Indiana Tribüne, Volume 17, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1893 — Page 6
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3222 Frau von Naruschkill. Vo, Zrjevrich Terupurg. i fledcr Gastbof. wenn er lang peniig Tebt. um sich auszuwachsen, betami rait Svecialität. Die des Hotels ifi die russische Kundschaft. Sie ist .tfuai nicht immer sehr bequem, hat sehr viel zu wünschen und zu fragen, Deilauat oft Credit. Aber sie halten zusammen, die Nüssen; wenn einer ßfctt) wt. haben Alle. Und Pfennigfucüscr? Das kennen sie nicht. Die -Htelbuchführunz weiß es im Uebrineu so einzurichten, daß immer einer für den anderen be.,iahlt. Auch der Portier des Hotels ist eine Specialität. Portiers yaben meistens eine Geschichte: die des Portiers im &ci:l ist eine bewegte. Auf seinen Posten links neben dem HotelGincana kam er auf dem Weg durch's Militär. Als PremierlieutenanZt in mein süddeutschen Contingent war er bzec;anaen. Lieutenants gehen regelinäsjia ab. weil sie zu große Erwariunaen an ihre Zukunft knüpfen. .ai?öileute. weil sie vollständig desillusionirt sind. Unser Premierlieutenan: muhte seinen Abschied nehmen ßcseii schwerer Insubordination. Er teil:, trokdem ihm der Urlaub derrccicerl war. unter erschwerenden Umständen seine Garnison verlassen. Urfache : grauen v.mmergeschichten. Dann hatte er geheime und oebeimnikvolle militärische Aufträge beIcrci in Frankreich und namentlich in Nufzland. Schließlich war er in beiden Ländern argwöbnischen Berbachtern beaeanet: er mußt,' Anstand uehmen. diese Studienreisen fortzuset- . zen. sie hätten ihn zu weit führen ion rien. Cr versuchte es mit der JourjiallBi!. mit der Schriftstellerei. die rlitänsÄe Concurren.z in beiden Fächern war zu stark; mit allerhand Geschäften, die bie und da schon be'denklich wurden, leben mußte er ja. Scblien.lich stand er vor der Wahl. Detectiv'bei einem Privatinstitut oder Portier zu werden. Er entschloß sich für das Letztere: seine Svrachkenntnisse sicherten ihm diesen vielöegehrten Vlak sowie der völkerpsychologische Scharfblick, den er sich auf seinen Neisen.anaeeia.net hatte, namentlich seine Kenntniß des Russischen. Er ist ein tvahrer Schad für sein Hotel: mit tu nein Llkk taxirt er den Fremden, für .Sicht des Stockwerks, vorne oder hinten hinaus, unbedingtes Vertrauen oder Vorsicht. Er ist untadelhast rasirt und angezoaen: Backenbärte wie gute englische Würsten: mit seiner goldbetreßten Mütze siebt er aus wie ein englischer 'Admiral auf Halbsold. Seine Haltuna weist von vornherein unpassende Vertraulichkeit zurück, während sie tocö Vertrauen herausfordert. Er scheint vorbei zu wissen, was ihn die .Hotelgäste fragen wollen, noch ehe sie sich ervlicirten und seine Adressen sind zurerlässw. Er gibt auch selbst Darleben und es heikt. daß er sich auf seiuen Vortheil sehr aui verstehe. Er vcrfüat übe? einen Blick, der sich vor den scheidenden Fremdling wie eine Aarri.ere leat. die dieser nicht passirt. ohne durch ein Lösegeld den Weg srei gemacht zu baben. Die herablassende, freundliche Art. in der er es entgegennimmt, ist durchaus gentlcmanlike". Grandezza und unerschütterliche Nuhe lieg! über ibm: selbst der weite, bis an die nüke aehende Rock scheint sie auszuttrablen. Sein: Äerclncneit ist Niemand Im bohl bekannt, vielleicht selbst dem Hcteloeftter r.ichi: ab:r es spricht etrsa aus seinem Wesen, was die lcichtfüniaen Kellner mit Scheu erfüllt. Etwas Starres, Eisiges. Er .spricht wenia: was er sagt, ist bitter und schneidend. Er trägt das boh--rende Bewußtsein seines socialen Falitl unter der goldbetreßten Mütze und tVrnicr der aleichmüthigen DZenstmaske sewcs Gesichtes. Ein Deklassirter. Mit Niemand pfleat er Umgang; es lzeiki. daß er ein schönes Stück Geld auf der Bank hab: Gir.e Droschke hielt vor dem Hotel. Ir Dach war gekauft hoch mit Kosfern belastet: der Kutscher hatte, um seinen ??abraästen die Illusion einer Tour zu aeben, den Häuserblock um fahren, denn d:r Gasthof ist kaum .eitun Sieinwurf vom Lahnhofe entf:r:.t. j&r-ii Hausknechte entlasten die "Drsufi'-C während der befrackte Kellr.er diensifertia die kleinen Gepäckstücke in Empfang nabm. die ihm aus dem Schlaz berausaereicht wurden: Ta-
fchen. Säcke. Schachteln.. Kleidungsstücke: es nahm kein Ende. Jetzt karnen indessen schon die-Blumensträuße. Dann sprang eine schlanke, jugendlicke Dame aus der Droschke; grauer Neiseanzua. grauer Schleier über dem Gesicbt. Und nun das eigentliche Lzauvtstück eine dicke Dame, ganz blau und gelb, gelbe Feder auf dem blauen Hütchen: die früher auffallend , fchönen Züge sich, wie in Selbstverfpottung, jetzt in das Groteske auswachsend; die dicke Wangen auffallend roth und weiß. Ein kleines Hündchen im blaugelben Mäntelchen trua sie unter dem Arm. Der Portier verständigte den Oberkellner mit einem Blick. Numero .fünfundsiebzig und sechsundsiebzig." schnarrte dieser. ..vorn heraus drei Treppen." Die dicke Dame warf 'einen müden ' ' Blick auf die um sie beeiferte Hotelbe- ' dienuna. Da streifte ihr Blick den Portier: sie schaute hin, sie sah nochmals hin. sie schien etwas sagen zu wollen, ab:? aeaenüber dem gleichmä fcia aleiÄailtiaen Blick des Portiers schluckte si es hinunter. Sie murinelte etwas vor sich hin, als sie die weniaen Stufen zum Aufzug hinauf schritt, und ebe sie in den Kasten trat, .warf sie rasch rwch einmal den Kopf
herum. Der Portier war indessen schon in seiner Loge verschwunden. Die iunae Dame war noch etwas zurückaeblieben. Sie schlug den Schleier zurück bleich, das Näschen leicht aestülpt. ein kräftiger, großer Mund. Die matten, grauen Augen blickten scheu umher, als ob sie nach etwas fragten. Der Piccolo des 'Hotels trat auf sie zu und überreichte ihr ein Sträußchen aus Edelweiß. Die iunae Dame nahmes hastig und steckte es an die Brust. .Olaa." tönt: die Stimme der dicken Dame aus dem Aufzugskasten, wie lanae soll ich wieder warten?" Schweigend wandte sich die Angerufene nach dem Aufzug, der lautlos in die Höhe glitt. Nach einer kleinen Weile brachte der Kellner den Zettel in die Portierloge mit den Namen der Angekommenen. 5?rau von Naruschkin von Charkow, Fräulein Olga von Naruschkin, las der Portier. Ein grimmiger Blick fiel darauf; man hätte nicht geglaubt, daß so viele heftige Bewegung über diese dienstmäßigen Züge gehen konnte. er knüllte das Papier zusammen und warf es in die betreßte Dienstmüke. Aber er zog es wieder hervor und legte es geglättet auf den Tisch und auch seine Züge nahmen wieder ihre eisig: Rübe an. ??rau von Naruschkin hatte rasch eine Menae von Bekannten und Landsleuten gefunden, mit denen sie Berlin studirte. ,In den wenigen Stunden, die sie sich des Tages im Hotel aufhielt, ward es in ihrem Sal?n nicht leer von Besuchern; der Zimmerkellner war unausgesetzt mit Thee und Cognac in Bewegung. Fräulein Olaa hatte alsbald bei dem Portier die Adresse eines berühmten Arztes erfragt, Frau v. Naruschkin beruhigte sich bei den längeren Abwesenheiten ihrer Tochter dabei, 'daß sie in der -Svrechstunde des Arztes sei. Im Ueörigen hielt sich diese stiA zu Sause. Wie die Mutter laut und lärmend war. erschien die Tochter still und verschlossen. s?rau von Naruschkin fuhr in den großen Modegeschäften herum, um die Ausstattung ihrer Tochter zu besorgen: sie erzählte den Commis. daß ihre Tochter eine große Partie mache, sie wolle nur das Beste und feinste, ihr Schwiegersohn bezahle Alles. Fräulein von Naruschkin warf auf das. waS man in's Hotel schickte, kaum einen flüchtigen Blick. Allgemeine Nervenabspannung, so erläuterte Vftau von Naruschkin dies ihren Besuchern. Wenn Frau von Naruschkin die Halle passirte, war der Portier immer verschwunden, so eifrig sie auch nach der Portiersloge blickte. Dagegen suchte ihn Fräulein Olaa wiederholt in seiner Loge auf. Am dritten Tage nachher Ankunft der Russinnen meldete derPiccolo dem Vorticr. die Dame von Nummer fünfundsiebenzia wünsche ihn auf ihrem Zimmer zu sprechen. Frau von Naruschkin stand, alser bei ihr eintrat, am Fenster, als suche sie etwas auf der Straße. Sie fuhr rasch herum und firirte den Portier,' auf dessen Gesicht der volle Schein des Abendlicktes fiel. Er ist es!" rief sie halblaut. Gnädige Frau haben befohlen," saate der Vortier, der mit keiner Miene zuckte und an der Thür stehen blieb. Es sah wild aus in dem Salon. geöffnete Koffer quer im Wege, Kleidungsstücke. Packete aller Art auf Tischen, Stühlen und Sopha, ein einzelner Schuh mitten im Zimmer; eine Wolke von Cigarettenrauch, Moschus und verschüttctenSpirituosen schwebte über dem Naum. Frau von Naruschkin trug einen rothen Schlafrock und ein rothes Tuch um das Haar. Entschuldigen Sie, daß ich Sie heraufbemllhe," begann sie zögernd. Ich bin in einiger Verlegenheit, eigentlich in großer Verlegenheit; meine Tochter . . ." Dann hielt sie inne. klemmte ihr Pincenez in das Gesicht. Sie hatte zuerst russisch gesprochen; jetzt rief sie mit einem starken Anklang von Wienerisch: Was soll'n wir Zwoa Komödie z'sammen spielen! Du hast mich g'wiß erkannt. Deine alt: Pepi und Du bist der Föns. Ich habe die gnädige Frau erkannt," antwortete der Portier gemesscn, als wäre er beim Rapport. Bist immer noch bös -auf mich?" rief die Naruschkin. auf den Portier zugehend. I seh' Dir's an. 3 kann
ja nix dafür, daß das so passirt ist. Schau! wärst nur einen Tag früher nach Prag g'kommen, i wär' gewiß mit Dir gangen. Aber da war der Ruß', der war so dringend, wollt' mich gleich heirathen. Da hab' i mi' halt b'reden .lassen. Er hat auch Wort gehalten und i bin a gnä' Frau. Aber vergessen hab' i Dich dock nit." Sie streckte ihm die Hand entgegen. er zog die seine fest an mt Seite. Ich bin ohne Urlaub auf Ihren Brief aus der Garnison fort. Der Scyerz hat mich meine Existenz gekostet," sagte der Portier, finster. Was befehlen die gnädige Frau?" Nimm's nur nit gar so schwer mit mir," rief dieDame, wir waren junge Leut' und Spaß muß sind!" sagt der Berliner. Schau' so lustig wie mit Dir bin i nachmals nimmer g wesen. Weißt noch das Liedel, das wir zusammen g'sungen haben, wo ich immer dazu hab' tanzen müssen, es war Dem Leibstückl." Sie faßte den rochen Schlafrock, hob ihn, daß man die schwarzen Strümpfe sah. Ihre Stimme klang fettig und heiser, während sie aus die Melodie eines Gassenhauers sang:'' Die Krähen nehmen überHand, Es kommt ein harter Winter.
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Das Glück das geht ' von Hand zu Hand, Nur zugegriffen, Kinder!" Sie schloß mit einem riskirten Pas. Die alt: Chansonettensängerin war in ihr ganz lebendig geworden. Siehst", rief sie mit einem lockenden Tone, ich hab' auch die alte Zeit nit vergessen." Das Glück geh!." ' sagte der Porti:r finster, auch meins ist geganzen; doch genug davon. Ich frage nochmals, was hat die gnädige Frau zu befehlen, oder ich gehe." Ja," rief die Naruschkin. da fällt es mir heiß ein, wegen meiner Tochter woll! ich Dich fragen.Seit letzte Nacht ha!)' ich das Mädel nicht mehr gesehen. Sie hat einen Bräutigam, ein:n .vornehmen Russen, den nächsten Freund voa meinem Mann. Ganz Charkow beneide! uns um dieP'Zrthie. Da kommt so ein Windbeutel, der nichts ist und nichts hat, so ein entlassener Schulmeister, so ein Nihilist und streicht mei' Mädel nach. Sie ist natürlich zu gut erzogen, als daß sie was von ihm wissen will. Ich reise mit ihr nach Karlsbad. Da taucht der Mensch wieder auf. Mama," sagie meine Olga, wir wollen schnell fort, daß ich den Menschen nicht mehr zu sehen brauche. So sind wir in Berlin sie ist ausgegangen aber sie kommt nicht zurück, es kriegt mich mit der Angst, sie wird sich doch nicht verlaufen haben! Maria und Joseph! Wenn dem Mädel nur nichts passirt ist. Hast Du nichts von ihr gesehen?" Der Portier sah sie eine Zeitlang an; er schien sich an ihrer Angst zu weiden. Dann sagte er langsam: Der Mensch, von dem Sie erzählten, ist klein u?d schwarz?" Die Naruschkin: Klein und schwarz, er trägt ein: Brille. Du kennst ihn?" Der Portier:' Und sein Name ist Joseph Ruöinstein, nicht so?" Die Naruschkin: Ja, daZ ist fe:n widerwärtiger Name. Doch was thut das zur Sache?" ' Der Portier: Mehr' als Sie denken. Wenn Sie wissen wollen, wo Fräulein Olga ist, so fragen Sie nur nach Joseph Rubinstein. Bon ihm ist sie sicher nicht weit. Heute in d:r Frühe ist sie :it ihm abgereist!" Die Dame fuhr heftig auf: Du lügst!" Sie fixirte hin: Nein, ich seh' :in:n böienBlick, den gab ich immer bei Dir gefürcht't. Der war's, auch. warum ich von Prag fortlief. Sie siir auf den Portier zu und sackte M am Rock. Red'!" rief sie außer sich, woher weißt das?" Der Portier schüttelte sie von sich ad, als fühle er einen physischen Abscheu. Langsam, als tolle er iar iedes Wort in der Brust herumdrehen. sagte er: Sch bab: ihr felbst das Reisegeld gegeben. Ja, Spaß muß sein, so meintest Du ja eben. Mein Spai ist so lustig, wie damals der Dewe. er paßt zu der Mütze, die ich trage. Reise für Reise. Deine Krähe ist ausgeflogen, nun sieh zu. wie Du sie greifst." ??rau von Naruichkin stieß einen Schrei aus und begann zu wanken. Du! Du!" Das brachte sie noch stammelnd heraus. Der Portier drückte zweimal auf en Klingeltelegraphcn und räumt: mit emer Armbewegung einen (stuyl ab, daß die Packete auf den Boden prasselten. Das Hausmädchen erschien. Seben Sie nach der Dame." sagte er kalt, sie hat eine schlimmeNachricht erkalten." Dann stieg er langsam die Treppe hinunter und pfiff das Lied von den Krähen vor sich hin. Der Piccolo sah ihm erstaunt nach; einen solchen Exceß hatte man von dem Manne noch nicht im Hotel erlebt. Unten in der Halle nahm der Portier mit geschäftsmäßiger Ruhe sein Amt wieder auf. das Gesicht lag wieder in seiner eisernen Ruhe. Fremde gingen und kamen. Der .Portier gad sein Reichen.' Neunzig und einundneunzig." schnurrte der Oberkellner Ihrer Tochter ist Frau von Narusckkin nickt wieder habhaft geworden; es heißt, sie halte sich in einer Nihilistenkolonie der Schweiz vervorgen. Heitareö. Stolz lieb' ich den Künstler! Ein Bankier lud einen etwas verbummelten Schauspieler zum Diner ein. ließ ihn aber fühlen, daß er ihm eine Ehre zu erweisen gedenke. Dieser verbeugte sich und erwiderte: Mit Vergnügen nehme 'ich an, muß indessen bemerken, daß ich nichts a nießen werde, als Kartoffeln." Geh, Sie scherzen, dann hätte miine Einla. dung ja keinen Zweck." Ich spreche im Ernst, denn ich pflege nur das anzunehmen, was ich erwiedern kann. Leider kann ich Sie bei Ihrem Ge genbesuch nur mit Kartoffeln bewir. u then. Vom Kasernenhof. Wachtmeister: Sie erhalten acht Tage Kascrnen-Arrest, Einjähriger, weilSie dem Herrn Lieutenant zu familiäres Honneur erwiesen haben." Einjähriger: Der Herr Lieutenant ist ja mein Vetter' Wachtmeister: Das ist ganz egal, respektiren müssen Sie ihn dock und wenn er selbst Ihr Vater wäre. Schmeichelhaft. Dichter: Meinen Sie nicht daß die Gestalten meiner neuesten Tragödie das ganze Haus zu Thränen rühren?" Theaterdirektor: Ohne Zweifel! lauterJammergestalten! Lehtes Mittel. Standesbeamter: Ich frage Sie, Joses Pieske. ist es Ihr ausrichtiger Wille, mit Jh rer Verlobten in den heiligen Ehestand zu treten?" Bräutigam: Soll , ich oder soll ich nicht, Herr Standesbeamter?"
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SkürmlMc LIcbc. 0:3 rrar eins aufaereate Verband ' - i & j Titrrrr VT!T.4i V? fllrthitftstVttmtr?A ' 114IV, Vw4lyw Vt yttvUVblvlkJHjJ' klage der Kellnerin Lor' B. gegen dcr.-n Bräutigam a. D., den Kommissionär Franz K., vor dem Schoffengerichte zu Berlin zeitigte. In dem Wortgefecht, welches die Beivcn im Gerichtssaale aufführten, klamj Alles so weanerifch". daß man sich an die Ufer der schören blauett Donau vcrsetzt glaubte. Wie aus der Beryandlung hervorging, unterhält Fräulein Lori, welch: schon längst aus dem Schneider" ist. ichon seit Jahren em zärtliches Verhältniß mit dem Verklagten, welches durch keine Macht der Erde getrennt werden kann. Sie haben sich gar wacker gezankt und gestritten, sie lagen sich oft in den Haaren, und doch bestand zwischen Beiden ein Etwas, von welchem Franzl sagt : I waß nöt. i mag's Mensch gar nöt, und wann i's nöt sieh, so fehlt mer halt wos ; nutzt nix, sie hat was an ihr, was ka Andere halt nöt an ihr hat. Auch Fräulein Lori kann nicht von ihm lassen. Sie sagt : Er ist a a Haderlump, a versoffener, aber 's nutzt nir, ma muß ihm gut sem ! L ha! war aus mein' ganzen Korper !a Fleckel, was er mir nöt blau geschlagen hätt', aber wegen dem halt' i doch zu ihm ! So ist es denn gekommen, daß, als er endlich einmal einen Strich durch die Rechnung machte und nach Berlin ging, auch sie bald am grünen Strand der Spree erschien. Sie hatte sich anfänglich mit einem anderen Vertreter des männlichen Geschlechts trösten wollen, aber sie versichert.' daß dies unmöglich war: I waß nöt. war's den seine Leidenschaft oder war's mein wilder Hamur, mit den bin halt gar nöt auskumma, den hab' i müssen zum Beißen anfangen. Da hab' i gesagt, obne den franzl is nir. da hab' i mi aufi getzt, un da war i in Berlin wieder bei ihm. Präs.: Und ,st Ihr bewerjeulger Verkehr hier wieder freundlicher geworden? Klägerin: Wir hoben g'lebt in Ruh' und Frieden, und g'stritten und g'raft haben wir. Ober d'rauskumma san wir olleweil, bis heuer im Mai, do gab's an Mords spektak'l Pri' ' Sie sollen ihm Grund zur Eifersucht gegeben haben? Klägerin: Jesses Maria und Josevb! Wenn l an Beiuch empfang' von an Lands-mann zu mir. da giebt's doch ka Grund zur Eifersucht. Ja! woan's an Anderer wär'! Präs.: Sie be. baupten also, der Angeklagte haoe Sie am 12. Mai thätlich beleidigt? -Klägerin: Bei meiner Seelen Seligkeit. dös darf er mir doch nöt anthun! Ich bitt' Jhna. solche Schimpfreder. gegen ane aus'm zart'n G'schlecht! Präs.: Si: müssen aber die Beleidv jT. l. '?? . gungen naner c?aranerin:en . Klägerin: Also am 12. Mai sitzt der Schani, was a Landsmann zu mir ist, bei mir und plauscht a bissel vol. d'Heimath. Es klopft an der Pforten, i Trog: wer is? Er sagt: x bln's! I kenn' doch glei d' Stimm'; dös is der Franzl, sog' i und deut' dem Schani, daß er ofohrt. I laß' den Franz! eina,' und da kummt er wie a G'wali mensch und schimpft wie a Rohrspatz. Präs.: Welch: Schimpsworte hat er denn gebraucht? Klägerin: I hört' was von Mistvieh und Schlamm pel, und i glaubt, er wullt ml um bringa. Angekl.: Schau mir doch so Eine! I war im besten Hamur zu ihr kumma. Klägerin: Dös is scho?: nöt wahr; er hat an Mordsaffen g'habt, Präs.: Während er spricht, müssen Sie sich ruhig verhalten. Klägerin: I bitt', dös is recht. aU d' Wahrheit muß er reden. Angekl.: Also, daß i Jhna sag: I kum ham im besten Hamur, sie faßt mi bei der Ehr sogt, i bin a Lump, a schlechter Kerl, dös leid' i nit, und da hob' i dem Fratzen verdammtigtes seine Redens, orten mit Interessen hamzahlt. Präs.: Vor allen Dingen verhalten Sie sich hier ganz abständig! An gckl.: 's is Alles recht, aber wann i Lran denk, i kunnt a Viehzorn kriegen! Klägerin: Na, i loß mi net um--bringa von so a Seeräuber! Präs.: Seien Sie ruhig! Klägerin: Dex Deixel Halt's aus, wann ma den Dis-. kurs von so a Kerl hört! Präs.. Wenn Sie jetzt nicht gleich ruhig sind, lasse ich Sie abführen. Klag.: Na. jetzt in Ernst, jetzt red' i aber kon Sterbenswörtel, und wann's mi dadrückt. Präs.: Angeklagter, haben Sie denn solche Schimpsworte gebraucht? Angekl.: Akt'rat so. wie sie! Dös hob' i ihr schon hundertmal g'sagt. Präs.: Bei welcher Gelegenheit? Angekl.: So os! wir g'stritten hob'n. Präs.: War das oft der Fall? Angekl.: No, i will's mana. Präs.: Wenn Sie oft , gestritten haben, wa rum haben Sie sich nicht lieber qz trennt? Angekl.: 's ist nöt ganga. . Präs.: Was sollte Sie hindern, ein Verhältniß aufzuheben, das beiden' Theilen lästig fällt? Angekl.: Ho.' ben's a Idee! Dös is nöt so leicht, wonn man sie amol ananond g'wöhnl Hot. Auch die Klägerin steht auf demselben Standpunit: I bitt' Jhna, Herr Rath, i bin in einer niiserabligen Situation. Da hob' i zwa Mannsbilds g'habt; der Ane zieht hu der Andere her, sie san eifersüchtig auf anand', und weil sich Aner vor'm Andern fürcht', hauens mi! Dös halt dei Deixel aus: Bin schon wie a g'hetztes Vieh, wie a wilder Ochs bin i worden! Aber: mir san schon so weit vn g'wöhnt, daß Ans ohn' Andern nöt ciushalten kann! Präs.:' Dann wird ?s das Beste sein, Sie halten Rub '.ind Frieden und vergleichen sich hier. Klägerin: Dös wär schon recht, aber i glaub', er macht mi doch amol todt; i werd' Jhna erinnern, daß t ni umbringt. Franzl versich-.rt, daß
i . ga3C!WST;r'rT'nL's,'rtf'r jTf!g. i -
sie eine solche Schandthat nicht zu befürchten habe, denn er könne kein Blut sehen, und unter dieser Garantie kommt ein Vergleich dahin zu Stande, daß Klage und Wiederklage zurückgenommen wird und die Kosten getheilt werden. Das Paar verläßt mit grundverschiedenen Gefühlen den Ge richtssaal. Während er noch einmal versichert: I mog's Mensch nit. aber wonn ich's nöt hab', fehlt mir halt was!" knixt sie vor dem Präsidenten und meint: I küss' d' Hand, aber lassen's mir den Kerl nöt nachkumma! Ein Beitrag zur Wierologie. Das herrliche Bayernland und rn demselben das schöne Jsar-A!hen darf mit Fug und Recht auf den Ruhm, in der Kunst des Bierbrauens den her. vorragendsten Rang einzunehmen. An spruch erheben. Erlangen, Kulmbach und zahlreiche andere Städte haben im Reiche des Gambrinus- einen gutvn Klang, allein allen voran steht das fideleMünchen mit seinemSpaten. Lö-wen-, Augustiner-,Leüstenbräu,Pschorr und wie all' die übrigen Bräus heißen mögen. Dank den modernen Berkehrsmittcln sind diese Biere nicht blos an der Quelle zu haben. Es gibt w?nige Großstädte, in denen au. ßer den heimischen Vieren nicht das Eine oder das Andere dieser Bräus verzapft wird und zwar in förmlichen Bierpalästen. Wie in vielen anderer. Dingen leistet auch in dieser Hinsichl Berlin ganz Außerordentliches. Sein? Bierpaläste werden an Großartigkeil in keiner anderen Siadt übertroffer? und die Güte des in denselben verzapfe ten Echten" läßt durchaus nichts zu wünschen übrig. Wer nun aber sich dieser aute Tropfen erfreut, ohne einen Einblick in die Geschichte der Kneipwissenschaft gethan zu haben, wird vielleicht dn Ansicht zuneigen, daß die Mannigfaliigkeit der verschiedenen Bräus erst eine Errungenschaft der neueren Zeit und daß unsere Vorfahren bei ibren Bierstudium weniger, Abwechslung ge nojjen. as ist aber durchaus nicht der Fall. Schon vor ca. 200 Jahren konnte der duritlge Becher in der beu. tigen Hauptstadt des deutscken Äeicks feine Auswahl unter einer großen Anzahl von Vieren treffen, wie aus etnem im Jahre 1711 von einem unge nannten Bierpoeten gedichteten Kneip, liede hervorgeht. Der gute Mann be. singt:' Kross'ner. Kottbuscr. Nuvviner. Zerbster, Broihahn und Berliner, andbler und Bernauer Bier, (Äarle:, aller Tränke Zier, Duckstein wie aucb ürltenwalder. Spandaner und Mittenwalder, Der Karthauser edler Bräu. Der zu Frankfurt schäumt aufs Neu' Tuchebandcr Brandenburger, sioiper uno ramenburger, Moll von Köpnick. Maadeöuraer. Britzer sowie Quedlinburg - caa)en Wirth' und Gäste rund." Vamit ist der Seaen aber nc& lange nicht erschöpft: ..Gruß Dich Gott, berübmte Gose. Bier von Rudow und Müllrose! Neuendorfer, Kniesenacker, (-pannagel macht's Her, wacker: Lange möge Potsdam blühn Und der Trank von Löbejün! Malchower und Krossendorfer, Forster sowie Fredersdorfer, Dessauer und Naucner. Teupitzer und Kremmener, zvalkendagner. Liebenwalder. Alt-Lebuser. Köniaswalder. Bartscher. Wüstenhausener. Machen sroh selbst Klausener." 3 werden dann noch etwa zwan?i-. andere, meist märkische Biersorten, dh man im alten Berlin haben konnte, angepriesen nur vor dem Gran, seer" wird gewarnt. Gegen diesen Reichthum erscheint di Liste der uns heute zur Verfügung ste. henden .Bräus" fas ärmlich. -Ein Heiner AVE-Schütze aus der Gemeinde Sulzbach kam kürzlich ohne Tafel zur Schule. Der Lehrer fragte hn: Warum hast Du Deine Tafel nicht bei Dir?- Weil ma mei' Muatta an Küach'l geb'n hat, wia'r i' furt bin!" Darauf meinte der Lehrer: Ja, deshalb brauchst Du doch die Tafel- nicht zu vergessen?" Wenn Dir mei'Muatta an Küach'l gebet, that's es a vergessen!" war die schlagfertige Antwort. Zartfühlend. Her? Schulze (der mit seiner Gattin Abends nach einer Fußtour endlich ein , einsames Wirthshaus findet): Ra. Frau Wir thw, was giebtS noch zu essen" Wirtbin: Ich habe nur noch zwei Kotelketten da, mein Herr." Herr Schulze (sich zu seiner Frau wendend) :Aber Minna, dann bekommst Du ja heut garnichts zu essen." V a r i i r t s Sprichwort Vater: Wenn der Herr Rath heirathen will, dann muß es bald geschehen er ist nicht mehr jung sonst wird's zu spät!" Tochter: O. Papa, ein guterRath kommt nie zu spät!" Ausgeglichen. Sohn! Vater, i mag die Kathrin net. Vater (Metzger): BSarum dennet , Toni? Si is a wüstes z'widres Weib! Ach was, dafür bringt sie Dir a paar bildsaubre Sau in die Wirthschaft mit!" ' Bei der Schmiere. Herr: Ra, Herr Director, nach dem heutigen Erfolge werden Sie wohl bald wieder Maria Stuart" geben?" Director: &o. gewiß! Häti'ch g'wußt, daß Ma. ria Schtuart so ä hibsches Stickl ischt. wär'sch scho längst dran gewese!" Souveränität des Lajt e rs. Betrunkener: So a Rausch gibt einem erst das rechte Anseh'n. du feinsten Leut' weichen einem aus."
Die Welt der jxrauen. Z?rauen und Verbrechert h u m. Allen denkenden Lesern, welche im eifrigen Studium der Tagespresse Gelegenheit haben, auch ernste Beobachtungen anzustellen, ist gewiß die traurige Thatsache nicht entgangen, daß das Verbrechen einen ganz erzchreckeno breiten und weiten Raum im menschlichen Leben einnimmt. Deshalb kann es uns weniger in Erstaunen versetzen, wenn wir soeben abermals aus den Zeitungen erfahren, daß auch denkende Frauen, beunruhigt über die große Verbreitung des Verbrechens, sich veranlaßt sahen, diesen Schattenseiten der Gesellschaft ihre rege Aufmerksamkeit zu schenken. In einer der besten, geistigen und philanthropischen Interessen gewidmeten Vereinigung amerikanischer Damen (Aerzte und Schriftstellerinnen bilden die Mehrzahl der hervorragenden Mitglieder) wurde eben der Versuch gemacht, den 'Ursprung der menschlichen Schlechtigkeit zu ergründen, um dem Uebel dann an der Quelle womöglich vor seiner Entstehung erfolgreich entgcg?narb:iten zu können. Unter uns deutschen Frauen gibt es zwar viel w:niger g-lehrte weibliche Aerzte und erfahren: Schriftstellerinnen, als bei unseren anglo-c'merikani-söen Schwestern, trokdem glaube ich, daß unser: Mitarbeiterschaft als dernünftige biedere Gattinnen und Mütter bei der Erreichung der angestrebten guten Endziele' sich von u-.schätz-barer Wichtigkeit erweisen dürfte. Zwar werden im crsieir Augenblick sicherlich alle keuschen und reinen weiblichen See!:n (und wer von uns würd: auf dieses Attribut verzichten wollen) schon vor der bloßen Idee, überhaupt mit dem Verbrechen etwas zu thun zu haben, scheu zurückweichen, und kaum verstehen wie gerade wir es möglich machen sollten, irgend einen Einfluß auf dessen Verminderung auszuüben. Wenn i.ch aber die Ausgäbe richtig erfaßt habe, welche unser: gelehrten amerikanischen Mitschwestern, soweit wir alltäglichen Frauen in Betracht kommen, bei der Verminderung des Verbrechens uns zutheilen, so besteht si: darin, uns durch nachfolgende Auseinandersetzungen Klarheit darüber zu verschaffen, daß wir oft unbewußt zur Vermehrung vieles Schlechten mehr beitragen, als wir a?nen, und daß wir zur Verhütung desselben weniger thun, als wir vielleicht zu thun im Stande wären, wenn wir stets die Quelle d:s Uebels im Auge behielten.' Bei den Forschungen nach eben diesem Ursprung aller verbrecherischen Anlagen hören wir zuerst, daß der Mensch eine gewisse Prädisposition dafür, einen Hang zur Grausamkeit und ImmoraZität der Natur mit auf die Welt bringt, welche sich hauptsächlich darin äußert, daß sowohl bei Kin d:rn als unkultivirten Völkern der Stärker: stets auf Unterdrückung des Schwächeren ausgeht. Auch zeigen viele Kinder schon in frühen Jahren oft' schlechte Anlagen, sie belügen, betrügen, bestchlen und hintergehen ihre Gespielen, und nur wenige von ihnen sind frei von Eigensinn, Eifer- und Selbstsucht. Also nur der Erziehung und namentlich dem Einfluß der Mutter kann es gelingen, diese angeborenen schlechten Eigenschaften zu bekämpfenud auszurotten, ehe sie sich zu Verbrechen entwickeln können: Ab:r die Damen verlangen ,noch mehr, sie wollen die Existenz des Verbrechens unmöglich machen, indem sie all' jenen Frauen und Männern, welche ihre eig?ne verbrecherisch: V:ranlagung auf ihre Nachkommen vererben könnten, von Staatswegen das Heirathen verbieten wollen. Doch fürchte- ich. daß' hierin den Frauen nicht der ganz richtige Weg vorzeichnet wurde. Das treue Weib wird stets diejenige sein,. wrlche zu allererst bereit ist, die Unthat des eigenen Mannes mit diesen, und jenen Motiven zu entschuldigen, sie wird in ihrer allumfassenden Liebe dem reuig zurückkehrenden Sünder verzeihen und in dadurch vielleicht eher der Menschheit Zurückgeben, als wenn er durch den Fehltritt verurtheilt sein follte. als ein Ausgestoßener fern' von Weib und Kind deswohlthätigen, erhebenden Einflusses, eine? geordneten Häuslichkeit für immer beraubt und dem Verbrechen, wie-" der in die Arm: geführt zu werden. Wir erblicken- in htn heiligen Banden der Ehe vielmehr ein Gegengewicht ge gcn das Verbrechen, und auch die Statistiken weisen nach, daß unter allen Selbstmördern und Missethätern die Unverbeiratheinr das größte Kontingent liefern. Damit will ich aber durchaus nicht jene Auswüchse, weiblrchen Mitleides, denen wir hierzulande fo oft begegnen, gutheißen, wo sich gleich eine Anzahl von Bräuten fü? jeden Verbrecher meldet, und die ganze Damenwelt nicht müde wird, den Sträfling mi! allerlei Liebesgaben und Zeichen ihrer Theilnahme zu überschütten, bis aus dem verabscheuunqswürdigen Verbrecher schließlich noch ein bewundertcrMärtyre? gemacht wird. Als zweitverbrciteten Träger und Verbreiter von verbrecherischen Bacillen bezeichnen die gründlich untersuchenden Aerztinnen 'die Lektüre der modernen Novellen und LZebesgeschichten. Diese seien es. welche in unserer jungen Frauenwelt jene krankhaft sinnliche Erregung erzeugen und jene Stimmungen heranzllchten, in welchen dem unreifen Weib: dann jeder schnurrbärtige Kutscher als idealer Held erscheint, der nur die Hand nach der leichten . Beute auszustrecken braucht. Da werde der Grund gelegt
für alle romantischen Entführungen, pikanten Ehebruchsscenen und niedrigen Liebeshändel alle: Art. von denen dann wieder die Spalten unserer Zeitungen überfließen, und wieder zu neuen ähnlichen Heldenthaten animiren. Drittens wenden sich die kühnen Reformatorinnen gegen die Veröffentlichung eben all' diesen Skandals in sämmtlichen Tagesblättern, welche nur wieder dazu beitrage, für neue skandalöse Verbrechen weithin den Samen zu streuen. - Und schließlich erblicken die Frauen in der Lebensweise der armen B:völkerung, in der elenden Ueberfüllung der Tenement'-Häuser tausendfältig: Keime des Verbrechens. Es müßten Heilige sein und nicht menschliche We sen," berichtet eine Dame sehr wahr, wenn zweiundzwanzig Personen, Männer und Frauen, in drei elenden Räumen zusammengepfercht leb:n und dabei doch alle strengen Sittengefetze beobachten könnten. Vermögeir neun Menschen in einem schlechten Zimmer zu ezistiren und dabei rein, zu bleiben an Seelr und Körper?"' frägt sie weiter. Und wird die Tugend blühen, wo eine Familie von' acht, Personen mit zwei Dollars und fünfundsiebziq Cents wöchentlich kümmerlich ihr Leben fristen muß?" Nicht Hunger allein, sondern- auch Hunger nach anständig bereiteter Nahrung, Sehnsucht 'nach reinlicher Behausung, nach einem halbwegs wohnlichen Heim hat die Menschenschon zur Verzweiflung und dem Vcrörrchen in di: Arme getrieben. Nachdem wir nun cll dieArgumente vernommen, werden wir keinen Moment mehr im Zweifel darübe? sein, was wir Frauen leisten können und auch thun wollen,, um der Verbreitung des Verbrechens in all' diesen Formen nach Möglichkeit zu steuern. Vor Allem heißt es. unsere Kinderhüten, jedes kleinsteZeichen von mangelndem ehrlichen Sinn, von schwankender Wahrheitsliebe- bekämpfen mit aller. Macht. Denn, selbst in der Schul: sind di: Kleinen nicht nur körperlichen, sondern anch seelisch anstekkcnden Krankheitsstoffen ausgesetzt. Da muß die treu: Mutterhand nicht nur. den Körper widerstandsfähig machen. sondern die Seele der Kinder kräftigen, daß kein böser- Keim sich einnisten kann. Wo das Kind mit zärtlicher Liebe an seiner Mutter hängt, da wird diese Liebe gar oft ererbte Fehler ausgleichen, und In dem Kinderherzen, das der liebenden Mut--ter nichts verbirgt, kann auch kein schlechter, verbrecherischer- Gedanke Wurzel fassen, selbst wenn der Vaternicht immer so war oder ist, wie er sein sollte. Und wie viele schwankende Männercharaktere haben in ihrcn wackeren Frauen oft schon Halt und 'Stütze gefunden' und sind dem Verderben glücklich entronnen. Ferner wird die vernünftig: Mutter ihre heranwachsende Tochter so zu erziehen, ihre Ansprüche und Erwartungen so zu leiten und durch ihr eig:ncs Beispiel den Beweis zu liefern wissen, daß nicht der Glanz des Leöens allein Glückseligkeit ausmacht, sondern nur Pflichterfüllung wahre Zufriedenheit gewährt. Von dem
sicheren Hafen eines glücklichen Familienlebens aus wird das junge Mädchen weder den Lockungen des Versührers, noch den verderblichen Einflüssen irgend eines Buches unterliegen, sondern aus Liebe zu ihrer Mutter, aus Angst, sie zu betrüben,, den Gefahren des Lebens wacker Trotz bi:ten. Was nun unsere persönliche Stellung dem Verbrechen gegenüber betrifft, so dürften unsere Ansichten wohl so unerschütterlich fest sein, daß wir kaum mehr durch die Lektüre irgend eines Falles zur Nachahmung verleitet werden könnten. Aber- eines' steht fest, wir dürfen dcw 'Zeitungen und Novellisten keinen- Vorwurf daraus machen, wenn gerade sie den Skandal pflegen und ihn uns' in al--len Gestalten immer wieder- auitischen. Würden . wir solche Lektüre niemals kaufen, und- würden wir wie nochTausende vonAndern handeln, die Verbrcchen-Rubriken würden sicherlich aus den Zeitungen gar bald verschwunden sein. So aber drängt sich Niemand mehr zu skandalösen VerHandlungen in die Gerichtssäle, Nieman sorgt mehr, für die Verbreitungdes verbrecherischen Skandals, als gerade die Frauen, und indem sie dies thun, leisten sie dem Verbrechen Vorschub. anstatt es zu verhindern. Und schließlich soll der Aufrui-an unsere Theilnahme die Ueberzeugung, daß Armuth gar oft die Quelle des Verbrechens wird, nicht nngehört und 'unbeherzigt verklingen. Wenn Jeder Etwas zur Linderung der Armuth tbut. wenn wir Zenen Vereinen unsere Hilfe und Unterstützung znwenden, welche die Verbesserung des 5Zooses der Armen in unzähligen Gestalten anstreben, dann tragen auch wir redlich dazu bei,, dem Verbrechen Einhalt zu gebieten, so weit es in unserer Macht . steht. Boshaft. Ach," fagte jüngst ein junges Mädchen zu seiner älteren Freundin, wenn doch alle Menschen Engel wären!" Die Männer, die mich geliebt haben, waren Engel," be merkte das späte Mädchen. Ja. das scheint mir auch so. denn sie sind Dir alle davongeflogen." stein Verschwender. Nachbarin: Und als Sie ihm sagten, der unge habe ein Zehnpfennigstück verschluckt, wollte er da nicht eincnAr?t holen?- Frau Meier: Ndn! Er sagte: es fällt mir gar nicht ein, dem ntt 5 . . i olwr rrc: ncarr zu vezayten. damit K cr einen Zlhnpfenuig heraushat'."
