Indiana Tribüne, Volume 17, Number 41, Indianapolis, Marion County, 29 October 1893 — Page 2

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Xtc tttönerne Cstit.

Die OJctim unseres geschähen Mit burgers M. so erzählt die W. D. Z." ist etwas genfrnniget Natur. Sie Mcudfei zwar dasselbe con ihre Eheherrn: aber die Freunde des Hauses erklären diese Behauptung da hin. sie treffe :'.ur für den Fall zu, daß Frau Tl. irgend einen kostspiel:gen. mit der augenblicklichen Finanz läge des Hauses unvereinbarenWunsct) hat. was nicht gerade selten sein soll. Zum Beispiel: im Frühjahr hatie sie sichs in den Kops gesetzt, das: f urn jeden Preis eine Sornmerhnuna haben rnüsie. Aber Herr M. blieb ihrern Trängen gegenüber kühl bis ans Herz hinan. Eines Tages es ttci gegen Ende Mai als Frau M. ihre Forderung wieder mit größeren. Nachdruck geltend machte, nahm Hen, M. seinen Hut und Stock und ging in größterGeinüthsruhe fortbrachte aber dann seiner noch imnier grollenden Ehehälfte eine wunderschöne thönerne Sau mit einem Lch auf dem Stücken für Spareinlagen mit. Auf den Leib der vierbeinigen Sparkasse hatte Her. M. mit Fleif; und Geschick einen selbstgedichteten Reim gemalt, auf den ei nicht wenig stolz war. der lautete-. Spar im Sommer, liebe Frau, Stich im Herst dann jab die Sau!" Dieses Geschenk überreichte er mit et ner wohlgesetzten Ansprache: Schau, liebe Amalie. wenn Du das ganze Geld, um das der theure Sommerauf--enthalt mehr kostet, als da? Hierölei ben, in diese Sparkasse thust, so hast Du im Herbst dafür einen wunder schönen Wintermantel. Leg' jedes ersparte Zehner! dahinein, so hast Du mehr davon, al? von dieser Sornmerfrische." Damit stellt er das thönerne Ungethüm auf die Commode. Frau Amalie war wütkend. Die Sommerfrische wurde nicht bezogen, aber Frau Amalie sparte auch nicht. Im Gegen theil, es verdarb ihr jedes Mal die Laune, so oft ihr Blick auf die moralpredigende Sau fiel. Am meisten aber konnte sie in Wuth kommen.wenn Herr M. von Zeit zu Zeit die Sau ir die Hand nahm recht schüttelte und dann mit einem vielsagenden Blick aus die Gattin bemerkte: Aber es scheppert ja gar nicht." Neulich wurde tb ihr zu arg: da fagteHerr M., als ei eben beim Fortgehen seinen Ueberrock anzog: Siehst Du. Mali, jetzt wärder Sommeraufenthalt auch zu Ende und Du hättest erst nichts davon. Wenn Du jetzt die Sparsau abstichst, so wirst Du Dich erst freuen, daß wir das Geld nicht so hinausgeworfen ha ben!" Es war ein Glück, daß Herr M. schleunigst die Wohn.-.gstbür hinter sich schloß. Eben wollte die Zürnende ihren Unmuth an dem unschuldigste Theile, der harmlosen Sau, auslassen. als ihr Neffe Hans, ein jungem Student, hereintrat; natürlich, um dir liebe Tante wieder einmal anzupum pen. Da kam er gerade recht. So? Geld brauchst Du schon wieder! Na türlich, wenn man den ganzen Tag in der Kneipe sitzt, kann man selbstver ständlich nicht auskommen. Aber Du irrst Dich, wenn Du glaubst, daß ich Dir länger den Narren machen werde! Nicht einen Kreuzer bekommst Du mehr von mir...." Hans stand wie betäubt vor dem Schwall, der sich über ihn ergoß. Da zuckte in der erzürnten Tante ein teufelischer Gedanke auf. Sie ergriff dir Unglückssau, reichte sie dem verdutzter. Studenten mit höhnischem Lächeln hin und rief: Da! Das kannst Du Dir nehmen, damit Du endlich einmal sparen lernst!" Mechanisch nahm Hans das Vieh in den Arm und trat schweigend den Rückzug an. Durn ßen aber packte auch ihn der Zorn, er schleuderte mit einem Fluch das th'önerne Schwein zu Boden, daß es in tausend Stücke zersprang. Da er blickte er unter den Scherben ein zusammengefaltetes Papier und bückte sieb rasch danach. Eine Hundertguldennote!! Mit einem Freudenschrei sprang er in die Höhe und ging eiligst seinen Weg. Abends kam Herr M. nach Hause und vermißte die Sau. Er fragte und erfuhr das Schreckliche. Wir wollen den Mantel der Nächsten, liebe über die jetzt erfolgenden Vor gänge im'M.schen Hause ziehen. Hand wurde dringend gesucht, aber er kan, ' diese und die nächste Nacht nicht nach Hause. Ach. bis man ihn findet, wird es wohl schon zu spät sein! Das entschied. Sängerin (zum Theateragenten): Gewiß das Theater ist gut, das Engagement sc ziemlich und die Gage nicht übel bemessen, allein ich verzichte dennoch aus fos Engagement! Agent (verzwei felt): Aber, mein gnädiges Fräulein, zu den ständigen Abonöenten gehören die drei reichsten Gutsbesitzer in der Umgebung, adlig und unverheiraihei! Sängerin: Her mit dem Con irakt! Der zer st reute S t a n, desbeamte. In welchem Lande ist der Herr Bräutigzm gebürtig? In Franken. Bitte, genauer! Ober oder Unterfranken? Unterfranken. Und Ihre zukünftige Frau Ge jnahlin, aus welchem Lande ist die her? Aus Lippe. Lippe? Hm. hm, Ober- oder Unterlippe? Verändert. In den zehn Iahren seit unserer Hochzeit hast Du Dich sehr verändert, lieber Otto. Man bekommt ja fast gar keinen Kuß mehr von Dir! Siehst Du. liebe Lina, das kommt einfach daher weil Du Dich auch sehr verändert hast! .D er arme Teufel. Dame: Sie bestellten Champagner und nun verlangen Sie, daß' ich ihn bezahl'?" Herr (der als Mephisto maskirt ist): Ws woll'n S'? I' bin eben a armer Teufel!?"

UnglückliÄe Liebe.

Zuerst langsam, dann schneller und schneller entfernte sich der Dampfer von Station Jannowitz und fuhr, die trüben, dunklen Blüthen mit scharfem Bug durchschneidend, di: Spree aufwärts. Max Gerhard hatte stch ganz vorn an der Spitze des Schiffes auf einer Bank niedergelassen und seinen Schirm zum Schutze gegen die brennenden Sonnenstrahlen aufgespannt. Er zog den Dampfer der Eisenbahn vor zu seiner kurzen Reise nach Köpenick. Und gleich ihm flüchtete Mancher aus den heißen, stauberfüllten Straßen hinaus auf das Wasser, um ein paar Stunden erquickender Küh. lung zu genießen. Aber so lange der Dampfer zwischen den dicht an beide Ufer herandrängenden Häusermassen der Weltstadt dahinglitt, war kein erfrischender Hauch zu spüren, erst als die letzte Brücke hinter dem SchaumWirbel der Schiffsschraube verschwand und der Strom sich breiter dehnte, machte sich ein leises, mit Gras- und Waldgeruch durchwürztes Lüftchen bemerkbar. Die erste Station Stralau war bereits in Sicht, als ein zweiter, aus der Richtung von Köpenick lommender Dampfer in geringer Entfernung voiüberfuhr. Max Gerhard warf einen gleichgiltigen Blick nach den Passagieren ' auf Deck desselben. Da blieb sein Auge an der Gestalt einer Dame, die drüben auf dem Vordertheil Platz genommen, mit dem Ausdruck höchster Ueöerraschung haften. Und dann einem augenblicklichen Impulse folgend, sprang er auf und streckte den Arm nach der auf dem anKern Schiffe Sitzenden aus, als wolle er sie zurückhalten, während unwillkürlich laut der Name Agnes!" seineu Lippen entfuhr. Die übrigen auf Deck befindlichen Personen blickten erstaunt, zum Theil mit spöttischem Lächeln nach dem erregten jungen Manne hin. Auch der Dame drüben mußte sein auffälliges Gebühren nicht entgangen fein, denn sie richtete sich lebhaft auf. und so blickten Beide ein ander an, bis mit der wachsenden Ent fernung die Ges'chtszüg: immer un-. kenntlicher wurden. Max Gerhard aber stand noch im mer und sah dem davoneilenden Dampfer nach, und erst als derselbe in der dunstigen Ferne verchwand, setzte er sich wieder auf seinen Platz, während ein Heer von Gedanken und Empfin-. düngen auf ihn einstürmten. Zwei Jahre war er fort gewesen, und so lange hatte er Agnes nicht ge sehen seine Agnes, die er liebte mit seinem ganzen schwärmerischen Künste lerherzen. Sie hatten sich regelmaßig geschrieben, bis sie vor drei Mona ten plötzlich den Briefwechsel abbrach. Aus welchem Grunde das konnte ei sich nicht erklären. Unruhe undSorge hierüber hatten ihn veranlaßt, Italien früher den Rücken zu kehren, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Im merhin war er der Hoffnung gewesen. Agnes als dieselbe anzutreffen, als wie er sie verlassen hatte. Sie wohnte damals mit Mutter, Bruder und Schwester in ärmlichen Verhältnissen weit draußen in einem Hofgebäude in Moabit. Später war die Familie, wie aus Agnes' Briefen hervorging, nach Köpenick übergesiedelt, und dahin hatte er sich nun, gleich am Tage nach seiner Ankunft, auf den Weg ge macht. Und' nun begegneten sie einander, shne daß er sich ihr nähern konnte. Sie glitt vorüber an ihm, so nahe, raß er ihr geliebtes Antlitz zu erkennen vermochte, und doch unerreichbar seinem Wort. Aber er wollte ihr nacheilen, er mußte erfahren, warum si? sei: c letzten Briefe unbeantwortet ge lassen, mußte wissen, ob sie seiner gedacht, ob sie ihn noch liebte. Mit verzehrender Ungeduld sah er dem Landen entgegen. Er . verwünschte in. Stillen die Langsamkeit, mit welchem der Dampfer auf die Landungsbrücke zusteuerte, und kaum hielt derselbe, ils er auch mit zwei Sätzen vom Deck herab und auf festem Boden war. Vielleicht war es ihm noch möglich, mit der Eisenbahn die Station Jannoivitzbrücke vor der Ankunft des Damofers, auf dem sie sich befand, zu erreichn. Ziel- und planlos streifte er, nach dem er sich überzeugt hatte, daß bei Dampfer ihm doch um eine gute Vier-, telstunde zuvorgekommen war, durch die Straßen. Was sollte er thun? Sofort sich wieder auf die Eisenbahn setzen und zu ihrer Mutter hinaus fahren oder ihre Rückkehr an der 2anu pferstation abwarten? Das Letztere schien ihm das Beste zu sein. Als er jedoch tm paar Stunden lang die Ge sichter der Aus- und Eingehenden be trachtet hatte, ohne daß die Ersehnt, sich zeigen wollte, brachte er kurz entschlössen den ersten Gedanken zur Ausführung. Er traf aber weder ihre Mutter, noch sonst Jemanden dahein, und kehrte, durch sein Mißgeschick in die verdrießlichste Stimmung versetzt, wieder nach Berlin zurück. Alle die glücklichen, schönen Stunden, die er mit Agnes verlebt, waren durch das flüchtige Wiedersehen in ihm wieder lebendig geworden. Ein heißes Sehnen, ein ungebändigtes, stürmisches Verlangen nach ihrem Anblick ergriff ihn, und er nahm sich vor, am andern Tage seinen Besuch zu wiederholen. Als er gegen Mittag des nächsten Tages den Dampfer zur Fahrt nach liöpnick bestieg, sah er sich zu feinet freudigen Ueberraschung plötzlich Agnes gegenüber. Schon wollte er auf ? sie zueilen, als er mit einem Male betroffen innehielt. Sie war nicht aU lein. Ein graubärtiger, sehr korpuenter alter Herr saß neben ihr und j sprach in vertraulicher Weise mit ihr. ! Vielleicht ein B-kannter! dachte Max

und trat, nachdem er seinen Schrecken überwunden, hastig an die Beiden her an. Agnes erhob sich mit jähem Ruck, als sie ihn kommen sah, und ein bren nendes Roth stieg in ihren Wanzen auf, aber in ihren Mienen und "in ihrem Blick sprach sich nichts weniger als die Freude des Wiedersehens aus. Es lag soviel kühle Zurückhaltung, ja Abweisung darin, daß Max das herzliche Begrüßungswort auf der Zunge erstarb und er, fast verlegen, den Hut in der Hand, stumm vor ihr stehen blieb. Und noch bevor er ein passen des Wort der Abrede gefunden, sagte sie schnell gefaßt zu ihrem Begleiter, der den jungen Mann halb neugierig, halb mißtrauisch anstarrte: Ein guter Bekannter von früher her." Und di: Beiden einander vorstellend: Herr Gerhard mein Gatte!" Max war es. als erhalte er einen Schlag in's Gesicht. Mit einem irren Lächeln verbeugte er sich vor dem al ten Herrn, der nun, ihn mit gnädigem Kopfnicken zum Sitzen einladend, ein wenig zur Seite rückte. Max abci setzte sich nicht neben ihn, sondern nahm Agnes gegenüber Platz. Dabei klang ihm beständig das schreckliche: mein Gatte" in den Ohren. War eS denn möglich sie, seine Agnes, ver heirathet, und mit einem Menschen, wie dem da? Er brauchte einige Minuten, um diese Thatsache in ihrem ganzen niederschmetternden Gewicht zu fassen, um dieBetäubung, das lahmende Gefühl, welches sich auf sein Gehirn legte, zu überwinden. Und dann krampfte es sich in seiner Brust zu sammen in wüthendem Schmerze; er mußte seine ganze Selbstbeherrschung aufbieten, damit nicht das, was in diesem Augenblicke in ihm gährte und wogte, in bitteren Worten sich Lust machte. Das also war's gewesen, was sie den Briefwechsel abbrechen ließ! Si also hatte sie ihm die Treue gehalten! Und da saß sie ihm nun gegenüber mit dem unschuldigsten Gesicht von der Welt, als empfinde sie garnicht einmal das himmelschreiende Unrecht, welches sie begangen, als sei niemals ein Kuß, ein Liebeswort zwischen ihnen gewechselt worden. Eine namenlose Bitterkeit stieg in ihm auf; am liebsten wäre er (tusg sprungen und davongeeilt, nur um il Gesicht, dessen unbefangener Ausdruck ihn empörte, nicht mehr zu sehen. Und doch konnte er nicht loskommen. Es 'war etwas in ihm, das stärker war, als all sein Stolz, sein gerechtem Unwille, das ihn unwiderstehlich zu ihr hinzog. Und dann tröstete ihn der Gedanke, daß sie mit diesem Mann unmöglich glücklich sein könne, und es drängte ihn, sich mit ihr auszusprechek. von ihr zu hören, warum sie sich an diesen Greis gefesselt hatte. Beim Verlassen des Schiffes ge. lang es ihm, sich Agnes unbemerkt auf einen Moment zu nähern und ihr hastig zuzuflüstern: Wir müssen uns wiedersehen. Ich muß mit Ihnen sprechen!" Ein halb ängstlicher, halb vertveU sende? Blick und ein stummes Achselzucken, das zu sagen schien: Weßhalb?" war ihre Antwort. Dann kehrte sie sich von ihm ab und ergriff den Arm ihres Mannes, während Max ihr verstört nachblickte. Es war zwei Tage später. Ein drückend schwüler Abend folgte einem glühend heißen Nachmittag. Ma Gerhard war einige Stunden in dem kleinen Köpenick umhergestreift in der Hoffnung, Agnes zu begegnen ihr: Mutter aufzusuchen, davon hielt ihn unter den gegenwärtigen Umständen eine unüberwindlich: Scheu ab und et ging nun, da es zu dunklen begann, nach der Abfahrtstelle der Dampfer, um nach Berlin zurückzukehren. Der Himmel hatte sich bewölkt, schwarze und gelblichgraue Wolkenmassen scho ben sich langsam vom westlichen Hori zont herauf. Ab und zu rollte in weiter Ferne leiser Donner, zuckte ein fahler Blitz herab und kaum hatte Max den Dampfer betreten, als auch schon die ersten vereinzelten Regen tropfen fielen. Er war der einzige Passagier auf Deck. In die Kajüte hinabzusteigen, verspürte er, solange der Regen nicht stärker wurde, keine Lust. Ein kräftiger Wind hatte sich erhoben und wühlte die trägen schwarzen Fluthen der Spree zu mäßigen Wellen auf, welche der Dampfer, leise schaukelnd, in schneller Fahrt durchschnitt. Roch waren die niedrigen Häuserreihen Kö penicks nicht ganz dem Blick ent schwanden, als das Gewitter mit vot ler Macht losbrach und eine wölken bruchartiger Regen herniederrasselte, der Max Gerhard zwang, eilig das Verdeck zu verlassen und die schützende Kajüte aufzusuchen. Auch hier unten war Alles leer, nur eine einzelne Dame saß ganz am Ende des langen öden Raumes in einer Ecke. Bei ihrem Anblick wallte eine stürmische Freude in ihm auf, alles Blut drängte sich zum Herzen. Agnes!" rief er und stürzte sich auf sie zu. Er faßte nach ihrer Hand und sprudelte erregt heraus: Endlich seh? ich Sie wieder; kann ich mit Ihnen den ungestört, unbelauscht. O, wie habe ich mich gesehnt nach diesem Mo ment!" Erschrocken sireckte sie in ängstlicher Abwehr die Hand gegen ihn aus. wah. rend sie zitternd hervorstammelte: Sl warum verfolgen Sie mich? Gehen Sie um Gotteswillen, fragen St, mich nach nichts!" Einen Augenblick stand er fassungs los vor ihr, mit heftig arbeitende? Brust. Und Sie haben mir nichts zu jagen, Agnes, garnichts zu sagen?" stieß er in überquellender Bitterkeit zornig her aus. Und dann in wehmüthigem Tone: Da habe ich nun zwei Jahtt

lang geträumt von einem großen Glücke, das mich hier erwartete, da habe ich gearbeitet und gerungen n, dem Gedanken an' Sie und zu jcbei Stunde Ihr Bild im Herzen getrager. und nun daS haben Sie mich dem, jemals ausrichtig geliebt, Agnes': Rein, wie konnten Sie mich sonst ver gessen, wie konnten Sie mir sonst das anthun?" Ein konvulsivisches Zittern durchlief ihre Gestalt. Sie sank auf ihren Sitz zurück und schlug plötzlich, laut aufschluchzend, beide Hände vor das Antlitz. O quälen Sie mich nicht quälen Sie mich nicht so!" Erschüttert beugte er sich über sik und suchte ihr sanft die Hände vom Gesicht zu lösen. Reden Sie, Ag. nes," drängte er, Sie müssen mir sa. gen. wie das gekommen ist." Es gelang ihm nicht, sie zu beruht gen. Ein krampfhaftes Schluchzen schüttelte ihren Körper und er stand rathlos diesem elementaren Ausbruch eines Schmerzes gegenüber, den tx nach dem Vorhergegangenen am we nigsten erwartet hatte. Plötzlich sprang sie auf, schlang beide Armk um seinen Hals und drückte ihr Ge ficht an seine Schulter. Du du thust mir Unrecht. Ich hatte Dich nicht vergessen. Wie habe ich mich, nach Dir gebangt und gesehnt! Aber Di Du ahntest a nicht, was ich zu leiden hatte, und ich konnte es Dir auch nicht schreiben. Und Niemand, dei mir beistand, der mir hals. Und da mußte es denn so kommen. Ich konnte nicht anders, ich mußte mich opfern." Dich opfern? Für wen?" Für die Meinen. Du weißt, es ging uns, seitdem mein Vater starb, niemals gut. Und da bald nachdem Du abgereist verlor ich meine Stellung im Geschäft. Ich war kurze Zeit krank. Entsinnst Du Dich, meine Mutter schrieb einmal an meinem Statt? Ja, und dann kamen die Sorgen. Alles lag ja auf mir. D& trat er " sie gewann es nicht über sich, die Bezeichnung mein Gatte" zu gebrauchen zum ersten Male offen hervor. Er war mit meinem Vater befreundet gewesen, er hatte uns un terstützt während meiner Krankheit und meine Mutter hatte seine Wohlthaten unbedenklich angenommen. Jetzt erst erfuhr ich davon, als er mir seinen Antrag machte. Ich wies ihn zurück. Er kam wieder und wieder und meine Mutter nahm nach wie vor seine Unterstützung in Anspruch. Und ich ich konnte nichts thun, als in ohn mächtigem Grimm mich verzehren. Und dann kam das Entscheidende. Mein Bruder hatte eine Stellung an der Post. Er war leichtsinnig, spielte und eines Tages unterschlug er eine große Summe. Die Entdeckung stand vor der Thür. Da gab er das Geld her und retten ihn, aber es geschah unter der Bedingung, daß ich die seine würde. Meine Mutter beschwor mich die drohende Schande, das Elends kurz: ich unterlag." Und ich wüßte nichts warum hast Du mich nicht gerufen? Ich hätt- " Womit hättest Du es hindern wollen?" unterbrach sie ihn. Du sonn test mir nicht helfen und würdest mir den Kampf nur schwerer gemacht ha. ben. Ach, während dieser ganzen Zeit wünschte ich nur, Du möchtest nie zu rllckkehren, mich nie wiedersehen. Ich hatte mir mühsam den Frieden mit mir selbst errungen, ich wollte verges sen, wollte nicht mehr an das Glück denken, das und da kommst Du nun doch. Wie habe ich gezittert vor die sein Augenblick!" Deine erkünstelte Strenge, dein kaltes Wesen, sollten mich abschrecken? Aber wa2 nun? Ich lasse Dich ihm nicht. Ich liebe Dich ja. Agnes, ich kann nicht leben ohne Dich!" stieß er leidenschaftlich heraus. Er zog bit bebende Gestalt auf die Bank neben sich nieder und preßte sie an sich. Draußen brauste der Sturm, schlugen die Wellen dumpf gegen die Cchiffswände. klatschte der Regen auf das Verdeck nieder; der Donner rollte in langen, majestätischen Schlägen und ab und zu übergoß ein Blitz die Kajüte mit blendendem Lichte. Die beiden nur mit sich beschäftigten Menschen achteten nicht auf das Toben der Elemente. Weine nicht mehr, Agnes, weine nicht," fuhr Max nach längerem Schweigen tröstend sort. Wir werden einen Ausweg finden. Er ja, er muß Dich freigeben. Und dann wirst Du mein mein geliebtes Weib." Sie schüttelte mit einem traurigen Lächeln den Kopf, während sie seine Hände ergrisf und innig drückte. Ja. das sagst Du so. aber das geschieht nie nie! Er mich freigeben? Ach Max, laß uns zusammen sterben, das ist das Beste." O nein," entgegnete er in zuver sichtlichem Ton, wir wollen leben und glücklich werden. Nun ich weiß, daß Du mich liebst, soll uns nichts wieder trennen. Vertraue mir nur. Du sollst frei werden. Einmal muß der Au genblick kommen, wo. ich Dich , ganz mein nennen darf." So sprach er noch eine Weile trö-. siend, beruhigend auf sie ein und all. mälig legte sich unter seinen zärtlichen Worten der Sturm in ihrem Inneren und versiegten ihre Thränen. Eine halbe Stunde später betraten sie Hand in Hand das Verdeck. Das Unwetter war vorüber, ein erfrischen der kühler Wind strich über die mit blitzenden Schaumkämmen gekrönten Wellen. Nach diesem Abend waren vier Wochen vergangen und wahrend die-

ser Zeit hatten Max und Agnes sich oft. zumeist auf den zwischen Berlin und Köpenick belegenen Dampsersta-

tionen getroffen. Und jedes Wieder;:hen hatte ihre Leidenschaft gesteigert. 3n Agnes hatte "von Anbeginn ein dumpfer Groll gelebt gegen ihren Gatten, der sie auf so schmachvolle Weise sich errungen, und dieser Groll hatte sich jetzt in bitteren Haß verwandelt. Während der drei Jahre hatte sie niemals der Gedanke an Max verlassen und als er ihr nun wieder in den Weg trat, da brach die schlummernde Gluth in hellen Flammen aus. Jetzt erst war es ihr so recht zum Bewußtsein gekommen, was sie verloren hatte und wie unsäglich elend sie geworden. Eines Nachmittags befanden sich Beide im Garten der Borussia einem Vergnügungslocal an derSpree. auf der Wüit zwischen Berlin und Köpenick.' Agnes war außerordentlich erregt. Sie erzählte, daß ihr argwöhnischer Gatte bereits Verdacht geschöpft habe, daß er sie auf Schritt und Tritt beobachte und daß sie, hierüber empört, heute eine Scene herbeigeführt habe. Sie waren während ihres Gespräches durch den Garten geschritten und blieben jetzt am Ufer stehen. Neben ihnen, dicht am Wasser, erhob sich ein drei Etagen hoher, einer Burgruine ähnlicher, wunderlicher Tropfsteinbau, der als Aussichtsthurm diente. Sie stiegen, indeß Agnes weiter berichtete wie sie gegen Mittag ihr Haus verlassen und nach Köpenick zu ihrer Mutter gefahren sei, die schmale eiserne Wendeltreppe des Gebäudes hinauf. In der obersten Etage machten sie Halt, traten an die Brüstung und blickten auf den von Ruder- und Sezelbooten belebten Strom hinab. Agnes sprach immerfort und sie redete sich nach und nach in eine wachsende fieberische Erregung hinein. Ich habe ihm heute Alles gesagt; ich habe ihm gesagt, daß ich ihn hasse und verachte, daß er nur meinen Körper gekaust hat, nicht aber mein Herz, meine Seele, über die ich frei verfügen will, und daß er kein Recht hat, mein Leben an das - feine gefesselt zu halten!" In ihren Augen loderte ein düsteres Feuer, in ihre? Brust siedete und czährte es. Alles, was sie so lange mühsam in sich niedergekämpft, brach mit elementarem Ungestüm hervor. Die sie überwältigende innere Bewegung suchte einen Ausdruck. O, ich könnte ihn vor mir sterben sehen, ohne mit den Wimpern zu zucken. Ich kenne jetzt keine Rücksichten. keine Bedenken mehr. Ich ertrage das nicht länger. Es muß endlich ein Ende nehmen!" Max sah ihr zärtlich besorgt in das blasse Antlitz. So hast Du ihm gesagt, daß er Dir Deine Freiheit zurückgeben soll?" fragte er. Und er, was antwortete er Dir?" Er?" stieß sie mit bitterem Auflachen heraus, er lachte mir in's Gesicht. höhnisch, brutal!" Dann bleibt uns nur ein Weg!" sagte Max entschlossen. Hast Du den Muth, mir zu folgen, Agnes?" Wie Du meinst ? Nein, das kann ich nicht. Ich würde es nicht ertragen, wenn die ganze Welt mit Fingern auf mich zeigte. Bleibt uns wirklich nichts anderes übrig?" Sie war dicht an das schwache Geländer getreten, das sie mit beiden Händen krampfhaft umklammerte. Um Gotteswillen, Agnes, beruhige Dich doch!" Er legte den Arm um ihre Taille und suchte sie an sich zu ziehen, aber mit einem heftigen Ruck machte sie sich von ihm los. Ihre fieberhafte Aufregung hatte sich zum Paroxismus gesteigert. Dann lieber hier hinab!" kam es in halberstickten Lauten über ihre bebenden Lippen. Zu ihm zurück will ich nicht mehr. Mit Dir gehen darf ich nicht. Laß mich, laß mich!" fchrie sie laut, als Max sie mit beiden Armen umschlang, um sie gewaltsam von der Brüstung hinwegzuführen. Auf ihren Schrei antwortete ein vielsttmmiger Angstruf vom Wasser herauf. Dort, gerade, unter ihnen, rudert: in einigen Booten eine Gesellschaft von Herren und Damen vorüber, welche jetzt sämmtlich die Blicke entsetzt nach dem oben stehenden Paar erhoben und heftig mit den Händen ?estikulir!en. Auch weiterhin im Garten waren die zahlreich versammelten Gäste aufmerksam geworden. Man stand auf mit verstörten Gesichtern, winkte und schrie durcheinander, und einige, in der Meinung, es handle sich um ein Attentat auf das Leben der Dame, stürmten hilfsbereit dem ussichtsthurm zu. Ein von Berlin kommender Dampfer hatte soeben an der Landungsbrücke angelegt und auch auf dem Schiffe rief das Ereigniß eine lebhafte Bewegung hervor. Und dort drängte sich jetzt durch die Menge ein dicker, graubärtiger Herr nach dem Vorder theil des Dampfers und schrie, heftig mit den Armen winkend: Agnes! Agnes!" Und dann machte er plötzlich Kehrt, stieß die ihm im Wege Stehenden rücksichtslos bei Seite und eilte mit jugendlicher Schnelligkeit vom Schiffe, in den Garten hinein. Agnes' Gatte hatte die Absicht gehabt, feiner Frau nach Köpenick zu folgen, wohin sie sich, wie er vermuthete, begeben haben mochte, und er kam nun gerade in dem Augenblicke an, um Zeuge der aufregenden Scene zu werden, die sich dort oben abspielte. Max hielt die zitternde Frau fest umschlungen. Er achtete nicht auf das. was da unten vor sich ging; er hatte nur das Bestreben, Agnes sicher aus der gefährlichen Höhe herabzubringen. Der Paroxismus war vor'über, sie laa balb odnmäcktia in sei-

nen Armen, ihr Haupt lastete schwer auf seiner Schulter. So trug er sie mehr, als er it führte, langsam und vorsichtig Stufe um Stufe die Treppe abwärts. Am Fuße d?lselben standen dieNeugierigen Kopf au lopf. In dem Augenblick, als Mar unten anlangte, brach sich Agnes' Gatte Bahn durch die Menge und irun standen sich die beiden Männer dicht gegenüber. Der alte Herr war kirschroth vor Wuth und zappelte mit Händen und Beinen. Herr!" schrie er. was soll das heißen?" Seine Stimme überschlug sich und wurde krähend. Ich ich werde Sie zur Rechenschaft zieben! Wie können Sie sich unterstehen! Meine Frau welch' ein Skandal!" Er kam nicht weiter. Agnes, von seinem Geschrei aufgerüttelt, richtete sich in die Höhe und starrte ihn aus fieberglühenden Augen so voller Abscheu und Entsetzen an, daß er jählings verstummte. Nehmen Sie Rücksicht aus Ihre Frau, die in einem Moment nervöser Ueberreizung, wahrscheinlich vom Schwindel erfaßt, in Gefahr war. von da oben herabzustürzen," sagte Max mit nachdrücklicher Entschiedenheit. Eine eisige Ruhe war plötzlich über ihn gekommen. Er löste sich sanft von Agnes los und legte die Widerstandslose in die Arme einer schnell herantretenden Dame. Eine zweite Dame unterstützte die erste und Beide führten die junge Frau hinweg. Ihr Gatte folgte auf dem Fuße nach. Nach diesem Vorfall verging eine längere Zeit, ohne daß Max die Geliebte wiedersah. Und da er Tag sür Tag vergeblich auf ihr Kommen wartete, ergriff ihn qualvolle Unruhe. War sie krank? Ja, gewiß, sie mußte krank sein, sonst würde sie ihm wenigstens Nachricht gegeben haben. Seine Sorge, seine Angst stieg mit jedem Tage, er entschloß sich endlich, zu ihr zu gehen, aber vor dem Hause kehrte er muthlos wieder um. Es wäre ja auch zwecklos gewesen, ihr Gatte hätte ihn überhaupt gar nicht vorgelassen. An einem Sonntag Nachmittag saß Max, seinen trüben Gedanken nachhängend, auf seinem Zimmer, als Agnes bei ihm eintrat. Sie war, entgegen ihrem sonstigen Wesen in letzter Zeit, vollkommen ruhig und gefaßt. Jetzt soll uns nichts mehr trennen, jetzt bleiben wir beisammen," entgegnete sie auf seine erstaunten Fragen. Es war mir nicht möglich, früher fortzukommen. Er hielt mich wie eine Gefangene. O, welche schrecklichen Tage habe ich durchlebt!" Max jubelte auf. Also Du willigst ein, Du willst bei mir bleiben? Wir gehen natürlich fort von hier," setzte er hinzu, irgend wKhin, nur möglichst weit fort!" Versteh' mich nicht falsch," sagte sie und wehrte ihn, da er sie in stürMischer Freude in die Arme schließen wollte, sanft von sich ab. Es gibt nur einen Weg, den wir Beide gemeinsam gehen können." fuhr sie mit seltsam feierlicher Betonung fort. Wenn Du den Muth hast, mit mir zu sterben, so komm!" Agnes!" rief er entsetzt. Und dann versuchte er mit aller ihm zu Gebote stehenden Ueberredungskunst. sie von dem schrecklichen Vorhaben abzubringen. Vergeblich! Seine Bemühungen scheiterten an ihrer eisernen Entschlossenheit. Gehst Du nicht mit mir, so gehe ich allein," war ihre einzige Erwiderung; mir ist es nicht möglich, so weiter zu leben." Und sie umschlang ihn und preßte ihn schluchzend an sich. Leb' wohl!" Dann riß sie sich los und eilte zur Thür. Im selben Augenblick aber war er auch an ihrer Seite. Es kam plötzlich wie ein Fieder über ihn, wie ein Rausch, der sein Denken verwirrte und ihn blindlings fortriß .... Am späten Abend bestieg das Paar in einem an der Spree gelegenen Gartenlocal in Treptow eine Gondel und ruderte auf den in nächtliches Dunkel gehüllten Fluß hinaus. Ab und zu begegneten ihnen andere Fahrzeuge mit lachenden, singenden, glücklichen Menschen gefüllt, die dem Ufer zusteuerten. Ein flaches, fchmales Ruderboot glitt pfeilschnell dicht an ihnen vorüber.' Dann wurde der Strom einsamer. Aus dem Restaurationsgarten hinter ihnen leuchteten zahllose Laternen und bunte Lampions und klang das von der Musikkapelle geblasene 'Behüt' Dich Gott" erschütternd klar zu ihnen herüber. Immer weiter ging die Fahrt' Die Laternen schimmerten matter und der Refrain des Trompeterliedes verhallte. Vor ihnen weit in der Ferne tauchte es jetzt wie ein glühend-rother Stern aus dem Wasser auf und kam langsam, beständia wachsend, näher und näher. Ein durch die Entfernung gedämpftes Glockensignal kündete den von Köpenick kommenden Dampfer an. Nach wenigen Minuten stieg der schwarze Rumpf desselben aus den Fluthen auf. Auf dem Verdeck flimmerte ein Heer von Papierlaternen, eine dichtgedrängte Menge erfüllte das Schiff. Gesang und' fröhliches Leben mischten sich in die Klänge eines an Bord befindlichen Musikcorps, das eine heitere Weise spielte. Das Paar in der Gondel regte sich nicht. Max blickte starren Auges dem nahenden Ungethüm entgegen. Mit der Linken hielt er das Steuer gefaßt, während er den rechten Arm fest um Agnes geschlungen hatte. Diese umklammerte mit beiden Armen seinen Hals und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust. Jetzt schwebte die rothe Laterne des Dampfers fastenmittelbar .über ihnen, ihr greller Schein fiel plötzlich hell auf die Gerndel. Ein schrilles, überlautes,- verzweifeltes Läuten der Glocke ein

einziger hundertstimmtger Entftcnsschrei auf dem Deck des Schiffes dann war Alles vorüber . . . .

SZuö den Erinneruugcn eincS Generals. In den Jahren 1860 und 15G1 nahm der am 24. Januar verstorbene General der Jnfanteite . D. Wilhelm v. Grolman als Hauptminn im 3. Gardc-Rcgiment z. F. an der ersten außerordentlichen Gesandtschaft Theil, die Preußen nach ersten schickte, und sodann auf der Rückreise an den Kämpfen der Russen mit den Bergvölkern des Kaukasus. ÄlZ Ergebniß seiner Reise und seiner Beobachtungen verfaßte er sodann Militärische Aufzeichnungen während eines Aufenthaltes im Kaukasus und in Persien." die aber der Oeffentlichkeit vorenthalten blieben. Neuerdings sind diese nunmehr vom Generalmajor Krahmer im Militär-Wochen-blatt" mit einer Reihe von Ergänzungen u. s. w. herausgegeben worden. Trotzdem sich inzwischen die größten Veränderungen vollzogen, haben sie immer noch erheblichen und histonschen Werth behalten, auf den wir aber an dieser Stelle nur hindeuten wollen. Daß es dem Verfasser auch an Humor nickt gefehlt hat. sieht man u. A. an denjenigen Anekdoten, die er über du persischen Herrscher erzählt. Wir wählen hier nur zwei aus,deren Wahrheit Herr von Grolmann verbürgt: Mohammer Schah, ebenso bedeutend als Krieger wie als Politiker, sah eines Tages einen zerlumpten Derwisck in dem Bazar betteln; er ne, denselben heran und schlug ihm fclgendes, gemeinsame Gekäst vor: Er sollte am nächsten Bormittaa. wenn der Schah mit den Großen seines Hofes ein feierliches Selam hielt, am Thron erscheinen und um eine Gabe bitten; der Schah werde dann eme be-deute-nde Summe geben und dadurch die Großen des Reiches nöthigen, ein Ähnliches zu thun. Die so gewonnene Summe wollten dann Leide .yellen. Am festgesetzten Tage erschien der verschmitzte Derwisch und sammelte ..ik erzwungenen Wohlthaten ern. Am Abend erwartete der Monarch mit Ungeduld den Derwisch, aber vergebens, der schlaue Bettler hatte sich mit seintt Beute aus dem Staube gemacht. Wuthend ließ der gefoppte Schah ihn durch Soldaten auf allen Strafen verfolgen und gestand damit seine verunglückte Finanzmaßregel öffentlich ein. Der vorige Schah Mehmed verurtheilte eines Tages einen Verbrecher zum Verlust beider Ohren und ließ das Urtheil in seiner Gegenwart vollstrecken. Der wohlhabende Dehnquent versprack leise dem Scharfrichter 30 Dukaten, wenn er nur die Läppchen seiner Ohren verschnitt. Nachdem dies geschehen, ließ der Schah, der das Gespräch errathen hatte, den Ohrloscn näher herantreten und erhielt durch Drohung das Eingeständniß jenes Gesprächs. Thor, der Du bist," erwi derte der höchste Hort der Gerechtigkeit, hättest Du mir die Summe geboten, so hättest Du beide Ohren behalten können." Besucher der früherer. Benediktincr-Abtei Brauweiler können in einem abgrenzenden Theile der ehe. maligen abteielichen Gärten auch jenen merkwürdigen Maulbeerbaum sehen, der, ai:s den Tagen der O ttonen her. rührend, in seinem fast tauscndjähri. gen Bestände ein ehrwürdiges Gegen. stück bildet zu dem fast gleichalterigett Rosenstock an der äußern Chor-Run. düng des Domes zu Hildesheim. Wäh. rend dieses Gegenstück im alten Sach. senlande noch fortwährend grünt und blüht, nimmt es, wie die K. V." schreibt, den Anschein, als ob der al!ersgraue,in seinem gewaliigenStamm mehrmals gestaltene Maulbeerbaum seinem baldigen Untergange entgegen geht. Der alte Baumriese, der nach Größe- und Ausdehnung -kaum von einem seiner Genossen in Italien übertrosfen wird, hat in diesem Jahrezum ersten Male keine Früchte gezei. tigt. die er früher in Menge hervor, zubringen pflegte. Eine große Zahl von NebenSsten ist bereits verdorrt. Wenn er nun auch in feiner weit aus. gebreiteten untern Verästelung noch neue Zweige treibt, so hat er im letzten kalten Winter doch derart gelitten, daß. wie gesagt, an seinem Aufkom men gezweifelt werden darf. Gewiß wäre es dringend zu wünschen, daß botanische Fachmänner berufen wür den. um den Alten eingehend zu un. tersuchen und Vorschläge zu machen, wie ein weiteres Absterben und Ein gehen diese? pflanzlichen Seltenheil verhütet werden könnte. Noch sei hier hinzugefügt, daß im Volksmunde dic Sage geht, es würden schlimme Zeiten folgen, wenn der MauZbeerbaum der Ottonen zu Vrauweiler verdorre. Motiv. Mann: Nun ja, mein Kind, Deine Mutter ist todt. Darüber' mußt Du Dich endlich bcruhigen. Bedenke doch, wie alt sie war! Frau (schluchzend): Ach. weißt Du noch, sie sagte immer, sie würde hundert Jahre leben." Mann: Aber, Kind, das sagte sie nur, um mich zu ärgern." Bedenklich es Symptom. Ein Maurer wird auf dem Bauplatz irrsinnig. Als der Arzt erscheint,fragt dieser die Kollegen des Maurers, wie sich die Krankheit zuerst ge äußert habe. Er hat noch nach zwölfe gearbeitet," entgegnet einer derselben und das ist uns Allen aufgefallen!" . Wahrscheinlich. Fcldwe bel: Ich melde gehorsamst, daß den Füselier Knutschte beim Exercier, ein Herzschlag getroffen hat!" Hauptmann: Hatten Sie vielleicht qerade Stillgestanden" cemmandirt?-