Indiana Tribüne, Volume 17, Number 62, Indianapolis, Marion County, 19 November 1893 — Page 2

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5 3äflctt.fftTtIanöc. Eosta-Ric ist fön bet Natur so reich gesegnet, daß ein Gesunde? dort niemals daran Linien wird, zu betteln; denn was er Mensch zuru tägli chm Unterbaltt gebraucht, wächst ihm jahraus iahreh: vor der Thüre. Ein Haus b?.iucht er kaum, eigentlich nur ein Dach, das ihn vor der Sonne und dem Siegen schützt, und dazu sind ihm Holz und Palniblätter stets zur Hand. Als Kleidung Genügt dem Bewohner der dünnst? Stoff, denn die Durchschnittswärine ist Tag und Nacht 70 Grad. Obwohl Holz umsonst zil hab:n ist. wird nur weniz czekocht, loeil" fcnrme Speiscn dem Menschen in den foifcn Gebenden kein Bedürfnis; sind. Statt der Betten geniiat die Häng? matte; wer kein: solch: dat. findet auf bei Vegetation des Bodens ein w?ich:s Säger. Und doch o'izb cS dort Bettler und zwar dii.vi solch: v?n ganz eigenthümlicher Art. Nicht feilen, so erzählt ein Forschnngsreisener, kann man fror den Wschniingen b:tt:lnde Manner vi Vuerbe s;a!Lm sehen, welch: die Gabn, die ihr.cn gereicht werden, in ein arc:3 Lnitelförmigc, zu beiden Seiten über die Kruppe des Pferdes tiesuntcrhänzendes Netz stecken. Den ersten Diese? derittenrn Bettler 7ahen wir gleich nach unserer Ankunft in San Jose. Als wir uns ihn näher betrachteten, bemerkten wir auf der Brust des Mannes an einem Bande ein handaroszes Messtngschikd, auf bem geschrieben' stand: ...Erlaubnis zum Äeiteki." Seine Unterschenkel waren in Lappen gewickelt. Sie waren so geschwollen und dadurch wird feine Berittcnscin erklärt dafz er unmöglich c-ehen konnte. Er litt an der bäusiz in den Tropen vorkommenden ElefantiastZ. Wie wir des Weiteren erfuhren, werden 'in jeder Stadt und Gemeinde einer kleinen Anzahl von Krüprrln derartige Erlaubnisscheine zum Betteln ausgestellt und ?war gewohnlich nur an UnverheZrathcte und nit der Bedingung, daß sie nur Mittwochs rnd Sonnabends biervon Gebrauch machen. Eine fernere Bedinguna ist, daß der' Irchaber nicht 5eirathen darf; will er dieses aber, so MU7. er bei der Bebörde ein Bermöpen nachweisen von 4000 yesos. Nach unseren Lerhältnlssen und Beariffcn wäre es ge?i? so ziemlich üöerflüssia, einem Leitler ein? solch: Bedinaung ?u stellen. Dort aber steht die Sache cnders. Die kleinste Münz: ist dort der Medio Neal (G Cents) und bei Weitem die Meisten geben Geld; wer pcrade seinen halben Neal bet, giebt überdies einen tarnen, denn man acht dort etwa' leichtsinnig mit dem Gelde !-m. Wer kein Geld giebt, der giebt einige Maisiolbvn und die häufen sich km Laufe des Tages so an. daft der Bettler gezwungen ist, mehrmals zu seinem Abstegeanartier jrn reiten und IU Netze zu entleeren. Die MaiskolUn entkernt er dann zu Hause und ecriauft den Mais, wofür er oft an einem Tage bis zu 5 Dollars löst. Oas Beteln ist also dort -zu Land? r.n noch viel einträglicheres Geschäft, c!s anderswo. Zorf.VitdUU. Ein Gläschen Torfschnaps" dürfte das Neueste sein, womit .die Ehemi: die dürstende -Menschheit bealückt. Kus Torf läkt sich nämlich Alkohol in iNaffe erzeugen und zwar wird das solcendeÄerfahren angewendet: Lockerer Torf wird, wie er aus dem Moor entnommen ist, mit verdünnter Schwefelsäure bei 115120 Gr. Celsius 4 bis 5 Stunden lang gekocht, wodurch ?icEellu!ose in Zucker überführt wird. Nach Beendigung des Kochens, also wenn das Marimum der Zuckerbilvung erreicht isiwird die Brühe durch s?ilterprenen vom Rückstände getrennt,' die zuckerhaltige Lösung durch Eindampfung konzentrirt, mit Hefe derzohren und der gebildete Alkohol abdesiillrrt. Nach vn bisher bekannt ?cword?nen Resultaten, scheint der Torf berufen zu sein .der Kartoffel in Zukunft Konkurrenz zu machen, denn 1000 Ka. trockenen Torfes ergaben 52 63 Liter Alkohol, während 500 Ha, Kaitoffel mit 20 Prozent Stärkenehlgehalt bei sorafäktigstem Betriebe luch nur 6061 Liter Alkohol liefern. a dieser Torfalkohol sich billig hersielten laßt, werden voraussichtlich die ZZantschcr sich des edlen Stoffes belächtiaen :ind denselben, mit Aetherölen sowie anderen Ingredienzien .yedoktorf, als echten Norr Häuser, Cognac. Beurbon oder ähnliche Herzstärkunqen strvirea. Wohl bekommt's ! Die vier sächsischen Lchmaiten. feäYn Se, in där Vez!chuna sain mir nu' ganz besondersch bevorzugt! Mir ha'm Sie vier ganz ?erschi:dene Lebm-Arten: Aerrschtens: :as Lehm, wie Sie'S in den schenen Liede vorkommt: (F freies Lehm fihreu wir!" ZweetenS: die Lehm, die chgal so in'n Zoologischen Garten örillen. Drittens: där Leern, den de Luchbinder und d: Dischler o,ebrau5;en. Viertens: där Lehm, mit den de Tepfer de Efen zusammenfchmie'cn!" ' Selbstbewußt. Er: Höre ctd Frau, jetzt habe ich's satt! Ich serbitte mir entschieden, daß Du jeten Abend allein in's Theater gehst Sie: .Aber thu' mir doch den einzigen Gefallen und simulire nicht etwa einen Unfall von Energie!" Ivdirecie Zustimmung. Herr (die Weinrechnung prüfend): .Donnerwetter, so viel Wein l-abe ich gebraucht?! Da müßt' ich j eigentlich xden Tagen betrunken gewesen sein, ean!" Diener (bescheiden): Einer ton uns Beiden war'Z aber auch imper, gnä' Herr!

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Vaö Kullm?.dchen. Kapitän DethZevsen setzte da? Glas )in und nickte seiner Frau zu Ach so, die Geschichte von dem Ku limädchen soll ich erzählen ? Zum Lachen ist sie nicht, Kinder ; aber meinetwegen mag'Z denn sein Die kleine Gesellschaft saß bei rounderschöncm Mondschein in Kapuän Dethlcvsens Gartenhaus am (Zlbufer, Das jenseitige User lag in wunderba rem Duft, der breite Strom glitzerte, schweigsame Segel gUtten dahin, ?der dann und wann, da es Hochwasser war. ein rauschender, gelegentlich dumpfes Geheul ausstoßcnder Seedampfer. Kapitän legte sich in seinen Stuhl zurück und begann : Ich war damals noch ein junge? Mann von vierundzwanzig 'Jahren und fuhr, als zweiter Steuermann auf der Churukka", einem englischen Schiffe. Die Ehurukka" segelte '.nier spanischer Flagge zwischen Makao 'nd Havanna. -Sie war ein anscynl!ck.eS Lollschiff und an Lord hath' sie CVh i 4 I . Kein Wunder, 'daß man auf de? Fahrt alle möglichen Vorsicht-zmas;-regeln treffen mußte, um sich gegen die leoende Fracht zu schüfen. Wir hatten also auf der Neise. von der ich rede. cige hundert chinesisch: 5ku!iS nebst Weibern an Lord. Wie üblich wur das Zwischendeck durchwein kräftiges Eisenaitter abgeschloizen. Lor dem Gitter befand ich das scgenan::te Arsenal, das heißt der Raum, wo unsere Gewehre und Säbel hingen, und dabei stand stets ein Mairose mit geladener Büchse Posten, um zur Hand zu sein, wenn drinnen im Zwischendeck einzelne unserer Leute etwas zu schafsen hatten. Die Neise ging flott vorwärts. Wir befanden uns bereits mehrere Wochen in See und unsere Kulis befanden sich den Umständen nach ganz wohl. Wir gewährten den Leuten an frischer Luft. Nahrung und auter Behandlung, was wir konnten. Natürlich, ein Jammerleben führen die armen Bursche immerhin. aber daheim sind sie es auch '.ächt besser gewohnt. Sie fühlten sich auch, sobald es gut Wetter war, scheinbar ganz wohl, irieben mit Gongmusi! und Verkleidungen allerlei Scherze, so daß ich, tro!z des eigenthümlichen, allen Europäern un'angenehmen Chinesengeruchs gern un :n verweilte und ihnen zuschaute, oder mit den Gruppen, die auf dem Verdeck frische Lus: genossen, in mimische, durch englische Brocken verständlich-? gemachte Unterhaltung trat. Qfscn gestanden hatt? die Sache für mich auch noch einen anderen Reiz. Jedesmal, wenn ich mich in der Nähe der Leute befand, war ein Mädchen, ein noch junges Ding, nicht fern. Die 5Iu!iwciber sind ja meist häßlich, wcnigsicns für unseren Geschmack, dies Mädchen aber besaß ein Paar Prachtvolle' schwarze melancholische Augen, die mir unablässig zu folgen schienen. Ihr könnt Euch denken, dag dies schließlich Eindruck auf mich machte. Wenn man so ein junger, eitler Bursche, frei und ledig ist, da wird man eigenthümlich empfänglich auch für ausländische Schönheit. Nun hatten wir einen Llankeneser vorn im Logis, einen fixen 5ierl, aber rohen Patron ; Sievert hieß er. Diefer gerieth eines Tages beim Deckwaschen mit einem der tulis, der ihm nicht rechtzeitig aus dem Wege gcgancn war, in Streit und schlug dem Armen brutal ein Auge aus. Sievcrts rohe Art sollte für uns Alle die bittersten Früchte tragen. Er hätte sich hinfort nicht mehr allein im Zwischendeck sehen lassen follen ; die Blick? glühenden Hasses von allein Seiten lehrten ihn deutlich genug. was ihm bevorstand. Er kehrte sich aber nicht daran, und eines Tages. cls ich gerade den ersten Steuermann ciuf der Wache ablösen wollte, hörten .wir aus dem Zwischendeck inen wüsten Lärm. Ich stürzte hinunter, und was war geschehen ? Sievert war ohne jede Vorsichtsmaßregel in den Raum gegangen, gepackt worden, verschwunocn. und die wuthentörannte Schaar weicene sich, ihn wieder herauszugeben. Der Kapitän stand bereits mit dem Gewehr am Gitter. Da die Kerle sich plölich im Besitz von Messern zeigten, die sie auf eine nie erklärte Weile durchzuschmuggeln verstanden hatten, fo durften wir wenigen Leute durch ein Hineindringen nicht unser Leben und damit das Schicksal des Schiffes aus's Spiel setzen. Zunächst wollte der Kapitän -noch Blutvergießen vermeiden. Er befahl, die Feuersprihe klar zu machen, und re? Straül knatterte bald zwischen das :?bende Volk. Allein trotz de: gewaltigen Ueberschwemmung führt: dies kein Nachgeben lzcrdei. Xq, nol iii:n kill! von kill ! wo tlie alliope:her !" biiilltc es auf die Wieder loltt Aufforderung. Gehorsam zu leiten urücC. vorwärts ! schrie der Kapitän, ".nd unserer Sechs drangen bis ,an die Zäh-e bcl?affnet hinein, wahrend Andere schußbereit vor dem Gitter zurückblieben. Manches Messer blinkte noch aus einer dnn'len Ecke auf, und mancher Säbell)ie) saust- als Antwort nach abwärts. Auch ich. blind vor Aufreauna, schlug einmal zu. Em gellender Schrei! Ich hatte ein weibliches Wesen getroffen, das sich gerade in dem Moment an mein Knie drängte, als ich den Männerarm, der das Messer gegen mich zückte, treffen wollte. Und die ich getroffen hatte, war mein Kulimädchen I Nach und nach gelang es unZ, den 5Inauel zu entwirre und truppwei'e zu entwaffnen. SievertS Leiche san-ii-.i wir. schrecklich velftümmelt, in eine? cke. Bon den slulii varen etwa

zehn todt und' ebenstovlele verwendet. Unter den Verwuv.'oeten befand sich mein armes Opfer. Ich n?a? tief niedergeschlagen und athmete st wieder auf, als sich herausstellte, 'daß der abgeglittene Hieb nur ihre Stirnhaut gespalten hatte, ohne tiefer einzudringen. Sechs Kulis waren mit dem Messer in der Hand gefangen genornmen wo?de.7, die Uebrigen hatten ihre Waffen -rechtzeitig fortgeworfen, sodaß man nicht mehr festzustellen vermocht:, wer sich einer solchen bedient hatte. Jene Sechs wurden in Eisen gelegt. Den

Uebrigen geschah einstweilen '.'.ichts, denn man mußte die Waare" schonen. Allerdings wurde ihnen die Freiheit jetzt bis. zum Aeußersten beschnitten zudem fand ein: zeitweilige Befchränkung der Neis- und Wasserrationen statt. Da die Nationen Ohnehin nicht gerade re'.chiich bemenen waren, so be deutet da.2 für die ZluHZ ein peinia.?::k.3 s5'altel, was ihren Haß gegen uZ noch steigerte. Mein schwarzäugige.'; Mädchen sah ich kaum noch ; die Teute kamen ja nicht mehr an Deck, und wir durste-.: es niv.t mehr wagen, zu den wüthen den Mensckun hineinziehen. Ich dachte auS, daß das Mädchen mich jetzt baffe und fand es selbstverständlich, daß si: sich versteckt hielt. Acht ?aae später es war eine prachtvolle Mondna-t. wie heute, und wir näherten uns schon Kapstadt ging ich auf der Kampagne meine Wache. Ich träumte von der Heimath, ich dachte auch, offen gestanden, ein wenig an mein armes Kulimädchen. Mit einem Male kommt mir so ein brenzlicher Hauch in die Nase ! Fast erschrocken fahre ich aus meinen Gedanken auf und ziehe tief die Luft ein. In der Kombüse (SchiffSküche) konnte doch jetzt kein Zett überlaufen ! Ich witterte noch cm paar Mte. Der Geruch kam nicht wieder. .Meine Nase hatte offenbar auch geträumt, daZ bezweifelte ich nicht mehr. Na endlich !" dachte ich, die Backen aufblasend und müde die Arme strcikend, als der erste Steuermann gemäch.lich die Kajütentreppe hinaufstapfte. Es war schon ziemlich über acht Glas, das heißt nach Mitternacht, und ich sehnte mich nach meiner Koje. ..Nichts Neues V fragte er. .Nichts Neues. Kurs Südwest zu West," sagte ich. Bei der Bande unten Alles INi;lg gewesen ? fragte er weiter, indem eine Kopfbeweguug in der Bordecksrichtung machte. Mauscstill." erwiderte ich. Danke." sagte er, und ich stieg als Abgelöster die Treppe hinunter. Indeni ich eben in meine Kammer czehcn will, fällt mir ein, noch einmzl am Gitter zu revidiren. Jetzt stand da nämlich Tag und Nacht ein bewaffncier Mann. Ich wußte, daß der eben ausgezogene Matrofe, ein sonst netter Kerl, der Schlafsucht leicht unterlag. Sollst ihm vorher noch 'mal in's Gewien reden, damit er mit dem ersten Steuermann nicht in Konslitt komm:," sagte ich zu mir. Also ich nach vorn in's Arsenal. Richtig sitzt mein Junge, ein treuher.iger Norweger, auch schon auf der GeWehrkiste und schnarcht. Nun. ich geb: ihm eine kleine Aufmunterung und darauf lehne ich mich an'S Gitter und schaue in den von draußen schwach durch Laternen beleuchteten Naum hinein. Eine Stickluft, die nicht zu beschreiben ist, erfüllte ihn. Nachgerade aenirtc sie mich nicht mehr 2rg ; (ch hatt: mich daran gewöhnt. Die ganze Gesellschaft schien fest zu 'schlafen, und doch hatte ich den Eindruck, als ob eine leis zitternde Bewegunz durch die dunklen Massen ginge ; etwa wie durch einen Erdhaufen, unter dem eben der Maulwurf sich zu regen beginnt. Schon wollte ich mich wieder abwenden, da fühle ich einen leisen, schnell zurückgezogenen Tupf auf meine niederhängcnde Hand. Scharf blickte ich hinunter. Im ungewissen Licht sehe ich eine verbundene Stirn und darunter glänzt ein Paarwohlbekannter Augen in seltsamer Weise : Angst und Liebe lese ich heraus. Mein 5lulimädch?n ! Blitzschnell folgt dann eine kurz: Armbewcgung', wobei ein winziger Geanstand mir zu Füßen fällt, und fort ist sie vom Gitter in's unergründlich: Dunkel ! .Jnstinktmäßig empfand ich. daß meine, trotz des Säbelhiebes Getreue, einen Akt de? Warnung ausgeübt hatte. Einen Moment wartete ich noch, darnach bückte ich mich wie zufällig, schritt, den kleinen Gegenstand in der Hand, in den Kajütengang zurück und machte Lict m der Kammer. Was ich mitbrachte, war ein rother Zcugfetzen. Ich wickelte ihn auseinander und heraus fiel ein SchwefelHolz. Ich dachte, der Schlag solle mich rühren ! Wo in aller Welt hatten die Kulis das Zündmaterial her, und was war im Werke ?! Zum Kapitän rennen, ihn wecken und ihm das Hölzchen zeigen, war eins. Die Schufte wollen daZ Schiff in Brand stecken," kreischte er, wenn sie nur nicht schon damit angefangen haben !" Stfll, Steuermann, daß uns Niemand hört. 'Kommen Sie mit !" Wir glitten nach dem Vordeck. Untcr der' Back herrscht: zweifellos ein brenzliger Dunst ; daß er achtern (im Hintertheil des Schiffes) noch nicht gespürt wurde, lag an der Windrichtung. Auch der Ausguckposten, de? oben auf der Back, neben der Ankcröorrichtung, in frischer Luft stand, war chnungsloZ. .Es brennte flüsterte der Kaditän heiser. Und trotzdem ich dieZ schon selber fc'4te, lief es mir bei die-

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seit Worten doch eiskalt über den ituaen. Es war nicht leicht, die Leute eini-germaßen-geräuschlos aus dem Logis herauszuholen und den Verstörten klar zu machen, um was es sich handle. Der Kapitän hatte die Offiziere inzwischen geweckt. Kaum standen wir hinten am Luk, als wir auch schon, bis auf die Wache, auf Kommando hinunter stürzten und im Umdrehen hatten sich etwa zwanzig Büchsenläute durch das Gitter auf die Kulis gerichtet. Licht her!" schrie der Kapitän, und von oben wurden Laternen gebracht. Wie Recht dor Kapitän gehabt hatte, bewies die nun gemachte Entdeckung daß daö schwere Eisengittcr aus dem Holzveröand an Steuerbord gelöst war, so daß es wohl nachgeben mußte, wenn sich eine Aienschenmasse mit Wucht dagegen geworfen haben würde. Die'Kulis aber füblten sich vollständig überrumpelt, da sie den Plan, uns Alle durch das Feuer abzulenken, um dann, das Gitter niederbrechend, sich der Waffen zu bemächtigen, so unerwartet vereitelt sahen. Zu der Wuth gesellte sich jetzt die Furcht vor ihrem eigenen, Werk. Ein Schreien und Toben, noch viel toller, als bei 'dem ersten Aufruhr erhob sich; aber vor den Büchsenläufen blieb ein Heller, lecrer Halbkreis, in den Niemand sich vorzuschieben wagte. Alö der Kapitän sich als Herr der Lage sah, überließ er das Kommando unten dem ersten Steuermann und rannte mit mir nebst dem Zimmermann nach vorn. Bon Deck aus drangen wir durch eine Luke hinunter. Der Brandgeruch war hier bereits unerträglich geworden, und als wir eine Schottwand nach dem Zwischendeck zu zertrümmert hatten, schlug uns eine so dicke Rauchwolke entgegen, daß wir zurück mußten. Die Ehurukka" brannte schon ärger, als wir es gedacht hatten! Die rachsüchtigen Kulis hatten vom Zwischendeck aus einen Durchbruch gerade nach dem Lastraum gemacht, in welchem Oel, Lampendochte, Werg, SpirituZ und Fässer mit Fett lagerten. Nun wurden alle verfügbarenKräfte -um Löschen herangezogen, auch einige Kulis herausgeholt, die mit helfen mußten. Sand aus der Sandlast herbcizuschleppen und Seewasser heraufzuholen. Ein Glück, daß der Wind von hinten wehte, fo vermochten wir doch unter Segel zu bleiben und Kurs zu halten, womit die Aussicht, andcren Schiffen zu begegnen, sich stündlich verbesserte. Aber mit dem Löschen wurde nichts. Das Feuer zeigte sich stärker als wir zumal wir dem Herd von keiner Seite recht beizukommen vermochten. Immcr schwärzer und undurchdringlicher wälzte sich der Rauch. Die Kulis waren ganz zahm gcworden. Wie der Brand angelegt, und wer die Anstifter gewesen seien, verriethen sie nicht: auch mein Kulimädchen, unsere Retterin, sehte unseren Fragen eine vollständig Berständnißlosigkcit entgegen. Stummen Mundes schaut: sie mich mit ihren duxklcn ernsten Auc;rn fortwährend an, und nur, als ich ihr dankbar über die Wange strich, leuchtete es in ihnen einen Moment strahlend auf. Mit dieser öffentlichen Auszcichnung schien ich ihr sonst freilich keinen Gefallen gethan zu haben, ich beobachtetc fortan, wie sie von ihren Landsleuten gemieden wurde. Dafür beschloß ich. für ihre Sicherheit und Zulunft Sorge zu tragen, falls wir mit dem Leben davonkämen, denn daß man die Verrätherin nicht ungcstrafr lassen würde, war mir zweifellos. WaS das Feueranlegen übrigens betraf, so wurde cs un zur Gewißheit, daß die Zündhölzer einzig , aus der Tasche des gemordeten Sievert stammcn konnten. Und die ..Ehurukka" brannte weiter. Die KuliS waren nach hinten an Deck gebracht und wurden dort bewacht. Vorn über dem im Schiffzinnern wüthenden Feuer waren allen Luken dicht geschlossen, nur der au3 den Nähten quillende Rauch, sowie zunehmend: öle und Brandgeruch verkündeten die Fortschritte des verheerenden EleDie Sonne ging auf, stieg zum Mittag und neigte sich wieder. Die Menschen an Bord waren Alle ganz still; selbst die Kulis. Mit rasender Fahrt schössen wir vorwärts. Jedes Stück Linnen, das getragen werden konnte, war beigesetzt. Als die Sonne unter den Westhorizont sank, züngelten aus der Vorluke die ersten Flammen empor. Inzwischen hatte der Kapitän sämmtliche Boote klar machen lassen. 5ommando und Besatzung waren vertheilt. Instrumente nebst Proviant Alles war bereits darin verstaut. , Wo aber sollten die Kulis bleiben? Ja. dieser Fall war. bei uns so wemg, wie bei irgend einem anderen Schiffe vorgesehen, das Menschen als Ladung" führt. Der Kapitän ließ sie selbst daran hen, sich aus Fässern Flöße zusammen zu binden, was sie aber nur sehr lässig betrieben. In dieser Nacht schien der Mond nicht. Es war ganz lichtlos. Die See ging hoch. Die weißen Schaumrücken sahen aus wie Gespenster. Man dachte an die Haie, die unten im Fini stern lauerten. Um zehn Uhr schlugen himmelhohe Flammen beim Fockmast empor, und cs dauerte nicht lange, so brannte der c.anze Mast mit nach vorn jagenden Flammen gleich einer Riesenfackel. Durch die Hitze strömte die Luft noch heftiger hinzu; toenn die Taue durchgebrannt waren, stürzte em Holz nacu dem anoeren lrachend auf Deck. Es

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war ein großartiges rrnd grauenhaftes Schauspiel. " Das Schiff gehorchte dem Steuer nicht mehr ordentlich, und so ließ der Kapitän am Groß- nud Kreuztop die Segel bergen und gab dann den B?fehl, die Boote und Flöße zu Wasser zu lassen. Da das Schiff jetzt keine Fahrt mehr machte, mußte man sich sehr beeLen. denn die bei dem unruhig auf und nieder stampfenden Rumpfe haltlos gewordenen Masten konnten jeden Augenblick niederbrcchen. Trotzdem nun Alles Hals über Kopf ging, verlor doch Niemand die Vernunft, und keines der Boote kentcrte beim Niederlassen. .Die Weiber der Kulis waren mit auf die Boote vertheilt worden. Ich führte das Steuerbord- Scitenboot und wollte mein Kulimädchen mit hereinnehmen. Jedoch fand ich sie nicht und mußte mich mit dem Gedanken beruhigen, daß sie sich wahrscheinlich im großen Boot beim ersten Steuermann, welches bereits abgestoßen war. befinde. . Die Männer geberdeten sich wie toll, als sie merkten, daß sie thatsächlich nur auf d:e Flöß: angewiesen seien und von den Weibern getrennt würden. Aber schließlich zwang sie die Gluth, auf die Flöße hinunter zu stciaen. Mittlerweile hatten die Flammen auch den Großmast gepackt; sie schlugen aus den Seitenluken heraus, und das Schiff mußte stark leck geworden sein, denn es legte sich Kanz tief mit der Nase in's Wasser. Eine riesige Rauchsäule qualmte zu den röthlich angestrahlten Wolken em- ' vor; weit herum um das Schisf färbte sich die See roth wie Blut, so schien eS uns. ' Die zwei anderen Boote befanden sich schon weiter ab, aber der Kapitän und ich hielten uns mit unseren Booten noch in der Nähe. Er konnte sich noch nicht von der Ehurukka" trennen und wollte auch wohl, wie ich, beobachten, wie cs mit den Flößen würde. Diese auf der rothen See umhertaumeln zu sehen, gewährte ein ganz abenteuerliches, fratzenhaftes Bild. Die roth beleuchteten Menschen rasten wild auf ihnen umher und schüttelten drohend ihre Fäuste gegen uns. Hätten sie unsere Boote erreichen können, es wäre unser Verderben gewesen. Da prasselte es, daß es mir durch Mark und Bein ging; der Stumpf des Fockmastes und gleichzeitig der Groß mast, die Stenge des Kreuzmastes mit sich reißend, waren gestürzt, und in der ungeheuren Lohe, welche emporschlug, sah ich etwas, was mir das Blut in den Adern starren machte. Es waren noch Menschen an Bord de? Eharukka! Rudert rudert!" schrie ich meinen Leuten zu und hielt wieder auf das Heck des Schiffes zu. Aber als wir nun dicht heran waren. wollten meine Leute nicht weiter rudern, und ich mußte mich ihretwegen fügen, obgleich ich lieber in die See gesprungen wäre, um die herunter zu holen, die dort oben stand. Freilich, es wäreWahnsinn gewesen, diese Unmöglichkeit zu versuchen. Ja, da oben, hinten am Heck, stand sie, und die Flammen leuchteten ihr in's Angesicht. Sie war nicht allein, ein paar teuflisch grinsende Kerl; befanden sich neben ihr. Die Unholde hätten sie kaum so fest an den Armen zu halten brau-en, denn sie wehrte sich nicht, und ich vermeinte in ihren dunklen Augen den Ausdruck vom vorhergehenden Tage zu sehen, als ich ihr über die Wange strich. Ich schrie hinüber, ich weiß nicht mehr was .und ein Klagelaut von droben antwortete mir. Was ich in meinem Schmerz und Zorn noch derzweiflungsvoll begonnen haben würde, weiß ich nicht, aber in diesem Augenblickte kreischten die Werber in meinem Boote, ein neuer Schreckenslaut entrang sich meinen Leuten. Zurück ! Zurück!" schrieen sie und ruderten mit aller Kraft aus der Nähe des Schiffes. Kaum waren wir aus dem Bereiche desselben, so sank zischend der Bug, während sich hinten das Heck fast kerzengcrade emporrichtete. Und dann schoß mit einem plötzlichen Ruck die Charukka" abwärts, und die See schloß sich über ihr. Wir hatten Mühe, dem Strudel zu entkommen. Ich bestand darauf, daß wir noch eine Weile an dem Fleck suchten, an welchem die Charukka" von der Tiefe verschlungen war. NichbZ fanden wir, nur die dunklen Wogen Koben sich und stürzten brausend, wie überall. Dann trieb die Pflicht mich von der traurigen Stätte fort. Mühsam hielten wir uns zwei Tage bei einander; am dritten wurden wir sämmtlich an Bord eines von Australien nach Kapstadt gehenden Dampsers geborgen Auch von den Kulis auf den Flößen ward eine Anzahl gerettet. Es waren aber ihrer nicht Viele mehr, die Meisten hatte die See von den gebrechlichen Fahrzeugen fortespült. Das Secgericht von Havana sprach den Kapitän von jeder Schuld an dem Unfallfrei. . Ich nahm Heuer auf einem deutsehen Schiff, das nach Bremen ging. Auf einem Kulisahrer habe ich mich seit jener Katastrophe nie. wieder derdingt, obwohl die Monatslöhne dort besonders hoch sind. Ich hatte genug an dem einen Male, und die Augen des armen Kulimädchens, welches für mich gestorben war, verfolgten mich noch Jahre lang in meinen Träumen. Kapitän Dethlevsen'schwicg. Auch die Gesellschaft schaute still auf die uiondbealänzte ' Elbe hinaus, als ob

dort die Charukka" mit dem Kulimädchen noch einmal zur Tiefe sinke. Frau Deihlevsen aber hatte des Kapitäns Hand zwischen ihre Hände genommen und strich zärtlich darüber hin. Elektricität zu Heilzwecken.

Die gebräuchlichsten Formen, unter denen die Elektricität zu Heilzwecken verwandt wird, sind die Elektrisirun-1 gen mittels Jnductwnsstroms (Faradisirung) oder mittels des konstanten galvanischen Stromes (Voltaisation). Selten aber verwendet man dazu statische Elektricität (Franklinisirung). Bei diesem Verfahren ist immer de: menschliche Körper mit der Elektrict tätsquelle leitend verbunden. Jüngst hat nuin d,e bekannte französische Physiologe d'Arsonval der Pariser Akademie der Wissenschaften ein neues Verfahren unterbreitet, bei dem das nicht der Fall ist und dessen Wirkungen aus den menschlichen Körper sich von den sonstigen ganz wesentlich unterscheiden. Bei der Selöstconduction, wie d'Arsonval sein Verfahren bezeichn net, ist die Versuchsperson völlig iso lirt und ohne leitenden Zusammen bang mit der Elcktricitätsquellc. Die Ströme, die in der Person ' kreisen, entstehen gewissermaßen durch Jnduc iion in den Körpergeweben selbst. Dieses merkwürdige Ergebniß erreicht d'Arsonval durch folgende Versuchöancrdnung: Ueöe? ein Gestell von Holz, Pappe. Glas u. f. w. ist in einer oder mehreren Lagen ein gewöhnliches, aber sorgfältig isolirtes Bcleuchtungs labcl gewunden: im Innern des Ge. stells befindet sich die Versuchsperson. Wird nun durch die Windungen deö 5kabels ein Wechselstrom von hoher Spannung und großer Wechselzahl (bis zu einer Million in der Sekunde) geschickt, so rufen die mächtigen Jnductionswirkungen der umfließenden Ströme in der Versuchsperson, deren Körper gewissermaßen die Stelle eines geschlossenen JnductwnZkreises spiell, elektrische Ströme von erhebliche; Stärke hervor, ohne daß also die Per. son mit der Elektricitätsquelle direkt in Verbindung stand. Diese Ströme können auch sehr schön sichtbar gemach: werden. Bringt Jemand seine Armr in Form eines Kreises zusammen und hält in jeder Hand die Leitungsdrähte einer Glühlampe, so ist der durch die Arme geschlossene Kreis der Sitz eineü Stromes, der kräftig genug ist, um sechs Lampen (125 Volis 0,8 Ampere) zum Erglühen zu bringen. Ob" gleich also diefe Ströme eine beträchtliche Stärke erreichen können, verurfachen sie dennoch der Person, in deren Körper eine so große Menge elektrt--scher Energie sich entwickelt, weder Schmerz, noch irgend eine andere be wußte Empfindung, sie erhöhen aber trotzdem erheblich den Stoffwechsel de? Gewebe, da unter ihrem Einflüsse sowohl der Verbrauch von Sauerstoff als auch die Ausscheidung von Kohlen, säure zunimmt. Und nicht weniger bemerkcnswerth ist die Wirkung auf Mikroben. Der Bacillus des blauen Eiters z. B. wie die' Bierhefe werden durch solche Ströme abgetödtet. Die VrannsSzweikzer Domlinde. .Zu den ältesten Linden auf deutschem Boden gehört unstreitig die Domlinde in Lraunschweig, wenn dieselbe nicht gar der älteste Baum im alten Vaterlande ist. Der Sage nach soll Heinrich der Löwe, als er vor 700 Iahren den Bau des Braunschweiger Domes in Angriff nahm, die Linde mit eigener Hand gepflanzt hahen. Mag diese Version auch in das Reich der Legende gehören, so ist doch der Baum von sehr, sehr hohem Alter, denn eine Reimchronik aus dem 14. Jahrhundert erwähnt seiner schon als die Linde von Braunschweig." Der altehNoürdige Baumriese gerieth seit dem Herbst 1884, als der letzte Welfenherzog in's Grab sank, schnell in Verfall; kein Mittel gärtnerischer Kunst hat ihn aufzuhalten vermocht. Heute steht von dem Baume nur noch ein gewaltiger, in Höhe von 4 Metern sich gabelnder Stumpf, der am Erdboden den respektablen Umfang von fast 9 Metern hat. Sein Holz ist vermorscht, sein Inneres hohl, sein Rindenkleid zum großen Theil ein ihm künstlich angelegtes und sein letzter Zweig hat im vorigen Frühjahr zum letzten Mate dürftig gegrünt. Nachtfröste haben damals in dem ehrwürdigen Baum die letzte Lebenskraft vernichtet. Da er in feiner gegenwärtigen Verfassung mit Einsturz droht, also eine Gefahr für den Verkehr bildet, haben die zuständigen Behörden den Regenten von Vraunschweig um Beseitigung der Linde gebeten. Noch ist die Entscheidung nicht erfolgt; aber bei aller Pietät des HohenzollernPrinzen vor den Denkmälern der Welfenherschaft kann das Ende nicht zweifelhaft sein: Die Axt wird .binnen Kurzem die Vraunschweiger Domrinde fällen. Kathederblüthe. Me?n: Herren, bekanntlich unterscheidet sich der Mensch vom Thier hauptsächlich durch sein Welt- und sein. Selbstbewußtsein. Letzteres besteht in der Fähigkeit, sich selbst zu denken. Der Esel, meine Herren, kann nicht von sich sagen: Ick bin ei Esel," das kann nur der Mensch Eine schöne E r i n n erung. Da, seh'n Se diesen Stock an! Er is nich brillant, awer ich aeb'n nich vor 100 Thaler her, denn .'damit hat mich meine sel'ge Frau wohl ein Dutzend Mal durchgeprügelt, und wenn ich'n nu ansehe, kommen wer allemal de Dränen in de Ogenzi 's is doch eene fcheer Erinnerung!"

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Strlke im Olymp7 In unseren Tagen der allgemeinen Strikebewegung" gährt es naturgemäß auch unter den Göttern ganz bedenklich und die Olympier drohen mit Arbeiiseinstellung sowie ähnlichen modernen Dingen. An einem kritischen Tage, an welchem ein Theil der Götter bereits an den Strike gegangen war, während es unter den Uebrigen bedenklich gährte. herrschten, wie der bekannte Humorist Stettenheim ergötzlich erzä'hn die folgenden höchst bedenklichen Zustände im Olymp. Herkules hat nun doch die zwölf Arbeiten niedergelegt und verlangt höheren Lohn. Er erklärte, nicht länger für Eurystheus die goldenen Aepfel aus den Gärten der Hesperiden holen r.u wollen, ohne selbst etwas daoon zu haben. Ein Ersatz ist nicht vorhanden und so liegt Alles darnieder, speziell die Abfuhr aus den Ställen Augias'. Vulkan striket. Vesuv un) Aetnl ruhen v-ollständig. Ganyn-.ed will gleichfalls nur noch gegen LohncMhui schänken. Pböbus-Apollo ist heute mit seinen Sonnenwagen nicht auf dem Standplatz erschienen. Er verlangt Kürzung der Arbeitszeit um drei Stunden. Die herrschende Dunke?heit ist unerträglich. Dte Arbeiterinnen haben sich ver allgemeinen Strikebewegung angeschlossen, heute durchzog ein Haufe von Frauen und Mädchen die Straßen des Olymps, vollführte einen Heidenlärm und verlangte höheren Lohn. Man bemerkte unter ihnen die Musen, die Grazien, die Hören, die Parzen.und eine Menge Nymphen, einige von ihnen in nektarseliger Stimmung. Als Klio Miene machte, an den Geschichtstafeln weiter zu arbeiten, wurde sie arg zerkratzt. Für den Abend fürchtet man größere Unruhen. Eine Kompagnie Titanen ist in der Nähe 'des Zeus stationrrt. Aus dem Tartaros liegen beunruhigende Berichte vor. nach welchen daselbst aleichsalls eine allgemein? Arbeitseinstellung stattfindet. Die Mehrzahl der Danaiden schöpft schon seit mchreren Tagen nicht mehr. Tantalos will fortan höchstens acht Stunden täglich verschmachten und Sisyphos hat daS Wälzen gänzlich eingestellt und geht mit Jxion spazieren. Gestern zogen etwa tausend Schatten vor die Wohnung des Hades und warfen sämmtliche Fenster ein. Amor und Hymen wollen gleichfalls striken. Das kann hübsch werden. . . . Heute war das Gerücht verbreitet, die Vestalinnen hätten erklärt, sie wollten die dreißigjährige Dienstzeit nicht mehr. Zwar wäre ihnen nach Ablauf derselben gestattet, sich zu verheirathen, aber da sie dann Vierzigerinnen wären, so wolle kein RöM':r eßvas von ihnen wissen. Ihre Foroerung wird auch allgemein als billig bezeichnet und der Ooerprieste? des Tempels wird nachgeben müssen. Man hält eine znanzigzährige freiwillige Einsamkeit für durchaus genügend. Gestern haben auch die Liktoren die Fasces niedergelegt. Sie verlangen ein leichteres Bündel und höheren Lohn. Janus geht mit dem Gedanken um, für sein Doppelgesicht auch doppelten Lohn zu foi'oern. Wenigstens erklärte er neulich, daß Jemand, der gleichzeitig in die Verganoenheit und in die Zukunft blickt, doch etwas besser bezahlt werden müsse, als Einer, der nur in die Zukunft sieht, wie zum Beispiel die yihia. Bedenklicher als Alles ist der drehende Strike der Spinnerinnen und Schneiderinnen, im Volksmunde der Parzenstrike genannt. Der Schaden würde unberechenbar sein. 'Klugerweise ist man bemübt, vorzubeugen, so daß speziell das Durchschncioen des Lebensfadens keine Unterbrechung erleiden wird. Die Übervölkerung ist ja schon jetzt fortwährend Gegenstand ernster Envägu:gen. Gerechtfertigte? ilt schon die Ärbeiiseinstellunz des bekannten Msrsyas. Er will nicht mehr zu dem bisherigen Lohr flöten und sich dafür obendrein schinden, lassen. Bedenklich ist auch der angedroht: Ausstand der Winde. Selbst der sanfte Zephyros hat sich nach einer - typhonifchen Meldung der allgemeinen Bewegung angeschlossen, vchon jetzt herrscht eine ziemliche Windst.lle, welcbe. wenn nicht bald wieder regelmäßig aebeult und über die Felder gefegt wird, die schlimmsten Folgen nach sich ziehen dürfte. Aeolos wüthet, aber das wird ihm nichts nützen. Neulich war ein Gerücht verbreitet, daß Mars, Bellona und Eris die Arbeit nieder!:aen wollten. Daran ist natürlich nicht v denken. Dagegen bestätigt sich die Mcloung von dem Strike der Nektarbraue? und Ambra siabäcker. . Wovon die oberen Zebntausend leben wollen, wenn die bezeichneten Gewerbe nicht bald wieder in Ganz können, das ist geradezu räthsclhaft. Von Anbetung un'o ' dem Bischen Opfergeruch wird de-m Bedarf doch nur auf kurze Dauer genügt, so große ZZerörcitung auch der Vege'tarianismus unter den Göttern gefunden hat. Statt des Nektars werden jetzt große' Quantitäten Wassers aus den Quellen Kastalia, Aganippe und Pimpla bezogen, aber daö ist doch nur ein magerer Nothbehelf. . Die allmeine Lohnbewegung hat sich auch "er Künstler bemächtigt. Man erwartet stündlich die Arbeitseinstellung der Musiker oder wie man sie nennt: der Tritonen. Sie wollen im Dienste Neptuns nur noch blasen, wenn sie besser bezahlt werden. Allerdings ist ihr Dienst ein sehr beschwerlicher, weil sie von Morgens bis Abends auf dem Wasser sein müssen. Selbst Merkur, welcher feinem Amt als Walkinq Delegate bisher mit große: Pflichttreue vorstand, will nichi mehr mitthun. . , , .Mib'iiersic.'nde.n. Arzt: Nehmen Sie vor Allem ein halbeZ Dutzend Dampfbäder. Patient: (erschrocken) Auf einmal?