Indiana Tribüne, Volume 17, Number 109, Indianapolis, Marion County, 7 January 1894 — Page 6
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SluS vCp n!edersSchf!sH?n So:7S - leden. ' Das nordwestliche Deutschland, der alte Stammsitz der Nied?rsachsen, hat bis auf den heutigen Tag am meisten fcen alten germanischen Charakter, die alten germanischen Einrichtungen und Sitten bewahrt. Hier noa) beschatten ausgedehnte Eichenwälder den Vo)en, hier rauscht die tausendjährig: Linze, .unier deren Krone das Ding" (öffentliches Erricht) der Sachsen gehalten wurde, hier erklingen noch die alten Sagen, welche an den altdeutschen Götter - Cult erinnern, -un) hier thürmen sich im neu gepflanzten Hain die mächtigen Felsblöcke der Hünen.steine über einander, welche das Grab eines Germanen-Häuptlinzs schützend bedecken. Weit dehnt sich die Haide. deren rothe Glöcklein don unzähligen Bienen besucht werden, die hier inmitim ihrer Nahrung während des SomIners ihren Stano erhalten. Auf der Haide ist alleiniger Herr und König der Schäfer, welcher seiner Heerde hier ein ausgedehntes Weidesfeld bieten kann. Den , Stristrumpf in, der Hand steht er 'da auf seine Schippe gelehnt, dem treuen' Hunde blt Hut der Schafe fast allein itu : lassend. Ueb:r seinem Haupte kreist ,der Falk und zieht der Reihe? dein .fernen Teiche zu. Kommt dann der ZAbend heran und sendet die Sonn? ihre letzten Strahlen über die eile Fläche, oi: reißen Spinnwebsäden. welche von Stengel zu Stengel gezogen .find und in denen die ersten Thautröpfchen funkeln, vergoldend und die Ha'5oe in ein Purpurmeer denvan'delnd, dann treibt der Schäfer seine 'Heerde dem Dorfe zu. Ueber saftige Äiesengründe, auf denen der Nebel in 'dicke? Schicht lagert, fuhrt sein Weg ; 'barfüßige Knaben, die unter PeitschenZnall ihre gehüteten Ninderheerden vor jsich hertreiben, schließen sich ihm an. Unhr Dorf haben wir uns hier nicht Vine Ortschaft mit nahe zusammen.stehenden Häusern vorzustellen, vielimehr liegen die einzelnen Wohnungen getrennt, oft weit von einander uU fern!. Um feine Qehaufung hat dir iNieersachse seine Ackerländereien, seine 'Wiesen und seine Waldgehege, in deren 'Mitte der Giebel des mit Stroh gedeckten Hauses sich erhebt. Begeben wir uns in das Innere eines solchen Hau,tl, so treten wir durch eine große Thüre ein, die aus zwei Flügeln besteht. Der eine Seitenflügel ist wieder aus zwei oder drei einzelnen sich frei über einander bewegenden Theilen zusammengesetzt, so daß es dem Hausbchtzer ermöglicht ist, so viel er will von scine? Thüre zu öffnen, ohne den Zugang zum Hause zu erschließen. Außer dieser großen Thüre hat das Haus auch noch eine oder zwei kleinere Seitenthüren ; aber erstere bildet den Haupteingang und wird nur bei wichtigert FamilienEreigniffen zum Eintritt und Austritt ganz geöffnet. Durch sie tritt das neuvermählte Brautpaar ein und nimmt an oer Schwelle den Glückwunsch der Eltern und Geschwister entgegen, durch sie wird der junge Weltbürger hinausgetragen zur Taufe, durch sie schwankt cr.ch der Sarg hinaus zur letzten Nuhestatte. Durch die groß: Thüre betreten wir zunächst 'den unteren Theil des Hauses, wo vorläufig d?r Kehricht sich ansammelt, bis er bei völliger Reinigung des Hauses vor Sonn- und Festtagen vor das Haus auf den Düngerhaufen ge.schafft 'wird. Neben diesem Theile "des Hauses, dem sogen. Wamm", sind rechts und links die PserdestäSe. Daö Pferd, das geheiligte Thier der alten Sachsen, erfreut sich noch jetzt in Jiorodeutschland besonderer Liebe und Pflege, und Pferdeköpfe zieren, den Giebel des Hauses, um alles Unglück von Haus und Hof fern zu halten. Wenigstens liest letztere Idee diesen Gebrauche zu Grunde, und wenn auch der Glaube an die schützende Macht des Thieres mit dem Christenthum schwand, so trennte sich doch der Sachf: -ungern von der Erinnerung an sein ieblingsthier. . Verlassen wir den Wamm, so gclangen wir weiter auf die Tenne des 'Hauses, einen hartgeschlagenen Lehmdoden, wo im Winter vor dem F:üt stück jeden Morgen eine Lage Korn gedroschen wird. Jetzt ist dieses langweilige und lästig: Ausklopfen des Getreides mit dem Flegel jedoch Hauptsächlich nur noch bei dem kleineren Vesitzer üblich, während die größeren Bauernhöfe auch hier fast überall mit dex Dreschmaschine arbeiten. Neben der Tenne' sind die Stallungen für das 'Iln'doieh, welches seinen Kopf auf erstere streckt und von derselben sein Futter entgegennimmt. Von der Tenne kommen wir in die mit kleinen Kieselsteinen schön gepflasterte Küche, roo auf einem Noste ein offenes Feuer brennt. Die genannten drei Theile des H; ses : Wamm, Tenne und Küche", befinden sich auf einem Flur und geh:n, ohn: durch Thüren geschieden zu sein, in einander über. Werfen wir unsern Blick in der Küche nach oben, so sehen wir zur Winterszeit bis Fastnacht am Wiemen Fleisch, Speck und Würste im Rauche hängen. Der Rauch sucht bei offenem Herde seinen Weg durch Thüren und Fenster, da ein Schornstein auf dem echten niedersäch fischen Hause nicht gekannt wird. Lo: den Faschingstagen aber wählt der Bauer für seine Fleischsachen gern ei zien sichereren Verwahrungsort, denn Prinz Carnedal tre!t auch hier sein Zolles Wesen. ' Die Burschen des Dorses veranstalten mit ihren Pferden ein Wettrennen, zu dessen Schluß ohne Veitere Erlaubniß in die Häuser geritten und die beste Mettwurst vom Wierxtn heruntergeholt wird. Acht Tage dor Fastnacht schon wird der sogen.
Hahnen - Sonntag gefeiert. Unter manchen Ceremonien mußte früher ein an einem Vaumast aufgehängter Hahn von galoppirenden Reitern heruntergeholt werden. Derjenige, dem dies Kunststück gelang, wurde am selben Tage und in den Fastnachtstagen als Hahnenkönig gefeiert. In neuerer Zeit hat man statt des Hahnes eine Wurst, einen Schinken oder dergl. gewählt und dabei auch auf den Ritt verzichtet. Doch sind noch der Hah nen-Sonntag und Fastnacht in niedersächsischer Gegend besondere Volksfeste, die ihren Schimmer auch in die ärmste Familie werfen. Ueberhaupt versteht es der Niedersachse wie seine Vorfahren, auf eine einfache natürliche Art sich zu vergnügen. So veranstaltet die heranwachsend: Jugend an manchen Sonntag - Nachmittagen einen sogen. Holzschuh-'Vall, wo auf der Tenne irgend eines Bauernhauses unter den Klängen der Harmonika oie Jünglinge und Madchen sich mit den dort überall getragenen Holzschuhen in lustigem Neigen drehen. . Ja, auch die Kleinen kommen in ihren Vergnügen nicht zu kurz. Alljährlich wird ein Kinder-Schützenfest abgehalten, wo lustig mit dem Flitschbogen selbstgegossen: Bleikugeln nach dem auf einer Stange thronenden holzernen Vogel geschossen werden. Daß der, welcher den Königsschuß gethan, sich auch eine Königin wählt, ist selbstverständlich, und ich erinnere mich noch mit Vergnügen des Tages, wo ich, mit der Krone aus Eichenlaub auf dem Haupte, neben mir als Königin des Nachbars Hanne, von meinen Mi!" schülern unter Gesang und Trommelschlag nach Hause geleitet wurde, un) an die frohen Gesichter meiner längst verschiedenen Eltern, glücklich ob der Ehre, die ihrem Hause durch meine Bleikugel widerfahren toi :.
' Im niedersachsischen '.uernhauic treffen wir hinter der Kü : die Stuben und Schlafzimmer an. Letztere sind jedoch erst neueren Datums ; ein mit zwei Schiebethüren verschließbarer Raum in der Wand birgt sonst das Bett, zu dem nur von der Wohnstube aus der Zugang ist. Ueber den Stuben liegt der sogen. Boden, auf dem die gedroschene Körnerfrucht und ander: Vorräthe aufgespeichert liegen. Die Garben werden zur Erntezeit durch den zuvor beschriebenen großen Eingang auf die Tenne gefahren und von hier auf den über letzterer liez:n den Balken" geschafft. Letzteres Wort deutet schon an, daß das niedersächsische Haus hauptsächlich aus Holz gebaut ist. Die mächtigen Eichen, deren Kronen dem dortigen Bewohner da? Wiegenlied zurauschten, bilden später seine Wohnung, und ihr Holz liefert auch dereinst sein lchtcs Runebett. Die Eiche ist so recht der Bauin des Sachsen ; sie begleitet ihn buchstäblich von der Wiege bis zum Sarge durch's Leben. Wie das Pferd , das LieölingZthier, so ist die Eiche der Lieblingsbaum des Volkes, und das muthwillige Abschneiden eines jungen Eichöäumchens gilt bei demselben als ein schweres, nichtswürdiges Verzehen. Der Ruf eines Bauernhofes hängt nicht zum wenigsten ab von der 'Zahl seiner ausgewachsenen, dicken Elchen, und schwer wi?o es dem Hosbesitze?, eine derselben' zu Vau-Zwecken zu fällen ; mit der Eiche, welche vielleicht mehr als ein Jahrhundert ihre schützenden Arme über das Haus ausgebreitet hat. wird gleichsam ein Stück von seinem Herzen gerissen. Neben dem Wohnhause baut der Norddeutsche auch noch eine Scheune, welche das Winterfutter für'S Vieh, sowie den als Brennmaterial verwandten Torf aufnimmt, und einen Stall für die Schweine, deren Zucht . stark betrieben wird. Im Herbst werden die Schweine heerdenweise hinaus getrieben in den Eichenwald, wo die gut mästenden Eicheln ihr Futter bilden. Auch die junge Saat des Roggens auf dem Kämpe,- dem bei dem Hause liegendcn umfriedigten Ackerfelde, läßt man von denselben abweiden. Neben der Schweinezucht blüht die Rindviehzucht. fowie die der Schafe und Gänse. Während mit letzteren und deren Federn ein einträglicher Handel getrieben wird, ist von den Schafen besonders der Dünger geschätzt. Auf den ausgedehnten W:idefläch?n gehen Rinder, Gänse, ja selbst Pferde oi den gangen Sommer auf die Weide, welch: sie auch des Nachts nicht verlassen ; nur werden die Gänse dann in ein besonderes Gehege getrieben, um sie vor dem des Nachts umherschleichenden Fuchse zu schützen. Die Gans erlaubt im Sommer ein drei- bis viermaliges Rupfen, weshalb man in Norddeutschland auch nur. Federbetten kennt und alle Deöenbetten als Zeichen der Armuth verachten würde. Im Herost werden die Grinse verkauft und nur etliche zur Zucht für den Winter übrig gelassen. , Diejenigen Rinder, welche auf einer Gemeindeweide den Sommer hindurch gehen unter Aufsicht eiaes Gemeinöehirten. werden gegen den Anfanq des Winters wieder nach dem Dorfe zurückgeholt, ein wichtiger Tag für die Bewohner, wo jede Familie einen lieben Bekannten nach halbjähriger Trennung wieder begrüßt und gleichsam unter ihre Hausgenossen aufnimmt. Hat so der Bauer alle die Seinigen, Menschen und Vieh, daheim. ! und weiß er Balken und Scheune ge- ' füllt, so läßt er den Winter ohne Sorg: herankommen. j Doch auch im Winter herrscht bei ihm keine lnthatigkeit. Es ist der ' Flachs, jene einfache, bläulich llii hende Pflanze, deren Bearbeitung jii Leinen die Wintertage und Abende verkürzt. Bereits im Herbst weÄn die nöthigen Vorarbeiten an dieser Pflanze vorgenommen. In doppelte? , Reihe sitzen die Mägde auf bti Tenne, die getrockneten Flachsstengel aus tt:i
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nen Handmaschinen brechend und auf der Hechel reinigend. An den Wintertagen unk langen Abenden sitzt dann die ganze Familie im warmen Stübchen, dessen in der Wand stehender Ofen von der Küche aus mit Torf zespeist wird, und spinnt den Flachs zu Garn. Die, jeweilige älteste Tochter des Hauses aber webt das Gesponnene auf dem Webstuhl zu Leinen, zur Aussteuer. Unter dem Klopfen des Webekammes und dem Schnurren der Räder werden alte Geschichten und Sagen immer neu erzählt.Lieoer gesungen.Äl: Theil ihres jährlichen Lchnes erhalten die Mäde auch oft ein Feld von bestimmte? Größe mit Flachs befätt. Um diesen zu spinnen, werden dann im Wi:?ter alle Dienstboten des Dorfes an einem gewissen Abend bald bei yiefer, bald bei jener Magd zur Spinnstube zusammengebeten, um deren Flachs zu Garn verarbeiten, zu helfen. Wie bereits erwähnt, bildet das Feuerunasmalerlal der Torf. Dieser wird im Moore, jenen öden ausge'nten Landstrecken Norddeutschland' : dort ein charakteristisches Merimal bilden, gegraben. Im Sommcr wa '.- dert d:r Bauer etwa einen Mona! lang Tag für Tag 'mit Knechten und Mägden zum Moore hinaus, um den Torf zu stechen, und bald ziehen sich lange Reihen diefes schwarzen Materials dahin, welches nach vierzehn , Tagen zum weiteren Trocknen auf Haufen gefetzt und im Spätsommer in dii Scheune gefahren wird. , Doch ni: blos Torf, auch den bekannten L::chweizen liefert das Moor. Diese Getreideart bedeckt hier große Flächen, sie bietet uns als Mehl den beliebten Pfanneluchen, und zu Graupen gemahlen die Buchweizen - Grüc. Pfannekuchen, Milch und Fleisch sind die Hauptnabrungsmittel des Ni?dersachsen, und Dank dieser einfachen Kost wächst ein Geschlecht heran, das, wie seine Eichen, fest und wetterhart sich erweist. Klttdcrclie:,. Frühzeitige Ehen, sogenannte Kinderehen, finden sich noch heute bei einer großen Anzahl von Naturvölkern; sie sind bei den Juden Osteuropas etwas Gewöhnliches, und noch jüngst sind die Engländer gegen die Kinderchen in Indien sehr scharf eingeschritten. Wie jetzt di: bekannte illustrirte flritförift 'für Länder- und Völkerkunde, der Globus , mittheilt, hat der englische Philolog Furnivall kürzlich aus alten jeugenprotolollen des Gerichtshofes zu Ehester aus den Jahren 156166 nachgewiesen, daß im 16. Jahrhundert Kinderehen selbst in England nichts Ungewöhnliches waren. Da die Kinder schon in frühester Kindheit von ihren Eltern miteinander verheirathet wurden bei den iünaiten unter die. 'sen Kinderpaaren ist das Mädchen erst ,taI V.. ra. c ckj r t aivi uci jxauvc oici ayre an so mußten sie bei 'der Hochzeit häufig noch Beide aus den Armen von Verwandten getragen werden. Sogar Geistliche fanden an dieser Sitte nichts Anstößiges, da ein Bischof in seinem eigenen Palaste seine vierjährigeochter einem etwas älteren Knaben antraute. Solche Kinderehen waren rechtskräftig, bis sie durch regelrechte Scheidungsprozesse wieder gelöst wurden, wobei durch Zeugenaussagen erhärtet werden mußte, daß die Kinder nach dem Alter, wo sie selbst einwilligen konnten (Knaben 14, Mädchen 12 Jahre),. niemals ihre Zustimmung ertheilt, einander nie geküßt hätten u. s. w. In diesen Fällen erfolgte dann die Scheidung. So fand Fürnivall die Ehescheidungsklage deö 15 16jährigen Edelmanns John Somerforth, alias Breton, aus dem Jahre 1564. Der erste Zeuge ist der Onkel des Gatten, 28 Jahre alt, der aussagt, daß er zugegen war, als John Somerforth und Jane Breton vor ungefähr 12 Jahren mit einander getraut wurden. Er habe den Bräutigam auf den Armen getragen und einige Trauungsworte gesprochen, die genannter John wegen seiner Jugend nicht sprechen konnte. Und ein gewisser James Holford trug Jane auf den Armen, die erst zwei Jahre alt war, so daß der Zeuge alle Trauungsworte für sie sprechen mußte. Oft mögen die Kinder verheirathet sein, weil die Angehörigen einen oder beide dadurch später für besser versorgt hielten. Aber es gab auch höhere Beweggründe. So wird aus dem Jahre 1569 ein Fall von John gegen Anne Bellard erwähnt, wobei das Mädchen den zwölfjährigen Knaben offenbar gern hatte, ihm liebkosend zwei Aepsel gab, damit er sie heirathe. Sie wurden auch richtig gegen 10 Uhr Nachts in der Pfarrkirche von Eolne getraut. Am nächsten Morgen, jedenfalls als der Junge die beiden Aepsel gegessen hatte, war ihm die Heirath wieder leid, er klagte, daß die genannte Anne ihn mit zwei Aepseln verlockt habe, mit ihr nach Eolne zu gehen und sie zu heirathen. Und die Ehe wurde gelöst. Ohne Zweifel wurden auch aus den meisten dieser Kinderehen, wenn die Kinde? zusammen erzoaen wurden, sväter ! wirkliche Ehen. Und eine Prüfung i " r :r jt. nr .x:. A..c oei vorigen tiigutycii ;aiuuc uu nfinlufie Protokolle bin würde aewik nicht bloß das allgemeine Vorkommen Ypr nhfrthtn tm ann oamauaen t V D V J England erweisen, sondern auch noch . 1 V , . fl 1 manchen seemven eilrag zur tengeschichte jener Zeit liefern. Aus der Schule. Lehrer: Nun sind wir bei den Ausrufsätzen anaelanat. Diese sind mern der .Aus druck eines schmerzlichen oder freudigen Gefübls. Wollen wir der den sreudl aen beainnen und gleich ein Beispiel inführen. . . Du, Karl, was sagte Dein Vater, als ich ihm neulich eine von meinen SonnkagScigarren spendirte? - Karl: .Pfui Teufel!'
Zum Tode verurthe'.lt. Vor mehreren Jahren hielt ich mich im Canton Graubünden in der Schweiz auf. Graubünden ist. wenn ich mich recht erinnere, der einige Canton, in welchem die Todesstrafe stets bestanden hat, also nie abge schafft worden war, wie sonst in der Schweiz. Eiqcnthümlich ist dabei nsch der Umstand, daß sich die Todes strafe nicht nur auf die Mcnzchen, sondern auch auf die Thiere erstreckt. Das ist schon von Altersher in Graubünden so gewesen. In dieser BeZiehung stand der Eanton aber nicht vereinzelt da, denn zur Zeit des sin steren Mittelalters war es gang und gäbe, daß man auch unvernünftige Thiere in aller Form des Rechts um brachte, hinmordete. Wie gesagt, dieses alte Gesetz wurde in iLiraubunden Nie avaeanoen. konnte also noch immer in Äiiwen dung gebracht werden. Zur Zeit meines Ausenthalts geichah es, daß man einem Hunde den Prozeß machte, weil er die Ziege einer armen Frau todtgebissen hatte. Nick, so hiezzt der Hund, gehörte der Nasse der Äketzgerhunde an. Als junger hochbeiniger Bursche war er eines Morgens vor dem Hause einer reichen schottischen Dame entdeckt und gefüttert worden, da die Frau eine Liebhaberin von Hunden und Katzen war. Auch seinen Namen empnng er von der Dame. Nick zeichnete sich weder durch Schönheit noch durch Intelligenz aus. aber er verfaß seine Wohlthäterin nicht. Auch hatte er bald in Erfahrung gebracht, um welche Zeit die Mahlzeiten in dem Hause eingenommen wurden. Bon dicserZeit an fehlte er nur sebr selten jm Hause. Eines TagS fand er die Thüre verriegelt, durch welche er ge wohnlich in den Hof des Hauses trat. Er stutzte ein wenig, sah sich links und rechts um. als suche er Hilfe. Als er aber Niemand erblickte, da schob er mit der Nase den Riegel zu rück und marschirte mit psiffigem GesichtSausdruck in den Hof. Freund Nick war ein Vielfraß. Als man ihn eines TageS fragte, wohin die mächtiaen Brocken Fleisch in einer gewisien Schüssel, welche leer vor ihm stand, gekommen seien, da kratzte er mit den Hinterbeinen an dem wohl aenährten Leibe und blickte dabei dem Frager in's Gesicht. Auch hatte er die üble Gewohnheit, den Besuchern UWWS des Hauses nach der Eonditorei z folgen und sich auf deren Unkoste" mit Sujji2kelten anzufüllen. Soaa in das Hotel folgte erden Leuten und ließ sich, wenn nicht gerade an. so. doch unter der tadls d'hote nieder. Die Folgen dieser Gefräßigkeit waren, daß Rick faul ivurde und kaum mehr den Leuten aus dem Wege ging. Eines Mittags erschien Nick nicht zur gewohnten Zeit im Aelvedere, dem Hotel der schottischen Dame. Die Glocke hatte schon längst geläutet. welche ankündigte, daß das Enen auf dem Tische stand. Die Frau blickte besorgt auf die Straße hinab und sah, wie Rick eben vom Hundsänger um die Ecke geschleift wurde. Er hatte einen Strick um den Hals und warf einen schmerzlichen Blick nach der gastlichen .Thüre, welche er um diese Stunde zu betreten gewohnt war. '-i? Lame fanole losort ihr Zimmermädchen hinter der Hunde sänget her, der eS gelang den schreck; lichen Mann gegen ein Geldgeschenk zur Freilassung seines Gefangenen zu bewegen. Dieses Abenteur hatte für Rick die guten Folgen, daß er nun mehr im Belvedere förmlich adoptnt wurde. Er 'gehörte somit einem Herrn und Meister. Eine lange Zeit verging, ehe etwaS Auffallendes passirte. Da erschien eines TageS ein Polizeidiener im Belvedere mit einer gerichtlichen Vor ladung für Rick. Ter Name Tiger
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(inen Mord im ersten Grade." Rick hatte ein schweres Verbrechen began gen. Jm Belvedere herrschte ob der Geschichte große Aufregung, Rick al i ter lein schien sich aber wenig um die An gelegenheit zu kümmern, obgleich ihm dieselbe an den Kragen ging." Es .wurde ein Vertheidiger für den Uebel thäter engagirt und am Tage der Gerichtsverhandlung begab sich der.selbe, gefolgt von Rick und einer An zahl Hotelgäste nach dem Nathhauje mit seinen hohen Mauern und dunk ,len Amtsstuben. Rick trabte durch die hure, als ob dieselbe in eine Eonditorei fübrte und legte sich dann zu den Füßen seines Vertheidigers nieder, um der Ruhe zu pflegen. Der Anwalt, ein Freund des An geklagten, sprach mit ungewöhnlicher .Ueberzeugungskrast. Seine Worte rührten alle Zuhörer bis auf einen, auf das Tiefste. Dieser eine war Rick selbst. Sein Anwalt ließ durch Zeugen feststellen, daß Rick das Hotel nur in Begleitung einige Gäste ver lassen, also unmöglich den Mord be gangen habe. Der Mann des Ge setzes sprach von der Treue des Ange klagten und von dessen Verständig keit. Er stellte ihn als ein Muster des Gehorsams hin und endete mit den Worten: .Seht, hier zu meinen Jüßen liegt der Tigerhund!" Aber ach! Rick lag nicht mehr zu .den Füßen seines Vertheidigers und konnte auch nirgends gesunden wer den. Ein Gelächter erhob sich im Ger.ichtösaale und der gute Eindruck der Rede ging verloren. Rick wurde in seiner Abwesenheit zum Tode durch den Strang verurtheilt, und es stand schlecht mit ihm. - Seine Freunde machten große An ftrengungen, .um wenigstens ein mi! deres Urtheil zu erlangen. Der ge strenge Richter ließ sich endlich er weichen und ordnete an, das der Ver breche? auf Lebzeit einen Maulkrob zu tragen habe. (Jiocr:. So 'was dummes, als aus so einer Glaskugel 'rausschaut, hab' ich doch meiner Lebtag noch nicht gesehen ! De zwo Hund'. Der alte Forster hat zwoa Hund', An' aroken und an' kloan': De lieg'n an ganzen Tag bei'nand' Alloa'. siehst' niämals oan'! Mei", sagt der Lehrer, d s' 5etracht't, Dös hat koan' ander'n Grund, Daß f allwei' so bei'nanderlieg'n: Vallebt san de zwoa Hund'! Da lacht der Forster: Ja, sunst niz! Den Grund, Freund, woaß V g'witz: Der kloa' legt si' zum großen blos, Weil's eahm dort wärmer is'!" So geht's im Lcb'n. Druckt da der Oa' Si' recht zum Ander'n hin: Oamal vielleicht is' d' Liab' d'ran schuld Und hundertmal der G'winn. Individuen. Dienstmad. chm: Madame, 's ist 'n Herr drau ßen, der Sie zu sprechen wünscht! Dame: ' Wie sieht er auZ?" Dienst mädchrn: Neizend!--
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i T J.-C. .!" vy p um nmmI iJl I mn Schlanke:. O, der Wein macht kräftig das muß man sagen : Je rnehr ich davon trinke, um so leichter trag' ich mi: den Korb !" Zlnbedingt nothwendige An Wesenheit. , Lehrer : Warum kommst Du so spät r Schüler : Mein Vater hat mir gebraucht." 'Lehrer : Hat Dein Vater nicht jemand anderes dazu benutzen können ?" Schüler : Nee." Lehrer : Warum denn nicht ?" Schüler : Er hat mir verhauen." TT ! ! Deutlich il l'M.. feJi Gesanglehrer : Ich tveiß nicht, wie Sie immer, wieder 'dieses dumme Ding: Hast Du mich lieb" spielen können!?" Backfisch : Ach. Sie sind aber auch zu harmlos ! Platt- und Hochdeutsch. Fremder (auf einem Dorfe zu einem cn ... ST? ITV ftrlt itiJ f?i-it r?T. ;UU(lll ) w nt w wuuf luuujvi , i darf ich Ihnen eine Cigarre anbietend ! Bauer: Gewen Se de Cigaat man ' her; bet Anbieten (anbeißen) attr will i xi woll allem besorgn! .. .
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Gin Concert in 103 t$reu. Von einem Wiener ,53Ii::n:)" ist das folgende witzig: Musiireserat aus dem nächsten Jahrhundert oorgeahnt" worden: Herr stellte sich dieser Tage den Kunstlieohaberinren unserer Stadt als Concertist auf dem Forte (Anno dazumal hieß es Piano-Forte") vor. Ehemals jenes Instrument, welches von offen!lieh spielenden Männern mit verhältnißmäßig viel ElüZ behandelt wurde, ist dasselbe jetzt, da es mehr Kraft. Ausdauer und Kühnheit verlangt, fast ausschließlich das Instrument der Frauen geworden, die bekanntlich auf demselben wahre Wunderthaten vollbringen. Herr Süßlich spielte freilich auf einem altmodischen kleinen Klaviere, mit 8 1-2 Oktaven Umfang, wie sie zu Ende der Neunziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts der Wiener Fabrikant Vösendorfer für den Gebrauch in Concertsälen baute und die er komisch genug mit dem Namen Riesenklavier" belegte. Was sind diefe angeblichen Niesenkladiere" für jämmerliche Spinettchen gegen unsere heutigen Damenflügel" mit Fahrstuhl ? (Wie Jedermann weiß, ist der Sitz für den Pianisten jetzt auf parallel zur Klaviatur angebrachten, gut geölten Eisenstangen in der Weise befestigt, daß der Spieler vom Vaß gegen den Diskant hin, oder umgekehrt, rutschend leicht sowohl die tiefsten, als die höchsten Töne der 15 1-2 Oktaven erreichen kann). Herr Süßlich be diente sich, wie ' gesagt, des zierlichen alten Klavierchens, dessen zirpender Klang unseren Ansprüchen nimmer genügen kann und das mit seinen zwei (!). sage zwei Pedalen (es fehlt das seit Jahren bei uns eingebürgerte Schußpedal. das wir mit so viel Glück zur Verstärkung besonderer Kraftstellen benützen, ebenso als der heutzutage unerläßliche Dustspender, der bei PianoPartien di: den wichtigsten in den Piecen berührten Tonarten entsprechenden OpeurS automatisch aus sprüht) nur wenige bescheidene Nüancen zuläßt ; er spielte etliche, der geringen Leistungsfähigkeit des Instruments adäquate leicht: Stückchen des längst vergessenen Chopin (gebürtig aus 23, ehemals Polen" genannt) und eines gewissen LiSzt (1811. also vor fast 200 Jahren geboren in 217, damals Ungarn benamst) und fand für seine anspruchslosen Vorträge aufmunternden Beifall. Sein Anschlag ist männlich-weich, sein Vortrag dementsprechend liebenswürdig, etwas empfindsam. Weibliche Kraft mangelt ihm vollends. Auch wäre dem Concertgeber zu empfehlen, in seiner nächsten Soiree ohne Armb'änder zu spielen. Das Klirren der vielen Anhängsel stört außerordentlich." Vom Sturmvogel. Unausrottbar scheint der alte Aberglaube der Matrosenwelt betreffs des sogenannten Sturmvogels zu. fein. Hierzulande wird derselbe Petrcl" gerannt, eine aus dem Lateinischen stammende, sich sehr einfach erklärende und charakteristische Bezeichnung. Wenn dieser Vogel nämlich nach feiner Beute ausschaut, scheint er geradezu auf dem Wasser wie auf festem Grund dahinzuschreiten, und da eine Stelle in der Bibel das Nämliche vom Apostel Petrus erzählt, welker einen cntsprechenden Gang seines Herrn und A!eistcrs auf dem sturmbewegten See Genezareth habe nachahmen wollen, so hat man den vorliegenden Vogel Petrellus" oder kleiner Petrus" getauft, wovon Petrel" eine Abkürzung ist. Bei Stürmen zeigt sich dieser Vogel bekanntlich am-meisten; dann schwebt er unmittelbar über den Wogen und wartet auf Schalthiere und anderes kleinere Gethier, welches der , Sturm an die Oberfläche bringt. Das ist die einzige Grundlage für die Vorstellung, daß er ein Vorherverkünder des Sturmes sei oder gar den Sturm verursache! Die Thecrjacken" sehen ihn unter allen Umständen sehr ungern, und ein entsetzlicher Gedanke ist es für die meisten, einen zu todten; dann ist dem Schiffe, mindestens aber dem Uebelthäter baldiges Unheil gewiß. Und obwohl dieser Vogel zahlreiche nahe Verwandte in anderen Vogelgathingen Hat, erstreckt sich dieser gruselige Glauben nur auf die eine Spezies. Auf die Kapuzentaube z. V. blicken die Matrosen nicht nur als gänzlich Harmlos, sondern sie machen oft zum Zeitvertreib Jagd auf sie. Dazu bietet sich in, den Seegewässern der südlichen Breitengrade mehr als ausreichende Gelegenheit. Oft folgen dort diese Vögel zu Tausenden einem. Schiff. Man bindet dann gern einen gewöhn'lichen Flafchenstöpsel an einen langen ZZaden und läßt ihn vom Hintertheil des Schisfes aus nachziehen, sodaß der Kork das Wasser berührt. Beständig schlagen Vögel mit ihren Flügeln an diesen Faden, der sich dabei leicht um einen Flügel windet; alsdann werden die gefangenen Vogel an Bord gezogen. Solcherart werden Dft an einem Tag Hunderte diese? nahen Verwand ten deS Swrmvogels gefangen. Aber wehe, wenn auch einmal ein' wirklicher Swrmvogel erwischt wird!Ein Schiffsarzt batte einmal im Indischen Ocean dieses Glück", und die" ganze Mannschaft ersuchte ihn in feier-' licher Deputation, den Vogel wieder fteizulassen. Der Doktor versprach tZ, todtere aber nachher daZ Thier heim lich doch, um es seiner Sammlung ein zuverleiben. Kurz nachher,, als d zZ Schiff gerade im HugufluI vor Mzx ging, starb der Doktor plöliH, und v nach allgemeinem Urth:il war blos der Sturmvogel daran sch C"' :cx
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