Indiana Tribüne, Volume 17, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1894 — Page 4

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Erscheint '-Täglich und Sonnigs. Die tägliche .Tribüne lzyei durch den Träge, 12 CentS per )cche, die Sonntag -Tribüne' 8 Cent? l?r Sl-ctie. Beide zusammen 15Eent oder 5S Gcn:a per Monat. P?r Post zuceschiSt in Vor ausbezaunz tfper Jahr. Office : No. 18 Süd Alabama Str. Indianapolis, Ind., 4. Februar '94. !lus den NlnderZaliren der Ftuer Waffe. EinZae besonders charakteristische Angaben enthält ein aus der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts stammende Handschrift über die Geschützkunst. Die die Jahreszahl 1443 traende Handschrift, deren Verfasser sich leider nicht nennt, besteht aus zwei Theilen. Der erste enthält auf 110 beschriebenen nolioseiten einen Unterricht für Büchsenmeister und Feuerwerker. Der zweite Theil weist 204 s?o!ioseiten mit Abbildungen alter Kriegsmaschinen auf, die zwar mit groben Farben, aber doch deutlich yezeichnet sind. Nachdem der Verfasser .die Nothwendigkeit treuer Diener zur Sicherheit der Fürsten, Grafen und Ritter bewiesen und ihnen besonders einen geschickten und frommen Büchsenmeister, der seiner Kunst wegen 'sÄreiben und lesen gelernt haben müsse, als unentbehrlich gepriesen hat, beantwortet er sich selbst zwölf Fraaen. von denen wir einige hier folgen lassen wollen, weil sie für die damalig Kenntniß der Fcuerwaffe in hohem Grade bezeichnend sind. Ob das Für den Stein u& der Buchsen tribe oder der Dunst, der von dem Für qant?" fcifct die erste Frage. Nu sprechen! ettlich das Für hab die kraff! den siein ze trieben. Ich sprich aber der Dunst hab die krasst. Exempel ein Vyspel. Nim ein pfunt gutes pulöerZ. Und tu es in ein sonnig Winsast.. Und vermach es wol, das kein dunst davon komen mag, denne zu dem wcdloch da du es anzünden wilt. Und so du es anzündest, so ist ai Pulver ze hant verprunnen und bricht der dunst das faß." Im zweiten Paragraph wirft der Verfasser die von seinen Zeitgenossen vtelumst'ritf tene Frage auf, ob Salpeter oder .Swebel die lrasft hab den stein ze trieben?" und beantwortet sie dahin, daß beide in gleichem Maße dazu erforderlich seien, weil Schwefel so viel 'ölte, und Salpeter so viel Kälte besitze, daß die keltin der hitz nit geliden maq, noch die Hitz der keltin." Er stell! sich den Vorgang also vor, daß Schwefel und Salpeter die Neigung hättön, sich gegenseitig an die Luft zu sehen und daß bei dieser Gelegenheit die Kugel mit aus dem Lauf befördert iwürde. Ans Paragraph 12 endlich erfahren wir etwas über die Gewichts)?erhältniil5 von Geschoß und Pulverladunq bei den damaligen Feuerwaffen. Die Büchse sei groß oder klein, meint der Verfasser, so muß immer ein Pfund Pulver einen neunpsündigen Stein treiben. Zum Schluß mögen noch einige gesundheitliche Rathschlage für den Büchsenmeister hinzugefügt werden. Der Dunst und Dampf des Pulvers", meint der Ver.fasser, schadet besonders dem Haupt, dem Herren und vorzüglich der Leber, Du darfst also nicht nüchtern damit 'umgehen. Genieße gelinde und leichte Speisen :denn wenn Du zu viel mit btm Geschütz und dem Pulver umÄebst. so bekommst Du leicht das Getwang und mußt des Morgens und Abends viel niesen. Vor Essig und Eiern hPe Dich, sowie vor den harten fond trockenen Speisen. Was kalt und feucht ist, kannst Du genießen." ?ine TlovM)t. Humoreke ,zu lbert Roderich. Sterben mußte sie; darüber konnte kein Zweifel obwalte Ihre Verhältniffe lagen ar zu ver.vick?lt. Es war kein anderer AuZgang möglich. Ab sie' sollte eines anständigen und humanen Toes sterben. Unsere Civilisa. tion, b:e wir ja selbst als außerordent. lich weit vorgeschritten anerkennen, ver. langt, fraß wir, wenn wir Jemand von rechtsezen umzubringen haben, dies in einer dem Betreffenden möglichst wenig unangenehmen Weise thun. Un sere Humanität hat in letzter Zeit sogar die Elektrizität zu Hilfe gerufen, um einem hinzurichtenden Delinguenten mancherlei Weltlaufigletten zu er sparen, die die anderen Todesarten mit sich zu bringen pflegen freilich - und oas l sehr zu bedauern uoen die Mörder gar so wenig Reciprocität, und nur in'den seltensten Fällen narkotlsiren sie ihre Opfer vor der Opera'tion. ' Aber die eingangs erwähnte Dame sollte nicht nur deshalb eines anständigen und humanen Todes sterben, weil die Ervilisation und die Humanität e3 so verlangen, nein, nicht nur aus diesem Grunde, sondern auch noch deshalb, weil sie die Heldin eines Roma. nes war, den ich für eine Familien zeitung schrieb. Und dann kam noch hinzu, daß es die erste meiner zahlreichen Heldinnen war, die ich umbringen mußte, und auch deshalb sollte es in honnetter und menschenfreundlicher Weife geschehen; meine lieben Leserin neu sollten Vergnügen daran ha ben. Es war an einem Dienstag, NachtZ 11 3-4 Uhr, als die Sache soweit gediehen war, daß ich mich über die Todesart der Frau Orgiretta von Pim peiialla, geborene Kleesatt, verwittwete .Xsn SaAas- geschieder Aieleroll.

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so war der Uiänit meiner 'Heldin endgiltig entscheiden mußte. Es ging einfach nicht anders. Die Dame hatte

so gewnthzchastet, daß sie nicht wel-, ter konnte. Und :cy konnte auch nicht weiter. Aber wie sollte sie sterben? Die Uhr schlug eins, da hatte ich 21 verschiedene Todesarten durchgekommen, angenehme und unangenehme. einfache und complizirte, Todf" irn, bei enen die lieben Leserin nen scheußlich!", und ?!desarten, bei denen sie entzückend!" ausrufen konnten. Aber sie panten mir alle nicht. Sie paßten entweder nicht in die Situation oder nicht in den Charakter der Umzubringenden. Inzwischen? aber war ich müde geworden, und die Lampe war heruntergebrannt. Ich mußte die Angelegenheit bis morgen in der Schwebe lassen. Mürrisch und ärgerlich über meine Unfähigkeit, einen einzigen Menschen in anständiger Weise aus der Welt zu fchaffen.erhob ich mich, um zu Bette zu gehen. Ich habe immer die alte Lehre be folgt: Alles zu seiner Zeit." Also auch Dichten zu seiner Zeit und Schlafen zu seiner Zeit, und wenn viele Leser das auch Gestreiten werden, es ist gewiß: ich kann Abends Schlag 12 Uhr inmitten der unerhörtesten Begebenheiten die Feder aus der -Hand legen und fünf Minuten später so fest fchlafen, wie ein chloroformirtes Kameel. Heute aber und in dem vorliegenden Falle war die Sache anders. Beim Entkleiden noch dachte ich nach und grübelte ich über die Todesart der Frau Orgiretta. und als ich mich niederlegen wollte, stieß ich meinen Fuß gegen den Rahmen der Bettstelle, daß ich laut aufschrie. Vadder. wat hest Du?" rief mein 15jähriger Sohn, der mit mir in einem Zimmer schläft. Ick hef mi den Foot so stött." Ach, Vadder, wenn Du sonst man gesund büst. Sloop man to." Mern Sohn, der zugleich mein Freund ist, und ich. wir sprechen nämlich platt mit einander, wenn wir ganz vntit uns sind. Aber der Junge hatte gut reden mit seinem Sloop man to!" Es war unmöglich heute Abend. Ich konnte die Gedanken nicht abbringen von der unglückseligen Orgiretta und ihrem Tode. Anständig und human sollte sie sterben. Wenn ich sie nun ganz einfach sich stark erkälten ließe und einen Arzt heranholte? Dann aber würde sie ja eines ganz natürlichen Todes sterben. Und den hatte sie wirklich nicht verdient. Aber, zum Donner , schlafen, schlafen will ich! Ich fing an, bis hundert oder eventuell bis eine Million zu zählen. Wenn ich sie nun mit Kohlendunst erstickte? Das ist ganz nett und human und doch ein Bischen sensationell. Aber das wird den lieben Leserinnen, die was auf Ordnung und Reinlichkeit geben, wegen der durch den Kohlenlounst verräucherten Gardinen unsympatisch sein. Aber im Gefängniß 23. 24, 25 mit Kohlendunst 26, 27, 23 da gibt's keine Gardinen 29, 30 oder im Luftballon 37 50 Ah, ich 90 ich . Ach ja, in der nächsten Sekunde hätte ich geschlafen. Da gellte es laut über mir Kukuk, Kukuk!" Die Kukus Uhr in der Wohnung über mir schlug zwei. Mit einem Fluche wälzte ich mich auf die andere Seite. Ja, mit einem Fluche! Den Kerl mitfammt sei ner Uhr soll sein eigener Kukuk holen! fluchte ich. Aber ich weiß gar nicht, wie der Mann heißt, der über mi? whnt. Sollle er dies zu lesen bekommen, so braucht er. sich deswegen nicht zu ängstigen. Ich habe sei. nen Namen gar nicht genannt, und mein Fluchen wird ihm durchaus keine weiteren Unannehmlichkeiten brin gen. Also ich fing wieder an zu zählen und dabei fiel mir ein, daß das Er drosseln eigentlich oder die Guillotine, oder da war mirs, als ob ich meinen Sohn leise stöhnen horte. Ich richtete mich auf und horchte nach seinem Bette hin. Kein Zweifel der Junge stöhnte leise. Ich ward ein we niq ängstlich. Er hatte schon die letzte Zeit so käs'rig ausgesehen und war so lange nicht mit zerrissenen Klewern nach Hause gekommen, dem Jungen fehlte was. Siegfried! Siegfried!" rief ich erst leise und dann lauter, bis der Bengel mit einem tiefen Seufzer aufWat wullt Du. Vadder?" Junge, fehlt Die wat?" Nee, Vadder, mi fehlt nix." Ganz gewiß nich? Du stöhnst ja so." Nee, ganz gewiß nich, mi fehlt nix. Warum slöppst Du den nich, Vadder?" Ick? Och, ick schrieb' da so 'n Gk schichte, da soll eine Dam' sterben, und ich weiß n'cht, wie ich machen soll. Js dat 'n goode oder 'n flechte Person?" Dat is 'n flechte Person!" Vaddcr, denn smiet se in't m' ter!" Damit schien mein Herr Sohn die Sache für erledigt zu halten, denn er warf sich geräuschvoll auf die andere Seite. Ich werde sie wirklich in's Wasser werfen sagte ick zu mir selber. Dabei betrog ich mich selbst mit dem Hintergedanken, daß ich die Person nur deshalb vorläufig in's Wasser werfen wollte, um bis morgen Ruhe vor ihr zu haben und endlich einschlafen zu tonnen. Und leise fühlte ich das süße Ermat ten über mich kommen und die müden Glied und Sunx vn eiauickvrde 3t

wußklc'siZkeit vergehen, M'schri?' eA

neben mir: Vadder! Vadder!" Schlaftrunken schreckte ich empor. Junge, was ist Dir?!" Ich weiß was. Laß sie in die Arena führen und von wilden Thieren zerreißen!" Eine zweifache Wuth kam über mich. Nicht mich allein machte dies entsetzliche Weib unglücklich, sie nahm auch meinem armen Jungen den Schlaf, der ihm so nöthig war. Junge," rief ich wuthend, wenn Du jetzt nicht augenblicklich wieder einschläfst, so hole ich morgen früh den Notar und enterbe Dich. I, das thue ich, verlaß Dich darauf!" Der Bengel kroch unter seine Bettdecke. Mein Aerger und meine Wuth aber steigerten sich. Ich fühlte, daß ich doch nicht zum Schlafen kommen würde. Aber ich war fest entschlossen, jetzt keine Rücksichten mehr gegen die abscheulich: Person! Mit einem vergifieten Dolche sollte sie ermordet werben, a, ich schwor es mir mit einem ergifteten Dolche! 'Mit'di'eftm Entschlüsse zugleich überam mich die erneuerte Ueberzeugung on ter Größe des menschlichen Egois1113. All' oie wirklich sensationellen Schandthaten, die jene Dame begangen at!e ohne nennenswerthe Er:zunz hatte ich sie einzeln niedergechricben, und jetzt, da sie mich m een Schlaf einer einzigen Nacht rächte. jetzt erfüllte sie mich mit AöIvdi Uno w'u'':-:ri!m hörte ich 'den Kukuk ufen, aber ich konnte nicht mchr geau Zählen, wieviel Mal er rief. Es :?.r mir auch, als fiele in meine halb.eschlossenen Augen der erste Strahl es neuen Morgenlichtes. Und in die'im Ärnlichie sah ich ganz deutlich ie Gestalt der unzlückseligen Orgiretta or mir. Ich stürze auf sie zu. da st sie verschwunden. Ja fürchterlicher löuih un) Erregung suche ich das pnze Zimmer ab. Jeden Winkel öurchsorsche ich, jede Schieblade ziehe ich auf, jedes einzelne Buch reiße ich vom Bücherbord und durchblätterte es hastig, ob sie sich nicht unter irgend einem Blatt verborgen hat. Umsonst meine Aufregung wächst. Hm da oben auf dem Gardirrenbrett sitzt sie und grinst mich an.' Ich kletterte die Wand hinauf w nächsten Augenblick muß ich sie fassen da 'befinde ich mich plötzlich mit dem Weibe auf einem Gebirgsgletscher. Ha." rufe ich, das ist ja ein ganz unliterarischer und .höchst unkünstleNscher Staffagewechfel. Das ist ganz unmotivirt und unmöglich! Halt Orgiretta!" Aber die Schändliche floh davon über den spiegelglatten Eisgletscher, und ich verfolgte sie keuchend um schreiend. Da fühle ich plötzlich meine Füße ausgleiten und mit lautem Hilferuf sank ich in 'den bodenlosen Abgrund. Aber im Abstürze klammerte ich mich mit bester Kraft an einem Baumstamm, der aus dem Felsen ragte, und da immer lauter nach Hilfe rufend wachte ich auf. An meinem Bette stand mein Sohn, i:nd ich hielt ihn umklammert. Du hast mich errettet!" stöhnte ich. Vater, was fehlt Dir?" Wo ist sie?" Der Junge fing an zu weinen. Vater, ich ha''o' solche Angst gehabt. Du hast so gejammert und um Hilfe gerufen." Ach, mein armer Junge! Oh, die ses infame Weib! Aber ich bringe sie doch um!" Laß fit sich doch lieber selbst umbringen, Vater." Oho, ich denke nicht daran! Aber Junge, geh' schnell wieder zu Bett Du erkältest Dich! Das volle Morgenlicht drang schon durch die Fenster da schliefen wir beide ein. Ein paar recht starke Schläge gegen die Zimmerthllr weckten uns wieder auf. Herr", rief draußen meine alte Haushälterin, die Uhr ist halb neun!" Mit timm Wuthzcheul sprang mein Sohn aus dem Bette. Um dreiviertel neun sollte er in der Schule sein. In der ersten Stunde hatten 1 ein deutsches Versetzungs-Extem-porale. Der Jung schrie, tobte und lamentirte und stürzte gegen neun Uhr fort. Ich aber setzte mich wortlos, klaglos aber fest entschlossen an meinen Schreibtisch. Es sollte ein Ende ge. macht werden, und zwar ein Ende, wie es einem menschlichen Wesen von den Qualitäten einer Frau Orgiretta von Pimperialla zukommt. Nein, hier war jede Rücksicht Schwäche! Und nach e:neutem und langem Nachdenken gelang es mir, das Weib in einer Weise zu todten, die 'seiner würdig war. In einem Wuthanfall über ein neues, nur halb gelungenö Verbrechen grub sie sich ihre Nägel in die eigene Hand; eine Blutvergiftung war die Folge und Frau Orgiretta starb unter einfach unbeschreiblichen Qualen. Mein Sohn kam Nachmittags halb vernichtet von der Schule nach Hause. Er war viel zu spät gekommen, hatte zunächst eine Stunde nachsitzen müssen, und sein Ordinarius hatte ih.ta sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß das so leichtsinnig versäumte Extem porale einen recht unangenhmen Einfluß auf feine Versetzung ausüben würde. Mein Sohn," sagte ich begütigend, .in diesem Falle will ich Dich nicht schelten. Dies Unglück hat jene schändliche Frau über uns gebracht. Aber beruhige Dich, die Elende ist todt!" ... . ,

Vm selben Tage noch sandte ich den

Roman an die Redaktion der Familienzeltung, für die ich ihn geschrieben hatte Vier Wochen später kam das Manuskript zurück. Der Redakteur schrieb ml?, daß x$m der Roman ganz nett gefallen habe und das Alles so weit ga.z gut und schön sei. Aber er wußts auS lanmahrrger Erfahrung. daß die Leser seiner Zeitschrist es nicht gern 'hatten, wenn d:e Helden der Romane schließlich todt gingen. Deshalb dürfte die Orgiretta in meiner Erzählunz auch nicht sterben. - Ich mußte die Geschichte umarbeiten. Ich könnte Orgiretta w vielleicht zum Schlüsse auswandern lassen. W:e üh das gesehen hatte, packte mich so eine Art Mittelsorte von Hohn und Wuth. Ich ergriff das Manuskript, zerfetzte es in unzählige kleine Stücke und warf diese dann in's Ofen feuer. Ich habe diese That der Nothwehr nie bereut. Ich bin in diesem Augen blicke noch felsenfest davon überzeugt: hätte ich das Weib nicht umgebracht dann hätte sie mich umgebracht. Vie Lidirische .Eisenbayn und die Kolonisation. Der einen Kostenaufwand von 250 Millionen Rubel erfordernde Bau der Sibirischen Bahn entspringt zweifellos Erwägungen, die mit geldlichen Jnteressen nichts gemein haben. Unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die direkte Bedeutung der Bahn für den Handel noch lange eine geringe bleiben wird, denn ihre erste unmittelbare Aufgabe besteht darin, zur so lange aufgehaltenen Entwickelung Sibiriens beizutragen, das erst, wenn es der Kultur naher gerückt, die Möglichkeit bieten wird, die neue Bahn auch praktischen Bedürfnissen dienen zu lassen. Zur kulturellen Entwickelung der Eingeborenen. zur Ansiedelung der weiten Sibirischcn Strecken beizutragen, das werden die ersten Aufgaben der Sibirischen Bahn sein, die ganz Sibirien in einer Ausdehnung von 7112 Werst durchzieht und nach beiden Seiten hin einem Landstrich von etwa anderthalb Millionen Quadratwerst ein neues Eepräge aufdrücken wird. Die reichsten Bergwerke, die wasserreichsten Flüsse Sibiriens liegen innerhalb des Gebiets der Bahn. Der Drang der russischen bäuerlichen Bevölkerung nach Osten hin ist eine alte Erfahrung, und er ist erst in jüngster Zeit auch von der Regierung ernst genommen worden. Wir möchten bezweifeln, daß das Angebot an Arbeitskräften in Rußland die Nachfrage übersteigt, und daß die zahlrei chen Ueberstedler als Opfer wirthschaftlichrr Nothlage zu betrachten feien, wie das in einem für die Chicagoer Weltausstellung herausgegebenen officiellen Werk zum Theil geschieht. Man weiß ia, daß die russischen Agrarverhältnisse seit der Befreiung der Bauern noch immer erst lm Werden begriffen sind, daß die Mängel des Emanzipationsgesetzes sich immer fühlbarer machen, daß der Landmangcl der Bauern sie von der Scholle in die Fremde treibt, rvobei allerdings die Neigung des rufsischen Bauers zum Wandern auch ein: große Rolle spielt. Mit dem Bau der Sibirischen Bahn gewann, wie schon erwähnt, die Ueöersiedelungsfrage auch in den Augen der officiellen Kreise eine wichtige Bedeutung, und was die liberale Partei so lange tauben Ohren predigte, daß nämlich die Uebersiedelung organisirt werden müsse, wird un verwirklicht, um dem fernen S-' biricn Arbeitskräfte zuzuführen. Mit der Fertigstellung der Sibirischen Bahn wird die Übersiedelung mit den Jammerscenen, mit Hunger, Krankteit und Entbehrungen, wie sie seit Jahren in der russischen Presse geschilder. wird, von selbst aufhören. Daß gerade die annormalen Agrarverhältnisse der Grund der Übersiedelung drr Babern in das ungastliche Sibirien waren, ersteht man daraus, daß die Uebersiedelung bald nach der Bauernemancipation die großen Dimensionen annahm. Im Zeitraume von 1866 bis 1880 wanderten in die westsibirischen Gouvernements 60.000 russische Bauern ein. und den Zuwachs auch der öltlichen Gouvernements und des Gebiets Semiretschinsk mitgerechnet, kann man die Zahl der Uebersicdler getrost auf weit über 100.000 angeben.' Vom 1. Januar 1887 bis 1. Juli 1892 passir. ten Tjamen 40.000 Familien (247.000 Personen); durch Orenburg kam in derselben.Zeit ein Zuzug von fast 8000 Familien oder 33.000 Personen, und durch Slatoust zogen nach Sibirien 6000 Familien (23.000 Personen). Im Laufe von fünfeinhalb' Jahren wanderten somit nach Sibirien ca. 64,000 Familien in einem Bestände von etwa 324.000 Personen aus. Bei der gewaltigen Ausdehnung Si briens treten begreiflicherweise die Resultate der beständigen Uebersiedelungen russischer Bauern nur in langen Zwiscbenräumen greifbar hervor, und letzt, wo die Sibirische Bahn in Angriff genommen ist und die Uebersiedlungsfrage die größte Bedeutung erbält, zog man auch gewissenhaft das Facit der feit dem Krimkrieqe andauernden Völkerwanderung. Es erwies sich nun, daß diese Colonisationsbcwegung ganz bedeutende Resultate zur Folge hatte. Alles für die Colonisation geeignete Lar.d der schmalen Südzlone Sibiriens vom Ural durch Westund Ost-Sibirien. jenseits des Baikalsees bis zum Japanischen Meer ist bercits von russischen Bauern befetzt. Doch da m Westsibirien allein 236.4 Millionen Dessjätinen Kronländereien vorhanden sind, so stößt selbstverständlich eine fortgesetzte Uebersiedelung auf keine Hindernisse. Land gibt es in Sibirien noch gmug, was fehlt, sind Arbeitskräfte und energische Arbeit.

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