Indiana Tribüne, Volume 17, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1893 — Page 2

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GUxc angeneyme 5lnsteuung.

Wie das schon vorzukommen pflegt, so erzählt ein Wiener Blatt, wurden in einem Milch- und Kaffeegarten im Prater zwei einsame (Säiie mit einem der bekannt. (Ein Herr fprach eine ziemlich vergnügt aussehende Dame von unbestimmbarem Alter, die tro ihrer einfachen Kleidung doch jenes Etwas an sich hatte, was die nähere Bekanntschaft mit der Bühne verräth, freundlich an: Sie kommen jeden Sag hierher, mein Fräulein?" Fast alle Tage, mein Herr." Und Nach, mittags sehe ich S oft hier im Prater spazieren gehen und Abends sitzen Sie beim Krai,;". Das Nämliche thue ich. Sie leben wohl so wie ich, nur Ihrem Vergnügen. Sind wohl Haus desitzerin?" .Nein, nur Hüttenbe fitzerin." Ah! Wo steht denn Ihre Hütte?" fragte der Herr, welcher es mit der Cigenthümerin einer Prater bude zu thun zu haben glaubte. Meine Hütte ist weggenommen worden. Ich bin delogirt." Tas sagen Sie in so gleichmütigem Tone?" .Gewiß, ich freue mich ja darüber". Besitzen Sie denn Kapital?" Nein, ich bin mit Gage angestellt, aber ich babe Nichts zu thun. Gage für das Nichtsthun? Das verwirrt mich! m Wer wird denn Jemanden für das Spazierengehen Geld zahlen?!" C, man bezahlt mich gerne und setzt sogar eine 6hre d'rein, dakz man meiner nicht bedarf!" sagte die Dame lächelnd. Ter Herr wurde immer erstaunter. Sind Sie denn eine Person, deren Gegen wart Anderen lästig fällt? Sie sehen doch nicht so aus." O, unter anoe, ren Umstanden klammert sich die ganze Gesellschaft wie eine Schaar Ertrinken der an mich und Entsetzen enisteht, wenn ich nieße." Das begreife, wer kann!" Ja, man spricht mir sogar jedes Wort nach, das ich sage." setzt; die GeheimnihvoUe hinzu. Ter Jnter Viewer schlug die Hände über'm Kopf zusammen und rief aus: Hören Sie! Hüttenbesitzerin sind Sie die Hütte wurde abgetragen! Man entbehrt Sie gerne und' bezahlt Ihnen Gage!. . Dabei behaupten Sie, daß Ihnen eine ganze Gesellschaft Alles nachspricht, was Sie sagen? Wer sind Sie denn.eigen!. lich?!" Die Souffleuse des Wiener Vollstheaters. in weichern die Reise um die Welt" schon seit Wochen ohne Souffleurkasten und ohne meine We ! mgleit gespielt wird." ffrauenbildung. Nicht blos die Klosterfrauen, dern ;cd die vornehmen Frauen überhaupt, au blieben im Mittelalter der Wissenschaft nicht fremd. Unter den Nonnen ist Hroswitha (um 935 bis 908) im Vene, diktinertloster Gandersheim wegen ihrer Dichtungen berühmt geworden. Die Schwestern und Töchter Kaiser Karls des Ersten standen mit Alkuin in Briefwechsel. . (5ditha, die Gemahlin Edwards des Bekenners (reg. 102 bis 1066) machte es sich znm Vergnügen, einen Schüler, der oft in den Palast kam, Sprachregeln und Verse hersagen zu lassen und ihm mit Syllogismen (Vernunftfchlüsieln) zu bedrängen. In Salerno sollen zuweilen Gattinnen und Töchter der Profesioren über Medizin gelefen, auch die Frau und die Tochter des deutschen Gelehrten Manegold in Paris im 11. Jahrhundert Unterricht in der heiligen Schrift ertheilt haben. Im 15. Jahrhundert schrieb Christin de Pisan, die Wittwe eines franzöfl fchen Edelmannes, ein Werk über Kriegskunst, welches selbst von den Mi. litärfchrijlstellern unserer Zeit mit Ach tun genannt wird. Allerdings waren dies vereinzelt: Erscheinungen, eine allgemeine Frauenbildung findet sich jedoch bei den Eistercienserinnen. einem 1120 gestifteten Orden, welcher sich mit dem Unterricht vornehmer Mädchen befaßte, und es war natürlich, das;, diese, Mütter geworden, den ersten Unterricht ihrer Kinder übernahmen. Auf den Bildern eines niederländischen Malers des 15. JahrHunderts, welche sich in Frankfurt a. M. befinden, sind solche Mütter abaebildet. ES ist g ar kein Witz, da es wirklich ein (jetzt gelöstes) Problem gab. wie man in's Wasser ein Loch machen soll. Im Bergbau nämlich ist man häusig vor die Nothwendigkeit ge. stellt, breite und tiefe Schachte abzu teusen (tiefer zu machen'. Nachdem man nun durch leichte oder schwieriges Terrain glücklich durchgekommen, trifft e5 nicht selten, das bic Sonde auf Schichten stcßt, die so wanerreich sind, daß ein weiteres Vordringen unmöglich ist und die bisherige Arbeit als völlig verloren erscheint. Ter Ingenieur Poetsch kam nun auf die Idee, daß man blos die 2vanermengen zum Gesrlercn zu bringen und sodann in das Eis ein och zu schlagen braucht, um dann un gestört mit den Bohrungen immer tie fer gehen zu kennen. Sein Verfahren hat sich bewahrt und wird in neuester Zeit auch bei lockerem, beweglichem Terrain angewendet, daS durch den Gefrierprozeß gehärtet und zu Bohrun gen geeignet gemacht wird. Die fran zösifche Maschinenfabrik Eail hat auch bereits eine neuartige Eismaschine zu solchen Zwecken konstruirt. Böse Zungen. Bewahr mich der Himmel, daß ich der Frau Meier Böses nachsage ich sage ja nur. daß sie in ihrer Jugend ein leichtfertiges Leben geführt, daß sie zänkisch, boshaft und diebisch ist sonst ist sie ja immerhin eine ganz reputirliche Frau ! Boshaft. Dichter: WaS sagen Sie zu meinem neuesten Noman, den ich zu meiner Erholung im Bad geschrieben habe ? Kritiker : Alles ausgezeichnet ; nur eines vermisse ich. Dichter : Und das wäre 7 Kritiker : Daß Sie ihn nicht zur Erholung An derer aescbrieben baben '

Tte Prtestertn der ttunst.

Humoreske aus der Grogftadt ;on Wilhelv T e s ch e n. Sie wohnten neben einander (Mi einem Flur in der Jägerstraße zu Berlin, Karl Tcnnhof, der Student, und Adele Rocca, die Tänzerin. Karl war ein hübscher und eleganter Jüngling von dreiundzwanzig Jahren, der Sohn eines Fabrikbesitzers in Bonn am Nhein. Der Vater fabricirte patrio'tische Taschentücher, das heißt jene bunten kattunenen Tücher mit den bekannten Schlachtenbildern oder den Portraits gekrönter Häupter. Diese Art von Patriotismus war sehr lohnend, er hatte dem Herrn den Kommerzienrathstitel und eine Million Ber mögen eingebracht. Karl Tennhof, der einzige Sohn des Kommerzienraths, hielt sich erst seit einem halben Semester Studiums halber in Berlin auf. Bis dahin hatte er in Bonn das Gymnasium und die Universität besucht, und nur mit schwerem Herzen hatten die Eltern den einzigen Sprößling ihrer Ehe nach dem Sündenpfuhl Berlin ziehen lassen. Den reichlich mit Geld versehenen Studenten lockte zwar manches Abenteuer, aber der bis zu seiner Abreise nach Berlin gleichsam unter den Flügeln seiner Eltern behütete junge Mann konnte eine gewisse Befangenheit und Schüchternheit nie ganz überwinden, was ihn um manche heitere Stunde brachte. Adele Rocca war erst seit acht Tagen die Nachbarin Karls, aber dennoch war ihr schon der feingekleidete Jüngling mit den gutmüthigen Augen aufgefallcn. Bis jetzt hatte sich ihr noch keine Gelegenheit geboten, mit dem Nachbar anzubändeln. Heute aber war ihr das Glück günstig. Es war gegen Mitternacht, als Adele vor ihrer Wohnung der Droschke entstieg und mit Karl zusammen traf, der eben im Begriff stand, die Hausthür aufzuschließen. In ihrer ungenirten Art und Weise begrüßte Adele den Studenten, und plaudernd stiegen die Beiden die dunkle Treppe hinauf. Karl suchte nach Streichhölzern, fand aber keine. Adele blieb von Zeit zu Zeit stehen, immer länger, immer erstaunter, denn nichts von dem, was sie erwartet hatte, geschah, Karl fand kein kühnes Wori, er berührte seine Begleiterin weder schüchtern noch dreist. Er hält m.Ich gewiß für eine Her- " I . n. u.n., UUUflC IC UHU gUUUvlC Cliltll Fünsminutenbrcnner an. gerade als sie vor der Thür ihrer Wohnung standen. Erstaunt leuchtete sie ihrem Begleiter in's Gesicht, und was sie in demselben las, machte sie beinahe laut auflachen. , Er stand in der That vor ihr mit einer Haltung und mit 'Blicken, als habe er eine wirkliche Herzogin vor sich. Das reizte die Tänzerin, sie mußte den jungen Mann näher prüfen. Morgen habe ich frei. Ich möchte einen Ausflug machen, nach PichelsWerder oder sonst wohin ! Würden Sie mich wohl begleiten ?" Das .iklang so sicher, so selbstverstündlich, daß Karl einen Theil seiner Befangenheit verlor und freudig antwortete : Gewiß, mein Fräulein, wenn Sie es gestatten." Um elf Uhr wollen wir abfahren. Sie forgen wohl für den Wagen. Zweispänner natürlich, Kutscher in Livree. Gute Nacht! Schlafen Sie wohl !" In der Linken das Licht haltend, öffnete Adele mit der Rechten die Korridorthür mit einer Sicherheit, die auf große Uebung schließen ließ. Mit sonderbaren Gefühlen und Gedanken legte Karl sich nieder, und lange dauerte es, bevor .er Ruhe und Schlummer fand. Am anderen Morgen stand der Zweispänner Punkt elf Uhr an der' nächsten Straßenecke bereit. Karl klopfte an die Thür seiner Nachbarin, ihr dieses zu melden. Adele erschien sofort, in reizender Toilette, vollständig gerüstet zur Ausfahrt, das kecke Gesichtchen sah allerliebst und verführerisch aus. Lächelnd nahm sie seinen Arm. und halb zog sie ihn, halb sank er hin in den osfenen Landauer. Dann ging es fort beim herrlichsten Herbstwetter nach Pichelswerder. Karl war entzuckt von Allem, vom Wetter, von der Fahrt, von seinerNachbarin, aber dennoch blieb er in denselden Grenzen wie am Abend zuvor, er fand kein Wort, e? hatte keine Miene, er machte keine Geberde, die eine Dame hätten kränken können. Anfangs amüsirt, dann erstaunt und schließlich vorwurfsvoll richtete Adele ihre hübschen braunen Schelmenaugen auf ihren Nachbar, der fo ganz anders war, als die Herren, mit denen sie bisher ähnliche Ausflüge gemacht hatte. Für jeden Großstädter wäre auch die Einladung Adelens höchst beredt gewesen, aber Karl fand nichts Herausforderndes darin ; sie war eine Künstlerin, und die Kunst kannte keine alltäglichen Schranken, so folgerte er. . Man langte in Pichelswerder an. man fpeiste, man amüsirte sich, man trank, man trank immer mehr, schließlich Champagner. Adele wurde heiter. Karl endlich verliebt. Aber auch dieses Verliebtsein war so ganz anders : Karl nahm die Sache ernst, so ernst, daß er der Tänzerin auf der Heimfahrt sogar die Heirath anbot. Adele lachte und ging scheinbar auf seinen Antrag ein. Morgen würde er es vergessen haben, dachte sie, und ließ ihn ruhig weiter Luftschlösser bauen. Aber Karl hatte eZ am andern Morgen nicht vergessen. Freilich, etwas sonderbar war ihm doch zu Muthe, als er die Fahrt und ihre Folgen überdachte. Aber er zweifelte keinen Augenblick, daß er sein Wort einzulösen abe. Er ging hinüber zu Adele, be-

grüßte sie ls seine Verlobte und meinte nur, daß es einen schweren Kampf kosten werd?, seinen Eltern die Einwilligung zu ihrer Verbindung abzuringen. Aber was macht's," schloß er seine Auseinandersetzungen, wir heirathen heimlich, wir kommen den Eltern mit einer vollendeten Thatsache, und dann müssen sie schließlich nachgeben, ich bin doch nun einmal ihr einziges Kind, dem sie schließlich ihren Segen nicht verweigern können." Die Tänzerin hatte freundlich, bei nahe gönnerhaft lächelnd dem eifrig Redenden zugehört, bei den letzten Worten aber suchte ihr Auge mit überlegenem Lächeln die zierlichen Spitzen ihrer niedlichen Morgenschuhe, und ohne aufzublicken frug sie : Und wenn der Segen ausbleibt ? ! Du bist doch abhängig tiinDeinen Eliern?" Das vertrauliche Du kam Beiden so leicht über die Lippen, als wäre es nie anders gewesen. Ich lebe von dem, was sie mir senden !" antwortete Karl. Also ohne Segen kein Geld ! Weißt Du was, schreibe ihnen erst einmal die vollendete Thatsache ! Gleich heute noch ! Wir werden dann sehen, was sie antworten." Karl ließ sich bereden und schrieb nach dem Diktat Adelens an seine Eltern Folgendes : Wenn Ihr biefe Zeilen lesen werdet, lande ich auf Heigoland, um mich mit Adele Rocca, einer Priesterin der Kunst, ehelich zu verbinden. Verzeiht, daß ich so heimlich zu Werke gegangen bin, aber ich kenne Euren Widerwillen und Euer Vorurtheil gegen einen Stand, der doch auch höchst ehrenwerthe Mitglieder zählt. Meine Adele ist Mitglied des Königlichen Opernhauses, und ich kann mir kein Leben ohne sie denken !" Die Schlußworte zu finden, überließ Adele ihm allein. Der Brief wurde abgesandt, und die Antwort blieb nicht lange aus. Der empörte Vater sagte sich los von dem mitzrathcnen Sohne, und zwar für immer und ewig. Siehst Du, wie Recht ich hatte !"

meinte Adele. Ach was. die Mutter bringt's schon wieder in's Geleise !" antwortete Karl. Es werden keine zwei Women vergehen, und die Sache hat sich gemacht." Und die Mutter brachte es wirklich wieder in's Geleise. Die vierzehn Tage waren noch nicht verflossen, da kam bereits ein Brief aus Bonn, in dem der Vater einen weit milderen Ton anschlug, und worin er ! der Hoffnung Raum gab, daß ferne Schwiegertochter eine echte Priesterin der Kunst sei, die einer Familie, wie der seinigen keine Schande machen werde. Zum Schluß bat er um Uebersendung einer Photographie. Freudig stürzte Karl in die Wohnung Adelens und überreichte der Tänzerin den Brief. Siehst Du, wie Recht ich hatte ! Wir hätten uns ruhig verheirathen sollcn!" Die Aüssicht, daß sie die Schwiegertochter eines wirklichen Millionärs werden könnte, gewann bei Adele an Wahrscheinlichkeit, und entschlossen erwiderte sie auf den Vorwurf Karls : .Die Versäumniß ist.leicht nachgeholt!" Nein, das ist sie nicht ! Ich habe nicht mehr Geld genug für die Reise aach Helgoland." So lasse es Dir senden ! Jetzt wird es Dir Dein Vater nicht mehr abschlagen." Du hast Recht ! Ich werde sofort ocn Brief schreiben." Er wollte fort. Du vergissest die gewünschte Pho 'ographie !" Ach ja! Hast Du eine ?" Hier sind all meine Bilder !" .Sie entleerte einen großen Kasten 2uf dem Tische. Karl suchte und suchte und meinte schließlich kleinlaut : Hast Du keine Bilder ohne Kostüm ?" Du meinst mit mehr Kostüm !" Der Schelm huschte über Adelens Gesicht. Es müen noch einige da sein, auf denen ich ausschaue, wie eine Nonne." Nach langem Suchen fanden sich auch wirklich noch zwei Bilder, auf denen Adele in höchst einfacher, bürgerlicher Kleidung abgebildet war. Diese beiden wanderten mit dem nöthigen Schreiben versehen nach Vonn - Die Mutter antwortete umgehend, und die Bitte um Geld wurde insofern erfüllt, daß der Vater dasselbe persönlich übergeben werde, da derselbe sich entschlossen habe, nach Berlin zu kommen, um die Schwiegertochter zu sehen, und zu. prüfen. Diese Zeilen setzten Karl in die Peinlichste Verlegenheit. Was sollte er nun beginnen ? Lange saß er in dumpfem Brüten, ohne einen Ausweg zu finden. Endlich begab er sich zu Adele, vielleicht wußte die Kluge einen guten Rath. Und sie wußte wirklich Rath. Lächelnd hörte sie die Jeremiade Karls an und sagte dann in ihre? unwiderstehlichen Ärt : Ei, wir thun einfach, als wären wir verheirathet ! Meine Wohnung ist die größere, also schlage Deine Visitenkarte nur an meine Korridorthür, das Andere laß meine tSorge sein !" Ein paar Zeilen des Kommerzienraths zeigten dem Sohne seine Änkunft für den anderen Morgen an. Das waren böse Stunden für Karl, dessen offene Natur sich gegen jede Heuchelei sträubte. Der Kommerzienrath war Abends spät in Berlin angekommen und im Central-Hotel abgestiegen. Er wollte erst am andern Morgen seinen Sohn und seine Schwiegertochter aufsuchen, damit er nicht, von der Fahrt angegriffen und in nervöser Stimmung den Leiden gegenüber trete. Schon vor acht Uhr war der Kom-

merzienrath am andern Morgen ait der Straße, und da er so früh doch noch nicht das vermeintliche Ehepaar aufsuchen konnte, so beschloß er, sich die weltberühmte Straße Unter den Linden" etwas näher anzusehen. Noch hatte er die Linden" aber nicht ccreicht, da blieb er w gebannt an einem Ladenfenster stehen, sein Blick war auf ein Bild gefallen, eine Photographie, die eine Tänzerin im Kostüm darstellte, Veren Züge ihm so bekannt vorkamen. Er trat unwillkürlich näher, ängstlich prüfend richtete er seine Augen auf das Bild, kein Zweifel : das waren die Zll'ge Adelens, deren Photographie er ja' bei sich in seine? Brieftasche trug. Aber nein, das konnte ja nicht sein, so ließ sich doch keine Priesterin der Kunst abnehmen ! Er konnte, er mußte sich irren, es gab irgend eine andere Dame, die seiner Schwiegertochter ähnlich sah und ihr Brod als Tänzerin verdiente. Der Kommerzienrath faßte sich und ging weiter der Jägerstraße zu, aber es war immer noch zu früh, er machte Kehrt und bog in die Passage ein.. Himmel ! Da hing in einem Schaufenster wieder das Bild in dem dürftigen Kostüm und der freien Haltung und da noch ein zweites ein drittes und hier gar

ein Name Adele Rocca. Der Kommerzienrath glaubte, der Schlag würde ihn rühren, er suchte nach' einer Stütze, er, fühlte, wie seine Bein: zitterten und ihm den Dienst versagten. Mit Mühe und Noth erreichte er das nahe gelegene Cafe in der Passage, wo er sich trotz der frühen Morgenstunde ein Glas Portwein geben ließ. Eine Stunde saß er da, dann erhob er sich mit entschlossener, finsterer Stirn, er trat in den Laden und kaufte alle Photographien der Tänzerin Adele Rocca. Eine kurze Unterredung mit dem Geschäftsinhabe? gab ihm die Gewißheit, daß es keine zweite Künstlerin dieses Namens in Berlin gebe. Ohne zu fragen, fand der Kommerzienrath das Haus, die Wohnung seines Sohnes, und energisch drückte er auf den Knopf der elektrischen Klingel. Karl selbst öffnete und wollte mit einem Freudenschrei seinen Vater umarmen. Doch dieser wies ihn mit eisiger Kälte und ohne ein Wort zu sagen zurück. Im Zimmer angekommen, zog der Kommerzienrath die gekauften Bilder hervor und schleuderte sie auf den Tisch mit den Worten : Also so Eine hast Du mir zur Tochter gegeben ?" Zu einer Aufklärung ließ' der erzürnte Vater es erst gar nicht kommen, er. verlangte Scheidung, sofortige Scheidung. Willigten sie nicht ein, würde er sie enterben vollständig ! Sie sollten nur nicht an ein Pflichttheil denken ! Er würde schon dasür sorgen, daß nach seinem Tode nichts, rein gar nichts mehr vorhanden wäre.. Für sich und seine arme Frau würde er eine angemessene Lebensrente kaufen und den Rest seines Vermögens frommen Stiftungen zuwenden. Sollten sie aber ohne Widerstand r.die Scheidung 'willigen, würde er auch die Zukunft der geschiedenen Frau glänzend sicher stellen. Karl saß da in einem schauderhaften Dilmma. Er wußt: nicht, ob er dem Vater die Wahrheit bekennen, oder ob er den Verhciratheten weiter spielen sollte. Diese, verwünschten Bilder ! Daß auch keiner von ihnen daran gedacht hatte !Wenn nur wenigstens Adele, da wäre. Als hätte diese den stummen Wunsch vernommen, öffnete sie die Thür .des Nebenzimmers, machte dem vor Ueberraschung und Staunen starr stehenden Kommerzienrath eine tadellose Berbeugung, schritt auf Karl zu, der vernichtet auf einem Sessel saß. legte einen Arm um seinen Hals, küßte ihn herzhaft auf den Mund And sprach dann : Du bist ein guter Mensch ! Ich habe Alles gehört. Du hast mich nicht preisgegeben ! Du sollst durch mich nicht unglücklich werden !" Dann sich an den Kommerzienrath wendend, fuhr sie fort : Beruhigen Sie sich, Herr Kommerzienrath, Ihr Sohn und ich sind gar nicht verheirathet. Erst' heute Morgen hat er auf meine Veranlassung seine Visitenkarte an meine Thür geheftet, das ist Alles!" Der Kommerzienrath wußte erst gar nicht, wie ihm geschah, er wußte nicht, ob er sich über die Zromödie, die man ihm vorgespielt hatte, ärgern, oder ob er sich über die eben vernommene Thatfache freuen sollte. Aber schließlich siegte die Freude, denn Adele schilderte ihm ihre Missethaten in so drolliger Weise, sie stellte Karl als einen solchen Biedermann hin, daß das Vaterherz nicht länger hart bleiben konnte, und der Kommerzienrath auch der bereuenden schönen Sünderin vergeben mute. Er zog seine Brieftasche, füllt: einen Check aus und reichte diesen dann der Tänzerin mit den Worten : Innerhalb drei Tagen können Sie diese Summe bei der hiesigen Deutschen Bank in Empfang nehmen." Verblüfft, wirklich verblüfft, vielleicht zum ersten Male in ihrem Leben, schaute Adele auf die große Ziffer des Checks. Doch gleich darauf legte sie das Papier auf den Tisch und schob es dem Kommerzienrath zu mit den Worten : Nehmen Sie das Papier nur an sich!" Erschrocken schaute der Kommerzienrath auf, sollte sie nicht auf die Hand seines Sohnes verzichten wollen, oder sollte ihr die Summe noch zu gering sein? Mit so viel Geld weiß ich nämlich nicht umzugehen," fuhr Adele nach kurzer Pause fort. Und doch ist es meine Pflicht, für meine Zukunft zu sorgen ! Wissen Sie was Herr Kommerzienrath, was Sie da vorhin zu Ihrem Sohne von Lebensrente gesagt haben, das hat mir gefallen ; kaufen Sie mir eine solche, das ist sicherer ich

kenne mich. So, und jetzt leben Sie wohl Sie und Ihr Sohn ! Ich

werde seinen Weg nicht mehr kreuzen. Fort war sie, bevor Karl noch eine Silbe erwidern konnte. Die ist zehnmal vernünftiger als Du," wandte sich der Kommerzienrath an seinen Sohn. Die Heirathsidee ist auch nicht von der ausgcgangen.sondern von Dir ! Karl war so überrascht und verdutzt von Allem, was er gesehen und gehört hatte, daß der Kommerzienrath leichtes Spiel mit ihm hatte und schon am andern Tage die Reise nach Bonn antr ten konnte, selbstverständlich in Begleitung Karls, der in Bonn seine Studien beenden und dann eine passende Partie machen sollte. Adele erhielt nach wenigen Wochen die Papiere über eine ansehnliche Lebensrente zugesandt, die sie gegen alle Wechselfälle des Lebens sicher stellte. . Flitterwochen. Weshalb nennt man die ersten Wochen der jungen Ehe Flitterwochen? Diese Frage wurde kürzlich in einer Gesellschaft aufgeworfen und Niemand fand eine rechte Erklärung dafür, obwohl uns die Sache nicht schwierig scheint. Es wäre- traurig, die erste selige Zeit der jungen Ehe mit Flittern zu vergleichen, aber uns schein: eine andere Bedeutung viel näher zu lieaen. Wenn das junge Paar, das sich bisher durch tausendfältige Schranken eingeengt, die vom Brautstand nun ! einmal unzertrennlich sind, nicht vollständig kennen lernen kann, so ist es natürlich, daß das enge Zusammenleben anfanas immer eine gewisse Unklarbett zeitigt, die wir nicht gerade gegenseitiae Verlegenheit nennen wollen, aber dieser Empfindung doch sehr nahe kommt." Darin liegt auch das Gute der sogenannten Hochzeitsreise, daß die beiden Menschen, welche ein neues ge. meinschaftsliches Leben mit einander beginnen sollen, ganz auf sich selbst an. gewiesen sind und sich desto leichter in :ngcr Harmonie zusammenfinden, ohne baß' die Behaglichkeit durch eigeneTha. tigkeit irgendwie bedingt oder bceinträchtigt wird. In diesen ersten Wochen soll der Zrund zum glücklichen Ehestande gelegt werden. Niemals sind die Herzen empfänglicher zum liebenden Vertrauen, zum freundlichen Eingehen auf abweichende Anschauungen und Wün schö. Das Gemüth muß zusammen festwurzeln und sich fröhlich ergänzen, che die verschiedenen täglichen . Auf-, zaben der Ehegatten in ihre Rechte tre ten. In dieser Zeit heißt es, alle Kindereien, allen Flitter über Vord wer fen. die der harmonischen Gestaltung :iner glücklichen Häuslichkeit hinderlich sein können, es gilt, mit Ernst und Liebe stch über die Ansprüche, welche Lebensstellung und Familie zu machen berechtigt sind, klar zu werden und demgemäß nach reiflich zusammen gepslogener Ucberlegung das neue Leben gleich so zu beginnen, wie es späte, fortgeführt werden soll. In den ersten Wochen läßt sich Alles leicht einrichten, was später nur schwer zu ändern ist, jedenfalls nicht ohne viel Kummer und Kämpfe. Die junge Frau, welche am Altar ihrem Gatten Liebe, Treue und Gehorsam gelobt hat, soll nun auch alle Mädchenthorheiten, nutzlose Träumereien und Phantasiegebilde aufgeben, stch die praktische Wirklichkeit aneignen, ihr leben und wissen, daß ihr Mann und dessen Haus nun ihr einziger Lebenszweck sein soll. Alles, was ihi früher Vergnügen gewährt hat, gleich-, viel, was es sei, darf für die Zukunft erst in zweiter Reihe kommen, oder sie muß es ganz aufgeben, falls es mit den übernommenen Pflichten nicht in Einklang zu bringen ist Aller Tand, aller Flitter des Mädchenlebens darf für die junge Frau nicht "mehr vorHanden sein. Auch der junge Ehemann hat die Gewohnheiten des Junggesellenlebens aufzugeben, namentlich die Pflege und Behaglichkeit des lieben Ich" nicht ausschließlich obenan zu stellen, wie dies derjenige, der lange allein gelebt hat. in anerzogenem Egoismus nur zu leicht thut. Der junge Gatte muß die Gleichberechtigung der Gemahlin in der Einrichtung des Hauswesens anerkennen und. daft ihr Leben ein gemeinsames sein soll, gleich anfangs, dadurch beweisen, daß er allen Tand und Flitter feines bisherigen Daseins, Club, und Kneipabende, Skatpartien und ähnliche Dinae. als Regel für den Schluß des Tages aufgibt, sie höchc ftens nur als seltene Ausnahmen zuweilen noch mitmacht. Auch ihm soll die Behaglichkeit des eigenen Heims noch seinem Berufe die Hauptsache sein und eigenes Vergnügen nur in zweiter Reihe in Betracht kommen, stets mit Rücksicht auf die Gattin, die an .ihn gefesselt und von ihm abhän gig ist. Alles, was man der Jugend in überströmender Lust allenfalls gestatt tct, ist für vcrheirathete Menschen nicht mehr passend, sie haben zu ernste Verpflichtungen für Zeit und Ewigkeit übernommen, um sich noch übermüthige. gedankenlose Tändelei gestatten zu dürfen, alles dieses sind Flitter, welche in den ersten Ehewochen abgelegt und überwunden werden wollen. -Das hatte ernicht versprachen. Gläubiger : Nun, sind Sie da ? Schuldner : Ja, ich versprach Ihnen ja, heute mit dem Geldbeute! zu kommen. Hier ist er!. Gläubiger : Aber es ist ja gar nichts darin. Schuldner : Das hab' ich auch nicht versprochen ! Der Muth des Mannes beI steht darin, ein Ungemach abzuschiit i c l frn

lem, oer ves eives, es zu ertragen.

Vestrafte BorsilJttgkeit. ! :ine Keine Er.-,äl,lu,ig aus Nussisch.Polen von Elias Josep h söhn.

Hat emal gelebt vor garnich so lan aer Szait in Labjschin e israelitscher Mann, was hat gehabt' e großes Geschäst mit abgelebte Hosen über de russische Grenze. Und der Mann is gewesen e sehr vorsichtiger Mann und e kluger Mann und se haben'n gekannt bis hinten hin nach Moskau, daß'r hat gehandelt reell und nobel, mit hundert Perßent Prosit, und daß'r niemals hat verloren gehabt sein Geld, weil er is gewesen e vorsichtiger Mann, und hat geheißen Jainkef Levi, Perdukte und und alte Kleider. Aber einmal is er doch gekimmen in e großen Schlamassel mtt 5000 Tholer baarer Mesummes und es hat'n gekost't beinah sei Leben, so'ne Angst hat'r ausgehalten der vorstchtigeMann. eben wegen seine große Vorsichtigkeit! Und will ich Euch erßählen. wie's sich hat ßugetragen in Wahrheit auf mei Ehrenwort! Gras soll wachsen vor meiner Thür, wenn ich lüg'. Also: Is d'r Jainkef gereist eines TageS ßwischen Warschau und Krakau. um ßu kassiren ein de Rechnungen for de alten Kleider und de Wolle und de andern Perdukte, was er hat gehabt verkaust an de kleinen zud fchen Geschastsleite in's ganze Königreich Polen. Und hat er bei sich getragen 5000 Tholer baares Geld in blanke Goldstücker und gute Papierscheine, garnicht ßu rechnen de Wechselchcr. was'r hat ebenfalls bei sich geführt auf solide Häuser, d'r ;amles. Und is er aach gekimmen in e kleine piln'sche Stadt, was is gewesen bewohnt von lauter jüdische Lait und darf ich nor nischt nennen den Namen von der Stadt, weil ich mer nischt will verfeinden mit de Lait, denn es fort aach drunter Einige von meiner eigenen Mischpoche! Abc? d'r Jainkef is aewcen sehr ängstlich, as er hat gekennt sehr genau de dortigen Bewohner und dat sich gefercht bei sich ßu behalten de sunstausend Tholer: was weiß ich. Zoorum? Aber, wie gesagt, er is gewesen c sehr vorsichtiger Mann und hat gewußt: vor Geld sind wer Alle nicht sicher, nebbich! Darum hat er's sich überlegt und :s ßuletzt gegangen ßum Rabbi von d'r Gemeinde und hat gesprochen ßu ihm in folgender Weise: Weiser Rabbi." hat'r gesagt, as ich bin e armer Mann und bin e ehrlicher Mann und bin aach e vorsichtiger Mann und as ich nischt habe bei mir e eisernen Geldschrank mit e künstlichen Schlüssel und doppelte Thüren und as ich muß doch bringen nach Hause sicher mei koscheres Geld, was ich brauch' nothwendig in's Geschäft ßu Labischin, um wieder einßukaufen neie alte Kleider. so wollt' ich Eich gebeten haben. daß Ihr mir aufbewahrt hier de fünftausend Tholer auf einige Tage sicher und ehrlich und ohne Szinsen. denn ich hab' e großes Vertrauen ßu Eich und daß Ihr werdt holen lassen e paar Gemeindeälteste als Szeugen. daß ich Euch hab' gegeben werklich das Geld in Verwahrung, denn ich weiß, Ihr seid e ehrlicher Mann!" Hat der alte Rabbi gelächelt mit e freindliches Lächeln und hat gerufen seiner Tochter, daß se soll herumholen den Hersch und den Loew, was sind geWesen die beiden Aeltesten aus d'r Gemeinde in der kleinen Stadt,, was liegt zwischen Krakau und Warschau in pilnisch Rußland, und haben gestanden in großem Ansehn bei d'r ganzen Ehille wegen ihrer großen Klugheit und ihren großen' Verstand von de Geschäfte. Nebbich! Und d'r Hersch und d'r Loew sind auch gekimmen sofort und haben mit helfen abßählen de fünftausend Thol:r, daß se können beßeugen auf Ehrenwort de Richtigkeit von's Geld und von d'r ganzen Geschichte. Soll mer sagen Einer was 'ne Sache is. Und ist gewesen Alles in bester Ordnung und Richtigkeit und der Jainkef aus Labischin hat sich bedank! viel tausend Mal for die Get'ällizkeit von de Leit un der alte Rabbi hat' gegeben de Hand und hat'm gewünscht viel Massel und Broch: in's Geschäft und hat dabei wieder gelächelt mit t feines Lächeln. E paar Tage darauf is es aber gewesen sehr merkwürdig! Wie nämlich d'r Jainkef wieder is gekimmen ßum alten Rabbi, um abßuholen sünstausend Tholer, hat d'r Rabbi gemacht e Ponem, was is gewesen so verwundert, daß d'r Jainkef hat gekriegt das Szittersieber in sämmtliche Glieder. Fünftausend Tholer?" hat'r gefragt, Se traimen wohl, Herr Jainkef?" Aber der Herfch und Loew sind doch selbst dabel gewesen!" hat d'r Jainkef geschrieen, Sie werden d'r doch wiedergeben mei koscheres Geld, Rabbi?" Der Rabbi hat aber garnischt geantwort't und hat blos wieder gesagt zu seiner Tochter; Ruf' mal d'n Herfch und d'n Loew!" Und gleich darauf, wie de Beiden sind eingetreten, hat d'r Rabbi gefragt mit Werd und Anstand: Weiß Einer von Euch Beiden, daß mir d'r Mann hier hat gegeben ßur Aufbewahrung fünftausend Tholer?" Hat gesprochen ßuerst d'r Hersch und hat gesagt: D'r Mann muß sein meschugge! Ich kenn' den Mann garnischt, aber hat sogar laut gerufen: D'r Mann will Eich betrügen, Rabbi! D'r Mann will 'ne Erpressung machen! er gehärt in's Szuchthaus!" .Nu, da hören Sie's!"" hat darauf der Rabbi ßum Jainkef gemeint, e Gannef sind Sie, e ganz gemeiner Gannef!"" und dann hat '? gewinkt dem Arsch und dem Loew deß se können nu gehen und machen ßu de Thür von außen. D'r Jainkef aus Labischin is aber l umhergerannt in Szimmer, wie e

grausames Raubthier im Käsig, hat sich de Haare ausgerisse und hat geschrieen einmal über's And're: Gewalt. Gewalt! Haißt 'ne Gewure! In was for e Raibernest bin ich gerathen! Daß mir sowas passtren muß, wo ich bekannt bin als e vorsichtiger Mann weit und breit!" und dabei hat 'r sich wollen stoßen entzwei feinen eigenen Kopf an de Wände von Rabbi seiner guten Stube. Der Rabbi selbst aber hat wieder gelächelt mit seinem feinen Lächeln ßum dritten Mal. Dann is er gegangen an seinen Schrank, hat herausgenommen de fünftausend Tholer nud hat se gedrückt in de Hand vom Jainkef mit folgenden Worten: Hier nehmen Se Ihr Geld wieder, lieber Fraind, und sein Se's nächste Mal vorsichtiger! Ich wollt Ihnen blos mal e kleinen Begriff davon geben, aus was for 'ner Bande meine Gemeinde hier ßusammengesetzt is!"" leine Ursachen, große Wirkun gen.

Wegen grober Beleidigung eines jungen Mädchens ist dieser Tage in Verona ein Eavallerieofficier aus dem italienischen Heercsocrbande au-gesto ßcn worden. Ueber die Angelegenheit, die in ganz Italien ungeheures Auf. sehen erregt hat und von allen BIät tern lebhaft besprochen wird, geht nun aus Mailand folgender ausführliche Bericht zu: Am Freitag, den 4. August, wurde auf dem Äraplatze in Berona am hellen Tage eine hochachtbore Dame, die junge Lehrerin Gi selda Argenti, die einzige Tochter des früheren Mathematiklehrcrs am Gym nasium zu Berona, des Profcnors Eugen Argentl, von vier Ossicieren des EavaUerieregiments Savoja" fest gehalten, umarmt und in ziemlich eindeutigcn Worten um gewisse Gunst be zeugungcn ersucht; als düs MdcheN sich sträubte und wehrte, sagten die Qfficiere höhnisch: Nur nicht so schüchtern, wir wären Deine ersten Liebhaber nicht!" ' Mit Mühe gelang es der jungen Dame, sich loszureißen; bevor sie sich entfernte, verfemte sie einem der fsi ciere, der sie besonders hart gedrängt hatte, mit dem Handschuh einen Schlag in's Gesicht und rief ihm das Wort Lump!" zu. Darauf ergriff die Dame die Flucht und suchte das HauZ ihres Schwagers, des Apothekers Poli, zu erreichen, während die Ossi, cicre sie verfolgten und ihr nicht wieder zugebende Schimpfworte nachriefen. Laut weinend stürzte Fräulein Argenti in die Apotheke ihres Schwagers, wo sie infolge der ihr angethanen Schmach einen heftigen 5lrampfansall bekam. Herr Poli begab sich sofort zu dem Generallieutenant Cagni, dem Befehls haber der (savalleriedivision von Be rona, um wegen der seiner jungen Schwägerin zugefügten Beleidigungen Genugthuung zu verlangen. Der Generallieutenant gab ihm achfelzuckend den Rath, sich an d'n Befehlshaber des Regiments Savo,a" zu wenden. Das that Herr Poli auch, und TagS darauf schickte der Befehlshaber seinen Adjutanten zu dem Apotheker und ließ ihn fragen, ob er eine Genugthuung mit den Waffen oder irgend eine andere Satisfaction wünsche. Unterdeß war aber die peinliche Angelegenheit ruchbar geworden und der Kriegsminister Pelloux verfügte, nachdem ihm der Generallieutenant (lagui über den Her gang der Sache Bericht erstattet hatte, auf telegraphischem Wege die sofortige Außcrdienststellung des Lieutenants Jldcfonso de Vito PiSciceUi und die Einleitung des Strafverfahrens gegen ihn und die anderen drei Offiziere, die das Fräulein Argenti insultirt hatten. Außerdem mußte der Befcblshabcr d.S Regiments Savoja" ein Schreiben cn den BoZer der jungen Tame richten, in welchem cr im Namen des Offizier corvs des Regiments wezen der dem Fräulein Argenti zugefügten Belcidi gungcn um Entschuldigung bat m.d die Mittheilung machte, daß die Belel diger streng bestraft werden würden. Tie Sache hatte aber noch ein Nach spiel. Infolge eines fulminanten Leitartikels, in welchem das Blatt "Verona del Popolo" die ganze Affäre schilderte, ließ der auS dem Tienste ent lasiene Lieutenant de Bits PiS.icelli den Dr. Eiacomo, den Chefredakteur des Blattes, auf Pistolen fordern. Dr. Giacomo lehnte jedoch die Forderurg ab mit der Begründung, dan feine Mannesehre es ihm verbiete, sich mit einem Menschen zu schlagen, der eine wehrlofe Dame in so ordinärer Welse beleidigt habe. Tie Secundanten deZ Herrn de Vito PiScicelli veröffentlich ten daraus in dem Blatte Arena" ein Eingesandt", in welchem sie den Redacteür Giacomo als einen Feigling bezeichneten, der Ohrfeigen verdiene. Tr. Gia.omo hat nun gegen die Her ren die Beleidigungsklage angestrengt.

Schwere Wahl. Hab' ein ganze? Menschenleben , -Immer nur bedacht das (5ine: ' Wem ich föll den Vorzug geben. Ob der Liebe, ob dem Weine? Wem macht weise, Liebe Thoren!" Wenn ich dieses Wort bedenke. ' Geht die iebe mir verloren. Und ich eile in die Schenke. Aber naht die süße Stunde. Last' die Weisheit ich den Weisen, Und ich last' au3 ihrem Munde (Lerne mich als Thoren preisen. j Darum will ich mir das Eine: Wem ich loll den Vorzug schcnken. Ob der Liebe, ob dem Weine Noch ein Leben lang bedenken. Zum Salat deö LebenS' liefert uns die Sorge den Essig und dn Humor das Oel. Z u den Blitzen des Genies machen die Talente den Do7.n:r.