Indiana Tribüne, Volume 17, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1893 — Page 3

Jas Muttermal. SJol'iroaiaii von Xaver Aiedl.

(9. Fortsetzung.) 14. C a p i t e l. Crin lauter, rascher Schritt. 2)te Thüre deZ getäfelten Speisezimmers öffnete sich. Äarncck, mit Koth bespritzt und von Negenwaer triefend von sei nein Gange von. der Bahnstation hierher, und von hastigem, ermüdetem Au sehen, stand auf der Schwelle. An einer Seite des Kamins, an dem sich diesmal keine Hunde befanden, saß Frau von Varneck und kräftigte sich mit einem Schläfchen nach Tische. An der anderen Seite des Kamins safe, weder so schön, noch so friedlich gestimmt, ihre von den Ereignissen des Tages nichts weniger als angenehm berührte Nichte Henriette. Varnccks große blaue Augen durchflogen das Zimmer, um eine drittePer'on zu suchen, aber vergebens. Niemand sonst war anwesend, j Ach je!" rief Frau Varneck. indem sie. aus ihrem Schlummer plötzlich auffahrend, den schweigend und regungslos in der Thüre Stehenden erblickte; bist Du es, Hermann? Wir fürchteten fast. Du würdest diesen Abend nicht mehr zurückkehren. Ich denke. Du hast kaum erwartet, uns hier zu finden?" Er trat näher und reichte erst seiner Kutter, dann seiner Verlobten die and. Gewiß that ich das. Ich besuchte Sie in izt Stadt, um mit Ihnen zu speisen, und man sagte mir, daß Sie soeben hierher gegangen. Was kann Zuch Beide veranlaßt haben, an einem Tage, wie es der heutige ist, hierher zu icnintcn?" Tu sollst unsere Gründe sogleich erfahren," antwortete Frau von Varneck irocken. Du hast doch dinirt?" Schon lange." Die Blicke Varnecks durchflogen ibermals das Zimmer, dann kehrten sie zu den Gesichtern der Verwandten zurück. Wo ist Fräulein Arnstein?" fragte :r kurz. Die beiden Augenpaare betrachteten ihn strenge. Sie ist fort!" antwortete Henriette Larneck. Er zuckte zusammen. Fort! Fräulein Arnstein hat doch mein Haus gewiß nicht verlassen?" Sie hat es verlassen," betonte seine Verlobte mit Nachdruck. Frau Varneck erhob sich, als wollte sie sich zum Kampfe vorbereiten. Dasselbe that Henriette. Niemals hatte Önneef feine Vcrolbte in einem unzünftigeren Tone gesehen, als sie jetzt oor ihm stand, ihre Nase röthete sich oor Zorn und ihre alltägliche, hagere Gestalt schien zu starren von Feindseligkcit. Wollen Sie mich gütigst Znformiren," sagt: er mit erhobener rauher Stimmer, wie Fräulein Arnstein dazu kam, dieses Asyl heute zu verlassen; ebenso, wohin sie gegangen?" Fräulein Varneck begann nach ih rem Riechfläschchen herumzufühlen. Zu ihren eigenen Leuten, denke ich," antwortete sie hysterisch; wohin sollte sie sonst gehen? Ich habe niemals ein so dreistes Geschöpf gesehen! Sie ging, weil ich erwähnte, daß Henriettc Deine Verlobte ist. Hermann, ich fordere eine Erklärung! Es ist mein Recht und es ist Henriettens Recht!" Er warf Hut und Mantel fort und murmelte etwas, das einem Flüche ähnlich war. Sein Antlitz eine der-. besserte Ausgabe des Gesicht:? seiner Nutter hatte einen Ausdruck angenommen, welcher dieser Dame nicht gefiel. Was haben Sie gethan!" rief er, ?on seiner Mutter auf Henriette bliZend. Sie sendeten meinen Gast, ein junges, im Kloster erzogenes Mädchen, das nicht mehr von der Welt weiß, als :in Kind, an einemTage wie dieser, aus meinem Hause, damit sie den Weg zu ihren Freunden findet, so gut sie eben kann. Um welche Stunde ging sie? Und mit welchem Zuge?" Ich weiß es wahrhaftig nicht," anttosriete Frau Varneck kalt, noch kümmere ich mich darum! Ich sehe das Ganze wie eine sehr unangenehme Thorheit an hörst Du? als eine sehr unangenehme Thorheit! SeitDeiner Affaire mit der fürchterlichen kleinen Actrice hat nichts mein Herz mehr verwundet. Und nun darf ich wohl fragen, warum hastDu inDeinen nichts weniger als warmen Briefen an Henriette niemals von der Anwesenheit dieses Mädchens eine Erwähnung gethan?" Varneck err'öthete und seine blauen Augen leuchteten vor Zorn. Fräulein Arnstein ist nicht eine Person, wie sie Henriette interessirt," sagte er trocken; und ich schwatze in Briefen nie von anderen Leuten. Alles !n Allem ist es vielleicht ein Glück, daß ich Sie diesen Abend hier sinde. Ich ging heute nach der Stadt, um mithnen über denselben Gegenstand zu sprechen vielmehr mit Henriette." Henriette Varneck erhob stolz ihr Haupt. Was kannst Du mir möglicherweise über diese Person zu sagen haben?" agte sie. Wie unartig ist es vonDir, Dein Haus in ein Hospital für dreiste Geschöpfe, die ihre Arme brechen, umzuwandeln und da wie ein Eremit zu lcben. unier Hunden und Dingen, welche den Leuten Anlaß zu Gerede gebcn und Gelegenheit, mich zu bemitleiden." Meine Theure." antwortete Varneck, ihr einen Schritt näher tretend, das ist ein Leben, welches mir wunderbar zusagt, so widerlich es Dir sein mag. Denke einen Augenblick 'nach. Meinst Du. daß Du und ich ganz für einander passen?" , . . i

Henriette fiel sofort auf den nächsten Stuhl. Tante!" stammelte sie, und Frau Varneck eilte zu ihr. Du Grausamer!" rief die Letztere. Willst Du ihr Herz brechen?" Varneck, an ähnliche. Scenen gewöhnt, zeigte sich nicht beunruhigt.' Ich denke nicht, daß ich etwas von herzbrechender Natur gesagt habe." antwortet er trocken. Ich stellte einfach eine Frage, die ihr Glück so nahe betrifft, als das meine. Unsere Verlobung war Ihr Plan, meine theure Mutter es war die Vergeltung, die Sie dafür forderten, daß ich Ihnen in Bezug auf Paulettc Sorge und Kummer gemacht. Henriette liebte weder mich, noch ich sie wie Ihnen zu jener Zeit bekannt war." Henriette fuhr rafch aus ihrer scheinbaren Ermattung empor. Unsere Verlobung ist mehr als drei Jahre alt!" rief sie mit schrillemTone; und jetzt deutest Du zum ersten Male an, daß wir nicht für einander passen. Du hast eine lange Zeit gebraucht, diese Entdeckung zu machen, es scheint, daß sie erst in letzter Zeit plötzlich in Dir aufdämmert!" Wahr!" antwortete er mit großem Freimuth. Das ist in den letzten drei Wochen, seit diese Arnstein, dieses Geschöpf, da war!" Allerdings!" erwiderte Varneck; seit Fräulein Arnsteins Ankunft." Henriette gab wieder ein Zeichen von Schwanken. Tante! Aber nein! Ich kann es ertragen! Unterstützen Sie mich nicht ich muß das Schlimmste wissen! Hermonn, Du liebst also dieses Mädchen?" Ich liebe tief und zärtlich dieDame, welche Du eben nanntest," antwortete er ruhig. Frau Varneck eilte zu ihrer Nichte und schlang die Arme um sie. Das sagt Du zu Deiner Verlobten! Und ich muß es erleben, zu hören zu sehen daß Du Dein Manneswort brichst! Das Riechfläschchen, sogleich! Dort, auf demKamingesimse! Du wirst ihr den Tod geben!" Varnecks Gesicht drückte den lebendigsten Mißmuth aus. dessen die Pbysiognomie eines Sterblichen sähig ist. Mutter, keine Vorwürfe!" bat er. Henriette, meine theure Cousine, höre mich wie ein vernünftiges Mädchen. Du hast Fräulein Arnstein gesehen. Es mag seltsam sein, daß ich Dir. nachdem ich drei Wochen in ihrer Gesellschaft unter diesem Dache gelbt, das Bekenntniß mache, aber ich sage Dir, daß ich sie liebe, nicht mit der absurden, knabenhaften Leidenschaft, die ich einst für die kleine Paulette" fühlte, sondern wie ein selbstbewußter Mann dasMädchen lieben soll, das er vor aller Welt zu seiner Gattin erwählt. Und nun verlange ich von Dir, daß Du mich von einem Gelöbniß freigibst, das Dir nicht weniger unangenehm sein kann, als es jetzt mir ist." Henriette riß sich aus den Armen der Frau Varneck und sah ihn mit kalten, trotzigen Blicken an. Dich freigeben!" antwortete sie; und für sie nein, niemals!" Henriette!" Nein niemals!" wiederholte sie, ihre Hände ballend; nachdem die Gesellschast so lange unsere Namen miteinander verbunden nachdem die Welt erwartet, daß Du mich heirathest. Das kecke, hinterlistige Geschöpf! Wie wagst Du es, mir in's Gesicht zu sagen, daß Du sie liebst! Wie kannst Du wagen, sie zu lieben, da Du mit mir verlobt bist? Du bist falsch grausam! Aber Du bist auch gebunden und ich werde Dich nicht freigeben horstDu? Ich werdeDich nich: freigeben!" Und sie brach in Thränen, inSchluchzen aus. Varneck blickte bestürzt um sich. Himmel! Willst Du nicht Vernunft annehmen? Was Mmmerst Du Dich, was ich. um die Gesellschaft, um die Welt? Gewiß wirst Du mich nicht heirathen wollen, wenn Du weißt, daß mein Herz unwiderruflich einer andern gehört! Habe ich zu Dir jemals von meiner Liebe, gesprochen? Ist das der Fall, dann hast Du dias Recht, mich falsch zu nennen!" Ich kümmere mich um die Welt ich kümmere mich um die Gesellschaft und ich werde Dich niemal? ausgeben um dieses Mädchens willen," rief Henriette, indem sie mit einem Fuße stampfte. Du sollst mir nicht dieTreue brechen! Ich werde Dich-nicht freigeben! Du kümmerst Dich nicht darum, wie mein Herz leidet Du hältst es für selbstverständlich, daß ich kein Gefühl habe! Wie kannst Du wissen, daß ich Dich nicht ebenso, nicht viel mehr lieben werde, als diese weiße Katze?" Er wendete sich bestürzt zu seiner Mutter. Ich bitte, sprechen Sie mit itjrV rief er. Versuchen Sie es, sie zurVernunft zu bringen !" Aber Frau Varneck sah ihn kalt und finster an und antwortete: Henriette hat ganz Recht, mit meiner Zustimmung wird sie niemals von der Verlobung zurücktreten. Ich bestand im Anssnn darauf, zu Eurem gegenfeitigen Glück, und jetzt hängt wenigstens noch das ihrige davon ab. Du weißt, daß mir diese Partie am H'rzen liegt. Sprich nie wieder vor uns von diesem Mäd.ben, ich verbiete es Dir!" Damit sank Frau Varneck ohnmächtig auf den nächsten Stuhl. Für Henriette war dies das Signal, ihreArme auszubreiten, mit schwacher Stimme zu flüstern: Verführer!" und dann, eine Ohnmacht heuchelnd, wie ihre Tante, auf den Teppich neben dem Kamine niederzusinken. Varneck griff nach einem Glockenzuge und läutete heftig. Anna!" donnerte er, Fräulein Monika! Burkhard! Wo seid JhrAlle?" und dann als die erschreckten Diener

( erschienen: Da, nehmt Diese in Eure

Obhut! Beide ohnmächtig- irrte gewöhne lich!" Und während Monika Henriette' auf ihre Arme hob,, stürzte er aus dem. Zimmer. In der allgemeinen Verwirrung" rannte ihm Anno, nach und berührte seinen Arm. Sie hat eine Botschaft für Sie zurückgelasscn, Herr," flüsterte sie. Sie sagte: Sage ihm, daß ich dankbar bin für seine Güte und daß ich ihm die besten Wünsche sende für sein künftiges Glück. Und damit ging sie und allein." Varneck brach in ein bitteres Lachen aus. Sagte sie das? Und der letzte Zug ist jetzt fort und ich kann nicht folgen! Warum haltet Ihr sie nicht auf, bis ich zurückkehrte? O Sibyl, Sibyl!" Er schritt voll bangen Gefühls durch die Halle. Man hat mit ihr im Speisezimmer gesprochen," sagte Anna, und sie war so aufgeregt,. daßNieniand sie hätte zurückhalten können. Wahrscheinlich ist sie jetzt schon zu. Hause." Varneck ging zu einem Fenster am Ende der Halle und sah hinaus. Die Nacht war finster und sternlos. Die Nässe tropfte noch eintönig von dem Immergrün. Sein Gesicht war bleich und- unbeweglich. Glaubte sie, daß er ein Schurke. sei? Wo war sie in diesem Momente? Bei ihrer geheimnisvollen Mutter, ober nein! er konnte an teine andere Möglichkeit denken. Sollte er, wie sein Herz es verlangte, sofort zu ihr fliegen und ihr Alles erklären? Aber Henriette Varneck? Sybil!" stöhnte er wieder in unaussprcchlicher Bekümmerniß und Geistesangst, Sibyl, o, meineGeliebte!" Und in demselben Momente, in der regnerischen, düsteren Nacht näherte sich Diejenige, deren Namen er rief,' in weiter Ferne ihrer Mutter, über welche sie so viele Muthmaßungen' gehegt, von der sie so viel geträumt. Hier sind wir," rief Rebecca Hardin, als der Wagen, welcher sie von der letzten Station gebracht, durch einen Thorweg rollte; und Sibyl blickte vor sich hin und sah die Umrisse einer hohen Gartenmauer und eines Hauses von grauem Stein, das, wie es schien, völlig zwischen Sträuchern und Buschwert vergraben war. Zugleich hörte sie den Wellenschlag von Wasser in der Nähe. ..Was ist das?" fragte sie rasch. Es ist das Meer," antwortete ihre häßliche Begleiterin. Das Meer! Wie bekannt mir das klingt! Und doch kann ich es nie zuvor gehört haben, denn es gibt kein Meer in den Gegenden, die ich bisher be-

wohnte." Sie fuhr?n zu einer Vorhalle, die mit blühenden Schlinggewächsen überzogen war, und Rebecca Hardin und Sibyl stiegen miteinander ab. DasHerz der Letzteren schlug so heftig, daß sie fast nach Athem ringen mußte. Werden Sie mich sogleich zu meiner Mutter bringen," stammelte Sibyl, oder muß ich warten?" Rebecca schickte den Wagen fort, trat in dieVorhalle und zog heftig dieGlocke. Es ist wahrscheinlich, daßsie uns erwartet," antwortete sie; eine Dienerin mittleren Alters öffnet die Thüre und führte sie in die Halle, welche nur von der Lampe erleuchtet war, welche die Letztere trug, und man brachte Sybil in einen kleinen, dunklen Salon. Warten Sie hier, während ich gehe und Ste anmelde," sagte Rebecca Hardin, stellte die Lampe ouf dasKamingesimsc und verließ sie. Allein gelassen, schien Sibyl das Herz noch" schwerer zu werden. Sie setzte sich in dem einsamen Raume nieder, warf ihren Schleier zurück und blickte um sich. Streifen von Droget waren über den verblichenen Sammetteppich gebreitet, alle Sitzmöbel hatten Ueberzllge als Schutz gegen Schimmel und Staub. An und für sich schon hatten alle Dinge ein Aussehen, als ob sielange nicht benutzt worden wären. Meine Mutter kommt niemals hierher, ich weiß es," dachte Sibyl. Meine Mutter! Ist es möglich, daß ich endlich unter demselben Dache bin?" Sie wartete. Das Haus war sehr stille. Sie konnte nichts hören, als den Wellenschlag des Meeres von Außen. Jetzt näherten sich Schritte, die Thüre öffnet sich und Rebecca Hardin winkte ihr. Folgen Sie mir sägte sie. Sie gingen eine Wendeltreppe hinauf. An deren Ende öffnete Rebecc eine andere Thüre. Sibyl glitt hindurch und stand bleich, athemlos und mit leuchtenden Blicken vor ihrer Mutter. Diese saß in einem Lehnstuhle am Kaminfeuer, in einen Schlafrock . von grauer abgesteppter Seide gehüllt eine bleiche, schöne Frau, etwas älter aussehend, als ihre Jahre sein mochten, mit einem erschöpften, farblosen Gesichte, mit schwarzen Augen, welche von tiefem Kummer sprachen, und mir schwarzem car, d.-.s bereits dichte graue Stufen auswies. Mit einem bangen Gefühle sah Sibyl ouf sie und dachte an eine ganz andere Erscheinung aus ihren kindlichen Träumen. Dies ist das Kind," sagte Rebccea Hardin. Die Frau fuhr auf, sank aber gleich wieder auf ihr Kiffen zurück. Mutter und Tochter betrachteten einander schweigend. Was dachte wohl die bleiche, traurige Frau von diesem großen, herrlichen Mädchen? Was dachte das Mädchen von dieser traurigen, kranken Frau? Rebecca, die hinter dem Lehnstuhl stand, blickte neugierig bald auf die Eine, bald auf die Andere. Sie würden sie niemals erkannt haben, Madame?" sagte sie trocken. Niemals!" antwortete die schwache Frau mit einer süßen, klagenden Stimme, und streckte mechanisch ihre Hand aus nach dem wartenden Mädchen. Sibyl erfaßte diese Hand. Ste

war kalt und' blutlose Ihr- Herz schürn: sich in Stein. zu verwandeln. Nichts bewegte es bei dieser Berührung ihrer.' Mutter, die für sie seit sechzehn Iahren nichts gewesen als ein Schatten und ein Name. Rebecca," segte die Kranke, indemsie Sibyl zu einem Stuhle winkte, ich denke, sie ist mir ähnlich und sehr unahnlich dem, was ich an ihr zu finden erwarte; nicht?" Sehr," antwortete Rebecca. Und jetzt, da sie hierher gebracht worden, frage ich Dich, Rebecca, was sollen wir mit ihr thun?" Zuerst, da sie sehr blaß und ermübet aussieht, erlauben Sie, daß wir ihr Thee geben." Sehr wohl," sagte die Kranke und sank in ihren Stuhl zurück und schloß ihre Augen. Rebecca zog die Glocke. Als das Theebrett erschien, regte sich FrauArnstein wieder. . War man freundlich mit Dir im Institute?" sagte sie zuSibyl. Ja; Du pflegtest mir das zu sagen in Deinen Briefen. Und wie war es an jenem Orte, der Dich als Kranke beherbergte? Rebecca sagt, Du hattest das Haus verlassen, ehe sie es erreichte Du warst auf dem Wege, trotz meinem Briefe, zu Fuß und allein, mich zu finden." Es ist wahr," antwortete Sibyl, die ein Gefühl empfand, als sei sie eine Fremde in einem fremden Lande. Ich konnte nicht länger dort bleiben. Ich wäre nicht länger dort geblieben und wenn mein Leben auf dem Spiele gestanden hätte! Ich konnte nicht begreisen, warum ich es nicht wagen sollte, hierher zu kommen in meine Heimath, zu meiner Mutter!" Die erwähnte Person bewegte sich sehr unruhig auf ihrem Stuhle. Du scheinst ein sehr merkwürdiges Mädchen ist es nicht so, Rebecca?" Es ist so," antwortete die Gefragte eintönig. Deine Heimath, Sibyl, ist aber eine langweilige," fuhr die Kranke fort, und ich bin immer krank und kann Dich selten sehen. Wir leben in großer Abgeschlossenheit. Ich habe großen Kummer gehabt ich habe verloren Rebecca, halte mich!" Die Gerusene unterstützte ihre Herrin mit ihren zwei starken Armen. Es ist, als ginge ein Uhrwerk in meinem Kopfe diese Nacht, Rebecca. Nein, ich will es ihr nicht sagen ich will ruhig sein. Du warst es, die ihr den Namen Sibyl gab, nicht wahr? Ich erinnere mich es war an dem Morgen, an dem Du sie im Institute unterbrachtest." Ja. ja! Still!" flüsterte Rebecca hastig. Ich wollte, daß der Mann sie se hen könnte diese Nacht! Würde derAnblick nicht sein Herz, bezwingen? Wie vielelange Jahre denkst Du, Rebecca, daß er 'es noch gegen mich aushalten wird?" 1 Nicht viele still! still!" antwortete die monotone Stimme; und dann, als ihre Augen denen Sibyls begegneten, legte die häßliche Wärterin plötz lich einen Finger an die Stirne. Ihre Lippen bewegten sich lautlos. Angegriffen," sagte sie, ohne daß ein Ton hörbar ward. Es ist jetzt Zeit für sie, zu gehen," sagte die Kranke umuthig. Du kannstsie morgen wiederbringen." Sibyl erhob sich. Ihre Mutter hatte ihr noch keine Liebkosung angeboten.. Sie wartete einen Moment, aber Frau, Arnstein wendete ihr Antlitz von der großen, schönen Tochter ab und schloß ihre Augen. Kommen Sie," sagte Rebecca und führte sie auf den Corridor hinaus, wohin ihr das junge Mädchen traurigfolgte. Sie werden froh sein," sagte sie, als sie auf der Schwelle des Zimmers stand, welches für Sibyl hergerichtet war, wober sie das Licht mit einerHand so beschattete, daß dessen röthlicher Schern auf ihr dummes Gesicht fiel Sie werden froh sein, ehe Sie einend Monat hier sind, daß man Sie so lange bei anderen Leuten gelassen hat." Was meinen Sie damit?" fragte

Sibyl. Ist meine Mutter wahnsin- ' mi ' 1 mgs Dasselbe, was sie seit Fahren geWesens antwortete Rebecca Hardin. Sibyl wurde jetzt noch bleicher. Das erklärt Alles. Und mein Vater? Niemand hat je seiner gegen mich erwähnt; aber ich habe doch einen Vater. Lebt er oder ist er todt?" Todt!" erwiderte Rebecca mit ihrer harten, kalten Stimme. Er trennte Ihre Mutter von ihem eigenen Volke, denn sie war eine geborene Jüdin." Er brach ihr Herz. Sprechen Ste niemals von ihm. Und jetzt, gute Nacht! Sie sind müde, sehe ich, und kummervoll geh::: Sie und ruhen Sie!" Den nächsten Moment standSibyl in ihrem todtenstillen Zimmer allein. Sie ging zu dem Fenster, zog die Draperie zurück und sah hinaus. Wieder hörte sie den Wellenschlag und sah bis an den große,: Garten heranrei. chend das weite, wte Meer. Es schien sie zu rufen wie eine Stimme aus langst vergangenen Tagen, so vertraut und doch so seltsam. Sie neigte' ihr stolzes, aber trauriges Antlitz auf ihre Hände und lauschte. Alles, wonach sie sich so lange gesehnt, hatte sie jetzt gewonnen. Sie hatte ihre Heimath erreicht sie hatte ihre Mutter gefunden; und doch streckte sie jetzt, als sie das Rauschen des Meeres hörte, und ein schmerzliches Gesühl der Einsamkeit ihr Herz erfaßte, die Arme in dieDun kelheit hinaus und rief verzweifelnd bet dem Anbliese der majestätischen Wasserslää;e: Ach, ich bin verloren und allein! Verloren und allein!" .... . .

Io..E'avitel. Einige Matter aus PaulettenS Tage--buch. IS. Juni. Ich mißtraue.' Hilda', vom Grund: des Herzens! Ich traf sie. diesen Morgen, als sie eben mit. einem. Haufen Leinenwäsche im Speisezim--mer beschäftigt war. Sie blickte rasch auf, mit ihrem gewöhnlichen,, nichtssagenden Lächeln. Wollen Sie Platz nehmen?"' sagte sie sie ist immer besonders höflich gegen mich. Ich dachte gerade über Ihren wunderlichen kleinen Namen nach, Fräulein. Er ist sehr selten ich erinnere mich nicht, ihn je vorherigehört zu haben, außer ein Mal." Wirklich!" Und die Person, welche ihn damals trug, war eine Comödiantin, eine Schauspielerin die kleine Paulette" nannte man sie aus den Theaterzetteln. Sie haben diese Person wohl niemals gesehen?" Ich? Gewiß habe ich sie gesehen!" ries ich. heiter; unzählige Male! Sie machte immer volle Häuser ich erin nere mich ihrer sehr wohl." Und dann nicht begierig, diesen Gegenstand weiter zu verfolgen, fragte ich: Ist denn irgend ewas Ungewöhnliches geschehen? Jedermann scheint diesen Morgen zu fehlen der Vormund, Herr Trent, ja Jedermann!" Hilda schüttelte einige zerbröckelte Lavendelzweigc aus dem Leinenzug. Es fand ein Kampf zwischen einem Förster und einem Wilddieb auf einer der benachbarten Besitzungen statt. Der General ging hinüber, um die Sache zu untersuchen. Was den Förster betrifft, ist er todt." Damit nahm sie ihr Linnen zusammen und ging fort. Ich tändelte eine Weile im Zimmer herum, besah die Porträts an den Wänden, und wie durch einen entsetzlichen Zauber geführt, wanderten meine Augen beständig nach dem braunen, jugendlichenGesichte Arthur Weißcnthurns, das über mir etwas im Schatten hing. Eine Woche war vergangen, seit Hilda laut die Nachricht vom Tode St. Johns gelesen. Ich bin frei," sagte ich und fchau-

derte, als ich es sagte. Liebte ich ihn jemals? Nein. Die Erinnerung an ihn liegt wie ein schrecklicher Alp auf mir. Allerdings fühlte ich Entsetzen bei der Nachricht des Todes; aber Kummer den zweifelnden Kummer der Liebe nein,, ich hatte nichts dergleichen gefühlt! Als ich da saß und nachdachte, war mein Rücken dem tiefen Fenster, das die Hagerosen einfaßten, zugewendet. Plötzlich schien mir, als vernähme ich von dort eine Bewegung, einen tiefen Seufzer. Die Täuschung war so stark,. daß ich, mich erschrocken umsehend, den Schatten einer menschlichen Gestalt zwischen mir und dem Lichte zu sehen glaubte, die aber im nächsten Moment verschwand. Nur die Hagerosen und der Jasmin bewegten sich im Hauche des Windes. Ich setzte mich an's Piano, als plötzlich die Thüre geöffnet wurde, Schritte das Zimmer kreuzten und an meiner Seite anhielten. Jgh blickte, ein por und sah Herrn Trent. Nein, stehen Sie nicht aus,"' sägte er hastig. Welches Glück, Sie hier allein zu finden! Sie haben sich die letzten Tage vor mir absichtlich ferne gehalten." Dessen bin ich- mir gar nicht bewußt," antwortete ich. so sorglos, als ich konnte. Haben Sie auch den Mörder des Försters suchen helfen?" Ja, aber vergebens. Er ist nicht zu finden. Bitte, lassen Sie sich nicht stören." Ich habe jetzt genug gespielt,"' antwortete ich, mich erhebend, denn es war n Ausdruck in Trents Gesichte, der mir nicht gefiel. Lassen Ste uns zu Hilda gehen." La..m Sie uns das nicht thun, entschieden nicht!" antwortete er und versuchte, mich zu einem Sitze zu ziehen. Wasj kümmern wir uns um Hilda? Mißgönnen Sie mir das Tete-a-Tete einer Minute, Paulettc? Die Dame, welche eine so große Leidenschaft einflößen kann, sollte doch auch wohl, die Gnade haben, sie zu erwidern." Den nächsten Moment ergriff er meine Hände und bedeckte sie mit Küssen. Seine fürchterlichen, tigerhaften Augen schimmerten in einem übernatürlichen Glänze. Ich liebe Sie, Paulette!" rief er leidenschaftlich; ich habe Sie geliebt von dem Momente, da ich Sie sah. Ziehen Sie sich nicht zurück, widersetzen Sie sich mir nicht! Mißtrauen Sie mir nicht, Geliebte, quälen Sie mich nicht so unerträglich! Warum weile ich noch länger hier Tag für Tag? DesGenerals Geschäft mit mir ist vorüber ich hätte schon gehen sollen; aber ich kann nicht, bis Sie mir ein Wort der Hoffnung geben, Paulette!" " Völlig betäubt, war mein erster Im puls zu fliehen; aber ich hielt inne und antwortete mit einem erkünstelten Lachen: Ste überraschen mich! Ich habe .immer geglaubt, daß Sie Hildas Liebhaber seien. Das ist gewiß nur ein schlechter Spaß." Sie haben nicbts derart geglaubt!" rief er heftig. Sie müssen errathen Sie müssen im ersten Augenblick meine Leidenschaft für Sie geseben haben. Paulette. Spaß! Das wissen Sie besser. Sehe ich aus, wie ein Mann, der spaßt?" Ich versuchte es nun, mich stolz aufzurichten. .Dann, Herr Trent, muß ich e- sehr ' bedauern, aber ich rann es nicht länger anhören. Erlauben Eie, daß ich uuch . zurückziehe." . ... ... .u. i

Er stellte sich hastig vor mich' hfo Ceizr Gesicht zeigte eine häßliche Blässe. Sie stimmen a!so den Plänew deS Generals bei?" sagte er, wollen, seinen Wünschen gemäß, seinem' kostbaren Erben Arthur die Hand reichen?'' Ich will nicht länger mit Ihnen sprechen." antwortete ich;, blassen. Sie mich gehen." Erstand aber wie' ein Felsen: Ich warne Sie, es sich zweimal zu überlegen, Paulette," sagte er mit drohendem Tone. Machen Sie mich nicht zum Feinde. Ich habe alle diese Leute in meiner Hand. Ich bin von Natrir rachsüchtig wie ein' Indianer. Warum weisen Sie .meine Liebe zurück wa

rum betrachten Sie mich so kalt? Hat dieser braune Don Carlos an derWand Sie bereits so bezaubert?" Ich fühlte, daß-mir die,' Adern schwollen vor Zorn. Ich weise Ihre Liebe zurück," ant. wortete ich, weil sie mir verhaßt ist. nicht weil eine andere Person dabei im Spiele ist." Mein Kind,. merken Sie sich: Die bestangelegten Pläne gehen oft fehl. Dies hier ist ein Haus, das in sich selber getheilt ist. Wie gerne wäre ich Ihr Alliirter gewesen! Sie kleine Thörin! Warum richten Sie Ihr bezauberndes Lächeln gegen mich? Muß ich Sie wirklich diesen Weißenthurns überlassen? Meiner Treue, ich kann nicht ich will nicht!" Er umfaßte mich mit einer stllrmischen Umarmung. Ich riß mich los und schrie zornig laut auf. Als ich dies that, hörte ich Schritte auf der Veranda, und im nächsten Momente sprang durch das mit Rosen ugebene Fenster ein Mann, in das Zimmer. Werde ich jemals aufhören, dieseGestatt im Geiste vor mir zu sehen, wie sie dastand, und mich und Trent mit scharfen Blicken betrachtete? Es war ein schlanker, großer, schöner Mann. Sein Antlitz war gebräunt von allen Klimaten, muthig und doch von melancholischem Ausdruck, und zur Hälfte von einem Vandyk-Vart bedeckt. Trent ließ mich los, trat einige Schritt! zurück und starrte ihn an. Hörte ich nicht meinen Namen hier erwähnen?- sagte der Fremde, während seine dunklen Augen flammten unter den schwarzen zusammengezogenen Brauen. Vedaure, zu unterbrechen, aber Sie wissen, wenn man von En geln spricht, so kommen sie. Mein theu. rer Trent, was ist das für ein kleine: Scherz?" Der abgewiesene Verehrer stand wik eine Bildsäule da so starr und schwei. gend. Der Neuangekommene trat etwa! näher. Was!" rief er leichthin, kennenSu mich nicht! Nun, was Sie betrifft, haben mich Zeit und Gelegenheit meh, begünstigt. Ich häte Sie auch bei den Antipoden' wieder erkannt, denn ich habe Ihnen ja schon vor Jahren ein Kennzeichen aufgeprägt." Ich hatte schon früher auf derStirm des Advokaten eine häßliche Schrammk bemerkt. Bei diesen Worten wurden du äußeren Umrisse derselben brennend roth. Sonst blieb sein Gesicht bleich. Ja, ja, es muß sein!" brach er jetzt los. Zum Teufel, woher kommen Sie? Man hat Sie vor. vierzehn Tagen noch nicht erwartet." Ich komme direkt über's Meer antwortete der Andere kalt, und ein unerwartetes Vergnügen ist gewiß im mer, das beste." Gewiß ich bin entzückt' Sie zu sehen!" antwortete Trent, mit einem etwas gezwungenen Lächeln; und Ihr verehrter Onkel, der General,. welche. Ueberraschung für ihn!" Der Fremde wendete sich gegen mich.. Die Broncefarbe seines Gesichtes Der dunkelte, sich noch etwas mehr. Sie vergessen diese Dame." sagte er zu Trent.. Meines Onkels. Mündel, denke ich?" Als seine, Augen die meimzien trafen, fühlte ich, ich weiß nicht warum, daß mir ein Schauer vom Kopfe bis zu den Füßen lief. Ich hatte kaum die nöthigt Fassung,, ibm eine Verbeugung zu ma chen. Fräulein Werner," sagte Trent tU was verwirrt; der General hat ihrer ohne Zweifel erwähnt in seinen Vrie. seuT Gewiß. Und lassen Sie mich bei fügen, daß ich Arthur von Weißen thurn bin, jetzt und immer zu Ihren Diensten," sagte der Neuangekommene. Ja! Arthur, der Heros, der Abenteurer, der Erbe, der Stolz des Herzens des Generals er war es, der jetzt voi mir stand. Er ist wunderbar schön! Ei erinnerte mick an einen Melden Lord Byrons. Ich haschte nach einer hoflicheri ' Ansprache, aber meine Worte wurdn ' auf meinen Lippen zu Geflüster, unt in diesem Moment wurde die Thüre ge j öffnet undHilda, welche, wie ich glaube, schon seit dem Eintreten Trents seine fünf Schritte von dem Schlüssellocht gewesen war, erschien auf der Schwelle, sie warf einen Blick auf mich, einen an deren auf den Advokaten, und dan stürzte sie mit ausgebreiteten Armen auf Arthur zu. Großer Gott! Ist es möglich? Ja. er muß es sein! Arthur! Aber wil verändert! Wann kamen Sie an? Unr wo ist der General? Weiß er es? Achund Sie schließen bereits Freundschaft mit unserer hübschen Paulette! Und was ift es denn mit Ihnen, 5 Trent?" Meine Gefühle überwältigen mich, antwortete Trent mit einem sanften Lächeln. Und Sie fragen auch zu viel auf einmal, theure Hilda." Ich kam vor einer halben Stundk an." sagte Arthur. Ich sah den Gene, ral bereUZ traf ihn auf der Strafe. i v. rvr i i ai lZ5srtsevu?a feiet.! i-i

Der Herr Professor in der Tom-merfrische.

Die Neue Bad. Landeszeiwnz" erzählt folgendes Geschichtchen Ist da mit Beginn der Ferien ein Philologe in's Gebirg gegangen, weil das Herz in Folge der sitzenden Lebensweise" etliches Fett angesetzt hat. Der Hausarzt sagt ihm beim Abschied, das Spazierengehen und Bergsteigen allein nicht helfen würden, er müsse auch für sonstige Ausarbeitung des Körpers Sorge tragen. Der Professor läßt sich in einem Dorfe des Unterharzes nieder und sinnt auf die anempfohlene körperliche Ausarbeitung. Er sieht, daß der Gartcnzaun seines Hauses eine Aufr . 1 frliHung wohl vertragen kann und erbietet sich, ihn höchsteizenhändig selbst anzustreichen. Aber er hat die Arbeit unterschätzt ; das verdammte Bücken bringt ihm einen Hexenschuß ein bei der fünften Latte muß er streiken. Als er sich erholt hat, grübelt er nach neuer Ausarbeitung. Da fällt ihm ein, daß der Kaiser von Rußland zu eben die sem Zwecke Holz zu hacken pflege. Ergo vertauscht er den Pinsel mit der Art und beginnt die kaiserliche Kunst. Aber auch das hat seine Schwierigkeit ten. Während die Kinder seiner Wirthin bewundernd um ihn herumstehen, trifft er ein Stück Holz flach und der Scheit fliegt einemJungen an denKopf, daß der Kleine eine Abfuhr davonträgt, wie ein alter Korpsstudent. Sclbstverständlich wird das gefährliche Geschäft sofort ausgesteckt und der Philologe befindet sich in neuer Verlegenheit. Da macht er eines Tages einen Ausflug nach dem nächsten Dorf, das auf einem Hügel liegt. Unterwegs sieht er eine Harzer Holzwaarenhändlerin vor sich, die unter einem mit Löffeln, Kellen, Bürsten etc. gefüllten Tragkorb keucht. Halt," denkt der Professor, das ist so etwas für Dich." Das Mädchen ist nicht schlecht erfreut, als der stattliche Herr ihm anhietet, den Korb bis zur Kirche zu tragen. Er wird auf den Rücken des Professors geladen und das Mädchen setzt sich an den Waldrand, um ein bischen auszuruhen und dann nachzukommen. Der Professor schwankt vorwärts; das ist eine wirkliche Ausarbeitung des ganzen Körpers. Der Schweiß rieselt nur so von der Stirn hernieder. Da kommt ihm ein Gendarm entgegen, der ihn mit ungeheuchelter Verwunderung betrachtet: Na, wo' wollen Sie denn hin?" fragt ihn der Gendarm. Nach dem Dorfes antwortete der Professor stolz. Wollen Sie denn die Sachen verkau fen?" Natürlich." Zeigen Ste doch mal." Der Professor setzt den Korb ab und ist höchlichst belustigt, vielleicht noch ein Geschäft für das Mädchen machen zu können. Was kostet diese Bürste?" fragte der Gendarm. Weil Sie es sind," sagte der Pro- . fessor gemüthlich, dreißig Pfennige." Der Gendarm lacht, zieht den Geldbeutel und zahlt den Betrag. So," fagt er, nun zeigen Sie mir doch mal Ihren Gewerbeschein!" Den können Sie sich da unten von dem Mädchen zeigen lassen," lacht der Professor harmlos. Nee." sagt der Gendarm, die geht mich nichts an, S i e haben ja die Sachen verkauft." So ja, schon gut, gehen Sie nur, Sie haben einen billigen Kauf gemacht sagt der Professor, immer noch nichts ahnend. Lieber Herr, es hilft Jhnen nichts, ich mache keinen Scherz mit Ihnen, Sie zeigen mir Ihren Schein, oder folgen mir zum Schulzen." Der Teufel foll Ihnen folgen," ruft der Professor wüthend, lassen Ste mich mit Ihren Albernheiten 'in Ruhe!" Aber der Gendarm bleibt bei seiner Forderung, ruft das Mädchen herber, packt ihr den Korb auf die Schultern und zieht mit den Beiden- nach dem Schulzenamt. Den Professor hat eine gelinde Raserei erfaßt. Sie werden einen Wischer bekommen," ruft, er, der sich gewaschen haben söll Pst. Pst." mahnt der Gendarm, wenn Sie mich beleidigen, muß- ich Sie in's Spritzenhaus sperren." Sie kommen im Schulzcnamt an und der Gendarm erstattet seinen Rapport: Können Sie sich legitimiren'?"' fragt der Sckiulze den Professor.- Dieser hat glücklicherweise ein Papier Sei sich und überliefert es in grimmigem Zorn dem Dorftyrannen. Es ist gu?." sagt dieser, wollen Sie die Strafe gleich bezahlen oder sollen ww Ihnen den Straföefehl in's Haus schicken ?" Aber begreifen Sie denn nicht, daß die ganze Verkaufsgeschichte nur ein Spaß war ?" Nee," sagt derSchulze. Späße sind im Gesetze nicht vorgesehen." Kurz und gut : der Professor hat feine dreißig Mark erlegt und jetzt fahndet er auf eine körperliche Ausarbeitung, die ihn möglichst wenig in Colliston mit seinen Nebenmenschen und dem Gesetze bringt. Wem soll man glauben Hochweise Männer gebieten, llci sich vor der Liebe zu hüten. Die Mädchen und Frauen Nicht anzuschauen! Allein noch Weisere riethen. Um sich vor der Liede zu hüten. Die Madchen und Frauen Recht anzuschauen! Keine Arbeit. Erster Bummler : Weißte wat, Lude, ick möchte am liebsten Reiseonkel sind. Zweiter Bummler : Schafskopp ! Da müßtest Du ja arbeiten ! Erster Bummler : Det bisken Rau-jeworfen werden is doch keene Arbeit nich ! Verunglückte Ausredet Professor: Meier, ich habe Sie gestern in's U'.?irthsbsus geycn sehen, steter: 0, ich war nur dort, um mein (sjgar renetui zu holen, das ich vorgestern dort, liegen lttß.