Indiana Tribüne, Volume 17, Number 179, Indianapolis, Marion County, 18 March 1894 — Page 7

7

Briefe au Deutschland

Con LSil ,lm kausmsnn. Dresden, Mitte Februar. W V A4 i T (ÜaIXPImaa tCUlUJCiU yiCllLSlUUC UUIU Wl den nächsten Wochen ein gewaltige? Kampf entbrennen, der sich vielleicht noch merkwürdiger und interessanter gestalten mag, als der vorjährige Kampf um die Heeresvorlage. Die beiden wichtigsten Interessen des Reich:s prallen gegeneinander, die Jndustrie gegen die Landwirthschaft, und daraus ergeben sich im Reichstage zwei Heerlager, wie sie seltsamer kaum gedacht werden können. Die alten .Kämpen für Kaiser und Reich, die stets getreuen Krautjunker und Kreuzzzeitungsritter, stehen im Bunde mit den Clerikalen dem Kaiser schroff gegenüber. und der Letztere denn Cav:ivi ist ja nur der Vollstrecker des kaiserlichen Willens stützt sich, aufter auf die Nationalliberalen und einen kleinen Kreis von Conservativen, auf fast sämmtliche sogenannte Reichsfeinde, einschließlich der Freisinnigen, der meisten Antisemiten, der Dänen. Welsen. Protestler und der Socialdemokraten. Es handelt sich um den deutsch-russisch:n Handelsvertrag. Die Vertreter der Landwirthschaft meinen, daß sie sich davon das Schlimmste versprechen müssen. Sie fürchten, daß die Korn- und Viehpreise noch mehr gedrückt werden müssen, wenn das billige russische GeKreide in's Land kommt. Darauf erwidert man ihnen mit Recht, daß die Kornpreise vom Weltmarkt dictirt werden, sowie daß sie überhaupt nicht gut mehr sinken können, und daß der seitherige Zollkrieg mit Rußland unerträglich geworden ist. Dann würde die Landwirthschaft von dem mächtien Aufschwung der deutschen Jndustrie profitiren und vor allen Dingen würde 'der Friede gesichert. Das ist, in kurzen Worten, der Stand des Conflicts. Es sollen der Regierung noch ungefähr 50 Stimmen zum Siege im Neichstage fehlen. Das Kabel wird inzwischen die weitere Entwickelung dieses interessanten Kampfes gemeldet haben, und dem Correspondenten, der ja stets durch das Kabel überholt wird, erübrigt es nur. auf einzelne allgemeine Punkte hinzuweisen. Ob der Handelsvertrag ein für Rußland besonders günstiger oder gar ein für Deutschland demüthigender ist. wie die Agrarier behaupten, das wird sich erst durch die Probe nachweisen lassen. Jedenfalls macht er dem ganz unerträglich gewordenen Zollkriege ein Ende und er wird günstig wirken auf Beseitigung der unnatürlichen Feindschaft, welche sich während der letzten Jahre zwischen Rußland und Deutschland herausgebildet hat. Dann setzt er den wirthschaftlichen Verkehr der beiden Reiche auf zehn Jahre fest, die Industrie kann sich also auf einen längeren Termin einrichten und ist nicht mehr der Ungewißheit und den plötzlichen Schwankungen ausgesetzt. Die deutsche Industrie kann jetzt den aroßen Markt in Rußland zurückerobern. den sie früher besaß und dessen sie fo dringend bedarf. In eifrigster Weise tritt der deutsche Kaiser für die Ratificirung des Vertrages durch den deutschen Reichstag ein. Da die noch fehlendenStimmen von Conservativen und Clerikalen zu liefern sind, fo hat er mit feinen Liebeswerbungen ziemlich leichtes Spiel. Was soll so ein preußischer Junker machen, wenn ihn. der Kaiser persönlich um seine Stimme für den dcutsch-russischen Vertrag bittet, wenn der Kaiser selbst, wie er es gethan hat, wichtige diplomatische Gründe dafür in's F:ld führt? Der Erzbischof von Posen, welcher die Stimmen der Polen für die Heeresvorlage besorgt haben soll, war gestern beim Kaiser, der Präsident des Reichstags, Herr von Levetzow. einige Tage vorher. ' Wenn ein amerikanischer Präsident die OpPosition in seiner eigenen Partei beschwichtigen will, so benutzt er seine Ptronagegewalt, hier wird die Wiserliche Huld in's Treffen gefübrt, die Sache ist billiger und ebenso wirkunaZöoll. Man bedenke nur, was es bedeutet, wenn der Kaiser einen hinterpommerschen Landjunker aus eine kalbe Stunde bei Seite nimmt und demselben erklärt, wie übel der Czar die Verwerfung des Vertrages durch den Reichstag nehmen würde. Wer weiß, ob die Versöhnung mit Bismarck nicht ebenfalls in das Gebiet der kaiserlichen Beeinflussung des ' Reichstags gehört? Dem Alten im Sachsenwalde. den man In letzterer Zeit als das Haupt der Agrarierpartei ansehen konnte, ist jetzt der Mund geschlossen, der junkerlichen Opposition fehlt der Führer im Streite und so wird der Vertrag Wohl vom Reichstag angenommen werden. Daß der Vertrag bezüglich der ErHaltung des Friedens günstig wirkt, ergibt sich am besten aus der Verstimmung in Paris. Die Franzosen gebeiden sich wie die betrübten Lohgerder. denen die Felle fortgeschwommen sind. Ihre Zuversicht, daß sie bei der Abrechnunc; mit Deutschland auf. die HZlfe Rußlands unter allen Umständen zählen können, hat einen gewaltigen Stoß bekommen, namentlich da es sich herausstellt, da der Czar persönlich ein so großes Interesse an dem Zustandekommen desVertrags genomrn:ii und bei mehreren stark bestrittc, nen Punkten aus eigener Initiative Vortheile für Deutschland, zugestanden- haben soll. Allein werden die Franzosen nimmermehr geqenDeutschland in's Feld rücken. Die Russen haben es meisterhaft verstanden, aus der Lage in Europa Vortheile zu ziehen. Mit den Franzosen können sie

ungefähr anfangen, was sie wollen, den französischen Rachedurst haben sie geschickt zur Placirung ihrer Anleihen benutzt. Deutschland haben sie ohne Frage eingeschüchtert durch ihre Beziehungen zu Frankreich, den Sultan haben sie zur Herstellung einer russischen Flottenstation veranlaßt, in Asien verdrängen sie den englischen Einfluß immer mehr. Dabei ist es ihnen gelungen, den Nihilismus auszurotten und mit drakonischen Mitteln gegen die in Rußland lebenden Zlusländer vorzugehen, gleichzeitig werden die gewaltigsten Eisenbahnbauten vorgenommen und die russischen Staatspapiere hatten wohl seit vielen Jahren keinen so hohen Cours, als gegenwärtig. Außerdem sind Heer und Flotte schlagfertiger und besser organisirt, als jemals. Nur mit Bezug aus Bulgarien und Serbien hat der Czar keine Vortheile erzielt, aber er kann's ja abwarten. Wenn die Mittel, mit denen Väterchen" operirt. auch keineswegs die reinlichsten sind, so hat e? doch weit mein Erfolge aufzuweisen, als sein weit beaaoierer Vater lsährend einer langen Regierung erzielen konnte. . Doch ich bin da weit mehr auf das Gebiet der hohen Politik gekommen, als meine Absicht sein kann. Denn das Kabel arbeitet rasch und es ist Zt. B. keineswegs, ermutigend, wenn ein 14 Tage früher in Deutschland geschrieben Brief über das Verhältniß kZismarckö zu Kaiser Wilhelm an dem nämlichen Tage in Amerika gedruckt wird, in welchem das Kabel ausführiiü die Versöhnung der Beiden meldet. Die hohe Politik ist nichts mehr für Correspondenten, welche in Europa für amerikanische Blätter arbeiten, sie müssen sich ihre Stoffe schon abseits vom großen Neuigkeitsmarkt holen. Keine andere Einrichtung hat so viel dazu beigetragen, um in Deutschland Schei nexistenzen zu schaffen, als diejenige der Einjährig-Freiwilligen. Letztere sind junge Soldaten, welche sich von den sog. Gemeinen durch Schnüre auf den Achselklappen auszeichnen, keinen Sold empfangen, sich selbst eauipiren, e i n Jahr dienen, anstatt der sonst vorgeschriebenen drei (jetzt zwei) und welche, wenn sie besonders tüchtig sind, später Ofsiciere in der Reserve werden können. In die sonst ganj demokratische Organisation der deutschen Armee haben diese beschnürten Marssöhne ein aristokratisches Element hineingetragen, welches von tiefer Bedeutung ist. Es ist n'ämlich dahin gekommen, daß heutzutage in der Gesellschaft der Mittelklassen ein iunaer Mann fo gut wie gar nichts gilt, der es nicht zum Einjährigen gebracht hat. Wenn dadurch nur ein clberner Klassenhochmuth unter den jungen Leuten großgezogen würde, so wäre das schon schlimm genug. Aber der durch diese Einrichtung angerichiete Schaden erstreckt sich häufig auch auf die Familien dieser jungen Leute. Man legt sich Opfer und.Entbehrunaen auf und dient damit, vom erziehlichen Standpunkte aus betrachtet, einer schlechten Sache. Denn das kann doch nur eine schlechte Sache sein, wenn eu: nur mittelmäßig öder gar schlecht veiLnlaater junger Mensch sich bis ins 18 e oder 19te Jahr auf den Bänken In Gymnasiums herumdrückt, blos u: i den Berechtigungsschein sür den eil jährigen Dienst zu erlangen. Die fcolen Schulen werden aus diesem Gründe mit eined Troß von trägen Sä'vachköpfen bevölkert, welche die

stre.amen und- gutveranlegtcn vJciU schüle: zurückhalten und eine gründliche Beschäftigung der Lehrer mit den besseren Schülern unmöglich machen. Dieienigen Aspiranten aber, welche, so dumm sind, daß sie den Berechtigungsschein auf dieser Weise nicht erhalten können, begeben sich in die sogenannten Pressen", d. h. Privatlehranstalten. wo sie für das Freiwilligen-Exa-men besonders abgerichtet werden. Ein solcher Vengel wird ost zwanzig Jahre alt. ehe er sich zur Prüfung zu stellen waat. Häufig genug fällt er auch dann noch durch. Die schönsten Lernjahre bat damit verbracht, sich den Kopf mit allerhand Wissenschaften vollzustopsen.die ihm.wenn er sie nach einigen Jahren noch nicht vergessen haben sollte fcn späteren Leben eher hinderlich als förderlich werden. Jedenfalls hat er seinem Vater weit länger auf der Tasche gelegen, als gerechtfertigt war und in den meisten Fällen hat er sich viele kostspielige Bedürfnisse angewöhnt. Er wäre vielleicht ein tüchtiger Handwcrker geworden, wenn man seine Veranlagung und seine Eigenart bei der Erziehung gebührend berücksichtigt haben würde. Aber als Sohn gebildeter Eltern" hat er die Bänke drücken müssen, die Lehrer und sich selbst geäraert und sein späteres Fortkommen in der Welt bedeutend erschwert. Aber der Stolz des Vaters und der Ehrgeiz der Mutter sind nicht verletzt worden. Ihr Junz: hat nicht mit den gemeinen Soldaten in der Kaserne gelegen, sondern das Ehrenzeichen", die Schnüre auf den Achseln getragen. Was wird nun später aus diesen bedauernswerthen Opfern des Bestrebens, mehr scheinen zu wollen, als man ist? Auf Kopfarbeit ist der junge Mensch dressirt, aber es fehlt ihm ja der Kopf. So kommt es denn, daß wir wahrscheinlich dem jungen Manne nach ein paar Jahren in Amerika begegnen. Für die Eltern ist das ja der bequemste Ausweg, nicht aber sür den Sohn und ganz gewiß nicht für Amerika. Viele meiner Leser wissen das ja aus eigener Anschauung, denn es ist ihnen wohl hie und da ein solcher Unglückswurm unter die Finger gekommen. Es ist ja .'wohl richtig, daß es einzelnen der so nach Amerika Vegnadigten" nach Entbehrungen und Kümmernissen aller. Art noch gelingt, die

Spuren der ganz falschen Erziehung abzustreifen, arbeiten zu lernen und noch ein ganz tüchtiger Mensch zu werden. Aber wer zählt die Vielen, welche da drüben elend zu Grunde gehen? Verweichlicht, genußsüchtig, unpraktisch und den armen kleinen Kopf voll

Schrullen und Vorurtheilen wurden sie selbst dann schwer Arbeit finden, wenn in Amerika noch die Arbeitsgelegenheiten so günstig wären, als vor 20 Jahren. Ein paar Jahre wird der Briefwechsel mit der Heimath noch aufrecht erhalten, namentlich wenn der nach Amerika Verschickte noch ein Mütterchen daheim hat, das dem Jungen ja stets treu bleibt und die abgedarbten Spargroschen regelmäßig sendet. Endlich aber hören selbst die Bettelbriefe auf. Verdorben, gestorben oder verlumpt als Tramp oder Soldat geworden rn Onkel Sams glorreicher Armee, das ist in recht vielen Fällen das Schicksal eines solchen Grünhorn. Der Eintritt in die Bundesarmee ist eine heroische Kur, die in einzelnen Fällen ganz vorzügliche Resultate erzielt hat. Die furchtbar straffe, oft barbarische Disciplin, welche die WestZiointer führen, hat aus manchem dieser armen Teufel schließlies) einen brauchbaren Menschen gemacht,' der später im bürgerlichenLeben sein gutesFortkommen fand und wer weiß nach wie vielen Jahren und nachdem man ihn in Deutschland längst todt wähnte, noch als verlorener Sohn in's Elternhaus zurückgekehrt ist und den zur Feier des Ereignisses üblichen Kalbsbraten sogar selbst mitgebracht hat. . Doch ist es ein sehr seltener Fall und ich möchte die Erziehungsmethode, welche man in Onkel Sams blauer Jacke durchzumachen hat, hier keinesweas empfohlen haben. Etwas besser als die geschilderte Sorte von Einwanderern pflegt eine ihnen verwandte Klasse in Amerika fortzukommen, ich meine diejenigen, welche in Europa dumme Streiche gemacht. haben. Sie sind in der Regel gewandter und praktischer, als die unglücklichen Kopfarbeiter ohne Kopf", welche durch die Einjährigen-Züchtung nach Amerika vertrieben werden. Das Bewußtsein ihrer Schuld und die Hoffnung, sich rehabilitiren zu können. macht sie anspruchsloser und aröettöwilliger Es gibt unter den DeutschAmerikanern tüchtige und verdienstvolle Männer, welche an gewisse dumme Streiche, die sie in der alten Heimath verbüßten, nicht allein mit dem Gefühl der Reue zurückdenken, sondern die von sich sagen können, daß sie ihre amerikanische Laufbahn wieder zu Ehrenmännern gemacht hat. Ich meine damit nicht die Vielen, welche Schulden halber ausgekniffen sind. Ich selbst habe zwei jetzt verstorbene sehr achtungswerthe und tüchtige Landsleute in Amerika gekannt, von denen ich zufällig erfuhr, daß sie m Deutschland gesessen" hatten. Hoffentlich wird diese Bemerkung nicht als Ermunterung zur Einwanderung derartiger Elemente verstanden. Im Gesentheil bin ich ein entschiedener Vertreter der Ansicht, daß wir in Amerika genügend gesegnet sind mit moralisch defekten Elementen" und uns den europäischrn Ausschuß möglichst vom Halse halten sollten. Uebcrhaupt meine ich, daß für die Auswanderung von Kopfarbeitern die günstigsten Zeiten, wenigstens vorläufig, vorüber sind. Diese Klasse von Leuten ist ja fast ausschließlich auf die großen Städte angewiesen. Zur Zeit des Ausbaues dieser Städte bot sich tüchtigen Deutschen genug Arbeitsgeleaenheit und auch häufig die Aussicht, selbstständig zu werden. Aber seitdem bei weitem die meisten dieser Städte die Jugendperiode des raschen Wachsthums überschritten haben, finden selbst tüchtige Ingenieure, Techniker, gründlich ausgebildete, sprachgewandte Kaufleute ganz abgesehen von den unglücklichen Studirten (oder vielmehr Halb-Studirten) und Officieren, nur sehr schwer ihren Kenntnissen ange messene Stellungen, geschweige denn Gelegenheit zum Selbstständigwerden. Die Hauptquelle des Woblstand;s so vieler deutsch-amerikanischer Stadtbewohncr ist außerdem versiegt. Ich meine die Grundeigenthums-Specula-tion, welche nach dem vollendeten Ausbau der amerikanischen Großstädte so ßjit wie aufgehört hat. Wie mancher wohlhabende Deutsch-Amerikaner ver dankt sein Vermögen fast ausschließlich der Werthsteigerung des Grundbesitzes! Wie viele derselben würden es wohl auf Vermögen von 515,000 und aufwärts gebracht haben,' wenn sie bezüalich ihrer Ersparnisse nur auf die Gewinne im geschäftlichen Verkehr, im Handwerke, Handel, in der Industrie angewiesen gewesen wären? Die Zeiten sind ia für immer vorüber, in wel cher sich ein armer Deutscher mit seinen ersten darbten Sparpsennigen ein Stuck Land erwerben konnte, das ihm nach 10 oder 15 Jahren ein Ver mögen einbrachte. Wer - heutzutage drüben in Grundeigenthum erfolgreich svecullren will, muß ein sehr bedeuten des Risiko eingehen, und wehe ihm. wenn er nicht ein besonders findiger Kops ist und nicht über große Mittel verfügt. Auch die großen sogenannten Buhm-Zelten, die Perioden des ung: wohnlichen Aufschwungs, wie sie na mentlich kurz nach dem Rebellionskriege und dann wieder zu Beginn der Achtziger Jahre vorherrschten, sind vorüber für die meisten amerikanischen Großstädte wohl für immer vorüber. Von Jahr zu Jahr werden die Leute seltener, welche durch besondere Glücksfälle, szi es durch Ausbeutung eines Patentes,durch Einführung eines neuen Artikels etc. 'etc. in kurzer Zeit zu Wohlstand, wohl gar zu Reichthum gelangen. Die Profite werden trn legt

innen Geschäftsverkehr immer geringer, der Mitb'werb wächst beständig, kurz in den -meisten amerikanischen i Städten herrschen in dieser Beziehung . -

schon fast europäische 'Verhaltmne. Ich glaube nicht, daß man mich wegen dieser Ansichten als Schwarzseher anklagen kann. Jedenfalls kann ich geltend machen, daß sich obige Darlegung auf eine recht ausgebreitete Bekanntschaft mit den Thatsachen stützt, ftür die jungen Deutschen, welche

icfet als Kopfarbeiter nach den Ver. Staaten auswandern wollen, 'kommt übrigens noch einUmstand in Betracht, der es wohl erheischt, daß sie sich den Auswanderungsplan doppelt und dreifach überlegen. Die deutsch-ame-rikanischen Geschäftsleute und Jndustriellen, welche vor zwanzig Jahren so manches deutsche Grünhorn gern qt fördert, zu Stellungen verholfen und den Landsmann so nach und nach auf die Bahn zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben, besitzen jetzt Söhne und Schwiegersöhne, welche doch grökeres Anrecht auf Förderung haben. Vor 20 Jahren trat das heranwachsende deutsch-amerikanische Element noch nicht so in Mitbewerb mit den Eingewanderten. Jetzt aber hat man bei Bewerbung um Stellen in deutschen Etablissements es hauptsächlich mit diesen Rivalen zu thun. Wenn der junge deutsche Nachwuchs in Amerika auch nicht die gründliche Durchbildung der Eingewanderten aus dem deutschen Mittelstande besitzt, so besitzt er doch wesentliche Vorzüge; Kenntniß der Sprache, der Landessitten, dabei Gewandtheit und Braß". Dann ist wohl in Anschlag zu bringen, daß so viele Söhne aus deutsch-amerikani-schen Arbeiterkreisen als Kopfarbeiter fortzukommen trachten und daß man auch auf den Mitbewerb der weiblichen Berufsgenossen zu rechnen hat. Die Zahl der unbeschäftigten Buchhalter in amerikanischen Großstädten ist z. V. ganz unverhältnißmäßig größer,als in deutschen Städten, selbst solchen Verkebrscentren wie Berlin, Hamburg, Leipzig und Köln. Unter diesen Verhältnissen wäre es sehr zu wünschen, daß, wenigstens während der nächsten Jahre, nur solche deutsche Kopfarbeiter auswandern würden, welche mit einiger Sicherheit auf die Unterstützung amerikanischer freunde', und Verwandten rechnen können. Jedenfalls ist es geradezu arausam. die unglückseligen Opfer der standesgemäßen Er- oder vielmehr V e rziehung nach den Ver. Staaten zu derschicken. Diese Unglückswürmer, welche, mit ein paar lateinischen und griechischen Brocken ausgerüstet, an Wohlleben gewöhnt, zur praktischen Arbeit niemals angehalten, sich auch in guten Zeiten in Amerika nur in Ausnahmefällen vorwärts zu bringen vermochten, sind unter den gegenwartl aen Verhältnissen in den Ver. Staaten nickt viel besser aufgehoben, als in der französischen Fremdenlegion. Der deutsche Bauer, der Handwerker, der Industriearbeiter, vor Allen aber das deutsche Dienstmädchen finden in den Ver. Staaten noch immer gutes Fort kommen, aber für, wenn auch noch so tüchtige. Kopfarbeiter verschlechtern sich L r p i v. r . vie nusnazlen von Jayr zu Jayr. unflltche Diamanten. Herr Moissmr hat der Pariser Akademie der Wissenschaften die Mittheilung gemacht, daß er der Lösung der Aufgabe, wirkliche Diamanten 'künstlich herzustellen, wieder um einen Schritt näher gekommen ist. Seme erste Methode bestand darin, daß er Eisenstückchen mit Kohlenstaub mischte, das Gemengsel in seinen elektrischen Ofen brachte, es da einer Hitze von über 2000 Grad aussetzte, in der das Eisen innerhalb weniger Minuten bis zur Dünnflüssigkeit schmolz, worauf er das Metall auskühlen ließ. Beim Starrwerden dehnj es sich aus (wie Wasser bekanntlich , beim Gefrieren ebenfalls) und übt auf alle in seine Masse eingeschlossenen! Stofftheile.also auch auf den Kohlenstoff, einen ungeHeuren Druck aus. Durch diesen bilden sich aus der Kohle Diamantkrystalle, die aus dem Metall befreit werden, indem man dieses mit Säuren auflöst. Die Diamanten, die auf diesem Weqe hergestellt wurden, wogen 5 bis d Milligramm und waren nur tbeilweise durchsichtia, theilweise dagegen schwarz. Jetzt hat Herr Moissan leine Methode in einem Punkte geän dert.. Nachdem er das Eisen geschmolz:n hat, laßt er es Nicht allmählich abkühlen, sondern taucht es in geschnuzlzenes Blei von 400 Grad Hitze, m dem es sehr schnell starr wird. Unter diesen Umständen erzZelte er Diamanten, die bis zu 15 Milligramm wiegen, ein halbes Millimeter Durchmesser haben und völlig durchsichtig sind. Sie ritzen den Rubin, verbrennen ohne Ruckstand zu Zkohlensaure, zeigen ttystalllnrsche formen und leuchten im Dunkeln nach, wenn sie dem Lichte ausgesetzt waren. Kurz, es rst nicht zu zweifeln. daß man es mit richtigen, Diamanten zu thun hat. Während einer Erweckungs Versammlung in Williamsport, Pa., gewann, ftrl. Mary Titus. die seit drei fahren kein lautes Wort hatfe sprechen können, plötzlich ihre Sprache wieder. 3nt sur ven Äerke k, Stockholm's' wichtige ?sraae soll tM gelöst werden. Die Stadtverwaltung r von toioanoiin yai namilcq ven schon vor mehreren Jahren gemachten Vorschlag wegen Anlegung eines Kanals 'angenommen und für diesen Zweck 600.000 Kr., bewilligt. Durch den neuen Kanal wird die Einfahrt nach der schwedischen Hauptstadt bedeutend verkürzt, und die Kosten für die Ein fabrt werden um zwei Drittel verrin gert. Die Bauzeit ist auf vier Jahre berechnet und vie osten werden 1, 200.000 Kr. betragen. Von den seb lenden 000.000 Kr. will man zwel Drittel vom koiaatt verlangen, die

Ueber die Tanzkunst

von ) st dwig .Tanzen S gern, werthes Fraulein?" ja, furchtbar gern!" Recht so, das offenbart ein heiteres, harmloses, unböses Gemüth, gesunde Konstitution und gewinnende OffenHerzigkeit. Wenn Sie ebenso allerliebst tanzen, wie Sie geständig sein können, dann muß es eine Wonne sem, mit Ihnen zu tanzn!" Ja, das Tanzen! Wie viele Ehevaare haben sich thatsächlich zusammengetanzt! In kleinen Städten ist überhaupt der Tanz- und Ballsaal der einzige Ort, wo die zungen Leute sich beguem zu Brautpaaren zusammenspinnen können. Da man also beim Tanze so leicht sein Liebstes finden kann, hat er wohl schon deshalb eine große Bedeutung. Zu verwundern ist es daher, wie weNkg im Allgemeinen auf die Erlernung des guten Tanzens gegeben wird. Gewöhnlich lernen die jungen Leute heutzutage nur gerade so viel, daß sie im Takt umeinander herumhüpfen können, ohne sich eben sämmtliche Zehen abzutreten oder einander die Kniescheiben einzurennen. Das ist um so bedauerlicher, als er Tanz längst zu bedeutender Kunst, sowohl im Ballet als auch in den feineren Gesellschaftstänzen, ausgebildet worden ist. Gut tanzen ist nicht leicht und bedarf der Uebung wie jedwede andere Kunst. Mancher und manche lernt es überhaupt nie; denn es gehört auch dazu Talent, und zwar nicht allein körperliche Behendigkt, sondern auch' geistige. Nichts steht ungrazwser, tölpischer aus, als wenn ungeschickt getanzt wird, nirgends können junge Leute eine so natürliche Eleganz enifalten wie gerade beim Tanzen. Deshalb sollte man stch bemühen, die Feinheiten des Tanzens herauszufinden. In kleinen Städten zumal, wo nicht so viele ablenkende Zerstreuungen geboten werden wie in der Großstadt und wo so oft Klagen über Oede und Eintönigkeit des Lebens laut werden, sollte der Tanzkunst regstes Interesse gewidmet werden; denn ste verdient es durchaus und wird es den sich darin Uebenden reichlich lohnen. Wenn das Tanzen künstlerisch betrieben wird, ist es auch durchaus gefund. Gesünder jedenfalls als die Ausübung anderer Künste, welche bei der geringsten Ueberanstrengung das Nervensystem empfindlich angreifen; für Mädchen und Frauen (sobald ste sich natürlich kleiden und nicht gerade unvernünftig schnüren u. s. w.)überdies noch gesünder, als wenn ste z. B. turnen; vor allen Dingen wirkt das Tanzen anmuthiger, augcngefälliger, weil es ihrer Tracht angemessener ist. Das Tanzen hat noch Niemandem geschadet, sobald es nicht stark übertrieben, wurde; wohl aber hat den Frauen vielfach unvernünftiges, albern-eitles Schnüren geschadet, desgleichen UnVorsichtigkeit, durch eiskalte Getränke den Durst zu löschen, und den Herren besonders das Rauchen, durch w' die Luft verschlechtert und die Lunge so stark angegriffen wird. Ebenso gejährlich kann jäher Temperaturwechsel von Saalluft und kalter Luft dem erhitzten Blute werden. Man hat ja aber durchaus nicht nöthiq, stch dem allen auszusetzen. Durch die Erfindung der reizvollen Reigentänze ist man nicht einmal auf den Saal oder Stube angewiesen und kann besonders diese weit interessanteren und gefälligeren als die Rundtänze, ebensogut, wie auf parkettirtem Boden, auf grünem Rasen unter schattigen Bäumen ausführen. Wenn man sich aber nun einmal darauf kapricirt, Rundtänze zu schleifen, nun gut,dann ilt .leicht ein Bretterboden hergerichtet lbal .champetre), oder ein glatter As-phalt-oder Cementgrund geschaffen. Wie frischsroh haben sich unsere mittelalterlichen Dörfler im Tanze um die Dorflinde herumgetummelt! In den hessischen Dörfern z. ist die Sitte noch gewahrt: da umkreist die Jugend ZU der Mustk einer Klarmette, zweier Fiedeln und eine? Basses walzend dk Linde; die Dorfschönen leider verdienen ste dort diesen Namen nur selten, denn sie sind meist unansehnlich und häßlich sind dabei geschmacklos genug mit Kränzen aus papierenen und wächsernen Blumen geschmückt. Daß man aber Rundtänze in guter Gesellschaft selbst auf Gartenkies in Restaurationsgärten veranstaltet, kann man in einigen Städten Thüringens in jedem Sommer erleben, z. B. in der Goethestadt Weimar. Das Tanzen wird heute fast nur noch von der Jugend ausgeübt, sogar die Kinder werden schlimmerweise in sogenannten Kinderbällen" (namentlich bei großstädtischen Bankiersfaml lien sehr beliebt) dazu herangezogen. Völliger Widerspruch zu den v alten Zeiten, im Hinblick auf welche man übrigens den Tanz erst recht würdigen lernt. ' Gerade umgekehrt wie heute tanzten damals nur die Erwachsenen, Voll mündigen, und nie beide Geschlechter zusammen oder zugleich, fondern meist gesondert, in Chören und einzeln. Und nicht die grauen, sondern Hauptfach lich die Männer tanzten in jenen Urleiten. Man kann diese Tanzesstite noch be! den in der Kultur zurückgebliebenen Völkern, den Naturvölkern, beobach ten, wo noch heute wie damals die Krieger, Häuptlinge, besonders .Prie fter oder sogenannte Magier, Zauberer in absonderlichen Tanzmasken, wie man sie m den Museen zahlreich aus gestellt sehen kann, ihre schauerlichen Tänze aufführen Nicht, wie jetzt in der cwllisirten Welt, zu gesewgem

Zeitvertreib diente ursprünglich der

Tanz, sondern er wurde, zuweilen blu-tlg.-ernst, als Staats- oder Neligionsseier aufgefaßt. ftur Frauen galt das Tanzen im ganzen Alterthum und frühen Mittelalter für unpassend. Nur zweifelhafte Frauenspersonen ließen sich tanzend sehen. Daß aber auch hochgestellte Frauen des Tanzes kundig waren. lehrt uns selbst die Bibel, da sie von einer tanzenden morgenländischen Köniqstochter, von allerdings zweifelhaft ter Gesittung erzählt. In Altgriechenland tanzten die Frauen bei religiösen Feierlichkeiten Reigen in Chören. Der Emzeltanz war verpönt und den Sklavinnen preisgegeben, an deren Tanzbewegungen sich die zum Gastmahl gelagerte Mannerwelt entzückte. Die uralten Tänze, in Chören oder einzeln, werden wohl hauptsächlich groteske Pantomimen, zunächst KamVfesspiele vorgestellt haben, und die Krieger haben dabei vermuthlich stets in vollem Waffenschmuck getanzt. Den Frauen wird 'wahrscheinlich, wie noch Leute bei den meisten wilden VölkerKämmen, die musikalische Begleitung lugesallen sein, welche rn rythmischen Lauten meist auf Schlaginstrumenten erzeugt wurde oder in eintönigem Gesang bestand. Den Hauptspektakel dürften die Tänzer selbst vollführt haben durch großes Geschrei und Lärmen mit den Waffen (Schlagen der Speere, oder Schwerter gegen die Schilde u. s. w.). Auch Jagdscenen wird man mit Vorliebe dargestellt und die Bewegungen der Thiere, namentlich der possirlichen Affen, nachgeahmt haben. Aus diesen kriegerischen, grotesken Tanzpantomimen haben sich wohl erst viel später die religiösen, phantastischen Zaubertänze und noch später die feierlichen, aber zuweilen auch abstchtlich komischen (Bockstänze). theils reli5iös, theils theatralisch verwertheten Ehorreigen der. Hellenen herausgebildct. Daß diese Chorreigen, besonders die theatralischen, kunstvoll und höchst komplizirt gewesen sind, kann kaum bezweifelt werden. Weniger kunstvoll war die musikalischc Begleitung, welche sich auf einige Schlaginstrumente, wenigsaltlge Har fen beschränkte und, wenn es hochkam. die Flöte hinzunahm. Für unsere heutigen Ansprüche also ganz unzulänglich! Vor allem wird man wohl ocpu gesungen haben, aber nicht etwa in Melodien denn diese kannte man da.nals, wie erwieftn ist, so gut wie 2.ir nicht sondern meist auf einem 'one (unisono), vehr rythmisch. Man dürfte also mehr zum Tanze deklamirt als gesungen, gleichsam Recitative mit Tanz aufgeführt haben. Bei den kleidsamen Gewändern der Hellenlnnen muß aber ein solcher seier licher Chorreigen mit sinnvoller, ein dringlicher Deklamation gleichwohl einen eigenartigen, zauberischen Reiz .ausaeuo: yaoen. Nicht gar so lange ist es demnach cr, daß die jetzt fast allgemein gedräuchlich gewordene Zwei-Tanzweife aufgelommen ist und sich eingebürgert :at. Die, neuere Tanzkunst erstand tti um 1400: wie man annimmt, zu nächst bei den Italienern. Sie ist also noch sehr jung an Jahren und fast ol:lÄalt?r:g mit der Tonkunst. Ausgebildet wurde der Tanz damals besonders am französischen Hofe. Da der Tanz selbst in ener Zeit sei nen religiösen Charakter noch nicht völlig abgestreift hatte, obgleich dieGesellschaftstänze bereits in Aufnahme gekommen waren, darf man aus der geschichtlichen Ueberlieferung schließen, cemak welcher bei einem Feste rn Mai land zu Ehren der Anwesenheit des Königs Ludwig des Zwölften von Frankreich selbst Kardinäle beimTanze Mitwirkten. . Inzwischen aber hatten sich bei den verschiedenen, in sich abgeschlossenen Völkerschaften die Natwnaltanze ent wickelt, die für die - modernste Tanz kunst und den Gesellschaftstanz eine reiche Fundgrube von Originalität geworden sind. Als gefällige, bereichernde Erfindung müssen auch die Maskenbälle bezeichnet werden. Mit diesen schwingt sich selbst der zurKurz weil dienende Tanz ganz bedeutend ins geistige Gebiet hinüber; denn um 'geschmackvolle, neue, wirklich originelle und sinnvolle Tanzko stume zu entwer fen, gehört eine ganz bedeutende Porhon Erfindungsgabe, malerisches Ta lent. ausgezeichneter Farbensinn .und femes Formenverstandn:ß. , Am -meisten Nutzen hat von den Künsten die Mustk aus dem Tanze m:t 1 emen mannigfachen Nyythmen gez 2:n. Welch reiches, interessantes und 2.um Theil künstlerisches Feld umfaßt das Gebiet der Tanzmusik! Wie kunstvoll harmonisch, instrumentatorisch und kontrapunktisch ist z. 23. selbst ein moderner Tanzwalzer gewoben! Welcher riesige Orchesterapparat, welche o deutende musikalische Fertigkeit gehört oft dazu, um ihn mit Schwung aufzu spielen! Und wie sprudelt es von löstlichen Melodien daraus hervor: bald melancholisch klagend, bald lieblich schmeichelnd, bald schelmisch neckend. bald kokett prickelnd, bald robust baue risch, bald fein-zierlich-graziös nicht Lum Ausaalten'fur leichtes Blut. Einer derartigen, unaemein kunstfertigen Musikbegleitung aucb im Tanze zu genügen, sollte man sich wahrlich befleißigen! Ihr ebenso kunstvoll stlchzuhalten und nicht kunst los hüpfend hinter ihr zurückzubleiben. ist-daher eine berechtigte, sich von selbs eraebende Zs?orderuna. Unverzeihlich ist es ferner, bei den wenigen jetzt allgemein uollchen Bau tänzen stehen zu bleiben, da man ja b? der großen Auswahl von Neigen- und Nationaltanzen ganz und gar nlch nöthig hat, sich mit ihnen zu begnügen ' Und besonders verdienen es die Reigentanze, wieder vorgenommen, neu

ausgebildet und weitergeführt zu werden. Nicht nur die gesellschaftliche Unterhaltung würde dadurch beträchtlich gefördert werden, sondern auch der Musik würde es praktisch frommen, in-

dem sie sich sicherlich den kunstgerechten Reigen wiederum kunstgerecht anschmiegen, sie unterstutzen und heben würde, sich selbst zugleich erweiternd und vervollkommnend! Eine heitere Tyeater.NeminiScenz Als noch im großen Opernhause zu Dresden, das im Mai 1849 während der Straßenkämpfe die Aufständischen Niederbrannten, die berühmten fremden Sängerinnen auftraten, war zu der Vermählungsfeier des Kurfürsten Friedrich August im Februar 1769 die Sängerin Fuaramonti nach der sachsischen Hauptstadt berufen, um rn der Oper La Clamenza di Tito" mitLuwirken. Während einer Bravourarie hatte die Sängerin einem als Götterknaben gekleideten kleinen Mädchen die Hand auf den Kopf zu legen und bei der Kadenz" die Hand schwörend gegen den Himmel zu erheben, indeß der GLtterknabe verschwand. Hierbei passtrte der Sängerin aber ein leidiger Unfall. Der Götterknabe hatte eine lockige Perrücke auf, die nicht aut befestigt war. Die Sängerin blieb mit einem Finger in dem Gelock hänaen und hob es schwörend mit in die Höhe. Alles lachte, die kurfürstlichen Neuvermählten nicht ausgeschlossen. Verlegen, doch nicht ganz außer Fassung, reichte die Sängerin geschwind das Haar einem der als Genien aufgetretenen Statisten, deren Zahl an diesem Abend gegen sechzig betrug, und winkte ihm, das Ding hinter die Kulisse zu schleudern. Der Genius aber, wahrscheinlich der Dümmste von Allen, wußte nicht, was er mit der Perrücke anfangen sollte, er gab sie seinem Nachbar, dieser dem Nächststehenden, und so ging sie durch den ganzen Genienchor von Hand zu Hand, bis sie endlich der letzte der Schutzgeister, der wohl nur wenig dümmer war, als der erste, der Sängerin wieder einhändigen wollte. Diese, welche, indessen singend, nicht wußte, was hinter ihrem Rücken vorging, noch weniger aber sich erklären konnte, weshalb das Publikum trotz ihrer Bemühungen, es durch den Zauber ihrer Stimme zu begeistern, aus dem Lachen nicht herauskam, war außer sich vor Verlegenheit. Als ihr aber die verwünschte Perrücke wieder hingereicht wurde, gerieth sie vor Wuth außer sich und schlug dem Genius das Haar um die Ohren. Der Vorhang siel und die Oper war zu Ende. Vergebliche Liebesmühe. Du. Charlie, sobald sich das Biest 'rumdreht, bind'ft Du ihm die alte Oelkanne an den Schwanz! Verstanden?" . , Donnerwetter, sind wir aber schön 'reingefallen!" Unsere Dienstniädchen.., Anni; Du hast Dir jetzt Einen von der Eisenbahn anschafft, Bettie?" Vettie Ja; er versteht das'Wacenschieben gut." WMUttitnV'S im Lricnt. ?c ' Aus den mohammedanischen Staaten hört man wenig von focialistischen Ideen und auch in den historischen Rückblicken auf derartiges, die jetzt gerade zeitgemäß sind, wird der Orient nie erwähnt. Und doch hatte die Türkei sogar schon eine socialistischeRevolution und lange bevorProud hon sein berüchtigtes Wort Eigenthum ist Diebstahl" in die Welt setzte, hat ein türkischer Bauer mit derselben Phrase die Proletarier zur That entflammt. Er hieß Böre. und der Auf stand, den er im Jahre 140 entfesselt batte. griff fo feh: um sich, daß ein Heer von 180,000 Mann nöthig war. um ihn zu dämpfen. Zwei große Schlachten gewann Böre. und nur durch gewaltige Anstrengungen gelang es endlich dem Großwesir Bajisid Pascha und dem Sohne des Sultans. Murad, die Revolutionäre zu besiegen. Böre wurde gefangen, gemartert und aekreuzigt und dann' begann ein grausamer VertZlgungs'lieg gegen sein: Anhänger.

IÄ ' 1 1 1 1 1 1 V' Llj A WMW ,8 i&&J$&k&& h ttriss MMMMMiMM mm 'MMmmMIMm

m j m . I, Ä. WR?MwM K mAZ:' cl .M-'HÜ M; Vf wmäwMMj

'

ubriae burnrne t): Durch freiwillig yeiträae aesichcut. . , i ..i .