Indiana Tribüne, Volume 17, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1893 — Page 6
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SchöpfUtti'.S,.e.c:Ä:e dc? utttS. Die Passions sp::li". welche bei ge wissen IndZzilerstümN-.ZN aufgeführt werden und ein so merkwürdiges Seitcnstück zn den noch beute in manchen Theilen Europas periodisch aufgeführten Passionsspielen bilden, sind nicht die einzige Form deZ religiösen Dramas, die bei den Rothhäuten vorkommt. Unter den vielen interessanten Indianergruppen. welche im BundesRegierungsgebäude auf der jetzigen Weltausstellung zu sehen sind, wird eine aus drei Figuren bestehende, in einem großen .Schaukasten, von Wielen mit Interesse betrachtet, aber von Wenigen verstanden. Dieselbe bildet eine theilweise Veranschaulichung des Schöpsungs - Dramas 4er südlichen Auni - Indianer. Sie führen es alle 4 Jahre auf, und es ist in mancher Veziehuna bemerkenswerther, als die Passsonsspiele, namentlich in seinen Anklängen an gewisse weitverbreitete Ideen der Religion und Philosophie des Moraen- und des Abendlandes von der ältesten bis in die moderne verschvpenhauerte" Zeit hinein. Auf dem anthropologischen Weltccngreh in Chicago hielt jüngst Frank CushZng, welcher sechs Jahre lang unter den Zunis wohnte -und einer der bzs!en Kenner auf diesem Gebiete ist, einen erläuternden Vortrag über die Zuni - Schöpfungsgeschichte, deren Inhalt darnach in Kürze folgender ist: " . 1 jvrv r.. Sr f- V . .. finp ' j Zuri.nadchen. Im Anfang war nur das Eine 'Sein" inmitten der Dunkelheit. A-wo-na-w i l l -o-na," der All-Erhal-ter. Vater der Sonne, dessen Pers o n oder glänzender Schild die Sonne ist. Indem er an etwas dachte, d. h. indem er seine Gedan!en concentrirte. vergegenständlichte, erzeugte er Licht, welches die Finsternih niedertrieb und sie zu Wass e r verdichtet?. Das war das Mut-ter-Wasscr". welches grünwachsende Dinge hervorbrachte, wie es auch das Wasser in einem Gefäß thut, wenn es vom Sonnenlicht getroffen wird. So wurde die Mutter-Welt geboren." (Wer erinnert sich da nicht des Anfangs der mosaischen Schöpfungsgeschichte sowie des bekannten neutestamentlichen Spruches: Im Anfang war das Wort und das Wort ward Fleisch" u. s. w., und besonders der Schovenhauer'schen Ideen von der Welt' als Wille und Vorfiell u n g", wobei der W.lle als das Erste und Absolute gedacht wird, das sich selber als Vorstellung" vergegenständlicht, sowie der Theorien der deutschen und der indischen Mystiker? Sogar der obenerwähnte indianische Name des Ursprünglichen deutet auf den Begriff des Willens, des All willens hin.) Kopfschmuck eine? ZunikrZegerS. Weiter heißt es dann in der Zum Schöpfunasaeschichte: Die Oberwelt, die auf den Wolken der Dunkelheit ruhte, welche nicht zu Wasser, geworden waren, wurde der Himmels-Vater. und aus der Verbindung Beider entsprang der Same aller Schöpfung, die in ihrer wachsen den Entwickelung zu Thieren und Menschen und allen Arten lebender Dinae , wurde. Aber in den Schöpfungstaqen waren alle Kreatu ren viel mehr einander aleich. als heute. Sie waren weich und bildsam, sodan nach Allem, was in der späte ren Zeit mit ihnen vorging, sie so wurden, wie wir sie heute kennen. Die Menschen hatten damals Schwänze und waren schwimmfüßig; auch die Finger waren durch Schwimmhäute verbanden. Denn die Erde war weich, und sie mußten auf ihren Händen und Nünen schlüvfen." Wie man sieht, fehlt es auch nicht cn Anllänaen an die darwinianischen und verwandten Anschauungen. Die Sch'öpsungsgeschlchte schließt m fol a.L7id:r. zumTheil recht seltsamer, Poeiiscfer Weite ab: Darauf kam eine gewaltige Erschütterun der Natur, eine Erderschütleruna: denn die Erde war härt?r aewrden. und das Volk, die Zu nis. machten Jicfi auf. um dasCentrum der Welt, ihr Land, zu finden. Am vierten Rastplätze auf ihrer Wänderung erörterten sie. was das Beste für
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i zu thun sei. Sie sandten Couriere
lach verschiedenen Richtungen. K'jckfo war der Aelteste von Allen und zalt für den Weisesten: denn er hatte ?on Anfang an zugehört und Alles erstanden, was gesagt wurde, und selber nichts aesaat. Er wurde nach worden gesandt, um das Centrum der Zrde au finden. So weit wanderte :? nach Norden, daß sein Athem auf dem Gesicht gefror, seme Thränen m ?ie Wangen Canäle schnitten und sich dort verbärteten. und sein Mund aeschwollen wurde und aufquoll, sodaß leine Worte tonten, wie das Quaken oer Enten. Er war verloren, als :ndlich eine Ente zu ihm kam, die r rr-.-i.-.ri' rrs . tn keine niennimme noric. &a er 'ai les verstand, was gesprochen wurde. so verstand er die Ente. Sie saqte. sie kenne alle Lande und sie werde ihn zu seinem Volke zurückfuhren wenn er eine der Muschelschalen, die er bei sich trug, in seinen Mund nehmen und sich von ihrem Klappern Jenen lassen würde. So gelangte er zurück zu seinem Volke. Scene aus dem Gottesdienst der ZuniS. Auf dem Wege begegneten sie dem großen Wurm des Himmels, dem Regenbogen. Der große Wurm bat K'ycklu um eine fteder, welche er trug, da er sich höher schwingen wollte, als er ohne die neder konnte. Gerade, als K'ycklu im Begriff war, dem Wurm, der sich vor ihm bog, die Feder in die Seite zu stecken, kam die Sonne heraus, und durch den Wurm scheinend, malte sie die sieben Farben des Regenbogens auf die Stirne K'ycklus', wo sie allezeit blieben. (Diese Sage mag mit den Gebräuchen? des Tättowirens in gewisser Verbindung stehen.) Alle diese Dinge erzählte er seinem Volke, als er wieder zu ihm kam. A-wa-ho-ho und sein Bruder waren nach dem Süden gesandt worden. Sie wanderten so weit, daß die Asche auf ihren Häuptern verbrannt wurde, und die Blumen des Landes sich auf den Selten ihrer Kopfe abdrückten. Als A-wa-ho-ho zurückkehrte, fand er den Plan verlassen, und er war fo bekümmert und traurig, daß er seme Hand vor das Gesicht drückte und der Druck seine ZLae abplattete." (Diese und andereEinzelheiten deuten offenbar auf die Entstehung der verschiedenartigen Menschenrassen und die Zerstreuung der Völker hin; man muß sich dabei den obigen Satz vergcqcnwärtigen. daß damals die Kreaturen weich und bildsam gewesen seien.) Das Centrum der Welt" aber wurde nicht gefunden und ist noch immer zu finden. Ueberhaupt erneuert sich, wie es am Ende heißt, die Schöpfung immer wieder, und dx: Zuni-Jndianer glauben, daß sie mit der Aufführung ihres SchöpfungsDramas stets die Natur in der Neuschöpsung unterstützen. Als Legende eines schlichten Naturvolkes gehört diese philosophische Schöpfungsgeschichte jedenfalls zu der interessantesten ihrer Art. Diese Geschichte wird in drama tisch - erzählender Form mit großem Gepränge aufgeführt und immer sechsmal wiederholt; iede der Auffuhr runaen dauert sechs Stunden. Die Priester wechseln dabei einander ab. ; dem erwähnten Gruppenbild nun sind drei der Hauptcharaktere, darunter K'ycklu als Mlttelfigur. in natur: getreuer, farbenreicher Ausstattung mit allem symbolischen Zubehör dargestellt. Sie gehören zu der erwähnten Scene am vierten Rastplatze" der Zunis; Alles, was vorher spult, wird geheim aufgeführt, so geheim, wie die alt-egyptischen Mysterien. Der jüngst verstorbene Herzog Ernst von Sachsen Eotha war ein freund ritterlicher Künste. Er liebte die Pferderennen und förderte die Pferdezucht. Gar manches Gold stück gewann er am Totalisator bei den kennen aus dem Borberge zu Gotha. intcresnrte er q lebhast für die Erfolge der Zucht; und mancher der stattlichen Hengste im Gestüte zu Gotlza, den der Herzog angekauft hat, spricht für den .Kennerblick desselben. Ter Herzog liebte es, im Lande auf die kvohlen?chau zu gehen. So überraschte er einmal in einem Gehöfte bei Siedle bcn Muttern" bei der Toilette. Ter Herzog ließ sich durch die erwachsene Tochter das Sohlen im Hofe vorführen: nachdem verlangte er auch die Mutler zu sehen. Er meinte selbstredend die Stute; die Bäuerin, welche hinter der Thüre gelauscht hatte, meinte sich und hüpste erröthend mit den Worten: .Ta bin- ich. Herr Herzog'." in den Hos. cr .verzog lachte .Muttern in s Gesicht und meinte zu jcincm (efolge: Habcn wir im Gestüt einen Ceniaur, meine Herren"
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Wie t um etnernuö kam! Humoristische Skizze .von C. CromeSchwiening. Wie ich beinah von einer reizenden
Evastochter einen Kuß bekommen hätte und wie ich um denselben kam meine nerren. das ist eine grauliche Ge schichte! Sie wollen sie trotzdem hören? Nun gut. aber auf Ihre Verantwortung! ' Im vorigen Jahre war in der Wiener Theaterausstellung. Ich gehorte zu den wenigen. Die tagelang unter den Schaken in 'der Rotunde weilten, die meisten Andern suchten und fanden solche in der Avenue. in welcher flotte Qfficiere und graziöse i. v!. - !fl ... ... 1 .1 " rv.. tyoiic oic um melden oerireicnen in) pen dcs Publikums ausmachten. Und unter den Wcniaen, welche die Ausstellungsobjecte mit einer lÄründlichleil sich ansahen, al? gehörten auch sie zum Bau", war eine sehr würdig ausie hendc Tame und eiue ganz reizende jüngere. Die Vermuthung, daß man es hier mit einer singenden oder darstellenden 5?ünsUerin und ihrer Theatermnttcr zu thun habe, lag nahe, aber sie war unbegründet. Es war wirklich Tochter und Mutter und die Naivetät, mit welcher sie einzelne Gegenstände besprachen, machten es einem Eingeweihten sofort klar, daß sie nur vor den Eoulissen" und nie hinter denselben gewe sen waren. Es ist keine Sünde, ein wirklich rei zendes Gesicht auch reizend zu finden. Und das letztere that ich. Ich that nrch mehr, ich ertappte mich dabei, daß d .s Grillen-Zimmer" mir im Augenblick wenig lnterenant tchen, 'gegenüber dieser lebendigen reizvollen Grille dort an der Seite der würdigen Mama. Einem Zufall verdankte ich die An knüpfung eines Gesprächs. In längst verftossenen Jahren hatte ich einmal verjuxt, m die Geheimnie der ruist schen Sprache einzudringen. Weit über die Kenntniß des Alphabets und einiger Tutzend Substantiva und Berda bin ich nicht hinausgekommen. Aber selbst diese Bröcklein, die in einem verstohlenen Winkel meines Gedacht nijjes Lasten geblieben waren, genüg ten. Es war in der Ausstellung der russischen Hostheatcr, welche die Tamen ungemein anzog. Und hier hörte ich das schöne Kind plötzlich klagen: Wie ichade. daß hier nur eine ruz sische Untttschrift unter dem Bilde sich besinoct.'ich hätte gern gewußt, was es bedeutet!" Es war ein Waqniß, aber in diesem Augenblicke hätte ich jedes begangen. Ich stellte mich vor als Kenner des Aulsijchen". Nie habe ich ärger ge flunkert. Und mit einem gelinden Herzklopfen versuchte ich die russische Unterlchrlst, lelje buchstabirend, rn mein geliebtes Deutsch zu übertragen. Halb ahnend, halb rathend brachte ich die Uebersetzung zu Stande und ein gnädiger Blick der Alten, ein freundllcher der jungen Schönen lohnte mich. Ich durfte den Damen dann noch eine halbe Stunde ein incerone lein und ward mit fereundlichem Dank unölinem holden Lächeln entlasse--. Ja zum Kuckuck! 2v.is war denn das nur? Hatte ich mich wirklich in die schöne fremde verschonen t Ich konnte den Abend nicht erwarten, den die beiden Damen im Auss:ellungs theatcr zubringen wollten. Tie Mama hatte zwar gemeint, ein Ballet To naunile" sei nichts für sie. aber in den dunklen Augen der jungen Dame war es bet diesem Worte leltjam aufge glüht und als ich das sah. verfehlte ich nicht, Baron Bourgoings Balletwerk in den reizendsten und zugleich harmlose sten Farben zu schildern. Und schließ lich sagte die Mama zu Das ward ein herrlicher Abend! DaS Ballet die schöne Unbekannte an meiner Seite, dann noch ein halbes Stündchen in Alt-Wien ich ertappte mich bei dem grausamen Wunsche, die alte Frau, deren Kopf im Erker ficht bar wird, wenn man unten schellt. möge ihren Play an die würdige Mama an meiner eite abtreten. Und dann durfte ich einen Fiaker holen und die Damen bis zum Hotel l hurcpe bealeiten. Tann war der schöne Traum aus. ' Aber auch ganz aus. Denn als ich am anderen Morgen an den Zimmer kellner mit Erfolg eine Guldennote los wurde, um mich mit Bezug auf das Paar über die Frage : Woher der c i , r. T i v . , nriu r VUllll, lvcij VlUllv unv mi zu iNsvr miren da waren sie abgereist. Und da vainrt mir in diesem Win ter. daß ich nach einem thüringischen Städtchen reisen muß. Spät kam ich auf den Bahnhof, da sah ich in einem Eouvefenster II. Elafse ein Gesicht ein Gesicht. Ich stürze daraus zu. Nichtrau cher?" bruut Mich der Echaftner an. Ich rauche leidenschaftlich, aber in diesem Momente hätte ich für einen Platz in diesem Nichtraucher Eoupe meine Painon abgeichworen. Ich springe in 5 Eoupe und sinke mit einem Ausruf des Entzückens aus die welchen Polster nie der. Sie waren es wahrbastig. Tie würdige Mama unj) die holdselige Tcch ter. slB ich mich der letzteren aeaen über auf einen Sitz dirigirt hatte, wird man mir gern glauben. , -Tie würzige' Mama war sehr anä dig. Die beizende ganz reifend. und ich war eine 0)luth. Da hatte die Mama anen grundgelcheiten Einfall sie schlief ein. Ich oeHsprach dem Gotte Morpheus in diesem Augenblicke ein: Hekatombe ! Unwillkürlich sprachen wir leiser natürlich nur, um die Mama nicht zu wecken ! Die Erinnerungen waren schnell berührt. Da kam mir das erste heiße Wort von den Lippen. Sie erröthete, aber sie entzog mir die Hand nicht. Und nun ward ich toll. Ich bat um einen Kuß. Sie schien unwilha zu werden. Ihre Wangen überflog ein heißes Roth. Aber die Finger A: meiner Hand, die leise sich aus 'ori-
siehlen wvllten, blieben noch darin und
ihren Blick, der forschend zu der scylasenden Mama hinüberglitt, legte ich zu meinen Gunsten aus. Kurz vor der Station, der wir uns näherten, hatte der Zug einen kleinen Tunnel zu passiren. Ich unterrichtete mein holdes Vis-a-vis davon. Eine liebliche Verwirrung malte sich in ihren Zügen, aber ihre Fingerchen erwiderten sanft den Druck meiner Hand. Wenn-die Mama iekt aufwack)te ! ?lck aelobte dem Schlafqotte eine zweite Hekatombe, wenn er seine Fesfeln nicyt : vorzeitig lösen würde. Und der gute Morpheus schien mein Opserversprechen ' i'Irist! i, ??,' rrtt Snn Vit IDntnn 1 14 1 1 1 1 1 1 UU jUUtr IV schlummerte sanft weiter. Da kam der Tunnel. Mein Qerz pochte lauter als die Ra der auf den Schienen, die kleine Hand, die noch immer in der meinen lag, zitterte leise. Ein paar Secunden zögerte ich u diese Zögerung sollte derhängnißvIll werden. Dann beugte ich mich vor und ..Zum Donnerwetter, was soll das!' brüllte eine rauhe Mannesstimme und in demselben Augenblick rollte der Zug aus dem Tunnel, heraus und das sonnige Tageslicht fiel breit in das Coupe. Die würdige Mama war aufgesprungen und starrte entsetzt ihr Töchterlein, mich und das Gesicht des Schassners an. Mein Kuk ! Mein sehnlichst erhoffter Kuß ! Die rechte Wange des Schaffners hatte ihn empfangen, m demselben Augenblicke, in dem meine Lippen die Bartborsten auf seiner linken berührten. Mitten in den Kuß. den die reizende junge Dame und ich uns zugedachthatten, war das Gesicht des Schaffners gefahren. Station x. . Der Zug hielt. Ich machte eine verlegene Verbeugung der noch immer entsetzten Mama 'gegenüber, warf meinem Vis-a-vis einen entsagungsvollen Abschiedsblick zu und sprang aus dem Coupe, um sofort etnen eiligen und völlig ungeordneten Rückzug in den Wartesaal anzutreten. Ich habe Mutter und Tochter mqi wiedergesehen. Aber eins weiß ich : Unter all den Küssen, die mir ein gnädiges Geschick geschenkt hat, hastet in meiner Erinnerung am festesten dieser. den ich nicht bekam ! . Auch eine Heldin. Als eine Heldin, wie sie Calderon schildert, erwies sich dieser Tage eine junge Spanierin, dieböfe Zungen um ihren guten Ruf gebracht hatten. Die außergewöhnlich schöne Frau, das Ur bild der echten Änoaiufierin mu feurien. funkelnden Augen und raben chmarzem Haar, lebte mit ihrem Gat ten, den sie anbetete, in einer Viehzüchterei in der Nähe von Sevllla. Ihre Frauenehre galt ihr mehr als allcZ Wr uriri vj?tpmrtnst hntt nnm nn 44 tl V W fc t f 411 u liVlltMII V M v Ruf der schönen Donna, die sich der allgemeinen Achtung erfreute, in Zwei fel'zu ziehen gewag!. Dicht neben dem glücklichen Ehepaare lebte eine Art von Lon Juan des Dorfes, em ller kampfer, dem man außerordentliches Glück in der Liebe nachrühmte. Kein Weib konnte ihm, wenn man einer im Torfe verbreiteten Legende glauben durfte, widerstehen, und er galt in al len Nachbargemelnden als ein Herzen breche? par excellence. Seme schone Nachbarin zu erobern, wollte ihm jedoch nicht gelingen; um sich nun wegen der erlittenen schlappe zu rächen, erzählte der Torero überall, daß die Schöne seinen Wünschen end lich nachgegeben habe. Diese Ver leumdung machte sofort ihren Weg. einige gute Freundinnen sorgten für Weiterverbreitung, die Dosbewohner begannen zu sticheln und zu spötteln. und über Nacht war aus der ehrbaren Frau eine ehrlose, aus der geachteten eine verachtete geworden. Als die ichöne Andaluuenn sich in so perfider Weife um ihren guten Na men gebrach: und ihren Mann der Lä cherli'chkeit preisgegeben sah. faßte sie. ohne auch nur ein uberflusstges Wort zu verlieren, im Geheimen einen furcht baren Entschluß. Sonntag (6. Aug.) erwartete ste den Don Juan an der Kirchthüre, trat ihm, als sie seiner an nchtig wurde, entgegen, zog vttijcyneu ein Messer aus ihrem blutrothen Brust tuch und stieß eS dem Verleumder mit den Worten: Du wirst teme Frau mehr ehrlos machen!" bis an'S Heft in die Brust. Tarauf erwartete sie mit verschränkten Armen, den Blut fest aus den Leichnam gerichtet, die Ankunft de, Gendarmen. Alle spanlichen Blatter singen jekt das Lob dieser echt caldero nianischrn Heldin, deren vollständige Freisprechung man schon heute voraus sagen kann. Cdelmuth. Hast Tu ein großes Glück errungen. So trag' e5 mit Bescheidenheit; r P!u11 fiisf;At niiÄ hrn3 trtit V fr V VlVUViWIf V sprungen. Bracht' einem Ander'u tiefes Leid. Und schlug ein Leid dir selber Wunden, So tröste Dich mit edlem Muth. Das beiden, das Tu selbst empfunden, Bielleicht thut's einem Ander'n gut. , Alb. Roderich. Gewissenhaft. Der Unter. suchungsrichter ersucht eine Gemeinde um Au'ischlun über den Leumund des dort am 2. Januar tL 7 L geborenen Karl Müller. Der Bürgermeister be. richtet bieraur: Ergebenst zurück mit dem Beifügen, daß besagter Karl Mül ler am 12. Februar i;&. von hier mit seinen Eltern verzogen ist. Bis dahin lag!achtheiliges gegen ihn nicht vor!" ' Kindermund. Karl: Mama, Fritz will des halbe Bett haben. Mama: Das soll er ja auch! - Karl: Ja. aber er will seine Hälfte in der Mitte habcn.
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t.:ZT: 5. y.ui iciuc uict c 1 i. i täglich wird in Wort und Schrift die Klage ausgesprochen, dah es heutzutage keine Kinder mehr gibt, so dak wir uns unwillkürlich fragen müssen, worin denn wohl die Ursache dieser allerneuesten Erscheinung zu suchen ist. I Gibt es keme Kmder mehr, weil dir Anforderungen, welche nunmehr au die Ausbildung des Menschen (sei es nun Mann oder Weib) gestellt werden, so grotze sind, daß zur Erlangung dieser vielseitigen, mannigfachen und um. I fassenden .Kenntnisse die ehemals üb. liche Lehrzeit nicht mehr ausreicht.son. V. . V.' 1 V I üm UK ö""eu iwiiucijaij zu Hilfe genommen werden müssen!- . ; 1 cm v. T V7 ' em dreliahrlges Menschenkind schon, wenn auch nur für wenige Stunden, m den Kindergarten, iene menschliche Baumschule, zu schicken, wenn die Pä. dagogen es mcht für absolut nöthig erachtet hatten, daß dem eigentlichen ernsten Unterricht eine spielende Vor'7 ."u. ,ÜUC mals ms Leben getreten, wenn Frobel und seine Nachfolger nicht theore. Usch und praktisch bewiesen hätten. uuü im uic juciucu uuii uueruteij. lichem Vortheil sei, wenn sie bereits einen Vorrath an Begriffen und Vor. stellungen, sowohl geschultes Denkver mögen als geübtes Gedächtniß, und eine gewisse Gewöhnung an Disci plin bereits in di: Schule mitbringen können. Oder gibt es keine Kinder mehr, weil alle Menschen eine solche Fülle und Menge von Ansprüchen an's Le ben stellen, daß nothwendig diese Be gehrlichkeit auch auf die kleinen We sen übergeht? Und während in den guu umii, einjagn &um lieg oic 7 A I A m X t fc ubl..uT.Xui ymmL vsjuuäiuigc rnu liiern uaiucuueii nui kl begnügten, ihnen heute schon vom ersten Lebenstage an komplizirte. tondensirte und sterlllsirte Nahrung gereicht wird, und folglich auch spater alle ihre Lebensgewohnheiten !omplt Win unu ra;roieriger zu oesrieoigei. ,ein werden? n:-TY-:jti 't.L . ? . 1 3icueityi gioi es wenige, naineni-
lich aber keine amerikanischen Kinder zgjZ dieser Stunde ist die gesetzmehr, weil die freiheitliche Luft, welche l;, srf in M,n nAi Uaaiu
die Menschen hier von Kindesbeinen an einzrathmen gewohnt sind, auch m Via f I- tiAM VlW a(am 4! AVnVtA?! t..;; ' ,r. 1 Gefühl von Selb ststandigkelt und Ungebundenheit erzeugt, daß dadurch jene unbeholfene, unwissende, unerfahrene Naivität ausgeschlossen wird, welche t r i rvtrft i t oas llzaraneriine ajcciirnai oer au modischen, ungelenken deutschen Ju. geno ausgemallzi yai. Oder sollte es etwa keme Kinder mehr geben, weil die argen Zustande im Hause und m der Familie, wir Slttenlosigkeit, niedrige Denkweise, Gewinn- und Habsucht so groß, so allgemein verbreitet sind, daß selbst die blöden Kinderaugen dies Alles sehen UN0 iiin im zarienen mttz oavon r 7 I ri nrf i angeueat weroen munen tk Ti . f r I r Oder sollte der Hauptgrund am Ende in der eigenthümlichen Gestal. tung der hiesigen socialen Verhältnisse zu suchen sein? ' Sowohl die theueren Wohnungen, als die hohen Lohne bringen es mit sich, daß die Großen und Kleinen stets r. r v r." rr. rr zulammen ino uno icm raunen, wird Alles und Jedes in Gegenwart der Kinder verhandelt, das ganze Ler . r. ' r' -f . 'r er r ven ipteii lieg vor iyren offenen, feyen. den und beobachtenden Augen ab. Während in. Deutschland die Kinderstube der Kleinen Welt ausmacht, aus welcher sie scheu und unsicher hinüber nach der guten Stube und dem glatten Varquet der Empfangsräume gukken, ezistirt hier kein besonderes Reich der Kinder, sondern die winzige Miß und der kleine Master bewegen sich sicher auf dem weichen . Teppichboden des Parlors, und sind ohne Herzklopr -.- r . c c . . r r " sen, oyne zeoweoes eicuen von 'scyucy-, ternheit im Stande, sich Lady", oder Gentleman-Likc" zu bewegen und zu unterhalten. Was Wunder. wenn die Kinder mit der Luft der Ge r r v r i c r t-r icujcyaslsraume, oie t emaiymen. 4 c rr' rf . n. . c t r aucu vie lgenfcyaslen oer fronen, : i . rc n.i? . . rijc mu ivuapn ic wciuyuu, cwu prägen. Protzenthum, Putz-, Prahl und Klatschsucht sind Blümchen, welche nirgends besser als in der, warmen Lust, bei dem glänzenden Licht von Hotel-, Concert- und Tanz-Sälen gedeihen, und dort nicht nur -von groken, sondern ebenso von kleinen Km derhänden begehrlich gepflückt werden.! Die Mama schmückt sich mit moderner Seide, mit Spitzen, Bandern, Lockchen. und Diamanten und gerade so wird auch das Tochterchen aufgeputzt; wer da nicht mitthun kann, wird gleich. mäßig von Mutter n;i& Kind über dir Achsel angesehen. Mutter und Tochter verlanaen obne Untersckied dieselbe rücksichtsvolle Behandlung von Seite:.
der , Außenwelt, die gleichen Höflich, ruyig ,orr, rauiein enny -keitssormen werden - von der kleinen Es giebt keine Fräuleins . mchr,son
wie der äroken Lad erwartet dieselbe Ungezwungenheit des Verkehrs zwischen, den beiden Geschlechtern ae. duldet und geliebt. Die erwachsene junge Dame hat ihren Beau, warum soll ihn das Liliput-Schwesterchei, nicht auch haben? Und die gute Mama wird beide- zarten Verhältnisse ' "c r v w n t f r , . glerchmabig freudig und stolz lächelnd tmi-RiibMt Itnh VrtMtn n VMW ! eine anders i terchen von I rii v f l rj. . , . ! wollte, dann gehört e sicher Nlcqt zu - dem Unerhörten, wenn die kluge EvaS- ' tochtcr erwartet: Aber. Mama, wem, ich niemals mit Knaben svielen darf, wen soll ich dann spate: herra. . then?" " " ... Die vorsichtig: Kleine ist gar nicht ' zu tadeln.' sondern nur als echtes Kind unserer Zeit zu betrachten, ftner.mo. -V. . '. ' ' . dernen Welt, die als getreues Spie 5ild unseres eigenen Leenä auch alt.
lluge, sruyrelre, verecynenoe, an spruchsvolle, selbstsüchtige, verbildete verwöhnte Kinder erzeugt. Wohl können wir Mütter diese Welt nicht ändern, aber, uns doch bemühen, die fugend so lange als möglich von dem Anblick dieser großen Welt fern zu haU ten, anstatt, wie es geschieht, sie ge. waltsam hineinzuziehen und zu dran. gen, bis es wirtlich keine Kinder mehr gibt. UeberdieFrauderZukunft mr kntn.sm,n ,in,m vWtrU d? rühmten iTionirrf, Nsssr Mantegazza folgendes über unsere Kescklecktsa?nsnnnpn t jrnnr hauptsächlich mit Bezug auf italienische Verhältnisse geschrieben, doch auch I I , O un oeul ch-amerl!am che Frauen m. hrrxrm dürst. n;, s,, w unst", so meint der große Gelebrte. wird rr,,w n,,s sASAT? weder eine kapitolinische Venus, noch ine Kameliendame sein. Heut zu ist mtmhr KUiMüWm nhr nervös, und in Folge dessen werden il)te Nachkömmlinge so oft ein Opfer w ZMannlmnZ &,mr. lins,? Ui hnit Jahrhundert der Zersetzung und Zer. rüttuna. anaekränkelt von des Kedan kens Blässe und krankhaft excentrisch in jedem Nerv. Wie der Wahlspruch des Mittels ters lautet: Alles für den Himmel, Nichts für die Erde", so der unsere Zt. ..Alles sü den Geist, wenig für den Körper, und Nichts für das Herz." Zukünftige Zeiteir jedoch werdr durch ihre Frauen Folgendes verkün den: Viel für den Körper, viel für das Herz und viel für den Geist." Erst der Körper, dann der Geist, erst die grbe, dann der Himmel. Die Frau I. der Zukunft w rd d c TOntter n?Umder Kinder sein. 5vn zu Zeit,, ist dir italienische Bäuerin mit 30 Jahren. die Italienerin besserer Stände mit 40 Jahren eine Greisin. Die amerikanisch Fu, sowie jene des Continent's dürfen in vielen Fällen den An. fonirä auf sckön noch mit 60 abren i " ' 11 -v - 1 erbeben sirt, und die Frau oder der Mann, welche unter solchen Fesseln leidet, kann m . . cy nur aus privatem Wege oder vurcy Ketvaltmanreaeln davon befreien. Jede Ehe sollte auf den Grundpfeilern gleicher Rechte und Pflichten ru kien. Die Alten Roms hatten folgenden durch das Gesetz geheiligten Gebrauch fai Neuvermählten: Bist Du keusch?" fraate der innere bemann seine Aus. erwählte beim Betreten des Hauseö. und die Braut pflegte zu erwidern: Wenn Du es bist, bin ich es auch!" Diese Frage und die Antwort enthalten den Kernpunkt der Ehe, wenigstClts vom moralisch-sittlichen Stand- ' dunkt aus Dock Treue und Zärtlichkeit sollen nicht die alleinigen Tugenden der künftigen Frau sein. Ebenso aufrich. tig wie thatkräftig, wird bei ihr weit weniaer Neiauna 5ur Klatschsucht vorherrschen, wird sie weit weniger zu Heuchelei, Verstellung und Lüge neien, wie der Mittelschlag der heuligen ? ' ... 1 ' j Frauenwelt. Sie wird alsdann das atcicöe Ansehen im Familien- und Gemeindewesen haben wie der Mann, I . ' . . ' das Versügungsrecht über ihr Vermö gen und vor allen Dingen das Stimm reckt in allen öffentlicken Anaeleaen heiten. Die Frau der Zukunft wird ebenfalls bei allen Ehren- undSchiedsgerichten Präsidiren können, wie. der Mann. Einen aronen Gebier der beutiaen Frauenerziehung sieht Professor Montegazza in der Oberflächlichkeit, mit der dieselbe heut zu Tage gehandhabt wird, und er eifert mit Recht dage . L - gen, daß die sogenannte (salonerzie huna nur für andere bilden will, wäh rend doch das Hauptziel jeder guten Erziehung darin aipfeln sollte: DZ Frau für den Kampf des Lebens zu I ' stärken und vorzubereiten. I Qor unDert Jahren Artbur Vouain erzählt i seinem Buche Die Komische Oper während der Revolution" folgende Anekdote: Es war zu Paris im August 1793. Die Vorfälle im Theater waren zum Tages gespräch geworden und jeder neue Tag brachte wunderlichere. Eines Abends war eine Sängerin krank geworden. Der -Regisseur trat nach dem ersten Stucke aus die Scene, um anzuzeigen, daß eine Kollegin die Erkrankte ersetzen werde. ir begann: I!!elne Herren Weiterkam er nicht, denn ein Zuschauev ries mit Stentorstimme : Es giebt keine Herren mehr, sondern nur Bürger !" lso Bürger, fuhr der Regisseur dern Bürgerinnen !" brüllten mehrere Zuschauer. .Also Bürger, die Bürgerin Jenny ist erkrarüt und wir bitten Madame Chevalier gütigst zu gestattenEs gidt keine Madame mehr, sagen Sie Bürgerin, zum Henker!y ..v sutAM yrrtt t ,fv . '31 w I ?aae. die Auraerin Chevalier und die f?, ulHul" . w" Jl I H4fc rrö erregte ein schallendes Gekächter ' x ben Regisseur ungehindert ad. und Ilen treten. rr r , vocynerrsotg. Als Scharf unlängst einen Raubmörder vertheidigte, war seme Rede von so cc lossaler Wirkung, daß ara Echlusie der. selben Publikum und Geschworene den iw.. . .ii. .i... '.l '.'T---a-f--.- x. . Angeilagien irrn nriwiqcn nara trachten.
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TUtysyievett".
In der von Heinrich Sohnrey her ausgegebenen Halbmonatsschrift Das Land" finden wir eine Schilderung des ilten märkischen Volksspieles Tuch schieben-, das leider mehr und mehr in Zlbnahme zu kommen scheint, obwohl ieder Vollsfreund wünschen mufc, dag solche einfache, selbsterfundene Spiele, die Thatkraft und Selbstzucht fördern, dem Volke erhalten blieben. Das Tuchsch ieben fällt in den Hochsommer, nenn der Roggen geschnitten und die Sensen für die Gerste neu geklopft werden. Unter den Linden des DorfPlatzes ist es Abends auffällig still: kein Haufe von Burschen steht oder lagert daselbst ; keine Mädchen gehen, sei es einzeln, sei es eingehenkelt, vorüber. Auch die alten Männer, die sonst kurz vor Sonnenuntergang noth -vendig eine Weile sich dort treffen und' chre Pfeifen ausklopfen müssen, verneiden diese Stätte. Der Wirth im Dorfe hat nämlich sorglich Obacht, dah den Fleck" und soweit thunlich die Dorfstrae von ihm ab nach oben wie aach unten möglichst eben und glatt bleibe. Und wehe Jedem, der die für die Festzeit geheiligte schmale Ebene zerlöchern würde : heimliche, aber um fo mehr wirkungsvolle Keile wäre solches Frevlers unvermeidliches LooS, oor dem nur in seltenen Fällen eine starke Strömung Freibier Abends löfchend rettet. Da mit einem Male schreitet am. Donnerstag Abend ein stattlicher Bursche, mit einer rothweißen Bandschleife im obersten Knopfloch der Zwillichjacke geziert, auf die Mitte des Flecks" so wird die zrößte Erweiterung der Dorfstraße ?rtsüblich bezeichnet, stellt einen Pslock, einen etwa mannshohen Pfahl, daselbst auf: und der Wirth weiß Bescheid ! Ebenso geht es allen Infassen des Dorfes und den Nachbarn zwei Meilen in der Runde. Freitag ist nun im Dorskrug den ganzen Tag über ein cheimnißvoller Verkehr der stets einzeln zu dem Wirth, als dem Vertrauensmann, kommenden jungen Burschen. Unermüdlich führt der Wirth die Ankömmlinge in eine Scheu nenkammer, in welcher riesige Kegel und unglaublich große Kugeln aus Fichtenholz lagern. Nur solche junge Barschen, welche der Schulze bereits eingeschrieben, d. h. in die MilitärStammrolle aufgenommen hat. also Keiner unter siebzehn Jahren, dürfen sich sehen lassen. Wer sich jünger eindrängen will, wird, falls er den Wirth beschummeln sollte und nicht von demselben schon abgetrumpft ist, am Sonntag von der Vurschenschaar abgewalkt" unter dem höhnischen Rufe : .Tittenkinner können wi bi't Schmieten ni bruken." .Nach oben hin ist die Altersgrenze nicht scharf abgemessen, doch gilt als stilles Uebereinkommen : bis ener dreimal vor'n Officier West is", das soll bedeuten : die dritte Gestellung vor der Aushebungs-Eommis-sion, also das vierundzwanzigste Lebensjahr, ist die Schlußzeit herkömmlicherweise für das Mitspielerecht. Jeder Bursche hebt und schwenkt unter des Wirthes Augen auf dem Scheunenflur die Rlcsenkugeln und druckt venn Abschied dem Wirth etwas in die Hand. Der fahrt Sonnabends zur Stadt uno kauft beim Juden ein Knüpduch". d. i. ein leichtes Umschlagetuch in mögkickst arellen Narben. In weit zurückliegenden Jahren war besonders hellgelb die Tugendsarbe des alten märkischen Volksglaubens ! beliebt als Grundfarbe ; doch gab man sich auch mit weiß-roth-grünen zufrieden. Nun ist der ersehnte Sonntag oa. Nackmittaas 3 Uhr ertönt von der Thür des Kruges her Trompetenruf. Alsbald schreiten neun junge Buri.cyen in leichten Hojen uno acren wenn es nock ricktia hergeht barfuß : Stiesei sind hierbei schon ein Verstoß auf den Fleck. Ein Jeder tragt einen viresenkeael. Diese Keael werden, nachdem der Aelteste die Mitte durch Setzen seines Königs- bezeichnet, m. dre, Reihen grade aus, d. h. ohne Vorderecksspitze, weit voneinander doch hintereinander über die ganze Breite der Straße hin aufgestellt, rechts und links unter den Linden stehen die Alten und die Mädchen. Die Burschen sperren die Straße auf der einen Seite, der Nachtwächter dieselbe auf der anderen Seite. Für freies Trinken ist dieser Würdige heute Kegelaufsetzer und Cerberus zugleich für alles den Weg benutzen wollende Fuhrwerk. Es giltnun mit Kunst eine Kugel mit einer Hand fo zu schleudern, daß sie auf dem Erdboden dahinrollend einen bis drei der Kegel trifft oder streifend niederwirft. Wer die erste Kegelreihe nicht erreicht, braucht für Spott nicht zu forgen. Je ein Kegel gilt einen Punkt, der mittelsie für sich allem Plus drei Punkte, die drei mittelsten zusammen Plus vier Punkte. Sieger ist, wer bis Abends sechs Uhr. wenn der Küster zu Abend anschlägt, die meisten Punkte hat. Der gewinnt dasTuch, welches auf allgemeine Kostenangeschafft werden ist, und schmückt: mit ihm seine Liebste", mit welcher tt. den Tanz erst unter den Linden im Freien eröffnet und Abends im Kri'g für dieses Fest Vortänzer ist. Fr diese Ehre muß er freilich bis zehn Uhr Freibier stellen. Auf eilen Tänzen im näckstfolaenden öerbst und Winter trägt das auserkorene Mädchen das erschobene Knüpftuch umgeschlungen. Ob's darunter heiß war, darauf kommt es nicht an : 5ochmuth will ja einmal Zwang leiden; und das Schwitzen sind die Landleute gewohnt. e r rxprri. Hmieaervater; I w . . . Aber bedenken Sie, meine Tochter hat nn.r rrn !.Vn Vn t ii ht itin Zäj 2call. jcuui -tuvj au vujvm. Schwiegersohn in spe : Nun. dabei will ick ibr aern bebitilick sein !
