Indiana Tribüne, Volume 17, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1894 — Page 7

Briefe aus Deutschland. Von Wilh. Kaufmann. Dresden, Anfang Januar.

' Zwischen alle die FriedensversicheHingen, welche am Neujahrstage an den maßgebenden" Stellen Europas gegeben wurde, polterten die Nachrichten von dem unheimlichen Aufstande in Cicilien. Die Insel, welche einstens von 1000 Garibaldianern erobert wurde, konnte von der gewöhnlichen Kriegsmacht Italiens nicht beruhigt leerten. Ein ganz:? Jahrgang der Reserve wird mobilisirt und ein Heer v?n 60,000 italienischen Soldaten aller Waffengattungen ist gegenwärtig mit dem Niederwerfen tes Aufstandes beschäftigt. Das ist zunächst eine sehr trübe Erfahrung für Deutschland. Denn was ist in Wirklichkeit ein Bundniß mit einer Großmacht" werth, welche zur Beruhigung ihr durch den Hunger zur Empörung gebrachten Bauern eine ganze Armee in's Feld schicken muß und welch: außerdem erwicsenermaßcn am Rande des Staatsbankerotts steht ? Was wird Italien auf Seiten des Dreibundes leisten können, wenn der große Kladderadatsch kommt ? Wird es mehr als zwei französische Armeecorps beschäftigen, d. h. von Deutschland abhalten können ? Diese Frage wird jetzt namentlich in französischen Blättern mit großem Eifer und berechtigter Schadenfreude erörtert und bildet deshalb eine Gefahr für den Frieden, weil dadurch in dem so leicht erregten französischen Volke das Gefühl der eigenen Kraft lebendig gemacht und der Termin der Abrechnung als nahe bevorstehend geschildert wird. Die Ohnmacht Jtaliens war in deutschen und französischen Militärkreisen wohl längst bekannt, aber sie ist durch das sicilianische Abenteuer vor allem Volk blosgestellt worden. Das ist von großer Bedeutung. Dazu kommt, daß nach den diplomatischen und militärischen Erfolgen in Siam, welche man in Frankreich als eine Fruchr des russischen Bündnisses betrachtet, die Stimmung der Franzosen ein: wesentlich selbstbewußtere geworden ist. Als Besiegte füh!en sie sich schon längst nicht mehr. Sie sind in ibrer Einbildung wieder die große Nation, das erste Volk der Welt. Sie schwelgen förmlich in einem Kraftb:wußtsein, das sie seit 1370 nicht gekannt haben. Mit den seit einem Vierteljahrhundert betriebenen Vorbereitungen zur Revanche glauben sie jetzt ganz fertig zu sein. Von der krankhaften, qualvollen Furcht vor einem Ueöerfall Seitens der Deutschen werden sie nicht mehr beherrscht. Rußland wird nach ihrer Ansicht leicht .mit Oesterreich fertig, den Deutschen sind sie selbst ;rt gewachsen und Italien zählt nicht mehr mit. Es ist bezeichnend, daß mit jener Erkenntniß der Napoleon-Cultus in Frankreich wieder mächtig entfaltet worden ist, obschon derselbe mit den republikanischen Wahlsiegen in seltsamem Widerspruch steht. Ein wahres Glück, daß die degencrirten Vonapartcs keinen Mann auszuweisen haben, der aus dieser Stimmung Kapital zu schlagen versteht, und ein noch größeres Glück, daß der Ehrgeiz Alexanders des Diitten sich nur darauf zu beschränken scheint, als guter Familienvater und Freund einer wohlbesetzten Tafel zu gelten. Fürst Bismarcks großes Memoirenwerk ist fertig und soll sich schoa bei Cotta in München im Druck befinden.' jedoch erst nach des Ezkanzlers 'Tode . erscheinen. Bismarck bezieht dafür von Cotta das fürstliche Honorar von' einer halben Million Mark, also unaefähr $120,000, eine Summe, welche, für Deutschland ungewöhnlich hoch erscheint, jedoch schwerlich größer ist, als die Entlohnung, welche General Grant für seine Kriegserinnerungen erhalten, bat. Man sieht dem Werke mit großer Spannung entgegen, namentlich demjenigen Tkeile, welcher von des Kanzlers Beziehungen zu Wilhelm dem Zweiten handelt. Das Verhältniß, zwischen den Beiden ist noch immer so' gespannt, als jemals, der Briefwechsel' anläßlich Bismarcks schwerer Erkrankung im letzten Sommer hat darin nicht die geringste Aenderung gebracht. Auch in diesem Jahr: hat Bismarck auf seine Neujahrsgratulation beim Kaiser nur eine Empfangsbejxtigung erhalten, wie sie jeder andere hervorraende Gratulan! ebenfalls erhält. Der Haß desKaisers c,?genBismarck tritt zu weilen in recht kleinlicher Weise hervor. So hatte die Berliner Akademie dem Geschichtsforscher Sybel den sog. Ver-dun-Prels von 1000 Thalern zuerkannt für dessen berühmtes Werk 2)v Begründung des neuen deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm dem Ersten". Der Verdun-Pr.?is entstammt einer, königlichen Stiftung und deshalb unterliegt die Verleihung desselben der Bestätigung Seitens des Königs von. Preußen. Diese Bestätigung hat Wilhelm der Zweite verweigert, jedenfalls aus keinem anderen Grunde, aU weil Sybel in jenem M?rke den Antheils Bismarcks an der Begründung in sehr' anerkennender Weise herausstreichl. Ucbrigens kann sich Herr von Sybel' mit dem berühmten Philosophen Moses Mendelssohn trösten, welcher, als ihm' unter dem alten Fritzen ähnliches passirte, gesagt haben soll : Es ist b:sser, daß mich nicht der König ernannt und die Verlii-er Akademie die Vestätigung verweigert hat, als umgekehrt." Es stellt sich auch heraus, daß Sybel eben wegen seiner Belobung Bismarcks schon früher so zu sagen gemaßregelt worden ist. Es ist ihm nämlich die Benutzung der prnißischen Archive füY seine historischen Forschungen entzogen worden, so daß das Syöel'sche Werk welches erst bis zum Ausbruche des' deutsch-sranzösischen Krieges reicht, nicht abgeschlossen werden kann.

Ist der Kaiser eifersüchtig auf Bis-, marcks Beliebtheit im Volke ? Sicher--lich ist diese Beliebtheit Bismarcks be--ständig im Wachsen begriffen. Theil-' weise liegt das in der eigenthümlichen' Lage der inneren Politik. Die Jun-: ker hassen Caprivi mindestens ebenso intensiv, als die ehemaligen Fortschritt-' ler den Verfassungs-Attentäter Bis., marck zur Conslictszeit gehaßt haben, und um diesen Haß zum Ausdruck zu' bringen, fchaaren sie sich um Bismarck. Dasselbe thut die recht erstarkte antisemitische Reformpartei, welche zum größten 'Theile aus Narren besteht, welche das Bedürfniß zum Kicken" haben, nicht aber den Muth besitzen, eine wirklich radicale Partei mit vernünftigen Zielen zu begründen. Die National-Liberalen sind stets Bis-marck-Verehrer gewesen, trotz aller Fußtritte, welche sie von Seiten des Eisernen empfingen, und den übrigen nicht freisinnigen oder socialistischen Deutschen gilt der 78jährig.? Bismarck als der Begründer des deutschen ?Zeic5.s. dem man nach der Auffassuna oiezer euie m jemen aucn .age'n schweres Unrecht gethan hat. So blüht in Deutschland gegenwärtig ein Bismarck-Cultus. welcher sich aus den !ersch'edenartigsten Ursachen zusam mensctzt, den ehrgeizigen jungen Kaiser schwer ärgert und dem alten Herrn im Sachsenwalde mehr wohl thut, als alle Künste und Bemühungen des Professor Schwenniger. Obschon es vollständig ausgeschlossen ist, daß Bismarck jemals wieder an's Ruder kommt, so ist er doch die Zuflucht aller Elemente, welche sich durch den reuen Cours bedroht sehen, er wird auch nicht nur von den gegenwärtig kaltgestellten conservativen Parteien gegen den Kaiser ausgespielt, sondern auch von einzelnen deutschen Höfen. Er hält sich .eine Art von Hofstaat, besitzt drei direkt von ihm inspirirte Organe, deren Aeußerungen von der gesammten deutschen Presse nachgedruckt werden, und gilt, was man in Berlin sehr genau weiß, im Auslande ungemein viel. Er hat das Bedürfniß, seine Meinungen zur Geltung zu bringen, thut das in sehr ausgiebige? Weise, hat aber noch nie ein Wort der Anerkennung für seinen Amtsnachfolger gefunden. Damit sei übrigens nicht gesagt, daß die Popularität des jungen Kaisers Einbuße erlitten hätte. Eher ist das Gegentheil der Fall. Selbst hier in der sächsischen Residenzstadt, wo sich die sog. staatserhaltenden Parteien an Treue" für das Sachsenhaus förmlich überbieten und die Geburt eines zweiten Sohnes des Thronfolgers von Sachsen (der zweite Prinz in ein und demselben Jahre) soeben mit den überschwenglichsten Demonstrationen gefeiert haben, gilt der deutsche Kaiser ohn: Frage sehr viel. Die Preußen werden hier gehaßt, wie in Baiern oder Schwaben, ab:r den König von

Preußen, der deutscher Kaiser ist. ver ehrt man. Nicht nur geschieht das in den Kreisen der Hofschranzen und der Spießbürger. Auch In den Kreisen, welche demokratisch gesinnt sind, gemeßt der Kaiser berechtigtes Ansehen. Von seiner Friedensliebe ist man ernstlich überzeugt, die taktlosen Reden seiner ersten I egierungsjahre nimmt man jetzt als die Aeußerungen eines jungen Feuergeisteö hin. dem sein: Stellung ein wenig l Kopf gestiegen war. Dagegen fäll: schwer in's Gewicht das Pflichtbewußtsein dieses .jungen Monarchen, sei.- thatkräftiges Eingreifen gegen so n inchen Zopf, fogar auf militärischem Gebiete, sein angestrengtes Arbeiten und sein fleckenloses Privatleben, das sogar den skandalsüchtigen und llallchwüthigen Berlinern noch keinen Anlaß zu Angriffen oder Glossen gegeben hat. Gerade jetzt erwirbt . sich der Kaiser viele Freunde unter solchen Leuten, welche sich bisher ablehnend verhalten haben. Es imponirt ihnen, daß Wilhelm trotz aller Verleumdungen seines jetzigen Kanzlers unerschütterlich zu demselben steht in dem 5lampfe gegen die sog. Agraricr, welche bisher stets eine bevorzugte Stellung in Preußen genössen haben. Wer die Macht dieser Cliquen kenn!, die sich bisher als die alleinigenStützen von Thron und Altar aufzuspielen wußten und auf welche das Wort gilt unser König absolut, wenn er uns den Willen thut" wer diese Kreuzzeitungsjunker kennt, wird diesen Kampf zu würdigen wissen. Es ist ein Kampf gegen Klassengesetzgebung, wobei die dafür ins Feld zu führende Mehrheit im Reichstage aus Socialdemokraten. Freisinnigen, Polen, Welfen und anderen sogenannten Reichsfemdcn gebildet werden muß. Es scheint in der That, als wenn der Kaiser die mittelalterlichen Anschau ungen, welche er bei seinem Regierungsantritte zur Schau :rug, von sich abstreift und immer mehr ein modernen Ideen huldigender Monarch wird. Seine Redewuth hat er merklich gezu gelt, cr spricht jetzt selten, handelt aber desto mehr. Sein Arbeitseifer ist in hohem Grade anerkennenswerth und seine Begabung eine außerordentliche. Schwerlich gibt es unter seinen vielen i gekrönten Genossen einen, der ihn in ! dieser Beziehung erreichte. Man er ' kennt das Bestreben des Kaisers, sich über alle einigermaßen wichtigen Ta gesfragen zu unterrichten. Es wird ihm nicht allein über militärische Dinge Vortrag gehalten, er begnügt sich nicht damit, seinen Namen unter die Documente zu setzen, sondern er will in den ! Kern der Sachen eindringen, er will ' lernen. Ob er allen Mißständ'en entgegentritt, welche er entdeckt, sei dahingestellt, edenfalls ist sein Auftreten ge gen die Spielmuth und die Verschwendungssucht der Offttlere, auch das Fallenlassen des Volksschulgesetzes . in hohem Grade bemerkenswert!). Und es wird immer mehr bekannt, welches 1 persönliche Interesse der Kaiser für den l Erfolg der deutschen Ausstellung in

oicago und damit zugleich für das Gelingen der ganzen Weltausstellung an den Tag gelegt hat. Daß ein solches Wirken des jungen Monarchen, dessen Regierungsantritt man mit so viel Besorgnissen entgegengesehen hat, in Deutschland Anerkennung findet, kann nicht Wunder nehmen. Der Kaiser erntet die Frucht, welche Fleiß, ernstes Streben und Pflichtbewußtsein in allen Lagen des Lebens hervorbringt. Und dann fragt man sich auch, was würde ein Schwächling auf dem Throne gegenwärtig für Deutschland bedeuten. Unter einem FriedrichWilhelm demDritten oder auch unter dessen ältesten Sohne, hätte bei der gegenwärtigen Lage in Europa der Friede sich schwerlich so lange aufrecht erhalten lassen. Aber die Tüchtigteit des Kaisers ist in Paris und Petersburg wohlbekannt und gefürchtet und unter den Friedensgarantien ist diese persönliche Tüchtigkeit des deutschen Herrschers sicherlich nicht die geringste. Zum Schluß füge ich einen Bericht über den Gesundheitszustand Bismarcks bei, wie ich ihn soeben in des Fürsten Münchener Blatte finde: , Trotz der wiederholten Krankheitsanfülle sieht der Fürst frisch aus. Das Antlitz, welches von dem zunehmenden Greisenalter verklärt ist, wird immer schöner und interessanter und hinterläßt bei Jedem, der mit dem Fürsten in der letzten Zeit verkehrt, einen unvergeßlichen, tiefen Eindruck. In dem etwas abgemagerten Gesicht treten die scharfen Konturen mehr als seither hervor. Das Auge strahlt noch in dem oft bewunderten Glanz, verräth aber die ernste Ruhe des Alters. Ein Zug tiefer Melancholie und Weltverachtung, der sich auch durchwegs in der Unterhaltung zeltend macht, ist nicht zu verkenner:. Er ist dasFacit eines fast achtzigjährigen Lebens, dessen größter Theil auf den Höhen des menschlichen Seins in schwerem Kampf und harter Arbeit vollendet wurde. Ungebrochen ist die geistige Frische und Regsamkeit des Altreichskanzlers, bewundernswerth sein noch eminentes Gedächtniß. Da erzählt er z. B. eine Geschichte aus seinem Frankfurter Aufenthalt in den fünfziger Jahren mit solcher Anschau-. lichkeit und mit Hervorhebung von Dc tails, daß man das Erzählte mitzuerleben glaubt. Da weiß der Fürst noch genau, daß Der oder Jener im Zimmer, das cr genau noch beschreiben kann, diesen oder jenen Platz eingenommen, so und so gekleidet war u. s. w. Er frischt politische Erinnerungen 'aus der großen Zeit Deutschlands aus mit einer Fülle von Namen und Zahlen, daß man staunen muß. So ist der greise Fürst trotz der vielen 5drankheitskrisen des Alters immer noch ein Bild erhebender geistiger und körperlicher

rast und Frische. orneliuS Herz uns seine Aerzte. Die Nachricht, daß die englischen Aerzte abermals erklärt hakn, es sei ganz unmöglich, daß Dr. Cornelius Herz, dessen Name in den Enthüllungen über den gigantischen Panamaschwinde! mit d:n schlimmsten Betrüger.:ien in Verbindung gebracht worden ist, sich von Bournemouth nach London begebe, um sich vor dem GerichtsHose in Bow-Street zu verantworten, gibt dem Figaro" Anlaß zu folgendem Scherz, der aber trotz allen Humors Demjenigen, so da zwischen den Zeilen zu lesen versteht, die ganze Entrüstung der Franzosen verräth. (Scene : Ein elegantes Gasthoszimmer in Bournemouth. P.nsonen: Ein französischer Reporter und zwei englische, Aerzte.) Reporter: Man sagte aber doch. Dr. Herz sei besser !" Dr. A.: Unsinn !" Reporr: Er soll sogar spazieren gehen und Ball spielen !" Dr. B.: Blödsinn !" Reporter: Wie geht es ihm denn V Dr. A.: Er ist sehr krank." Repor!:r : Ich glaub: aber, ich habe ihn in anscheinend gutem Wohlsein spazieren gehen sehen !" Dr. B.: Irrthum ! Er liegt im Bett." Reporter: Ich glaube aber doch..." Dr. A.: Mein Herr, erlaubn Sie, daß ich das komisch finde ! Zweifel an Dr. Herz' 'Krankheit erheben !" Reporter : Er ist also in der That wirklich krank ?" Dr. B.: Er ist todt, mein Herr Zeitungsschreiber aus Frankreich.". Lkporter : Was Sie sagen ! Er ist todt? Um Gotteswillen .. (Zieht ein Depeschenformular aus der Tasche.) Dr. V.: Ich meine natürlich nicht, daß er so todt ist, daß man ihn begraben kann, ohne ihm Un bequemlichkeiten zu verursachen. Aber er ist ein todter Mann. Reporte? : Es ist also keine Hoffnung ?" Dr. A.: Wissen Sie, was eine Pneumonie ist ?" Reporter : Ich glaube. ja." Dr. A.: Nun wohl, mein Patient hat eine von der schlinmsten Art." Reporter : Davon kann man aber doch genesen ?" Dr. B.: Nie, Wissen Sie, was die Tuberkulosö ist V Reporter : Natürlich !" Dr. V.: Mein Patient hat ein: Tuberkulose vom schwersten Kaliber. Aber wegen solcher Kleinigkeiten würden wir uns den Kopf wirklich nicht zerbrechen. Dr. Cornelius hat auch Diabetes ..." Reporter : Sapristi !" Dr. A.: Außerdem einen Herzklappenfehler." Dr. B.: Nicht zu reden von einer gefährlichen Löberkrankheit . . Dr. A.: ... einer bösartigen Nierenentartung . . ." Dr. B.: ... einer Rückenmarksentzündung . . ." Dr. A.: ... einem Magenkrebs . . ." Dr. V.: ... einer Darmverschlingung . . ." Reporter (wischt sich die Auan): Der arme Mann !" Beide Aerzte : Ja, und dabei tragt er sein Leiden l mit einer .himmlischen . Geduld undist

ganz ergeben in den Willen des Allerhöchsten und voll Vertrauen auf die Sorgsamkeir seiner Aerzte." Reporter flieht entsetzt aus Furcht, einen Bacillus abzubekommen.

BüynenluxuS Der Vuhnenlurus im vorigen Jahrhundert übertrifft alles, was selbst heute auf diesem Gebiete geleistet wird. Von der Pracht älterer Opernaufführungen giebt die Jnscenirung der Berenice" zu Padua im Jahre 1760 einen Begriff. Die Oper hatte drei Chöre, und zwar einen aus 100 Mädchen, einen aus 100 Soldaten und den dritten aus Rittern zu Pferde bestehend. Im Triumphzuge befanden sich 40 Jäger mit Hörnern, 60 Trompeter zu Roß. 6 Tambours nebst 25 anderen Musikanten, eine Menge Fahnenttäger, Pagen, Jäger, Stallmeister, dann zwei Löwen, von Türken, sowie zwei Elephanten, von Mohren geführt. Berenice's Triumphwagen ward von sechs Schimmeln gezogen, sechs andere Wagen für die Heerführer waren jeder mit 6 Pferden bespannt, noch sechs andere für die Leute und Gefangenen mit zwölf Pferden. Die Verwandlungen der Bühne stellten vor: einen Wald zur Jagd, in welchem Wildschweine, Hirsche und Bären gehetzt wurden, eine schier endlose Eben: mit vielen Triumphbogen, die Säle der Berenice". den königlichen Speisesaal und den königlichen Marstall mit 100 Pferden. Zum Schlüsse senkte sich eine große. goldene Kugel aus der Luft, die sich öffnete und wieder acht blaue Kugeln auswarf, auf welchen die Tugend, die Großmuth, die Tapferkeit, die Heldenliebe, der Siez, der Muth, die Ehre und die Unsterblichkeit saßen, in der Luft schwebend und einen Chor anstimmend. Tiroler in Stuttgart. Aus der Hauptstadt des schönen Schwabenlandes kam kürzlich die Nachricht, kaß dortselbst ein Tiroler in seiner Nationaltracht w.?gen seiner bloßen Kniee von einem Sicherheitorgan beanstandet wurde. In Bezug auf jercn Borfall hat der in München erscheinende Alpenfreund" folgendes Poem eingesandt erhalten : Mir 'Tiroler fahr'n weit In da Meld umanand ; Und da komm' i aa nach Stugert Im schwäbischen Land. In Schloßgarten geh i eina . Scho glei in der Fruah ; Do gibt's stoanerne Mandln Un Weiberln grob gnua. Und do sog i bei mir selm : ; t Dös is grod a Schand ! Dö Weiberln und dö Manderln, S' hat koaner koa G'wand !" Und wie i dös denk. Tupft mi oaner am Arm, Und w i mi umschaug, Do is a Schandarm. Der schreit dir ganz wlleti : Sie Kreuzsakradi, Sie san g'wiß a Wilder Mit die nacket'n Knie !" Glei ziehg'ns Enkra Strümpf nauf, Daß koa Tüpferl dro seit. Sonst wern's vcrarretirt . Z'weg.'n Unsittlichkeit !" . Ja. in Stuegert, mei Lieber, : Do Hot's dir a Schlanz ; Do hoaßt's : Entweder gar net Oder glei ganz !" Nederseljungödliithe. Vullrich : Du, Schrullrich, ick ver stehe kcen Lateinisch. Wad maz denn Bismarck eejentlich jemeent haben, als er sagte: Wenn wir angegriffen werden, so wird der !?'uror tourouieus aufflammen wie in 1870." Schrullrich: Na, lvahrscheenlich meente er, deß die Deutschen in ccn:n Elchen Fall in Frankreich wiedtt Furore machen würben." Hyperbel. Unteroffizi-r: Wie der Kerl wieder unrasirt ausieht! Gegen Sie ist ja ein Stachel.schwein die reine Rutschbahn!" Gute R e ch n e r Z n. Junge Schriftstellergattin: Was, Mk. hast Du für die kleine Geschichte bekommen: wie lange hast Du tenn daran gearbeitet?" Gatte: Ich glaube einen Tag." Gattin: Was, das macht ia in einem Monat 1300 Mk., und in einem Jahr 18,000, da können wir uns bald Pserd und Wagen anschaffen!" Die sämmtlichen während der Krankheit des Standesbeamten in Solingen geschlossenen Ehen, veren Zahl 76 beträgt, sind jetzt vom Oberstaatsanwalt- in Köln für un ziltig erklärt worden. Der Oberstaatsanwalt hat die nochmalige Trauung angeordnet. Während der Krankheit des Standesbeamten hatten der Oberbürgermeister und bezw. der Beigeordnete, ohne als Stellzertrete? des Standesbeamten ernannt zu sein, die Stellvertretung ausgeübt. nackträolicke Leaalisiruna der i - .i i a : Zintragungen von Geburts- und Sterbefällen wird keine besonderen Schwierigkeiten haben, aber bezüglich der 76 ungiltigen Ehen könnten sich doch bedenkliche Folgen ergeben. Bor dem Gesetz gilt das Zusammenleben der betreffenden Paare vorläufig als Concubinat und sollte der oder die Eine der Betheiligten Willens sein, das lose geknüpfte Band zu zerreißen, so brauchte die betreffende Person wei- , ter nichts zu thun, als die Wiederholung des standesamtlichen Actes zu verweigern.

Der verlorene Ueberzieyer.

-d Nach dem Suz!,!ch,n don . Lndwl. Nie habe ich es einer Menschenseele, erzählt, wie nahe ich in tntx Nacht ' beute ist's gerade ein Jahr dem Tode war; aber da ich jetzt mit alle? Ruhe mir jeden Gedanken, jedes Wort, zede Handlung von damals zurückrufen kann, schreibe ich die Geschichte nieder. Zunächst: mein Name ist Friedrich Putnam. Ich bin seit den letzten zehn Jahren Büreauchef und erster Buchhalter der großen Holzhandlung von Wilhelm Winston und Company und hoffe, es weitere zehn Jahre zu bleiben, oder mich zu verbessern. Herr Winston ist Her Vertreter der Firma in den Angelegenheiten, welche die Bearbeitung des Rohmaterials betreffen. Die anderen Inhaber des Geschäftes, zwei an der Zahl, leben in der City und besorgen den Verkauf der Hölzer, die wir ihnen mit Schiff zusenden. Dies ist bei Weitem der größte Theil dessen, was aus der Sägemühle her vorgeht, obgleich auch nicht wenig direkt am Orte von der Mühle weg in die Umgegend verkauft wird. Als ich eines Abends im strengen Winter mich eben anschickte, die Geschäftsräume zu schließen, hörte ich draußen in dem knirschenden Schnee Fußtritte, und gleich darauf flog die Thür auf, als hätte ihr Jemand einen heftigen Stoß gegeben. Der da hereintrat, war ein stattlicher, gut gekleideter Mann, welcher in der einen Hand einen kleinen Reisekoffer und über dem anderen Arm einen Plaid trug. Ich war allein, da Herr Winston schon vor eine? halben Stunde nach Hause gegangen war, nachdem er. wie gewöhnlich, das Pult, in dem wir Bücher und Papiere verwahrten, zugeschlossen und die Schlüssel mitgenommen hatte. Ich hatte, schon meinen Ueberzieher angelegt und die Hand zur Lampe erhoben, um sie auszudrehen, nun aber unterließ ich es natürlich. Guten Abend, mein Herr," sagte der Fremde, zum Ofen eilend und die Thür desselben mit dem Fuße aufsto ßcnd. Ist Winston schon fort?Ich antwortete bejahend. Hm! Ich fürchtete eS." Er zog seine Uhr, ein sehr schönes Exemplar, wie ich bemerkte, heraus. Ich werde gar nicht mehr zurechtkommen." sagte er, der Zug geht in fünfzehn Minuten ab.Kann ich etwas ausrichten?fragte ich. Äch. ich möchte Winston etwas Geld übergeben. Ich wollte einen oder Ziwei Tage hier am Orte bleiben, bekam aber eben eine Depesche, die mich nach Hause ruft." Ihr werther Name, mein Herr?Anderson aus Andersonville." ' Jetzt kannte ich ihn. obgleich ich ihn I vorher erst ein Mal gesehen hatte. Er war einer unserer besten Kunden gewesen. War gewesen, sage ich, weil seine Zahlungen im vergangenenJahre nicht so regelmäßig wie sonst stattgefunden hatten. Wirklich, er war bedeutend im Rückstände, und eben heute hatte mich Winston ersucht, ihm zu schreiben und ihn ein bischen anzutreiben". Den in diesem Sinne abgefaßten Brief trug ich bereits in der Brusttasche meines Ueberziehers. Sie können mir das Geld dalassen," sagte ich. und ich werde Ihnen eine Quittung ausstellen." Er schien zu zögern, was mich ein wenig kränkte. Wie Viel beträgt meine Rechnung?fragte er endlich, mich scharf ansehend. Ich konnte ihm, da ich vor kaum einer halben Stunde den Auszug gemacht, unverzüglich antworten: Elftausend siebenhundert und fünfzig Dollars und dreiundzwanzig Cents." mf fintmmt pt 5n?n??? slT v-v 9t j3 t " ich dachte. Gut, schreiben Sie mir eine Qulttu;?a über die Summe. Er ging vom Ofen weg, kam zu mir heran und sah mlr,wahrend ich schrieb, über die Schulter. Alles in Ordnung, Herr Putnam," saqte er. Ich kenn: Sie jetzt. Sie sind schon lange bei Winston; ich würde Sie überall ietzt wiedererkennen. Dabei zog er aus einer inneren Tasche ein großes schwarzes Portefeuille, das sehr rund und voll aussah, legte elf Häufchen Banknoten und etwa Münze auf den Tisch und forderte mich auf. den Betrag nachzuzählen. Es war dies erne kurze und leichte Arbeit. denn jedes Häufchen betrug gerade 100 Zehndollarnoten. Bald war Alles zur Zufriedenheit erledigt. In diesem Augenblick hörten wir den Pfiff, der dos baldige Abgehen des Zuges signaUsirte. Anderson sprang nach seinem Kofferchen und war nach einem hastigen Händedruck verschwunden. Ich schloß die Thür und zählte nochmals das Geld. Da ich es wieder rich tia fand, packte ich es in ein Stück Zeitungspapier und steckte es in die Tasa meines Ueberziehers. Es war mir eigentlich nicht ganz behaglich, so viel Geld bei mir zu tragen; aber da Win sions Haus wenigstens eine Meile entfernt war, beschloß ich, die Summe bis morgen zu behalten und dann auf die Bank zu geben. Ich zog meine Handschuhe an, nahm Von dem an der Thür befindlichen ' Nagel den Comptoirfchlüssel und schickte mich an, die Lampe auszudrehen. In diesem Augenblick bemerkte ich am Boden ein Papierblatt, und als ich es aufnahm, sah ich, daß es die für Herrn Anderson geschriebene Quittung war. Er hatte sie bei seinem eiligen Fortgange fallen lassen. Ich steckte ste in meine Tasche und gedachte, sie Herrn Anderson am näcksten Tage nachzuschicken. War ich doch auch an diesem Abend etwas eilig, da ich eine ' Verabredung hatte. Das geplante

Zusammentreffen war, wie ich gleich jetzt feststellen will, mit einer jungen!

Dame, vie ich in wenigen Monaten. mein Weib zu nennen hoffte. Ich eilte nach meinem Junggesellenheim, aß mein Abendbrod und begab' mich dann zu Warners, der Familie! meiner Braut. Ich trat in's Besuchs-' zimmer, nachdem ich 'den Ueberzieher,' in welchem das Geld steckte, im Hausslur abgelegt hatte. Schnell verrann, die Stunde in trauter Unterhaltung mit meiner Carrie, und es war für. mich Zeit zum Scheiden. Carrie, das aufmerksame Kind, ging in den Korridor hinaus, um Ueberzieher und Hut zu holen, damit ich die Sachen im warmen Zimmer anlegen könnte; aber als sie zurückkam, hatte sie nur meinen Hut in der Hand. Aber Fred," sagte sie mit liebevollem Vorwurf, wie konntest Du an einem so bitter kalten Abende Dich obne Ueberzieher hinauswagen? Ohne Ueberzieher?" rief ich bestürzt. Der Gedanke an das Geld zuckte plötzlich in mir auf und beraubte mich ganz aller Fassung. Im nächsten Augenblick stürmte ich wie em Wahnsinniger hinaus in den Hausflur. Der Ueberzieher war fort. Alle Besinnung- verließ mich. Ich griff in die Luft und faßte noch recht-' zeitig den Kleiderständer, um mich da--ran zu halten, sonst wäre ich zu Boden gesunken. Carrie kam mir nach, ganz blaß vor Unruhe. O. Fred. Du bist krank! Ich will Mama rufen und nach dem Doktor schicken! Du bist ja so weiß, wie ein Blatt Papier!" ' Nein, nein, Carrie," wehrte ich ab, sieh, mir ist jetzt schon besser!" Und dem war auch so. Mit einem Mal war ich stark, verzweifelt stark geIvorden. Und was hatte diese Beränderung bewirkt? Der Gedanke an die Quittung, die in der Tasche des UeberZieyers steckte. Änderjon konnte ja, keinen Beweis dafür erbringen, daß das Geld bezahlt war; und galt meinunangefochtenes Wort nicht ebenso viel, wie das seine? Ich war thöricht ge-' nug, zu glauben, daß ich die Behauptung, nichts empfangen zu haben, auf-, recht halten werde, und fühlte mich mit' einem Mal zuversichtlich. Ja wirttick, Carrie, mir ist jetzt viel besser. Das Zimmer war zu warm, weißt Du. Also irgend ein freche? Dieb hat sich hier cingeschlichen und meinen Nock gestohlen? Gut, lassen wir ihn laufen." Aber hattest Du denn nichts in den Taschen?" fragte Carrie. Es ist merkwürdig, wie argwöhnisch die Schuld, selbst die nur beabsichtigte, uns macht. Ich dachte wirklich, Carrie hätte einen Verdacht, und schon war ich im Begriff, eine ärgerliche Antwort zu geben. Aber ich unterdrückte dieselbe und brachte statt dessen eine neue Lüge vor. Nichts von Bedeutung, Carrie. Ein Paar Hanschuhe und etliche Kleinigkciten, Feuerzeug, Billettäschchen, Taschentuch und dergleichen. Du weißt schon." Das freut mich, Fred, daß es nicht schlimmer ist. Aber Du kannst nicht so leicht gekleidet nach Hause gehen, warte einen Augenblick, ich will Dir einen von Papas Ueberziehern holen. Sie brachte das Kleidungsstück, ich zog es an und ging nach Hause. Nie habe ich eine schrecklichere Nacht verbracht, und am Morgen mußte ich Bemerkungen über mein gespensterhaftes Aussehen boren. . Aber sagen Sie, Menschenkind," rief Winston. .Sie baben wohl die Nacht eine ganze Legion Geister gestben? Was ist denn los?" Ich hatte wirklich eine schlechte Nacht," erwiderte ich mit krankhaftem Lackeln. Sie hätten sich einen Tag ruhig zu Hause halten sollen. A propos, haben Sie an Anderson aeschrleven'i Die Frage machte mich vom Kopf bis zu den Füßen erbeben. Ich muß aber 'doch wohl bejahend geantwortet haben, denn der Chef sagte: Dann werden wir wohl an einem Äer nächsten Tage etwas von ihm zu seyen bekom men." Unmittelbar darauf begann er wieder: Aber Mann, Sie zittern ja, als wenn Sie Frost hätten, und dabei schwitzen Sie große Tropfen. Sie sind entschieden krank. Kommen Sie. steigen Sie mit in meinen Wagen und ich bringe Sie nach Hause. Ich war nur zu froh, fortzukommen. Als ich zu Hause angelangt war. schloß ich mich ein und überließ micy meinen Gedanken. O. wie schrecklich waren die Stunden, die ich so zubrachte! Ez dämmerte, die Nacht b".ch herein, und mir wurde keine Erleichterung, kein Trost. Ich Feigling gelangte zu dem Ergebniß, daß nur Eines mir zu thun bliebe, und dies Eine zu vollbringen war ich zuletzt fest entschlossen: mich zu tödten. Was sollte denn sonst aus mir werden? Den Empfang des Geldes abzuleugnen, das hätte ich nie vermöcht; der erste Einfall, es zu thun, war nur ein Ergebniß meines verzwei.. selten Schrecks gewesen, einer Rathlosigkeit, in der man . keine Rücksichten kennt. Der Verlust mußte eingestan den, mußte ersetzt werden, und vann? Dann war Alles dahin, was ich vom Leben gehofft, dann war .ich ein Bettler. der nie daran denken durfte, Car rie sein eigen zu nennen, dann war ich am Ende gar stellenlos, entehrt, wenn man lus meinem Unglück einen schmachvollen Verdacht herleitete. Nein, lieber sterben und durch die sühnende That wenigstens das Mktlei'I.die Sym. pathie der Ueberlebenden auch Carries mir sichern. Ich traf meine Vorbereitungen; schrieb eine kurze Auseinandersetzung an Carrie, eine andere an Herrn Winston. eine dritte an meine arme Mutter. Nachdem dies geschehen, ging ich zu meinem Schreibtisch uitd nahm die Todeswaffe heraus. Es war ein einfacher, kleiner Revolver, ab:? für

meinen Zweck genügend. Nachdem ich die Mechanik geprüft hatk, um sicher zu sein, daß die Waffe mchk ver

sagen wurde, setzte lch mich vor Feuer. Ich sah w Uhr. es toa, voch els Uhr wenn der Zeiger auj Mitter, nacht ruckte, wollte ich die Wae gegen meine Stirn richten. Eine Äiertelstunde hatte ich dumpf vor imdjhm gebrütet, da 'hörte ich an die Thür klopfen. Ich stutzte, und auw die Waffe verbergend, ries ich in iinßerst er Verwirrung: Niemand trs her ein: Auch ich nicht. Fred?" ' Es war Carres Stimme. Eine: heiße Sehnsucht, ihr liebliches Gesich? noch einmal zu sehen, gab mir die Herrschaft über mich selbst zurück. Ruhig liefe ich die verräterischen Briefe, die aus dem Tische gelegen, in meine Tasche gleiten und ouneke d Thür. O Fred, ist Dir noch nicht besser? rief sie, als eingetreten war, und das Licht auf mein Gesicht fiel. Nein, im Gegentheil, schlrmmer. erwiderte ich düster. .Aber Car rie! Großer Gott! - Bet diesem Ausruf starrte ich fassungslos nach einem Punkt; über ihrem Arm hing mein Neberzie her! Mit zitternden Händen nahm ich ihn der Geliebten ab, tastete nach der bewußten Tasche, fuhr mit der Hand hinein und zog -das Päckchen heraus, das ich gestern dem Versteck übergeben: Elftaufend siebenhundert und sunszig Dollars dreiundzwanzig Cents, ungeschmälert und unberührt. Nach dem. was Carrie mir' später erzählte, und nach dem Zustande meines Zimmers zu urtheilen, muß ich glauben, daß ich zuerst mich gberdet habe, als sei ich vom Dämon besessen? gewesen. Crst nach einer Wcike kühlte ich mich ab, gerade zu rechter Zeit um Carries theures Haupt vor einer sehr unsanfben Berührung mik dem Stuhle zu bewcchren, den ich 'bei meinem wahnsinnigen Freudentanz über mir schwang. Wie war der Ueberzieher verschwunden, wie wiedergefundeTl? E3 war so einfach wie nur möglich zugegangen. Warum hatte ich an das so Naheliegende nicht gleich gedacht? Es war ein Versehen von Carries Vaker gewesen. Er wollte, ohne mich erst zu begrüßen, seinen gewn Abendausgang machen, hatte mci: - Uckcrzieher für 'den seinen gehalten und war mit ihm fortgegangen, ohne sich träumen zu lassen, daß ein kleines Vermögen in der Tasche verborgen war. Ich schickte HerrnAnderson die Quittung, übergab Winston das Geld und nahm meine Pflichten und Hon-ungen freudig wieder auf als ein weiserer und wohl auch 'besserer Mnnn, als ich gewesen. Ein seltsames Gesuch. Im Jahre 1783 richtete ein gewisser Wenzelhäuser aus Strehlen m die Königliche Kammer zu Vrtfört eine Eingabe, worin er um nichts weniger, als um die Genehmigung zu einer dreifachen Heirath bat. Diee seltsame Eingabe hatte folgenden Wortlaut : Jhro Excellenz Gnaden Gnaden, Euer Gnaden Hochlöbliche Königliche Kammer. Mein demüthigstcs Bitten dor Euer Excellenz und Gnaden Gnaden Hochlöbliche Königliche Kammer um Erlaubniß zu Heyrathen, wo ich schon einmahl allhier gebeten 'habe unter dem Dato 8. Junius und auch erhalten, wie allhier Abschrift kautet. Aber in Breslau bin ich zu lange aufgehalten, daß 'ich zu 'Dato nicht weiß, ob was daraus wird werden, ob ich kann alldort was auswarten, so bitte ich demüthigst Ew. Excellenz und Gnaden: Gnaden Hochlöbl. Berlinsche Kammer, als ich im Armenrcchte stehe und habe schon ein Heyrathsglück versäumt mit einer guten ffeldwirrhschafk, eine Jungfrau. Alljedo bitte ich demüthigst um Erlaubniß, daß ich kann drei FrauensVölker zu Ehefrauen heyrathen, aß sie m'icb können ernähren und mit Leben erbalten.. Ich hoffe, daß dieses kann alle werden. weil der Patriarch Jakob auch 'hatte vier Weiber gcbabt und hak Gott den Allmächtigen nicht beleidigt. Ew. Excellenz und Gnaden Gnaden Hochlöbl. Köniql. Kammer bitte ich also demüthigst um Erlaubniß, daß ich kann drey ??rauensvolker zu Eqeweibern helzrathen. Wenzechäuser, wohnhaft in Husinatz bei der Stadt Strelle in N-iederschlesien. 1783." Die .Bitte dieses Tapfern, der sich von drek Ehewerbern wollte ernähren? 'lassen, wurde selbstverständrlch abschläglich belchleden. Das Aussehen täuscht. Jane: Du scheinst unglücklich zu sein. Emma." Emma: Ja. ich habe mich grausam in meinem Gatten getäuscht. Als ichihn heirathete, glaubte ich. dah er mich und nicht nur mein G:ld liebte. Jane: Du hast doch nun wenigstens den Trost, daß Dein Gatte nicht so dumm ist, wie er aussieht." Wirksames Heilmittel. A.: So hast Du also meinen Rath befolgt und hast die Goldkur durchzemacht? Findest Du dieselbe wirksam?" B.: O ganz außerordentlich. Es hat mich mein ganzes Geld gekostet, und ich habe nicht fünf Cents, um mir ein Glas Bier zu kaufen. sicherer Weg. Entfcttungscandidat (zum Arzt): ....Sie können sich darai'j? verlassen, ich gewöhn' mir das Viertrinken ab heute och geh' ich in's Brauhaus ud fang' ans . .