Indiana Tribüne, Volume 16, Number 346, Indianapolis, Marion County, 3 September 1893 — Page 2
Schelmenstrelckie eines Bären. -
Söon darum, weil die Menagerie im Wurstelprater lWien) steht, glaubte tr in derselben befindliche Meister ' Per.", sich cl:vzz zu Gute halten und sich in tollen streichen ergehen zu diir fen. So wenigstens glaubt es daZ Wiener 311. (irabl." stuffonen zu Nlüsien. Sein Logemcnt hatte er in einem und demselben Käfig mit drei Wölfen; nur durch ein sogenanntes Schudbrett waren zwei Abtheilungen geschaffen, so daß der Bär mit seinen Nachbarn nicht unmittelbare Bekannt schast machen tonnte. Trotzdem gelang es ihm. den. Wölfen mehrmals durch die zwischen dem Schubbrett und dem Boden des Kangs freigelassene Spalte einige Stückchen Fleisch zu entwenden, und einmal kam ihm der Umstand zu gute, daß besagtes Brett nicht festgeket tet war. und er überfiel die Wölfe bei der Fütterung, raffte mit beiden Pfo ten das ganze Fleisch an sich, legte sich darauf und ließ sich von den darob -er grimmten Wölfen gleichmütig das dicke Fell zerbeißen. Aber seine Beute brachte er in Sicherheit. Tiefe Bifse konnte Meister Petz' seinen Nachbarn nicht verzeihen. Cr grollte tief und sann auf Rache. Jede Gelegenheit lenützend. biß er auf .einmal einem Wolfe den unvorfichtigcrweise durch den Spalt gesteckten Bor'oerfuß ab und riß einem anderen Jfegrimm buch stäblich zu nehmen den dichtbehaarten Schweif aus. Ta mischte sich der Menagerie-Ves,t;er Herr Wolfinger in die Angelegenheit. Pet) sollte be straft und seine Rachegelüste ihm gründlich ausgetrieben werden. Ohne daß der Bär eine Ahnung davon hatte, war ihm eine gefleckte Hyäne, als Roch darin gegeben worden. Turch ein Stückchen Fleisch, welches der Spalte zu nahe lag, verlockt, langte der Bär mit der Pranke in den anderen Käfig hinüber. Die H?äne verstand aber den Spaß nicht und biß dem Gewöhn neitsdiebe die Pfote durch und durch. Laut heulte Pejj und leckte seine Wun den. Ter Menagcrie-Befier ließ tempo das Schubbrett herausziehen und nun standen sich Bär und Hyäne einige Minnten mit aufgesträubten Haaren und funkelnden Augen gegen über. Das Brett klappte zur rechten Zeit ein, um einen furchtbaren Kampf der beiden Raubthiere zu verhindern. Meister Pc ist seitdem davon abge kommen, muthmillige Streiche auszuführen, ja, er legt sich nicht einmal j mehr in der Nahe des Schubbrettes nieder, da er mit seiner jetzigen Nach ' darin nicht mehr in Berührung kom , rnen will. Tistanzritt vor 140 Jahren. Von einem Tistanzritt vor 140 Iah ren erzählt ein sächsischer Gelehrter in seinem Tagebuche, welches er Äitte des vorigen Jahrhunderts während seines Ausenthaltes in Hamburg schrieb. Tiefer .Tistanzritt" kann auch heute noch als eine tüchtige Leistung bezeichn net werden, wo wir bessere Landstraßen und eoleres Pferdemdterial haben: Diesen Monat Aprilis 1752 geschah hier in Hamburg ein Wettreiten, wo mit man den Engländern vielleicht noch 5lio& bieten könnte. Ein jungerKauf mann Sylin, wettet mit einem andern, daß er in 40 Minuten nach Bergedorf reiten wolle, welches zwei gute deutsche Meilen von hier liegt. Die Wette wurde schriftlich aufgefegt und im Bei sein Notariens und Zeugen unterzchrie den. Man stellte hierauf zwei Uhren ganz accurat überein; eine wurde unter Thor mit Notarien und Zeugen und die andere mit ebensolcher Sicherheit nach Bergedorf geschickt. Der junge Syling reitet als? unterS Thor, kriegt sein Attest, wenn er ausgeritten, und da er nach Vergedorf kommt, ist es just 31 Minuten, welches gewiß ein Ritt ist, darüber hundert den Hals brechen sollen. Syling hatte die Präcaukion gebraucht, daß er sein Pferd acht 5!aae vorher warm reiten und ihm lzernach Anis, Knoblauch und Hafer yeben ließ. Und ehe er sich aussetzte, ließ er es ebenfalls vorher warm reiken, damit das Pferd sozusagen schon im Laufen war, und auf diese Weise kam er noch neun Minuten eher nach Bergedorf, als er gewettet hatte. Er litt ohne Steigbügel, im Falle er ja .stürzen sollte, so daß er nicht so leicht 311 schaden kommen könne." Angepaßt. Junge Frau Professor (zu ihrem Mann): 2)u; Alfred, nimm doch einen Augenblick unsere Edith, ich komme gleich wieder; sucke sie zu beruhigen und gieb ihr dann zu trinken." Professor (nach veraebllchemBemuycn, oasmnd - zu be ruhigen, zur wiederkehrenden Gattin): Du, Edith schreit immerfort und will auch die Flasche nicht nehmen." Frau Professor: Nun, so singe ihr etwas vor." Professor: Ach so (nach kurzem Besinnen) Edite, bibite u. s. w. i . In der Markthalle. Dame: Na, liebe - Frau, Sie sind aber heute wieder fürchterlich theuer. Hökerin: Na so wat! Na, der sieh'n Se, wenn Jhn'n meine jute Waare zu dheier is, denn jeh'n Se man zu Hause un essen Se Ihre Luft klöne mit Windsauce .un drinken Se Jhr'n Phankasie'Chlampägner ' dazu aus de Wasserslasche. Umgekehrt. Onkel: We gen Dir habe ich im letzten Jahre manche schlafloseNacht gehabt.Junge! Student: Und mir ging's umgekehrt, Onkel, ich mußte so manche Nacht schlafend zubringen, wennDeine Geldsendungen ausgeblieben waren!" Selbstkritik. Mann (nach einem ehelichen Zan?): Herrgott, warum mußte ich auch Dich gerade heirathen!" Frau (erbost): Ereifere Dich nicht. Dich kenne ich. Wenn ich beute die Augen schließe, morgen fällst Du vierer rem.
Ein, Sommeraeschichkt. DZe rothe Fahne des Auktionators wehte von Eddas Grove" und eine Anzahl kauflustiger Bieter füllten den Hallenganq, der nach den offenstehenden Parlors führte. Di: Herrschaft selbst aber war bereits abgereist. Zeitunqen hatten der Leserwelt verkündet, daß Mr. und Mrs. Lantorp, sowie deren Tochter Edda während des Sommers nach Newport und von w nach Europa gehen würden. Natürlich würden die reichen Leute vor Beginn der Wintersaison ihr palastahnlicbes Haus neu ausstaffiren lassen, man fand daher die Auktion ganz in der Ordnung. - Wer vortrefflich erhaltene. elegante Möbel. Teppiche, Thürbehänqe und dergleichen billig erstehen wollte, der fand hier eine Gelegenheit und an Käufern fehlte es auch in der That nicht. Aber am folgenden Tage schon ruhte das Haus mit geschlossenen Thüren und Fensterläden in tiefem 'Sommerschlaf. Die hohen Bäume des Groves- spendeten ihren Schatten an einige kleine, zierliche Blumenbeete und an ein Wasserbasin, dessen Fontaine man abgedacht hatte. Nur in einem, ganz versteckt liegenden, kleinen Nebenhaus regte sich etwasMenschliches, das gegen Abend in Gestalt eines alten Negers mit einem großen Wasserschlauch zum .Vorschein kam und das Grundstück bewässerte. Seine ffrau wirthschaftete währenddem in der kleinen Küche, um dem Erschöpften, nach gethaner Arbeit, mit Speise und Trank zu erquicken, denn obgleich Beide den ganzen Tag so gut wie nichts thaten, so klagten sie doch am Abend über die Folgen körperlicher Ueberanstrengung. die eine Stärkung, bestehend aus Thee, mit nicht zu wenig Rum, und aus Weizenkuchen mit einer Molassesdecke dringend erforderte. Wenn sie sich endlich vollauf gesättigt fühlten, so setzten sie sich mit ihren Thonpfeifen auf die Stufen des großen Wohnhauses, schauten, behaglich rauchend, auf die Straße hinab und flüsterten zusammen von dem Geheimniß der Familie, welcher sie seit vielen Jähren dienten, und das außer ihnen keine Menschenseele in der ganzen Statt kannte. So friedlich mit einander dahin zu leben und nichts zu thun zu haben, als das .Property- zu überwachen, gefiel den alten Leuten nur zu wohl, indessen wußten sie auch, daß ihre goldenen Tage gezählt waren und es bald an-
ders kommen mußte. In der That fuhr schon m.der solgcnden Woche eines Nachts ein Wagen durch eine Seitengasse, die hinter Eddas Grove lag, direkt in eine Allee hinein, um daselbst zwei Damen abzu setzen, die von dem bereit stehenden alten Negerpaare begrüßt und in das nur spärlich beleuchtete Hauschen geleltet wurden. Das Innere desselben enthielt nun allerdings eine bedeutend bessere Einrichtung, als sein äußerer Anblick errathen ließ, zwar waren die Zimmer klein, aber an Teppichen, bequemen Sofas. Sesseln und Ruhebetten fehlte es nicht, eine Masse Luxusgegenstände waren vorhanden und Bücher, Magazine und Zeitungen lagen auf einem Tische bereit, gleichsam der Leser harrend. Die beiden Damen wechselten nur wenige Worte mit den farbigen Dienstleuten, die sich schläfrig in ihre, im Basement befindliche Kammer zurückzogen. Ach, liebe, liebe Mama, das wird ein langweiliger Sommer !" hob die jüngere, ein schönes, blühendes Mädchen, von kaum siebzehn Jahren an. indem sie sich in dem kleinen Schlaszimmer,' daZ sie gemeinsam betreten hatten, auszukleiden begann. , Wir müssen uns fugen, mem iarmes Kind," versetzte seufzend die andere Dame, die, ebenfalls schön und .blühend, kaum mehr als funfunddreißig Jahre alt war. Die Welt darf mcht erfahren, wie es mit uns steht. - Es wird ja nicht von langer Dauer sein, Papa bringt uns sicherlich bald wieder auf einen grünen Jweig. Indessen ist es unsere Pflicht, ruhig auszuharren und den Schein zu hüten die Welt will leider betrogen sein." Ich will ja gern das Meinige thun." versicherte das junge Mädchen in herzlichem Tone. Unser armer, guter Papa schwimmt jetzt auf dem weiten Ocean und hat sicherlich sein ganzes Herz voll Sorgen. Mir ist es llbrigens ein Nathsel, Mamie dear, wie reiche Leute auf einmal lein Geld mehr haben können. Mrs. Lantorp, die vor einem Toilet tenspiegel Platz genommen hatte, be aann ihr Haar zu lösen und auszu kämmen. Ach Gott,- klagte sie, .wenn wir wenigstens Lison hätten behalten können, sich so allein aus und anziehen zu müssen, ist doch eigentlich schrecklich.Warte, ich helfe. Dir,- rief gutmüthig die Kleine, rasch neben ihre Mut ter tretend und ihr den Kamm aus der Hand nehmend. Ich raufe Dich gar nicht. Du wirst sehen, daß ich ebenso geschickt wie Lison bin, dann ziehe ich Dir auch Dein Nachtkleid an und bringe Dich zu Bett, wie ein Baby mem Mamie-Baby. Der älteren Dame stürzten plötzlich Thränen aus den Augen und schluch zend zog sie ihr Kind an sich. Eine halbe Stunde später lagen Mutter und Tochter in dem breiten Bett, welches fast das ganze Zimmer ausfüllte, bei einander und schliefen. Ein kurzer Aufenthalt in Newport, ein etwas längerer in New Fork,'em Abschied von dem, sich nach England einschiffenden G.atten und Vater Und dann die geheim zu haltende Rückkehr in ihre Heimath, das war der Inhalt der lektveraanaenen Aeit. Bor noch nicht ganz zwei, Wochen Kalten sie sich von Nachbarn. Freund
und Bekannten verabschiedet, nachdem man sich untereinander seine Reisepläne für die heiße Sommerzeit mitgetheilt. Es verstand sich ja von selbst, daß die reichen Lantorps von Eddas Grove nach Newport oder Bar Harbor gingen und dann eine Oceanfahrt antraten, um Freunde in England zu treffen, mit diesen nach Frankreich hinüber zu segeln und in Paris ihre Einkäufe für die nächste Wintersaison zu machen. Wer weiß, Vas für prachtvolle Toiletten die Damen bei Worth oder Felix anfertigen lassen Würden, sie erschienen ja stets als Muster des feinsten und kostspieligsten Geschmacks. Allerdings hatte der männliche Theil ihres Bekanntenkreises schon vor einigen Wochen sich dahin geäußert, daß das Haus Lantorp und Co. eine schwere Geschäftsniederlage erlitten haben müsse, indessen, da dort alles in gewohnter Weise weiter ging, und man den Abreisenden nichts anmerkte, so schloß man auf einen fast unversiegbaren Reichthum der Familie und respektirte sie um so höher. Die Wahrheit enthielt nun allerdings ganz andere Thatsachen, aber diese mußten sorgsam gehütet werden. bis ja, bis Fortuna sich wieder günstig zeigen würde, was ja bei Mr. Lantorps bekannter Energie sicherlich bald erfolgen mußte. Die beiden Damen versteckten sich nun in dem sonst nur von ihren Dienstboten bewohnten Nebenhäuschen, während die Welt sie auf einer Europareise vermuthete. Nur allein die beiden alten Farbigen, Uncle Dan und Aunt Estella waren nothgedrungen in das Geheimniß eingeweiht worden und diese treuen Seelen würden sich eher die Zungen abgebissen, als auch nur das Geringste verrathen haben. Es waren freilich ungewohnte Empfindungen, welche von nun an die beiden Damen in ihrer unerwünschten Einsamkeit erfüllten.' Am Tage mußten sie ihre Aimmer hüten und sich die Aeit vertreiben, so gut es mit Hilfe von Lesestoff und Handarbeiten gehen wollte, nicht einmal ein wenig Pianospiel und Gesang erlaubten sie sich, aus Besorgnitz, in der Nachbarschaft gehört zu werden. Aunt Estella kochte die Mahlzeiten und Uncle Dan machte die Markteinkäufe und holte die Postsachen ab. unter letzteren befanden sich die heißersehnten ersten Briefe aus England, die Mr Lantorps glückliche Ankunft daselbst und sein Zusammentreffen mit seinen Geschäftsverbündeten
meldeten. Svät des Abends wagten sich dann Mutter und Tochter zuweilen in den Park hinaus, um frische Luft zu schöpfen und verstohlen einen Blick durch das grün umwachsene Gitterwerk auf die Straße zu werfen, woselbst ms spät in die Nacht hinein noch reges Treiben herrschte und Kabelcars, abwechselnd mit Equipagen und Geschäftswagen, vorüber fuhren. Des Abends wagten sie sich auch zuweilen in ihr schönes stattliches Wohnhaus, das Uncle Dan durch ein paar herabgedrehte Lampen schwach zu erhellen pflegte, sodaß die beiden Damen zu erkennen vermochten, welche BerWüstung die stattgesundene Auktion in den großen, eleganten Gemächern angerichtet hatte. Ach, sie fanden den Anblick entsetzlich und fragten ernander mit Schrecken, woher bis zur. ErÖffnung der Wintersaison ein Ersatz der verkauften Gegenstände kommen sollte. Bon dem Erlös der Auktion lebten sie gegenwärtig nur gut, daß die Welt davon nichts wußte, sie wollten sich ja gern einschränken, alle Zerstreuungen entbehren und vor Langeweile fast vergehen, wenn nur der Schein des Reichthums gewahrt blieb. Aber wie langsam strichen die Tage und Nächte dabin-und wie drückend heiß wurde es in dem kleinen Häus chen, trotz der Riesenbäume, die es wie mit emem großen Sonnenschirm von in einander sich verschlingendem Gezweig überdachte. Aus letzterem brucheü des Abends Millionen von Muskltos hervor, die sich summend ihre Beute suchten. , . Die beiden Damen lernten indessen bald, die Nichte zu durchwachen und die Tage zu verschlafen, das Beste, was sie in ihrer seltsamen Lage thun kannten. So saß eines Nachts Mrs. Lantorp in ihrem Utictn Wohnzimmertund versuchte bei den Schimmer einer Lampe einen neuerschienenen Roman zu lesen Trotz der Drahtgewebe, welche Fenster und Thüren überzogen, drangen den noch einige jener kleinen, blutgierigen Musikanten, in Begleitung von Motten und fliegen herein und umschwirrten den Lampenchlinder sowohl, als das zarte, weiße Angesicht der Lesenden. Selbst eine Fledermaus, die wiederholt mit piependen Lauten gegen den Fensterrahmen flog, schien sich nach dem Lichtschein zu sehnen, ohne indessen einen Durchschlups gewinnen zu können. Mrs. Lantorp mußte ihre Lektüre sehr fesselnd finden, denn sie vergaß darüber auf Augenblicke ihr Töchterchen, das sich irgendwo im Hause oder Park herumtrieb. Da wurde sie plötzlich durch ein lautes Klopfen unterbrochen und erschrokken erhob sie. ihren Blick von dem Buche. Bor ihr aber stand ein junges Frauenzimmer von brauner Gestchtsfarbe und schwarzen, krausen Haaren, man konnte sie für eine Duadrone halten. Ihr Anzug, ein bunter Rock mit einem rothen Leibchen, nebst weiher Schürze und Mullhäubchen, deuteten auf ihren Stand als Kindermadchen hin. Ihre hübschen, kleinen Füße steckten in braunen Schuhen und schwarzen Strümpfen. Sie kniete und lächelte, wobei sie zwei Reihen wunderschöner Zähne zeigte, dabei fragte sie . im besten. Negerdialekt, ob Madame ihr nicht erntn Platz t)tiQa
tn könne, da 1 gegenwartig oyne
Stellung sei. Edda. Du bist es !" schrie Mrs. Lantrop cuf, indem sie halb lachend, halb ,zürnend hinzu setzte : Bahnest Du etwa unsere Zukunft an ? Du hast Muth, das muß man Dir lassen!" Ach nein. Mamie dear fiel die Kleine hastig ein, es ist nur ein Scherz. Aunty hat mir geholfen, meine Haut ist gefärbt und die Wolle ist nur in mein Haar eingewickelt. Fürchte nicht, daß ich mich wirklich in ein Negermädchen verwandeln würde. Aber unkenntlich bin ich doch, meinst Du nicht, daß die Verkleidung ausgezeichnet ist ?" Das ist sie versicherte die Mutter, die jetzt den Scherz unterhaltend fand und ihre Tochter von allen Seiten betrachtete. Eine ganz gute Maske, Edda !" gestand sie zu. Und daher, liebste Mama, gehe ich nun ein Weilchen auf die Straße, das mufct Du mir erlauben. Es ist erst elf Uhr, also noch gar nicht fpat. Uncle Dan kann mich begleiten, er mag als mein Großvater gelten, wir fahren in der Kabelcar ein Stück in die Welt hinaus, nach deten Anblick ich mich so schrecklich sehne. Nach Mitternacht schon bin ich wieder bei Dir und erzähle Dir, was ich gesehen." . Aber Edda !" " Mamie dear," schmeichelte daZ in seiner Verkleidung immer noch reizende Mädchen, Du mußt mich lassen, Dan steht schon bereit in seinem langen Kirchenrock und wartet auf mich, Du glaubst nicht, was für einen ehrbaren Großvater er vorstellt. Ich vergehe vor Langeweile, wenn ich nicht ein einziges Mal wenigstens bei Nacht hinaus kann, um andere Menschen zu sehen." So bat und flehte sie, bis endlich die Mutter nachgab und selbst mit hinunter ging, um Großvater Dan" mit seiner Enkelin abmarschiren zu sehen. Sie folgte ihnen bis an die Gartenthür, wo sie sich hinter dem dichten Buschwerk versteckte, nicht ohne einige Zweige umzubiegen und durch die gewonnene Oeffnung hinaus zu blicken, wo sie im Schein der Gasbeleuchtung die Kabelcar herankommen, anhalten, ihre verkleidete Tochter mit dem alten Neger einsteigen und abfahren sah. Jetzt wünschte sie plötzlich, auch mit bei der Partie zu sein, eine heftige Sehnsucht nach der Außenwelt erfüllte ihr Herz, fühlte sie sich doch mit einem male doppelt vereinsamt. Edda rückte dichter an ihren Vegleiter heran, als schon an der nächsten Straßenecke ein Herr, der ein kleines Kind in den Armen hielt, einstieg und den noch leeren Platz an ihrer anderen Seite einnahm. Unstreitig gehörteer zu derselben Gesellschaftsklasse, in welcher auch sie sich bisher bewegt hatte. Verstohlen streifte ihr Blick sein hübsches, männliche. Gesicht, dessen selbstbewußter Ausdruck Energie und Unerschrockenheit vec:ieth. Nur daß er em noch ganz kleines Kind bei sich hatte, das er ziemlich ungeschickt handhabte, schien zu seiner Persönlichkeit durchaus nickt recht zu passen. Mehr besorgt als zärtlich blickte er auf dasselbe herab und suchte dessen weites, weißes Kleidchen, das mit Stickereien und Spiken fast überladen war, über seine Kniee zu, breiten. Dabei aber berührte er so ungeschickt eins der Aermchen des kleinen Geschöpfes, daß es erwachend sein Gesichtchen verzog, und in heftiges Weinen ausbrach. Das fehlte mir noch," kam es unter dem glatten dunkeln Schnurrbart des jungen Herrn hervor, indem er. das kleine Würmchen dichter an sich zog und ihm mit der linken Hand auf den Leib klopfte, ein Beruhigungsmittel, das diesmal feinen Zweck ganz und gar verfehlte. Willst Du still sein. Baby pschah don't cry, don'l cry!" Aber seine Ermahnung fand kein Gehör, kupferroth, die kleinen Fäustchen witternd an sich pressend, den noch zahnlosen Mund so weit als möglich aufreißend, fchrie das Kind aus Leibestraften, so daß die Umsitzenden sich in die verschiedensten Gedanken über den happy sather und sein cracy babv" zu versenken schienen. Es ist nicht mein eigenes Kind," versicherte der junge Mann dem Conducteur, als dieser bei dem Einsammeln der Tickets eine Aeußerung der Theilnabme fallen ließ. Nicht, Sir?" fragte sofort auf's Höchste interessirt eine in der Nähe sitzende Dame. Nein, wahrhaftig nicht, es gehört meiner Schwesttr, ich für meine Person bin an Kinder durchaus gar nicht gewöhnt." , . ' Das Leht man, Sir." stimmte die Dame lT, jedenfalls hat das Kind Schmerzen, oder es dürftet, vielleicht steckt eine Stecknadel in seiner Windel, fühlen Sie doch einmal nach, Sir." Wenn sie ihm gerathen hätte, den Mond vom Himmel herabzuholen, würde er sie nicht verblüffter angefchaut haben. Ich foll die Windel unmöglich " murmelte er fassungslos. Mv good girl", bemerkte die Dame, indem sie Edda's Schulter berührte, kannst Du nicht hilfreiche ' Hand lel sten? Es gehört in Dein Fach.' sollte meinen." , . Edda fuhr wie auS einem Trauni erwachned auf, unwillkürlich erinnerte sie sich noch rechtzeitig ihrer Rolle, und der Schalk lachte aus ihren dunklen Augen, als sie sich dem schreienden Kinde zuwendete und, in. verstelltem English sagte: Geben Sie her, . ich Will nachsehen, was dem Darling fehlt." Obgleich sie, seit sie aufgehört hatte. ihre Puppen zu pflegen, nie wieder derartiges in dem Arm gehalten, so 'bewährte sich doch ihre natürliche Ge!schicklichkeit, und mit einem zärtlichen iMitleid für die kleine Schreipuppe", 'suchte sie dieselbe zu besänftigen.
Jedenfalls empfand das Kind die Be rührung einer sanften,. weiblichenHand als eine Wendung zum Besseren,' denn es wurde bald ruhig, legte sein kleines Köpfchen auf die Seite und, schlief in Edda's Armen ein.Der junge Herr beobachtete dieses mit großer Genugthuung, er zog sein Portemonnaie, um dem guten farbigen Kindermädchen eine Münze in dir Hand zu drücken. Nimm es nur," raunte er ihr zu, Du thust mir den größten Gefallen, sei so gut und steige nachher mit mir 'aus und trage das Babn in unser Hotel, wo seine Mutter mit Sorgen wartet." Es war nämlich etwas an dem
Wagen zerbrochen, in welchem die( Warterm Mit dem Kmde gegesessen," wendete er sich an die Dame, die sich so theilnehmend gezeigt. Das Kind und seine Pflegerin befanden sich seit gestern in der. im Grünen gelegenen ländlichen Wohnung einer Freundin meiner Schwester, wo auch Letztere einige Tage verweilt hatte, und wohin sie morgen zurückzukehren gedachte. Wir sind, beiläufig gesagt, nur b: suchsweise in dieser Gegend. Uner wartet traf nun heute Abend die Nach-, richt bei. uns ein, daß mein Schwager morgen früh hier eintreffen und Frai. und Kind nach der Seeküste abholen würde. Natürlich wurde sofort ein Wagen abgeschickt, um die Wärterin mtt dem Baby nach dem Hotel, das wir während des Aufenthaltes in dieser Stadt bewohnen, zurück zu beför dern. Unterwegs ist der alte Lohnte sten in Stücke gegangen, und die Wärterin ist so schwer verletzt worden, daß man sie nach einer Apotheke gebracht und von da aus an uns telegraphirt hatte. Ich eilte sofort zur Stelle und fand zum Glück das Kind unbeschädigt. während die Wärterin nach einem Hospital geschickt werden mußte. Das Kind lud ich mir natürlich gleich selbst auf und wählte die Kabelcar, da sie viel schneller fährt, als ein Wagen." Wenn Du gerade ohne Dienst sein solltest. Mädchen." wendete er sich jetzt wieder seiner Nachbarin zu, so könntest Du gleich bei meiner Schwester eintreten. Nun, was meinst 3)u? .Well. Sir," antwortete Edda, still vor sich hinlächelnd, das wäre schon recht, aber mein Großvater hier ist kränklich und braucht mich zu seiner Pflege, weshalb ich vor der Hand nicht wieder in Dienst gehen wollte." Aber das Kind trägst Du mir doch in's Hotel? Thue mir den einzigen Gefallen, ich bezahle Dich gut.O yes, Sir," das will ich schon thun. Großvater, Du gehst auch mit, wir können dann in einer anderen Car unseren Weg fortfehen." Der alte Neger blickte mit Angst und Unruhe bald 'den Fremden, bald seine Zunge Herrin an und murmelte Letzterer zu: Was wird Mrs. Lantorp dazu sagen. Miß!" Schweig' still," gab Edda flüsternd zurück, ich gebe Dir auch das Gelb, das ich verdiene." An der nächsten Straßenecke schon ließ der Herr anhalten und stieg aus. Uncle Dan machte eine verzweiflungsvolle Geberde, als er seme Schutzbe fohlene mit dem Kinde herabspringn und dem Fremden voran eilen sah: Mit knurrendem Stöhnen stieg auch er aus und hielt Letzteren am Arme zurück. Em Wort, Sir, ein Wort", murmelte er. sie ist nämlich gar kein colored girl", sie ist eine Lady und nur in Verkleidung, Sir. Sie macht sich einen Scherz aus Langeweile." Der junge Mann fuhr überrascht auf. Ist das möglich! Nun, ich hätte mir's denken können, so viel Grazie, so viel Anmuth, eine so süße kleine Gestalt" Verrathen Sie mich nicht, Sir " Ich denke nicht daran, im Gegentheil." Edda war indessen einige Schritte vorausgegangen und blieb jetzt vor dem hellerleuchteten, ihr wohlbekanntem Hotel stehen. Der Fremde war sofort an ihrer Seite, ein heiterer Strahl brach aus seinen hellen Augen, als er sagte: Da sind wir nun, in we nia Minuten wirst Du von Deiner Bürde befreit fein, mein gutes Mädchen und dann " O, es war mir keine Bürde, ein so süßes, kleines Kind ist ja reizender als " Als was?" forschte er. während sie in den Hallengang eintraten. Als die schönste Lieblingsspuppe." kam es unbewußt von ihren Lippen, zugleich aber erschrak sie über jhre unüberlegte Aeußerung und setzte rasch hinzu: Ich 'meine nämlich die Puppe meiner junaen Miß, bei welcher ich gedient habe Ja. gewiß," stimmte er bei. Auf der Treppe kam ihnen eine Dame entgegen, die hastig das klein Kind aus Edda's Armen nahm. Es ist ihm doch nichts passirt, Henry ;.ach, welche Angst ich ausgestan den habe!"' wendete sie sich an den jungen Herrn. Die Wärterin ist also wirklich ernstlich verletzt und mußte zu rllckbleiben? Wie gut, daß Du gleich an Ersatz gedacht fast! Komm' mir herauf. Mädchen, Du kannst doch gleich dableiben?" Sie wird leider nicht bei uns blei ben können, Schwesterchen," versetzte der Brüder, und indem er sich Edda zuwendete, sagte er mit emer Ver beugung: Gestatten Sie mir, Miß, daß ich Sie zurückgeleite und Ihnen zugleich meinen tiefgefühlten Dank versichere. Die junge Mutter sowohl, als daö jünae Mädchen horchten staunend auf. Erstere wandte sich mit dem Kinde sopfschüttelnd ab, und Edda nahm' er bebend den ihr dargebotenen Arm. Sie haben mich also .erkannt?
fragte sie ängstlich, wahrend sie mit denf jungen Hrnn das Hotel verließ. Ach. um meiner armen Eltern willen, verrathen Sie mich nicht." Dieselben wissen also nichts von dem Scherz?" fragte er, indem er mit ihr auf die Straße trat. Mama weiß es wohl," gestand sie flüsternd, Papa freilich nicht, er ist ja in England, und Mama Und ich sollten eigentlich auch " Mrs. Lantrop wird auf uns warten. Miß Edda." fiel Uncle Dan ein. war er doch überzeugt, daß nun einmal das ganze Geheimniß offenkundig ge worden und nichts mehr zurück zu halten sei. Was Lantrop?" fragte über, rascht der junge Mann, doch nicht C. G. Lantrop & Co.?" " Wer sonst?" O. ich kenne das Haus nur zu gut, es steht mit uns seit Jahren in geschäftlicher Verbindung. Vielleicht haben Sie schon die Namen Stanton '& Weaver gehört, es ist unsere Firm Mein Vater ist Adam Stanton, und ich bin Henry Stanton." Edda entsann sich wol, daß gerade das Haus Stanton & Weaver von ihrem Vater in letzter Zeit oft mit Besorgniß erwähnt worden war. Was hatte sie nun in ihrem kindischenUeber mutb angerichtet? Ich verstehe ja nichts von Geschäf-
ten," entschuldigte sie sich, ich weiß nur, daß mein armer Vater sich großer Verlegenheit befindet, und wir, meine Mutter und ich, auf unsere ge wohnte Sommerreise verzichten müssen. Daß man so etwas vor Bekann ten und ??reunden?erbirgt, versteht sich ja von selbst, und daher verstecken wir uns in unserem Nebenhäuschen auf Edda's Grove, während man uns auf Reisen wähnt. Mir wurde aber die Zeit so entsetzlich lang, daß ich daraus verfiel, mich zu verkleiden, um einmal in die Stadt zu gelangen und mich umzusehen. Ach, und ohne es zu wi U sen und zu wollen, habe ich nichts wie Unheil angenchtet. Das haben Sie nicht," versetzte in herzlichem Tone Henry Stanlon, im Gegentheil, wer weiß, ob unser Zu sammentreffen nicht die besten Folgen nach sich ziehen wird." Sie dachten nicht daran, die Kabel car zum zweiten Male zu benutzen. sondern wandelten langsam neben ein ander die breite, lange Straße entlang, an deren Ende Edda's Grove gelegen war. Uncle Dan schritt hinterdrein, bald stöhnend, bald seufzend, bald mit sich selbst redend. Leichter ist es," murmelte er. einen Sack Flöhe zu mana gen", als ein einziges Frauenzimmer zu Huten. Vor der Gartenthür wollte sich Eddu verabschieden, aber Henry Stanton hielt ihre Hand fest und verlangte um leden Preis eingelassen und Mrs.Lan trop vorgestellt zu werden. Daß die Mltternachtsstunde bereits vorüber war, hatte unter den vorliegenden Verhaltnissen weiter nichts auf sich. So wurde denn der alte Neger vorausgeschickt, um den nächtlichen Gast anzumelden. Mrs. Lantrop glaubte, der Schlag müsse sie treffen, als ste erfuhr, was sich zugetragen. Aber schon vernahm sie die Stimmen der Anlangenden, schon ihre nahenden Tritte, ein Ausweichen war mithin unmöglich. Nach der ersten Begrüßung und ei nigen entschuldigenden Worten entfernte sich Edda, um ihre Verkleidung abzulegen und ein wenig später in ihrer wahren Gestalt zurück zu kehren. Sie fand, als sie wieder erschien, ihre Mutter mit dem jungen Stanton in einer ernsten Unterredung begriffen, die bei ihrem Eintritt abgebrochen wurde. Mit freudiger Bewunderung ruhte der Blick des jungen Herrn auf ihrer reizenden Gestalt, ihrem feinen, ausdrucksvollen Gesichtchen, das unter der braunen Maske noch an Frische und Lieblichkeit gewonnen zu haben schien. Henry Stanton hätte darauf schwören mögen,- nie etwas Holderes gesehen zu haben. Der Sommer war noch nicht zuv Hälfte vorüber, als Mrs. und Miß Lantrop, in Begleitung ihres neugewonnenen Freundes der sich als freund m der Noth bewährt hatte eine Reise nach England antraten. Die Geschäftsverältnisse hatten sich' auf Henry Stanton's Verwendung zum Besseren gewendet. In England woNten die Drei mit Mr. Lantrop zusammentreffen und in feiner Begleitung nach Frankreich hinüber segeln, um in Baris zahlreiche Einkäufe zu machen. denn im Herbst schon sollte eine großd. Hochzeit auf Edda's Grove gefeiert werden. Henry Stanton nannte seine Braut das muthigste kleine Mädchen, das er je gesehen, und seine Schwester' legte bei der ersten Verwandtschaftsvisite ihr Baby in die reizenden Arme seiner künftigen Tante, wobei sie in weckender Weise flüsterte: Du versteht Dich so gut auf dergleichen, ich wünsche Dir ein halbes Dutzend von der Sorte." I. Wackwitz-Busch. Falsch aufgefaßt. Der regierende Fürst von DingelfingenPutzlingen, der sich lange im Ausland aufgehalten hat, besucht bei der Rück kehr eine seiner Städte und in dieser zunächst die Gemäldegalerie. Er schreitet mit seinem Gefolge die Bilderreihe ab. bleibt von Zeit zu Zeit an einem Kunstwerk stehen und äußert dann regelmäßig: Sehr gut, bloß die Suppe ist zu schwach!" Schließlich wendet sich der Galeriedirector an den Adjutanten mit der Frage: Sagen Sie einmal, was meint denn Durchlaucht immer mit der' Suppe?" Ach, das ist eine Verwechslung!" erklarte der Gefragte, Durchlauch! wollte zuerst ins Krankenbaus fafir
Don einer wilden Bestie über- . fallen.
Obwohl ick an dem bewußten Tagt, schon um viere Nachmittags ccnen janz famosen Rausch hatte, " beginnt der der ttörperierlehung angeklagte Äuchbin der Julius Mohrmann vor dem GerichtShose in Berlin seine Vcrthcidi g'lng. so war ick doch noch janz klar . b:i Kopp Vorsidmder: Also wi der die alte Entschuldigung. Sie wollen die That in der Trunkenheit verübt haben.- Angekl.: Nee. Herr Jerichtshof, wat ick jethan habe, hab' ick jethan, un det mit dem tausch is nur so nebknbei, indem unser Meeser seine silberne Hochzeit zefeiert un unZ n paar Märker jejeben hatte, wofür wir uns uf fein Wohl wat anduhn sollten, wat denn occh in der Fidelen Ragel liste" in der Kövenickerstraße geschehen ls. Um vier 1'hr verließ ick dieses Lo kal, in Anbetracht dessen, det mir der Wirth vor die Thüre jeworfen hatte... Vors.: So. da scheinen Sie schon in der richtigen Berfasiung gewesen zu sein. Angetl.: Aber klar bei Kopp, Herr Je. richtshof, wat'n Jlück for mir war, weil ick sonst von die intfamigte Bestie vernichtet worden wäre. Ick hatte mir nämlich kaum vom Trottoir erhoben, als det 2' ich mit einem beteubenden Jeheul uf mir zugestürzt kam, mit die Zähne fleticyle un seine Qogen jierig und funkelnd us mir richtete. Wenn ick nich so'n beherzter Mensch wär un jleich meene Jeistesjeienwart wieder je Wonnen hätte, denn wart mir wohl fchlimm erjangen. . Vors.: Von welcher Bestie sprechen Sie eigentlich? An gell.: Na. von di, die mir schon lange nach dem Leben jetrachtet hat. und waj der Hund-von meinem Hauswirth is, der neben der Rajelkifte- wohnt. Der Mann is mich nich jrün, , weswegen er den Hund in Haß und Bosheit jegen mir jroßgezogen hat. Vors.: Nun kam wohl Ihr Hauswirth dazu und Sie schlugen auf ihn ein? Angell.: I bewahre, ick wollte nur der wilden Bestie einen Hieb uf die Schnauze jeden, denn mein Leben is mich doch lieb und ick wollt mir nich von so een jefräßigen Köter vernichten lassen. Wenn Herr Lang, wat der öijenthü mer von dem Thiere is. dazwischen sprang un den Schlag ufsing. dafür kann ick doch nich. Vors.: Darüber werden wir ja den Zeugen hören. Herr Lang trägt trotz der glühenden Hitze einen Sommerüberzieher, desien eine Tasche einen geheimnisvollen zap pelnden Gegenstand birgt. Er wird vereidigt und beginnt dann : Meine Herren, ich darf wohl sagen, da der Angeklagte Julius Mohrmann meinen Hund Molly mit einem wahrhast dämo Nischen Haß verfolgt hat." Wau, Wau! tönt es in diesem Augenblick durch ben Saal. Wer ist das! ruft der Vorsitzende. Wer erlaubt sich diesen Unsug?- Entschuldigen Sie, Herr Präsident", sagte der Zeugt Lang, es ist Molly, mein Hündchen, das ich gewissermaßen als Zeugen mit' gebracht habe." Vors.: Die Bestie, von welcher der Angeklagte sprach?Zeuge Lang: Die Bestie? O Gott, mein Molly eine Bestie?" ruft er ent setzt, bitte, meine Herren, überzeugen Sie sich!" Mit den Worten greift Her, Lang nach seiner Ueberziehertasche unt bringt ein kleines zappelndes Lebewesen zum Vorschein, das sich bei näherer Besichtigung als ein zartes Schoßhünd chen ausweift. Das ist also da blutgierige, rasende Thier, das Ihnen nach dem Leben getrachtet hat?" wendet sich der Vrsit)ende an den Angeklagten Nun sehen Sie, wie Ihre Uebertrei düngen aufgedeckt sind." Kleen, abei oho!" sucht sich der Angeklagte zu recht fertigen. Tet Bieft hat mehr Jift im Leibe, als zehn Hyänen zusammcnje nommen. det jlooben Sie man. mit dem is nich gut Kirschen essen." Der Zeuge erzählt, daß der Angeklagte den Hund gereizt und geschlagen habe, unc als er sich das verbeten habe, sei Mohr mann mit dem Stock auf ihn einge drungen und habe ihm mehrere Hiebe versetzt. Ter Gerichtshof verurtheilt den Angeklagten zu 8 Tagen Gefäng' niß. Herr Lang steckt fem Hündchen wieder in die Ueberziehertasche und ver läßt mit den Worten den Gerichtshof: Siehst Du, Molly, es gibt noch Rich. ter in Berlin." Ein Doppelgänger. Ei, nem kommandirenden General, der vo-, erst kurzer Zeit in einem Korpsbefehi den Officieren das Tragen von Civil. klcidern untersagt hat, begegnet es.daß ihm eines Sonntags früh sein eigene, Adiutant. ein Rittmeister von 3 in einem engen Gäßchen in Civilklei dung entgegenkommt. Der Rittmer. sier, dem es ganz klar ist, daß ein Ausweichen unmöglich, denkt, hie? nützt nur Unverfrorenheit; er tritt, seiü Hütchen ein 'wenig lüftend, an Excel, lenz heran und fragt den General, ob er nicht wisse, wo hier Rittmeister von 3 wohne, er sei sein Bruder." Ex cellenz bedeutet etwas verblüfft den Fragenden, daß Rittmeister von 3 gleich am Ausgange des Gäßchens an. Markte wohne, und geht, den Dank ! des Fragenden kaum hörend, weiter. ? es. w rwi L rwi Als am naazuen corgen oer ozulanl Rittmeister von 3 dem General den üblichen Rapport gemacht hat und sich entfernt, ruft ihn Excellenz mit den Worten: Herr Rittmeister, noch einen Augenblick!" nochmals zu sich sagt ihm: Was ich Ihnen . übrigens noch mittheilen wollte. Herr Rittmeister. ! wenn Ihr Herr Bruder Sie Sonntags Morgens noch emmal besucht, dann gehen Sie drei Tage in Arrest!" -Das drohende Gewitter. Frau: Diesen Nachmittag wird : meine Mama zum Besuch kommen!" Mann: Ich dachte mir's doch gleich; der Laubfrosch hockt schon den ganzen Morgen unten im Glas!Ein Schwerenöther. Ab, was seh' ich! Fräulein haben ja ' zwei ungleiche Fufee!" .Aber..... . mein Herr!- Der eine ist nämlich '.dübscüer. als der andere!" ......
