Indiana Tribüne, Volume 17, Number 90, Indianapolis, Marion County, 17 December 1893 — Page 7

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L5s Ungarns grötztem Dlchtn.

T?as kleine, mcht mehr wie sechs Mil lionen zählende magyarische Volk, welches eine Sprache spricht, die zum malamschaltaischen Sprachstamm gehört uno die nur mit dem Hnnnischen und Alttärkischen eine entfernte Aehnlichkeit hat, hat doch einen lyrischen Dichter hervorgebracht, welcher seit seinem ersten Auftreten die Aufmerksamkeit ganz Europas auf sich lenkte, und dessen Poesien in der Weltliteratur sich Sitz und Stimme errungen haben. Alexander Petösi ist dieser Genius von Gottes Gnaden und er gehört zu jenen großen Lyrikern aller Zeiten, welche nicht für ein Volk, sondern für die ganze Menschheit geschaffen und gelebt haben. Wie ein hellstrahlender, glänzender Komet, dessen Erscheinen ebensowenig wie seine Bahn vorher berechnet werden konnte, tauchte er urplötzlich am Firmament der ungarischen Dichtung auf und verschwand erst sicbenundzwanzig Jahre alt ebenso rasch, wie er gekommen, aber die Spuren seines Daseins werden selbst in Aeonen nicht untergehen, und nennt man die besten und originellsten lyrischen Dichter, wird auch ein Raine genannt. Wie die Fata morgana der ungarischen Pußta, welche den Wanderer anlockt durch ihr winteö Farbenspiel und die phantastischen Bilder, die sie zeigt, sich aber rasch verflüchtigt, wenn Tu den Zaubcrspuk der Luft mit den Händen greifen willst, so war auch das Leben Alexander Pctöfis ein fast trauinhastes, irrlichtelirendes, und selbst VN seinen Tod knüpfen sich die wunder lichsten Märchen und Sagen an, welche zum Theil die Phantasie seines Volkes noch jetzt beschäftigen. Eine solch' ori ginclle Erscheinung, im Leben wie in der Dichtung, im Rahmen einer flüchtigen Skizze dem Verständniß des geschätzten Lesers auf Grund bisher zum Theil noch unbenutzter, zum Theil nur in magiarischcr Sprache erschienener Quellen näher zu bringen, soll die Aufgabe der nachstehenden Zeilen sein. Alexander Petöfi war ein Sohn des Volkes, in der kleinen ungarischen Stadt Kis-Körvs, im Pester Komitat, wurde er am 1. Oanuar 1823 als Sohn eines Fleischers geboren. Bald nach seiner 'Geburt übersiedelten die Eltern nach der -rein magyarischen Stadt Felegyhaza, welche der Dichter stets als seine eigcntliche Hcimath betrachtete. Hier im un garischen Tiefland, wo die endlofc Haide sich ausdehnt und die Beherrscher der ,Pußta: derRoßhirt Elykos der Rinderhirt Gulyas und das wilde Füllen ihr Wesen treiben, und wo oft stundenlang nichts Grünes die endlos sich ausdehnende Ebene unterbricht, verlebte Pciöft seine ersten Knabenjahre. Und doch liebte er mit der ganzen Gluth seiner Feuerseele diese Heimath, und der reizlosen Gegend hat er in seinen Gedichten die Unsterblichkeit gesichert. Wie sinnig ist nicht das Gedicht: Aus der Heimatherde", wo er u. A. singt: Hier auf dieser Flur bin ich geboren, Auf dem Tiefland, das sich stach hinzieht. Diese Stadt hat einst mich großgcnährct, Hier vernahm ich meiner Ämme Lied ; yör' eS deutlich noch, wie damals ich klein: Maikäfer, goldenes Maikäferlein!" DiescHcimatheindrücke verfehlten ihre Wirkung auf das jugendliche Gemüth nicht. So ist er der treueste Maler der Natur geworden, und sein Pegasus, welcher in der Pußta geboren wurde, fühlt sich daher auch am wohlsten auf den Nuinen der Tscharda wfe das Wirthshaus in der Pußta heißt und wenn er die Bewohner der Steppe besingen soll. In einem Briefe, den er am 31. März 1847 an den größtenEpi5er Ungarns, Johann Arany, gerichtet hat, sagt er u. A. über diese volksthüm.UcheRichtung scinesGcnius: Was wahr it, ist auch natürlich und das Natürliche ist auch gut und schön. Das ist meine Ästhetik." In Felegyhaza besuchte der Knabe die Schule nicht, sondern die Eltern ftmdten ihn zu dem evangelischen Geist .üchen Martiny, wo er Privatunterricht npfina. Später besuchte er die Schu tei uns Gymnasien zu Kacskemet, St. Lörincz, Gyönk, Pest und Aszod. Hier, .vo er in den Jahren 18351838 die 2., 3. und 4. Klasse des Gymnasiums absolmrte, begann er, wie' er in seinem -Tagebuche erzählt, zum ersten Male Gedichte zu verfertigen Im Jahre 1839 trat er in das lutherischeObergymnasium .zu Schcmnitz, der altberühmten Bergstobt, ein. Die große Überschwemmung der Theiß von 1338 und andere Un glücksfalle brachten den Vater des jungen Mannes an den Bettelstab, und dieser Umstand verdüsterte das Gemüth Älexanders, der feine Eltern zärtlich liebte, unmein. Von frühester Kindijcit hegte er glühende Liebe zum Tcheater und so entschloß er sich eines Tages, seine Studien an den Nagel zu hängen und unter die Komödianten zu gehen. Er reiste nach Budapest und ließ sick unter dem Namen Ronai als Etatist am Pester Nationaltheater anwerben. Wie der Dichter in seinen Reisebriefen" erzählt, hatte er nichts anderes zu thun, wie die Stühle und Sophas auf die Bühne zu bringen und auf Befehl der Schauspieler ins Wirthshaus zu laufen, um für sie Bier, Wein, Käse, Speck :c. zu besorgen." Der erzürnte Vater tauchte plötzlich auf in Pest und zwang den Sohn, nach der Heimath zurückzukehrm, damit er sich dort der Ileischhauerkunst widme. Er hatte aber begreiflicherweise keine Lust und sein stark ausgeprägter UnabhänLigkeitssinn, der sich nach Thotin sehnte, war schuld daran, daß er nunmehr unter die 'Soldaten ging und sich bei dem deutschen Jnfanterie-Regiment zu Oedenburg an. werben ließ, als Fußgänger den Kragen grün, die Knöpfe gelb". Er hatte .sich die militärische Carriere sehr hübsch gedacht, aber alsbald kam die Enttäuschfttng. Es verdroß ihn gewaltig, daß er gehorchen mußte, daß ihn sein Korporal drillte, daß er über die festge setzte Zeit hinaus kein Licht brennen durfte und dergleichen mehr. Die Strapazen deö Marsches nach Kroatien waril.Äe.öMlesKZ H

':trmußte ins' Lazareth gebraut werden. Am 28. Februar 1841 erhielt er als -5nvst!id" seine Entlassung, aus dem Militärverband und er entschloß sich aufs Neue, sein Glück" abermals beim Theater zu versuchen. Als wandernder Schauspieler durchzog er mit allerlei Schmieren" und Meerschweinchen" at ganz Ungarn, und wenn er auch während dieser seiner dornenvollen Laufbahn unendlich litt, darbte und hungerte, so lernte er doch sein Vaterland genau kennen und sein Gesichtskreis erweiterte sich immer mehr. Nach diesen stürmisch bewegten Lehrund Wänderjahren erglänzte endlich im Jahre 1842 für den Jüngling der Stern des Erlösers; in diesem Jahre gelang es ihm, den damals berühmtesten ungarischen Dichter Michael Boröswarty nnd den bedeutendsten Kritiker Bajza für feine lyrischen Gedichte zu interessiren; die Beiden, entzückt nnd hingerissen von den Offenbarungen eines Originalgenies, öffneten ihm die Spalten des von ihnen heransgegebenen belletristischen Blattes Athenäum", und eS t:.Liim eine glänzende Tichterlnusbabn.. die allerdings dloS sieben Jahre, dis zum Tode des Dichters auf dem Bd)tx&)U selbe 1849, dauerte, den jungen Adler

aber auf jene Sonnenhöhe des LuihmeZ und Erfolges erhob, auf welcher er jetzt unseren Blicken erscheint. Im Anfang sreilich ging e auch mit der Schriftstellerei kümmerlich, die ungarische Literatur war damals noch eine Waare, die geringen Absatz hatte und den Lorbeeren sehlten die Karpfen; nach 1843 mußte er als Schreiber der Neichstagsverhandlungen zu Preßburg sich vermiethen, um sich vor dem Hunger zu schützen, aber je mehr sein Nuf sich erhöhte, und in je weitere Kreise seine Gedichte drangen, desto sorgenloser gestaltete sich seine Zukunft und destomehr wich die Noth des Lebens. Der 20jährige Jüngling wurde im Jahre 1844 Redakteur der von dem Schriftsteller Vahot herausgegebenen belletristischen Wochenschrift: Pesti Dovatlapok" Pester Moden blätter und seine Gedichte wurden etwas Unerhörtes im damaligen Ungarn! wiederholt aufgelegt und brachten ihrem Autor mcht nur Ehre, sondern auch Geld. Um jene Zeit erwachte in seinem Herzen eine mächtige Liebesleidenschaft zu der Schwägerin VahotS, Etelka Csapo, einem bildschönen Mädchen von 15 Jahren. Dasselbe starb sehr früh, bevor noch der Sturm des Lebens es entblätterte. Da der Leichnam gar keine Spuren des Todes verrieth, wagte man ihn lange nicht zu beerdigen und Petösi wachte Tag und Nacht am Sarge der theuren Todten. In dieser Stimmung dichtete er jenen herrlichen Cyklus von 35 Liedern: Cypressenzweige vom Grabe Etelkas", welcher zu den schönsten Perlen der Lyrik gehört und dessen ergreifende Schilderungen Etelka's Bild mit einem solchen Nimbus des Weihevollen umgeben, wie Petrarca's Sonet ten das Andenken Laura's und Dante's Gedichte dasjenige Beatricens. Jokai berichtet, daß Petösi ein Jahr lang schwermüthig war uud sich nicht trösten lassen wollte. Ihr Tod machte ihn zum Menschenfeind. In diesem Zustande schrieb er das düstere Poem: Die Wolken", welches mit den dunkleu Bildern Byron's und Rembrandt's wetteifern kann. Bei diefer Gelegenheit sei erwähnt, daß Dr. Alexander Butkovies in Prcßburg aus bester Quelle Folgendes erzählt über das Licbesleben des Dichters: Petösi war eine verliebte Natur und obschon er sich aus das Hofmachen nicht verstand, bildete er sich doch ein, daß jede jungeDame, die er verehre, auch ihm gut sein müßte. Nach dem Tode seines Jdeal-s verliebte er sich in eine polnische Tänzerin. Die schlaue Jüngerin Therpsichorens verwirrte den Poeten so schr, daß er Vahot bat, ihm Unterricht in polnischen Tänzen erthcilen zu lassen. Vahot verspottete ihn als einen Narren der Liebe". Hierauf liebte er die Tochter eines Bankiers. Auf einer Musiksoiree Franz Liszt's zog eine der schönsten und reichsten Damen Pests seine Aufmerksamkeit auf sich; kurz entschlossen, besuchte er den Vater seiner Angebetenen und hielt bei ihm um die Hand seiner Tochter an. Der Bankier, ein feingebildeter Masn,der den Dichter bereits aus seinen Werken kannte, nahm ifrn sehr freundlich auf und sagte ihm allerlei Schmeicheleien, aber er müsse ihn an seine Tochter verweisen; wenn jie einwillige, so habe er nichts dagegen. Der Dichter entfernte sich, vergaß aber dieses Erlebniß so ganz und gar, als wäre nichts geschehen. Im Jahre 1845 hing er die Redaktion an den Nagel und begab sich auf Reisen, er wollte auch die wilde Nomantik Obcr-Ungars, die er bisher nicht kannte, kennen lernen. Diese Wanderungen glichen wahren Triumphzügen, denn überall veranstaltete die Jugend ihm zu Ehren Fackelzüge, und auf Banketten nnd Versammlungen wurde er auf's höchste geieiert. Das Jahr 1846 bildete einen Wendepunkt im Leben des Poeten. Er fand sein Ideal in der braunen Schönheit Julia Szendrey, in welche er sich sterblich verliebte. Am 8. September 184 erblickte er sie zum ersten Male. Von diesem Zeitpunkt an datirt er sein neues Leben. In seinen Neisebriefen sagt et: Vordem war ich nicht, existirte die Welt nicht, war nichts; damals entstand im großen Nichtt die Million der Jahre und in meinem Her zen die Liebe. Und dies alles erschuf ein Blick Julias!" In Vers und Prosa verherrlicht er die Schönheit, die Anmuth, die Herzensgüt seiner Geliebten. .Ich müßte," ruft er aus, meine Federn in die Sonnengluth tauchen, wollte ich ihre Seele in ihrer ganzen Gluth beschreiben." Und in einem sei ner glühendsten Liebeslieder, bereits an seine Frau gerichtet, singt Petösi: O lieb', lieb mich, so wie ich Dich liebe, So heiß, so flammend und so grenzenlos, Entfeno' auf mich des Lichts, der Wärme . Fülle, " Die Dir inS Herz von EotteS Antlitz floß. Denn die? Dein Herz ist ja mein ganzes i Hitoa,

Tags meine Sonn' und Nachts mein Eter ncnschein, Hätt' ich nicht Deine Liebe, holdes Weibchen, Wie düzter würde dicjeÄclt mir sein! Julia war die Tochter des GutsverWalters Szend y auf dem Schlosst Erdöd und ihre dämor.ische Schönheit bezaubcrte alle Welt. Die Hochzeit fand am 8. September 1847 in Erdöd statt; nach Pest zurückgekehrt, lebte er seinem jungen Eheglück und der Dichtkunst. Aus dem überschäumenden, etwas leichtfertigen Jüngling wurde plötzlich ein ernster, treuer und bcdächtiger Ehemann. Er bewohnte mit Jokai, dem jetzt lebenden größten Romanschriftstcller, eine Wohnung von drei Zimmern. Ten Vorsaal und das Speisezimmer brauchten sie gemeinschaftlich. Sein Glück war grenzenlos, als

ihm seine Gattin einen Knaben Zoltan schenkte. Tiefer wurde am 15. Tczbr. 1843 in Debrcczin geboren und sein Taufpathc war der namhafteste Epiker Ungarns, Johann Arany. Tcr einzige Sohn des Poeten starb am 5. Novbr. 1.870 in seinem 22. Lebensjahre. Ter Tyrtäns des ungarischen Freiheitskampfes 1848 bis 1848 starb als junger Gatte und als junger Vater. Die Tragik seines Lebens sollte sich erfüllen, bei der Revolution beteiligte er sich mit Leier und Schwert. Es ist in Deutschland wohl unbekannt, daß die Preßfrciheit in Ungarn in erster Linie Alcz,xndcr Petöfi zu verdanken ist. Am 15. März 1848 stellte er sich mit Jokai, Vasvari, Vidacs u. A. an die Spitze der studclltischen Jugend und ließ, ohne es erst der Censur vorzulegen, sein Gedicht: 1aii Magyar" Ungar auf der Sohle!" drucken und absingen. Seine heißeste Sehnsucht zwar, in den Reichstag gewählt zu werden, f.ing nicht in Erfüllung, aber seine lcidenschaftliche Sehnsucht, aus dein Schlnchtfclde zur Bcsreinng des Vaterlanöc mitzutälnpfcn und für die Frei-' hei das Leben hinznopfern, sollte sich bald rcalisircn. Petöfi wurde zum Hauptmann und dann zum Major in der Hon'-'eÄarmec ernannt und kam ats solcher bnvx Bcginn des siebbürgischcn FeldzugcS an die Seite des Oberbe-lchlvy.-lders General Vem als dessen Adiutant. Tcr acniale Feldherr liebte den Dichter schr und warnte Ihn w:edcrholt, seinen Eifer zu zügeln und den Tod nicht herauszufordern. In meh rercn Schlachten zeichnete er sich wiederholt durch seine Tapferkeit und Kühn heit aus. Am 31. Juli 1849, als die Russen unter General Lüders die kleine Honvedarmce des Generals bei Schaßburg Siebenbürgen umzingelten und niedermachten, fand anch der Dichter, aller Wahrscheinlichkeit nach, seinen Heldentod auf dem Schlachte felde. Der Militärarzt Dr. Joseph Lengycl, ein Augenzenge dieser morde rischen Schlacht, schildert den Tod des Dichters u. A. also: Zwei Regimenter russischer Lanciers lösten sich, kanm tausend Schritte vor uns, aus der I Manen sornurenoen niviston tos. 'Jüit j Husaren schlugen sich gnt, aber was ver- ! mochten sie gegenüber einer solch' unge- , geheuren Mehrheit, sie, die kaum ihrer 300 waren? Ich schrie Petösi an, wies hin auf den Anfall. Er blieb ruhig und 1 sagte blos: Kleinigkeit!" Aber bald darauf floh die ganze Front. Ich zeigte hin auf den linken Flügel, wo auch Gen. Bem floh, Petöfi warf einen Blick dahin, wendete sich wortlos und begann gleichfalls zu ziehen Wir flohen der Landstraße zu, uns nach die zwei Regimenter russischer Lanciers. Als wir schon hübsch aus dem Dorfe hinausgelangt waren, sahen wir, daß während diese beiden Regimenter angriffen, ein drittes Rufsenregiment an der Seite des Flusses Küküllö sich in gerader Linie hinaufzog und, als es schon auf eine halbe Meile etwa das abgebrannte Feheregyha verlassen hatte, sich rechts wendete und, einen geraden Winkel bildend, sich bemühte, die Landstraße, und somit die weitere Flucht abzuschneiden. Einem großen Theil unserer Kavallerie war eS auch möglich, außerhalb dieses Kreises weiterzukommen, aber von unserer Infanterie rettete sich nur, wer zur Reserve gehörte; jene dagegen, die im Feuer gestanden, wurden von den Rus sen eingeschossen, und die in jenem Kreise verblieben ausgenommen 6070 Verwandte ' sie fielen alle. Mir half mein Pferd aus dem Kreise heraus. Aber Petösi war zu Fuß und verblieb deshalb drinnen im Kreise. Auf einen Hügel gelangend blickte ich zurück und glaubte Petöfi zu erkennen. Die Stelle auf welcher ich ihn zuletzt sah, ist mir noch in diesem Momente so lebhaft in Erinnerung, daß ich auf sie hinweisen könnte, und so oft ich jetzt an ihr vorüberschreite, taucht unwillkürlich vor mir PetösiS damalige Gestalt auf, wie ich ihn mit unbedecktem Haupte, offenem Hemdkra gen und flatterndem Rocke fliehen sah." Da sein Leichnam auf dem Schlacht feldeZ nicht gefunden werden konnte, wollten die Magyaren an seinen Tod nicht glauben, und bis in die neueste Zeit sind falsche Petöfis aufgetaucht, welche auf die Leichtgläubigkeit der Massen spekulirtcn. Alles spricht 1edoch dafür, daß er unter dem Huftritt und den Lanzcnstößen der Kosaken seine junge Seele auf dem Schäßburger Schlachtfclde ausgehaucht hat. Der glühende Apostel der Revolution hat übrigeus in prophetischer Ahnung lange vorher seinen Tod auf dem Schlacht felde vorhergesehen. Man höre: Wenn jedes Sklavenvolk dann zieht Zur Wahlstatt hin, des HocheS müd'. Das Antlitz geröthet. mit rothem Panier, Auf welchem die heilige Loosung als: 5Zür die Weltfreiheit! Und diefe man weit Hinausposaunt von Ost' nach Westen dann. Sich ibnen stellt zum Kampfe der Tyrann:. Dort s,ll'ich als Held Im blutigen Feld, Tort möge mein Blut mir, das junge, ent strömen, Tort laß ich mein Scheidewort jauchzend vernehmen. So werd' eö verschlungen vom Schwert geklirr. Drommetengeschmetter und Schlachtenze wirr, ' Und über mich hin Eie mZücu auu fticd'n

Auf schnaubendem Roß nach erfochtenck Siegen, Mich lassend zertretend imeldc wo liegen Un) mein zerstreut' GebclN man sammeln macj Erst dann, wenn da der groe Gräbertag, Wo dann man unter feierlichen Klängen,, Voran die Iah?' mit sch.arzcnJlorbcyäN'

aen Zu Grabe trägt die Helden all' die sich gewciht Dem Tod für Tich, Tu heilige Weltfreiheit I' Wo das Grao des Märtyrern der Freiheit ist, wird ewig ein Näthsel blciden. Ten ..Unsterblichen sah niemand sterben. Seine dankbaren Landsleuten haben ihm in Budapest ein von dem genialen Bildhauer Adolf Hnszar geschaffcnes großartiges Bronzedenkmal auf dem Petöfiplatz, dem linken Ufer der Donau, errichtet. Tie Einweihung des Denkmals rm 12. Octobcr 18S'! gestalt tete sich zu einer imposanten nationalen Feier. Worin besteht die hervorragende Bedcutung Pctösi'S? Petösi ist in des Wortes eigentlichster Bedeutung der Dichter des ungarischen Volkes. Er hat die Seele desselben in das Lied gehaucht und seine Lyrik ist die Vcrkörpc-i rung des magyarischen Genius. Er war der erste unter allen ungarischen Poeten, der direkt aus dem Leben seiner !)!atnr geschöpft hat, und in ihm verschmelzen sich die Begriffe der Volksthümlich!cit und Naturalität in Eins. Er schuf eine neue Dichtung, er schöpfte seine Sprache aus den Volksliedern; die originellen Eigenschaften des Volkslicdcs verschmolz er mit seiner eigenen Individualität nnd vom Standpunkt der schlichten volkstümlichen Dcnkungsart und Unmittelbarst ausgehend, drückte er am treucstcn die Gedankenrichtung und Empfindung der geistigen Welt des Volkes aus. Petösi hat Herrlichc Epen, Dramen nnd Übersetzungen ans dem Teutschen, Französisch: und Griechischen geliefert, aber die Unsterblichkcit verbürgt ilzm nur die Lyrik. Hier singt er von Batcrland, von der Liebe, der Frau, der Fainilie; er zeichnct erschütternde Landschastsbildcr, und Weinlicdcr, politische, soziale und Herzcnssragcn finden in ihm einen gewal tigen Jntcrpectcn. Seine glänzende Phantasie, die qualitative wie quantitative Fruchtbarkeit seiner Muse, die Innigkeit und Wahrheit seines Gefühls und Empfindens, die Natürlichkeit und Frische des Ausdrucks, die Sangbarkeit seiner Lieder all' dies mußte einen hinreißenden Einslusz auf seine Nation erzielen. Er ist der treue, wahre und freie Maler des menschlichen Herzens. Er verschmäht jedes falsche Pathos, jede krankhaste Sentimentalität seine Liebes- und Vaterlandsliebe? sind gleichsam Flammen, welche die Herzen entzünden uud unsere Seelen entslammcn. A.K. Daö Einkommen des deutschen Ltaisers. Ehe wir im Nachstehenden kurz von dem Einkommen des Kaisers sprechen, bemerken wir, datz der Monarch als Kaiser von Deutschland für seine Person keinerlei materielle Entschädi gungen erhält, sondern nur als KLnig von Preußen; selbst für rcpräsen tative Ausgaben gibt das Reich nicht einen Pfennig, während für diese Zwecke dem Reihskanzler 18,000Mark und dem Unterstaatssckretär des auswärtigen Amts 24.000 Mark ausbezahlt werden. Als König von Preuen bezieht der Monarch vom Staate eine durch Gesetz vom 7. Januar 1820 festgesetzte Rente aus den Einkünften der Domänen und Forsten von 7,719,230 Mark, zu denen sich ein Gesetz vom 20. Februar 1889 festoestellte? Zuschuß zur Rente des Kron fideikommißfonds" im Betrage von 8.000,000 Mark gesellt. DieseSumme steht dem Kaiser direkt zur Verfügung; der Staat bezahlt ferner für das Geheime Civilkabinet jährlich 122.230 Mark, zu ' Gnadenbewilligungen aller Art- 1.500.000 Mark und zu letzteren Zwecken steuert das Reich dieselbe Summe bei, ebenso wie es für die Adjutanten des Kaisers jährlich 88.500 Mark bezahlt. Das eigentliche Vermögen des königlichen Hauses besteht aus dem Gute Erdmannsdorf in Schlesien, drei Gütern im Kreise Osthavelland, 48 Puchtvorwerken deren Mehrzahl bereits von König Friedrich Wilhelm dem Ersten für seine Nachkommen mit vielem sauern Schweiß erworben wurden" und einem Forstbesitze von 14 Oberförstereien. Das Königlich Prinzliche Familienfideikommiß" umfaßt drei große Güter von zweien bezieht Prinz Friedrich Leopold die Erträge und seit dem Tode des Herzogs von l Braunschweig noch das Thronlehen

Oels, dessen Nießbrauch der jedesmalige preußische Kronprinz hat. Ferner steht dem König selbstverständlich außer seinem Privatvermögen als Oberhaupt der königlichen Familie der von Friedrich Wilhelm dem Dritten begründete und laut testamentarischer Bestimmung durch die Nachlassenschaft Kaiser Wilhelms des Ersten sehr vermehrte Krontresor zur Verfügung, der heute an 30 Mill. Mark betragen mag. dessen eine Hälfte jedoch als eiserner Bestandbetrachtet und nicht angegriffen wird. Diesen Einnahmen stehen nun sehr erhebliche Ausgaben gegenüber, denn nicht, wie es in England der Fall, bewilligt der Staat noch besondere Bezüge den ffamilienmitgliedern des königlichen Hauses und stattet sie auch nicht bei etwaigen Vermählungen u. s. w. aus, sondern all' dies liegt dem Könige zur alleinigen Last. Dazu kommen die sehr bedeutendenSummen für die verschiedenen königlichen Theater so bezieht allin Kassel einen Etatszuschuß von 103,000 Mark für die Hofmusik, die' königlichen Gärten und Schlösser '(letztere sind allerdings, wie auch das Vermögen des Königs, von jeglicher Steuerabaabk. Mi Anöone.n

Der vereitelte Bankraub.

Aus dem Englischen. An der Fernandale Royal Bank", einer der sieben Zwergbanken eines Consortiums von Finanzleuten San Franciscos, war ich unter bescheidenen Verhältnissen angestellt. Der Vorderräum des einstöckigen Vankgebäudes war in der üblichen Weise abgesperrt, während der Hinterraum in zwei Zimmer eingetheilt war. Das eine wurde als Prioatzimmer benutzt, in welchem Bankgeschäfte abgewickelt wurden, das andere diente mir als Schlafzimmer. Ich war Junggeselle und hatte nicht nur die Funktionen eines Bankleiters, Kassircrs und Geldzählers, sondern auch Nachts die eines Wächters zu erfüllen. Meine einzige Hilfe war ein Buchhalter, der aber auch nur an drei Nachmittagen in der Woche bei mir thätig war. Während der übrigen Zeit war er in derselben Weise in einem Rhedcrgeschäft beschäftigt. Man mag das vielleicht für eine eigenartige Weise, ein Bankgeschäft zu be- ) treiben, halten, aber es ließen sich leicht r?v-l rf l i fr ein )u?eno uetncrctcioie aussuyren, wo das noch heutzutage der Fall ist. Meiner Meinung nach drohte mir nur eine einzige Gefahr: ein Spitzbube konnte mir plötzlich die Mündung seines Revolvers unter die Nase halten und mich freundlichst auffordern, alles Geld herauszurücken. Der Geldschrank wurde stets geschlossen gehalten und außerhalb desselben befanden sich selten nicht als 800 bis 900 Mark. Um etwaigen Gelüsten vorzubeugen, hatte ich das Gerücht ausgesprengt, an geeigneter Stelle sei eine ganze Batterie vonSelbstschüssen angebracht, die ich durch den Druck auf eine Feder zur Entladung bringen könne, um so jeden Attentäter durch die Scheiben über die Straße hinweg zu ezpediren. so daß er gewiß nicht lebend drüben ankommen würde. Da dieses Gerücht allgemeinen Glauben fand, so konnte ich mit den Furchtsamen unter meinen Kunden die Geschäfte nur außerhalb der Linie zwischen Geldschrank und Fenster abwickeln. Das Syndikat der Bank hatte in meinem Kontrakt ausdrllcklich ausgemacht, daß ich bei der Aufnahme eines Depots in den Geldschrank die Kunden darauf aufmerksam zu machen hatte, daß die AufbeWahrung auf ihr eigenes Risiko erfolge. Schon gleich nach Eröffnung der Bank nahmen mehrere Geschäftsleute der Stadt unsern Geldschrank in Anspruch. Da wir mehr oder wemger mit ihnen in Geschäftsverbindung standen, so konnte ich nicht gut umhin, zeitweilig die Aufbewahrung von Werthpapieren und Geldsummen zu übernehmen. Ich war ungefähr ein Jahr in Ferndale thätig, als mein Bruder John, der den Bau von Telegraphenlinien leitete, nach einer wenige Meilen entfernten Station versetzt wurde und alsbald die günstige Gelegenheit, mich aufzusuchen, benutzte. John besaß in der mechanischen und elektrischen Technik eine ungewohnte Fertigseit und lebt jetzt von dem Erträgniß einiger hieraus hervorgegangener Patente. Er war kaum ein paar Stunden bei mir und hatte die Bank" in Augenschein genommen, als er sagte: Du schläfst hier ganz allein; für einen scharfen Jungen würde es eine Kleirngkelt sein. Dich gründlich auszuplündern und Du brauchst wahrlich kein Vierteljahr hier mehr thätig zu sein, bis Einer diesen Versuch macht." Wieso denn?" Nun, eines schönen Abends kommt em Kunde, der Dir, ehe Du Dich dessen versiehst, einen Schlag auf den Schädel giebt, daß Dir Hören und Sehen vergeht, und bevor Du wieder zur Besinnung kommst, ist oer Geldschrank erbrochen und der Kunde" mit dem Inhalt verschwunden. Der Schrank :ft, wie ich sehe, ein Kunstwerk, aber wenn er sich nicht aufbrechen läßt, so wird er angebohrt oder in die Luft gesprengt; doch rch denke den Herren Spitzbuben was zum Rathen aufzugeben!" . - Die Bank besaß keinen Keller, aber da Steine in der Nachbarschaft in Fülle vorhanden waren und nur die Kosten für das Brechen m Betracht kamen,so hatte man die Grundmauern reichlich einen Meter dick gemacht und gegen zwei Meter tief in den Grund gelegt. Der von den Mauern eingeschlossene Raum war mit Kieseln ausgefüllt und so hart, daß man ihm mit einer Spitzhake nichts anhaben konnte. Der Fußboden befand sich etwa vier Fuß über der Erde. John arbeitete etwa eine Woche angestrengt an seinem Werke. Er meißelte dicht vor dem Geldschrank eine Fallthllr aus und führte Drähte nach einer unter dem Boden angebrachten Batterie. Das' Ganze wurde sodann mit einer Vorrichtung, die zu den Erfindungen meines Bruders gehörte, in Verbindung gebracht. Mittels einer versteckten Feder konnte er den Riegel der Fallthür wegziehen, eine andere Feder schloß die Thür wieder selbstständig. Bei Tage konnte ein Pflock in eine Oeffnung der Thür und des Thürrahmens geschoben werden, so daß ein Unfall während der Geschäftszeit ausgeschlossen war. Durch den Apparat meines Bruders wurde nun die Thür zwischen 8 Uhr Abends und 7 Uhr Morgens stündlich geöffnet. Die ersten Nächte störte mich wohl das Tik-Tak des Uhrwerkes aber bald hatte ich mich daran gewöhnt. Ich mußte natürlich meine Ge-. schäftszeit nach der Bequemlichkeit des Publikums einrichten; ich konnte daher nie vor sechs, oft sogar erst um sieben Uhr schließen. Gewöhnlich kamen diejenZgen.welche von dem Geldschrank über Nacht Gebrauch' machen wollten, zwischen sechs und sieben Uhr. Ich 2b ih?.m einen Empfangsschein, ging

aber kein: weitere Verpflichtung ein.

Gar oft barg der Geldschrank über Nacht reichlich 100.000Dollars und ich war dann nicht wenig stolz auf das rn mich gesetzte Vertrauen. Johns Apparat hatte ungefähr während eines Monats funktionirt, als sich nach sechs Uhr Abends ein eigenartiger Kunde einfand. Ei.Weib war in unserer Stadt gerade keine seltene Erscheinung, aber daö scache Geschlecht war auch nicht sehr za' . 'reich vertreten; doch mein Besuch tr.,r ein junges Weib, das großstädtisch :kleidet und schon, sehr schon war. Mein Herz schlug schneller bei '"zrem Anblick, und als sie mich anli '-zelte, wurde ich verwirrt, wie ein Knabe, den man beim Eierstehlen erwischte. Sie komme von San Francisco, erklärte sie, und wolle sich hier kurze Zeit aufhalten. Etwa 14 Tage gedenke sie im Hotel zu wohnen. Sie bat mich, ihr 2000 Dollars und einige Juwelen sicher aufzuheben. Nelly Haller sei ihr Name. Nicht weniger wie dreimal mußte ich das Geld zählen, so groß war meine Verwirrung. Endlich kam ich damit zu Stande und meine reizende Kundin dankte herzlich und erklärte, sie werde wiederkommen. Und sie kam wieder; als ich sie bei Tageslicht sah, da war es um mich geschchen; ich war sterblich verliebt. Eine Woche lang kam Frl. Haller täglich zur Bank, um nach Neuigkeiten zu fragen und zu plaudern; einmal machte ich ihr während dieser Zeit meine Aufwartung im Hotel. Am Sonnabend Nachmittag schickte sie mir eine Mittheilung, daß sie von ihrem Bruder ein Telegramm erhalten habe und nach San Francisco reisen müsse, von wo sie gegen acht Uhr Abends zurück sein würde. Der Bruder würde nur sehr ungern die Nachtpost zur Rückkehr benutzen und ich habe wohl nichts dagegen einzuwenden, wenn sie Beide geaen 8 1-4 Uhr zur Bank l'd mcn. Wahrend sie Geld erheben wolle, habe der Bruder wahrscheinlich ein Großes Depot zu machen. Wenn sie den letzteren Umstand nicht erwähnt hatte, wurde ich ihr das Geld .ms Hotel gebracht und dabei höchstwahrscheinlich meine Liebe erklärt haben. Der Sonnabend Abend war immer sehr lebhaft auf der Bank, da eine größere Anzahl von Freunden dann den Schutz des Geldschrankes für den Sonntag in Anspruch zu nehmen psleate. An dem fraglichen Abend waren mir reichlich 120.000 Dollars ander traut worden. Ich wurde den letzten Kunden qeaen acht Uhr los und schloß die Schrankthür gerade zwei Minuten bevor John's Apparat die Fallthüre öffnete; dann setzte ich mich hin, um auf Frl. Haller und ihren Bruder zu warten. Pünktlich 8 1-4 Uhr wurde an die Thur aeklopft: ich ostnete und das Paar trat ein. Frl. Haller begann sogleich damit, zu erklären, wie verpflichtet sie mir für meine Zuvorkommenheit seien. Als ich mich aber umdrehte, um die Thur zu schließen. erhielt ich von ihrem theuren Bruder einen Hieb über den Kopf, der mich für 15 Minuten besinnungslos Niederstreckte. Als ich die Augen wieder öffnete. sah ich mich um den Geldschrank herumgezerrt, an Händen und Füßen gebunden.und befand mich mit Herrn Haller" allein in der Bank. Er saß auf einem Stuhle, rauchte gemüthlich und wartete offenbar daraus, daß ich wieder zur Besinnung käme. Es war ein etwa dreißigjähriger. anständig aussehender Mann, nur gefiel mir em boer Blick m seinen Au gen sehr wenig. Noch bevor er den Mund osfnete. hatte ich meine Lage überschaut und wußte nun, wie man mir mitgespielt hatte, ks war etwa halb neun Uhr, als mein Besuch anhub: Kommen Sie endlich zu sich; darauf warte ich ja. Sie müssen mir den Geldschrank offnen. Erst will ich Sie hinter den schwe dischen Gardinen sehen!" . Hat der Hieb Sie verrückt gemacht? Ich habe, wie Sie sehen, die Schlüssel, aber ich kenne das Stichwort nicht. Sie werden mir durch das Oeffnen viel Arbeit ersparen. Ich will Ihre Hände frei machen, aber lassenSie sich nicht zu Thorheiten hinreißen. Ich bin wegen des Inhalts jenes Schrankes gekommen und werde mich desselben unter allen Umständen bemächtigen." Auf meinen Beistand müssen Sie schon verzichten." Er fah mich einen Augenblick mit einem bösen Blick an, darauf zog er einen Knebel aus der Tasche und that, als wolle er ihn bei mir in Anwendung bringen; dann änderte er seinen Ton und sprach: Nelly sagte doch, Sie seien ein weichherziger Mann, seien Sie also kein Narr. Warum wollen Sie mich zum Aeußersten zwingen ? Nicht ein Cent von dem Geld gehört Ihnen. Wenn Sie den Schrank öffnen, wollen wir die Beute gleichmäßig theilen und ich kann Sie gebunden zurücklccssen, sodaß es den Anschein hat, als seien Sie unbetheiligt." Ich will aber nicht!" Dann werde ich Sie zu zwingen wissen. Wenn ich erst fünf Minutenlang eine brennende Kerze unter Ihre Fußsohlen gehalten habe, werden Sie schon der Vernunft Gehör schenken. Es ist jetzt dreiviertel neun Uhr. Ich will eine Vietelstunde lang mich an dem Schrank versuchen; finde ich das Stichwort, ist's gut, wenn nicht, so will ich Sie schon zum Sprechen bringen." Er kniete vor dem Schranke nieder nnd nun war es natürlich meine Sorge, ihn da festzuhalten bis die Zeiger auf neun wiesen und JohnH Apparat funktiomrte. Fünf Minuten lau? sprach keiner, von unZ cin Wort.

Dann merkte ich. daß er ungeduldig

wurde und sagte schnell: Sie werden zweifellos das Stichwort bald finden und das. ist schlimm, für mich." Wicso, schlimm für Sie? Nun, wenn Sie mich auch hllfloZ liegen lassen, so wrd man doch arg-? wohnlsch sein und das Ganze für ein. abgekartetes Spiel halten. Wenn Sie Pulver und Bohrer hätten brauchen, müssen, wäre es becr für mich." So meinen Sie, i:n werde da5 Nichtige finden?" Hoffentlich niazt; aber Sie gehen. an's Werk, wie Einer, der etwas davon. versteht. Wo ist Fräulein Hal--ler?" Fräulein Hallcr? Ha! ha! ha! Fräulein Haller läßt bestens grüßen und sagte, sie werde nachher wieder vorjpreen. Irin schneidiges 'Maocl, was?" Das muß ich gestehen, wenn sie auch den Streich gegen mich vorbereitete." Ja, ja, ein schneidiges Mädel, und schlauer als ein Luchs. Sie hält viel von ihrem Bruder, das thut sie! da! jetzt hab' ich's." Er glaubte, am Ziel zu sein und er war es in der That, nur rccht an dem, welchem er zustrebte. Bruder JohnS Fallthür öffnete sich. Der Räuber stieß einen Schrei aus und warf die Hände in die Luft, als er hinabstürzte, kaum war er verschwunden, als die Thür wieder zuklappte und iH krampfhafte Anstrengungen machte, meine Hände frei zu bekommen. Sie waren an den Gelenken zusammengcbunden und da ich sie nicht gleich losbekam, rollte ich mich zur HauZslur, um die Riegel zu erreichen und die Hausthür fest zu schließen. Drei Minuten später hatte ich die Hände frei und zerschnitt die Fußftijeln. Der Fall durch die Thür war kein tiefer, aber der Näuber war auf den Kopf ge stürzt und kurze Zeit betäubt. Als er zu sich kam, begann er zu. fluchen, daß mir die Haare zu Berge standen; aber ich kümmerte mich nicht um ihn. Er hatte zwei Revolver und einen Dolch mit zur Bank gebracht, aber dieselben auf einen Stuhl niedergelegt. Ich nahm sie an mich nnd verließ den Schauplatz meiner jüngsten. Erlebnisse, um Lärm zu schlagen. Mein Zorn hielt mich indessen nicht' von einem gewiß thörichten Edelmuiheab. Ich wußte, daß der mir gespielte Streich von langer Hand vorbereitet' war und daß Fräulein Nelly Hallcrmit dem in die Falle gegangenen Bankräuber an einem Strange gezogen hatte. Sie war also ein verdorbencs Geschöpf und verdiente kein Mitleid. Man mag mich meinetwegen, einen Narren schelten, aber ich sagte,! als ich das Haus verließ. Niemandem' ein Wort und eilte spornstreichs zuni Hotel. Sie befand sich im Gastzim--mer, ganz bereit, zum Zuge zu eilen, sobald die Abgangszeit nahte. Sie war allein im Zimmer, stieß, als sie mich, erblickte, einen schwachen Schrei,' aus und fiel fast in Ohnmacht. Wo, wo ist mein Bruder?" fragte sie, als ich vor ihr stand. Sicher verwahrt in der Bank," antwortete ich. Und Sie sind gekommen, mich zu verhaften?" Nein, ich komme, Sie zu warnen, damit Sie sich retten können. Haben Sie Geld?" Höchstens 30 Dollars." Sie haben 2000Dollars im DepotIch vergaß es. Ich werde sie Ihnen bringen." Und mein mein Freund?" Den . halte ich fest, bis Sie wegi sind und dann wandert er in's Gei fä'nZniß." Ich eilte wieder zur Bank und holte' ihr Geld. Ich sah sie den Hotelwagen' zur Bahn benutzen. Ich wartete, bis' der Zug eingelaufen und weiter ge braust war. Dann machte ich Lärnr wir holten den Räuber aus dem Lochen und lieferten ihn ab; er wurde zu acht. Jahren Gefängniß verurtheilt. Bon dem Frauenzimmer habe ich nie wieder etwas gehört. Warum ließ ich sie entschlüpfen?' : Nun, es war ein hübsches Weib und das ist meine einzige Entschuldigung. Daö gute Müschen. Mein Mädchen, das war ein gar zartliches Ding, Verstand sich auf selige Miirne, Wenn sie mit dem schwellenden Arn? mich umfing. Vergingen mir schier die Sinne. Sie liebt' mich so innig, sie liebt' mich so wlhr, Die Worte in Küssen erstarben. Auch hatte es sicherlich keine Gesahr, Daß Andre noch um sie warben. Und lacht' sie mit einem der freundl! chen Herr'n, Es kam ihr gewiß mtit von Herzen, Mit mir aber sprach sie Gewichtiges gern, Ich bin nicht befähigt zum Scherzen Ich in etwas ernst; nun. Jedermann weiß, Auf solche ist trefflich zu bauen. Und im liebenden Mädchenherz flüstert es leis': Bald läßt so Einer sich trauen! Jedoch da an Schätzen mein Beutel gering, So hätt' es damit gute Weile, Und da auch mein Schätzchen so fest an mir hing Bedurft es nicht fonderer Eile. Ich liebte ja sie, und sie liebte mich. Wir wechselten treulich tte Ringe; Drauf nahm sie den Andern und lietz, mich im Stich.

a ist fo der Lauf der Dinkel