Indiana Tribüne, Volume 17, Number 144, Indianapolis, Marion County, 11 February 1894 — Page 7
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Ueber den Begriff Weiblichkeit. Von L. Gnök'.hne. Die Gegner der modernen FranenBewegung geben häufig dem Gedan ken Ausdruck, daß vertiefte Bildung und erweiterte Erwerbsthätigkeit das weibliche Geschlecht unweiblichmachen werden. Die Ausdrücke Zechte Weiblichkeit" und Unweiblichkeit sind Schlagworter geworden, werden aber in so widersprechender Weise ge braucht, daß es angezeigt erscheint, zur Klärung des Urtheils den Begriff Weiblichkeit zu untersuchen und festzustellen. So lange dies nicht geschehen ist, bleibt ein Versuch der Ver fländigung über dies Thema ebenso aussichtslos, wie das Bemühen, die destrittene Länge eines Zeugballens feststellen zu wollen, ohne daß beide Parteien denselben Maßstab führen. Nimmt der öine die Elle, der Andere das Metermaß, so wird Jeder ein anderes Ergebniß erhalten, und wenn sie tausend Mal messen. Ohne Vergleich gesprochen: Eine Verständigung darüber, ob eine Handlungsmeise weiblich sei oder nicht, wird erst möglich. wenn wir festgestellt haben, was weiblich ist und mit dem klar gesaß ten Begriff einen grundlegenden Maßstab für unser Urtheil gewonnen haben. Der Vorwurf der Unweib lichkeit ist ein so schwerer, ja vernichtender, daß wir eine Pflicht, eine Forderung der Billigkeit und Gerech tigkeit erfüllen, wenn wir nach dem Maßstabe forschen, an welchem die Berechtigung oder Jrrthümlichkeit dieses Vorwurfes gemessen werden iann. Gelingt es, ihn zu finden und zum Gemeingute der Geschlechter zu machen, so ist der mißbräuchlichen Anwendung des Wortes Weiblichkeit oder Unweiblichkeit gesteuert. Wollen wir nun den Grundbegriff der Weiblichkeit endgiltig feststellen, so kann dies nicht auf dem Wege s'.ib jektiver Betrachtung oder persönlicher Ansicht geschehen, denn persönliches Dafürhalten kann nicht allgemeine Geltung beanspruchen ; wir wüsten vielmehr versuchen, mittels logischer Deduktion zu einem objektiven Urtheile und einem unanfechtbaren Maßstabe zu gelangen. Den Ausgangspunkt für unsere Erwägung, bei welcher die Begriffe Weiblichkeit und Jungfräulichkeit wohl auseinander zu halten sind, gibt uns das Wort, die Hülle des Bcgriffs, selbst an die Hand. Wie Jungfräulichkeit von Jungfrau, frauenhaft von Frau gebildet worden ist. so ruht das Wort Weidlichkeit auf Weib und bezeichnet eine Wesensart Gesinnung und Thun , welche diesem eigenthümlich ist. Stellen wir nun die angeführten BeZeichnungen für Personen weiblichen Geschlechts einander gegenüber, so sehen wir, daß die Worte Frau Jungfrau einen Unterschied innerhalb der Grenzen des eigenen Geschlechts bezeichnen, das Wort Weib dagegen nach dem heutigen Sprachgebrauche (Ich betone hier ausdrücklich den Herrsehenden Sprachgebrauch ; daß juristisch Frau" wie Weib" für jede weibliche Person ohne Beziehung auf den Familienstand gebraucht wird, ist mir bekannt.) das Individuum als Geschlechtswesen im Gegensatze zum Manne betont. Weiblichkeit ist somit der Inbegriff aller seelischen Eigenthümlichkeiten, welche die Eigenart dieses Geschlechtswesens ausmachen. Allgemein menschliche Züge, weil beiden Geschlechtern eigen, kommen da bei ebenso wenig in Betracht, wie etwa pbysische Vorzüge, weil diese mit der Jugend verschwinden, Weiblichkeit aber, als der Inbegriff der spezifischen Merkmale des Geschlechts, ebenso unveräußerlich sein muß, wie wie das Geschlecht es ist. Waren z. B. Gretchens blonde Zöpfe und blühcnde Wangen ein Eharakteristikum der Weiblichkeit, so müßten alle ehrwürdigen Greisinnen unweidlich sein. Wenn wir nun Weiblichkeit als den Inbegriff der seelischen Eigenart drZ weiblichen Geschlechts bezeichnen, so erglebt sich als nächste Frage: Welches sind im Einzelnen die seelischen Züge, die die Eigenart des Weibes ausmachen? Da das Wort Weiblichkeit den Nachdruck auf das Geschlecht legt, so müssen die charakteristischen Züge echter Weiblichkeit mit der Geschlecht--Aufgabe und Leistung auf's Engste zusammenhängen. Diese Aufgabe und Leistung ist die Mutterschaft. Folglich muß eö die Mutterschaft sein, welche uns die üarakteristischen Züge echter Weiblichkeit offenbart, und die Eigenschaften, welche die rechte Mutter (wohlberstanden nur diese!), ihre Geschlechtsaufgabe erkennen läßt, diese Eigenschaften muffen den un trüglichen Maßstab für die Veurtbeilung des Wesens echter Weidlichkett ergeben. Weib sein, heißt Mutter sein. Dieser Satz könnte in vorstehende? Faffung den Irrthum hervorrufen, als ob an den physiologischen Vor gang (die Mutterschaft) selbst die rechte Gesinnung (die Mütterlichkeit) geknüpft sei. Wäre dem wirklich so. d. h. besäße jede Frau, die einem Kinde das Leben schenkt, in unlöslichem Kausalnexus auch zugleich die Wesensart der rechten Mutter, kurz gesagt: wäre Mutterschaft und Mütterlichkeit daffelbe wie könnte eS dann Kindesmörderinnen und Nabe"mütter geben? Oder wie könnte es weibliche Personen zeben, welche mütterlich sind, ohae Kinder zu haden? Erhellt aus Vorstehendem, daß Muttcrschast und Mütterlichkeit einander nicht wechselseitig bedingen, so erscheint es zur Vermeidung von Mißverständniffen gerathen, die Definition echter Weiblichkeit durch ein Wort dahin abzuändern: Weib sein beißt wie eine Mutter sein, kürzer: Weiblich sein heißt mütterlich sein. Tiefe Formulirung umfaßt sowohl
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Diejenigen, welche mit der Mutterschaft die Mütterlichkeit verbinden, als auch Diejenigen, welche ohne die Mutterschaft in natura doch die cha rakteristischen Züge der Mütterlichseit (zuweilen im reichsten Maße) be sitzen. Unter diesen charakteristischen Zügen steht die hingebende dienende Liede obenan, eine Liebe, welche sich nicht um des Gewiffens willen Opfer abringt, sondern fröhlich Opfer bringt. Natürlich hat diese Liebe in der Mutterschast einen mächtigen Bundesgenossen, sie zeigt sich am leichtesten in der eigenen Familie, beschränkt sich aber keineswegs auf diesen Kreis. In wahrer Freundschaft entfaltet sie sich auch ohne Blutsverwandtschaft zu herrlicher Blüthe, und göttlicher Natur erscheint diese Liebe, wo sie sich sür die Gcsammtheit opfert oder im Dienste einer Idee zu Worten und Thaten drängt, ohne auf Kindesliebe oder anderen Lohn rechnen zu können. Auch die barmherzige Schwester, weiche sich der verwahrlosten Armuth annimmt, die treue Erzieberen. welche den ihr anvertrauten Kindern die Mutter ersetzt, die Lehrerin, welchein seelsorgecischer Thätigkeit der Schülerin einen Halt für'S Leben zu geben sucht, das alternde Fräulein, welches ohne Bitterkeit im gewerblichen Leben den Kampf um'S Dasein sür sich und arme Angehörige ausficht, die blaffe Näherin, welche der kranken Näherin abgiebt: Sie Alle zeigen ein echt weibliches, d. h. ein mütterliches Herz, auch ohne in Natur Mutter zu sein. Es ergiebt sich der Schluß: Wo wir eine Handlungsweise sehen und wäre sie selbst befremdlich neu für uns welche wir aus Beweggründen ableiten können, die mit Mütterlichkeit vereinbar sind, da haben wir kein Recht, auf Unweiblichkeit zu er kennen; sehen wir dagegen eine We sensart. die mit den Forderungen der Mütterlichkeit unvereinbar sein würde, da dürfen wir den schweren Vorwurf des Unweiblichkeit erbeben. Die Eharakterinik der Unweiblich keit ergibt sich aus dem Gegensatze: An Stelle der Hingebung: Selbst sucht; statt der Liebe: Genußsucht; statt der Aufopferung; Trägheit oder Berechnung. Wo wir diefe Züge bei einer Frau beobachten, da haben wir das volle Necht sie unweiblich zu nennen, und wäre sie noch so schön, gefeiert, berühmt. Thackeray theilt in seinem Romane Vanity Fair die Frauen in solche, welche 'lieben, und solche, welche Pläne schmieden; er kennzeichnet damit kurz das Wesen der Weiblichkeit wie der Unweiblichkeit und schafft für letztere mit Meisterhand die typische Figur der Miß Sharp. Hierzstutzt der männliche Leser und bestreitet, daß Miß Sharp unweiblich war; andere Fehler giebt man zu; ober unweiblich? Dieser Widerspruch führt uns zu der Thatsache, daß Männer über Weiblichkeit anders ur theilen, als Frauen, eine Wahrnehmung, welche bei der herrschenden Unklarheit über das Wesen der Weiblichkeit nicht verwunderlich ist. Von hundert Männern könnte kaum einer sein Verdammungsurtheil: .Wie unweiblich!" begründen, aber alle wür den es leicht durch Zusätze bekräftigen, welche das Gepräge rein persönlichen Empfindens tragen, wie: Das paßt sich für eine Frau nicht." Das soll sie den Männern überlassen." Auf die Frage nach dem Grunde: Warum paßt sich dies für eine Frau nicht?" steht wieder als Antwort die Behauptung: ..Töeil es unweiblich ist" und damit ist der Zirkel geschloffen. Eher kann man die Quadratur des Zirkels finden, als diesem Schlüsse deikommen. Die Verschiedenheit des mannlichen nud weiblichen Urtheils über Wesen und Grenzen der Weiblichkeit ist so allgemein, daß vererbte Gewohnheit sie nicht erklärt, wir müen sie vielmehr auf die Verschiedenheit der Geschlechter zurückführen. Auf dieser Verschiedenheit der Geschlechter beruht die Ergünzungsbedürstigkeit der Geschlechter auf dem Ergänzungsbedürfnisse der Reiz und der Werth des Ver kehrs. Dasjenige Individuum nun, welches dem Ergänzungsbedürfnisfe deS anderen Geschlechts am meisten entgegenkommt, wird am reizvollsten sein ; Das weibliche Weib wird dem Manne am meisten gefallen. Welches Weib nennt der Mann nun echt weiblich? Nach der vorstehenden Ausführung müssen wir sagen: Dasjenige. welches im Gegensatze zu ihm seine Eigenart am schärfsten hervor treten und im günstigsten Lichte erscheinen läßt. Die Eigenschaften aber, welche der Mann für sich beansprucht: Kraft, animalischer Muth, Wille und Intellekt, diese Eigenschaften treten um so leichter und schärfer hervor, je schwächer das Weib ist. Je thränenreicher, furchtsamer, naiv-unwissender sie, desto olympischer er. Es ist daher psychologisch ganz richtig, die Schwäche des Weibes als reizend" zu bezeichnen, sie reizt den Mann, sich seiner Vorzüge bewußt zu weiden, so daß er sich selbst gefällt. Die Iran aber, in deren Nähe er sich gefällt, gefällt ihm. Da auf diesem Gefallen seine AnNäherung und damit die Fortdauer des Menschengeschlechts beruht, so em pfiudet es der Mann instinktiv als die wichtigste Aufgabe und Angelegenyelt dcS Weibes, ihm zu gefallen. Wo er dies Bestreben merkt, la urtheilt er milde über Schwächen, Fchler. Vergehen: ebenso instinktiv aberfühlt er sich verletzt, wenn eine ehrbare Frau, nm die Gunst der Männer nnbekümmert, unabhängigZihren Kampf um's Dasein ausficht. Ihm cr?c! c :it es allein natürlich, daß im MllielPunkt eies jeden Frauenlebens ein Mann steht, um den dies an sich werthlofe Leben kreist, wie ein Ring um den Saturn. Ein Leben, xctU
ches einen andern noch so idealen Mittelpunkt findet, gilt ihm schlechthin als ein verfehltes, und eine Frau, deren Hauptsorge nicht ist, einem Manne zu gefallen, um durch ihn zur Erfüllung ihrer Aufgabe als Weib zu gelangen, erscheint ihm schlechterdings unweiblich. Sie schlägt aus der Art weil sie sich nicht um die Erhaltung der Art bemüht. Er verdämmt sie als unweiblich. Daß das Gesagte nur von der großen Menge gilt, bedarf keines Hinweises. Berllünstige Männer pcüfen, ehe sie urtheilen, scharfsinnige sind durch Gründe zu überzeugen, gebildete wissen von Uebergängen zu neuen Entwickelungsphascn der menschlichen Gesellschaft: nur die Männer, welche keine der genannten Eigenschaften besitzen, sind und blei ben unversöhnliche Feinde und Unterdrücke? der Frauen, welche um Aefriedigung ihres leiblichen oder intellekt'uellcn Hungers kämpfen und schleudern den Vorwurf der Unweiblichkeit nach rechts und links. Das Geschoß ist billig! Selbige Männer sind es auch, die sich noch nicht von dem Gedanken lossagen können, das irdische Gretchen sei die weibliche Jdealgestalt, ein 'Jrrthnm, der für das weibliche Geschlecht weniger verhängnißvoll ist, als für die Männer selbst, welche wähnen, die reizende Schwäche der Frau gehöre zu dem Emig-Weiblichen, das sie hinanziehen werde, während im Gegentheil die Schwäche des Weibes den Mann herabzieht, indem sie seinen Maßstab sittlicher Größe verkleinert. Was nun daS so oft angeführte E w i g-Weibliche ist, läßt sich erkennen, nachdem wir im Vorstehenden den Begriff des Weiblichen gefaßt haben. . Wenn das Weibliche in der opferfrohen Liebe, die nicht begehrt, besteht, so muß das .Ewig-Weibliche diese Liebe ohne jeden Zusatz von Irdischem, Vergänglichem darstellen, ohne Sünde, ohne Fehl. ohne Schwäche. wie sie dem zwiespältigen, unvollkommenen Mcnschenwesen anbaf tet. Das Ewig-Weibliche ist demnach die Liebe, welche alle Unzulänglichkeit mit der irdischen Leibeshülle abgeworfen hat und zur Vollkommenheit erklärt ist. ' Mit dieser Vorstellung haben wir die Grenze der stofflichen Welt und der logischen Deduktion überschritten And ein Gebiet erreicht, dem das mystische Element in der Menschennatur entspricht. Wegleugnen kann man dieses mystische Element im Menschen ebensowenig wie sein Korre lat, die übersinnliche Welt, aber t&'itlt wenden sich achselzuckend davon
b, well sie weder Muth noch Kraft ühlen, über das animalische Sein inauszukommen, d. h. als Geist be isonnen den ewigen Geist zu suchen, dessen Ebenbild wir sind. Wer aber !vo? der übersinnlichen Welt und vor den Räthseln der Mcnschennatur ablweisend Halt macht, der kann nicht ahnen, was das Elvig-Wcibliche ist. ja der kann nicht einmal das unvoll 'kommene Abbild in der vergänglichen Welt, die echte Weiblichkeit verstehen, denn ihr Wesen, als welche wir die dienende Liebe erkannten, welche nicht Genuß begehrt, ist auf keine mathematische Formel zu bringen, noch auch logisch zu erklären. Wir kennen diese Liebe wohl, wir füblcn ihre beglückende Nähe, aber sie ist und bleibt ein Geheimniß, ein Wunder, ein Hervorbrechen des göttlichen Geistes im Menschen, ein Sieg des Lichtes über die Finsterniß. Dies Geheimniß bildet den inner sten Wesenskern der echten Weiblichkeit. Wer da meint, diesen verborgenen Schatz in eitlen Aeußerlichkei ten erkennen und sauen zu können, wird ihn nicht finden und verdient auch nicht, ihn zu heben. 2er köstlickzste Pilz. Zwei französische Gelehrte Ehatin und Laval, haben sich neuerdings mit der Untersuchung des werthvollen Trüffel-Vilzes beschäftigt und der Erstere von ihnen ging hauptsächlich auf die Erforschung der Trüffeln Süd-Europas und des Mittelmeergebietes ein, die ungeheure Verbreitung und 'den Werth dieser unterirdisch lebenden Kryptogamen in jenen Gegcnden nachweisend. Schon die alten Nömer schätzten die Trüffeln sehr hoch. Sie bezogen sie aus.Eyrene in Afrika. Damals wußte man nicht einmal, ob man die Trüffeln zu den Pflanzen rechnen sollte. Jetzt weiß man dagegen, daß sie zu den Pilzen gehören und daß sie eine eiaenartige Gruppe der Pilze ausmachen. Sie leben unterirdisch und schmarotzen auf den Wurzeln mancherlei Pflanzen, kie sie mit feinen Fäden umspinnen. Die vom Pilze befallenen Pflanzen haben dadurch kaum einen merkbaren Nachtheil. Der Pilz bildet nicht Hüte als Fruchtkörper, wie ein aroer Theil der als Pilze" bezeichneten pflanzlichen Lebewesen, sondern kartoffelgroße, aber manchmal auch bis kindskopfgroße knollige Gebilde, die bei den verschiedenen Arten und Gattunaen von außerordentlich wechselnder Färbung, Geruch und Geschmack sind. Die von 'den Nömern am höchsten geschätzten Trüfselarten, Terfecia", bilden für die Araber jetzt eines der wichtiasten Lebensmittel, ganz das, was für den deutschen Bauern die Kartoffel bedeutet. Diese gedeihen in steppenurid wüstenartigen Gegenden und die Eingeborenen wissen, 'daß sie an den Wurzeln einer Art von Helianthemum (Sonnenröschen, gelbblühendem Unkraute) 'fast stets zu finden sind. Die Arten von Terfecia kommen kaum in den Handel, eben weil sie an Ort und Stelle gleich verzehrt werden. Ganz anders ist das mit der Speisetrüffel oder Perigordtrüffel, die in Süd-
frantreich, Jtaüen und Baden-Elszß einheimisch ist. Chalin gibt an, daß die Gesammtausfuhr von Speisetrüffeln in Frankreich vor längerer Zeit schon 1.000.000 Kilogramm im Werthe von 15.881.000 Francs betrug; der Perigord allein erzeugt jährlich an 400.000 Kilogramm im Werthe von 4 Millionen Francs und die Perigordtrüffel gibt gegenwärtig sicher Anlaß zu einem Umsatz von 50 Millionen Francs. In Deutschland dagegen werden in den günstigsten Jahren nur 1000 Kilogramm zu etwa 7000 Mark aeerntet. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Plinius glaubt, mn könnte die Trüffel nicht kultiviren. Die Franzosen haben schon längst großartige Kulturen angelegt, sie liefen die früher in Perigord außerordentlich häufigen Weinberge fast durchweg eingehen und pflanzten dafür junge Eichen, an deren Wurzeln die Trüffel am desien gedeiht. Der Erfolg zeigte sich bald. Die Trüffelkultur lohnt sich drei- bis viermal besser als der Weinbau. Die Gemeinde von Cuzance war, bevor sie Trüffelkultur trieb, eine der ärmsten des Departements Lot, jetzt ist sie eine der reichsten! Ein Einwohner, der noch vor dreißig Iahren nur ein kleines Landgut im Werthe von 15.000 Francs besaß, verkauft seit fünfzehn oder zwanzig Iahren allein jährlich für 6000 Francs Trüffeln! Solche Zahlen sprechen! Sollte eS nicht an der Zeit sein, die Trüffelkultur auch anderswo einzuführen? Die Trüffelkultur ist nicht Ichwierig, es liegen genaue Untersuchungen über rationelle Verfahren genug vordie Trüffel. ist außerdem seit alter Zeit im südlichen Deutschland heimisch. Auch in verschiedenen Gesenden der Ver.Staaten sind Versuche, die Trüffel zu cultiviren, mit gutem Erfolge gemacht worden. Eine chinesische Hinrichtug. . Im Jahre 1889 erschoß ein Kan tonese die Dienerin einer Chinesin in Shanqhai. Der Mörder wurde zum Tode verurtheilt, aber die Bestätigung des Urtheils gelangte erst kürzlich an den Districtsrichter, worauf dieser sofort die nöthigen Äesehle zur Hinrichtung am folgenden Morgen $av. Vor dem Gefängnisse fanden sich unter der Führung eines Hauptmannes 10 Kavalleristen und 24 Infanteristen ein, um dem Verurtheilten das Geleite zum NichtPlatz zu geben. Um 9 Uhr wurde dem Mörder, Namens Tsai Ahpong, von dem Bezirksrichter, der volle Uniform und als besonderes Abzeichen eine feuerrothe Kopfbedeckung trug, im Gerichtssaal das Todesurtheil verkündet. Die Häscher, die den Missei'Qtz vorzuführen hatten, fanden ihn noch schlafend und weckten ihn mit dem Rufe Kung-hsi" in Wort der Beglückwllrrschung, worauf sie ihm zu verstehen gaben, daß seine Zeit gekommen sei. um zum H'rmmel emporzu'steigen." Der Verurtheilte nahm die Nachricht apathisch entgegen und bat um eine gute Mahlzeit, da er es vorzöge, als wohlgenährter Geist und nicht als hungriger in's Jenseits zu wandern." Er verzehrte die ihm vorgesetzten Speisen mit scheinbar gutem Appetit, flocht seinen Zopf in einen Knoten, damit er dem Hcnkcrsbeile nicht im Wege sei und nahm von seinen Kameraden Abschied, indem er bemerkte, daß er in zwanzig Jahren wieder ein kräftiger Jüngling sein würde" eine Anspielung auf die buddhistische Leb d:r Seelenwandcrunq. Von der Zelle ging es nach dem Tempel des G:fängnißgot!es. wo der Mörder Weihrauch opferte und den Schutz der Götter in jener Welt anflehte. Zunächst führten ihn seine Wächter vor den Vezirksrichter, vor dem er nicderknicte und der ihm das kaiserliche Urtheil verkündigte. Der Mörder verbeugte sich tief und erbat sich die Gunst, daß sein Haupt, nachdem daS Schwert es vom Rumpfe getrennt, mit feinem Körp:r zusammen in den Sarg gelegt und seinen Verwandten, die in Shanghai wohnen, überliefert werden möchte. Der Rickter gab seine Einwilligung, die Hascher zogen dem Opfer die obere Kl:idüng aus. knebelten seine Hände auf dem Rücken und besestizten eine kleine Flagg: an seinem Nacken, auf der die Natur des Verbrechens, geschrieben stand. Der Verurtheilte wurde in eine Sänfte, die aber kein Dach hat!?, gesetzt und in Begleitung einer Militärwache nach dem Richtplatz gefragen. An der Spitz: des Zuges 'b:far?d 'sich der Richter. Dort angelangt, müßte der Mörder vor letzterem hinknien, der iorn nochmals zu verstehen gab, daß es nicht seine Richter, sondern der Kaiser aewesen wäre, de? seine Hinrichtung verlanate. Der Richter, umgeben von seinen Trabanten, nahm in einem kleinen ickzuvvenäbnlZckien Vände "Platz, das fies? ttwa 50 rfn vom Platze befand, auf dem der Verurtheilte für seine Misletbat büszen sollte. Die Soldaten bildeten einen Kreis um ibn, und auf ein vom.Hauptm.inn ancöenes Eommando trennte das Henkerschwert den Kopf vom Rumvfe, wäbrend im selben Auaz7.5l;ck die Wache rtre Gewehre abfeuerte. Eine nach Hunderten zählende Menschenmenge lohnte der Hinrichtung bei.
Schadenfroh. Erster Ehekrüppel: .'.Sage mal, Du hast Deinem Reffen eine ??rau verschasft?" Zweiter Ehekrüppel: eir-ifi! Erst recht! Ich sehe nicht ein. weshalb d-'r Vengel Etwas vor unsereinem voraushaben soll !" : Wirkung. Ist denn heute Deine 5rau nicht daheim? Rein, die ist heute bei OÄen Freunden herum. Gestern hat ih Jemand etwas, unter dem Siegel der größten Verschwiegenyen nutzerem!
komischer Grund
Von matt) Echwarz. Er hieß Herr Müller, was ein nicht seltener Name sein soll, war Rechuungsrath und ein noch ganz stattlicher Junggeselle in den Jahren, die man nur beim Manne die besten zu nennen pflegt. Sie hieß Virginie, war eine arme Waise, ein ebenso hübsches wie sittsa mes Mädchen und ernährte sich durch Wäschenähen. Sie war aus guter Familie. Bei den Eltern hatte es, wenn sie ihr ausblühendes Kind mit Stolz betrcchietcn, immer geheißen: Unsere Kleine darf sich nicht mit dem Examen plagen. Sie wird viel zu hübsch, als daß sie uns nicht bald j mand aus dem Haus entführen sollte." Aber während die Eltern nach der einen Seite erwartungsvoll nach einem braven und natürlich reichen Schwiegersohn ausschauten, kam von der an deren sacht und unbemerkt der Tod und führte sie selbst aus dem Haus, fort von ihrem unversorgten Töchterchen. Da ereignete es sich nun.daß das glänzende Leben, die leidige Repräsentation nach außen, mehr verschlungen, als eigentlich dagewesen. Manche Schulden waren zu decken und schließlich blieb de: armen Virginie nur ihre Nähmaschine, die sonst in der eleganten Wohnung der Eltern als nicht salonfähig im hintersten Winkel gestanden, als einzige treue Freundin. Es zeigte sich aber nun auch, daß in dem so plötzlich vater- und mutterlos gewordenenMädchen ein tüchtiger Kern steckte. Sie legte nicht, nutzlos jammernd, die Hände in den Schooß, sondern ging unverzagt an die Arbeit und Gottlob, es hatte bisher nicht daran gefehlt. Das war HerrnMüllers kleine Nach, barin. Sie kannten sich schon lange vom Sehen. Wenn Herr Müller, welcher nebenan wohnte, morgens auf's Amt ging, saß die junge Näherin schon bei der Arbeit; kam er mittags heim und schielte, natürlich aus bloßer Angewohnheit, nach Virginies Fenster, sah er wieder hinter den wohlgepflegten Blumentöpfen das feine, braune Köpfchen über die Arbeit gebeugt. Und wenn er sich Abends nach glücke lich absolvirten Dienststunden zu einem Spaziergang mit seinem Teckel anschickte ein freier Mann saß Virginie noch immer unermüdlich bei de: Arbeit. Für sie schien es keine Freistunden zu geben. Zuweilen erhäschte de? Rechnungörath einen sehnsüchtigen Blick der braunen Augen, der auf die vorübergehenden Spaziergänger fiel. Er schien sa gen zu wollen: Wer doch gleich Euch Zeit zu fröhlichem Wandern unter Gottes freiem Himmel hätte!" Armes Mädchen, das sich nicht ein mal die Wohlthat eines Spazierganges gönnen kann!" dachte er dann, 's ist ein gar zu fleißiges Ding!" Und ziemlich unconscquent, wenn auch im Grunde ganz vernünftig gedacht, setzte cr bei sich hinzu: Muß ihr doch auch gelegentlich etwas zu thun geben, damit der Erwerb nicht abreiße. Das arme Kind scheint davon leben zu müssen. Hm, hm, was könnte man denn gleich brauchen? Taschentücher? Habe ich noch zwei Dutzend seidene. Aber Staub tücher vielleicht." So trat denn eines Abends unser guter, um das Fortkommen seiner Mitmenschen so brav besorgter Rechnungs rath mit etwas verlegenem Gesicht in Virginies Stübchen, angenehm von der darin sichtbaren Nettigkeit und peinlichen Sauberkeit berührt. Er war sein Lebtag den Frauen gegenüber etwas schüchtern gewesen, darum war er auch zu keiner gekommen. Denn als er einmal, da er schon kein Jüngling mehr war, einen Ansatz dazu genommen und ihn die Dame seines Herzens, als er bei ihr erschien, harmlos freundlich fragte: Nun, mein bester Herr Müller, was bringen Sie denn heut Schönes?" wäre es doch so einfach gewesen, darauf zu erwidern: ..Nur mich selbst, wenn Sie dieses Schöne gütigst annehmen und behalten wollen." Aber es ging ihm bei seiner Bescheidenheit so sehr gegen den Strich, sich selbst für etwas Schönes auszugeben, daß er ganz verwirrt wurde, schließlich seine Dose aus der Tasche zog und der Holden eine Prise anbot. Die Dame man sagte ihr nach, daß sie selbst heimlich schnupfte die das wohl für eine kleine Malice Herrn Müllers hielt.ward so erzürnt darüber, daß sie ihm die Dose aus der Hand schlug und stumm auf die Thür deu tete. So endete seine erste und einzig: Werbung. Als er heute bei Virginie eintrat, trug cr ein Dutzend Taschentücher unter dem Arm, wie eine Akienrolle zusammengewickelt. Er wäre sich lächerlich vorgekommen, wenn er Wischtücher hätte bestellen wollen, darum hatte er, jich für die baumwollenen. Taschentü'cher entschieden. Die konnte seine Aufwärterin ja auch schließlich ebensogut als Staubtücher benutzen. Er sprach heute nur wenige Worte mit Virginie, als er das Säumen der Tücher bei ihr bestellte. Des Mädchens bescheidenes Wesens machte aber den besten Eindruck auf ihn. Seitdem grüßte er sie jedesmal beim Vorbeigehen am Fenster; als Kunde durfte, nein, mußte er das so?ar, und . die fleißige, junge Näherin dankte stets freundlich. Dieser Gruß und Gegengruß war schließlich beiden zur lieben Gewöhni hcit geworden. Zeigte sich je einmal : Morgens .da? braune Köpfchen nicht am Fenster, wenn er auf's Amt ging. ' so war er dn ganzen Vormittaz or !
dentlich unruhig und es wurde ihm erst Mittags wieder wohl zu Muthe, wenn er seinen Gruß hatte los werden können. Ja, Ordnung, die unser guter Rechnungsrath über Alles liebie, mußte auch in solchen Dingen sein! t Eines Abends trat er wieder bei sei ner kleinen Freundin ein. Diesmal aber brachte er ein riesengroßes Packet angeschleppt, das seiner Aufwärterin, Frau Hurtig, zur Besorgung anzuvertrauen, er heute Morgen zu deren großen? Staunen entschieden geweigert hatte. Feine Leinwand zu einem Dutzend Oberhemden, liebes Fräulein," rief er Virginie zu. Aber Hauptbedingung: Ich muß sie bis morgen Abend genäht haben!" Nein, das geht unmöglich, Herr Rath," entgegnete Virginie. so schnell kann man so viel Arbeit nicht schaffen, da müßte ich sammt meiner Nähmaschine ja hexen können!" Sie bückte sich und streichelte Herrn Müllers kleinen Teckel, der mit zu Besuch gekommen und vertraulich schnuppernd an ihr in die Höhe gesprungen war, als wolle sie damit ihre abschla gige Antworten, etwas gut machen. Wollen ie nicht bis nächste Woche warten?" fragte sie dann, lächclnd zu dem ungestümen Kunden aufsehend. Nein, das kann und will ich nicht, versetzte Herr Müller so barsch, wie er noch nie mit ihr geschprochen. Was haben Sie denn so Dringendes vo?, daß ein alter Freund zurückstehen soll?" , Eine Ausstattung." sagte das Mädchen mit einem unwillkürlichen, kleinen Seufzer. Der Rath schwieg ein paar Augenblicke und rückte an seiner Halsbinde, als ob sie ihm zu eng sei. Na, wissen Sie was?" platzte er zuletzt heraus, dann sehen Sie meine Oberhemden auch als eine Ausstattung an! Ich will mich nämlich ver-. heirathen" Virginie machte großc Augen und 'es schwebte ihr etwas von einer zweiten Brautausstattung vor, die sie dann zu nähen bekommen könne. und zwar, hm wenn Sie nichts dagegen haben, mit Ihnen! Zum Kukkuck, dann kann ich doch von Ihnen etwas genäht bekommen, wenn ich will. Potz Tausend! Ich will nicht immer der Letzte bei Ihnen sein, sondern künftig der Erste! Hier, meine Hand, Fräulein Virginie, schlagen Sie ein, ich meine es ehrlich!" Das Mädchen war anfangs ganz betroffen ob dieser plötzlichen Werbung und über den wie aus den Wolken gesallenen Freier, dann siegte aber ihr heiteres Temperament und sie lachte herzlich. Verzeihen Sie, Herr Rath," sagte sie endlich. Ich weiß wohl, daß sich Lachen hier eigentlich nicht schickt, aber der Grund Ihres Antrages ist doch ein gar zu komischer. Ha.ha! So wollen Sie also eigentlich meine Nähmaschine heirathen?" Schnick, Schnack," brummte Herr Müller. Das war ja nur so'n Vor wand, Kindchen, um erst in's richtige Fahrwasser zu gelangen. In meinen Jähren, meine Liebe, wird einem das nicht so leicht, wie einem jungen Wind-, beutel, der im Handumdrehen vor tu nem hübschen Mädchen auf den Knieen liegt. Ich bin Ihnen natürlich auch gut, sonst hätte ich schon noch jemand gefunden, der mir noch bis mor-. gen....." Bis morgen schwerlich," unterbrach ihn Virginie lachend. Dazu wäre, wie gesagt, Hexenkunst nothig." ,,ie sind ja auch ein Hexchen," sagte der seltsame Freier lächelnd. Haben es ja fertig gebracht, mich zu behexen! Aber wie steht's nun mit uns? Mögen Sie mich denn ein wenig leiden wollen Sie es mit mir alten Brummbär versuchen? Wenn Sie übrigens in 'unserem Ehestande öfters so herzlich lachen werden, wird's, denke ich, ein sehr heiterer werden, liebes Kind." Als Virginie erst mit Lachen fertig war, zeigte es sich, daß sie nichts dagegen einzuwenden hatte, des braven Rathes Frau zu werden. Dieser soll seine schnelle Mahl nie bereut haben. Namentlich konnte er künftig mit seiner Wäsche sehr zufrieden sein. Dieselbe befand sich stets in music?-. hafter Ordnung, was nicht jeder Ehemann -von der seinen fagen kann! Da. rum hat er wohl auch nie mehr seine? jungen Frau ein Hexenkunststück, wie das mit den zwölf Oberhemden, zugemuthct. Virginies Widerspruch dagegen soll übrigen der einzige gewesen sein, den sie sich je gegen ihren gukn Mann erlaubte. Sie wurde in jeder Beziehung eine brave, kleine Frau, und an Heiterkcit soll es in Rath Müllers Hause, dank ihrer Kunst, alles von der besten Seite zu nehmen, auch nie gefehlt ha-ben.
Consequent. Schenken thu' ich Ihnen nichts aber Arbeit w::'ö' ich Ihnen geben!" N, na! In meinen alten Tagen will V net noch 'mal umsatteln!"
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Ideale LcbenSwelöheU.
Von einer Iran sür Jraucn. Ire' dich. Herz, am Heuie. da? Elfter lasse ruh'n! lZrei nach Horez.) Der berühmte Begründer einer idealistrschen Schule im amerikanischen Geistesleben, Ralph Waldo Emerson, that einst, an eine Tochter gewendet, folgenden charakteristischen Ausspruch: Jedtti Tag. den Du b:cnd:t bzst, betrachte als erledigt und abgethan. Es ist ein Laster, stets nach rückwärls zu schauen, um Sitte und vernünftige Lebensart zu gewinnen. Wahlschein lich hast Du geleistet, was Du vermöcht, und selbst wenn Fehler und Albernheiten unterliefen, so vergiß diese so bald als irgend möglich. Moraen erscheint bereits ein neuer Tag, mögest Du ihn heiter und ruhig deginnen, erfüllt von einem Geiste, der zu hoch strebt, um die Last des alten Unsinnes weiter fortzuschleppen. Dc? kommende Tag gehört Allem, was cp;t. und rein und edel, er ist zu werthvoll mit all' seinen Aussichten und Hoffnungen, um nur einen Moment noch über dem bereits dahingeschittenen vermoderten Gestern und Ehegestern zu verlieren." Diese weltweisen Worte hat der dichterische Geist Emerson's nur scheinbar einem einzigen.jngendlich unerfahrenen weiblichen Wesen gewidmet, in Wirklichkeit will es unS bedünken, als ob es ein Appell sei, an die gesammte Frauenwelt richtet. In dem idealen Streben, die Lebensanschauungen der ganzen Menschheit zu vergeistigen, konnte dem großen Denker dieser urälteste echt weibliche Zua des steten RückwärtsschauenS kaum entgangen sein. Sehen wir ja schon in der Bibel in der Fcal Loth's die Verkörperung jenes unglückseligen, antifortschrittlichen Hängens an Um Alten, wenn es auch noch so bose ocwesen. Und selbst die erste wie all: spüleren Salz- und Strassäulen haben doch nicht vermocht, den Frauen die sentimentale, schädlich?, entkräftigende Sucht des Umwendens auf halbem Wege ganz zu verleiden, sie vollständig von der Nothwendigkeit eines aösoluten Vorwärts-Schauens und -Stie-bens zu überzeugen. Wir haben allerdings für das Beibehalten dieses echt weiblichen Urseblers des Rückschauens nach der verlassenen Scholle, des zähen Festhalten am althergebrachten Gestern, die ein: große Enrschuloigung und Erklärung, daß man fcem Weibe durch viele Jahrtaufende gewaltsam den Ausblick in zukünftigen Fortschritt verweigert, bis es sich schließlich daran gewöhnt hatte, stets nur nach rückwärts zu schauen. Man fchloß die Frauenwelt so lange im kleinen, beengten Kreise der häuslichen vr Wände ein. bis ihrer Sehkrast die Fähigkeit des Ausblickcns in große weite Fernen vollständig v:rloren gehen mußte. Wer lange in der Dunkelheit zu leben verurtheilt gewesen, der muß sich erst allmälia an das Lich! gewöhnen, so müssen auch wir Frauen erst lernen, immer unentwegt vorwärts zu blicken, niemals an das der Dunkelheit anheimacfallene Gestern, sondern stets nur an das hell emporsteigende Moraen zu denken. Die Durchführung dieser neuen Theorie wird 'dn Weiöe nicht so leicht werden, als eö öcn Anschein hat; wir können uns nicht so rasch daran gewöhnen 'den verbindenden Faden zwischen dem Gestern und Heute abzureißen. Es erscheint in unserem Leben kaum ein Tag, wo wir etwas als beendet, erledigt und abaetban betrachten könnten, wo nicht das Morgen als die direkte Fortsetzung, die stete Wiederholung des Gestern zu betrachten ist. Ja. wir wütoen wahrscheinlich Unzusammenhängendes, Unersprießliches. Unvollkommenes leisten. würden wir die heute gewönnenen Erfahrungen sogleich der Bergessenheit anheimfallen, sie unS liicht morgen zur Lehre und Warnung dienen lassen. Emerson hat die endgültige Erledigung des Gestern auch wohl nichi in diesem Sinne aufgefaßt, sondern was cr uns lehren wollte ist: daß wir heute nicht in nutzlosem Wiederkauen des gestriaen Kleinkrams, nicht mit geistlosem Geschwätz über gethanene Angelegensten, nicht mit Klazen über gestern' Geschehenes unsere besten Kräfte vergeuden un') aufzehren sollen. Eben weil Fehler und, Albernheiten im täglichen Leben unvermeidlich, müssen wir möglichst rasch über 'diesk?:n hinwegzukommen suchen, uns in dem Bewußtsein trösten, daß wir geleistet, was wir vermocht, und durch den Schatten momentaner Unzufriedenheit die ruhig: Heiterkeit und Leistungsfähigkeit 'des folgenden Tages nicht gefährden. Strebt unser Geist wirklich nach einem hohen Ziele, dann muß dasselbe auch unverwandt im Auge behalten werden, wi: dürfen über dem en'dlosen Beiwerk nicht daS endlich: Resultat, -den Hauptzweck unseres Daseins vergessen, nicht durch das W:iterschleppen des Unwesentlichen vzn gestern unsere Arm: unn'öihi-g belasten und so die Kraft, welch: 'das Wesentlich: erfordert, lahmen und z?rsplittern. Nur die Zukunft mag uns noch gehören, vielleicht wir) sie uns Gutes bringen, reine, edl: Genüsse verschaffen. warum sollten wjr uns aber unfähig machen, die Aussichten und Hoffnungen vor uns wahrzunehmen, indem wir selbstguälend stets zurückblicken nach dem verlorenen Para'dies entfchwundener besserer Tage. Nur die Hoffenden leoen," wer aber stets nach rückwärts schaut wird von tem gerade und unaufhaltsam Vorwärtsschreiten n firvi itfurftftTf fWt tVV ..VW..'...
