Indiana Tribüne, Volume 17, Number 173, Indianapolis, Marion County, 12 March 1894 — Page 7

Briefe aus Deutschland. 3? ph Wilhelm Kaufmann. Dresden. Ans. Februar. ' Nur seine Machtstellung bringt daS deutsche Volk weit größere Opfer, als auf dem Papier erscheinen. Zwar ist es wahr, daß die regulären Un-kosten-für das Heer und die deutsche Flotte ungefähr fo hoch sind, als die Summe, welche die amerikanische Bundesregierung (in ganz unverantwortlicher Verschwendung) für ihre Kriegspensionäre bezahlt. Die amerikanischen Pensionsunkosten sollen sich für das laufende Jahr auf über 160 Millionen Dollars stellen, also auf unaefäbr 650 Millionen Mark, während für das deutsche Heer im letzten 5!abre 573 Millionen Mark und für die Flotte 85 Millionen, also zusammtn 658 Millionen Mark verausgabt worden smd. Aber in diese Summen sind die sogenannten einmaligen Verwilliqunaen. die Extra - Ausgaben, nicht mit eingerechnet. Eine genaue statistische Angabe über diese ExtraAusgaben für Heer und Flotte liegt mir nicht vor. die Summe ist jedoch enorm hoch, sie stellt sich dor in den verzehrten französischen Milliarden sowie in den schon anderthalbMilliarden be:raqenden Neichsschulden. Wer cbe? kann die riesigen materiellen Opfer berechnen, welche das Volk noch außerdem bringt in Gestalt von Zuschüssen an die bei der Fahne dienenden Soldaten, die regelmäßigen ZuIcqen, welche den Officieren aus Privatmitteln zu Theil werden, und die vollständige Erhaltung der . vielen Tausend Einjahrig-Freiwilliger? Der Vergleich der deutschen Heere'sunkosten mit dem amerikanischen Pensionsschwinde! fällt demnach. durchaus nicht zu Gunsten Deutschlands aus, sofern man alle Aufwendungen für Deutschlands Heer und Flotte in Anschlaa brinaen will. . Namentlich für das Officierscorps muß das deutsche Volk aus PrivatMitteln ganz gewaltige Zuschüsse liefern. Denn der Sold dieser säbelras selnden Staatsdiener ist ganz ungenügcnd. aber er ist doch wohl schon so hoch, wie er angesichts der Vorhändenen Mittel überhaupt sein kann. Es verlohnt sich wohl, die genauen Ancaben über die Besoldung der deutschen Officiere (bis zum Obersten) niitzutheilen: . Mark. Regimentscommandeur 7800 Bataillons- und AbtheilungsCommandeur und StabsOfficier dieses Ranges in Generalstab. Cav.. Art., Ina.-Corps und Train . . . 5700 Bataillons-Commandeur bei der Infanterie 5400 Hauvtleute und Rittmeister 1. Klasse. Cav.. Art., Jng., Train 3900 Hauptmann 1. Klasse, Infanterie 3600 Hauvtleute und Rittmeister 2. Klasse obiger Waffen 2520 Hauvtmann 2. Klasse, Jnfantuh 2160 Vremie? - Lieutenants obiger Waffen 1260 Vremier-Lieutenants der Infanterie : 1080 Seconde-Lieutenants, Fußartil- ' lerie u. Eisenbahnregiment . . 1183 Seconde - Lieuienants, Grde, Cav. und Feldartillerie 1008 Sec.-Lieut. der Infanterie .... 900 Dazu noch Wohnungszuschuß je nach der Garnison.'' Für den Regi-ments-Commandeur im Durchschnitt 750 Mark, für - Stabsofsicier, Rittmeiste? und Hauptmann im Durchschnitt 450 Mark, für den Lieutenant 225 Mark. Außerdem noch Rationsgelber, welche jedoch bei den unteren Chargen fast gar keine Rolle spielen. Es ist nun wohl einleuchtend, daß ein Officier unter dem Range eines Hauptmanns erster Klasse mit einer derartiaen Löhnung nicht auszukommen vermag, selbst wenn er der sparsamste Wirthschafte? ist. So ein ariner Seconde-Lieutenant bekommt ja von seiner Löhnung selten mehr als 30 Mark im Monat baar in die Hand, denn das Uebrige wird ihm für Mittazstisch. Equipirung, Service und Beitrag zur Regimentsmusik abgezocen. Es verbleibt ihm also täglich eine Mark. 24 Cents, zur Befriedigung aller nicht schon bezeichneten Vedürfnisse. Es wird demgemäß auch Niemand zur Officierslaufbahn zugelassen, der nicht Privatmittel wenig stens für einige Jahre ausreichend nachweisen kann. Man kann sagen, daß alle Officiere bis zum 35. Jahre, d. h. bis zur Erringung des Hauptinannsranges erster Klasse, Zuschuß aus Privatmitteln erhalten. Man kann freilich sagen, daß es bei den meisten Studirten ähnlich ist, denn sehr viele Juristen. Mathematiker, Mediziner und Philologen erreichen erst na'.? zurückqelegtem 35ten Jahre eine auskömmliche Einnahme. Nun aber sind die Kreise, aus denen die Officiere meistens hervorgeben. keineswegs die reichsten. Die Söhne des begüterten Adels finden in bestimmten hocharistokratischen Reqimentern Aufnahme und bei diesen besonders günstig gestellten Herren spielt der Sold allerdings gar keine Rolle. Sie dienen ja nur der gesellschaftlichen Stellung wegen, welche der Officiersstand bietet, oder weil es sich für solche Kavaliere, nach der Herrschenden Anschauung, nun einmal so schickt. Die kei weitem größte Mehrzahl jedoch übernimmt Portepee und Schärpe in der Hoffnung, eine auskömmliche Lebensstellung zu erringen. Man wird Officier, wie man Jurist, Mediziner. Philologe wird. Wäre es anders, so würde sich d Disciplin pewiß nicht in der Weise aufrecht er-

halten lassen, wie es jetzt geschieht. Denn selbst wenn es so viele unabhängig reiche Zunge Leute in Deutschland gäbe, als man Officiere braucht, und wenn sich alle diese auch dem Stande widmen wollten oder dafür geeignet wären, so würde der Staat sehr schlecht dabei fahren. Das Offiliercorvs würde dann in eine noch weit schroffere Sonderstellung gegenüber den bürgerlichen Berufen und namentlich aegenüber den Soldaten gerathen. Die unabhängig Reichen las sen sich das nicht gefallen, was der jüngere Officier verschlucken muß und worüber ihn seine bevorzugte gesell schaftliche Stellung nur schwer hinweatäuschen kann. Denn zu einer wirklichen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gelangt man in diesem Stande ja erst, wenn man die Generalsabzeichen errungen hat. So lanae militärische Vorgesetzte vorhanden sind, müssen auch die Rüffel, manchmal höchst unverdiente, eingesteckt werden, welche die königlich-preu-ßische Disciplin mit sich bringt. Wärr. die Officiere sämmtlich so reich. daß sie bei jeder Kränkung einerlei ob verdienter oder eingebildeter ihren Abschied nehmen könnten, so würde sich bald ein großer Osficiersmanqel einstellen. Die großen Opfer, welche der deutsche Officiersstand in Gestalt von Zuschüssen fordert, werden vorwiegend vom Mittelstande gebracht, zu dem man ja auch den kinderreichen und ziemlich verarmten niederen Adel rechnen muß. Der Staat, welcher den Officier anstellt, verlangt von demselben ein standesgemäßes Auftreten und die Entfaltung eines beträchtlichen Luxus, ohne ihm, als Entlohnung für seine Dienste, die entsprechenden Mittel auszuzahlen. Er bietet als Entschädigung die goldenen Tressen, auf welche der Volksmund einen nicht sehr schmeichelhaften, aber sehr zutreffenden Reim gefunden hat. Und er bietet durchaus nicht, wie wir bald sehen werden, eine sichre Existenz in späteren Jahren und keine genügende Versorgung im Alter. Trotzdem ist der Andrang zu diesem Stande noch immer so groß, daß noch recht viele Aspiranten zurückgewiesen werden können. Das ist auch bei der militärischen Erziehung der deutschen Nation nicht zu verwundern. Die Stellung eines Osficiers ist ja eine äußerlich sehr glänzende. Er ist Hofsähig und daher steht ihm die Thür aller Kreise offen, welche gesellschaftliche Vortheile bieten. Der junge Mann, der sich nach vollendeter Schulbildung für einen Beruf zu entscheiden hat. wird von diesen rein äußerlichen Vortheilen leicht bestochen. Er sagt si&: Soldat muß ich ja doch werden. Ich habe ein Jahr als Fttiwilliger zu dienen, mich während dessen selbst zu erhalten, muß dann mehrere Jahre 4 8 Wochen der Einziehung mich unterwerfen da werde ich lieber gleich Soldat auf Lebenszeit." Dann wieder: Wie die Verhältnisse heute in denjenigen Berufen liegen, in welchen ein standesgemäßes Fortkommen möglich ist. so erreicht der Jurist, der Mediciner, Philologe, ja ost genug auch der Theologe erst Mitte der Dreißiger eine Stellung, welche ihn von Unterstützung aus Privatmitteln ganz unabhängig macht. Bis dahin bedarf man also im Studium sowohl, als beim Militär des Zuschusses. Dann aber hat der Officier noch den besonderen Vortheil, daß er eher eine reiche Heirath eingehen kann, als der Civilist. Letzteres ist einer der Hauptgründe, welche bei der Wahl des Officiersberufs' ausschlaggebend sind. ' Ueber das Unmoralische einer Geldheirath macht man sich in diesen Kreisen schon längst keine Kopfschmerzen mehr, obschon man sonst in allen Ehrensachen so besonders zartfühlend zu sein bestrebt ist. Können ja auch die Fürsten bei Eingehung der Ehe nicht ihrem Herzen folgen, sondern müssen sich Staatsrück sichten unterwerfen. Mit diesem Satze beschwichtigt man wohl etwa aufkommende Einwände und so ist die Goldfischjagd der Officiere etwas ganz Selbstverständliches geworden. Auch der Staat hat diese Goldfischjagd stillschweigend sanktionirt, indem er die von jedem Officier bei Eingehung der Ehe zu stellende Kaution auf 75.000 Mark erhöhte. Diese Kaution wird aber in fast allen Fällen von der Ossiciersbraut gestellt. Da aber der Zins genuß aus diesem Kapital oft genug nicht hinreicht, um im Vereine mit dem geringen Solde die Führung eines standesgemäßen Haushalts zu ermög lichen, so zehrt man vom Kapitale, indem Schulden gemacht werden unter Verpfändung der fest deponirten Kautionssumme. So wird die letztere nach und nach kleiner, und.nicht selten ist sie schon ganz und gar aufgezehrt, wenn der bewußte blaue Brief kommt, der ben ehrenvollen Abschied bringt. In der deutschen Armee waltet das Bestreben vor, den Officiersstand beständig zu verjüngen. Und das ist ja auch in jeder Beziehung berechtigt, ja sogar nothwendig. Zu Lieutenants kann man keine älteren Herren brauchen. Die Stellung ist ja eine so unselbstständige und einem wirklich strebsamen und geistig regen Manne muß sie zuwider werden, nachdem er ein gewisses Alter erreicht hat. Wer mit dem 35. Jahre noch nickt Hauptmann geworden ist, scheidet in der Regel schon dann aus, häusig genug wird es ihm schon die! früher nahe gelegt. Denjenigen Herren, welche nicht die Veranlagung besitzen, eine Compagnie selbstständig zu führen und die Verantwort lichkeit für die gründliche Ausbildung von 150 Mann zu übernehmen, wird das in der Regel schon frühzeitig zu verstehen gegeben. Viele-der so aus der Armee Abgeschobenen- (oft genug lus Gründen, die durchaus nicht ehren kränkend sind,) wenden sich dem Aus

lande zu. Beispiel die vielen Officiere i. D. der deutschen Armee, denen man in Amerika begegnet. Aber, aber, die schlimme Majorsecke! Da weht ein scharfer Wind,, da scheitert so manche langgehegte Hoffnung, so mancher tüchtige Mann muß da dem Stande entsagen, welchen er zum Lebensrufe sich erwählte, und muß die zroße Armee Derjenigen vermehren, welche im besten Mannesalter als Ofnciere außer Dienst und in den trau.'igsten Verhältnissen- sich durch die Qelt zu schlagen haben. Nur der Tüchtigste wird Stabsofsicier. das ist in der preußischen Armee Tradition, und mit rücksichtsloser Schärfe wird sie in Anwendung gebracht. Ein nicht zanz den Anforderungen entsprechender hauptmann kann ja noch geduldet, resp, noch einige Jahre mit durchge'chleppt werden, aber zum Führer eines Bataillons nimmt man nur unter den Besten den Besten. Wird nun die Stelle eines Majors vakant, so bekommt dieselbe nicht etwa, wie das so In unserer amerikanischen Bundesirmee Regel ist, der an Dienstjahren ilteste Hauptmann. sondern der t ü chiigste unter den Hauptleuten des zetresfendcn Bataillons. Da werden )ie Führungslisken, welch: üb:r sammt;i$e Officiere im Geheimen abgefaßt rorden sind, genau geprüft, da wird zerglichen und berechnet, sorgfältig die Qualifikation jedes Einzelnen der bei Der Wahl in Frage Kommenden abge-.-vogen, und der Beste erhält die Stelle. Zs mag ja sein, .daß bei der Fällung dieses Urtheils auch noch auf Anderes Rücksicht genommen wird, als auf Tüchtigkeit. So z. B. wird wohl stets der Adelige über den Bürgerlichen sie gen, falls beide in Betreff der Führung gleichstehen, aber der hohlköpfige Streder hat keinen Vortheil über den bewährten tüchtigen Mann. Denn der Oberst, auf den es bei der Wahl Hauptsächlich ankommt, wird verantwortlich gehalten für die Tüchtigkeit des Erwählten, und wenn sich herausstellt, daß die Unfähigkeit gesiegt hat. so mögen der Oberst sowohl, wie der Erwählte, sich nur recht bald ebenfalls aus den blauen Brief gefaßt machen. Man weiß, daß die berühmte Tüchtigkeit des

preußischen Officierscorps gerade in der rücksichtslosen Anwendung dieses Princips seinen Grund hat und unter dem Kaiser Wilhelm dem Zweiten ist dieses Princip womöglich noch scharfer zur Anwendung gekommen, als unter dem greisen Soldatenkaiser. Nun aber gilt ein anderer Grundsatz in der Armee. Wer beim Avancement von einem Jüngeren überflügelt wird, hat seinen Abschied zu nehmen. Es gilt das als Ehrensache, obschon es durchaus nicht logisch ist, und imCivildienst kennt man diese Anschauung nicht. Aber in der Armee gilt sie als ungeschriebenes Gesetz. Wer demselbcn nicht Folge leisten und in seiner errungenen Stellung verbleiben, also einen früher ihm unterstellten Officier später als Vorgesetztem annehmen wollte, der wird bald genug finden, daß seine Stellung unhaltbar gewor den ist, er wird aus der Armee herausgegrault. Diese Zustände sind es auch,' welche in Officierskreisen das sonst ganz undenkbare Verlangen nach einem Kriege begünstigen. Der Krieg reißt Lücken, ganz entsetzlich: Lücken, namentlich unter den Officieren, aber er begünstigt das Avancement. Daher der Wunsch nach einem Kriege. Doch sehen wir uns einmal die Majorsecke näher an. (Es gibt zwar noch andere schlimme Ecken, die Ober-sten-und die Generalsecken, aber daran scheitern doch Männer in vorge rückteren Jahren und mit entsprechend höheren Ruhegehalten.) Aber die Majorsecke bringt die Männer von 4045 Jahren zu Fall. Das Ruheaehalt beträat ie nach dem Dienstalter der Ausgeschiedenen 2000 bis 2500 Mark im Jahre. Diese Pension mag für den ledigen Officier, der ein einigermaßen guter Haushälter ist, ausreichen. Der Verheiratete, namentlich der mit herannxlchsenden Kindern gesegnete, kann damit nicht auskommen. Denn man muß wohl die Standesvorurtheile bedenken, welchen dieser Pensionär genügen zu müssen glaubt, und die Anschauungen, die in Officierskreisen gelten.. Wer bis zu seinem 45ten Jahre seinen Haushalt nach den Anforderungen zugeschnitten hat. welche der Stand an ihn stellte, ja wer seine Stellung überHaupt gar nicht hätte bis dahin beHäupten können, falls er diesen Anforderungen nicht genügt haben würde. der sieht sich nun urplötzlich auf ein ganz unzureichendes Einkommen an gewiesen. Wenn Privatvermöaen vor Handen oder erheirathet worden war, so ist es um diese Zeit ja meistens schon stark reducirt, wenn nicht schon ganz ausgezehrt. Der abgedankte Officier muß sich nach einer Stellung umsehen, welche ihm Beschäftigung gibt und ihm Brot bringt. Aber wie schwer wird es ihm werden, eine derartige Thätigkeit zu finden. Der Staat hat viel zu viel ausgediente Unterofficiere zu beschäftigen. und wenn sich der ehemals so glänzende Kavalier, Träger eines stolzen Titels und Besitzer mehrerer Orden, auch dazu hergeben möchte, die Stellung eines Subalternbeamtcn im Eisenbahn- oder Steuerdienst an zunehmen, es sind selten Vakanzen vorhanden: außerdem erachten es die betr. Behörden für unpassend und nicht mit dem Dienste verträglich, wenn ein ehemaliger Feldwebel im Eisenbahndienste der Vorgesetzte sei nes früheren Majors t.'den soll. Trotzdem hat sich in einzelnen Fällen ein solches Verhältniß wirklich herausgebildet.' Im stofistiscfyn! Amk in Berlin kommen noch verhältnißmaßig viele Officiere a. D. unter. alö

auf unbestimmte Zeit angestellte Hilfsarbeiter mit 5 Mark Diäten pti Tag! Zu diesen trostlosen Stellen drängen sich Hunderte von Officieren, meistens in Folge bitterer Noth. Im Versicherungswesen sind manche thä tia. ebenfalls bei den Reitschulen und an Lehranstalten; einzelne kommen als Verwalter von Strafanstalten z Stellung. Bei industriellen Untere nehmungen findet jedoch selten einer derselben Arbeit. Der abgedankte Officier ist für einen anderen Beruf nicht geeignet, und wenn er auch im langjährigen Dienste Ordnungssinn und die Gabe, mit Menschen umzugehen, erlernt und sein Organisationstalent ausgebildet hat, so werden ihm doch bei Bewerbung um Stellen Männer aus dem Civilstande vorgeZogen. Die Zahl dieser abgedankten Officiere vermehrt sich von Jahr zu Jahr, und' namentlich die Hauptstädte besitzen ein sehr starkes Contingent. Wie manche Tochter oder Gattin eines derartigen Opfers seines Berufes arbeitet heimlich für Wäschegeschäfte und sucht durch ein paar verdiente Pfennige die traurigen Verhältnisse der ehemals so stolzen Familie aufzubessern. Die Zahl folcher Damen ist eine so große, daß gerade dadurch die Löhne der weiblichen Bcrufsarbeiter in diesen Branchen so furchtbar gedrückt werden. Das gnädige Fräulein, welches sechs bis acht Stunden täalich über einer Stickerei gebückt sitzt, blos um den Schein zu wahren, muß mit irgend einem Lohne zufrieden sein. Es darf keine Ansprüche an den Arbeitgeber erheben, denn dieser hat ja ein Geheimniß zu wahren. Um keinen Preis darf es herauskommen, daß die Tochter des Herrn Majors a. D. von X. für Geld arbeitet! Die Familie wäre ja unmöglich geworden, und die Brüder dieser gnädigen Wäschearbeiterin, welche zur Zeit im Cadettenhause wieder für die Osficierscarriere abgerichtet werden mit der trüben Aussicht, so bald als thunlich auf die Goldfischjagd zu gehen diese Brüder würden durch eine derartige Entdeckung in ihrer Laufbahn gehindert. Das Cadettenhaus ist noch die beste Hilfe für solche Familien. Die Officierssöhne werden dort nämlich für eine äußerst geringe Summe ausgebildet und verpflegt. Die Söhne armer Officiere haben deshalb noch ein ziemlich gutes Fortkommen aber was wird aus den Töchtern? Ein liebeleeres, entbehrungsreiches Leben ist ihr Schicksal in den meisten Fällen. Nicht selten sind die Fälle, in denen Ofsiciere außer Dienst die Reihen des vornehmen Proletariats vermehren. Sie fallen leicht den Wucherern zum Opfer, nehmen Darlehen auf, denn die Jahrespension verschafft ihnen Credit, und so kommt es vor, daß die kärgliche Pensionseinnahme zur Deckunq von Wechseln benutzt werden muß und daß der Wucherer ein gutes Theil der Summe für seine höllischen Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Es ist am Ende kein Wunder, daß so mancher Officier im Stillen den Tag herbeiwünscht, an welchem ihm der Krieg Beschäftigung und Avance ment oder den ehrenvollen Tod ge-währt.

Der neue Erlkönig. Von einem Londoner Leser erhält die Frkf. Ztg." die folgende Modernisirunq des Erlkönigs, die in den Kreisen der Besitzer von am:rikanischen Papieren gewiß einen grausenerregenden Eindruck hervorrufen wir: Der Erlkönig. (Amerikanisch.) 1. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? ' Es ist der Vater mit seinem Kind Bondholder mit seiner Mortgage im Arm, Er hält sie sicher, er hält si: warm. 2. Mein Kind, was birgst Du so bang Dein Gesicht? Siehst, Vater Du den Receiver nicht? Den Receiver dort mit seiner Büchs? Ich fcfc davon im Kursblatt nix. 3. Mein liebes Kind, komm her zu mir, Ein schönes Agreement mach' ich - mit Dir, Dann spult mit Dir das Comite. Kommerzienrath X. an der Spitze steh'! " 4. Mein Vater, mein Vater, und hörest Du nicht. Was der Receiver mir leise verspricht? Sei ruhig, bleib: ruhig mein Kind, Die Second Mortgage fällt nicht so geschwind! 5. Ich liebe Dich, mich reizt Dein schönt$ Geld, Ein Asseßment wär' das Gescheidtst' auf der Welt! Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an. Ein Jmprovement hat er mir angethan! 5. Dem Holder grauset's, er itet geschwid. Mit Aechzen die Kurse fallen geschwind. Erreicht die Börse mit Mühe nur Da fand er vor die Foreclo sure! Germersheim. Seit Kurzem werden d Wachmannschaften, welche Außenposten beziehen, wieder mit scharfen Patronen versehen, da in letzter .Zeit verschieder.: Angriffe und Mißhandlungen solcher Posten stattgefunden haben sollen. . .

Sie Falsche!

Eine Maskenball - Geschichte.. Lon . I. .Nimm's mir nicht übel. Frauchen: Zber das ist so eine Sache mit diesen sogenannten Heirathsvermittlungen!" octor Arthur Fcderlein. ein nicht ganz unberuhmter Rechtsanwalt, strich, indem er das sagte, seinen blonden Schnurrbart und blickte auf eine jugendfrische, weibliche Gestalt, die vor dem Spiegel unter einem Haufen bunten Flitters wühlend, auqenscheinlich mit der Toilette zu einem Mastenball beschäftigt war. Sie drehte sich jetzt rasch um. Ach geh. für seine Schwägerin follte man durch's Feuer gehen; das arme Mädchen hat so lange keine Festlichkeit mehr mitgemacht und gerade diese Gelegenheit " Muß sie denn nun absolut zu einer Ehestiftung mißbraucht werden?" Die Gestalt vor dem Spiegel zuckte die Achseln, indem sie sich wieder an ihre Beschäftigung begab. Meinetwegen denn: Du hast ja kein Herz für die arme Helene, bei der es noch gerade an der Zeit wäre, einen Mann glücklich zu machen!" Um die Lippen des jungen Rechtsanwalts zuckte ein flüchtiges Lächeln. Na. na. funsunddrclßig Mal wird doch der Mai übe? ihr Haupt hinweggezoaen sem! Bitte schön, sie feierte ganz kürzlich ihren dreiunddreißigsten Geburtstag!" ' Hm. die Differenz ist so groß nicht: ja. wäre sie bei ihrem respektabelen Korperumfange noch, was man so nennt, einigermaßen ansehnlich!" Aus diese letzte Bemerkung erhielt Arthur Federlein einstweilen keine Antwort: die junge Frau schien ganz in ihre Belchastigung vertieft. Einige Minuten war es still in dem kleinen Raumi. dann sprang ' der Rechtsanwalt plötzlich aus seiner beguemen Lage vom Sopha auf und leate den Arm um die noch immer mit ihrer Toilette Beschäftigte. Eins noch, wenn ich ganz davon absehe, daß es ja eigentlich ein Verrath an dem Freunde ist. wenn ich " Sie hatte sich aus seinem Arm losgemacht. : Erlaube, ein Verrath, durch den vielleicht zwei Menschen glücklich werden: Du schilderst ihn mir als einen anspruchslosen Menschen, der gerade seiner Anspruchslosigkeit und Vescheidenbeit halber niemals dazu kam, sich in das Joch der Ehe hineinzuschwinaen!" Hm. solltest Du mich da nicht ganz richtig verstanden haben? Ich glaube schwerlich, daß sich Rehbaum in eine so verblühte Rose wie Deine Schwester verlieben wird!" In der Nacht sind alle Katzen arau. und unter der' Maske " Aha. läuft's da hinaus? Du möchtest die Sache bis zur Demaskirung fertig baben; na, ich danke, dabei bin ich nicht!" So überlasse ihn mir allein." Arthur Federlein blickte die junge Frau erstaunt an. Wie. Du wolltest " Sie lachte laut auf. Du scheinst der weiblichen Schlauheit wenig zuzutrauen. .Ein Vorschlag: Du stellst ihn mir und meiner Schwester vor. nennst mich natürlich nicht Deine Frau, wir nehmen ihn in Beschlag und puntt zwölf feiern wir Verlobung!" Und ich darf mich während dessen ganz fern halten?" Als sie bejahte, drückte ihr der junge Ehemann seufzend einen Kuß auf die leichtgeschminkte Wange. ' Na, meinetwegen denn; armer Rehbaum!" In diesem Augenblick öffnete sich die Thür zum Nebenzimmer und ließ eine in einen weiten Domino gehüllte weibliche Gestalt eintreten. Der Rechtsanwalt tauschte einen verständnißinnigen Blick mit seiner Frau aus. dann bot er den. Beiden den Arm. nachdem er selbst noch einen rothseidencn Fez auf den Kopf gestülvt hatte. Vorwärts, ich höre unten schon den Wagen!" Es war fünf Minuten später, als das Kleeblatt, von dem strahle.ioen Lichte mes hundertflammigen Krönleuchters geblendet, in der Flügelthür zu dem festlich dekorirtcn Victoriasaal erschien. Arthur Federlein hielt einen Augenblick Rundschau unter der oun ten Masse, die im Saale hin- und her wogte. Dann entledigte er sich plötz lich seiner beiden Begleiterinnen, indem er auf einen ehrwürdigen Ercmi ten. der nicht weit von ihm an einer Säule lehnte, zuflog. Du bist's. Rehbaum?" Eben frisch per Bahn angekommen auf Deine freundliche Einladung; war übrigens gut, daß Du mir viescs Rendezvous bestimmtest; hätte kaum im Dunkeln Deme Wohnung gefun den!" Ich wußte nicht, wann Du ankommen würdest, hätte Dich sonst ab geholt vom Zuge!" Der ehrwürdige Alte winkte lachend mit der Hand ab. Wozu? Hast jedenfalls genug mit Deiner jungen Frau zu thun! Du wirst Mich ihr letzt vorstellen? Ueber Federleins Gesicht flog eine leichte Röthe. Sie ist zu Hause diesen .Abend!" Du scherzest, und die beiden Damen in Deiner Begleitung?" Sind aus der Verwandtschaft meiner Frau: doch komm ! Federlein hatte seinen Freund am Arm ergriffen; ehe sie jedoch bei den beiden, am Eingang noch wartenden

Masken ankamen, flüsterte er ihm

rasch in's Ohr: Apropos, wenn Du mit den Beiden zu thun kriegst, laß Dich warnen vor der Alten!" Der Andere blickte ihn etwas verwundert an. sonnte jedoch nicht antWorten, denn iust stürmten die Bei den auf ihn ein, den Rechtsanwalt lachend bei Seite stoßend. Kommt, ehrwürdiger Vater. Hoffentlich seid Ihr den Vergnügungen der Welt noch nicht so fremd geworden, daß Ihr nicht ein Tänzchen mit uns riskiren dürftet!" Die beiden Masken, die den Eremiten in, ihre Mitte genommen hatten. drehten sich nochmal lachend um. ehe sie im Gewühl verschwanden. Auf Wiedersehen, Monsieur Federlei!" Der so plötzlich im Stich Gelassene wollte den Anderen erst folgen, dann schien er sich jedoch eines Besseren, zu besinnen, denn er drehte sich auf dem Absatz um. indem er leise vor sich hinmurmelte: Na. lassen wir der Sache ihren Lauf; so leicht werden sie hoffentlich meinen guten Rehbaum doch nicht fangen!" Eine leichtgechürzte Marketenderin. die ihn zu dem eben aufg?spielten Damenwalzer engagirte, riß ihn aus seinen Gedanken, und balv-flog er mit dieser durch die bunten Reihen. Es war zwölf; schon hatte Ut Po saune angesetzt zur Demaskirung", da hielt Federlein den Freund, der, zwei Champagnerflaschen im Arme haltend, eben an ihm vorbei wollte, an. He. Rehbaum !': Da wurde dieser erst auf ihn aufmerksam. Ah. famos, daß ich Dich treffe; komm' mit. wenn's gut geht, feiern wir diese Nacht schon Verlobung!" Der Freund stierte ihn entsetzt an. Wie. Du hättest die Alte " Sie waren gerade an dem Tische angekommen, an dem die beiden Masken sie kichernd erwarteten. Ehe Rehbaum die Flaschen niedersetzte, zog er den Anderen bei Seite. Gewiß, ich habe sie ganz auf meiner Seite, indem ich sie so liebenswürdig behandelte, wie man nur eine Schwiegermutter behandeln kann, und was die Tochter angeht, so hat sie mir so manchen hoffnungsvollen Blick geschenkt " Der Glückliche konnte ncht vollenden. denn Federlein mußte den Mund in seinem niederwallenden Barte verbergen, um nicht in ein krampfhaftes Lachen auszubrechen. Unseliger. Du hieltest die Dir bestimmte Braut für Deine Schwiegermutter und willst dann noch, um das Maß voll zu machen, mit meiner eigenen Frau Verlobung feiern!" Um die Beiden herum enthüllten sich neckische, fröhliche Gesichter; ein tolles Gewühl entstand und durch dieses schlich wie ein geknicktes Rohr, der Einsiedler: seine beiden Flaschen hielt er noch im Arm. Arthur Federlein war um einen Freund ärmer geworden. ; Chinesische Familicttjusttz. Missionäre berichten, daß in mehre ren Gegenden Chinas noch die Sitte bestehe, solche Leute, die ihre Familie zu ruiniren oder zu entehren drohen, lebendig zu begraben. Die Exekution wird von den Familienmitgliedern selbst besorgt. So wird von einem Familienhaupt im Distrikt Trschu glok erzählt, der ein leidenschaftlicher Opiumraucher war, infolge dieses Lasters sein Hab und Gut verpraßte, sein Weib und seine Kinder verkaufte. Da stellen sich eines Tages mehrere Mitglieder seiner Familie bei ihm ein, befehlen ihm, ihnen zu folgen, führen ihn in einen benachbarten Wald und schaufeln ohne viel Federlesen eine Grube, in die sie ihn einscharren. Der Unglückliche leistete dabei nicht den geringsten Widerstand. Er bat nur, daß man ihm als letzte Gunstbezeugung das Gesicht mit frischen Blättern bedecken möchte. Auch im Distrikt Sanu kommen noch fortwährend solche Exekütionen vor. Und immer kann man bei den Opfern dieser grausamen Familienjustiz denselben Stoizismus beobachten. Die Chinesen glauben ja an eine Fortsetzung des irdischen Daseins nach dem Tode. Nun scheint es, daß sie das Lebendigbegrabenwerden für eine weniger grausame Bestrafung ansehen, als jede andere Hinrichtungsart, bei der der Körper verstümmelt wird. Denn die Verstümmelung würden sie mit in die Ewigkeit nehmen müssen. Das Begrabenwerden aber läßt den Körper völlia unbeschädigt. So erscheint dem Chinesen diese grausigste der Todesarten als eine der annchmbarsten. " tT L o g i f ch. Mutter: Anna. Dein Liebäugeln mit unserem ZimmerNachbarn, dem Studenten, wird mir zu bunt, das kann ich nicht mehr dulden, Du gottloses Kind!" Anna: Was, gottlas! Heißt es nicht: Liebe deinen Nächsten und Herr Schmidt ist mir nun einmal der Nächste." Durchgescheuert. Wie kommt es nur. daß Sie schon so früh 'ne Platte gekriegt haben?" Womit man am Meisten arbeitet, das nutzt sich am ehesten ab!" Ja, wer wird denn auch immer mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen! D ergoldeneMittelweg. Lebemann: Mein guter Geist sagte mir: Arbeite rastlos; mem böser: Thue gar-Nichts! Da schlug ich den goldenen Mittelweg ein...!" Bekannter: Und?!" Lebemann: Heirathete ein reiches Mädchen!"

Tic Fadrikation von Llltertl'ü, mern.

Die Fabrikation antiker Steinin schriften kam schon vor vierhundert Jahren in Blüthe. Gefälschte Gemmen kamen im Anfange unseres JahrHunderts in solchen Massen in den Handel, daß der Werth dcr echten antiken Gemmen ganz bedeutend herabsank. Die Fabrikation antiker Elfenbelnschnitzereun hat sogar zwei ausgezeichnete Schulen" erstehen lassen, die eine im südlichen Frankreich, die andere m Köln. Was als altes Meißener Porzellan" in den Handel kommt, ist wahrscheinlich mehr als zur Hälfte gefälscht. Vortreffliche römisch: Münzen wurden von Becker in Frankfurt a. M. gefertigt. Um ihnen em altes Aussehen zu geben, that er seine frisch gepraßten Münzen in eme mit Eisenfeilspähnen gefüllte Kapsel, die er auf die Achsenfedern seines Wagens schraubte. Eine Hin- und. Herfahrt zwischen Frankfurt und Offenbach genügte, den Münzen den frischen Goldglänz zu nehmen und ihnen das Aussehen von Prägungen aus der ältesten römischen Kaiserzeit zu geben. Selbst prähistorische Gegenstände werden fabrizirt. Im Thal der Somme und in der Nachbarschaft von London bildet die Fabrikation paläolithischer Funde eine blühende Industrie. Die Die Feuerstcinäxte und Pfeilspitzen, die dort hergestellt werden, sind von denen des neolithischcn Zeitalters nicht zu unterschciden. Auch Funde aus der Bronzezeit werdet geschickt fabrizirt. Ein Londoner Künstler dieser Art, dessen Handel mit selbstgemachten vorgeschichtlichen Alterthümern unter allzu gesteigerter Konkurrenz sehr herabgekommen war, zeigte schließlich für Geld die Geschäftskniffe seines Gewerbes, mit denen er und feine Berufsgenossen die unvorsichtigen Sammler anführten. Er hatte den Spitznamen Jack Flint" (Flint Feuerstein). Uebrigens entgeht selbst die geschickteste Fälschung auf archäologischem Gebiet der schließlichen Entlarvung nicht, da unsere Forscher immer mißtrauischer und vorsichtiger werden. Gemeinnützig eö . Hammeltalgals Heilmitt e l. Unter den Hausmitteln ist der Hammeltalg eines der wirtsamsten. Er wird nur äußerlich angewandt, und erweist sich, auf weiche Leinwand gestrichen, sowohl heilend als erweichend. Bei allen oberflächlichen, durch Druck oder kalte Luft entstandenen Verwundüngen der Haut wendet man Hammeltalg mit bestem Erfolg an. Aufgesprungen? Hände reibt man allabendlich damit ein, ja selbst erfrorene Glieder sind durch fortgesetzte, konsequente Einreibungen von Hammelfett gründlich geheilt worden. Ebenso wohlthätig ist dasselbe für wunde Füße. Kartoffclbrod für Pferde. Dieses Brod ist zuträglich sllr junge, sowie alte Pferde, weil es die Zähne sehr schont. Die Pferde fressen es mit großer Begierde, und auch anderem Vieh, als Schweinen, Kühen, selbst dem Geflügel mundet es sehr gut. Die Bereitungsart ist einfach. Die Kartoffcln werden auf die gewöhnliche, bekannte Weise gedämpft, indem man ein damit gefülltes, unten mit einem durchlöcherten Boden versehenes Faß über einem eingemauerten Kessel, in welchem Wasser siedet, aufrichtet, so daß aller Dampf durch die Kartoffeln strömen muß. Wenn sie weich sind, werden sie in zwei oder mehrere Kufen geschüttet und darin, wenn sie etwas erkaltet sind, etwa nach einer halben Stunde, zerstampft, dann mit Getreidemehl durch fortgesetztes Stampfen vermengt, wobei mit einer Schaufel die Masse wiederholt gewendet wird. Jetzt werden die Brode geformt und gebacken; sie bleiben 15 bis 18 Stunden im Ofen. Man gebe einem jeden von des Morgens sechs bis Abends sechs Uhr arbeitendenPferde täglich vier solcher Brode, und zwar in drei Mahlzeiten, des Morgens eindreiviertel Brod, des Mittags, während einer zweistündigen Ruhezeit, ebensoviel, und des Abends den Rest; außerdem gebe man dem Pferde täglich etwa zehn Pfund Heu. Pferden, die wenig arbeiten, sowie den Zuchtstuten, gibt man nur zwei bis drei Brode und zehn Psund Heu. Außerdem gebe man allen Pferden während der Ruhepausen etwas Stroh. Entgegenkommend. Die Mutter: Ich glaube, ich habe gestern Abend gesehen, wie der junge Reichert seinen Arm um Deine Taille gelegt hatte? Die Tochter (betrosfen): Ja Mama. Die Mutter: Hast Du Dich etwa mit ihm verlobt? Die Tochter: Nein. Mama; er ist so furchtbar schüchtern, daß er mir niemals einen Heirathsantrag machen wird, wenn ich es nicht so einrichte, daß er sich bei mir ganz wie zu Hause fühlt. Selb st verrath. Magd: Um Gott's Willen bitt' ich Ihnen, zeigen's mich nicht an, weil ich g'stohlen hab! Es wär's erste Mal! Frau: Weil's das erste Mal ist. wie Sie sagen, mag es sein. Hüten Sie sich aber; bei einer anderen Frau werden Sie nicht geschont! Magd: O mei. gnä Frau, in derer Hinsicht hab ich noch bei allen meinen Herrschaften Glück g'habt! E inseinerMann. Schreier: Wollen Sie damit sagen, daß ich ein Lügner sei? Feinmann: Bewahre! Da müßte ich ja gar keine Lebensart besitzen. Ich sehe aber, daß Sie meine Zdee richtig aufgefaßt haben. Selhstevkennitniß. Du, Mann, hör' ein Mal, jetzt dürfen wir unser Benehmen aber gründlich an dern . unsere neue Köchin ist ein sehr feines Mädchen."