Indiana Tribüne, Volume 17, Number 69, Indianapolis, Marion County, 26 November 1893 — Page 2

TaS Pfeilgift.

Ueber die Nirkvnq des Sseilaries der Wa Nvila, Wa stamba und Wa Qnria-a in O f i --2T c r ua to ria I-il f r i ! a haben neuerdin.-s Professor Fräser und Dr. Tillie in Eoinburg Versuch? cngeiieL't. Bisher war nur bekannt, daß jeneZ Gift dein deZ StrophantusSamen sehr ähnlich sei, jedoch aus deni Holje und den Wurzeln eines unbekannten Baumes hergestellt werde. Wie sich jetzt aus Blättern und Früchten ergeben hat, gehört er dem Genus Arokanthera an; die SpezieZ ivar mangels der Blüthen nicht zu bestimmen. Die genannten Forscher stellten aus dem Holze farblose, nadelsonnige KrystalK 'dar, welche sich bü-schel-und rosettenförmig gruppiren. Die Wirkung dieser krystallinischen Substanz auf Thiere ist dieselbe, wi: die des Vseilaiftes. nur vier Mal stärker, und tritt schon nach der suölutaren Injektion sehr geringer Mengen ein. Bei einem Kaninchen genügt ein zweihuncertftel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, um nach einer Grunzt den Tod herbeizuführen; Froschs beruhten einer etwas großeren 3;!i3 und erliegen gewöhnlich erst nach 3 bis 6 Stunden. Nach der Injektion vermindern sim Athmung und Herzscklaa sehr schnell und Willkürliche Bewegungen hören auf. Frösche sperren das Maul auf, machen Brechbewegungen und werden, wie auch Kaninchen, von Packungen befallen. Ist die Dosis des Giftes größer, oder 'seine Wirkung öesonoers kräftig, s? treten konvulsivische Bewegungen auf. Q5 der Tod durch Aufhören der Herz thätiakeit oder durch die Unmöglichkeit des Aihmens eintritt, ist schwer, zu entscheiden, denn meistens dauert zwar legeres noch eine Zeit lang nach dem Stillstehen des Herzens fort, bis'.oeilen aber tritt Scheintodt ein, trotzdem das Herz noch schlägt. Unmittelbar nach dem Tode sind die motorischen Nerven noch reizbar und verursscken uskel-Kontraktionen: sehr 'bald werden sie Muskeln jedoch starr. Wie Kontroloersuche ergaben, wirkt das Gift vorzugsweise auf die Herzthätlakeit hinoeind ein; die Abnahme der Athmun2 ist eine durch die Unterbrcchuni des Blutkreislaufes bedingte seku7.där Erscheinung, ebenso auch ta3 Aufhören der willkürlichen und ?Zcflexoewegunz:n. Die Zuckungen treten besonders in der Nähe der Injektionsstelle auf und werden durch Einwirkung des Giftes auf die Enden der motoiiscken Nerven hervorgerufen; übrigens kann man durch starke Dosen auch die seosorischen Nerven empfindlich machen. Künstliche A.hmünz erwies sich als nutzlos. 2c? Kalender d?r Vablonier. Dem Dr. Mahler in Wien ist es gelungen, mit Hilfe von Keilschrifttafeln aus der Zeit der Arsaciden den Kalender der alten Babrzlonier wieder herzustellen Ihr! Monatsnamen lauteten: Tisritu, Arah-i?ainna, K lim, Tebitu, Sübatti, Adaru. XU naniui, Airn, iinannu, J)uzu, Abu Ululu. Einige dieser Monate hatten 20, andere 30 Tage, jedoch nicht in a&n Jahren gleich viel, sondern ein Monat, der in einem Jahre 30 Tag: hatte, kennte im nächsten Jahre 0 Tage haben. Die Äabylonier hatten, wie die Griechen und die Juden. ein Mondjahr, während jetzt im übrigen das Sonnenjahr herrscht. Das c.erneine Mondjahr besteht aus zwölf vollen Mondumläufen, enthält also 354 oder 355 Tage. Damit cber kein: gar zu groß: Abweichung vom Sonnenjahr vorkäme, also Neujähr nicht etwa einmal in den Somrner, ein anderes Mal in den Winter siele, wurden zum Ausgleich hin 'und wieder Monat: eingeschaltet, und zwar gab es in solchen Schaltjahren entweder einen zweiten Adern oder einen zweiten Tebitu. Das Schaltjähr hatte 384 oder 383 Tag:. Die Babylonier hatten, gerade wie die Juden, einen neunzehnjährigen Sia lendercyklus, d. b. das erste Jahr stimmte wieder völlig mit dem zwanzigsten überein. dzs zweite Jahr mit dem 21. n. s. w. Dadurch ist auch eine Uebereinstimmung mit demSonncnjabr insofern erreicht, als ein babylonisches Datum, das in einem Jahre mit einen gewissen Datum des gregorianischen Kalenders zusammcntrifft. nach neunzehn Jahren wieder cuf dasftlb: gregorianische Datum fällt. In diesem neunzehnjähric.er. babylonischen Cyklus waren immer das 3., 6., 8., 11., 14., 16., und 19. Schaltjahr (mit dreizehn Monaten), während in dem ebenfalls neunzehnjährigen jüdischen Cyklus das I.. G., 8., 11., 14., 17., und 19., und in dem Cyklus der Griechen das 3.. 5., 8., 11., 13.. 16.. und 19. Jahr Schaltjahre waren. Aus dieser gröerenUebereinstimmung zwischen dem babylonischen und dem jüdischen Cykluö läßt sich ebenso, wie aus der Ähnlichkeit der Monatsnamen.schließen. daß die Juden ihren Kalender den alten Vabyloniern entlehnt haen. m m Sei den letzten Manövern in der Schweiz sieht ein englischer General erstaunt einem AppenzellerSchützen zu, der fortwährend Mannstreffer schießt. Na", sagt der General endlich, habt Ihr in ver Schweiz viele solche Schützen, mein Sohn?" Oeppe füfzgtusig, Herr General!" So, so! Was würdet Ihr aber machen. wenn ich mit hunderttausend Engländern Euch angreifen würde?" Gab (gleich) no' emol lade'!" Schwerenöther. Lieutenant: . . .Woran denken, jetzt gnädiges fträulcm?" An , etwas rechtÄngenehmes!" Kleine Schmeich lin!"

Sonst ttild jcl;t.

ine Panser laudkrei von fug v. Iagow. Wir haben z:va? auch in, Frankreich ein?, gewiß nicht von den grauen ausgegangene Frauenbewegung, von der in der alten guten Zeit nicht die Rede war. aber auch jetzt bestätigt sich der Erfahrungösatz. daß die Frau, der ihr von der Natur zugewiesenen Sonderaufgäbe bei der Erhaltung des Menschengeschlechts entsprechend, vorwiegend konservativ ist. Ich d:nke dabei deiivielsweise an das Verhalten der vorn':dmen Damen gegenüber den ..Nalliirten", wie man bekanntlich diejenigen Noyalisten oder Bonapartisten nennt, welche, mehr der Noth als dem eigenen Triebe gehorchend, zur Republik übergegangen sind. Sobald so ein Unglückliche? in einem Salon ersüeint.' in dem er früher verkehrte, stecken die Damen die Köpfe zusammen und weichen ihm aus. als sei er ein Gesvenst. Es fehlt nicht an boshaften Anspielungen auf seine Feigheit, und mag er auch in einer endlosen Rede auf das Klarste beweisen, daß er kühner ist als die Anhänger des Grafen ron Paris, die ihr Banner nur im Salon aufpflanzen, während der Wahlvorbereitung aber sorgfältig verbergen, daß er zur Erlangung einer republikanischen Gunst niemals bei republikanischen Ministern antlchambrirt bat. wie mancher anwesende Gesinnungstreue. es hilft ihm nichts. Die Damen bleiben bei ihrer Ansicht, was ja überhaupt für Eoas Geschlecht bezeichnend ist, sie verachten de? Pioutisten, wie sie ehedem den Orlcanistcn verachteten, weil er der weißen Fahn: abtrünnig geworden war. Aber wer weib. vielleicht hat dies: Hemmschuhthätigkeit des schönen Geschlechts auch ihr Gtes. zumal in Frankreich, wo es sonst wirklich zu viel Umwälzungen aeaeben hätte. Darum ist es auch kein Zufall, lai sich gerade die Französin soviel um die Politik kümmert, von der sie nichts versieht, sondern eine geschicbtliche Nothwendigkeit. Übrigens beschränkt sich ihr rückblickender, erhaltender Einfluß nicht auf die Politik. Wir leben zwar unter der Nepifolik, aber selbst die Nepublikanerinnen halten bei allen Förmlichkeiten und Bräuchen die uralte monarchische Ueberlieserurvi in Ehren, sie nur leicht modernisirend, weil es mal nicht anders geht. Nehmen wir bic HochePfeierlichkeiten als Beispiel. Im großen Zeitalter, wie die Franzosen das Jahrhundert nenn:.i, in dem sie unstraßbuxz raubten, galt es für vornehm, die kirchliche Einsegnung des Brautpaars um Mitternacht vorzunehmen, und zwar in der Schloßkapelle, nicht etwa in 'der dem profanen Volk geöffneten Kirchen. Es bedürfte dazu der schriftlichen Erlaubniß desErzbischofs, die nur selten ertheilt wurde und mit der man sich im Vollgefühl seine: Sonderstellunq brüstete. wie mit dem Vorrecht, als Neuvermählte am Tische der Frau v. Maintenon sitzen zu dürfen. In jener ?til empfing die junge Frau am Taae nach der Hochzeit auf einem Pazdebette liegend ihre Bekannten und selbst neugierige Freunde. Nach der Vorstellung bei Hofe wiederholte sich dieselbe Förmlichkeit, nur daß diesmal die Hofleute an dem Paradeöette vorüberzogen, auf dem die Freundinuza neben der ruhenoen Königin des Festes saßen, was oft ein liebenswürdiges, buntoewegtes Bild nach Walieauschem Geschmack abgegeben haben imr .Cvitf mrrrmt ,ä frrf pfl-inä irrY V kV47 VIVUV V hr5 cvt3 ?',r,"5 TÄf Trrf SUa mm. )iwvt;. lUjl tMy k'lwWlilV, die feierliche Handlung in der Schloßlapelle vorzunehmen, schon deshalb nicht mehr erhalten, weil der Adel zu arm geworden ist, um sich Schlösser zu bauen, und die Mehrzahl der alten in die Hände der Hochfinanz übergegangen ist, welche ihre Hochzeiten vorwiegend in der Synagoge feiert. Sckloß-Synagogen aber gibt's noch nicht. Mit dem Paradebett hat es auch so seine eigene Bewandtniß. Wir leben in einer zu nllchtern-praktischen Zeit. Früher war bei einer Hochzeit die Braut die Hauptsache, sie war gleichsam der in die Mitgift und in die Vr-Mutaeschente gefaßte Diamant. Heute verhält es sich umgekehrt: auf die Braut würde man oft gern verzichten, wenn man ohne sie ihre Mitgift erbielie. und so t,t es folgerichtig, daß nicht mehr sie, sondern ein großer Theil de? Schätze ausgestellt wird, die man ihr versankt. Aus dem Paradebette sind einige Sammetkissen geworden. auf dem 'der vielbeneioete Hochzeitskorb mit seinen Schmucksachen, dem Geschmeide aller Art, die begehrlichsten Blicke der am Tage der UnterZeichnung des Ehevertrages Geladenen anlockt. Das Paradebett hat sich ferner in einen riesigen Tisch verwandelt, auf dem vorn die Geschenke derer aufgestellt sind, deren Namen am folgenden Tage in der voi den Boulevards blättern veröffentlichten Geberliste glänzen werden, also natürlich die schönsten Geschenke. Dahinter, mehr oder weniger im Schatten, wird das untergebracht, was eine liebenswürdige Lraut der Freundin gegenüber, deren Cicerone sie abgab,als petiteS saletes" bezeichnete, ohne sich zu erinnern, daß sich deren Geschenk auch darunter be fand. Freilich, alle kostbaren Angebinde, beispielise Wagen und Pferde oder gar Häuser und Liegenschaften oder auch nur eine Orgel, ein Flügel, finden im Salon nicht Raum. Aber man hat sie photozraphiren oder gar malen lassen, sodaß dem Besucher nichts entgeht. Vom Tafelgeräth werden Proben ausgestellt, die den Eindruck eines Puppenheims erwecken. Nicb! minder zu verachten sind gewisse lcse Blätter, deren nähere Prüfung ergibt, daß es sich um einen Von zum Ankauf der, Möbel für den Salon oder daZ Schlafzimmer handelt. Aus einem ZZortemonnaie ragt ein Zettel

chen hervor, auf dem die Summe ver zeichnet steht, welch: ein naher Ver wandte? spendet. Auch di: Noöen. die Hüte. so?ar die seine Wäsche verbergen sich den Augen der selten im Interesse der Braut sich freuenden, um so öfter neidischen, boshaft urtheilenden Gäste nicht. Wer wollte es letzteren übrigens verargen, daß sie 5!ritik üben? Fordert man eine solch: durch daZ Prunken mit seinem Reichthum, auf den jeder aus dem Ausgestellten mit einiger Sicherheit schließen kann, und durch die unzarte Schaustellung des sen, was zum intimsten Besitz der so entwürdigten und wie eine käufliche Waare abgeschätzten Braut gehört, nicht geradezu heraus? Da waren die Bäter, welche ihre Töchter im Paradebett ausstellten, fast noch feinfühliger. Aber die Damen selber wollen es ja so, sie wollen ja heute vor allem durch den Schneider und Juwelier glänzen; die Ueberlieferung des Prunkens haben sie sorgfältig bewabrt, und nur die Art, in der es geschieht, vergröbert. Ich frag: mich wirklich, ob nicht auch die Frauen einen guten Theil der Schuld an dem allgemein beklagten Niedergang des Theaters tragen, und zwar sowohl di: Schauspielerin wie die Zuschauerin. Sonst gab es Truppen" in de Pariser Theatern, d. h. ein vorzügliches Zusammenspiel, heute findet man dies nur noch in der Comedie Francaife, und auch da geht es in die Brüche, sodaß der jetzige Leiter, Herr Claretie, zurücktreten muß. Warum? Die Frage läßt sich mit drei Worten beantworten: Bei seinem Amtsantritt hatte er es versäumt, sein übermüthiges Völkchen mit eiserner Hand zu regieren. Jetzt, wo er zu spat! seinen Fehler wieder gut machen will, empört es sich, in erster Linie die Schauspielerin. Das Unwesen der Theatersterne herrscht in Frankreich nicht annähernd so lange wie in Englan'd oder Deutschland. Man hatte zwar große Darsteller wie Talma und Frederic Lemaitre oder, wie die Mars, Torval und Rach:l, aber sie spielten immer in einem ihrer würdizen Rahmen, sie suchten auch nicht in unkünstlerischer Weise uus demselben herauszutreten, sie kniffen der Mitlviclerin nicht, wie die eifersüchtige Sarah Bernhardt, in den Arm, um ihr 'die Hauptwirkung zu verderben. Das Zeichen zur Fahnenflucht, zum Zerreißen des Truppenveröandes, der allein die künstlerische Wiedergabe eines Werk.'s ermöglicht, gab natürlich wieder eine Schauspielerin, die eben genannte Sarah, wie man sie kurzweg nennt. Coquelin folgte nur dem weiblichen Beispiel, und kürzlich war es wieder eine Schauspielerin,welch: meuterte: Fräulein Reichem'berg. Und warum empörte sich diese 50jährigc Naive? Weil man ihr eine Backfischrolle genommen und einer 40- oder 30jährig:n gegeben hatte. Uebrigens hat unsere bejahrte Liebhab:rin ganz Recht: es kommt heute nicht mehr darauf an, wie man spielt, sondern nur noch darauf, wie man sich kleidet. Und warum sollte man nicht mit 50 Jahren noch einen guten Schneider sinken und di: in allen Blättern geschilderte Toilctte geschmackvoll auf den Brettern umherführen können? Wer anders aber als die Zuschauerin ist an dieser Unsitte schulo? Die Spannung, die eine: Erstaufführung vorangeht, gilt nur noch der Toilette; das Stück spielt keine Rolle. . Welche Rob oder vielmehr, welche Roben wird Fräulein Bariel im folgenden Akte tragen? Das ist die Hauptfrage. Und wenn sie dann auftritt, strecken all: Damen wieder, wie im Salon Heim Eintritt der Ralliirten, die Köps: zusammen und ein Geflüster geht durch' den Saal, daß man von den Worten des. Dichters nicht eine Sterbenssilbe vernimmt. Die Frage: Wie wirst du dich kleiden!" hat für die Darstellerin mithin eine Art von künstlerischer Bedeutung gewonnen, sodaß Die andere: Wie faßt du deine Rolle auf," daneben fast verschwindet. Natürlich verfahren die Bühnenstück-Fabrikanten in derselben Weise. Nicht nur, daß sie, wie der Schneider, dem sich die Schauspielerin unterordnet, dieser Rollen auf den Leib schreiben, sie machen auch aus deren Toilette einen wesentlichen Bestandtheil ihrer eigenen Kunstleistung, sie sehen in ihr den mächtigsten Bundesaenossen. Sardou verbannt bei den Proben unbarmherzig alle Toiletten, welche dem Farbenton der Zlmmereinrichtung nicht cntspreien, ohne sich darum zu bekümmern, ob der Darstellerin daraus ungeheure Unkosten entstehen, und ob die llnmöglichkeit, unter solchen Umständen von der Gag: leben zu können. Un7lttlichkeiten föroert, welche die Seele der Künstlerin vergiften und sie ihren 'dealen Aufgaben entfremden muß. D,"artige Unkosten sind übrigens um so iusiger zu tragen. als nicht nur d.'i untergeordnete Dichter vom Schlag Sardous. sondern auch der Theaieroirektor seine Zwinghe:.'schaft ausübt, und zwar zu Gunsten der von ihnen bevorzugten Darstellerin. Wehe den übrigen, wenn ihre Toilette der des Lieblings gleicht! Und so hängt eins mit dem andern zusammen, der Luxus der Costüme mit dem der Gesammtausstattun, die Bevorzugung einiger routinirren Sardous mit ber völligen Ausschließung eines namenlosen Dichters, für den man keine kostspielige Jnscenirunz wagt. Geschäftsfertigkeit und Zopf, wohin man blickt, und gewiß nicht am wenigsten im Konservatorium, wo man von StaatSwegen die Uebcrlieferung 'pflegt und wo darum eigentlich eine Directorin .statt eincS Directors angezeigt wäre. Freilich was man so Ueberlieferuna. nennt. Um die Art, wie dieser od:r jener' klassische Dichter sein Werk deutete, darum, kümmert man sich herzlich wenig, desto mehr um das sogenannte klassische Spiel" be rühmter Sclausvieler jener Zeit. Auch

das deutsch: Theater kennt ja derglcichen. fcch erinnere mich im Augenblick nicht, welcher deutsche Schauspieler als Wurm in Kabale und Liebe das bc rühmte Spiel mit der Uhr erfand; jedenfalls machte er Schule. Aber im Pariser Conserootorium werden derartige Ueöcrlieserungcn von oft zweifelhastem Werth in größter Zahl heilig gehalten. Kein aus dem Conscrvatorium hervorgehender Schauspiele? würoe es beispielsweise wagen, Molieres Geizigen anders als mit dem bekannten fadenscheinigen Taschentuch darzustellen. Es ist obligat, wiewohl vom Dichter nicht vorgeschrieben; der Franzose mag es nicht entbehren, währen'o er über Desdemonas Taschentuch lacht. Freilich thäte ich besser, statt der Franzose" die Französin" zu saaen. denn sie trug di: Hauptschuld an dem Mißerfolg der ersten Pariser Othello-Aufsührung. ganz so wie an dem des Tannhäuser. Es handelte sich eben in beiden Fallen um etwas neues, währeno heute, wo man Wagner bewundern muß, selbst wenn man für die Kunst nicht das geringste Intercsse hat, di: französische Damenwelt an der Spitze de? Lohengrin- und Wallüren-Berehrung marschirt. ):zndceli;lder.

Arthur Argiewicz heiß! ein neunjährige: Violinist, der zuerst in der Philharmonie zu Berlin durch die stupend sichere Behandlung seines Instcunicnts alle Welt in Staunen gesetzt hat. Man stellt ihn weit üfer den Wunderknaben des vorigen Iahres, Raoul Koszalsky. Der Stern dieses kleinen Künstlers ging gerade auf in dem Moment, da der echte Typus eines musikalischen Wunderkindes. Maurice Dengremont, in Ouencs Anrcs. 27 Jahre alt. völlig verblödet, gestorben ist. Auf keinem Gebiet sind die Wunderkinder häufials auf dem der reproduktiven Musik, Beweis genug, daß dieses Talent das Lirtuosentalent zu den untergeordnetsten gehört, die es giebt. Nur wenig frühreife Musiker bringen es zu echten künstlerischen Leistungen, wie Mcyerbecr, der mit 6 Jahren schon Concerte gab, wie Händel, der mit 13 Jahren eine Messe componirte, wie Weber, der im selben Alter schon eine Oper aufführen lassen konnte, oder gar wie. Mozart, de: mit 4 Iahren ein Pianist war, der sich hören lassen konnte. Unter den Malern sind die Wunderkinder seltener. Claude Vernet zeichnete als ejähriger Bursche ausgezeichnet, Rafael war nur ein Jahr älter, als er zu malen begann. Noch seltener sind die frühreifen Dichter: von Dante besitzt man ein Sonnet aus seinem 9. Jahr, von Tasso aus seinem 10., Calderon begann mit 13 Jahren zu schreiben, Viktor Hugo wurde mit 14 Jahren als Dichter gekrönt, Byron schrieb seine ersten Gedichte mit 10 Jahren. Am spätesten entwickeln sich bei den den Menschen die abstrocten Fähigleiten. Darum sind die Wissenschaftlichen Wunderkinder die wunderbarsten. Zu ihnen zäblt de? Mathematiker und Epigrammatiker Kästner, der mit 13 Jahren Professor der Mathemati! war. Karl Witte aus Halle. der Dante - Uebersktzer, der mit 10 fahren die Universität bezog und Mathematik. Jura, Philologie. Naturwissenschasten ' u. s. w. studirte. Pascal, der mit 12 Jahren Euklids Elemente selbständig entdeckte. Mirabeau, der mit 11 Jahren ein Buch schrieb. Das wunderbarste aller Wunderkinder aber ist ein kleiner Chinese, der nm Alter von vier Iahren das letzte de? vielen Staatsexamina bestanden hat und damit in den höchsten Rang der Mandarine eingetreten ist. Sprüche für die deutschet Osus franen. Sei mit dem Deinen Allzeit im Reinen. Erwerben und sparen zugleich Macht am gewissesten reich. Häuslichkeit, in deines Glückes Frieden Liegt allein der Menschheit großes Loos. Wenig Schein doch alles rein. Halte sauber Hand und Mund, Rein sei auch deS Herzens Grund. Häuslicher Sinn Bringt vielen Gewinn. Rein di: Rede, rein der Sinn Ordnung draußen, Ordnung drin. Das ist meiner Wünsche Ziel, Nicht zu wenig, nicht zu viel. Blitzblank des Spindes Holz, Das Linnen blüthenrein. Da2 soll der Hausfrau Stolz Der Hausfrau Freude sein. Sie wird ihn heilen. Junge Amerikanerin: Ich habe in meinem Leben keinen solchen Mann gesehen! Sobald er Geld hat, wirft er es mit vollen Händen weg ! Ein Herr: Und fürchten Sie sich nicht, einen solchen Mann zu heirathen? Die Dame : O bewahre! Wenn ei mich erst hat, werde ich schon dafür sorgen, daß er kein Geld mehr haben wird. Enfant terriöle. Ein Pfand, mein gnädiges' Fräulein ! Aber ich habe nichts, was ich weggeben könnte ! Der kleine Hans : Ella,' nimm doch einen Deiner beiden Zöpfe, die legst Du jeden Abend ja imm fort!

Hautpflege im Winter.

Ein: hygienische Bet rächt u n g. ?on Ix. I Kafta?.. Unser körperliches Wohlbehagen ist in erster Linie von dem Vorhandensein einer bestimmten, gleichmäßigen Körperwärme abhängig. Jedwede Abänderung, jedwede Schwankung dieser .Körperwärme empfinden wir sofort als etwas recht Unangenehmes, und Erhöhung oder Erniedrigung unserer Temperatur gilt als ein untrügliches Anzeichen dafür, daß irgendwo in dem Getriebe unseres Organismus etwas in Unordnung gerathen sei. Um nun diese Körpertemperatur dauernd auf der gleichen Höhe zu erhalten, dazu sind in unserem Organismus eine ganze Anzahl von Vorrichtungen eingeschaltet. Es ist hier nicht der geeignete Ort, um eingehend die Wärmeregulirungsvorgänge im Einzelnen zu erörtern ; vielmehr genügt es für unseren heutigen Zweck, darauf hinzuweisen, daß einen der wichtigsten Wärmeregulatoren in unserem Organismus die oberste Schicht des Hauptgewcbes, die gcfühl- und ncrvcnlose Oberhaupt, die Epidermis oder Cutis bildet. Sie ist vermöge ihrer Zusammensetzung aus vielfachen übereinander geschichteten Lagen von abgeplatteten Hornhautepithelien ci7 schlcchter Wärmeleiter ; sie verhindert also einerseits eine übermäßige Wärmeabgäbe an die kältere Außenluft, und sie verwehrt andererseits wiederum eine zu intensive Uebernahme von Wärme aus der Umgebung. Das ist gewissermaßen eine passive Rolle, welche die Haut bei der Regulirunz der Körperwärme zu spielen berufen ist. Nun münden aber noch zahllose Ausgangs kanälchen der Schweiß- und Talgdrüsen in die Oberhautfläche ein ; die mit Flüssigkeiten angefüllten kleinen Ninnsälchen ergießen ihren Inhalt über die freie Hautoberfläche, woselbst sie verdunsten. Dieser physikalische Vorgang spielt sich ununterbrochen auf unserer Haut ab ; im Sommer rascher, entschicdener, dagegen im Winter langsamer, träger. Eine einfache Vetrachtung genügt, um den Zusammenhang dieser Erscheinungen zu begreifen. Die in den heißen Sommermonaten in erhöhtem Maße vor sich gehende Ausscheidung von Wasser und gelösten Fettsäuren bewirkt eben eine raschere Verdunstung an der Hautoöerfläche. die obersten Epithelschichten der Haut quillen etwas mehr auf, die Haut wird dadurch geschmeidiger. Indem sich aber diese obersten Hornhautschichten fortaesetzt abschülfern und erneuern, werde, dadurch zugleich auch allerhand Unreinlichkeiten, welche diesen Schich ten anhaften, fortgeschafft. Diesen Theil der Hauptpflege besorgt aber vie Natur selbst, sobald sich, wie im Sommer, die geeigneten Vorbedingungen dazu finden. Von einem aktiven Stoffwechsel kann ja bei der gefäß- und nervenlosen Hornschicht der Oberhaut naturgemäß nicht die Rede sein, wohl aber von einem durch sie vermittelten Transport qewisser Auswurfsstoffe von theils roässriger, theils fettiger Beschaffenhcit. Indem aber dieser Durchgangsverkehr während des Sommers lebhafter vor sich geht, als während des Winters wir werden die physikalischen und physiologischen Ursachen dieser Verkehrsverminderung noch ein wenig näher in'S Auge zu fassen haben bekommt die Oberhaut die Nachwirkungen des lebhafteren StoffWechsels innerhalb unseres Organismus während der Sommermonate entschicdener zu erfahren. Die verbrauchten, abgenutzten Hornhautplättchcn werden rascher beseitigt, und auf diese Weise wird manches von außen her angehaftete Schmutztheilchen oder manches Talgpfröpfchen rascher fortgeschaM, das eine Talgdrüsenmündung verstopft hatte. Im Sommer besorgt also unser Organismus in Verbindung mit den allgeis.einen physikalischen VerHältnissen in der Luft zu einem guten Theile d?.s Hautreinigungsgeschäft selbst, wenigstens erleichtert er dasselbe nicht unwesentlich. Hielte man nicht des allgemeinen Behagens wegen eine entschiedenere Pflege der Haut in der Sommerzeit für erforderlich, aus rein hygienischen Gründen braucht: man der Hauptpflege in jener Jahreszeit nicht soviel Sorgfalt zuzuwenden, als im Winter. Das klingt freilich im ersten Augenblick recht befremdlich ; allein es ist "trokdem richtig : Hauptpflege ' ist im Winter ungleich nothwendiger, durch die Anforderungen der Gesund heitspflege im Allgemeinen ungleich entschiedener geboten, als im Sommer. Wir haben schon angeführt, daß di'. physikalische Eigenschaft de? aus unregclmäßig übereinander geschichteten Horncpithel-Zellen bestehenden Oberhaut, nämlich ein schlechter Wärmeleiter zu sein, sehr viel dazu beiträgt, die Eiaenwärme unseres Organismus stetZ aüf gleicher Höhe zu erhalten, unbeschadet der Temperaturverschiedenheiten in der uns umgebenden Luft. Beiläufig sei bemerkt, daß der Unterschied zwischen den sogenannten Warmblütern und Kaltblütern eben darin besteht, daß jene eine von der Umgebung unabh'angige, diese dagegen eine von ihr ab hängige Blut- oder Körperwärme haben. Was folg! nun aus jener physi kalischen Eigenschaft der Oberhaut für den Wirthschaftsbetrieb unseres Gesammtorganismus ? Wie sich diese Wärmeökonomie im Sommer äußert, haben wir bereits gesehen. Die reichliche Wasserausscheidung veranlaßt eine stärkere Verdunstung von der Haut oberfläche ; hierdurch wird mittelbar eine Abkühlung hervorgerufen. Außerdem .richten wir unsere - Kleidung und unsere Ernährung während des Sommers dieser Wärmebildung in un.

serem Organismus und de: Wärmeabgäbe entsprechend ein. Genau so verfahren wir auch im Winter. Wir benutzen die genannte physikalische Eigenheit, um eine starke Herabminderung der Körperwärme zu verhindern. Die kalte Luft vermag den schlechtleitenden Hornfilz der Oberhaut nicht so rasch zu durchdringen. Aber wir erhöhen die Widerstandsfähigkeit dieser von Natur aus schlecht leitenoen Wärmeschicht noch beträchtlich dadurch, daß wir uns in dicke Kleider hüllen, die ja bekanntlich allesammt aus schlecht wärmeleitenden Stoffen bestehen. Auf diese Weise suchen wir die natürliche Wärmewirthschaft in unserem Körper so sparsam und zweckmäßig wie nur irgend möglich einzurichten. Wir bewirken, immer unter Berücksichtigung jener physikalischen Eigenschaft de: eigenen Haut und durch die künstliche Verstärkung dieser Eigenschaft, zweierlei; wir verhindern ein zu starkes Abströmen der Körperwärme nach außen hin und wir verwehren der kalten Außenluft den Zugang zu der 5iorPeroberfläche, indem wir diese noch be sonders durch eine neue ausgi?a.te schlecht Wärme leitende Schicht schützen. Aber wir thun dieS auf .kosten dieser .unserer Oberhaut. Sie wird im Winter trocken, rissig, rauh, sie verliert ein gut Theil ihrer Geschmeidigkeit. sie nimmt eine häßliche Färbuna an. Für empfindliche Nasen entwickelt überdies die Winterhaut, wenn man so sagen darf, einen recht unangenehmen, süßlich-widerlichenGc-ruch. Das kommt von den Ausscheidunasstoffen der Schweiß- und Talgdrüsen her. Die Massen bleiben an den' Ausmündunasstellen dcr?chweiß-

und Taladrüsenkanälchen kleben, sie! verstopfen sich nach und nach, und all-! mälig geräth jener ganze Durch-1 gangsverkehr zwischen den genannten Drüsenaussuhrwegen und der Kör-! Peroberfläche nach der Umgebung in's.' Stocken. Nun kann es aber nicht dem mindesten Zweifel unterworfen sein,! daß solch eine Behinderung in bcr Abfuhr derjenigen Stoffwechselvro-' dukte. welche für die regelmäßige Thätiakeit unseres Organismus werthlos ' geworden sind, eine schädigende RückWirkung auf den gesammten Wirthschaftsvetried unseres Körpers yaven müsse. Es ist daher unbedingt erforderlich, diesen Durchgangsverkehr durch die zahllosen Wegekanälchen der Oberhaut nach Möglichkeit freizuhalten. Dies geschieht aber am zweckmäßigsten durch regelmäßig in bestimmten Zeitabständen vorgenommene Waschungen deZ ganzen Körpers und durch Bäder. Hierbei handelt es sich nun keinesweas, wie im Voraus bemerkt werden soll, um Bäder und Waschungen, die zu einem bestimmten Heilzweck ange-. ordnet werden, sondern lediglich um solche, welche die Reinerhaltung der Haut fördern sollen. Man kann, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, ganz getrost behaupten. ' daß bei uns namentlich in den Wintermonaten ine wahrhaft volksthümliche Wasserscheu herrsche. Selbst in den Wohnungen, welche sich der preis-! lichen Einrichtung eines Badezimmersoder einer sonstigen Badegelegenheit erfreuen, wird davon zur Winterszeit ein Viel zu sparsamer Gebrauch gemacht. Die Furcht vor Erkältung.! eine ohne Unterschied der Parteien', und der 5vnfessionen, in den mei-' sten Länder.! allgemein verbreitete krankhafte Vorstellung, trägt die! Schuld an diejer ernacyiajiizung oer Hautpflege, die ganz besonders nothwendia für die Erhaltung unserer Gesundheit, für unser allgemeines Wohlbefinden und Lebaaen aerade in den kälteren Monaten ist. Man muß e-. sich aber nicht verdrießen lassen, im--mer wieder gegen diese übertriebene Nationalfurcht vor Erkältung anzukämvfen, um sie endlich durch eine vernünftiq: Hygiene oder wenn man lie-Z öer will, 'durch eine hygienische Vernunft zu überwinden. Ein gesunder' Mensch, der bei den von uns empsohlenen Waschungen oder Bädern vorsichtig verfährt, erkältet sich dabei ' ' . . . r v !1 überhaupt nicht, ascyungen mn lauwarmem Wasser, das heißt mit Wasser von 60 bis' 70 Grad, eben solche Bäder werden von den allermeisten ganz vortrefflich vertragen und ?ftri KnJienilcke Wirkuna in vollZ kommenem Maße. Schwächliche Naturen, Vleichsüchtiae oder Blutarme müssen freilich wärmeres Wasser für iore regelmäßiges Körperwaschungen oder Bäder benutzen. Auch besonders leicht erregbaren Menschen sind solch: kalte Waschungen oder kalte Bäder nicht zu empfehlen. Wer seiner Haut einer im hyziernschen Sinne vernünftige Pflege während des Winters angedeihen lassen will, der nehme zum Mindesten zwei Mal wöchentlich solche allgemeine Waschungen mit lauwarmem Wasser vor oder benutze, wenn es irgend sein kann, ebenso oft die Badewanne. Der günstige Erfola wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Rückwirkung solch einer folgerecht angewendeten Hautpflege auf unseren ganzen Organismus. auf unser Allgemeinbefinden wird nicht ausbleiben. Freilich ist eim unerläßliche Bedingung, daß man diese Reinigungen oder, wenn es bes. ser klingt, diese Hautpflege-Waschun-gen oder Bäder regelmäßig, also in bestimmt abqemessenen Zeitabstanden nehme. Zweimal in der Woche ist un seres Dafürhaltens vollauf genügend, um den von uns betretenen gesundheitspflegerischen Zweck zu erreichen. Monolog im H erbst e. Herrjott, die Luft is feucht, det Pflaster is feucht. Alles . is feucht! Und da soll ick alleene trocken bleiben! Nee, das thun mir nich! Also 'rin in die Kneipe, ! Aujust!

Pessimismus eine Krankheit.

Die englischen Psychiater haben sich in der letzten Zeit mit dem Studium des Pessimismus befaßt und sind danach über die Ursachen dieser jetzt so allgemeinen, von den größten Geistern getheilten Weltanschauung zu sehr verschiedenen Resultaten gelangt. Besondere Beachtung wird wohl die Ansicht des Dr. Magelhaes finden, der nach der Analyse des Wesens der größten und bekanntesten Pessimisten der Neuzeit schlankweg den Satz aufstellt, daß der Pessimismus eigentlich eine Geisteskrankheit sei. Zu dieser Ansicht hat den Engländer die genaue Beobachtung von Leopard!, SchopenHauer, Flaubert, Baudelaire, Amiel und Byron, der wahrhaften Apostel des Pessimismus, wie auch der Earlyle, Swift, Tolstoi, Doktor Sevancour, Shelley, die sozusagen die poetischen Amateurs der pessimistischen Philosophenschule sind, geführt. Genau schildert er die bekannten Aeußerungen des pessimistischen Geistes als Symptome einer Geisteskrankheit.aus denen sich leicht als Eonsequenz das paradoxe Wesen solcher A!enschen erklären läßt. Die Hauptsymptome dieser nervösen KranZheit erblickt er in einem übergroßen Schwanken des seelischen . Gleichgewichts, in einer i'.öergroßcn Empfindlichkeit gegen äußere Eindrücke, in einem unoermittelten Aufeinanderfolgen von höh:? Erregöarit und tiefer Abspannung. Besonders die groß: Ueöerempsindlichteit ist es, die dem Pessimisten Leiden verursacht, vorhanden: Leiden noch steigert unÄ zu einem vollständigen Zwiespalt aller Gesühl: un) Gedanken führt. Dieser Z.-vi:sralt :rklärt leicht das wechselnde uno widerspruchsvolle Vertheidigen der verschiedensten Paradoxen, zu deren Vorkämpfer sich der Kranke auswirft. Der Pessimist empfindet dia Entbehrung schmerzlicher als jeder Andere; das Gefühl, das Ersehnte erlangt zu haben, bietet ihm aber kein Aequioalent für das vorangegangene Leio der Entbehrung. Früher unbefriedigt, ist er jetzt leicht übersättigt, und so ist er unfähig, zu genießen, was er hat. Doktor Magelhaes spricht sodann von dem raschen Wechsel zwischen Jähzorn und tiefster Apathie, von Hochmuth und Eitelkeit zur Demuth und SelbstVerachtung und fährt fort: Seine leichte Empfänglichkeit- für äußere Eindrücke verleiht auch seinen eigenen Vorstellungen eine unglaubliche phantastische Lebendigkeit. Seine Ideen sind extravagant, zwischen seinem Ideal und der Wirklichkeit spannt sich ein Abgrund,und da er nie im Stande ist, dasselbe zu verwirklichen, nimmt jedes Ding bei ihm die dunkle Farbe an. Er beginnt zu mißtrauen, erst Anderen, dann sich selbst, seinen Ge fühlen, seinen Gedanken, feinen Beobachtungen; und dieser Fluch des Mißtrauens verfolgt ihn dann überall bin, wird zu Verdacht, Furcht,Aengstlichkeit und führt ihn zur Vereinsmung. zur vollständigen Entfremdung von seinen Freunden, zum Menschenhaß. Nichts vermag ihn mehr aus die Dauer zu fesseln, seine Willens- und Handlungsfähigkeit erlahmt .und er sucht die Unthätigkeit und Träumerei, bis er entweder zum Aufgeben seiner selbst oder zur poetischen oder religiösen Schwärmerei des Wahnsinns gelangt. So der Engländer, der also 'die Schule Lombroso noch übertrumpft und die Genies nur so mit vollen Händen dem Wahnsinn in den Rachen wirft. Der Ursprung des Kusses. Daß der Kuß als Liebesäußerung eine verhältnißmäßig neue Erfindung" ist, hat man längst festgestellt. Weder Homer noch Hesiod kennen den Kuß in unserm Sinne. Hektor küßt seine Andromache nicht, .als er sich ewig von ihr wenden will," Paris seine Helena nicht; Odysseus, der Viel gereiste und Vielgeliebte, hat weder bei der schönen Atlantide Kalypso. noch bei der Zauberin Circe den Kuß gelernt, und bei seiner Heimkehr begrüßt er die Gattin Penelope nur mit einer Umarmung ohne Kuß. Das Sanskrit und die Hieroglyphen haben keine Bezeichnung für den Kuß. Daß bei den Japanern der Kuß noch nicht üb lich ist. ist bekannt. Woher nun rührt die Mode des Küssens? esaere Lom. broso. der berühmte Turiner Physiologe, sagt: von den Feuerländern, und bei diesen war es weiter nichts als eine Art mütterlicher Sorgfalt für die junge Brüt. Die Feuerländer kennen nicht den Gebrauch von Trinkgefäßen, sie legen sich zu dem Quell nieder und verschaffen sich den erfrischenden Trank, wenn sie ihn nicht direct mit den Lippen erreichen können, vermittclst eines hohlen Halms, eines Rohrs, durch das sie das Wasser aufsaugen. Bei dieser Methode. Wasser zu schöpfen, müßten aber die kleinen Feuer länder, die noch im hilflosesten Kin desalter sind, verdursten. Also nch men die feuerländischen Mütter das Wasser in den Mund, und indem sie ihn auf das Mündchen ihrer Pfleglinge pressen, flößen sie ihnen den Trank ein. Das ist ganz das Verfahren der Vögel, die ihren Kleinen in die aufgesperrten Schnäbel das Wasser gießen, das sie selbst mit ihren Schnäbeln aufgeschöpft haben. Aus diesem mütterlichen Mund an Mund" hat sich die Uebung des Küssen ent wickelt, die also eigentlich, nach Lombroso, ein Atavismus ist, eine Erinne rung an jene Urzeit de? menschlichen Entwickelung, da noch nicht daS Weib über die Mutter, die Liebe über- die Mutterschaft triumphirt hatte." . Präsident Cleveland er hält im Durchschnitt täglich SCO Briefe-