Indiana Tribüne, Volume 17, Number 103, Indianapolis, Marion County, 31 December 1893 — Page 7

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ßn der Wett)nttl?i!Szett u i ld aus der alten H e i m a t h. Schau' nur, Hc:nsi. was alles vom nirnrnel bhunterfällt." ruft das Heine (Schwesterchen und drückt ihr Stumpfnälchen an den kalten Scheiber: platt. Ach Du dummes Liesel," antwortet das blondhaarige Brüderchen, weißt Du denn nicht, daß das lauter weiße Federen sind? Frau Holle schüttelt im Fimmel die Betten auf,un'o.da ZollenZ.ihr alle Federn heraus." ansl macht eine ungeheuer weise Miene und Schwesterchen guckt mit großen runden Kinderaugen in die glitzernde Pracht. Wie langsam sich die weißen Flocken herniedersen!en, feierlich leise und ge heimnißooll; sie bedeckten Häuser und "Zäune mit weißem, weichem Flaum, breiten einen Teppich unter die Füße der Menschen, den lauten Tritt zu 'dämpfen, damit nichts die feierliche .Still: störe. Die beiden Kinder schauen stumm in den dämmrigen Win.tertag, der ihnen ihre kleine Welt so seltsam verändert erscheinen läßt. Die Läd?n der gegenüberliegenden Häuser , werden jetzt erleuchtet und es ist, als Jhatieir die großen Lampen noch nie so gestrahlt wie heute. In der Auslage 'steht Pupz neben Puppe, daß dem 'kleinkn Liesel fast die Augen überge.h:n, während Hansi im Hintergrund des Schaufensters ein riesengroßes .Schaukelpferd entdeckt, von dem er ganz' genau weiß, daß es früher nicht darin gestanden hat. Was nur jetzt 'in der" Welt vorgehen mag? Die Menschen hasten durch den Schnee, beladen :mit Paketen jeder Form und jeder r'öße. daß man meint, sie müßten u-'.ter 'der Last erliegen. Xa kommt ja auch der rothhaarige Frius dem Grünkramkeller seiner 'Mutter hervor, er hat die Pelzmütze so über die Ohren..ae?oaen, daß nur die Nasenspitze hervor Juckt, schwingt in den dick be.yanoiuylen saunen einen orummenden Waldteufel, und während ihm t.t Anzahl grotesker Hampelmänner cm Rockknopf hin und her pendeln, ruft er mit lustiger Stimme durch dit Straße: Gen Jroschen der Hampelmann, een Sechser der Deibel!" Hansi und Liesel rücken halb beklom. ,mm, bald entzückt dichter mit ihren '.Stühlchen zusammen und lauschen dem gedämpften Straßenlärm. Schwesterchen, nun wird wohl bald Weihnachten sein," flüstert Hanst. dann kommt das Christkind und bringt uns wieder lauter schöne Sachen ein Schaukelpferd i'ad .'ne Trommel und .Eine Vuvve!" iubelt Sckwesterchen. und Pfefferkuchen und Zuckerzeug und mii tyTTfmnHhSfirtllTTr." V W u. V y , Ja, einen Weihnachtsbaum!" wiederholt Hansi, worauf sie beide vor dem Zauber dieses Gedankens derstummen. Nach einer Weile haucht Schwesterchen mit verklärtem Gesichte! mit vielen.' vielen Lichtern d'ran!" Wie sich die Wangen der Kinder rothen, wie ihr Äugen glänzen, während sie sich in heimlichem Geflüster ihre lindliehen Wünsche und Hoffnungen für den Christabend anvertrauen! Wie ein wunderbaresZaubermärchen scheint ti ihrer Phantasie, daß einmal, oh wie lange ist es noch bis dahin, der Tag kommen wird, an dem sich ihre kühnsten Erwartungen erfüllen werden, wo !dzs Cbristkindchen den strahlenden Baum m's Zimmer tragen wird und ..mit ihm tausend andere wunderbare A t t W .Dmge. Vlch, wenn es doch bald Weih, nachtsabend wäre! Die rosigen Kinder.mündchen plappern unaufhörlich und, 'irer Wünsche werden immer mehr und mehr. Sic merken in ihrem Eifer nicht, wie dunkel es geworden ist und schließen fast geblendet die Aeuglein, C wie die alte Christ?.! mit dem Licht in's Zimmer tritU Lächelnd hält I diese etwas unter dtt Schürze verborgen, was einen merkwürdig süßen IDuft verbreitet. Nun, ihr kleinen Leut'. was hab' ich hier? Rathet, VM.r ? n O ArfA r yiVUiiUU ilfcUji 3 Ult iti.Utik lvUl Yr Stumpfnäschen hoch und behaup- . l .3 cm.it ci.m iei, e necx gauz i-.au) u)cuiaaicu , während der prattrsche Hansi rasch den .Blondkopf unter Christels . Schürze bringt und dann in das Jubelgefchrei ausbricht: Bratäpfel; Bratäpfel!" Nun wissen sie ganz gewiß, daß der Christabend nicht mehr fern ist, denn gebratene Aepfel und Weihnachten geschören untrennbar zusammen, wie r . . n f i ? v r . " r zJ)Mnerci)?n orer uno ann oieiniai erfahren bat. Nun aber heißt's in's Bett mit dem .kleinen Volk, der Sandmann kommt und macht die hellen Augen trüb und '.schwer. Wo aber bleibt die Mutter? Ja di: Mutter! Die ist zum Christ, kindchen gegangen, vm dort allerlei zu besehen. Freilich, zum Knecht Ruprecht auch, Ihr wißt doch, der Alte, der im Sc.ck Nüsse und Aepfel für artige Kinder trägt und in der-Faust die Ruthe schwingt, wtfm Kmder ungehorsam waren. Was wird er Euch wohl bringen? So- seid nur braö und träumt süß vom Christkind und den Engeln ' Sanft breitet der Schlaf seine Fi! tige über die Bettchen und wundervolle Traumbilder ziehen auf Mondesftrahlen durch das stille Zimmer. ; Im Nebenzimmer aber raschelt und Knistert es, es pocht und hämmert, leise, leise, als sei die Scbaar der öeinttlx tnnnrtrtwn pirtntlfhrt. Prrmfri m " ...r dct ihren Schein auf den großen Tisch, .auf dem es so eigenartig blitzt und fun-Ze!t,-als wären Edelsteine ausgestreut. ), was für wundetliche Dinge werden da gemacht, eine ganze Werkstatt scheint sich auf dem Tisch? aufgethan zu .haben! Da liegt eine große Puppe ausgestreckt, mit geschlossenen Augen, ls sei sie in Ohnmacht gefallen. Ein lhübsches Häubchen umschließt den Lckenkovf aber sonst o Jam-

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mer! sonst hat 'sie garnichts an. Doch an dem Kleidchen näht die Mutter ja so emsig, während ein frohes Lächeln um ihre Lippen zieht. Wie wird sich Liest freuen, wenn sie die Puppe unter dem Christbaum sieh!, eine Puppe, die schlafen kann und eine wundervolle Aussteuer hat! Vater pocht und hämmert, als sei er zum Tischler geLoren, er legt ja die letzte Hand an den reizendsten Puppenschrank, den'man sich denken kann. Dann acht es an d:e Festung, aus der ein ganzes Regiment Soldaten hervor. ?.?? y r . rt . z V . cra . ... maicniien ou, inn nanoncn, agen und Pferden, sowi; allem Kriegsgerath. Das Schönste aber geht doch au den Händen der alten Christel hervor. Sie bohrt den Nüssen Stiftchen in den Leib, sucht sie dann in Eiweiß grausam zu ertränken und wickelt sie endlich zum Trost in einen goldenen Mantel ein. Den Aepfelchen geht es nicht besser, auch sie werden in ein glänzendes Kleidchen gesteckt, und den armen Lichtern gar. denen geht es am allerschl5chtesten. Sie waren so schön zusammengerollt, waren ganz gelb und dufteten nach Honig, nun aber werden sie lang ausgestreckt, in gleiche Stücke' geschnitten und am unteren Ende gespalten, so daß sie auf Füßchen stehen können. Bald liegen sie in Reih' und Glied, die wunderbaren Kerzen, welcye thr Licht so hell in die Kindesseele strai). len sollen, daß dort ein Abglanz bleiben wird, der sie durch ihr ganzes Leben erwärmend und verklärend begleitet. v So werden noch unzahlige Dinge vorbereitet' und mancher Abend dergeht, bis endlich Alles fertig ist. Dann kommt der wundersame Tag, auf den die große und kleine Welt gehofft , hak oh, so lange schon! Wie geheimnißvoll ist es lm ganze Hause! Vater und Mutter, ja, selbst Christel sind un. sichtbar geworden und das große Zimmer ist abgeschlossen. Hans und Liesel drücken sich an der Thür herum, 'als könnten sie durch das Holz sehen. Ah, wie wonnig das duftet nach Tannenharz und Weihnachtskerzen. Da drin nen im Zimmer sind so viel raschelnde Geräusche, wahrscheinlich huscht jetzt '

das .Christkind dort umher. Oh, wenn man es doch nur. ein einziges Mal sehen könnte, aber so emsig die Kinderaugen auch spähen, sie sehen nichts. ' Im Innern des geheimnißvollen Zimmers streckt ein hoherZ Tannenbäum weit die grünen Zweige von sich, es ist, als wüchse er höher und höher vor, Stolz, ob all' des Prunkes, der ihn schmückt. Auf seinen Aesten liegen noch die Schneelasten, als sei er soeben aus dem Walde gekommen. Es ist weiche Watte, die so flaumig darauf liegt und aufgestreutes Salz ersetzt das Glitzern des Schnee's. Goldene Haselnüsse werden mit der breiten Seite in kochenden Siegellack getaucht und in unzählbaren Mengen auf die Zweige gesetzt. An die Zweigspitzen klebt die Mutter all' die bunten Lichter und wo sie nur ein Aestchen findet, behängt sie es mit süßem Naschwerk. Von Orangen werden die Schalen so abgelöst, daß diese Tulpenkelche bilden, den Blumenstengel bildet, ein kleines Licht und wenn sie, tief drin im Gezweig angebracht, cngezündet sind, so schimmern und leuchten sie wie wunderbare Zauberblumen. Zum Schluß werden funkelnde Lamttafäden um den schönen Baum gezogen und nun bald wird er dastehen in seiner ganzen Pracht, duftend und' leuchtend, verheißungsvcll und beglückend. Japanisches Crziehungövefen. ' Der russische Reisende A. N. Kraßnoff hat soeben einen interessanten Bericht über seine Eindrücke in Japan auf einer diesjährigen Reise veröffentlicht, in welchem neben einer Menge anderer bemerkenswerther Einrichtunetn vor - Allem die Gestaltung des Schulwesens, namentlich mit Rücksicht auf die ungemein kurze, kaum LOJahre währende kulturelle Entwickelung diefes Volkes den Leser in Erstaunen setzen muß. Der Schulbesuch ist in Japan obligatorisch, doch wird der Unterricht vollkommen unentgeltlich und zwar für Knaben wie für Mädchen theil? in vier-, theils in achtklassigen Schulen ertheilt. Man schickt die Kinder dort schon im frühesten Alter, meist mit sechs Jahren, zur Schule, und Eltern, welche dieses unterlassen, machen sich strafbar. Die Schulkurse nähern sich am meisten denjenigen amerikanischer Schulen. Es wird dort zunächst lesen und schreiben gelehrt, eine in Japan sehr schwierige Aufgabe, da dieses Land an seinen Hieroglyphen noch festhält. Später folgen Mathematik (Arithmetik), ebene Geometrie (elendentare Algebra), Geographie, Geschichte, englische Sprache und Naturkunde. Sämmtliche Klassen'urse sind in sich völlig abgeschlossen, daß in den höheren Klassen immer nur eine Erweiterung des in den unteren Gelehrten stattfindet. In den höheren vier Klassen kommen dann außer den ErWeiterungen in der Mathematik, englischen Sprache, Geschichte und Geographie noch die chinesische Sprache, sowie Vorträge über Chemie, Pbisik, Physiologie und Naturwissenschaften hinzu. Eine ganz besondere Eigenthümlichkeik besitzen aber die japanischen Schulen in ihren Erziehungskursen, welche von der niedrigsten bis zur höchsten Klasse hindurchgehen und dank welchen es dem Japaner aller Stände aur zweiten Natur geworden ist, sich in jeder Laae mit Anstand, Höflichkeit und guten Manieren zu bewegen. Das von der japanischen Regierung für alle Schulen gleichmäßig festgestellte Programkü ist so eigenthümlich, daß eS.von Interesse sein dürfte, aus der russischen Ueöersetzung von Kraß- ;

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noff den wesentlichen Theil wiederzugeben. Jüngeres Alter. Programm der 4. (niedrigsten) Klasse für den Erziehungskursus. April: Wie sich die Schüler in der Klasse zu benehmen haben. Betragen. Fleiß. Wie man seine Fehler verbessern kann. Mai: Von der Physiognomie des Menschen. Was man Abends beim Zubettegehen und Morgens beim Aufstehen thun soll. Juni: Von der Ehrlichkeit. Gesundheitslehre. Von den Beziehungen zu den Eltern, von der Liebe, dem Wohlwollen, überhaupt den Beziehungen zu Freunden. Juli: Von Gesprächen und Unterhaltungen, und wie man diese führen soll. August: Ferien. September: Von der Gerechtigkeit, Höflichkeit, Achtung vor. dem Alter. Oktober: Von Bekanntschaften, Visiten und Besuchen und deren Erwiderung. November: Ueber Beistand und Unterstützung. Von der Pflicht, genossene Wohlthaten nicht zu vergessen. Ueber den Verkehr mit dem Dienstpersonal. Von der Nothwendigkeit. seine Wohnung rein zu erhalten. Dezember: Vom Geben und Empfangen. Januar: Von der Thatkraft, den Dienstleistungen, von der Pflicht, sich für den Nutzen seines Väterlandes abzumühen. Februar: Vom Anzüge. Regeln für anständiges Essen und Trinken. Decken des Tisches. März: Vorbereitungen zu einer Reise. Wie man beim Verlust eigener und dem Finden fremder Sachen verfahren soll. Programm der 3. Klasse. April: Von der Pflicht des Dienens. Von der Geduld, dem Fleiß, der Sparsamkeit. Mai: Wie man sich in Gesellschaft zu benehmen hat. Wie man sich hinsetzen soll. Eintritt in ein Haus und Austritt aus demselben. Körperbewegungen, Vergnügungen, Spiele. Juni: Von der Unterordnung unter die Eltern und dem Erweisen von Gutem. Von der Liebe zu Freunden und guten Beziehungen zu Anderen. Juli und August: Ferien. September: Ueber Ehrlichkeit. Wie man ein Vergehen wieder gut machen kann. Von der Pflicht, sein Wort zu halten.' Oktober: Vom Wiedersehen und von Besuchen. November: Von der Bescheidenheit und der Achtung vor dem Alter. Dezember: Von der Reinlichkeit. Januar : Von der Pflicht, einander beizustehen und sich genossener Wohlthaten zu erinnern. Umgang mit dem Dienstpersonal. Februar: Anzug und Regeln für anständiges Essen. März: Wie man mit fremden, gefundenen Sachen versahren soll. In den vier Klassen des höheren Alters findet eine Vertiefung und ErWeiterung desselben Programms statt, wie folgende, dem Programm entnommenen wichligften Punkte zeigen: Von der Pflicht, seinhöchstes Interesse stets dem Vaterlande zuzuwenden. Von der Achtung gegen Lehrer und ältere Personen. Von den Gesprächen in der Familie. Wie man sich seinen älteren und jüngeren Schwestern gegenüber zu verhalten hat. Wie man Hut, Sonnenschirm und Stiefel behandeln soll. Beziehungen zu Lehrern und Freunden. Von der Wissenschaft. Wie man sich japanisch kleiden soll. Wie eine Thür zu öffnen und zu schließen ist. Wie man Gespräche vorsichtig führen soll. Wie man seinen Gästen Speise vorsetzen soll. Vom Thee und dem Gebäck. Wie man Belohnungen und Ehrenbezeigungen entgegenzunehmen hat. Von den Pflichten gegen Lebende und Todte und gegen die vcrschieden! Stände des Volkes. Vom Gewissen. Das Ziel des Menschen. Vom Leihen und Zurückgeben. Die Pflichten gegen Verwandte, Pflichten gegen den Kaiser. Die Gesundheitslehre in Bezug auf die Nhrungsmitte!. Die Behandlung seltener Sachen. Pflichten gegen die Seele. Vom Zankm und Verleumden. Vom Leser? fremder Briefe. Wie man sich gegen seine Gaste verhalten soll. Aus diesem Programm ist erficht!ich, daß die japanische Regierung der Erziehung durch 'die Eltern kein großes Vertrauen entgegenbringt, sondern auf dem Wege des systematischen, praktischen Schulunterrichts für alle Schüler eine ganz gleichmäßige erzieherische Durchbildung zu erreichen anstrebt. Obgleich die Schule für das ganze Volk gleichmäßig vorhanden ist, braucht sie nicht zu fürchten, daß die Kinder der niedrigen und der niedrig sten Volksklassen die Manieren und Anschauungen der zugleich mit ihnen kernenden Kinder der wohlhabenden und vornehmen Eltern verderben. Im Gegentheil braucht sie ihre Zögünge selbst in der Erholungszeit kaum einem Erzieher zu übergeben, sondern kann sie bei ihrem Spielen und Umhertoben sich allein überlassen, ohne genöthigt zn sein, fortwährende VorHaltungen wegen ihres Betragens rnachen zu müssen. Anstand und Sitte sind hier eben zur Wissenschaft erhoben. Schon wenn der Japaner als kleiner sechsjähriger Dummkopf in die' Schule gelangt, werden thm die leichten und einfachen Regeln des Anstandes in Gesprächen fast spielend beigebracht, der Ehrgeiz und der Wetteifer mit seinen Genossen befestigen ihn mehr und mehr und allmälig eignet er sich auch hie feineren Vorschriften der Etikette an. Und je mehr sein Ver siändniß wächst, nimmt er unbemerkt nicht nur die höflichen und gewandten Manieren des wohlerzogenen Schülers, sondern auch des späteren Staatsbürgers in sich auf. ' ; eine Migräne mehr! Wenn wir von einem neuen Mitte! gegen die Migräne sprechen und hmzusetzen, daß es sich eigentlich nicht , um ein neues, sondern um ein erstes handelt, so sind wir dazu berechtigt, weil

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es Hie Deutsche Medizinische Wochen schrift. also eine Autorität, ist, welche den Bericht des Medizinalraths Dr. Martin Overlach über den neuen Stoff, Migrämn" genannt, veröffentlicht. Der genannte Arzt hat das Migränin, eine sehr kunstvolle Mi. schung von Antipyrin mit Citronen, säure und Coffein, fünf Jahre lang erprobt und gefunden, daß keine Migräne, auch nicht die hartnäckigste, gegen das Migränin sich zu behaupten im Stande ist. Wir haben es ' hier also mit einer ernsthasten Thatsache zu thun, und wenn wir auch nichts darüber mittheilen können, wo das Migränin zu haben sei, wieviel es koste und wie es schmecke, so scheint es doch als sicher gelten zu können, daß die Migräne, diese erbarmungslos grausame Feindin namentlich des weiblichen Geschlechts, mit vernichtendem Erfolg angegriffen und völlig aus der Welt geschafft werden kann. Es mag wohl für viele leidende Frauen kein erlösenderes Wort gobcn wie dieses: Keine Migräne mehr! Tagelange Qualen, an die sie mit Schaudern denken. sind so versichert die gelehrte Zeitschrift für die Zukunft beseitigt, und wir wollen Namens der Leidenden hoffen, daß die Wissenschaft sich nicht täuscht. Freilich hat das der Migräne bereitete Ende auch ein Leid für viele Frauen im Gefolge, denn bekanntlich gibt es neben der echten schrecklichen auch eine falsche, ' eine Talmi - Migräne. mit welcher von vielen Frauen ein arger Unfug getrieben, mit der nux zu häufig Komödie gespielt wird. Diese falsche Migräne ist eine gewaltige Waffe, nach welcher die Frauen im entscheidenden Moment greifen und die sie dann unnahbar 'macht. Wie mancher Gatte verliert seine ganze Autorität, wenn er seine Frau plötzlich seufzen hört: Himmel, meine Migräne! Von diesem Augenblick an ist er machtlos, er verstummt mitten in fernem gerechtesten Zorn, und alle seine Vernunft. die er gerade predigt, alle seine Einwendungen und Rathschläge, alle seine Bitten und Beweise zerrinnen in nichts, wenn die Gattin die Hand vor die Stirn preßt, in die Ecke des Sophas zurücksinkt und kaum hörbar klagt: O. meine Migräne!" Vor diesem furchtbaren Wort weicht auch der ungläubigste Thomas scheu zurück, schweigt er und schleicht er still davon, bedauernde Worte auf den Lippen. Die Migräne, d. h. die falsche, macht das schwache Geschlecht stark, die bessere Hälfte zur siegenden in jedem Kampfe, in welchem das klarste Recht auf der Seite des Gatten ist. Sieht das Weib sich widerlegt, entwaffnet, übertrumpft, rettungslos überzeugt und spricht daS Wort Migräne aus, so hat sie in demselben Augenblick das verlorene Terrain wiedergewonnen, und der Mann ist geschlagen, hilflos, Luft. ' Endlich ist diese furchtbare Komödie mit demAuftreten des Migränin vorüber, denn die Migräne ist mit ihm beseitigt, und so sind wir überzeugt, daß namentlich die Männer dafür sorgen werden, daß immer Migränin bei der Hand sein wird, und viele Frauen werden das neue Mittel preisen, wie es von vielen gehaßt werden wird. Nahrung und Kraft In der jüngsten Zeit sind von verschiedcnen Naturforschern Versuche angestellt worden, ob durch zweckmäßig gesteigerte Zufuhr von Nahrungsmitteln die Muskelkraft der Menschen und Thiere gesteigert werden' könne. Die Versuche ergaben nach doppelter Richtung .hin ein interessantes Resultat. Einerseits wurde nachgewiesen, daß in der That nicht blos eine Fettmast des Körpers, sondern auch eine Fleischmast möglich ist, wenn auch in sehr beschranktem Maße. Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, daß Nahrungsüberschuß den Körper nur fubstanzreicher macht, daß jedoch nichts davon zum Gewebeausbau benutzt, daS Muskelfleisch nicht vermehrt wird. Nach den neueren Versuchen ist es nun zum Mindesten sehr wahrscheinlich, daß ein kleiner Theil des NahrungÜberschusses auch in Fleisch übergeführt werden kann, andererseits haben diese Versuche auch ergeben, daß dazu Nahrungsmengen nöthig sind, die höchstens ganz vorübergehend bewältigt werden können. Im Allgemeinen wird man durch übermäßiges Essen wohl fetter, aber nicht kräftiger wir erben unsere Constiwtion von unseren Eltern, wir erhalten sie (abgesehen von den sonstigen Bedingungen einer vernünftigen Lebensweise) durch ein - gewisses Maß von Nahrung, rvlr werden aber nicht stärker, ' wenn wir über dieses Maß hinaus consumiren. Auch der kleine Procentsatz, der von der überschüssigen' Nahrung als Eiweißansatz dem Körper zu Gute kommt, bleibt in der Regel und in der Hauptsache doch nur todterEinfluß wie das Fett. Diese Versuchsresultate haben insofern auch ihre moralische Seite, als in neuerer Zeit der Wahn, man müsse viel essen um viel zu leiften.in bedenklicher Meise um sich gegriffen hat und zwar gerade in jenen Kreisen, die' für, überflüssige Nahrung kein überflüssiges Geld haben. ' ' ' AvrGertcht. Sie -haben also dem Herrn vor versammelter .Ge sellschast eine Ohrfeige gegeben?" Ja!" Das war ja eine tödtliche Beleidigung!- Na, hör'n Se, daran stirbt nit .aleick einer.- -A Bet der Bekämpfung der Slntarmuth ist auf da? diZtifche Serhalten deS Kranken ein .strevzeres öllgenmerk alS auf deu Gebrauch von Medikamenten zn richte?. Die Kost muß eicht verdaulich und nahfhzft fein. vor. viegend an Fleisch. Eiern, Fett bestehen, jum Getränk soll Bier und Wem gereicht verden. Außerdem ist Beseannj in '-IZX. 0..(k W ' c -.t-i 5 ,ticjci klugeng geovlt.

25onlt uiatt tu Frauen vergleicht.

Eine Plauderei. Wir waren die beiden letzten Gäste im Münchener Nathskeller, und in gerechter Würdigung dieser etwas unheimlichen Thatsache wollte ich gerade mein Glas leeren und aufbrechen, als mein Freund Hüne, ohne mich auch, nur zu fragen, eine neue Flasche bestellte. - Aber wozu denn. Du unverbesserl'l cher Trunkenbold? fragte ich. - Herr? vergib ihm; er weiß nicht, was er reder. Genügt es Dir vielleicht, wenn ich Dich auffordere dabei füllte er die Gläser auf das Wohl meiner lieben Braut anzusioßen?" Gestatte, daß ich zur Salzsäule erstarre! Du verlobt? mit wem? wann? Uebrigens natürlich: Prosit! wenn's kein fauler Witz ist." Hüne warf mir einen Blick zu, der mich sicher zu Boden geschmettert hätte, wenn ich nicht für die vorgerückte Tages stunde noch verhältnißmäßig fest auf dem Stuhle gesessen hätt. Du scheinst Dich denn doch in den letzten zwei Jahren traurig verändert zu haben, wenn Du so etwas einen faulen Witz zu nennen wagst!" Na, nichts für ungut! meinetwegen also ein guter Witz; aöer Mensch! warum rückst Du denn' mii dieser Ueberraschunz so spät heraus? Nun erzähle aber einmal ordentlich von Deiner Braut! Wie sieht sie aus? Wie ist sie?" Ja, veißt Du. das läßt sich schw-r beschreiben meine Braut ist nämlich ein, Mädchen...." , ' So?" warf ich ein, das ist ja sehr merkwürdig; die Braut imseres Freundes Karl ist auch ein Mädchen, vielleicht sind sie gar Schwestern?" , Laß mich doch 'ausreden! Ich wollte sagen: meine Braut ist ein Mädchen, das ja, nun habe ich wirklich vergessen, wie ich das ausdrükken wollte." ' Siehst Du, das kommt davon! Hättest Du mir einige Details erzählt, statt mich mit allgemeinen Redensarten abspeisen zu wollen, so wäre ich mit dem mir angeborenen Scharfsinn vielleicht selbst zu dem Schlüsse gekommen, daß sie ein Mädchen ist. Also jetzt der Reihe nach: wie heißt sie?' Elise Müller." -Hm! so kann jede heißen Al terk" .Postdircctor." .Unsinn! Ich meine, wie alt sie ist?" Noch sehr jung; erst 17 Jahre." Das ist ' freilich für den Anfang etwas wenig.' Blonde Haare?" Nein, braune?" Wieviel? Was? Ich meine, ob sie viel braune Haare hat?" Wie kannst Du das fragen? Hast Du schon einmal ein Mädchen von 17 Jahren mit einer Glatze gesehen?" Nein, Gott sei Dank, noch nicht; aber eins mit einem rothen Schnurrbart, um dessen Gluth ich sie beneidet. Doch weiter im Verhör: Augen?" . Entzückende dunkelbraune- Augen, so märchenhaft tief, wie ein See!" Seltsam! ich habe noch nie einen dunkelbraunen See gesehen. Da singst Du wohl immer: O Du kaffeebrauner See, Du kennst mein Herzleid nicht zu. Ich mußDich'doch bitten, die Sache etwas ernster zu nehmen. Du scheinst zu vergessen, daß Du von meiner Braut sprichst." Ach richtig! Pärdon! Prosit!" -Prosit!" Also entschuldige, ich hatte im Moment wirklich vergessen, um wen es sich handelt. Ich fühlte mich in unsere Studentenzeit zurückversetzt.wo ich Dich immer wegen Deiner neuesten Bekanntschaften lnquirirte. Damals warst Du groß in übertriebenen Beschreibungen und besonders in den wunderbar, sten Vergleichen." Ja. das ging damals, aber jetzt!" Wie denn? Du wirst doch Deine Braut mit irgend etwas vergleichen können, wozu bist Du denn verliebt?", Ich wüßte wirklich nicht, womit?" Aber alter Freund, bedenke doch die ganze lyrische Literatur, 84.000 Bände mindestens, größtentheils mit Goldschnitt; da werken doch alle zwei Zeileü einmal die Frauen mit etwas v;r geichen!" Das paßt aber Alles nicht." - Was Du doch schlau bist! Was gilt die Wette, ich finde einen passenden Vergleich?" Die Zeche des Abends!" - Gut, angenommen! . Jetzt hilft mir Apollo mit Deinem weiblichen Gefolge! In meinen eigenen lyrischen Gerichten finde ich freilich, nichts." ' Weil Du keine gemacht hast!" Leker! es wäre doch jetzt ein Herrlicher Vonvand gewesen, sie Dir zur Strafe aller Deiner Sünden vorzule sen.". Gewiß, aber willst .Du nicht endlich anfangen, Deine .Wett: zu gewinnen?" . , Schon,' alter Freund!' Ich werde möglichst systematisch vorgehen. Also los! Wie denkst Du über die Sonne?" Viel zu hitzig und zu dick!" Aber der Mond, er ist gut, keusch und hat alle möglichen Facons, nach denen er selig werden kann." Puh! Der Mord ist zu bleichsüä tig!' Na, dann, nicht! Wie wäre es mit so einem kleinen, niedlichen Engelchen, das ist doch sonst sehr beliebt?" Meine Braut ist zum Gluck nicht wie ein Engel vollkommen. Glaubst Du derm. daß ein Sterblicher mit. ei nem Engel glücklich werden könnte?" Wie pathetisch! Warum sagst Du

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nicht gleich: Staubgeborcner und Sphärenbewohner? Also Deine Braut hat wirklich Fehler?" Wenn Du es so nennen willst. Sie ist ein Vischen eigensinnig und ha! noch eine ganze Portion romanhafter Mädckenschrullen. Aber selbst diese Fehler sind bei ihr liebenswürdig und reizend!" Ich gratulire! Doch zurück zur Sache! ich erlaube mir die Morgenröthe vorzuschlagen." Das kann ich nicht beurtheilen; ich habe sie fast immer verschlafen; ::nd wenn ich sie einmal bei einer .'nei!'.:e: herangewacht, so Halle ich sie na.er gewöhnlich doppelt gesehen." Fader Renommist! Uebrigens seht, sie genau so aus, wie die Abendr'ö:he, nur umgekehrt!" Danke für gütige Belehrung! 's ist aber doch nichts mit der Morgenrothe. Ich habe sie nämlich stark im Verdacht, daß sie ebenso wie die Morgenstunde Gold im Munde hat. was bei meiner Braut nicht der Fall ist." Ich komme zur Mythologie. Ve nus scheint mir kein übler Vergleich." ' Du irrst! Diesen ausgegrabenen Göttinnen fehlen gewöhnlich einige für eine deutsche Hausfrau nicht unwesent liche Gliedmaßen. Und wenn ich mir mein Liebchen erst von einem Archäologen oder gar einem Anatomieprofessor rekonstruiren lassen sollte, du lieber Himmel!" Ist Dir eine der vier Jahreszeiten genehm?" Da käme doch höchstens der Frühling in Betracht. Da aber der Lenz nur den Dichtern Lieder, uns gewöhnlichen Menschen aber den Schnupfen bringt, fo muß ich verzichten." Ich mache einen kühnen Sprung auf die Erde. Da fällt mir auch gleich etwas fehr-Passendes ein: die Königin! Wie bist Du, meine Königin, durch sanfte Güte wonnevoll u. s. w." Ich denke nicht daran, diesen Vergleich zu billigen. Das: Ich kniee vor dir als getreuer Vasall" wäre ja das schönste Zugeständniß der Berechtigung der Pantoffelherrschaft: und ich kann Dich versichern, ich werde auch nicht ein bischen unter dem Pantoffel stehen." Hoffe ruhig weiter! Vielleicht behälft. Du Recht, denn daß die Männer alle unter dem Pantoffel stehen müssen, ist ja schließlich nur ein Analogieschluß, und es wäre sthr interessant, wenn Du die erste Ausnahme bildetest. Doch wir kommen von unsercm' Thema ab. Ich gehe vertrauensvoll zum Thierreich über; da rst das schüchterne Reh, die zierliche GaZelle." Meine Braut ist aber weder schüchtern, noch hat sie so magere Arme w:t eine Gazelle." Jetzt habe ich's:' das Känguruh; dieses Thier führt das innigste Familienleben, es trägt seine Jungen immer bei sich." Seine Mädel auch! übrigens erwartest Du doch nicht, daß ich diese Frage ernst nehme?" Wie's ' beliebt! Das Gänschen wage ich natürlich erst gar nicht vorzuschlagen, ebensowenig den 17jährigen Backfisch. Dagegen erinnere ich mich Ausdrücke wie: mein Turteltäubchen" oder meine kleine Maus" in allen Briefstellern für Liebende gefunden zu haben." . Dies allein hätte Dich schon bewegen müssen, sie als geschmacklos überhaupt nicht erst vorzubrin- ' gen. Nun vielleicht ist Dir der Schwan ' geschmackvoll genug?" Aber, es paßt sonst nicht; denn daß die Schwäne, und wär's auch nur vor dem Tode, herrlich singen können, ist nur ein Mythus, und meine Braut singt wie...." . Hurrah! nur heraus damit, jetzt wolltest Du ja eben selbst einen Vergleich bringen!" Reg' Dich nicht unnütz auf. Du wirst mit Deinen: Schreien noch den harmlosen Kellner wecken; ich wallte sagen: meine Braut singt wie dies von einer Schülerin des Leipziger Conservatoriums nicht anders zu erwarten ist." " Alter Drückeberger! ich glaube, jetzt haft Du gemogelt. Das soll mich aber nicht abhalten, noch einmal mit Dir auf das Wohl Deiner Braut anzustoßen. Dabei fällt mir gerade ein, der Vergleich mit fo einem Tropfen edlen, milden und dabei feurigen Weines wäre gar nicht so schlecht." Der Vergleich ist aber doch schlecht; denn Du weißt, daß die Weine durch s.das Alter immer besser werden, die i'Frauen aber leider nicht." Und Du scheinst zu glauben, daß auch die ältesten Witze die besten sind. Schäme Dich, schäme Dich, alter Ge sell. Bei Deinen fortwährenden nichtssagenden Einwänden habe ich eigentlich die Hoffnung, xmeine Wette zu gewinnen, bereits aufgegeben; ich will nun mein letztes Heil mit der geniüthvollen Botanik versuchen. Du bist wie eine Blume," nun, wie ist's?" Ja, lieber Freund, das ist viel zu allgemein, und dann gibt es künstliche Blumen, und bei meiner lieben Kleinen ist alles echt!" 'Zu allgemein? also'spezielle Botanik. Auf den Ausdruck Morchel ver. zichte ich freiwillig, das ist mehr für ältere, dürre Tanten; aber gegen , die königliche Rose kannst Du doch nichts einwenden?" , Bild ist nicht schlecht; besonders würde mir eine tief, dunkelglühende Lios: zusagen. . Aber bedenke: Keine Rose -ohne Dornen!" Na, na! Die Dornen wirst Du schon noch merken.' Doch wie ist's mit der . unschuldsvollen, jungfräulich ftolzen Lilie?" , O weh! von den Lllien heißt es: sie säen nicht, jle spinnen nicht, aber

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der Herr kleidet sie; bei uns werde ich wobl die Kleidungsfrage übernehmen müssen. Kurz, mein Junge, Du siehst, ich bin mit nichts einverstanden. Man merkt Dir' eben an, daß Du noch nie ernstlich verliebt warst.sonst würdest Du wissen, daß ein richtiger Verliebe ter Dir stets so wie ich die zwei Worte enigegenschlcudern wird: Einfach uu vergleichlich! Also gib Deine Wcite getrost verloren!" Ich brummte etwas in meinem Bart, was wie ich fürchte ganz so klang wie: so ein Riescnunsinn!"' und griff nach meiner Börse." Halt!" rief Hüne, so war es nicht gemeint. Da wir auf meine Elisa angestoßen, so werde ich natürlich zahlen ganz gleich, ob ich die Wette verloren oder gewonnen habe." Da ich es mir zur heiligen Pflicht gemacht habe, nie Jemanden in einer , Anwandlung von Noblesse zu stören, so ließ ich ihn natürlich ruhig gcwähren. Wir stolperten die Kellertreppe , hinauf und trennten uns mit demWun sche: Auf Wiedersehen, spätestens bei. der Hochzeit!" Genau ein halbes Jahr später bekam, ich folgenden Brief: Mein lieber alter Freund! Erinnerst Du Dich noch an derr Abend im Münchener Nathskeller. Da mals hast Du einen Vergleich verges sen, den mit der Schlange. Freilich ich würde Dir jetzt mit einem bekannten Dichter entgegnen: Es ist kein Complimeni für die Schlangen, wenn, man die Frauen mit ihnen vergleicht. O, ich bin schmählich betrogen und entsetzlich elend. Doppelt elend, weil ich die Treulose heut mehr liebe als je!. Wie soll das enden? In alter' Freundschaft, Dein Hüne. Schlimm, armer Hüne, sehr schlimm! So lange ich Dich kenne, stets bist Du mir als Glückskind erschienen, und nun bat es Dich so hart getroffen. Aber tröste Dich: Du bist der Erstenicht. Du wirst der Letzte nicht senu Die CttefelarMokratie in Oras! lieu. Die in San Paulo erscheinende Germania" macht sich über eine Anzahl Polizeiverordnungen lustig, die in der jungen Republik Brasilien, welche bekanntlich zur Zeit von einer heftigen Kinderkrankheit, ergriffen ist,, eine Art von Stiefelaristokraten geschaffen hat. Das Blatt schreibt unter Anderem: Demokratisirt hat die Republik Brasilien das Volk ganz und gar nicht. Wenn wir von den Kleiderordnungerr lesen, die Ende des vorigen Jahrhunderts die Tracht für die einzelnen. Stände bis auf's Haar gesetzlich ordneten, können wir uns eines mitleidi- -gen Lächelns nicht erwehren. Aber es -waren das immerhin Vorschriften, die -von dem Geiste ihrer Zeit getragen, waren. Was soll man aber dazu sa--gen, wenn in einer Republik am Endedes 19. Jahrhunderts eine Kleiderordnung für den Eintritt in das Posigebäude vorgeschrieben wird? In San Paulo muß ein Jeder, der das Posige--bäude betreten will, vorschriftsmäßige-. Stiefel anhaben. Ob die Stüfel auch, blank gewichst sein müssen, konnten, wir leider nicht erfahren. Der aur. Eingang stehende Posten ist angcwiesen, jeden Barfüßler am Betreten der geheiligten Räume zu verhindern. Wenn der Arbeiter oder Handwerker: es sich vielleicht einfallen lassen sollt?,, in die Stcuerkasse an einem heißenNachmittag in Hemdsärmeln eintreten zu wollen, um feine Steuern zu. . bezahlen, so jagt ihn der Posten lc der nach Hause, damit er erst feinen Bratenrock anziehe. Denn in Hemdsärmeln ist der Eintritt untersagt. Noch schöner ist es in Rio, tvo der Barfüßige nicht einmal das Recht hat mit anderen bestieselten Leuten zusam men auf der Pferdebahn zu fahren. Für ihn sind besondere Wagen bestimmt, die von Zeit zu Zeit fahren und weithin sichtbar die Aufschrift Descalcos" tragen. Was im ariswkratischen Mittelalter der Degen fcxnv sind bei uns im republikanischen Vrasilien die Stiefel. Gut so, der W$ ist der richtige, er führt zweifellos zu. dem Ziele der Republik, der Volksbeglückung. Unser Nachbarstaat Uru--guay macht es uns .in dieser Art Volksbeglückung übrigens getreulich nach. Wurde doch vor Kurzem in. Montevideo die Polizeibcstimmung getroffen, daß beim Spielen der Natw--nalhymne Jeder sich von seinem Sitze zu erheben und sein Haupt zu entblößen hat, wenn er nicht mit der heiligen HermandadVekanntschast machen will. Wem fällt da nicht Gcßlers Hut auf der Stange ein? Ja, wir haben eS schon herrlich weit gebracht mit . unseren Republiken. Wenn sich ein südamerikanischer Vellamy fände, wer weiß, vielleicht könnte er uns erzählen, daß um's Jahr 2000 jeder Südamerikaner Abends seinen Polizisten neben sich stehen hat, der darauf Acht gihtV daß er auch regelmäßis seine Unterhosen Quzieht, bevor x sich schlafen. legt - , So oder so. Frau: Jetzt, hast Du ja Geld. Wirst Du n.ch! dem Müller die schuldigen hundcrr Mark abgeben?'! Mann: -Dem Müller? Dem Gauner? Man muß sich ja schämen, dem noch Geld in den Rachen zu werfen." Dann gieb wenigstens, dem Schmidt die . fünfzig Mark ah" Mann: Der Schmidt ist ein so chrenwerther Mann, der läßt' mir daZ Geld gern noch länger!" Trinke r-Maßstaö. Frernder: Gestern Abend waren wir auf dein Keller und haben uns dort samoZ unterhalten!" Münchener? FarnoZ unterhalten ? ! Ja, was hat denn nacher dem Vier! 'Mt? .

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