Indiana Tribüne, Volume 17, Number 103, Indianapolis, Marion County, 31 December 1893 — Page 6
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P 5 f N ,tt. ' Ein ZZennzeichen der höheren StuU tut ist die gesteigerte Verschiedenheit des männlichen und ' weiblichen Geschlechts. . Je tiefer wir in der Stufenleiter der Völker und Stämme hinabsteigen, desto weniger Unterschiede Werden wir in der Kleidung, Arbeit, Lebensweise, in der körperlichen EntwickluTiz und geistigen Versassung der beiden Geschlechter" vorfinden. Al:r cuf den höchsten Spitzen einer rasfiunten Kultur entdecken wir tausend kleine, feine Unterschiede, lauter blank eschlifscne Gegenpole deZ physischen, 'instinttiven und intellektuellen Leben?, und das glitzernde Ne von eleltrisen funken, die. unaufhörlich pjriur,:n ihnen hin- und herschießen, verleiht der Geselligkeit der gesteigerten Cultur ihren zartesten, subtilsten Äe'. ' ' Die Thoren, w:lche von einer absoIntel Gleichheit der beiden Geschlechi:r faselten, sind so gut wie ausgestorben. (5ow?HZ in körperlicher wie geiftfotz Beziehung ist die starke Verschiedenheit 5.:?ifch:n Mann und Weib .in i:r europäischen Völkergemeinde crs.-iznvA. Aber erst jetzt beginnt in an feinere Untersu5)ungen anzustellen. uZt sollte es möglich sein, daß die cuforsi zart und complicirt gearleiteten Sinneswerkzeuge, die für so viele und große Abweichungen Staunt sieben, von der Verschiedenheit unberiihrt geblieben wären ? Sind die nzoalick,Ln Variationen in eine: kleinen , Genfer Damentaschenuhr doch weit' zahlreicher als die in einer Skjuinnihr von metergroßen Rädern und vsundschwerenLlöppe' Die alleioberflachlichsie Beirachtung eniiat, um einige augenscheinliche Unterschiede zu bemerken. Der Tastsinn ist zweifellos feiner bei den Frauen organistrt. Er befähigt sie zu jenen minutiösen Nadelarbeiten, welche die Männer mit einem aus Bewunderung und Andacht gemischten Gefühle betrachten. Ueber die Werkzeuge des Hörens und Sehens sind noch keine verqleichenden Untersuchungen angestellt worden; dagegen ist die Fragein i3ezu,i auf den Geschmacksinn längst i u Gunsten der Manner entschieden. selbst die kulinarische Kunst, obwohl Wt grauen in ihr vorzugsweise ihre Lebensaufgabe suchen, ist in ihrer höchsten Entwicklung das unbestritiene Monopol des starken Geschlechts. Die Köchin grassirt in den Niederungen dieses Gebiets; auf den erhabenen Höhen der Kochkunst thront allein der Lloch. Wie viel Frauen gibt es, die fick) eines wirklichen Weinverstandes" -rühmen könnten? In allen Ländern nur sehr wenige. Die Franzosen kenran allenfalls . eine Gounnande", aber für einen weiblichen Gourmet" fehlt es sogar an der grammatischen i?orm. Und die Deutschen besitzen iafür um so weniger eine, ?ls sie auch leine für die männliche Spezies haben. ??eintrinker" in Analogie von Feinsmecker" eristir! nicht, ein Veweis vielleicht, daß es ihnen ZmPunkte des Trinkens mehr auf die Quantität, Qls auf die Qualität ankommt. Ueber den Geruchssinn endlich sind vor kurzem eingehende Untersuchunacn in Amerika von den Professoren Nichol? und Vailey angestellt und der Gesellfchaft zur Beförderung der Wissenschaften" .mitgetheilt worden. Die beiden genannten Physiologen wählten zu ihren Versuchen eine Änzahl von stark riechenden Substanzen, wie Nelkenessenz. Knoblaachextrakt, Blausäure,' Evancalium u.s.w. Von icder dieser Verbindungen nahmen sie eine bestimmte Menge, lösten sie in Zlüssiakeit auf und verstöpselten sie in einem sorgfältig präparirten Flacon. 'Dann stellten sie mit denselben Substanzen Lösungen von halb so starker Concentration wie die ersten her und füllten sie in ganz gleich aussehende Flacons. Darauf wurden die Löfunaen wieder um die Hälfte schwäeher gemacht und eine dritte Reihe von Flacons präparirt und so weiter bis iedcr Geruch zu verschwinden schien. War beispielsweise in der KnoblauchLeihe ursprünolich ein Eentigramm Extrakt auf ein Liier Wasser gelöst, fo enthielt die Löfung des zweiten Knoblauchflacons nur ein halb, die des dritten nur ein viertel, bte de vierten nur ein achtel Centigramm 5rirTct auf ein Liter Wasser u. f. w. Schließlich wurden alle Flacons derlehrt auf dem Boden ctikettirt. mit Namen wie Verzentsatz der Lösung versehen, bunt durcheinander gemischt intb nun einer Neihe von VersuchsperTonen überantwortet, welche nach dem bloßen Gerüche die Flaschen in ibrer lichtiaen Neihenfolge aufstellen sollten. Diese sehr einfache Methode ergab zunächst ganz wunderbare Unterschiede de Geruchsvermögens für die einzelnen Personen. So fanden, die beiden Experimentatoren beispielsweise drei Männer, welche die Blausäure in einer Wasscrlosuna von dem zwei Milliorienfachen ihres Gewichts riechen konnten, eine so verschwindend geringe Menge also, daß die schärfste chemische Analyse sie nicht mehr nachzuweisen vermag. Andere dagegen rochen die Vlausäur: in der dritten ode: vierlen Lösung nicht mehr. Das merkwürdige Resultat jedoch, das diese Versuche ergaben, war der große Unter schied, der sich in der Feinheit der Gnuchsempsmdung zwischen den männlichen und weiblichen Versuchsprrsonen ergab. Es waren vienrndzwanzig Männer und achtunddreißig 'Frauen zu den Experimenten benutzt fcraifrn; alle gesund, jung und kräftig xmb den verschiedensten Lebenslagen ailgehorig, nur solchen nicht, in denen ein bestimmter vorherrschender Geruch hit Empsindungsfähigkeit für andere krilcht abstumpft und modifizirt. lliät da eroAb J& daZ. überraschende
Resultat, daß die Männer Im Durchschnitt einen ziemlich doppelt so feinen Geruch hatten, wie die Frauen. Die Blausäure zum Beispiel hörte für alle Frauen ohne Ausnahme schon in einer Wasserlösung von 1 auf 20,000 auf, wahrnehmbar zu sein, während die meisten Männer sie noch in der Lösung 1 : 100.000 nachwiesen. Citronencssenz, die von den Männern noch in 1 : 250,000 erkannt wurde,' rochen die Frauen nur bis zu Lösungen von 1 : 100,000, bedurften also mehr als doppelt so starker Anreize. Dasselbe Resultat ergab sich für Knoblauch und die anderen Substanzen. Es geht daraus zweifellos ein allgemeines Gesetz hervor und dieses Gesetz lautet: Der Mann hat ein viel feineres, vielleicht ein doppelt so feines Geruchsvermögen, wie das Weib. Die allgemeine Stimmung nimmt allerdings das Gegentheil an. Durchschnittlich schreibt man den Frauen eine ganz besondere Feinheit und Empfindlichkeit des Geruches zu. Wirklich verstehen es die Frauen auch besser, ihr Naschen zu rümpfen, als die Männer, aber wahrscheinlich nur wegen der unverhältnißmähigen Kleinheit und Zierlichkeit dieser ihrer lieblichen Gesichtszierde. Sonst stützt sich die Meinung von ihrem feinen Geruchsvermögen auf ihre große Vorliebe für Parfums. Aber sehr wahrscheinlich rührt diese Vorliebe im Gegentheil davon her, daß sie sie weniger riechen als die Männer und daher schwerer in die Verlegenheit kommen, von ihnen belästigt zu werden. Das scheint auch ein Punkt zu sein, in dem die Wissenschaft sich höchst segensreich für's praktische Leben erweisen kann. Es ist ein Avis für die Damen, mit ihren Parfums etwas sparsamer umzugehen. Sie ahnen gar nicht den unglückseligen Effekt, den sie mit dem Mißbrauc',' Zarten Vlumendüfte auf ihre Vr.'yrer ausüben. Und dicfe Verehrer werden manchen Leiden entgehen, )W7 sie bis jetzt im Vallsaal und im Theater unterworfen waren, wenn die Damen die rechte Nutzanwendung von den Resultaten der Wissenschaft macheu. Im Allgemeinen können sie sich Folgendes zur Richtschnur dienen lassen: Die Frau ist immer doppelt so stark für die Nase der Männer als für ihre eigene parfumirt. Und somit ist die Kunst des Parfumirens für die Frau auf eine einfache Division durch zwei zurückgeführt. Der verfehlte Beruf.
Mafo Salvini," so erzählt Paulo Fambri in der Nuova Antologia", ist der beste Thierstimmcnimitator, den ich kenne. Eines Tages lud er mich, Fusinato, Modena und mehrere andere Freunde ein, seine Menagerie zu besichtigen. Menagerie?" Ja, Menagerie!" Irgend einen Spaß ahnend, gingen wir hin. Mitten im Zimmer fanden wir einen Käfig leer. Und die Thiere?" Die werden fchon kommen," und sich einen Fez aufsetzend und die Reitpeitsche in die Hand nehmend, stellte er sich vor den Käfig hin und begann: Hier, meine Herrschaften, sehen Sie " und dann nannte er ein" Thier und noch ein Thier und wieder ein Thier, von jedem eine zwerchfellerschütternd Beschreibung gebend und zum Schluß das Gebrüll eines jeden Thieres so täuschend nachahmend, daß man ver meinte, die Bestie zu hören. Zur Erhöhung der Illusion bat er uns, die Augen zu schließen, und nun rüttelte er an den Gitterstäben und stapfte, ich weiß nicht wie, herum, daß man glaubte, das Thier sei wie rasend in seinem Käsig. So führte er uns zehn, zwölf, fünfzehn verschiedene Thiere vor. Dann plötzlich sagte er: Jetzt, meine Herren, beginnt die Fütterung." Und nun ging es los; ein Höllenspektakel. Da brüllte der Löwe, dort der Tiger, hier heulte .der Schakal, dort die Meute der Wolfe, und dazwischen quietsüten die Aesfchen und rüttelten an den Stäben, und überall krachte, polterte, tobte es, in infernalischem, unaushaltbaremLärm, der durch einen Mark und Bein, durchdringenden Trompetenstoß des Elefanten übertönt wurde, fo daß wir uns die Ohren zuhielten, um ja nichts mehr zu hören. Als die Vorstellung zu Ende war, lagen zwei Stühle und ein Tischchen zerbrochen auf der Erde. Tommaso Salvini aber wischte sich den Schweiß ab und: Nun, was sagt Ihr?" fragte er. Colossal!" entgegnete der Schauspieler Modena. Fast möchte ich saqen. Du hast Deinen Beruf verfehlt." Nicht wahr?" meinte Salvini lachend. Ja, ich hab' es mir selbst ost gedacht, ich hätte irgend ein Vieh werden sollen. Die Haben's ja auch viel besser." Anfang der V e r s o hnung. Verwalte?'. .... Unser Herr Vfarrer und der Oberförster haben sich eilst' wirklich arg zerkriegt?" Wirth: Wird schon wieder gut werden.... Wissen Sie, grüßen thun sie sich noch- nicht, aber seit acht Tagen kom men sie doch wieder jeden Abend zum Tarock zusammen!" Unwahrscheinliches aus Sachsen. Gast: Aber Frau Wirthin, wie können vsi: mir denn eine zerbrochene Kaffeetasse vorsetzen?" Wirthin: Nehmen e's nich ungiet'g. mei liewer Herr. Mei Kaffee is Sie nehmlich e bischen sehre stark gerathen und da bat v. dc Dass; enzwee geblatzt!" , I m A e r g e r. Dienstmädchen leinen zudringlichen Gläubiger ab wehrend): Der qnä' Her? ist bei der Arbeit und empfängt keine Besuche !" Gläubiger (ärgerlich): . Ei was. stnä' her nä hin A muß 'min !"
Die OelkSn!aSTtinastle. Der Name Nockeseller ist der Welt beinahe ebenso geläufig, wie der Name Nothschild, und die Standard Oil Eo.", an deren Spitze die beiden angehenden Milliardäre dieses Namens stehen, ist tht der größten man möchte sagen, furchtbarsten Korporationcn der Welt. Bei alledem weiß das allgemeine Publikum wenig von der Persönlichkeit und Familie der Nockefellers. Vor einem Gesetzgcbungs-Ausschuß, welcher jenes riesige Syndikat untersuchte, erklärte einmal John D. Rockefcller als Zeuge, er habe keine Idee mehr, wie reich er selber sei, und noch viel weniger eine Idee von dem Reichthum der Standard Oil Eo."! Zuvcrlässiger Schätzung nach sind John D. und William Rockcfeller persönlich nicht viel weniger, als 300 Millionen Dollars werth", und das Syndikat, welchem sie vorstehen, dehnt seine Fangarme nicht nur über die ganzen Ler. Staaten, sondern weithin in die Welt aus, von New York bis nach Hongkong, und von Hongkong bis nach Liverpool. Die Röhrenleitungen und Bahnverbindungen dieser Gesell schaft erstrecken sich Tausende von Meilen weit, sie besitzt Tausende und Abertausende Acres Kohle- und Petro leum-Ländereien, beschäftigt eine große ArmecAngestellte, und ihren Dampfern kann man in jedem Hafen der civilisirten Welt begegnen. Es kann einem förmlich schwindlich werden bei dem Gedanken, wohin es erst kommen würde, wenn -dieses gewaltige Syndikat und das riesige russische ,Petro leum-Syndikat sich auch noch miteinander vereinigen sollten, wovon neuerdings die Rede ist! t
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John D. Rockcfeller. Die beiden Rockefellers sind die Könige dieses Reiches. Wohl haben sie Geschäftstheilhaber, wie H. M. Flagler, den früheren Flottensekretär Wm. C. Whitney, welcher die Interessen der Paynes repräsentirt, und Andere. Aber die kontrollirende Macht dieser ungeheuren Geschäftsvereinigung steht bei den Nockefellers. . Die Fraqe über den politischen Standpunkt solcher Leute kann nur ein Lächeln hervorrufen. Bekannt ist der Ausspruch, des verstorbenen Millionenkaisers Jay Eoulo : Ich bin Republikaner oder Demokrat, je nachdem es die Bahninteressen diktiren." Allerdings sind einige Theilhaber der Standard" Demokraten von natio nalem Rufe, wie vor Allem der genannte Whitney, und andere wiederum sind Republikaner. Aber die Po litik der Nockefellers ist einfach die Standard Oil Co.". unstreitig eine sehr rentable Politik. Man kann i keine echteren self-made"-Männer im amerikanifch-kapi-talistischen Sinne finden, als es 'die Nockefellers ist. Sie haben mit sogut wie nichts angefangen, und über ihre Thatkraft und ihr Geschäftsgenie was auch der Moralist im Einzelnen daran aussetzen mag kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Auch muß man ihnen lassen, daß der Reichthum ihr Wesen und ihre Manieren kaum irgendwie verändert hat. Sie sind dieselben Menschen, die sie waren, als sie noch im östlichen Ohio und im Westlichen Pennsylvanien um ihre geschäftliche Existenz zu kämpfen hatten, sind schlicht im Umgang, einfach in ihrer Kleidung, trotze des sie umgebenden Luxus und 'bewahren ihre physisch: Rüstigkeit und Frische durch gesunde Anstrengung. Der Reichthum er schläfst sie nicht. Frau John T. Nockefeller. Sie halten für sich die achtstündige Normal-Arbeitsttit ein; oft aber arbeiten sie länger als das, und fast niemals weniger. In ihrem schier unabsehbaren Geschäft entgeht ihnen nicht das Kleinste. Natürlich kennen sie nicht ihre ganze Armee Angestellter persönlich, aber sie kennen mindestens ihre Divisionscommandanten", und durch diese werden sie über Alles stets auf dem Laufenden erhalten. Ueberdies hat namentlich John D. ein er.
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staunliches Gedächtniß für Personen, die ihm einmal vorgekommen sind. Obwohl sie natürlich im Gesellschastslebcn die ' glänzendste Rolle spielen könnten, nehmen sie und ihre Familien kein besonderes Interesse an demselben. Ihr früheres Leben mußte anderen, als geselligen Zwecken gewidmct werden, und gegenwärtig in ih rem Reichthum und Eomsort scheinen sie sich erst recht nicht viel aus großen Empfängen u. dergl. zu machen. Bor einigen Jahren verheirathete sich eine Tochter von John D. mit einem von Haus aus ganz mittellosen Theologen, aber sie hat absolut keine Rolle im geselligen Leben New Vorks gespielt und wahrscheinlich auch nicht darnach gestrebt. Das Alles schließt indeß einen regen Familienverkehr im 5Ueinen nicht aus. Da hält es die, den Rockefellers fo nabe stehende Familie des Ez-F!o!!enselretärs Whitney ganz anders! Manchmal zeigen sich die Rockefellrrs im Theater, fast gar nicht in der Oper; aber wenn sie sich solcherart zeigen, wissen nur wenige Personen, wer st: sind. ...
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m?m: 23. Ltockcsellcr. Hin und wieder allerdings, in unvermeidlich erscheinenden Fällen, tritt Mrs. John D. Nockeseller bei irgend einer öffentlichen Funktion auf, und dann ist sie auch echtes Weib und sucht alle anderen Damen in den Schatten zu stellen, soweU die Juwelen in Betracht kommen. Beiläufig bemerkt, steht ihre Juwelcnsammlung nur der weltberühmten der Astors nach. Natürlich halten sich die Oelkönige Pferde und Equipagen, aber dieselben sind eigentlich auch nur der Damen wegen da. Die Männer gehen soviel.wie thunlich, zu Fuß, und John D. ist ein von Wenigen übertrofsener Fußgänger, welchem 20 MeilenMarsch pro Tag als eine bescheidene Leistung im Interesse der Gesundheit vorkommt. Wie allen solchen Leuten, geht auch den Nockefellers beständig eine - Unmasse Briefe zu, und sie beantworten sehr viele nicht oder überlassen das Anderen John D. antwortet Personlich auf etwa 20 Briefe jeden Tag. Beide Brüder verwenden auf Korrespondenzen höchstens zwei Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit, und nie übereilen sie sich. Es gibt vielleicht keine zwei andere Männer in den Ber. Staaten, welche für Fremde so schwer zu sprechen sind, wie die Nockefellers. und viele ihrer Angestellten würden sie nicht kennen, wenn sie ihnen im Geschüft oder sonstwo begegnen würden. Vielleicht hundert oder mehr Leute sprechen jeden Tag persönlich bei den Oelkönigen vor, und die allermeisten derselben werden der Gnade irgend einer Unterperson überwiesen. An vielen Tagen gewährt John D. noch keinem Halbdutzend Besucher eine persönliche Audienz, sei sie auch noch so kurz. Die geringe persönliche Vekanntheit kann, auch abgesehen von der Abwendung von Gefahren, ihre großcn Vortheile haben. Als z. ,B. im vorigen Winter die Pacifie-Postdam-pfer-Gesellschaft so gut wie bankerott wurde und ihre Schiffe verkaufte, da fand sich bei der Versteigerung ein nicht weiter bekannter Mann ein und erstand dieselben für einen Bruchtheil ihres Werthes. Was für ein Zetergeschrei aber gab es, als man nachher erfuhr, der Fremde sei Niemand anders, als Zohn D. Nockeseller gewesen! Was er nit den Schiffen vorhat, das hat er auh noch nicht verrathen. KMMP wwp täbv&Mr 23. C. Wh.tncy. Wie de Vanderbilts, sind auch die Nockefellers religiöse Leute und Stix chengänger. Ihr Interesse an kirch-lich-baptitischen Gründungen ist be kannt. jVor einem Vanderöilt oder Gould oder gar vor einem Sage zeichnen sich $ie Rockefellers durch größere Liberalität für öffentliche Zwecke vortheilhaft aus, vorwiegend allerdings in kirchlicher oder irgendwie dieser verwandt Richtung. M j h v e c st ä n 5 n i fj. A. (in einem Concerte zu seinem Nachbar): Was toaj denn das, was eben gespielt würd? - B.: Sonate von Chopin. E-oll. 4- A.: Emol? Ne. die müs. sen sie zvee Mol spielen, die war zu schön. 2a wollen vir iuckiia avvlauoiicni - i "
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Heil Dir im Stegerkranz.. Die Meinung, daß das Heil Dir im Siegerkranz" englischer Herkunft sei, ist vielfach verbreitet, sie ist jedoch irrig; die Melodie stammt vielmehr aus Frankreich. Bereits in den Memoiren der Marquise de Crequi (geb. 1701, gest. 1803) wird dieser Gegenstand be rührt, indem die Verfasserin bemerkt, daß sie dieses Lied zum ersten -Mal in Saint-Cyr gehört, und zwar war dieser Tag für sie besonders ereignißvoll, da sie damals, 13 Jahre alt, dem König vorgestellt wurde. Das Lied wurde jedesmal, wenn der König in die Kapelle trat, von den jungen Damen gesungen. Eine Erklärung, welche 1819 von drei Damen des Klosters Saint-Cyr abgegeben worden, verdient hier ebenfalls angeführt zu werden. Dieselbe lautet übersetzt: Wir Unterzeichneten, ehemalige Mitglieder des königl. Hauses von Saint-Cyr, Diöcese von Chartres, bestätigen gern, um der Wahrheit die Ehre zu geben und in einer Absicht, welche nichts Profanes ode: Frivoles hat, daß dieses Lied (Gtod save the King"), welches heute für ein englisches Lied gehalten wird, vollständig dasselbe ist, welches wir in unserer Genossenschaft gehört, in welcher dasselbe überliefert worden, aus der Zeit Ludwigs des Großen (des Vierzehnten), unseres hohen Begründers. Diese Mustk ward componirt wie man uns seit unserer Jugend versicherte von dem bekannten Baptist Lully, welcher noch mehrere andere Lieder für unser Haus machte." Reminiscenz. 9Q ft Wer ist denn diese Dame?" ' Das ist die Schwiegermutter unse is e res Tenoristen!" Aha, des Sängers Fluch!" Vor der Thu r' des Zahna r z t e s. . - Wann i' g'wiß wissen thät, daß da Herr Doktor, not z' Haus is, thät' i' anläut'n!" Die Unglückszahl. ; Ja, ja dreizehn is a Unglücks zahl! Herrgott druckt mei' Magen! kommt von den dreizehn Knödeln, die ich gestern Äbend gegessen hab'!" VIWM i ? Die geschmuggelten Würste. oder Der Verrätherische Spitz. , Ein Schwerenother. Fräulein, aufrichtig, ich freue mich, daß Sie eine o schlechte Meinung Von mir haben. Kann da mit der Zeit bei Ihnen nur ungeheuer gewinnen."
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Die Pfa::d scheine. HumJreNevu Abdullah Aga. Es gibt bekanntlich Augenblicke im'. Menschenleben, die den, Menschen, die ste erleben.nicht eben sehr gefallen. Das sind Vor Allem jene Augenblicke, in denen der Blick der Augen auf ein Portemonnaie fällt, das lauter leere Ta. schen zeigt. Freilich hat der hochwohllöbliche Erwerbssinn der Menschen auch solche Augenblicke . berücksichtigt. Mit hilfsbereiter Hand haben Elkan Levi, Schmul und Cohn und wie di? Helfer in der Geldnoth sämmtlich heißen mögen, vorgesorgt, daß Institute zur Hebung augenblicklicher Geldnoth bestehen. Man nennt ste Leihansialten und das Document, das den Verkehr mit ihnen auf die Vasts eines reel len Geschäftsgebahrens setzt, heißt Pfandschein!, Zu ebener Erde und im ersten Stock eines Hauses der kleinen Universität--stadt M. wohnten zwei Lcdürftize. Zu ebener Erde der Studiosus sammt, licher Rechte Schoppenstecher und im ersten Stock die .Naive" des M. Som. merthcaters, Fräulein Aglaya Schuldlos. Aber selbst ihre in weiten Grcnzen stch bewegende Naivetät schützie die Holde nicht vor jenem Momenten, die eine Treppe tiefer bei unserem Studio sen schon mehr eine unabsehbar: Kette bildeten: Vor den. Momenten jeglichen Geldmangels. Und eines Tages trafen die beiden Momente unten und oben zusammen. Und der Dienstmann Säuberlich an der nächsten Straßenecke sah plötzlich zwei ihm winkende Hände, eine groß: und flcisüiz:, die aus dem Panerre. senste? sich streckte und dem ,,'ohtb. Jur." Schoppenstecher zugehörte und eine kleine und zierliche, aus dem Fenster der ersten Etage, welche der Naivsten aller Naiven zu eigen loar. Das übte auf den guten Sauberlich eine etwas verwirrende Wirkung aus. E hatte heute fowicfo seine Sinne nicht recht am Zügel. Eine kleine Überschwemmung von goldigem Nordhäuser war schuld daran, daß st? sich, nicht mehr recht zusammenhalten ließen. Genug. Säuberlich starrte mit seinen schwimmenden wasserblauen Augen unverwandt auf die beiden winkenden Hände, bis ihn aus Schoppenstechers Munde ein sehr vernehmbares: Na wird's bald, oller Dussel!" aus dem Schnapsparadies seiner Gedanken zurückrief in die graue Wirklichkeit. Er nahm einen handfesten Anlauf und zirkelte rechtwinklig auf das Haus zu. Einen Augenblick noch war er versucht, die zwei Hände ebenfalls der Wirkung des süßen Saftes Nordhauser Brennereikunst zuzuschreiben, aber nahe am Hausthor mischte sich in dad ungeduldige : Zum Donnerwetter, Säuberlich, sputen Sie sich ein bischen!" Schoppenstechers, das nicht minder ungeduldige: Dienstmann !Dienstmann! hier herauf!" der ebenfalls ungeduldig werdenden Naiven. Nun war's kein Zweifel mehr, ihm winkten zwei Aufträge mit einem Male ein fchier unerhörtes Ereigniß in seinem Dienstmannsleben! Schoppmstecherj zog ihn, in der Thür seines Zimmers stehend, mit Ge walt hinein. Mann mit der rothen Mütze und Nase!" redete er ihn feierlich an: Sintcmal und alldieweilen kein Moos in Bänken ist und die Sucht nach einem guten Trunke mächtig in mir aufwallet, sintemalen es draußen warm und hell und fonnig ist und die Zugabe eines Sommerüberziehers zum leichten Röckchen eine schweißeintragende Bürde zu nennen sein möchte, so ist es in meinem wie im Rathe der Götter eine beschlossene und besiegelte Sache, besagten Sommerüberzieher in sicher? Obhut zu geben. Verstehen Sie, Mann des Dienstes, was meine gepriesene Wenigkeit von Ihnen verlangt?" Säuberlich drehte seine roth: Mütze verlegen in den Händen herum. Ein Schwall von Worten war ' an seine Ohren geklungen, sein stark verwässere tes Verständniß hatte keins gefunden. Nee!" seufzte er. Ich. sehe schon", perorirte Schoppenstecher weiter mit Dir Vanau sen muß man reden, wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Geh' mit diesem Sommerüberzieher zur Pfandbude, laß Dir Geld darauf geben, so viel der knickrige Schmul Dir bieten mag und komm' geschwind mit dem erhaltenen Moos zurück. Hast Du das verstanden, o Mann mit der Habichtsnase und dem Spatzenhirn?" Diesmal nickte Säuberlich seelenvergnügt. Das hatte er verstanden. Er zog ab, die zweite winkende Hand hatte er schon vergessen, aber die Eignerin derselben beugte sich jetzt über das Treppengeländer und rief ihn herauf. Dicnstmann," flötete sie ihm zu sind Sie auch discret?"Säuberlich riß seine wässerigen Augen weit auf was sollte das werden? Die Stimme versagte ihm, er nickte nur. Die Naive holte aus ihrer Tasche ein kleines Etui . Hm lieber Mann diesen Schmuck da ich brauche ihn äugenblicklich nicht;-aber ich brauche " Pinke!" fiel Säuberlich mit verständnißvollem Lächeln ein. Was ist das?" Knöppe! Det verstehen 'se ovch nich? Moos, wie die Studenten sagen na. Jeld, Jroschens! Die Naive nickte. Also, lieber Mann " Ick weeß schon ick jehe sowieso dahin!" Und das Kästchen einpackend, schob Säuberlich in einer wohlberechneten . Curve zur Thür hinaus und stolperte die Stufen der Treppe hin unter.
ssasnmss Aber dfa Aussicht, auf dohpeltert Weglohn war doch allzu verlockend, um Nicht vorher noch ecnen auf die Binde zu gießen." Und das besorgte er in der nächsigelegenen Destille so gründlich, daß er mit total durcheinander wirbelnden Sinnen fcerc Trödlerladen betrat. Der Trödler entfaltete den Nock: Nu mehr wie ßwai Mark werd' ich nich können geben!" säuselte er. Und die Steincher hier hm na, werd' ich geben fuffziz Mark ich schreib' schon die Pfandpapierchen." Und während des Trödlers schmierige Hand den tintenbeklexten Federhalter ergriff, um der Vorschrift gemäß die Sachen einzutragen und die Scheine auszustellen, passtrt ihm ein seltsame? CY f f r t m , erzeyen. irr oeweriyel oen ytoct mir den 50 Mark und die Steine mit ßwai" und stellt demgemäß diePfandscheine aus, die Säuberlich torkelnd von bannen trägt. Schoppenstecher traut seinen Augennicht, als ihm der Dienstmann die fürstliche Summe aufzählt, aber der Pfandschein besagt's deutlich und tief gerührt drückt er Säuberlich, den verslixten Kerl", btx dem Ebräer solche Summe für einen nicht mehr ganz neuen Sommerüöerzieher zu entlocken verstand an die Brust. Ein hartes Thalerstück ist Sauberlich's Belohnung und wankend macht er stch auf, um der Naiven oben den anderen Pfandschein und die ßwai" Mark abzuliefern. Schoppenstecher hat gerade die 47 Mark eingesackt; da schallt ein Gezeter von oben herab, daß er entsetzt die Treppe hinaufspringt. Das Zimmer der Naiven steht offen, vor ihr auf den Knieen liegen Säuberlich, der Pfandschein und die zrrei Mark, und das Donnerwetter von Vorwürfen, das von den Lippen der Naiven" auf den armen Dienstmann herniederrasselt, ist gar nicht naw" mehr, es ist ein erschöpfender Auszug aus dem Schimpfablum der erfahrensten Theatermutter. Eine Minute genügt, um Schoppenstecher zur traurigen Erkenntniß zu bringen, welcher Irrthum den golde nen Schatz gebracht hat. Wehmüthig blickt er auf die Geldsumme, die seine Rechte aus der Tasche holt, dann aber betritt er entschlossen das Zimmer der Naiven". fDtt. rtfr4 Cf äXflt .Tanitv jiuu ltyi tii.v jnuvjituuuy n-utt Art Und mit vollständig eischüttertem Gemüth und stumpfsinnig dazu sieht Säuberlich, wie die Erklärung er folgt. Da taucht wie ein Heller Stern in dem Nebel seiner Erinnerung das empfangene Thalerstück auf und mit wiedererwachendem Verständniß für die Möglichkeit des Herausrückens" verduftet er; erst wie er die letzten Stufen die Treppe hinabfällte, führt er sich in die Erinnerung seiner beiden Auftraggeber zurück. Die sind gut auseinander gekommen. Schoppenstecher ist ihr die eine fehlende Mark schuldig geblieben, ich glaube heute noch. Aber ausgegangen ist er trotzdem. Im Lamm" fand er Pump und sein Affe, den er an diesem Abend mit nach Hause brachte, überragte an Größe den gewaltigsten Orang-Utang. Säuberlich aber ward sinnlos betrunken eingesteckt. Fertig l Er List Du fertig, meine Liebe? Sie (scharf) Natürlich, ich bin längst fertig. Er Dann kann ich wohl das Gas ausdrehen und wir können gehen. Sie (vor einen Spiegel tretend) Einen Augenblick. Sitzt mein Hut auch gerade? Ich glaube, daß ich mich in meiner Frisur kaum schen las sen kann. 6rr Hut und Frisur sind reizend. Hast Du jetzt Alles? Sie (mit Entschiedenheit) Gewiß! Warte, lösche das Licht noch nich:. habe ich doch das hier ist es. ch habe Alles. Er Dann Sie Harry! Das sind ja meine alten Handschuhe. Denke doch nur, wenn ich mit diesen in's Theater gekommen wäre! Die neuen Handschuhe habe ich hier in der Tasche. So, wenn Du jetzt meinen Schleier feststecken und meinen Umhang auf den Arm nehmen willst aber verliere ihn ja nicht! rr cvjc - r t . i 1.1.1. Vi, L 07 SiUUVt' VI 4. XV gehen. Sie Gewiß. Uebrigens. sollte ich lieber mein Niechsalz mitnehmen, man weiß nie, was passtren kann. ' Er Soll ich jetzt das Gas ab drehen? Sie Natürlich! Halt, einen Augenblick. Meine Ueberschuhe. Ich hätte sie beinahe vergessen und es ist so feucht. Willst Du ste mir nicht holen in der unken Ecke im Schranke. Du bist wohl so gut, sie mir anzuzie hen! O, ich lasse Dch nicht gern vor mir knien in Deinen neuen Danke, wie gut Du bist! Er Das wäre geschehen, also laß uns gehen. Sie Endlich! Aber ich möchte doch meinen Schreibtisch verschließen, das neue Dienstmädchen . Er (verzweifelt) Komm doch nur schon, die Vorstellung wird bald be yiuutu. Sie (vorwurfsvoll) Seit zwanzig Minuten bin ich bereit. Er Du bist jetzt nicht fer Sie Wa a a es?. Ich warte ja auf Dich. Er Auf mich? Sie Gewiß auf Dich. Dreh' doch nur endlich das Gas ab, damit dte Flamme nicht noch die Decke in Vrand setzt! . : - Und Zu ainkn.
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