Indiana Tribüne, Volume 17, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1893 — Page 3

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Solfcroatau von Xavct A!ed5. (15. Fortsetzung.) ' Sie weinte, bat, schmeichelte AI Ks vergebens! Er blieb fest. Ach, waxuui sind imz hierher gekommen?jammerte sie. Ich wünschte von Her.3?n, Du hättest Sibyl Alttsieitt ahei rathet, ehe wir etn?as von ihr hörten. Arme Henriette! Ist es denn meine Pflicht, mich selbst aufzuopfern? Ist es die Deine? Nein Aber Du mußt immtz Deinen Willen haben, koste es. was es wolle. Ich gehe mit geörochenemHerzen, denn ich lass: Dich in großer e fahr zurück." Er brachte sie rasch mit Anna !n den Wagen und sah sie mit ejnem Seufzer der Beruhigung abreisen. Dann kehrte tx in das HauS zurück, das sich jetzt mit der Düsterheit füllte, welche in menschliche Wohnungen einkehrt, wenn der Todesengel zögernd darüberschwebt. Varneck wachte Nacht für Nacht, mit ftiau Monika wechselnd, .saß traurige Stunden neben dem Bette seiner Verlobten, während seine Phantasie und sein Herz mit dem Bilde einer Anderen beschäftigt waren mit dem Sibyl ArnsteinZ, so schön und ernst, wie er es zuletzt gesehen im Mondlichie zu Hammersie'in. Eines Tages öffneteHenriette Varneck ein Paar unnatürlich großer Augen in einem schmalen, erschöpften Gesichte und sah empor zu ihrem Verlobten. Bist Du immer hier?" rief sie mürsch. Verläßt Du mich denn nie? Warum gingest Du nicht mit Deiner Mutter?" Er betrachtete sie mit einem Ausdrucke der Befriedigung. Ach! Das klingt, als oö ick es hätte thun sollen. Wie fühlst Du Dich heute, liebe Eousinee?" Warum antwortest Du nicht?" fragte sie zitternd. ..Was veranlaßt: Dich, da zu bleiben, als sie ging?" Die Absicht. Dich zu pflegen," antwartete er leicht. Es scheint demnach, daß ich nicht sterben werde." Nein. Gott sei Tank!" Sie sah ihn überrascht an. Das ist seltsam", sagte sie in ihrer alten mürrisahen Weise, daß Du so viel Zeit daruf verwendetest, mich am Leben zu erhalten. Wäre ich gestorben, so hätte ich Dir keine Unruhe mehr bereitet." Meine arme Henriette", antwortete i halb scherzend, Kalb mitleidig, mir ist es jedenfalls viel lieber. Du lebst; glaube mir." Du hast Tag und Nacht an meinem Lager gewacht", sagte sie, und zwar mit eigener Lebensgefahr. Daö ist mehrmals ich für Dich gethan haben würde." Sprechen wir nicht davon," sagte er. Langsam zog sie seinen Ring von ihrem Finger. Sie ließ das schimmernde Kleinod auf die weiße Bettdecke fallen. Da. nimm ihn", sagte sie, indem Thränen über ihre bleichen Wan6?n in die Spitzen des Kopfkissens rolli'en. Um Alles in der Welt wollt' ich ihn nicht einen Tag länger tragen. Ich gebe Dir ibn aus eigenem Willen Du bist frei. Geh', heirathe Deine schöne Sibyl. sobald es Dir beliebt." 25. Capitel. ' Mit wirrem Kopfe und wehem Herzen erhob sich Paulette am Morgen nach St. Johns mißlungenem Versuche, sie zu entführen. Der General saß an der Gicht leidend unten und m Folge dessen in schlechtester Laune. Was in aller Wclt veranlaßte Arthu?, uns so plötzlich zu verlassen, Polly?" ar seine erst: Begrüßung. Sie blickte um sich. Hilda saß in der Nähe und nähte, wobei sie ab und zu anhielt, um die Kissen für den gichtischen Fuß des Generals zu ordnen. Arthurs Anblick war also Paulette erspart. Sie fühlte sich sehr beruhigt. Was veranlaßte ihn.. vor Tagesanbruch abzureisen?" fuhr der General fort, dessen Ton hitziger wurde. Ach verdammt fei Kieses Zwicken! Und ohne einer Seele ein Wort zu sagen, wann man ihn zurückerwarten darf. Pfui. Polly!" Sie fühlte, daß ihr das Blut bis in die Schläfe strömte. ' Ich weiß es wirklich nicht, Vormündchen", antworreis sie mit all der Ruhe, über die sie noch verfügen konnte. O, Du hast natürlich gezankt mit ibm!" murrte der General, Du thörichte? kleiner Trotzkovf! Und er liebt Dich noch mehr, als seine eigenen Auc.:n. Komm her und küsse mich. Ich bin ln einer fürcht:rlich:n Stimmung dusen S Morgen. wieDu siehst. Du mußt schreiten und ihn augenblicklich zurückrufen." vta Ihr Gesicht wurde kalt und frostig. Nein. Vormund." antwortete sie be0 stimmt, das werde ich nicht thun." Hilda ließ jetzt ihr Nähzeug fallen und sah ungemein erstaunt aus. Was!" rief der General, dann ist es so. wie ich vermuthete! Und Du bist gewiß der allein schuldige Theil!" Und wenn ich es bin," antwortete sie mit ungekünsteltem Gleichmuthe, warum sollte ich bereitwilliger sein, mein Unrecht anzuerkennen, als andere Leute?" Arthur soll also einige Weile im s?egefeuer bleiben, ha? Komm', komm'. Du eigensinnige Polly, das kann ich nicht dulden. Setze Dich und schreibe ihm. was ich Dir diktiren werde." Sie wurde ganz verwirrt durch sein Drängen. Nein," wiederholte sie; ich sage Ihnen, ich will nicht! Sie wissen nicht, was Sie sagen. Ich ihn zurückrufen? Nicht für mein Leben!" So schlimm ist es also?" sagte er verdrießlich. Alberne Polly Du bist so blind wie cineZledermausZ -Nun, Gott helfe uns! Warum konntet Ihr. Du und Arthur, auch in Zank gernthen? Nun, nun. Du bist wie Dein ganzes thörichtes Geschlecht! Ihr wollt eben elle nur immer Euren Willen haben.-

Hilda zuckte die SHultern. Arthur weiß ohne Zweifel, was er thut," bemerkte sie spitzig. Pfui! Möchte die auch noch anfangen." brummte der General; laßt die jungen Leute ihre Sache allein ausmachen. Ihre Sache. Hilda, ist das gewiß nicht. Verdammtes Kissen! Leg' es zurecht, Polly! Deine Hände sind vielmal mehr werth, als die HildaS." Es kam wieder etwasFarbe zurück in ihr Gesicht. Sie richtete das Kissen nach feinem Wunsche und küßte dann mit plötzlicher reuiger Zärtlichkeit sein ärSerliches, altes Antlitz. Wäre Hilda nicht zugegen gewesen, sie hätte wahrscheinlich ihr lichtes jugendliches Haupt an sein altes, buschiges, graues gestützt und Alles bekannt; aber die spöttiscken Blicke ihrer Feindin erkälteten ihr Herz und schlössen ihre Lippen. Soll ich nicht bei Ihnen bleiben diesen Mo?gen, Vormund?" fragte sie nachdenklich. Ich könnte Ihnen die Zeitungen vorlesen." Und mich murren und fluchin hören? Nein; Hilda ist daran mehr gewöhnt. Geh und denke über DeineSünden nach das paßt mehr für Dich." Sie floh nach ihremZimmer. legte ihr Neitkleid an und ging nach den Ställen, wo sie befahlihr Pferd vorzuführen. Einen letzten Ritt." sagte sie zu sich selbst, als der Ncitknech! das Pferd jhr vorführte, und ohne Beihilf: sprang 'sie in den Sattel der letzt:, mein

schönes Thier, su? immer! Die Hufe des Thieres hoben sich und hinaus ging es auf die nächste Straße. Paulette ließ endlich die Zügel auf den schimmernden Qals des Pferdes fallen. Sie sah die Felder, den weiten Wasserspiegel und die Sonne, und doch sah sie all' diese Dinge eigentlich wieder nicht, denn-ihre Gedanken waren weitab von ihnen. Er ist in das Exil gegan5.en," sagte sie, und er that es meinetwegen; und ich werde sein Antlitz nie wieder erblicken. So lange ich hier bin, wird er nicht zurückkommen. Er verachtet mich jetzt und er mag es thun; es ist so besser." Sie füülte eine Schwer: in ihrenAuc,en, aber sie konnte nicht weinen. Ihre Miene wa? der Ausdruck tiefster Trostlosigkeit. Ein verheiratetes Weib, wie sie war, mußte sie .für immer scheiden von einem Manne, den sie cuf Erden allein und übe? Alles liebte! DasThier trabte hinab zu dem stillen Ufer und hielt mit feiner Reiterin im Schatten eines breiiästigen BaumeS. Vaulette sab mit festem Blicke über die jetzt fast violett schimmernden Gewässer Wenn ich dachte, zljchte t: durch Die Zähne, daß jen:r Mensch wicderHand an mich legen wollte, ich würde mich im Augenblicke dort hineinstürzen und so Alles beenden!" Eine lange Zeit saß sie regungslos im Sattel, der Zügel lag auf dem Halse des Pferdes, das tiefe Blau ihres Reitkleides contrastirte mit dem gelben Haar und ihrem wachSähnlichen Gesichte und ihre dunklen Augen waren in die Ferne gerichtet. Plötzlich hörte sie die Hnfschläge eines zweiten Pferdes und sich umwendend, sah sie Trent lächelnd auf sie zureilen. Er griff an seinen Hut und macht: ihr eine Lerbeuguna. als er an ihrer Seite war. Ein höchst unerwartetes Vergnügen!" Ich dachte. Sie seien fort." war ihre Antwort, während sie ihn gleichziltiz ansah. Ich bin eben von dort zurückgekehrt," erwiderte Trent, indem e? ihr seine mit einem Handschuh bedeckte Rechte über den Hals des Pferdes entgegen streckte. Sie nahm sie zögernd. Ich hoffe, Sie haben eine angenehme Reise gehabt." sagte si: höflich. So war es in der That es übertraf meine höchsten Erwartungen. Erlauben Sie mir. Sie zu begleiten." . Verzeihen Sie! Ich ziehe es vor, allein zu sein!" sagte sie freimüthig. Der General ist wohl zu Hause, denke ich." sagt: Trent. Ich gratulire Ihnen zu Ihr:? Verlobung mit seinem Erben. Es war-ganz natürlich, Pauleite, daß Sie den künftigen He?rn von Weißenthurn einem armen Teufel, wie Georg Trent. vorzoa?n." Sie richtete ihre stolze kleine Gestalt im Sattel auf und erqiff den Zügel. Warten Sie!" rief er mit finsterem Lächeln. Wie krank wie elend Sie aussehen. Palette! Gar nicht wie sonst eine verlobte Braut auszusehen pflegt. Ist es möglich, daß Sie schon eine Schlange in Ihrem Eden gefunden haben? Nein, das kann nicht sein." Mein Glück oder Unglück kann in keiner Weise Herrn Trent berühren," antwortete Paulette.. Ich wünsche Jhnen guten Morgen." Und dem Thiere -einen Schlag mit der Peitsche Versetzend, sprengte sie fort und ließ ihn auf der Straße zurück, wie einen Centaur, von wo er ihr nachblickte, so lanze er sie im Gerichte behalten konnte. Sie ritt so schnell, als die Hufe des Pferdes sie zu tragen vermochten. Ein sanfter Wind blies ihr in's Gesicht und trug ihrHaar, während es wie fieberhaft in ihren Adern glühte. Zum letzten Male!" sagte sie. indem sie den schimmernden Hals des Prdes schmeichelnd klopfte. Morgen müssen wir scheiden für immer." Di: Stunde des Diners war nahe, als sie '.'.ach dem Schlosse zurückkehrte. Sie kleidete sich , mit Sorgfalt und stieg dann in den Salon hinab, wo sie Trent fand, in eleganter Toilette, aber mit den Händen in seinen Taschen. , Ich sehe unsern theuern Arthur nicht," sagt: er, als Paulette eintrat. Ich hoffe, er ist doch wohl." Der General bewegte .sich auf seinem Lehnsiuhle und. stöhnte unwillig. Er ist verreist," antwortete er." Ah. wirklich!" lächelte Trent; das erklärt Paulettens nachdenkliches Auss'.hen. Wollen Sie meinen Arm -neb-men, Hilda? Der General, wird woh! nicht zur Tafel gehen?"'

JZtz General wird!" rief der rn Frage siehende Theil. Komm Polly l EZ ist etwas los. Wenn sich Trent ein heiteres Ansehen gibt, so bedeutet baS immer irgend ein Unglück." Sie ging neben seinem Lehnstuhle, während er auf demselben nach dem Speisefaal gerollt wurde, und nahm dann nächst ihm ihren Sitz an der Tafel. In ihre? Blässe und in ihrem Schweigen sah sie. mit Theerosen in ihren Locken und Hals und Arme mit schwarzen Spitze? bedeckt, endlich lieblich aus. Trents Aug:n glühten. .Vier Hauern gra.l. vikr 2I?:h:jic grau, Sey'n nieder in d, grüne ilii: Tüiiniifii wohnt die schöne ftrcn, Die Ti.nt von o$alot." Diese Strophe summte Trent zerstreut. Ich bin gerade aus jener G:gend o.' kommen. General," sagte e? dann. Die vier grcuen Mauern sind ein Ort, genannt Hammerstein; und die zurückgezogene Dame ist nun, Sie keinen si: ja als Madam: Arnstein." Des Generals Löffel fiel klirrend auf den Teller nieder. Sein altes Gesicht rerfinsterte sich. Auch Hilda zuckte zusammen. Hammerstein!" wiederholte Pauleite, die lebhaft das Schweigen brach. Nun, das ist die Heimath meiner theuren Freundin Sibyl. Gewiß, Sie erinnern sich ihrer, Vormund, das schön-Mädchen, das ich Ihnen vorstellte im Institute." Wirklich!" rief Trent. War si: mit Ihnen da? Wie wunderbar! Ja. ein merkwürdiges Geschöpf ist sie in der That liebenswürdig genug, um die echte Tochter der Person zu sein, die sie ihre Mutter nennt." Ihre Mutter nennt!" wiederholte Paulette.'Jch verstehe Si: irichi!" Hildas Gesicht wurde häßlich gelb. Sie stampfte zornig auf den Boden. General! Ist es möglich, daß von diesem Geschöpfe und ihremKinde offen an Ihrem Tische gesprochen werden darf? Ich selbst theilte Paulette die ganze unselige Geschichte mit. Ach. wie undelicat doch diese Mädchen sind! Und Ihnen. Trent, verbiete ich, diesen Namen jemals wieder vor mir zu erwähnen!" Und was,"' rief der General, ohn: auf Hilda zu achten, was veranlaßt Sie, sie zu suchen was hatten sie zu thun in Hammerstein?" .Ich war neugierig," sagte Trent sorglo?. die Frau zu sehen. Ich hatt: auch die seltsame Geschichte von ihrem Kinde gehört. Es ging in dem ersten Lebensalter verloren. Die schöne Sibyl, wie man sie nennt, ist einfach gestohlenes Eigenthum; ich werde wieder zurückkehren in einem oder zwei Tagen und sie ihren rechtmäßigen Eltern zustellen. Was Adah Arnstein selbst betrifft, so ist sie di: inieressant'ste Irrsinnige, welche anzutreffen ist." , Die Adern auf der Stirne des Generals schwollen bis, zur Dicke von Peitschenschnürcn an, als Trent diese Worte äußerte. Verflucht sei sie!" rief er; verflucht für die trostlose Verlassenheit, die sie meinem Alter gebracht hat!" ..Acer." fuhrTrent gleicbmüthig fort. dasSeltsamste von Allem ist. seit achtzehn Jahren hat sie Sie als die Person angesehen, welch: ihr ihr Kind stahl.

S:e glaubt es noch m:t aller Kraft ihrer wirren Seele." Ich!" donnert: der General, mit einem Schlage auf den Tisch, der 'alles Porzellan in Bewegung brachte, den Balg! Ich würd: diesen lieber in den bodenlosen Abgrund sinken sehen, statt ihn mit einem Finger zu berühren! Halt! Ich will kein Wort weiter hören. Hilda hat Recht! Es ist kein Gegenstand, von dem unter diesem Dache und bei Tisch: gesprochen werden soll." Trent zuckte die Schultern mit großer 'Kaltblütigkeit. Er sah wohlgefällig und ruhig hinüber nach Paulette. Wie es gefällig ist! Ich weiß einen andern Gegenstand, der ebenso interessant ist. Während meiner Abwesenheit, Fräulein Paulette, hatte ich, unter anderen seltsamen Erfahrungen, auch die Ehre, das Haus zu sehen, in welchem Sie geboren wurden?" Paulette war überrascht. .Herr!" ' Und was zum Teufel wissen Sie über das Haus, in welchem sie geboren wurde?" rief der zornigeGeneral, oder ob sie überhaupt in irgend einem Hause geboren worden?" Ich fand es." sagte Trent. bei den Teufelsfelsen an der Küste der Nordsee." Ueber das zornige alte Gesicht flammte ein brennendes Roth, dem rasch eine düstere Blässe folgte. Pauleite!" murmelte er. Guter Gott, was haben Sie dort zu thun?" Seeluft athmen. Ein wunderbarer, kleiner Ort!" Und eh: irgend Jemand antworten konnte, 'war er in seinen Stuhl zurückgesunken und sah hinauf nach den Porträts der öeiöen todten Brüder. Ist es nicht sonderbar, daß wir Alle 1 ja, ich darf wohl sagen. Alle, die Ähnlichkeit bemerkten, welche zwischen 'Paulette und diesen beiden Bildern besteht?" Ich habe es wohl oft genug bemerkt," sagte Hilda willfährig. , Der General betrachtete den Advoca ten mit . lebhaftem Mißvergnügen. Polly sieht Niemanden ähnlich, als ihem schönen Selbst!" rief er. Ich habe ein für alle Mal das Geschwätz satt. Heda!" er winkte einem Diener, fahre mich in den Salon zurück und Hilda. befehlen Sie den Kaffee!" . Trent und die beiden Damen erho ben sich vom Tisch? und folgten dem Nollstuhle des Generals. In einer Art verachtungsvollen Schweigens trat Paulette an ein Fenster und wendete dem Advocaten den Rücken zu. Er knirschte mit den 'Zähnen.' als er sah. wie sich die anmuthige Gestalt gegen das schwüle Licht abhob, wie sie das goldige Haupt hoch hielt und wie das

stolze, schöne Profil sich sorglos ab wendete. Ich bin im Begriffe," begann er wieder, indem er gerade dem Gcnral gegenüber auf einen Stuhl sank, zu beweisen, daß Fräulein Paulette ein Recht hat zu der Ähnlichkeit, die wir für so wunderbar hielten." Der General fuhr gerade von seinem Sitze empor, ohne auf seinen gichtisan Fuß Rücksicht zu nehmen, unter dem Hilda begonnen hatte, die Kissen zu ordnen. Ich hab: Ihnen nämlich zu sagen," fuhr Trent fort, daß es keineswegs fo wunderbar ist, daß Ihre schöne Mündel, die Verlobte Ihres Erben, den Stempel von Ihrem Blute im Antlitze trägt, denn sie ist die unehelich geborene Tochter Ihres Sohnes Ernst und seiner jüdischen Geliebten, Adah Arnstein." Ein schrecklicher, athemloser Moment folgte; dann brach ein wilder Schrei von den Lippen des MädchenZ amFenster und ein anderer kam von dem alten Graubart. Polly?" donnerte er, mein Liedling! Die Brüt dieses verfluchten Weibeö? Was meinen Sie?" Er schien bereit, den Advokaten an der Kehle zu fassen. Ich meine." antwortet der Letztere, daß vor achtzehn Jahren Adah Arnstein in einem an der Straße neben der Meeresküste gelegenen Hause ein Mädchen gebar, welches sie in der Obhut von Frau Christoph, einem Iischerweibe, ließ, um dem Geliebten zu folgen, der sie verlassen hatte. Das Weib betrank sich in schlechtem Wachholderbranntwein und setzte das Kind, damit es ertrinke, am Ufer der nahenden Fluth aus, wo es aber glücklicherweife auiaehoben wurde; und ich wiederhole, Ihre sogenannte Mündel ist keine andere, als die Tochter von Capitän Ernst und der Jüdin Arnstein." Paulette wendete sich vom Fenster ab und näherte sich dem Sprecher. Alles, was sie umgab, prägte sich in diesem Momente unauslöschlich in ihrem Gedächtnisse ein, das Zimmer das Licht, wie es durch die Schlinggewächse am Fenster fiel Hildas galligesGesicht, die wild erregte Miene des Generals und Trent, der Liebhaber, den sie verachtete, ihr Feind, der so ruhig und nonchalant dasaß, während er von dieser schrecklichen Angelegenheit sprach. Vormund!" schrie Paulette und eilte zu dem General; aber er sah sie nicht an, seine Augen waren fest auf Trent gerichtek. ' Worte haben für mich keinen Werth," rief erund bei dem lebendigen Gott! Die Ihrigen gelten in meinen Augen noch weniger als nichts." Ich habe es seit lange gewußt, daß ich nicht in Ihrer Gunst stehe," sagte Trent ruhig. Ein Mann haßt immer einen Andern, wenn er ihn fürchtet, und Sie haben mich wie den Tod gefürchtet, mein General. Es ist ferne von mir, mir Glauben bei Ihnen zu erbetteln, ohne meine Geschichte zu beweisen. Vor Allem erinnern Sie sich wohl des Briefes, den Ernst Ihnen von seinem Todtenbette in der Fremde schrieb und den Sie, in Ihrer Raserei, mir befahlen, uneröffnet zu verbrennen?" Ich erinnere mich." Trent schob eine Hand in seine Tasche und zog daraus das fragliche Document entfärbt, zerknittert, zerrissen. Er öffnete es. Ich bin ein vorsichtiger Mensch." sagte er. Ich zerstöre niemals etwas, das mir möglicherweise noch von Nutzen sein kann. Hören Sie!" Es ist ein Kind da eine Tochter geboren in dem Hause eines Weibes,

das sich Frau Christof nannte. Das Mädchen hat ein Muttermal am Halse. Es ist dies ein Brandmal, das an das Blut meines unglücklichen Bruders erinnert. Der Gedanke an dieses Kind erschweb mir meine letzte Stunde. Ich empfehle eö JhrerObhut. Was dieAdah betrifft " Und das Uebrige ist Gekritzel," sagte Trent, denn Ernst starb, bevor er exacte Bestimmungen bezüglich seiner verlassenen Geliebten machen formte. Sie sehen, daß seine Geschichte und die meinige recht wohl zusammenpassen." Mit blutlosen Lippen und weit geöffneten Augen staxd Paulette da. Nur, als des Muttermales Erwähnung gethan wurde, erhob sie ihre Hände und machte eine rasche, unwillkürilche Bewegung nach dem Halse. Aber das Alles hat nichts mit Polly zu thun." rief der General heiser und entriß Trent den Brief und fah mit eigenen Augen die Worte, welche Ernst kurz vor semem Tode vor einer Reihe von 'Jahren geschrieben. Wo ist das Brandmal, von dem er spricht? Welches Complot habt ihr gegen sie gesponnen? Seht ihren Hals? Er ist fleckenlos wie Schnee!" Das Blatt Papier flatterte aus der Hand zu seinen Füßen hinab. Trent blickte prüfend Paulette an. Sie stand wie eine Statu und blickte auf ihren Feind. Um den Preis ihresLebens hätte sie jetzt nicht zu sprechen vermocht. Offenbar," sagte Trent, ist ein solches Mal an dem nackten Theile des Halses nicht sichtbar, aber ich stelle freimüthig die Frage an die junge Dame existirt es nicht, oder hat eS nicht jemals existirt?" JhreLippen bewegten sich kramphaft. Wer gibt Ihnen las Recht, darnach zu fragen?" stammelte sie. Ich will Ihnen nicht antworten." Dann," fiel Hilda ein, indem sie hastig vorwärts trat, wenn sie es nicht sagen will, muß ich reden! DasMuttermal ist da an ihrer Kehle unter der Farbe, mit welcher sie es bedeckt, denn ich habe es mit meinen eigenenAugen gesehen!" Hilda drehte sich gegen den General um. Sagte ich Ihnen nicht, daß sie eine betrügerische, eine falsche, listige Schauspielerin sei?" rief sie aus. O. jetzt weiß ich, warum ich sie immer gehaßt hab: das Kind der

ruchlosen Judin, die mein ganzes Leben ! teX2 fl.i i

gciiirn yui. Der General stand mit vollia veranderter schrecklicher Miene da. Ist eS wahr?" fragte er mit furchtbarer Stimme. Paulette, Paulette, um Gotteswillen, sage Nein!" Mit einem herzbrechenden Schrei warf sie sich zu seinen Füßen. 9, Vormund," stöhnte sie, ja, ja. es ist wahr!" und sie -rieb an der verhüllenden Farbe mit zuckenden Fingern. Da! Sehen Sie selber und hassen Sie mich für immer." Ein tiefes Stöhnen kam von seinen bebenden Lippen. Er fiel zurück in seinen Stuhl. Sie schlang ihre Arme um seine Kniee. Vormund, Vormund, sprechen Sie zu mir zu mir. Ihrer Polly! O, Sie wollen mich verfluchen! Bin ich nicht Ernsts Kind? Sind Sie nicht der Vater meines Vaters? Wenn Sie mich so anblicken, werde ich sterben!" Mit einer Geberd: unaussprechlichen Entsetzens wehrte er sie von sich ab. Mlr au den Augen! raste er. Hrlda, nimm sie fort von mir! Laßt mich sie niemals wieder sehen!" Sle schrie auf, scharf und stark, nach Gnade. Vormund! Vormund! Das können Sie nicht ernstlich wollen!" Aber mit nem Male taub für ihre Stimme, wendete er seinGesicht ab und winkte ihr mit erhobenen Handen, sich zu entfernen. Fort! Fort!" fchrie er mit schrecklicher Stimme. Sie erhob sich mühsam. Sie sah Nicht auf Trent und Hilda, sondern nur auf den alten Mann. Sie wendete sich um, r.jc.-nt cf:.l: -t:: milll fllilUlllllJ livCU VIZ -iUlC, öffnete sie und verschwand auf der Stiege. Der Advokat und Hilda sahen einander an. ..Es muß Ihnen unendlich viele Mühe gemacht haben, das zu entdecken," sagte sie. Es ist auch d:r Muhe werth, antwortete er. Der General erhob sein gesenktes Haupt mit wkldem Zorne. Fort Ihr Beide!" rief er. Laßt mich allein. Ihr seid ein Paar listige Schlangen! Starrt Mich nicht so an! O, Arthur! O, mem Junge!" Sie ließen ihn, das Gesicht in den Händen verborgen, sitzen, ainaen in die Halle hinaus und drückten die Thür des Salons hinter sich zu. Nun," sagte Hilda, rndem sie Trent ansah, sie hat mit Arthur gezankt und de- General hat sie hinausgewiesen. Ich denke, ich kann nun mit Sicherheit behaupten, daß unsere schöne Pauleite niemals di: Herrin hier sem wird." Recht!" sagte Trent; nrch wird unser theurer Junge Arthur jemals' hier Herr werden." Was memen Sie damit?" fragte sie lebhaft. Er strich seinen lang:n Schnurrbart. Wir haben für Einen Tag Aufregung genug gehabt." antwortete er nachlassig; den Rest will ich aufbewahren, bis der General sich etwas besser befindet. Ich denke, Sie gehen hinauf und sehen. was Paulette macht. Sie blickte ihn argwöhnisch an. Sie haben das Alles blos aus Rache gethan," sagt: sie, aber nichtsdestoweniger behaupte ich, daß Sie sie im Inersten Ihres Herzens dexnoch lieben." Ich bin nicht im Geringsten geneigt, Ihnen heute mein Herz zu Lffne." antwortete er trocken; gehen Sie, sage ich; ihr Aussehen gefiel mir nicht; Frauen greifen unter solchen Umständen bisweilen zur Blausäure, und das möchte ich nicht." - Ich wünschte beim Himmel, sie thäte es!" murmelte Hilda ruchlos, und gehorsam der Stimme ihres Herrn ging sie die Stiege hinauf und klopfte an Paulettes Thüre. Keine Antwort. Sie lauschte athemlos am Schlüsselloch, hörte aber nicht den schwächsten Laut innen. Trotziges Dina! Natürlich, mir will sie nicht öffnen," sagte Hilda und eilte wieder zu Trent hinab. Wenn Sie sie um jeden Preis haben wollen, so bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Thüre zu erbrechen." Sie gingen langsam durch die Haue und lauschten auf ein Geräusch im Salon nichts war zu hören; dann aingen sie die Stiege hinab und lauschten wieder war Alles todtenstille. Trent sah sehr ruhig, Hilda sehr verdrießlich aus. ' Ich kenne Arthurs Natur, sie ist von der Art des Don Quirote," sagte sie. Was geschähe, wenn er sie trotzdem heirathete? Der Makel der Geburt fällt nicht im Geringsten bei ihm in dieWagschale; er wird sich nicht um eines Strohhalmes Werth um ihre 'Mutter kümmern." Beruhigen Sie sich," erwiderte Trent lächelnd, in diesem civilisirten Lande ist es nicht gestattet, die Gattin eines andern lebenden Mannes zu heirathen. Paulette wurde vor etwas mehr als drei Jahren vermahlt, während sie eine Schauspielerin war, und zwar an einen armen Teufel von Decorationsmaler, genannt St. John. Eine zweite Heirath liegt daher, wie Sie sehen, nicht im Bereiche der Möglichkeit." Hilda blieb betroffen st:h:n. Dann sagte sie endlich leise. Zehn gegenEinö, es war ihr Gatte, den zu treffen sie mitten in der Nacht in den Park ging!" Hah!" rief Trent; werden denn bie Enthüllungen niemals aufhören? Wann war das?" Sie erzählte das Geschehene freude strahlend.. Er sah dabei ungemein ernst lUs. Das ist ein anderer Gegenstand der Erörterung für den General," sagte er. .Dieser geheime nächtliche Spazierzanz hat etwas Gespenstisches an sich. Richt wahr? Ich denke, wir müssen nach :hm sehen. Er könnte wieder einen seiaer beunruhigenden Anfälle bekommen jaden.

' Während der Lttvokai noch sprach, flog die Thüre des Saales weit auf. Auf der Schwelle erschien groß, ausrecht, schrecklich, sein weißes Haar sliegend, und aus seinen alten Augen UNter den weißen Brauen Blitze hervorschießend, der General. Wo ist sie?" rief er, wild um sich blickend. Ihren Arm, Trent. Helfen Sie mir die Stiege hinauf." Er lehnte sich wuchtig auf den Advokaten und ohne, wie es schien, an die Schmerzen seines gichtkranken Fußes zu denken, stieg der alte Löwe hinauf zu Paulettes Thür. Er erfaßte den Drücker und schüttelte ihn mit aller Kraft. Oeffne, Polly!" rief er; offne mir Deinem Großvater!" Keine Antwort. Kein Laut innen keine Bewegung. .Rufen Sie die Diener." rief er Trent zu, um die Thüre aufzubrechen!" Trent gehorchte, sah ab:r dabei ganz wunderlich und mißvergnügt aus. Im Nu war die Thüre aus den Angeln . Die drei P.'.'sonen stürzten in Paulettes Zimmer. Die untergehendcSonne

füllte eZ mit gelbem Lichte. Sie blickten um sich. Es war leer und verlassen. Auf dem Bette lag das mit Spitzen besetzte Kleid, das sie beim Diner getragen und nun abgelegt; auf demAn kleidetische lag die Schnur Perlen aus den Familien-Juwelen das Geschenk des Generals das sie von ihrem Halse genommen hatte. Polly!" rief er mit zitternder Stimme, .wo bist Du. mein Liebling? Aber keine Stimme antwortete ihm, denn Paulette war fort. 26. E a p i t e l. Eine kleine, verschleierte Gestalt, bestaubt und die Kleider in Unordnung, öffnete das Tohr diesmal war es nicht verrieglt und ging mit unst cheren, zögernden Schritten den Pfad dahin, der nach dem grauen Hause zu Hammerstein führte. Die Läden waren geschlossen, der wild überwucherte Garten war durch Regen und Frost vcrwüstet worden und lag, eine wahre Ruin:, da. Paulette d:nn sie war es einsam und allein, zog die Glocke. Diese erklang so traurig in den verödeten, lecren Räumen des Hauses. Auf wiederholtes Läuten kam endlich eine alte Frau an die Thüre, welche die Anzekommme argwöhnisch betrachtete. Was wollen Sie?" fragte die Frau barsch. Ein flüchtiges Roth flog über das kleine, farblose Gesicht Paulettes. Ich wünsche die Dame zu sprechen," antwortete sie, welch: hier wohnt Frau Arnstein." Sie ist fort." Die Angekommene schien nahe daran, zu Boden zu sinken, wo sie stand. Fort!" wiederholte sie mit schwacher Stimme. Wann? Wohin?" Wann? Vor eine: Woche. Wohin? Da ich es nicht weiß, kann ich e3 auch nicht sagen. ES kam eines Abends ein Mann hierher und am ziächsten Mo? gen nahm er Fräulein Sibyl und Rebecca Harbin mit, und sie reisten ab. Ich wurde zurückgelassen, um dasHauZ zu bewachen." - Angst und Bestürzung mischten sich in dem Gesichte Paulettes. Ach. ist mir denn kein einziger Zufluchtsort zeblieben? Sie müssen es doch gewiß wissen, wo ich sie finden kann!" Nicht." erwiderte die Frau gefühl. los, als es die Todten in ihren Grabern wissen!" Unsicheren Schrittes und wie geblendet wendete sich Paulette von der Thüre ab und ging nach dem Thore zurück. Wohin soll ich gehen?" sagte sie zu sich selbst; o Gott, wohte?" Die weitl Welt lag vor ihr. Aber die Wahl war eben deshalb schwer. Sie stand noch, das schwere Thor mi! einer Hand haltend, ihr dichter Schleier hing wie ein Schild vor ihrem Gesichte, als sie fast zusammenstieß mit einer Person, die eintreten wollte, erregt, eifrig, eilig ein großer, bärtiger Blol bin, der sie überrascht nsah. Verzeihung!" murm:!te er, und seinen Hut lüftend, eilte er in das Haus. Paulette starrte ihm nach. Sie rieb sich die Augen. Er hatte sich nur wenig verändert seit dem Tage, als er zuerst zu ihren Füßen kniete in h:ißer und doch knabenhafter Leidenschaft H:r mann Varneck, in der That ein unerwartete? Geist aus ihrer todten und begrabenen Vergangenheit. Sein Anblick hier setzte sie in Erstaunen, dann in Verwirrung. Dann aus so leichten Gründen entwickeln sich zuweilen unsere Entschlüsse überkam sie plötzlich die Erinnerung an München, die Stadt, die so stattlich an der Jsar liegt, und in einem Momente hatte sie ihren Vorsatz gefaßt. Herr Varneck!" Sie flüsterte den Namen unter einem leichten Schauer er war in ihren Gedanken so' nahe mit einem andern verbunden, der für ihr Inneres Galle und Wermuth war. Sie blickte in den Garten zurück, aber der Blondin war in einer Wendung deZ Weges verschwunden. Was kann er hier wollen?" . lFortser?uns kolgj Ein Bürger: Den Crackshol sollte man für die Ermordung BarkerZ hängen!" Westlicher Editor:' Hängen ist viel zu gut für den Kerl! Barker war einer meiner Abonnenten!" ' Bräutigam: Ich bin in Zweifel, was ich Ihnen schulde." Geistlicher (welcher eben die Trauung vorgenommen hat): Ganz nach Ihrer eigenen Diskretion!" Bräutigam: Lassen Sie uns die Abrechnung um ein Jahr verschieben; bis dahin werde ich wissen, ob ich Ihnen tausend Dollars oder Nichts schuldig bin." Geistlicher: Nicht doch! Geben Sie mir lieber gleich fünf Dollars. Ich bin selbst ver heirathet'und kenne das."

Die Zeche dcö Königs von Westfalen. Unter obigem Titel wird ein: löstliche Erinnerung an den Prinzen Je rome Bonaparte wieder aufgefrischt: Prinz Jerome Bonaparte lebte vor seiner Erhöhung zum König in Paris auf großem Fuß, ohne indeß immer über die nöthigen Mittel zu verfügen; letzterem Umstände verdankt nächstehendes Geschichtchen seinen Ursprung: Am Abende seiner Ernennung (18. August 1807) begegnete Jerome, aus dem Vaudeville kommend, seinen vertrautesten beiden Freunden. H. dc C. und Pigault Lebrun, und theilte ihnen die große Neuigkeit mit. Sir, wir erlauben uns, die Ersten zu sein, die Sie " Ach, was da, keine Umstände, nichts von Sir, Du wie sonst auch, immer dieselbe ungenirteFreundschaft; kommt mit mir zum Abendessen." Die Freunde folgten Jerome in das beste Restaurant des Palais Royal und dieser ließ ein fürstliches Mahl serviren. Man schwatzte und lachte und nachdem der Wein bereits die Köpfe ein wenig erhitzt, hob Jerome an Laßt uns immer bei einander bleiben, Freunde, geht mit mir. wenn Ihr Lust habt; Du C. sollst mein Sekretär werden und Dich. Pigault. der Du die Bücher so sehr liebst, mache ich zum Bibliothekar." Der Vorschlag wurde auf der Stelle angenommen und durch eine frische Flasche Champagner besiegelt. Endlich verlangte man die Rechnung und Jerome zog die Börse; allein der neuacbackene König, dessen Civiüiste noch nicht festgestellt war. fand darin nicht ganze zwei Louisdor. die bei weitem nicht hinreichten, die große Zeche zu begleichen und die .neuen Würdenträger brachten im Ganzen nur ein paar Franken zusammen. Was nun beginnen? Es war ein Uhr Morgens und nicht möglich, auf der Stelle Geld herbeizuschaffen. Man beschloß endlich, sich dem Wirthe anzuvertrauen. Die-' ser nahm die Sache nicht tragisch und begnügte sich, die Herren nach ihren Namen zu fragen. Ich bin Sekretär des Commandements des Königs von Westfalen." sagte C. Und ich bin der Bibliothekar des Königs von Westfalen," fügte Pigault hinzu. Sehr wohl, meine Herren," sagte der Wirth, welcher anfing, zu glauben, er habe es mit Betrügern zu thun, und dieser da unten ist wohl der König von Westfalen selbst?" Ganz recht," rief Jerome belustigt, das bin ich wirklich!" Dies war dem Wirth aber doch zu stark und er drohte nun allen Ernstes mit' der Polizei. Jerome. welchem über die Wendung, di: die Sache nahm, jetzt doch bange wurde, übergab dem Erzürnten als Zahlungspfand feine kostbare Uhr, die ihm Kaiserin Josefine geschenkt und auf welcher ihr Namenszug in Brillanten befindlich war; dann ging er mit seinen Freunden nach Hause. Der Restaurateur zweifelte nicht, daß die Uhr gestohlen sei, und brachte sie zum Commissär; dieser läuft zum Polizeipräfecten, der Präftct zum Ministe: des Innern, dieser zum Kaiser, welcher sich in St. Cloud befand und am folgendenMorgen erscheint im Moniteur" ein Detret des Inhalts: daß Se. Majestät der König von Westfalen sogleich nach Ihrem Königreich abreisen werden, vor Jb Ankunft in Ihrer Hauptsiadt aber zu keinem Amt und zu keiner Stelle Ernennungen vornehmen werden." Ein Nicsentclcstop.

Das große Fernrohr, welches auf der französischen Weltausstellung dcZ Jahres 1900 eine der Hauptattractionen bilden soll, ist nach den Mit theilungen der Zeitschrift Lcienc pour Tous" in Angriff genommen. Bei einer Länge des Fernrohrs von vierzig Metern soll angeblich' der Mond so erscheinen, als wenn man denselben aus einer Entfernung von nur einer Meile mit freiem Auge sehen würde, und zwar wird dies folgendermaßen begründet. Durch . die jetzigen größten Fernrohr: sieht man den Mond auf ein: Entftrnung von durchschnittlich 50.000. Meilen herangerückt, bei einem Telescop-Spie-gel von drei Meter Durchmesser würde er .demgemäß auf nur eine Meile herangerückt. So sind di: Illusionen der Pariser- Astronomen und großen Optiker, für welche wir selbstversiändlich kene Gewähr übernehmen. Ein derartiger Spiegel würde ungefähr 8000 Kilogramm Gewicht haben bei einer Dicke von einem halben Meter. Dies sind Größenverhältnisse. di: b:r der jetzigtn modernen Technik nicht zu dem Unmöglichen gehören. Wenn, wie man annimmt, die Ausführung gelingt, soll das Fernrohr in einer Höhe von zwei bis dreitausend Metern aufgestellt werden, damit' man nicht durch di: über der Erde liegenden trüben Luft- und Wolkenschichten in der Beobachtung gestört wird. Schwaches vertrauen. Fanny: O, ich bin schrecklich nervös! Karl Goldmann will heute Nachmittag zu meinem Vater gehen und unr meme Hand anhalten. Jenny : Glaubst Du. Dein Vater werd: ihn abweisen? Fanny: O nein, das ist nicht zu befürchten. J:nny: Na.weshalb bist Du denn nervös: Fanny: O, ich fürchte, er wird am Ende gar nicht kommen. Gelernt. Eine Oame sprich! mit einem Herrn so lebhaft und aus dauernd, daß dieser gar nicht zn Worte kommt. Endlich lächelt er. si: merkt, warum, und sagt: Verzciben ! Si:! Sie müssen fast glauben, daß iz f I r oeii iou i'.ieinrr ci;cn:-n klimme allzusehr liebe.- Aber gnadige Frau!" erwiderte er. ich wußte ja. daß Sie. eäe groß: Freundin der Musik sind."