicht allein bin; er hat auch die Spitzbuben gesehen und wird sie gewiß wieder herausfinden." Friedrich, der Lakai, wurde gerusen; er erklärte, daß er die beiden Verdächtigen in ein Restaurant nur einige Häuser entfernt habe eintreten sehen. Das Gesindel sitzt in der Falle, halten wir es darin fest!" rief der Bankier. Rufen Sie einen Schutzmann, Friedrich, er mag uns begleiien!" Würde das nicht zu großes Aufsehen erregen. Herr Silberstein? warf Frau Rothenberg ein, man könnte leicht auf die Vermuthung kommen. Sie selbst seien ein Angeschuldigte?, den man nach der Stadtvoatei transportirt." " Sie" havcn rech?,' nein,"' das "geht nicht." stimmte Jener bei, mich, den Bankier Silberstein, den die ganze Stadt kennt, in Begleitung eines Schutzmanns auf der Straße zu sehen Gott der Gerechte, was würde die Welt dazu sagen! Kommen Sie, Friedrich, aber ohne polizeiliche Bedeckung!" Er verabschiedete sich und bald darauf traten sie in die bezeichnete Wirthschaft ein. Richtig, da saßen die Beiden in alle? Gemüthsruhe und ließen sich es wohl sein. Der Herr kämpfte tapfer mit einem furchtbar zähen Äy'fsteak und es war höchst fraglich, wer rn diesem schweren Ringen den Sieg davon tragen werde; die dicke Frau dagegen hatte ein riesiges Omelett vor sich liegen, das sie unbarmherzig zerfleischte und in gewaltigen Bissen verschlang. Am liebsten wäre Herr Silberstein auf das Paar losgestürzt und hätte es abgeschüttelt; eine grimme Wuth erfaßte ihn, als er sah, mit welcher scheinbaren Harmlosigkeit die beiden sich der anmuthigenBeschäftigung widmeten. Aber es waren noch andere Gäste da, und er wollte eine öffentlichte Scene vermeiden. Ohne weiteres nahm er an demselben Tisch Platz, während Friedrich sich als Reservetruppe in einiger Entlernuna mwk " Sie. haben sich heute in das Haus strafc Nr. 18, erste Etage eingeschlichen, was bezweckten Sie damit?" begann Silberstein das Verhör. Nanu, Männeken, von injeschlichen !s man keene Rede, wir sind stolz wie
Oskar durch die Thüren spaziert und'
lon Madame im Salon bejrüßt wor-' d?n, wie es sich für honette Leute zelührt." versetzte die Dicke. ; Wer sind Sie denn?" forschte der Vankier loeiter. Wer ick bin. kann Ihnen jleichjiltiz sind und dieser Herr da ist mein Mann." war die Antwort. Na ich danke, -die ist mir zu fett. flüsterte Marlow. Sie haben sich unter Vorspiegelung falscher Thatsachen in die Wohnung eingeführt, welche vom nächsten Quartale ab ich beziehen werde," er; i r-i ? n y n. ' narre siioeri.iein; oas ii im yoieir Grad: verdächtig, und ich werde Sie verhaften lassen, wenn 'Sie nicht die: Wahrheit bekennen." ; Man immer gemüthlich. Manneken, soweit sind wir noch nicht," sagte. mit feistem Lächeln die Frau, indem sievertraulich die Hand aus die Schulterz des Kaufmannes legte. : Wie kamen Sie dazu, sich als meine Veauftra'gten auszugeben?" Ja nun es war man blos! c:n Sckcrz, wissen Sie, so'n fauler Witz!" ' : In diesem Augenblicke trat ein Herr an den Tisch heran, welcher bisher in der Nachbarschaft gesessen und das Gespräch mit angehört hatte. , ' Man spricht hier von Einschleichen, Vorspiegelung falscher Thatsachen, von verdächtigen Äcnschen und verhaften, lassen." fagte er. Ich bin CriminalPolizist und muß Sie um Aufklärung ersuchen." Dabei legte er eine LegitimationZmarke vor. Der Bankier erzählte ihm das Vorkommniß mit allen Einzelheiten, und als er geendet, kündigte der Beamte dem Paare die Arretur an. ' Aber wir sind ja die unsch.ildigsten Menschen unter der Sonne," versuchte Marlow zu protestiren. Desto besser für Sie," erwiderte Jener, vorläufig aber kommen Sie mit." Der Zug setzte sich in Bewegung, denn der Gendarm, welcher Civilkleider trug, ließ sich auf weitere Auseinandersetzungen nicht ein. Auf dem .Polizeibureau begann ein scharfes Veryör. Sie sind Eheleute?" fragte der Assessor. Eigentlich nur theilweise und zwar sejenwärtig nicht mehr," antwortete die Dicke. Was soll das heißen?" herrschte sie der Beamte an, erklären Sie sich deutlicher!" Na det ist doch janz klar zu verstehen: ick bin nämlich Wittwe, also jejenwärtig nicht mehr verheirathet, der Herr hier aber will durch meine jütige Vermittelung in den heiligen Ehestand springen." Was hatten Sie in der künftigen Wohnung des Herrn Silberstein zu suchen?" Forschte der Polizeimann weiter. Aber ick begreife Ihnen nicht, Herr Assessor," versetzte die Frau. Als Inhaberin eines Heirathsbureaus muß ick doch meine Kunden mit 'die weiblichen Wesen bekannt machen, um sie unter die Haube zu bringender Herr hier ist Jutsbesitzer aus der Irgend von Teltow und hat sich auf diesem nicht mehr unjewöhnlichen Wege an mir lewandt. Da rächte ick mir denn: Der Frau Rothenberger ihre Tochter det wär so wat für ihm; sie ist hübsch, jebilder und hat die ncWgenJ roschens. Nun hatte mir meine Waschfrau, was auch der Frau Silberstein ihre ist, erzählt, det Silbersteins in RothenbergS Wohnung gehen,' und dadruff baute ick meinen Plan, um Herrn Marlow seine Zukünftige von Anjesicht zu zeigen. Wir jingen alson hin, det Zimmerausmessen war nur Nebensache, nur Vorwand, aber det Kind mußte doch'rr Namen haben. Aber Diebe sind mir man nicht. Herr Assessor, det können Sie ruhig jlooben, sehen Sie so kam die Geschichte." Haben Sie hierzu etwas zu bemerken, Herr Silberstein?" fragte der Beamte. Jener zuckte die Achseln. Die Darstellung erscheint nicht unglaubhaft," versetzte er, wenn es sich so verhält, so bin ich beruhigt." Ein herbeigerufener Schutzmann, auf welchen sich die Heiratsvermittlerin zur Feststellung ihrer Persönlichkeit bezog, bestätigte die Identität derselben, und eine telegraphische Anfrage in dem Heimathsorte Marlows-licß über dessen Ehrenhaftigkeit keinen Zweifel. Beide wurden natürlich entlassen. Wegen Fräulein Rothenberg brauchen. Sie sich nicht weiter zu bemühen, die ist bereits verlobt," sagte Silberstein zu der Dicken. Det schadet nich, ick habe noch mehr uff Lager," versetzte diese, kommen Sie man, Herr Marlow, wir werden schon noch ans Ziel gelangen." Mit oder ohne Polzei?" Allemal ohne!" Unvorsichtig. Vraui: Weßhalb hast Du denn den Kopf heute so eingewickelt?" Bräutigam: Ach, ich haTe mir einen Zahn bei'm Zahnarzt Zangerl ziehen lassen; der hat mich mindestens eine halbe Stunde furchtbar geschunden!" Braut : Wie kannst Du cbcr. auch zu dem Zangerl gehen!... Weißt Du denn nicht, daß ich dem frühe? 'mal einen Korb gegeben habe?!" Kindermund. Lehrer: Wo liegt der Nordpol? Schüler: Ich weiß nicht. Lehrer: Was, Du weißt nicht, wo der Nordpol ist? Schüler: Aber Herr Lehrer. Franklin und Nordenskiöld haben ihn nicht finden können, wie foll ich da wissen, wo er ist! ; Am Stammtisch. Ehemann: . .". Ja ja, es hat doch etwas für sich, wenn man verheirathet ist! Dann weiß man wenigstens, wo man des Abends sein sollte!" , ..
