Indiana Tribüne, Volume 17, Number 173, Indianapolis, Marion County, 12 March 1894 — Page 6

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2ie Oberj:iichttchkeit der Frau. Aon E. Ro scvalle.

Der Schrei nach Brod, der Hunger treiben immer mehr und mehr Frauen dazu, einen Erwerb zu ergreifen. Die Spalten sämmtlicher Frauenzeitungen -sind mit mehr ode? weniger guten Rathschlägen edeldenkender Geister. die ihren Mitschwestern die Wahl ihres Berufes erleichtern wollen, ausge. füllt. Trotzdem herrscht &:i den meistm Frauen, die sich plötzlich Kor die Noth, wendigkeit versetzt sehen, ihr Leben, und womöglich noch das ihrer Angeh'örigcn, durch eigene Arbeit zu fristen, eine verzweifelnde Ratlosigkeit. Woran wohl hier die Schuld liegt? In erster Linie hauptsächlich an der Erziehung, die in Bezug auf die Frauen noch immer sträflich sündigt und sie für eine Zeit vorbereitet, die länast vorübtt ist. Nach der Erziehung, die unseren jungen Mädchen zu Theil wird, könnte man schließen, wir lebten noch in dem idealen Zeitalter des Minuedienstes. Von dem materiellen Geisie. der die Gegenwart durchweht, von dem Kampf um's Dasein, der vor ihren Augen unerbittlich ausgefochten wird, haben sie keine Ahnung. Ihre Eniernma. macht sie blind für das wirkliche, zwar harte, aber doch lebhaft pulsirende Leben, sie sehen nur das, was man sie zu sehen gelehrt hat, die schale, glatte Oberfläche, und so gerathen sie in eine Scheinwelt, von der sie dann plötzlich mit rauhem Griff in die erbarmungslose Wirklichkeit hineingerissen werden. Was Wunder, wenn sie in diese? neuen Welt rathlos dasteben. fremd, als vb sie von den Antipoden kämen, unschuldig und unwissend, wie neugeborene Kinder. Nach vollendeter Erziehung bemühen die Männer sich nach Kräften, das alte deutsche Frauenideal festzuhalten, und während sie selbst mit ihrer Zeit fortschreiten, wollen sie um keinen Preis zugestehen, daß die Verhältnisse sich auch in Bezug auf die Frauen bedeutend geändert hätten und wünschen dieselben immer nur in Beschäftigungen J zu sehen, die zum größten Theile heute durch die moderne Industrie überflüssig geworden sind, wünschen an ihnen nur eine Vildunz. die sie über die Verhältnisse der Gegenwart vollständig im Dunkeln und im praktischen Leben gänzlich im Stich läßt. Die Zahl derer, welche diese traurigen Zustände und ihre Ursachen begriffen haben und für eine Weiteröerbreitung d'.eser Erkenntniß sorgen, ist in steter Zunahme begriffen. Trotzden. hat sie sich nur eines ganz, ganz kleinen Theiles unserer deutschen Frauenwelt bemächtigt, der weitaus größere, ja der allergrößte Theil derselben, befindet sich in kindlicher Unkenntniß. Wie könnte man sonst die unglaubliche Sorglosigkeit deuten, mit der unsere deutschen Frauen und Mädchen, die nicht durch augenblickliche Noth zur Arbeit und zum Ernst gedrängt werden, in den Tag hineinleben, ohne sich um das morgen" zu kümmern? Ich verkenn: durchaus nicht den Werth der kleinen auserlesenen Schaar derjeniaen. die im heiligen Ernst und schwerer Arbeit nach Höherem ringen, ja, sie sind eine köstliche Frucht unserer Frauenbewegung; aber, wenn sie auch als Vorkämpfer einer neuen, besseren und edleren Auffassung, von den Aufgaben der modernen Frauen nicht hoch genug zu schätzen sind, so können f;e als einzige Frucht der Frauenbewegung uns nicht genügen. Die Resultate, die wir von der Frauenbewegung schon jetzt verlangen zu können glauben, sind, daß die weitesten Frauenkreise aufgeklärt werden, daß die Zeit des Getändels, der Nichtsthuerei aufgehört hat. Der Ernst, ist cs, der den Frauen nicht genug gepredigt werden kann. Durch die Jahrtaufende langeB:h:ndlung als unmündiaen Kinder ist et ihnen naturgemäß verloren gegangen; man war es gewohnt, i'qzz Leistungen als Spielerei hinzunehmen, sie kannten nicht das Gefühl der- Verantwortung. Consequenter Weise mußte ihnen das Gefühl sittlichen Ernstes vollständig ver loren gehen, mußte sich in all ihren Leistunaen ein: colossale Oberflächlichkeit ausprägen. . Der Mangel c;t sittlichem Ernst und eine colossal: Oberflächlichkeit sind auch heute noch ihre Hemmschuhe. hre Leistungen flößen weder ihnen selbst, noch Anderen Achtung ein; ohn?, sie würden sie ebenfalls geschehen sein, sie gewähren ihnen in Folge dessen auch kein: Befriedigung, ihr Geist, ihre Seele ist nicht dabei, und da diese beiden Hauptfactore doch nach Nahrun verlangen, nehmen sie sie, wo immer sie sie finden, und so entsteht dieses merkwürdige Gemisch von scharfem. Geiste und unglaublicherBeariffsstützia keit, von Bildung und Unwissenheit, das die Einen sphynxartig, die Anderen unsinnig nennen. Wie ganz anders könnte dies sein, wenn die Erkenntniß, daß zu einem aanzen censchen, zu einer ganzen Persönlichkeit das Einsetzen der ganzen Persönlichkeit, der ganzen Thatkraft und des ganzen Ernsies gehöre, und daß auch die Frau ein ganzer Mensch sein kann, wenn sie ihre aanzen Kräfte aufbieten will, in d;e weitesten Kreise eindringen würde. Der von den Männern so gern ver breitete und von den Frauen theils aus Unbedachtsamkeit, thens aus Bequem lickzkeit widerholte Ausspruch, daß der Frauen Leistungsfähigkeit eine höchst geringe sei, ist durch unzählige Beispiele widerlegt worden, aber das Märcden wird eben vollständig als solches aelten können, wenn jede einzelne Frau sich zu höchster Leistungsfähigkeit an pennt

Es ist durchaus nicht stets nothwendig, aus den von den Verhältnissen gesetzten Grenzen herauszutreten, um Tüchtiges leisten zu können. Auch in den bescheidensten Verhältnissen kann man sein Können beweisen und es so ausbilden, daß es sich unter allen Um ständen bewährt. Wenn jedes Talent, und sei es noch so klein, gepflegt und jedes Können gefördert, wenn jede Thatigkeit mit ganze? Seele ausgeübt wird, dann ist man auf seinem Platze stets unentbehrlich, dann ist man auch gegen Schicksalsschläge gewappnet; denn Un thätigkeit und Unselbstständigkeit sind so harte Schiösalsschläge. daß nicht einmal die Zeit sie mildern kann. Wer aber arbeiten und Ordentliches zu leisten in der Lage ist, wird niemals zur Unselbstständigkeit und Un:hätigkeit verdammt sein. Die bis ins Einzelne durchgeführte gesteigerte Kunstfertigkeit und Arbeitsfreudiakeit würden sowohl einen gesammten, als auch einen, der Einzelnen zu Gute kommenden Aufschwung der Frauenarbeit bedeuten und der Frau mit einem Male eine ganz andere Stelluna eben. Aber der entfachte und in jeder Arbeit bethätigte Ernst und die Gründlichkeit würden auch ein: EntWickelung der Individualität zur Folge haben, die gegenwärtige Schablonenbaftiakeit sowohl in der Hauswirthschaftlichen als auch in der beruflichen Arbeit würde schwinden. Würden alle Frauen sich bemühen, alles, was sie thun, zu möglichster Vollkommenheit auszubilden, es mitGründlichkeit zu machen und den Verstand zu Hilfe zu nehmen, so würden sie selbst die kleinsten Beschäftigungen zu ungekannter Höhe emporbringen, dies würde ihrem ganzen Charakter die Oberflächlichkeit n:hmen,und sie würden in allem nach Gründlichkeit streben. Was ist die bisherige Oberflächlichkeit Anderes als die Frucht einer verfehlten Erziehung? Wenn man von Allem nippen soll, dann kann man nichts gründlich lernen und das ist den Frauen ihr ganzes Leben I indurch anhaften geblieben. Von der Mißachtung, in die sie hierdurch in den

äugen der Manner gelangt sind, will ich gar nicht reden, auch nicht davon, Die sehr der ganze Charakter darunter inden mußte. Von der allerschwersten .olge nur, die ich qUn schon erwähnte u: d die heut zu Tage sich so furchtbar : bemerkbar macht, will ich sprechen: fccn der. gräßlichen Hilflosigkeit derjenizen grauen, öle ihres scanne oder Vaters plötzlich beraubt, oder nach einem raschen Verlust.: ihres Vermögens, sich selbst ernähren muß und keine Ahnung hat, wie sie dies ansän gen soll. Hatte sie irgend eines ihrer praktischen Talent: mit Ausdauer gepflegt, hätte sie iraend eine der zahlreichen Beschäftigungen einer Hausfrau aründlich betrieben, sie könnte sicherlich cme der elren als Ernadrunas?.wela verwenden. In unserer modernen Zeit, in der man darauf bedacht ist. Alles und Jedes zu erleichtern und den Haushaltungen recht bequem zu machen, sieht man täglich Fabriken auferstehen, die den Haushaltungen eine neue Arbeit abnehmen; da sindFabriken für Nudeln. Cakes, Eompots, Conferven und viele andere. Warum werden all diese Fabrikationen nicht von Frauen betrieben? Ja, wie viele Neuerunqen könnten Frauen auf diefn Gebieten einführen, wie viele Specialitäten sich aneignen! Urne einzige neue Art von Confitüren oder Torten irqend eines anderen feinen Enartikels könnte zu 'einer rentirenden Fabrikation genüficn. Gründlich und Ernst, daß sind zwei Dinge, die den Frauen nicht genugsam empfohlen werden können. Aus dem Regen in die Traufe. Frl. Zimper (im Theater, zu dem. Sitzanweiser): Wollen Sie nicht so freundlich sein, den Herrn da in der Reihe vor un3 zu wecken. Er schnarcht so laut, daß man kein Wort von Dem hört, was auf der Bähn: gesprochen wird. .-z , Jfowfz l'J&J: "ZMrfGR W m - Sitzanweiser (den Schläfer rüttelnd): Sie mein Herr, die Herrschaften hinter Ihnen beklagen sich darüber, daß Sie schlafen. Wollen Sie sich nicht lieber auffetzen? Herr: Na, gewiß mit dem größten Vergnügen. Warnung. Vater (zum Freier): Junger Mann haben Sie sich es kaltblütig überlegt, um meine Anna ziu werben? Sie hat meine Frau zur Mutter!

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Was istSchönheit? Ja, was ist Jugend, was ist Ehre, was ist Wahrheit? Alle diese Begriffe sind vcränderlich und nur für eine gewisse Menschenklasse und für eine gewisse Zeit geltend. Absolute Schönheitsrcgeln gibt es nur sehr wenige bei den civilisirten Völkern; eine Regel ist es z. B. heute, daß wir große Füße, große Hände und Ohren unschön finden. Dennoch ist auch hier dem individuellen Geschmack ein erheblicher Spielräum gelassen. Eine Blondine kann ebenso schön sein wie eine Brünette, ein blaues Auge ebenso schön wie ein braunes oder graues, eine große Gestalt gleich schön wie eine mittler: oder zierliche. ' Auf die Harmonie der ganzen Erscheinung kommt es an. vor allem auf die Harmonie der Seele mit dem Körper: auf die Verbindung der geistigen und der leiblichen Schönheit! Die Schönheitsbegriffe stehen in innigem Zusammenhang mit den versch:ed:nen Menschenrassen und sind bei anderen Völkern in demselben Maße von den unsrigen abweichend, wi: ihre Anschauungen über andere körperliche und seelische Eigenschaften. Wahrend wir alle Negerinnen mit den schwulstigen Lippen und schwarzglänzende? Haut häßlich finden, wird es einem Neger bei der Wahl einer Schönen vielleicht gerade in erster Reihe darauf ankommen, daß ihre Lippen recht dick, die Haut ebenholzschwarz und die Nase so platt wie möglich sei. Der beste Beweis für die Verschiedenheit der Schönheitsbegriffe ist wohl der. dan trog des immer reger werdenden Verkehrs zwischen den Völkern doch die Mischehen noch nicht für etwas Allgemeines gelten können, sondern immer noch die Ausnahme bilden. Während das Auge eines der weißen Rasse angehörenden Mannes mit Wohlgefallen auf der schlanken, biegsamen, schwebenden Gestalt einer Europäerin ruht, findet z. I. der Araber eine recht fettleibige Frau schön, eine schlanke dagegen häßlich. Während Europäerinnen sich einer Marienbader. Karlsbader oder dergl. Kur unterziehen, um eine zu groß: Körperfülle zu beseitigen, geben sich die Arabermnen und Frauen vieler afrikanischcrVolk-stämme großeMübe, ein möglichst hohes Körpergewicht zu erzielen. Eine vornehme Araberin badet dreimal täglich je eine halbe oder ganze Stunde lang in lauwarmem, mit Jasminessenz und Rosenöl zarsümirtem Wasser. Während des Bades trinkt sie Hühnerbrühe, die mit Feigen. Mandeln, Datteln und Pistazien gekocht ist. Nach dem Vormittagsbade verspeist sie noch ein ganzes Huhn mit Datteln. Nach jedem Bade läßt sich die vornehme Araberin Mit wohlriechenden Essenzen einreiben. Und vor dem Schlafengehen ißt sie endlich noch emen Mit viel -Zucker zubereiteten Brei von Aprikosen oder Pflaumen. Nach einer solchen Kur sollen in der Thar im Verlauf wemger Monate die magersten Frauen eincn hohen Grad von Fettleibigkeit erhalten. In dem interessanten Werke Zehn ahre in Aeguatoria und die Rückkehr mit Emm Pascha schildert Mawr Casati einen Karawanenzuz mit einer der Frauen des Königs von Unjoro. In dieser Schilderung heißt es: Von vier kräftigen Männern getragen, auf einem Tragsessel von größerem Umfange und dicken Pfählen wird ein Weib von kolossalen- Formen über die Schwelle des Palastes gebracht. Es ist eine von den gemästeten Frauen des Königs Tschua. An den Höfen von Uganda und Unjoro gilt es nämlich als feine Sitte und königlicher Glanz, gemästete Frauen zu haben. Ein solcher Luxus wird als ein Zeichen des Reichthums und ungewohnter Feinheit angesehen, und man beneidet den königlichen Gatten ob eines so herrlichen und hervorragendcnBesitzcs. Dle?e Fettleibigkeit geht schließlich so weit, daß die Person ihre Beine nicht mehr gebrauchen, sondern nur knechend. und dies mit Schwierigkeit, fortkommen kann." Die gleiche Vorliebe theilen auch die Türken, sowie einige russische Volksstamme. Unserem Geschmack entspricht indeß solche Corpulenz ebensowenig, wie wir an ein:?, chinesischen Schönheit mit den verkrüppelt kleinen Füßen, der gelben Haut und den geschlitzten Augen Gefallen finden würden. Auch eine japanische Schönheit, deren charakteristische Merkmale die schmalen, eingesunkenen Augen und vorstehende Backenknochen sind, dürste unseren Schönheitsbegriffen wider sprechen. Ebenso die Sitte der Inder. welche ihre Zähne schwarz oder roth beizen. So verschieden auch die Begriffe bei den verschiedenen Nassen und Völkerstämmen sein mögen, so stimmen sie doch alle darin überei z daß sie von jeher auf künstliche Weise das ihnen von der Natur versagte Schönbeitsmerkmal zu erreichen suchen. Prosessor Dr. Bai?er enthüllte viertausendjährige Toilettengeheimnisse der egyptischen Schönen. Die chemische Untersuchung der Schminken aus den Mumiengräbe?n zu Achmim ergab, daß sie Bleipräparate enthielten. Da sich jedoch Bleierze nirgends in Egyvten vorfinden, so sind jene giftigen Präparate jedenfalls aus Indien lezogen worden. Auch berichtet die Aerztliche Rundschau" über die Bestandtheile und die Zubereitung einer grü nen Schminke, die von den egyptischen Prinzessinnen benutzt wurse,' um dem Weiß ihrer Augen einen grünlichen Schimmer zu verleihen. Wie kürzlich aufgestellte statistische

Berechnungen beweisen, ist der Gebrauch von Schönheitsmitteln auch heutzutage noch kolossal; der Jahresbedarf an Schminken allein in Berlin soll sich jetzt auf 73.740 Kilo Puder, 42.706 Kilo rother Schminke, 18.250 Kilo Lippenpomade, 22,356 Augenbrauenfarbe und 5775 Kilo Cold cream belaufen. Der erste Puder soll schon von Minnesängern benutzt worden sein, z. B. auf der Messe von St. Germain im Jahre 1614. Bekanntlich schrecken sehr eitle Frauen auch heute vor dem Gebrauch von Giften blei- und arsentthaltigen Präparaten nicht zurück, um ihre Schönheit zu erhöhen. Der Genuß von Arsenik soll ja der Haut einen zarten Schmelz verleihen und eine gewisse Körperfülle hervorrufen. Im Großen und Ganzen hat die Cultur aber wie auf allen anderen Gebieten, so auch auf dem der Kosmetik stetige Fortschritte gezeitigt. Die giftigen Schönheitsmittel werden von unserer Polizei streng verfolgt. Auch unser Schönheitssinn ist mit der Zeit durchgeistigter geworden. Zwar ist unser Auge für äußere Schönheit auch heute nicht unempfänglich. dennoch spielt bloßer körperlicher Rei.'. nicht mehr die Rolle wie in früheren Zeiten, wo auf den Geist der Frau viel weniger Gewicht gelegt wurde. Obgleich es in unserer Zeit vielleicht ebenso schöne Frauen gibt, wie z. B. Ninon de Lenclos es war, der ein Richelieu, ein Coligny, ein Larochefoucault zu Füßen lagen, so werden ihre Namen doch nicht um ihrer bloßen Schönheit willen der Geschichte überliefert werden. Die Geschichte erzählt uns von der berührnten griechischen Schönheit Phryne; ebenso von Paula de Viguer, die im 14. Jahrhundert in Toulouse lebte und so schön war, daß das Parlament ihr befahl, nur verschleiert auf der Straße zu gehen, weil bei ihrem Erscheinen stets ein Menschenauflauf entstand. Gottlob haben unsere Parlamente heutzutage über ernstere und wichtigere Dinge zu berathen, und wenn sie sich heule mit der Frauenfrage beschäftigen, so ist es nicht die körperliche Schönheit, sondern die geistige Entwickelung der Frauen, die Gleichberechtigung ihrer Erwerbsthätigkeit. ihrer Vilduna. ihrer Zulassung zu den wissenschaftlichen Berufen. Nur die Namen derienigen Frauen, die geistig ihre Mitschwcftern überragen, werden in Zukunft einen Anspruch auf Unsterblichkeit haben. Der hereingefallene Men-schenfreund.

P ? Jfö 'MBÄ Mr. Schmallmeyer (im Wirthshaus von Hackensack sitzend, zu zwei Tramps): Well, Geld haww ich heit keins iwwrig. awwer ich kann Eich ä däm gut Piehs of Aedweis gcwwe, wann Ihr Eich setze wollt. (Zum Ersten.) Die Hauptsach sor den Mensche, um in dere Welt vorwärts zu komme, is, daß er das verflirte Rumbummele läßt un tüchtig schafft. (Zum Zweiten.) Un dann muß er aach, of Course, das Saufe lone. dann der Suff ist der Anfang vun alle Jwwel. vyU 7 SiR mJm 7777M Well, gutbei! Ihr braucht mir nix in danke, ich hoff' alls. daß mei Rath uff guden Bodem gefalle is. o ' fVW-J -7"" r i ''Ä5! wsßJßiSfrA rSä , WHh fVvJi rwwDunnerkeil noch emohl! Hawwe die verfluchte Gauner in der Zwischezeit mein'n Stein ausgepetzt! O, diese Damen. Haben Sie gehört, Frau Gräfin. Lieutenant von Noking ha: die Tochter unseres Generals aus dem Wasser gezogen?!Ein prächtiger Mensch! . . . Und wodurch hat sich der General erkenntlich gezeigt?" Er Xpt ihm seine Tochter gegeben !" Na ja Undanl ist der Well Lohn!"

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Hun:ortt:e von E. arl Rsve. Es gibt Menschen, die mögen anfassen was sie wollen, es wandelt sich zu Pech und Schwefel in ihren Jägern und sei es das purc Gold, während Andere anstellen können, waZ sie mögen, es wandelt sich zu ihrem Glücke und wenn sie die haarsträubendsten Dummheiten begehen. Zu dieser zweiten Nummer der Erdensöhne es sollte mir gerade einfallen, ihnen obendrein die Nr. 1 zu geben. gehörte der Portepeefähnrich Hilmar Horse von Grauenhorst. Ich will gar nichts davon sagen, daß kurz vor seinem Ein tritt in das Heer eine alte, höchst wahrscheinlich längst vergessene Jugendliebe seines Baters sich des Hilmar Horse auf ihrem Sterbebette erinnerte und demselben ihr gesammtes Bermögen im Betrage von einer Biertelmillion Thalern und einem alten grauen Kater vermachte; denn das kann schließlich jedem Portepeefähnrich passiren, dessen Vater so eine alte Jugendliebe hat sitzen lassen. Ich will auch davon nicht reden, daß Hilmar Horse schon bei der ersten Kaiserparade, die er als Avantageur mitmachte, den vom Winde fortgewehten Schleier der jungen, schönen Gemahlin des Lanstrsten in demselben Augenblick mit seinem Pallasch auffangen konnte, als dieser die Fronten entlang sprengte und dem jungen Krieger befehlen konnte, das kostbare Spinngewebe der hohen Frau zu überbringen, denn das kann am Ende dem allerdämlichsten Recruten zustoßen, der bei solcher .aiserparade zu Pferde sitzt und den Pallasch gezogen ha Aber ist es nicht ein ganz unv:r,chämtes Schwein, wenn Hilmar Horse an dem ersten Tage, an welchem er in der Fähnrichsuniform steckt, weit über Urlaub aus der Kaserne bleibt, beim Nachhausegehen riesig angeheitert seinem General in die Arme läuft, diesen in seine Wohnung begleiten muß und hier vor der Hausthür eine Karte von demselben bekommt, die ihm sans gene in die Kaserne hinein verhilft? Ist es nicht ein ganz unerhörtes Glück, daß er am folgenden Morgen mit zwei Katern im Bette aufwacht, den geerbten Kater hatte er nämlich bei sich in der Kaserne und da daS Thier etwas verwöhnt war, ließ er es zu seinen Füßen in seinem Bette mitichlafen. zu demselben General befohlen wird, um ein opulentes Katerfrühstück einzunehmen, bei welcher Gelegenheit er die untrüglichsten Bewe-.se erhält, daß Ercellenz in der Nacht selber sternhagelöezecht gewesen war und sich ohne des neugebackenen Portepeefähnrichs Begleitung gar nicht heimgefunden haben würde. Das braucht natürlich Niemand weiter zu wissen. Fähnrich!" Befehlen, Excellenz!" Damit wurde er nach dem Frühstück entlassen. Jeder andere Portepeefähnrich hätte mindestens drei Tage" gekriegt, Hilmar Horse bekam zu dem opulenten Frühstück noch einen Stein im Brette bei feinem General. Und so ging es stets. Der gut: Junge war nachgerade so übermüthig geworden, daß er sein Glück förmlich in die Schranken forderte und mit den Kameraden Wetten darauf entrirte. Eines Tages wurde Hilmar Horse von einem Vetter, welcher mehrere Meilen von der Garnison entfernt begütert war, zur Jagd eingeladen. Er erbat und erhielt den entsprechenden Urlaub und reist: ab; ein paar Meilen mit der Bahn, dann :rurde er mit einem Wagen abgeholt. Er verunglückte auch nicht auf der Jagd und noch viel weniger blieb er über den gewährten Urlaub hinaus bei seinem Vetter; im Gegentheil: Diese? brachte ihn selbst rechtzeitig nach der Bahnstation zurück. Hilmar Horse war einmal unt:rwegs und sein Schicksal wollte es, daß er an de? Bahn ein paar fidele Schulkameraden fand, mit denen sich's gar zu gut poculiren ließ. Kurz: Der letzte Zug. der nach seiner Garnison abfuhr, war schon längst fort, da fiel es dem Portepeefähnrich erst ein, daß er auch nach Haus müsse. I. wird doch wohl ein Wagen in dem Neste zu haben sein?!" schnarrte Hilmar Horse den Kellner an. Natürlich, ein Wagen war zu haben, und es dauerte auch gar nicht lange, da hielt derselbe bespannt vor dem Bahnb.ofshotel; indessen da Hilmars Urlaub bereits seit einer Stunde abgelaufen war. konnte ibn auch der allerschnellste Wagen nichts mehr helfen. Trotzdem fuhr er ab. Unterwegs bekam er Aufenthalt, eine herrschaftliche Equipage hatte ein Nad gebrochen, die Insassen, eine ältere und eine jung: Dame standen jammernd dabei, während der Kutscher verzweifelte Anstren gungen machte, das Rad mit Riemen und Stricken zusammen zu flicken. 5)ilmar Horse hatte kaum gesehen, daß die Damen in Verlegenheit waren, da war er auch schon mit ritterlichem Eifer aus seinem Waaen heraus, und da dieselben gleichfalls naca seiner Garnison wollten, stellte er ihnen den Sitz im Wagen zur Verfügung und machte sich's auf dem Kutsch?rbocke so bequem als möglich. Donnerwetter, fü? einen freundlichen Dank aus hübschem Frauenmunde kann man cs schon mal paar Stunden auf dem Kutscherbocke aushalten." murinelte der Porteefähnrich in sich, hinein, schade nur. daß es Nacht ist und man nicht sehen kann, ob sie auch hübsch sind. Den Stimmen nach zu urtheilen, können sie kaum häßlich sein." Lanae nach Mitternacht kam man rn der Garnison an, Hilmar Horse lud seine Damen" .in dem, Hotel du Nord" ab. steckte noch ein paar freundlich: Dankesworte von ihnen ein, woi!Aim vfTtrfr trtn SATtr? I SCI Zi lUlCUClUWl. Vvyi.V4ky vittk I auf die verschleierten Gesichter zu wer- ! sen versuchte und trollte dann, nachdem

er auch seinen Lohnkutscher befriedig! hatte, seelenvergnügt seiner Caserne zu. .Dieses Mal fliegst Du in die Käse. Hilmar Horse!" so begrüßten ihn am folgenden Morgen seine Kameraden. Pah!" der Portepeefähnrich blies nachlässig über seine Oberlippe hin. Hilft Alles nichts. Kamerad, der Rittmeister ist fuchsteufelswild aus Dich, hat schon gestern Abend große Lust gehabt, Dich einlochen zu lassen; denn zu allem Elend hat ihm Dein Kater gestern die Abendbrotwürstchen in demselben Augenblick stibitzt, als er sich zum Souper niedersetzen wollte." Pah!- Ganz so frisch klang dieses zweite Pah" des Portepeefähnrichs schon nicht mehr, denn sein Rittmeister, ein unverheiratheter, schneidiger Reiter, der mit in der Caserne wohnte, hatte ihn und seinen Kater schon längst auf dem Kieker". Den Kater wollte er gestern Abend schon massakriren, Hilmar Horse, hat ihn leider nicht abfangen können, da das Beest zu flink war, aber den Tod hat er ihm geschworen, es hilft Dir nichts, Du wirst ihn opfern müssen." Meint Ihr?" Die Geschichte mit dem Kater hatte Hilmars ganzen Uebermuth wieder herausgefordert, in seinen Augen blitzte es lustig auf und mit der festen Zuversicht auf sein gewöhntes unverschämtes Glück rief er: Was gilt die Wette? Ich bekomme weder Arrest, noch muß ich meinen Kater opfern; der Klinksporn", (Spitzname des betreffenden Rittmeisters), bittet mich im Gegentheil selbst, das Beest zu behalten und empfiehlt mir angelegentlich seine Pflege." Bei diesem Uebermuth wurde es selbst den Kameraden ein Bischen unheimlich zu Sinne. Treib's nicht zu bunt, Hilmar," warnten sie, Klinksporn läßt nicht mit sich spaßen ." Ich frage Euch blos, was die Wette gilt, das andere läßt mich kalt. Seid Ihr mit einem Austernfrühstück in de: Domschenke einverstanden? Beuve Cliquot natürlich!" Wenn Du durchaus ein paar hundert Mark los sein willst!" In diesem Augenblick wurde Hilmar Horse zu seinem Rittmeister befohlen. Es gilt also!" rief er lachend, schnallte seinen Pallasch um, ließ sich noch einmal gründlich mustern und trat dann seinen Weg durch die Corridore nach des Rittmeisters Klause an. Vor de: Thür desselben traf er mit zwei Damen zusammen, die gleichfalls zu 'Sr. Gestrengen wollten und denen er natürlich den Vortritt ließ. Das ist schon ein Sonnenstrahl auf deinem

Marterweg. dachte er. denn in Gegenwart der Damen kann Dich Klinkfporn" unmöglich fcharf anlassen." Wie erstaunte er aber, als er die Stimmen der Damen hörte. Das waren just dieselben Stimmen, die ihm in der Nacht auf der Fahrt in das Ohr geklungen hatten. Unzweifelhaft waren dies auch dieselben Daen, denen er hatte zu Hilfe" kommen können. Und wie schön namentlich die jüngere derselben war! Hilmar Horse hatte die größteMühc. seine Blicke inSchranken zu halten. Sie waren Mutter und Tochter und augenscheinlich Klinksporns" Schwester und Nichte, denn die letztere nannte den Rittmeister Onkelchen." Alles dies hörte Hilmar Horse aus den ersten Worten der Begrüßung heraus; da däucht.: es ihm angezeigt, sich zu melden, um nicht noch mehr unfreiwilliger Zuhörer der verwandtschaftlichen Zärtlichkeitsergüsse zu sein. Er trat vor. stramm und schneidig, wie sich's gebührt. Portepeefähnrich von Grauenhorse vom Urlaub zurück. Herr Rittmeister zu Befehl ." Himmel ! A ' , Nern ! Wie komisch Mama ! Diese Ruse entfuhren den Lippen der Damen bei Hilmars Meldung undVeider Augen richteten sich mit freundlichdankbarem Interesse auf den jungen Portepeefähnrich, dessen jugendfrisches, hübsches Antlitz in diesem Augenblick allerdings nichts weniger als niedergeschlagen ausschaute, sondern von eitel Kühnheit und Schelmerei widerstrahlte. ' Der Rittmeister wurde ein wenig unsicher. Die Do?chstö.ße. die er dem Portepeefähnrich mit den Augen zuschleudern wollte, irrten ab. und statt der Standpauke, die er auf den Lippen hatte, fragte er nur -in wenig gedehnt: Wo haben Sie denn so lange gesteckt? Ihr Urlaub war doch gestern Abend schon abgelaufen . . Nein, Onkclchen da sind wir gewiß daran Schuld, nicht wahr. Mama ?" StattHilmars nahmen beide Damen das Wort, der Portepeefähnrich schwieg natürlich ntterlicherweise still, wie es sich gehört, wenn Damen reden wollen. Noch ehe der Rittmeister mit seiner Philippica hatte beginnen können, mußte er sich des Langen und Breiten erzählen lassen. in wie artiger Weise der Herr Port,ftifcriä den Damen in der Nach: zu Hilfe gekommen sei und sie aus der schrecklichsten Lage" befreit habe. .Er mußte es zu gleicher Zeit mit ansehen, m. Wxh? Damen d:m lachenden und wehrenden Hilmar Horse angelegen!lichst und dankbarst die Hand schütte!ten. Da blieb ihm nichts weiter übrig, als ein gleiches zu thun und dieStandfcmifr mitlammt dem Arrest, den er als Schlußeffect derselben ihm zudrctiren wollte, für gelegenere fetten auszuipan. Und indem er sich seines Dankes entledigte, führte Hilmar Horses unverschämtes Süwein noch seinen grauen Kater auf den Plan, der sich hier mit behaglichem Schnurren an Klinksporns" junge Nichke icamlegie. . wie reizend. Mama, sieh mal! Ist das Dein Kätzchen. Onkel Rittmeister? Ein zu süßes Thierchen Dabei boa sich die junge Dame graziös zu? Erdc und streichelte dem Kater das.

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Bei dem Gesicht, das der Rittmeister

jetzt schnitt, hätte Hilmar Horse ball, laut ausgelacht. Aber alles Gesichtsschneiden half dem Rittmeister nichts. er mußte wohl oder über Antwort geben und semem Portepeefähnrich das , Zeugniß ausstellen, daß er das liebe Thierchen" aus Dankbarkeit gegen die Erblasserin hege und pflege und sogar in seinem Bette schlafen lasse. Nem, aber wie hübsch von Ihnen, Herr von Grauenhorse, das ist wirklich sehr nett " beeiferte sich des Herrn Rittmeisters Schwester zu sagen. und seine Nickte fügt: mit süßem Augenaufschlage hinzu: Da werden Sie bei Onkel Rittmeister einen großen Stem im Brette haben, Herr von Grauenhorse, denn Onkelchen schätzt keine Tugend so hoch, als die Dankbarkeit. nicht wahr. Onkelchen?" 'Jetzt melt es Hilmar Horse für gerathen, seinen Rittmeister von seiner Gegenwart zu befreien, er nahm "Ruck, ruck!" die Knochen zusammen, salutirte mit einem fragenden Blick und wurde kameradschaftlich" mitsammt seinem Kater entlassen. Wann wird denn dem Kater der Garaus gemacht, Hilmar Horse, und wie viel Tage hat Dir Klinksporn" ausgebrummt?" mit diesen Fragen wurde Hilmar von den Kameraden em pfangen. Der Kater bleibt so lange am Leben, bis es ihm selbst beliebt, das Zeitliche zu segnen, meine Herren," lachte Horse zurück, Herr Rittmeister schätzen selbst die Dankbarkeit zu Hochtals daß er mir darin wehren will; und was den Arrest anlangt, von dem Sie zu scherzen sich gemäßigt finden, da bitte ich das verwettete Frühstück in der Domschenke mit Beuve Cliquot natürlich ! immerhin zu bestellen, oenn daß den Portepeefähnrich HilmarHorse von Grauenhorse kem Vorgesetzter in Arrest schickt, sollte Ihnen do nichr mehr sremd sein!" Maun und rau. 1 Oi, n einer Londoner Zeitung hat künqst ein Frauenkenner" ob er auch die Männer kennt, sagt er nicht folgende vergleichende Betrachtungen über das männliche und weibliche Geschlecht angestellt: Der Mann ist ein Geschöpf von eisernen Gewohnheiten, die Frau paßt stch den Umständen an. Ein Mann versucht nicht eher einen Nagel einzuschlagen, als bis er einen Hammer hat. Die Frau zögert nickt, eine Feuerzange, den Hacken ihres Schuhes oder den Rücken der Bürste zu nehmen. Der Mann hält es für durchaus nöthig, einen Korkzieher zu baben, um eine Flasche aufzuziehen. Die Frau versucht den Kork mit der Scheere.dem Messer oder einem Schuhknöpfer herauszuholen. Kommt er nicht heraus, so wird er hineingestoßen, denn die Hauptsache ist ja schließlich, daß man aus der Flasche herauskriegt, was drin ist. Für den Mann ist ein Rasirmesser nur zu einem Zwecke da. Die Frau hat von seiner Verwendbarkeit eine höhere Meinung. Sie gebraucht es, um Bleistifte und Hühneraugen damit zu schneiden, und dieser heimliche Mißbrauch veranlaßt natürlich den Gemahl, auf die Rasirmesser und ihre Fabrikanten zu schimvfen. Wenn ein Mann schreibt, muß Alles sich diesem Umstände anpassen. Feder.Tinte und Papier rnüs ten genau so oder so" sein, und die Zramilie wird in den Bann des Stillschweigens gethan. Die Frau sucht sich irgend ein unbeschriebenes Papier, ein loses Schreibbuchblatt oder die Rückseite eines alten Couverts. Sie spitzt den Bleistift mit der Scheere, legt das Papier auf einen alten Atlas, zieht einen Fuß unter, schaukelt mit dem Stuhle hin und .her und bringt unter periodischem Saugen an Halter oder Bleistift ihre Gedanken zu Papier. Es stört sie weiter nicht, daß die Kinder zu laut Äas Einmaleins hersagen oder krampfhaft Tonleitern üben, und daß die Köchin sie ab und i um. das Herausgeben ' von Wirthschaftssachen angeht. Er schilt und zankt, wenn das Löschblatt nicht zur .and ist. Sie b5äst die Tinte mit dem Munde trocken, schwingt das Papier irr der Luft hin und ber oder hält es an da . Lampenglas, bis es braun an läuft und nach Brand riecht. Er macht die Tinte, wenn sie zu dick oder zu dünn ist, so schlecht, daß die Feder sich sträuben würde, es mederzuschreiben. Sie kratzt mit Gleichmuth aus den Ecken und von unten glücklich so viel zusammen, daß die Feder in Fluß kommt und die Epistel mit Geduld und Spucke" zu Ende geführt werden kann. Der Ma:cn steckt einen Brief ohne Bedenken in den Briefkasten. Die Frau liest erst noch einmal die Adresse durch, dann sieht sie zu. ob der Verschluß auch sicher ist. und läßt ihn endlich mit Nachdruck" in die Oeffnung hinuntergleiteii. Eine Frau hält die Stücke eines zerbrochenen GeL.enstandes noch oft mit Wchmuth aneinander. Der Mann legt sie bei Seite und vergißt, was einmal nicht zu an dern ist. Die Frau liest vor dem Anfang eines Buches das Ende, und fängt ein Notizbuch stets an verschiede, nen Stellen zu gleicher Zeit an. Der Mann geht in beiden Fälle nach der Reihenfolge. De? Brief eines Mannes. endigt mit der Unterschrift, ein. !2Äblicher mit dem Postscriptum. Aufder Promenade. ; .O, Adele, ist das Dein Verehrer i Charlie, der da drüben af der Straße ! mit der schwarzgekleideten Frau geht. j bic wie eine Vogelscheuche aussieht?" Elise: Die Vogelscheuche", wie Du j sie nennst, ist meine Mutter." Adele (will sich mit Glimpf aus der Sache ziehen): O, ich meine die häßliche alte- Schachtel da auf der anderen Seite." Elise: O, da2 ist CharlieS Mutttt."