Indiana Tribüne, Volume 17, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1894 — Page 2

Schöne Llttgen.

r Die Poesie hat sich redlich abgemüht, XM sogenannten schönen Augen mit ei5nem geheimnißvollen Schleier zu derfüllen; nichtsdestoweniger sind die Besdingungen oder wenigstens die Attribute schöner Augen" durchaus nicht in unergründlicher Seelentiefe zu su!chen, sondern in einfachen, sehr prosaischen Verhältnissen. Freilich ist für den Einen das, für den Anderen vielleicht ein anders gestaltetes Auge ifckjön; aber stets ist der Hauptgrund ein anatomischer oder physiologischer. ,Manche z. S3. sprechen von einem initeressanten Blick", was nichts anderes bedeutet, als ein lcichtesSchielen; währeird man sonst als erste Bedingung schöner Augen findet, daß beide Augen gleich sind und symmetrisch bewegt werden, also gerade nicht schielen. Man spricht wohl auch von dem unwiderstehlichen Zauber" gewisser Augen; das ist dann der Fall, wenn das obere Lid lange Wimpern besitzt und so dünn ist, 'daß es infolge der durchscheinenden Gefäße und Muskelfasern eine rosige ??arbe annimmt. Der Zauber" tritt namentlich dann hervor, wenn der Blick nach unten gekehrt erscheint und die Wimpern schwarz sind. Blonde Wimpern verschwinden in der Ferne zu leicht. Ebenso liegen auch dem sögenannten Feuer der Augen" sehr nüchlern Verhältnisse zu Grunde. Das .Feuer" hängt nämlich ganz einfach "davon ab, ob die Hornbaut mehr oder weniger feucht ist. Daher sind die lAuaen bei froher Stimmung ver'klärt", weil dann die Llutcirculation, die Drüsenthätigkeit und Schleimhautausschwitzung eine lebhaftere wird. Daß hierbei noch die Größe der Puville eine Rolle spielt, wissen manche .brauen ebenso gut als' die Augenärzte. Denn wenn erstere über Sehstörungen 'klagen, kann der Arzt mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Mißbrauch :des die Pupillen erweiternden Atroins schließen. Was endlich die Farbe" der Augen betrifft, so gibt es bekanntlich da dk verschiedensten LiebHaber ; aber in keinem Falle liegt dem etwas Anderes zu Grunde, c?ls die von .farbigen Körnchen erfüllteNegenbogenihaut. Damit kann man dann freilich wieder eine artige Symbolik treiben -und grünlich schillernde Augen als Zeichen der Falschheit und Schlauheit erklären (weil sie an die grünen Augen der ob dieser Eigenschaften vielverleumdeten Katzen erinnern), ähnlich tü'it man von einem verschmitzten Ge ficht spricht, obwohl dies nichts Andres zu bedeuten hat, als daß die Au'genbrauen an der Schläfenseite nach oben geschwungen sind. 2aS Lebenvon zwei Seiten. Carlyle saß einst, in trübe Gedanj!en versunken, an seinem Schreibtisch; endlich nahm er ein Blatt Papier und faßte sein Sinnen in ein paar Versen zusammen: Cui bono ? Hoffnung? Nur ein Regenbogen, Kinder folgen ihm durch's Gras: Nein, nicht hier! Noch weiter, weiter! Keins der Kleinen fand noch waö. Und das Leben? Eifesfläche. Thauend leis, am sonnigen Strand Zxrohes Gleiten; doch wir sinken Nimmer uns're Spur man fand. And der Mensch? Ein thöricht Kind nur, Das sich kränkt und quält sich ab. Viel begehrt's, und nichts verdient's doch,' Und sein End' ein enges Grab! Seine Gattin fand das Blatt; sie .fand auch eine Antwort. Die schrieb sie still hinter des Gatten Worte. ! Antwort. Hoffnung? Gleich der sanften Taube Senkt sie sich in unsere Brust, 'Spricht von Frieden, den nichts raube, 2W und sel'ger Himmelslust. jllnd das Leben? Göttlich Feuer. Strebt's durch Staub' und Asch' emi por, "Steigt und flammt stets höher, freier, Äis im Aether sich's verlor. Und der Mensch? Hass' und verachte Nicht das Werk aus Gottes Hand! Was er gut und weise machte, jat ein höh'reZ Vaterland! ' In der Menagerie. Vesucher: Sagen Sie, Herr Direktor, ist der Elephant sehr, klug?" Direkio?: "Gewiß! Ich habe ihm sogar beigebracht, in diesen Kasten hier ein Geldstück hineinzulegen Wollen Sie es 'mal Probiren? Geben Sie eine Mark ber!" Der junge Mann gibt dem Direktor das Geldstück und der Elephant führt das besagte Kunststück aus. Besucher: Das ist wirklich sehr hübsch!.... Jetzt soll er mir aber das Geld wieder geben ! Direktor: Bedaure. mein Herr, das habe ich ihm nocb nicht beibringen können!" Entgegcngekomme n. Dame zu einer Freundin: Ich habe es immer gesagt, Herr Mllhler ist zu schüchtern, um einen Antrag zu machen." Aber er hat sich doch vor Kurzem verbeirathet." Ja, aber mit einer Wittwe." Gegenleistung. Bettler (zur Hausfrau, die ihm ein reichliches Mittagsmahl gegeben): ...So, g'freut hat Sie's, daß mir 's Essen so gut 'schmeckt bat ? !..... Jetzt mach'n S' . aber auch mir a' Freud' und schenk'n S mir 'was auf an' Schnaps!" Gemüthlich. Lehrjungeszum Fenster des Wirthshauses hineinru send): Herr Wirth, der Meister soll beim kommen !...... Sind S' so gut und erfen S' 'n 'muH

Eine humoristische WtltgesellsÄast.

Von Tchmidt-iSeikenfelS. Vor reichlich dreißig Jahren, im October 1859, entstand in der böhmischen Königsstadt Prag ein Verein unter dem Namen Schlaraffia". Ein geistreicher Geschichtsschreiber, der sich die Aufgabe stellte, die Arbeit des deutschen Volkes bis in seine geheimsten Werkstätten und zu ihren verheiungsvollen Anfängen zu verfolgen, würde es sich in Zukunft so leicht wohl nicht nehmen lassen, auf den inneren Zusammenhang dieser geselligen Schöpfung mit der gleichzeitig hochgehenden nationalen Bewegung aus Anlaß der sich vorbereitenden hundertjähriaen Geburtstagsfeier Schillers hinzuweisen. Und von der Phantasie bei dieser Studie beflügelt, reimte sich der newissenhafte Forscher den Namen Schlaraffia dieser Gesellschaft wohl mit ihrer Absicht, angesichts so hochfluthenden und sie umbrausenden Lärms nur schlemmerhaftem Müßiggang und gedankenscheuem Entrücktsein charakterverderbender Politik zu huldigen. Dieser brave Mann würde unwillkürlich schlarasfischen Humor entwikkein, in dem Sinne, daß cr sich selbst aum besten habe. In Wahrheit hat das fröhliche Künstlcrvolk. welches sich in einer guten Stunde seineGesellschaft Schlaraffia gründete, wie ein spielen des Kind gehandelt, das einen Frucht kern in 'den Boden legt und nicht weiter daran denkt, wie groß und stark die Pflanze daraus emporgehen werde. Zumeist waren es die Mitglieder des Prager Landestheaters, von der Oper wie dem Schauspiel, dem Ballet und dem Orchester, ihr damaliger Direktor Thome mit dabei, die sich einmal in der Woche in ihrer Art ungezwungen beim Bier vergnügen wollten, höchstens einer ästhetisch-zimperlichen Theegesellschaft zum Trotz, in welcher des Lebens Unverstand mit steifer Höflichkeit in Frack und weißer Halsbinde genossen werden sollte. Vielleicht brachte auch dieser Trotz di: so überaus schöpfungslustige, ausgelassene Laune hervor, in der sich die Gesellschaft vom ersten Abend ihrer Zusammenkunft an in der gewölbten Bierhalle erging und in der sie das belebende Prinzip ihrer Fortsetzung fand; jedenfalls sollte feer mit Jubel von ihr aufgenommene Name Schlaraffia höhnisch ihren derb realistischen Gegensatz zu 'derGespreiztbeit der Tbeeästbetiker ausdrücken, denen etliche von ihr verdrossen den Rücken gewannt. Den bierfroben Theatermitgliedern waren auch zahlreiche mit ihnen bekannte Journalisten, azrntjleuer, iunae Juristen und Beamte gefolgt, und in der Schlaraffenburg ging es in jeder Sitzung rmmer yumorvouer und dabei immer künstlerisch lcistungsfreudiger her. Die Opernsänger beeiferten sich nirgettös so wie tu:?, mit einem Vortrag zu glänzen; selbst der süße lyrische Tenor zierte sich nicht; der Kapellmeister des Theaters führte mit seiner Schaar aus dem Orchester und hatten sie auch bis zehn Uhr im Tempel Melpomenes sich abarbeiten müssen ein prächtiges Musikstückchen auf, sobald sie nur nach dem Speisezettel geazt und ihren standesgemäßen Durst mit goldgelbem, prickelndem Pilsener Quell in etwas gelabt. Da hatte der und jener eine eigene Eomposition oder ein Chorlied gemacht, wie es sich im neuen Schlaraffenreich aus aller Ritter und Junker Munde hören lassen sollte, anders wie die profane Welt da draußen alte, abgeleierte Gesänge pflegt. Fort und fort knallte ein Witz gegen den anderen, ein Sife wurde von dem anderen abgelöst und theatralisch oft in Scene gesetzt Die Oberschlarafsen mußten in der Leitung dieser Improvisationen und dieses übermüthigen, immer mehr auf Verherrlichung des geschaffenen und ,so anregungsvoll sich in allerhand Formen ausgestaltenden Schlaraffenthums ihre Weisheit bewähren, und zu ihrer Erleuchtung dafür war der Uhu. der kluge Vogel der Nacht und das altehrwürdige Symbol des Philomusenthums, der Musenfreunde, auf einen prächtig geschmückten" Thron gestellt. Gemeine Namen, wie sie die irdische Welt kannte, trug kein Mitnlirt) dieses weltentrückten Bundes mehr; jedes erhielt in feierlicher Taufe einen ritterlichen, gar fürstlichen, wie er der innersten Art seines Wesens und Seins im wonnigen Schlarasfenthum entsprach. Er erhielt ebenso darnach ein Amt, eine Hofcharge, eine Staatswürde; denn dieGründung wurde bald als die eines in oder bei China liegenden Staates erkannt, in welchem alles kreuzbiegende, buckelnde und dünkelhafte Marcdarinenthum sich noch viel wichtiger und selbstgefälliger machen konnte als anderswo. Es entstanden eine fürnehme Rangordnung, ein Hofstaat. eine eigene Hof- und Niiterspräche im Verkehr, ein pompöses Ceremoniell bei' Ritterschlag und Aufnahme neuer Pilger in die Sassenschaft, beim Vrudertrunk und Turnei geistiger Kämpen zu Ehren Uhus. Gesellschaften solche? Art und ebenso künstlerisch geweckt und gepflegt hatte es immer und überall in der civilisirten Welt gegeben; manche waren zu längerer Dauer und großer Blüthe gelangt, wie die LudlamLhöble" in Wien im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts und dann die Grüne Insel" daselbst. wie der Duselbimbam" in Berlin, das Vergwerk" in Stuttgart, das Krokodil" in München. Mitglieder des Theaters. Schriftsteller, Male: und andere witzliebende und künstlerischen Auffassun?en zua:::eiate Männer waren im- ! mr hi Urb?5?r und Träiier fnlrfW i v - - j - - - ü j Männergeftlligkeit. gewesen, und zui meist erhielt dieselbe ihren feineren Re:i durch den uocr zedwede Standes.

rückstchten und Lügen derGesellschaft sich spottlustig hinwegsetzenden Humor, durch die freie Ungebundenheit, in der sich der sonst in allerhand Schranken eingezwängte, über die Thorheiten des Lebens lächelnde Mensch da bewegte. Aber die Schlaraffia hat eine so außerordentliche Verbreitung in der deutschen Geselligkeit gefunden, ist ein so weitverzweigter, bis nach Amerika ausgedehnter und von einem Gesetz, einem Geist gefestigter Bund geworden, daß sie in humoristisch: Körperschaften ihresgleichen noch nicht gehabt hat. Sie umfaßt heute rund hundert .Reiche" in ebenso vielen Städten' Oesterreichs, Deutschlands, derSchweiz und Amerikas. Gegen dreitausend Mitglieder gehören ihr an, und immer, noch bilden sich neue Töchtergesellschaften, ohne daß, was wohl zu beachten,' dafür öffentlich geworben oder Reklame gemacht würde oder eine solche Neugrün'dung ahne weiteres auf den Einfall und das Bemühen einzelner möglich wäre. Der Bund, Allschlaraffia genannt, hat sein Gesetzbuch, welches allein maßgebend für jedes seiner Glieder ist, und an der Spitze dieses Bundes steht als Hüterin das Mutterreich in Prag, die Praga. Schon in Prag verlich eine Verfassung des Reichs", wie sie für dasselbe auf Grund der mehr und mehr zu stehettden Formen und Gebräuchen gewordenen anfänglichen Jmprovisasionen etwa ein Jahr nach der Gründung vorgelegt und angenommen wurde, demselben eine gewisse Gewähr der Fortdauer, im Falle die Urschlaraffen einst nicht mehr die Arbeit an ihrem Werk sollten fortsetzen, um.es in sei-' nem glücklichen Geist erhalten zu können. Dann, 1865, erstand in Berlin durch einen dieser Urschlarafsen eine Zweite Schlaraffia, zunächst mit eige-, ner Verfassung, wenn auch nach denselben Grundsätzen, wie sie in der Praga sich bewährt hatten. Von Verlin setzte sich erst wieder nach einigen Jahren, 1872, die Verzweigung nach Leipzig fort, und sie wurde zugleich eine schwesterliche Vereinigung von Prag und Berlin und damit die Ursache des Föderativbundes unter einem Spiegel". Bald wurden es auf diesen hin der Reiche mehrere in Oesterreich wie in Preußen, im Osten wie Westen Deutschlands und auch in der Schweiz; wie gesagt, heute sind es ihrer hundert geworden, die alle im Sinne des Mutterreichs von Prag DasBanner Uhus hoch und in Ehren halten. Der Spiegel (die Statuten) und das damit innig zusammenhängende Ceremonialgesetz bewahren nicht allein unverrückbar 'den inneren einheitlichen Charakter all' dieser hundert, auch in Milwaukee, Chicago. New York und San Francisco blühenden Schlaraffenreiche, sondern unzweifelhaft sind sie es auch, welch: einen unerschöpflichen Quell humorvoller, sinniger und edler Männerunterhaltung bilden. Alle fünf Jahre werden auf einem Konzil" diese Satzungen revidirt und ergänzt. Je nachdem der Geist des einzelnen und der bestallton Leiter den Buchstaben derselben zu beleben weiß, sprudelt der Quell mächtig hervor. Im Augenblick, in dem der Sasse eineS Reiches in seine Burg einreitet. uv. mit den ritterlichen Genossen zu sippen, ist er nicht mehr der profane Mensch, darf er es nicht mehr sein. Er dünkt sich im Zeitalter dreihundert Jahre zurück. Cr tritt in eine andere, märchenhafte Welt, in welche die Verhältnisse des gewöhnlichen Erdenlebens, Politik, Religion, Tagesinteressen, nicht hineinragen. In gleicher ritterlicher Schalksrüstung begrüßt einer den anderen, untersteht jeglicher dem strengen Gesetz des Reiches.l Der Oberschlaraffe auf seinem Thron inmitten seiner beiden Amtsbrüder leitet die Sippung in parlamentarischer Art und dadurch wird jede Zersplitterung, jede SeÄstsucht, jede Unziemlichkeit und Zerfabrenheit der Unterhaltung ausgeschlossen. Sie wird lediglich auf den schlarassischen Zweck gerichtet. Jeder sitzt auf seinem Platze und vermag joderzeit unter Beobachtung der üblichen Formen 'in die Unterhaltung einzureifen, sie zu bestimmen, ihr Richtung uttd Ziel zu geben. Er wird nach seinem Belieben und Ehrgeiz Mitwirkender in der Gemeinde, ist augen'blickS nicht mehr Zuhörer, nicht in der Passtvität des Publikums, das dem Aöspiel eines Programms beiwohnt, sondern Schauspieler, Künstler oider in aller Gravität seiner Würde oder seines Amtes ein Satiriker der Elielkcit. Eine kolojale Feudalität wird in höchst demokratischer Aufführung, im festen Nahmen jedesmal in anderem Bilde dargestellt. Der Einritt eines fremden Ritters wird eine große ceremoniöse Scene, die Begrüßung eines neuen Pilgers eine anregende Festlichkeit. Die oberste Grundsatzung der Allschlaraffia erheischt die Pflege von Humor und Kunst, immer nach bestimmten Formen und unter gewissenhafter Beachtung deS Ceremoniells. Jzealisirt ist dieser Zweck durch die Hochhaltung der Freundschaft. Die winterlichen Sippungsabende gehen keinesWegs unter bloßen' Allotrias hin; im Gegentheil bilden diese nur gelegen!lich: Zwischenspiele. Die den Heroen der Poesie und Musik gewidmeten Gedenkfeiern werden in echt künstlerischer Weise und mit Vorträgen aus ihren Werken ausgestattet, und manch

t dere innere Veranlagung ruft'wr volle, zu Herzen gehende Stircmu" hervor. Darum' auch der Wählst. der Gesellschaft: In arte volup'' Dazu gesellt sich noch : zur Erh? ; der ethischen . Bedeutung des j raffcnthums , in. dieser modernen wirklichung -'die Gast freund i deren jedes sich ausweisende Mi des BundeL in allen Reichen sicher ist. Dor Wiener, der in die Burgen der rheinläsrdischen Schlaraffen einreitei.

ist da unter brüderlichen Gleichgesinnten wie bei sich zu Hause, und kommt ein Genosse von jenseits des Oceans in ein Reich des deutschen Mutterlandes, so wird er nach Gebühr und Verdienst gastlich aufgenommen, herzlich mit ihm gesippt, manchmal auch tapfer die ganze Nacht". Ein Schlaraffe kann nie fremd sein in der Welt, überall ist seine Heimath, und insofern kann man behaupten, daß die deutsche Schlaraffick sich zu eine: Weltstellung erhoben hat. Qtcigeruug.

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Comptorist Meier erwirkte eine GeHaltsaufbesserung ; sein Chef zahlt ihm am Ersten sein Salair aus, jedoch ohne Zulage. Er will schon an sein Schreibpult zurückkehren, als ihn der Chef zurückruft : Beinahe hätte ich auch vergessen . . . hier haben Sie eine kleine Gehaltszulage . . . 9o 3o 0 zehn Mark, SS SS SS S? dreißig Mark, vierzig Mark, fünfzig Mark !' Auch ein Künstler. Ein Statist, welcher gern in. ein höheres Fach avanciren möchte, sucht an einem kleinen Hostheater Qr.aaae'mrM Was gelJch tolz Di5a. Zhl. utin "&tl-vnft-i.rr.l . f Ze einen Namen machen wird? B.:

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' .Gewiß wenn sie heirathet!-

Cixt und Hart! im CireuS -v Humoreske von Sarl Wolf.

Mit die Knödl mußt's machen, wie's der Muhn (Mond) thut. In vier Viertel mußt sie eintheilen, wenn sie d:e Groß' haben, wie a rechtschaffener Knödl haben muß. So wie & mittere Manderleutsfaust." Diesen Ausspruch machte der Sizt, als er mit den Leuten auf dem MoosHofe beim Mittagessen faß. Knödl und Kraut dampften auf dem Tische, so daß es aussaht als säße der Bauer hinten in der Ecke im Nebel. Und heunt iß i um drei mehr als sunst." Sell wären zehn," lachte die Jungmagd. Ein strafender Blick traf sie für' diese vorlaute Rede aus den Augen des Sixt. Sell wär'n zehn, hast recht, und Wenn's nit Sünd sein that, stechet i vi' ab. Nachher hätt' i zu die Knödl a Ganssleisch!" Zwcgen waS brauchst denn heut' so a Stärkung?" fragte verwundert der Bauer. Weil i g'schwind nach'n Essen in die Stadt geh' auf'n Circus." Auf diese Rede war erst ein allgemeines Stillschweigen, denn da hinten in dem Hochthale hatten die Leute keine Ahnung, was ein Circus sei. Die Jungmagd langte erst den Ka lender von der Wand und blätterte und suchte lange darin herum. Geh', Du 3och," sagte sie endlich. Wirst freili' no' ganz bocklutherisch. Der Heut ist auf der katholischen Seit' in Kalenda St. Mauritius und nit Circus. Wird freili' lei so a Freimaurer oder Antichrist'n-Heiliger sein, der Circus." Die übrigen Leute schauten fast mit dem Ausdrucke des Erbarmens auf den glaubensschwachen Sixt. Wenn Dir 's Dummsein weh' thät," sagteSirt auf den Vorwurf der Jungmagd, Madl, selm höret man Di bis auf Amerika umi schrei'n." Der Circus ist nit a Heiliger, der Circus ist a Kumedi und sell a b'sundere. Die Rösser thun selm Kumeoi spiel'n, und weil sie 's g'rad a so wie die Leut' a nit kennen, heißt man das Kumedihaus nit Thiater, sondern Circus. Circus heißt bei die Stadtleut' fast a so. Wenn einer 's g'naue nit weiß in der Stadt, sagt er Circus. Wie viel Leut' sein in der Kirch' geWest? Circus hundertfufzig. Wie viel wägt das Farkl? Circus an Centner zwanzig. Und weil die Roßkumedi fast wie a Thiater ist, just nit ganz a so, heißt's Circus." Erstaunt horchten die Leute auf die gebildete" Rede des Knechtes. Er aber warf sich in die Brust und sagten Ja, ja, Zett war s, wenn a bis! a Fortschritt einer kam in's Gebirg." Der Hartl, sein Kamerad, wollte ihm .nicht nachstehen. Die Schuh' hab' i frisch g'nagelt." sagte er, und wenn a Gulden g'langt für'n Circus, selm geh' i mit Dir, Sizt." Leicht g'langt er der Guld'n. Der Sagschneider drunt im Thal, der is schun g'west im Circus und der hat g'sagt, glei'm bei der Menasch selm a'steht a Platz zen Hucken fufzig nuie Kreuzer. Weißt, solchen?, de ein Kreuzer gelten und a Zweier ' steht d'rauf." Ja," entgegnete darauf der Hartl bedenklich, sötta neumodisches Geld hab' i keins." . Sell ist gleich, sie nehmen 's altmodische leicht lieber." tröstete Sizt. Und richtig, gleich nach dem Tischgebete rüsteten sich die zwei Bursche zum Besuch des Circus, der nach einer cmgetrosfenen Nachricht draußen in der Stadt schon einige Wochen lang aufgestellt war. Jetzt auf eins bin i g'wundrig." sagte Hartl auf dem Wege zur Stadt. .Ob die Roß' red'n können." Bist ganz narrisch." sagte Sixt darauf. Die Rösser machen ganz a andere Kumedi. Der Sagschneider sagt, abg'richtet sein's wie die Hund' und nachher, unter uns. g'sagt, weißt, oben auf'n Hof, den dummen Leut'n hab' i's verschwiegen. Die alte B'secherin hätt' sich die längste Zeit 's Maul derriss'n. Die Rösser, de können mir über'n Vuck'l auf! fteig'n. Weiberleut' seien in den. Circus, hat er g'sagt, der Sagschneider, 's Wasser lauf' Ernem tm Maul z'sammen, wie wenn man an' Menschen zuschauet, Essig trinken. Oben ummer und unten ummer kurz g'wandtet und kuan.' Strümpf' haben sie an und in der G'wandtung tanz'n sie an SchuachPlattler stehende? Weis' auf an Roß." - Kreuz sakra," sagte Hartl rr:A funkelnden Augen, iüane Strümpf' un. und oben und unten kurz g'wanotct! Mandl. d? vm i derbei!" Und n-lche: ist no a Sach'. Um's Geld g'rafi wird." Was? G'n!i? Um's Geld?" Freili'," sagte Sizt. Dcr Sagschneide? hat an Zeit'l mitörncht und selm steht'Z o'rauf. I hab' mi freili' nit auskennt, aber des Fuxenbauer Scpp Hans, der bei die Achter-Jage? g'west ist, hat m'r Aufklärung geben. Im Circus sei Einer und der heißt Herr Kules. Der Kules hat a Ausschreibung g'macht. hundert Kronen bekummt der, der'n schmeißt. Und den schmeiß' i." Hundert Kronen? Mei," sagte Hartl verwundert was thust Du mit hundert Kronen? Du kannst sie ja döcht nit aufsetz'n." ' Zoch," entgegnete darauf der Sizt, Kronen, dös sein die neumodischen blechenen Guldenzettel." Ja richtig," sagte Hartl, Kronen, sell ist's neumodische Geld, dös sie eing'fllhrt haben, daß Alles billige? werd'."

Die zwei Bursche schritten rüstig

aus und kamen so zeitlich in die Stadt, daß sie noch Einkehr halten konnten. Sie tranken cimge Vierte1er" feurigen Etschlä'ndcr und säbelten dazu ein Kilo Schweizerkäse zusammcn, den sie sich beim Spetzger (Spezcreihändler) gekauft hatten, und ehe sie gingen, trank Sixt noch an Liter zur Schneid", aus. Verwundert standen sie vor dem Leinwandzelte und wollten durchaus nicht begreifen, daß in demselben ole große Roßkumedi" spielen sollte. Ist der große Umbrell (Regenschirm) richtig die Circuskumedi?" So fragte Sixt. vorsichtig einen Herrn, der eben im Begriffe war. sich an der Kasse eine Eintrittskarte zu lösen. Und als der Her? die Frage bejahte, fragte Sixt vorsichtig weiter: Und ist da drinnen der Herr Kules, der die hundert Kronen ausgeschrieben hat zwegnen Schmeiß'n?" Herr Director," sagte da der Herr zu einem Manne, welcher im rothen Frack mit Reithosen und Stiefeln am Eingange die Leute in die Circus becomplimentirte, Herr Director, va melden sich zwei Bauernbursche zum ausges chriebenen ' Preisringen." Ah, das ist schön, das ist prächtig," rief der Director freundlich. Bitte nur hereinzukommen, hier herein!" Er hob einen Vorhang in die Höhe und der Sixt und der Hartl stolperten dem Director nach in den Circus. Der Hartl wollte aber ganz sicher gehen und hielt den Director beim Frackzipfel zurück. Sie sein schon der Rechte, i mein'. zwegen die hundert Kronen, de ausg'schrieben sein. Nit, daß hintendrein nachher allerlahand Sachen außerkummen." Unbesorgt, mein wackerer Gebirgssöhn," sagte der Director und klopfte dem Burschen wohlwollend auf die Schulter, ist Alles in bester Ordnung, ganz unbesorgt." Den Beiden wurden unmittelbar neben dem Stallgange zwei Plätze angewiesen und darüber war eine Inschrift mit der Bezeichnung Preisringer" angebracht. Wie ist Dir denn. Sixt?" Mir? Gut ist mir. Hab' no' lein' g'seh'n, den i scheuet und die hundert Kronen, die werd'n g'wunnen, sell kannst mir glaub'n." Selbstverständlich richtete sich die Aufmerksamkeit des ganzen zahlreichen Publikums auf die zwei Bauernburschen. welche gewissermaßen auf dem Präsentirteller als Preisringer dasaßen. Anfangs merkten sie dies nicht, denn es gab für sie so viel des Neuen zu schauen, daß sie aus der Verwunderung gar nicht herauskamen. Teufel, was hab'n denn die Leut' da alleweil zu gaffen? Und gar mit zweispannige Spektivröhrlen schaugen sie, die Saggera," brummte Sixt. Ja weißt, die Leut' sein halt g'wund'rig, wenn sie Fremde sech'n," sagte begütigend der Hartl. Da treten zehn Stallmeister ein, !n blauem Frack, rotherWeste und fleischfarbigen Trikots. "Heilige Mutter Anna jauchzte Hartl völlig auf, da fchaug, die hab'n alle mitanander die Hosen versoffen." Kreuz saggera," stimmte Sixt bei, dös wär' a taugliche Mod' für unser einem." - Nun begann die Musik zu spielen und ein Nudelbrettpferd wurde hereingebracht. Unmittelbar darauf tänzelte eine Reiterin mit ihrem kurzen Röckchen herein, warf einige Kußhände iir die Runde herum, wurde auf das Pferd gehoben und begann die allbekannten Künste. Sell ist a kuriose Sach', daß in der Circuskumedi die Leut' alle keine Hosen anhab'n thun," flüsterte Sixt. I möcht' jetzt grad, daß in der ganzen ersten Reih' alle Manderleut von unserer Gmoan hucket'n. In der zwei ten Reih' aber alle Weiberleut'. Weißt was die thät'n? Füri g'langen thät'n sie alle und den Manderleut'n die Aug'n zuheb'n." Aber a saubers Dirndl ist sie. A Fezzele ung'recht, aber sell is lei gleich. Kluan ist sie und herzig wie a Muskatnüßl. Hat a schmal's Gesicht! und lacht a bißl." So sang Sixt und erregte hierdurch die Aufmerksamkeit des Clowns, der die Gelegenheit zu einem lustigen Spaß nicht vorbeigehen lassen wollte, ganz besonders, da die Reiterin gerade eine Pause machte. Und zudem betrachtete er die zwei angemeldeten Preisringer gewissermaßen als zur Bude" gehörig. Der Clown schlug einige Purzelbäume, sprang mit einem Satz auf den Rand der Manege, ergriff den Hut des Hartl und schlug ein Rad bis mitten in en Circus. Hartl war erst starr vor Staunen, als aber Sirt hetzte: Pack'n, Hartl!" zog er die Joppe aus und mit einem Satz sprang er hinein in die Renn bahn. Und nun folgte zum größten Gaudium des Publikums ein Wettrennen zwischen dem Clown und dem Vauernburschen. Der Beifall würde immer stürmischer, je erfolgloser die Jagd für den Bauern war. Endlich blieb Hartl mitten im Circus stehen, wischte sich den Schweiß von de? Stirn: und rief: Kreuz Teufel no a mal eini. dös ist kein Mensch, dös ist a Katz! Wenn der nit still hebt, kann i den nit schmeiß?!" Unter dem Gelächter des Publikums gelang es endlich einem der Bedienst:ten, dem Hartl aufzuklären, daß der Clown durchaus keine Lust habe, mit ihm einen Ringkampf zu bestehen, sondern daß er sich nur einen kleinen Spaß erlaubte. ,Sell soll er no' amal probnen, der

Sackera." grollte Hartl. Wenn kimmk nachher der Herr Kules?" Haben Sie nur Geduld, die Nummer wird schon angekündigt werden beruhigte ihn der Stallmeister und führte den Burschen wieder auf feinen. Platz zurück. Es folgte nun Nummer für Nummer des Programms und die beiden Bursche saßen staunend mit offenen Mäulern da. Mandl, dös ist nit lei Circus a. Kumedi, dös ist schun a rechte," sagte Hartl zu Sixt im Tone der innersten Ueberzeugung und er ver?ß völlig darauf, daß er ja auch noch auftreten müsse. Auf einmal ertönte vom Orchester ein dreifacher Tusch und m d?e Mitte der Reitbahn trat der He?r Director in seinem rothen Frack und Reithosen. Hartl, pass' auf, jetzt kimmt der Serr Kules," flüsterte Sixt. I gib schun acht," entgegnete Hartl. Er soll lei kemmen, zen rennen und umerlaf'n lass' i ihn nit Zeit, seu kannst glab'n." Der Herr Director machte eine elcgante Verbeugung ringsum und be--gann: Meine hochgeehrtesten Herrschasten! Unsere Preisausschreibung für einen Ringkampf um hundert Kronen haben zwei Bauern, kräftige Söhne der Berge, gewohnt der schweren Ar beit, Folge geleistet. Sie strotzen von Kraft und Gesundheit und sind nicht zu unterschätzende Gegner." Er trat einige Schritte zurück. Eine kurze Pause, meine hochverchrtesten Herrschaften, und der Ring-

kämpf beginnt. In diesem Augenblick sprang Harll, dieLoppe hatte er schon bei den ersten, Worten des Directors abgeworfen, in die Reitbahn. ; Oho, Mandl." schrie er, da gibt'Skeine Pause. Daß D' mir a wieder duchipfitscht, wie der Puijatzl!" Mit kräftigen Armen ergriff er den Director, wirbelte einige Male mit' ihm in der Luft herum und schmiß, ihn mitten hinein in den Sand. Das? Publikum tollte förmlich über diese Verwechslung. Die anwesenden Stallmeiste? wollten dem Director zu Hilseeilen. Sakera," fluchte Harll, hauftnweis' kemmt's? Sixt kimm, räumen mir auf!" Mit .einem hellen Jauchzer sprang nun auch Sixt in die Reitbahn und' nun begann ein Schmeißen, daß den Stallmeistern nur so die Fetzen vom Leibe hingen. Endlich mengte sich auch die Polizei in die Sache und mit v'.ele? Mühe gelang es. die zwei Handfesten Vu?schen zu überwältigen. Auf dem Polizeiamte rechtfertigte sich Hart! so: I. sell ist ang'schlag'n q'west. daß in der Circuskumedi a Raffer:! sein thut und der Herr mit'n rothen Rock mit die zwei Zipfl hint'n abi hat ja g'sagt. der Ringkampf beginnt. Und da hab' i halt ang'fangen. . Wenn tt nit der Rechte ist. soll er nit zon Anfangen auffordern, der KreuztcufelsZoch." Acht Tage bekamen die zweiFreunde Zeit, nachzudenken über die Regeln eines Ringkampfes, dann zogen sie wieder mit den langen Schritten der Bergler ihrer Heimath zu. Und fein ist's döcht g'west!" ver--sicherte Hartl. Theuere Marken. Dfe Briefmarkensammel - Manien treibt absonderliche Blüthen. Für zwei Marken von der Insel Mauritius aus dem Jahre 1847 hat jüngst eine Londoner Markenhändler-Firma nicht, weniger als 680 Lstrl.. das sind $3400,. bezahlt. Es waren das ein.: rothe Penny- und eine blaue Zwei-Pence Marke, di: auf der linkn Seite die Aufschrift Post-Office" tragen. Von diesen Marken soll es nur vierzehn Exemplare in der ganzen Welt geben; die Könige unkr den Sammlern, wie das Britische Museum, Baron Rothschild. der Graf v. Ferrary, der Herzog von Galliera u. f. w.. besitzen sie. Vor w.?nigenJahren noch galt der Preis von $300 für diese Seltenheiten als ein hoher. Einem Engländer Namens Philipps sind zwei dieser Ma?ken, die sich in der berühmten, unlängst zum Verkauf aussbotenen Sammlung von Lalanire in Bordeaux befanden, eine Reise von Australien nach Frankreich werth gewesen. Er kaufte die Sammlung für $15,000. Mit $18.750 wurde neulich die Sammlung d.?3 Engländers Daniel Cooper bezahlt, welche nur Marken aus den Jahren 1862 bis 1878 enthält, diese allerdings nahezu lückenlos. Eine Sammlung aber von di-Millionen Werth ist die des obengenannten Herzogs von Gal liera. Der Herzog verausgabt für seine Sammlung jährlich $50,000. Vor mehreren Jahren wurde sie schon auf $350.000 geschätzt. Wie Vri.:f-marken-Seltenheiten noch immer zum Vorschein kommen, dasür gibt die jüngste Entdeckung eines englischen Sammlers ein Bcispi.?!. Er machte an einigen nicht gerade seltenen Colonialmarken die Bemerkung, daß auf ihnen das Haarbündel am Bilde der Königin Viktoria etwas länger war. als sonst. Shr mühevoll: Nachforschungen, die er sofort anstellte, ergaben denn auch, daß auf eine? der zur VerWendung gekommenen Platten der Stecher sich ein wenig verzeichnet hatte. Die Briefmarken - Seltenheit war da! C int Heilung. Clla (zu ihrer Freundin): Run, Anna, Ihr habt ja jetzt ein Abonnement. Wie gefällt es Dir denn im Tbeater?" Vackfifch: O sehr! Ich gehe in die klassischen Stücke, Papa sieht am liebsten lustige Operetten, und Mama geht in's Unpassende!"

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