Indiana Tribüne, Volume 17, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1893 — Page 3
m
EBB
2
Dcr schwarze Kosscr. Ckschitt in? Mordk -rjll van itn, da dt Mörser auSjinfeia mzchte. Cuffljlfcrie Utittsktzung u3 lea tzö Gairnt) Vecher. (4. Fortsetzung.) Vas war also die ausgiebrgst5 Vestätigung memrr Theorie, die Austin Harvey schon als richtig bezeichnet hatte, und aus dieser Mittheilung ging hervor, daß die Verwechselung eine zufällige und keine absichtlich herbeigeführte gewesen. Wie wunderlich doch die Wege der Vorsehung zuweilen sind, zumal wo es sich um Entdeckung eines Verbrechens handelt. Ein Gedränge auf dem Lahnhof. eine kleineUnordnung im Gepäckverladen, eine Zolluntersuchung, das genügt, und ein kunstvoll entworJener und sorgfältig ausgeführt:?Plan ist zu Schanden gemacht. So philosophirte ich wohlgefällig in der festen Ueberzeugung, nun alles Dunkel gelichtet und den Schlüssel c:3 Gcheiinnizies inHäuden zu haben, während ich in Wirklichkeit der Wahrheit so fern war, als je. Der Eigenthümer des Koffers hieß alfoPhilipp. Ich suchte in rncinerBrieftasche den kleinen Papierstrch'cn, auf dem ich die zwei Buchstaben van der Kofferauffchrift Greenwich nach Southend" nachgebildet hatte, und legte fljn neben den Brief, um das P auf' Sorgfältiqsie mit der Unterschrift zu vergleichen. $", Pbilipp. Wenn ich die Schriftzüge so ansah, wie sie unmittelbar nebeneinander lagen, hatte ich nicht den leisesten Zweifel, daß dcr Philipp des Briefes und das P des Kofferzettels ein und derselben Hand entstammten. Ich suchte nun auch nach einem großen H und fand eines im Worte Himmel", ich legte die nebeneinander. H"Himmel. Nach demFamiliennamen brauchte ich nicht zu suchen; der Verfasser des Briefes hieß Philipp Harvey, der Besitzer des schwarzenKof fers war Philipp Harvey. ein naher Verwandter Austin Harveys, und allcr Wahrscheinlichkeit nach der Mörder Fräulein Naynells. Wahrhastig, ich latte alle Ursache, mit den Fortschritten, die ich seit vorgestern gemacht hatte, zufrieden zu sein. Da! Verbrechen war offenbar Zu der Nacht vom Sonntag auf Montag beaangen worden: Monwg Abend halb sieben Uhr hatte Z5, die erste Kunde davon erhalten. Jetzt war es Mittwoch früh: es waren also kaum achtundvierzig Stunden vcrzangen. seit ich damit in Berührung gekommen war. Damals hatte ich gar nichts gewußt, jetzt kannte ich den Namen des Opfers, den Ört der That, viele einzelne Umstände, die un-
mittelbar daraus hervorgegangen wa ren. und sogar den Namen und zeitweilZqen Aufenthalt des muthmaßlichen Mörders. Es war mir nun ganz klar, daß Fräulein Simpkinson von dem Verbrechen erst Kenntnis erhalten hatte, als der ßeffer, den sie irrthümlich für tn ihrigen hielt, auf dem Zollamt cröffnet worden war. In diesem Augenblick muszte sie sofort erkannt haben, das, der Koffer nicht ihr qeh'örte, oder daß irgend etwas mit ihm vorgegangen war. Welche Gründe sie hatte, um so fraglos den wahren Schuldigen zu ahnen, konnte ich natürlich nicht wissen, aber sie hatte offenbar richtig gerathen, und ihre erste Regung war gewesen, den Mann, der zur Familie ihres Verlobten gehörte, vielleicht dessen Bruder war, zu schirmen und zu schützen. Das Mädchen besaß Muth und Geisicsgcgenwart, das mußte man ihr zugestehen, aber ich muß sagen, dieMutter mit ihren Ohnmachten und ihrem Entsetzen war mir schon lieber, es war mehr Natur darin. Die Frage, die sich nun in den Vordergrund drängte und in Angriff genommen werden mußte, war naiürlich: Sie und weshalb ist die That derübt worden?" Diese Frage konnte nur in England und womöglich durch Philipp Harvey selbst Beantwortung finden. Ich telegraphirte an meine Vorgcsetzten und richtete mich ein, Paris in der Nacht zu verlassen; die beiden Kinder km Grand Hotel konnte jeder zrüneNeuZing überwachen. Ich hatte im Sinn, ?:ach London zu fahren, auf meinem Bureau Meldung zu machen, Gewißfcit über den Koffer einzuholen und dann nach Dover zu gehen und dort ben Hebel anzusetzen. Philipp Harvey stand nun im Mittelpunkt all meines Denkens. Dieser Philipp! Ich mußte ihn ausfindig machen und mehr von hm erfahren, und zwar mußte das geschehen, ehe sein Bruder Zeit und Gelegenheit hatte, ihn zur Flucht zu veranlassen. Großer Gott konnte er das denn nicht schon jetzt gethan haden? Ich reiste im Fluge nach England, ?ber nie war mir ein Bahnzug so uner- , rälich langsam, nie ein Schiff so flügellahm und träge vorgekommen. lLCapiieL Sobald ich in London war und mit xinnen Vorgefetzten Rücksprache genommen hatte, begann ich dem Schwarzen 'Koffermoo- zu Leibe zu gehen. Die Entdeckung auf dem Nordbahnhofe in 'Paris hatte am Montag Abend stattgefunden. i6 reiste Donnerltaa NaQt von dort ab, nachdem mit dem Nachtschiff pom Mittwoch einErsatzmann herübergekommen war. Vor der Abreise batte icb in Varts noch mit der Post folgendes Billet von Äustm Harvey erhalten: .Geehrte Herr! Ich war heute früh außer mir und ibabe mic& betragen wie ein TollbausIer. Die einzige Erklärung, und Ent,schuldigung'für mein Benehmen liegt in trtr fnHfeIitfn Lae. in die icfr so unversehens versetzt worden bin. Sie i?Suem NeQnuna traaen undca-
iqt uven. Ich muß Sie Litten, trotz meiner Ungezogenheit, Ihre Bemühunaen fortzusetzen; alles ist ja besser, als diese qualvolle Ungewißheit. Ich bleibe bis auf weiteres hier, im Hotel de la Paix. Ihr u.s.w. Austin Harvey." Armer Kerl! Ehrlicher und anständiger konnte man wahrhaftig nichtAbbitte thun, und es kostete mir keine Ueberwindung, ihm das bischen Unrecht, das er mir gethan hatte, zu verzeihen, denn wenn meine Vermuthungen stimmten, war seine Lage wirklich gräßlich. Am Freitag begab ich mich zu früher Stunde, zu der noch keine Käufer anzutreffen waren, nach dem Gechäste der Herren Brown & Elder, Neiseartikel, Nr. 117 Eheapside. Ich verlangt: einen der Geschäftsinhaber zu sprechen und schickte meine Karte hinein. Ehe ich an dere Schritte thun konnte, mußte ich mich vergewissern, daß der PhilippHarvey. den ich mir aus dem Philipp" jenes Briefes an Austin construirt hatte, auch eine wirklich ezistirende Persönlichkeit war. Ich wurde in ein kleines Comptoir gewiesen, wo mich Herr Elder. ein behäbiger. wohlwollender Geschäftsmann in mittleren Jahren, empfing. Offenbar nährten die Neiseartikel ihren Mann, und das war mir um so lieber, denn je größer das Geschäft, desto pünktlicher die Buchführung, und desto größer also meine Aussicht auf gründliche Auskunft. Ich hatte unterwegs noch geschwankt, ob ich mich als einen Kauflustigen vorsteLen solle, dem die Firma durchHerrn Harvey empfohlen sei, oder ob ich mir geradezu die Hilfe erbitten solle, die ich in meiner Eigenschaft als Fahnder brauchte. Schließlich wählte ich den letzteren Weg. weil er der einfachst: war, und daß man auf dem einfachsten Weg stets am ehesten zum Ziel gelangt, hatt: icb in meinem Beruf oft erfahren. Ich beschrieb den schwarzen Koffer, den ich in Paris gesehen hatte, so genau als möglich, und Herr Elder war sofort im Klaren über den Artikel. Dies? Koffer sind eine Specialität von uns," sagte er. Wir sind darin einem entschiedenen Bedürfniß entgegen gekommen. Sie sind sehr stark, sehr einfach und ungemein preiswürdig. Zur Ausnahme von Kleidungsstücken wären sie natürlich auch zu verwenden, ihre Hauptbestimmung ist es aber nicht. Sie sind besonders geeignet, Bücher, Wassen, Fischgeräthe und derlei Dinge, die sich sonst nirgends unterbringen lassen, aufzunebmen. BieleReisende haben etwas Derartiges längst vermißt, und unsere Koffer traten mit Erfolg in die Lücke, besonders da wir imstande sind.
sie so billig zu liefern. Der Absatz ist sehr bedeutend." Das freut mich zu hören," versicherte ich höflich, ..obwohl die Erfüllung meiner Jörne Sie darum mehr Mühe kosten wird. Darf ich fragen, ob Sie Die Koffer rn verschiedenen Gro ßen "'rollen lassen?" Gewiß, in drei Großen. Ich ioctde sie Ihnen zeigen." . Wir begaben uns m den Verkaufsräum, wo sehr ir die Augen fallend drei Koffer in Neih' und Glied standden. die alle bxv, bis auf die Größe, haarklein dem glichen, den ich in Fran cois Dübcrts Bureau untersucht hatte. Ich bezeichnete sofort die Mittelgröße. Das ist der Kofser, um den es sich handelt, und alles, was ich zu wissen brauche, ist, ob Sie kürzlich einen solchen an ein Fraulem Orr-Slmvkln-son verkauften, und einen andern, vermuthlich schon vor längerer Zeit, an einen Herrn Harvey? Den ersten Theil Ihrer Frage kann ich Ihnen sofort aus dem Gedächtnisse beantworten," sagte Herr Elder, ohne sich zu besinnen. Vor etwa einerWoche verkauften wir an eine Dame diesesNamens in Southend einen Koffer. Ich erinnere mich, daß sie an uns schrieb. uns auseinandersetzte, was sie brauche, und dabei bemerkte, unser Geschäft sei ihr durch einen Bekannten empfohlen. :ann Ihnen den Brief zeigen." Er trat zu einem an der Wand befestigten Briefhalter in seinem Comptoir, und nach einigem Suchen und etlichen: Hier, ein, doch nicht," brachte er ein BlättchenBilletpapier hervor, das er triumphirend vor mich auf den Tisch legte. Das kurze, von Southend datirte Briefchen Fräulein SimpkinsonS enthielt nur eine Bestellung auf einen der einfachen schwarzen Koffer der Herren Brown & Elder, Größe No. 2, Preis dreißig Schillinge, die ihr von einem Herrn, der kürzlich einen solchen gekauft hatte, empfohlen waren. DerBrief war noch keine zehn Tage alt. Wie sich aus der Nachschrift ergab, hatte sie einen Check über den Betrag beigelegt, und wie aus eine? zweiten, meiner An ficht nach recht überflüssigen Nachschrift hervorging, bedürfte die junge Dame des Koffers, um einen photographischen Apparat hineinzupacken. Damit ist die eine Hälste bewiesen, leider aber nur di: minder wichtige." sagte ich. Um wieder auf Herrn Harvey zu kommen könnten Sie mir auch über einen von ihm gekaustenKoffer Auskunft geben?" Harvey. Harvey?" sagte der Fabrikant, lnd:m er sich mit der umsangrei chen Hand über die glänzende Stirne fuhr. DaS muß schon eine gute Weile her sein, ich kann mich aus den Namen nicht besinnen." Er griff nach dem dickleibigen Hauptbuch, das vor ihm lag, und begann nachzusehen. Hurtig überlief sein Flnger die langen Reihen der Namen, und ich sah ihm mit wahrer Angst im Herzen zu. Fräulein Simpkinsons Einkauf hatte ja herzlich wenig zu bedeuten und über den Punkt hatte .ich schon zuvor alles gewußt, aber die Existenz, vielleicht sogar die Wohnung des andern KofferinhaberS zu ermitteln, daö war etwas andres.
Äugendrauen '
jpcrr Clver zog fcle verdrießlich zusammen. Da ist der Name nicht," sagte er. Der Eintrag muß schon im vorigen Jahre gemacht worden sein." Er holte einen andern schwerfälligen Folianten herbei und begann ihn in derselben Werfe zu durchblättern. Mit einem Male hellte sich sein Gesicht auf. Da kommt ein Herr Harvey," sagte er. Mir pochte das Herz; er schob mir das Buch hin und zeigte mir die Stelle. Vor fünfzebnMonaten war ein schwar zer Koffer Größe Nr. 1 an Herrn John Harvey, Schiffsarzt, verkauft und ihm an Bord nach Southampton geschickt worden. Das ist nicht der, den ich meine," sagte ich. machte mir aber doch eineNotiz darüber, wenn ich auch den Schiffsarz! im Stillen sogleich verwarf. Ueberdies war der Koffer in Paris Größe Nr. 2." Herr Elder überflog aufs zuvorkommendste noch ein weiteres halbes Jahr, klappte dann aber den Band zu. Weiter zurückzugehen, wäre werthlos," erklärte er mir, denn wir brachten um diese Zeit den Artikel erstmals auf den Markt; er ist nicht mehr als anderthalb Jahre im Handel." Ich dankte ihm mit halbem Herzen und überlegte bei mir, ob er den Eintrag am Ende nicht übersehen habe. Wahrscheinlich war es allerdings nicht. Können Sie die einzelnen Koffer unterscheiden?" fragte ich. Sind die Schlüssel verschieden?" O gewiß," versetzte er, jeder hat einen andern Schlüssel. Aus unserer Werkstatt dürfen niemals zwei gleiche Schlüssel geliefert werden; die Hauptfache an diesen schwarzen Koffern ist eigentlich auch, daß wir sie trotz des niederen Preises mit ausgezeichneter Schlosserarbeit ausstatten. Die Schlüssel sind sammt und sonders numerirt; ich brauche nur im Dunkeln die Hand nach der Nummer auszustrecken, falls ein Kunde einenErsatzschlllssel fordert." Sie numeriren die Schlüssel?" fragte ich, oder daS Schloß?" Den Schlüssel, nur diesen. ES ist sicherer als beim Schloß." Das erklärte, daß ich keine Nummer bemerkt hatte, denn daß ich eine solche übersehen hätte, war kaum deckbar. Doch hatte das alles miteinander jetzt blutwenig zu bedeuten. Meinen Besuch noch länger auszudehnen, hatte ich keinen Grund; so dankte ich Herrn Elder für seine Gefälligkeit und empfahl mich. Was mtU nen Philipp Harvey betraf, so schien er mehr und mehr zur mythischen Gestalt zu werden, und doch wollte mir die Ähnlichkeit des P. H. auf dem Koffer und im Brief nicht aus dem Sinn, es war ein zu merkwürdiges Zusammen treffen. Die einzige wirkliche Ausbeute meiner Nachforschung im Neiseartikelgeschäf! war Fräulein Simpkinsons Adresse in Southend. 12. Capitel. Am selben Tage noch fuhr ich nach Southend und hatte unterwegs Muße, über den Stand der Dinge nachzudenlen. Meine ganze Auffassung des Fal les beruhte auf der Muthmaßung, daß der schwarze Koffer mit dem Leichnam einem Herrn Philipp Harvey gehöre, aber ich hatte für das Vorhandensein einer solchen Persönlichkeit keine weiteren Anhaltspuakte, als jene zwei auf den Koffer gekritzelten Buchstaben und den Brief eines ..Philipp" an Austin, und ich mußte selbst zugeben, daß dieS leine sehr schlagenden Beweise waren. In Southend angekommen, begab ich mich sogleich nach der Strandpromenade No. 23. Fräulein Simpkinsons früherer Wohnung. Es war ein gewohnliches LogirhauL, wie man sie in jedem englischen Seebad zu Dutzenden findet; über der Hausthüre war ein Schild mit Möblirte Wohnungen", da ich aber an keinnn Fenster den üblichen Zettel mit Zu vermuthen" erspähen konnte, mußte die Wirthin ih? Haus wohl besetzt haben. . Trotzdem zog ich kühn die Klingel, und besagte Dame erschien auch sofort, blickte prüfend über das Treppenqeländer herab und suchte dann dieAufmerksamkeit einer gewissen Sally, die m den unteren Regionen Hantiren mußte, durch hellaute Rufe zu erwecken. Sally, di& vermuthlich Mädchen für Alles" war, verschmähte es jedoch, ihrer Herrin zu Hilfe zu kommen, und so entschloß sich die Dame zuletzt, die Stufen herunterzusteigen und selbst zu öffnen, wobei sie sich einer möglichst würdevollen Haltung befleißigte. Und womit" kann Ich dienen?" fragte sie nebenbei bemerkt hieß sie,' wie ich bald erfuhr, Frau Bunbury, und wenn sie noch am Leben ist, möchte ich hiermit ihre Zimmer auss wärmste empfohlen haben. Jch suche eine Wohnung und wollte anfragen" Mein Haus ist vollständig besetzt," war kurze Bescheid. Ich habe schon häufig bei mir erwogen, ob es in einer Thiergattung unter ein und derselben Art solcke Verschiedenheiten gibt, wie sie in der Species Mensch zwischen GasthosdeslNern, die Zimmer leer stehen haben, und sol' chen. deren Haus voll ist. vorkommen. Das thut mir leid." bemerkte ich kühl, ich hatte Gutes von Ihren Limmern gehört So viel ich weiß, hat eine Frau Orr-Simpkinson in letzter Zeit drei Woen bei Ihnen gewohnt." Jawohl, mein Herr," versetzte Frau Bunöury zur Sorte der redseligen Wirthinnen gehörte die Dame offenbar nicht. Angenehme Miether, nicht?" ..Nun. wie man's nimmt." erwiderte besseres gehabt und. .schlimmere auch.j
sie. die Lippen aufwerfend. Ich wm j IchaZtsempseylungen. einer aber war nick! sagen angenehm und will auch Z eine zusammengelegte Visitenkarte, auf nickt das Geaentbeil behaupten; habe l deren Rückseite etwas hinaekridelt war.
Die Zunge Dame, D!e ist gut; sie mach!
.einem nicht viel Muhe, wenn t auch ihre Eigenheiten hat, aber die alte, die , ist, was man bei den reichen Leuten nervös, bei den armen krittlig heißt." Das war für Z7rau VunburyZ Ge wohnheiten eine lange Rede, und nach dem sie damit fertig war, schloß sie den Mund mit einem hörbaren Ruck. Und Sie haben also die Zimmer dieser Damen schon wieder vermiethet," bemerkte ich einschmeichelnd. Ich bedaure das um meinetwillen natürlich," daS war vollkommen wahr, denn ich hatte mir vorgenommen, die Zim rner zu besehen, und hatte überdiö harauf gerechnet, eine klatschsüchtige Vermietherin zu finden, die darauf brennen würde, ihr Wissen an den Mann zu bringen. Dieses Mal hatte ich entschieden kein Glück. , Ja. sie sind vermiethet." sagte Frau Bunbury. Und werden in nächster Zeit nicht frei?" Für vierzehn Tage sind sie gemiethet; die Herrschaft kommt von London. Lang ist's nicht, vierzehn Tage, aber meine Zimmer stehen selten leer." Nur für vierzehn Tage!" rief ich rafch. Und später könnte ich sie haben? Das würde mir unter Umständen . . rr. r -r.tl geraoe pazien yrcmcg, gcjcijcu yunc ich sie gerne O. sehen können Sie die Zimmer wohl." versichert: Frau Bunbury um eine ganze Oktave mürber. Die Herrschaft kommt erst morgen, und Frau Simpkinson ist letzten Montag abgereist. Gewiß können Sie die Zimmer sehen." Damit trat sie beiseite und forderte mich mit einem krampfhaften Verzerren ihrer Gesichtsmuskeln, das wohl Freundlichkeit bedeuten sollte, zumEintreten auf. Nein wahrhaftig, ich will Sie nicht bemühen." sagte ich mitWärme. Wenn Sie vielleicht erlauben, daß JhrDimstMädchen mich hinaufführt . . . ." ich hoffte nämlich daS Mädchen mittheile sTmer zu finden als die Herrin. ' Ich zeige meine Wohnungen lieber selbst," erklärte Frau Bunbury. . Aber ich machte noch einen Versuch und fand den alten Satz bestätigt, daß man jedermann seinem Willen unterthan machen kann, wenn man ihn an der Eitelkeit faßt. Nein, nein, beste Frau!" rief ich. Das kann ich nicht zugeben. Wenn Sie sich ein Mädchen halten, so lassen Sie dieses mit mir gehen mehr verlange ich nicht." Wenn Sie ein Mädchen halten na wahrhaftig!" Von dem Augenblick an war es Frau Bunburys ganzes Streben, mir zu zeigen, daß sie ein Mädchen und was für eines sie hatte, sie zog die Klingel, und als sich dies als fruchtlos erwies, rief sie abörmals: Sally!" Und Sally erschien denn auch endlich mit rothem Kopf, aber sehr sauber gekämmtem Haar. Frau Bunbury verstand sich offenbar darauf, ihr Hauswesen zu führen. Sally ging nun mir voran die Treppe hinauf, indeß sich Frau Bunbury majestätisch in ihrePrivtgemächer zurückzog. Die Zimmer waren, wie eben rnöblirte Zimmer zu sein pflegen, und es war auch nichts darin, was geeignet gewesen wäre, irgend welches Interesse zu erregen. Die sauber gehaltenen Möbel standen genau auf dem Fleck, wo sie stehen mußten, und fahen so langweilig und unpersönlich aus, als möglich. Auf dem Tisch war nichts als eine kleine Glocke, die man ganz genau in die Mitte gesetzt hatte; den KaminsimS zierten eine vergoldete Standuhr, ein Paar sehr bunter Vasen ' und zwei schlanke Leuchter, sämmtlicheStücke wie die Soldaten in Reih' und Glied stehend. Alles war reinlich, ordentlich' und sauber; Ueberflüssiges nicht vorhanden. Ich Hatt5ja eigentlich gar nicht erwartet, hier etwas Besonderes zu finden, da man aber als Fahnder allezeit auf dem Anstand liegt, brachte mich die Alltäglichkeit des Raumes doch in gelinde Verzweiflung, bis meinBlick ganz zufällig auf die Feuerstelle fiel. Es war ein Kamin wie alle andern und sah zu dieser Zeit des Jahres unaemein frostig aus, obwohl Holz und Kohlen niedlich darein geschichtet waren. Die Kohlen, die schon eine gute Weile so dagelegen haben mochten, waren staubig und ein paar Paplerschmtzel waren achtlos darauf hingeworfen worden. Diese Paplerschmtzel waren jeden falls des Auflesens werth; möglich, daß sie nichts enthielten, möglich, daß sie zu verwerthen waren, wer konnte das wissen? Die Frage war, wie das angreifen, fo lange das Mädchen, daö offenbar strengen Befehl hatte, miethlustige Fremde nicht auS den Augen zu lassen, mich unverwandt anstarrte. Ich zog ei nen Schilling auS der Westentasche und hielt ihn dem Mädchen hin. Hier eine Kleinigkeit für Ihre Mühe, mein Kind." Während sie die rothe Hand darnach ausstreckte, ließ ich das Geldstück fallen. , stolperte vor und versetzte ihm einen Stok. dak es unter eine Kommode rollte. Das Kunststück war zwar herz lich plump ausgeführt, aber es erfüllte 'seinen Zweck, denn das Mädchen sah der Münze mit verlangenden Blicken nach. Wir müssen ihn vorschaffen." sagte ich. die Feuerzange ist zu dick ho len Sie doch meinen Regenschirm; er steht unten auf dem Vorplatz. Sally schwebte ab, und im selbenAucenblick hatte ich sämmtliche Papierse tzen zusammengerafft. Zwei oder' drei davon waren, wie ich auf den ersten Jch.faltete sie . auseinander unilaö:
Blick sah. Ueberbleibsel zerrissener Ge-
PyUipp Harvey", und auf der Rückseite stand in flüchtig hingeworfener Schrift: Also, um halb drei Uhr! Hurrah, wie fidel!"
Jcy sah sofort, daß das H von Hur rah auf und nieder dem großen H in dem mit Philipp unterzeichneten Brief glich und folglich, wie ich mir damals dachte, auch dem H auf dem Koffer. Letzteres erwies sich später als einJrrthum, jedenfalls aber als ein verzeihlicher. Da letzt die Magd mit meinem Re genschirm zurückkam, steckte ich die Papierschnikel hastig rn die Tasche. Ter Philipp Harvey war also doch eine wirklich vorhandene Persönlichkeit. Wahrend wir gemeinsam nach dem Schilling herumstöberten, stellte ich an das Madchen nn paar Fragen über die vorherigen Miether und fand, daß es ihr keineswegs am guten Willen fehle. aus der Schule zu schwatzen, wohl aber an Stoff. , Jawohl, die beiden Damen waren drei Wochen da, und freundlich waren sie, nur d:e alte, die wurde wuthend, wenn sie zweimal klingeln mußte, ganz rabiat tonnte sie fern, gerade als ob so em armer Dienstbote vier Beine ha ben müßte, statt wie andere Leute zwei. Rein es kamen nicht viel Leute zu den Damen, denn sie kannten schier Niemand in Southend, nur einmal kam eine alter Frau, die sah furchtbar grimmig aus, mit weißem Haar und einem bitterbösen alten Gesicht ach. cch, meine gute Sally, wer wird von den Todten Uebles reden! und dann die, zwei Herren, die alleweil kamen." Was für zwei Herren?" Nun, der Pfarrer und der andere fein Bruder. Ein feiner Herr, der Herr Pfarrer; sie kamen oft em halb dutzendmal im Tage. Und das Fräulein" Sallys Blick erzählte Bände das Fräulein und der Herr Pastor waren verlobt," sagte sie bedeutungsvoll. Vielleicht hatte ich noch mehr erah' ren können, hätte man Frau Bunbury nicht in der Halle herumwirthschaften hören. . 'Das ist die Frau." sate Sally, die nun glücklich im Besitz des verlorenen Geldstücks war. Meinen Sie nicht, wir sollten jetzt hinuntergehen?" Damit lief sie davon, und ich mußte ihr wohl oder übel nachfolgen. Auf der Treppe gelang eZ mir noch, ihr eine flüchtige Beschreibung der beiden Herren. die so oft gekommen waren, zu entlocken, nach der ich einen sofort als Austin Harvey erkannte. Der Andere sah ihm ähnlich, nur daß er dürr war und hohläugig unter uns gesagt, ich glaube, der Herr hat ein bischen wild gelebt. Herr Philipp hieß der, war aber auch gar nicht übel o nein." ' Die Zimmer lassen nichts zu wünscken übrig," sagte ich zu der Frau des Hauses, die mich mit einiger Ungeduld :m Erdgeschoß erwartete, und entsprechen meinem Zweck vollkommen." Ich erkundigte mich nun nach den Preisen und fand diese auch ganz an nehmbar, worauf nun Frau Bunbury den Wunsch äußerte, ihres künftigen Miethers Namen kennen zu lernen. Spence," sagte ich, Spence von London." Mit falschen Namen gebe ich mich grundsätzlich nicht ab. man geräth dadurch unfehlbar in Widerwärtigkeiten. Ich habe mir vor dreißig Jahren, um eines hochverehrten Vaters Gefühle zu schonen, ein für allemal einen solchen beigelegt, an dem ich aber seither so 'zäh festhielt, daß er mir wirklich zum Eigenthum geworden ist. 13. E a p i t e l. Von Nr. 23 begab ich mich Nr. 17. sobald Frau Bunbury es aufgegeben hatte, meine Schritte zu bewachen. Dieselbe Comödie wie in No. 23, ich fragte natürlich auch nach einem Zimmer, und es traf sich, daß die Besitzerin von Nr. 17, eine steinalte, halb blinde und beinahe vollständig taube .'Frau, trotz dieser Gebrechen ungemein 'mittheilsam und redselig war. Wie so viele ihresgleichen, hatte auch sie des'sere Tage gekannt und schwelgte wehmuthsvoll in dieser Erinnerung. Die Schönheit dieser einstigen besserenTage ist oft recht fraglich und geheimnißvoll, aber je schlimmer dieGegenwart sich anläßt, desto leuchtendere Farben erhalten sie im Munde der vom Schicksal Verfolgten. Die wackere Frau hich Jessop und ihr Mann war Geistlicher geWesen. Zu , meiner Ueberraschung vernahm ;ich, daß Fräulein Raynells Zimmer nicht zu vermiethen seien, und mein Staunen wuchs, ja ich konnte mich eines gelinden Schauders nicht erwehren, als mir der Grund hierfür angegeben wurde: die alte Dame habe sie nämlich noch selbst inne. Sie ist nur für ein paar Tage nach London gegangen," sagte Frau Jessop, aber ich erwarte sie im Lauf der Woche zurück." ; Armes altes Fräulein! Eine seltsame Reise nach London! Frau Jessop sagte mir alles, was ich über ihr: Mietherin zu wissen wünschte, ja sogar noch : etliches mehr und das wift bei einem Fremden viel heißen. Dabei hatte die 'gute Frau eine unausstehliche Art, sich zu räuspern, und zwischen jedes halbe -Dutzend Worte schob sie so einen kleinen Hustenanfall ein, der dann den nächsten Schub einleitete. Vermuthlich war sie sich in ihrer Taubheit desHustens gar nicht bewußt, vielleicht war auch dies ein Rest von Honoratiorenthum aus früherer schönerZeit. Nein, die Zimmer sind nicht Ai haben. Die Dame, die sie gemiethet hat ri r". . ym, ym, ii jux ein paar age nach London gegangen. Da 'Sie das Fräulein zu kennen scheinen, wird es Sie nicht Wunder nehmen, wenn ich -Ihnen, saa, daß Fräulein Raynell . zwar eine.seb .vgrtreöüchHame'.'
rm, rmi, ist, aber recht sehr ZhreCrgenheiten hat. Sie hat es nicht gern wenn hm, hm, man sich ihr aufdrängt, wie sie das nennt. Nun,ich habe mich noch keinemMenschen aufgedrängt, hm, hm, pflege aber die Gesell Schaft von meinesgleichen auch nicht zu imeiden. Fräulein Raynell scheint dieZ zu thun, sie kann aber gewiß nicht klagen, daß sie von dem Augenblick an. da sie mir das angedeutet nur an
gedeutet, das können Sie mir glauben. mich zu oft hätte sehen müssen. Ich hätte mich hm, hm, geschämt, aufdringlich zu sein. Wer bessere Tage gekannt hat, wie ich, weiß hm, hm, daß keine Dame einer andern ihre Gesellschaft aufdrängt." . Ich begriff vollkommen, daß Fraulein Raynell, mochte sie im Uebrigen Eigenheiten haben oder nicht, die Gesellschaft ihrer Wirthin lästig gefunden hatt?, und ich hemmte ihren Wortschwall durch die Frage, ob die alte Dame ihre Neffen häufig bei sich gesehen habe. Zwei- oder dreimal mußte ich ihr den Satz in's Ohr brüllen sie war offenbar furchtbar taub. Ihre Neffen." sagte sie endlich, ja, die gingen bei ihr aus und ein. Der älteste ist, wie Sie ja wissen werden hm, hm, Vikar an der Marienkirche hier, eine Kirche, an der ich nicht angestellt sein möchte." Und Philipp?" unterbrach ich sie, denn mir graute vor einer theologischen Abschweifung. : Philipp hm ja so hieß, glaube ich. der andere hm. hin der scheint ein wilder Bursche zu sein, heutzutage findet man aber ja gar keinen mehr wild. Dieser Philipp hat auch ein kleines Stübchen bei mir, gerade neben der alten Dame, in dem er so ab und zu wohnt. Er kommt hm, hm nicht zum besten aus mit der Tante. Sie ist hm wunderlich und geht nicht immer manierlich um mit ihren .Neffen, auch nicht mit dem älteren, der ein sehr-schätzenswerther jungerMann ist, der Pastor." Ist Herr Philipp seit der Abreise seiner Tante hier im Hause gewesen?" Nein,' metn Herr. Die Zimmer werden augenblicklich hm, hm gar nicht benutzt. Hätten Sie Lust, sie anzusehen? Sie finden hm, hin, in ganz Southend nichts Besseres!" Natürlich war ich mit Vergnügen dazu bereit und ward in ein freundliches Vorderzimmer mit großen bis zum Boden herabreichenden Fenstern im Erdgeschoß geführt. Dahinter lag ein geräumiges Schlafzimmer, das eine Verbindungsthüre nach einem kleineren hatte. Die Zimmer sind genau in dem Stand, wie Fräulein Raynell sie verlassen hat." erklärte Frau Jessop. Am Montag Morgen reiste sie ab, ohne mir vorher auch nur ein Wort zu sagen hm, hm. Von Abschied nehmen keine Rede, nur so zum Haus hinausgehen zu einer unmenschlich frühen Stunde, und nur im Wohnzimmer hm, hm, einen Zettel zurücklassen." Frau Jessop," sagte ich. indem ich mich in der Fensternische der Frau gerade gegenüberstellte, ich kam nicht hierher, um mir eine Wohnung zu suchen, sondern ich bin Fahnder, ein Fahnder von einem Londoner Privatbureau. Sie sagen mir, das Fräulein habe Eigenheiten gehabt, und das muß entschieden wahr sein. Sie ist nachLondon abgereist, ohne ihre Neffen wissen zu lassen, wo sie sich aufhält; es wird ja Alles in bester Ordnung sein, aber die Herren sind nichtsdestoweniger in Sorge, der alten Dame möchte etwas zustoßen. Herr Austin Harvey hat mir deshalb den Auftrag ertheilt, ihr sorgsam nachzuforschen, und ich muß Sie daher ersuchen, mir den Zettel, den sie Ihnen hinterließ, vorzuzeigen. Du lieber Himmel so etwas stöhnte Frau Jessop und vergaß im bellen Schreck sooar sich zu rausvern. Die Würde des Gesetzes überwältigte sie. und sicherlich hatte sie das Gefühl, schon aus dem Weg nach dem Gesang niß zu sein. Eilig humpelte sie fort, um mir den Zettel zu bringen. Aus emem Fetzen fleischfarbenen Papiers, das aussah, wie der Umschlag einer billigen illustrirten Zeitung, stand in einer zitterigen, weiblichen Handschrift: Ich gehe für einige Tage nach London. E. Raynell." Das war alles. Ich legte das Blättchen zusammen und steckte es in die Tasa. Das behalte ich," sagte , rch, und nun möchte ich wissen, ob irgend jemand im Haus Fräulein Raynell an jenem Montag Morgen gesehen hat Sie vielleicht, Frau Jessop" Nein, ich nicht," erwiderte die Frau, nachdem sie den Sinn meiner Frage endlich erfaßt hatte. Ich bleibe nicht die ganze Nacht auf, um allen Launen meiner Miether nachzukommen. Den Tag über hab' ich Arbeit genug hm. hm hätte nie gedacht, daß ich einmal so hart arbeiten mußte, da brauch' ich meine Ruhe bei Nacht. Sie glauben, daß auch Niemand fönst sie gesehen hat ein Dienstbote vielleicht?" Ich habe gegenwarrra nur einMäd chen," versetzte grau Jessop mit Würde, es gab eine Zeit, da hatte ich drei und einen Duner dazu. Mem letzkgesMadöhen schlaft nicht im Haus; sie geht Abends um neun Uhr und lovmVJJtst genS in der Frühe. Die Einrichtung Tpi t- - c i ' y - t t:. manrye orryelie, cinrnai "- 'wibbeit " Andere Miether hatten ie nicht im Haus?" Kvcml Seele. Mein Zweiter Stock !)iÄterst morgen ein. K - .. nfl ijoiicijuja Streng in der Mode. Herr (bei rr Tafel): Wünschen Sie rothn oder weißen Wein, Fräulein? Dame?.'Vitte, roth. Mutter: Aber warm auf einmal roth? Dame: lfaßt heute besser i Ttmx Toilette! '
Qlne WeihnachtS.OelraNung. ? i . Ueber die Obliegenheiten eines fürst .Zchen Leibarztes im sieben zehnte, Jahrhundert qibt dessen Vestalluuz Auskunft. Dieselbe ist am Weih. nachtsfest 1680 erlassen und hat folenden Wortlaut: Von GotteZ Gnaden Wir Urkunden und bekennen hiermit, daß Wir zu statt dem in Gott ruhenden Liebden gewesene
vos- und Letbmedlcum den G. P. kledicniae Licentiaturn Stadtphysi UM ZU E. einer guten Wissenschaft fleißigen Vorsorge und unverdrossene Auswartung willen als Hof- und Leibmedicum ferner mit angenomme und bestellt haben, dergestalt und also daß derselbe nebst Befleißigung eineZ christlichen, gewissenhaften, friedfertigen und nüchternen Lebens und Wandels vor sich und die Seinigen un5 hold und gewärtig zu seyn, unsere Ehre und Nutzen suchen, Schaden und schimpf hingegen wenden, insonderheit aber schuldig seyn soll, unseres unmundigen Sohnes Gesundheit vermlttelst guter Aufsicht und treuer Sorgfält wahrzunehmen, durch gute Diät, heilsame Consilia, dienliche Präservatoria alle Zufälle menschenmöglichst präcaviren, bey entstehenden Anstößen nützliche Medicamenta, nachdem er vorher sich des Morbi Art und Eigenschaft wohl versichert, anzuwenden, dabey aber sehen, daß dieselbe m der Apotheke nach der Regula der Medizin und' denen Recepten gemäß von frische Ingredienzien recht zugerichtet werden, auch verhüten, daß ohne sein Aorwis sen und vernünftiges Ermessen nie mand anders nicht verordnet oder ap Plicirt, sondern unserm unmündige Sohn jedesmal die Arzneien von ihm selbst gereicht und gegeben werden: wobey er sich denn sonderlich in Acht zu nehmen wissen wird, daß durch Adhibirung heftiger chemischer oder sonst mißlicher Arzeneien, deren Wirkung er durch erhaltene Experiens nicht gewiß' versichert, er sich nicht präcivitiren oder sonstens übereilen möge. Er soll ohne Unser Wissen aus's Land nicht reise. viel weniger de5 Nachts außer der Stadt bleiben, hierüber auch zum wenigstens des TageZ einmal sich bey Hofe anmelden und sonst daselbst jederzeit dergestalt unverdrossen und treulich er weisen, wie einem aufrichtigen Diene und verständigen Hof- und Leibmedico, Gottes, Rechts und Gewissen wegen wohl ansteht, eignet und gebührt. Hin geaen und zur Ergötzlichkeit dieser seiner Dienstverwaltung soll ihm aus hie siqer fürstlicher Privatkammer jährlich gereicht werden: Dreißig Reichsthaler, vier Malter Korn, vier Malter Gersten, zwölf Klafter Holz und zehn Schock Reisia. womit er unterthänigst content und zufrieden gewesen. So gegeben Weynachten 1680." Kein Stoff"-Mangel. j; Eine reiche Auswahl kleidsa Gaben. Schwere Wahl. Im siebenten Jahrhundert gehörke der größte Theil des Landes an der Flusse Etrik in Schottland dem Grafen Handon, welcher seinen Sitz zre Vakewood Tower hatte. Es war ein stark befestigtes Gebäude, dicht an Flusse. William Scott (nachmals Sir William), das Haupt dieser Familie, unternahm einst einen Raubzuz wider die Murray's von Elikank deren: Besitzungen nur einige Meilen entfernt waren. Er fand aber seine Feinde auf der Hut, wurde in die Flucht geschlagen und gerieth selbst in Gefangen schaft. Sir Gideon, das Oberhaupt der Murray's, führte seinen Gesänge nen in die Burg und zeigte ihn seiner Gattin, die. ihren Gemahl fragte,. waS er dem Gefangenen zugedacht habe. Den Galgen!" erwiderte Sir Gi deon, an Galgen mit diesem Räu ber!" Aber warum?" entgegnete sie. Weshalb den jungen Lord von Handon aufknüpfen, da wir drei nichts n niger aü hübsche Töchter zu verheira then haben?" Du hast Mcht." versetzte- Grovnr, der Einfaefällt mir. Er soll d großmäulige Meg heirathen oder zav pthuT Als dem Gestingenen die Wahl gelassen wurde, zog er es anfänglich vor. stch aufknüpfen zu lassen, als die groß mäulige Meg zu ehelichen, deren Name eigentlich Agrs war. Aber da er die Vorkehrungen zu seiner Hinrichtung sah, änderte er seinen Vorsatz, er widerrief seine Weigerung und zog daS symbolische Band der Ehe dem wirk lichen Stricke don Hanf um den Hals vor. Die Ehe wurde geschlossen und, was nicht unerwähnt bleiben darf,, sie war, obschon so gewaltsam erzwungen, sehr glücklich. Das Paar lebte in Liebe und Eintracht mit einander und zählte viel: Nachkommen. William Scott kam durch diese Heirath in denBesitz sehr ansehnlicher Güter, die von ihm stets auf den Aeltesten der Familie vererbt worden sind. - I n ein Stammbuch. Sei beständig; nimm niemals Rath an auch diesen nicht! .
