Indiana Tribüne, Volume 17, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1893 — Page 7

Der Familicvschmuck.

"ülr. Frcre war eine Chsibetnung, die mit jedem Schritte, mit jeder Bewegung eine solche Portion unfreiwilliger Komik roducirte, daß Fremde erstaunt stehen blieben, wenn er feine unbchülfliche Gic ft.ilt mit Hülfe eines goldbeknovftcn Stockes die Strafe hinabbuzsirte, während feine Mitbürger ihm mit einem An sluze von Stolz nachschauten, als ob sie sagen wollten : So was sieht man nicht, alle Tage, nicht wahr i Und das ist urt ser Freund, und Mitbürger !" Auf einem mäcbtigen, kugelrunden Leibe, dessen Fleischfülle für einen jun gen Elephanten genügt haben würde, thronte, ohne das; die?!atur es für nöthig erachtet hätte, in Gestalt eines Halses eine Art von Uebergang herzustellen, ein Kopf, dessen beispiellose Dimensionen bcreits allen Hutmachern der Stadt Acrge? und Verlegenheit bereitet hatten. Haare besaß Mr. Frere nicht, dagegen hatte er sich eine Perücke zugelegt, die im Laufe der Jahre eine dünkelgrüne Farbe ange nommen batte und die zu seinem hoch rotben Gesichte einen seltsamen Contrast bildete. Vdse Zungen behaupteten, Mr. Frcre, der ein überaus sparsamer Mann war, habe dies Prachtexemplar vor langen Jahren bei einer Aucticn erstanden, allein das wird Wohl nicht wahr sein, verbürgte Thatsache indessen ist es, daß Mr. Frere nicht nur seine kaum crwähnenswerthcn geistigen, sondern auch seine recht respectablen materiellen Schätze un ter der Perücke mit sich herumtrug, we riigstens hatte man einmal gesehen, wie ein heftiger Windstoß ihm Hut, Perücke und eine stattliche Anzahl von Banknoten vom Kopfe riß, zum nicht geringen Gau dium der gcsammtcn Straßenjugend, welche Mr. Frere's künstliches Dach mit respectwidriger Rücksichtslosigkeit in den Koth trat, während er selbst beschäftigt war, seine geliebten Banknoten aufzulesen. Von jenem Tage an zeigte Mr.Frere's Perücke die erwähnte grünliche Schatti rung. Das Merkwürdigste an Mr. Frere's Figur waren jedoch die kurzen, dünnen Beine, welche sich unter dem Drucke des gewaltigen Gewichtes, welches auf ihnen lastete, dermaßen gekrümmt hatten, daß einst eine von einem großen Köter verfolgte Katze mit verzwcifel:cm5prunge durch Mr. Frere'S Säbelbeine fetzte, während der Hund, der im Jagdeifcr seinem Wild den kühnen Sprung nachzumachen versuchte, den Besitzer dieser merkwürdi gen Beine mit bcdiutenderBehemcnz auf seine voluminöse Schattenseite setzte. Ss mit einer ganzen Vcustcrkarte von Häß lichkeiten ausgestattet, hätte Mr. Frere wahrlich keinen Grund gehabt, dcr Natu? für die Art und Weise, in welcher sie seinen äußeren Menschen herauöstafsirt hatte, besonders dankbar zu sein, wenn feirfc maßlose Eitelkeit in ihm nicht die si?e Idee ausgebildet hätte, daß er eigentlich ein ganz verteufelt hübscher Kerl sei. dem kein weibliches Herz widerstehen könne. Und-es war ein wahres Glück, daß Mr. Frere eine so hohe Meinung von seinen liebenswürdigen Eigenschaften hatte, denn er würde sich für das unglücklichste Geschöpf unter der Sonne gehalten ha bcn, wenn er eines schönen TagcZ die Entdeckung gemacht hätte, daß er eigent lich nichts weiter sei, als ein Fallstaff. dem das weiblicheG?schlecht uur aus dem Grunde überhaupt Beachtung schenkte, weil es ihr. ungestraft hänseln und necken konnte. Mr. Frere war nämlich wenig stcns wünschte er dafür gehalten zu werden ein Ton Iran der gefährlichsten Sorte, der bloße Anblick einer zum Trock nen aufgehängten Schürfe versetzte ibn schon in eine gelinde Aufregung und. wollte' man ihm Glauben schenken, z War der Lebensweg, den er bereits hinter sich hatte, mit gebrochenen Herzen formlich gepflastert. Es war ein wahres Glück für das zarte Geschlecht, daß Mr. Frere's Hcrzenserfolge lediglich in seiner Einbildung cristirten. Eines schönen Tages aber brachte er eS doch fertig, eine Frau zu bekommen, und eine recht hübsche dazu. Wie das gekommen war ? Mein Gott, wie das in der Regel so geht. Er war mit den ii tern dieser Welt wobl gesegnet, sie war arm wie eine Kirchenmaus, und so wurde eben ein Paar aus Beiden, ein verzwei seit ungleiches freilich. Das ganze Hoch zeitsgut, welches die junge Frau mit in die Ehe brachte, bestand in einem alten Familienschmuck und wenn Mr.Frcre die cdlen Steine auf dem Weißen Zcacken seiner Gemahlin glänzn und flimmern sah, dann .wußte er seiest nicht, an welchem von beiden Schätzen sein Herz mehr hing, cn seinem jugendscbönen Weibe, .oder an den prachtvollen Diamanten. In den ersten Monaten nach der Hochzeit trug ier verliebte Mr. Frere seine reizende junge grau geradezu auf en Händen, ließ kemen ihrer Wünsche unerfüllt und überhäufte sie mit Geschen kn aller Art. Staum aber war ein Jahr vorüber, da begann er sie ii vernachläs sigen und sich wieder für d:e holde Weibilchkcit im Allgemeinen zu üüerefsiren. ährend 2)Ir$. Freie ihrerseits sich Tschad, los hielt, indem sie ihren Jugendgelieb ten, eine blondgelockten Bett, zu sich l'cschied, der denn auch redlich bemüht war, der schönen Verlassenen den unaus' mcrksamen Gatten zu ersetzen. AIs letz terer eics schönen AbcndS einmal heim kehrte, fand crdas Nest leer und von sei ner Frau und deren liebenswürdigen Letter nur ein Bricfchcn, welches ihm mit lakonischer Kürze mittheille, daß Beide . nach Paris oeslohen waren und ihm im Uebrigen alles Gute wünschten. Einen Augenblick stand Mr. Frere da wie eine Ealzsäule und starrte mit weit aufgerissenen Llugcn auf daS ominöse Papier, er vermochte es eben nicht zu fassen, daß es auf der ganzen weiten Welt ein Frauenzimmer gebe, welches ihm so einen unreifen, semmelblonden Guck-in'die-Welt vorziehen könne, dann cbcr schoß ihm wie der Blitz der Gedanke an seine Diamanten durch den Kopf. Er stürzte an den Schrank, in welchem der Schmucklastcn stand, mit zitternder Hand drehte er den Schlüssel herum, Gott sei Tank, eö fehlte kein Stück, Alles lag an Ort und Stelle, selbst der Familien schmuck, den seine Frau mit in die Ehe gebracht batte. .Jett wurd eö Mr. Frere I, O . D Ä aWV w

mtt einem Male ..ar, räy er 0le ajia manten doch mehr geliebt hatte, als seine Gattin, und wenn die Flucht der letzteren nicht seiner Eitelkeit einen so empsindli chen Stoß versetzt hätte, so würde er die ganze unangenehme Affaire bereits nach ein paar Tagen vergessen haben. Von dem durchzcbrannten Pärchen hörte er nur noch zwei Mal. Das erste Mal erzählte ihm ein Be kannter, der längere Zeit in Paris gewe sen war. er habe Mrs. Frcre dort gese hen, dieselbe sehe zwar ziemlich angegriffen und abgehärmt aus, scheine aber über bedeutende Mittel zu verfügen, weil sie auf großem Fuße lebe und durch ihre cU ganten und kostbaren Toiletten alle Welt inErstaunen setze. Daß seine Frau abgehärmt aussah, das vernahm Mr. Frere mit einer gewissen Genugthuung, es war ja auch eigentlich kein Wunder, die Thö rin mußte ja schließlich eingesehen haben, welche Dummheit sie beging, indem sie einen Man, wie ihn, verließ. Ein Räthsel war es ihm jedoch, aus welcher Quelle Mrs. Frere die Mittel zuflössen, deren sie zu einem so extravaganten Le'u bedürfte, das- sie kein vrsönlickies Vermögen besaß, wußte er selbst am Bes' tcn, daß ihr Vetter ein armerTeujel. toar, dem seine Gläubiger nachliefen, wie der Teufel einer armen Seele, das wußte er nicht minder genai wober in aller Welt kam also das Geld? Die Zukunft sollte Mr. Frere die gewünschte Ausklä rung geben. Sechs Monate später hörte er darn, daß Mrs. Frere gestorben war und da mit war Mr. Frere wieder ein freier .Mann. Noch hatte sich der Leichenhügel der unglücklichen jungen Frau nicht mit dem ersten Grün bekleidet, da begann Mr. Frere von Neuem seine Netze auszuwer fen, allein ohne einen erfolgreichen Zug zu thun. Die Mädchen, auf die r es abgesehen hatte, ließen sich Anfangs seine Werbu::a ruhig gefallen, aber nur, um dem verliebten alten Pavian, wenn er sich be reits ganz sicher fühlte, dann desto ener gischer auf die Pfoten zu klopfen. Es schien, als ob daö traurige, zum Theil freilich selbst verschuldete Schicksal der jungen Frau Allen zu deutlich vor Augen stand, um sie nicht vor dem Wag niß einer Ehe mit Mr. Frere zurückschrekken zu lassen, wenn auch der Familien schmuck der Verstorbenen eine keineswegs pi verachtende Morgengabe war. Nach Verlauf von wenigen Wochen hatte Mr. Frere eine solche Auswahl von Körben zusammen, daß er den Entschluß faßte, sein Glück in einer anderen Gegend zu

verbuchen, wo man ihn und dieGeschtchte seiner ersten Ehe noch rncht kenne. Nun begann er kreuz und quer in der Welt herumzufahren, überall anhaltend", nirgends erhört, unstät und flüch tig, wie der ewige Jude, bis er sich schließlich mit den Trümmern seiner Hoffnung in ein kleines Landstädtchen flüchtete, dessen einziges Hotel, ein großer, alter Kasten mit patriarchalischen Einrichtungen, dem wegemüden Freier eine Zufluchtsstätte gewährte. Zu seiner nicht geringen Verwunde rung rndessen sah Mr. Frere t dort, als er sich Abends an der gemeinsamen Tafel einfand, einen solchen Flor reizen der, jungerMädchen, daß er alsbald wie der frischenMuth schöpfte und vonNeuem seine Netz? auswarf. Allein auch hier schien ihm das Glück kein Lächeln gönnen zu wollen, denn, war es in.seiner Heimath in erster Linie seine Vergangenheit gewesen, welche die hei rathslustigen Mädchen abgeschreckt hatte, so war es hier seine, im Laufe der Jahre zur vollen Blüthe entwickelte Häßlichkeit, welche in den Augen der ländlichen SchSnen selbst die funkelnden Diamanten des Familienschmuckes verdunkelte. Nur Eine von ihnen, ein ungewöhn lich schönes Mädchen, Namens Rose, schien nicht abgeneigt, der verblümten Werbung deS verliebten GraukopfeS Gehör zu neben, allein letzterer war durch all die Niederlagen, welche man ihm U reitet hatte, dermaßen eingeschüchtert, daß er nicht wagte, rit der Sprache herauszurücken und sich bereits mit dem Ge danken zu befreunden suchte, daß das Geschick seiner verstorbenen Gattin ihm keine Nachfolgerin geben wolle. Einen letzten Versuch wollte er indessen noch wagen, schlug auch dieser fehl, dann, ade, schöner Traum ! So trat er denn eines Abends unter die im großen Saale des Hotels versam melken jungen Damen und redete diese lbcn folgendermaßen an : Meine Damen, morgen reise ich ab. Wie ich es ertragen soll, Sie verlassen zu müssen, weiß ich nicht, wenn sich nicht Eine von Ihnen entschließen könnte, mich tti trösten. Will Eine von Ihnen meine Frau werden ? Meine Zukünftige erhält die Diamanten meiner verstorbenen Frau und dieselben sind wahrhaftig nicht zu Verachten." 1 Der alte Fuchs hatte gesprochen, als handele es sich nur um einen Scherz, dabei aber wanderten seine Augen so flehend vim einem Mädchen zum andern, daß man wohl sehen sonnte, welche Hoff nungcn er an seine merkwürdige An spräche geknüpft Hatt?. Trotzdem merkte von den jungen Damen nur Eine, näm lich Rose, daß eö iljni Ernst war. Sie war es denn auch, die plötzlich zur Wer wunderung ihrer Freundinnen aufstand und sagte: Ich will. Mr. Frere. Ich willige ein, Ihre Gattin zu werden, denn ich liebe Diamanten übn Alles in der Welt." Alles belachte den vermeintlichen Scherz und nur die beiden Bcthcilig ten wußten, daß dieser Scherz" von ein schneidender Bedeutung für ihr ganzes späteres Leben sein müsse. Wie auf Verabredung trafen sich denn auch Beide am nächsten Moraen in aller Frühe. Miß Rose,- sagte Mr. xttc, wol len Eie das Versprechen halten, welches Sie mir gestern gaben V DaS junge Mädchen schaute ihm kalt in's Gesicht. Wenn es Ihnen Ernst mit Ihrem Versprechen war,' so halte ich auch das meinige. Wie ich Ihnen schon sagte, ich liebe Diamanten und ich habe keine." Mr. Frere spitzte bereits feine wulsti .gen Lippen, um den ersten Kuß auf den frischen Mund deS schönen Mädchens zu drücken, allein letzteres nahm eine so ab .V. " j . , : (n

weyenve Haltung an, eay er )un Ävr haben vergaß und sich damit begnügte, seiner Braut einen verliebten Blick aus seinen kleinen Schweinsäugclchcn zuzu-werfen.

Schön, meine liebe Nose," sagte er dann, am ö?ocyzettstage wercc ich alücklich sein, meiner reizenden, kleinen Frau den Schmuck um den HalS legen zu dür fen." Eine Stunde später wußte der ganze Ort, daß der Scherz von gestern Abend" mit einer .yciraih erdigen werde. Man flüsterte, kl'schte, ahnte, vcrmu thete ein Weilchen r-lchHerzenslust, dann aber begann man sich zu beruhigen, und als der Hochzeitstag herannahte, fand man bereits Alles ganz natürlich. Nose war die reizendste Braut, die man je gesehen hatte, und die Diamantcn, die sie mit dem Stolze einer Fürstin trug, schienen eigens für sie gemacht zu sein, so wunderbar funkelten und glltzertcn sie auf ihrem schneeweißen Nacken. Mr. Zvrere fübrte seine iunae Gattin im Triumph nacy seiner Vaterstadt, wo er cm prachtvolles Haus für sie hatte ern richten lassen. Nose schien in einem aan zen Meere von Wonne zu schwimmen und stundenlang konnte sie vor dem Spiegel stehen, um die Diamanten ni bewundern. für die sie sich an Mr. Frere verkauft hatte. Da brach plötzlich mit einem Schlage die ganze Herrlichkeit zusammen. Nose ließ eines Tageö den Schmuck zur Erde fallen, einer der Diamanten löste sich aus der vammg und, um den Scha den repariren zu lassen, begab sie sich sofort mit Mr. Frere. zu einem Juwe her. Dieser befrachtete den Schmuck von allen Seiten, prüfte jeden ernzelnenteln auf s Genaueste und meinte dann köpf schüttelnd ? Aeußerst geschickt nachgemacht, wirk lich äußerst geschickt." Wie," schrieen Mr. Frere und Nose fast mit einer Stimme, Sie wollen doch nicht behaupten, daß diese Diamanten falsch smd r Der Juwelier sah sie erstaunt an. Allerdings wM ich das. Sollten Sie etwa nicht wissen, daß dies eine Imitation ist, eine ungewöhnlich gute Freilief) V Und so war es. Die Diamanten wa ren falsch und Mr. Frere wußte plötzlich ganz genau, woher seine vcrstorbeneFrau die Mittel gehabt hatte, um in Paris aus so großem nune leben zu können. Si, hatt'e, bevor sie mit dem Vetter uns gendgeliebten auf und davonging, in aller Stille die echten Diamanten bei Familienfchmuckcs und der übrigen Ge schmeide, die ihr Gatte ihr während bei ersten Monate ihrer Ehe geschenkt hatte, durch nachgemachte ersetzt und hatte dann öllles sorafälti wieder in den Kasten ge legt, damit Mr. Frcre nicht vorzcitiz den Dlebstavl entdecke. Und Nose? Anfangs wüthete rm tobte sie gleich einer Wahnsinnigen, jetzt aber denn der Schlußact der Komödie ist noch nicht aekommcn, halt ue untcl ihrer Verwandtschaft Umschau nach dem bewußten Vetter", nur wird sie sich. wenn leterer aefundcn ist, mit den fal schen Steinen begnügen müssen und t.irrt r t ti crn ' r c-j.ii.r lerojl cieje rau a. rere icrgiaiug ve: wahrt. Hoffen wir also, daß der Vetter" sie im Nothfalle auch ohne Diamanten nimmt, nach Paris freilich werde sie nicht gehen können, allein das schadet ja un Grunde genommen Nichts. Qine FälfQerzesH:l::c , Vc.! 5. s(cm:i;. Zur Zeit des Krimkriegcs erhielt die einstige polnische Königstadt Krakau eine ungewöhnlich starke "Garnison. Ein Armeckorvskommando mit seinem ganzen zahlreichen Stäbe hatte daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen; eine !n fanteriebrigade, ein Husarcnregimcnt, Artillerie und Pioniere lagen in der Stadt und deren unmittelbarer Umge bung; die Truppen standen auf dem Krieqsfußedie Offiziere erhielten die hohen Äereitschaftszulaqen es entwickelte sich daber in der sonst so todten Stadt ein äußerst reges Garnisonölcbcn, dem es auch nicht an dem nöthigen nrvus ..-.-. rerurn gerenaarum zu mogiic;it jiot ter Gestaltung gebrach. Den arößten Vortheil von diesem Um schwunge hatten die Huden, welche fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung und von etwaiaem Vauernvolk an Markttagen und dem Militär abgesehen die ausschließliche Staffage des dorti gen StraßenlebenS bildeten. In ganzen Gruvvcn lunacrten die Männer in ihren schwarzen Kaftanen, die Weiber mit ihren falschen Scheiteln aus grünlichgelbem Taffetitoss und ibren arellfarbiacn Tü schern auf dem Marktplatze und in den Hauptstraßen umher, jedem vorüber gehenden Ofsizier in zudringlichster Wei se ihre Dienste anbietend. Und was für Dienste waren das ! Nicht blos mit der Nachfrage nach alten leidern. St fein und Goldborten", (die Porte epees Säbelkuppeln und Distinktionen aus Gold oder Sllberaeweoe waren em oe sonders lebhaft begehrter Kaufartikel bei den Krakauer Juden T) nicht blos mit Anerbieten von echt russischen (für ge schmuggelt ausgegebenen, aber sicherlich vom nächsten stammesgenösjischenKrämer bezogenen) Thee und sonstiger Waare, sondern auch mit der Anfrage, ob der Herr Lieutenant nicht vielleicht Geld no tbia habe oder mit einem hübschen Mäd chen Bekanntschaft zu machen wünsche, wurde man auf offener Straße belästigt. Haben der Herr Lieutenant noch keinen Faktor?" war die stereotype Frage, mtt welcher wirOfstz rnden ersten Wochen fast an jeder Straßenecke von irgend ei' nem schlaugrinsenden . Judeniüngling mtt schabiger Pelzmütze und korkzieyerar tiaen Ccöläfenlocken angehalten wurden Faktor das bedeutete ungefähr so viel wie Faktotum; solch em. Faktor sorgte für Alles, was zu den "Lebensbedürfnis sen eines flotten Offiziers gehört, und was das Schönste und Bequemste bei der Sache war, der Faktor wußte Alles auf Kredit herbeizuschaffen: Wein, Num, Cigarren, Wäsche, Toiletteartikel, Ringe, Uhren und schließlich auch den nöthigen Wechselmden, welcher zur Bezahlung der zu doppeltem Preise gepumpten Waa

ren nochvie ersorderlicheVaarfchait pump

te. Der Faktor war der Mephisto, der ! sich dem jungen, leichtsinnigen Lebemann

. t als Lciböklave verdmqte und ihm daö Le ben auf jede mögliche Weife leicht und angenehm n:.chte, um ihn zuletzt mit j . i i cm ri . . r aut uns oaar an oen Steiner a tan, d. h. an den . mit dem Faktor von vornherein allnrten Wucherer auszutte fern, welcher Geld zu hundert Prozent chen gegen Wechsel aus Otnzierseyrenwort lich. Ein solcher Faktor war Moses Unterrock, ein etwa dreißigjähriger, Hochaufgeschaffener, engbrüstiger Jude mit weichlich sanftem Duldcrgesichte und einer noch sanfteren Flötenstimme. DerMensch sah auS und geberdete sich, als ob er vor lauter Nächstenliebe und Pflichteifer sein eigen Ich aufopfere und aller Welt, nur nicht sich selbst und seinem persönlichen Jntereffe dienstbar sei. Ich sah ihn öf terS bei 5?mArtillcrielieutenant I., der so glücklich war, dicjcn liebenswürdigsten, dienstwilligsten und crsindungsreichsten aller Rrakaucr Faktoren ais Leibenden sür sich zu acquiriren. I... war ein äu ßerst begabter junger Mann, ein brillanter Ofsi'ier von gediegener Bcrufsbildüng, aber ein Ausbund von toller Lebenölust und Leichtstnn. Seme Be urfnisse hatten nch allgemach unter dem influffe der schrankenlosen Gefälligkeit und Findigkeit Moses Unterrock's bis zu einem Grade gesteigert, welcher dem Fakt r selbst bereits Besorgnisse einflößte. A... mußte schließlich seine goldene Uhr versetzen ; Moses schlug zwanzig Gulden dafür heraus, ein Heidengeld, wie er versicherte, obgleich die Uhr das Fünf fache gekostet hatte. Der arme Mofas betheuerte, daß er selbst acht Gulden habe drauflegen müffen aus lauter Diensteifer natürlich ! In vierzehn Tagen war Gagetag, da sollte die Uhr aus löst werden. I... hatte natürlich schon längst über seinen Monatssold verfügt und Mozes vermochte am Verfalltage beim besten Willen nicht daö nöthige Äeld aufzutreiben. Die Uhr war verloren ; am nächsten Tage erschien Moses Untcrrock mit einer andern Uhr und bot ste seinem leichtsinnigen Kunden für die Kleinigkeit von hundcrtfünfzig Gulden zegen dreunonatlichenWechiel auf Ehrenvertan. I... nahm die Uhr, versetzte iie aber schon nach wenigen Tagen wieder. und Moses Unterrock brachte abermals zwanzig dulden dafür ; diesmal hatte er wenigstens nichts aus eigener Tasche darauftahlcn müen : Der Verfallstag des Wechsels rückte näher und immer näher, ... sing an, sich etwas unheimlich zu fühlen, und das Gesicht des armen Moles, der auf dem Wechsel als Bürge sigurirte, wurde immer länger und kümmere voller. Jetzt hatte plötzlich wieder die ganze Judcnschast von rakau rein (öelc für den Herrn Lieutenant und Moses zammcrte ihm alle Tage vor, daß er nun. für semen Herrn und Gebieter in den Schuldthurm werde spazieren müffen. Armer, armer Moses woher sollte da 5iet'nommcn ' ! ' oi fv'ncr schlimmen Zeit geschah es. daß I... im Kaffeehause mit einem Kameradcn von den Husaren Bekanntschaft machte. Es war das ein sogenannt rangirter Ossizier" inOestezrcich eine Species von ganz specisischem, scharf ausgeprägtem Charakter. Derselbe hatte von Pike auf gcdientaind sich die nöthigen Zuschüße zu seiner mehr als knappen Subaltcrnofsizicrsgage dadurch zu verschaffen gewußt, daß er für seine jungen, reichen, hochadligen Kameraden Pferde probirtc, kaufte und zuritt und damit nicht allein den Betreffenden gute Dienste erwies, sondern auch für sich selbst einen ansehnlichen Gewinn herausschlug. Die rangirten Offiziere" sind auf ihre schwer genug erkämvste, günsti' ge Finanzlage in der Negel sehr stolz und drüsten sich gerne mit. derselben vor jüw gcren, leichtsinnigen Kameraden. Sc auch ter Husar, welcher öfter, als nöthig war, i-.ach seiner prachtvollen goldenen Uhr sah und dadurch die Aufmerksamkeit I... 's auf dieselbe lenkte. Mit sprachlosem Staunen erkannte dieser auf den ersten Blick seine eigene Uhr dieselbe, welche der brave Moses Unterrock seinerzeit mit acht Gulden Aufzahlung füt zwanzig Gulden versetzt, und damals voi dem Verfall nicht hatte retten können. Es stellte sich nun heraus, daß der Husarenofsizicr dieselbe Uhr von demselben MoseZ Unterrcck unmittelbar nachdem dieselbt verfallen war. sür sechzig Gulden gekauft hatte. Mcscs war entlarvt und I... beschloß sich zu rächen. Als Moses Untcrroö am nächsten Ta. ge wieder bei.seinem Klienten vorsprach, um ihn daran zu mahnen, daö nun nur noch zwölf Tage bis zum Verfallstermin des fatalen Wechsels seien, that I... aarn verzweifelt, sprach vom Erschießen und brach plötzlich in die Worte aus : Wenn fch nur für einige Tage eine Tausend ruldenvanlnote haue, 10 wurde q mir leicht helfen können!" Der Herr Lieutenant denken wovl an em zageuu am arüncn Tttche:" entaeanete mtt skep tischcm Achselzucken der Jude. I... ant wortete mit einer unwillig ablehnenden Geberde. Äkoses wurde neugierig, drang in den Offizier, ihm seinen Plan mitzu theilen und ließ, als alles Zureden nicht helfen wollte, endlich durchblicken, daß eS unter Umständen vielleicht nicht so ganz unmöglich wäre, die rettende Banknote herbeizuschaffen. I... ließ sich schließ lich erweichen und theilte dem Juden un ter dem Siegel der tiefsten Verschwiegen heit mit, daß er einsehr geschickter Zeich ner sei und in wenigen Tagen eine Bank note so tauschend nachzuahmen vermochte. daß Niemand dieselbe von einer echten unterscheiden könnte. Moses Unterrock wollte anfangs nicht recht an die Geschick lichkeit seines Klienten glauben : als die ser jedoch vor den Augen des Juden eine Probe von semer außerordentlichen Ge schicklichkett m der Führung der Feder und ln der Narahmuna deS Watterzer chens ablegte, gewann er zu der Sache Vertrauen und erbot sich, zunächst ein Zehnguldenbanknote als Vorlage für ei nen Probeversuch zu liefern. war einverstanden, auch mit der Bedingung, daß der Ertrag des Falpficates, deffen Verausgabung der allzeit dienstbereite Moses besorgen sollte, zu gleichen Thei len den beiden Complicen zukommen sol le. Nach vier Tagen fand sich Moses bei dem Offizier wieder ein und dieser präsentirte ihm nebst der Vorlage eine funkelnagelneue Copie derselben, natürlich

mit anderer Serie und Nummer, da sonst das Falsisikat schon an dem AnachroniZ muS der Bezeichnung erkannt worden wäre. Moses war ganz entzückt von der Leistung J...,s und nachdem er die neue Banknote ohne jede Schwierigkeit an den Mann gebracht hatte, kehrte er zu dem Offizier zurück und überbrachte ihm nebst seinem Gewinnantheil eine Hundertgul denbanknote als Modell für einen zweiten Versuch. Diesmal -mußte aber J... einen kleinen Empfangsschein,, für Leben und Sterben" ausstellen, denn d arme Moseö hatte ja in seinem ganzen Vermögen keinen Hundertguldenschein und mußte . sich daher einen solchen gegen die ebenerwähnte Bescheinigung ausleihen. Besagter Empfangsschein enthielt die förmliche Bestätigung, daß derLieutc nant I... zum Zwecke derNachbildung die Hundertguldennote Nummer und Serie So und Soviel empfangen habe und sich verpflichte, selbige Note binnen vier Tagen nebst derNachbildung an Moses Unterrock abzuliefern, wogegen dieser aehal-

tcn sei, von dem Ertrage der neuen Note die Hälfte an den Genannten baar und richtig auszubezahlen. I... unterschrieb in aller Gcmuthsruye und nach weiteren vier Tagen war auch der Hunderter aufs Trefflichste verdoppelt. Moses Unterrock schwebte im siebenten Himmel und nun kam der Tausender an die öieihe. Ein schweres Stück Arbeit, bei dem großen Format dieser ' Noten! I... mußte sich marode melden, um das D!eisterwerk tn vier Tagen fertig zu bringen. Niemand durfte ihn während dieser Zeit stören. Endlich war der großp Tag erschienen ; Moses Unterrock, welcher die ganzen vier Tage her die Wohnung J...S beständig umlauert hatte, um zu verhmdern, daß sein Complice etwa mit dem Modell . Tausender das Weite suche, trat mit spannungsvollem Antlitz in das Ateher des Fälschers. Gelungen?" fragte er schon an der Schwelle. Vollkommen !" gab der Lieutenant lachend zurück. Hier sind Ihre fünfhundert Gulden mit dem Nest werde ich den Wechsel einlösen. Moses sanftes Ant litz verlängerte sich etwas und eine flüch tige Nöthe flammte in demselben auf. Der Herr Lieutenant haben gleich selbst gewechselt?" stammelte er; wieunvor sichtig ! Wenn der Herr Lieutenant auf der That ergriffen worden wären da zu ist der arme Moses Unterrock gut ge nuz!" Auf der That ergriffen V lachte I...; ja, glauben Sie denn, ich sei so ungeschickt gewesen, mit m e in em Tausendguldenschein zumWechslcrzu lau fen?" Moses beruhigte sich wieder etwas. Gut, gut" sagte er, sich die Hände in nervöser Unruhe reibend; und wo haben der Herr Lieutenant Ihren Tausendguldenschein ?" Da zog I... ein Blatt Zeichenpapier aus der Lade' seines Schreibtisches und darauf stand in prachtvoller Nachah mung des kalligraphischen und ornamen talen Stiles einer Tausendgulden - Bank note zu lesen : , Tausend Gulden bezahlt jeder vernünftige Mensch mit Wonne Demjenigen, welcher ein Mittel entdeckt, um auf gesetzlichem Wege alle Hallunken vom Schlage des Moses Un terrock und seiner Sippschaft in die sebente Holle zu befördern und für alle Zeiten unschädlich zu machen. Moses Unterrock war vernichtet. Wohl erhob er noch einmal das Haupt mit einem heisern Aufschrei der Nache,als ihm jedoch I... bedeutete, daß die angeblichen Nachahmungen des Zehner und Hun derterscheines echte Banknoten gewesen seien, welche ein wohlmeinender Käme rad ihm zur Bestrafung des Seelenvr käufers zur Verfügung gestellt hatte und als er sich endlich auch noch überzeugen mußte, daß der Empsangschein, welchen I... ausgestellt hatte, ebenfalls nicht als .Waffe gegen Diesen dienen, sondern nur für den Juden selbst verderblich werden konnte, da nahm er seine sanfte Dulder miene wieder an und entfernte sich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Den Tausendgulden - Denkzettel, welchen ' der Lieutenant ihm gewidmet hatte, ließ er zurück, obgleich derselbe rechtmäßig sein Eigenthum war ; dagegen nahm er den Trost mit nach Hause, daß er 'an dem Compagniegcschäfte mit demselben ver lor. Den armen I... hat jedoch dieser Vor fall nicht klüger gemacht. Er siel bald darauf einem anderen Faktor" in die Klauen und zwei Jahre später jagte er sich nach einer in verzweifeltem Hazardspiele verbrachten Nacht imCypreffenhaine des Giardino Giusti zu Verona eine Kugel durch den Kopf. Naiv. Er (seine Tänzerin an ihren Platz zurückführend) : Vorhin habe ich nicht genau verstehen können. Darf ich deshalb jetzt wohl mir die Frage erlaubcn, mit wem ich die Ehre gehabt habe ? Sie (ihn erstaunt anblickend) : Mit mir. Ein Unterschied. Mutter: Mir scbeint gar, der Cousin Carl hatDich geküßt; Deine rechte Backe ist so roth. BaWch: Ich soll mich von ihm küssen lassen ? Gott bewahre. Er hat mir nur eine Ohrfeige gegeben. Verbsert. EinPrrftssor befand sich in einer Gesellschaft und war beim Essen sehr verlegen und zerstreut. Ein nebensitzender Herr machte ihn aufmerk sam: Aber, Herr Professor,Sie nehmen za den Braten mit den Fingern !" Professor: Ach so, entschuldigen Sie, ich glaubte, es wäre Spinat!" Naturgesetz. VonErfurt sind vor einigen Tagen (31. März) die Sechsunddreißiger- nach Halle a. d. S. derlegt worden. In Folge dieses Gar nisonwechsels haben sich, wie der N. A. Z." aus Halle als Kuriosum, aber that sächlich begründetes, gemeldet wird, an in dortiges Vermiethungsbureau nicht Weniger als vierzig jetzt in Erfurt in Diensten stehende Mädchen um Dienst in Halle gewendet. Schwiegermutker: Aber, Her? Schwiigersohn, blicken Sie mich doch auch wenigstens 'mal hin und wieder eine Sekunde freundlich an, es brauch, ja doch nicht das gan?e Publicum unser Familunverhältniß sofort 2 durchschauen!"

fiTinTiiysnKS!

E.'waö über Glatzen. . Aon F. G. Ist eine Glatze etwas Häßliches oder nicht?" Die Ansichten darüber, sind verschieden, aber da besonders in unserer Zeit Kahlköpfe etwas sehr Gewöhnliches sind, so lohnt es sich doch, di: Frage einmal öffentlich aufzuw:rfe.i und eventuell zur Diskussion zu brine.. Es gibt verschiedene Glatzen. Solche, die compromittirend v.ib verräterisch sind, harmlos: 'Gh :en auf Denkerköpfcn,- Glatzen, die d . rch Krankheit, Sorgz und Arbeit eni''.-.n den sind, oder solch?, die eben ,ur ein: sZ-olge der vorgeschriticuen sind, obwohl man von vcrgcschr'.tien:n" Iahr-n Bei Männern von Ärcifr'ii bis Fünfunrvierzig kaun rcbcn darf, und dzs ist die cU, in der die allermeisten M.'wncr ihr: L?ck:??prach! cuf Nin.:?w:cdcrsch:n einöü'i. Am fatalsten sind di; wez'.-.ilsiclen &fiT'u rr Ct'rt' 711 "v tor i"t"v l.t.l l'UUf I. j.l..t,vl uvvl TTT fi"? "i :"! Vu r :' ? '1 r H-1- -wiUuUvi, Vii. !ui K.C besitzen rravjüc;:, a draus KZzel'öj und ihr, 0 V-1T tv 5.''-1?"vtf ,lv.iVllu l 1iu.93r.tts verödet, und da ianic.i dc-7?n euch d:: Haar: 3:1 iurz fca:i f:: fielen aus. Naturlich aelangt euch n?.inche? solide, jun75 Mann oft unschldi? in en Ruf, seine' Haar: ,.wez.v:nüsirt" ?.n haben. Es lomint also, wi: a?X sehr aus die Art einer Eltz: an; es gibt sympathische und unanaenehme, langweilige, u:'.auSJ'.sproch:n.: und wahre Charakter - Glasen, und letzter: finden auch vor den Angen der Frauen Gnade, sie können sogar interessant sein. Der fatalste Zeitpunkt ist wohl, der, wenn die Glatze sich ankünd:a,r, wenn dieHaare massenhaft ansgehen", der Scheitel immer breiter und lichter und das Frisiren immer schwi:r'er wird. Da überfällt die Seele ein großer Gkatzcnjammer", und trübselig declamirt der reifere Herr der Schöpfung wohl vor sich hm: Wie bald sind Lieb' und Lenz dahin Und all' die Seligkeiten " Und auch die Haare! Aber man aewöhnt's schlienlich. man lernt es ohne Schmerz, sich vom Kamm zu emancipircn, man gewinnt schließlich seinen eigenen Kahlkopf, den man vordem nur mit geheimem Entsetzen im Spiegel betrachtet hat, lieb. Ja, es ist so ich weiß es! Ein Kahlkopf soll vollständig seine Aufgabe erfüllen: Wenn schon, denn schon!" Ein ordentlicher, glänzender Schädel ist gar nicht so üb:l, und wenn auch nur noch zwischen den beiden Ohren etwas Haarwuchs übrig geblieben ist. So eine wohlgepflcgte, ehrliche Glatze steht sogar Manchem sehr gut, und es gibt Männer und Gesichter, die man sich gar nicht mit Haar" denken könnte. Falsche Eitelkeit sucht oft eine solche Glatze zu verdecken. Manche lassen dort, wo das Wachsthum der Haare noch nicht ganz abgestorben ist, frauenhafte Haarsträhne sprießen, die sie dann über den unbewachsenen Theil der Schädeldecke ziehen und sorgfältig gruppiren. Der Effect ist nicht zu garantiren. Meistens sieht das noch schlimmer aus, als der ehrliche, nackte Schädel, denn vorne gar kein Haar und hinten ein paar Strähne langes Haar, das ist ein Widerspruch, über den keine Frisirkunst hinwegtäuscht. Meistens beginnt der Kahlkopf sich vom Wirbel aus zu verbreiten, dort wird das Haar zuerst dünn oder schütter", dann verbreitet sich die Erscheinung gleichmäßig fortschreitend und kreisförmig, bis auch die vorderen Partien desKopfschmuckcs immer dünner werden. Das Haar wird immer zarter, und bald bedeckt den Kopf nur noch ein zarte? Flaum, der gegen daLicht angesehen werden muß, wenn er blond ist. Dieses Stadium ist fatal. Die Glatze ist ein sait accompli", eine Thatsache, das immer dünner werdende Haar ist eine unangenehme, langsam marternde Mahnung lieber schon gleich einen Kahlkopf, es ist ja doch das gemeinsam: Lcos aller Männer: Graues Haar oder Glatze." ein Drittes gibt cs nicht. Die Wahl thut .Einem wirklich weh! Vielleicht würden sich die Meisten für den Kahlkopf entscheiden und lieder den Mangel ertragen, als die ehrwürdige Fülle von Silberfäden". Graue oder weiße Haare kann man aber färben. Man erkennt es zwar auf zehn Schritte an allerlei Anzeiüen, vor Allem an der unnatürlichen Farbe und an dem glanzlosen Haarkörper was auch vom gefärbten eidottergelben Haar der Frauen gilt aber cs gibt Greise, die doch noch mit der Jugendlichkeit ihrer in allerlei Schattirungen schillernden Locken paradiren wollen. Ihr Vertrauen auf die Vortrefflichkeit dieser Mittel geht ja sogar so weit, daß sie sich den ergrauten Bart, anstatt den alten Burschen ganz aus dem Gesicht wegzuputzen, mit der Haarfäröewichse anstreichen, die nicht selten auch noch dazu Flechten und Hautkrankheiten hervorruft, und im Grunde ja doch keinen Menschen, der stiue zkei Augen im Kopfe hat, täuschen kann. Man merkt cs immer: Das Versteckenspie! mit der Verrücke ist gar ein vergebliches 55hun und Trachten der Kahlköpfigen, denn di: größte Kunstfertigkeit farp nicht darüber tauschen, daß der Haarschmuck wc anders al- auf einem künstlichen Jzden steht, und, wie gesagt, auch das Haar stirbt ab; das Haar der Perrück: ! ist eben todt, es ernährt sich nicht mehr und verliert naturlich den Glanz. Nur auf der Bühne kann ' eine Perrücke täuschen, aber im Leben

nicht.

g...., KsggaBsna Eine richtige Glatze muß wohlanZ

gebildet, vollkommen sein. Sie er-" mangelt ihres Reizes, wenn, wie man oft sikhl, vorne über der Stirn noch . ein Haarbüschel übrig bleibt, zstt wenn die Glatze nur die Ausdehnung einer etwas größeren Tonsur an nimmt, das heißt, wenn nur der Wirbel sich lichtet und das andere Haar ringsherum stehen bleibt. Es siehd dann aus wi: Mottenschaden. Solche Glatzen haben keinen Cha--rakier und tragen viel eher das Kennzeichen eines Gebrechens, als ein. ordentlicher, gutentwickelter Kahlkopf,, auf dem kein Haar mehr wächst, und der sich in das Schicksal mit heiterer Würde ergeben hat. Eine gewisse Theilnahme erweckt der Glatzen - Candidai, wenn mare die liebevolle Obsorge beobachtet, mit der er die schwindende Pracht pflegt wie er mit den dürftigen Ueöerbleiose!n wuchert und s?gar. wenn nur noch eine Svur des einstigen Besitzes vorhanden ist, nicht da:es verzichtet, sic!i frisiren zu lassen und di: paarStmmerln" sorgsam zu ord::en. Dieses krampfhafte LsstreöeN ist sogar lächerlich, ran mui) ben Mnih seiner Glatze haben wa liegt denn da-, ran? . Es lann uns doch nur an- den.'. Granen und ihrem Urtheil liegen, und, wie gesagt, eine Anzahl von grauen, die sonst Geschmack und Schönheitssinn bekunden, haben als das Thema kürzlich in einem größeren. 5ireise zur Sprache iam, di: Frage: Ist eine Glatze häßich?" zwar nicht mit ausslammender Ueberzeugung., c.be? doch einstimmig verneint, allerdings mit derEinschränkuna, das? es auf die Glatze ankommt; mir scheint aber vielmehr, dieDamen wollten sagen: Auf den, der die Glatze trägt." Itnsere Damen haben sich eöeir schon einigermaßen daran gewöhnt, daß die Männer in dem Alter, toa man noch durchaus beachtenswerih ist übcr die Möglichkeit des Haaraus rauftns" hinaus ist. Die Natur ist. vermuthlich anderer Ansicht, sie hält eine Glatze für unschön, Beweis dcrfür, daß die Frauen davon verschont bleiben. Es gibt, keine weiblichen, sondern nur männliche Glatzen Ein2 Glatze ist nichts Schlimmes". Eine andere Sache ist es, wenn Jemand von einer Glatze betrosscn wird, der sie in seinem Berufe gar nicht gebrauchen kann; ein Sänger, man denke sich einen kahlköpfigen Faust, Naoul oder Lohengrin, er wäre eineKarrikatur; auch der Liebhaber deZgesprochenen Dramas verfügt immer über reichlichen, womöglich loeligen Haarwuchs. An kleinen Theatern läßt sich jeder Liebhaber, ehe er die Bühne betritt, das Haar brennen (!).. Bühnenkünstlern mag die Perrücke gcstattet werden, und sie machen ja auch, im Leben Gebrauch davon, ferner solchen, die durch starke Empfindlichkeit der Kopfhaut zu einer konstanten Ve- 9 deckung des Schädels veranlaßt wer-" den, den Anderen nicht. Der römische Imperator, der sich einen Vlat terkranz aussetzte, damit man den kahlen Schädel nickt sehen solle, hat wahrscheinlich sckzmcrzliche Thränen seiner schwindenden Lockenfülle nachgeweint; er würde heute nicht mehr zu jener genialen Erfindung gelangen, denn wenn wir uns etwa in einem Cafe- oder Nestaurant, wo Herren unbedecktenHauptes sitzen, umsehcn, werden wir finden, daß der intakte, volle: Haarwuchs eigentlich in der Mimrität vorhanden ist und daß die Glatze, die Oberhand gewinnt. lebe kittd Lasso Wi: bei den Eowoys" in Jen?.uela. Südamerika, Liebeshändel ausgefochten werden, davon, mag folgender Fall, welcher einem in Florida erscheinenden Blatte entnommen ist eine Borstellung geben: Auf dem Gute des Präsioenwv Erespo im Innern Venezuelas fand kürzlich ein scltfames Duell statte Zwei Baaueros so heißen hier blc Cowboys waren Beide zn einer dunkeläugigen Jndianermaid derQrinoco - Ebene in heiler Liebe entbrannt, und es wurde beschlossen, dafc ein Duell mit dem Lasso entscheiden sollte, wem das Mädchen anzugehören. habe. Bor einem Dutzend Collegen cl Zeugen fand das grausige Duell statt. Beide Liebhaber kamen auf feurigen Mustangs angesprengt, und jeder hatte einen langen, mächtigen asfc Sie näherten sich bis auf 40 v'ozz C0 Jards und begannen dann Zu man? vriren. Nach mehreren virgeblicyen Versuchen sauste der Lasso des Jünger ren so rasch durch die Luft, daß das Auge ihm kaum folgen konnte. Der Andere drückte seinem Mustang tief die Sporen ein, und das Thier sprancr gerade noch rechtzeitig vorwärts, urx seinen Herrn vor der Schlinge zu rek tcn. . Im selben Augenblick erhob sich der Lasso dieses Zweiten, schlang sich um die Schultern des Gegners und preßte die Arme so fest an die Stftrov wie in einem Schraubstock. Der glückliche wurde kopfüber ' aus beer Sattel gerissen und der Sieger schleisir ihn mit dem Lasso langsam auf sich zs zog ihn dann halb vom Bodtt? herauf und schoß ihm zwischen den beideiQ Augen eine Kugel durch den Kopf. Dann sprengte er direkt- in daZ Lage? der Schönen! Undankbar. Frau Zanaerl (zu ihrem Mann): Du Abscheulicher!. Ztkin Empfang, keine Blume, kaum efcx freundliches Wort, und ich war doch acht Wochen fort! Mann: .Verzeih'. Du hast recht, ich bin wirklich ei. Undankbare?!