Indiana Tribüne, Volume 17, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1893 — Page 9

Jttdiaim Tribnnc.

ei la 3nMsncpcIU,3nb. 24. Sevtember '93 Eine Kinnötnng in Warb. rn 3. Bl. EZ r??.r im September 1575, dem Jahre der Weltausstellung. Ich sah in den Zeitungen, daß der Marschall Mac Mahon es abgelehnt habe, den beiden Mördern Lebiez und Barre die nochjungen Köpfe auf den Schultern sihen zu lassen. Die Beiden waren verdorbene Studenten aus der Provinz. Sie hat ten in Paris ein schändliches Leben ge führt, wie es die Gentlemen in PotBouille thun, und als ihnen das Geld ausging, brachten sie eine arme Alte um, die ca. 13 oder 20,000 Franken zusam mengesparl hatte. Sie erschlugen die Alte auf grausame Art und zerstückten sie dann, um die Entdeckung der Unthat zu rcthindern. Ich erfuhr, daß die Hin richtung beim ersten Morgenstrahle statt finden werde. In Amerika ist man für Presse und Publikum doch viel rücksichtö voller! Es war drei Uhr Morgen, als ich mich erhob, die Beiden sterben zu sehen. ES war noch aanz dunkel. Ich trank beim Lichte der Lampe eine Tasse schwar zen KasseeS und dachte dabei an die noch schlummernden Mörder, denen man bei Tagesanbruch ihr Schicksal verkündigen würde. Paris schlief, als ich nach einem Mar fche von einer halben Stunde den Boule vard Voltaire betrat. Die Luft war schwül, den Himmel deckte ein lebloses Dunkelgrau. Ich hörte meine Schritte auf dem Asphalt. Die Gaslaternen verbreiteten ihren trübgelben Schein, und trüb schimmerten die Wachfeuer der Re klame, du beleuchteten AnnoncenKioske. Hin und wieder begegnete ich einem mit Gemüsen beladenen Karien, den sein Führer den Markthallen zulenkte. Eine alte, gebückte Lumpensammlerin huschte an mir vorbei, eine von Morgenschau ern umvobene Allegorie großstädtischen Elends. Sie schlich gefpensterhaft da hin, bückte sich und pickte im Unrath herum : n Stück Moder, da? im Mo der wühlt. So ein Boulevard zieht sich lang. Dunkelstirnig, die hundert Augen ge schlössen, stehen die Häuserkolosse an dem dunklen, leeren Strombett des Lebens, daZ den Tag über an ihnen vorüber braust. Alles schläst. Doch nein, nicht Alles, denn der Marchand de Bin öffnet seine Bude, er weiß, daß der frühe Ar beite? sein Gläschen Weißwein liebt, pour tuer le vei", den Wurm zu tödten. DaZ helle Zinn der Bar b!inkt fon derbar. Die Gasflammen flackern son dtrbar. Die Ichwarzen Kronen der Bäume, die hohen Häuser, die Trot toirs, Alles ist sonderbar. DaS fand ich doch sonst nicht, wenn ich manchmal im Morgengrauen umherstrich, um nach den Hallen zu gehen, um Fische und sta ninchen korbweise versteigern zu sehen? Heute liegt etwas in der Lust, in den Bäumen, in den Häusern. Doch nein, es liegt in mir. Ich gehe, um Blut zu sehen. Blut, frisches, warmes Blut. DaS Blut zweier Menschen, die jetzt fest schla f,n, während ich durch die dunkle, te pungslose Straße schreite. Wie viel Uhr ? Bier vorbei, sagt mein tickender Begleiter beim Schein einer Laterne. Bier Uhr vorbei. In einer Stunde werden die Beamten in die zwei Zellen treten, jene Elenden wecken und ihnen sagen, daß sie binnen einer halben stunde sterben müssen. Sie werden dreißig Minuten lang zwei kerngesunde Sterbende sein. Man wird ihnen, den Zitternden, jene schreckliche .Toilette iv zchen, sie binden und sie dann an das Thor der Roquette führen. Das Thor wird sich austhun, langsam und knar rend, und die Beiden werden das zwei beinige Gespenst sehen, die entsetzliche Maschine, welche die Köpfe abschlägt. Die Maschine ! Wie mag sie auSse h?n, wie mag der Fall des BeileS klin gen ? Werde ich das sehen, werde ich eS hören können So denke ich und schreite weiter. Die Maschine, die Maschine ! Sie wird mir eine entsetzliche Begleite rin, sie geht auf dem Asphalt neben mir einher. Mir ist grauenhast zu Muthe, ich gehe aber weiter, denn ich will und muß das Ende der Beiden sehen. Ich will der Nemesis in's Angesicht sehen, oas Angesicht, das kein Zucken, keine Thräne kennt. Ich will sehen, wie sie den Arm erhebt und die Schuldigen zer schmettert. Wie viel Uhr? Zwanzig Minuten nach Bier. Ich habe ein gutes Stück Boulevard hinter mir, in zehn Minuten bin ich bei der Roquette. ES wird etwaS lebhafter aus der Straße. Männer und Frauen gehen mit mir nach demselben Ziele. Hier sind viele Weinschenken offen, die Wirthe rechnen auf den Durst der Neugierigen. Das Grau des Him mcls wird etwa lichter. Hahnenruse verkündigen den Morgen, den letzten Morgen jener Beiden. ES ist halb fünf Uhr. Ich bin bei der Roquette. Geisterhaft drängt sich im Morgengrauen eine harrende Menge. Jetzt muß ich dem Leser erklären, was die Roquette ist, und wie sie aussieht. Zunächst sei bemerkt, daß die Roquette nicht? ist, als ein TransitoDepot für Verbrecher, ein depot des condamnes, wie die Aufschrift über dem grünenThore sagt. Wer zu schwerer Strafe verurtheilt ist, der kommt hin, um entweder hinge richtet, oder nach den -Verbrecherkolonien devortirt zu werden. Das Gebäude liegt in der langen Rue de la Roquette, die vom Bastilleplatz nach demPere Lachaise geht und den Boulevard Voltaire beider Märie des XI. Arrondissements durch schneidet. Diese nach dem Kerker beti telte Straße hat daS kleinstädtische Ge präge der Arbeiterquartiere, gleich dem T mxle, dem Faubourg St. Antoine, Montmartre und anderer. Ziemlich enge, nicht gerade größere Häuser mit alten Baracken abwechselnd nicht allzu

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.inNch z ltwe glSnzenven'Zöen, Heiner i?ramhandel mit Früchten, Gemüsen, schuhen und anderen primitiven Luxus dedürsnissen. Kleine, armselige CafeS und Restaurants. Die Rue de la Ro quette hat aber noch eine besondere Ei genthümlichkeit. Dort nämlich, wo sie sich dem Friedhof Pere Lachaise nähert, beginnt ein wahres Gewimmel solcher Läden und Buden, die mit Friedhofs zrtikeln handeln, vom Monument auS weißem Marmor bis zum schlichtesten Jmmortellenkränzchen. Hier sucht und findet die Armuth für wenige SouS den Schmuck eines theueren Grabes und der Reichthum die lebensgroßen Engel, die anstatt der lachenden Erben auf den Gräbern der .Unersetzlichen- zu weinen haben. Dieser nach Grab und Verwesung duf tende Handelskram giebt der Straße ein unheimliches Gepräge, das nicht verfehlt, daö Gemüth zu bellemmcn.x J. dieser Stimmung stößt man aus einen kleinen viereckigen Platz, durch den die Straße mitten hindurch führt. Wer r.ichts von Der Roquette weiß, dem kann das kleine Platzchen ganz heimlich vorkommen. Es ist mit Bäumen bepflanzt und sieht im Gegensatze zu der armseligen, links und rechts einmündenden Straße srisch, sau ber und freundlich aus. Bald aber fällt der Blick des BefchauerS auf die fonder bare Abgrenzung des kleinen Square. ?!ichts als dunkle Mauern, und rechts und links ein hohes Thor mlleine? An zahl rother ojen davor ; in diesen Ho sen steckt die militärische Wache. Ueber

oem einen Thor steht : .Depot der Ber urtheilten," über dem andern: Gefäng niß für inner Verbrecher.- Diea?ade beider Kerker treten etwaS zurück und so entsteht der kleine Square. der eigentlich ein Gefängniß von einem Square ist. Die guten kleinen Bäume ahnen nicht, wo sie stehen, denn fönst würde ihnen die Lust zum Grünen vergehen. Sie wach sen und grünen auf dem jetzigen Pariser Richtplatze. Etwa sünfzehn Schritte vor dem Th'or der Roquette ist das Mene Tekel des französischen Gesetzes in das Pflaster eingeschrieben. Es sind die cinq pierres, die fünf etwa drei Fuß langen und einen Fuß breiten Granit platten, auf denen die Guillotine aufge richtet wird. Der Pariser bleibt bei ihnen nachdenklich stehen, wenn ihn sein Weg vorübersührt, und wenn er Besuch hat, aus der Provinz oder dem Aus lande, so zeigt er ihm gern die schauer lichen cinq pierres. Hier ist der eine Pol des großen Pa ris. Der andere ist die Avenue der Oper und der goldstrahlende Tempel des Ballet?. Der Tag begann anzubrechen, als ich auf dem von berittenen Garden dicht eingezäumten Platze stand. ES wurde heller. Hundertfach, tausendfach dräng ten sich in dem mit dem Gaslichte ver mischten Zwielichte die Köpfe der Masse hinter den stampfenden Rossen. Im Carre selbst war nichts zu sehen als eine Menge von Garden und Soldaten, we nigstens ich sah nichts Anderes, denn ich stand vorläufig noch nahe dem Thore der Roquette und hatte zwei große, gedeckte, mit je zwei Pferden bespannte Wagen vor mir, eine Art PostsourgonS, die ver sperrten mir die Aussicht. Mich fröstelte, zugleich spürte ich e? wie heißes Fieber in den Adern. Wo ist denn die Ma schine? fragte ich mich. Ich hatte ja leinen Begriff, ob sie hoch oder niedrig sei, denn man hatte mir gesagt, daß sie keine Stufen mehr habe. Jetzt trete ich hinter den beiden Wagen hervor. Nun sah ich die Maschine! Nie, nie werde ich den Anblick vergessen. In der Mitte des Platzes stand ein Haufen Menfchen, die zu dem Schauspiel einge ladenen Gäste, meist Journalisten. Und über ihren Köpfen ragte das Ungeheuer in's bleiche Morgenlicht empor. Die Menge bewegte sich, daS Schandinstrument aber stand da mit eisiger Ruhe, starr, scharf, rechtwinkelig, unerbittlich. Ich habe nie Etwas mit soviel Entsetzen nnd zugleich so genau gesehen, so fieber haft genau. War eS doch seit vielen Jahren mein Wunsch gewesen, die Guil lotine zu sehen, nicht um des Aktes der Hinrichtung wegen, sondern um die Re volution von 1789 malerisch zu verstehen. Ist doch die Köpfmaschine ihr Symbol und Emblem, wie der römische Galgen daS Symbol des Christenglaubens. Stets hatte ich die schrecklich schöne Stelle in Viktor Hugo'S .92- verstehen. fi . v?. r . . t i wouen, wo nie v)uiuounc auf jener viit migen Frühlingswiese steht und wo sie, in der Phantasie des Poeten mitLeben und Stimme begabt, dem auf dem Hügel siehenden Feudalschlosse die furchtbaren Worte zurust : Je suis ta fille ! Ich glaube nicht, daß mich der Anblick eines sprunzfertigen indischen Tigers mehr hättt entsetzen können, als es die plötzliche Erscheinung dieser drei schmalen, scharfen, rothbraun angestrichenen Balken that. Ich hatte mir die Maschine weit massiger, weit breiter gedacht, sie hatte in meiner Einbildung etwaS Plum pes, brutal Drohendes. Jetzt aber fand ich, um mich bildlich auszudrücken, statt des Bulldoggs eine Klapperschlange. Die beiden vertikalen Balken, jeder kaum sechs Zoll breit, standen nur einen Fuß weit auseinander und bildeten mit dem kurzen, sich oben anschließendenQuerbal ken ein schlankes, hochaufflrebendeS Recht eck, das wohl drei Meter hoch über die Köpfe der Umstehenden wegragte. Der erste Blick ließ mich diesen Balken ihre mathematisch genaue Arbeit anfühlen; diese giebt ihnen eine gräßliche Eleganz, vergleichbar mit dem Farbevspiel der Giftschlange. Mein Auge suchte nun daS Messer; daS war aber von vorn nicht zu sehen. Herr Roch, der jetzt verstorbene damalige Monsieur de Paris, war ein sehr huma ner Mann. Unfähig, den Gedanken zu ertragen, daß dem Delinquenzen der Anblick des nackten Stahles den Humor seiner letzten Sekunden trüben könnte, hat er das Messer mit einem Stück Blech verdecken lassen ; dieses Blech ist braun roth, gleich den Balken., angestrichen. Ueber dem Querbalken sah ich eine Rolle, wie bei einem Flaschenzuge. Ich sagte mir, daß ich das Messer von der anderen Seite sehen müßte. Ich umging daher die das Instrument umstehende Menge und stand nun auf der anderen Seite. Gott, Gott, rief es in mir, da ist es! Ja, da war eS, und ich sehe eS jetzt, nach drei Jahren, so genau vor mir. als läge

eS auf dem Schreibtische vor mir, neben

dem Tintenfasse. Es schimmerte matt 1 qrau im ersten Lichte des Morgens. Die 1 Fläche endete in einer etwa einen Zoll breiten, plötzlich nach innen zufallenden Schneide. Bekanntlich läuft diese Schneide mit dem Querbalken nicht parallel, sondern fleht zu ihm in einem Winkel, ich denke von sünfundvierzig Graden. Eine Pariser Legende sagt. Louis XVI. habe selbst die Idee dazu gegeben. Als ich m?ch ein wenig gefaßt hatte, ' betrachtete ich die Art der Befestigung des Messers. Zwischen ihm und dem : Querbalken befindet sich eine schwarze, eiserne Kiste, die wohl einundeinhalb Fuß hoch ist. Sie enthält die nöthige Be lastung, an sie ist das Beil mit seinem Rücken angeschraubt. Ich sah nun eine ; zweite Rolle und zwei ziemlich starke . hansseile, die von den beiden Rollen ' herabhingen. Ich drängte mich an die Wachen heran und sah nun auch das mit ' Messing beschlagene Brett, die Hälfte der ; Lunette, die den Hals einfchlikßt. Und i das Alles mußte Marie Antoinette se ! hen, und von dieser gräßlichen Zange mußte sie sich den königlichen Nacken um j klammern lassen ? Und das ist noch nicht hundert Jahre her: Ich stand etwa zehn Schritte hinter der Guillotine, das Auge auf daS Mef fer geheftet. Ich hatte nicht die geringste Lust, die Abschlachtung der beiden Un glücklichen zu sehen, waS mir ganz leicht möglich gewesen wäre, hätte ich mich nur an die Blutstätte näher herandrängen wollen. Mir genügte der Anblick ber Maschine und das dramatische Ensemble der Pariser Scene. Ich bin nie schwer krank gewesen, aber ich denke an jene Minuten zurück, wie an einen Fieber träum. Ich sah über die Maschine hin weg das in Depot des condamnes verwandelte Lasciate ogni speranza des Italieners. ' Links und rechts stand in großen Buchstaben: LIBERTE, EGAL1TE, FRATERN1TE ange malt. DaS grüne, erzbeschlagene, mäch tige Thor war geschlossen, eine Triko lore ragte darüber hinaus. DaS Iah nentuch aber war um die Stange ge schlungen. ES war jetzt fünfeinhalb Uhr und schon ziemlich taghell geworden. Die Berurtheilten wußten seit einer Biertel stunde, daß keine Gnade für sie sei. Barre hatte die Nacht hindurch an seine Familie geschrieben. Er sprang aus, a!S die Beamten in seine Zelle traten, nahm ein Glas Wein und eine Eigarette an, übergab dem Geistlichen seine Pa piere und ließ sich dann die Toilette machen. Er war wie vernichtet und ließ sich, als er schon gebunden war, noch ein GlaS Wein an die Lippen führen. Sein Genosse Lebiez war gefaßter. Er hatte bis zwei Uhr Morgen? mit seinem Wäch ter Karten aespielt und war dann fest etngescylasen. isr umarmte seinen Abbe und auch den seines Schicksalszenossen. Dann stiegen Beide zu dem Hofe der Roquette herab. Bald standen sie vor dem noch geschlossenen Thor. Sekunde verfloß um Sekunde. Wie mußte den Beiden zu Muthe sein ? Wie einem, der in einem Sumpf versinkt, dreißig Minuten lang. Wie Einem, den man an ein Bahngeleise geschmiedet hat, indem man ihm sagte : In drei feig Minuten wird dich in Zug über fahren. Wir blickten nach dem hohen, grünen Thore. Die Soldaten und Garden, zu Fuß und zu Pferde, die das Schaffst umgebenden 3400 Civilpersonen, die Pferde, die Bäume Alles blickte nach dem grünen Thore. Jetzt öffnete sich ein Theil dvon, eine kleine, in das Thor eingelassene Pforte. Ein Schauer geht duch uns Alle. Les voila ! murmelte es um mich her. Doch nein, sie waren eS nicht. Noch eine Minute und geräufch los, langsam zerfällt die stumme grüne Flache in zwei große Flügel. Das sind sie. Die Leute um mich nehmen die Hüte ab. Mir war schrecklich zu Muthe, es tobte in meinem Kops, aber ich fühlte, daß dieses Hüteabnehmen ergreifend war. Man grüßte die Sterbenden, die leben dig Todten. Ich blickte nach der Maschine. Ich hatte keine Ahnung, wie lange es dauern würde, ich sah nichts als die emporra genden Balken, das Eisen, die Rollen und die Stricke. Es war lerne Minute vergangen seit der Oesfnung des Thores, so sehe ich eine leichte Bewegung an den beiden Stricken. Ehe ich noch Zeit habe, darüber nachzudenken, so sehe ich den schwarzen Kasten mit dem silbergrauen Eisen darunter jäh herabgleiten und höre emen dumpfen Klang. Ich höre ihn noch. Ein Kopf war gefallen. Eben will ich denken, was nun wohl geschehen werde, da schwebt das Eisen wieder herauf. Langsam schwebt eS, höher, höher. Jetzt steht eS wieder oben. Q Entsetzen, das Blnt des ersten Opfers leckt an dem grauen Stahl in drei gro ßen, langen Flammen empor. O furcht barer, stummer, blutiger Sklave, du hast dem ersten Wink gehorcht und harrst des zweiten. Ich glaube, daß ich tiesbleich war, wie die Männer neben mir. Rangen sie auch nach Athem, wie ich? Da, da huscht eö wieder herab, wieder klingt eS dumpf. Der zweite Kopf ist herunter. ES ist voroel. Ich sehe nach der Uhr. ES ist zwei nnddreißig Minuten nach fünf. DaS Ganze hatte zwe, Mrnuten aedauert. Ich ließ mir nun erzählen, daß Barre, der Erste, zur Gurllotrne getragen wer den mußte, daß Lebiez aber, der die Sin richtung seine? Freundes gesehen hatte, festen Schrittes zum Schaffst gegangen war. Ein Freund hatte ihm, als er schon an der bascule" stand, ern lautes : Bravo, Lebiez! zugerufen. Er antwor tete mit einem vernehmlichen : Adieu, Messieurs. Man beschrieb mir die Toilette der Beiden und sagte mir, sie seien Beide bleich gewesen. Bleich wie die Wand, sagte der Eine; bleich wie Kalk, ein Zweiter, und bleich wie Mar mor, ein Dritter. Ich hörte wie im Traume. Ich drängte mich nun an die Maschine heran. Der hohe, schmale Kübel, in den die Köpfe fallen, und der lange, breite Korb, in den die kopflosen Körper gethan werden, waren schon entfernt. Die Maschine und der Boden waren voll Blut. Ich lab. wie die Gehilfen des Henkers sofort

aran gingen, daS Werkzeug des TodeS zu zerlegen. Nichts kann schauriger sein, als die ebenso rasche als geschickt? Han tirung dieser gesetzlich privilegirten Mör der. Der Eine schraubte die'schlanken Balken auseinander. Andere wuschen oben und unten mit ungeheurenSchwäm men das Blut ab und tauchten die Schwämme immer wieder in bereit sie hende Wassereimer. Ich konnte nun Alles genau sehen. Der Berurtheilte tritt an die Bascule heran, ein wagerecht stehendes Brett, das ihm bis an den Hals reicht. Man drückt ihn darauf nieder, das Brett kippt um und legt sich auf ein etwaS über einen Meter hohes Gerüst. Rasch wird ihm nun der HalS zwischen die beiden die Lünette bildendenHalbkreise eingeklemmt, und daS Eisen fällt. DaS Beil steckte noch in der Lünette und blinkte grau schwarz heraus. Sie fuhren fort abzuschrauben, auS eivanderzunehmen, zu waschen. Dann legten sie Alles fein säuberlich zur Seite auf daö Pflaster, auch den schwarzen Kasten mit dem Messer. Der eine Wa gen wartete, die zerlegte Maschine und die Henker aufzunehmen, der andere war mit den Körpern bereits fortgefahren. Eine kuriose Race, die Menschheit! Wie lächerlich, sie den guten, harmlosen Thieren gleichstellen zu wollen ! Wir bringen einander aus Religion um. Wir trinken, ohne Durst zu haben. Die Po lygamie gefällt uns ebenso wie die Mo nogamie. UnsereSchwiegermütter sinnen Tag und Nacht auf unser Verderben. Und Gottes Geschöpfe senden wir mit seist schlau ersonnener Maschinen iir'S Jenseits, durch das dunkle Thor über dem daS große schwarze Fragezeichen steht.

tai;tuu !v,rkt anstehend. Aus einer Vorlesung CharcatS U richtet das Echo de Paris nachstehende, wie eS heißt, durchaus wahre Anekdote nach'der Erzählung eines der treuesten Schüler des verstorbenen Gelehrten: ES war im Herbst 1888, wo Chacot seine erste TrenstagSvorlesung in der Salpetriere folgendermaßen begann: Wir werden heute für den Anfang zu der Untersuchung eiaer Kranken schrei ten, die sich seit sechs Monaten in der Anstalt berindet und deren Krankheit daher für uns nichts Neues und Ueber raschendes bietet. (Hier wird ein 17 jähriges Madchen vorgeführt.) Betrach ten Sie sie- fährt 'der Professorfort .und trachten Sie, sich durch das, was Sie sehen und hören werden, nicht beeinflussen, fuggestioniren oder ver gisten zu lassen. ES ist ohne Zweifel einigermaßen unvorsichtig von einem Professor, zum Anfang feiner Vorle sung das Gähnen zu behandeln und seinen Schülern einen Fall vorzufüh ren, in dem das Gähnen die auffal lendste Erscheinung bildet. Sie wissen, meine Herren, von sich selbst, daß das Gühnen in hohem Grade ansteckend ist und zur Epidemie werden kann. Was uns anbelangt- fährt der große Arzt fort so wissen wir dieser An fteckung zu wiederstehen.- Die Kranke hat mittlerwüle eine Reihe langer Gähnanfälle begonnen, und Charcot entwickelt den Zuhörern, daß man es hrer mit dem hysterischeGähnen zu thun habe. Sein Adlerblick überfliegt den Saal, hält seine Zuhörer im Bann und schließt die Kinnladen, die schon im Begriffe standen, sich zu öffnen. Jetzt werden wir- so nimmt er den Faden auf zum pathologischenGahnen übergehen. An der Seite des jun gen Mädchens, das unausgesetzt weiter gähnt, erscheint eine zweite Person, die pathologisch zu gähnen beginnt. Der Anblick wurde nun geradezu unheimlich und die Lage begann unhaltbar zu wer den. Charcot aber fuhr fort, ohne eine Miene zu verziehen: Wenn wir, meine Herren, während der vorhergegangenen Darlegung im Stande waren, der An steckung des Gähnens Widerstand zu leisten" bis dahin war er glücklich gekommen, aber er vermochte den Satz nicht zu vollenden. Sein Mund Lffnete sich in seiner ganzen großen Aus, dehnung, ein wahrer Schlund, und iv rührender Eintracht, wie auf ein gegebenes Zeichen, erahnten die Schüler mit dem Meister, aber und abermals. Es blieb nichts ubrrcr, man munte die hy fterische wie die pathologische Gahnerin '.. . rr c l . L. . atmeten lassen uno ore mnraoen rvur den erst eine halbe Stunde nachher wie der ganz fest unter der spannenden Wirkung von Charcots sesselnoem Wort. Im Tyearer. Und ich ging mit meinem Liebchen Jüngst am Abend in'Z Theater, Ihr zur Rechten saß die Mutter, Mir zur Linken ihr Herr Vater. Während sich die Alten ließen Bon der Tragödie entzücken. Spielten wir al Intermezzo Komödie mit HSndedrücken. Plötzlich wurden auSgeblasen Alle Lampen, alle Lichter, Und wir schmiegten unS zusa arnmen An emanoer immer Dichter. Hand in Hand und Lipp' an Lippe Saßen lauschend wir beisammen. Bis man nach der finstern Scene Angebrannt aus'S Neu die Flammen. Und als dann der Akt vorüber. Frug mich die naive Schöne: Gibt'S im nächsten Akte wieder Eine solche sinst're Scene? Der erzürnte Prosessor. Bei dem obligaten Strefelgepoltn und den perpetuirlichen Nafenpurisika tionSmomenten ist es mir impojsibel, zu dociren !" Bierbankgespräch. .Denken Sie sich, unser Dragoner Regiment, daS seit zwanzig Jahren in unserem Städtchen liegt, is vom Fürst versetzt wor'n !' . .WaS? Ja, hat der Fürst denn so viel Schulden?-

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