Indiana Tribüne, Volume 17, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1893 — Page 3

as WutterumZ.

jclfctö:uau von svcr ZUe)s. (10. Fortsct;ung.) llrfb dann wartete ich nicht mehr ab. um mehr zu hören, sondern schlüpfte hinter Hildas größerer Gestalt aus dem Zimmer und eilte geräuschloZ dieStiege hinauf. So ist er gekommen, plötzlich, unerwartet, unangemeldet, dieser Arthur. Wie lang? er wchl außerhalb des mit Kosen umkränzten Fensters gestanden haben mag? Das Haus ist in großer Aufregung, der Genral außer sich vor Freude. Ich halte ihn für sehr ernst, und braun und schön diesen Erben! Ich sollte ihn eigentlich von ganzem Herzen hassen! Weiß er etwas von dem absurden Plan, den der General gegen ch ausgesprochen? Ich denke nicht. Er sieht nicht aus wie ein Mann, der eines Änderen nöthig hätte, um ein Weib zu freien. Warum es mich nur so seltsam berührt, wenn ich seinem Blick bezegne? 17. Juni. Das ganze Schloß ist voll Freude. Der General gab gestern ein Aartenfest ihm zu Ebren. Ich erschien ils Schäferin a la Watteau und eröffnete den Tanz mit ihm auf dem zroßen grünen Rasenplahe. Der Gencral hatte viele Gäste aus der Nachbarschaft versammelt und Alles hul)igte dem glücklichen Erben. Sie allein heißen mich nicht willkommen, weder durch ein einziges Wort noch durch einen Blick," sagte er ;u mir vorwurfsvoll. Habe ich es nicht gethan? Nun, vann dachte ich wohl, daß Sie nichts Derartiges von mir erwarten," antortete ich. Man erwartet sehr viel von Jhnen," sagte Arthur mit leifer Stimme. .Da wir doch bestimmt sind, miteinan)er unter Einem Dache zu wohnen, Darum sollten wir nicht Freunde sein? ehen Sie, wie Ihr gesetzkundigerBeDunderer uns beobachtet. Er wird nicht sobald das Tete-aTete vergessen, das ich an dem Morgen meiner Ankunft un Erbrach." Ich fühlte, daß ich erröthete. Sie scheinen indeß wenig zu harnoniren." Sehr wenig. Er verläßt uns morzen und geht nach dem Norden. Es ist klar, daß er entweder Ihre Gegenvaxt oder die meine nicht länger mehr :rtragen kann." Zum nächsten Tanze führte mich der Veneral mit dem stolzen Wesen einesKavaliers aus der alten Zeit. Nun, kleine Polly," begann er, .hältst Du den jungen Burschen nicht für passabel?" Wenn Sie auf Ihren Erben anspielen, Vormund, der ist doch nicht jung, er sieht aus wie Dreißig und zarüber, ganz alt und blasirt. Bitte, ras meinen Sie mit dem Worte Paslabel?" Schön nicht?" Nicht besonders." Er sah mich vorwurfsvoll an. Interessant, wie die Frauen zu sazen pflegen." Ich denke nicht. Wer ist denn die Brünette, mit der er jetzt plaudert?" Die reichste Erbin in der Gegend. Sin prächtiges Paar, nicht wahr?" Es wäre schade, wenn Ihr brauner Heros sich nicht in sie verlieben würde, Lormund." Wie leicht ihm solche Tändeleien Vorkommen müssen nach den Kämpfen mt den Apachen, seinen Reisen an den Polarkreisen und nach den Plagen InTiens." Ich saß in einer Ecke des Vorplatzes, das Fest war seinem Ende nahe, der Uicnd kam im Osten, die farbigen Lich:er schimmerten unter denBäumen, und ich hört: Arthur und die brünette Erbin ein Lied singen: Trink' mir nur zu mit Deinen Augen!" es war in dem großen Gesellschaftssalon rückwärts, wo sie sanzen, als eine Hand über meine Locken strich, ich aufblickte und Georg Trent ?or mir stand. Sagen Sie mir Lebewohl, Pauleite werden Sie nicht?" sagte er. Leoen Sie wohl," antwortete ich kalt. Seine Augen leuchteten im Dunkel xk glühende Kohlen. Sie wollen nicht einmal fragen, wohin ich gehe! Sie hartherziges Mädchen! Oder, ob ich jemals zurückkehren soll? Kann ich nicht irgend eine Botschaft zu Ihren Freunden imNorztn mit mir nehmen?" Ich habe keine Freunde im Norden." antwortete ich kurz. Er schwieg. Ich erhob mich. Plulette," rief er, noch einen AuAnblick! Ich kann Ihr Nein" nicht als letzte Antwort nehmen. Denken Sie noch einmal an meine Liebe. Bin ich " und muß ich immer Ihnen verhaßt sein?" Der Mann ist ohne Zweifel ein durchtriebener Heuchler, aber jetzt äußerte sich eine unverkennbar echte Leivenschaft in seiner Stimme. Ich gab Ihnen meine Antwort neme unwiderruflicheAntwort vor zwei Tagen," antwortete ich. War sie so anzenehm, daß Sie wünschen, ich möge sie Mederholen? Offen gesagt, halte ich es für das Beste, daß eines von uns diesen Ort verläßt." Er sah mich finster an, als ich an ihm vorüberging. Diesen Morgen ist er abgereist. Ich stand spät auf, und als ich in das Arühstückszimmer hinabging, begegnete ich Hilda, bleich, gallig und in einer jener nachlässigen Morgentoiletten, die sie so alt machen. Sind Sie zeitig aufgestanden," sagte ich sorglos, um Herrn Trent abreisen zu sehen? Sie wendete sich gegen mich, und Äenn Blicke tödten tonnten, so wäre ich

damals und an jener Stelle verloren gewesen. Ja." brach sie los, er ist fort, und Alles Ihretwegen mlt Ihrem weiß und rothen Gesichte, wie eine Schäferin von Porzellan! Ich wünschte von gern zem Herzen hören Sie? von ganzem Herzen daß Sie gestorben wären, ehe der General Sie hergebracht hätte!" Dieser liebenswürdige Wunsch überlöschte mich keinen Augenblick. Ich bedaure tief," sagle ich endlich, daß Herr Trent irgend ein Gefühl an mich verschwendet, das fürSie vielleicht von Werth sein mag. Da ich aber ein solches Geschenk niemals gesucht habe, so begreife ich nicht, inwiefern Sie mich für schuldig halten können." Hilda preßte ihre Zähne zusammen. Sie falsche Katze!" zischte sie, Sie sind wer weiß, was Sie sind! Der General weiß es gewiß nicht! Oh, über die Thorheit eines kindischen Greises! Aber ich will nicht mehr sagen. Ich kenne Ihre Macht über ihn. Er würde mich ohne Zweifel aus dem Hause schicken, wenn Sie es verlangten." Dann wurde die Thüre geöfsnct und der General selbst und Arthur traten ein. Mein gutc alter Freund kam rasch auf mich zu, wie ich dastand und in den Garten hinausbliäte. Ach, kleine Polly," sagte er, seine Stimme dämpfend, Du hattest wohl einen Wortwechsel mit Hilda?" Sie haßt mich gründlich." Ohne Zweifel ohne Zweifel. Ich kenne nur ein Wesen, das Hilda nicht haßt Trent. Ziehe Dir das nicht zu

Herzen. Polly! Da sieh! Ich habe Dir ein kleines Geschenk gebracht!" Er hatte ein altes Juwelen-Etui in seiner Hand. Er öffnete es, während er sprach, und ich sah darin ein Halsband von großen, schimmernden Perlen in einer seltsamen alten Fassung. Mit seinen eigenen Händen legte er es um meinen Hals. Ich nahm die Perlen hastig ab. Wie gütig von Ihnen, Vormund," stammelte ich, mir das zu geben." Sehr gütig," sagte Httda gehässig, .besonders, da ich immer dachte, daß alle Familien-Juwelen ausbewahrt würden für die Gattin Arthurs." 19. Juni. Hilda und ich dinirten allein mit einander. Um ihrer lästigen Gesellschaft zu entfliehen, sobald das Mahl beendet war. befahl ich. mir mein Pferd zu satteln, legte ein schönes violettes -Reitkleid an, welches gestern angekommen war, und ritt fort, ohne Begleitung, hinab den reizenden Weg, welcher den Strom einsaßt. Ich wurde, wie ich letzt denke, zur Reiterin geboren. Wäre meln Pflcgevater der Eigenthümer eines Circus-Zel-tes gewesen, anstatt ein Schauspieler dritten Ranges, so hätte ich mich für ihn, nach einigemUnterrichte, gewiß als eine schätzenswerthe Kraft erwiesen. Anatol" und ich verstanden einander bereits wunderbar. Wir flogen dahin und ich war entschlössen, den Nachmittag so zuzubringen, und für eine Weile wenigstens ging Alles gut. Aber das Wetter war sehr heiß. Ich blickte nach der blendenden Sonne empor, und mit Freude sah ich, sich ein Wölkchen sammeln. Wir hatten das Schloß weit hinter uns auch der Fluß entschwand meinen Blicken. Wir kamen an verschiedene Kreuzwege, von denen ich nicht wußte, wohin sie führten. Anatol, seincmWillen überlassen, wählte einen derselben und trug mich längs dem Ufer eines schwarzen. düsteren BacheS durch Eichen- undFich-ten-Geholz, wobn das abgefallene. dürre Holz lustig unter seinen flüchtigen Hufen knisterte. Hier genossen wir nne geraume Zeit das Vergnügen der Einsamkeit und Stille, bis mir plötzlich ein Regentropfen auf das Gesicht fiel. Ich sah empor. Die einsame Landschaft lag finster und traurig vor mir. Ueber meinem Haup!e war der Himmel tintenschwarz. Donner rollte im Westen. Ich wendete Anatol um, und galoppirte heimwärts. Wilder und wilder wurde der Weg und die Finsterniß mit jedem Schritte dichter. Das arme Thier begann bei' dem fortwährenden Leuchten desBlitzes und bei ztm fast ununterbrochenen Donner unruhig zu werden. Jetzt begann der Regen herabzuströmen, als ob alle Schleusen des Firmamentes geöffnet wären. Heftig, in Strömen, goß es nieder! Keine menschliche Wohnung war zu sehen. Ich wußte nicht, welchen Weg ich einschlagen sollte. Auf einen Wink von mir ging Anatol durch einiges Unterholz, über eine Strecke lehmigen, von der Sonne gedörrten Bodens, dann kamen wir zu einer alten Hütte, die neben einem trüben Bache stand. Die Thüre derselben, das sah ich. war geschlossen. Ick -ritt heran und schlug mit meiner Reitpeitsche daran. Oeffnen! rref ich. Keine Llntwort. Durchweicht und tropfend glitt ich aus dem Sattel, versuchte die Klinke und fand sie geschlossen. Ich muß sie aufbrechen und eintreten. dachte ich; und d-.: ich die Angeln schwach fand, wendete ich meine ganze Kraft an, lis die Thüre nachgab. Ich betrat die 5)ütte. Sie war dunkel, schmutzig, leer. Auf dem Herde lagen einige halbverbrannte Holzklötze. Auf dem Lehmboden zeigten sich Fußipuren. Ich spurte einen schwachen Geruch'von gebranntem Schinken. Die Bewohner waren augenscheinlich nickt lange fort. 5Ä stand in der Thüre uno vierte mikmuthia hinaus. Es regnete wie bei einem Wolkenbruch. Die Wolken lagen wie ein Leichentuch auf der Landschaft. Plötzlich sprang die Gesialt eines Mannes, groß und dunkel, aus dem Unterholze, stürzte auf dieHütte zu und stand Auge um Auge mir gegenüber. ' Ein Mann, muskulös, zerlumpt, hochgewachsen urfd wilden, unstäten

Blickes. Er stand und sah mich an, ich schauderte, denn er erschien mir in dem

Zwielichte doppelt aufiq. Fräulem!" rief r:, Ihr hier?" Ihr seid die kleine Dame vom Schlosse!" Ich trat einen Schritt in die Hütte. Er blieb in der Thüre, sie ausfüllend mit seiner machtigen Gestalt. Wer seid Ihr?" fragte ich. Einer von des Generals Dienern?" Er streckte mir seine Hände entgegen. Nicht! Ich bin Verfolgter! Ich sah Euch in der Halle die Nacht, als Ihr vom Süden gelommen. Ich habe das Unglück gehabt, einen Förster zu i tu looien: Der Wilddieb! Der Mörder!" Ich trat dreist geqen die Thüre vor. Laßt mich hinan.?." sagte ich, mit Aufbietung meine? ganzen Energie. Ich trat hier nur e:n, um dem Sturm zu entfliehen. Nein, Fräulein antwortete er. ohne sich einen Zoll breit zu bewegen: das ist mein Hau?. Ihr kommt. Ihr brecht in meine Thür. nun müßtJhr bleiben. Der Sturm ist noch nicht ganz vorbei." Ich fühlte meine Kräfte schwinden und war einer Ohnmacht nahe. Was wollt Ihr von mir?" fragte ich. Er streckte wieder seine Hände aus. Geld!" antwoitete ich. Ich habe nicht einen Pfennie." Das Fräulein hat Ringe, dann Juwelen," drängte er. Ich zog mein: Reithandschuhe us und zeigte ihm meine Hände, sie waren gänzlich leer. Das Fräulein hat eine Kette um ihren hübschen Hals," sagte der Elende dann, als seine rollenden Augen den Schimmer von Gold oberhalb desHals kragens meines Reitkleides gewahrten. Meine Kette!" stammelte ich, fast das kostbarste Ding, das ich auf Erden hatte, ergreifend die goldenen Glieder, die seltsamen, alten Anhängsel, welche meinen armen, gebrandmarkten Hals schmückten, als der Schauspieler mich fand auf den Teufelsfelsen, in weiter Ferne. Euch meine Kette geben? Niemals!" Geben Sie mir die Kette!" rief er schrill. Rasch! Oder ich nehme sie so!" und er griff nach meiner Kette. Ich hatte die Reitpeitsche in der Hand die einzige Vertheidigungswaffe in meinem Bereiche. Als sich der schreckliche Griff an meinen Hals schloß, traf ich den Schurken voll in das Gesicht mit einem starken, schmerzenden Schlage. Dieser war ihm unerwartet. Er ließ seineHand herabsinken. Mit einem Schrei sprana ich nack derThüre. Als ich das that, hörte ich au'ßenPferdegetrappel, und ein Mann sprang im nächsten Momente hc:bei und erschien vor mir an der Schwelle. Bei seinem Anblicke eilte der Elende aus derHütte und entfloh, rasch wie der Wind. Ich stürzte vottvärts und befand mich in den Armen Arthurs. Großer Gott!" rief er, und sein dunkles ernstes Antlitz wurde bleich wie das einer Frau. Wer war denn das?" Der Mörder!" buchte, der den Förster ermordete!" Hier mit Jhuen?" Ich hielt seinen Arm fest in einem Anfalle von Entsetzen. Ich suchte hier Zuflucht vor dem Sturme. Er wollte mich berauben. Er würde es auch gethan haben, wärenSie nicht erschienen. Ja, und er hätte mich auch getödtei!" Sein Athem ging schwer und mühsam. Er sah mich so seltsam an, daß ich es nicht ertragen konnte. Ich zog mich von ihm zurück und schritt gegen die Thüre. Ich bitte, welcher glückliche Zufall führte Sie hierher?" fragte ich. Ich erfuhr von Hilda, daß Sie allein fort seien," antwortete er. Ich sah. wie sich der Sturm erhob und ritt Ihnen entgegen. Ich folgte ihrerSpur eine Kunst, die ich im fernen Westen erlernte." Er sah nach der Thüre der Hütte. Der Schurke ist fort," sagte er, und es wäre nutzlos, ihn zu verfolgen. Ich will mich damit begnügen, dem General zu rapportire." Darf ich Sie bitten, mich mit nach Hause zu nehmen?" sagte ich, nack Frauenart zitternd, nachdem dieGefahc virüber war. Es war der Wille der Vorsehung, welche mir durch Sie Hilfe gesendet. Wie kann ich Ihnen danken?" Seine Augen ruhten wieder mit ei nem überwältigendenBlicke auf meinem Antlitze. Mir danken," murmelte er, wo ich gerne mein Leben für Sie hingegeb?' hätte? Still, pxt6rr wir nicht mehc davon! Wir müssen ein wenig warten, bis der Sturm vorüber ist. Dieser Schuft wird gewi'5 nicht zurückkommen." Ich lehnte mich cn die Wand, beschmutzt und durchnäßt. Er stand mir nahe, noch rasch und aufgeregt athmend. Wir warteten schveigend. Jetzt begann der Regen nachzulassen. Können wir uns nun nicht fortwagen?" fragte ich endlich. Er machte eine zustimmende Geberde. Paulette!" wiederholte er sein dunkles Antlitz an dem meinen, ich liebe sie!" 16. Capitel. 'Mein Gott! Was für ein Gezänke auf der Stiege! Hier zankt Alles. Das ist ein ruchloser Platz. Ah, horch! Wer kommt jetzt?" Ein dunkles Zimmer, zwei Treppen hoch. Das Zimmer ist trotzdem rein, erträglich komfortabel, in dem Fenster schwingt sich ein vereinsamter Kanarienvoge! in seinem Käfig und darunter am Fensterbrett duftet die bescheidene Reseda. An einem runden Tische, der mit Seide und Draht und verschiedenen farbiaen Stoffen bedeckt ist. sifet die

Beherrscherin dieses kleine Gebietes, eine alte Frau, in einer steifen, weißen Haube, welche Kunstblumen macht. He! Wer ist da 5?" wiederholte sie, als es an ihrer Thü?e klopfte. Es war im Zwielichte, und überschattet von anderen Wohnhäusecn, wurde das dunkle Zimmer fast finster. Sie humpelte zur Thüre uii'j schob den Riegel zurück. Auf der Schwelle stand ein Mann, elegant' gekleidet, schön und wie es schien von heiterem Naturell. Ihre Dienerin," sagte die alte Frau in der gestärkten Haube. Der Herr machte ihr eine schöne 23er beugung. Frau Megrim, denke ich," sagte er. Wollen Sie mir erlauben, in Ihre glückselige Wohnuiig einzutreten? Ich bitte dringend um eine kleine PrivatConöersation mit Ibnen." Mit mir?" rief die Alte erstaunt. Dann treten Sie ein." Der Mann stolzirte herein. Seine lichtbraunen Augen flogen rasch über Alles, was das ganze Zimmer enthielt. Bitte, Platz zu nehmen," sagte die alte Frau mit der Höflichkeit ihrerNation, bis ich eine Lampe anzünde. Ah. Sie sehen, daß ich arm bin daß ich arbeite, um zu leben. Sie müssen die Unordnung entschuldigen." Der Besucher siel auf den nächsten Stuhl, zog seine Handschuhe aus und warf sie in den Hut, der auf feinen 5Znieen ruhte. Wenn ich mich n'cht irre," sagte er, so sind Sie die achtbare Gesellschasterin, die einst einem alten Künstler, genannt Werner, den Haushalt führte, und nackher dasselbe that bei seiner Tochter Paulette?" Megrim sah den Sprecher mit ihren kleinen Fuchsauzen prüfend an. Der Herr hat ganz Recht." antwortete sie. ich bin diese Person." Georg Trent sog einen Moment nachdenklich an dem'Knopse seines indischen Rohres. Madame," sagte er, ich suche eine Information bezüglich jener zwei Personen besonders bezüglich der Tochter. Ich möchte Sie bitten, mir einige oder andere Daten von Jntersse anzugeben, wenn Sie sich dazu geneigt fühlen. und ich kann Ihnen dafür, ohne Zweifel, eine schöne Csmpensation anbieten." Er berührte dabei in an verständlicher Weise eine seiner laschen. Die alte Frau zupfte an ihrer hohen Haube und spitzte schlau den Mund. Werner ist seit Jahren in seinem Grabe. Ah, er war ein guter Mann, aber unglücklich! Er war mein Milchbruder." Und Fräulein Paulette lassen Sie mich etwas von ihr hören. Ich sah sie im Theater," sagte Trent, und Leute sagten mir, sie sei nickt Werners

Fleisch und Blut, sondern ein Findling, den er adoptirte." Wahr," antworiete Megrim, mit einem Gesichte, ausdruckslos wie der Kopf eines Karpfen. Ich bitt: Sie, em Bischen mehr mittheilsam zu em," drängte Trent. War das Mädchen an der Thüre des Schauspielers niedirqelgt word?n?" Nein: er fand sie an emem User der Nordsee; bei eine? Gegend, genannt ach wie heißt sie doch? Sie hielt an mit einem Ausdruck großer Verwirrung. Nun, wie?" rief Trent scharf. Ich denke, ich muß es vergessen haben." Keineswegs," widersprach Trent, zog Etwas lebhaft aus seiner Tasche und drückte es ihr in die Hand. Den-: ken Sie einmal nach. Nun denNamen des Ortes, wo die kleine Paulette gefunden wurde?" Herr, sagte Megnm feierlich, es ist ein sehr seltsamer Name wissen. le ihn nicht? Ein kleiner Ort an der ftüsie, man nennt denOrt kurzwegs den Teufelsfclsen." Trent zog augenblicklich ein Notiz buch und schrieb den Namen ein. Und sie wurde von ihrem Pflegerater für die Bühne erzogen." sagte er. und sie wurde ein Liebling des Publikums; und dann was dann, Ma dame? Sie waren xhit Duenna? Hatte sie Liebhaber?" Die Alte wiegte ihren Kops hin und T l. Ah, da Sie so viel' übe? sie wissen, .üssen Sie das auch wissen. Kommen iDt von in?, um micq auszufragen; Gewiß hatte sie Liebhaber viele!" Bitte, deutlicher. Ne:n, ich komme ,:icht von ihr. Hatte sie nicht irgend ei?en angenommenen Liebhaber und war sein Name St. John?" Die weiß Haube bewegte sich wieder hin und her, aber ihre Besitzerin sprach nicht. Heraus damit! War er nicht einDe:orationsmaler? Wi?? Liebte sie ihn?" Megnm blickte ruhig m seme TigerÄugen. Er war nicht nur ihr Liebhaber r war ihr Gatte!" Trent schien auf diese Mittheilung keineswegs vorbereitet. Ihr Gatte?" Er veränderte die Farbe. Wissen Sie, was Sie sagen, Frau?" Ja! Sie wurden insgeheim verheirathet. Sie bat mich, es niemals zu sa;en. Ich schwur, es mcht zu thun. Sie md schuld, daß ich meinen Schwur gebrochen.". , Stt zuckte mit ihren dünnen Schulern. Das geschah natürlich," saateTrent, ,ehe sie die Mündel des GeneralsWeißenthurn wurde. Strengen Sie Ihr Gedächtniß noch etwas mehr an und erzählen Sie mir von dieser Heirath zuch von ihrer Bekanntschaft mit dem Zeneral." - Ach ja, der schöne alteSoldat! WaS :r für ein Ansehen hatte welch' ein herz! Geduld! Lassen Sie mich vom.

Anfange beginnen, da Sie doch AlleZ hören wollen." und nun erzählte sie Trent die Geschichte von Paulettes unglücklicher Heirath. ihr Zusammentreffen mit dem General, ihre folgenden Leiden und ihre Adoption. Trents Ncugie? war für dieses Mal vollkommen befriedigt. Ms er Alles vernommen, saß er nachsinnend da. Sein Gesicht trug einen Ausdruck, der einige Grade von einem angenehmen abwich. Beschreiben Sie mir," sagte er. die Person dieses St. John. Wem sah er ähnlich?" Megrim gehorchte. Er zog wieder sein Notizbuch hervor und schrieb das Portrait, das sie zeichnete, Wort für Wort nieder. Und nun," sagte er lebhafter, haben Sie jemals von den Tode dieses Mannes gehört?" Nein! Er floh nach der Affaire mit dem Schusse aus dem Lande mehr weiß ich nicht." Es heißt, er sei in Karlsbad -ge-storben. Briefe, die ich aus dieser Stadt erhalten, konnten mir hierüber keinen Aufschluß geben. Meine Freunde daselbst fanden keinen Bericht über den Tod oder das Begräbniß einer solchen Person. Was dann? St. John wandelt. glaube ich, noch auf dem Erdballe!" Der Herr hat ohne Zweifel Recht," erwiderte Megrim höflich. Paulette liebte ihn niemals. Er war so grausam eifersüchtig und sie war nur ein Kind. Ist sie glücklich? Hat sie eine schöne Heimath? lind ist sie nicht schön? Ach, vor einigen Jahren war sie das!" Seh? sckön," sagte Trent und setzte halblaut hinzu: Und de? General betet sie an. Ein schlauer alter Fuchs! WaS veranlaßte ihn, eine Schauspielerin zu adoptiren, deren Geburt undReputation ziemlich düster sind, und sie zur Gattin für seinen Erben zu erziehen?" Trent erhob sich und legte eineBanknote auf den 2lrbeitstisch. Meinen Dank für die erhaltenen Mittheilungen," sagte er. Und jetzt bedaure ich, scheiden zu müssen. LebenSie

wohl, und wenn es für immer geschieht, dann für immer Lebewohl!" Trent nahm seinen Hut und schritt aus dem Zimmer, wie em Harlekin der Bühne. Er stieg die morschen Stufen, bedeckt mit Schmutz und spielenden Kindern, hinab, und e??eichte die St?aße. Jetzt nahm sein Gesicht seinen gewöhnlichen gleichmüthigen Ausdruck an. Vier Tage später finden wir denAdvokaten an den Küsten der Nordsee. Der Mond erhob sich übe? die schimmernde See und das zerklüftete Ufer, als er auf der Station abstieg. Er zog eine Cigarre hervor und schritt in tiefem Nachdenken auf der Plattform aus und ab. Ich denke," sagte er, ich werde mir em Gespann uftreiven und direkt nach dem Orte fahren, wo man die kleine Paulette fand." Er fand, was er suchte. Eine magere Mahre, ein hoher, zweiradriger Wagen und ein Junge zum Kutjchiren stan den bald zu seiner Verfügung. Der Junge kam und rieb sich die Augen, wie nach einem Schläfchen. Wohin wollen Sie, Fremder?" fragte er. Nach einem Orte, genannt Teufelsfelsen, welcher sich in der Nähe dieser Stadt befinden soll," antworteteTrent. Habt Ihr je davon gehört?" Das ist, so viel ich weiß, da hinunter," sagte der Junge. Werfen Sie sich nur da hinein." Trent nahm seinenSitz in dem zweirädrigen Wagen nicht ohne Schwierigkeit ein, denn die grobknochige Mähre schien es sehr eilig i haben, vorwärts zu kommen. DerJunge folgte undTrent fand, daß sein Anzug einen sehr starken Siallgtruch hatte. Was fehlt denn dem Thiere?" rief Trent, der die hitzige Mähre betrachtete und sie im Verdachte hatte, den Koller zu haben. Nun," antwortete der Junge, sie ist ein Bischen hartmäulig und geneigt, mitunter die Dinge doppelt zu sehen," und nach einer Pause setzte er hinzu: Manchmal aber geht sie gut!" Nun ging es in einem ziemlich scharfen Trabe vorwärts, aber die HinterHufe des Pferdes schlugen häufig an den Wagen. He! Dieses alte Vieh haßt jedeEcke, wie Gift," sagte der 5kutscher, und hier ist eine gerade vor uns. Sie würden besser thun, sich am Sitz fezuhalten." Abscheuliche Bestie!" schrie Trent, den freundlichen Rath, nicht beachtend. Gebt mir die Leine!" Aber der Jungd schüttelte semen Kraus köpf. K lapp! Klapp! schlugen die Hufe der Mähre an den Wagen, und rasch ging eS um die Ecke. Allein der Wagen flog gegen den Zaun, ein Rad zerbrach und Trmt stürzte wie eine von einem Mörser abgeschossene Bombe hinab und mit seinem eleganten Kopfe in ein Erbsenfeld. Da lag er bewußtlos wie ein Stück Holz, ohne auch nur zu athmen. Halloh!" brüllte der Junge in seinem Wagen aufrecht stehend und die ausschlagende Mähre hin und her zerrend, während er rsjhlos über denZaun nach seinem Gefährten sah. Er rührt sich ja gar nicht mehr. Halloh! Halloh!" Bei diesem Rufe erschien ein Mann in einem Schlafrock auf dem Wege, und in das Erbsenfeld springend, hielt er bei Trent und hob ihn auf. Wer ist der Mann?" fragte er den Kutscher. Ein Fremder, der mit dem Nachtzuge gekommen." Helft mir, ihn in das Haus zu tragen. Er ist sehr verletzt." Weiß nicht, ob ich das Pferd derlassen darf." lxjmM

Bindet es an den Zaun, Tropf, und thut, wie ich Euch sage!" Trent wurde nun von den Beiden emporgehoben und eine Strecke nach einem weißen Hause getragen, das einen Schild vor der Thüre hatte. Dort brachte man ihn in ein Zimmer. An einem Fenster des letzteren stand eine ffrau in Schwarz, die den Unfall mit

angesehen. Lege ihn auf das Sopha," sagte sie zu dem Manne. Ist er seh? ve?letzt?" 'Ich habe ihn noch nicht untersucht. Willst Du mir ein wenig heißen Branntwein bringen, meine Theure?" Sie brachte das Verlangte. Der Mann goß es Trent in die Kehle. Sogleich kam der Advokat zu sich und öffnete sein- Augen. Er sah sich in einem ; fremden Zimmer liegen und fremde Gesichter neigten sich über ihn. Was ist geschehen?" rief er. We, seid Ihr? O, guter Gott, mein Bein!" Was fehlt Ihnen?" sagte derMann. Wollt Ihr die- Güte haben, nachzusehen?" stöhnte Trent. Der Andere ging daran, den Zustand des leidenden Gliedes zu untersuchen, und fand es arg zerquetscht und verrenkt. Die professionelle Gcschicklichkeit seines Vorsehens erregte Trent Aufmerksamkeit. Ha." sagte er. .Ihr seid ein Wundart, nicht wahr?" Verdammt sei der Junge! WolltJhi die Güte haben, ion und sein Gespann nach seinem Stall: zurückzuschicken es ist klar, daß ich diese Nacht nicht weite? kann." Gewiß." sagt: der Andere. Sik werden genöthigt sein, einige Zeit hie: zu bleiben. Seien Sie deshalb unbcsorgt. Wir haben Raum genug im Hause." Tausend Dank," antwortete Trent traurig. Was für ein verteufelter Unglücksfall! Können Sie mir deshalb dik Versicherung geben, daß ich Sie nich. incommodire?" Sie incommodiren uns nicht imGeringsten," antwortet: die schwarz gekleidete Dame; sprechen Sie nicht davon." Und dieZwei gingen daran, seine Wunden zu verbinden und ihm zu dienen wie gute Samariter." Sie", sagte der Doktor, er Stallbursche sagte mir, Sie wären einFrem der, aber er nannte nicht Ihren Namen." Ich heiße Trent," sagte der Advokat, und Sie?" Mein Name ist Philipp Walter und diese Frau ist meine Gattin." Trent sprach einige Augenblicke kein Wort. Seine Augen wanderten durch das Zimmer und blieben endlich lange auf dem Arzt und dsssen Gattin ruhen. In ihren ruhigen Gesichtern mußte tx etwas unsagbar Komisches gefunden haben, denn bei der ersten Gelegenheit wendete er dem Liclte seinen Rücken zu und lachte in einer seltsamen Weise, se daß es ihn von Kopf bis zu den Füßen erschütterte und doch kein Laut davon zu vernehmen war. 17. C a p i t el. Ich bin sehr unglücklich, meine Liebe," schrieb Sibyl ihrer Freundin Paulette. Ich bin in einem düsteren Hause eingeschlossen, von vier hohen Mauern umgeben; und Mama oh! daß ich es in Deine Ohren flüstern könnte! ist sehr kalt und abstoßend und seltsam! Sie sitzt stundenlang und schreibt Briefe an meinen Vater, der vor vielen Jahren im Auslande starb; aber meines Vaters Tochter scheint ihr nur wenig sympathisch. Ich werde sorgsam von ihremZimmer ausgeschlossen bin mir ganz selbst überlassen und undglücklich." Es gab noch einen and:re?.Grund für ihr Unglück, den Sibyl gegen ihre Freundin nicht erwähnte. Sie legte den Brief mit einem Seufzer nieder, und sich an ihr Fenster lehnend, sah sie auf ein Paar geschwätziger Schwalben, die um ein Nestchen unterhalb der Dachrinne flatterten, das mit Jungen gefüllt war. Sie sah das wanne Nestchen, mit seinem jungen Leben, sah die sich öffnenden Schnäbelchen der jungenVögel. Da war Liebe, und ach, eine Heimath! Von der Dachrinne tropfte die von einem Regen in der Nacht zurückgebliebene Nässe. Grüne Blätter wiegten sich um die liebliche Scene und schlugen einander in stillem Beifall wi: Menschenhände. Ein Sonnenstrahl schoß aus den Wolken, küßte das kleine Nestchen und verschwand wieder. An der Mauer zogen sich Weinreben empor, strotzend von Saft, und beschatteten das Nest. Unten blühten Trompetenblumen und Bienen umsummten und plünderten sie, um köstlichen Honig zu sammeln. Sibyl beobachtete lange die Schmalben, dann verließ sie das Fenster und trat hinaus auf den Corridor und pochte an die Thüre ihrer Mutter. Es wurde von innen geöffnet, und Sibyl trat ein. Auf einem Sopha, dessen hellfarbige Polsterung fcharf mit dem blassen Gesichte und den grauen Haaren derDame contrastirte, lag Frau Arnstein. In ihrer Nähe saß Rebecca Harbin bei einer Arbeit, an einem altmodischen Stickrahmen. Bei Sibyls Anblick hob sich die liegende Gestalt mit einer raschen Anstrengung etwas empor. Rebecca," brach sie mürrisch aus, ich gab strikte Ordres, Daß sie heute nicht hierher kommen sollte." Madme." antwortete die Wärterin, indem sie die Nade! in ihrer Arbeit siecken ließ. Jugend ist Jugend, und sie wird sich abhärmen, wenn man nicht darauf Rücksicht nimmt. Man sollte da für sorgen." Sibyl näherte sich ihrer Mutter. Mama," sagte sie. ich habe Ihnen etwas zu sagen, was Sie ich bin dessen ganz gewiß gerne hören werden." l5?ortleduna lalat 1 :

Qiti Zloman tu tm Leben.

Aus Paris wird geschrieben: Der junge Baron de Ferussac war vor ei nigen Jahren, eben von einer überseei ' schcn Reise von der Tigerjagd zurück" ' gekehrt, wieder einmal in ein Pariser Theater gegangen, wo ihm der Zufall eine außerordentlich hübsche Sitznach. barin gab. Ein Gespräch kam bald in Gang, nach dem Theater acceptirtk das junge Madchen sogar em Souper Z vom Baron, und am andern Morgen ; war der Cavalier fest entschlossen, seine i reizende Eroberung zu heirathen, ob wohl dieselbe nur eme Putzmacherin war. Der Baron schrieb an seinen Vater, und dieser antwortete ihm: Merk' Dir's gut, wenn Du die Per. son hcirathest, so bist Du für mich nicht mehr auf der Welt!" Der jungc Baron Ferussac aber trotzte dem Alten und machte die kleine Modistin zur Frau Baronin. Von mütterlicher Seite war ihm eine Rente gesichert, von der das Paar zurückgezogen zwar, jedoch vollständig sorgenlos lebte, und die Ehe war auch eine sehr glückliche, so lange der alte Baronin in seinem Zorne verharrte und von dem unge rathcnen" Sprößling nichts wissen j wollte. Als aber einmal eine Begeg nung zwischen Vater und Sohn statt, fand und der Letztere darauf wieder Besuche auf dem gascognischenStammschlösse machte, kehrte er von dort immer kälter zu seiner jungen Gattin zu rück, die bald einsah, daß sie ihren hochgeborenen Mann wohl verlieren würde und sich in ihrer resoluten Pa rise? Putzmacherinnennatur darauf gefaßt machte. Eine Schwester des Barons machte denselben gelegentlich mit einer Freundin aus Viarritz bekannt, einer reichen und adeligen Dame; der Fehler in der Wahl einer Gemahlin sollte eben korrigiit werden! Die Baronin Ferussac ließ aber nicht lange mit sich umherspringen; sie wußte, daß ihr Gatte mit jener Biar. ritzerin correspondire, sie kam also der Gegenpartei zuvor und brachte die Scheidungsklage ein. Voll Freude be willigte ihr der Baron eine Rente von 200 Francs monatlich, die aber nie mals bezahlt wurde. Auch in diesem Punkte erwies sich das bürgerlich Weib als der edlere Theil, denn die Ex-Baronin verlegte sich wieder aufs Arbeiten, um sich und ihren Knabel, zu erhalten. Gegenwärtig aber, wo der Junge sechs Jahre alt geworden und in höherem Sinne erziehungsbe dürftig ist denn er führt ja den stolzen Namen Roger de Ferussac . will die Mutter, daß für das Kind et was geschehe. Der Vater des Kna ben gab keine Antwort; der Großvater aber, der alte Baron de Ferussac, hat sich, nachdem schon der Proceß einge leitet war, entschlossen, für den Enkel einen jährlichen Erziehungsbeitrag von 1200 Francs zu leisten. Deö Zauberers Rache. Ein Ungar, der der Vorstellung eines amerikanischen Zauberkünstlers beige wohnt hatte, sprach nach Beendigung derselben im Ease laut und heftig gegen den Künstler und meinte, die ungari fchen Zauberkünstler seien viel bedeu tender. Der Amerikaner, der zufällig zugegen war, verständigte sich schnell mit dem Kellner, trat dann zu dem Ungarn und sagte: Ich bin ver Zauberer, von dem Sie eben sprachen. Sie halten mich für unbedeutender, als die ungarischen Taschenspieler, weil ich weniger durch die Hand, als durch Be Nutzung der wunderbaren Kräfte der Natur zu wirken versuche. Aber ich kann, wenn ich will, viel größere Tricks ausführen, als einer der jetzt lebenden Co liegen, ich kann das Unmögliche wahr machen. So z. B. werde ich Ihnen sogleich, ohne alle Vorbereitung, eine Ohrfeige geben, und der binter Ihnen sitzende Kellner soll vor Schmerz laut aus schreien, während Sie selbst nichts davon empfinden!" DaZ wollen wir sehen!" erwiderte der er staunte Ungar. Als er und der Kell ner sich vorschriftsmäßig placirt hatten, machte der Amerikaner die Umstehenden noch einmal darauf aufmerksam, daß er durchaus nicht vorbereitet sei, und versetzte hierauf dem Ungarn eine derbe Ohrfeige. Sogleich sprang der Kellner hinter ihm auf, hielt die Backe und schrie laut vor Schmerz. Der Ungar aber sprang ebenfalls sogleich auf und rief der freudigen Tones der Gesell schaft zu: Hob' ich gleich g'sagt, daß Zauberer nix versteht! Hob' ich Ohr feigen auch g'spürt!" Ein D.enkmal für Franz Liszt ist in Oedenburg errichtet wor den ; in dem unfern von dort gelegenen Raiding erblickte Franz Liszt das Licht der Welt. Es ist dies das erste Liszt-Denkmal in Europa. Als kleiner Wunderknabe von neun Jahren spielte Franz Liszt überhaupt zum er sten Mal öffentlich in Oedenburg, fein zweites über sein Leben entscheidendes öffentliches Concert fand in P'reßburg am 26. November 1820 statt. Nach Oedenburg kam Liszt in denFunfziger Jahren in Begleitung der Fürstin Sayn-Wittgenstein und zum letzten Mal 1881, um dort wie immer zu . wohlthätigem Zweck zu concertiren und seinen Geburtsort Raiding aufzu suchen. Er wollte sich wieder der Zei ten erinnern, wo er als kleiner Knabe den unvergleichlichen Vorträgen- des berühmten Zigeuners Bihary gelauscht, und durch dieselben das Geheimniß deS fortreißenden freien Vortrages eingeso gen hatte. Das Denkmal ist von Bit tor. Tilgner entworfen. Es zeigt die überlebensgroße Bronzebüste LisztS auf einem monumentalen Steinsockel und ist vor dem Theater aufgestellt. Die Büste hat Tilgner vor einigen Iah ren auf Ersuchen desPreßburger Liszt Freundes Herrn Johann Batka nach dem Leben modellirt.