Indiana Tribüne, Volume 16, Number 346, Indianapolis, Marion County, 3 September 1893 — Page 7
Die Geschichte eine BarteS. Aus Rom wird der Mg Ztg." g schrieben: Eine kuriose Geschichte hat dem Obersten Voselli vom 70. Jnfan-terie-Regiment seine Stellung gekostei. Es handelt sich um den Kinnbart des Soldaten Lateano, eines Abkömrn lmas des Philosophen Gravina. Dieser italienische Philosoph und Kunstschriftsteller, der offenbar in seinen letzten Lebensjahren einen kleinen Spar ren gehabt hat, hat seinen Kinderiz und Kindes kindern männlichen (3t schlechts die Verpflichtung auferlegt, sie sollten niemals über ihr Kinn ein Sckeermesser gehen lassen. Diesem Gebote leisteten . die Nachkommen ge treulich Folge, obwohl sonst in Kate brien, ihrer Heimath, das Rasiren gebräuchlich ist. Als der Soldat Lateano einberufen wurde, um seiner Militär Pflicht zu genügen, hatte er schon einen huschen 'Kinnbart. Bevor er abreiste, schwur er noch seiner Geliebten, daß er mit demselbenKinnbart nachAltomonte zurückkehren werde. Der Unglückliche! Er hatte falsch geschworen. Sein Oberst war ein Feind aller Kinnbärte und duldete an seinen Soldaten diese -männliche Zierde schlechterdings nicht. üz befahl dem Rekruten Lateano ohne Weiteres, sich seinen Bart abnehmen zu lassen. Lateano weigerte sich. un ter Berufuna darauf, daß die DienstVrdnung den Soldaten das Tragen eine Kinnbartes erlaube. Der Oberst 'wurde fuchswild, konnte aber vorläuf ia nichts aeaen den widerspänstigen Rekruten thun. Er befahl nur dem 'Unterofficier und dem Hauptmann La. 'teano's, daß sie auf die Beseitigung !des ärgerlichen Spitzbartes hinwirken sollten. Iefet begannen Jahre heroischen Kampfes um Lateano's Kinn-, zierde. Der Abkömmling des Philosophen Gravina vertheidigte seinen Bart wie ein Held und bei jeder neuen Truvveninspection stach dem Oberst Boselli der unglückliche Spitzbart Lateanos in die Augen. Am 20. Juli sollte Lateano entlassen 'werden. 23c nige Tage nur noch trennten ihn und seinen Kinnbart von der Zeit, da sie aller Anfechtungen überhoben sein sollten. Aber Oberst Boftlli wollte sich nicht nachsagen lussen, daß ihm ein einfacher Soldat erfolgreich Trotz geboten habe. Am 8. .Juli, Abends, kam ein Unterofficier mit einem Barbier auf die Stube Lateano's und überbrachte diesem vom Obersten den formellen Befehl, sich rasiren zu blassen. Eine stolze Weigerung war die' Antwort des Kalabresen. Daraufn wurde er wegen Ungehorsams zu acht Tag, Arrest verurtheilt. Am. andern Tage erschienen im Gefängnisse sechs Unter of freiere und ein Barbier. Lateano ahnte, was ihm bevorstand. Er ver-
barrikadirte sich hinter dem Tische und bewaffnete sich mit einem Stuhle Aber nach langem Ringen wurde er uberwaltlgt. gefesselt und rasirt! Bei der letzteren Operation hatte er sv krampfhaft mit dem Kopfe gewackelt, bafc ikn der Barbier nickt weniaer alä u - r- , ' S fünf Mal schnitt. Lateano wurde bis zum 20. Juli im Gefängniß gehalten und dann nach Hause spedirt. Et verließ aber den Zug bei der ersten Ge legenheit. kehrte nach Rom zurück und begJb sich araden Weges m dasKrieas Ministerium. Dort konnte man ihm zwar den Kinnbart nicht wiedergeben. aber der Kriegsminister versprach dem Bartlosen eine glänzende Genugthuuna. Diese hat denn auch nicht auf sich warten lassen, denn Oberst Boselli wurde alsbald zur Disposition gestellt. lateano hat es bisher, noch nicht ge wagt, nach Kalabresien zurückzukehren und seiner Geliebten unter die Augen zu treten. Er wartet in Rom. dak ibm sein Kinnbart wieder wachse. In der Zwischenzeit hat er die Geschichte seines Kinnbartes geschrieben und sie, 1 . 'i F . ? V MII vylloiooyiieyen Bemerkungen ge 'würzt, im Folchetto- veröffentlicht Eine Eiecution i Nutzland. Äoc einigen Tagen Zvurde .das bestehende Erscheinen des neuen Werkes Tolstois. Das Reich Gottes im Menschen" angezeigt. Heute sind wir in der Lage, zu melden, daß, da das Werk in Rußland vermuthlich -nicht zur Veröffentlichung zugelassen werden wird, bereits Verhandlungen wegen einer englischen llebersetzung schweben. In klarerer und drastisch rer Sprache, als in früheren Arbeiten. wird in diesem Buche der Grundsatz verfochten : Widerstehe nicht der Sünde" .und es wird darin eine neue Ordnimg der Dinge oder vielmehr wie es wörtlich heißt eine vollständige chaotische .Unordnung der Dinge Der langt. In dern zwölften und Schlußrerpitel 'des Buches zählt der Graf, daß tx ein 29. September vorigen Jahres, cn !dem Tage, an welchem er die letzten Zeilen seines neuen Werkes geschrieben 'hatte, auf tern Wege in die Hunger vlxUt an ncr Station mittelst Ex 4razuges einen General mit einem klei nen Bataillon herandampfen sah. der auf dem Wege nach Tula war. um einige aufsässige Bauern zu bestrafen, die gewagt hatten, sich einer flagranten Verletzung ihrer Richte seitens eines jungen, aber landbegüterten Gutsbesltzers zu widersetzen. Dak die Ve'strafung mit exemplarischer Strenge vor sich gehen würde, unterlag keinem Zweifels denn wenige Monate, vorher hatten einige Bauern im Orloff-Gou-vernement das Mißvergnügen des Junkers erregt, der sie schnell und stramm zur Vernunft brachte. Der Graf gibt die folgende schreckliche Be schreibuna der Art und Weise, in wel cher dieses. Mal Justiz geübt wurde. sT V(fl c m . i i . vzx eizayti nie Btgeoenyell mcni, roie er selbst hervorhebt, weil sie etwas Au .ßergewöhnliches, sondern weil sie die einzige 'sei, der er persönlich beige
wohn! und für deren 'gewissenhafteSchilderung er , die Bürgschaft übernehmen kann.
Die Truppen hatten do? der Thür des Distriktsgerichts Aufstellung genommen. Ein Trupp Polizisten mit neuen rothen Gurten, an welchen der geladene Revolver hmg, umstand die kleine Bande schuldiger Bauern, welche die Strafe für ihr Verbrechen erwar teten. In einiger Entfernung hatten sich einioe tausend Männer, Frauen und Kinder als Zuschauer eingefunden. Nachdem der Generalgouverneur am Distriktgericht angekommen war. stieg er aus seinem Wagen und hielt eine kurze und ergreifende Ansprache, nach welcher er befahl, eine Bank zu bringen. Zuerst verstand man den seltsamen Befehl nicht, aber der Polizeioffizier, welcher den Gouverneur begleitete und darauf zu achten hatte. daß die Bestrafungen grundlich und ordnungsgemäß vollstreckt wurden. setzte kurz und bündig auseinander. daß seine Excellenz eine Bank wünsche. auf der man Ienuub durchpeitschen könne. Eine Bank war denn auch bald gefunden, ein vorher vorbereitete? Bündel Ruthen wurde herbeigebrach! und die Executionsbeamten vor die Front gerufen. Es waren dies ein paar entlausene Sträflinge, denn kein Soldat würde sich zu dem Geschäft eines Auspeitschers hergeben. Als Alles bereit war, befahl der Gouverneur, den ersten der von dem Gutsbesitzer als Rädelsführer bezeichnetcn zwölf Bauern vorzuführen. Es war dieses Opfer ein Familienvater in den vierziger Jahren, dessen Rechtschaffcnheit sprichwörtlich war, und der das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger -genoß. Es wurde ihm befohlen, sich zu entkleiden und sich auf die Bank zu legen. DerBauer gab sich erst keine 'Mühe, um Gnade zu bitten, er wußte, daß derartige Bitten vergeblich waren. Er bekreuzigte sich stillschweigend und legte sich nieder. Zwei Polizisten sprangen hinzu, um ihn auf seinem Platze festzuhalten. Ein Arzt nahm neben dem Delinquenten Aufstellung, um ihm erforderlichen Falls ärztliche Hilfe zu gewähren. Die Sträflinge spuckten in die Hände, schlugen einen Lufthieb mit den Ruthen, .und die Bestrafung begann. Die Bank erwies sich als zu schmal und es war schwierig, den sich windenden, gefolterten luuuü)fi aus der Bank zu halten. Der General befahl, daß eine breitere Bank oeholt und zu jeder Seite ein Brett befestigt werde. Einer der Soldaten salutirte. erwiderte: Zu Befehl!" und beeilte sich, in aller Demuth die Anordnung des großen Mannes auszuführen. Inzwischen stand der arme, halb entkleidete verstümmelte Wann mit finsterer MiUie und gesenkten Augen da, sein Unterkiefer zuckte und seine nackten Beine zitterten. Nachdem die ander! Bank gebracht war, wurde er fester gejbunden und die Sträflinge nahmen ihre Arbeit wieder auf. Mit jedem Streich wurden die klaffenden Wunden schrecklicher und grausiger. Der Rücken, die. Seiten und die Gliedma ßen waren mit Blut überströmt und nach jedem schweren Streich stieß dei Dulder einen dumpfen Schmerzenlaut aus, den er vergeblich zu unterdrücken versuchte. Aus der umstehenden Menge konnte man das Schluchzen der Frau, der Mutter, der Kindel und Verwandten des theuren Semarterten, wie den entsetzten, schnell unterdrückten Aufschrei Derjenigen vernehmen, deren Reihe erst kommen sollte. ' Der unglückliche GeneraZ-Gouver-neur, der in der Trunkenheit seiner Macht sich einbildete, daß er bet Stimme der Pflicht folgte, zählte zu der gemüthlich gerauchten Cigarette. welche ihm ein pflichteifriger Adjutant mit höflich dargereichtem Streichholz 'in Brand hielt, an den Fingern die Zahl der Streiche. Nachdem mehr als fünfzig Streiche theilt waren, hörte der Bauer zu stöhnen und sich zu bewegen auf. Der gelehrte Arzt, welcher seine Weisheit in den Dienst des Pro-vinzial-Gouvernements-Hospitals gestellt hatte, trat an das gemartert! Geschöpf heran, fühlte seinen Puls, beugte sich herab, nm zu hören, ob daZ Herz noch schlug, und meldete dem Vertreter der kaiserlichen Gewalt, daß das Opfer bewußtlos sei und eine weitere Bestrafung seinem Leben gefährlich werden könne. Aber der General Gouverneur, von seine? kurzen Machtvollkonlmenheit berauschter denn je. 'wurde bei dem Anblicke des Vlutei wild wie eine Bestie, e? befahl die Fortsetzung der Bestrafung und die Folterung begann aufs Neue, bis der siebenzigste Sireich gefallen war. Es scheint, daß die Zahl siebenzig aus un bekannten Gründen die heilige Zahl ist. unter welche herunterzugehen die Gerechtigkeit- beschimpfen hieße. Dann nahm der Gouverneur seine Cigarettk aus dem Munde und sagte ruhig: Genug! Bringt den Nächsten Sakterienfrties Wasser. Zur , Herstellung bakterienfreiel, Trinkwassers hat eine .Dame. Frau lein Katharina Schipilosf, der Genfe, Naturforschenden Gesellschaft eine seh, einfache Methode vorgetragen. Jhi Mittel besteht darin, daß dem Waffe: etwas übermangansaure Kali zuge setzt wird, welches ja auch sonst schon als Desinfektionsmittel vielfache An wenduna findet. ' Um ganz grünes, mit Thier- und Pflanzenorgänismer aller Art völlig durchsetztes Wasser organismensrei zu machen, genügt tZ,pxi Lite? 5 6 Centigramme zuzusetzen; für weniger verunreinigtes Wasser rct chen 1 2 Centigramme auf das Litei aus. Das übermangansaure ' Kali zersetzt die organischen Beimengungen .des WasserS vollkommen unfchäd.
liche VessandtbeNe. und' dabek' wird' je nes selbst einer solchen Veränderung unterzogen, daß die Aesultate dieses Processes dem Organismus nicht mit nicht schaden, sondern dem Wasser so. gar noch einen aewissen Wohlgeschmack (?) verleihen. Um ganz sicher zu sein, daß alle Organismen im Wasser vernichtet sind, muß man mit dem Zu setzen so lange fortfahren, bis nach ei nigen Minuten, während welcher die Vernichtung der Verunreinigungen vor sich geht, das Wasser noch eine schwache röthliche Farbe hat; das ist der Be weis dafür, daß das zugesetzte Quantum genügte, die Reinigung zu bemerk stelligen, denn es blieb noch ein kleiner Rest von Lbermangansaurem Kali übrig, welcher eben, weil er keine organischen Substanzen zur Vernichtung mehr vorfand, selbst unzersetzt blieb. Dieser unzersetzte, im Wasser nur ge löste Rest würde allerdings das Wasser ungenießbar machen, wenn es kein Mittel zu seiner Beseitigung gäbe. Ein solches Mittel gibt es aber; man setzt nämlich dem röthlichen Wasser eine kleine Menge Zucker oder Koguak zu; das sind ja ebenfalls organischd Verbindungen, und ihnen gegenüber thut das übermangansaure Kali seine zersetzende und selbstzersetzende Wir. kung in dem Grade, daß das Wasser bald farblos-klar wird und ohne Scha
den getrunken werden kann. . Wenn es sich um die Reinigung größerer Wassermengen handelt, wöbe: die Meng öognak oder Zucker, die zur Entfär bung des Wassers nöthig ist, zu große .kosten verursachen würde, genügt es s.chon, einen rnit seugemahlener Holz kohle angefüllten Leinwandbeutel ei nige Male durch das von übermangan saurem Kali geröthcie Wasser zu zie hen, um sofort Entfärbung des Wat fers zu erzielen. Dieser Beutel mit zerkleinerter Holzkohle kann nach dem Gebrauche übrigens getrocknet und nochmals verwendet werden. Ueber die Ursache der vielen Vanke rotte. Eine New Forler Zeitung hat zrrr möglichst ausführlichen Besprechung der jetzigen geschäftlichen Calamität zu dem Universalmittel anglo-amerikani-scher Blätter, dem Interview- gegrif. fen und die Ansichten der Leiter von Banken und anderen Geschäften, die in der jüngsten Zeit zum Bankerott getrieben wurden, über die Ursache ihrer Fallissements eingeholt. Alle die verschiedenen Bank-Präsidenten und Gesckäftsleit.'r, welche auf die Interviewfolter aewannt wurden, haben dieTor tur mit mannhaftem Muth ertragen und bereitwilligst ihre Ansicht zum Be stcn aeg:b:n. Es wurde ihnen allen die gleiche Frage vorgelegt, nämlich: Welchem Umstände schreiben Sie den Bankerott Ihres Institutes zu dem St,man'schen Silbergesetz oder der Aussicht auf eine Mtut Tarifgesetzgebung in Washington?" Die rage ist so gestellt, daß dieAntWorten nicht sehr verschiedenartig sein können, da es sich bei der Beantwtt tung ja nur um ein Entweder Oder" handelt. So wollen wir denn auch unsere Leser nicht mit der Wiedergabe der vielen Interviews aus allen Theilen des Landes ermüden, son dern nur einge der bemerkenswerthesten herausgreifen: F. R. Schubert, der Massenverirpl ter der Jmporteurfirma Banning, Bissel und Co., R. Y., meinte: DaS Sherman-Gesetz sollte ohne Aufschub widerrufen werden, denn ihm sind die öauvtübelstände zuzuschreiben. Di: Tariffrage hat den Geschäftsleuten in gewissem Grade Sorge gemacht, aber wenn das Sherman-Gesetz nie erlassen worden wäre, würden wi.r heute besser daran sein. Bei einem Silberpreis von 54 Cents müssen die Geschäftsleute sich sehr unsicher und irgend welchen Unternehmunzen abgeneigt fühle. Eleveland hatte kein Recht, jetzt eine FischPartie zu machen, ehe entscheidendt Schritte zur Besserung der Lage gethan waren. Seine Abwesenheit von Washington ist dazu angethan, den Leuten die Idee beizubringen, er kümmere sich nicht um das, was kommen konnte und dadurch herrscht ein Gefühl der Unsicherheit. Das .Vertrauen ma wieder zurückkehren, wenn der Conareß zusammentritt, aber ich halte den Zweifel für berechttgt, ob ei nicht Monate dauern wird, bis eine Aende rung der Dinge eintritt." Edwin Vehr, der Nem .Iorker Cladierfabrikant. sgt: Ich stimme vollständig mit Präsident Cleveland überein. Ich glaube, daß die Silberfrage unverzüglich durch den Widerruf deS Sberman'SesetzeS geregelt werden sollte. . Ich schreibe die Geldknappheit und ihre schlimmen Folgen dem schlimmen Einfluß des Silbers zu." Präsident Wyatt von der People'A Savmg Bank, Fort Scott, Kaö., beantwortete die vorliegende Frage so: Jcb' scbretbe die Schließung unserer Bank direct den ostlichen Kapitalisten zu, welche in der Furcht, daß das Sher r.ian-Gesetz durch ein. den Si5berleuten noch günstigeres Gesetz ersetzt werde, ihre Kapitalien ..zurückzogen. Deutlicher gesagt war eö ein Hieb gegen Silber,Freiprägung, gefuhrt von den östlichenAnhängern derGoldwährung." John Eaton. Präsident der Oil Well Lupply Co.. Plttsbura,Pa.. hält ebenfalls nur die .Silber-Gesetzgebung für die Ursache des BankerottS seiner Gesellschaft. Er bestreiket entschieden die Richtigkeit der Ansicht Harrisons. daß die Tarisfrage die Calamität hervorgerufen habe. Die Unsicherheit in der Tariffrage mag indirect dazu beigetragen haben, die Calamität zu verstör ken, die Hauptursache sei aber in dem Uebersluß anSilber zu, suchen. ' - Die ln Chicago über ihre Meinung befragten Geschäftsleute sind einstimmig der Ansicht, daß die Tariffraae wenig der gar nichts mit der Ursache bet .jrftlffl Äanker,tte zu thunhab.
r ' sin Minnesota daaeäen "scheint man
entaeaenaestkter Ansicht u sein. Die Mehrzahl der dort befragten Geschäftt rjc.it . t rr .t .11 icuic lanciern oie legige unnayciqcu der Furcht vor Aenderung des Tarifs zu. Im Ganzen genommen bat die überwiegende Mehrzahl der Interviewten" die Anücht vertreten, dak die Silberfrage die Haupkirsache der vielen Bankerotie jei. isra hel der Befragten gab Silberfrage und Tariffrage als vcreiniate Ursachen an und nur ein derhältnißmäßig sehr kleiner Theil r.K.i vi.rn 11. r r r . itciüi inanicr&nc au-icQmgiicg oer Ungewißheit in Be.iebuna auf den Tarif zu. LNalleys Ulme. William Malley. Vater und Sohn, lebten seit mehr als einem halbenJabrhundert in jener Gegend Brooklyns, die im äußersten Ende der Nostrand Ave. liegt und unter dem Namen EastSive park-Landerelen" bekannt ist. Malley sen. kaufte dort in den vierjiger Jahren ein kleines Gehöft, auf dem er sich und feine Familie mühsam, :ber ehrlich, nährte. Die Zierde des Unwesens war eine mächtige Ulme, Unier deren Schatten die .Malleys sich Sonntags um die Familienbibel versammelten und sich von den frischen Winden, die von der Bai herwehten,erzuicken ließen. Besonders Malleys einziger Sohn, der, wie sein Bater, William hieß, tummelte sich fröhlich unter den großen Aesten des Riesenbaumes, und nicht selten fühlte er sich in den Zweigen der Ulme sicher, wenn der Vater zornentbrannt mit der Ruthe in der Hand nach ihm suchte. William wuchs zu einem stattlichen jungenManne herin; während er früher unschuldig unter der Ulme spielte, konnte man ihn in seinen Jünglingsjahren nicht selten mit inner Geliebten unter dem Baume sitzen sehen, wo er sich dann ungestört jenen Herzensergüssen hingab, die nur für ein PaarOhren bestimmt sind. Der ilte Baum schüttelte schweigsam seine Blätter, wenn Williams und seiner Flamme Lippen sich bei herzlichenKüssen trafen. Dann kam der Bürgerkrieg. William zögerte nicht lange, sondern ließ sich bereitwilligst in "die Uniform Uncle Sams stecken, aber ehe er das elterliche Haus verließ, um dem 47. Regiments beizutreten, kniete er nochmals unter der Ulme, den Schutz Gottes auf sich und seine Lieben herabflehend. William war ein muthiger Soldat. Nachdem jene kriegerischen Zeiten vorüber waren, kehrte er mit einer Schußwunde in der linken Brust in's elterliche Haus zurück. Bald darauf segnete der ältere Nalley das Zeitliche, und William war der Alleinbesitzer des kleinen Gehöftes. Es war wiederum unter der Ulme, ws Williams Geliebte das endgiltige 3" sagte und kurz darauf Frau Malley wurde. Es ist kein Wunder daher, daß Nalley seine schönsten und glücklichsten Nomente mit der Ulme in Verbindung brachte, die er als seine stumme Freunbin liebte und verehrte. Die andern Ulmen, Pappeln und Eichen verschwanden allmählich unter der rauhen Hand der Bauunternehmer und Spekulanten, und bald war eö, nur noch Malleys Ulme, die in jener Legend ihre Krone stolz in die Lüfte streckte. Jede freie Stunde brachten Nalley und seine Familie unter dem Z?aturdache der Ulme zu, so daß der Laum in der Nachbarschaft nur noch ils Malleys Parlor" bekannt war. Aber auch das Stündlein des Niesenbaumes hatte geschlagen. Während :ines Gewitters das überLong Island niederzog, kam auch dieUlme zumFalle. Ein Blitzstrahl hatte den Baum getroffen, und als Malley am nächsten Morzen zu seiner Lieblingsstätte kam, lag die Ulme zersplittert und zerstört auf der Erde. Malley wollte seinen Auzen kaum trauen, alt er den alten freund vom Blitze hingestreckt sah; Thränen benetzten seine Wangen, als xi zitternd und aufgeregt in seine vtube zurückkehrte. Seit jener Stunde ist Malley ein kranker Mann; ein sonderbares Ner5enfieber bedroht sein Leben. In seiaem Träumen und in der Fieberhitze ! veilt er fortwährend im Geiste unter seiner Ulme, ihr Geschichten aus dem Krieg erzählend oder sich im Wahne pieder bei seinen Jugendstreichen in ihren Zweigen dünkend. Die Aerzte undFreunde schütteln indessen verzweifelt difKöpfe, denn e5 ist nur noch eine Frage, der Zeit, wie lange Malley den ,Tod seiner Ulme überleben wftd. Das Pfänden armer Leute scheint ein sächsischer Menschensreund" gewerbsmäßig zu betrei ben. Die .Dresd. Nachr." schreiben: Der Kirschpächter Herenz " aus Strehla hat die Kirschnutzung an der Leipziger Straße bei Oschatz gepachtet. Derselbe pfändet jeden HandWerksburschen, welcher verdächtig erscheint, Kirschen aufgelesen zu haben. KürzliÄ pfändete er wiederum einem armen Reisenden die Taschenuhr ab. .Alle Worte waren vergebens,, unp traurig gina der arme Mensch weiter. Mehrere Oschatzer Bürger erfuhren von dem Vorgang, suchten den Gepfändeten in der Herberge auf und begaben sich gemeinschaftlich zum Bürgermeister. wohin nun auch der Kirschenvächter bestellt wurde. Eine sofort vorgenommene Durchsuchung der Kirschhlltte forderte eine solche Menge gepfändeter Gegenstände zu Tage, daß ein: städtischer Arbeiter die Sachen kaum fortbrinarn konnte.Versichert.' Pfarrer: .Alte? Peter, warum waren Sie Palmsonnrag nlqi in oer iraze s wie werden das in der Hölle büßen, mit Schrecken 1 und Zähnettappern!- Alter Peter: .I sercht mi net, Herr Pfarrer, ich hab' ja schg lang' laue Zähn mehrt-
Die Texcknerln. Eine snere Surkenieit.Hum,rkkk von ?llkrand,e udi.
Der Hotelbesitzer Zur goldenen Auster", John Philips, saß in seiner Office und blätterte in dem mächtigen Hauptbuche hin und her. Goddam!" rief er halblaut und spie in zierlichem Boaen .in den in der Ecke stehenden Napf, .seitdem mir dieser schuftige Johnson diesen alten Kasten hier am Strande aufgehängt hat, lehrt mir das Glück den Rücken. Wäre ich doch in meinem Emigrantenhause in der Greenwich Street geblieben! Hei! da reanete es 'Geld, wenn die Steamer kamen, aber hier kann man verfaulen. Alle anderen Nester an der See sind voll Sommergästen, nur in das verflixte Columbia Beach wagt sich kein Mensch, weil sie sagen ,es sei zu langweilig. Schwerenoth! ich kann ihnen doch nicht sfltift etwas vortanzen, um sie zu amüsiren. Die fünf Gäste, die ich babe. bleiben auch nur, weil ich sie für neun Dollars die Woche füttern muß, sonst wären sie schon ' davongelaufen. Am 15. wird die zweite Note dieses schuftigen Johnson mit 6000 Dollars fällig, und ich weiß nicht, wo sie hernehmen, denn meine Safe ist so leer, wie die Kriegskasse des Schahs von Bersten." Während Philips noch diesen Monolog mißgestimmt vor sich hinmurmelte. öffnete sich leise die Thür und seine Haushälterin, Frau Kibben, erschien in derselben. Seit dem Tode seiner Frau vor vier Jahren hatte er Marn Kibben. die Wittwe eines Verwandten, zu sich genommen und sie war ihm im Laufe der Zeit eine treue Freundin und Beratherin geworden. John sagte sie besorgt, wir müssen unbedingt neue Bettwäsche anschaffen. Mister Brown aus No. 3 ist heute Moraen beim Aufstehen in einem Loch im Betttuche hängen geblieben und hat sich den Fuß verstaucht. Er wollte sofort ausziehen und Dich auf Schadenersatz verklagen, aber da ich mich erbot, ihn frei zu ver pflegen, bis er wieder geheilt sei, hat er sich beruhigt. - Ich habe schon alle alten Servietten aufgebraucht, um die Betttücher damit zu flicken, aber jetzt wein ich mir keinen Rath mehr." Auch ich weiß mir keinen, liebe Mary," erwiderte Herr Philips mit einem Seufzer. Ich stehe vor dem Bankerott, wenn mir nicht ein Wunder zu Hilfe kommt. Verdammt! Daß ich mich von diesem Johnson beschwätzen ließ, dieseBaracke'zu kaufen, aber dieser Lump schwindelte, mir vor. daß ich hier in drei Monaten soviel verdienen konnte, wie in - der Greenwich Street das ganze Jahr, und dann außerdem noch die gute Luft Ich weiß, lieber Jobn," sagte Mary traurig, wie Du mit dem alten Hotel hier hineingefallen bist, aber das ist Zetzt nicht mehr zu ändern; ja, wenn doch mein Traum erst, den ich heute Nacht hatte, in Erfüllung ginge, dann wäre uns Beiden geholfen." So," sagte John und schob ein neues Priemchen in seine Backe, was träumte Dir denn., Mary?" 0," sagte diese, mir träumte, ich sei gar nichi die Tochter Deines OnkelsCharley. sondern eine junge, reicke Teranerin und hatte alle Koffer voll Gold, welches nie alle wurde, soviel zch auch davon zum Fenster hinauswarf. Und dann kamen Hunderte von freiern und boten mir ihre Hand an. und aerade als ich dem hübschen Grafen von Vrummschädel um den Hals fallen wollte, erwachte ich." Sonderbarer Traum," sagte John trocken, verschloß mit einem Seufzer den leeren Kassenschrank und verließ seine Office. Am nächsten Morgen suchte Mister Philips seine Haushälterin Mistreß Kibben auf. Weit Du, Mary sagte er gedehnt. Dein Traum von gestern Nacht geht mir immer noch im Kopfe herum. Wie wäre es. wenn wir ihn wirklich wahr machten?" Mary sah anfangs ihren Herrn ekwas ängstlich an. dann aber sagte sie lackend: ; : Ja. das könnte Dir schon recht sein, wenn ich eine so reiche Jungfrau auf einmal würde, und Du könntest dann all' & Gold auflesen, das ich zum Fenster hinauswürfe." Na. ich meine das nicht so wirklich. Mary." sagte John, sondern, wenn Du zum Beispiel " und der Hotelbesitzer John Philips setzte seiner Haushälterin Mary Kibben einen ganz sonderbaren Plan auseinander. Ungefähr acht Tage später machte in einer Anzahl der gelefensten Zei tungen folgende Notiz die Runde: Einen sonderbaren Gast beher bergt ziur Zeit das Sommerhotel zur aoldenen Auster" in Columbia Beach. Eine junge. . reizende Texanerin. die einzige Tochter des reichsten Viehzüchters im südlichen Texas, sollte, auf Wunsch ihres Vaters, den fast ebenso reichen aber häßlichen Stefanio Sa lami heirathen. aber die Tochter wi dersetzte sich bisher hartnäckig eine? Verbinduna mit dem ungeliebten Manne. Ihr Vater, dem es selbftverständlich nur um das Glück seines einzigen Kindes' zu thun ist, hat nun ihrem Wunsche, daß sie sich selbst den aeliebten Gatten im Lande suchen will, nachgegeben, und sie ist nun schon vierzehn Tage, mit einem fürstlichen Vermögen in der Tasche, unterwegs, um den richtigen Mann zu sin den. Wie erwähnt, besindet sich zur eit diese 'reizende Tochter des SUdens iin Hotel zur goldenen Auster" in Columbia Beach, und wicd es ihr wohl hoffentlich bald gelingen, ihrem Vater den ersehnten Schwiegersohn u.id sich den geliebten Gatten in du Arme zu leger " 4
Kaum waren drei Tage nach dem Erscheinen dieser Notiz vergangen, als man sonderbare Gestalten auf Columbia Beach zusteuern sah. Jeder Bahnzua, ieder Steamer brachte Hun-
derte von Gästen, welche alle , sich nach dem Hotel zur aoldenen Auster" erkündigten. Da sah man den ehcmaligen Husaren-Nittmeister Grafen Löwenmaul. wie er .sich die wenigen Haare seines Hinterhauptes vorsichtig über die Glatze strich, den Barke?pcr und ehemaligen Lieutenant Freih.rrn von Suppenteig, wie er behutsam auf einen großen Fettflecken auf dem linken, Rockärmel spuckte und ihn am hinteren Hosenbein abrieb, und l.un dert andere Gestalten. Durchgebrannte Kassirer. verdorbene Schauspieler. Commis voyageurs aus allen Branchen und Staaten hatten sich hier ein Rendezvous gegeben, sogar ein Thierbändiaer und ein Odenwälder Bauer aus Hackensack hatte sich eingefunden, und Alle wanderten sie srohen Herzens nach dem Hotel zur goldenen Auster". Der Hotelbesitzer John Philips arbeitete mit sechs Hausknechten und zwölf Köchinnen wie ein Tiger in sei nen Räumen. Nachdem die Vorhändenen Zimmer alle bis aus den letzten Platz von den Gästen belegt waren, versah er noch den Keller, den Holzstall und das große Huhnerhaus .mit einem dicken Strohlager, und die ankommenden Gäste schätzten sich glücklich, wenn sie noch ein Plätzchen auf demselben erhielten. Selbstverständlich war der Hotelbesitzer John Philips vor den Gästen kaum seines Lebens sicher. Jeder zupfte ihn am Rockschooß. nahm ' ihn bei Seite und erkundigte sich nach seinen Aussichten bei der reichen Texanerin. Aber nur ein geheimnißvolles Zwinkern mit dem linken Auge und ein verheißendes allright" war das Einziae. was man, aus ihm herausbringen konnte. Nur die Hausknechte waren, sobald ihnen ein sich lumpig anfühlendes Papier m die Hand ge schoben wurde, gesprächiger. In vier Tagen, sagten sie. würde die fremde Lady ihre Entscheidung treffen, indem sie, nachdem sich sämmtliche Candlda ten nach Alter und Größe im Hofe aufgestellt hätten, sich den Gatten her aussuchen wollte. Hoch ginq es her während dieser vier Tage im Hotel zur goldenen Au ster". Mister Philips und seine Leute rannten wie besessen hin und her, um all' die Gäste zu befriedigen. Hier und da hörte man einen Champagnerpfrovfen knallen und man ließ die un sichtbare Texanerin hoch leben. Einzelne Gruppen standen bei einander und versuchten sich gegenseitig, anzu oumven und der Odenwälder Bauer aus Hackensack mußte sogar eine zweite Hypothek auf seine mit 36 LegHorns bevölkerte Hühnerfarm aufnehmen. Doch endlich, am fünften Tage, nach dem Diner erscholl plötzlich Trompetenaeschmetter, in dem Hose des Hotels. Ieder musterte sich noch eilig im Spiegel, schneuzte sich flüchtig und eilte klopfenden Herzens in den Hof, um hier Aufstellung zu nehmen. Selbst der Hotelbesitzer John Philips hatte am linken Flügel des zwölften Gliedes Platz genommen und lächelte verschmitzt vor sich hin. Ein allgemeines Ah!" erscholl plötzlich aus Jedermanns Munde. Eine herrliche Mädchengestalt in der prächtigen Tracht der iranischen grauen schritt langsam in 4den Hof. Allerdings war ihr Gesicht so dicht verschleiert, daß keine Spur ihrer Schönbeit zu erkennen war. aber dieses war ja nur pure Nebensache. Bedächtia. gina sie der ??ront entlang. Jeden cinaebend musternd. Ab und zu entra7.a sich ein Seufzer ihrer jungfräulichen Brust, besonders als sie an dem strammen Gnfen Löwenmaul und dem schneidicien Baron von Suppenteig vorbeiging, ober die Wahl fiel ihr anscheinend sehr schwer. So war sie am linken Flügel des letzten Gliedes anaekommen. als sie plötzlich dem Hotelbesitzer selbst, John Philips an dem Halse hing. Haja Cobaia!" (welches in "der lezanischen Ursprache soviel hel wie: Dich oder Keinen!") rief sie findig vus und mit ihrem Auscrwählten am Arme verschwand sie eilig in dem Hotel. , Ein. dem Kriegsgeschrei einer Indianerhorde ähnliches Wuthgeheul erfüllte die Luft. Verrath! Verrath! schrieen die verschmähten Heiraths Candidaten und ballten die Fäuste, dann aber raffte Ieder schnell seine Habseligkeiten zusammen und stürzte dem Holelausgange zu. Mit seinen sechs Hausknechten, jeder ein abgebrochenes Stuhlbein in der Hand, stand bei hier der Wirth Zur goldenen Auster und donnerte ihnen ein Halt!" entgegen. Erst zahlen!" rief-rr barsch und überreichte Jedem eine Rechnung für seinen Aufenthalt von. fünf Tagen mit 51 Dollars 42 Cents. Mit blutendem Herzen und ihrä nendem Auge leerte Jeder seine Taschen und mit einem fluche aus den Lippen verließ er die Goldene Aüster". - Als der letzte Gast das Hotel ver- ! lassen hatte, hielt sich John Philips : den Bauch und lachte, daß ihm der l linke Hosenträger platzte, dann sing er : an zu zäblen. ! Hurrah!" schrie er der eintretenden Mary entgegen, faßte sie um die Taille und. tanzte mit ihr im Zimmer herum. Das hast Du brav gemacht, Mary." sagte er freudig und" drückte sie an sich. Achtl2usenddre!hundertvierundneunziq Dollars und sechsundzwanziq Cents "aben wir mit diesem Spaß verdient. Jetzt verkaufe ich diesen alten Ka'len wieder und
wir Ziehen dann zurück in die Green wich Strect."
Aus Dankbarkeit hat er aber spater auch die Mary geheirathet. Warum müssen lvir? Erschrecken Sie nicht, meine verehr ten Damen, vor dem philosophischen Klänge dieser Frage. Ich will SiY nicht veranlassen, sich mit mir in daS dunkle Gebiet der Metaphysik zu ver senken und tiefsinnige Forschungen über Willensfreiheit und Nothwendigkeit anzustellen. Ich babe auch nicht die Absicht, die bestehende Weltordnunq anzufechten und dem Groll über die Hörigkeit der Frau gegen die Manner Luft zu machen. Kurz, ich habe keine gefährlichen Absichten, obgleich ich bekenne, daß ich fehr gern unter Ihnen, meine Damen, eine kleine Revolution anzetteln möchte. Erlauben Sie mir zunächst einige bescheidene Fragen, bei deren Losung ich Ihre gütiqe Mithilfe erbitte: Warum müssen wir in fedem Jahre eine neue Mode haben? Warum müs sen wir ein Kleid, das im vorigen Sommer neu und hübsch war. in diesem Jahre wegwerfen? Warum müssen wir eine anmuthige. reizende, bequeme und den Augen wohlgefälligeTracht ablegen, um uns zu wandeln--den Unaeheuern- umzugestalten? Warum müssen wir Röcke anziehen, deren Weite uns eine beträchtliche Last zu tragen nöthigt? Warum müssen wir unsere Gestalt durch Besätze, welcheledialich mit Tonnenreifen Achnlichkeit haben, verunzieren, wenn jederunbefanaen urtheilende Kunstfreund uns sagt, daß solche Querschnitte.-die den frei niederfließenden Faltenwurf unterbrechen, jedem in der menfchlichen Kleidung zum Ausdruck kommenden Schönheitsgesetz auf's Krasseste Hohn sprechen? Warum müssen wir einhergehe wie ein großes Dreieck unten und ein kleines Dreieck oben, ahn--lich gewissen Strichzeichnungen in denWitzblättern? Warum müssen wirPuffärmel tragen, die nicht mehr in graziöser Weise eine allzu schlanke Fiyur etwas voller erscheinen lassen., sondern durch ihren ungeheuren Umfang lächerlich wirken? Warum müssen wir. sobald wir an der Scylla--Scklevve" nur eben vorüber sind,, gleich wieder auf die CharybdisKrinoline" lossteuern? Warum müssen wir allen früher geltenden Ge schmacksgesetzen zum Trotz die mißtonendsten warben mit einander tragen? -Warum müssen wir ? Doch lassen Sie mich gefälligst ein--mal Athem schöpfen. Ich konnte freilich noch recht viele fragen an Siestellen, dächte ich nicht an ein gewissesanzügliches Sprichwort und an den: Heine'schen gleichbedeutenden Vers. Fragen ist freilich leicht, Antwortenum so viel schwerer. Und ich bin kein pedantischer Theoretiker, kein einsichtsloser Idealist, kurz, kein Mann,, der ohne tieferes Verständniß für dieWicktiakeit und Unantastb.irit nffra dessen, was in diesem Jahre getragen wird", Ihnen vielleicht sagen' würde: Ihr müßt Euch der Mode, ob sieauch häßlich, unbeguem oder unpraktisch sein mag. nur fügen, weil eZ Euch an Gefchmack fehlt, um selbst zn beurtheilen, was schön ist, statt eZEuch von den Schneiderinnen, Putzmacherinnen und Verkäufern der Mo--dewaarengeschäfte sagen zu lassen, weil es Euch on Verstand fehlt, urn Euren Anzua nach Euren eigenen persönlichcn Verhältnissen passend cinzurichten: weil es Euch hauptsächlich an dem moralischen Muth fehlt, der dazu gehören würde, irgend eine neue Mode nicht mitzumachen, um bei dem beste--ren Alten zu bleiben oder Euch auf eigene Hand hübsch passend zu Heiden! Ihr müßt nicht mehr, sobald Ihr nickt mebr wollt! Und wenn dies zu--nächst auch nur Wenige wären, die sich der aedankenlosen Modesklaverei entziehen wollten, so wäre damit b'itl gewonnen, und die ffrauen würden eZer. als man glaubt, zu einer nicht nur schönen, sondern gesunden, vernünftigen und praktischen Kleidung, kommen." Vergessen Sie nicht, es ist d;r be--wukzte Theoretiker, der so sprich. Ich. meine Damen, die ich nicht grauen Theorien huldige und vor allen Dingen mich hü:e. Unmögliches zu verlanaen. ich bin weit davon entsernk, so harte Worte zu sprechen . Dafür habe ick aber eine Bitte cn (Sier Wenn Sie letzt in die Sommerfrischegehen, so benuhen Sie Ihre Muße, um die Zraae. die mir allein eine zir harte Nuk ist. lösen zu helfcn. und ivenn Sie heimkehren, so, bitte, sage &f mir's! Warum müssen wir? Nette Gesellschaft. In einem Restaurant sitzen drei Herren bei'm Skat, als plötzlich Einer dern Anderen vorwirft, er bemogle. Was." ruft ' der Verdächtigte. 'S wollen mir Mogeln vorwerfen, der Sie schon wegen Betrugs zwei Jahre im Zuchthaus sanen!" .Und Sie." entgegnete der Erste, .erinnern Sir, sich an die Verhandlung wegenBrandstistuna. in der Sie nur Mangels gemirtfihn Pps'k, frirtshrnrf0n mirt4vtvw vviwiv . v vj w y k w iv u fc ' den!" Aber, meine Herren." sagt nun der Dritte, der bisher ruhig zuze--hört hatte, .wollen ioir eigentlich hierspielen oder uns unierhalten?Lakonisch. Erinnerst 23 Dick, noch des Meier, der früher in un-' t j.- r . r i . icrcr laazoaricyLll roognic und . ror einigen Jahren naÄ Amerika ging? Er lebte hier ja immer so für sich allein, und war so zugeknöpft. Drüben soll er gerade dis Geg:nth?il geworden sein." So, was denn?" .Aufgeknüpft. - ;'. ; :'"
