Indiana Tribüne, Volume 17, Number 20, Indianapolis, Marion County, 8 October 1893 — Page 3

Das Muttermal. Volkcrontan von 3avex ?!!c)5.

(11. Fortsetzung.) SSas kann es fein?" cntgcgnete bit Kranke ungeduldig. Nun. fcije Dich, wenn es sein muß nicht so nahe, Kind, Du erstickst mich! nun, sprich!" Es war klar, daß sie nicht eine lange Dauer dieser Zusammenkunft wünschte. Sibyl zog sich etwas zurück und erröthete, sichtlich peinlich berührt. Ich denke nicht," begann sie, daß meine Gcqenwart zu Hammerstein etwas zu Ihrem Glücke beiträgt. Ist es nicht so, Mama?" Nun was dann?" antwortete Frau Arnstein. Ich weiß, daß Sie mich nicht lieben, ich habe das immer gewußt. Ich möchte fortgehen, Mama, und selbst für mich sorgen!" FrauArnstein strich, wie beunruhigt, ihr graues Haar wieder zurück. Was meint das thörichte Kind, Nebecca?" rief sie. Sie will für sich selbst sorgen! Wie?" - Durch Unterrichtgeben, in einer Stellung als Gouvernante oder irgendwie!" antwortete Sibyl. Sie ist außer sich!" sagte Frau Arnstein. Mama, ich bitte, bitte Sie - lassen Sie mich gehen!" flehte Sibyl. Ich Hasse diesen Ort ja, in der That! Es mag herzlos klingen, aber ich liebe auch Sie nicht! Ich würde auch tauscndmal glücklicher sein, wenn ich draußen in der Welt für mich arbeiten könnte!" Du thörichtes Kind!" kreischte Frau Arnstein. Dich gehen lassen es ertragen, daß ich Deinen Anblick derlöre jetzt? Nein, nein! Niemand erwartet, daß Du mich liebst man verlangt es auch nicht; aber erwähne diese Sache nie wieder. Du wirst mich nicht verlassen, so lange ich lebe. Das ist Deine Heimath. Wenn ich todt bin, soll für Dich gesorgt werden. Jetzt sei zufrieden! Du hast gar nichts zu thun, weder mit den Arbeiten der Welt, noch rnit der Welt selber!" Ich werde hier sterben!" rief Sibyl in heftiger Aufregung. Pfui! Junge Leute sterben nicht so leicht. Jetzt geh'!" befahl Frau Arnstein; Du störst mich!" Während Sibyl nach der Thüre schwankte, sank ihre Mutter auf die Sophakisse.i zurück. Rebecca neigte sich über ihre Herrin. Sie handelt wie eine Liebeskranke," sagte sie. Frau Arnstein machte eine Gebärde 'des heftigsten Unmuthes. Närrin! Em Mädchen, das sein ganzes Leben eingeschlossen war." Sie hätte nicht so lange fort gelassen werden sollen; ich sagte das seinerzeit," antwortete Rebecca. Wenn Du nur wüßtest," rief fast schreiend Frau Arnstein, wie verhaßt mir ihr Anblick ist. Du würdest das nicht sagen, Rebecca! Jedesmal, wenn sie mich Mama nennt, habe ich ein Gefühl, als ob ich sie mit diesen zweiHänden erwürgen könnte!" Bst! Stille!" Aber Sibyl war bereits die Stiege hinabgeeilt und außer dem Bereiche dieser schrillen Stimme. Rebecca folgte ihr fogleich, und das Mädchen cinholend. faßte sie es am Arme. Im Vertrauen gesagt," sprach sie, I?alb aus Furcht, halb aus Entschuldigung, sie ist Ihnen nicht sehr zugethan, ich gebe das zu, aber da ist Ihr Vater Schuld daran. Was das Arbeiten betrifft, denken Sie nicht mehr da--ran. Sie ist reich und es quält ihren tranken Kopf, Sie so reden zu hören. Tragen Sie es eine Weile ein so schwacher Körper kann nicht lange leben dann werden Sie frei sein!" Sibyl schien das nur ein schwacher Trost. Sie wanderte in den unteren Zimmern des Hauses umher. Sie waren alle von Sonne undLuft abgeschlossen, und ein moderiger Geruch herrschte in ihnen. Sie sei in'die Küche und erblickte eine taube alte Frau von abstosäendem Aussehen, die Geflügel zum Diiier herrichtete. Aus der Küche ging sie in den Garten. Er war traurig genug vernachlässigt, fast wüst; aber Sibyl send ihn einladender, als das Haus. Heimchen zirpten in dem langen, ungemähten Grase. Ein verschlungenes Dickicht sah uaß und dunkel aus, sogar zur Mittagszeit. Alles war still wie das Grab, nur ein Paar Wandertauben girrten cuf der hohen Gartenmauer. Der Garten hatte zwei Thore, beide waren verschlossen und mit doppelien Schlössern versehen. Vergebens suchte Sibyl die Mauer zu erklimmen, um darüber zu schauen. Sie wanderte umher, durchnäßte ihr Kleid in dem langen, feuchten Grase, und fand endlich einen gefallenen Baumstamm, auf den sie sich setzte, um auf das Rauschen des Meeres zu hören, das der Gartenrnauer sehr nahe war. Und ich dachte," so sann sie nach, dafe mir Alles klar werden würde, wenn ich nur einmal hier sei, statt dessen erscheinen mir die Verhältnisse nur rech geheimnißvoller. Oh. komm zurück zu mir, du Vision von dem schönenAntlitz und dem goldenen Haar!" Rebecca kam nach einer Weile, um sie ZUM Diner ZU rufen. ..Pfui, weg!" rief sie mürrisch: das ist kein Platz für Sie! Zu viel träumen ist schlecht für Mädchen!" iklöer sobald die monotone Mahlzeit vorüber war, eilte Sibyl zurück in den Garten. Die summenden Insekten waren ihr schon eine Art Gesellschaft. Die Tauben trippelten noch auf der Gartenmauer umher und flogen herab, um sich einge Arodkrumen zu holen, welche sie in ".zs hohe Gras warf. Ueber ihr schimmerte der unendliche Raum von

Licht. Sie fühlte, d-ß die Welt schön sei. Aber ich soll hier leben," seufzte sie, Jahre lang vielleicht, und alt und häßlich werden, wie Rebecca, oder mich zu Tode härmen, was. noch besser wäre: und er wird jenes bleiche Frauenzimmer heirathen und mich ganz vergessen oh, mein Herz, mein Herz!" Sie drängte die Thränen zurück, die ihr in die Äugen traten, obgleich Niemand da war, sie zu sehen. Und während sie saß und sich ihre traurige Zu kunst ausmalte, ging die Sonne unter, und der Zenith wurde rosig im Hinschwinden des Tages, und 'die silberne Mondsichel erschien in dem Purpur des Westens. Sibyl blickte auf und fand den Garten voll zarten, leuchtenden Dämmcrscheins, und gleichzeitig hörte sie außen, auf der violettfarbigen See, die regelmäßigen Schläge von Rlldern. Sie fuhr empor. Ihr Herz schlug heftig. Sie stand da wie Hero an dem Altare zu Sestos. Neue Nuderschläge! Ein Kiel knirschte in dem sik$ des Ufers, dann folgte einePause, jei hörte sie ein näheres Geräusch und aus dem Schatten des Dickichts trat ein Mann und stand vor ihr. Sibyl!" rief Varneck. Sie bewczte sich nicht, sie sprach nicht. Bleich und mit großen flammenden Augen sah sie auf den Mann, der vor ihr stand, einen beunruhigenden, flehenden Blick auf sie richtend. Sibyl, werden Sie nicht zu mir sprechen?". Er streckte seine Hand aus. Sie legte ihre Hände entschlossen hinter sich. Was bringt Herrn von Varneck an diesen Ort?" fragte sie. Ich komme," antwortete er, Ihnen, wenn Sie es mir gestatten, mein früheres Venehmm Ihnen gegenüber zu erklären. Halten Sie mich denn für einen Schurken, Sibyl?" Es hat wenig zu bedeuten, was ich denke." antwortete sie, ihr jungesHaupt neigend. Er lächelte bitter. Sie zürnen mir. Sie wollen nicht einmal meine Hand berühren? Ich sage nicbt, daß meine Strafe unverdient sei. aber ich bitte, hören Sie mich, Sibyl, ehe Sie mich verdammen." O!" rief sie, indem sie mit einer leidenschaftlichen Geberde ihre Arme ausbreitete, warum kamen Sie wieder in meine Nähe?" Was mußten Sie von mir denken, Sibyl? Lor drei Jahren wurde ich mit Henrictte Varneck verlobt. Ich liebte sie nicht sie liebte mich nicht; es sollte eine Convenienz-Heirath werden. Bis ich mit Ihnen zusar.imentraf, ergab ich mich in mein Geschick. Dann kam die Veränderung über :r;ich, welche mir Kiese Bande verhaßte machte, als ich es sagen kann. Ich verlaß mein Haus am Tage Ihrer Abreise nur, um mich von meiner Verlobung fcci zu machen." Sibyl wurde abwechselnd roth und bleich. Und sie?" Si: freut sich eines unfreiwilliqGefangenen sie verweigert es, mich frei zu geben. Nichtsdesh.'weniger muß ich sprechen, Sibyl, ich Hebe Sie leidenschaftlich! Die Lau'le keines lebenden Wesens soll mich verhindern, Ihnen das zu sagen und wäre ich unwiderruflich gebunden, ick: müßte dasselbe thun!" Sie versuchte, ihm mit Würde zu entgegnen. Ihre Cousine warnte mich, daß Sie wankelmüthig seien. Sie setzte auch hinzu. daß trotzdem Ihr Herz immer ihr treu bleiben würde." Sagte sie das? Li:benswürdigeHenriette! Sie weiß seh? wohl, daß sie in meinem Herzen niemals nur das geringste Plätzchen ein.nommen. Sibyl! Sibyl! Denken Sie n-cht an eineVerlobung, die nie mehr war als ein Schatten!" Ihr Busen hob sich. Und Herr von Varneck wie können Sie wissen, daß Sie von ihr nicht geliebt werden?" - Henrictte hat sich in ihrem ganzen Leben keiner anderem Liebe schuldig gemacht, als der Selbstliebe," antwortete er. Warum weigert si. sich dann, Sie frei zu lassen? Ich hciöc kein Recht, zwischen sie und ihre Zukunft zu treten kein Recht, einem Älanne anzugehörcn, der sich mit einer Anderen verlobt, die ihn, ohne Lweifel aus gutem Grunde, nicht aufgeben will." Er sah verzweifelt und zornig aus. Henrictte Varneck will mich nicht freilassen, weil sie Sie haßt, mit all' dem Hasse, dessen nur eine öifersüchtige fähig ist. Mißtrauen Sie mir denn so vollständig? Gute? Himmel und in jener Nacht dachte ich daß ich darauf schwören könnte, daß Sie mich lieben!" Sie antwortete nicht. Er zog sie plötzlich auf den Stamm des gefallenen Baumes nieder. Unter Der Berührung seiner Hand, unter dem Blick seiner zürnenden und sie doch anbetenden Augen war k machtlos. Sibyl!" Sein: Stimme nahm den sanften, verlockenden Ton der liebenden an. Er stützte einen Arm auf den Baumstamm, jedoch ohne sie zu berühren; sein Antlitz war so nahe, da.ß sein Athem ihr Haar bewkgte. Sibkl, habe ich mich wirklich so vollständig getäuscht, und bei einem Mädchen, das ich für so wahr hielt?"

Purpur überzog ihre Wangen. SprechnSie zu mir," flehte er, und sein Mund kam dem ihrigen näher und näh?r. sprechen Sie. Sibyl. zu mir Ihrem Geliebten! LiebenSie mich?" Sie sind nicht mein Geliebter stammelte sie. Ich will Sie nicht hören, warum fragen Sie mich, wenn Sie wissen, ach, wenn Sie es bereits wissen!" Schweigen beredt und athemlos.

Und Sie flohen ohne ein Wort!" murmelte er. Hatten Sie keinen Glauben an mich? Wie müssen Sie mich gehaßt haben in Ihrem Herzen! SindSie glücklich hier mit Ihrer Mutter? Zwei Tage hindurch habe ich vergebens hier an alle Thore geklopft. Endlich nahm ich ein Boot, um zu recognosciren. und dabei fand ich eine etwas zugänglichere Stelle der Mauer. Sagen Sie mir Alleswas Ihnen geschah, seit wir schieden. Sibyl!" Sie gehorchte. Er schien sie unter Mißbilligung anzuhören. Und Sie sollen immer so fortleben, eingeschlossen mit einer wahnsinnigen Mutter, welche sich nicht um Sie kümmert? Sibyl, wenn Henrictte Varneck mich nicht freigeben will, so muß ich mich selber befreien. Es gibt einenWeg, auf dem es sogleich geschehen kann das ist die Heirath mit Ihnen!" Sie schüttelte stolz ihr Haupt. Unmöglich!" Stille! Ich habe ein Boot jenseits der Mauer. Die Stadt ist nur eine Meile entfernt; eine kurze Fahrt und wir sind dort und dann dann ein Lebewohl der andern Welt." Sie würde sich von ihm znrückgezogen haben, aber sein Arm umschlang sie rasch und hielt sie fest. Nein," antwortete Varneck; niemals wieder! Sie können nicht begreifen, wie ich Sie vermißte Sie wissen. nicht, wie trostlos und leer mein Leben wäre ohne Sie! Ich kann es nicht ertragen. Wenn Sie J'ir eigenes Glück wollen wenn Sie nur im Gernigsten das meine wollen, dann, Geliebte, kommen Sie!" Thränen sammelten sich langsam in ihren großen, stolzen Augen. Wie grausam Sie sind!" sagte sie; wie grausam, mich so zu versuchen! Nein! O nein!" Er betrachtete sie mit vorwurfsvoller Miene. Dann ist Ihr Stolz stärker, als Ihre Liebe!" ? nit und bei Henriettens Bosheit sehe . ' daß ich Sie verlieren werde. Sie v. Zieren? Nein! Nein! Nein! Ich kann es nicht, soll ich leben!" Und ehe sie an einen Widerstand denken konnte, hob er sie von dem gefallenen Baume auf, und zog sie mit blinder, unwiderstehlicher Gewalt mit sich fort. Sie müssen Sie werden kommen!" rief er ungestüm. Sie sind mein Sie haben es zugestanden. Blicken Sie nicht zurück. Sie haben viel vor sich und so wenig hinter sich." Aber es gelang ihr doch, sich jetzt mit einem Schrei von ihm loszuringen. Nein, nein! Ich will nicht mit Jhnen gehen! Lassen Sie mich: Aus Mitleid lassen Sie mich!" Mitleid! WelchesMitleid haben Sie für mich, daß Sie mich so zum Aeußersten treiben? Sibyl! Sibyl! Wenn Sie mich nur im Geringsten lieben, kommen Sie!" Er erfaßte sie an ihrem Kleide, während sie sich zurückzog, bleich, zitternd und flehend. Jetzt ließen sich eilende Schritte vernehmen. Hinter einigen Sträuchern erschien Rebecca und sah auf dasMädchen, das in athemloserErregung dastand sie sah auf den großen, schönen Mann an ihrer Seite. Einen Moment schwieg sie, dann rief Rebecca mit ihrer trockenen harten Stimme: räulcin Sibyl, der Tbau fäll! es ist Zeii, in's Haus zu gehen!" Gehen Sie!" flüsterte Sibyl hastig, es ist d'e Krankenwärterin meiner Mutter." . Varnecks Gesicht drückteSchmerz und Verzweiflung aus. Gute Nacht!" sagte sie, .ihm ihre Hand reichend. Er nahm sie, drückte sie und führte sie an seine Lippen. Und wann soll ich Sie wiedersehen?" stöhnte er. Wie kann ich es sagen?" antwortete sie mit bebendem Münde. Und vor Rebeccas Augen küßte er sie jetzt auf ihre zuckenden Lippen, und dann riß sie. sich los und eilte Rebecca nach. Als die Beiden das Haus erreichten, wendete sich Sibyl mit den dunklen leuchtenden Augen zu ihrer Begleiterin. Rebecca," begann sie, bei jedem Worte nach Athem ringend, Sie kennen meine Mutter so gut, sagen Sie mir, denken Sie, sie würde froh sein, mich Einem zu geben, der mich liebt, wenn dieser Mann bei ihr um mich anhielte?" Kurz und gut," sagte Rebecca trocken, Sie meinen, or Ihre Mutter Sie heirathen lassen würde?" .Ja." Dann sage ich ?tfmen freimüthig, Miß Sibyl, sie würd: Sie ehzr todt sehen wollen!" 28. C a p i t e l. .Schlaf', Kindchen, schlaf' ! Dein Väterche.l hütet die Schaf', Tie Mutter chüktelt den Apfelbaum. Und nieder zu Dir kömmt ein schönerTraum Schlaf', Kindchen, schlaf'! Schlaf'. Kwdchett. sch'af' ! Txt aroßen Sterne, da s'nd die Schaf', Tie kleinen sind Lä,nmÄ?n, sanft und fromm, TerMond sieht alsTchaieramHimmelsdomSchlaf', Kindchen, schlaf'!Die Sonne, ein Ball von purpurnem Feuer, war hinter die Apfelbäume ge schlüpft. Es war Zeit für den Doktor zu kommen, und die Frau in Schwarz, mit einer Näherei auf den Knieen und ihre Hände darüber gefaltet, faß unter einer Geisblatt-Rebe und sang mit tu ner träumerischen Stimme dieses Wiegenlied. Neben ihr. die Mücken mit seinem hin und her geschwenkten Hute verscheuchend, und den Sonnenuntergang von dem bescheidenen Gemüsegarten des Doktors aus betrachtend, saß Herr Trent, und sah nicht schlechter aus nach seinem Unfälle in der vorhergegangenen Nacht. .Eine eigenthümliche Manje," sagte

:r, auf seine Gefährtin blickend, ein solches Liedchen zu singen, mit leeren Armen." Sie holte tief Athem. Das war das Wiegenlied für mein Kindchen." antwortete sie einfach. Wirklich!" entgegnete Trent, hinter seinem Hute. Ich schloß aus Ihrem Kleide, daß Sie einen Verlust erlitten." Grübchen nahm ihreNäherei auf und begann, sie zusammen zu legen. Es ist sehr traurig. Kinder zu begraben bemerkte der Advokat, in einem Tone, als ob er selbst schon öfter das Geschick gehabt hätte. Ich kann es mir wohl denken," antwortete Grübchen. Herr Trent war seit vierundzwanzig Stunden im Hause, und diese Zeit war für ihn lange genug gewesen, um zu entdecken, daß der Herr Doktor und seine Gattin merkwürdige Leute seien, und das weckte seine Neugier. , Sie trauern also um ein Kind?" sagte ei. Um ein einzig geliebtes Kind," antwortete sie, und erhob sich, um zu gehen, aber es ist nicht todt, sondern wurde uns vor vielen Jahren gestohlen." Trents Miene drückte plötzlich ein sehr lebhaftes Interesse aus. Ist es möglich? Ach, gehen Sie nicht, ich bitte Sie; es ist ja noch nichts zu sehen vom Doktor. Ein Kind gestohlen? Wie romantisch! Wie ward es gestohlen und von wem?" Grübchen, von diesem ersten Interesse gerührt, nahm wieder ihren Sitz ein. Sie sah hinaus auf die leere Straße und dann auf ihren Gast. Der Verlust meines Herzchens ist kein Geheimniß," sagte sie, aber es ist eine andere Geschichte damit verflochten eine sehr seltsame Geschichte, und ich bin nicht gewiß, ob es Philipp gerne hat, wenn ich sie einem Fremden erzähle." O, dann thun Sie es nicht!" rief Trent höflich; sagen Sie mir nichts, was Sie selbst bctrifft. Sie nennen mich einen Fremden. Ich war wirklich anmaßend! Aber obwohl ich erst, einen Tag und eine Nacht unter Jhrem'Dache bin, wurde mir bei Ihrer Güte zu Muthe, als wären wir alte Freunde." Grübchen sann nach. Es ist sehr gut, daß Sie das sagen. Gäste sind so selten in unserm Hause, denn Philipp und ich sind ganz allein da in der Welt. Unser Kind ward uns durch eine Frau gestohlen durch eine wahnsinnige Frau, wie Philipp sagt; er kann gar nicht gluben, daß es anders möglich sei sie schreibt uns jährlich einen traurigen Brief, aus dem wir 'nur entnehmen, daß unser Kind noch lebt, aber nicht mehr; und sie verlangt von uns eine Rückerstattung, die zu geben, uns ganz unmöglich ist." Trent sah bestürzt aus. Ich ver stehe Sie wahrhast flieht im Geringsten." sagte er. Sie flocht einen Zweig von Geisblatt um ihre Hand. Ich denke wohl, daß ich vom Anfange beginnen muß," sagte sie nachdenklich. Es ist eine Geschichte, wie Sie eine gleiche nicht sobald wieder hören werden. Vor achtzehn Jahren wurde der Doktor des Nachts zu einer Dame gerufen, die plötzlich erkrankt war aus der Reise. Sie lag in einem Hause zwei Meilen von da, an der Straße am Meeresufer, das einen Steinwurf von der Küste steht. Und nun wiederholte Grübchen die ganze Geschichte, während Trent dasaß und ruhig die Mücken von sich abwehrte, und endlich brachte sie dasPäckchen Briefe auZ dem Schreibpulte und den Ring, der unter Frau Christophs Heerde gefunden worden war. Die Anstrengungen, die 'wir machten, um unsere Peiniger zu entdecken," sagte sie. der Kummer, den wir trugen, die Qualen wechselnder Hoffnung und Verzweiflung, das läßt sich nicht schildern; und doch ist Herzchen heute für uns noch gerade so verloren, wie vor siebzehn Jahren." Herr Trent öffnete und las die Briefe, einen nach dem andern. Ihre Gleichheit schien ihn nicht im Geringsten zu ermüden. Er nahm den Ring und betrachtete ihn mit der Miene eines Kenners. Ein sehr kostbare und elegant;ZJuwel," bemerkte er. Ihre Fei.'ce sind augenscheinlich Leute von Reichthum und höherer gesellschaftlicher Stellung.Es kling! wie ein Roman und nach Art des letzteren hoffe ich, Frau Walter, daß Ihnen Ihre Tochter noch gesund und wohlbewalten zurückgestellt wer den wird." Wie," seufzte Grübchen, könnten wir denn jemals dieser grausamen Frau ihr Kind zurückgeben, wenn wir nichts davon wissen?" Trent betrachtete sie, während sie dastand, wie die leidende Madonna, in ihrem schwarzen Kleide und das Antlitz von der Sonne beleuchtet. Und Sie und Ihr guter Doktor," sagte er, haben es die ganzeZeit ertragen, da in dem Hause zu leSen, in welchem Sie dieseuVerlust erlitten?" Philipp ist arm," antwortete sie; er konnte mich nicht von hier fortnehmen." Trent sah nachdenklich vor sich in's Blaue. Er scheint ein Mann zu sein, der für eine höhere Sphärr als seine gegenwärtige geeignet wäre. WenigMen schen erreichen die Stellung, die ihrer Begabung zukäme. Die Welt ist ein Spielzeug des Zufalls. Ja! Er muß harte Zeiten gehabt haben, hier unter diesen roherl Leuten der Küste. Sterben denn diese Leute auch?" Sie sah etwas verwirrt aus. K Philipp ist es ganz zufrieden, arm zu bleiben.Jch seufzte fönst manchmal nach Reichthum, aber nur seinetwegen, weil er immer so ermüdet und Uberangestrengt aussah; aber seit HeczchenS Verlust nun, seither sprach ich nie wieder davon." O. diese Frauen!" dachte Herr Trent, ihr Herz kennt nur eineS - Liebe zu dem Geliebten, oder Gatte,

oder Kind; aber immer und immer . Lieber Man hörte die Thüre desHauses vffnen. Der Doktor kam in den Garten. Sein ernstes Gesicht erheiterte sich bei dem Anblick seiner Gattin. Ich fürchte, Sie werden es hier ziemlich einsam finden?" sagte er zu seinem Gaste. . Im Gegentheile," antworteteTrent, ich habe mich sehr gut unterhalten. Ihre liebenswürdige Gattin hat mir soeben die Geschichte von dem Verluste Ihrer Tochter erzählt." Doktor Walter wurde sehr ernst. Wir sprechen selten davon," fagte er. Unsere Sorge ist so alt, daß Sie aufgehört hat, für Andere ein Interesse ZU haben. Kommen Sie; derThee wartet, lassen Sie uns hineingehen." Es war ein gedankenvolles und schweigsames Tric, das sich an diesem Sommerabende um Grübchens Theetisch sammelte. Der Doktor fragte freundlichst um Trents Befinden. Ich danke," antwortete der Advokat, ich fühle mich so weit hergestellt, daß ich hoffe, mit dem nächsten Zuge zu reisen, obgleich ich gestehe, daß ich es nur zögernd thun kann." Doktor Walter bat' ihn höflich, zu bleiben, aber der Advokat lehnte es ab. Ich hatte ein kleines Geschäft in der Stadt," sagte er, aber das hat jetzt nichts zu bedeuten. Dürfte ich Sie wohl bemühen, mit mir bis zu derSta tion zu gehen, Doktor?" Gewiß" antwortete der Arzt. Man erhob sich vom Theetische. Trent verabschiedete sich von Grübchen, welche ihnen bis in den Vorgarten folgte. Hier zündete sich Trent eineCigarre an, nahm den Arm des Doktors und fort ging es im Mondlicht. Wie süß Ihre Gartenbeete duften

! bei Nacht," sagte Trent, indem er den Vlumengeruch ernsog. Sind wir außer der Hörweite Ihrer lieben Gattin? Bitte, nicht zu hastig. Der Zug geht vor fünfzehn Minuten nicht ab, und ich habe Ihnen etwas ganz Besonderes zu sagen." Wirklich?" sagte Doktor Walter. Herr Trent richtete seine Augen nach dem Monde empor. Seine Cigarre ging aus. aber er sog fort daran, ohne es zu merken. Sie ließen das Haus hinter sich und gingen langsam gegen die Station zu. Plötzlich hielt Trent an und legte seine Hand auf die Schulter des Doktors. Die Beiden standen Aug' in Aug' der hübfche. stolze Advokat und der mürrische Doktor, gealtert, grau vor der Zeit. Doktor Philipp Walter," sagte Trent, ich wußte es seit lange, daß irgendwo auf Erden eine Person existire, die für mich von unberechenbarem Werthe fein könnte. Ich habe mich außerordentlich gesehnt, ihr in's Angesicht zu blicken, und endlich ist mein Wunsch erfüllt, d enn Sie sind der Mann!" Grübchen stand am Fenster und betrachtete die zwei Gestalten, die jetzt auf derStraße verschwanden. Sie schienen in einem sehr eifrigen Gespräche zu sein. Herr Trent wird zu spät kommen zum Zuge." dachte sie in weiblicherNervosität. Was kann er denn nur zu sagen haben, das Philipp so lebhaft interessirt?" Nach einiger Zeit kehrte ihr Gatte zurück. Sie eilte ihm entgegen. Philipp," rief sie, mein Theurer, wie seitsam siehst Du aus? Was hat dir Dr. Trent gesagt?" Er küßte sie. Nichts, Grübchen nichts, das Du im Geringsten verstehen könntest." Wie blaß Du bist!" Blaß? Unsinn! Das ist dasMondlicht!" Und sein Gesicht von dem ihrigen abwendend, zog er sie zurück in dasHaus. 19. C a p i t e l. Paulette eilte nach ihrem Zimmer und warf ihre durchnäßten Kleider ab. Ihre großen Augen leuchteten, ihr schönes kleines Antlitz strahlte von der Verklärung, die auf das Antlitz jeder j Frau kommt, welche liebt. Sie sah i neugierig auf ihr Abbild im Spiegel. j Und das ist die große, große Leidenschaft, von der ich so viel gehört habe?" dachte sie. Weiß ich denn endlich wirklich, was Lieben ist?" Ihre eigencn Augen antworteten ihr. Sie erröthete nicht, lächelte nicht, wie andere Frauen, sondern sank plötzlich aus ihre ' Kniee, wie von Ehrfurcht ergriffen vor der Größe des Gefühls, das in ihrHerz eingezogen war, und streckte ihre Arme aus in die wesenlose Luft. I Wie glücklich wie glücklich bin ich!" murmelte sie. Sollte ich ihm Alles sagen? Nein, nein! Ich könnte niemals vor ihm diese schmähliche Ge- ' fchichte wiederholen! Ich würde lieber sterben, als nur den geringsten Theil seiner Liebe verlieren! Bin ich schlechter als Andere? Gibt es nicht viele Frauen, . die ihr Leben lang Geheimnisse haben und sie bewahren, zu ihrem Besten wie zu dem Glücke derer, die sie lieben?" j ' O Gott! Streiche die Vergangeni heit aus meinem Herzen und aus meinem Gedächtnisse!" Da klopft: er leise an der Thüre. Pauletterhob sth hastig und öffnete. Auf der Schwelle stand Hilda. ! Der Gemral bittet Sie, hinabzukommen," sagte sie süßlich. Darf ich Ihnen zu Ihrem neuen Glücke gratuliren? Ich weiß, daß es. uns Allen große Freude macht." I Ich danke," antwortete Paulette kalt, obgleich sie tief erröthete. Welcher Vogel hat Ihnen denn die Neuiokeit so rasch zugetragen?" ' Sie müssen da Arthurs Eifer tadeln," sagte Hilda lebhast. Nun werden Sie die künftige Herrin vonWeißenthurn! Wie angenehm! Der General denkt so hoch von einer guten Heirath von einem fleckenlosen Namen! . Darf ich ihm sagm, daß Sie bald kom-

mcn werden? Gewiß!" Und sie huschb fort, wie eine Fledermaus, die Stieg, hinab. Paulette Neidete sich hastig iml folgte ihr in großer Aufregung. In de: Halle unten wartete eine große dunkl Gestalt. Als diese das Rauschen da! Kleides hörte, eilte sie Paulette ent. gegen. Es war ein Mann, es war Är thur.. Einen Moment noch allein," slüsterte er und zog sie hinaus auf den mi Weinreben umzogencn Platz. Sein Ge sich leuchtete. Er blickte bewegt auf sie Ich denke," fragte er, daß Sie sid .mit Ihrem Herzen berathen haben. Jcl bitte, was ist das Resultat? Sind Si ganz überzeugt, daß Sie mich lieben?' Ganz," antwortete sie. Er neigte sich und sah in ihre Augen. Das Roth ihrer Wangen hob sid bis in ihre Schläfen. Kennen Sie sich selbst, Geliebte sagte er ernst; täuschen Sie mich nicht Lieben Sie mich, wie ich Sie liebe mehr 'als das Leben, mehr als Alle! unter der Sonne?" Die Leidenschaft il seiner Stimme schien sie zu erschrecken Sie wankte. Ja! Ja!" antwortete sie. Könner Sie mehr verlangen?" Lieben Sie mich rnhr, alsSie je irqend einen Anderen liebten, mein kost, bZres Kleinod?" Ich habe niemals einen Anderer geliebt. Arthur." antwortete sie. Warum fragen Sie so?" Weil," rief er stürmisch, meir Glück mir zu vollkommen scheint, all daß ich noch an seine Wirklichkeit unbedingt glauben kann. Ich kann es nock nicht ganz glauben. Verzeihen Sie mii den Zweifel. Dort kommt der Genral unser bester Freund. Lassen Sie um ihm entgegengehen." Jetzt hob er in den duftigen Schatten der Schlinggewächs, ihr Antlitz etwas und drückte ihr rasck und leidenschaftlich den ersten Kuß au die schwellenden Lippen. Im nächster Momente erschien die Löwenstirnc de! Generals in dem Thorweg. Wie ernß waren die Gesichter dieser zwei Manner, wie gleich im Ausdrucke von Stolz und Kraft. Mit einem Male fühlt, Paulette, wie ihr das Herz im Buser zagte. Der General nahm ihre kleiner weißen Hände in die seinen. ?einc Au gen blickten sie unter den gebleichter Brauen hervor zärtlich an. Meine kleine Polly!" rief er, die! ist eine der glücklichsten Stunden mei nes Lebens! So ist es, wie ich es vorhergesagt. Arthur hat sich als eir glücklicher Freier erprobt, denke ich!" Sie warf ihr liebliches Haupt lä' chelnd zurück. Er nahm ihre Hand und führte si, stolz unter sein Dach, hinein zwischer den grinsenden erstaunten Dienern, hinein zu Hilda, welche die künstig, Schloßherrin mit stillem Grimme cm pfing. Die Freude des Generals schiev Galle und Wermuth für sie zu sein. Es fehlt nur noch eine Woche IM zu meinem Geburtstage." sagte sii mürrisch, als sie Abends mit cinanVez im Salon saßen; und Sie haben sich dessen immer erinnert, bis auf dieses Jahr. Wir sprachen nun einmal von einem Maskenball; aber natürlich, dek ist jetzt außer Frage. Es kann Niemand mehr von Ihnen verlangen, daß Sik an mich denken, wenn Ihre Mündel da ist." Seien Sie keine Närrin, Hilda," antwortete der Genral, Sie sollen Jhren Ball haben und was Sie sonst wollen können. Warum doch nur die Frau enzimmer so abscheulich eifersüchtig aus einander sind? Ich möchte den Mann Kennen, der mit Ihnen unter einem Dache lebt und nicht ebenso denken muß." Hilda neigte ihren Kopf vorwärts und sah Paulette und ihren Geliebten an einem Fenster am Ende des Salons und mit blitzenden Augen wendete sie sich wieder dem General zu. Ich sehe, daß Sie mit Arthurs Wahl sehr zufrieden sind. Das zu verstehen, geht natürlich über meincnHorizont. Ich setzte niemals voraus- daß General Weißenthurn würde zurGattin seines Erben des Letzten vom Stamme eine gewöhnliche Schauspielerin, ein Geschöpf vom Theater wählen!" Der General schnellte vom Stuhle empor und sah sie wüthend an. h)h wissen Sie das?" brach er los. Was thut's!" antwortete sie trotzig, wenn ich es nur weiß." Ihre hübsche Mündel wurde von der Straße aufgelesen, oder vielmehr aus einem Schauspiel im Norden, was eben so viel sagen will. Eine bezaubernde Gattin, in der That, für den letzten männlichen Sprößling Ihres Geschlechtes!" Zum Henker, Hilda!" rief der General; was meinen Sie denn mit diesem Teufelszewäsche? Aber ich will Sie nicht anhören! Ich verbiete Ihnen, je wieder in dieser Weise von dem Kinde zu sprechen." lFortsetzuns folgt.)

Tie reiche Ehefrau (seufzend): Wer wird nach mir noch fragen, wenn ich nicht mehr sein werde? Ihr sehr abhängiger Maun: TaZ wciß ich nicht, aber wer nach mir fragen wird, daZ weiß ich: der Sheriff! 'Bitte, liebe Frau, gebt mir ct. was zu essen, ich bin furchtbar hungrig, sagte ein Landstreicher in klag, lichem Tone zu einer Frau, die mit qeröthetem Gesichte am Waschzuber stand und cmng wusch. Ich füttere keine Vagabunden", lautete die brüske Antwort. Keine beleidigenden Ausdrücke, wenn ich bitten darf. " bemerkte der Tramp in warnendem Tone, oder ich versalze Euch zur Strafe den Waschlag. Ich bin nämlich professioneller Negenmachcr!"

'Kurtosa aus dem Verlincr Ge

richtöjaal. Auf der Jagd nach einem Mörder. Da sehen S:e nun, in welche Verlegen Heiken Sie durch Ihre merkwürdige Passion, ben freiwilligen Tetektio zu spielen, gekommen sind! wendet sich der Vorsiende an den Barbier Max H.,.der sich wegen Körperverletzung zu verantworten hat. Ueberlassen Sie doch die Ermittelung von Mördern der Polizei und gehen Sie lieber Ihrem Geschäft nach. Angeklagter: Ta habe ick denn doch zu viel Bürger un polizeilichen Spür, sinn schon von Jroßvatern her, der m LandZberg als Stadtsergeant in die Polizeibranche eine jcachtete stelle ein nahm, als det ick die Behörde, wo ick sehe, det se in die Patsche sitzt un nich weiter kann, da ruhig sien lassen sollte. Ne. Herr Jerichtshos! In solche Fälle, wo det Baterland ruft Vorsitzender: Ach was. das Vater land Hit Sie gar nick. t gerufen und mit Ihrem polizeilichen Spürsinn scheint es nicht weit her zu sein, sonst hätten Sie nicht einen ganz harmlosen jungen Menschen unter der ungeheuerlichen Be schuldigung. er sei der Mörder der Post schaffncrsfrau Wende, festgehalten. Angeklagter: Herr Jerichtshos. wo ick doch die janz jcnaue . Nationalbeschreibung von den Mann, wo man Verdacht druf hat, in mein Notizbuch hatte! Un da soll ick nu nich zuireifen, wenn mir so n Mo-jöh in die Hände läuft, wo Allcns nff ihn klappt: Neese. Oogen, Schnurrbarl Borgender: Sie sehen aber, daß Sie sich doch getäuscht haben. Angell.: Tafor kann ick doch nischt, wenn der Mann et nicy jeoahn hat, obwohl er et jedahn baben müßte von wejen seineNationalbeschrcibunz un sonstige Kennzeichen, wo cr mir doch sagte,' bet cr schonst fünfzehn Jahre im Züchthause jesecn hat. Vors.: Ta sieht man, wie wenig Ue berlegung Sie haben. Ter Schneider T., den Sie festgenommen haben, ist 24 Jahre alt, cr hätte also schon mit neun Jahren in's Zuchthaus gekommen sein müssen. Angetl.: Hen: JerichtZhof. da hätte ick doch ooch nischt vor jetonnt. wenn er schon in so'n zartet Alter so 'ne rüdige Bolle jcwesen wäre, un wat'n Haken werden will, det krimmt sich schon in seiner ersten Jugendbliethe. Vors.: Lassen wir da jct. Sie können doch nicht bestreiten, den Zeugen H. mißhandelt zu haben? Angckl.:Herr Jerichtshos. wat soll ick da anders duhn, wenn ick so schwer beleidigt werde, det er mir als Jnbre cher bezeichnet? Vors.: Wir werden den Zeugen der nehmen. Der SchneidergesclleT.. ein schmüch tiger junger Mann, erzählt Folgendes: Ick saß in cenem Local an die Schön hauser Allee bei Pankow un trank ccne Weiße, da kom der Herr da, setzte sich zu mir an'n Tisch un sing ecn Jespräch mit mir an. Wohl ooch Schuster? fragte er iicch 'ne Weile. Nee, sagte ick, blos Schneider. Ick meene, sagte er dann, det Tu woll ooch zu die Zunft jehörest? Nur immer 'raus mit die Sprache, Jungeken ick hab' ja ooch schon zehn Jahre in Sonnenburg ab jebrummt. Na. det iS ja 'ne nette Nummer, dachte ick, uf so'n ollen Zucht Häusler mußt Du man 'n ufmerksamet Ooge halte::, da jibt et vielleicht noch 'n Finderlohn vjl verdienen Angekl. (einfallend): Ick wollte ihm man blos Vertrauen zu meine Person einflösen, deshalb jab ick mir alS Zucht Häusler aus. (Heiterkeit.) Zeuge: Ick ja oocb, ick wollte ooch sein Vertrauen jewinnen un deshalb jing ick uf den Ton in un sagte, na ja, sagte ick, wenn er mir denn doch schon erkannt hätte, denn wollte ick nich wei ter streiten un ick freite mir, so'n ollen Kameraden kennen zu lernen, un er sollte mir man ruhig un vertrauensvoll seine Jeschichte erzählen, wie cr cejent lich in die Carriere rinjekommen iS. Meine Absicht war die, det ick ihn in eene Falle locken, nach die Stadt brin gen un bei die Polizei als jeföhrlichet Jndifidibum abliefern woüte. Angekl.: Herr Jerichtshos, ick bitte, det war meine Absicht, det is so'n oller Polizeikniff von mir, wo die Herrn von die Criminalpolizei wat von lernen ken nen. Zeuge: Kurz un jut, er erzählte mir die dollsten Zicken wie er mal in die Reichsbank injcbrochcn wäre, un wie er ooch mal Eencn abjemurkst hätte. Angekl.: Tet war 'n feiner Schach zug von mir, da wollte ick ihm 'n Je ständniß ablocken. Zeuge: Ick erzählte ihm denn ooch allerhand lüjenhafte Abenteier un dakam er denn plötzlich uf die FrageZ od U nich ooch schon so'n bischen mit'n Revolver jespielt hätte, ick käme ihm in diese Hinsicht so sehr vertrauenswürdig vor. Na, det jing mir doch über die Hutschnur, ick sagte nee, dafor müßte ick danken, ick hätte mir nur in schwere Einbrüche versucht. Nu schlug er vor. wir sollten zusammen zur Stadt jehen. da wollte er mir mit einige Collejen be kannt machen. Wir jingen denn ooch. un wie ick 'n Schutzmann sehe, da rufe ick ihm, um damit er den Mann us die Wache bringt. In diesen Oogenblick fällt der Aniettagte über mir her UN vertobackt mir in eene Weise, det et schon jar nich mehr schön war. Us der Wache stellte sich denn 'rauS. det wir Becde janz ehrliche Leute waren, un da lachten se denn Alle, un de Wachtmee ster meente, den Herrn da, wat der An jeklagte is. den kennten se scyon. der machte immer so 'ne Zicken. Der Angeklagte wird zu einer Geld Ürafe von dreißig Mark verurtheilt. Stilblüthe. (?r gehörte zu ienen begnadeten Naturen, die es verstehen, den gewöhnlichen Sterblichen die trockene Semmel des Lebens mit dem lZcviar des HumorS zu versüßen.ES ist besser, ein altes flink als ein junger Greis zu sein.