Indiana Tribüne, Volume 17, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1893 — Page 6

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wimmel Herr Sanitatsratq Wallenberg saß. Schwebt Floö' und Flöckchen Kon dem waren zunächst das Einzige, was sich grauen Himmel der kleinen Frau, die über ihre Brille Und legt rstch sacht auf Weg und Steg fort nach dem Platze gesehen, wo und Halde,- der Gatte sah, bemerkbar machte. Verschneit die Tannen draußen in dem dann strich seine Hand das ZeitungsWalde, ! blatt glatt, in dem auch er las, und Ruht leuchtend weiß auf jedem Thurm t seine Stimme klang ein wenig geärund Dach aert. als er in ablebn-ndem H.ont be-

Und scheint so 0t in mein still Vermerkte: .Du weißt doch, Linch:n,daß

mach. Daß ich die Feder gerne ruhen lasse Und meine Blicke sende auf die Gasse.

i.und wenn Du über Land zu fahren So einsam dort; 's ist Alles in den hast, thut Dir jetzt zur Winterszeit, Stuben, bei Sturm und Wetter doch wahrNicht mal den Schlitten zieh'n des baftia eine wärmere Hülle noth, wie Nachbars Buben; Dein Paletot, an dem das wollene Warum dieö nur, da es sie sonst so ; Mutter außerdem schon alles Haar . .. freut? . verloren hat und garnicht mehr warm Er. weit du nicht? Es ist ja Weih- hält. Nein, nein, laß mich nur ma- . . n?1 Ut! jchcn. ich bin froh, einmal ein praktiUnd horch! Da schweben tiefe Glon- f$c3 Geschenk für Dich zu wissen, ... ? klänge m unb den Pelz behalte ich im Auge. Woql ubers Dorfchen rn das Land den lasse ich mir nun einmal nicht vwrn, !fortdemonstriren!" Und in der Brust wird eZ mir plötzlich Wie ich das Paneelsopha scholl - crCnc i .ii ks aus den Tabakswolken zurück. Und in bit Augen tritt em feuchte: u arme ffrau hast noch immer das 's- c?"?' r... r ! altmodisch gepolsterte Möbel in DeiO tzelllge Nacht. du süße fromme : ntm immer und wenn ick die Ein-

sJi - . r,i-a?r pl L elch leliz GtUck hast du der Welt M's graq:. ! n zzb Haus weyt dein geheiligt ; 17 - . - uern! Und war einHerze noch so voller . sauern. v Es muß ihm dsq die holde Kunde : ... f2r5fn. . I Verzage nicht, der Friede kam zur Er-; . r. c druo: hintirni ensttt fZanimN empor, )ort

n f. r v ic y r c rifjL l- ww itiiiwiii, v wn yrnu uus f'JÄ S JlÄ wk solch' .in unnütz Ding

k i,,,, vtt.,izt,,tt tviii ki.i lilcl in mein Herüber andachtsvolles cyroelgen: Das alte Lied die frohe Mär Bom Himmel hoch da komm' Ich eer!" ,Woh:n du stehst, der helle klae Schein, Und so wie hier in unserm Dörfchen klein Flammt j:tzt im großen eite Erdenräum In jedem Haus der grüne Tannenbäum; Und edes Herz wird heute lind und weich Und jeder Arme dünkt stch wonicereich. Und jede Hand, sie schentt und reicht und aiebt. Ä $m hmu fi sH rr i'.inv &rcS-fi ivn-t ' t k$: Vkm ttX mm S W: M ? h.y-x wv ll 7'ac' rrWas steht dort draußen an der Thür betrübt Und schaut so bang zum hellen Fensterlein? Es ist ein Kind! O komm, komm doch herein! Hast keine Mutter mehr? Hast keinen Baum? Daß heil'ger Abenist, du weißt es kaum? Tritt ein, denn heute soll zu Himmelshöhen V Doch kein bekümmert Aug' vergeblich flehen. Und Kinder dürfen heute gar nickt weinen; x Es ist ja Euer Fest, das Fest der' Kleinen. Da nimm nur hin, viel ist es freilich nicht. Und freue Dich daran. Du blonder Wicht. O Kinderhand, wie bald bist Du gefüllt! O Kinderthräne, wie so bald gestillt! Was jetzt aus blauen Aeuglein blinkt, Ist süße Lust, die tief zum Herzen dringt. Nun geh', mein Kind und stehst Du noch so einen Bergess'nen kleinen Buben weinen Es könnte euch ein liebes Mädchen sein. Das zur Bescheerung Niemand ließ erem

ag' ihnen rasch, Ich wohnte an der Crtfc Und hätte eine große Zuckerwecke. Und auch ein Väumchen und ein war mes Kleid O Herzensfreude, sel'g? We'chnachtZzeit! W. He im bürg. Sanitätöratl, Wall.'Nberg.

HumistlslZz, LZclhnschiz.SrzZhlunz do Vlnna Uurvkow. SZeh' mal, Alter, da ist wieder eine Annonce, die mich in meinem yrtfnh tr tnn HTi 111 flTMf vtttw yv.g rjt t . ri 1 r" . iiuiic ZU jtcnicn, üejiat. VulM - nur: Auflösung deZ grotzen Pelz- . f.tvri3 . icaaicngcicqayis dun tfiicoiiu, Landsbergerstraße 45. Wegen Todesfalls des Geschäftsinhabers werden sämmtlich: Bestände von eleganten Herrenreisepelzen, Gehpelzen, Muffen etc. unter dem Selbstkostenpreise verkauft. Was glaubst Du wohl, ob sich mir noch einmal eine so gunstiqe Gelegenheit zu einem EinZause bieten dürfte?" Große Stauchwölken aus der Gegend her, wo der ich nicht gern verweichliche." Du 'bist aber 'kein Jünglilsg mehr, lieber . Adolph." ereiferte sich seine Nrau. richtunq bei Deinen Freundinnen in's uge fasse, diese stylvollen Ausstattunqen. Paneele überall, bestellt mit zzgen, Nippes etc., sehe ich ein, daß t durchaus nothwendig " Lichts stehst Du ein, nichts ist nothwendig." schnitt die kleine Frau Vmm anne die Nede ab, unsere Möbel erfüllen vollkommen ihren unb mxm Zch auch einmal UNkluger Weise geäußert, daß ich solch' ! ein modernes Sopha mit Aussatz um fänb unb fo f., vxf; r aiv kostet Ganz meine Meinung in Bezug auf den Pelz," knurrte der Sanitätsrath. Bitte, das kommt doch auf Ansichten an," widersprach Linchen. Allerdings," gab der Herr des Hauses zu, unterbrach sich dann aber plötzlich mir dem Ausrufe: Abscheulich, da steht wieder eine solche Annonce, wie sie mich schon so oft in Harnisch gebracht, in der Zeitung: ein Kind, das versckenkt werden soll, verschenkt, wie etwa ein Tuch, ein Kleid oder eine Schürze." 6m Junge?- fragte die Frau mit weit geöffneten Augen. Nein, ein Mädchen," gab der Mann zurück, ein kleines, vier Wochen altes Mädchen, welche Unnatur, solch' zartes Wesen in die Welt hinauszustoßen, ohne Gewähr, daß ihm die Liebe zu Theil .wird, deren es doch gerade im ersten Lebensalter fo dringend bedarf." Wäre es noch ein Knabe gewesen," sagte Linchen gedankenvoll, hätten wir uns danach umsehen, unZ seiner vielleicht annehmen können, haben wir doch so oft schon davon gesprochen, ein Kind zu adoptiren, unsere Häuslichkeit dadurch zu bcleben und zu verschönen." Wobei ich immer sür ein Mädchen war," meinte der Herr Sanitatsrath und ließ letzt das Aeltunasblatt in den Schoß sinken, als interelstrte ihn das Gespräch mehr, wie die Lectüre. eine Tochter zu haben, war immer mein Wunsch, wie nett muß es sein, solche kleine Mädchencr.t. . ... . jur: uiiiyellllpp'.in zu yoren uno die Händchen geschäftig in Küche und Keller zu sehen." Unsinn. Alter," widerlegte die Sanitätsräthin ihren Mann, das Regiment in der Wirthschaft ließe ich mir ja doch nicht nehmen, aber, wie schön muß es sein, sich an dem Streben, Lernen und Vorwärtskamwen eines Sohnes zu erfreuen, ihn womöglich einst das Amt des Vaters antreten zu sehen, nein, nein, ich bin mtv filr lltlrtfn ItnS Vnnr Vn? Kl IUV IVVI1U VU uns ein Kind annehmen, dürfte es ebenxnur ein Knabe sein." Ntty. ein Mäda)zn." und damit stand decHerr SanitätZrath Wallenberg etwas unvermittelt schnell von seinem Stuhle auf und rief: Heute Nachmittag muß ich hinaus nach Holcndorf, , Pastor Weller schreib? mir, daß es bei ihm im BeZiirk schlecht aussehe, und die ungünstige Witterung viele Leute aus's Krankenlager geworfen." Dörthe. das alte Factotum, des Hauses, das die junge Frau Doctor schon dereinst mit in die Ehe gebracht, kam nach einiger Zeit, um das Kaffeegeschjirr hinauszuräumen, und, va sie gewohnt war, während dieses Geschäftes die Tas.eseinrichtunsen

mit ihrer Gebieterin zu besprechen,

diese aber heute ganz in sich verloren und stumm fand, griff sie schließlich zu einem etwas lärmenden Mittel, sich bemerkbar zu machen, und klopfte ganz energisch mit einem der Theelöffel qea.en eine Kasseetasse. ' Ja. denke Dir. Dörthe." sagte die Frau Sanitätsräthin und jagte durch diese, von einem unnachahmlich geistesabwesenden Blicke begleiteten ! Worte, denen sie gar nichts weiter ' hinzufügte, der treuen Dienerin einen . solchen Schreck ein, dzß diese das Brett mit dem Kaffeegeschirr wieder auf den Tisch setzte und, einen Schritt lauf die Herrin zutretend, fast entsetzt fragte: Wo fehlt es denn, Frau Sanitätsräthin?" Nirgends, Dore, aber höre nur einmal, da las mir der Herr eben vor, daß eine Person in der Müllergasse ihr Kind verschenken wollte, und was glaubst Du wohl, was mein Mann meinte? Annehmen sollten wir es uns, weil es gerade, wie er es wünscht, ein kleines Mädchen ist." Na. um Gottes Willen, das fehlte uns noch." polterte Dörthe. die sich schon ein Stück herausnehmen durfte, da würden wir ja eine schöne Bescheerung herbekommen und das viele Kindergeschrei uns zum Hause hinausiagen." Mädchen sollen so wie so immer viel unruhiger sein, als Knaben," nickte die Frau Sanitätsräthin, ja, wenn es noch ein Junge wäre " Nee. auch keen Junge nich," knurrte Dörthe, auf solchen Unsinn sind wir nicht eingerichtet und das paßt auch gar nicht hinein in solch' stillen Haushalt, wie wir ihn nun all' die Jahre her geführt." Und Dore klapperte sehr energisch zur Thür hinaus, während ihre Her-! rin fest entschlossen war, sicy mal Das Kind anzusehen. Gedacht, gethan Punkt vier Uhr Nachmittags wanderten die Frau Sanitätsräthin und Dorthe, die wie : ihr Schatten wortlos und mit ver- j finstertem Antlitz neben der Herrin herschritt, auf die schon dunkle Straße hinaus und durch ein Gewirr von Straßen, Gassen und Gäßchen hindurch bis zu der schmalen Müllergasse, über die sich der nächtliche, bleigraue Himmel wie ein schmales Band hinzog. Vor dem in der Zeitung bezeichneten Hause machten die ! Frauen einen Augenblick Halt und die kleine Frau Sanitätsräthin blickte fast ängstlich auf die verfallenen Mauern, den düsteren Eingang, die Treppe, die mit ihren ausgetretenen Stufen jedes Betreten abwehren zu wollen schien. Erst Dore's spöttisches: Na, soll's wirklich da hinaufgehen?" flößte der zaghaften Frau wieder Muth ein und nun stieg sie beherzt höher und höher, bis dahin, wo die Treppe ein Ende hatte und an schmucklosen Holzthüren, auf weißen, großen Zetteln mit ungelenker Hand geschrieben, die Bewohne? der Räume dahinter zu lesen waren. An einer dieser Thüren stand der Name, den die Frau des Arztes in der Zeitung gelesen, und auf ihr Klopfen daran ertönte ein leises: Herein!" und Schritte näherten sich der Pforte, die behutsam geöffnet wurde, woraus eine gedämpfte Stimme halblaut sagte: Sind Sie es. Frau Schmidt? Bringen Sie mir ein wenig Milch? Jetzt schläft es gerade, und ich bin so froh darüber, daß ich nun mal für ein Weilchen an meiner Arbeit bleiben kann."' Einen Augenblick daraus stanken die Frau Sanitätsräthin und ihre Begleiterin auf der Schwelle und vor einem kleinen, verwachsenen Wesen, das ängstlich zurückgewichen war, als es an Stelle der bekannten Frau die fremden Besucherinncn gewahrte und schnell von einigen Stühlen die Wäschegegenstände forträumte, in die es augenscheinlich Namen eingestickt hatte. Frau Lina wurde ordentlich verlegen in dem kleinen, ärmlichen Raum, gegenüber der Leidensgestalt des jungen Mädchens, das jetzt mit ruhig fragenden Augen die vornehme Frau ansah, die. wie es sich die 'Frau Sanitätsräthin vorwurfsvvll zugestand, ja doch ohne jeden bestimmten Zweck, halb um Dörthe zu strafen, halb aus uneingestandener Neugier hergekommcn. Stockend und ein wenig roth werdend, fragte ste nach dem Kinde, das verschenkt werden sollte, undnun ging es wie ein Leuchten über die Iüge der Verwachsenen. Sie ergriff die Lampe, machte den Frauen ein Zeichen, ihr zu folgen, und führte sie zu dem großen Bette, dessen Decke sie ein wenig lüftete, um das darunker liegende kleine Mädchen zu zeigen, das, beide Fäustchen gegen die rosigen. Wangen gepreßt, fest und ruhig! schlief. Ich behielte es ja so gern," sagte, sie dabei, wie' um sich zu entschuld!-' Zien. und ich habe es auch versucht. vie ganzen Wochen hindurch, seit sie kodt ist. aber es will nicht gehen, ich: kann mich von meinem Verdienst als Stickerin zu Haus nicht beköstigen.' wenn ich durchkommen, und das Lischen da muß gute Milch haben, wenn' es nicht elendiglich umkommen soll.' Ach. mem Gott, wenn Sie wußten,, wie sich die arme Frau gehärmt, ehe das Würmchen noch geboren, wie sie! sich um sein Schicksal gesorgt, wie sie immer gesagt: Geben Sie acht, Marie. ich überleb's nicht, ich bleibe dabei. wer wird sich des Kindes dann annehmen? Es hätte Ihnen in der Seele weh gethan, wie mir, die ich hier neben ihr an gewohnt und sie immer mehr und mehr verfallen sah. Mann hatte sich vi Freunden bereden lassen und war nach Amerika lufaebrochen. weil er sichx goldene

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Berge versprach und die Frau dann nachkommen lassen wollte. Unterwegs ging aber das Schisf mit Mann und Maus unter und statt des Ariefes mit der Fahrkarte kam die Todesnachricht, und von da an war's mit der Hanne vorbei. Schwach war sie ja immer gewesen, jetzt schien's aber, als brenne das Licht nur noch so lange, bis das Kind da war, und so geschah's auch. Acht Tage nach der Geburt der Kleinen starb ste, und nun. nun kommt's doch noch, wie ich sie immer getröstet; der liebe Gott schickt Hilfe, und um das arme Lischen hätte sie nicht fo bange fein brauchen." Wie ein Strom rauschten diese

Worte der kleinen Stickerin über, die Frau Sanitätsräthin hin, die lautlos, beinahe athemlos auf dem harten Bretterstuhle saß. Und plötzlich feuchteten sich die Augen der kleinen Frau, glaubte sie die Gestalt ihres Gatten vor sich zu sehen, seine Worte zu vernehmen: Wie nett muß es sein, solche kleinen Mädchcnfüße umhertrippeln zu hören, und aufspringend und wiederum zum Bette eilend, rief sie energisch aus: Wir nehmen es gleich mit, Dore. das wird das Christgeschenk für meinen Mann!" Dörthe stand einen Augenblick wie angenagelt: über ihr dunkles Antlitz zuckte es. es sah aus. als hätte sie Nicht Übel Lust, sich allen Ernstes gegen das Gebot ihrer Herrin aufzulehnen. Auf ein nochmaliges bestimmteZ: Gleich nehmen wir es mit!" wagte sie aber doch nichts einzuwenden und ging, die Droschke zu holen, in der man das neue kleine Mitglied des Wallenberg'schen Hauses heimführen wollte. ' Der Herr Sanitätsrath kehrte gegen Abend so vergnügt von seiner Ausfahrt zurück, daß er seiner Gattin wiederholt die Wangen klopfte, ja sie einmal, wie in tollem Uebermuthe, in der Stube umdrehte und ihr zuraunte, daß er unterwegs auch in der Kunsttischlern von Berger & Co. gewesen, dort Umschau nach den bewußten Dingern zu halten, von denen man noch am Vormittag gesprochen. Du hast wohl in Holzendorf Alles besser gefunden, wie Du gedacht?" fragte Frau Lina beim Abendbrod und schickte Dörthe hinaus, die Teller und Schüsseln heute mit einer Umständlichkeit hereintrug, als hätte sie nur zu gern ihr belastetes Herz dem Herrn gegenüber ausgeschüttet. Besser gesunden und nicht besser," sagte indeß in der Stube der Sanitätsrath zu seiner Frau, ich fand Gottlob in Holzendorf keine tödtlichen Krankheiten, nur Erkältungsfieber, etwas Masern bei den Kindern, von denen ich mich überzeugte, daß sie leicht aufgetreten, und einen Beinbruch, der den Holzfäller Mariens betroffen, als er am Morgen seiner Beschäftigung nachgegangen." Der Aermste," rief die kleine Frau aus, nun kann er ja wochenlang seinem Berufe nicht nachgehen und hat jetzt zur Winterszeit gar keinen Verdienst." Leider," bestätigte der Arzt, und was noch schlimmer ist, ich mußte noch .dabei sein, als die Familie in derMittigsstunde noch einen Zuwachs bekam. denn ich habe dem siebenten Kindchen zum Lichte der Welt verholfen." Frau Lina schlug die Hände über dem Kopfe zusammen. Einem Mädchen, Adolph?" fragte sie athemlos. Nein, einem Jungen, gab dieser zurück, laüschte dann aber angestrengt und meinte kopssazuttelnd : Das kommt davon, wenn man ein paar Stunden in einem kinderreichen Hause zugebracht, da war's mir doch eben, als hätte ich irgendwo in unserm Quartiere das Geschrei eines kleinen Erdenbürgers gehört. . Der Wind, der Wind," sagte die Frau Sänitätsräthin schnell, Du glaubst nicht, wie schlecht die Fenster in der Küche und Dorthens Stube schließen, man hört von dorther oft die sonderbarsten Laute." Nun dann verklebt doch die Ritzen, man hat ja doch jetzt die Wattröhren," rieth der Sanitätsrath, worauf seine Frau mit den Worten schloß: Das Alles soll auch nach Weihnachten eschehen. es giebt nur zetzt allzuviel zum Feste zu thun." Und der Weihnachtsabend kam. vorherging, daß Frau Lina aus dem Friedrich'schen Geschäft einen prächtiaen Pelz und der Herr Sannatsraty aus der Berger'schen Kunsttischlerei ein Paneelsopha zugeschickt erhielten. Dore wurde von allen Ecken in Ge Heimnisse eingeweiht und dadurch nicht nur in ihrer Würde gehoben, sondern auch versöhnlicherer Stimmung, so daß sie beinahe wieder auf so gutem Fuße mit ihrer Herrin stand, wie vorher, ehe sie ein Lischen in ihrer Stube beherbergte. Die Klingel an der Korridorthüre stand wirklich noch am helligen Abend Nicht mal stm, und zwischen fünf und sechs, der Herr Sanitätsrath ging schon ganz unruhig umher, brachte ihm noch eine Frau ein sorgsam eingehülltes Packet, das er ihr mit großer Vorsicht persönlich abnahm. - Nun ging zuerst die Frau Sanitätsräthin in das Zimmer, wo aufgebaut wurde, und nachdem sie Dörthens Platz reicher noch wie sonst, in Anbetracht des Familienzuwachses geentfL r.-t- r i , c rr-v luul. icgie ne miiien unier oen yriubäum, dessen Kerzen' sie schon angezündet.den schönen, schwarzen Pelz für ihren Mann, den sie mollig, wie emettge höhlte und aufbauschte und darin das kleine Steckkissenkindchen bettete, das ihr Dore durch die hinter ihrem Nücken befindliche Thür reichte. Klein-Lischen zeigte sich sehr manierIich, denn sie schlief so süß. daß weder die Bewegung, noch der. Lichterglanz

sie weckten, und in den weißen Kissen sah sie mit dem runden Gesichtchrn, oen winzigen Händchen so allerliebst aus, daß Frau Lina sich niederbeugte und einen Kuß auf das rosige Antlitz hauchte, ehe sie ein leichtes, weißes Tuch über den Platz ihres Gatten deckte. Und nun verschwend sie und der Herr Sanitätsrath kam heran und

schleppte mit einem leichten Keuchen, , das bis hinaus m s Wohnzimmer drang, das Sopha mit Dörthens Hilfe aus seiner Stube, die er in den letzten Tagen fest verschlossen gehalten. in den Saal, wo aufgebaut worden. Gefallen war auch die Hülle von dem schwarzen Pelze mit Inhalt; stumm, starr, lautlos stand hier der Herr des Hauses, stumm, starr und lautlos dort vor dem Sopha die Frau des Hauses. Lag doch auf dem Paneele kein Buch, stand doch dort kein Nippes und doch befand sich ein Etwas darauf, ein Etwas in weißen Kissen, mit rothen Bändern gebunden, ein bewegliches, lebendes Etwas, das jetzt eben ein jämmerliches Geschrei anhub, ein Geschrei, das von Klein-Lischen aus dem Pelz her sekundirt wurde. Bei ' dem ersten Tone, der vom Sopha her erscholl, war der Herr Sanitätsrath an der Seite seiner Frau. Dein Sohn," saate er nicht ohne Stolz, es ist der Jüngste vom Holzfäller aus Holzendorf. den mir die Armen gern überließen und ich habe ihn Dir als Weihnachtsgeschenk mitgebracht. aber die kleine Frau ließ ihn kaum ausreden, sie griff nach dem weinenden Lischen. schaukelte es aus ihren Armen und hielt es ihm entgegen : Dein Mädchen, Adoh, Deine Tochter, das Kind, das verschenkt werden sollte, habe ich Dich nicht hübsch überrascht?" Und doch werden wir es wieder fortgeben müssen," sagte der Herr schnell, Zch habe mich nun doch in Deinem Interesse für den Jungen entschieden und den armen Leuten thut's wirklich Noth, daß man sie von einem ihrer Kinder befreie, sie haben a so schon Mitesser genug. Lischen fortgeben? nimmermehr," eiferte Frau Lina und drückte die Kleine fest gegen ihre Brust, wenn Du wüßtest, welche traurige Bewandtniß es mit den Eltern des armen. kleinen Liebling hat." Aber, es ist ein Mädchen.Frau" Als ob die Mädchen schlechter wären wie die Jungen," zürnte die Frau Sanitätsräthin, welche Freude.wenn solch' ein Mädchen heranwächst und es nachher in Küche und Keller Wirthschaftet" Und welcher Triumph, fugte der Sanitätsrath mit feinem Lächeln bei. wenn man sich an dem Lernen, Vormärtskommen und Streben eines Sohnes erfreuen, wenn man es vielleicht sogar erleben kann, daß er das llmt des Vaters dereinst übernimmt. Also. Adolph?" Also. Lischen?" Behalten wir sie alle Beide!" erklärten Frau und Mann wie aus kinem Munde und riefen dadurch ein solches Entsetzen bei Dörthe hervor, daß diese, die eben, in einer Aufwalhing von Mitleid, nach dem schreienden ?lunaen areifen wollte, die Arme schlaff niedersinken ließ und nichts sagte, wie: Eine schöne Vcscheerung!" Gewöhnen mußte sich aber die Do rothea an das Unvermeidliche, denn keiner der Gatten gab sein Wech nachtsaeschenk heraus und unmittel bar nach dem Feste stand in einer der aelesensten Tageszeitungen e,ne An nonce folgenden Inhalts: Für zwei kleine Kinder wird eme altere, zuverlässige Kinderfrau, die das Aus päppeln mit der Flasche versteht, ge sucht von Sanitätsrath Wallenberg. Eine Haupt"-Sache. ':m " 5-5 2.5Wirklich das Rechte getroffen. Arbeite?-W ei h nachten. Saure Wochen frohe Feste. Die gebildete Köchin. Hausfrau: Auguste, heute haben wir einen Böhmen zu Gaste, wissen Sie mir kein böhmisches Gericht?" Au. guste: Na, wir könnten vielleicht an alle Speisen Karlsbader Salz machen! Kindermund. So-, Marl, jetzt bet' schön vor dem Schlafen : Lieber Gott, mach' mich fromm, daö ich in den Himmel komm'!" Aber Mama, ich bin ja kaum erst heruntent' ! .

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Musikalische Bekenntnisse.

rzk,tzemäßk Plauderci vo 3R. O. Gttttftt Haben unsere leidenschaftlichen Musikschwärmer schon daran gedacht, daß ihre Lieblingskunst, wie sie die stnnllchste und idealste, auch die verratherisckste pon allen Künsten ist? Ich meine nicht blos m dem Sinne der bekannten Umgangsspionage: Sage mir, was Du musterst, und ich sage Dir, was Du bist: sondern ich meine vielmehr in der höheren Art der Enenntnißmoglichkelt: vermittelst der Musik in die Seele der Musiker hineinzuholen. Da setzt sich z. B. ein Tondichter in aller Schuld oder Unschuld hin, vertheuert durch die Ausflüsse feiner Inspirationen das Notenpapier in der schauerlichsten Weise, treibt die Preise der Lumpen in eine schwindelnde Höhe, savrizirt in der kurzen Spanne seiner musikalischen Besessenheit Opern.Sinsonien. Streich- und Schlag- und Streichquartette, ein-, zwei-, vier- und mehrarmtge Klaviersätze, Lieder ohne Worte, Tänze ohne Hand und Fuß um dann am Ende dieser holdseligen oder holzunseligen Leistungen vergnugllm auszurufen: So, nun hab: ich der Welt wieder einmal etwas Rechtschaffenes vorgedudelt und der undankbaren auf's Neue gezeigt, was für ein splendider, genialer Ker! ich bin! Das heißt bescheiden gedacht, mein lieber Musikante! Das Genie zugegeoen, yast vu Der Welt nicht etwas", sondern die innerste, geheimste Geschichte deiner Seele vorgedudelt; du hast dich selbst in Mustk gesetzt, und was du vielleicht vor Gott und den Menschen verschleiern möchtest, deine trüben Instinkte, deine häßlichen Leivenjazasten, das hast du alles mit deinen vecrätherischen Notenköpfe Freund und Feind in die Ohren ge viaien. Um diesem musikalischen Verrath. der das letzte Siegel von den geheimsten Falten der Seele löst, einigermatzen zu steuern, haben unsere gelehrten Tonkünstler sich eine schlaue Theorie angeeignet, die vorher schon den Wort-, Farbe-, Form und Mienenkunstlern gar nutzliche Dienste geleistet. Nämlich die Lehre von der interessanten Häßlichkeit. Man ist häßlich, lediglich um interessant zu sein. Welch' eine Entdekkung! Da braucht man sich a gar nicht mehr zu geniren; man ist häßlich und schreibt häßliche Musik aus purerAufopferung für den lieben Mitmenschen, der nach interessanter Kunst lechzt So ist für mich die befremdende Thatsache auf ganz vernünftigem Wege erklärt, warum gerade in einem Zeitalter des, wüstesten Materialismus, der seelischen Verrohung, der modischen Verunzierung in Tracht und Geberde, der Vrutalistrung aller ererbten feineren Umganqsformen die Musik zu einer beispiellosen Stellung, zu einem Umfang und einer Werthsj&ÜI X jfe Xm. O f 1 J?l Au lujuijuim iu uiietui ljuuimujcn uuu öffentlichen Leben gelangt ist. wie nie zuvor. Es ist nicht die Musik schlechthin, nicht die gute Musik, die unser ganzes modernes Dasein mit ihrem klingenden Zauber umwebt: es ist die häßliche, aber interessante Musik, die uns bändigt und uns zum Bedürfniß geworden ist, weil in ihr die ganze Teufelei und Lasterhaftigkeit unseres Geschlechts am ungescheutesten und sinnlich reizendsten ihr Wesen treiben darf. Was gilt uns heutzutage nicht alles als Musik, und wie bereitwillig nehmen wir nicht die häßlichsten Kameraden für ausgesucht anziehende Musiker! Eben weil wir alle im Ozean universeller Häßlichkeit herumplätschern, ist uns dieses leidenschaftliche Verständniß für die Schönheit des Unschönen, für das Seelenvolle des Ungemüthlichen, für das Himmlische des Höllenhaften aufgegangen. Goldcnes Zeltalter der Mustk, mir graut vor Dir! Ach, wenn unsere Denker und Mo ralisten Ohren hätten, was müßten sie Nicht alles aus einem modernen Eoncert heraushören: feines und grobes Mordaelüste, Ehebruch und verliebte Schandthat, lächelnde Grausamkeit und höhnendes Mitempfinden, cynische Speculation, fundhafte Langeweile, geckenhafte Raserei, geistreiche Hirnverbranntheit freilich auch em Krumchen, Tugend und ein paar ehrbare Kadenzen, schon um des pikanten Eontrastcs und der prahlenden An siändigkeit willen. Denn bei aller Verruchtheit . muß ja der (Schern des guten Gewissens gewahrt bleiben: es ist die Tendenz unserer musikalischen Civilisation, einen herben und strengen Charakter zu heucheln und die AbWesenheit seelischen Adels durch die rasfinirten Effecte stimmungsvoller Heldensp'elerel zu vertuschen. Die Zeit, wo die Musik eitel Schönheit und Güte in Tönen gewesen, liegt weit hinter uns. Damals mußte der Musiker, sich in den Grenzen reiner Kunst haltend, erst selbst das Liebenswürdige seiner Seele zu schöner Entfaltung gebracht haben, um eine liebenswürdige Mustk geben zu lon nen. Heute existirt diese sittliche Nothwendigkcit nicht mehr für ihn. Die musiknärrische Welt will Sturm und Drang, Empörung und Fanatismus; ste will gehetzt, gepeitscht und außer Athem gebracht werden, um nach all' dieser unkünstlerischen Erregung durch em paar Tacte von wirklicher Schonheit, durch ein paar Noten von kcuscher Empfindung und reiner Süße ein momentanes Hinsinken in Nube und ?el?akeit zu aenieken. Wir sind musiktoll, weil wir keine' Musik mehr ln uns eld t baden. Je mehr Tücke und Rücksichtslosigkeit in unsere Cultur gekommen, desto mehr

sind wir in unserem Innern 'musika-

lisch verarmt. Diese innerliche Verarmung an wahrer Musik hat uns dazu getrieben, den musikalischen Maschi nenbau in emer bis dahin unerhörten Weise zu erweitern und zu vervollkommnen. In jedem Bürgerhaus?, das sich respektirt sehen will, gehören mehrere Mustkmaschmen, sei es für k'lrzweg mechanischen oder für Hand-, Mund- oder FußbetrieH, als da sind: Flügel, Pianinos. Orchestrions.Spieldosen, Musikstühle etc. zur noth wendigen Mobiliarausstattung. Daß wir uns mit der Mehrzahl dieser Musikmaschinen nur neue Folterwerkzeuge geschaffen, ist die gerechte Strafe für die Sunden unserer Cultur. Die Eltern opfern ihre ersparten Groschen, die Ruhe ihrer Tage und die Annehmlichkeit ihrer Nächte, um den lieben Nachwuchs, besonders die Töchter, in Musik dressiren und auf einigen modischen langmaschlnen abrichten zu lassen. Die armen Mädchen werde siech und mustkkrank, ihre Nerven werden rythmisch zerhämmert, daß eS ein Erbarmen ist, die jungfräuliche Psyche muß mit den haßlichen Elukubrationen des Modecomponisten durch Dick und Dünn tonleitern Aber wie soll diesem Unfug eine wirksame Schränke gesetzt werden, so lange der Staat sich nicht entschließt, die Musikmanie der Töchter als ein unübersteigliches Ehehinderniß zu erklären? Leider kann in diesem Falle wenig oder nichts von einem Staate erhofft Werden, der selbst musikalisch inficirt und alljährlich horrende Summen für Musikantenzüchtung in sein Budget setzt. Nein, es ist keine Hilfe mehr gegen die allgemeine Mustkpest. Wir alle sind von ihr ergriffen. Groß un Klein, Arm und Reich, Hohe und Niedrige. Jeder braucht und mißbraucht sein Jnstrumentchen. Der alte Fritz selbst, jeder Zoll ein Held, wandelt durch die Geschichte mit seinem Flötchen. Der elegische Spätromantiker läßt so wenig von seinem Waldhorn, wie der rabiate Fractionsführer vo seinem Tamtam. Ach, die Seligkeit in Dur und Moll Gott sei unseren zukunftsmustkalischen Enkeln gnö big! Persische Enthüllungen. Es ist nur gut, daß MonteSqui, - der berühmte Verfasser der LettreS Perfanes", so lange schon todt ist; der Arme hätte sich nicht wenig beschämt gefühlt bei der Lectüre der Artikel, die Ächmed Bey in der Nouvelle Revueüber die Zustände des heutigen Persiens veröffentlicht. Das Land deS Schah, von Mttltesquieu indirect als ein Utopien der Freiheit und des Glücks hingestellt, ist ein Land der Sklaverei, des entsetzlichsten Despotismus, der unglaublichsten Willkür und Ausbeutung geworden. Wir wissen nicht, woher Achmed Bey die Verhaltnisse Perstens so genau kennt; daß er sie aus eigenerAnschauung kennt, wird Jedem zweifellos, der die lebendig, mit ausrichtiger Entrüstung geschriedenen Aufsätze liest. Alle Leiden, schreibt Achmed Bey. welche dieses Land erduldet hat, seine Zerstückelung, seine Erniedrigung vor den Fremden, die Vernichtung seines Handels, seiner Industrie, seiner Kunst, sie sind verschuldet durch die Nachlässigkeit und Niederträchtigkeit seiner Regierung. Die Hakims in den Provinzen werden gewohnlich der königlichen Familie entnommen; sie haben nichts zu thun und unterhalten keme Beziehungen zum Volke. Die wirklichen StattHalter, die Pischkars, sind AUeS tn Allem Steuereinnehmer und UrtheilsVollstrecker. Hakims und Pischkars erkaufen ihre Aemter; sie wenden 'sich diesfalls, natürlich mit wohlgefüllten Börsen, an den Himmlischen Hos" des Schah, dessen Edelmuth die Fische im Wasser und die Sterne am Himmel beschützt"; wer das Meiste giebt, wird Statthalter. Aber außer dem Schah giebt es in Teheran noch andere maßgebende Persönlichkeiten, Eunuchen und Minister, die auch ihr Tbeil verlangen. Die Statthalter bekommen kein Gehalt und müssen trotzdem jährlich Geschenke an den Herrscher und die Minister schicken; wer. diese zahlt, ist klar: Geht es nicht anders, so verkauft man die Balken der Häuser und die Kleider der Unterthanen. Was nun die Minister anlangt. so sind ihrer sehr viele und ihrer Geschäfte sehr wenig. Einer ist Minister der Straßen und Kommunikationen, deren es in Persten keine giebt, ein Anderer ist der ausgezeichnete Minister der königlichen Photographie", ein Dritter nennt sich Minister der Museen". Es giebt sogar einen Minister der elektrischen Apparate . Selbstverständlich verlangen alle diese großen Herren Geschenke, und ein Hosstaat von Untergebenen, die daZ arme Volk bezahlen muß, zieht hinter ihnen her. Einen Richterstand giebt es nicht; Streitsachen erledigt der Mollah, und die Waage der Gerechtigkeit neigt stets nach jener Seite, wo das Geld ist. Die sogenannte Armee kennt Generale, Oberste und Soldaten; letztere tragen übrigens keine Schuhe und nähren sich, so gut sie können, von allerlei Beute. Das Amt der Heerführer ist gleichfalls für Geld zu haben. So geht eine schreckliche Anarchie durch das ganze Land. In Massen wandern die Perser aus, um in der Fremde sich niederzulassen, wo es ihnen ausnahmslos besser geht.. Manchmal auch giebt es Revolutio'. nen; unter dem gegenwärtigen Herrscher zählte man deren nicht wenigerals dreißig. Sie wurden unterdrückt' und ihre Urheber grausam getödtet.! Aber das persische Volk, das gute undtüchtige Charaktereigenschaften in sich'. trägt, hat sein letztes Wort noch nicht oesvrocben.- . . i

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