Indiana Tribüne, Volume 16, Number 353, Indianapolis, Marion County, 10 September 1893 — Page 7
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Wie der Afrikaner Sandel treibt.
Von Paul Reich r d. Wir baben einen über sechsstündigen Marsch in glühendem Sonnenbrände durch öden, schattenlosen Wald nno Über fcauntloje Savannen, die gar kein Ende nehmen wollten, hinter uns. Bei dem ei des Häuptlings Seroma in Slawe da, einige Tagereisen östlich von Tanganika, errichten w.r das La. ger. Unsere schwarzen Trager sind sehr rnüde und hungrig, ebenso wir. Vor drei Tagen wurden die letzten Nah. rungsmittcl vertheilt, und das Fleisch der von uns beiden Europäern erlegten Büffel und Antilopen ist längst W zehrt. Bald sind unsere Zelte aufgeschlagen und das Lager errichtet. Wir Müssen nun Sorge tragen, Lebensmit tel für uns und unsere Leute zu beschassen. Das ist keine leichte Sache, trotzdem in Seroma's Dorf Ueberfluß an Lebensmitteln aller Art herrscht. Der Einkauf ist äußerst schwierig und wird unsere Geduld auf die härteste Probe stellen; wir haben es mit Negern Zu thun. Zunächst müssen wir einen 'unserer Karawanenältesten mit einem Geschenk ,zum Häuptling senden, um .'dessen ErJaufcmfc zu erwirken, baß seine Unterthanen unser Lager besuchen dürfen .und dortLeb:nsmittel verkaufen. Ohne Vizit Erlaubniß verkauft nicht ein einziger derselben auch nur einen Hirsetorn. Der Zwcck wird .erst nach einer Stunde langweiliger Verhandlungen erreicht. Da aber der Häuptling zugleich das 3echt beansprucht, die Größe dcs Hohlmaßes für die Fcldsrüchte zu bestimmen, so macht er infofern .davon Gebrauch, als er ein so winziges Hohlmaß als Normalmaß vorzeigen läßt, daß, damit gemessen, der Preis für Körnerfrüchte ein zehnfach höherer als in Europa wäre. Wobl oder übel müssen wir uns dazu bequemen, dem Häuptling noch etnias Pulver und einen bunten Stoss zuzugeben. Jct erst wird der Verkauf freigegeben. In Haufen strömen die Wawende, so heißt der dort ansässige Stamm, in's Lager. Es sind wie gewöhnlich fast nur Weiler, die Lebensmittel bringen. Die Männer treibt die Neugierde berbei. Uuz einige von iihnen bieten Nhinozeroshöraer zum Bcrkaus oder ziehen eine Ziege, ein Fettschwanzschaf hinter sich her, in der Hoffnung, ungeheure Preise dafür zu erzielen. Hie und da erscheint auch einer mitinem Bündel Hühner, die mit dem Kops nach unten an den zusammengebundenen Füßen über einen Stock gehängt sind. Ein anderer taucht, vergnügt grinsend, mit einem riesigen Meerkatzenmännchen auf, das er heute in der Frühe, als noch Nebel auf der Landf es r f t lag, mit einer Schlagfalle in einem Maisfelde gefangen hat. Lang ausaestreckt ist der vor Wuth schäumende Affe auf tinen kräftigen Stock gebunden und gleich einem Menschen gefesselt. Mit funkelnden Augen fchaut er uns zähnefletschend an. Man sollte glauben, daß jetzt der Einkauf von Lebensmitteln ruhig von Statten gehen könnte. Weit gefehlt. Nun sind wir unsererseits gezwungen. ein Ankaufvttbot zu. erlassen und mij Hilfe unsrerVewafsneten auf's strengste verhindern, daß die hungernden Leute Durchführung -zu dringen. Wir müssen nicht selbst den Preis verderben. Es ist um so nothwendiger, als wir LebensMittel für einen fünf- bis scchstägiqen ' Marsch durch menschenleere Waldwlldniß einzukaufen haben. Wir haben üz beinahe dreihundert Leute zu sor.gen. Unser Augenmerk muß sich daher aus Schaffung eines PräcedenzfalleS richten. Ich selbst gebe mich mit dieser schwierigen Sache ab. Kein geringes Opfern denn ich werde mich, wie immer bei solchen Gelegenheiten, schrecklich irrgern. Meinem Karawanenältesten, dem Miampara, kann ich kein Verbrauen schenken. 'Meinem Zelt gegenüber erscheinen 'jetzt sechs bis sieben Weiber. HäßlichGestalten, wie Macbeths Heren sehen sie aus. Ungepflegtes Haar hängt ihnen in Pudellocken um den Kops, die Gesiöiier. vorzeitig gealtert, erinnern lebhaft an das rach daliegende Afsenmännchen. Der entblößte Oberkörper läßt 'taschenartige, eingetrocknete Brüste sehen. Um die Lenden tragen sie einen Ileinen. schmutzig grauschwarzen Fetzen steifen, starren Zeuges, der In--begriff eines ungraziösen Kleidungsstückes. Hcroestellt ist derselbe aus Baumbast. Durch langes Klopfen hat es drc Zartheit unserer gröbsten Packjute rrTjalten. Sonst find die Damen aanz ilnl,-e kleidet. Wie Hammel drängen sie sich, ihrer Gewohnheit gemäß, zusammen; stoß'weise vorrückend, kommen sie bis aus '.dreißig Schritte fann, Nucken dann mieder. einige in der Kniebeuge, andere Knieen. VXZt ttitz wmden das Gesicht ab. denn so verlang! cs die afrikanische Etiauette sür die F.'au in Gegenwart der Männer. Borsichtig habm die Weiber ihre Waaren, als seien sie aus dem feinsten, zerbrechlichsten Glas hergestellt, avf den Äoden gesetzt. Es kann nicht geleugnti werden, daß es mit einer gewissen Grazie geschehen ist. In großen nden Schachteln. Lindo nenne:: sie fei, selben, ans steifem. lederkrtigcmAaumbast zusammengenäht, meist mit gut passendem Deckel, bringen sie Mais in Kolben ode? enthüllt. Kasfernhirse in Körrern, Mehl aus beiden Getreidearten, gewonnen durch Reiben und Stampfen in großen Holzmörsern, wohlschmeckende Kürbisse, süße Kariös feln, Hülsensrüchte, Honig und Pombe lBl'5k der Eingeborenen) jn grcchen
schwarze hontöpsen vvn kagelartiger iforrn. Ich sitze wie der Großmogul in meinem Lehnsessel und Zasse eines der Weiber heranrufen. In gebückte? Haltung, als kröche sie unter etwas hindurch, kommt sie zögcrnd heran, sie hat ihren Säugling auf den Nllckcn gebunden, setzt den Lindo in fünf Schritten Entfernung vor mir auf den Boden und kauert nieder. Es wäre höchst respcktwidrig. wenn sie stehen bleiben wollte. Die Unterhandlungen muß der des Kinjamuesi. der Landessprache, kundige Kombo führen. ctinna hä?" (eine Frage, die alles bedeuten kann, also hier, was kostet deine Waare). Das Weib hat das Gesicht möglichst weit nach seitwärts gerichtet, als ginge .sie die ganze Sache nichts an. Ein lanagedehntes. verlegenes J saV ist die Antwort, ein Ausruf, der ganz gut mit dem Berliner Ih" übersetzt wer. den kann. Dann schallendes Gelächter, das einen lebhaften Wiederhall in den Gruppen des Hintergrundes sin bet. Antworte!" herrschte Kombo die kauernde Gestalt an. Höflichkeit im öfsetlichen Verkehr mit diesen schwarzen Damen käme einem Verstoß gegen die Manneswürde gleich, in einem Lande, wo ..die Weiber kcincMenschen" sind. NaÄ dein Ortspreise sind die in ??raae kommenden fünfzehn Pfund Mehl sechs Unterarmlängen weißen Baumwollenstoffes werth. Die nzau verlangt deren achtzehn. Dieses Weib ist wahnsinnig!" er. klärt Kombo ernsthaft, dann fährt er sie an: Macke, daß Du fortkommst!" Gelanen nimmt sie ihr Mehl und entfernt sich in gebückter Stellung, wie sie gekommen ist. Eine zweite mit Maiskörnern wird citirt. Sie nähert sich wie die erst und fordert ebenfalls einen dreifachen Preis. Kombo läßt die Maiskörner durch die Zinaer leiten: Schlechte Waare, iü aebe Dir eine Unterarmlänge Lekka" (ich will nicht), und trotzdem sie. wie auch die erste, darauf brennt, ein neues Baumwollhüftentuch zu besinn, nimmt auch sie ihre Schachtel und aesellt sich wieder zu den Genossinnen. Eine dritte kommt von selbst mit ih rem Mais. Sie hebt, nachdem sie sich wieder niederaelassen. drei Finger der rechten öand schüttelnd in die Höhe, Daumen und Zeigefinger hat sie eingeschlagen. Das soll heißen: vierund zwanzig Unterarmlängen. Der Neulina möchte bersten vor Zorn und die aanze Geschichte über den Haufen werfen. Ich bin längst an solche Art der Unterhandlung gewöhnt und finde noch keinen Anlaß zum Aer-. aer. Kombo macht ein Gegengebot: Zwei Unterarmlängen. Sie verlangt drei, und ohne eine Antwort abzuwarten, sich eines Bessern besinnend, fünf. Kombo besteht auf zwei. Bis dahin ist der Swff sorgfältig verboraen aebalten worden, um die Habgier nicht von vornherein zu sehr zu reizen. Jetzt aber holt Kambo ein ganzes Stück (35 bis 40 engl. Yard) aus dem Zelt. Das Weib starrt mit hochgezogenen Brauen und weit aufgerissenem Mund auf den weißen Stoff, als hätte sich der Himmel vor ihr aufgethan.' So viel hat sie noch nie auf einmal gesehen. Lange hält aber das Gefühl des grenzenlosen Staunens nicht an. Sofort aewinnt der angeborene Materialismus die Oberhand und sie verlanat wieder ihre vierundzwanzig Unterarmlänaen. Du alaubst wohl." fährt Kombo sie wüthend an, wir hätten unser Eigenthum gestohlen? Diese Wilden," fügt er verächtlich hinzu, .er selbst stammt aus Usambara. sind die reinen Hyänen, die Alles fressen wollen, was ihnen in den Weg kommt. Wenn Ihr keine Vernunft annehmen wollt, nehmen wir Euch die Lebensmittel umsonst, Flinten dazu haben wir genug." Da ich aber ganz gemüthlich in meinem Stuhle sitzen bleibe und ruhig hinzufüae: .Die .Wilden sind keine ' Menschen!" so bequemt sich das Weib '.endlich, den annehmbaren Preis ivon vier Unterarmlängen zu fordern. Wenn Du mit drei nicht zuftiedei, bist, so macbe. daß Du wegkommst." ' 'Da sie sieht, daß ein höherer Preis nicht zu erzielen ist, und bemerkt, daß schon , einige andere Weiber näher her anrücken, schlägt sie endlich zu. Wenn man aber glaubt, dasj der Hendel, schon fertig sei, so irrt man. Jetzt besieht sie erst das hingehaltene Zeug, befühlt es und wendet es hin und ner. Es ist schlecht." sagt sie lakonrsch. totzdjKn sie noch nie anderes gesehen hat. Kombo zieht das ganze Stück ci, fösi. Ein schwerer innerer Kampf spiegelt sich deutlich in den vor Begierde fun kelnden Auaen der Negerin, endlich stößt sie hervor: Katä!" (Schneide ab. Aber auch fetzt ist die Sache nicht erlediat. denn sie will mit ihrem langen Unterarm durchaus selbst messen. Ich gestehe es unter keinen Umständen a. benutze ich doch den kleinen Kombo gerade wegen seiner kurzen Unterarme als Normalmaßstab. Die ganze gräuliche Unterhandlung zerschlägt sich nun. das Weib ziehl
richtig mit ihrem MaiS ab, und Alles ! war umsonst. Aber es ist doch wenigstens ein Anfang gemacht. Nach weiterer halb stündiger Verhandlung mit einer andtren wird für. das gleiche Raummaß
Ä?ehl der vorhin bewilligte Preis sür Mais in Körnern gezahlt. niir vier Unterarmlängen erhalten wir fünf Hühner, und nun erst, nach beinahe dreistünd?g7m Handeln und Feilschen, und nachdem die Sonne schon dem Untergang nahe ist. können wir den Verkauf freigeben. Jn zwei Tagen ist dann die ganze Karawane verproviantirt, und als es mir noch gc lang, zwei Büffel in der wildreichen Gegend zu erlegen, herrschte nach den drei letzten Hungertagen lauter Jubel im Lager, und bei den Lagerfeuern stiegen am Abend die schönen Chor, gesänge der WanZamuesi zu dem stern flimmernden Nachthimmel empor, zum Lobe des Weinen, dessen Güte Alles bisher Dagewesene übersteigt, denn ..er füllt unsere Mägen". Die Goldwäscherei in Tibirien.
Einem Briefe der St. Petersburger Zeituna aus Sibirien entnehmen wir folgende Schilderung: Nach eingenommenem Frühstück brachen wir auf, um noch zwanzig Werst den Flujj hmaufzugchcn, und gelangten, nachdem wir eine ganze Neihe alter Gruben und verlassener Wäschereien passirt hatten, zu einer größeren Gold Wäscherei, die im Thale eines Nebenflllkchcns des Großen Bogolannach arbeitete und über 200 Arbeiter beschäftigte. Diese Leute waren per Solotnit bezahlte. Es war kein hübsches Bild, diese in Artels von 5 10 Mann arbeitenden Goldwäsche? bei ihrer Beschäftigung zu fehen. Lauter in bunten Hemdlumpen steckende, abschreckende Gestalten, die wilden Gesichter von zottigen Bärten umrahmt, den Kopf zum Schutz gegen Staub und Schmutz mit einem Wcibertuch . umwunden, die Augen mit glühender Gier auf die Erdschollen gerichtet, welche Spaten und Hacke bearbeiteten. Es war. als ob ein großer Haufen Irrsinniger hier ihren Wuthanfall austobte. Gerade so wurde gekarrt' und gewaschen, gestochen und gestoßenund auf die arme Erde losgehauen . . ; . Wäre ich ei.aio&ci Maler des realistischen Lebens, wie unser Repin ich - malte das Bild solch' einer Goldwäscherei, wi: es micb beim ersten Anblick mit Schauder und Entsetzen erfüllte und meiner Erinnerung noch in brennenden Furien vorschwebt. Es würde ein Bild menschlicher Thorheit, menschlicher Gier und menschlichen Elends, wie kein Zweites. Die meisten unter, diesen SolotnikArbeitern gehören zu Verbrechern, die ihre Strafzeit abgebüßt haben oder ihr entronnen sind.' Auch hier trifft man, wie auf den großen Goldwäschereien der Lena, alle nur möglichen Nationalitäten: Zigeuner', Juden. Tschcrkessen. Tataren, Groß- und Kleinrussen, Polen. Deutsche etc. Der eigentliche Bauer ist hier selten vertreten, und wo er es ist, da ist er ein verlorener Mann, wie all' die Anderen. Die schwere, nasse Arbeit, schlechte Wohnung und noch schlechtere Kost, die ewige Aufregung, der in Strömen fließende, sinnen- und gewissenbetäubende Branntwein das Alles richtet ihn in kürzester Zeit zu Grunde. Es ist eine häufig beobachtete Thatsache, daß' ein Mensch, der das Goldwäscherleben durch einige Jahre gekostet Hai, zu jeder anderen Arbeit unfähig wird und über kurz oder lang wieder in die Goldwäschereien zurückkehrt, um sie lebend nicht mehr zu verlassen. Geschieht dieses dennoch, so zieht er heim als geistiger und leiblicher Krüppel und bereichert das heimathliche Dorf um einen Bettler. Noch schrecklicher ist der Lebenslauf der Solotnitschniki" aus den Verbannten. ' Für. diesen hat das Geld keinen Werth, so lange er es nicht in Schnaps umsetzt. Der Unglückliche hat keine Heimath, kein: Zukunft mebr. der Branntwein aber öffnet ihm wenigstens für einig: Stunden den Himmel, und ist der selig: Nausch vorbei, so trinkt er sich einen neuen an, und' so weiter und immer weiter, bis er, von Stuse zu Stufe sinkend, in dem Pfuhle angelangt ist, wo kein Sinken mehr möglich ist. Selbst Diejenigen unter dieser Kategorie von Goldwäschern, welche noch so viel moralische Kraft in sich haben, einige Hundertrubelscheine bei Seite zu legen, um damit nach beendigter Goldwäschesaison .in irgend einem noch unverdorbenen Winkel des Lenathales ein neues Leben anzufangen, entrinnen mur höchst selten dem Untergange. Der Weg zum Ziele ist lang und die Versuchung zum Rückfall in das alte Laster gar zu groß. Während endlos? Strecken Sibiriens todte Einöden sind, dem müden Reisenden nirgends ein freundliches Wohnhaus 'winkt, darin er auf Gastfreundschaft hoffen könnte bietet der zu den GoldWäschereien führende Weg das Bild "bunten Lebens, aber es ist ein abstoßendeS Bild. Schänke reiht sich an Schänke, die rothe Laterne ladet den Nahenden schon von Weitem verführelisch zur Einkehr ein, die Schankmamsell kredenzt ihm das berauschende Gift, feile Dirnen, diefe LockVögel aller Schnapsspelunken, um drängen den mit vollen Taschen eintretenden Gast, entschädigen ihn mit ihren Liebkosungen für die Entbehrungen langer Monate. Der Gold, gimpel mag sich wehren, wie er will, er ist im Netz und bleibt darin gefangen. bis ihrn das letzte Goldfederchen ausgerupft ist und er, ein Bettler, hinausgestoßen wird auf die Straße, oder es kommt oft vor die Lena eines Tages seinen Leichnam in verschwiegener Stunde der Nacht aufnimmt. Diese trüben . Wellen der Lena, wie viele scheußliche Verbrechen tragen sie spurlos mit sich fort in den Ocean. Dabei fällt mir eine Anzeize
ein. b'.e ich vor Kurzem'rn einem Po-lizei-Anzeiger" las. in dessen Spalten solche Verunglückte" nach ihrem Tode noch eine Weile wieder auftauchen, um dann für immer zu verschwinden Diese Anzeige lautet: Der Polizeichef des Diftricts bringt hiermit zur Kenntniß aller. Verwandten und Bekannten des Verunglückten, daß an dem (folat das Datum) an dem User des Flusses .... die Leiche unes Un bekannten gefunden worden, von unbestimmbarem Alter und Geschlecht. Besondere Merkmale finden sich nicht, da der Körver von wilden Thieren bis auf die Knochen abgenagt ist. Einzi yeS Merkmal sind ein Paar schwarz:? Stiefel an den Füßen." Es dürste wohl etwas schwer halten, ein Skel.'tj an den Stiefeln allein zu erkennen, besonders 'wenn diese zu den gewöhiliehen Arbeiterstiefeln geboren, wie sie zu Tausenden über denselben Leisten geschlagen werden." Gute Bekleidung.
Ueber Werth und Beurtheilung ein-v rationellen Bekleidung veröffentlicht Professor Rubner. der Director des Berliner Hygienischen Instituts, einen interessanten Aufsatz in dem Petten-kofer-Hcst der Deutschen Vierteljahressckirift sär öffentliche Gesundheit?pflege. Prof. Nubner kommt bei dem Ueberblick der Aufgaben, welche durch die Bekleidung zu lösen sind, d'.hin. daß er der porösen Kleidung unbedingt den Vorzug gibt. Es muß so sagt er das Bestreben der Jnd:: strie bleiben, auf dem Wege der Lockerung der Gewebe fortzuschreiten u,:d namentlich auf entsprechende Feinhciten des Einzelfadens ein Hauptauge':merk zu richten. Schwierigkeiten werden sich mannigfaltige entgegenstellen ; denn lockere Gewebe besitzen leider ene weit geringere Widerstandskraft gegen daS Zerreißen. ??ür die Sommerklcidüng sind die porösen Stoffe, wie n-an sie herstellt, immer noch etwas zu dick, also zu warm, so daß die zu wünschende Abstufung der Wärme nicht immer zu erreichen sein dürfte. Zu? Zeit ist derjenige Grundstoff, welche sich am leichtesten in einer hygienisch befriedigenden Weise verarbeiten läßt, die Wolle. Leider wird sie im Gbrauche nicht unerheblich verändert un. consumirt. Mancherlei Erfahrungen berechtigen zu der Annahme, daß di: Technik die bei den anderen Stoffen, wie Baumwolle und Leinen, noch ent gegenstehenden Schwierigkeiten der Lockerung überwinden wird, wenn nur einmal ausgesprochen wird, daß wir von hygienischer Seite noch Aenderungen wünschen, um auch diese Stoffe aU ganz allgemein verwendbar zu erklären. Als den wesentlichen Gewinn dieses Zweiges der hygienischen Wissenschaft bezeichnet Prof. Rubner, daß es allmälig gelungen ist, Methoden festzustellen, welche eine praktisö" hygienische Beurtheilung der menschliehen Kleidung in jedem SpecZalfalle aewinnen lassen. . . Eine TeufetsauStrcivung. , Ueber eine Teufclsaustreibunz wird auS Pas folgende unglaublich klingende Geschichte berichtet. Ort d Handlung ist der kleine Ort Gif, wel chcr etwa 20 Kilometer von Paris entfernt ist. Bor einigen Monaten wurde ein Doktor Tumontpallier in Paris benachrichtigt, das; sich an genanntem Orte ein hochgradig hysterisches Mad chcn besinde. Er reiste dorthin ab und stcll:e nach kurzer Untersuchung fest, daß die Kraiüe. ein 19jähriges Mao chen. zwar zu den sogenannten gro ßen"'Hnstcrischen gehöre, ihr Zustand aber nichiSdestomeniger heilbar sei. Er bot seine Dienste unentgeltlich an und ersuchte die Familie der Leidenden um Ueberführung der Patientin nach einem Pariser Hospital. Groß aber war das Erstaunen des Arztes, als sein genero ses Anerbieten rundweg abgeschlagen würd.', und als man anstatt seines Rathes den des Dorfpfarrcrs in Anfpruch nahm. Der Geistliche erschien kurz daraus bei der Kranken in Beglei tung dcS Vorstehers eines Versailler Seminars. Beide legten ihre Amts klcidung an und begannen, eiN'Kru zifix in der Hand, alsbald allerlei Ge bete und Litaneien herzusagen, welcte Uebuug sie mit dem Namen Teufels austreibung" bezeichneten. Die Kranke j war in ihren Augen, sowie in denen . ihrer Angehörigen keine Hysterische, sondern eine von dwerlen Teufeln besessene Person. Die Bemühungen der Geistlichen hatten zunächst den Erfolg, die Patientin noch nervöser zu machen und sie in eine heftige Nervenkrise zu stürzen, in welcher sie die Teufelbeschwörer in der gröbsten Weise beschimpfte. 'Dies ließ jedoch den Eifer der Biedermän iNer nicht erlahmen, und am Schluß der Procedur stellte der Pfarrer dem jArzte gegenüber fest, daß die großen Teufel (hier folgen Namen) den Körper der Unglücklichen bereits verlassen hätten, nur circa 28 kleinere seien noch zurückgeblieben ! 'Der betreffende Arzt war angesichts dieser mittelalterlichen Scene dermaßen unangenehm berührt, daß er es unterließ, öffentliche Mitthei lung von dem Geschehenen zu machen. Erst durch Wiederholung der Teufelsdeschwörungen wurden das Publikum, die Presse und die Behörden auf den Z?all aufmerksam. Der Bischof von Versailles, der anfangs auf Ansuchen des Ortspfarrers den Vorsteher des Seminars nach Gif gesandt hatte, um dort bei der Beschwörung, behilflich zu sein, hat später, durch einige Domini kaner eines Besseren belehrt, die Fortsetzung dieses mittelalterlichen Humbugs untersagt. Der Fall erregt berechtigter Weise großes Aussehen in der Presse, besonders in der radikalen. . w Wink.. Geck: Nann'lH'Jync? nichts sagen, daz Sie erfreuen könnten Dame: Ja. sagen Sie mir gute , Nacht! 1
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um großen ?anyon des Golc taüo 9vrrn s.rtivt.i --m f n (j.iv'liai -.l4llt Vj. Ein tolles Stück Erde. Arizona ; sagte unser Maler. z Er zog sein Skizzenbuch heraus und ' begann die erste Studie zu aquarelli- , ren. Wir andern standen, was man zu sagen pslegt : paff. Staunend, bewundernd, erschüttert. Dieser Knalleffekt der Natur ist auch mit dem höchsten Raffinement vorbereitet. Zwölf Stunden waren wir zuerst einen riesigen Anstieg, dann auf eine riesige Hochebene hingefahren. Wir hatten schon angefangen mit einer großen Enttäuschung zu rechnen, der wir entgegen fuhren. Un, die großen Worte, welche die amerikanischen Berichte über den Canyon machten, könnten uns darin nur bestärken, denn je stärker hier vor der Bude gelärmt wird, um so ööer sieht es regelmäßig hinter dem Vorhang aus. Dann standen wir mit einem Mal vor dem ungeheuren, unermeßlichen Anblick. Die Felsen sind bis zu einer Tiefe von sechstausend und mehr Fuß zerrissen und bilden, auseinanderweichend, eine Ninne, aus der unten der Wasserstreifen des Coloradoflusscs blinkt. Der Riß verliert sich in das Unabsehbare viele hundert Meilen weit Aber das Panorama erweitert sich bis zu dem Nahmen, den im tiefsten Hintergrund blaue Bergreihen ziehen. Dieser ganze Raum ist ausgefüllt von starrenden Felsmassen in wunderlichen Formen und Abgründen, aus denen sie sich emporthürmen. Die Landschaft trägt den horizontalen Charakter der Wasscrsteinbildungen. rothe Sandsteingeschicöe, gelbe Kalksteingeschiebe, dazwischen die sich hervordrängende Pflanzenwelt. Die Abendsonne wirkte als Beleuchiungscommissär und Maschinenmeister. Mit Hellen Lichtern und Schatten fuhr sie in das Grün und Gelb und Roth, in das Blau des unermeßlich gespannten Himmels hinein. Ein sinnverwirrendes Bild, das die menschliche Fassungskraft schier übersteigt. Und dann diese vollkommene Einsamkeit, kein Bogelschrei, nichts, was die wilde Majestät dieser Scene milder! oder unterbricht. Die meilenweiten Lavaselder, aus denen wir dahingcsahren waren, die allenthalben darin hervorquellenden Basaltmassen hätten uns allerdings daranf vorbereiten können, daß wir auf de? Stätte riesiger geologischer Ereignisse weilten. Hier an dem Canhon des Colorado scheint nun die große Kampfstätte zu sein, wo die zwei Erdkildncr Wasser und Feuer sich bekämpften oder vereinigten, um eine der größten Weltwunder zu bilden.. Ein Knalleffect der Nötur. Auch die Phantasie des Laien wird erregt, den Ereignissen nachzusinnen, die eine solche Scene zu Stande brachten. Die Spitzen der Felsmassen, die zinnenartig in die Luft ragen, sind noch wie mit der Wasserwaage schichtet. Die untersten nach der Thalrinne vorspringenden Lagen aber sind schief nach unten gerichtet, als wären sie, dem Schwergewicht folgend, bei einem Rutsch der Massen in diese Neigung gekommen. So schließe ich auf einen Zusammenbruch, veranlaßt durch das Weichen der Fundamente, auf denen die durch die Meeresfluthenniedergelegten Gesteine lasteten. Auch zeigt sich unten im Thalboden Granit und Basalt. Manche Motive erinnern an den Harz oder an die Sächsische Schweiz. Ich meine den Vergleich so : Hinter Schandau ist ein liebliches Thal ; darin beaufsichtigt ein höflicher Sachse einen kleinen Wassersall, der losgelassen wird, wenn zahlbare Fremde in die Nälie kommen. Was der Niagarafall im Vergleich mit jenem Wasservergnügen, das ist der Coloradocanyon im Vergleich mit jenen Gegenden. Der Stil geht über alles lnaus, was Menschenphantasie leisten kann. Selbst der kühnste Segler auf dem Meer der Phantasie, Gustav Dore. könnte hier nur ein muthloses Anker" werfen. Es ist noch nicht lange her, daß man von dem großen Canyon we! und snrickt. Ein unerschrockener ??orscker. Oberst Powell, der im Auftrag de? Staatsregierung den Coloradofluß von Norden her behufs Anlegung von Forts gegen die Indianer ezplorirte. hat ihn um jene Zeit festgestellt. Aber diese Erpedition durch riesige, ganz unkultivirte, nur von Indianern gestreifte Landstrecken war nur wie eine Fahrt durch Jnnerafrika durchzuführen. Jn der Zwischenzeit hat die Atchison-To-pekabahn ihre Pacificlinie gebaut, unv jetzt ist Flagstone ein bequemer und gelegencrer Ausgangspunkt zum Besuch des großen Canyon. Flagstone ist übrigens ein Punkt, dn mich von allem, was ich in Amerika gesehen, mit am meisten fesselte und interessirte. Die Städte des Osten geben ein in manchen Beziehungen erhöhtes, in vielen ein übertriebenes unc verzerrtes Bild europäischer Kultur. In Flagstone habe ich eine Bevölkeruno zu begreifen angefangen, die sich diesen gewaltigen Kontinent unterwirft und ihn bevölkert. Es ist der Sitz von Männern, die mit Wagemuth uni rücksichtsloser Energie die Erbauung der vor ihnen liegenden unübersehbaren großen Gebiete betreiben ; Viehzucht und Holzschlagen ist ihre Hauptbeschäftigung. Charakteristisch erschien mir ein Gentleman, der aus seinem Holzhause kam, in einem Anzug, der in Berlin nicht auffallen würde. Bemer kenswerth war nur, daß er, als er zu Pferde stieg, auf der einen Seite ein großes Zeitungspacket, auf der anden einen Karabiner an den SaUel belestigte. Ich konnte ihn beobachtn.
wie er im Thale eine Schaf- und ?!:nderheerde zusammentrieb,, sie in e!::cn umzäunten Platz brachte, dann die Zeitungen hervorholte und sich zuc .lachtwache vorbereitete. Von Flagstone nach dem Camp an dem Canyon führt ein Weg. den :nan in zwölf Stunden zurücklegen kann. Das Waldtha! ist in den erste a Stunden noch hier und da mit meist n:u angelegten Farms besetzt. Dan'i wird die Hochebene vollkommen '6z nno menschenleer. Drei Relais zum Pferd:we.,scl. Die vier Pferde wechseln, aber der K.'.tsche". Mister Driver. wie er genanni w'rd, bleibt die zwöl Stunden bei glühendem Sonnenbrand auf seinem S'?z und lenkt das scharf ausgreifende Gcspann über die oft halsbrechenden Weg:. Er ist höflich, aber ernst und gemessen und hält sich nicht minder für cincn Gcntlcman. wie irgend einen feine: Ä2ssagiere. Wächst einem der besten AulsichtsPlätze sind in einem Kiefern- und Cedernhain Zelte zum Uebcrnachten aufgeschlagen ; auch ein Speisezelt. Es ist köstlich, hier zu ruhen. 7000 englische Fuß über dem Meer ; das ö!a::schen der Bäume in dem erquickenden Nachtwind tönt wie eine süße Ermnerunq an die Heimath. Aber die Einfachheit ist trotz der Zelt e nicht weit her, nicht weiter als die Einfachheit in den Zelten der Reiseführer in Syrien und Palästina. Nur daß hier kein Araber, sondern ein Chinese die Küche besorgt. Mit dem Ende der Saison verschwindet dies Zeltlager und der Manager, der cs verwaltet. Es bleibt dann auf viele hundert Meilen wn hier nur der einzige w:iße Mann der Eigenthümer des Bodens, auf dem das Zeltlager steht, Mr. Hance, ein im Westen weitberusener Mann. Wiederum ein charakteristisches Erzcr.gniß hiesiger Zustände. Mr. Hance hat trotz seines Einsiedlerlebens durchaus nichts Menschen? scheues. Er ist in seiner rührigen Weise freundlich und zuvorkommend, aus seinen hellen Aankeeaugen spricht Kühnheit und Verschlagenheit. Vor balv neun Iahren. kurz nach dem Zuge des Oberst Powell ist er hierher gekcm men und hat Besitz von dem Boden genommen und seine Blockhütte errichtet, damals als noch Niemand daran denken konnte, daß der Eanyon ein Anziehungspunkt für civilisirte Reisende werden könnte. Er stammt aus Tennessee und hat sein Leben als PferdeHirt, als Goldsucher und als Kundschafter gegen die Indianer, in allen wilden Beschäftigungen des Westens, zugebracht. Ganz mittellos lzi: er hier an. die auf sechstausend Fuß offen liegenden Erdschichten reizten ihn, nach Gold zu suchen. Zunächst hatte er sich mit den Indianern auseinanderzusetzen, die hier zu streifen pflegten. Sie forderten ihn unter Drohungen auf. das Land zu verlassen. Er antwortete ihnen mit der Eröffnung, daß er den ersten Jndianer. den er noch diesseits des Colorado sehen würde, erschießen werde, und wenn ihm etwas Unangenehmes passirte, unter allen Umständen zuerst den Botschafter, der ihm die Aufsorderung gebracht hatte. Vor dieser Erklärung des entschlossencn Mannes zogen sich die Indianer zuräck. Ich kenne die Sorte," sagte er mir. ich schlage sie für nichts an." So war die Grenze gezogen. Es ist eine Thatsache, daß sich seitdem kein Indianer mehr diesseits des Colorado in dem Herrschgebiet des Mr. Hanct sehen ließ. Mr. Hance war ganz mittellos an den Canyon gekommen. Seinen Unterhalt erwarb er sich zunächst durch Zureiten von Pferden. Dann baute er mit eigenen Händen die fast senkrecht abfallenden Felsen nach dem Coloradofluß hinab, viele tausend Fuß. den ersten und zur Zeit noch einzigen gangbaren Pfad. Ein staunenswerthes Werk für einen einzelnen Mann. Ob er keine Hilfe dabei gehabt hat ? Keine außer diesen beiden guten Gesellen." antwortete er. indem er auf seine muskulösen Hände wies. Dabei untersuchte er selbstverständlich die Felsobersläche Fuß für Fuß. Er hat auch glücklich einige Goldadern gefunden, die nach seiner Behauptung ausgiebig sind und die er bearbeitet. So ist er jetzt Minenbesitzer und Grundbesitzer auf einem zukunftsreichen Gebiet, hat Pferde, Esel und Rinder in Menge. Aber er ist hartnäckiger Junggeselle geblieben. , Seine Einsamkeit will er mit Niemandem theilen, selbst nicht mit einer Frau. Nein, eine Frau wollte ich nicht, sie hätte mir während meiner Abwesenheit in den Minen gestohlen werden können." Denn Frauen sind im wilden Westen bekanntlich ein seltener Artikel und waren es jedenfalls noch mehr, als Mr. Hance sich an dem großen Canyon fest fetzte. Die Sommerhütte von Mr. Hance liegt nicht weit von dem Zeltlager. Wir treten ein. Das nöthigste Haus- und Kochgerath, ein paar Bücher und Zeitungen, ein Bett, daneben ein paar Magazingewehre. Die Thüre seiner Hütte schließt Mr. Hance grundsätzlich niemals. auch des Nachts nicht. Es zeugt das von seinem Selbstvertrauen vielleicht auch davon, daß er sich so vor jedem Ueberfall sicherer fühlt. Die Winterhütte von Mr. Hance liegt etwa dreitausend Fuß tiefer. Der Fußpfad, den er gearbeitet hat, ist keine Chaussee. Es ist kein Vergnügen, ihn hinunterzusteigen, obgleich man aus dem bröckelnden Kalksels manchmal rascher vorwärts kommt, als man beabsichtigi hat ; der "Aufstieg ist keineswegs erfreulicher. Nichtsdestoweniger haben ihn ausweislicb des 5?remdew
' buües bereits eine Anzahl von Ladies gemacht. Von der Winterhütte sind es noch immer dreitausend Fuß Abstieg bis ' zum C?loradofluß, der in seinem Felsenbctt m't rasender Geschwindigkeit und zahlreichen Stromschnellcn dem calisornischen Meerbusen zuschießt. Von oben sieh! der Fluß wie ein dün-
ner Faden aus. Unten bemerkt man, daß hat. er etwa dreihundert Fuß Breite Die Wintcrhütte von Mr. Hance ist aus Steinen zusammengebaut wie eine Schutzhütte in den Alpen. Aus einer großen Kiste holte unser Gastfreund die Utensilicn zu einem Mahle aus Conservcn und Kaffee heraus. Ein Campfeuer wird entzündet, und das Gespräch geht weiter. Es dreht sich vor Allem um die Kriegserlebnisse von Mr. Hance, der den Sklavenkriez als Tenesseemann untcr den Fahnen der Conföderirten gefochten hat und der zwei Jahre als Gefangener gelebt hat. Dann rücke ich .mit der indiscreten Frage heraus : Mr. Hance." sagte ich. .ist es Ihnen jemals begegnet, einen Indianer zu erschießen ?" ..Well," sagte er, ich bin ein leidlicher Schütze, aber ich sehe nicht hin, wo ich getroffen habe." Bei einem Campfire wird viel geflunkert. Mr. Hance weiß immer noch etwas Neues aus seinen Erlebnissen. Ich eröffne ihm den üblichen Jagddisconto. ! Aber sein Leben spricht für ihn. ! Es liegt der Plan vor, eine Bahn von Flagstone nach dem großen Canyon zu bauen ; man wird oben ein Hotel errichten und Alles zur Bequemlichkeit der Ladies und Gentlemen einrichten. Aber Mr. Hance wird man dann schwerlich oben mehr finden. ; Er beabsichtigt noch nach der Weltausstellung in Chicago zu gehen. Dann will er sich weiter umsehen. ! Wieder oben auf der Höhe, betrachte ich mit neuem Staunen das unvcrgleichliche Schauspiel, dem jeder Sonnenwechsel neue überraschende Farbenstimmuncen gibt. j Und ich komme auf mein erstes Wort zurück : ein Knalleffect der Natur. AuS dein Leben eines Bankiers. Bon dem unlängst in Berlin vcrstorbencn, in Finanzkreisen wohlbekannten Petersburger Bankier S. erzählte man sich Anfangs der achtziger Jahre in der Newastadt das folgende heitere Erlebniß: S. war dafür bekannt, daß er für alle Wohlthätigkeitsunternehmungen bereitwillig und reichlich w's Porten monnaie griff. Eines Tages trat ein Student in sein Arbeitszimmer, der ihm ein paar Karten zu einem Wohl thätigteitscyn.ertanbot. Der Bankier war mit Arbeiten überhäuft und befand sich bei schlechter Laune: genug, er fer tigte den Musensohn sehr schroff ab. Der Student verbat sich das. Ein Wort gab schnell das andere, und der Bankier wies dem Studenten schließlich die Thür. Dieser erkundigte sich unten beim Hausmann nach der Zeit der Ausfahtten des Herrn S.. und als er sie erfahren hatte, sagte er dem Portier: So, nun melden Sie Herrn S., daß ich ihn bei der ersten Gelegenheit aus der Straße durchprügeln werde.Kurz darauf wollte Herr S. zur Börse fahren, und der Hausmann machte ihm pflichtschuldigst von der Drohenden Gefahr Mittheilung. Geben Sie mir einen Stock." sagte der 9 Bankier gleichmüthig, und als er die Waffe erhalten hatte, wollte er über den ziemlich breiten Bürgerstcig zu feinem Wagen gehen. Aber kaum hatte er einige Schritte auf die Straße gethan, als er einen Herrn auf sich zukommen sah, der mit einem Stock bedenklich in der Lust hernmiuchtelte. Haha," dachte S.. .das ist der Hal lunke oder sein Helsershel er," und kurz entschlossen ging er zum Angriff über. Sein Gegner zögerte auch nicht einen Augenblick, sondern hieb kräftig aus den Bantier ein, und cs wäre zu einem ausgiebigen Kämpfe gekommen, wcnn nicht ein in der ?!abe stehender Polizist schleunigst dazwischengesprungen wäre. Jeder der yerren bchauptete, vom anderen überfallen worden zu sein, und die Folze war, daß beide den Polizisten zur Wache - begleiten mußten. Tort klärte sich die Sache sehr bald aus. Der vermeintliche Attentäter war nicht der Student oder sein Helsershelfer. sondern der Correspondent eine? großen englischen Blattes, der zufällig des Weges gegangen war nnd mit seinem Stocke ein paar harmlose Luft hiebe geschlagen hatte. 1!n:er allgemeiner Heiterkeit schüttelte man sich ob dcs Mißverständnisses die Hände, und der joviale Bankier lud seinen Wider part zu einem Frühstück ein. Beide Herren fuhren nach dem .Tatarenund zechten dort wacker mit einander. Alsdann fuhr S. nach Hause. Kaum aber hatte er seinen Wagen verlassen, um arglos über den Bürgersteig zu gehen, so fühlte er einen Stock auf seinen Rücken herniedersausen. 5eine eigene Waffe hatte cr in dem Wagen gelassen, der hilfreiche Polizist war euch nicht mehr zur Stelle, und so mußte der Wehrlo'e schleunigst unter sein schützende Dach fliehen, ährend sein Verfolger eoenfo schnell rerdujtete. Diesmal war es wirtlich der Student gewesen, der ihm aufgelauert hatte, und dem Bantier blieb nich:5 wei:e? übrig, als darüber nchzusiniicn. welch: Stockschläge de emv'.ndlicheren waren, die de-vermeintlichen oder die des wir!lichcn CeznerS, Hoffnungslos. .. .Den Brief hat meine Braut mir jogar uneröffnct zurückgeschi.tt!" Tu. da ist es aus. Da ist ifcrc Abneigung ja noch größer als ihr? Neugieide! Ta il keine Hon.nung mehr:-
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