Indiana Tribüne, Volume 17, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1894 — Page 2

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Ein: Erinnerung an das tolle Jahr. (- 1 Unter den verlumpten Berliner Gr Lenzen, die in den Märztagen des Wahres 1848 auf ihre Art eine Rolle spielten, erfreute sich der Revolutionär Müller, nannt Lindenmüller, eines

ffanz besonderen Ansehens. Sein Ei; lenwaarengeschast war m Concurs gerathen; ein Haus in der Marienstraße gehörte seiner Frau, einer angesehenen Schneiderin für die feinere Damen, velt, die ihrem beschäftigungslosen! Herrn Gemahl jeden Morgen zwei be' legte Drerschnppen und emen Thaler gab, unier der Bedingung, daß er sichDen ganzen Tag im Hause nicqt sehen lasse, um die Nähterinnen nichi in ihrer Arbeit zu stören. Müller legte sich jiun ganz auf die Revolution; er wurde Anführer einer Horde BerlinerBumm ler. Am Abend mußten sich seine Leute Unter den Linden an Kranzlers Ecke versammeln; daher der Name .Lindenclub" und die Bezeichnung Lindenmüller" für seinen Stifter. Eines Abends befahl er: Morgen bringt jeder von euch eenen Topp von rotherFarbe mit; wir werden nach dem Kreuzberg marschiren und das Mo nument roth anstreichen!" Dieser Be fehl wurde mit lautem Hurrah !" begrüßt. Als Lindenmüller mit seiner Rotte aber den Weg zum Denkmal Zzurch Schutzleute abgesperrt fand, sah er sich das Gebiet eine Weile an, dann .sagte er die drei inhaltsschweren Worte: Nc, denn nicht" und befahl den Rückzug. ! Als das Schloßportal durch neue Eisengitter geschlossen wurde, gerieth' Lindenmüller in Hitze, ließ ohne WeitereZ die schweren Gitter ausheben und bei der Kurfürstenbrücke in die Spree versenken. Der Freiheit soll man nicht die Gassen verlegen!" rief er wie Ulrich von Hütten, dann ging er frühstücken. Für diesen kühnen Streich, bei dem er merkwürdigerweise durch keinen Schutzmann behindert wurde, mußte er die Stadtvogtei als Untersuchungsgefangcner beziehen. Hier befand er sich noch im Monat März 1849. Am achtzehnten genannten Monats schnitzte Müller, der sich allein in seiner Zelle befand, Leuchter aus rohen Kartoffeln, steckte in jeden derselben ein Licht und illuminirte damit ?iach FinsterttQden das eisenvergitterte Fenster seiner Zelle, welches nach dem Hofe hinausging. Man kann sich den Aerger der Stadtvozteibeamten und den Jubel der übrigen Gefangenen denken. Einige hundert rauhe Kehlen schrieen unaufhörlich: Hurrah, Lindenmüller! Es lebe der achtzehnte März!" Der Director der Anstalt, Herr von Rohr, ein äußerst humaner Beamter, stürzte in die Zelle zu Muller und fand ihn bei Punsch und Vfannkuchen. die ihm seine Frau geschickt hatte. Was treiben Sie hier wieder sür Unfug, Müller?" schrie ihn der Director an. Der Gefragte antwortete mit der größten Gemüthsruhe: Ei is ja heute der erste Geburtstag von die Revolution, Herr Director, da iDollf ick doch en bisken illuminiren!" Natürlich wurden die Kartoffelleuchter schleunigst entfernt und Lindenmllller nutzte aus vierunozwanzig stunden ist die finstere Nummer" spazieren. .Det schad't nischt, lächelte Lindenrnüller, et is ja doch allens vor die Freiheit!" Als er aber einige Monate später rnerkte, daß das Spaßen der Behörden mit ihm aufgehört habe, er war nämlich des Schloßgitters wegen ZU "sechsmonatlicher Gefängnißhaft verur--theilt worden da machte er sich heimlich über's Wasser, wanderte nach New Iork aus und machte sich dort durch originelle Einfälle und seine unverwüstliche Schnottcrigkeit" einen Namen. Da das Vierausschenken da--mn3 in vitro ! orr an onniaen ver boten war. stiftete er eine Religwnsleite, zu deren gottesdienstlichen Ge'brauchen es, wie er vorgab, gehörte, bei den Sonntagsandachten Bier zu irinken. Er behauptete, so gut wie die bitterer" es sür religiös hielten, um den Altar zu tanzen, ebenso gut könnte man auch zur Erweckunq der Gottseligkeit Bier trinken; er schickte dann während der Andacht den Klingelbeuiel herum, und Jeder konnte auf diese Weise seine Bierschuld berichtigen. Zuweilen erschien er selbst im Ornat und Predigte munter darauf los; alle paar Minuten mußte sicy die Gemeinde stärken. k Arbeitstbeiluna. Stu !dent: Wissen Sie noch. Herr Förster, 'tvie wir voriges Jahr oft auf die Enteniaad ainaen?" Förster: Das Zweiß ich noch sehr genau. Sie erzähluen immer die Enten und ich schoß sie." I Unverzagt. Papa: Diesmal hast Du in schlechtes Zeugniß! ,Jch hoffe.daß das nächste besser wird!" i Söhnchen: So ist's recht. Papa! Nur den Muth nicht sinken lassen!" '. Abaewunken. Alte Coiquette (die von einem jungen Mann Zaus dem matx gezogen wuroe): u ich bin Ihnen ewlg dankbar. .wie jsoll ich Ihnen danken. .. .ich. .. ." jHerr: Bitte, bitte, wollte '.sowieso ba-i ,ven: ! Berfeblier Zweck. A. mVlvm, alter Freund,Du hast Dich also jderkirathet? Wie geht es Dir denn? ZMan saat ia ST! trau nach, dak isit ein: vorzügliche Küche führt." ,33.: Ja, leider. Ich befinde mich Eigentlich immerwährend m emem tt Tische Conflict zwischen Essen und Lieben." . Vefolater Ratb. Bettler !(rn einen Schlächterladen tretend): .'Können Se nick eenen armen Mann en bisken helfen?" Schlächter (rniir! Tiq): Ach was, helfen sie jich oocy i sw m mm v 1 tw neib)tr Zücttier: iüjcnn toe genarbten, bin ick so frei!" Nimmt zwei purste und verschwindet damit.

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Gmrnlj'3 erste Liebe. HumoreZke von äftari Misch Emmh hatte sich früher nicht viel aus Tante Helene gemacht, sie hatte im Gegentheil oft über ihre altjungfraulichen Schwächen gespottet und ihren hupsenden Gang nachgeahmt. Es war daher sehr begreiflich, daß Frau Horst, Emmy's Mutter, die plötzlich erwachte leidenschaftlich: Zuneigung ihres Töchterchens zu eben diese: Tante befremdlich fand. Jen Nachmittag von der Jannowihbrücke bis zum ThiergartenbahnHof, und von da noch den weiten Weg in d:e Berlinerstraße von Charlottenbura, nur um die Tante zu sehen, das war doch merkwürdig! Außerdem vernachlässigte Emmy alles Andere. Sie lief nicht mehr Schlittschuhe auf der Rosseau-Jnsel, sie malte nicht mehr, und hatte doch schon so nette Fortschritte gemacht.daß der Hausbesitzer Schultze im ersten Stock thatsächlich erklärte, eine neue Angelika Kausfmann sei in ihr erstanden. Sie mochte auch nicht mehr fpazieren gehen und. was das Schlimmste war.gegen Lüdkes schien sie einen wahren Abscheu gefaßt zu haben. Frau Ludke war aber Frau Horst's beste Freundin. Sie hatte ein eigenes großes Haus und einen Sohn, der zwar nicht schön er neigte etwas zum Dickwerden aber überaus tuchtia und strebsam war. Er leitete die Buchhandlung seines verstorbenen Vaters mit Umsicht, als Ware er nicht erst achtundzwanzig, sondern schon achtundvirzig Jahre alt. Auf diesen Svhn nun und auf Frau Horst's Emmy hatten die beiden Damen ihren Plan gebaut; sie sahen sich bereits als glückselige Großmutter im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder. Und sie waren berechtigt zu solchen Plänen, denn Emmy, das hübsche.hellblonde, romantisch veranlagte Mäd chen, gefiel dem jungen Lüdke außerordentlich; seine Mutter behauptete sogar unter dem strengsten Siegel des Geheimnisses, er hätte ein Gedicht auf sie gemacht, was bei dem jungen Manne viel bedeutete, da er, wie alle starken Esser, nichts weniger als poetisch veranlagt war. Von dieser Seite also standen die Sachen gut. Und was Emmy anbelangte, so war sie bis yor Kurzem immer sehr gerne in Georq Lüdke's Gesellschaft gewesen; denn das mußte man dem jungen Manne lassen. Witze machen konnte er, und Emmy lachte schrecklich gerne. Und nun war plötzlich Alles zu Ende. Emmy lief oder vielmehr fuhr zur Tante, und immer wieder zur Tante draußen am ThiergartenbahnHof. und bekam Weinkrämpfe. wenn ihre Mutter sie zwang, zu Hause zu bleiben. Es war geradezu unbegreif lich und sogar Frau Horst sagte eS sich mit sorgenvollem Kopfschütteln höchst verdächtig. Und doch fand sie nichts, was die Sache begreiflicher machte. Schon zweimal hatte sich die arme geplagte Mutter 'Tiach Emmy's Weggang ihr Nachmittagsschläfchen entzogen und war hinaus zur Tante gefahren, um sich zu überzeugen, ob Emmy da sei. Und beide Mal hatte sie das junge Madchen mit glückstrah lendem Gesichtchen bei der langweil! gen Person sitzen sehend deren Geträtsche über alte Familiengeschichten anhörend. Es war. wie gesagt, ganz unbegreiflich, und es blieb nur noch die eine Hoffnung, daß Emmy doch schließlich die Sache satt bekommen würde. Vorläufig freilich war dazu noch keine Aussicht, das hatte Frau Horst erst heute wieder zu bemerken Gelegenhkit gehabt. Der zunge Lüdke hatte am Vormittag einen Laufburschen mit der Anfrage geschickt, ob Fräulein Emmy und Frau Mutter Nachmittags im Schlitten nach Grunewald mitfüh. ren. Die Mutter hatte sofort zugesagt; sie fand die Idee reizend und hoffte das beste davon. Emmy aber begann sofort über heftiges Ilopfweh zu klagen und erklärte mit weinerlicher Stimme. c5 Ware ihr Tod. wenn man sie zwänge, in die scharfe Luft hinaus zu gehen. Der Junge wurde also mit einer abschlägigen Antwort abgeschickt, und Emmy mit einem nassen Handtuch um den Kopf auf dem breiten Familien dwan gebettet. Frau Horst selbst legte sica auf ihr Vett in s Schlafzimmer 5um gewohnten Mittagsschlummer. Wie unsäglich erstaunt und argerlich aber wurde sie. als nach kaum einer Viertelstunde Emmychen hereintrat, im Jaquet. das kleine Pelzbarrett auf den blonden Locken, den Muff in der Hand. Wohin willst Du?" hatte die Mutter noch ganz schlaftrunken gefragt, und Emmy die stereotype Antwort ge geben: Auf ein Stündchen zur Tante Helene, wenn Du erlaubst." Zur Tante! Und der arme Herr Lüdke konnte allein nach Grunewald fahren. Nein, es war wirklich recht unangenehm und. wie gesagt, auch höchst merkwürdig und verdächtig. Emmy Horst war wirklich aus dem Weg zur Tante. Am Bahnhof Jannowitzbrücke löste sie sich eine Fahrkarte und bestieg die Stadtbahn.welche sie in fünfundzwanzig Minuten an ihr Ziel brachte. Am Bahnhof Thiergar. ten stieg sie aus. Ruhig wartete sie am Ausgang, bis alle Anderen die Stufen hinabgeeilt waren, dann überreichte sie auch ihre Karte dem Kontroleur. Dieser sah sie erstaunt an. denn ihre kleine Hand zitterte. Langsam schritt sie dann hinunter. Sie hatte ihre bestimmten Gründe, so langsam zu gehen; erstens, weil sie es nicht eilig hatte, zweitens, weil sie gesehen werden wollte, und drittens, weil ihre Kniee beinahe den Dienst versagten. Auf den letzten Stufen angelangt, richtete sie ihre Blicke forschend nach dem

bpxbezs:

ersten Schalterfenster der Fahrkartenausgäbe. . Ja, er war da! Ein Seufzer der Erleichterung und zugleich des BangenZ entstieg ihrer Brust. Gestern und vorgestern hatte er gefehlt; eine weibliche Person saß an seinem Platze; Emmy war enttäuscht und niedergeschlagen wieder heimgefahren und hatte voll berechtigter Empörung die schreckliche Emancipationslust der Frauen verurtheilt, die durchaus Stellungen einnehmen wollen, zu welchen sie sich absolut nicht eignen. Aber heute saß er wieder da! Bitte um ein? Fahrkarte zweiter Klasse Janowitzbrücke lispelte Emmy. als sie vor dem Schalter stand und erröthete bis unter die blonden Stirnlocken. Hier, mein Fräulein.- Der Veamte schob ihr die Fahrkarte zu und blickte sie lächelnd an. Ach. diese Augen! Ich danke!" lispelte sie wieder und kämpfte einen mächtigen Kampf mit sich, bis sie sich entschloß, hinzuzu setzen: Waren Sie krank?" Krank?" Die großen strahlenden Augen richteten sich fragend auf si:. Weil gestern und vorgestern eine Dame hier am Schalter saß und da dachte ich " stotterte Emmy verwirrt. Ach so. nein, ich war nicht krank, aber ich hatte Urlaub erklärte der junge Mann lächelnd. Emmy lächelte ebenfalls, nickte und ging. Draußen auf der Straße athmete sie tief auf. Ach, war das Herrlich gewesen! Sie hatte thatsächlich mit ihm gesprochen. Bis jetzt war es stets bei einer Vemerkung geblieben. Es ist kalt heute. Fräulein!" von seiner Seite, und Ja. sehr!" von der ihren. Aber heute hatte sie das Eis gebrochen und eine Unterhaltung angeknüpft. Eigentlich paßte sich das nicht, aber es war doch auch kein Unrecht, da sie sich schon so lange kannten. Schon süns Wochen! Gerade fünf Wochen waren eS. da sie fein schöne dunkles Gesicht mit den großen blauen Augen gesehen hatte. Sie seufzte wieder glückselig. Wie schön war doch das Leben. Wie schön war doch die Welt, besonders im Winter. Der fesigefrorene Schnee knisterte unter ihren leisen Schritten, die Luft war so rein und klar und er" war so lieb gewesen. Er war üb:rhaupt immer entzückend! Emmy setzte sich auf eine Bank und träumte in aller Geschwindigkeit den ganzen fünfwöchentlichen Roman noch einmal durch. An einem Freitag war es gewesen. Frau Horst behauptete, das sei ein Unglückstag; an einem Freitag dürfe man nichts Wichtiges vornehmen. Emmy wußte nun. daß gerade der Freitag ein rechter Glückstag war. Also an einem Freitag war es. als Frau Horst sagte: Emmy. es hilft nichts. Du mußt zu Tante Lene aehen. sie ist sonst beleidigt." Emmy sträubte sich zwar, aber schließlich zog sie sich doch an. glücklicherweise das neue PelzZaquet. und begab sich zur Tante. Ach. es war gräulich langwciliq bei der alten Dame, und sie war herzlich froh, als si? endlich wieder fort konnte. Am Thiergartenbahnhof fuhr gerade ihr Zug ein. und sie stürzte an den Schalter. Zweiter Klasse Jannowitzbrücke." hatte sie ungeduldig hineingerufen, blieb dann aber verdutzt liegen. Ihre Hand suchte noch vergeblich in der Tasche herum, als der Zug oben längst über alle Aerae. oder rich tiqer. über alle Straßen war. Sie hatte ihr Portemonnaie vergessen, bei der Tante liegen gelassen. Nun konnte sie wieder zurücklaufen und das Theater versäumen. Es war wirklich zum Weinen. Fräulein wünschen die Fahrkarte nicht?" tönte es da plötzlich aus dem Schalter heraus, und es war eine sehr angenehme Stimme, welche die Frage stellte. Nein, danke, ich habe mein Portemonnaie liegen lassen und muß es erst holen," erwiderte Emmy und sah den Beamten dabei zum ersten Male an. 0, das ist nicht nöthig." versetzte dieser und richtete so leuchtende, große Augen auf Emmy, daß diese erröthend d:c ihren senkte. Solch' hübsch?m jungem Fräulein lrcdltlrc ich gern!" Emmy nahm den Kredit an und fuhr nach Hause. Am andern Tage kam sie wieder und bezahlte ihre Schuld. Dabei mußte sie natürlich ih ren Gläubiger anschauen, und wieder trafen ihre Augen auf ein anderes Paar von so sprechendem Ausdruck.daß sie heftig errothete und wie ein dum mes Gänschen vor ihm stand, während sie doch sonst ihren Mund wie alle Ber linerinnen auf dem rechten Fleck hatte Eine ganze Welt voll Liebe sprach aus diesen, sehnsüchtigen, großen Auaen. Die Tage vergingen, und Emmy ging lieber und lieber zur Tante He lene. obwohl der junge Mann hinter dem Schalterfcnster fortgesetzt nur seine Augen sprechen ließ.' Aber das war ja natürlich! Er wagte nicht, ihr eine Erklärung zu machen. In seiner Stellung die Mutter würde gewiß außer sich sein, wenn er um ihre Hand anhielte. Und er konnte ja nicht wissen. daß Emmy gar nichts aufs Geld gab, daß sie bereit war. Hunger und Elend zu tragen für den Maiin, dem sie ihr Herz geschenkt hatte. Denn darüber war sie nicht med? im Zweifel, sie erwiderte die Leidenschaft des jungen Beamten! Sie konnte der flehenden Bitte seiner Augen Nicht mehr widerstehen: auS dem 'Mitleid war eine Liebe entstanden, Wie Emmy sie geträumt und ersehnt hatte und wie sie solche sür den dicken Herrn Lüdke niemals hätte empfinden können. Emmy Horst mußte daS Glück die-

seS Nachmittags mit einer ganzen

Woche Kummer bezahlen. Montag und. Dienstag, als sie den Geliebten nicht am Schalter fand, sang sie zu Hause alle Lieder, welch: auf Herz und Schmerz. Freuden und Leiden reimten; Mittwoch und Donnerstag, als er noch immer fehlte, konnte sie fast nichts mehr essen und jeder ihre? Athemzuge war ein Seufzer; Freitag aber, am Glllckstage. wo sie ihn bestimmt zu treffen erwartet hatte, überwältigte sie der Schmerz, und sie weinte sich in einem stillen Winkel des Thiergartens satt. Sonnabend aber erklärte sie ihrer Mutter, daß sie keine Lust habe, zur Tante zu gehen, und daß sie überhaupt nicht mehr gehen wurde und daß sie am liebsten zu Hause bliebe. Frau Horst lächelte zufrieden. Die Reaktion war offenbar schon eingetreten, das launische Kind hatte die Tantenperiode überwunden, nun konnte wieder Georg Lüdke daran kommen. Und der Zufall war günstig. Eine Einladung für Montag Abend in einem Kränzchen gab Gelegenheit. Alles wieder m's Geleise zu bringen. Zum Kranzchen! Emmy lächelte schmerzlich, als sie davon hörte. Tan 5en! Tanzt man mit einem gebrochenen Herzen? Sie war entschlossen, es nicht zu thun, aber hingehen mußte sie. Frau Horst wurde ernstlich ungehalten, als das Töchterchen von zu Hause bleiben" sprach. Es mußte ein Opfer gebracht werden. Und wie ein Opfer ließ sich Emmy schmücken. Als sie dann in dem rosa Krepp kleidchen mit dem breiten Empiregürtel vor dem großen Spiegel in der guten Stube stand, entstieg wieder ein schmerzlicher Seufzer ihrer jungen Brust. Ja, wenn er" sie so sehen konnte! Aber so Das Kränzchen wurde von einem Männergesangverein gegeben, der alle vier Wochen eine dringende Veranlassung zu irgend einer amüsanten Festlichkeit zu finden wußte, und welchem auch Georg Lüdke angehörte. Diesmal wurde das Kränzchen abgehalten, um die Komposition eines Mitgliedes gewissermaßen in die Oeffentlichkeit zu bringen. Es war daher Pflicht der Mitglieder, möglichst viele Freunde und Bekannte einzuladen und diese zu veranlassen, auch ihrerseits alleFreunde und Bekannten mitzubringen. Ein Arrangement, das halb Berlin in dem großen Saal des Goldenen Horns" versammeln konnte. Ganz so toll wurde es nun zwar nicht, aber als Emmy und ihre Mutter den Saal betraten, durchfluthete ihn schon eine stattliche Menge geputzter Menschen. Georg Lüdke hatte Emmy zu Hause abgeholt und jchrm nun, ih ren Arm durch den seinen gezogen. strahlenden Antlitzes mit den Damen zu dem reservirten Platze, an welchem bereits seine Mutter saß. Lüdkes hatten es, die brauchten nicht zu sparen! Fraü Horst konstatirte dies mit gerührtem Schmunzeln, als auf einen Wink Georg'S der Kellner eine Flasche Kaisersekt im Eiskübel brachte. Das war doch noch was. Keine Hungcrleiderei. Emmy konnte sich gratuliren. Aber Klein-Emmy hatte kein osse nes Herz für Georg's schäumende Hul digung. Auch seine Witze und Ka lauer, über welche die beiden Mütter lachten, daß ihre wohlgenährten Ge sichter im schönsten Blauroth glühten. verfingen nicht bet der, für die sie ge macht wurden. Mit träumerischen Au gen starrte Emmy in das Gewühl der geputzten, fröhlichen Gesellschaft, ohne wirklich etwas davon zu sehen. Ihr Herz war gebrochen ohne Zweifel! Da. was war das? Ihre Augen öffneten sich weit in grenzenlosem Er staunen. Dort links am Pfeiler in Frack und weißer Binde stand er4 Emmy erhob sich hastig. - Ich sehe dort meine Freundin Kä the Schulz." sagte sie mit erstaunlicher Geistesgegenwart, und des dienstbcrei tn Georg's Arm bei Seite schiebend. eilte sie davon. Käthe Schulz wunderte sich nicht wenig, als Emmy sich plötzlich an ih ren Arm hing. Sie waren geschworene Feindinnen schon aus der zweiten Klasse her. Seit mehreren Jahren grüßten sie sich nicht mehr, und nun plötzlich diese Freundschaft! Und wie zärtlich Emmy war. wie herzlich. Hast Du schon Tänzer. Käthe?" frug sie. und setzte dann gleich mit einem be wundernden Blick hinzu: Aber natür lich. wie kann ich fragen. Du siehst ja ganz reizend aus. Weißt Du. solch' weißes Tüllkleid habe ich mir schon immer gewünscht." Käthe lächelte geschmeichelt und hatte keine Ahnung davon, daß ne von dem mädchenhaft zarten Arm. der sich in den ihren schlang, mit uamerklichem Druck nach einer bestimmtem Richtung geführt wurde. Emmy's Herz klopfte stürmisch. Ach, war das wunderschön! Es war ihr zu Muthe, als hatte sie plötzlich andere Augen bekommen. Wie die Lichter strahlten, die Menschen alle eitelFreude schienen, wie die Musik m die Seele drang, und das Herz mit Wonne und Jubel erfüllte. Und jetzt waren die beiden Mädchen nur noch HIenige Schritte von dem be wußten Pfeiler entfernt, und Emmy wurde erkannt. Ein heiteres Lächeln glitt über des jungen Mannes Antlitz, dann näherte er sich rasch und machte eine elegante Verbeugung. Gnädiges Fräulein auch hier? lächelte cr und setzte zu Beiden gewendet hinzu: Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle: Richard Tradowsky." Aeide Mädchen machten einen Kniz und errötheten. .Ich heiße Käthe Schulz sagte dann Emmy's Freundin, zu deren Gewohnheiten as Schweigen nicht gehörte. Es ist hübsch hier, nicht? Wir sind nicht in diesem Verein, ein Be-

kannte? hat uns eingeführt. Papa ist

in fünf anderen Vereinen Mitglied. Im Kriegerverein, im Aürgerverein. im Skatverein, im Verein der Brauer Papa hat nämlich eine Brauerei und im Verein alter Turner. , Die Kränzchen sind auch immer seh? nett; besonders vom Turnverein, weil da die jungen Turner alle eingeladen werden. Da gibt es immer sehr viele Tänze?, und das ist doch die Hauptsache, nicht wahr?" Käthe lächelte zu ihrer letzten Vemerkung kokett und sah Herrn TradowZky ein wenig herausfordernd an. Dieser fiel auch auf den Leim herein, wie sich Emmy'dachte. und bat Fräulein Schulz um eine Polka. Nein, das war wirklich unerhört! Diefe Schwätzerin, diese Klatschbase, diese Käthe Schulz! Sich rn aller Schnelligkeit einen Tänzer zu erschleichen, einen Tänzer, der ihr, Emmy, gehörte! Aber Emmy's Aerger hielt nicht Stand, als Richard Tradowsky seine Augen mit dem bekannten sehnsüchtigen Ausdruck auf sie richtete und um einen Walzer bat. Ein Walzer war doch noch etwas Anderes, wie eine Polka, und dann so hatte er Käthe gewiß nicht angeschaut! Käthe hielt es an der Zeit, sich nach anderen 'Tänzern umzuschauen, und Emmy mußte, sehr wider ihren Willen, mit. Beide knixten und empfahlen sich. Außer Hörweite gelangt, flüsterte Käthe: Du, der hat aber Augen!" . Wieso?" .Na. hör" mal, ich finde sie sehr sprechend." Sprechend? Was sollte daS heißen? Emmy wagte nicht zu fragen. Hatte er Käthe auch so" angesehen. Aber nein, dieser Gedanke war ein Verbrechen. Es konnte nicht anders gemeint sein, als daß Käthe etwas gemerkt hatte. Als Emmy an ihrem Tisch wieder anlangte, fand sie die Gesellschaft um eine Person vermehrt. Herr Karlsen, ein Duzfreund Georg Lüdke's, kannte Emmy flüchtig und hatte die unangenehme Gewohnheit, sie stets mit Georg zu necken. Auch jetzt begann er sofort damit. Georg sei schon ganz blaß und falle sichtlich von Fleisch; ob sie denn so unbarmherzig gegen ihn sei, frug er. und Emmy, die von Heiterkeit und glücklichem Uebermuth erfüllt war, lächelte schelmisch und meinte, si: wolle sehen, ob sie sich bessern könne. Aber sie sollte es bald merken. Der Tanz ging los, und an Georg's Arm schritt sie die Polonaise ab. Ihre Augen durchflogen suchend dieNeihcn und blieben aus einem ungleichen Paare haften. Er" führte eine ältere, sehr dicke Dame. Das war sicherlich keine Nebenbuhlerin. Glücklich lächelnd hing sich Emmy fester an den kräftigen Arm ihres Begleiters, der merkwürdig schweigsam war und nicht einen einzien Kalauer fertig brachte. Nach dem Schlußtanz führte Georg sie einigemal? auf und ab, dann lenkte er seine Schritte plötzlich in einen kleinen. mit Blattpflanzen ausgeschmückten Saal, und zog Emmy auf einen der Runddivans nieder. Emmy, deren Gedanken ganz wo anders weilten, folgte ihm mechanisch. Fräulein Emmy begann Georg Lüdke halblaut, und sein hübscher Bariton klang rauh und bedeckt. Herr Lüdke?" ' Fräulein Emmychen, Sie sehen heute wieder so reizend aus, daß man um seinen Verstand kommen könnte." Emmy lächelte zerstreut. Emmy! Liebe, entzückende Emmy! Seien Sie nicht böse, wenn ich Ihnen sage, wie ljeb ich Sie habe!" Jetzt merkte Emmy. daß Gefahr im Verzüge war. Sie erhob sich rasch und suchte den Ausgang zu gewinnen, doch Georg kam ihr zuvor. Emmy. Sie wollen mir keine Antwort geben? Haben Sie mich denn nicht ein klein bischen lieb?" Emmy sah in das vor Erregung bleiche, treuherzige Gesicht des jungen Mannes und empfand emen verratherischen Augenblick Bedauern darüber, ibm keine freundliche Antwort geben zu können. Schon aber tauchten zwei große, strahlende, sehnsüchtige Augen vor ihr auf und mit einer geschickten Bewegung schlüpfte sie an Georg vorbei zur Thüre hinaus. Georg Lüdke folgte ihr nicht. Die Pflicht rief ihn auf die Bühne, wo die Mitglieder des Vereins sich aufstellten, um einige ihrer bestenLieder zum Vortrag zu bringen,, und Emmy mußte wider Willen der schönen Stimme ihres verschmähten Verehrers lauschen, die deutlich heraus zu hören warJhre Augen aber suchten einen Anderen, und in ihrem kleinen Herzen stand die brennende Frage, ob er" wohl auch heute noch so sprechen würde, wie vorhin Herr Lüdke, und was sie wohl er widern würde. Als der Vortrag vorbei war und eine kleine Pause den Männern des Gesanges Zeit gelassen hatte, ihre heißen Kehlen zu erfrischen. stimmte das Orchester die ermunternden Takte eines flotten Walzers an, den Emmy Richard Tradowsky ver sprechen hatte. Sie wurde blaß vor Erregung, als sie den jungen Mann auf ihren Platz zuschreiten sah. Das ist der Tradowsky -sagte Herr Karlsen zu Georg, ich kenne ihn vom Turnverein her. Ein schneidiges Kerlchen!" Nein, wie Smmy's Herz klvpfte. Mein Name ist Tradowsky. Gestatten gnädige Frau? Gnädiges Fräulein haben mir den Walzer versprechen. Darf ich bitten?" Ach. was war das für ein Tanz! Emmy fühlte keinen Boden vor seligem Hinschweben, kam aber zweimal aus dem Takt aus demselben Grund. Sie wollte die Augen nicht aufschlagen und schlug sie doch auf. als sie'seinen Blick jühlte. Wie verwirrte sie dieser Blick.

War es nicht gerade, als ob er sagte: Ich liebe Dich?!" ? Aber in Worten sagte es Richard Tradowsky nicht. Und der Tanz ging Vorbei, ohne daß sich etwas ereignete, und ohne daß Emmy den Muth fand, ihm Vorwürfe zu machen wegen feiner siebentägigen Abwesenheit, wie sie sich doch vorgenommen hatte. DaS Herz klopfte ihr zum Ersticken, sie zitterte vor seliger Erregung, aber Worte fand sie nicht. So kamen sie wieder am Tisch an. und Herr Karlsen sagte: Na.Tradowsky, man kann ja gratuliren." Richard Tradowsky lachte, sah die beiden älteren Damen mit seinen wundervollen Augen ebenso sehnsüchtig und bittend an, wie sonst Emmy und nickte selbstbewußt. Was ist es denn?" frug FrauLüdke mit wohlwollendem Interesse. Ein Junge, gnädige Frau. '..Ach. das ist schön. Wie heißt er denn?" Otto. Der Vater meiner Frau heißt auch so." Und die junge Frau? Ist sie wieder wohl?" Richard Tradowsky verbeugte sich dankend. Jawohl, sie ist wieder ziemlich munter. Ich wollte sie durchaus nicht allein lassen, aber sie meinte, ich solle nur gehen, sie hätte jetzt ihren Jungen. Ja. ja. die Frauen sind un dankbar." Frau Horst und Frau Lüdke lächelten geschmeichelt, Richard Tradochsky verbeugte sich vor ihnen, verbeugte sich auch vor Emmy und Georg, drückte Karlsen die Hand und zog sich zurück. Donnerwetter, hat der ein Paar unverschämt schöne Augen!" sagte Georg Lüdke, und seine Mutter setzte hinzu: O. er ist aber auch sonst ein netter Mensch." Emmy biß die kleinen weißen Zähne aufeinander und kämpfte einen Riesen kämpf gegen die immer wieder emporsteigenden Thränen. O. welche Schande! Welche Lächerlichkeit! Welche Dummheit! Er war verheirathet und hatte einen Jungen! Er hatte sie nie sehnsuchtsvoll ange-

schaut, es lag auch keine flehende Bitte um Liebe in seinen Augen! Er schaute alle Leute so an, nur waren diese nicht so dumm wie sie. Und jetzt überkam Emmy ein wilder Zorn gegen diese Augen. Ach. wenn sie sie ihm nur hätte ausreißen dürfen. Diese Glasaugen, die alle Leute mit demselben Ausdruck anglotzten! Ja. Emmy dachte wirklich: anglotzten". Es war nicht schön von ihr, aber es that ihr wohl, und sie wiederholte es sich dreimal. Es erleichterte sie. Sie lachte sogar darüber, ein schrilles, unmelodisches Lachen, daß Alle sie erstaunt ansahen, und sie - aufspringen mußte, um den forschenden Blicken zu entgehen. Sie wollte davon eilen, am liebsten in's Wasser, aber Georg Lüdke folgte ihr und bot ihr seinen Arm. Der arme Georg befand sich in keiner viel besseren Stimmung, als Emmy. Er hatte sich nun einmal vorgenommen, heute sein Schicksal zur Entscheidung zu bringen. Und schwebte in einer Höllenangst, daß es zum Schlimmen ausfallen würde. Denn Emmy hatte ihn in letzter Zeit entschieden links liegen lassen. Und cr liebte sie doch so sehr, das launische süße Ding. Bei dieser Sachlage war es kein Wunder, daß Georg Lüdke nach einer unpassend hastig abgemachten Promenade durch den Saal wieder in das Blattpflanzenkabinet lenkte und Emmy auf demselben ve?steckten Runddivan Platz nehmen ließ, wie vor einer Stunde. Bor einer Stunde! Ob Emmy daran dachte, daß während dieserStunde der erste süße Liebestraum ihres jungen Herzens zerstört wurde. Daß eine Illusion, die sie sich selbst geschaffen, dahii war für immer? Sie saß gerade aufgerichtet auf den schwellenden Polstern, sah starr vor sich hin und drehte krampfhaft ihrSpitzcntüchlein zwischen den Fingern. Emmy." begann Georg Lüdke. mit Todesverachtung den vorhin abgcrissenen Faden wieder anknüpfend. Keine Antwort; aber bei dem sanften Klänge seiner Stimme öffneten sich Emmy'S Augen noch weiter, und die Finger drehten aus dem Spitzentuch einen richtigen Strick. Emmy. ich habe Sie vorhin etwas gefragt. Wollen Sie mir keine Antwort geben? Aber Emmy. was ist Ihnen denn? Emmy! Emmychen! Süßes Mädchen! Mein Gott, was soll ich nur thun?" Herr Georg Lüdke beantwortete sich seine Frage sofort durch die That in 'der ausgiebigsten Weise. Er nahm die krampfhaft weinende Emmy in seine Arme und küßte sie im ersten Schreck. Und küßte und küßte, als wäre dies das einzige Mittel gegen Weinkrämpfe. Als Emmy ausgeweint hatte und sich die Augen trocknete, indem sie auf ihr Tüchlein hauchte und dies darauf drückte, merkte sie, daß sie verlobt war. Georg legte einfach den Arm um sie und sagte in der ahnungslosen Einbildung heftig Liebender: Das sollen die ersten und letzten Thränen gewesen sein, mein Lieb, die Du meinetwegen vergossen hast. Du wirst sehen, ich trage Dich auf Händen, denn Du bist jetzt mein Alles." Er schaute sie dabei mit seinen kleinen Aeuglein so zärtlich und fürsorglich an, daß Emmy ein Gefühl des Geborgenseins überkam, und ihre Hand fich freiwillig in die seine schob. Emmy wurde eine glückliche Braut, und eine noch glücklichere Gattin. Sie liebte ihren Ma:n zärtlich und lachte manchmal heimlich über ihre erste Herzensverirrung. Und noch in einem anderen Punkt hat sie ihre Ansicht gründlich geändert. Sie plaidirt jetzt sür weibliche Schaltcrbeamte.

Zopsritter.

Der Zopf stammt nicht erst aus den? Vorigen Jahrhundert, in welchem kleiner ganzen Zeitperiode seinen Namen verlieh schon viel früher gab esmännliche Zöpfe, die sich aber von' den späteren dadurch unterscheiden, daß it nicht allgemein Mo.de waren, sondern Nur von einer bestimmten Anzahl Männer, von den Angehörigen einer bestimmten Gesellschaftsklasse als Abzeichen getragen wurden. Im 14. Jahrhundert ward von sdem Herzog Albrecht dem Dritten von Oesterreich, der von 1365 bis 1395 regierte und den Bnamen mit dem Zopfe" trägt eine ritterliche Gesellschaft gegründet, deren Mitglieder als Ordensabzeicherr einen hinten im Genick hängenden Zopf trugen; derselbe befand sich m einer Hülle, die, ivenn die Ordensangehörigen bürgerliche Tracht trugen, aus Stoff, theilweise mit Metall beschlagen, bestanid, während sie ganz aus Metall gefertigt war, wenn die Ritter in Rüstung erschienen. Aus alten Wandgemälden des 5Uosters Königsfelden in der Schweiz, auf alten Glasgemälden und in alten Handschriften finden sich Zopfritter mit ihrem Abzeichen dargestellt; in Original hat sich eine Kopfhülle dieses Ordens nicht erhalten. Ueber die eigentliche Bedeutung deZ Zopses als Ordensabze'rchen gehen !)ie Ansichten auseinander. Nach einer Nachricht soll eine schöne Dame sich ihres Haarschmuckes beraubt und ihn dem Herzog gegeben haben; von an--deren wird behauptet, daß der Herzog selbst sich sein Haar zu einem Zopfe haben wachsen und flechten lassen; nach 'einer dritten Darstellung soll er, als er aus dem gelobten Lande heimkam, -seine Gemahlin Beatrix, Tochter des Burggrafen von Nürnberg, in ihrer Kemenate überrascht und ihr, ehe sie sich dessen versah, den Zopf abgeschnitten haben. Im Jahre 1377 un'ternahm der Herzog eine Preußenfahrt, auf welcher er sich die Ritterwurde erwarb. Mit diesem Zuge und dem erhaltenen Ritterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft vielleicht in Zusammenhang stehen. Biele Mitglieder der Gesellschaft sind mit Erzherzog Leopold von Oesterreich 1386in der Schlacht bei Sempach gefallen und zusammen im Kloster Königsfelden begraben worden. Lange hat der Orden wohl nicht geblüht, ckenn die Nachrichten über ihn fließen im 15. Jahrhundert spärlicher als im vorhergehenden. . Zu Anfang des 17. Jahrhunderts findet man auf Bildnissen vor Fürsten und Herren aus dieser Zeit die Köpfe mit einem kleinen Zöpfchen versehen, das, aus den natürlichen Haaren ge flochten, vor dem linken Ohre von den Schläfen etwa bis zum Halse herabhing. Es ward am Ende durch ein Jc?oene Schleifchen, manchmal auch mit Perlen und Juwelen, Andenken ihrer Damen (Faveurs), geziert. Es ist dieser Zopf vielleicht ebenfalls ein Gesellschaftsabzeichen, da er nur bei hohen Herren, allerdings auch bei den Gigerln jener Zeit, den Alamodeherren, vorkommt, während er, wenn er Mode gewesen wäre, sicher recht bald in alle Kreise Eingang gefunden hätte w dies dann im 18Jahrhundert geschah. Jetzt soll es Männer mit Zöpfen nicht mehr geben; mit sichtbaren Wohl sicher nicht, aber diejenigen, die nicht gesehen, sondern nur empfunden werden, dürften wohl kaum jemals alle werden. Lom Bnss'ln. Der Mirzl ihr Schuster kriagt jedes Mal a' Muath. Wann da Hans'l dös Dirnd'l so abbusseln tbuat. !G?h'", sagt s' zu ihr hoamli'. döS steht Dir fei schlecht Dös Busseln de ganz' Zeit!.... ül'vc kagm' Oaner recht!" ' Und V Mirzl verzählts wieder am andern Tag An' Hans'l. daß d' Traud'l dös Busseln net m. Und der sagt zur Traud'l: Is '5 wahr, hast Du sagt Zur Mirzl. daß Du halt dös Busseln net magst?" .O mei." sagt d'räuf d' Traud'l unv seufzt: So a' G'red'! s Busseln mag i' g'rad scho' aber '5 Zuaschaug'n halt net!" Byron soll einmal gesagt haben: Ich weiß nur einen Mcnschen. der glücklich gewesen, und das war' Beaumarchais, der Verfasser des Figaro. Vor seinem 30. Jahre hatte er schon zwei Weiber begraben und drei Prozesse gewonnen!" Abwarten. Ich habe saqeu hören. Fräulein Emma, daß ein Kufc ohne Liebe .schmeckt, wie ein Ei ohne Salz." Ich weiß nicht. Davon kann ich nicht mitreden. Ich hab' in meinem ganzen Leben noch nicht" Na, na, Fräulein Grnrna!" ....kein Ei ohne Salz gegessen!" Kindermund. Mutter t Du mußt immer hübsch artig sein Fritzchen, sonst grämt sich die Mama, daß sie krank wird und sich ins Bett !?gen muß. Dann stirbt sie, kommtauf den Kirchhof und wird begraben." Fritzchen: Ach, Muddi. und wenn wir dann nach dem Kirchhof fahren, dann darf ich doch beim Kutscher auf dem Bock sitzen, nicht wahr?" Ueberboten. Erste: Backfisch: In der ersten Klasse werden wirjetzt Sie" genannt und in der Selekta. Fräulein". Zweiter Vackfischr Das ist gar nichts gegen unsere Schule; - wir werden in der zweiten Klasse Sie" genannt, in der ersten .Fräulein", und in der Selekta nen.

nen wir die Lehr:r .Du".

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