Indiana Tribüne, Volume 17, Number 109, Indianapolis, Marion County, 7 January 1894 — Page 2
;a(:ncr Vurgerwehr.
I5 V.: eal'.schen Truppe zu An f-.iA d.ö 1620 nach Böhmen It.Iu) die Mr.:f Brandenburg zogen, nr.i den Sinicrföiiig zu unterstütze bildete di: cufgsrcgie Berlin?? Vevölk:r:r. in der Meinung, daß die Engc ' teizn Berlin etwas Vöses im vsu,... füllten, ein: Bürgerwehr. In den Beiträgen zur Untersuchu:?z yen den Grafen Schwarzenberg" von CoZinar befindet sich ein Brief, den der damalig: Kanzler Pruckmann an den Kurfürsien Georg Wilhelm sandte, und der uns ein anschauliches Bild in Betreff des Aufstandes zu Berlin" giebt. Es heißt darin: Die Wache war in Cölln von ihrer zween angeführt, die ihr Lebtage wohl keinen todten Menschen im Felde gesehen, da .war ein Trommelschlagen, Platzen ZiNd Schießen, auch Schreien in den beiden Städten die ganze Nacht hmdurch, daß ihrer wohl wenige sind, die selbige ?acht werden geschlafen haben, denn es war alles betrunken, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen, der ein: schoß die Lunte mit hinweg, dem anderen ntfiel der Ladestecken, dem dritten die ??o?chette. dem vierten versagte die Muskete zwei bis drei Mal, der fünfte steckt: di: Nase gar in den Acrnel, wenn er schießen wollte. Die dann losgeschosstn hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pickeniere trugen di: Pick: auch gar musierlich. zu geschweigen, daß sie sonsten zu gebrauchen sollten gewußt haben. Summa, man bat nur lauter Schimpf gehabt' Da Jes!e.daran war. daß sie uns, die wir von d:r anderen Neligion tozxtn lVruckmann war Calvinist), wenn sie unser ansichtig wurden, einen derma-, fon freundlichen Anblick gaben, gleich nls wollten sie uns fressen. Wie es des Morgens drei Uhr schlug, liefen sie ten den Wachen anz ungebärdig und die wiederum an die Wach: treten sollten, waren nicht vorhanden. , Da rannte der Kerl über eine Stunde herum und machte auf dem Kalbfell ein "Gerassel, eh: er Ändere wieder zu ftauftn bringen konnte. Eine andere Notte dagegen. 70 Personen stark, so garnicht aus Bürgern gewesen, hat sich dahinten auf dem Werder (ders:löe besaß damals noch kein Stadtrecht und war mit keinem Vertheidigungswerk versehen) zu Haufen rottirt und haben die ganze Nacht auf der Dudlei (Dudelsack) spielen lassen, auch ein: Wagenburg von Tücherwagen um sich geschlagen und ein übergroßes Platzen und Schießen gctrieden. dadurch auch Ev. Durchlaucht junges, ungetauftes Herrlein (der spätere Kurfürst friedlich Wilhelm) in der Wiege ziemlich erschreckt wor den. daß leicht ein anderer Unrath (Unfall) hätte entstehen können." Dieser Lärm währte einige Tage in Berlin und Cölln. bis die englischen Truppen, die nicht die geringste Ah nung hatten, zu welcher Aufregung sie Veranlassung gegeben, ihrenMarsch durck Brandenburg beendet batten. Selbst dann noch, als jegliche Gefahr beseitigt war. konnten einig: aufrührerische Gemüther nicht umhin, ihren Mutbillen noch weiter zu treiben. Pruckmann sagt darüber : damit sie nichts von allen Mi'thwillen unversucht ließen, so wollten die dreißig Mann, die in den beiden Thoren von Cölln gewacht hatten, worunter ich den Bereiter Lorenz gekannt, der auch der Mutwilligste, wie er pflegt, ye Wesen sein soll, ohne Sviel nicht abziehen, sondern mit Sviel sowie sie ausaezogen. auch abgeführt werden. Diese machten ein neues Getrommel, brannten auch die Röhre gegen ernstElches Verbot vor dem Rathhaus r ir.er los und gingen also nach Hause." Kopfjäger.' Die Wa-Stämme in Virma sind uns jetzt durch I. G. Scott bekannt geworden, der über die bei ihnen in ganz außergewöhnlichem Maße g: bcäuchjiche Kopfjäg::ei viel zu erzählen weiß. Sie wohnen östlich vom Salwin in West-Manglun im Gebiete der Schan und werden in zahme, die ihr Haar lang wachsen lassen, und wilde, die es abschneiden, geschieden. Die Dörfer der wilden sind durch gute Straßen mit einander verbunden ; die Leute sind vortreffliche Ackerbaue? und umgänglich. Aber Trunkenheit, Un sauberkeit, das Verzehren von Hunden und v)r Allem Kopfjägerei sind bei ihnen herrschend. An jedem Ende des Dorfes sieht eine ReisschnapZbrennerei, der tüchtig zugesprochen wird ; auch ißt man Opium, raucht eZ aber nur selten. Der Zugang zu den Dörfern wird stets durch eine Allee von Schädeln eröffnet, die auf Pfähle gesteckt sind. Das ärmst: Dorf zeigt deren mindestens ein Dutzend ; die reicheren schmücken aber den Zugang mit hundert und mehr Menschenfchädeln. Alljährlich zur Zeit der Ernten werden Schädel geopfert, am liebsten diejenigen von hervorragenden Leute oder Fremdlingen, und die Gemeinden, welche solche Schädel nicht durch Mord erlangen können, suchen sie zu kaufen. Die' frischen Köpfe werden in Körbe an Bäumen aufgehängt, wo sie bleichen ; dann erst wird der Schädel ftierlich in der Allee aufgestellt. Eine Priesterkaste besteht bei, den Wan nicht. Scott meint, daß er und seine Gefährten die ersten Fremden waren, die den blutdürstigen Volk: keinen Schädeltribut leisteten. Bitteres Lob. Schauspicler: Nun. Herr Meyer, wie gefiel ich Ihnen denn gestern Abend in meinem Spiel als Erbonkel? Meyer: Großartig! Herrlich! Man vergaß knz Jh Schulden, dabei Z
Vkutterliebe.
H?on Gustav erbrecht. Schloß Rodeneck, den 30. Zum 1869. Mein lieber Herr Pfarrer ! Ein Jahr ist nun dahin, seit Gott auch unsere Tochter zu sich genommen hat fürwahr ein trübseliges Jahr ! Hätte Konstanz uns wenigstens ihr Kind gelassen, so würden wir nicht so vollständig vereinsam! sein, und das marternde Bewußtsein, einst ohne Nachkommen, scheiden z:i müssen, wäre uns erspart geblieben. Aber sie hat, wie Ihnen vielleicht noch unbekannt ist, auch im Tod: nicht von dem kleinen Wesen, dessen Geburt ihr verhängnißvoll werden sollte, lassen mögen: ihr todtes Kind im Arme, haben wir die junge , Mutter der Erd: übergeben müssen. Nach dem Tode unserer unvergeßlichen Tochter haben wir all' unsere Elternlieb: auf" den Schwiegersohn übertragen wollen leider bat er sich ihrer unwürdig erwiesen. Seit einem halben Jahre schön führt Graf Schierbach in Paris das tollste. Leben. Wir. die Gräfin und ick. werden'alt. Herr Pfarrer. Und es ist so trostlos leer und ode in uns und um uns. Gestern "war. wieder der Todestag unseres theuren Erich. Fern liegt es mir, über diesen schweren Verlust zu klaacn: ich habe meinen Soh dem Vaterlande gern geopfert, und ich bin stolz darauf, daß er auf dem Felde der Cschre den Heldentod sterben durste. Aber finden Sie es nicht auch er klärlich. wenn wir versuchen möchten, unseren Lebensabend freundlicher zu gestalten? Und möchten Sie,' bewährter Freund unsere Hauses, uns hierzu behilflich sein? Wir haben uns nämlich entschlossen, ein fremdes Mädchen 'bei uns aufzunehmen. Das Kind möchte etwa zwei Jahre alt, durchaus gesund und gut entwickelt sein, auch müßte es, gleich unserer Konstanze, helles Haar und 'blaue Augen haben. Es muß durchaus ehrbaren, wenn auch den untersten Schichten angehörenden .Eltern abstammen. Eine Waise wäre uns am liebsten, jedenfalls aber müssen alle etwa noch vorhandenen Familienbände gänzlich gelöst werden ; der Aufenthalt des Kindes muß für die Angehörigen vauernd tiefstes Geheimniß bleiben. .Das Kind soll von uns ganz so erzogen und behandelt werden, als sei es unsere Enkelin; es wird uns dereinst auch beerben. Sie würden uns zu dauerndem Danke verpflichten, wenn Sie ein unseren Wünschen entsprechendes Kind unauf fällig ermitteln könnten. Die Gräfin läßt Sie grüßen, wie Sie. verehrter Freund, ebenfalls grüßt Ihr Ihnen stets wohlgeneigter Graf Roden zu Rodcneck." Sinnend schaute der Pfarrer Schwarz zum Fenster hinaus, als er den Brief des Grafen gelesen hatte. Ihm. dessen Beruf es war. die Mitmenschen im Unglück zu trösten, ging die Trauer, die aus diesen Zeilen sprach, tief zu Herzen. Er war in jungen Jahren Hauslehrer-auf Rodeneck gewesen. Der Pfarrer begab sich in den Garten, wo seine Gattin in einer schattigen Laube mit einer Handarbeit beschäftigt war. Zu ihren Füßen spielten zwei Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren. Schweigend reichte er ihr den Brief. Ich habe an das Töchterchen des verstorbenen Schneiders Häßlers gedacht." begann er, als seine Frau ihn nach dem Lesen des Briefes, dessen Inhalt auch sie sichtlich ergriffen hatte, fraaend anblickte. Aber wird die Mutter, trotz ihrer Nothlaqe., das Kind missen wollen? Sie hängt seh? an der Kleinen," wendete die Pfarrerin ein. Daran habe ich auch gedacht. Aber ich hoffe, die Frau wird selbstlos genug sein, dem Wohle ihres Kindes das Opfer zu brinaen." Karl, ich fürchte. Du beurtheilst das Mutterherz falsch. Mir scheint es hart, eine arme, schwer geprüfte Freu noch, ärmer zu machen." Liebes Kind, es dient ja zu ihrem Besten und zum Glück ihres Kindes, das ihr zweifellos eine arone Last ist " Run. meinetwegen mach: ihr den Vorschlag." sagte die Vkarrerin an gcrnv. Aber versprich mir, sie nicht zu überreden. Der Pfarre? versprach es und machte sich auf den Weg zur Wittwe Hakler. Dürstig genug sah es in der Hütte aus. Frau Häßler saß am, Fenster und strickte, während das Kind auf dem Fußboden spielte. Es hatte den linken Arm verbunden. Wie geht es Ihnen, Frau HäßIer?" fragte der Pfarrer tbeilnebmend indem e? der bleichen -Frau die Hand reichte. So schlecht, wie es einer armen Wlttwe. dle verhindert ist. dem Er werö nachzugehen, nur aeben kann Herr Pfarrer. Hätte ich das Kind nicht, so konnte ich mit Siechen außer halb des Hauses reichlich meinen Un terhalt verdienen. Jr. diese feuchte Dutt: .aber giebt man mir nur seh wenig Näharbeit." Waö hat die Klein: am Arme? Ach, sie ist vorige Woche gegen den reiken Ösen gefallen, als ick sie e nen Augenblick allein gelassen hatte. Man kann doch nicht immer um sie sein Bitte, zeigen Sie doch mal so. s das' sieh! ja recht schlimm aus. wird aver voNentlich in einigen Wochen ge Keilt sein. Eine Narbe wird ha Zttnv muick behalten Saaen S e. Frau Häßler, ich könnt: Ihr Kind gut versorgen. ' O, das wär: ja ein großes Glück. 1 Herr Pfarrer," rief die Frau strahlenden Auges. Aber wer sollte ssck der Kleinen annehmen wollen?" setzte sie j rann zweifelnd hinzu.
Reiche, vornehme Leute, die ihr:
eigenen Kinder verloren haben, wollen e:n fremdes Mädchen als eigenes annehmen, das sie dereinst auch beerben soll. Ich möchte den Herrschaften Wt Anna empfehlen. Frau Häßler ließ ihre fleißigen Hände sinken. Aber die Mutter, seine wirkliche Mutter, darf das Kind denn nicht mehr kennen, nicht wahr?" kam es dann tonlos über ihre Lippen. Richt allein das, liebe Frau Haßler: Sie würden Ihr Kind nie wieder sehen, von ihm nie wieder etwas hören dürfen. Sie müßten es mit einem Worte als für Sie todt betrachten." Für mich todt, mein lebendes Kind! Herr Pfarrer, Sie verlangen viel! Und d Augen mit der Schürze bedeckend, brach sie in hestiges Weinen aus. Aber Frau Häßler, so seien Sie doch nu'r ruhig, es zwingt Sie ja kein Mensch. . Sie brauchen doch geg?n cc. . : m :rr cv rr v : . i ijicii ciuciica lllkil r Kino nicgi hinzugeben." Das sagen Si: so. Darf ich denn das Anerbieten ablehnen? Soll ich mir Zeit meines Lebens vorwerfen, dem Kinde sein Glück vorenthalten zir haben? Rein. nein, ich muß Sie. sogar dringend bitten, nehmen Sie mein Kind. , Jetzt kann ich nicht mehr anders." Der Pfarrer erhob .sich. Im Innersten ergriffen, reichte er der Frau die Hand. Si: haben ein edles, tapferes Herz, Frau Häßler." Zu Hause angekommen, schrieb er dem Grafen, daß ein geeignetes Kind zu haben sei. Er empfahl es nicht dringend, sondern beschränkte sich darauf, das Kind der Wirklichkeit gemäß als den gestellten Bedingungen entsprechend zu schildern. Schon nach wenigen Wochen traf das gräfliche Ehzpaar. begleitet von einerWärterin, im Dorfe ein. um das Kind zu sehen und womöglich gleich mitzunehmen. Frau Häßler wußte, was man von ihr wollte, als die Fremden mit dem Pfarrer in ihre Hütte traten. Die ganze Zeit her hatte sie diesem Tage mit geheimer Angst entgegengesehen, gleichwohl aber, im Banne einer inneren Scheu, nicht gewagt, mit dem Pfarrer über die Angelegenheit weiter zu reden. Auch dieser hatte den wunden Punkt, der ihm nach dem neulichen Ichmer,;ensausbruch: der Frau äußerst peinlich geworden, war, nicht ohne Roth wieder berühren mögen. ' Hier ist das Kind." sagte Frau Häßler scheinbar gefaßt, ohne eine Anrede abzuwarten. Dann ergriff sie die Kleine, preßte sie leidenschaftlich an sich und reichte sie stumm der Wärterin. Ob das Kind - auch gefalle, schien für sie gar nicht in Frag: zu kommen. Gute Frau, Sie wollen uns Ihr Töchterchen überlassen?" fragte die Gräfin freundlich, nachdem -sie die Kleine schnell mit prüfendem Blick gemustert hatte. Nachdem auch er das Kind flüchtig betrachtet und dann einen Blick des Einverständnisses mit seiner Gemahlin ausgetauscht hatte, nahm der Graf mehrere Banknoten aus seiner Brieftasche und überreichte st: Frau Häßler. Doch da war es .mit deren mühsam behaupteter Fassung zu Ende. Was, ich soll mein Kind verkaufen?" schrie sie gellend auf. Rein, behalten Sie Ihr Gelo; sein eigen Fleisch uno Blut verschachert man nicht." - HzftigesSchluchzen e:schütt:rte ihren Körper.. Betroffen schauten die Fremden einander an; ihnen war dieser Borganz offenbar unverständlich. Auf einen Wink des Pfarres entfernten si: sich dann mit dem Kinde, das sich auf dem Arme der Wärterin, die es mit Bonbons befchenkte,.vollkdmmen ruhig verhielt. 4 Der Pfarrer war bei Frau Häßler zurückgeblieben, die zu trösten er sich bemühte. Doch sie blieb seinem Zuspruch unzugänglich; der Schmerz über den Berlust des Kinoes hatt: sie überwältigt. Als aber endlich der Pfarrer erklärte, er seh: ein, daß er ihr zuviel zugemuthet habe, er wolle ih: das Kino wieder herbeischaffen, da faßte st: sich gewaltsam: Rein, lassen Sie!" rief sie erreg!. Ich darf das Lebensglück meiner Tochter nicht vernichten!" setzte sie leise hinzu. 5 Die junge, kaum achtzehnjährige Dame auf Schloß Rodeneck, von der man weit und breit munkelte, sie sei armer Leute Kind und von dem gräflichen Paar adoptirt worden, wird allgemein beneidet; sie ist doch die Universalerbin des gräflichen Vcsitzes. Ab:r merkwürdig! Trotz allem äußeren Glück ruht seit dem Tode der Gräfin ein tiefer Schatten düst'.rcr Schwermuth auf ihrem sonst 'so offe nen. hübschen Gesicht. Das kann 'unmöglich allein Trauer, .um die Verstorbene sein, der Grund muß tiefer liegen. x Man sieht doch, der Besitz irdischer Güter allein macht nicht glücklich," sagen die Leute. Als die Gräsin im vergangenen Herbst gefühlt hatte, daß sie dem vor einigen Monaten heimgegangenen Gatten bald folgen werde, da hatte sie es für angebracht gehaU ten, die Pflegetochter über ihre Herkunft aufzuklären und ihr vor Augen zu führen, was alles sie den Pflegeeltern zu verdanken habe.' Wenn Anna auch längst gewußt hatte, daß' sie zur Gräsin und zum Grasen in keinem Verwandtschaft!!chen Verhältnisse siehe, so hatte sie doch bisher nicht geahnt, daß Ihre Mutter sich bei Lebzeiten von ihr ge-, trennt. Ein Gefühl unsagbarer Bit-
terkeit ist über sie gekommen and nicht mehr zu bannen, seitdem di: Gräfin ihr die Augen geöffnet. ' Da gibt es keine Entschuldigung für sie, oit ihr das Leben gegeben. Muß nicht eine ihr, Kind wahrhaft liebende Mutter es vorziehen, vereint mit ihm unterzugehen, anstatt sich für immer von ihm zu trennen? Das Band zwischen Mutter und Kind kann nur allein der Tod zerreißen. Ob si: noch unter den Lebenden weilt? Die Gräfin hat darüber keine Auskunft geben können, auch angeblich den Wohnort der Rabenmutter nicht gekannt. Mit ihren Gedanken beschäftigt, saß Anna eines Nachmittags in der Veranda, als eine fremde Frau über den Schloßhof daher kam. Ihr sonnenverbranntes Gesicht sah vergrämt aus; ihre dürstige Kleidung verrieth eine ordnungsliebende Hand. Anna hörte, wie der Diener die Fremde mit barscher Stimm: nach ihrem Begehr fragte. Könnten Sie mir vielleicht sagen, ob die jung: Dame, die hier im Schlosse wohnt, am 16. August ihren Geburtstag hat?" fragte sie schüchtern. Frau, was geht Sie das an? Wollen wohl 'den Tag zum. Betteln benutzen? schrie der Diener, aufgebracht über die nach seiner Meinung unverschämte Frag:.' Ich bettle nicht; bitte, geben Si.e mir doch um Gotteslvillen Auskunft," hörte Anna die Fremde slehen.' Die Pein eines gequälten Herzens drang auS ihren Worten. Eine nervöse Unruhe hatte die junge Dame ergriffen sie rief die Frau zu sich. Weshalb wollen Sie denn meinen Geburtstag wissen?" fragte sie mit bebenden Lippen. Ach, verzeihen Sie einer verzweifeinden Mutter, gnädiges Fräulein. Seit fünfzehn Jahren durchwandere ich unstät die Welt, mein Kind ii suchen, das ich. um es einem trostlosen Elend zu entreißen, reichen Leuten anvertraut habe. Ach Gott, ich habe damals meinem Muttcrherzen zu viel zugemuthet. es will sich nicht beschwichtigen lassen. Und so treibt es .mich, meine Tochter zu suchen, bis ich sie endlich gefunden habe, oder meine todtmüden Beine zusammenörech-n. Und sollte si: auch nichts von mir wissen wollen ich muß sie von Angesicht zu Angesicht sehen. Darum ftgen Sie mir. ob Sie am 16. August achtzehn ' Jahre alt geworden sind, und ob Sie am linken Arm eine Narbe haben " Durchdringend ruhten die Augen der Frau, in denen ein wahnsinniger Schmerz glühte, auf dem Antlitz des jungen Mä'öchens, Anna war bis an die Lippen erbleicht, ihr Herz pochte stürmisch im Kampfe mit den verschiedenartigsten Empfindungen. Di:ser elenden Jammergestalt also verdankte sie ihr Leben ? Diese Frau, die beinahe als Landstreicherin von ihrer Schwell: gewiesen worden wäre, sollte sie Mutter nennen ? Unmöglich ! Nein, nein, sie batte keine Mutter ; seit fünfzehn Jahren hatte sie ohne sie leben müssen, sie würde es auch ferner können.... Und das gequälte Weib da vor ihr ? Nun ja, eine Frau, die so herzlos dn konnte, ihr Kind wegzugeben, hatte kein besseres Los verdient ; sie hatte jedes Anrecht auf Muiterglück und Kindesliebe verwirkt. Aber wozu hatte die Frau sich von ihrem Kinde getrennt ? Um es glücklich zu machen, um es dem Elend zu entreißen." Da sah Anna im Geiste neben der Frau eine zweite Gestalt auftauchen, genau so ärmlich gekleidet, mit demselben vergrämten Antlitz doch die Gesichtszüge waren ihre eigenen ! Das also wäre sie geworden ohne die hochherzige That der Mutter, die ja ein Ausfluß selbstloser Mutterlieb: war ! ! Die- Eisrind:, die sich um das Herz der Tochter- hatte legen wollen, zer schmolz vor diesem Biloe in warmes.
menschliches Empfinden Anna brach in Thränen aus. und mit dem Vlussörei : Mutter, ich bin Deine Tochter!" sinkt sie der schwergeprüften Frau m die Arme. Tie gelösten Beziehungen. Schach und Halma Spielte Alma Täglich mit dem Res'rendar; Aengstlich sann sie. Doch gewann sie : Einmal nur im Vierteljahr. Das erbost sie; heimlich tost ste, Stets geknifs'ner wird ihr Mund; llnd Herr Hartner, Der ihr Partner. Frägt sie schließlich nach dem Grund. Ach, versetzt sie, Kränkt erst jetzt Sie Meiner Seele bitt're Pein' , i Schnöder Lug nur, , . Oeder Trug nur Waren all' die Schmeichelei'. . . . Ja. das weiß ich! D'rum zerreiß' ich Schroff das kaum geknüpfte Band! Liebt und nimmt man, , Dann gewinnt man Richt so. schauderhaft constant! r m m M Kindermund. Dame (im Posamentirgeschäft zum Verkäufer): Schneiden Sie mir, bitte, eine Probe von dem Stoff ab, ich werde dann zneine Schneiderin fragen können, wie viel Meter ich brauche, und Sie es mir alsdann per Post einsenden. Der kleine Karl: Aber Mama, das hast Du ja in den anderen Geschäften auch schon gesagt! .
Ein Oerllner Festtag auS alter
Zeit. C.xiit von I. Trulossi Vor fünfzig Jahren, da lag noch der Schützenplatz der Berliner Schützengilde in der Linienstraße, nicht weit ab von der Neuen Korngstraße. Jetzt ist er schon längst verschwunden' mit seiner hohen Vogelstange, mit dem zweistockigen Schutzenyause an der Straßenfronj, dessen verwitterte und zerschossene Scheiben im Festsaale so oft herausgeschaut haben auf die tanzende Jugend, von der sich Mancher und Manche einen Ehetreffer geholt hat, während Andere' vorbeischössen. Die alte Pracht des kleinstädtischen Berliner Lebens ist dahin wo der alte Schützenplatz gestanden, da erheben sich jetzt mächtige Miethskasernen, in denen statt der fröhlichen Schützenschaar schwere Arbeit und dauernde Sorge ihren Einzug halten. Heute ist Schützenplatz' hieß es vor fünfzig Jahren in allen Straßen Berlins, welches noch die alte Stadtmauer vor dem Auseinanderlaufen bewahrte. Ueberall in der großen" Stadt vsm Windmllhlenberge bis zum Kreuzberze, von den Zelten bis zum Oberbaum das, waren die Endpunkte Berlins hieß es: rute ist Schützenplatz", in jeder Werkstatt des Handwerksmeisters, dessen Mrgerbrief unter Glas und Rahmen über dem Sofa neben der Servante" in der guten Stube" prangte, in jeder Beamtenfamilie, und in den Schulen hatten die Lehrer ihre liebe Noth, um das heranwachsende Geschlecht bis zum Mittag wenigstens einigermaßen im Zaume zu halten, denn Nachmittag war natürlich frei". Waren die Schulen geschlossen.dann brach der Strom heraus aus dem engen, Schulgebäude in den Hauptstrom hinein, der zur Linienstraße, wogte, denn Pferdebahnen gab's damals noch nicht und eine Droschke für vier Jute" (fünf Silbergroschen) zu nehmen, war auffälliger Luxus, trotzdem es damals noch gestattet war, daß vier Erwachsene mit ihren Würmern" ohnePreiserhöhung in der Droschke Platz nehmen konnten. In der Linienstraße ging, die Geduldprobe an. Nur langsam kam der Menschenstrom vorwärts, und hätten nicht die unsterblichen Schusterjungen ihre Witze gerissen, wäre Allen die gute Laune verloren gegangen. Dort hat ein Schneider sein Fenster mit Georginen' und Spargelkraut drapirt, und würdevoll schaut die dicke Frau Schneidermeister in dunkelrothem Kleide auf die vorbeifluthende Menge, während' ihre beiden spindeldürren, hochgeschossenen, nicht mehr ganz jungen Tochter ihr zur Seit: stehen. - Seh' mal, Ede!" ruft ein Junge, den ufjeschossenen Spargel da oben!" Un in de Mitte ne Jeorgine!" Dort ruft ein Anderer: Nich husten. August!" Worum denn nich?" ' Na, soll denn dei Droschkenpferd drleben umfallen?" - Nee. det wär schade! Det arme Dhier friert zewiß!" ' Worum?" Weil der Kutscher heute morjen versessen hat, ihm det Fleesch uf de Knochen anzuziehen." Endlich ist das Eldorado Berlins erreicht. Der Schützenplatz hat liebreich seine beiden qronen Thorslugel geöffnet und vor der schaulustigen Menge liegt der große, gegen die Stadtmauer hin aufsteigende Platz mit seinen .Buden und Fahnen und Tischen. Der Leierkasten dudelt, Verkäufer kreischen, Akrobaten rn Tncots brüllen von ihrer Estrade herab, und der bezaubernde 'Duft der Knob lauchswürste strebt hinauf zu den unsterblichen Göttern, während der Weißbierwirth nebenan langsam und bedächtig das perlende Naß in die schräg gehaltene riesige Weiße" gießt. Vater, jieb mir'n Dreier! Ick will bei det zroße Pfefferkuchenherz mit würfeln!" fagt ein Elfjähriger zu seinem Erzeuger, der alle Hände voll zu thun hat, denn an der Rechten führt er den Jungen, an der Linken feine kauende Tochter,- in dem Munde hält er die lange Pfeife, und Mutter", welche das Jüngste auf dem Arme trägt, hat ihn. um nicht verloren zu gehen, an den Rockschooß gefaßt. - Wat?" antwortet Vater, schon wieder 'n Drjier? R Katzenkopf kannste kriezen, Du Lummel, wenn Du den zanzen Jrofchen schon kleen ge kriejt hast!" Vater," meint der Sprößling unentwcgt, -ittb mir doch n Dreier! .Nee. is nich!" Weeßte. Aujust." fällt ihm jetzt die Mutter in den Rücken, ick würde mir doch schämen an Deine Stelle! Um den Dreier vor den Jungen haste Dir, wie 'n Dienstmädchen nach ihren Irenadier. aber Du denkst wohl, ick habe 't nich jesehen, wie Du schon fünf Kimmel bei 'n Budiker Pieske hinter die Binde jejossen hast?" Saure Jurken, Pfefferjurken!" ertönt es ietzt in der Fronte des soeben hinterrücks angegriffenen FamilienHauptes. . ' Wech!" ruft er ärgerlich dem ju gendlicher Verkäufer zu. Det is Dir recht!" meint ein Vor beigehender zum Jungen. . Wat bietst Du nu woll den Meester Deine saure Jurken an; btn macht et seine Olle schonst sauer genug! ' . Sie können mir jarnischt beweisen!" erwidert ihm dr Meister. Das war für den Spötter wohl ein überzeugendes Wort, denn er erwiderte nur: Schaafskopp!" Schandarm!" ruft der zornige Meister iner grünen Uniform zu, in welcher der-Besitzer eines , fehr rothen Gesichtes mit einer noch rötheren Nase
steckt, und auf dessen Stirn feineiunumschränkie, allgemein furchterregende Gewalt geschrieben steht.
Was wollen Sie?" fragt der sAngeredete mit würdevoller Schroffheit und zieht das dicke lederne Notizbuch zwischen dem dritten und fünften Knopf seiner Uniform hervor. Der Mann hat mir jeschumpfen!" Ein vernicktende? Blick der Koben Obrigkeit irisst den verstockten Sün der. Wie können Sie den Mann schimpfen?" Aber Herr Schandarm, et is ja jut, et war man bloß " Wie Sie hier schimpfen können, frage ich Ihnen. Ich werde Ihnen notiren. Wiejhcißen Sie?" ' Ick heeße Aujust Schmidt. Schießjasse 3, evanjelisch, noch nie nich bestraft, bloß zweemal wegen Roochen uf .de Straße un eenmal in'n Dhierjarten wegen . detselbe, unverheirathet un zweemal jeimpft." Schmidt mit 'n dt"?" Det is Jeschmacksache,Herr Schandarm. Wenn ick besser wechkomme, können Sie mir mit 'n bloßet d" schreiben, je nachdem det Sie wollen." Kerrel ! ! Schweigen Sie! Sie werden das Uebrichte schon erfahren, un wer hier noch lacht, der kommt nach'n Ochsenkopf!" Der Jnkulpant ist eingeschüchtert; die Umstehenden auch. Alle machen dem gefürchteten Diener der heiligen Hermandad bei. seinem wirkungsvollen Abgange schweigend Platz. - Der Familienvater mit Familie ist bereits verduftet". Er fürchtete die Folgen seines übereilten Schrittes. Aus der Menge der altersschwachen Buden, die bereits vieler Herren Län.der Jahrmärkte gesehen, ragen einige größere hervor. Die erste am breiten Hauptweg: hat eine entfernte Ähnlichkeit mit einem großen Zelte: die in weiten Zwischenräumen eingerammten Pfähle sind mit Leinwand umspannt, ein Dach fehlt. Vorn am Eingange wallt eine verschossene rothe Gardine herab, welche in besseren Tagen das Kleid irgend einer Theaterprinzesstn abgegeben haben mag. Ueber dem Eingange befindet sich der Balkon", und an diesem ein langes Schild, welches den Zweck dieses seltsamen Baues dem Publikum verdeutlicht: Größter Cirkus der Welt ! Equilibristisch-pantomimische Zauberhalle. Das Lokal ist geheizt." Hochverehrtes Publikum!" brüllt am Eingange ein breitschultriger, mit fleischfarbenem Tricot und besternten Sammet - Schwimmhosen bekleideter Kerl, welchem in der Dämmerstunde in prosaischem Anzüge auf menschenleerer Straße zu begegnen, wohl begründete Furcht erregen könnte. Hochverehrtes ' Publikum! Ich habe die Ehre, der größte Künstler der Welt zu 'sein. Immer rran! Ein' Groschen die Person! Meine Gesellschaft besteht aus zwei Italiener, drrei Franzosen,r Affen, einen rohen Fleischfresset und neununddreißig Pa mjeis. Immer rrran! Ein Grosche i die lumpigte Person! Außerdem j- Du willst wohl 'rin. mein lieber So5n? Geld haste nich? Denn nÄ det Du wechkommst. oller Maulaffe! Außerdem wimmelt es in meinem Cirkus von schöne Mächens, welche Feuer fressen, hundert Ellen Band! ausfvucken un mit 'n 'Bären tanzen. Die Bestellung bejinnt sofort! Immer rriii! Ich selbst bin aus Amerika und hab mang die Wilden Zeit .meines Lebens jeleöt! Nur ein Groschen!" Das geehrte Publikum wendet den Groschen an, die ungehobelten, schwankenden Bänke sind dicht besetzt und Jeder . ist - höchlich erbaut von der Kunstvorstc?unz. deren Genuß' durch, das ohrenbetäubende Paukenschlagen der Frau Direktorin erhöht wird. Etwas weiter, ab ist das elegische Element vertreten, das dem Berliner von damals, der noch von Politik keine Ahnung hatte, ein wohlthuendes Graulen" verursachte und den Augen der Berlinerinnen so manche Thräne entlockte. Ein Leierkasten und darüber auf Wachsleinwand die gemalene" Morithat der Lowise Neumann, geborene Lerche. Der Besitzer des musikalischen Marterwerkzeuges steht-in würdevoller Haltung als Troubadour daneben, in der Hand den Rohrstock zum Zeigen der- Einzelheiten des grauenhasten Bildes sowohl, tpie zum spontanen Gebrauch für drängelnde Jungen. Seine Gattin steht s neben ihm mit dem Sammelteller, dem auszuweichen kaum möglich ist, z und die Korona seiner andächtig lauschenden Zuhörer vergrößert sich von Minute zu Minute. .Dieselbe besteht nicht, etwa aus dem Janhagel, wie auf.' beutigen Jahrmärkten, nein, der ehrsa ine HandWerksmeister mit , Frau und Kindern im Sonntagsanzuge, der Soldat mit seiner drallen Köchin, der geschniegelte Heringsbändiger", wie die jungen Materialisten genannt wurden, der Gerichtsschreiber und kleine Beamte, sie Alle sind gekommen, um sich durchgruseln" zu lassen. Und der Leierkasten-Troubadour singt mit schnapsheiserer' SUmme: In der Lü ü üneburger!Hai ide, Einst ein flotter Schneider xp, (Klatsch auf das erste fottd, das den' reisenden ' Schneider mitten im karminrothen Abendhimmel veranschaulichen soll). Ach, wie hüpfte ihm das. . Herz vor Fro o-oide Als ein Licht erblickt er iy der Finsterniß! h ,' (Klatsch, auf das zweite Bild' Alles dunkel darauf, nur rechts hinten ein gelber Klex.) . , . ; ! Die Verse werden, , der, immer graulicher. r5 '.': nur fünfundzwanzig. c: .':::: der Schneider klopft r ' ,.' ' werksmann wird c: j
zu Bett und schnarcht ganz nett. Und als er schluf",,der Wirth die Wirthin zu sich ruf". Sie machen darauf ein Eomplott und schlagen ihn dann mausetodt. Sie stechen ihn und au! das Blut, spritzt himmelhoch in wilder Wuth. Verbrenn'n ihn dann von Kopf bis Fuß, worauf der Wirth das Licht ausbluß. ,Die Morithat jedoch, ei, ei! Die merkte die hohe Polizei. Man stecht die Mörder beide ein, die Polizei. wie fein, wie fein! Man band sie gnädigst auf das Rad für ihre grause Morithat. Und schließlich that der Henker köpfen die beiden gräßlichenGeschöpfen. Selbstverständlich mehrt sich von einem Bilde zum anderen die Menge des gemalten Blutes, bis man bei der Köpfung' nur Zinnoberfaröe sieht, hinter der sich der phantasiereiche Berliner die jrauliche" Scene des Köpfen nach Belieben ausmalen kann. Während der Barde singt, gleicht die Bardin einem Schießvogel. Sobald eine Thräne im Auge der Lauscherinnen glänzt, sobald ein andächtiger Zuschauer sich schüttelt und sagt: Vrrr' is det aber scheen!" und Nervenstär--kung aus seiner Flasche in der Brusttasche sucht damals, als das bayerische Biernoch nicht seinen erlösenden Einzug in' Berlin gehalten, war der Schnapsteufel obenauf beim Bürger wie beim Arbeiter bums! da war, die Bardin mit ihrem Teller da und die Anzahl der gesammelten. Dreier mehrte sich höchst erfreulich. Der Abend rückt heran, das Knallen in der Schießbahn hört auf, und die damals noch soliden Berliner, di stolz auf ihren Bürgerbrief, jede Eollision mit der Polizei ängstlich vermieden, verlassen nach und nach den.Platz; sie wandern heim, aufgeregt von all' den Schaugenüssen, etwas benommen vom Kümmel und den obligaten Weißen. Die Karussells kommen zur Ruhe, kenntet jeht ja schon uff Neune!", de: Gymnastiker ist ebensoheiser wie betrunken, die hundertmal abgedudelte Morithat findet keine Kunstverständigen mehr und der Schandarm" braucht bei seinem Be fehle Feierabend" sich nicht über Widcrspänstige zu ärgern. ' Was er an 5Zünzmel mit Jewehr ieber" geleistet, hat, oas weiß er selbst nicht; seine Tasche auch nicht, denn er wird freigehalten als Schandarm", wie einst als Unterofficier. Warum? Da
rum: Auch der Familienvater geht mir seiner janzen Hasenhaide", wie er Frau und Kinder als Collectiv b?" zeichnet, nach Hause. Er schweigt. sehr viel, denn die Zunge ist ihm schwer: sein Gesicht blickt aber, trotz Mutterns Straßen - Gardinenpredigt, äußerst vergnügt auf die fchöne- Welt. Mutter theilt ihre Aufmerksamkeit auf Vaters" schwankenden Gang und die gewonnene Glaskarawine". Einsatz ein Dreier; nach fünf verspielten Groschen hat sie gewonnen; Werth der schiefbäuchigen Flasche sechs Dreier". Der älteste Junge sieht nicht ganz wohl" aus. Aepfel, Pfefferkuchen und Weißbier streiten sich in seinem Magen, über eine neue ' Regierungsform, die beiden Jüngsten sind müde und wer den abwechselnd vom Vater getragen. Todtmüde nach fast einstündigem. Marsche kommen ste zu Hause an. Ausnahmsweise lassen sich die Kinder gleich zu Bett bringen. Oeliqen AuqeL gibt Vater Muttern" den Nachtkuß und sagt selig: Mutter, et war doch sehr scheen!" Mutter ist aber tückisch wegen der vielen Kümmel. Sie antWortes nur: Stoß mir man bloß meine Karawme nich um!" Bald schlafen Alle den Schlaf der Gerechten. Die langeRede. Der alte Oberst von Beiß hatte seinen Abschied erhalten. Obwohl er nie in seinem Leben eine Rede gehalten, die länger gewesen wäre, als: Unser gnädigster Landesherr leb: hoch!" beschloß er, sich von seinem Regiment mit einer längeren Rede zu verabschieden. Dieselbe war auch nach mancher schlaflosen Nacht zu Stande gekommen und hatte den wohlklingenden Anfang: Hat je.." u. s. w. An dem Tage des Abschiedes ist' das Regiment versammelt; der Oberst reitet vor die Front und beginnt mit feierlicher Stimme: Hat je " Adje, Herr Oberst!" antwortet dasl Regiment wie aus einem Munde auf j den vermeintlichen Abschiedsgruß und auch diese lange Rede war so kurz geblieben wie äße ihre Vorgängerinnen. Schlau. Sulfurius: Nanu, College Süffel, Ihr seid schon wieder 'mal umgezogen? Süffel: Nein,, wer sagt das? rf) habe mir nur jetzt zwei Wohnungen ' gemiethete Sulsurius: Und warum denn das? Süffel: Ja, die eine Wohnung steht auch so gut wie leer, dort schlafe ich nur. Das ist nämlich meine Pfändungswohnung; da ist außer meinem Papierkragen und ein. paar alten Classikern nichts zu finden. Die andere Wohnung ist das reine, Gegentheil, voller Luxus, die Gemüthlichkeit selbst; davon wissen aber meine Gläubiger nichts. Sie hat den großen. Vorzug, daß mich meine Gläubiger so mit stets verfehlen, da ich in meiner anderen Wohnung einfach nicht zu Hause bin! Kasernenhofblüthe. Unteroffizier (einen Einjährigen , an die Achselklappenschnüre greifend): Sie denken wohl, Sie haben fcie Dinger, damit Sie über die Schnur hauen können? Nein, damit Sie sich immer daran erinnern, daß bei Ihnen Alles wie am Schnürchen gehen soll!" , Begreiflich.. A.: Das ein reizendes Silick, das das O:.",:.:? da spielt. I.: 2, und d: j tzr v:.r C-r' in - l.i. J -V, l.l . M r - -!'-' .( , ' . . i j . -A.
