Indiana Tribüne, Volume 17, Number 90, Indianapolis, Marion County, 17 December 1893 — Page 3
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Der Märze Kosscr. 8?fü4te fin;S 5JIcrt: erjSSft tin bem, I den Mörder aus.'idiz matte. Cutsrifirif Ukbkrsktzunz ouS Um 6n;I.f4ca ton Emmy Zit&itt. (3. itottfcfcung.) ". dith, ich glaub?,"' fuhr er zu seiner Braut gewendet fort, es wäre das klügste, was wir thun könnten, wenn wir diesen Herrn in'Z Vertrauen zögen, indes wir anderweitigen Rath abjwarten." i Gewiß, Austin," war ihre Antwort. Austin Harvey! Wie Spreu vor dem Wind waren all' meine kühnenSchlüffe, ;bie ich aus Dem P. H. gezogen, zerstoben! Austin ist an und für sich ein seh: hübscher Name. Ich nannte mich im Stillen einen Schafskopf und Narren, und viel fehlte nicht, so hätte ich re'.Zumk:h?t gemacht und den Fall Fall sein lassen. Unbedingt mußte ich mir ein: neue Fahrte suchen. Anklage gegen Fräulein Simp,!incn und ihre Mutter ist ja geradezu abgeschmackt," fuhr Herr Harvey nun zu mir g7end:t fort, und doch müssen wir einräumen, das: wir die Opfer der all-ra"s):rord?nt!ichsten Verhältnisse sind. Als ich giftern Abend dieDepesche ,erh:e!t, die mich hierher berief, wußte ich nicht, was ich zu erwarten hatte auf dies war ich sicherlich nicht vorber::ie: und nun weiß ich weder, was ich glauben soll, noch geschehen wird." Die Damen wurden festgenommen, Will nz nichts Geringeres als einen ,Leichnam bei sich führten. Dieser Leichnam war in einem schwarzen Kofser versteckt. Die erste Frage ist nun: gehört dieser Koffer Fräulein Simpkinson?" Ja," versetzte die Dame rasch, et,was zu rasch, wollte mich bedünken. Meine liebe Edith," begann der Geistliche, aber sie gebot ihm durch eine heroische Bewegung zu schweigen. Ich sag! Dir, daß es mein Koffer ist, Austin. Frage doch Susanne. Es hat nicht den leisesten Werth, darüber noch einmal zu streiten. Wem sollte er denn gehören?" Allerdings, wem?" wiederholteHarvey mit so verblüfftem Gesichte, daß es 'ganz komisch war. Die zweite Frage ist," fuhr ich fort, wer ist die Ermordete? Bis heute ist das noch nicht festgestellt." Diese Frage kann ich beantworten," sagte Harvey, und es legte sich wie ein dunkler Schatten über sein angenehmes Gesicht, obwohl es mir lieber wäre, ich könnte es nicht. Auch Fräulein .Simpkinson hätte sie beantworten können und ich glaube, sie hat unklug gehandelt, indem sie den französischen Behörden nicht sofort jeden erwünlchien Aufschluß ertheilte. Ja, Edith, das ist wieder ein Punkt, über den unsere Ansichten zu meinem Leidwesen weit Quseinandergehen." Ja, aber wer ist es denn?" rief ich in stürmischer Ungeduld. Nach dem, was meine Braut mir sagt, bleibt nicht der leisesi? Zweifel übrig, daß der entseelte Leib oer einer Tante von mir iÜ." versetzte der Pastor und ging, um ftiner Bewegung Herr zu werden, mit heftigen Schritten im Zimmer auf und ab, und so peinvoll die Sache für mich ist, werde ich der Polizeibehörde mittheilen, was zu wissen sie ein Necht hat." Fräulein Simpkinson stand auf und -trat zu ihm. Um Gottes willen," rief sie leioenschtftlich, hab' Erbarmen mit uns allen und thue das nicht!" Edith," sagte der junge Mann sehr weich und zärtlich, indem er ihrenArm durch den seinen zog. Du bist im Irrthum, Liebste. Du bist im Irrthum.' Es gibt Augenblicke im Leben, wo wir zaudern, aber in der Regel vermögen, wir es nur allzudeutlich zu erkennen, wo der Weg der Pflicht liegt. Es ist durchaus nothwendig, daß ich dieWahrkzeit melde, und überdies, wenn ich auch schweigen wollte, so würden andere re den." i Er sah mich an. Wie lange wird die franz'osischePolizei brauchen, um ohne meine Hilfe den Namen ausfindig zu machen?" Man hat die Anfangsbuchstaben," erwiderte ich, kennt de vermuthlichen Wohnort der Dame. livc die Numrner ihrer Uhr und die Adresse des Fabrikanten, überdies haben sie ihre Kleider und ihre Börse in drei Tagen, dächte ich, können sie über , die Person im Klaren sein." Diesen Zeitverlust kann ich denHerren ersparen. Meine Tante hieß Elisabeth Raynell, sie war unverheirathet und wohnte in Haverstock Hill, Nr. 13 Upper Norton Erescent. In letzter Zeit hatte sie sich ihrer Gesundheit halber in Southend aufgehalten und dort " seine Stimme zitterte muß der Tod sie ereilt haben." Fräulein Simpkinson sank au's Sofa und verhüllte ihr Gesicht mit den Händen. Ich glaube, daß. Sie sehr wohl daran thun, der Polizei in jeder Hinsicht Vorschub zu leisten, mein Herr. Es hat gar keinen Werth, Thatsachen, die sich früher oder später doch herausstellen müssen, zu verschweigen, und diese Handlungsweise könnte höchstens noch verschlimmern, waö schon jetzt, entschuldigen Sie, wenn ich es ausspreche, eine ungemein bedenkliche Lage ist." Ich ärgerte mich grundlich - über Fräulein Simpkinsons unverständiges, ungeschicktes Betragen. Das weiß ich," sagte sie. die Hände vom Gesicht entfernend. . Der Mord ist in Southend began gen worden." fuhr ich fort, das wußte ich schon, ehe ich hierher kam. Waö sind die Motive der That?" - Tiefes Schweigen. 2aS Brautpaar sah sich fragend an. . JEtel berechtig Su. unZ tkua
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V erhör 'zu" unterwerfen?" sägte Frau kein Simpkinson gereizt. Nichts," erwiderte ich, mich rasch erhebend, und ich habe auch gar kein Verlangen darnach. Ich dachte nur, Sie würden sich vielleicht gerne meiner Hilfe , bedienen. Es handelt sich um Mord, mein Fräulein, und irgend Jemand wird die Strafe zu erleiden haben ich wünsche von ganzem Herzen, daß Sie es nicht sein mögen." Strafe!" rief der Geistliche. Mord großer Gott. Edith!" Wir sahen alle Drei einander an, er - bekümmert, sie trotzig, ich zweifelnd. V Edith, Edith, mein armes Herz, Du bist außer Dir. Fragen Sie, was (Bit wollen, und helfen Sie uns. so weit es in Ihrer Macht steht. Fragen i Sie ob wir Ihnen Antwort geben können, darüber mu unser eigenesGej wissen Nichter sein, aber den Mörder j können wir Ihnen nZcht nennen, weil i ?z keine Gewißheit zben, und die 1 Motive der That vermuthen wir wohl. l 'n?v r?ir rnrSf fii Trri?f tnrb?n n IViAVt V , 4 1 f 0 lassen." Wohnten Sie mit Ihrer Tante zu-amme-n?" fragte ich. Nein. Ich bin Prediger an der Marienkirche in Southend und meine Tante, der die Aerzte Seeluft verordneten, wählte den Ort hauptsächlich, weil ich dort bin." Lebte sie allein?" Ja, mit zwei Dienerinnen, wovon : die eine schon eine alte Frau, die andre ein junges Mädchen ist." j Waren diese Dienstboten auch in Southend bei ihr?" j Nein, sie hatte sie in London gclassen und sich in eine Pension gegeben." ) Wit lautete ihre Southende? ; Adresse?" 0, sag' es ihm nicht!" bat Fraulein Simpkinson. Aber meine liebe Edith! StrandPromenade No. 17." i Ich schrieb Straße und Hausnum- ; mer in mein Notizbuch, wobei Fräulein Simpkinson mir mit sichtlicher Aengstlichkeit zusah. Ihr Benehmen war mir ganz unverständlich. ' Ist es Ihr Wunsch, daß der Thater entdeckt wird? fragte ich. Nein." war ihre Antwort. Wünschen Sie etwa an seine l oder ihre Stelle zu treten?" ? Sie schwieg. Ich fühlte wohl, daß ; nichts aus ihr herauszubringen war. Da kam mir ein plötzlicher Einfall und ! ich beschloß, nicht von der Stelle zu ' gehen, ehe ich etwaZ über den Koffer er- . fahren hätte. j Verzeihen Sie meine Wißbegierde," begann ich, Sie leben in Greenwich, nicht?" Nein," versetzte sie kurz. In Too iig. Ich habe der Polizei meine Adresse i anaeaeben." j Ich bitte um Entschuldigung für I meinen Irrthum. Ich. dachte wirklich, Sie wohnten in 'Greenwich es ist (ein sehr hübscher Ort, an dem es sich 'angenehm lebt." j Das mag ja sein," erwiderte sie. ' Ich weiß es nicht; bin nie dort gewe- . sen." i Nun wußte ich, was ich wissen wollte; ich hatte nicht erwartet, so leicht zum Ziel zu gelangen. ; Eines steht fest: der Koffer mit dem Leichnam ging gestern früh von Eharing Eroß ab. Da Sie den Koffer als . den Ihrigen anerkennen, ziehe ich nicht l in Abrede, daß dem so ist wollenSie behaupten, daß Sie selbst den Körper j der ermordeten Frau hineingesteckt haUen?" Endlich erblaßte sie; ihre Lippen waren ganz weiß, ihre Stimme aber klang fest, als sie mir zurückgab: Nein, das sage ich nicht." j Wollen Sie damit zu verstehen ge- . ben, daß ein Anderer es in Ihrer Gegenwart gethan habe?" j Nein." I Nun denn, wenn der Koffer Ihnen ; gehört, so muß er ohne Ihr Wissen einer andern Person zugänglich gewesen sein." ein. Ich habe den Koffer erst vor vier oder fünf Tagen gekauft, und seither stand er in meinem Zirnmr:. Gestern früh hat meine Jungfer 15& gepackt, fragen Sie diese. I Sie will mir entwischen, dachte ich, (und sagt mir nur die halbe Wahrheit. - Wenn ihre Jungfer den Koffer gepackt hat, so muß es, wie sie sagt, gestern früh geschehen sein und zwar in dem Londoner Hotel, denn in Southend hatte sie die Jungfer ja gar nicht bei sich. Vorderhand ist es noch rein unmöglich. Wahres und Falsches in ihren Angaben zu unterscheiden, aber sie wird sich schon in ihren Lügen verstricken. i Sie glauben mir nicht?" sagte sie. Was liegt daran! Ich kann Ihnen aber schwören, daß der Koffer nicht aus . meinem Zimmer kam. Wie der Leichnam des armen Fräulein Raynell hineingerathen ist und wer ihn hineingesteckt hat, das ausfindig zu machen, ist Sache der Polizei." ! Sie sah ihren Verlobten trotzig an. Und sie wird es ausfindig machen," sagte ich ruhig. Meine Anwesenheit hier wurde mehr und mehr überflüssig, wenn nicht lächerlich, ich ging also nach derThüre. Dieser Koffer ist nicht der Jbrige, Fräulein Simpkinson," sagte ich im Hinausgehen. 8. Capitel. Diesen Trumpf noch auszuspielen, war vielleicht thöricht und grausam, aber ich mußte mich ein wenig rächen. und die Widerspenstigkeit der jungen Dame verdiente einige Strafe. Unter . der Anklage eines Mordes wahrhaf- ' tig! Ein junges Madchen von zwanzig Jahren, den gebildeten Ständen angehörig, und dabei so kühl wie eine Gurke, . und so hart, wie eine Semmel am ! Charfreitag. I . So lange ich mir hatte denken könI ticn des PudelZ fttxn sei eine Liebes
geschichte, war mir manche verzeihlich erschienen, aber nun war dieser mildernde Umstand ganz und gar außer Frage, und ich hatte gar keine Geduld mehr mit ihr. Wenn sie gehängt wird, so verdient sie es nicht besser, sagte ich mir, es war mir aber ganz und gar nicht Ernst damit. Meine Behauptung war keineswegs in's Blaue hinein aufgestellt. Der schwarze Koffer, der jetzt auf dem Polizeiamt stand, war von Greenwich nach Southend befördert worden, das war bewiesen durch den Gepäckzettel, den ich unter dem Pariser entdeckt hatte. War Fräulein Simpkinson gar nie inGreenwich gewesen, und hatte der erst vor vier oder fünf Tagen gekaufte Koffer immer in ihrem Zimmer gestanden, so war es nicht derselbe, der sich jetzt in Paris befand. Das hatte sie selbst mir verrathen. Allein die Jungfer hatte ihn als den nämlichen wiedererkannt. Es mußlen demnach -wei vollständig gleicheKosfer vorhanden sein, von denen der eine Fräulein Simpkinson, der andere einer vorderhand noch unbekannten Person gehörte, und diese beiden Kofser mußten vertauscht worden sein. Wenn dem so war, so war Fräulein Simpkinson in diese Verwechslung eingeweiht. Ihr ganzes Ecöahren verrieth, daß sie von dem Vorhandensein des zweiten Koffers wußte und denBesitzer kannte, und man war versucht, anzunehmen, daß sie auch den Inhalt kannte, ehe der Kosser qeösfnet wurde. Somit war dies Mädchen die kübne Helfershelserin eines gefährlichen Verbrechers. Es war mir schwer, dies von einem Wesen, das die Neigung eines so bezaubernden und grundehrlichen Manms, wie Austin Harvey, gewonnen hatte, zu glauben. Aber ich konnte mir nur wiederholen, daß sie log und vielleicht noch ganz andere Dinge that, und so bemitleidete ich den jungen Geistlichen aus Herzensgrund. Jetzt konnte ich mir auch Nechenschaft geben über die Schwierigkeit mit den Schlüsseln. Nach sorgsamer Ueberlegung gelangte ich zu dem Schluß, daß Fräulein Simpkinson von der Verwechslung der Koffer nichts gewußt hatte, bis die Untersuchung auf dem Zollamt stattfand. Ihr Widerstreben gegen das Aufknüpfen des Strickes fetzte ich als ganz natürlich beiseite; ihre Bemerkung, daß dies das beste Mittel sei. Verdacht zu erregen, war, wie ich mir sagte, in ganz allgemeinem Sinn für grundlosen Verdacht" gebraucht worden. Andrerseits mußte sie beim Oeffnen des Koffers zweifellos die Lage der Dinge und deren Tragweite mit einem Schlag erfaßt haben. In diesem selben Augenblick mußte sie diePerson oes Schuldigen errathen und den Entschluß gefaßt haben, ihn zu schützen, und vermuthlich ahnte sie auch, wie und warum "die That geschehen war. Der Mord war von jemand verübt worden, der der alten Dame und Herrn Harvey nahestand vermuthlich von einem Verwandten. Der junge Geistliehe sowie Fräulein Simpkinson waren ängstlich besorgt, diesen zu schützen er, soweit Ehre undGewissen es ihm gestatteten, sie noch ein gutes Stück weiter. Jedes handelte hierin, wie es seiricm Wesen entsprach, ohne Zweifel geschah alles, was sie that, nur ausLiebe zu ihrem Verlobten. Ich stand zwar immer noch vor einem Räthsel, war aber nicht ganz unzufrieden. Mein Besuch hatte mir mehr Nutzen gebracht, als ich hatte erwarten können; er war, wenn man so will, incorrekt und abenteuerlich gewesen, aber das ist bei meinem Handwerk kein Feh ler. Die Geschichte mit den Schlüsseln war nun aufgeklärt es waren zwei Koffer von dem nämlichen Fabrikanten vorhanden, allein die Schlösser waren verschieden. Damit erklärte sich auch das Fehlen der Adresse, und nur das Fehlen des Kofferzettels, der für die Fahrt von Southend nach London hätte aufgeklebt werden müssen, war nockunaufgeklärt. Der Koffer war in Southend gewesen, und zwar war er von Greenwich aus dorthin gelangt. Fräulein Simpkinsons Koffer wär in Southend gewesen, wahrscheinlich von Tooting oder von dem Londoner Geschäft dorthin geschickt. Wann war der Umtausch vor sich gegangen? Und wo? Auf welche 'Weise war der Koffer mit dem Leichnam nach CharingCroß gelangt? Wenn Fräulein Raynell in der Nacht, ehe die Simpkinsons nach Frankreich abreisten, ermordet worden war, und wenn die Damen diese Nacht in einem Hotel in London zugebracht hatten, wie konnte das junge Mädchen in das Verbrechen verwickelt sein? Zunächst galt es nun, dem ursprünglichen Eigenthümer des .in Paris befindlichen Koffers nachzuspüren. 9. Capitel. ' Als ich am andern Morgen in mei nem Zimmer saß und den üblichen Bericht an meine Auftraggeber niederschrieb, wurde mir Herr Harvey gemeldet. Er sah blaß und verhärmt aus, wie man nach' einer schlaflosen Nacht auszusehen pflegt, und das war wahrhaftig auch kein Wunder. Ich habe über Ihren gestrigen Besuch viel nachgedacht," begann er in seiner offenen Weise, und habe die Empfindung. daß wir Ihnen eine Erklärung schuldig sind. Fräulein Simpkinsons Benehmen muß Ihnen sehr selt sam, ja ganz unverständlich erschienen sein." Zögernd hielt er inne. Nicht so seltsam, als Sie sich vielleicht vorstellen," versetzte -ich ruhig. Sie müssen bedenken, daß ich an derortige Nachforschungen gewöhnt bin." Er sah ein wenig verblüfft aus, sammelte sich aber sofort wieder.
i' Als Sie von uns weggingen, nahmm Sie einen aan bestimmten Ein-
druck mit sich fort mxt es zu vier verlangt, wenn ich Sie bäte, mir zu sagen, welchen?" Das ist in der That eine ziemlich weitgehende Forderung, und es ist nicht ganz billig, wenn Sie mir damit den kleinen Vortheil, den ich mir errungen habe, aus den Händen spielen, ohne mir Ersatz zu bieten." Allerdings." versetzte Harvey. Nun denn, wenn Sie mir Ihre Auffassung mittheilen, so verpflichte ich mich, Ihnen ehrlich zu sagen, ob sie richtig ist." Welches die richtige ist?" O nein," sagte er rasch, nur ob die Ihrige es ist. Ja oder nein?" Er sah mir kerzengerade mit einem offenen, bittenden Lächeln in die Augen, und ich rnurj wieder sagen, daß ich nie etwas Herzgewinnenderes kennen gelernt habe, als sein Wesen. Meine Theilnahme für Fräulein Simpkinson nahm in demselben Maße ab, als die für ihren Verlobten stieg. Ich für meine Person," begann ich langsam, habe gar keinen Zweifel mehr darüber, daß zwei völlig gleiche Koffer existiren, und daß sowohl Sie als das Fräulein vollständig im Klaren darüber sind, daß der jetzt auf dem Parifer Polizeiamt befindliche nicht Ihre? Braut gehört. Sie wissen aber auch Beide, wem der Koffer mit dem Leichnam gehört, und ihre einzige Furcht ist, daß der Besitzer sich als Mörder entpuppen werde." Austin Harvey wechselte die Farbe. Ich hatte meine Worte sorgsam gewählt und ihn genau beobachtet, und das frische, junge Gesicht bestätigte mir mit seinem raschen Wechsel des Ausdrucks, daß meine Annahme nicht unrichtig war. Sie wissen sehr viel." bemerkte er, und seine sonst so klare Stimme war leicht verschleiert. Ist meine Vermuthung nicht richtlg?" Vollständig richtig." Ein Schweigen trat ein. Harvey lehnte sich in seinen Stuhl zurück und starrte in seinen weichen, beitkrempigen Filzhut. Ich beobachtete ihn. und eine Frage lag mir auf der Zunge er war ehrlich, klug und ängstlich bestrebt, recht zu handeln, weshalb sollte ich es nicht wagen? Wer ist der Eigenthümer des schwarzen Koffers?- fragte ich plötz lich. bereute aber meine Rüsichtslosigkeit sofort wieder. Die große Gestalt zitterte vom Wirbel bis zur Sohle, in seinem Gesichte zuckte es nervös und seine Augen sanken förmlich ein; die Anstrengung, sich zu beherrschen, war sichtlich groß. Soll ich sprechen?" sagte er vor sich hin ich fühlte die Worte mehr, als ich sie hörte. Er stand auf und trat an's Fenster und blickte auf den belebten Boulevard hinunter. Wochen nachher erst lernte ich verstehen, was ihn in diesem Augenblick bewegt hatte. Nein," sagte er tonlos. Es kann nicht meine Pflicht sein, diese Frage zu beantworten; ich habe ein Necht, es zu verweigern." Er trat wieder zu mir, und sein Wcsen war wieder mehr wie sonst. Sie müssen wohl unterscheiden," begann er.
weder Fräulein Simpkinson noch ich wissen über den Mord irgend etwas wir haben Beide nur einen Verdacht. Besäße ich Gewißheit, so würde ich es für meine Pflicht halten, den Behörden Aufschluß zu geben, so schwer es mir auch werden möchte." Diese Worte wiederholte er schmerzerfüllt. Wir haben Verdacht, und unser einziges Beten und Hoffen ist. er möchte sich als unbezründet erweisen! So wie die Dinge liegen, bin ich bereit, zu sagen, was ich weiß, aber nicht, was ich gedacht habe und noch denke. Ich glaube, diese Unterscheidung vor meinem Gewissen rechtfertigen zu können; meine Pflicht ist es, den Gang der Gerechtigkeit nicht zu hemmen, aber ebenso gut ist es mir Pflicht, ihn auch nicht zu beschleunigen, besonders in einem Fall, wo, nach allem, was ich weiß, auch ein Irrthum Ihrerseits nicht ausgeschlossen ist." Fräulein Simpkinson geht noch veiter." warf ich ein. Meine Braut handelt in dieser Sache nach ihrem eigenenErmessen, und wir müssen auch de? Verwirrung Rechnung tragen, welche Geschehnisse, wie die der letzten vierundzwanzig Stun den, im Gemüth eines jungen Mädchens hervorrufen. Sie ist noch nicht imstande, zusammenhängend zu denken oder zu sprechen." Erlauben Sie mir, darüber andrer Ansicht zu sein: Das Fräulein ist vollständig fähig, die Behörden durch ganz zusammenhängende falsche Angaben irre zu führen, und das hat die hiesige Polizei wohl bemerkt. Wenn Sie Erlcubniß haben, Sie wieder aufzusuchen, so ermähnen Sie die junge Dame, wohl auf ihrer Hut zu sein." Sie wollen damit doch nicht andeu ten, daß Fräulein Simpkinson Gefahr laufe, irgend welchen ernstlichen Widerwärtigkeiten mit der Polizei ausgesetzt zu sein?" Sie ist in lZefahr. mehr als Widerwärtigkeiten zu begegnen," fagte ich grimmig. Großer Gott! Das ist. um.wahnsinnig zu werden!" rief Austin Harvey. Der Himmel stehe uns bei was sollen wir denn beginnen? Nein, ich kann es nicht glauben, daß diese erbärmliche Sache Fräulein Simpkinson in irgend welcher Weise schädigen könnte ach, der Gedanke ist qualvoll! Ich versichere Sie bei Allem, was mir heilig ist, daß sie vollständig unschuldig ist." ' IS oestre'te daS nicht, aber sie macht sich unversehens zur Hehlerin der That, und Hehler sind nicht unschuldig." Armer Tropf! Bis jetzi hatte er sich leidlich ausrechi erhalten, aber dieVorstellung, daß seiner Herzliebsten ein Leid geschehen könnte, setzte ihm ofseu hat taxi ax
Wie soll sie sich, denn nach'JhrerAnsicht verhalten?" fragte.er. Gerade wie Sie!" versetzte ich kurz. Keine Unwahrheiten, keineHeimlichkeiten und offene Antwort auf Fragen, denen solche gebühren." Er drückte mir mit Wärme dieHand. Sie haben recht," sagte er ernst. ,Wi? müssen sie von ihrem jetzigenWeg abbringen. Ich werde sofort zu ihr gehen und ihr sagen, wie Sie denken. Ach was, ihre Unschuld muß sich ja herausstellen, und dazu sollen Sie uns helsen. Dies ist der Zweck meines Vesu ches. Ich bitte Sie, sich in meinem Interesse mit der Sache zu beschäftigen und die Polizei wohl im Auge zu behalten. Sie müssen ermitteln, wie viel die Herren wissen, und womöglich noch einiges Andere. Sie fetzen mlm in Kenntniß von allem, was sie ausfindig machen oder ausfindig gemacht zu haben glauben, und ich will nur hoffen, daß Ihre Entdeckungen meinen Verdacht Lügen strafen." Verstehe ich Sie recht, mein Herr Sie wollen mir den Fall berufsmäßig übertragen? Wenn dem so ist. muß ich meinen Vorgesetzten Mittheilung machen." Thun Sie da? sofort." Ich bin im Augenblick nicht frei, aber meine jetzige Aufgabe kann der erste beste ebensogut übernehmen. In einem Fall von solcher Wichtigkeit " ich verbeugte mich, ohne den Satz zu vollenden. Austin Harvey griff nach seinem Hut, den er etwas verlegen in der Hand drehte. Ich möchte Sie noch etwas fragen, eh? ich gehe," sagte er unsicher. Ich bin kein reicher Mann, und vielleicht wäre es besser, sich vorher über die " Bedingungen zu verständigen," fiel ich ihm rasch in's Wort, da ich diesen Punkt immer kurz erledigte. DasBureau wird Ihnen Prospekte schicken. Sie' werden die Preise sehr annehmbar sinden, ich zweifle gar nicht daran," damil becomplimentirte ich ihn zur Thüre hinaus. Er trat ruf den Vorplatz und ich folgte ihm. Langsam, wie ein Mensch, der ganz in seine Gedanken versunken ist, ging er die Treppe hinunter, während ich oben stehen blieb und ihm nachsah. Auf etnem Treppenabsatz hielt er zc-gernd inne und zog. wie eö mir schien, halb mechanisch ein weißes Taschentuch aus der Vrusttasche seines Rockes und fuhr sich sachte damit über die Augen. Mit dem Tuch hatte er einen grauen Briefumschlag aus der Rocktasche geschleudert, der nun mit leisem Raschelck zu Boden glitt. Ich, der ich ein Dutzend Stusen höher stand, hörte das Ge .räusch. das dem Geistlichen entgangen zu sein schien, denn er ging langsam weiter. Meine erste Regung war, ihm nachzurufen, ich unterdrückte sie aber herzhaft und hielt den Athem an. Ein. Brief! Wer weiß, was er enthalten' kann! Lauernd, wartend blieb ich auf meinem Posten. Harvey kehrte nicht um. Gierig waren meine Blicke auf das Stück grauen Papieres geheftet, ich liebäugelte damit, als ob ich es magnetisch an mich ziehen, es fremden Augen unsichtbar machen könnte wenn er
es aber nun vermißte? Wie deutlich es sich von dem rothen Treppenläufer abhob! Wenn irgendJemand die Treppe heraufkäme und dem Herrn nachriefe! Zum Beispiel einKellner! In einer Sekunde durchzuckten mich all' dise Gedanken! Daraü'f hinzustürzen wagte ich nicht, aus Furcht, er könnte sich nach der Ursache des Geräusches umsehen. )ku griff er mit der Hand nach der Brusttasche, und schon hielt ich mich für verloren, doch er hatte nur seinTaschentuch hinemgesteckt. Jetzt bog er in der Vorhalle um die Ecke, und im nämlichen Augenblick war ich schon unten, meine Hand zielte nach der Beute, wie ein Geier, der auf feinen Raub herniederstößt. Ich rannte hinauf in mein Zimmer und schloß mich ein; ich legte den BriefUmschlag auf den Tisch er war quadratisch, mit dem Poststempel Dover, und der Aufschrift an den Vikar Au-, stm Harvey im Hotel de la Paix in Paris. Ob der Umschlag leer war, oder ob noch ein Brief dann Deckte? Dem Anfühlen nach war das Coutert nicht leer; ich drehte es um, rnid' meine zitternden Finger berührten ein darin liegendes Briefblatt, dessen Inhalt das hatte bei mir von An-, fang an festgestanden mich auf die' richtige Spur bringen mußte. Ich zoK das Blatt heraus der Brief begann: Mein lieber Austin,": rasch warf ich einen Blick nach der Unterschrift auf der nächsten Seite; sir lautete Philipp." Kaum hatte ich Zeit gefunden, den. Inhalt zu überfliegen, als hastig und? ungestüm an meiner Thüre gepocht, wurde. Ich schleuderte den Brief m eine Schublade, verschloß sie, zog rasch! itn Rock aus, um damit einen Vor-' wand für meine verriegelte Zimmerihllre zu haben, und ging in Hemdär-' meln hin, um zu öffnen. Es war Harvey. Ehe ich mich recht besinnen konnte, hatte er mich in'sZimxner hineingedrängt und war selbst eingetreten. Sew Aussehen und Gebahren verriethen ungeheure Aufregung.. Ich habe hier soeben einenBrief aus der Tasche fallen lassen rief er, .ich muß ihn wiedr haben Wirklich?- sagte ich voll Gelassenheit. Ich uruß ihn wieder haben, sage ich Ihnen. Auf der Treppe muh er mir herausgefallen sein. Sie standen oben am Geländer, Sie müssen eS gesehen haben.Ich werde mich auch gar nicht mit Lügen befassen ja, ich sah eö Und Sie haben ihn aufgehoben?" .Allerdings." .Dann ist Alles out, unfe cun seien
Sie mir sofort ben Brief. VedaureSir
gestört zu haben. Das ist nun wieder ganz etwas anderes. Ich fürchte, ich kann Ihnen den lZrief nicht wiedergeben, Herr Harvey." ' Sie können mix den Brief nicht zurückgeben? Ja was soll denn das heißen? Weshalb nicht?" Well ich ihn aufheben muß, mein Herr." Unsinn, Sie haben kein Recht dazu. Diefer Brief ist vertraulich, und ihn zu behalten, ginge weit über Ihre Befugnisse hinaus. Ich habe den Brief noch nicht gelesen, aber so viel habe ich schon wahrgenommen, daß sein Inhalt von größter Wichtigkeit ist. Wenn ich in Ihrem Auftrag handeln soll, so muß ich ihn behalten, und wenn Sie Ihren Auftrag widerrufen, dann " Dann?" Muß ich ihn der Polizei ausliefern." In beiden Fällen weigern Sie sich demnach, ihn mir zurückzugeben?" 0 . U a Im nächsten Augenblick lagen wir Beide am Boden. Der Geistliche war auf mich losgefahren, hatte mich niedergeworfen, und ich hatte ihn imFall mit mir herabgerissen. Es war eine völlige Ueberrumpelung, und ich hatte mich bei seinem Stand und ganzen Wesen eines thätlichen Angriffs nicht versehen gehabt, aber der Mann war offenbar in Verzweiflung und wollte seinen Brief wieder haben, einerlei, ob in Gutem oder in Bösem. Ebenso war ich aber auch entschlossen, ihn zu behalten. Sie haben ihn in der Tasche," hörte ich in zwischen den Zähnen hervorstoßen. und wenn ich Sie erdrosseln müßte, ich will ihn haben." 1 So kollerten wir nun am Boden herum, und wo wir an ein Möbel stießen, gab es einen Höllenlärm, so daß ich in Todesangst war, die Kellner könnten herbeistürzen. Zum Glück lag mein Zimmer in einem Seitenflügel und dauerte der Kampf nur eine Mi nute. Des Geistlichen Kraft schien viel rascher verbraucht zu sein, als ich bei seinem athletischen Korperbau erwartet bätte, und nach dem ersten wilden Anprall fehlte es ihm an aller Ausdauer. Ich griff mit verdoppelter Ene gie an und hatte im Ru seine Hände von meiner Kehle losgemacht, und im nächsten Augenblick stand ich, noch athemlos. auf meinen Füßen und schob den Tisch zwischen unö. Das sind verfehlte Mittel," rief ich, nach Luft ringend. Geben Sie es auf, Sie bekommen den Brief nicht. In der nächsten Minute werden die Kellner hereinstürzen, machen Sie sich aus dem Staub, ehe es so weit ist." Er stand an der Thüre und kämpfte sichtlich mit einem Entschluß. Soll ich für Sie oder gegen Sie arbeiten?" fragte ich. Was ist Ihnen lieder?" Ich weiß es nicht," stotterte er. Warten Sie, bis ich Ihnen schreibe, unternehmen Sie nichts, ehe Sie Nachricht von mir haben." Damit erklärte ich mich einverstanden, und er ging. Kaum war er fort, als ein Kellner an der Thüre herumschnüffelte, klopfte und sehr wißbegierig die Nase herinstreckte. 'Ich hatte den Sofa an's Fenster gerückt, um besseres Licht zu haben," sagte ich, er steht aber doch besser am alten Platz." 10. Capitel. Nun setzte ich mich und legte das kostbare Schriftstück vor mir auf den Tisch, nicht ohne vorher meine Thüre wieder verriegelt zu haben, aus Furcht, der fKtaifche Pastor könnte sich einfallen lassen, noch einmal mit mir anzubinden. Dann las ich den Brief aufmerksam durch, und als ich damit zu Ende war, las ich ihn noch einmal. Kaum konnte ich fassen, daß ich ein solch' weittragendes Document von zweifelloser Echtheit in Händen hielt und daß ich nun im Besitz der Thatsachen war, die darin enthalten waren. De? Inhalt des merkwürdigen Schreibens war folgender: , t , Mein lieber Austin! ' ' 1 ! Ich bin in Verzweiflung und weiß nicht, was ich beginnen soll. Du mußt mir beistehen. Durch irgend einenMißgriff der Gepäckträger muß, als wir von Charing Eroß abfuhren, mein Koffer mit dem Fraulein Simpkinsons verwechselt worden sein. Du weißt, wir hatten ganz die nämlichen, und das Gepäck lag alles auf einem Haufen. .Austin sie darf meinenKoffer nicht aufmachen. Wenn sie eö .thut, so bin ich verloren. Ich habe Dir nach Southend telegraphirt, und man antwortete mir. Du seiest in Paris. WeZhalb? Was ist geschehen? Ihre Pariser Adresse kenne ich nicht. Um's Himmels willen, sorge, daß sie meinen Kosfer nicht anrührt. Schicke ihn mir zurück; -ich sende den ihrigen. Besorge dieSache sogleich; ich werde am bekannten Platz beim alten Wohren darauf warten. In höchster Spannug Dein Philipp. P. S. Schicke den Koffer umgehend zurück. Sie darf unter keinen Umständen hineinsehen. Stehe mir bei." (Fortsetzung solgt.) Protzig. Collecteur: .....Und dann möchte ich noch um einen kleinen Beitrag für das neu zu erbauende Waisenhaus bitten!Er: .Bedaure, dafür gebe ich ke nen Pfennig!" Sie (heimlich zu ihrem Manne): .Was red'st De? Unfereinö kann doch höchstens geben keine Doppellrone!" Fatal! .Donnerwetter, nun habe ich mein Lustspiel fertig und merke erst jetzt, daß zwei Paare zu viel und gerate die Unrechten beiratbenl'
Gin schrecklicher Tpu?.
Bis dem Bildstock an d?m KreuzwegSitzt ein Geist auf einem Stein, Uiro er fädelt Nachts beim Monoschein: Hastig eine Nadel ein. W:x ihn sah, der fragt mit Schaudern:' Wer mag dieser Sputgeist seii,. Und warum bei Nacht und Nebel Fädelt er die Nadel ein?!" . 's ist ein alter Junggeselle, Der hier spukt trotz Sturm und Wind:, Er muß seine Hosen flicken. Weil sie arg zerrissen sind! Darum bleib' kein Junggeselle, Heirath' lieber noch bei Zeit, Oder du mußt Hosen flicken Bis in alle Ewigkeit! Die Vartsteuer. Unter der Negierung Peter's des Großen wurden die Nüssen mit eine? Bartsteuer beglückt, welche reiche Er--träge brachte. Die Höhe der Steuer richtete sich nicht nach der Länge der Bärte, sondern nach der socialen (Stellung ihrer Träger. Beamte und Kaufleute zahlten 100 Rubel jährlich, gewöhnliche Bürger und Bojaren 60 Rubel, die Bewohner von Moskau 30 Rubel und die Bauern 20 Kopeken, i oft sie in die Stadt kamen. Wie jetzt bei der Hundesteuer üblich ist, so erhielt damals jeder Mann bei der Ve Zahlung seiner Vartsteuer eine kleine! Marke, die man stets bei sich tragen mußte, da die Zollwächter unerbittlich waren und Jeden, der seine Berechtigung, einen Bart zu tragen, nicht nach weisen konnte, sofort unter ihrc Schcere nahmen. Im Jahre 1728 gab Peter der Zweite den Bauern den Bart frei, während alle Anderen ih Steuer weiter zahlen, mußten. Wer nicht zahlen wollte, wurde manch mal. sogar zu Zwangarbeit verurtheilt Die Kaiserin Anna machte den Bartträgern das Leben noch saurer. Siemußten nicht nur die Bartsteuer zahlen sondern auch noch von allen and: ren staatlichen' Auflagen doppelt sc viel aufbringen, als ebenso Vermögendr Leute, die keinen Bart trugen. Diese drückende Last brachte die Bartbesttzer zur Verzweiflung; Viele wanderten lieber aus, als daß sie. sich rasiren ließen. Katharina die Zweite schaffte endlich die Steuer ab,, nachdem sie 60 Jahre lang mit äußerster Sttfm durchgeführt war. Die russische Re gierung bewahrte noch, heute denStempel auf, mit welchem die Marken her. gestellt wurden. Eiöbüren und Seeyundsjagd. Haben die Grönländer die Spur eines Eisbären im Schnee entdeckt, so werden die beiden vordersten der 10 bis 12 Hunde, die vor jeden Schlitten gespannt sind, abgeschirrt; diese verfol gen sofort eifrig die Spur, während die Schlitten schnell folgen. Je na her sie dem Bären kommen, um so mehr Hunde werden vom Gespann gelöst und auf die Bärenverfolgung losgelassen, so daß, wenn der im Schlitten befindliche Jäger mit zuletzt nur noch zwei Hunden Vorspann dem Bären auf Schußweite nahe kommt, dieser von einer großen Mente beschäftigt und in die Ecke einer großen Eisscholle ge drängt ist, wo ihn der Jäger mit der Büchse leicht erlegt. Um die im Frühling aus Eislöchern hervorkommenden und sich auf dem Eise sonnenden Seehunde zu erlegen, muß der Jäger ihnen den Wind abge winnen und sich ihnen bis auf Schußweite auf den Knieen kriechend nähern. Dabei schiebt er vor sich her einen ganz niedrigen Schlitten, auf dem ein großes, in einen Rahmen gespanntes Segel befestigt ist. Dieses Segel ist in der Umgebung von Eis und Schnee nicht zu bemerken und verbirgt den Jager vollständig dem scheuen Wild. Ist er nun bis auf Schußweite heran gekommen, was er durch ein kleines. m Segel befindliches Loch blickend erkennt, so muß er den Seehund so sicher m den Kopf treffen, daß daS Thier auf der Stelle verendet, denn bleibt ihm nach der Verwundung auch nur wenig Kraft, so stürzt es sich schleunigst durch eins der zahlreich vorhandenen Eislöcher in's Meer und der Jäger ist um seine Beute betrogen. Der zerstreute Professor. Ach, sieh da, lieber Freund, freut mich, Sie nach fo lange? Aüwesenheit wieder zu sehen was macht Ihre liebe Frau Gemahlin?- Ich bin unverheirathet, Herr Professor.Ach so richtig ich glaubte doch ganz bestimmt hm! aber was ich sagen wollte, wie lange sind Sie denn schon unverheirathet?" Eine Abbitte. Im Amtsblatt für den Bezirk Rottweil (Württemberg) gibt ein Reuiger seiner inneren Wandlung folgenden Ausdruck: Dietingen. Abbitte. Ich Unterzeichneter habe dem M. D. schlechter Tropf gesagt das ist wahr, und daß ich diesen Ausdruck zurücknehmen muß, thut mir leid. Johannes Maier, ges. Schultheißenamt Maier. Unüberlegt. Vureauches (zu seinem Beamten): Sie wollen wiversprechen? Von wem haben Sie denn Jchr ganzes Wissen, als von mir Sie Schfskopf!" Raffinirt. Warum läufst Du denn immer mit Deinem Momentappsrat umeinander?" Ganz einfach, weil dann alle schönen Mädel stehen bleiben und die wüsten vor mir i vQvon laufen! I Unter Cavalieren ! V!ensch.liebst Tu denn eigentlich Deine Braut? Dumme Frage, bei der lNitgift!
