Indiana Tribüne, Volume 16, Number 353, Indianapolis, Marion County, 10 September 1893 — Page 2
Qonttenanbeter.
Unter den verschiedenen Neligion selten und Be!cil'.llNlssen, welchen die Mc:ttJenfin2cr auf diesem Erden nrno noch angehören oder früher ange hörte, hatten die Feuer- und Sonnen anbeter gewiß die beste c5;riiuöuna und leichtfalichslc Erklärung Zur ih ren Kultus. Tcnn sie wandten ihre inbrünstige T-erehrung jenem gütigen Elemente' zu, welches die Pfade des Leben) durch Licht und Warm: erleuch tetc und dcltbte, und liebten und lobten den strahlenden Lichtzott alltaglich Zür seine woblthnenden, labenden Gaben. Ob und in welcher Anzahl die; Son ncnanbctcr hcute noch erjstiren mögen, last sich schwer nachweife?, da in den groben Städten die Anzahl ihrer Äotteshäuser eine ziemlich befchrantte ist, und selbst diese im crhöltni zur Ein wohnerz.ihl nicht einmal häufig besucht sind, wahrend die Landtxoölkerung sich ihres wahren Glaubens selten so !lar als Sonnen- und SitujsAnbeter bckennen würde. Selbst auf die Gefahr hin. von mti nen Mitschwcstern als arge (3')!-endle-nerin verurthcilt zu w:?dcn. iinisj ich eingesiehen, daß ich zu den Sonne uan betern gehöre, daß ich die strahlende Himmelsbeherrscherin aufrichtig ver ehre und liebe, wenn sie es auch manchmal etwas ?,u gut mit uns mcint, indem sie die Spaßen, Hänser tfr.d Mcnschenkövfe zu sehr erhitzt. Wandern wir aber hinaus in ihr eigenes Mich, in ihre geweihten Stätten, Haine und (Saiten, dann werden wir erst zu beurtheilen vermögen, welch wohlthätige Menschenfreundin wir in der mächtigen Himmelskönigin beuten. Ehe sie des Morgens ihre Erscheinung macht, ist Alles in graue Nebel gehüllt wenn sie aber strahlend hervortritt, dann taucht sie Himmel und Erde in rosigen Schimmer. Jeder Grashalm, jedes Blättchen. jede Blüthe und Blume, auch die niederen Moose, Flechtet, und Kräuter weinen ihr thauglänzende Thränen entgegen, welche sie allesamt in liebevoll warmer, reicher Berührung wegküßt. Die Vögel jauchzen ihr trillernd zu, alle Thiere in Feld undWald sonnen sich in ihrem Glänze, die, Acsk und Zweige neigen ihre Haupte: mit rauschendem Gruß, und im silbernen Schimmer taucht sich die muntere Welle, wenn heiter lächelnd die holde Göttin den feuchten Spiegel benutzt Und erst die Menschenkinder, wie werden sie bei ihrem Anblick froh und frei, wie dehnt sich hoch aufathmend die bedrückte Brust, wenn nach manch' trübem, traurigkalten Tage, die son-ma-alänzende Göttin wieder gleich einem hehren Naturwunder strahlend aufgeht, freudige Helle und wohliges Glücksgefühl in die Seelen der armen gedrückten Wesen hineinträgt. Mit schwerem Herzen nur vermögen sich diese dann von der lachenden, leuchtenden Naturerscheinung, dem schönen, herrlich belebten Bilde .zu trennen und heimzukehren in das tühle, frostige, sonnenlose Heim! Aber könnten wir denn die Sonnenstrahlen nicht auch in unsere Behausung eindringen lassen? Oder ist dort vielleicht kein Feld für sie, muß hier Alles dunkel und kühl gehalten wer den. weil der Glanz und der Putz nicht eckt ist. weder die Blumen noch die Bögel, weder die Blüthen noch Flechten und Moose einen durchdringenden Sonnenstrahl vertragen ohne zu verblassen, und schließen wir die freundlickien Strahlen deshalb lieber gänzlich aus? Fast fürchte ich es ist dem wirklich so! Auch wir Frauen könnten mit der Sonne unseres Hauses strahlend und erquickend unsere Umgebung er freuen, uns der Anbetung würdig erweisen, wenn die Welt nur uns noch für einen herzhaft warmen aufrichtigen Sonnenstrahl zugänglich und ein Vfänalich wäre, wenn nicht die Rück, sicht auf unsere kunstvoll gespreizten Verhältniße, die Sorge für die Erhaltung des unechten Schmuckes es nicht nöthig machte, die kräftige Sonne auszuschließen, wenn wir uns auch auf die Dauer in den verschlossenen Räumen nicht behaglich fühlen, und bei dem verhängten verdunkelten Leben auch verlernen, natürlich erwärmend zu sein und zu wirken. Möchten wir also in Anbetung der Sonne, Liebe für die Natur und das Natürliche wiedergewinnen und dadurch Zeit und Stimmung erhalten, manchen herzerwärmernden Sonnen strahl auf unsere nächste Umgebung reflektiren zu können. Möchten wir uns nicht gemeinsam mit den unrech--ten Vögeln und Blumen von derSonne Zmmer mehr zurückziehen, sondern dessen werth und würdig bleiben, daß die Sonne uns rechtschaffen beschewe. Könnten auch wir Licht und Wärme verbreiten, aeliebt und gelobt wohlthuende Gaben spenden, ohne Rücksicht aus modernen unnatürlichen, lichtscheue Schmuck, dann würde gewiß auch der Kultus für diese weiblichen Sonnen, und die Sekte derSonnenanbetec selbst immer neue zahlreiche AnHanger g tvinnen. Die Sammlerin Erst schüchtern du: Glocke gezogen Tann tritt sie zur Thüre herein. Im Händchen den Sammelbogen O, Du herziges Mägdelein! Wie klingt der lieblich Verschämten Bescheidene Bitte so treu: .Ein Schärflein den Ueberschwemmten. Eine Gabe, so klein sie auch sei....! .Hab' leider nur eine Thräne Für die Ueberschwemmten,' mein Kind, Das nächste Mal sammle für jene. Die, wie ich, auf dem Trockenen sind! Falscher Verdacht.' Frau: .Aber Marie. Sie haben doch nicht etwa einen Galan?" Köchin: Nein nen Ulan."
us demLcbcn elueS O.ldl,s::.'rt.
Ueberaus fesselnd erzählt der BildHauer Max Klein .Einige Lebenserinncrungcn" in der jüngsten Nummer des Magazin für Literatur". Sein Talent einfaü natürlicher plajiischer Gestaltung verräth er dabei auch in diesen Schilderungen seiner Jugendzeit. Er erzählt zunächst, unter wie vielen Kämvien und Entbehrungen er in seiner ungarischen Heimath nach einer kurzen Lehrlingszeit bei einem Kaufmann und nach einer s:hr langen bei einem Uhrmacher schließlich doch noch in das ersehnte Land der Kunst einlenkte. Von Pest kam Klein nach Berlin, wc er lange vergebens ein Unterkommen suchte. Da rieth man ihm. er möchte es doch einmal bei Herrn W. in dei neilnerstraße versuchen; dieser sei der cigenthümlichstcKauz.den es je gegeben, aber zu gleicher Zeit, wenn auch wenig gekannt, der genialste Bildhauer in Berlin. Dah'in begab ich mich nun so erzählt Klein der Portier zeigte mit einen dunklen Gang, an dessen Endk sich eine Thür mit einer matten Fensterscheibe befand. Ich ging auf diesk los und klopfte leise an; mir schien, als ob sich ctwaö im Innern regte, doch war es wohl eine Täuschung, denn alles blieb ruhig; plötzlich aber ging die Thür auf und ein Mann von im gefähr dreißig Jahren stand vor mir; er war mittelgroß, sein Gesicht hatte einen scheuen Ausdruck, sein Kopf mit borstiaen Haaren und Schnurrbart saß etwas schief auf seinem steifen Warfen, sein Anzug war namentlich auf Vrust und Hals mit einer Kruste überzogen, welche man Hochrelief hätte bezeichnen können, es war Schmutz; sein Hals war mit einem Shawl von undestnirbare? fiaxbt fest umwickelt. Auf eim gurgelnde Zrage nach meinem Legehr. bat ich um Aufnahme als Schüler; wenns weiter nichts ist, sagte er lachend. dann sind Sie aufgenommen. Ich trat ein, er schloß sofort wieder du Thür. Ich sah mich im Raume um; es war ein großes Atelier, doch wat ein Drittel des Raumes von Schutt ausgefüllt, denn seit einem Decenniuni war wohl hier nicht aufgeräumt worden. zertrümrncrte Formen, Figuren. Büsten, alte Stiefel und KleidungSstücke, sowie zerbrochene Kochgeschirre lagen da meterhoch übereinander; et bemerkte, daß dies meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mein Herkulanum," fagte er erklärend. Jetzt gewahrte ick einige Arbeiten, die mir sehr schwungvoll erschienen, doch konnte ich noch nicht ruhig betrachten, denn ein lebender Widder trat plötzlich aus einer Ecke hervor und spazierte gleichgiltig in dem Raum herum; in einem Ring, der von der Decke herabhing, entdeckte ich jetzt auch einen lebenden Adler; der allgemeine Geruch wurde durch das Aroma von Herrn W's Cigarre auch nicht angenehmer. Ich bemerkte ferner aus allen Gesimsen Skelette, Theile von Menschen und Thieren, ein etwa einjähriges Kind war da einfach vertrock uet, die Augen waren eingefallen, bei Mund, etwas schief offen, zeigte ein paar Zähnchen, es lehnte gegen du Wand auf einem Gesims, der Staui bedeckte eZ singerdick. Mein Erstge geborener," fagte er lachend und gat mir eine Cigarre Krähenfüße und Köpfe, vertrocknete Schildkröten, Salamander und Schlangen lagen da staub bedeckt allenthalben unter und neben Büchern umher. Er machte sich nun bereit, einen Grogk zu brauen und aus einer Müllschippe Bratkartoffeln zu rösten. Am Tage in's Wirthshaus ge. hen, meint er, nimmt zu viel Zeit fort. Seiner Einladung an dem Mahle theilzunehmen, vermochte ich nicht zu folgen, jedoch trank ich etwas Grogk. um ihn nicht zu beleidigen. Hier begann ich nun mein Studium in BerIm, und habe in einem Jahre wohl mehr gelernt, als ich in vielen Jahren wo anders hätte lernen können. Solche j Kraft und solch künstlerisches Könnens und Empfinden ist mir kaum wieder j begegnet; er vermochte m einer Nacht ein sigurenreiches Relief fertigzustellen und in einem Tag eine lebensgroße Fi gur, natürlich nur dccorativ, denn er konnte nie lange bei einer Arbeit ver weilen. Er war der Sohn angesehener Eltern in Frankfurt a. O., hatte eine ausgezeichnete Schulbildung genossen, ward ober seiner Schmutzsucht wegen nirgend geduldet. Er ging nur Nachts aus und hatte ein Lokal entdeckt, weit hinaus bei den Frankfurter Linden, wc er nicht gerade aufsiel; ich mußte ihn stets begleiten, hatte er mich doch nur aufgenommen, um etwas Gesellschaft zu haben. Er bestellte in dem Lokal stets zwei Schnäpse und zwei Schmalzstullen, die uns der Wirth aus seiner flachen Hand servirte. ... In diesem Lokal brachte er fast alle Abende zu. Herr W. verdiente viel Geld durch seine Fixigkeit, trotzdem er von Jndu striellen, Gießern, Stukkateuren, sehr ausgebeutet wurde, pflegte aber seinen Verdienst in einer Nacht zu verthun. da er nicht früher nach Hause ging, als bis der letzte Groschen weg war; die folgenden Tage hungerte er dann. Er starb vor vier Jahren, zuletzt hatte er keinen Menschen mehr, der mit ihm umgehen konnte; ein Jahr vor seinem Tode sah ich ihn noch in Gesellschaft eines Schlächtermeisters in einem Weißbierlokal. ich saß da in einer Ecke und wurde nicht von ihm gesehen. Ei saß fest im Sattel seiner Kunst und liebte es, von Kunst zu sprechen, mochte er Künstler oder Laien zu Zuhörer ha ben, konnte es aber nicht vertragen, wenn die Zuhörer etwa triviale Glossen dazu machten. Von den Werken W.'Z ist nichts bekannt, denn nichts ging un ter seinem Namen, aber die Gruppe Germania, Elsaß und Lothringen um armend," welche, als die deutschen Sieger aus Frankreich zurückkehrten, aus dem Schloßplatz aufgestellt wurde. war ein Werk seiner Hand, und zwar '
in drei ZZo'r fertign stellt. Der Stukkateur Tankberg hatte diese Arbeit übernommen, natürlich auf W. rechnend, - und richtig, diese Arbeit konnte pünktlich aufgestellt verden. doch nur dadurch, daß Dankberg vor W.'s Thüre Wache aufgestellt hatte. W. durfte das Haus drei Wochen nichi verlassen, bis die Aufgabe gelöst war. war er ein Gefangener. Die 600 Thaler, welche er als Lohn dafür erhielt, soll er an demselben Abend noch verkneipt haben. Durch W. bekam ich einige Aufträge von Stukkateuren, wovon ich mich kümmerlich ernährte; ich verdiente manchmal in einer Woche zwanzig Mark, hatte dann aber nieder drei Wochen lang gar nichts zu thun, da ich ja nicht Ornamenteur war, sondern nur Fi aürliches machte, was wenig von Stukkateuren gebraucht wird. Da, eines Tages, als die Noth am größten war. erhielt ich durch einen Herrn V. ein Engagemcnt nach Breslau, ich sollte frei6C Thalern monatlichem Gehalt und freiet Reise zweiter Klasse dorthin gehen. . . Ergötzlich erzählt Klein, wie er durc einen übermüthigen Streich nach Rom kam, und dann von feiner Rückkehr nach Berlin. Keinen Groschen in der Tasche, trat ich todtmüde und erschöpst in eine mir bekannte Kasseeklappe. Det Besitzer war zugleich Sargtischler; et bot mir gern ein Nachtquartier, wenn ich nicht zu wählerisch wäre, näinltch auf Holzspähnen in einem Sarg. Ick nahm das Anerbieten dankend an unl schlief darin einen' Tag und zwei Nächte ununterbrochen vor Erschöpfung. Jetzt war ich wieder in me!nem lieben Berlin, das ich nun nicht zu verlassen beschloß. Ich fand auch gleich ein paar kleine Aufträge und miethete mir eine Stube. Vormittags arbeitete ich in Stukkateurwerkstätten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nachmittags lebte ich meinet Kunst. Jetzt entstanden meine erster, selbständigen Arbeiten. Meine erste zur Kunstausstellung gesandte Arbeit wurde natürlich nicht aufgenommen, aber schon die zweite erhielt dort einer Platz. . . ." ...Späte? erhielt ich den Austrac von der preußischen Negierung, für die Ruhmeshalle die Brozebllstcn des Feldmarschalls Manteussel und des Gräser von Werder auszuführen. Es wat mir höchst interessant, diese beiden Schlachtenlenker kennen zu lernen; ick begab mich zuerst nach Straßburg und verlebte dort unvergeßliche Tage. AIs ich mich alsdann nach Grüssow, dem Gut des Grafen Werde? begab, passtrte mir ein drolliges Intermezzo. Auf dem Bahnhof angelangt, erkundigte ich mich bei einem Bahnbcamten, o vielleicht ein Wagen von Excellenz Werder hier wäre; dies hörte ein Herr, der einen grauen Kaisermantcl unr eine Jagdmütze trug und antwortete statt des Beamten, der Wagen sei da. Ich stieg ein, ebenso dieser Herr. Wahrscheinlich der Inspektor, dachte ich: nur siel es mir auf, daß er von einigen Leuten etwas auffallend ehrfurchtsvoll begrüßt wurde. Ich beeilte mich jetzt, mich ihm vorzustellen, er sagte kurz: .Ich bin Werder." Beide Herren sind jetzt schon todt, und doch war Letzterer noch so kraftstrotzend.. Klein schließt mit der Erwähnung seiner neueren Erfolge und fügt hinzu: Wenn ich dies hier sage, so geschieht es nicht in selbstgefälliger Eitelkeit, sondern in ernster Absicht, mich zu rechtfertigen vor all Denen, die in dem Aufgeben meines Handwerks, da ick mich völlig mittellos, ohne jegliche Connezion, fern der Heimath, im fremden Lande der Kunst zu widmen, unternahm, nur eine eitle Selbstüberhebuna sahen. Ich bin vierundvierzig Jahre alt und bin unbekümmert um Das. was noch etwa folgt, habe ich doch die Beruhigung, Alles gethan zu haben, was ich vermochte; unausgesetzt zu streben und zu arbeiten ist mir zur zweiten Natur geworden, und ist das Leben kostlich gewesen, so ist' es Mühe und Arbeit gewesen Die Dichterin:
(Frei ach oct.) Sie ging im Walde So für sich hin. Und 'was zu dichten, Ta5 war ihr Sinn cv Xm Schatten sah sie. Ein Vlüm'chen steh n. Und darauf macht' sie Ei Verslein schön. " . , Das fand:' sie 'ner Zeitung ein 's sollt' ja zum Trugen Gedichtet sttn! Die aber schickt' ihr'5 Zurück in'S Haus .... Mit einem Worte Es ward nichts d'raus! Nun sitzt sie wieder Am stillen Ort Und schmiedet Verse, Und reimt sofort. O. E. Wantalowicz. VerkehrtEmpfehlung. ....Als Se rar Ihren Sohn in du Lehre gaben, empfahlen Se m'r, mit ihm Nachsicht zu haben! Gestern is er mir mit tausend Mark durchgegangen! Hätten Se m'r seiner Zeit doch lieber Vorsicht ihm gegenüber anempsoh. ienV." Sonder bare E n t s ch u l d i g u n g. (Die Tochter der Frau Hofräthin trägt eineonate dor, spielt dieselbe aber miserabel). Gott, das arme Kind!- wendet sich die Mutter an ilre Gäste; .das Klavier ist gestern neu gestimmt worden, uud nun kennt sich fcfc; .. (TDlXi4vt ni( v ..t vus ituit ittvM uiiyt uityc V HiU uns .
GesundyeltS und SchönYeitS pflege.
Das Trinken beim Essen. Während der heißen Tage, welche xix erst zum Theil glücklich überstand öen haben, denn wie viel: uns noch be vorstehen, das wissen nur die Götter. bildet das Trinken ein Hauptmoment 'in unserm Leben und erscheint uns wichtiger als das Essen. Aber wie bei allen Dinaen mutz auch im Trinken Man aebalten werden und namentlick beim Trinken während des Essens. Eine deutsche Aerztin äußert sich über diesen Gegenstand ungefähr wie folgt: Ueber das Trinken beim Essen und besonders bei der Einnahme der Hauptmahlzeit sind die Ansichten der Aerzte sehr verschieden, und auch die Erfahrunaen. welche hierüber gemacht werden, haben sich als ungleich erwiesen, denn dem Einem bekommt das Trinken während des Essens, dem Andern nicht Eine nicht zu leugnende Thatsache ist es aber, daß kühlende Ge tränke bei schweren Speisen die erhiizende Thätigkeit des Magens fördern während bei dünnen, wässerigen Speisen durch Getränke die Verdauung schwieriger gemacht wird, indem die selben die Speisen zu sehr verdünnen und den Magen über die Maßen anfüllen. Hieraus folgt, daß man keincswegs während und unmittelbar nach Essen viel trinken darf, vor Allem soll man es vermeiden, diel kaltes Wasser während des Essens und gleich nach demselben zu trinken; in zu gro ßer Menge genossen, schwächt es mehr als alle anderen Getränke die Magen Verdauung, verdünnt den Magensaft, kühlt die Magenschleimhaut zu sehr, ab. beschränkt dadurch das Absondern des Maaensaftes und stört die chemischen Auflösunasakte der Magenfunktionen, st aber dieser Akt vorüber, nacü zwei bis drei Stunden, dann wird auch das Trinken wohlthätig sein, und der Organismus kündigt dann auch sein normales Wasserbedürfniß durch Durst an. Unbedingt ist es aber zu vermeiden, kühlende Getränke während oder kurz nach dem Genusse fetter Speisen oder fetter Saucen zu sich zu nehmen. Das Fett gerinnt dann im Magen, trennt sich von den übrigen Speisen, und da diese geronnene ölige Masse leichter ist, als der übrige Inhalt des MagenZ, so schwimmt sie oben auf und erzeugt allerlei schmerzhafte Empfindungen, Druck, Brennen in der Herzarube u. s. w. Bekannt ist auch, daß diejenigen Aerzte das Trinken während und kurz nach dem Essen verbieten, welche sich mit den in Mode kommenen Entfettungskuren abgeben." Gegen hohle Zähne. Um den Zersetzungsproceß hohler Zähne aufzuhalten und die daraus entstehenden Zahnschmerzen zu heben, hat man in neuerer Zeit ein wirklich zut bewährtes Mittel gefunden. Man läßt sich eine konzentrirte Lösung von übermangansaurem Kali in der Apo theke anfertigen, die prachtvoll violett erscheint, und bewahrt sie in einem ! Glasstöpselfläschchen auf. Von dieser Lösung gußt man tn etn mtt erwarmtem Wasser halbgefülltes Trinkglas 5 6 Tropfen, so daß das Wasser eben nur röthlich wird, und spült den Mund damit recht gut aus. Es lösen sich dadurch nicht nur alle Speisereste an den hohlen Zähnen, sondern der Zerstörungsproceß der Zähne wird ausfällig aufgehalten, und dieSchmerzen verlieren sich bald und bei längerem Gebrauche dauernd. Man muß diese Mundspülungen täglich mindestens einmal vornehmen. Viertausendjährige Xoir lettenqeheimniss e. hat der'derzeitige Rektor der Münchener Universität, Professor der Chemie Dr. Vaeder entdeckt, indem er in den Mumiengräbern zu Achmin Schminken fand und chemisch untersuchte. Seine Entdeckungen sind höchst interessant. Die schönen Aegypterinnen be nutzten zu ihren Schminken Bleipräparate, welche auf fehr umständlichem Weae aeschickt verarbeitet wurden. Die Bleierze, welche sich in Aegypten nirgends finden, sind jedenfalls aus Indien bezogen worden, was einen weiteren Beweis dafür giebt, daß man schon vor 4000 Jahren viele Mühe und Kosten auf die Täuschung der Mannerwelt verwandte. Auch Bestandtheile und Zubereitung einer grünen Schminke, mit welcher die ägyptischen Prinzessinnen das Weiße ihrer Augen in einem feuchten, grünlichen Schimmer erscheinen ließen, sind entdeckt wor den. Uebrigens findet diese Sitte sich beute noch unter den taurischen Tartarinnen und den Araberinnen vor. Sol che grüne Schminke wurde im Körper der vor 3600Jahren gestorbenen Prin zessin Ast nachgewiesen. Was alles in Rußland ftaatsgeführlich ist. Ein entlassener Malergehilfe in Warschau denunzirte seinen Meister, daß derselbe aufrührerische Photographien" besitzen sollte. Bei der durch Polizeiorgane vorgenom menen Haussuchung wurde eine Photographie gefunden, ' die jenen Meister mit zweien seiner Freunde im polnischen Nationalkostüm darstellte. Vierzehn Tage darauf wurde der Beschuldigte au Rußland ausgewiesen, da er kein russischer Staatsangehöriger ist. Juristische Belehrung. Johnny: Papa, was ist ein Dieb?" ivapa: .Ein Mann, den man ertappt, wenn e? etwas nimmt, was ihm nicht gehört mein Sohn.- Johnny: .Und w:nn man ihn nicht ertappt?" vapa: .Ah ja dann ist er ein ginanzgenie." Gedankensplitter. Die Zifersucht ist eine Pflanze, deren ffnospe der Neid, und deren Blüthe der , baß ist. 1
Wieso ich nicht Hauslehrer ge blieben bin.
ei;U:i:ic in cicilif Sstifiac. Fünfzig Piaster monatlich ist recht Wenig Geld; aber ich war erst vor kaum vierzehn Tagen angelangt, und Niemand im Lande kannte mich: konnte ich da mehr verlangen? Meine beiden Schüler, so versicherte mir Herr Rabut. waren wohlerzogene Kinder: das Töchterchen wäre gerade fünfzehn Jahre alt, also schon erwachsen, und der zehnjährige Knabe gleichfalls guten Willens und lernbegierig. Man nahm von meinem Tag im Ganzen nur fünf Stunden in Anspruch: der Rest meiner Zeit sollte mir gehören, und ich - . ' . f. t i jCf-I I sollte tyn, rote es mtr geiiei, oemouuai oder der Arbeit widmen können. Beachten Sie auch, fügte Herr Rabut hinzu, daß Jb.r Gartenhäuschen so weit vom Hauptwohngebäude entfernt ist. daß Sie vor jeder Störung sicher sind. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß Ihnen Jedermann die Rücksichten erweisen wird, auf die Sie ein Recht haben. Meine arme alte Mutter ist 'etwas schwachsinnig, aber eine ausgezeichnete Frau. Ick) nahm an. Ombreville liegt üuf den Höhen von Moka. Das Maulthier verfiel in den Bergen von selbst in die rechte Gang- j art. und da es diese auch beim Abstieg ' beibehielt, war das Gehen ebenso gut: ich stieg also aus. Ohne sich welter um mich zu kümmern, brachte der Schwarze, der das Gefährt lenkte, vas Thier auf den Weg. der sich unten an einem langen und steilen Ufer hinzog. Als ich an der Biegung des WegeS ankam. war alles verschwunden: ich war allein. Meiner Schätzung nach hatte icb nur noch ein kleines Stündchen zu gehen, und da es noch nicht sieben Uhr f 1 - 1 jC vAliatitt llttn ' war, muie iwuf "g g" Frühstück anlangen. Es !var im April. Ein verhaltener Gewittersturm hatte den ganzen vongen Tag hinter dem Pouce. einem Veroe bei Nort-Louis, gegro!: auf beiden Seiten des Weges schüttelten die tüchtig gewaschenen Bäume beim leisesten Windhauch die großen Tropfen ab, die ihre Blätter zurückgehttcn hatten; rechts und links lief das Wasser in den vollen Gräben singend dnrch das hohe Gras; die Luft war frisch und mit Wohlgerüchen erfüllt; die Sonne hielt sich noch hinter dem Vorhang der Bäume versteckt; die ! l r ,? tt " j Promenaoe ooi etn nerrtia)es ergnugen. Ich dankte aus Herzensgrund dem intelligenten Schwarzen,, der mir zu dieser Freude verholfen, und schritt weiter. Ich hing meinen Gedanken nach. Was stand mir bevor in diesem fremden Lande, in das ich als ein Suchender gekommen war: nicht nach dem Glück, denn der gesunde Sinn hatte sich bei meinen fünfundzwanzig Iahren stark genug entwickelt, um mich vor Illusionen zu bewahren, sondern nacf, der Arbeit, dem täglichen Brot und nach einem Sparvfennig. der mir erlauben würde, als Greis heimzukehren und im Schatten des heimathlichen Kirchthurms zu entschlafen. Nach Verlauf einer halben Stunde kam ich an einen Kreuzweg, von dem : drei Pfade ausgingen. Einer von ihnen, das wußte ich, führte nach Ombreville, aber welcher? Ich rief die dreigestaltige Hekate an, setzte mich auf einen Fels n und wartete. Ein Schwarzer, der vorübereilte, deutete mir mit dem Finger den Weg an, den ich einzuschlagen hatte. Bald bemerkte ttfi den hohen Schlot der Zuckersil.dee:, dann das von einem dichten WMdchen von Wurzelbäumen umschlo","-c Haus; da ich zu spät zu kommen fürchtete, beschleunigte ich meine Schritte. Unter der sehr belebten Veranda gingen Leute eilig ab und zu, und Niemand achtete auf mich, als ich die Stufen hinanschritt eine zusammengckauerte Negerin ausgcnommcn, die laut schluchzte und bei meiner Ankunft noch heftiger zu weinen begann. Auf einem Ruhebett lag ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, ausaestreckt! Ihre langen, blonden, von "Waffe? triefenden Haare waren hinter ihr übe? die Lehne zurückgeworfen und hatten tröpfelnd eine kleine Wasserlache auf den fliesen hervorgebracht. Sie war weißer als Marmor; die zusammengepreßten Lippen waren bleich; ihre erstarrten Arme lagen fest an ihre:n Körper an: neben ihr kniete Herr Rabut und hielt eine ihrer Hände fest in ir. seinen. .Ertrunken, mein lieber Herr, sie ist ertrunken," sagte mir eine gutmüthig aussehende Frau von ungefähr sechzig Jahren, die auf mich zukam und mir freundlich die Hand - entgegenstreckte; .aber Sie sind gegangen, Sie müssen müde sein; Sie werden ohne Zweifel etwas zu sich nehmen? Myrtil! " .Mama, oh, Mama!" rief Herr Rabut aufblickend, .Sie sehen ' es," sagte er schluchzend ztu mir. .Sie sehen es! Sie war im Bade; der Fluß ist plötzlich ausgetreten..." Sein Haupt neigte sich wieder über die kleine weiße Hand, auf die seine Leppen sich preßten. .Myrtil! Myrtil! rief die gute Dame, .bringe doch dem Herrn ein Glas Madeira; oder möcht.- . S'e lieber etwas Anderes?" Ich erkundigte mich: sie . ar keine zwanzig Minuten unter Gaffer geblieben. ' Und man that nichts, man versuchte nichts! Ich cab in bestimmtem Ton meine Befehle; man gehorchte mir. Man hatte sie auf den Rücken gelegt: ich hob ihren Kopf empor und neigte ihn auf die linke Seite. Ihre Zähne waren aufeinander gepreßt. Welche Kälte, als ich meine Lippen auf die ihrigen legte! Der arme Ba ter, von Schreck und Schmerz ganz zerschmettert, ließ uns gewähren; di,
Großmutter kam und ging um uns herum, geschäftig, unruhig, immerfort Myrtil rufend. .Das Frühstück wird nie fertig werden, und schon kommen die Tischgäste an!" hörte ich sie sagen. Wirklich hielt ein Wagen vor der Thür. Zwei junge Mädchen stiegen mit fröhlichem Gelächter aus. Ich sehe sie noch, wie sie plötzlich stehen blieben, auf das Ruhebett blickten, dann erbleichten und stumm, mit weit geöffneten Augen, die Arme um einander geschlungen, regungslos stehen blieben, Schulter an Sckulter gelehnt. Eine halbe Stunde war verflossen. Steigt da nicht eine leichte Röthe in den entfärbten Wangen auf? Oh, wie inbrünstig ich zum lieben Gott betete! Es scheint mir, daß der Arm, den ich halte, weniger starr ist.... In diesem Augenblick kam einReiter spornstreicks angesprengt. ..Myrtil! Myrtil! nimm des Doktors Pferd und führe es in denStall," rief die gute alte Dame, die lebhaft auf den Doktor zuschritt: .ach, Doktor! ich wußte es ja. Ihr Pulver hat nichts geholfen. Die ganze Nacht habe ich noch gelitten, Doktor! Ach, wie schlecht habe ich geschlafen!" Der Doktor kam zu uns heran. .Gut, junger Mann, sehr gut! Das Alles ist seh? verständig. Aber Sie haben das Kitzeln in der Herzgrube vergessen." .Die Hand des Arztes darf Alles wagen; er entblößte ihre Brust; ich entfernte mich. .Gut, fehr gut!" sagte er nach einigen Minuten in fröhlichem Ton, .für diesmal werden wir gewiß mit dem bloßen Schrecken davon kommen. Aber wenn ich es Ihnen sage, Monsieur Rabut; Wollen Sie wohl ein anderes Gesicht machen!" Und er klopfte dem Hausherrn kräftig auf die Schulter. Dann wandte er sich plötzlich an mich: .Aber wo kommen denn Sie her? Ich habe Sie noch nie hier gesehen." .Ich komme aus der Bretagne, Herr Doktor, über Paris und Port-Louis." .Halt! halt!" er hatte mir schon den Rücken zugekehrt .sie wird die Auaen aufschlagen!" Herr Rabut ergriff unbewußt meine
Hand und zerrte mich zum Ruhebett .' hin. Ste öffnete dte Augen; sie waren blau, wie ich sie so sehr liebe. .Helene! meine Helene!" murmelte der arme Vater, indem er sich zu ihr hinabbeugte und sie auf die Stirn küßte. .Sachte, Sie!" sagte der Doktor und zog ihn zurück; lassen Sie ihr doch gefälligst Luft!" Herr Rabut entfernte sich, ohne meine Hand loszulassen. Myrtil kam aus dem Stall zurück. Myrtil, nun, wie .ist's mit dem Frühstück, Martil? Wird heute noch was draus?" .Von Herzen gern, meiner Treu!" rief der Doktor; .dieser Galopp hat mich ausgehöhlt." .Aber Myrtil! bringe doch den Herren Madeira!" Diesmal gehorchte Myrtil. Es war vier Uhr, als ich mein Gartenhäuschen verließ, um wieder in das Haus zurückzukehren. Als Herr Rabut erfuhr, daß ich unter der Veranda war, kam er zu mir heraus. .Kommen Sie," sagte er, .man darf sie jetzt sehen." Er führte mich an ihr Bett. Ihre großen blauen Augen waren noch ganz von schwarzen Rändern umgeben; aber unter- der Haut cirkulirte das Blut; sie erröthcte bei meiner Annäherung. .Da ist er, Helene! ohne ihn...." und die Stimme versagte ihm. .Betrübe Dich doch nicht mehr, Papa. Aber um mein Medaillon ist es schade. Glaubst Du, daß man es wieder finden wird?" Das Medaillon enthielt eine Haarlocke von ihrer Mutter. Es war kaum Tag am andernMorgen, als tch fchon am Flusse stand. Der Schwarze, der sie aus dem Wasser gezogen, hatte mir am Tage vorher gena2l die Stelle gezeigt, wohin die Ueberschwemmung sie getrieben hatte, sowie die Stelle etwa zwanzig Faden weiterhin wo er sie aufgefunden. Es loar ein langes schmales Becken, überhangen von großen Jambusenbäumen, deren dichtbelaubte Zweige sich von einem Ufer zum andern kreuzten. Das matte, durch das Blattwerk gedämpfte Licht ließ von Zeit zu Zett einen Reflex gleich geschmolzenem Blei über das Wasser huschen; dann bedeckte der. Schatten alles wieder. Es war recht dunkel da drinnen. Ich tauchte unter und brachte drei platte Kieselsteine herauf. Aber man frühstückte ja erst um 10 Uhr; ich hatte also Zeit. Um 8 Uhr hatte der Grund des Bassins keine Geheimnisse mehr für mich. Nicht ein Fisch, den ich unter seinem Felsstück belästigt hätte, nicht ein Krebs, den ich nicht rückwärts wieder in sein Loch hätte spazieren lassen. DasMedaillon war nicht da; es mußte also nothwendigerweise weiter unten sein. Ich verließ das Becken und folgte dem Wasserlauf,' wobei ich alle Wurzeln absuchte, alle Klippen durchforschte, jedes Pflänzchen betrachtete. Ich ging weiter: eine kleine schwarze Schlanae, die einer dünnen Seidenschnür ähnlich an einer Himbeerwurzel ' hina. wand sich in der Strömung. Ich ergriff sie: es war daö Äiedaillon. .Sie dürfte zum Frühstück nicht bei ! Tiscke erscheinen, jedenfalls aber zum! Mittagessen, sagte mir H:rr Mbut;, sie ist ein wenig schwach, aver voutommen wohl." Der Mensch ist selbstsüchtig; ich behielt das Medaillon in meiner Tasche. Ich trat Abends heimlich in den Speisesaal, während man den Tisch! . Wt T f Y . SV . i deckte. Älö t na?, von tyrem aker aestükt. gesetzt hatte und ihre Ser
viette vom Teller nahm, sah sie eine Schachtel vor sich. .Was ist denn das? Wieder eine Leckerei von Dir. Papa?" Herrn Rabut's erstaunte Miene mußte sie mehr überzeugen als sein Leuaneu. 'Sie Öffnete die Schachtel. .Mein Medaillon! Mein Medaillon!" rief sie aus. indem sie es an ihre Lippen drückte und mitKüssen bedeckte. Ich verlor nicht einen davon, wie ich sie fortwährend verstohlen betrachtete. Endlich begegneten ihre Augen den meinigcn; sie begriff Alles. Aber die kleine Heuchlerin dankte mir nicht einmal. Kurz und gut, mein lieber Herr so schloß der ehemalige Hauslehrer seine Erzählung, .ich habe meiner Frau nie eine Lection gegeben. .. Oh, ja doch. Sapristi! ich habe ihr Unter richt im Schwimmen ertheilt."
5in Berliner Tienstmädchen. .Jette" so hatte man sie ocrif fen, während sie in den Proceßacten mit ihrem bürgerlichen Namen Minna M. genannt ist hatte es als .Mädchen für Alles" nur drei Tage bei der verwittwcien Frau Lina S. ausgehalten. Als sie am Tage nach ihrem heimlichen Abzug ihre Habseligkeiten abholen wollte, wurde ihr die Herausgäbe derselben verweigert, und erst nach vierzehn Tagen gelangte sie in den Besitz ihres Eigenthums. Sie strengte nun gegen Frau S. eine Entschädigungs klage an, die sie damit begründete, daß ihr durch die verzögerte Zurückgabe ihrer Sachen Nachtheil erwachsen sei. Zu dem vorzeitigen Verlassen ihres Dienstes wäre sie aus' mancherlei Gründen berechtigt geWesen. .Erstens", führte die Klagerin aus, .hatte ick mir als Mächen for Allens vermiethet, wo aber nich mit inb:jriffen is, det ick mir von dem Schamberjarnisten, der bei die Frau Wohnt, in die Backen kneifen lassen muß. Zweetens brch ick mir doch nich jefallen zu lassen, mit ecne Katze zusammen zu schlafen, wo ick doch so wie so schon Viehzeig mehr als genug in meinem Bett: hatte, wat mir die janze Nacht zerstochen un zerschunden hat. Denn als Mächen for Allens .Wat, Sie als Mächen for Allens?" fällt die Verklagte hitzig ein. .Ja. wären Sie det nur jewesen, dann wär't jut, dann hätt' ick Ihnen uff Händen jetragen, aber so.... so waren Se 'n Mächen jejen Allens . . . jawoll, det waren Se....Herr Richter, wat ick wollte, da wollte sie immer det Jejentheil von. Un wat det Kneifen anbelangt, Herr Rath, da frage ick Ihnen um Allens in der Welt, wär' det 'n Jrund, uff un davon zu. loofen? Wenn alle Mächens, die mal ehrbar in die Backen jekniffen sind, jleich Reißaus nähmen, dann jäb et ja gar keene mehr in Berlin. Ick selbst. Herr Justizrath, wie ick hier vor Jhnen stehe, ick bin als junget Mächen nich zehn, nee zwanzig Mal gekniffen worden, aber deswegen bin ick doch, wer ick bin. In Jbrigen aber, Herr Präsident, wat meinSchamberjarniste is. der kneift nich, det jloob ick nie un nimmer. Det is 'n oller Herr, der sammelt Käfer, Käfer un immer wieder Käfer .... aber kneifen, Jott bewahre." Klägerin: .Er hat mir aber jekniffen. .Jette", hat er jesagt,'.Sie sind ja 'n janz netter Käfer", und dabei hat er mir jekniffen." Beklagte: .Da sehn Se et nun, Herr Assessor, er hat ihr for'n Käfer iebalten. der olle Mann....Un wat dat mit die Katze anbelangt, wo se sagt.dat se mit die hätte schlafen müssen. so is die Sache die. dat mein früheret Mächen det jute Th: dran jewöhnt hatte, bei ihr zu Füßen zu lieien. un da dacht: nu det unschuldije Vieh, da wär weite? nischt bei, un suchte ooch bei der Jette ihre jewohnte Schlafstelle uff." Klägerin: .Ick bitte. Ihre Jette bin ick nich mehr, sondern 5?reilein Minna." Beklagte: .Jott sei Dank! Un dann dat mit det ander: Vieüzeig, Herr Justizrath, da frage ick hnen, wo jibt et det in Berlin nich?'Aber dajejen hilf! keen Ausreißen, fondern nur Jnsektcnpulver, wie et ja tagtäglich in die Zeitungen anjekündigt wird; un wat 'n richtig Mächen is, det nimmt den Kampf uff un schmeißt nich jleich die Flinte in' Korn." Das Gericht wies Jettes Klage ab. Im Eorridor' trennten sich die Parteien mit höhnifchen Verbeugungen. .Adje. Frau S.!"rust Jette, .un ick wünsche Jhnen un Ihren Wanzen ein langes Leben!" .Adie Sie Mächen seien Allens!" Jedes Jahr eine neue Frau diesen Luxus gestatten sich die Parias, die ärmsten und elendesten aller Erdenbcwohner. Unter den indifchen Parias herrscht Vielweiberei. Jedes Jahr will der Paria eine neue Frau. Er zerbricht sich nicht den Kopf darüber, was aus seiner alten ftniu rsird; diese streben ebenfalls darnach sich wiederum zu verheirathen. Und die Binder? Sie können sehen, wie sie fertig werden. Ein anderes Unglück ist, daß derParia für seine Frau einen elenden Lohn erhält, der ihm kaum er laubt, das Leben in der dürftigsten Weise zu fristen. Ein Handwerk versteht er nicht und die niedrigste Sklaverei ist sein Loos. Ein undenkbarer Fall. Student A.: .Achtzig Mark hätte der Anzug gekostet? Ich habe mir doch den selben machen lassen, genau der Schnitt, die Qualität und der kostet nur sechsjig!" Zweite? Student (grob): .Das ist nickt möglich, oder .... Du hast ihn bezahlt!" Beim Heirathen heilig! dem Mann nicht der Zweck das Mittel, sondern die Mittel heiligen ihm de? Kweck.
