Indiana Tribüne, Volume 17, Number 130, Indianapolis, Marion County, 28 January 1894 — Page 2

Japanische QZdee.

Giner Schilderung des japanischen Vadelebcns begegnen wir in dem im längst erschienenen Buche: Wanderungen durch Japan, von Ottfried Nippold. der mehrere Jahre als Lehrer der Nech!sn?issenschaft an der Akademie zu Tokio gewirkt hat. Nippold gibt zunächst einen anziehenden Bericht über seine Lebensweise in dem reizenden Badeorte Schimobara. Es heißt da rin : Um 6 Uhr wird aufgestanden und gleich in das heiße Bad von über ca. 100 Grad ??ahrenheit gesüegen. Darauf folgen Ueöergießungen mit möalichft kältern Waffer. In dieser Weise badet man in Japan unverän dert Sommer und Winter. Man friert im Winter nur vor. nicht nach dem Bade; man kann sich nach demselben bei der größten Kälte mit eiskaltem Wasser übergießen. Im Som?ner kommt es einem umgekehrt nach t'CM heißen aber viel kühler vor, und das kalte Wasser wirkt nach dem heif;;n auch viel erfrischender. Der intcressanteste aller japanischen Badeorte ist Kusatsu, wohin jährlich Tausende von Japanern im Vertrauen auf die Heilkraft der heißen, stark schwefelfaltigen Quellen ziehen. Die meisten Quellen besiden eine Temperatur bis 311 1-50 Grad Fahrenheit und darüber. ixn solchem kochenden Wasser zu baden ist eine der größten Qualen. Bei diesen Quellen fehlt selbst den Japanern oft der Muth, und nur mit Widerstrebcn suchen sich die armen Patienten dem ärztlichen Befehl. Nippold erzählt in anschaulicher Weise über den eraM bei dem Baden: Um 5 Uhr wird im Dorf geläutet, und auf die ses Zeichen hin begeben sich alle Diescniqen. die vom Arzte zum Gebrauch der gan', beiden Quellen derurtheilt ?ind. nach der Badsstelle. In dem geräumigen Badehause ist bereits eine zroZze Anzahl von Personen versammelt. die ihre Vorbereitungen zudem Vade treffen. Eine Anzahl steht um das mit dem kochenden Wasser gefüllte Bassin herum. Jeder hat ein örett in der Hand. Alle bewegen dieses Brett tactmäßig, indem sie es einhauchen und damit das Wasser von 'unten herauf in die Höh: wühlen. Nachdem dies ctroa zehn Minuten gedauert hat, nähern sich die Badenden ;beni Rande des Bassins, kauern dort "nieder und beginnen sich den 'Kopf mit -dem heißen Wasser zu begießen. Eiziiae der Labenden wickeln etwas Lin'.neu um besonders empfindliche Stellen jdes Körpers. Jetzt naht der Augenblick zum Einsteigen in das heiße Element. Vielen fehlt der Muth dazu. .Es sind im Ganzen vielleicht 50 Perjsonen versammelt, von denen die mei flen die Sache sicherlich schon mehrMals mitgemacht baben. Trotzdem isällt ihnen der Entschluß jedes Mal ;schwer. Um ihnen denselben zu er--leichtern, geschieht das Baden, das Hinein- und Hinaussteigen, nach dem Kommando eines Bademeisters. 'Jetzt !qibt derselbe das Zeichen zum Einsteiaen. Die armen Opfer beantworten dasselbe im Chorus und machen 'sich an das Geschäft. Sie gehen daBei äußerst behutsam und langsam jvor, um das Wasser ja nicht mehr, als 'durchaus nöthig, zu bewegen, da es .sonst noch mehr brennt. Zoll für Zoll verschwinden die Kiirper; endlich sind sie bis an den Hals im Wasser. Reaunaslos bleibende Alle kauern, 'kaum dan Einer mit öen Augen Zwin,Uü. Um die Zeit etwas zu vertrei.ben. verkündet der Jademeister jedes 'Mal. wenn eine Minute vorbei ist. it r i - -! c nri t. . . .?oZoeni icneini ote Jeir ccn aoenren eine irwigieu zu Dauern. Im Chor wiederholt jedes Mal Vic ganze Ccbaar die Worte des Bademeisters, ,ttz übrigens auch im Msasser sitzt, offenbar um zu beweisen, day dasselbe nichts schadet. Noch zwei Minuten!" ruft er. und Noch zwei Minuterir" wiederholt der ganze Chor. Nr cme Minute!" ertönt es von beiden Seiten, und diesmal schon be deutend freudiger. Und jetzt erfolgt das Zeichen, daß die Zeit um ist. Mit eine? Hast, die nach der vorherigen Langsamkeit doppelt auffallen mun. entfliegt die ganze Gesellschaft der ei&en Flüssigkeit. Alle athmen freu dig auf, dan die Sache einmal wieder überstanden ist; bis zum folgenden Tage '5aben sie Ruhe. Es bedarf in der Tmi eines kräftigen Vertrauens auf die heilsame Wirkung, um sich Tag für Tag dieser schrecklichen Tor tur auszusetzen. . 23 Gericht. Nichter: Sind Sie vnbeirathet ? Angeklagte : Nein ! Richte? : Verlobt ? Angeklagte : Ich weiß nicht ! Nichter: Was heißt das? Erklären Sie sich deutlicher ! Angeklagte: 'Na, mein Bräutigam hat gesagt, wenn ich blos drei Monate kriege, dann nimmt er rnich, wenn ich aber mehr rxiege, dann 'kann er nicht länger warten. Da weiß ich doch nun nicht,. ob ich verlobt bin oder nicht ! Bedenkliche Wendung. Verherdiaer: Meine Huren Geschwo renen, hätte sich Ihnen eine so günstige Mlezenheit geooi?, wie meinem Ehen kn, sie 'hatten auch gestohlen! .Unverbesserlich. Gatt Immerzu Putz und weiter nichts all Putz, dazu verlangst Du fast täglich Gelo. Erst neulich WlHte ich Dir ein, Sammeriacket kaufen; haft Du fcerot gar keine Sinn- für Höheres?" Gattin: ,0 doch, Mäunchen . ei rxvtx Hui wäre mir ebenfalls Willkomm men," - Schlau. Herr (zum Gepäck träger): Waö bekommen Sie den 5 Gepöckträgn: Das kommt ganz, auf Sie an, mein Herr ; das gewöhnliche SplZ gibt nix immer 30 Psen, VW1 ....x

2 ab Jubiläum. Clizze von JuliuA Weil.

Er schläft noch !" sagte der Mei ster, nachdem er einen Augenblick auf den Flur hinausgehorcht hatte und wieder m die Stube zurückgetreten war. Am.6r-.de hat er ganz derschlafen, was heute für ein Tag ist ?" Die Meisterin, welche gerade dabei war, über den etwas zerbrechlichen Tisch eine weiße Decke zu breiten, erwiderte : Er hat dich heut noch nicht klappern hören, drum schläst er noch. Wie siehst du denn aus ?" fuhr sie. sich zu ihrem Gatten wendend, fort. Wilhelm, Wilhelm, wie du aber auch bist." Was ist den:? V fragte der Meister verblüfft und sah auf seinen langen Sonntagsrok herunter, der mit Mühe über eine wunderschöne Weste von verschlissenem Atlas geknöpft war und freilich eine Menge verdrießlicher Falten schlug. Wie du wieder den Rock zugemacht hast !" sagte sie. Das unterste zu oöerst. Halte mal !" , Nicht ohne Anstrengung brachte sie die ungewöhnlich großen Knöpfe auZ den Knopflöchern, zog den Rock energisch um die dürftigen Schultern des geduldigen Mannes, rückte die langen Schöße zurecht und lnöpfte ihn von neuem regelrecht zu, während der Meister mit ängstlich emporgerecktem Halse eine Berührung mit den flatternden Bändern der Staatshaube zu vermeiden suchte, die etwas lose aus dem Kopfe der Meisterin saß und deren leb hafte Bewegungen getreulich mitmachte. Endlich saß der widerspenstige Rock, wie er sitzen sollte, und die Meisterin wollte eben zu der unterbrochenen Arbeit zurückkehren, als die Thür stürmisch aufgerissen wurde, und ein langaufaeschoffener Junge mit den Worten : Er M uff ! Nu jiebts aber Kaffee, Mutter !" in die Stube trat. Kannst du'3 denn nicht erwarten. Nimmersatt !" tadelte ihn der Meister. während die Meisterin aufgeregt in die anstoßende Küch: eilte und dort geräuschvoll mit Geschirr Herumhantirte. Nach einigen Augenblicken brachte sie mit großer Vorsicht Kanne und lassen auf einem kolossalen Tablett herein, das mit einer Blumenguirlande umrahmt war, und auf dessen einer Seite aus weißen Blüthen kunstvoll zusammengesetzt eine mächtige Fünfzig prangte. Behutsam setzte sie es auf den gedeckten Tisch, kehrte wieder in die Küche zurück und holte einen Riesennapfkuchen. der seinen Platz zu Häupten der festlichen Zahl erhielt. Meister und Bursche traten mit andachtsvollem Staunen an den geschmückten Tisch heran, und der letztere sog gierig den süßen Duft des Kuchens ein. den er mit den Augen zu verschlingen drohte. Nun gesellte sich auch die Meisterin zu ihnen und blickte schmunzelnd auf das wohlgelungene Werk. Das hast du gut gemacht, Mutter!" rief der Meister, sich vergnügt die Hände reibend. Aber er wird auch seine Freude dran haben !" Besonders an dem Nappkuchen!" fügte der Junge hinzu ; aber der Meister erwiderte : Wenn er s? aufs Essen wär' wie du ! Die Jirlande wird ihn am meisten freuen und die schöne Zahl drauf. Na. 's ist aber auch keine Kleinigkeit : fünfzig Jahr im Amt ! Wie der Mensch das aushalten kann, fünfzig Jahre einen Tag wie alle Tage zu schreiben und immerfort zu schreiben ! Tu, Kinder, da lob' ich mir doch mein: Schusterei, da gibts doch wenigstens Abwechslung : heute ein Paar lanzschäftige, morgen ein Paar Halbschuhe, rindslederne und kalbslederne, große und kleine, aber so ein Schreiber nee, der möcht ich nicht sein !" Es wird dabei wohl auch nicht alle3 über einen Leisten gehen, WilHelm!" meinte die Meisterin. An einen schreibt man so und an den andern so ; und die Hauptsache ist : man hat sein Brot dabei !" Da hast du recht. Mutter !" gab der Mann nach, und gemacht muß die Arbeit auch werden. Na, sie werden 's ihm aber auch heute gedenken, wie sich's gehört." Meinst du. Wilhelm ?" Nu freilich, 's ist doch ein Jubiläum, und da gibts immer was. Ich hab' mit dem Gerichtsdiener gesprochen, der meint : 'ne Ehrenbezeigung kriegt er bestimmt, er wüßte blos noch nicht, was für eine, am Ende einen Orden." 'nen Orden ? Ach, was sie so vorne auf der Brust tragen ?" Jawohl, und der König selber schickt ihn ein." Ick weeß schon." mischte sich der Junge ins Gespräch, 'ne Rettungsmedaille '!" Dummer Junge !" brauste der Meister auf. Hat er denn emen auS dem Waffer gezogen ?" Die Meisterin aber legte begütigend ihre Hand auf seine Schulter und sagte : Verdient hätte er sie darum doch, Wilhelm ! Hat er uns nicht einmal vom Schlimmsten gerettet ? Weißt du noch, wie er vor zwanzig Jahren bei uns eingezogen ist ? Da ging's uns gottsjämmerlich schlecht. Wilhelm, ich Irans, du monatelang ohne Arbeit, und da hat er uns seine sauer ersparten Groschen hergegeben auf Treu und Glauben, daß wir uns wieder in die Höhe bringen konnten. Und auch nachher wie unsere Guste gestorben war und du so melancholisch im Kopfe wurdest, Wilhelm, daß wir glaubten, du würdest nicht mehr aufkommen, wer hat unS da wieder aus der Noth geholfen mit Rath 'und That ? Zehnmal hat er die Rettungsmedaille um uns verdient, Wilhelm !"

Ja." pflichtete der Meister bei, un-

ter dessen Augen es verrätherisch zuckte. verdient hat er sie zehnmal. In Leid und Freud hat er uns beigestanden, sein Letztes hat er für uns hergegeben bloß dafür, daß wir ihm sein bißcyen Sachen in Ordnung gehalten und ihn gepflegt haben, wenn er krank war. Das hätt' jedeZ gethan für so einen braven, ordentlichen Miether, wie der ist. Aber er soll auch sehen, wie wir's ihm danken ! Heute ist Feiertag, und Nachmittags wird in den Park gegangen, da, muß er unser Gast sein." Un Mutter muß den Kuchen mitnehmen, un seinen Jubiläumsorden muß sie ihm oocb anheften !" ergänzte der Junge voll (lfer. Der Meister schüttelte den Kopf. Ich will euch was sagen," versetzte er, geheimnißvoll seine Stimme dämpsend. An den Orden glaub Ich nicht. Er kriegt ganz was anderes was Höheres r Was meinst du denn ?" fragte die Meisterin gespannt. Ich habe neulich g:hört, 's war ein Zlanzlist abgegangen, der war erst vierzig Jahre dabei und hat einen schönen Titel gekriegt, wie er abgegangen ist." Einen Titel ? Warum nicht gar?" Jawohl ! Selkertär ist er geworden." Sekkcrtär !" rief die Meisterin und schlug vor Erstaunen die Hände zusammen. So wie unten der Herr Schmidt im ersten Stock ?" Ja, ja, Mutter !" betheuerte der Meister. Du kannst mir's glauben. Paß auf, er wird's !" In diesem Augenblick klopfte es an die Thür. Die drei Leutchen in der Stube schraken zusammen, denn sie glaubten, der Jubilar melde sich an. ös war aber nur der Briefträger, der einen guten Morgen bot und einen Brief von amtlichem Format mit den Worten hinreichte : Für Herrn Kanzlist Gutschke. Portopflichtige Dienstsache. Kostet zehn Pfennig Porto." Mit vor Aufregung zitternden Händen erlegte der Meister den verlangten Betrag, während die Frau mit dem Zipfel der sauberen Schürze den Brief erfaßte und auf den Tisch dicht neben den Festkuchen legte. Als der Postbote sich mit freundlichem Gruße entfernt hatte, machte der Meister einen Freudensprung nach dem Schusterschemel hin, ergriff den dort liegenden Hammer und schwang ihn triumphirend um sein kahles Haupt. Hurrah !" rief er. Es lebe unser Sekkertär !" Hoch ! hoch !" fiel der Junge ein. Nu kann ick mir doch zwee Stücke Kuchen nehmen, Vater ?" Meinetwegen drei !" lachte der Meister seelenvergnügt, faßte seine Frau um die volle Taille und schwenkte sie ein paarmal durch die Stube, daß sie schwindlig wurde und athemlos hervorstieß : Wilhelm ! Wilhelm ! Bist du denn närr'sch geworden ?" Aber auch sie strahlte übers ganze Gesicht, und als der Meiste? sie losließ und auf den Brief zeigend ausrief : Nu. Mutter, wer hat jetzt recht?" erwiderte sie : Wer hätte das gedacht? Sekkertär!" Scht! Stille!" rief da der Junge, und alle horchten auf. Draußen im Flur ließen sich schlurfende Schritte vernehmen, die sich der Stube näherten. Dann wurde ein trockenes Hüsteln laut, und endlich klopfte es. Herein !" riefen drei Stimmen zugleich. Nun öffnete sich die Thür, und auf der Schwelle zeigte sich ein spindeldürres Männchen mit einem blassru, faltigen Gesicht, in dem ein Läch.ln demüthiAer Bescheidenheit jedermann um Verzeihung zu bitten schien, daß derTräger desselben zu ezistiren wagte. Spärliche graue Haarsträhnen waren sorgfältig in d flache Stirn vorgekämmt, von der eine unverhältnißmäbig große Rase steil hinunterlief ; von dem übrigen Gesicht war nicht viel zu erkennen, denn ein Paar altmodische Vatermörder, die aus einem mehrfach gewundenen, schwarzseidenen Halstuche auftauchten, verbargen Kinn und Wangen fast voständig. Der hagere Körper stak in einem ehemals schwarzen, jetzt aber besonders an den Nähten stark ergrauten Röckchen, das frllher vielleicht recht bequem gesessen haben mochte, im Laufe der Jahrzehnte aber ein wenig eng geworden war unv namentlich den Armen mit den über großen Händen nur zum Theil Unterkunft zu gewähren vermochte. Gleichfarbene Beinkleider, die den blendend blank geputzten Stiefeln ausreichende Gelegenheit boten, sich in ihrem ganzen Umfange zu entfalten, vollendeten die Festgewandung des Jubilars. Dieser zog leise die Thür hinter sich zu und trat mit einem lächelnden : Guten Morgen, Herr Krause ! Guten Morgen, Frau Krause ! Guten Morgen, lieber Karl !" in die Stube. Wenn in dem Meister einen Augenblick die Besorgniß aufgestiegen war, sein Miether könnte die festliche Bedeutung des Tages vergessen haben. so war diese Furcht vollkommen grundlos. Seit Jahren spielte dieser Tag in der Gedankenwelt des alten Kanzlisien die gleiche Rolle, wie ein langst vorher berechnetes HimmelsPhänomen in den Köpfen der Astronomen, und seine Phantasie beschäftigte sich unablässig mit den wunderbaren Überraschungen, die er ihm bringen wurde. Seine amtliche Laufbahn glich nur allzusehr einem Wege durch ödes, unwirthliches Land ohne Wechsel und Reiz, ohne den kleinsten Genuß für Seele und Leib ; aber am Ziele dieses Weges spiegelte ihm seine Embildung einen heiteren Tempel vor, den dankbare Anerkennung aufgerichtet und in dem er ausruhen würde von den Mühen seiner Wanderung. Was cr am Beginn gewesen war : ein

Lohnschreiöer, dem jeden Tag die dürftige Stelle gekündigt werden konnte, er

war es heute noch, der knappe Lohn reichte eben nur hin, um nothdürftig das Leben damit zu fristen, und nu: den guten Wirtysleuten, die ihm für ein Geringes Pflege und Wohnung gewahrten, hatte er es zu danken, daß er sich eine kleineSumme für die Jahre des Alters und der Noth zurücklegen konnte ; aber am heutigen Tage, dessen war er sicher, würde er die Früchte seiner Arbeit und Ncchtschaffenhett ernten, heute würde er entschädigt werden für alles, was ihm das Leben an Glück und Gaben vorenthalten hatte. Mit solchen Hofsnungen hatte er die Sonne des Jubeltages begrüßt, und er fühlte sich hinlänglich stark, auch die ausschweifendsten Huldigungen mit würdiaer Fassung über sich ergehen zu lassen. Daß sich in der Familie Krause große Dinge vorbereiteten, hatte er längst geahnt, aber als er nun die Mitglieder derselben im Sonntagsstaate versammelt sah, und der appetitliche Geruch des Festkuchens seine empfängliche Nase kitzelte, beschlich ihn doch ein seltsam wonniges Gefühl, und im Tone wirklicher Ueberraschung rief er mit einem Blick auf den geschmückten Frühstückstisch : Aber was ist denn das ?" Run trat der Meister an den Jubilar heran. An seiner feierlichen Haltung und an der Rührung, die um seine Mundwinkel spielte, merkte man, daß er eine Ansprache halten wollte. Nachdem er sich mehreremale geräuspert hatte, begann er : Geehrte? Herr Sek " aber in demselbenAugenblick schlug er sich mit der Hand auf den indiskreten Mund, der nahe daran gewesen war, ein Geheimniß vorzeitig auszuplaudern. Nicht doch nicht doch !" stammelte er, ich wollte hm Er gluckste und schluckte und konnte den verlorenen Faden nicht finden. Da machte die Meisterin feiner Pein ein Ende ; ihn sanft beiseite schiebend, reichte sie dem alten Schreiber die Hand und sagte : Na, wir gratuliren Ihnen auch viel, viel tausendmal, Herr Gutsche " Und wünschen Ihnen," fiel der Meister, der sich inzwischen gefaßt hatte, ein, das; Sie diesen schönen Tag noch recht oft erleben mögen." Und vor allen Dingen," ergänzte die Meisterin, sollen Sie immer gesund und zufrieden sein !" Ja," nahm der Meister wieder das Wort, indem er sich dem Tische näherte und seine Hand nach dem Briefe ausstreckte, und eine große Ueoerraschung haben wir auch für Sie, HerrGutsche!" Die Meisterin kam ihm jedoch zuvor ; den Brief ergreifend und resolut in ihre Kleidertasche steckend, rief sie : Halt ! Erst wird gefrühstückt, es ist Zeit 1 Jawoll," stimmte der Junge eifrig ein, erst wird jefriestickt !" Schnell nahm die Meisterin die Kanne vom Tablett und ging damit, während der alte Kanzlist über und über gerührt die schöne Guirlande mit der weißblüthenen Zahl Fünfzig bewunderte, in die Küche, aus der sie alsbald mit dem dampfenden Trank zurückkehrte. Dann rückte sie den Riesennapfkuchen an ihren Platz heran, senkte das Messer tief in feinen schneeweißen Leib und zerlegte ihn in Blöcke von erhabener Mächtigkeit, welche das schmatzende Entzücken des hungrigen Jungen erregten. Auch in den Männern machte sich angesichts dieser Köstlichkeiten trotz der Feierlichkeit des Augenblicks ein gesegneter Frühhunqer geltend, und als die Meisterin .die Tassen gefüllt, und jeglicher seinen Kuchentheil vor sich hatte, hob ein kräftiges Schmausen und Trinken an, und keiner sprach ein Wort. Nach einer Weile aber, da die Kanne geleert und in den Kuchen eine gehörige Bresche gelegt war, begann der Meister : Nu, Mutter, rück 'mal heraus mit dem Brief !" Vorsichtig ward das inhaltreiche Dokument aus der Tiefe der Tasche hervorgeholt, und die Hand des Kanzlisten zitterte, als er es in Empfang nahm und an dieetwas kurzsichtigen Augen hielt. Eine leichte Nöthe verbreitete sich über sein Gesicht, und das Herz klopfte ihm vor freudiger Erwartung. Doch bevor er das Schreiben, das ihm den lang ausgebliebenen Lohn seiner Treue bringen sollte, öffnete, sagte er, zu dem Meister gewandt : Sie haben zehn Pfennig Porto verauslagt, Herr Krause ?" Lassen Sie das nur !" erwiderte der Meister ungeduldig. Erst aufmachen !" Nun erst entschloß cr sich, den Brief unter thunlichster Schonung des amtlichen Siegelabdruckes zu erbrechen, langsam faltete er ihn auseinander und las ihn und dann sank er fast ohnmächtig in den Stuhl zurück. . Gekündigt !" flüsterte er. Vom Schreck gelähmt, saß die Familie da. Der Meister wollte etwas sagen, aber er brachte nichts heraus, mit offenem Munde starrte er den unglücklichen Kanzlisten an, der völlig geKrochen mit verzweifelten Blicken vor sich hinbrütete. Endlich faßte er nach dem auf den Tisch zurückgefallenen Brief, holte zitternd seine Brille aus der Rocktasche und begann den Inhalt des Schreibens zu entziffern. Es währte einige Minuten, ehe er damit zu Ende kam. Da stand es mit unbarmherziger Deutlichkeit : Gekündigt zum ersten des nächsten Quartals wegen überzähliger Schreibkräfte ! Dem Meister gab es einen Stich in's Herz. Es war ihm zu Muthe, als wäre er selber der arme Kanzlist, der i plötzlich lim sein Brot gekommen war. Die Buchstaben tanzten, vor seinen

Augen, und er merkte, daß darin etwas vorging. Aber er durfte jetzt nicht weich werden und zu flennen anfangen, er hatte Wichtigeres zu thun. Hastig legte er den Brief zusammen, nahm die Brllle ab, und indem er seiner Frau, deren Blicke mit ängstlichem Ausdruck aus ihn gerichtet waren, zunickte, wobei er wiederholt mit den Augen zwinkerte, als handelte es sich um eine geHeime Verabredung,. faßte er den tröstlosen Alten fanft bei der Schulter und sagte : Aber, Herr Gutsche, lieber Herr Gutsche, nehmen Sie sich das doch nicht so zu Herzen !" Der alteKanzlist schrak empor, strich sich mehreremal gedankenlos über die kahle Stirn und antwortete : Entschuldigen Sie, Herr Krause, aber ich ich " Und das demüthige Lächeln, das in den Augenblicken seelischer Erregung aus seinem Gesicht verschwunden war, kehrte wieder dah: zurück. Sehen Sie, Herr Gutsche," versetzte derMeister eindringlich, einmal mußte es ja doch geschehen, und sehen Sie " Aber gerade jetzt, nach fünfzig Jahren gekündigt !" erwiderte der Alte leise, und ein schmerzliches Aufathmen bealeitete diese traurigen Worte. Gerade jetzt !" rief der Meister und schlug mit der Faust aus den Kaffeetisch, als wollte er sich selber Muth machen. Ich hab' mir's auch gleich gedacht !" Sie haben es geahnt, Herr Krause V Freilich, wie der Brief ankam, wußt' ich's gleich !" . Aber, ' Vater !" warf hier der Junge, über solche Doppelzüngigkeit entrüstet, ein ; die Meisterin aber, die ihres wackeren Mannes Diplomatie durchschaute, puffte ihn ermunternd in

die Seite, daß er schmerzlich aufkreischte. Freilich hab' ich's gewußt, Herr Gutsche," wiederholte der Meister, indem er wie begütigend seinen Arm um den Stuhl des Kanzlisten legte und ihm zutraulich in's Gestcht nickte. Ich arbeite doch für den Herrn Rath, wissen Sie, erst neulich hab' ich ihm ein Paar Doppelsohlige gemacht, feinstes Roßleder. ein Staat, sag' ich Ihnen ! Nu sehen Sie, da hört man so mancherlei, und da dacht' ich mir gleich : Heute wird's kommen !" Und Sie haben mir nichts davon gesagt ? O !" stöhnte der Kanzlist und versuchte, seinem Gesicht einen vorwurfsvollen Ausdruck zu geben. Ach, Herr Gutsche, es war mir ganz recht so." Der Alte sah ihn erstaunt an. Jawohl, Herr Gutsche ! Sehen Sie, fünfzig Jahre ist keine Kleinigkeit ; wenn man die herunter gearbeitet hat, dann hat man genug, und der Jüngste sind Sie auch nicht mehr, Herr Gutsche, und das Geschreibe und Gehocke kann doch nicht ewig gehen, und was ich noch sagen wollte " Seine Argumente drohten auszugehen, und es war hohe Zeit, daß ihm die Meisterin zu Hilfe kam. Krause hat ganz recht," sagte sie, indem sie ihren Stuhl dicht an den des Jubilars heranrückte und wie zum Nedekampfe ihre Arme umfänglich auf dem Tisch ausbreitete. Ganz recht hat er, und ich freue mich drüber, daß es so gekommen ist. Was sollen Sie denn mit einem Orden oder gar Til'l machen ? Du meine Güte, wer denn darauf noch was ! Die Plage und Arbeit hätten Sie doch behalten, und ich sage Ihnen, Herr Gutsche, glauben Sie mir, ich bin eine alte Frau, und wir kennen uns nun schon zwanzig Jahr : es ist die höchste Zeit, daß Sie aufhören ! Sie haben ohnehin nicht viel auf der Mühle, und mit den Augen geht's auch nicht mehr." Meinen Sie wirklich, Frau Krause ?" fragte der Kanzlist ängstlich.' Ru 00 !" versicherte die Meisterin. Wenn Sie's noch ein Jahr so weiter treiben, sind Sie blind !" Sich zum Krüppel zu machen," fiel hier der Meister ein, das kann der Staat von keinem verlangen ! Seien Sie froh, daß die Plackerei ein Ende hat ! Jetzt wird erst das Leben bei Ihnen anfangen. Herr Gutsche. Jetzt können Sie sich ausruhen, brauchen nicht mehr Tag für Tag auf's Amt zu gehen, nicht mehr nach dem und jenem zu fragen, nicht mehr bis in die Nacht die Feder' zu schwenken, daß es eine wahre Schande ist." Ja," ergänzte die Meisterin, und müfela brauchen Sie ja deshalb auch nicht zu gehen. Arbeit wird's schon geben, da bringt der was zum cyreiben und der will einen Rath haben, Sie verstehen sich ja auf alles. Na, und wenn's auch nicht ist, zum Auskommen haben Sie ia immer genug. Ich V fragte der Kanzlist, beinahe erschrocken. Aber, Frau Hzau e ! Warum denn nicht ?" ' nahm der Meister wieder das Wort. Einen Nothgroschen für's Alter, . zur Kleidung und anderen kleinen Ausgaben, baben Sie ja zurückgelegt, und was brauchen Sie denn weiter ? Oder wollen Sie uns etwa untreu werden i Jetzt gehören Sie einmal zu unserer Familie, und da bleiben Sie, und von Miethe ode? dergleichen reden wir nicht mehr, nicht wahr, Mutter ?" Das versteht sich !" stimmte die Meisterin ohne Besinnen bei. Darüber verlieren wir erst kein Wort weiter, wenn's Ihnen bei uns noch gefällt, Herr Gutsche !" Dem armseligen Alten kamen die Thränen in die Augen und glitten die eingefallenen Backen hinunter auf die sauberen Vatermörder. Herr Krause liebe Frau Krause !" sagte er mit bebenden Lippen und griff nach ihren Händen. .Wie soll ich wie kann ich ?" .Kein Wort sollen Sie sagen !" rief

der Meister und drückte ihn, als er sich vom Stuhl erheben wollte, mit sanfter Gewalt nieder. Die Hauptsache ist : sehen Sie nun ein, daß es so das Beste ist?" ; Wenn man es so auffaßt, Herr Krause, freilich, freilich," erwiderte er in stiller Ergebung. Da rief der Meister, als wäre ihm eine große Last vom Herzen genommen : Bravo, Herr Gutsche ! Bravo! So ist's recht ! Nu ist's doch noch ein echtes Jubiläum, und heute wird blau gemacht ! Erst gehen wir zum Frühschoppen kein Wort, Herr Gutsche, ich hab' mir's gelobt ! Und nach dem Essen machen wir eine Partie " Un Mutter nimmt den Kuchen mit !" rief der Junge seelenvcrgnügt. Da hören Sie den Vielfraß !" lachte der Meister. Die Meisterin aber trat an den Gast heran, strich ihn mit der Hand zärtlich über die hagere Backe und sagte : Ja, heute wollen wir mal von Herzen lustig sein, Herr Gutsche !" Da wurde es in der gedrückten ?eele des alten Kanzlisten plötzlich so weit und so hg, und es war ihm, als hörte er eine Stimme rufen : Was klagst du über versagte Anerkennung und vorenthaltenen Lohn, hat dir das Schicksal nicht das Beste und Schönste uf der Welt gegeben Menschen, die mit dir fühlen, die dir Treue halten auch in der Noth und im Leide ? Für unsere Frauen.

Gute Hausgeister für das Jahr 1894. Die Weihnachtslichter sind verlöscht, die grünen Tannenbäume vertrocknet, verblaßt der Putz und Glanz, vergessen der Jubel des kleinen Volkes, verhallt der feierliche Ton der Sylvesterflocken und verflogen die frohen Wünsehe, mit denen wir den Jahreswechsel begrüßt. Nur noch von ferne her wie eine schöne Erinnerung tönt die Festfreude l?!.se in unserer Seele nach, und sinnend blicken wir Zurück nach den unwiderbringlich verlorenen schönen Fei.ertagen, für welche wir uns Wochenlang vorher gesorgt und gemüht, an die sich so viele Wünsche, Hoffnungen und fröhliche Erwartungen geknüpft hatten. Kaum will uns das geregelte Getriebe Zder Alltäglichkeit mit seiner eintönigen Arbeit mehr gefallen, nach der anregenden, abwechslungreichen Feststimmung. Es ist uns ergangen wie dem Wanderer, der auf hohem Bergesgipfel frei und glücklich aufathmet, sich näher fühlt dem blauen Himmel Und aller göttlichen Herrlichkeit und weit entrückt dem Staub, Nebel und Rauch der Tiefe. Aber es ist nur ein kurzer Blick, ein rasches Genießen, ein flüchtiges Ausruhen! Bald, geht es wieder hinab! Wir müssen aberZTlals hinein in das, Rennen und Jagen, in das Sorgen und Arbeiten, Hoffen un,'d Fürchten des täglichen Lcbens. Unsere Aufgabe ist oft gar schwer und ernst, und wir möchten fast muthlos werden bei dem Gedanken: Ein neues Jahr, ein neuer Kreis von Tagen, ein jeder bringt Dir seine Ansprüche und Deine Pflichten entgegen! Wie wirst Du allen Anforderungen genllaen können?" Aber wir haben nicht vergeblich in lichter, Höhe geweilt, nicht erfolglos den Hauch seines Empfindens geathmet, un.'d wenn auch das Experiment in der freudigen Atmcsphäre ein kurzes gewesen, cZ hat doch verbessernd und veredelnd auf uns eingewirkt. Wir wissen, daß der Weg empor ein mühevoller, 'heißer ist, und wir den Ausblick niemals genießen können, sobald wir die Anstrengung des Höhersteigens nicht ertragen wollen. Wir wissen 'auch, daß es keine wahre Festfreude aeben kann ohne vorhergehende Arbeit, daß die Höhe uns aufhört zu locken, wenn wir stets in tötn Bergen wohnen, daß die Feste keinen Reiz mehr für uns hätten, wenn wir jahraus jahrein nur feiern wollten. ! Wenn also auch der Festesjubel vertauscht, das holde Ehristkindlein und ?der graubärtige Sylvester entschwunden sind, so blieben doch manch gute Geister bei uns zurück, die uns helfen werden, die Jahreszeit zu vollbringen. Diese braven Hausgeister heißen 'Pflichterfüllung und Zufriedenheit. Der Erste gibt uns Muth und Kraft und AuÄoauer zu Allem und Jedem, 'was unsere Lebensstellung von uns fordert, und wenn auch manchmal der Arm müde, der Fuß matt und der Geist träge werden wollte, so genügt ein kleiner Mahnruf von ihm, und mit 'erneuter Schaffensfreude gehen wir an's Werk. Der Zweite weiß uns .alles Unangenehme und Böse aus dem Mege zu räumen; wenn wir murren wollen über unser Schicksal, dann zeigt er mit seiner Hand auf eine Unzahl von Menschen, denen es viel schlimmer ergeht, und wir nehmen unser eigen Kreuz gerne wieder auf b'it Schulter, wenn wir sehen, daß viele Andere auch keine geringere Last zu tragen haben. Er macht die Arbeitsstunden kurz, würzt unser Mahl, und bringt Frieden in unsere Heimstattettl Beide Geister stehen in innigem Verwandtschaftsverhältniß zu einander, und wenn der Eine uns verläßt, konnten wir den Anderen auch nicht länger bei uns behalten. D'rum wollen wir uns bemühen, im Sinne er Beiden unser Leben einzurichten, damit es ihnen bei uns wohlgefällt und wir geleitet un?d geschützt von unseren guten Hausgeistern, Pflichterfüllung und Zufriedenheit, den langen Weg durch das Jahr 1894 zurückzulegen im Stanke sind, bis wieder die Weihnachts- und Neujahrsglocken feierlich erklmgen. Ein Protz. Sie : Warum steckst Du denn heut' alle zehn Ringe an die rechte Hand ? Er : Weil ich

! schwören muß auf dem GeriHt !

Nu äb'n :

Schbazieren ging alleene Ich jingst in aller Ruh' Da gam ä hibsches Mädchen Gemicdlich uf mich zu. Die dhat mich schichdcrn srager Ob ich nich wissen dhät. Wie man zur Bärgerwiese Am allernächsden geht ? Ich zog Sie gleich de Mitze Und rief : JRu allemal !. Ich werd' Sie hinbegleiden." Das war nu ganz mei' Fall. Und underwegs, da kaufte Ich eenen Blumenschdrauß, Und gab fir Schogolade Roch zwanzig Bfenn'ge aus. Doch als de Bärgerwiese Erreichd nach een'ger Zeit, Frug, ob ich dirfte bleiben, Ich sacht de hibsche Maid. Da sckiddelt sie das Kebbchen Und lacht derzu ganz fein Ich hab' hier" meent' sie leise. Ae kleenes Schdelldichein !" Und richtig nahde Eener Schon uns'rem Blatze sich ; Ich gönnte grad' noch sagen : ' Nu äb'n empfähle mich !" Tcö Teufels Bank. Die Spielbank zu Monte Carlo, woselbst das Rupfen der Gimpel im GroJen betrieben wir, ist bekanntlich ein 'Actienunternchmen, an' 'welchen.' fast ausschließlich Repräsentanten der hochsten 'Geburts- wie Finanzaristokratie betheiligt sind. Bon der Verwaltung 'wiro diesen 'holeir Herren selbstverständlich am Jahresschluß ein Nechen. schaftsbericht abgelegt, der für das pro fane Volk freilich nicht bestimmt ist. Aus 'dem Bericht für Äas abgelaufene Jahr sind einig: Details bekannt geworden, welch: auf die geradezu fabel hasten Gewinne dieser Spielhölle schließen lassen. In 'der Generalversammlung der Actionäre von 1892 wurde berichtet, daß im Geschäftsjahre 1891 zu 1892 btv Reingewinn 'ver Spielbank sich auf 25,800,000 Frs. be zifferte, 2 12 Millionen mehr wie im Lorjahre. Im abgelaufenen Ge ,schätsjahre betrug der Reingewinn- 23 Millionen Francs. Als Dwisende konnten danach vertheilt werden 235 Frs. für jede Actie oder 47 Procent. Der Nominalwerth dieser Actien beträgt 500 Frs. für die Actie, der wirk, liche Werth aber 2400 Frs., das Fünffache der darauf geleisteten! Emzahlung. Der den Actionären zufließende Reingewinn von 25 Millionen veranschaulicht aber noch lange nicht die Summen, welche alljährlich an 'dieser Stelle verloren werden. Rechnet man Hierzu die großen Unkosten, die auf der Unterhaltung und dem Betriebe lasten, die Zuwendung an die Pensionskasse der annährend 1100 Beamten derBank, die zu zahlenden Unterstützungen an durch die Bank ruinirte Spieler, die an den Fürsten zu Monaco zu zahlende Jahresrente von 2 Millionen Francs, die Bestreitung 'der Verwaltungskosten für das Fürstentum Monaco und ferner die Summen, welche von Spielern gewonnen sind, so mag sich der Betrag verdoppeln und damit eine Höhe erreichen, 'die, in der That erschreckend ist. . Dem Vernehmen nach geht die Spielgesellschast zu Monte Carlo mit dem Plane um, in dem Badeorte Mondorf im Großherzogthum Luxemburg ein Filralgeschäft zu errichten, für welche Erlaubniß die Gesellschaft sämmtliche, b Millionen Francs betragende Staatskosten des Großherzozthums überneh men will. Diese Erlaubniß wird schwerlich ertheilt werden. m i Die schrecklichen. K i n -d e r. Herr H. besitzt, trotzdem er sich den Fünfzigern bedenklich nähert, noch eine Fülle an .Haupthaar, die das Staunen und die Bewunderung auch seiner jüngsten Freunde erregt. Einem von diesen war es neulich ganz ohne seine Absicht deschieden, das Geheimniß dieses Haarschmuckes zu eraründen. Er machte Herrn H. einen Besuch und mußte im Salon warten, wo der Sohn des Hausherrn, ein elfjähriaer Knabe, der eifrig in einem Photoaraphie-Album blätterte, ihm Gesellschast leistete. Da auf einmal ruft der Knabe, auf ein Portrait zeigend: Sieh mal, das ist Papa! Aber es ist schon lange her. Es ist von damals, als Papa gar keine, Haare mehr hatte!" Mörderischer Ehrgeiz. Die Frau Commercienrath hat einen neuen Swbenbohner kommen lassen. Machen Sie Ihre Sache aber auch gut?" 50, gnädige Frau, gehen Sie nur nebenan bei Oberst's und erkundigen Sie sich. Auf dem Parquet des großen Saales allein haben im vergangenen Winter fünf Personen den Fuß gebrochen, und eine Dame ist die große Treppe herabgestürzt. Und Saal und Treppe habe ich gebohnt!" Verfängliche Wendung. Staatsanwalt: Der Angeklagte hatte 24 Ochsen gestohlen! Vergegenwärtigen Sie sich die Zahl, das sind noch einmal so viel wie Sie, meine Herren Geschworenen!" Ein Trostspender. Richter: Wie alt, mein Fräulein?" Fräulein (nach langemZögern): Achtundzwanzig!" Richter: Nun, sehen Sie. es ist ja noch lange nicht so arg, wie ich's mir gedacht habe!" Ausrede. Gast: Herr Wirth, Sie haben den Preis des Cognaks erhöht, aber die Gläser sind viel kleiner als früher ! Wirth : Ja..

aber die Flasche ist grotzer !