Indiana Tribüne, Volume 17, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1893 — Page 2
Sie eiserne MaSke. D?r berühmte Mann mit der eiseren Maske in der Citadelle van Pignerol, der so häufig in Sensationsromanen als Hauptperson verwendet worden ist. soll nach neueren Forschunqen Sir de Bulonde gewesen fein, der auf Befehl König Ludwigs des Sechzehnten zur Strafe dafür, da er die von ihm commandirt Zrestung Coni ohne Schwertstreich dem feinde übergeben hat, zu lebenslanglicher Haft in die erwähnte Citadelle gebracht worden ist. Nachts hatte er ein Zimmer zur Verfügung und tagsüber durfte er auf den Festungswerken spazieren gehen, jedoch mußte er immer die eiserne Maske tragen. Uebrigens tragen auch jetzt noch die Gefangenen in den französischen Zellengefängnissen Masken, freilich nicht aus Eisen, sondern aus Baumwolle, .Cagoule" genannt. Es ist dies ein netzartiges Gewebe, das nach Art der Kapuze getragen wird. In seiner Zelle kam der Gefangene nach Belieben die Maske über das Gesicht ziehen oixr nicht, wenn ein Beamter eintritt. Dagegen ist er verpflichtet, die Mast zu gebrauchen, wenn er die Zelle der läßt, sei es, um im Hofe spazieren zu gehen, sei es. wenn er in's Sprechzimmer geht kurz überall, wo er mit an deren Gefangenen zusammentrifft. Diese Maßregel wurde aus folgenden zwei Gründen getroffen: erstens um Bekanntschaften zwischen den Straflingen unmöglich zu machen und so der Gefahr eines etwaigen Komplottes vorzubeugen; zweitens um die Sträflinge später, wenn sie die Frei heit wieder erlangen, vor Erpressunaen ihrer Genossen zu schützen. Früher ist es nämlich sehr häufig vorgekommen, daß irgend ein verkommenes 5lnd!viuum. welches in Gemeinschaft mit einem moralisch höher stehenden Menschen im Gesängnisse eine zeitlang verbracht hat, dann nach von Leiden absolvirter Haft, dem letzteren unter Androhung das Geheimnißbekanntzugeben, Geldsummen erpreßte. Sie Chinesen als Brü?enbauer. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Missionäre, die vor mehr als hundert Iahren die Thatsache berichteten, daß die Chinesen hängende Brücken hätten und daß viele derselben von Eisen wären, den europäischen Inge nieuren den ersten Wink gaben, auch ihrerseits solche' Werke herzustellen, daß also China die Priorität auch dieser Erfindung besitze. Wenigstens schreiben chinesische Historiker die Erfindung der Hängebrücken der Dynastie der Han zu, welch' letztere zwischen 200 vor bis 202 nach Christus regierte. Namentlich von Schang Lieng, de: Ober - Commandeur der Armee unter dem ersten Herrscher der HanDynastie (vor circa 2000 Jahren) erzählt die chiensische Spezialg;sch:chte ganz merkwiige Dinge. Er war es, welcher die großen Wegbauten gegen den Westen des Reiches hin unternahm und mit Hilfe einer Masse von über hunderttausend Arbeitern hohe Berge durchstach, die Thäler mit Erde füllte, welche ihm jene Ausgrabungen verschafften, wo dies nicht hinreichte, Brücken baute, die auf Pfeilern oder Borsprüngen ruhten. Bei anderen Stellen, wo die Berge durch tiefe Schluchten getrennt waren, faßte er den kühnen Plan (also wahrscheinlich els der Erste) hängende Brücken von einem Abhänge zum andern zu schlaaen. Diese von den chinesischen Schriftstellern fliegende Brücken" genannten Uebergänge waren mitunter in schwindelnder Höhe. Noch sollen ihrer solche zu sehen sein, z. V. in der Provinz Schen-se, wo sich eine Brücke von Berg zu Berg in einer Länge von ca. 400 ftuß über einen 500 Fuß tiefen Abgrund erstreckt. Die meisten dieser fliegenden Brücken scheinen breit genug gewesen zu sein, daß vier Mann nebeneinander hinreiten konnten und an beiden Seiten waren Geländer zum Schutze der Reisenden angebracht. Bom Standpunkte der Technik aus ist die Thatsache gewiß interessant, daß Vt Jnqenieurkunst selbst in so detaillirtem Maße bereits vor zwei Jahrlaufenden entwickelt war.allerdings bei demselben Volke, welches noch viel früher die Buchdruckerkunst, die Schießpulveröereitung, den Schiffscompaß und was noch viele dergleichen Kulturzeichen sind, gekannt hat. ?5 p t c u l a t i v. Erster Dienstmann : ... .Was, Du kaufst Dir ein Blumenbouguet V Zweiter v Dienstmann : 3a, . aber das bring' hinauf zu der ältesten Geheimlatocüter. Wenn ich Der sage, ein junger Herr hat es mir für sie gegeBen) da t&ntt sie mir gleich so viel Trinkgeld, 'K das Bouquet dreimal bezahlt ist !" BoLhaftelntwort. A.: Na, mein Lieber, ht so aufgeregt?" B.: Habe auchZrund dazu ; den der Ca?lwirth Müfo hat mich inen Esel scheißen." .Ja, ia der Kerl ist so, der sag jedem die Wahrheit in'Z Gesicht." ucüctooicn. Vie, habe?. Sie schon den Kunst-Taucher im Zirlus aei?hen, der bleibt, vier Minuten unter Wasser Das ist gar nichts! Zch hab' mal einen gesehen, der ist zar nicht wieder 'raufgekommen !" Ungalant. AeltlicheZ Fräulein: Ach, gehen Sie ab. Alle Man ner sind schlecht! Herr: Das ist gerade so richtig, als wenn ich sagen wollte: Alle Damen sind jung. Aeltlicheö Fräulein: Wieso? Herr: Nun ja paßt beides nicht einmal aus dk Anwesenden! , i
WeihnZ)tenvve
Sine Episode aus dem deutsch'frau:Dsi55M flriege. Von Rrchidald Zordei. Her? Major, der Gefreite Zimmermann ist vom Revli mit der SchleichPatrouille Numero 2 zurückgekehrt. Er . meldet, daß in der Oeffnung dsr Hecke jenseits der Parkmauer des Schlosses ' Launay der Klaus Spreckels von der , Compagnie des Herrn Hauptmanns ' durch einen Schuß aus dem kleinen Hause m der Nahe des Thores getoöte! worden ist." Das ist bereits der, siebente Mann, der durch den verdammten Halunken in dieser Woche todt geschossen worden ist, welcher dort sich verborgen hält und nie eine Gelegenheit vorübergehen läßt, auf unsere Leate i'i feuern." Der Meldende ronr der Unterofficier Schulz vom dr'-tten Bataillon des Ins fanteriereqimeni-Z Rio. 103, das zu der Division des Generals von Montbe vom zwölften Armeecorps gehörte, welches während der denkwürdigen Belagerung von Paris im Winter 1870 '71 auf der Ostfront kani.'nnirte. In der That, ein verfluchter Halunke !" rief der Bataillons-Comman-deur, Maior von Schönberg, aus. Er nimmt jede Gelegenheit wahr, wie S sagen, und bietet selbst niemals eine dar, ihxt eins auszuwischen.' Spreckels soll vorschriftsmäßig begraben weiden. Ich danke Ihnen. Schulz." Zu Befehl, Herr Major !" erwiderte der Unterofficier, darauf machte er Linksumkehrt, wie ein Automat, ging mit drei Schritten zur Thür und verschwand. Meldung deS UnterosfizierZ Schulz. Die Scene war ein schönes, aber jämmerlich verwüstetes Zimmer in einem Hause an dem äußeren Rande des Dorfes Gaany. dicht an der Vorposten j linie der Deutschen, in dem Theile zwischen Rainch und Villa Evrart, gerade über dem Mont Avron, über dessen t . ri . r r ri rrrt ' meorigeren isipiei oie sinneren aue und drohenden Schießscharten des Forts Rcsny grimmig emporragten. Große Geschütze standen zu jener Zeit auf dem Mont Avron, und mit noch viel größeren war Fort Rosny armirt ; beide hatten schrecklich in der schönen Vorstadtvilla gehaust, welche damals das Hauptquartier des Majors von Schönberg und seines Bataillons bildete. Die Granaten hatten große Löcher in das Dach, die Wände und in den Parketboden des Wohnzimmers geschlagen, das den Officieren zum gemeinschaftlichen Aufenthaltsorte diente; die Einrichtung desselben befand sich in einem merkwürdig zertrümmerten Zustände. Eine Granate war in dem großen Piano krepirt, das an.dem Bogenfenster stand, welches nach dem Mont Avron hinausging, und hatte eine unbeschreibliche Verwüstung unter den Hämmern und Saiten angerichtet. Bis zu Weihnachten, der Zeit des Friedens und des Wohlgefallens unter den Menschen, waren es noch drei Tage. Am Abende vorher, hatte eine eigenthümliche Scene stattgesunden, als im Schutze der Dunkelheit (kein Fahrzeug durfte es während des Tages wagen, sich fehen zu lassen) einer der Baaillonswagen die Weihnachts-Liebesga-ben von dem Feldpostamte in Le Vert Galant herausgebracht, die, eingepackt von liebenden Händen, in diesem VorPostenrayon von Blut und Tod aus der friedlichen Heimath des fernen Sachsenlandes anlangten. Es war ein seltsames Gemisch, das aus dem Wagen herausströmte, nachdem vor, der Hauptwache hinter dem Hause des Majors das Verschlußbrett niedergelassen worden. Es rollten aus dem Wagen CIgarrenkisten heraus, in Leinwaod eingewickelt, lange Rollen, deren- Umrisse deutlich daS Wort Wurst" bedeuten ; schlapve Pakete, die, man hätte darauf schwören können, warme Unterkleider enthielten, während in kleinen Schachj teln, in denen es beim Heruntergleiten klapperte, sich gewiß einige Thaler befanden. Ein großer Haufen von diesen Gaben war gegen die Wand 'des Hauses aufgeschichtet ; in dem freien Raume davor stand, steif und gerade wie immer, Unterofficier Schulz und rief laut den Namen auf jedem Pakete aus, das ihm von einem Gefreiten zugereicht wurde. - Es war ein ebenso trauriger wie fe'rlicher Appell, sprechend von den Vertuen, welche der Krieg in den Reihendes Bataillons verursacht hatte. ! Schumann !". r-ef Schulz. I Gefallen.autete die kurze Antwort. x Kaspar !" Verwundet. V .Stolberq !" Todt." Bergmann !" Im Lazaret.
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Schrader ! K . . , Vermißt' Dieses Vermißt- har m Kriege ein? weite, ungewisse Bedeutung ; es will sagen, der Mann ist entweder gefangen, er fehlt, ist u?:bkzraben, desertirt (doch dieser letztere Ausdruck ist niemals auf einen deutschen Soldaten während des Krieges in Anwendung gekommen); das Wort bedeutet schließlich : nicht da. und der liebe Gott weiß, wo er ist." Noch bevor Schulz mit der Austheilung der Weihnachtsgaben fertig war, lag ein ganzer Haufen von Paketen neben ihm, deren Adressaten niemals dieselben reklamiren würden. Es' war mir, da ich die für Spreckels angekommene Cigarrenkiste öffnete, als ob eine Thräne auf dieselbe fiel, bevor sein Körper den Platz der Vertheilung verließ. Jetzt lag er auf dem Brette dort, zwischen den Knöpfen seines Waffenrockes steckte ein halbes Dutzend von den Cigarren, die über Nacht von seiner Mutter in Kamenz sür ihn angekommen waren. Die Vorpostenlinie der Franzosen lief längs eines Weges hin, der sich am unteren AbHange des Mont Avron hinzog. das kleine Thal vor dem Dorfe Villemomble (das von den Franzosen besetzt war) überschritt und dann der Richtung der Mauer folgte, welche den mit schönen Bäumen bestandenen Park des Schlosses Launay umgab. Obgleich sich die beiden Linien hie und da etwas näherten, an Stellen, wo das Terrain coupirt war, so waren sie doch meistens etwa tausend Schritte von einander entfernt. In den meisten Kriegen zwischen civilisirten Nationen ist es üblich gewesen, daß die Vorposten zweier sich gegenüberstehenden Armeen sich, unter gewöhnlichen Verhältnissen, einander nicht belästigen. Andere Zeiten, andere Sitten! Ganz im Gegensatze zu dieser Beobachtung der Etikette bei den Vorposten benahmen sich die französischen Soldaten im Jahre 1870. Gleich vom Beginne des Krieges an benlltzten sie jede sich darbietende Gelegenheit, auf die deutschen Vorposten, Schildwachen und Patrouillen zu feuern. Die französischen Soldaten auf Vorposten in der Vertheidigungslinie von Paris bestanden häufig nicht aus regulären Truppen, und selbst wenn dieses der Fall, so waren es Rekruten, die keinen Respekt vor den alten Traditionen civilisirter Nationen hatten, wenn sie überhaupt etwas von denselben gehört. Infolge dessen gab es während der Belagerung von Paris eine bedeutende Zahl solcher mit kaltem Blute auf den Vorposten ausgeübten Morde, denn man kann keine andere Bezeichnung anwenden für das Todten einer einzelnen Schildwache durch einen aus dem Hinterhalte aus großer Entfernung abgegebenen Schuß. Bei diesem abscheulichen Treiben hatten die Franzosen einen großen Vortheil, weil ihre Chassepots eine größere Schußweite besaßen. Ihre besten Schützen Pflegten bei den Vorposten sich aufzuhalten, um diese Art von vorbedachtem Todtschlag auszuüben ; wenn sie ein halbes Dutzend Preußen auf tausend Schritt aus dem Hinterhalte erlegt hatten, so nahmen sie den Ranz von Helden ein und wurden von den Parisern gefeiert, wenn sie sich in der Stadt einen Feiertag machten in ihrem Handel mit wohlfeilem Tod. . Es war einer von diesen Schlächtern, den Unterofsicier Schulz sich erlaubte, einen verfluchten Halunken, einen SchweinHund- zu nennen. Er hatte sich, wie es schien, permanent in einem kleinen Häuschen einquartirt, das wahrscheinlich die Wohnung des Gärtners gewesen und schoß aus dem Hintergrunde kines Zimmers.
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. Ein erschossener Posten. Doch kehren wir zu dem Major von Schönberg und seinen Officieren zurück, nachdem Unterofficier Schulz das Zimmer verlassen. Der Schurke wird noö) das Bataillon decimiren sagte der Major. Ich weiß auch nicht, wie dem Treiben des Rackers ein Ende zu machen wäre fügte er hinzu. Darauf bemerkte der etwas heftige Hauptmann Kirchbach, ein Hannoveraner : Lassen Sie uns doch auf diese hollische Hütte losstürzen, Herr Major, und sie niederbrennen ; x wird die Deckung jenes Burschen zerstören. Ich erbiete mich freiwillig, diese Brandstifterpartie zu führen. Weshalb nicht heute Abend noch ?" Es darf nicht so geschehen, wie Sie vorschlagen, Kirchbach ! entgegnete der Major ganz betrübt. Sie wissen, meine Befehle lauten streng dahin, jetzt nichts zu unternehmen, was zu eincm Gefechte führen könnte, während man hinter uns, vor dem Vkaison Guyot, die Batterien für die Belagecungsgeschütze aufwirft." Ach so !" ertönte es von einem halöen Dutzend Lippen. .Dennoch ist es ein verfluchter Jam-
mer." rief der Neine Hammerstein aus, daß unsere braven Jungens in dieser Weise ermordet werden sollen !"
Gestatten Sie mir ein Wort. Herr.: Major," sagte ein junger Mann in hellblauer Uniform, der in der Nahe der ' Thur stand. Der Sprecher war ein so kleiner Bursche und hatte ein so jugendliches Gesicht, daß er noch gar nicht ausgewachsen zu sein schien. Der Schnurrbart, war noch nicht auf seiner Oberlippe gesprossen, aber in seinen Augen leuchtete ein ffeuer und eine so ruhige, bescheidene Entschlossenheit lag auf seiner ganzen Erscheinung, daß man ihn wohl für einen ganzen Mann halten mußte. Er war Cavalleriefähnrich und kommandirte das kleine Detachement von des Kronprinzen Reiterregimente, das dem Bataillon in der Vorpostenlinie zum Ordonnanzdienste zugetheilt war. Run, Baron, wollen Sie sich etwa anbieten, jenen Burschen mit Ihrer galoppirenden Abtheilung aus seinem Hause heraus zu hauen?" fragte Schönberg in etwas spöttischem Tone. Der junge Mann war beiläufig ein Baron von und zu Seinfurt-Wallen-stein ; doch wenn er auch einen prahlerischen Namen führte, so war dieses auch das einzige Prahlerische an ihm, denn so jung er auch war, so trug er doch das eiserne Kreuz im Knopfloch, das er bei einem glänzenden Angriffe am Abende von Veaumont gewonnen hatte. Ich denke. Herr Major, daß meine Leute begierig die Gelegenheit ergreifen würden, wenn Sie ihnen dieselbe geben wollten ; aber das steht natürlich außer Frage. Aber, wenn Sie es mir erlaubten, mein Sergeant kann für einen oder zwei Tage ganz gut meine Stelle versehen. Ich möchte gern versuchen, ob ich nicht bei etwas Glück der Teufelei dieses Kerls ein Ende machen kann. Man zählt mich zu den besten Cchühen aus Wild mit der Jagdbü'chse in unserem Theile der sächsischen Schweiz ; auch habe ich meine Lieblingswaffe mitgenommen. Man weiß niemals, ob man nicht einmal Gelegenheit hat, sie zu gebrauchen. Was ich zu thun wünsche, ist. diesen französischen Teufel zu beschleichen. Darf ich?? Sie mögen Ihr Glück versuchen, Baron, meinetweaen," erwiderte der Major. Aber denken Sie daran, wenn Sie nicht seinen Kopf zurllckbringen. so werden wir nicht glauben, daß Sie ihn. unschädlich oemacht haben." Der junge Mann war, abgesehen von dem etwas ungeheuerlichen Scherze des Majors, an jenem Abende die Zielscheibe einer ganzen Menge von Cpaßen. Der große Helldorf taufte ihn David und bot sich an, mit ihm zu gehen und ihm zu helfen, passende Steine für seine Schleuder, zu suchen. Doch der kleine Baron nahm den Scherz mit bescheidener 5:iterkeit auf, aß kräftig zu Mittag und ging zeitig zu Bett, nachdem er seine getreue Büchse sorgfältig untersucht und eine Patrontasche mit Eleys besten Patronen gefüllt hatte, ffrüh am Morgen brachte ihm sein Bursche das frühstück, dann zog er sich warm an, denn es war draußen bitter kalt, goß etwas Branntwein in seine Feldflasche, versah sich mit einigen Butterbroten, nahm seine Büchse und begab sich in die vorderste Postenlinie. Es war an dem Eisenbahndamm, dicht bei der schon vor längerer Zeit niedergebrannten Station Gagny, wo er den letzten Doppelposten hinter sich ließ; nachoem er in die Vertiefung jenseits des Dammes hinuntergeglitten, begann er den langsam ansteigenden Abhang hinaufzuklettern, auf dessen Kamm das Schloß Launay zwischen alten Bäumen stand. Der Tag war 'noch nicht angebrochen, doch der Morgen mcht besonders dunkel, er hatte also immerhin ein kitzliches Unternehmen vor sich. Der Boden war tief mit Schnee bedeckt und dessen Oberfläche hart gefroren, während die krystallisirte Fläche einen schwachen Schimmer in der Dunkelheit verbreitete, knisterte sie bei jedem Tritte. Gruppen von Immergrün bedeckten hie unÄ da den Abhang, und wenn sie insofern eine Gefahr in sich bargen, daß sich französische Späher oder Patrouillen in ihnen möglicherweise versteckt hielten, so boten sie andererseits den Vortheil, daß sie eine Strecke lang das Vorrücken des jungen Offiziers deckten. Er hatte die Richtung nach dem Häuschen eingeschlagen, dessen Beobachtung er sich widmen wollte) anstatt jedoch direkt sich darauf zuzuschleichen, was zur Folge haben mußte, daß sein Versteck sich gerade in der Gesichtslinie des französischen Schützen befinden würde, drang er 'etwas nach rechts vor mit der Absicht, sich irgendwo links von lder Hütte einzunisten. Als er etwa fünfhundert Schritte vor derselben angelangt war, befand er sich ganz in der Nähe eines dichten Gesträuches von Immergrün. - In dieses Gesträuch drang er ein und legte sich auf das Moos !m Innern desselben nieder, das ganz frei von Schnee geblieben war; dort wartete er, bis der Tag anbrach, dann bog und brach er vorsichtig die Zweige auseinander, bis er ein freies Ziel auf das Häuschen hatte, 'das jetzt durch den Frostnebel nur trübe sichtbar war. Wie ihm schien, kochte der dasselbe bewohnende Scharfschütze sich gerade sein Frühstück, denn er bemerkte, wie ein schwacher Rauch aus dem Schornstein stieg. Bald darauf kam die Sonne heraus und jagte den Nebel auseinander; der' Baron meinte den Glanz eines Büchsenlaufes im hintern Theile des Zimmers u sehen innerhalb der weiten- Oeffnung, die in sricdlichen Zeiten der Rahmen einesFensters gewese war. Sein erster. Impuls war, ein Stück hinter der Stelle zu zielen, wo er den Schimmer
gesehen, und dann zu schießen; 'doch er hielt sich zurück. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde sich ihm, wie er bedachte, nur eine einzige Gelegenheit darbieten, wenn überhaupt, auf den Franzosen zu feuern, so schlau hatte
sich derselbe bisher gezeigt. Aus diese einzige erhoffte Gelegenheit mußte er warten mit der Geduld eines Jndianers, sollte es auch stundenlang wahren, denn er mußte seinen Feind auf den ersten Schuß tödten. Er lag daher unbeweglich da, fortwährend auf die weiße Front des kleinen Hauses starrend, gegen welches der Schnee fast bis zur Höhe des Fensters getrieben war. Die Zeit verstrich. Dreimal waren der Blitz eines Schusses und eine kleine weiße Wolke aus der Fensteröffnung rn der vorderen Seite des Hauschens hervorgeÄrungen. Wie der Baron wußte, bedeutete jeder Schuß den Tod eines sachsischen Soldaten; wahrend er in der Qual seiner Unfähigkeit, den von hm gefaßten Entschluß auszuführen, still liegen mußte. Sollte er es riskiren. das Feuer zu erwidern? fragte er sich jedesmal, wenn der kaltblütige, grausame Teufel dort geschössen. Und jedesmal gab er sich selbst die strenge, entschlossene Antwort: Nein; sei ruhig. Alles erreicht derjenige, der zu warten versteht." Der Franzose feuerte zum viertenmale, gerade als die Sonne unterging, aber wieder wie früher aus .der Dämmerung des Hintergrundes seines Zimmers. Als es dunkel geworden, erhob sich der junge Mann steif und halb erfroren und schleppte sich zurück in die Stellung der Sachsen. Während des Tages hatte der Schuhe in dem Häuschen einen Posten getödtet, der unvorsichtig über den Rand des Bahndammes geblickt, und einen zweiten Mann auf einer Schleichpatrouille verwundet. Der arme Baron wurde schrecklich geneckt. Ein Offizier behauptete, er hätte seine Büchse nicht losschießen können; ein anderer meinte, er wäre eingeschlafen und hätte so die Gelegenheit verpaßt. Ein dritter gab in, er wäre überzeugt, daß Steinfurt den Tag damit zugebracht habe, mit dem Franzosen zu sraternisiren. Die Rache des BaronS. Der kleine Baron besaß einen Grad von Kaltblütigkeit, der über seine Jahre war. Die schlechten Witze seiner Kameraden brachten ihn nicht im mindesten aus der Fassung; er hatte die feste Zuversicht, daß, wenn der Franzose ihm nur ein einzigesmal die geringste Gelegenheit böte, er ihn sicherlich tödten würde; auch wr er überzeugt, daß diese günstige Gelegenheit früher oder später eintreten müsse, möge der Bursche noch so geschickt und vorsichtig sein. Am nächsten Morgen befand er sich vor Tagesanbruch wieder in seinem Verstecke zwischen den Jmmergrünsträuchern im Hinterhalt liegend, die Büchse an der Schulter, die Augen beständig auf die Oeffnung in der Wand des kleinen Hauses gerichtet. Am Abend trat er in das Zimmer des Majors von Schönberg auf seine gewöhnliche ruhige, bescheidene, fast schüchterne Weise. Ein lautes, spöttisches Gelächter empfing ihn. Mieder mit leeren Händen zurück, o herzhafter Junker!" rief Hauptmann Kirchbach. Wissen Sie wohl, Herr Baron bemerkte Hauptmann von Zanthier mit spöttischem Lächeln, daß Ihr Gegner dort drüben heute Nachmittag noch einen Mann von meiner Compagnie zusammengeschossen hat?" Darauf sagte Major von Schönberg. der von Anfang an das Anerbieten Steinfurts als eine Prahlerei betrachtet haben mochte: Sie haben nun zwei Tae zu Jhrem Unternehmen mit jener Büchse gehabt. Baron, die so viele Thaten in der sächsischen Schweiz verrichtet hat; morgen wollen Sie gefälligst wieder zu Ihrem regelmäßigen Dienste bei Jhrem Cavalleriedetachement eintreten." Zu Befehl. Herr Major!" antwortete Steinfurt, sich in die aufmerksame Stellung aufrichtend, die ein Soldat beim Empfange eines Befehles einzunehmen hat. Darauf fügte er in ruhigem Tone hinzu: Ich würde auch auf keinen Fall nöthig haben, noch einmal hinauszugehen, Herr Major." Sofort erhoben sich von allen Seiten laute Fragen. Haben Sie den Kerl totgeschossen? Ist es Ihr voller Ernst?" und dergleichen mehr. Der tteine Baron erwiderte ruhtg, beinahe schüchtern: Vielleicht bemüj hen sich die Herren, welche sich für diese j kleme Affaire interessirten, morgen j früh nach der Vorpostenlinie hinaus bis zum Bahndamm, von wo aus Sie : durch Ihre Feldstecher die Vorderseite des kleinen Hcmses beobachten kön- . nen." Darauf verbeugte er sich, sagte ' Gute Nacht" und begab sich in sein Quartier über den Ställen, in denen die Pferde des Detachements untergebracht waren. Am nächsten Morgen war der erste Weihnachtstag. In ganz Deutschland, in welckem vom Palast bis zur Hütte
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die Herzen von- Kummer und Ai:gst schwer waren, erklangen die Ki.'chenglocken durch die klare, frische Luft. Es waren ganz andere Klänge, nach denen wir aufhorchten an jenem Weihnachtsmorgen bei den Vorposten unter dem Schatten des Mont Avron. Von seinem stumpfen Gipfel dort oben im Scheine der Wintersonne feuerte eins von -den schweren Geschützen des Colonel Stoffel in regelmäßigen Zwischenräumen einenSchuß ab; die große Granate flog unschädlich und heulend über unsere Köpfe hinweg, als ob sie Eile hätte bei ihrem raschen Fluge, um in Clichy oder Montfermeil hinter uns auf dem höher gelegenen Terrain Unheil anzurichten. Nicht fünf Minuten lang war es in ke? Vorpostenlinie vollständig ruhig urid still.fortwährend knatterte das unbehagliche, abscheuliche Gewehrfeuer, bald hier, bald 'dort so geringfügig, so wild, so bitter von dem eingewurzelten Haß gegen den einzelnen Mann Zeugniß ablegend. Der Feldgeistliche würde etwas später gewiß versuchen, seine Botschaft : Friede und den M:n schen ein Wohlgefallen" vorzutragen, die ihm ins Angesicht verhöhnt wurde durch diese lärmenden Zeichen des Krieges uns ':es Hasses. Der Krieg und seine Teufeleien hinderten uns indeß nicht, als wir uns bald nach Sonnenaufgang in unserem gemeinschaftlichen Salon zum Morgenkaffce zusammengefunden, einander vergnügte Weihnachten" zu wünschen und, nachdem de? Kaffee getrunren.die Cigarren angezündet waren, zu o:r Wanderung aufzubrechen, welche dr kleine Baron uns am Abende vorher in so räthselhafter Weise vorgeschlagen hatte. Auch ver Major, welchen die Neugierde plagte, hielt es mit seiner Würde wohl vereinbar, uns zu begleiten, während der Baron selbst nicht zum Vorschein kam. Die Nekognoszirungspartle bestand aus Kirchbach, seinem Schwager Hammerstein. Zanthier, Heldors, Freiherr von.Zehmen
und drei oder vier hungeren Offizieren. Als wir bei dem Eisenbahndamm anlangten, bemerkten' wir, daß die Leute -des iPikets über den Rand desselben nach dem entfernten Häuschen hinblickten, jeder seine Augen mit der Hand beschützend gegen das Blenden Der Sonne auf dem Schnee. Es hängt dort etwas aus der Fensteröffnung heraus, Herr Hauptmann," meldete der Sergeant des Pi kets dem Hauptmann von Kirchbach ,es sieht aus wie der obere Theil eines zroßcn Mantels und als ob der Hut. :twas tief zwischen die Arme gefallen wäre." Hammerstein hatte sehr bald sein Zlas -dorthin gerichtet. Bei Gott, es ist ein todter Mann!" rief er gleich darauf aus. Ter todte Franzose. Ja wohl, er hatte Recht. Was dort so schlapp und vollständig regungslos ,oon dem unteren Rande der Fensterofsnung hraWng, war der obere. Theil von dem Körper eines Mannes. Die breiten Schultern hoben sich deutlich von der weißen Wand ab, ebenso das schwarze Kopfhaar; das Gesicht war natürlich nicht sichtbar, da es nach der Wand zu lag; die Arme hingen lang ausgestreckt bis zu der Schneebank herunter, die gegen den unteren Theil der Wand angetrieben war. Ich war der einzige von unserer Gesellschaft. der ein Fernrohr bei sich hatte. Der Feldstecher ist bequemer kür einen Offizier als ein Fernrohr, seine Tragweite indeß viel begrenzter; wenn ein gutes Fernrohr einmal richtig und genau- eingestellt ist, so kann man doppelt so weit und genau dutty dasselbe die Gegenstände sehen, als wie durch einen Feldstecher. Ich zog daher mein Fernrohr hervor, nachdem ich durch Hammerstein's Binocle dasjenige gesehen, was ich soeben beschrieben, richtete es ein und unterschied nun folgendes: Die zusammengezogenen Hände hatten sich in den Schnee eingekrallt; das lange Haar hing gerade herunter und war schmutzig roth gefärbt. Eine Büchse lag etwa zwanzig Fuß vom Fenster entfernt und war offenbar über den gefrorenen Schnee so weit heruntergeglittcn, nachdem sie den Händen des Mannes entfallen. Es war kein Irrthum möglich; der kleine Baron hatte sein Werk mitSauberkeit und Gründlichkeit ausgeführt. Es klingt beinahe gräßlich, es auszusprechen,. aber die Vernichtung des französischen Scharfschützen wurde unter allgemeinem Beifall als das Weihnachtsgeschenk des Barons Steinfurt für das Bataillon angesehen. Nach dem Gottesdienste erschien unter Anführung des Unteroffiziers .Schulz eine Deputation bei dem Baron; in strammer Haltung, die Absätze hörbar aneinander schlagend, stotterte Schulz: Im Namen des Bataillons tausend Dank verdammter französischer Schweinehund!" dann trat ti einige Schritte von dem erröthenden Steinfurt zurück und verließ mit sei nem Gefolge das Zimmer. Mit wenig Worten erzählte uns dann der junge Mann den Hergang der Sache, während wir unser Frühstuck verzehrten. Bis zum Nachmittag des zweiten Tages seiner Wache hatte
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er ruhig seinen schuft zurllckgehalterk. fest entschlossen, seinen Gegner mit ner einzigen Kugel niederzustrecken. Während dieses Tages hatte derFranzose einige Male gefeuert, aber dem jungen Schützen zwischen den Gesträuchern und Lorbeerbäumen niemals auch nur einen Schimmer von seiner Person gezeigt. Seinen letzten Schuß feuerte er gerade vor dem Beginne der Dämmerung ab und tödtcte mit demselben den Mann von Zanthiers Compagnie; es war das einzige Mal an jenem Tage, daß sein Feuer von Wirkung gewesen war. Er schoß, wie stets, ohne sich selbst bloßzustellen; als indeß die Kugel aus dem Laufe war, vergaß er sich zum ersten Male während der beiden Tage. Ohne Zweifel begierig, zu sehen, ob sein Schuß getroffen, trat er etwas vorwärts von seinem sichern Hinterhalte heraus und zeigte seinen Kopf und die Schultern über dem Fenstersims, gerade vor sich hinblickend in der Richtung, nach welcher er geschossen. Alles das that er wie mit einem Ruck. Er war im Begriff, sich zurückzuziehen, als der kleine Baron aus seinem Hinterhalte auf ihn feuerte. Steinfurt hatte sich nicht vergeblich auf der Kaninchenjagd mit seiner Vüchfe geübt. Der Franzose brach sofort zusammen und fiel so, wie fcrir ihn gesehen hatten, mit dem Kopfe und den Schultern außerhalb der FensterÖffnung. Steinfurt hatte den momentanen konvulsivischen Griff beobachtet, ferner wie er mit den Händen den Schnee zerwühlte und dann plötzlich ganz still Zag, ein Zeichen, daß er keinem Deutschen mehr das Leben eh men würde. Da er sich in dnn Bereiche der französischen Vorpostenlinie befand, vertteß der Baron sein Versteck nicht eher, als bis die Dämmerung m vollständige Dunkelheit übergegangen war. Das war Alles, was er zu erzählen hatte. In der Kaserne.
Du, Du hast ja dem Unteroffizier gesagt, in Deinem Weihnachtspacker sind nur gestopfte Strümpfe gewesen: das ist doch nicht wahr?" Gewiß waren es nur gestopfte Strümpfe, aber sie waren mit Wurst gestopft. Der Allerwelts-Onkel. jvw.? LÜT T ?r . -v-'f Die Bescheerung des alten Jung gesellen. Schlehen. Am Gartenhag den Schlehendorn Deckt schon ein dunkles Blau, Herbstlüfte ziehen drüber hin t So kalt, so stürmisch rauh. ' Wie lang ist's her? Da prangte noch Im weißen Blüthenkleid Der Schlehdorn, und die Drossel sang holde Krühlingszeit!Das ist vorbei, der Spätherbst kam, Fs bläute reifend sich Die Schlehenfrucht, weil Rauhreif kalt Und eisig drüber strich. Auch ich stand einst im Frühlingskleid So unschuldsvoll und weiß. Erblick' ich dort den Schlehendorn, Wird mir's im Herzen heiß. Auch mich hat einst am Gartenhag O sel'ge Jugendzeit! Mit einem dicken Schlehendorn Mein Vater durchgebläut! Seh ich die Schlehenfrucht am Hag, Mich blasser Neid ergreift, Ich bin trotz Prügel, Sturm,' Herbst, Frost Noch heut' nicht durchgereift! Schneidiges Verfemechen. Sehen Sie mal blos, Herr Kam'rad, die Kleine dort! Wie sie schmachtet! Ja. ja: (?tn Lieutenants Kuß Ist kein Genuß, ' . Wenn man ihn stets entbehren muß! Wohl möglich. A.: Jh? ' Haar ist sehr dünn! B.: Und doch . war es vor 30 Jahren noch vier dünner! A.: Aber Sie sind doch hochstens 30 Jahre alt. V.: Bit sehr, vorgestern bin ich 30 geworden! Vor Gericht. Präsident: Angeklagter, ich glaube, '.ie waren schon einmal hier? Angeklagter: . Aber, Herr Präsident, blos weil ich i ünen wiedersehen wollte!, ,
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