Indiana Tribüne, Volume 17, Number 103, Indianapolis, Marion County, 31 December 1893 — Page 3
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(5. Fortsetzung.) "Ucr war In der Nacht ton Gönn tag auf Montag im Ha'se? Bitte, geben Sie alle Ghuchcheiien so kurz und genau als möglich an," sagte oder viel rc:h? brüllte ich, und sah dabei nach Kräften bärbeißig d'rein. , Fräulein Naynell war fast den 'ganzen Sonntag zu Hause gewesen Morgens war sie nach der Stephanskirche, gleich hr um die Ecke, gegangen. 25:: Stephans Zircb? ist, wie mein . lieber Mann zu sagen pflegte, " So kurz als möglich!" rief ich. Hm, hm! Am Nachmittag hatte sie Besuch von ihrem Neffen Austin, und da hatten sie Streit, daZ heißt hm, hm, das alte Fräulein schalt und schimpfte. Ich muß sagen, daß der Herr Austin Harvey nie den Nespect hm, hm, gegen die Tante vergaß und immer sanft und freundlich war. Aber sie gab ihm häßliche Reden hm, hm, gerade wie dem andern auch, nur ' daß ihr der mit gleicher Münze heimzahlt, während der Pastor wie ein Lamm ist. Zu Mittag aß sie allein, und Abends kam Herr Austin noch einmal für ein halbes Stündchen, und da gab es wieder einen Austritt, so sagte wenigstens das Mädchen, denn ich selber höre ja so schlecht. Als der Herr Harvey dann zu seinem Abendgotiesdienst ging bm, hm, saß die alte Dame ganz allein im vorderen Ziemer und las, und um zehn Uhr ging sie zu Bett. Das ist ws letzte, rcas ich von ihr weiß, dcnn am nächsten Morgen hatte sie das Haus verlassen, ehe mein Mädchen da war, vor sieben Uhr. um mit dem ersten Zug abzureisen. Ich hörte sogar die HauSthüre gehen." Gesehen haben Sie die Dame demnach nicht V Nein." Kam eZ manchmal tox, daß sie sich au diese Weise aus dem Hause schlich?" Leider, ja hm, hm. Sie geht vor dem Frühstück auf den Klippen spazieren, und frühstücken thut sie, glaube ich hm, hm, Sommer und Winter um acht Uhr. Jeden Abend muß man ihr ein GlaZ Milch in'sWohnzimmer stellen, das trinkt sie dann, ehe sie geht, und iß ein BiZZuit dazu." Hatte sie am Montag Morgen die Milch auch getrunken?" Nein; seither ist sie nicht zurückgekommen." Ich frage, ob sie am Montag ihre Milch auch getrunken hat?" Ja. daö GlaZ war leer." Das war befremdlich, aber," sagte ich mir, nicht ohne ein gelindes Gnisein, der Mörder muß nach vollbrachte? That das Vlas geleert haben er treibt sein Handwerk nicht auf alltägliche Art, dieser Herr Philipp Harvey." Und wann ist der Neffe Philipp zuletzt hier gewesen?" fuhr ich lauter fort. Philipp Harvey hm, hm, das 'wollte ich Ihnen eben sagen, der hat in der Nacht vzn Sonntag auf Montag hier geschlafen." Ich war erschüttert, unterbrach die Frau aber nicht. Am Sonnabend hm, hm, ja Sonnabend war er da gewesen, und dann kam er am Sonntag Abend, so etwa um halb neun Uhr. Ich machte ihm selbst die Thüre auf, weil das Mädcken schon fort war." Und wann ging er wieder?" Wie?" Wann ging er cm Montag wieder weg?" Q, der sieht in der Negel nicht so früh auf' hm, hm, aber freilich ; an dem Tag, da mußte er auch zeitig beraus, denn er fuhr um neun Uhr nach London." . ' Allein?" Nein, sein Bruder kam und holte -ihn ab. Er ließ sich das Frühstück in -sein Schlafzimmer bringen und dann 'fuhren sie miteinander in einer Drosch U davon." . . . ' . Mit Gepäck?" ' " ' ' Ja, seine Reisetasche hm, hm, nahm er mit, und seinen großen schwarzen Koffer, Herr Fahnder, seinen Bücherkoffer, wie er sagte." Bücher? Ihrer Beschreibung nach . .'sitzt er wohl nicht diel über den Büchern?" Wie ihn eben die Laune anwandelt. Soviel ich weiß, studirt erMedicin oder thut wenigstens dergleichen hm. hm, und Bucher hat er genug in seinem Zimmer." Konnte er denn so nach Belieben hier aus. und ein gehen, Frau Jes sop?" Freilich, Herr Polizeirath, und. fast schäme ich mtch, es zu sagen, ?ch habe dem Fräulein Raynell denHaupt.fchlüffel gegeben. Niemals vorher hatte .rch das gethan und werde es auch ge to nicht wieder thun, aber, wenn die etwas will hm, hm, ist es nicht leicht, nein zu sagen, und dann bezahlt sie auch ertra dafür. Und darf ich fragen, wie theuer sie Zneses Borrecht bezahlte, Frau Jessop? U"u vsiiumg oic iujouc, uno iaj . fürchte sehr, sie gab den Schlüssel v:: c ( j-in: om . t . v uc manchmal lhrem Neffen. . Würde ihr daS ähnlich sehen?" ' .Das ist schwer zu sagen hm, hm, sie ist auf der einen Seite sehr streng und dann wieder-sehr nachsich :tig." I Ich habe dies Vespr'äch so kurz als Möglich wiedergegeben, und FrauJes jsofcs Abschweifungen unterdrückt, too s thunlich war. Es war ein schweres !S'.uck Arbeit gewesen, diese Unterhalt tung zu führen,' denu'vi? alte Dame Ärar wirklich sehr tcub und schwachen Geistes, und es gelang mir fast nie, nich aufs erste Mal verstandlich zu mracben. scklienlicö aina eö aber dock. sind der 2nStalt jrrc MiUfcilun&tti
war woyl erniger Mühsal werth, yatte ich jetzt doch die ganze Jnscenirunz dez Mordes in Händen Nun rief ich das Dienstmädchen herbei und stellte auch mit ihr ein Verhör 'an, das aber zu keinem Ergebniß fführte. Polly, so hieß der dienend-Geist, l;atte am Sonntag das Haus verlassen, !che Philiöp gekommen war, und als sie ,sich am Montag früh wieder eingefunden. war Fräulein Raynell schon derfchwirnden gewesen. Das Einzige, was ich von ihr erfuhr, war. daß der !föwarze Koffer furchtbar schwer geWesen sei, der Kutscher hzbe darüber geflucht, als er ihn auf den Bock heben ,mußte, worauf Herr Philipp gesagt habe: Ja. er ist schwer; es sind lauter Bücher darin." Um halb acht Uhr, nachdem Herr Philipp geklingelt, habe si: ihm daZ iFrühstück hineingetragen, nachdem sie schon ein: halbe Stunde vorher Herrn Austin, der zu seinem Bruder Wo2te,
lin's Haus gelassen. Als sie mit dem Fruhnuck Eintrat, war Herr Philipp schon auf und angekleidet. Auf Herrn Austins Frage nach seiner Tante hatte sie erwidert, Fräulein Naynell sei schon vor einer Stunde nach London abze reist. Dein Koffer ist also gepackt," batte Austin seinen Bruder gefragt. während sie im Zimmer war, und Herr .Philipp hatte geantwortet: Natürlich. nicht ein Buch hoe ich zurugelanen. Ich bin so froh, daß Du den Schlusjel gefunden hast, was hätte ich ohne den anfangen sollen?" Eine halbe Stunde darauf hatten sie das Mädchen nach einer Droschke geschickt, und die beiden Herren selbst hatten den Koffer aus dem Zimmer geschafft und dem Kut scher beim Aufladen geholfen. Zum Bahnhof." hatte HerrPhilipp ihm beim Einsteigen zuzeruscn. Seit jenem Tag hatte Niemand im Hause von Tante oder Neffen etwas gehört oder gesehen. Ich wünschte nun auch rnc Schlafzimmer zu besichtigen. Das des Frauleins Naynell war sehr ordentlich. machte aber doch den Eindruck, daß die Bewohnerin es unvoroerertet der. lassen habe, und sämmtliche Toilettengegenstände lagen auf dem Tisch oder in den Schubladen. Wissen Sie vielleimt. ob em Hut oder Shawl fehlt?" fragte ich dieQermietherin. Frau Jessop wußte das nicht, weil sie sich nicht mit Aufpassen - abgab. Polly versicherte aber, Fräulein Raynell habe nur einen Capoteyut und emen großen, schwärzen Strandhut im Be sitz. Den Strandhut fanden wir m einem Wandschrank, den Capotehut in einer Schachtel. Heldenkuckuck!" rief Polly, die muß ohne Hut nach London gefahren sein." Unsinn!" versetzte ich scharf. Sie haben sich einfach geirrt, die Dame hatte natürlich einen dritten Hut." Das Zimmer des jungen ManneZ enthielt nichts von Bedeutung, da er all' seine Sachen mitgenommen hatte. Ich ging nun wieder in Fräulein Nay. nells Schlafgemach zurück, bemerkte dort einen zweiten Wandschrank und öffnete ihn. Sammtl:che Fächer waren vollgepfropft Mit Büchern, fast lauter medicinischen, wie ich auf den ersten Blick sah. Heidenkuckuck !" rief Polly wieder. 'Und da sagt der Mensch, er hab: nicht ein Buch zurückgelassen. Aber w:e sie nur da hereingekommen sind?" Frau Jessop." sagte, nein schrie ich. fo nachdrücklich als möglich, und Sie. olly Hopkins. wie ich Ihnen fagte, ist Fräulein Naynell nach Lonoon gereist, oyne trgeno Jemanv iyre Adresse zu hinterlassen. Darin liegt an und für sich nichts Bedenkliches, und doch finde ich es begreiflich, dajj ihre Neffen in Sorge sind. In ihrer Woh: nung ist sie nicht also müssen wir herausbringen, wo sie ist. Die nöthigen Anhaltspunkte habe ich jetzt, aber, merken Sie sich wohl, von meinen Nachforschungen darf auch nicht das 0 ringste verlauten." Ich setzte eine möglichst würdevolle AmtZmiene auf. Im Namen der Königin verpflichte ich Sie Beide zum Schweigen. Sollten noch von anderer Seite Nachforschungen angestellt werden, so ist es am besten, wenn Sie so wenig als möglich aussa gen. Bedenken Sie wohl wenn von alle diesem em Wort in die Oeffentlich keit dränge, so könnte es nur durch Ihre Schuld sein, denn außer Herrn Harvey und mir weik Niemand darum. und wir werden Sie sofort dafür zu Verantwortung ziehen. Geloben Sie Mir mit emcm Eid, Scüweiaen zu be wahren! Eine Uebertretung wird als Meineid gerichtlich bestraft. Im Namen der Königin schwören Sie!" O Gott, ja, ja!" stammelte Frau &op imwllerno. O, ich bin schon stumm wie eine Muschel," versicherte Polly. Dumme Leute in's Bock-horn zu jagen, macht mir Spaß. So. nun ist den Herren von der Polizei die Suppe verlzen." sagte ich mir im Stillen. Prosit Mahlzeit, meine verehrten dol legen; dieser Mord ist nun einmal mein kleines Privatvergnügen, und zu zwei Dritttheilen habe ich die Fäden in Handen. 14.Cavitel. Noch eins hatte ich mir aus Tsrau Jessops Redestrom herausgefischt Philipp munte an jenem Sonntag Abend mehr Wein, getrunken haben, als ihm zutrcglicd war. Und ist dieser Philipp vielleicht links, Frau Jessop?" fragte ich Plötze lich. während ich schon im Gehen be griffen war. Könnte eZ wirklich nicht sagen, mein Herr hm, hm habe nie da rauf acht gegeben. .Und Sie, Fräulein Polly?" Polly wußte es gleichfalls nicht, eö erschien ihr aber unwahrscheinlich. Und was soll ich sagen, wenn Fräulein Raynell wieder tenrnt?" frate die Hau2wirthin nech. Auf welche Weise hm. hm. soll ich eö Ihnen zu 4s.. Q
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rief ich ihr zu, und rannte hastig die Stufen hinunter die Harmlosig keit, Mit der diese Frau die Ermordete als lebend behandelte, ging mir auf die Nerven. Auf der Rückfahrt war ich keineswegs niedergeschalgen, befand mich im Gegentheil in gehobener Stimmung. Ich fürchte, ich gehöre zu den sanguini sazen Naturen, aoer aucy em minder leicht erregbarer Mensch hätte einrumen müssen, daß ich ungeheure Frtschritte gemacht hatte, und de? Borsprung, den ich nun vor der enalischc'n und französischen Polizei hatte, machte eö höchst unwahrscheinlich, daß sie mich einholen konnten, wenn sie mir auch zweiselZoöne aus dem Fuß folgen würden. Die einzige Aufgabe, die mir noch zu lösen blieb, war, ten Aufent halt des Mörders zu entdecken. . Frau Jcssop hatte mich versichert. daß Fräulein Raynells Bett in der letz tenNacht, die sie imHause zugebracht. 'bcnützt worden sei, und dies veranlaßte m'.cy zu der Annahme, daß de? Mord erst Montag in aller Frühe und nicht, Wie die französischen Aerzte meint hatten, Sonntag Abend verübt worden sei. Es stand nun ganz deutlich vor mir. ,daß dieser Philipp Harvey am Sonn tag entweder wirklich betrunken nach Hause gekommen war. oder denBetrunkenen gespielt mtte. Er war auf sein Zimmer gegangen hatte die Nacht dort zugebracht und war zu früher Morgenstunde bei ferner Tante eingedrungen. die aber schon aufgestanden und angekleidet gewesen war. Möglich, daß Fräulein Raynell auch ihr gewohntes Glas Milch selbst getrunken hatte. Der Ultm hatte sie zu Äoden qestreckt und dann mit Chloroform betäubt, wobei ihm seine medicinischen Kenntnisse zu .statten gekommen waren; dann hatte 'ti die Leiche in seinen angeblichen Bü. cherkoffer gepackt und auf diese Weise nach der Bahn geschafft, wo ein wundersames Mißgeschick den Koffer unter Fräulein Simpkinsons Gepäck hatte gerathen lassen. Der übrige Theil des schauderhaften Dramas hatte sich dann , ; vr . r. i vor meinen Äugen aogeipielk. Das war jetzt am Freitaa nach dem Mord meine Theorie über denselben. 7kch sagte vorhin, daß .nunmehr meine einzige Aufgabe gewesen sei, den Aufenthalt des Mörders zu entdecken. Dabei habe ich jedoch einen anderen Punkt übersehen noch waren mir die Motive der That unbekannt, und so lange ich die Veranlassung einer Handlung nicht renne, mun ich sie als unerklarlich betrachten. Aus Frau Jessops Mittheilungen hatte ich nichts darüber erfahren kön. nen. Das alte Fräulein war nicht schwasyastcr Natur gewesen, und die Wirtbin wußte nicht dakGerinqste über das Vorleben ihrer Mietherin. Darüber konnte nur der Morder selbst mich auf klaren, und ich beschloß, noch diesen Abend nach Dover zu fahren. Es war mir in meiner jetzigen Stimmung zu Mutb. als konnte ich bei iedem Ver such mit Sicherheit auf Erfolg rechnen. Philipp Harvey war am Dienstag in Dover gewesen, das ging aus seinem Brief hervor, und aller Wahrscheinlich keit nach war er nach dort, denn er wartete ja mit Angst und Pein auf seinen Koffer, den sein Bruder im Nicht schicken konnte. Ob Austin ihm eine Warnung zuge hen lassen würde? Die Frag: war schwer zu beantworten. Es war mir ausgefallen, daß er mir m iener ersten Unterredung in der Pension", der man Fraulem Simpnnson anvertraut hatte. die Angabe gemacht, seme Tante habe in Nr. 17 der Strandparade allem gewohnt. Offenbar hatte er es nicht für nötbig erachtet, seines Bruders Aufenthalt im nämlichen Hause zu erwähnen, vielleicht nur deshalb nicht, weil dieser kein ständiger Bewohner, sondern nur zeitweiliger Gast war. Es war ja auch ganz natürlich, daß Austin sein Möglichstes that, den Bruder vor dem Galgen zu retten, dem er freilich nicht entgehen würde ich brauchte die Schlinge, die ich ihm schon um den Hals gelegt, ja nur zuzuziehen. In der Eisenbahn nahm ich Phtlivvs Brief aus meinem Notizbuch und las ihn wieder und wieder in dem Bestreben, irgend eine Andeutung über seinen Aufenthalt zu finden. Am bekannten Vlatz, bei dem alten Mohren," das war alles. Der Mohr" war vermuthlich nicht im buchstablichen Sinne zu verstehen; sollte es sich aber zufällig wirklich tfn einen Sckwarzen handeln, so würde das meme Aufgabe wesentlich erleichtern, denn in der Regel wimmelt es in Dover nicht von Negern. Es war aber weit wahrscheinlicher, daß der Mohr irgend ein Scherzname oder eine nur dem Bruder verständliche Anspielung bedeutete. Jedenfalls mußte ich einmal auf gut Gluck nach Dover fahren. Noch ein anderer Punkt war mir dunkel geblieben. Philipp Harvey war mit dem schwarzen Koffer, der den Leichnam seiner Tante enthielt, von Southend nach London gefahren. Weshalb fand sich auf dem Koffer, der rn London sofort nach Paris aufge geben worden, keinerlei Spur der vorhergehenden Reise dorthin, kemerleiGe päckzettel, der die Bezeichnung Lon don" allein oder von Southend nach London getragen hatte. Ich fuhr nicht direkt nach Dover. sondern stieg in London aus und begab mich auf mem Bureau, worüber ich nachher sehr froh war, denn ich fand dort einen Brief von Austin Harvey an Mich vor. Er war Morgens ange kommen, als ich mich eben nach South end begeben hatte. , Geehrter Herr," so lautete' daZ Schreiben, es kommt mir immer mehr und mehr zum Bewußtsein, daß. sei! meine vermessene Thorheit, oder. 'wie eö scheinen will. Gotte strafende
ZllorstH! UNZ tn Iyre Hano gav unv uns Ihrer Larnchcrzigkeit ' anheimstellte, all' meine Versuche, Ihnen die Wahrheit vorzuenthalten, sehr thöricht und unklug warenSie wissen zu viel. Jedenfalls abcr wien Sie genug, um würdigen zu könn:n. welche Angst mich irre geleitet hat. Doch bin ich jetzt entschlossen, meine Pflicht zu thun, was auch imm:r daraus entstehen möge. Und verurthcilcn Sie mich nicht, wenn ich nach heißem innerem Kamps zu der Entscheidung gelangt bin, mein Gewissen tcsehle. oder di.Imchr gestatte mir. einen Menschen, der mir nah'
steht und theuer ist, vor einem grauenvvllcn Schicksal zu bewahren. Ich muß ein Bekenntniß meiner That ablegen und ihre Folgen tragen. Unmittelbar nach meiner Unterredung mit hnen habe ich an Philipp telezraphirt. ihn gewarnt und ihm zurFlucht eerathen, und ich hofse, daß er sich jetzt in Sicherheit befindet. Wenn ich unrecht that, so sei Gott mir gnädig ich konnte nicht anders. Gehen Sie Nicht nach Dovcr, es wäre völlia nuklos: Sie finden dort Niemand. Ich zweifle nicht, dan Sie . ' . . . jetzt die eme Halste dieser trostlosen t Geschichte scyon kennen, die andere wozu soll ich mich noch weiteremSelbstbetrug hingeben? harrt Ihrer m Southend. Sie wissen das so genau, wi: ich selbst. Ich werde in Paris blciren und die ferneren Ereignisse hier abwarten. Vergessen Sie nicht, bei einer Beurtheilung meine qualvolle Lage Mlt m Betracht zu Ziehen. Der Himmel sei uns allen gnädig. Austin Harvey. Nachdem ich das gelesen hatte, nahm ich meinen Hut, ging schnurstracks nach Channg Eroß uno nahm eine Zahrkarte nach Doder. Das Einzige, was mich für den Au genblick ernstlich bcsKftigte, war die Frage, wo PHUlpp Harvey sich aushielt, oder sich während seines AufentHaltes in Dover aufgehalten hatte. Ich rieth immer an dem alten Mohren" herum, konnte aber natürlich zu ke nem befriedigenden Schluß gelangen. Als in Dover angekommen, den Bahnsteig entlang ging, fiel mir plötzlich ein großes Brett mit allerlei Anschlagen und Ankündigungen in die Augen. Mitten beraus grinsten zwei bemrbante Mohrenkopse, welche das Schild eines kleinen Gasthauses, Namens: Das Sarazenenhaupt" vorstellten. Ich nahm nun eineDroschke und be fahl dem Kutscher,-mich nach irgend einem Gasthaus zu bringen, wo Qt schäftsreisende zu verkehren Pflegen. Obwohl ich schon etliche z5anzigmale durch Dover gekommen war, hatte ich mich nie dort aufgehalten und kannte die Lokale ganz und gar nicht, nur daß der Lord Warden" ersten Range und sehr theuer war, wußte ich zufällig. Während der Wagen der Stadt zufuhr, kam mir die in die Augen fallende Annonce, wieder in . den Sinn, und ich streckte den Kopf zum Fenster hinaus, um den Kutscher nach dem Sarazenenhaupt" zu fragen. Er kannte es wohl; es war ein be suchtes Wirthshaus mit Schankstube, ein Nestaurant' bescheidener Art, in dessen Oberstock auch Zimmer zum Ucbernachten abgegeben wurden. Das paßt mir gerade, sagte ich, und der Mann lenkte sein Gewährt dorthin. 15. Capitel. f Die Dämmerung brach schon stark herein, als wir daS Sarazenenhaupt" erreichten, und gerade als die Droschle an dem Gasthof anfuhr, . rannte ein Herr eilig aus dem Hause heraus. Bestürzt drückte ich mich in die Ecke, um nicht gesehen zu werden es war Austin Harvey, der, sichtlich in großer Aufregung und ohne rechts oder links zu blicken, die Straße entlang eilte. In dem Augenblick, da ich seiner ansichtig geworden, war mir blitzartig der Zusammenhang aufgegangen. Der alte Mohr" das SarazentTchaupt" ich schämte mich wirklich der eigenen Gedankenlosigkeit. Mein guter Stern hatte, mich vor das HauS geführt, in dem Philipp Harvey jenen Brief geschrieben: ein dicker Mohrenkopf glotzte mir grinsend von der Hausthüre entgegen. Austins Anwesenheit sprach dafür, daß der Bruder gleichfalls , noch in der Nähe war. Ich hatte nicht daran gezweifelt, daß ich ihn binnen zwei oder drei Tagen finden würde, freute mich aber nun, sehr viel Zeit undMühe sparen zu können. ( So, so, Herr Austin Harvey dersteht sich also auch auf'S Lüge dachte ich bei mir, sagte mir aber gleich darauf, daß tteser Vorwurf sicher unge-' recht fei. Gewiß hatte er jmit vollster Ueberzeugung geschrieben, daß er noch länger in Paris zu bleiben gedenke, und hatt: seine Absichten trst nachher geändert. Aermuthlick) hatte er ersahren, daß der Bruder seines Rath nicht befolgt habe, und war nui persönlich herbeigeeilt, um ihn zu reuen. De? ganze Zuschnitt des lLirthShauseS war sehr bescheiden. Ich ließ mir em Zimmer geben und bestellte mir auf eine Stunde später in, dem Speisezimmer unten ein Cotelett. Wohnt noch jemnad imHauS eben jetzt?" fragte ich den Kellnei, als er im Begriffe stand, zu gehen, i Gestern sollten eine Menge Leute da aewesen sein; heute war die Zahl der Gäste sehr, zusammenzeschnolzen. Ich bin vorhin einem Htrrn bezegnet, der, so viel ich weiß, hit? wohnt," fagte ich beiläufig. Ein großer, blonder, ziemlich blasser Mann., Sie können sich nicht zufällig denket, wen ich meine und ob der Herr Thompson heißt?--Es war ein Schuß Zn'S A!aue, de? Kellner sah verwundert auS und sagte mtr dann, eö sei allerdings ein Herr im Hause, auf den meine Beschreibung passe, der heiße aber nicht Zhompson. k5N?Lardev..u2d .sei i&sdiei da .,V ; , , f. '
ganzen Tag auf fernem JZmmer geblieben und jetzt noch darin. DaS genügte mir. Nein, das ist der Herr also nicht, ber eZ hat nichts auf sich," damit entließ ich den Kellner. Philipp Harvey befand sich demnach unter dem nämlichen Dach wie ich und zwar unter seinem wahren Namen. Ich hatte den falschen aus dem Kellner herauslocken wollen. Ich ging hinunter und verzehrte mein Cotelett, das wirklich gut und saftig war und zu dem ich mir, weil ich mich in gehobener Stimmung befand, statt meines gewohnten Porters eine halb: Flasche Shcrry geben ließ. Meine Nachforschungen waren von solchem Erfolg begleitet, daß ich mir unbedingt einen Namen damit machen mußte. Während die französische Behörde und die englischen Fahnder sich mit dem schwarzen Koffer herumschlugen und Fräulein Simpkinson quälten, hielt ich bereits alle Fäden in der Hand. Vhilipp Harvey konnte mir allerdingZ immer noch entschlüpfen, ehe ich im Stande war, die nöthigen Angaben gegen ihn zu machen, aber ehe ich ihn durchkommen ließ, mußte die Familie ordentlich blechen; das war nicht mehr als billig. Nachdem ich mewe Mahlzeit verzehrt hatte, saß ich noch behaglich über meinem Wein und war vielleicht in dem gemüthlichen Zimmer, in dem ich der einzige Gast war, ein .biZchcn eingenickt, als die Thüre geräuschvoll aufgerissen ward. Ich fuhr zusammen und der erste Blick sagt: mir, daß der Eingetretene, der mit Geräusch vorwärts stolzirte, kein Anderer, als Philipp Harvey sein konnte. Er war wie der Bruder groß, schlank und blond, damit hatte aber auch die Achnlichkeit ein Ende. Weder die frische Hautfarbe, noch die klaren blauen Augen des jungen Geistlichen fanden sich bei ihm, e?
war blaß und sein Blick hatte etwas Verstortes und Scheues. So heftig wie er die Thüre aufaeris sen hatte, zog er nun auch die Klingel und beaann au, dem MltSand bestreu ten Fußboden auf und ab zu gehen. Als der Kellner den Kopf hereinstreckte, bestellte er noch ein Glas, aber beiß und stark , er mußte von diesem G: tränk schon mehr als wünschenswerth zu sich genommen haben. . Schon ein paarmal hatte er mich von der Seite angesehen, nun blieb er plotz lich vor mir stehen wie einer, der einen raschen Entschluß gefaßt hat. Können Sie plaudern?" sagte er. Sind Sie gesellig? Der Teufel hole es, in so einem Hundeloch muß man doch irgendwie seine Zeit todtschla gen!" Das dachte ich eben auch," versehke Zcy mit größer Lebhaftigkeit, und bin wahrhaftig sehr erfreut, JhreBekanntschafi zu machen. Wollen wir uns dort in der Ecke ansiedeln?Philipp Harvey warf sich rasch auf das an der Wand siebende Sofa, wäh rend ich mir einen Stuhl nahm: der kleine Tisch stand zwischen uns. Der Kellner brachte gleich daraus ein dampfendes Glas Grog. Das riecht nicht übel bemerkte ich heiter. Da kann ich nichts Besseres thun, als Ihnen Gesellschaft leisten." Harvey stieß' wieder einen Fluch aus und befahl, ein zweites Glas zu brin gen; seine Nedeweise war fortwährend mit diesem überflüssigen Ausputz verziert. Er brummte nun noch eine Weile über den erbärmlichen Ort und das schändliche Wetter, das nebenbei den ganzen Tag über ausnehmend schön gewesen war, und meine Versuche, das Gespräch auf allgemeine Tagesereignisse zu bringen, vereitelte er mit einem so energischen: Hole der Teufel Ihre Politik!" daß ich sie schleunigst aufgab. Sehr angenehm war der Verkehr mit Philipp Harvey entschieden nicht;, ein Mensch, dem sein Gewissen keine Nuhe läßt, ist ein schlimmer Gefährte. Mein Name ist Spence," sagte ich, nachdem ich eine Zeitlang auf den Busch geklopft hatte und es für angemessen hielt, der Einleitung ein Ende zu machen. Spence aus London. Darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe, diesen Abend zu verbringend Zum Kuckuck, natürlich dürfen Sie. Heiße Harvey, Philipp Harvey, und schäme'mich gar nicht daran." Das glaube ich wohl, weshalb sollten Sie sich daran schämen? Darf ich ferner fragen, ob Sie ein Verwandter des Herrn Austin Harvey sind, des Bikars in Southend? Ich würde nicht da. ran gedacht he.ben, nur erinnerten Sie mich, gleich als Sie hereinkamen, ein wenig an jenen Herrn." Es ist mein Bruder sagte Philipp. Wahrhaftig! Nein, wie merkwürbig! Ich traf Ihren Herrn Bruder in Paris, vor acht Tagen etwa - nein, es ist noch nicht einal so lange, her heute haben wir Freitag, es muß also erst am Dienstag gewesen sein. EZ wunderte mich, ihn dort zu treffen, obwohl ich eigentlich selbst nicht weiß, wesbalb mir das erstaunlich vorkam." Hm!" brummte mein Gefährte und zündete sich eine Cigarre an. Und wie befindet sich Ihre vortreffliche Tante, Fräulein Raynell?" Er wurde leichenblaß, zitterte am ganzen Körper und hielt sich nur mit Mühe auf feinem Stuhle fest. Zum Henker mit dem FrauleinRay. nell stieß er heiser heraus. Das heißt, es aeht ihr gut, der geizigen al ten Vogelscheuche. Sie scheinen ja meine aanze Sippschaft zu kennen, Sie, und ich habe nie etwas von Ihnen gebort. O ja, ich weiß in Ihrer FamilieBescheid und ich meine. Sie sollten sich über Fräulein RaynellS Sparsamkeit nicht beNagen. Waö die zusammenscharrt, kommt später Ihnen zu Gute, nicht wahr?" Philipp Harvey schlug mit der Faust auf den Tisch. .Daö tbut.eZ eben
mqx,- scyrle er, und wenn Sie so genau Beschid wüßten, wie Sie sich ein.
bilden, so hätten Sie das nicht gesagt. Austin ist ihr Erb: von jehcr, und oenn ihr Erbe einem zu Gute kommt, 'o ist das nur Austin. In meinem Ineresse wär's, sie so lang als möglich cm Leben zu erhalten." Er hatte die Stimme sinken lassen und den letzten Satz nur leise vor sich hin' gemurmelt, ich hatte aber doch jedes Wort gehört, und die Bemerkung erschütterte mich tiefer, als ich mir selbst zugestehen mochte. An der Aufrichtigkcit des Mannes hegte ich keinen Zweifel, sein ganzes Wesen war von einer rauhen, herben Geradheit, und er war unter allen Umständen eher zu offen, wie er auch jedenfalls zu rauhborstig war. Nun ja, was liegt auch daran!" sagte ich. Nehmen Sie noch einClas? Ich will klingeln." Gut, danke, und dann wollen wir das Blechschwatzen aufgeben. Spielen Sie Karten?" fragte Philipp Harvey. Einige Spiele,, ja," erwiderte ich nicht ohne Zögern, denn dies war stcherlich nicht der Mann, mit dem es sich .angenehm spielen ließ. Famos! Robert! He.Halunke! Karten her!" Vie Karten kamen und wir setzten ml ZU einer Partie. Harvey war ein vorzüglicher Spieler, aber er trank zu viel. Als er die Karten mischte, machte ich eine Bemerkung, die mir ganz unerwartet kam, er war nicht links. . 16.Eapitel. ' Eine Zeitlang spielten wir schwelgend; ich gewann, und das verbesserte Herrn HarveyZ Stimmung keinesWegs. Er fing an, diz Karten hinzuschleudern, statt hinzulegen, und bestellte sich noch ein Glas Groz. Gelegentlich tauschten wir ein paar Bemerkungen aus, die sich aber lediglich auf das Spiel bezogen, und Philipp fluchte manchmal vor sich hin, besonders wenn ich einen glücklichenStich machte. Der Blick, mit dem ich sein verschlagenes Gesicht beobachtete, mag nicht sehr freundlich gewesen sein, denn der betrunkene Kerl war mir in der Seele zuwider. Der feige Mörder einer alten fsrau, der fortwährend über Leute, die besser waren als er, loszog und fluchte ein Wort von mir und der Bursche saß hinter Schloß undRiegel. Wie die Hand zitterte, in der er die Karten hielt, er war schon seiner Sinne nicht mehr ganz mächtig. Ich erhob mein Glas, das 'noch beinahe voll war, denn ich bin ein mäßiger Mann. Da Sie mir sagen, es sei JhrBortheil, wenn sie lange lebt," sagte ich, so trinke ich auf das Wohl von Fräulein Raynell und von Fräulein Simpkinson." Ich nahm einen kleinen Schluck. Danke," murmelte Philipp, ohne sein GlaS zu berühren. Unhöflichkeit ist mir verhaßt, und :cy sing wieder an: Aus daS Äjohl der reizenden Fräulein Simp " Mit einem Schlage war Philipp Harvey dieder der Mann aus der guten Gesellschaft. Ich kann Nicht finden, mein Herr," sagte er von oben herab, daß unsere ungemein flüchtige Bekanntschaft Sie berechtigt, den Namen dieser Dame in den Mund zu nehmen. Fräulein Simpkinson steht mir zu hoch, um sie zum Gegenstand eines Wirthshausscherzcs zu mache." Ich fühlte mich halb geschlagen, aber noch mehr gereizt; die vollständige UmWandlung m der Stimme wie im Wesen entging mir nicht. Er liebt sie, dachte ich bei mir, und sie ist die Braut seines Bruders. Er, wollte dem Gespräch einen andern Inhalt aeben er sollte ihn haben. WS ich jetzt sagte, entsprang auk Trotz und Haß, und, nicht euZ kluger Ueberlegung zu guter Letzt sind wir doch alle eben nur Menschen und haben zuweilen unsere kleinenSchwachen. ' ES wunÄrl-rnIch gar nichts daßSie 'die Dame hoBMtzen," fagte ich, wähjrenb ich die' Körken abhob. Aber wie mag das Fraukem über Sie denken, seit sie neulich einen. Blick in Ihren schwarzen Koffer gethan hat?" Philipp HarveyZ Hände sanken mit sammt den Karten schlaff herunter und eine Secunde lang starrte er mir in wilder Bestürzung in's Gesicht. Dann wars er mir mit einem Nuck, so schnell, ldaß ich nicht Zeit hatte, mir seine Wisicht klar ;u machen, den ganzen Pack 'in'S Gesicht, und gleich darauf flog .sein mit Grog gefülltes Glas denKarttn nach. Diesmal hatte ich Zeit, den 'Kopf zur Seite zu biegen, und das Wurfgeschoß zerschmetterte nur einen hinter mir hängendenSpiegel. Daraufhin stand er auf und verließ, ohne noch ein Wort oder einen Blick an mich zu verschwenden, das Zimmer, so aufrecht, als es ihm eben gelingen wollte. Recht verdrießlich und gedemüthigt blieb ich zurück. Äie Art und Weise, in der ich behandelt worden war, emPorte mich natürlich und empörte mich um so mehr, als ich mir 'sagen mußte, daß es nicht unverdient geschehen war. Es war ein Bubenstreich gewesen, mit solcher Roheit an die. Tragödie des schwarzen KofferS zu rühren, und es war überdies ein herzlich dummer 'Streich gewesen. Ich, der ich ttZher mit solchem Erfolg und solcher Vorsicht zu Werk gegangen war, hatte mich von einem kindischen Zorn übermannen las.sen; von dem Verlangen erfüllt, meinem Gegner etwas hinzureiben", hatte ich ihm nur eine verfrühte Warnung zukommen lassen. . (Fortsetzung solgt.) Umschreibung. Angeklagter: .....Herr Gerichtshof, haS muß schon in der Faailie liegen,' denn dem Franzl (dem Erschlagenen) sei Bat iS g'rad o o,'sto?5'J Borden
lins er un 5 5??5U kN.
Der Glaube an dieFreude. Wie traurig ist mein Dasein, ich habe keinen Grund zur Freude in diesem mühseligen, arbe:tsreic?en Leoen, da? mir jahraus, jahrein nichts al fortgesetzte Sorge und Plage ormgt: klagen und stöhnen wohl täglich tausend und abertausende Menschen. Und wirklich sind solche Wesen bebaue rnswerth, denn ihre Existenz ist ihnen zur freudlosen Last geworden, nicht auem, weil sie für sich oder Andere gar hart ' schassen munen, sondern weil sie unter der qualvollen Lürde der unausgesetzten Arbeit alle Lebcnssnsche bereits verloren zu haben scheinen, und kaum meyr im Stande sind, :6z zur Freued aufzuraffen. Ja, aber warum ist dem so fragen wir uns unwillkürlich, müssen denn Arbeit und Sorgen für die Ä?enfchen unbedingt das Gefühl deö Unglucks zur Folge haben, muß denn angestrengte Thätigkeit auch jeden Funken von Freudgefühl, den Glauben an die Freude unfeblbar auslöschen? Nein, es muß nicht, sollte und dürfte nicht so sein, wenn wir Frauen im eigenen Heim und. rings um uns her unsere Pflicht ganz und voll erfüllen wollten. Die Freude ist etwas Göttliches im Menschen, das Schönste und Beste, was wir hienieden besitzen, wir müssen aber .diesen Götterfunken" treulich bewahren, hüten und pflegen, ihm geheiligte Altäre bauen in unseren menschlichen Wohnungen. Und je öfter wir hintreten an die geweihte Stätte, und mit, 'dem leuchtenden Schein des Funkens unser eigenes und das Herz Anderer erwärmen und erhellen, desto mehr wahre und innere Befriedigung wird uns dieser 5u!tus gewähren. Er ist nicht neu. der Glaube an die veredelnde Macht der Freude, er hat schon unzählige treue Anhänger und Priester gefunden, alljährlich wächst diz Zahl seiner Glaubensgenossen und seine Feste und Feiertage gehören zu den erhebendsten und weihevollsten unter allen religiösen Kundgebungen. Wenn die Zeit des Hauptfestes der Freude herannaht, dann melden sich alle Frauen der Gemeinde als oicnende Priesterinnen. Vorsichtig und geheimnißvoll werden die Vorbereitngen getroffen, jede Vestalin hat ihre heilige Aufgabe, sie wandert vonHaus zu Haus und sucht all' die . Armen, Leidenden, und auch die kleinen Kindlein auf, denen die Funken vom hciligen Altare der Freude am Festtage leuchten sollen. Da werden zahllose Brode und Kuchen geformt, tausend schöner Sächelchen angefertigt, gestickt, bemalt, gezeichnet, genäht und geweb:, viel Tannenzweige gepflückt und rothe Aepfel und goldige Nüsse und bunt schimmernde Kerzen dazugethan. Und wenn dann Alles bereit ist. alle großen und kleinen Menschenkinder bedacht sind und der langersehnte Festtag ttz Freude kommt heran, dann senden die Priesterinnen jedem das Seine hübsch in das Haus. Millionen Tanzweige duften, strahlende Lichtlein erglänzen und die Flammen der Freude sie flackern so hell und knistern so laut, daß man darüber vergessen könnte, daß wir nicht im göttlichen Hwlmes, sondern nur im Jammerthal der Erd: uns aufhalten. O dürften auch wir uns jetzt Alle als Priesterinnen ausschließlich dem edlen Kultus der Freude weihen! Könnten wir Alle hingehen und für jedes Kinderherz und jeden Armen, Bedrückten und Nothleidcnven einen sichtbaren Gruß aus dem Tempel der Freude bereit halten, für jeden Einzelnen, ein 'Flämmchen des göttlichen Funkens entzünden! Wer weiß, wenn wir ti ernstlich anstreben, dann kann es auch gelingen, dann werden trotz trüber Zeiten und Winterkälte die braven Frauen mit treuem Herzen und fleißigeii Händen, mit viel Müh' und redlicher Arbeit, mit eifrigem Sinnen und rastlosem Sammeln es fertig bringen, allübcrallhin den Glauben an die Freude zu verbreiten, dann werden die Strahlen, der Weihnachtskerzen und die Funken der Freude sich vereinen können zu einem herrlichen hellstrahlenden Festtag, an dem für Alle, Groß und Klein das Dasein weniger traurig erscheint, weil durch die seltene Freude das sonst kalte trübselige Herz recht gründlich erwärmt und erhellt würde u'.o dc? halbvergessene Glaube an die Freude wieder neues Leben erhalten hat. Ihr gutes Herz. Sie hat doch sonst ein gutes Her Das ungern Jemanvln verletzt; Doch furchtbar grausam wird sie stets. Wenn sie sich zum Piano setzt. Dann haut mit wüthender Gewalt Sie auf die armen Tasten ein, Und immer stärker schlägt sie zu, Je lauter die vor Schmerzen schrei'n; Und unbarmherzig, ohne Grund, Tritt sie mit Füßen das Pedal, Die schwachen Saiten stöhnen dumpf, Sie achtet doch nicht ihrer Qual. Sie läßt nicht nach, sie drückt noch mehr, Sie gönnt den Tasten keine Nuh'.' Das Jammern, Stöhnen, rührt . sie nicht Im Gegentheil: Sie singt dazu. Gerne gegönnt. Frau: Du, Mann, morgen halt: ich in dem Verein für Frauen-Emanzipation eine große Rede." Mann: Das ist recht, das thu' Du nur! Das kann den geehrten Damen garnichts schaden! Denen habe ich fchon lange mal so etwas gewünscht!" Florida ist der einzige Südstaat, roilcher keine Brauerei hat. .
