Indiana Tribüne, Volume 17, Number 41, Indianapolis, Marion County, 29 October 1893 — Page 3
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Coiraa4;;aii von Jiavet ZI!e)k. (14. uftfcfeung.) Ihre verzweiflung-volle Miene 6: trog ihn,' ihr zu gehorchen, er ließ oa goldene Kleinod in seine Tasche gleiten. Ist das ein Abschied für einen Tag oder ein Jahr, Paillette?" ,.6in Abschied für immer," antwortete sie traurig. Und der General haben Sie an ihn gedacht?" Sie rang ihre kleinen Hände. O viel und so reuevoll!" Paulette. Sie liebten ihn lange, bevor Sie mich liebten Sie sind ihm unermeßlich theuer. Da ich keinen Anspruch an Ihr Vertrauen mehr zu ha den scheine, werden Sie ihm JHr Herz öffnen Sie werden ihm sagen, welches große Hinderniß plötzlich zwischen uns getreten ist?" Nein, nein!" erwiderte sie schau dernd, o, nein!" Der Kummer und Schmerz drückten sich jetzt noch lebhafter in seinem (Sie sichte aus. Er ging einige Schritte den $sao hinab, dann kehrte er langsam zurück. Sie hätte ihm zu Füßen fallen mögen, als sie ihn ansah. Mindestens," flehte er, sagen Sie ihm noch nicht was Sie beschlossen haben. Ich finde vielleicht Mittel, seine getäuschte Hoffnung zu besänftigen. Was mich selbst betrifft, ist mir, als läge ein Alp auf meiner Brust. Gestern liebten Sie mich heute annulliren Sie unsere Verlobung; Sie sagen, wir können uns niemals heirathen und geben mir keine Gelegenheit, dem geheimnißvollenHinderniß auf die Spur zu kommen; Pau lette, was soll ich denken? Haben Sie kein Mitleid mit mir bekümmert es Sie nicht, daß ich leide?" Ja. sie fühlte diesen Kummer. Ihr bleiches Antlitz, ihre gerötheten Augen sagten es ihm. Mehr, Arthur unendlich mehr, als mein eigenes Leben," sagte sie. Aber ich habe Ihnen Alles gesagt, was ich sagen kann wir sind geschieden für immer und ich kann niemals, niemals Ihre Gattin werden." Aber. Sie sagen doch, daß Sie mich lieben." Sie antwortete nur mit einer Geberde. Ihr stolzes Haupt war auf die Brust gesunken. Er näherte sich ihr, von Gefühl überwältigt. Ich werde Sie in dieser Weise, ohne Ihre Gründe' zu kennen, nicht aufgeben!" rief er. Bloße Worte können uns niemals scheiden ich liebe Sie zu sehr. Ich kann nicht errathen, was über Sie gekommen ist; es ist wie ein böser Zauber und ich glaube, dieZeit und ruhiczes Nachdenken werden ihn verban r.en! Aber merken Sie wohl, ich gebe Sie nicht auf ich werde Sie niemals aufgeben, so lange wir miteinander die Erde bewohnen. Ich betrachte dasBand zwischen uns nicht als zerrissen; ich überlasse Sie einfach für eine kurzeZeit sich selber." Er zog sie plötzlich und unwiderstehlich an sein Herz, küßte ihr weißes zuckendes Antlitz, dann wendete er sich von ihr ab und entfernte sich rasch. Paulette war auf den Gartensitz gefunken, und fühlte in diesem Momente fast die Bitterkeit des Todes. DasLäuten der Frühstücksglocke erweckte sie endlich aus ihrem bösen Traume. Sie bezwang sich, um dem General und Hilda gefaßt entgegenzutreten und sich gegen Artbur wie gewöhnlich zu benehmen. Polly!" rief ihr Vormund, als sie wie sonst ihren Sitz zu seiner Rechten zinnahm, Du siebst aus wie der Mond im letzten Viertel. Es ist klar, daß Dir solche Zerstreuungen nicht wohl bekommen. Bist Du ganz wohl diesen Morgen, meine Liebe?" Ganz wohl," antwortete sie und la chelte ihm zu mit ihren trostlosen schönen Augen. Hilda warf einen vielsagenden Blick suf Arthur, der ungewöhnlich ernst und schweigend neben ihr saß. Sie sehen," flüsterte sie, was für eine Heuchlerin sie ist! Sie täuscht den General wie ein Kind!" Er richtete einen durchbohrenden Blick auf sie. Ich verbiete Ihnen antwortete er, irgend etwas von den Ereignissen der letzten Nacht zu erwähnen. Hören Sie?" O, in der That! Man erwartet also. daß ich Betrügereien noch unterstütze?" 23. C a p i t el. ' Man schätzt alles Gute um so höyer. wenn es zu Ende geht. Das Schloß hatte Paulette niemals ein solches Erdenparadies geschienen, als an diesem Tage. Der General war freundlicher als je und sprach unaufhörlich von sei nem liebenJungen. Sie wanderte durch das Haus wie Jemand, der Abschied nimmt von den Gegenständen, die ihm lieb geworden. Am längsten weilte sie in dem alten Speisesaal, wo sie Llrthur zuerst getroffen wo das Porträt aus seinem Jünglingsalter an der Wand hing. Sie setzte sich an dem Piano in der Ecke nieder, spielte einige Piecen von Mozart und dann ein deutschesLiebeslied, so traurig wie ein Grabgesang. Das Zimmer war dunkel und stille. Ihre trüben Augen konnten die Noten nicht erkennen. Ihre Finger schwankten auf den Tasten, sie sank nach vorwärts und vergoß bittere Thränen. In diesem Augenblicke kam Jemand, der ihrer Musik in einem der tiefen Fenster gelauscht, hervor. Sie hörte Schritte und erhob die nassen Augen. Es war Arthur. Er stand schweigend und streckte sehnsüchtig seine Arme nach ihr aus. Ein Schrei brach von ihren Lippen sie bebte zurück. . O, Arthur." schluchzte sie, ich kann nicht ich kann nicht!" Er, wendete sich mit einem tiefrn 'Seufzer ab. Die Thüre schloß sich hi.iti ihm, sie war allein. Er erschien nicht bei der Hauptmahl ieit. . . . ' ! i ? . .j i . . .j
Hilda." sagte der General während des Mahles, was zum Teufe! thut Trent im Norden? Ich sah. daß Sie diesen Morgen durch die Post einen Brief von ihm erhielten." Und natürlich haben Sie die Postmarke betrachtet," antwortete sie. Ich bin nicht Trent's Vertraut:." Hm, das würde ich Ihnen gerade nicht zum Vorwurfe machen." murmelte er. Nun, wir werden ihn einladen, zu? Hochzeit herabzukommen nicht wahr, kleine Polly? Nun. Du mußt nicht gleich blaß werden!" Sie erwartete die folgende Nacht bis zur Dämmerung, wie ein zum Tode Verurtheilter den Morgen des Hinrichtungstages. Hilda blickte einmal neugierig in ihr Zimmer. Finden Sie es nicht zu einsam so allein? Soll ich Ihnen Gesellschaft leisten?" fragte sie mit ungewöhnlicher Theilnahme. Nein danke!" antwortete Paulette fest und hörte, wie die Schritte ich rer Peinigerin auf dem Eorridor verhallten. Das Haus ist still. Nur der Vorhang am offenen Fenster bewegte sich leise im Nachtwind ' eine Eule schreit in den Eichen. Paulette hatte einen dunklen Anzug angelegt. Jetzt nimmt sie einen schwarzen Shawl und einen runden Hut. In der tiefen Dunkelheit schreitet sie auf die Veranda hinaus, steigt einige Stufen hinab, und eilt gegen den Pavillon zu. Still wie der Tod erscheint dieser, zls sie eintritt. Gott gebe, daß er nicht hier ist!" betete sie innerlich, dann hörte sie ein leichtes Nauschen, die Weinreben werden auseinandergebogen und St.John steht vor ihr. Es ist gerade hell genug, daß sie einander erkennen. Es freut mich. Dich so pünktlich zu finden." sagte er mit gedämpfterStimme. Es ist etwas dunkel. Soll ich die Lampe wieder anzünden?" Sie machte' eine verneinende BeweZung. Nein. Es könnte uns Jemand beobachten. Ich wurde in der letzten Nacht gesehen." Er schien zu erschrecken. Sein Gesicht, unter einem breiten Hute versteckt, sah nichts weniger als liebenswürdig aus. Ach! Wer sah Dich?" Eine Feindin, die ich hier habe." Komm, komm," murmelte er, willst Du mich wieder so hart behanoeln. Paulette?" Ich würde eher vor die ganze Welt hintreten und laut meine Geschichte ausschreien, als es dulden, daß Ihre Finger mich berühren!" brach sie leidenschaftlich los. Er zuckte die Schultern. Pah! Du hast Deine Theater-Manieren noch nicht abgelegt, wie ich sehe. Kufe' mich :inmal, Paulette, um unserer alten Liebe willen!" Sie wies ihn mit Widerwillen zurück. ' E3 hatte niemals Liebe zwischen uns bestanden." antwortete sie. Sie waren nur ein Junge und ich noch um Jahre jünger Keines von uns wußte, was wahre Lieb sei." Das gilt böchstens von Dir! Ich liebte Dich damals ich liebe Dich noch auf das Innigste; und was ich die letzte Nacht zu Dir sagte, das sage ich wieder: ich kann und werde Dich nicht aufgeben!" Sie athmete schwer und heftig. Sie sind also entschlossen. Ansprüche auf mich zu erheben, selbst gegen meinen Willen?" ' Gewiß! Ich bin dazu fest entschlossen. Hast Du Arthur gesehen?" .Ja!" Was sagtest Du ihm?" forschte er mit harter, grausamer Stimme. Daß wir scheiden müssen nichts mehr!" Du wirst zugeben, daß es nicht schicklich ist, mit ihm unter einem und demselben Dache zu leben, und da ich weiß, daß Du ihn liebst, daß er Dich liebt, so kann ich Dich selbstverständlich nicht länger frei' lassen. Ich wäre ein Thor, ein großer Schurke, wenn ich das thäte!" Sie mußte ihm im Stillen recht geben und schwieg. Ich frage Dich." drängte er, kannst Du nach alldem noch länger hier verweilen?" Nein," antwortete sie. Dann bedenke, Du hast die Bühne verlassen. Wen hast Du außer mir? Fürchtest Du eine Auseinandersetzung mit diesen Weißenthurns? Deren bedarf es nicht. Ich habe einen Wagen, der in der Nähe wartet. Geh' mit mir diese Nacht und morgen benachrichtige den General von dem Vorgefallenen. Er ist freundlich gegen Dich gewesen hat Dir Geld gegeben, Geld auf Dich verwendet, ohne Zweifel; aber ich bin auch nicht mittellos. Der Tod eines Verwandten hat mich in den Besitz einer respektablen Summe gesetzt. Ich will ihm Thaler für Thaler zurückzahlen. Du sollst über jede Verpflichtung gegen ihn beruhigt werden. Du wirst auch finden, daß ich jetzt ein gehorsamer Sclave bin, der hinfort nur für Dich leben will; unsere elende Vergangenheit soll ganz ausgelöscht werden aus unsere? Erinnerung. Es ist nicht denkbar, daß Du unsere Hochzeitsnacht ganz vergessen haben kannst! Paulette! Mein Weib! Wenn Du mich nicht lieben kannst, versuche es wenigstens einmal, mich freundlich anzusehen höre auf. mich zu hassen, um der Liebe Gottes willen!" Aber die Abneigung, die ihre Blicke zeigten, wie ihre Haltung schien sich eher zu vermehren als zu vermindern bei dieser Bitte. Ich habe es verflucht!" rief sie verzweiflungsvoll. und ich kann es nicht, Wilhelm! Sie sprechen von Rückzahlung an den General! Welch' ein Spott und Hohn liegt in diesen Worten. Und
Sie wollen, daß ich ihn verlasse, w ein Dieb in der Nacht niemals!" Er knirschte mit den Zähnen vo:A:r c.er. Der Teufel steckt in Dir. Paulett?! Was willst Du dnn thun?" Sie können keinen Antheil haben an meiner Zukunft," antwortete sie, wie sie auch immer sich gestalten möge. Ich werde von hier fortgehen, aber nicht mit Ihnen. Die Welt ist weit genug. um mich zu verbergen. Ich werde in sie zurückkehren zur Bühne irgendwohin; aber mit meinem Willen werde ich Ihr Antlitz nie wieder sehen!" Hüte Dich. Paulette!" : Ich verabscheue Sie! Sie brauchen mir nicht zu sagen, daß Sie in den letzten drei Jähren nur schlechter geworden sind ich fühle es instinktiv. Ihre Gegenwart allein würde mich tödtcn. Das ist es, was ich Ihnen in dieser Nacht noch sagen wollte dies ist Alles. was ich thun kann oder will!" Sie sah ihn verächtlich an, während ihre schlanke Gestalt sich stolzer aufrichtete. Du weisest mich also unwiderruflich von Dir?" Nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich werde niemals mit Ihnen leben, niemals anerkennen, daß Sie zu einemAnspruche auf mich berechtigt sind." Er stand da in äußerster Verlegenheit. Ein Moment verhängnißvollen .tiefen Schweigens folgte, dann warf er sich ihr zu Füßen. Paulette. kann nichts Dein hartes Herz bewegen? Du bist ja eine Frau und mußt mich bemitleiden. Ich habe nun Dein theuerstes Ziel durchkreuzt habe Dich Deinem Geliebten entrien; aber Du mußt Du wirst das Alles mit derZeit vergessen. Tadelst Du mich, weil ich nicht sterben konnte. Ungroßmüthige? Hassest Du mich, weil ich fordere, was mein ist? Wird Dich eine Liebe nicht erweichen, die so demüthig und ergeben ist? Paulette. Paulette, bemitleide mich!" Seine Stimme war vollSchmerz uirä Leidenschaft, aber sie verhallte bei ihr wirkungslos. Ihr Herz lag schwcr wie Blei in ihrer Brust, sie trat kalt von ihm zurück. Mitleid!" wiederholte sie im Tone der Verachtung, und was ist des Mitleids werth? Nein, ich habe auch das nicht für Sie! Es ist mir. als athme ich Gift, während ich hier stehe. Ich kann es nicht länger ertragen lassen Sie mich gehen!" Und ist dies Dein letztes, unwiderrufliches Wort. Paulette?" .Ja - ja!" Mit einem Fluche erhob er sich. Jetzt arbeiteten seine Hände unter demMantel in unheimlicher Weise. Dann, mein theures Weib, wenn Bitten fruchtlos sind, muß etwas Anderes helfen," sagte er. indem er sie mit Gewalt an sich riß, ihr schauderndes Antlitz zurückneigte und ihr ein Taschkntuch, das einen betäubenden Geruch ausströmte, auf den Mund drücken wollte. Nur ein Aufschrei entfloh noch ihren Lippen. Hilfe!" Dann fühlte sie .sich enge umfaßt, leidenschaftlich geküßt und emporgehoben. Aber in demselben Momente wurden hastige Schritte auf einem der Pfade außerhalb des Pavillons hörbar und ein Mann sprang hinzu. Es war Arthur! Paulette," rief er mit helltönender Stimme, wo sind Sie, Paulette?" St. Johns Arme ließen, rasch wie der Blitz, sein Opfer los. Sie sank zu Boden. Mit einem Sprunge setzte er durch die Wand von Weinlaub und verschwand ein dunkler, nicht gut zu unterscheidender Gegenstsnd. der leicht in dem tiefen Schatten der Nacht sich verbergen konnte. Arthur neigte sich über Paulette und hob sie auf. Sprechen Sie zu mir sehen Sie mich an!" rief er ungestüm. tie öffnelc Mudttkh ihre Augen. , sind Sie tt?" stöhnte sie und verbarg ihr Gesicht in ihren zitternden Händen. Er bemühte sich, ihr dieHände vom Antlitz wegzuziehen, sie anzuölicken. Seine Erregung schien noch gr'ö-' ßer, als die ihrige. Paulette, haben Sie nach Hilfe gerufen?" Sie schwieg. Wer war der Mann? Was that er hier?" Noch keine Antwort. Barmherziger Gott! Machen Sie mich nicht rasend! Antworten Sie mir! War es ein Mann oder ein Schatten? Ich werde Ihren Worten glauben!" Nicht eine Silbe. Sein Geficht wurde ernst und bleich. Paulette!" rief er jetzt, indem er ihre Hände heftig von ihrem Antlitz wegzog, dann hatten Sie hier ein Stelldichein mit ihm!" Ja!" antwortete sie endlich. Er taumelte zurück starrte sie einen Moment finster und wie zu Stein verwandelt an, dann wendete er sich ab und ohne ein Wort weiter verließ ex den Pavillon. 2. Capitel. Henriette Varneck ging in dem dunklen Salon in der schlechtesten Laune auf und ab. Es war nach dem Diner. Hermanns Mutter nickte in einer Ecke, und hatte ein weißes Battisttuch über ihr Gesicht gebunden. Der Duft türkisehen Tabaks, der aus der anstoßenden Halle in den Salon drang, verrieth die Gegenwar! Hermanns. Henriette öffnete endlich, mit einer Miene tieferJndignation die Thüre und fah hinaus. Wirst Du denn niemals fertig mit der abscheulichen Pfeife?" rief sie. Die Tante schläft und es ist fürchterlich langweilig da." Ein Chorus von fr'öhlicffem Gebell antwortete ihr. Gefleckte und einfarbige Schnauzen und Pfoten drängten sich an der etwas geöffneten Thür. Wieder die Hunde!" rief Henriette. und ihre Stimme klang rauh wie ein Schlachtsignal. .Ich will sie absolut nicht haben xuf si, fsrt! Warum
willst Du denn jedes Zimmer desHauses in einen Rinnstein verwandeln?" Der große schöne blonde Mann erschien an der Schwelle, mit einer enormen türkischen Pfeife in der Hand. Arme Thiere!" sagte er. während er die Köpfe der vierfüßigen Aufrührcr zärtlich streichelte und sie dann zu rückzog. Ja. Du hast da einen schweren Stand mit ihnen. Bedaure, daß sie Dir so viel Unruhe machen. Henriette." Fräulein Varneck blickte ihren schönen. kühlen Verlobten zornig an. Ihr Besuch in feinem alten Landsitze hatte weder ihr Gesicht noch ihrTemperament verbessert. Das reiche Kleid, das sie zum Diner angelegt, fchien sie nur noch nichtssagender und alltäglicher zu machen, als sie war. Auf derStirne begannen sich einige Falten zu zeigen. Bei Tag." antwortete sie. sind es Deine Hunde und Dein beständiges Tabakrauchen, und bei Nacht ist es Deine Musik, die Einem fast den Kopf zerreißt. Die. Tante hat .vollkommen Recht, wenn sie fagt, sie habe keine ruhige Stunde gehabt, seit sie dies HauS betreten." Hermann zog seine dichten Augenbrauen empor. Wie unglücklich ich bin!" sagte er trocken. Ich sehe ein, daß ich sowohl meiner selbst wegen, als wegen meines uncivilisirten Betragens mich in den Dienstbotenzimmern werde aufhalten müssen." Seine Mutter fuhr jetzt aus ihrem Schläfchen empor. Du undankbarer Junge, Du!" rief sie kläglich. Ich und Henriette opfern Dir hier die ganze Saison, während es in den Bädern so erheiternd ist; und die Gegend ist hier vollTyphus; es ist eine Gnade derVor sehung. daß wir noch nicht todtkrank sind. Aber wir können es noch werden." Wahr," sagte Hermann, es ist nichts wahrscheinlicher!" Und Du sprichst dann in diesem Tone! Schließe das Haus, ich bitteDich und laß uns in's Bad reisen. Das Fieber hat in unserer Familie schon viel Unheil angerichtet. Wie ein Mann von Deiner Geburt und Deinem Vermögen darauf bestehen kann, ein so absurdes Leben zu führen, begreife ich nicht." Er sah außerordentlich gelangweilt aus. Wie ich Ihnen schon gesagt habe, dieses Leben ist mir gerade recht. Jn's Bad? Nein, ich danke! Aber was Sie und Henriette betrifft', thun Sie wohl, wenn Sie zur rechten Zeit etwas für sich thun." Sie blickte ihn zornig an. Ich verstehe Dich; aber wir verlassen diesenOrt nicht eher, als bis Du mit uns gehst. Das ist meine Pflicht als Deine Mutter!" Die Sache schien ihm selber nicht so einleuchtend. In diesem Falle." sagte er gleichmüthig. machen Sie sich nur auf einen dauerndenAufenthalt hier gefaßt. Ich bedaure nur. daß der Platz für Andere, außer mir, so wenig Anziehendes hat. Bei Keinem von Ihnen Beiden hat sich weder das Aussehen noch die Laune verbessert." Es darf Dich nicht wundern!" ruf. Henriette Varneck unwillig. Wir si& beständig uns selbst überlassen. Du bist den Tag über auf den Feldern und kümmerst Dich um uns nicht. BeiTage werden wir von Deinen Hunden gequält und bei Ng.cht störst Du unsern Schlaf durch Musiciren!" Meine arme Cousine!" antwortete Hermann ironisch; welch' ein Bild deö Märtyrerthums! Aber was kannst Du anders erwarten? Ein Leopard kann seine Flecken nicht ablegen. Ich fürchte, sowohl ich, wie meine Hunde, sind zu alt. um noch andere Kunststücke zu lernen." Henriette sah verdrossen aus dem Fenster. Da ist der Diener mit dem Phaeton. Tante. Ich möchte aussahren, um frische Luft zu schöpfen. Ichs bekonMe gewiß den Typhus, wenn ich unaufhörlich in diesem Schlosse eingeschlössen bleibe." Hermann soll mit Dir fahren sagte Frau Varneck, ich habe Kopf weh." Der muß irgend eine Arie einstudiren," spottete Henriette, oder muß mit seinen Hunden eine Partie machen." Varneck suchte ein Gähnen zu unterdrllcken. Wenn es Dir gefällt, mit mir auszufahren, stehe ich ganz zu Deinen Diensten." Sehr wohl," antwortete sie kurz; ich bin bereit," und sie läutete, Hut und Mantel zu bringen. Die Sonne stand leuchtend am Himmel und die Epheuwände schimmerten in ihrem Lichte. Varneck hob seineCousine schweigend in den Wagen. Ich rathe Euch." rief ihnen Frau Varneck nach, durch den obern Theil der Stadt zu fahren. Da unten wohnen lauter Arbeitsleute und unter ihnen ,, herrscht die Cholera." Varneck nahm die Zügel und mit dem ermüdeten Aussehen, das sich in seinem Gesichte noch stärker ausprägte, fuhr er durch das Thor und auf die Straße hinaus, die sich wie ein graues Bild neben den zerstreuten Häusern hinwand. Eine Weile schwiegen dieBeiden. Henriette beobachtete Varnecks kaltes Gesicht mit zornigen Blicken. Hermann." brach sie endlich los. Du denkst wieder an jenes Mädchen!" Er wendete.sich zu ihr und sah sie an. Und wenn ich es thue?" Du hast kein Recht vazu!" rief sie gereizt. Henriette. wie lange soll das noch so fortgehen? Ich meinestheils bin es herzlich müde." . Das hast Du mir schon mitgetheilt", sagte sie. ihren reich mit Spitzen besetzten Sonnenschirm öffnend. Es macht Dir geradezu Freude, mir das zu fagen. obwohl Du weißt, daß eine zurückgehende Verlobung für eine Dame von fünfundzwanzig Jahren der Ruin ist obgleich Du weißt, daß ich dieses Geschöpf hasse und eher sterben, als ich Dich un ihrctwillen ausgt
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Ja, sie haßte Sibyl Arnstein von ganzem Herzen, wie nur Frauen ihre jüngeren und schöneren Rivalinnen hassen können. Varneck errröthcte vor Zorn. Henriette, ich sage Dir freimüthig, ich werde Dich niemals heirathen und wenn Du diese Verbindung ein halbes Jahrhundert aufrecht erhältst." Das mag sein," erwiderte sie mit großem Gleichmuthe! aber wenigstens werde ich Dich davon abhalten, sie zu heirathen. Sie hat Geist, sie wird niemals den Antrag eines Mannes an nehmen, welcher mit einer Andern verlobt ist." Der Wagen fuhr einen Hügel hinauf, graue Staubwolken wirbelten auf und ließen sich auf ihnen nieder. Er schwieg, bis sie die Anhöhe erreicht hatten, dann schüttelte er ungeduldig die Zügel der Pferde. Henriette," begann er, laß unS eine gütliche Uebereinkunft treffen." Sie öffnete ihre matten Augen und sah ihn an. Eine Uebereinkunft? Was meinst Du damit?" Ich kenne die Beweggründe. dieDich zuerst veranlaßten, an diese Verlobung zu denken. Du verstehst den Werth des Vermögens der Famile Varneck so ;ut wie irgend Jemand zu würdigen vielleicht besser. Du bist es ohne Zweifel müde, von der Großmuth meiner Mutter abzuhängen, die sehr launenhaft ist. Ich will Dir meine Freiheit bezahlen. Ich will Dir die Hälfte meines Vermögens geben, wenn Du mich von dieser ich muß es schon sagen verdammten Verlobung freigibst!" Sie starrte ihn an. Im nächsten Momti erhob sich vor ihrer Phantasie das Bild der schönen, jungen Sibvl Arnstein. Meinst Du das wirklich?" sagte sie. .Gewiß!" Die Inbrunst in seinem Blicke, die Gluth fti seiner Stimme schien sie zu erbittern. Du liebst sie so sehr, um ein solches Opfer um ihretwillen zu bringen?" rief sie gereizt. Ich liebe sie rneh? als mein Leben!" antwortet er. Nun, dann laß Dir sagen," rief sie in eifersuchtiger Raserei, daß ich nicht für Dein halbes und nicht für Dein ganzes Vermögen Dich ihr aufopfern werde! Sie soll Dich niemals haben, so lange ich es verhindern kann. O, wie ich sie hasse mit ihren starrenden schwarzen Augen und ihrem feinen geziertenWesen. Ich würde Dich lieber todt sehen, als mit ihr glücklich wissen!" FÄ einen Augenblick sah Varneck wie betaM aus. Henriette!" sagte er nachdenklich, ich schäme mich Deiner!" Dann nahm er die Zügel auf und peitschte die Pferde in einen rasenden Galopp. Wie ein Wirbelwind slogen sie dabin über die Landstraße. Henriette warf dem Manne, der stolz und ernst, neben ihr saß und dessen Augen wie Stahl schimmerten, einen zornigenBlick zu und biß ihre Lippen aufeinander. Einen solchen Mann freigeben für eine Andere? Niemals!" dachte sie. Sie flogen an Bäumen, Gehegen und versengten sommerlichen Feldern, an Hütten und Höhen vorüber, als sie plötzlich an einer Biegung des Weges, ganz in ihrer Nähe, den schrillenPfisf einer Lokomotive vernahmen. Gütiger Himmel! Da kommt ein Zug!" rief Henriette Varneck. Der Vahnzug brach, als sie. noch sprach, gerade vor ihnen aus einem Walde. Mit einem heftigen Schnauben, das ihre Angst verrieth, sausten die Pferde dahin und gingen mit dem Wagen durch. Nicht abspringen, um Gotteswillen!" schrie Hermann, als seine Cousine sich im Wagen erhob. Mit Gewalt hielt er sie zurück und schlang die Zügel um seine Fäuste. Ueber Hals und Kopf jagten die Pferde und rissen an den schaumbedeckten Eeblssen, aber' mit.starken Armen wendete Vgrneck die Köpfe versessen nach rechts. Der Stoß öer Deichsel warf das eine Pferd auf die Kniee; der Wagen stürzte um, aber im Nu war Varmck auf denBeinen und hielt die Leitriemen mit aller Macht fest. Es war kein geringer Stoß und es dauerte einige Augenblicke, bis Henriette sich erheben konnte. Inzwischen war der Zug an einer Kurve verschwunden. Bist Du verletzt?" fragte Varneck. Ich glaube nicht," 'antwortete sie, sich schüttelnd, als ob sie sich versichern wollte, daß alle Knochen in Ordnung seien. Der Wagen ist gebrochen," sagte er, und die Sonne brennt. Du wirft in einem Hause, das ich eine kurzcStrecke von da bemerkte, Zuflucht nehmen müssen, bis ich den Schaden reparirt habe." Zerknittert und in sehr übler Laune erlaubte sie ihm, sie durch den Staub zurückzuführen nach dem erwähnten Platze. Es war eine niedrige Hütte, die einen Steinwurf von dem Orte desUnfalles entfernt an der Straße lag. Das Klopfen Varnecks lockte ein hageres, hohläugiges Weib an die Thüre. Er setzte sie mit kurzen Worten von dem Geschehenen in Kenntniß und bat sie um Erlaubniß, daß seine Cousine eintreten und warten könne. Gewiß kommt herein," sagte daS Weib' und setzte einen Stuhl in die leere Stube für die Dame in dem reichen Anzüge und dem verdrießlichen Gesichte. Er ließ Henriette da und begab sich zu dem Wagen zurück. Es herrschte eine peinliche Stille in der Hütte. Nach einem Blick auf den ärmlichen Raum begann Henriette den Stuhl sehr hart zu finden und die Gegenwart des hohläugigen Weibes irritirte sie. Die Letztere setzte sich auf die Thürschwelle, that einige Fragen über den Unfall und dann begann sie, wie von Miiigkeit überwältigt, einzunickm. Henriette gUittete ihre zerknittert Robe, brachte ihre Hutfedern in Ord nung, sah auf ihre Genfer Taschenuhr und wartete aus den Verlobten DaZ
Weib nickte auf der Thürschwelle for: und fort, so daß es manchmal schien, als müsse ihr der Kopf von den Schultern fallen. Henriette beobachtete die Bewegungen, bis di:se sie geradezu nervös machten. Ihr scheint sehr müde zu sein," sagte sie endlich. Das Weib hob den Kopf und lihnte ihn aufrecht und steif an den Thürpfosten. Sie mögen das wohl sagen. Fräulein." wimmerte sie. Ich habe viele Nächte gewacht. Im nächstenZim mer liegen drei, die an der Cholera gestarben sind." Was!" schrie Henriette, auf ihre Füße springend. Drei. sie starben Alle in einer Stunde in der letzten Nacht." Allgütiger Himmel!" kreischte Henriette, und weiß wie Asche warf sie den Stuhl um und stürzte durch die Thüre. Sie floh hinaus auf die Straße und Varneck, der mit der Herstellung des Wagens eben fertig wurde, fah sie entsetzensvoll und mit ausgebreiteten Armen auf sich zueilen. Hast Du mich in dieses Haus gebracht, um mich zu tödten!" keuchte sie, daß Du diesesGeschöpf, Deine schöne Arnstein heirathen kannst? Es liegen Leute dort, die an der Cholera gestorben sind! Die Krankheit hat mich angesteckt ja. ja. ich bin gewiß, ganz gewiß, daß ich sie schon habe!" Unsinn!" antwortete er. Duhast nicht fünfzehn Minuten dort gesehen." Wer sie war außer sich vor Schrecken. Ich fühle, daß sie sich an meine Kleider gehängt hat!" schrie sie, indem sie die Falten ihrer Robe heftig schüttelte. Und ach!" fuhr sie, die Hände ringend und doch ihre weibliche Eifersucht nicht vergessend, fort, ich werde sterben und Du wirst Sibyl heirathen und mir zum Trotze glücklich mit ihr sein!" Henriette, Du bist außer Dir," antwortete er; laß uns sobald als möglich nach Hause gehen. Du hast so wenig die Cholera, ais ich sie habe. Du wirst meine Mutter in Verzweiflung bringen, wenn Du ihr das erzählst." Er suchte ihre Angst wegzuscherzen, aber als sie zu Hause ankamen, klapperte sie mit den Zähnen vor Entsetzen. Sobald Frau Varneck das Geschehene erfuhr, verfiel sie in heftige hysterische Zustände. Hermann," schrie sie, laß äugenblicklich meinen Koffer packen, wir reisen ab." Gewiß," sagte er, da er mit seinem Witz zuEnde war, es soll sofort geschehen, wenn Sie das beruhigen kann. Aber glauben Sie mir, Henriette ist in keiner Gefahr. Sie ist nur ein Bischen erschrocken. Ich bitte Sie, beunruhigen Sie sie nicht noch mehr." Henriette selbst stand nied'ergeschla gen und freier) vor ihnen. Plöklich brei tete sie mit einem Ausschrei die Arme aus. Die Krankheit hat mich bereits befallen!" schrie sie und fiel 'starr und steif zu Boden. In einer tiefen Ohnmacht, diesmal in einer wirklichen, wurde sie in ihr Zimmer getragen. Als sich Abends die Dunkelheit über die immergünen Hecken herabsenkte, lag sie bewußtlos, fast athemlos in der verhängnißvollen Lethargie. Varneck sah allein unten in seinem düsteren Zimmer, als sich die Thüre öffnete und seine Mutter eintrat, fertig gekleidet und ausgestattet zur'Aöreise. Ah, Sie gehen also?" sagte er.
Gehen!" stammelte sie. WaS wolltest Du. daß ich sonst thun soll? Bleiben und auch der Epidemie verfallen! Wie grausam von Dir! Und Du allein warst Schuld daran, daß wir hierher kamen. WaS willst Du denn thun? Kommst Du nicht mit mir?" Gewiß nicht!" antwortete er. Sie sah aus, als wolle sie zu Boden sinken. Du willst hier bleiben, wo die Cholera herrscht? Willst Du mein Herz brechen? Willst Du mich allein und kinderlos auf Erden zurücklassen? Ach. wie unglücklich ich bin! Ich, DeineMutter, befehle Dir, mit mir zu kommen. Wenn ich Dir nur im Geringsten etwas gelte, so wirst Du mir gehorchen." Meine theuer Mutter, Sie wissen, fcafe ich mich Ihren Wünschen gerne füge," antwortete er zärtlich, aberHenriette hier allein zu lassen, ist unmöglich. Nehmen Sie Anna und gehenSie auf jeden Fall. Frau MoniZa und ich haben beschlossen, vorläufig hier zu bleiben." (Fortsetzung folgt.) Ein liebevoller Vater in Harlern läßt seinen Sohn im Hause des Professors Zweibier Pianounterricht nehmen, hat es aber seinem Sohne zur besonderen Pflicht gemacht, zu Hause fleißig zu praktiziren. Kürzlich stieg in dem Vater der Verdacht aus. daß sein Söhnchen nicht fleißig genug praktizire, weshalb er dieses vor sich beschied und in gestrengem Tone zu ihm sagte: Emil, übst Du auch regelmäßig auf dem Piano, wenn ich in der unteren Stadt im Geschäfte bin?" Emil: Ja, Vater." Vater: Jeden Tag?" Zahl-Clerk (einer Sparbank, zum Cassirer): Sehen Sie sich doch umGotteswillen die Menschenmenge draußen vor der Thüre an. Die Leute wollen alle ihre Depositen zurückziehen. WaS ist da zu thun?" Cassirer: Hm! Wissen Sie, was? Sagen Sie dem Porter, daß er sich unter die Menge mischen und dort erkranken soll. Und der Buchhalter muß psötzlich dazwischen treten und als vorgeblicher Arzt erklären, der Mann habe die Cholera. Sie sollen 'mal sehen, wie schnell die Leute auseinanderstieben werden!" Eine junge Tame, welcbe sich weigert, ihren Geliebten zu küssen, ist sehr undankbar; sie vergißt, wie oft st. sebst geküßt wurde, al sie noch ein B?bv war.
in oraoo'Vagcn.
Zahlreich wie die Spculationen über den faöelhaftenStcin der Weisen, welcher nicht nur Alles in Gold verwandeln, sondern auch ewige Jugend verleihen sollre, sind die Legenden, welche an El Dorad? geknüpft sind. Die Bedeutung dieses spanischen Wortes läßt keinen Zweifel zu; seine wörtliche Übersetzung lautet Der Vergoldete" und bezieht sich dasselbe ursprünglich nur auf einen Menschen, aber nicht auf ein Land. Allein die eigentliche Bedeutung des Wortes ist nur wenigen bekannt; unter El Dorado wuroe ein geheimnißvolles Gold land verstanden und noch heute gibt es kaum einen an Gold reichen Landstrich in Mittel- und Süd-Amerika, welchem Abenteurer nicht diesen Namen gege ben hätten. In dem Thale von Tay rona befand sich angeblich ein goldener Berg, welcher El Dorado genannt wuüe; später suchten die Spanier nach einem Götzenbilde von riesigen Dimensionen, El Dorado. Expedition nen ngten auf Expeditionen; riesig! Opfer an Geld wurden gebracht und eine ungeheure Anzahl von Menschenleben gingen verloren El Dorado aber wurde nicht gefunden. Selbst der rubi'. überlegenden und genau rechnen',: Engländer bemächtigte sich btx Gl"?:ien an das mysteriöse Gold land Sir Walter Raleigh unter nahm ier erfolglose Expeditionen, um )as srinocothal, das vermeintlich Heim Sr. Goldenen Majestät, zu i,urchdringen. Dort sollte Manoa de! Dorado, eine ganz aus Gold erbautt Stadt existiren, der Zufluchtsort dcZ letzten Nachkommens der verfolgten Jncas. Was ist nun die allen geheim, mßvollen Legenden zu Grunde liegend? Wahrheit und wer war El DoradoZ Vor Beantwortung dieser Frage mlls, sen wir auf die Zeit zurückgehen, in welcher die Vorstellung von El Doradc ihren Ursprung hat. Nach der Unter, werfung der Azteken und Jncas exi stirte, unbekannt der Mitwelt, auf den hohen Tafelländern an der Ostseitl der Anden ein Ackerbau treibende! Volk von ca. einer Million Seelen, die Chibchas, welche im Jahre 1536 von dem Spanier Quesada unterworfen wurden. Wie ein verwüstender Orkar hausten die spanischen Eroberer in den? sich einer fortgeschrittenen Civilisation erfreuenden Lande und nach wenigen Jahren war das Volk zu einem Hau fen elender Sklaven gemacht, ja sei? Name wurde nicht mehr genannt. Zuz Zeit von Quesada's Eroberung wur den die Chibchas von einem Zipa regiert, dessen Residenz unweit der ge genwärtigen Stadt Bogota war, unk welcher Unterchefs, Zaque genannt, hatte. Die Regierung war despotisch die Nachfolge fiel jedoch nicht guf de Sohn des verstorbenen Zipa, sonder? einen. Sohn seiner Schwester. Sobalc ein Zipa gestorben war, füllten du Priester die Augen, Nase, Ohren un Mund mit Smaragden, hingen di reichsten Ornamente um seinen Hall und placirten die Leiche in denStamn: einer mit Goldblech ausgeschlagenev Palme. Nach sechstägiger Trauer er folgte die geheime Bestattung, bei wel cher nur die ältesten Priester zugelas, sen waren. Der herrliche See Gugf tavita, !n dessen Siese das schön, Weib eines Zaque den Tod aesuch! hatte, war besonders die Geöurtsstättt geheimnißvoller Mythen und Ceremo, men; 5ort haben auch aller Wahr icyetMieyleu nach die Legenden von E Dorado ihren Ursprung. Wie der in? 17. Jahrhundert lebende Pater Simov berichtet, wurde dem Capitain Seba stian de Belalcazar von einem Ginge borenen Mittheilungen über mysteriösi Ceremonien gemacht, die an genann tem See stattfanden. Mehrere -Malt im Jahre begab sich der Zaque odei Präfect der Provinz an den See unö fuhr auf einemFloß auf denselben hin aus, nachdem sein nackter Körper mit einem wohlriechenden Harz bestrichev und mit dem feinsten Goldstaub bedeckt war, bis derselbe gewissermaßen ein Gewand bildete. Mitten auf dem See erfolgte die Abwaschung untei verschiedenen Ceremonien und der Goldstaub wie Gefäße aus Gold sowik Smaragde wurden als Opfer in den See geworfen. In wie weit diese Mythe auf Wahrheit beruht, läßt sich mit absoluter Gewißheit nicht sagen; allein daß dort geheimnißvolle Opfer stattgefunden, ist gewiß. Unter dem spanischen König Philipp dem Zweiten wurde ein Versuch gemacht, den See abzulassen, und dabei wurden goldene Götzenbilder im Werthe von 512,000 gefundeck. Unter diesen ist eins von mehr als gewöhnlichem Interesse, wel ches wahrscheinlich El Dorado, den vergoldeten Mann, in dem Act der feierlichen Abwaschung darstellt. Dasselbe ist aus zehn Figuren gebildet, welche der menschlichen Gestalt nachge ahmt und die an einer soliden Scheibe .befestigt sind. Die Form derselben gleicht den curiosen Binsenflößen der Indianer, auf denen in ihrem Glauben die Todten über einen wilden Strom gefahren werden. Das Ganze wiegt ungefähr ein Pfund und ist aus einer mehr als 19karätigen Mischung von Gold und Kupfer hergestellt. Die drei Zoll große Mittelfigur hält einen Scepter in der Hand und trägt die Kappe des Zaque, während die ihn umgebenden Mittelfiguren die rechtwinkelige Mitra der Priester tragen. Außerdem sind zahlreiche kleineGötzenbilde? und Schmuckgegenstände aus Golddraht gefunden worden, welche den Beweis liefern, daß die Chibchas sehr geschickte Goldschmiede waren. Ein merkwürdiger Fund wird für die Darstellung des als mysteriösen Ciöilisators verehrten Chinzapagua gehal ten, wiewohl einige Forscher wie Pater Duquesne in der Dreigestalt eine mv tholoaische Dreieinigkeit vermuthen. .
