Indiana Tribüne, Volume 16, Number 339, Indianapolis, Marion County, 27 August 1893 — Page 6
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Ein Nihilisten. Ionr. Ich war schon mehrere Tage in London, hatte den Fürsten Krapotkin kennen gelernt, nach der Kaiserin Eugenie mich erkundigt und den großen alten Mann gesehen, der den Home: coinmentirt und die Jrländer befreien will ich war in den nebelerfüllten Straßen kreuz und quer umhergeschlichen ich hatte mich Sonntags gelangweilt, Montags die Heilsarmee, Dienstags die Verhaftung von Dieben gesehen und war Mittwoch betäubt und ermattet von dem Getöse deZ Straßenlebens in mein Hotel gekommen als Donnerstag des Abends mein freundlicher Führer zu mir in's Zimmer trat und mich anrief : Wollen Sie nicht mit mir zu Stepniat gehen ?" Stepniak V erwiderte ich. Wer ist das V Ah, ah, Sie ungebildetster aller gebildeten Zeitgenossen Sie wissen nicht, wer Stepniak ist ? Sergius Stepniak ist Russe, Nihilist er ist sogar der hervorragendste aller noch lebenden Nihilisten !" Also gut !" antwortete ich. Und nach Einbruch der Dämmerung machten wir uns auf die Reise nach einem stillfriedlichen Vororte Londons. An Ort und Stelle angelangt, treten wir in ein freundliche Häuschen. Die Räume sind einfach, aber geschmack?oll eingerichtet. Nichts deutet darauf hin, daß wir uns in eines Nihillsten - Leaders Heim befinden, das häufig Conspiratoren" empfängt. Kz'cat Flinte, kein Revolver, kein Dolch, nichts auch, was wie eine Dynamitbombe aussteht, ist zu bemerken. Die HauZfrau, eine russische Jüdin, waltet ruhig mit einer herzgewinnenden, aufrichtigen Liebenswürdigkeit ihres Amtes, der Hausherr hat für jeb:n Gast ein freundlich' Wort. Lald wird der unvermeidliche Thee scrvirt ; das Gespräch dreht sich um Tagesereignisse und so könnte man sich in eine recht spießbürgerliche Gesellschaft versetzt glauben, wenn nicht die interessanten, fremdartigen Er.scheinungen hier Männer mit gebräunten Gesichtern und tiefschwarzem 5kopf- und Varthaar. dort einige Damen mit gekürztem Kopfhaar in etwas nachlässiger Toilette, da wieder ein junger, blonder Mann mit' einem unheimlich alten Gesicht daran erinnerten, daß wir unter Revolutionären weilen, die ein sehr bewegtes, gefahrvolles Leben hinter sich, vielleicht auch wieder vor sich haben. Es wurde lebhaft durcheinander oesprock'en ; lebhaft auch und drastisch waren die Geberden, welche die Reden begleiteten. Bald satte man das Alltagsgespräch satt bekommen, und nun Wurden vergleichende Gefängnißstudien getrieben. Dies geschah mit groß:r Sachkenntniß. Von den anwesenden Russen hat es wohl keinen einzigen gegeben, der nicht schon hinter Schloß und Riege! gesessen ; einige hatten sogar schon Gelegenheit gehabt, als Gefangene jahrelang Ersahrungen zu machen. Ein blonder Russe führte lebhaft das Wort. Er ist Specialist in Gefängniß - Angelegenheiten und kennt aus höchst eigener Erfahrung die Peter - Paul - Festung in Petersburg, den Kerker von Charkow, die unendliche Etappenreise nach dem unerwünschten Ziele den sibirischen Bergwerken. Er wciß viel zu berichten und erzählt mit Vorliebe humorifrische Episoden. Welch' sonderbarer Contra st ein lustiger Nihilist ! Er war Student im ersten Jahrgang der medicinifchen Facultät. als er wegen allzu freiheitlicherÄesinnung zu Thaten hatte er es noch nicht bringen können auf die groß: Reise" nach Sibirien mußte. Er gehorte einem großen GefangenentransPorte an, dem er in Ermangelung eines Arztes die Dienste eines solchen zu leisten aezwunge,! wurde. Da traf et- sich, daß ein Soldat der Eskorte d?n heftigen Mag?nschmerzen ergrifsen lvurde. Unser Arzt wider Willen und ohne Wissen verabreichte aus seinem geringen Vorrath an Medikamenten dem Kranken statt einer Wismuth - Arznei aus Versehen eine große Dosis Nelkenöl bekanntlich ein sehr scharfes Präparat das in solcher Quantität genossen, gefährliche Zustände hervorruft. Als der rzt" seinen Irrthum gewahrte, war der Soldat bereits weggegangen. Vergeben? fahndete der verzweifelte Arzt nach seinem Patienten, um ihm ein Gegenmittel zu geben ; er hatte sich weder die Physiognomie des Soldaien gemerkt, noch kannte er seinen Namen. Am dritten Tage erschien der Todtgeglaubte. stürzte dem Arzt zu züßen und rief : Eine Medicin, Väterchen, haft Du mir gegeben d's ist die wahre ! Zwei Tage habe L) vor furchtbaren Schmerzen mich auf dem Loden gewälzt, in die Erde habe ich vor Qualen gebissen, dem Ende nahe glaubte ich mich so prächtig bat Dein Mittel gewirkt, Väterchen. Jetzt bin ich ganz gesund und ich bin gekommen. Dir zu danken, daß Du mir ein starkes, echtes Soldatenmitte! gegeben, nicht so einen Kinderb.ei !" Was ein russischer Magen Alles vertragen kann ! Düsterer klang es, als der gesprä6)ige Nihilist Folgendes erzählte : Wir waren auf dem Wege nach dem östlichen Sibirien. Als wir vor der Station Krasnojarsk anlangten, trat pährend einer Rast der Doyen der Eriminellen" (di e wegen gemeiner Verbrechen verurtheilt sind) an uns Politische" heran und bat um milde Gaben. .Ich hoffe," sagte er, die Herrschaften werben großmüthig sein ;
wir brauchen hier Geld für den Henker !" Für den Henker ? Was soll das heißen V fragten wir. Nun, die Herrschaften mögen erfahren," erwiderte das Oberhaupt der Criminellen". daß wir eine Partie von Vagabunden" mit uns haben. Es sind ' dies Leute, die ohne Pässe oder sonstige genügende Legitimationspapicre' in Rußland aufgegriffen werden und nach deu? Gesetze nach Sibirien verschickt w:.'den. Bevor sich die Vagabunden" dort niederlassen dürfen, erhalten sie je dreißig Knutenhiebe. Wenn man den Henker nicht bestechen würde, so könnte es den armen Jungen schlecht ergehen. Schmieren wir den Henker nicht, dann wüthet er. Wenn man ihm aber vor der Execution 15 bis 20 Rubel in die Hand drückt, dann peitscht er nur in die Luft." Wir steuerten die gewünschte Summ: zusammen und übergaben sie dem Vertreter der Criminellen, der in einfachen, aber herzlichen Worten dankte. Die Erzählung des CriminellenVertreters erweckte in uns den Wunsch, den gefücchteten Knutengewältigen kennen zu lernen, resp, in aller Freundschaft und nicht in AusÜbung seiner Funktion. In Krasnojarsk angelangt, suchten wir ihn auf und lösten ihm mit einigen Rubeln die Zunge. Er weihte uns in die complicirte' Kunst des Knutcns ein. Er behandelt sein Instrument mit staunenswerther Virtuosität. Vor unscren Augen hieb er mit einem einzigen Schlage ein Brett entzwei. Dann knallte und fuchtelte er mit seiner Knute ein kurzer Stiel mit Ledersträngen, an deren End.cn Bleikugeln befestigt sind ganz entsetzlich umher ließ sie mit aller Wucht auf ein Brett niedersausen und berührte es dabei kaum. Nur an dem Ausbleiben des Schalles beim Aufschlagen der Bleikugeln auf das Brett konnte man erkennen, daß der Henker" einen Scheinhieb ausgeführt. Sehr leicht kann der beim Knuten die Aufsicht führende Ofsicier getäuscht werden, wenn anders derjenige, dem die Knutung zugedacht ist, Schmerzen zu simuliren versteht. Im Gemache herrschte Stille ; die Erzählung hatte so tiefen Eindruck gemacht, als hätten die Anwesenden zum ersten Male vernommen, daß in Rußland noch die Knute in Anwendung gebracht wird. Die Rede kam je!)t auf den großen Antheil, den russische Frauen an den revolutionären Vetsuchen nehmen, und es wurde hervorgehoben, wie tapfer die vom schwanen Geschlecht das Gefängnißlcben mit seinen unerträglichen Qualen aushalten. Natürlich sprach man auch von der bekannten russischen Freiheitskämpferin Sosie Günzburg. Um den fürchterlichenLeiden, denen dieselbe in der Schlüsselbürg ausgesetzt war. ein Ende zu machen, beschloß sie. sich zu tödten. Sie wußte sich eine Scheere zu verschaffen, die leider nur allzu stumpf war. In mühseliger Arbeit gelang es ihr, in
Vt D,rf frrfi Vw f)srri nr Vir Tinfn VVfc JtUUJl V 11 Ull Vfc WklWll Hand förmlich aui.'.usagen und so I 1 nnl st Vrn Y)Yf.Min Vi? TTinr fetfctt.V tV Vllft V V . V . V V . . ter fanden sie am nchsten Morgen todt. Wie Herr Stepniak erzählt. wird der greise russische RevolutionsTheoretiker Lawroff. der seit Jahrzehnten in Paris lebt, demnächst eine ausführliche Bwcraphie oer Sosie Günzburg veröffentlichen. Als stummer Zuhörer hatte bisher in einer Ecke ein Jüngling mit unheimlich glühenden Augen im eingefallenen bleichen Gencht gemessen, den man seinem Aeußern nach für einen Italiener halten konnte. Es ist ein kaukasischer Fürst. Mükzsam erhebt er sich von dem Fauteuil und nimmt nun einigen Theil am Gespräch. Er spricht in kurzen, gebrochenen Sätzen, ab und zu hält er inne und preßt mit schmerzerfülltem Gesichtsausdruck die Fmaer an die Schläfen. Daß er todtkrank ist, daran läßt sich nicht zweifeln. Vor drei Jahren war er tta kraftstrotzender Mann. In den pariser Vombenproceß verwickelt, würd? er zu drei Iahren Kerkers verurteilt, aus dem er kürzlich entlassen toorden ist. Ach, 's ist in Fvnkrcich nicht bes. ser, als in Rußland !" erzählt der Kaukasier mit hohle? Stimme. Wir durften als Gefangene der französischen Republik wohl spazieren gehen. Eine Stunde täglich. Wir wurden in den Hof geführt, aber sehen konnten wir einander nicht, denn jeder mußte eine schwarze Maske anlegen, ehe er m's Freie trat. Man denke, was das heißt : tagsüber mutterseelenallein in. der Zelle und dann während des Spazierganges nichts als die Galgcngesichter unserer Peiniger, der Aufseher, erschauen zu können ; Das sind brutale Gesellen, nicht besser als der Henker von Krasnojarsk. Sie benützten sehr häusig das Maske.ltragen als willkommenen Vorwand zu allerlei Grausamkeiten. Jeden Augenblick stürzte einer von ihnen auf den Einen oder den Anderen zu und schlug mit brutaler Faust auf die Maske los, als hätte man den Versuch gemacht, die Maske zu lüften. Man schwieg, man duldete. Auch ich. Mein Gott, was wollte man thun ? Eines Tages konnte ich aber nicht mehr an mich halten ; als er mich wieder brutal behandelte, versetzte ich ihm einenSchlag in's Gesicht. Ich mußte dann zwei Wochen in der Correction verbringen. Und die Correction ? O, die ist fürch terlich !" Der unglückliche jungeMann schauerte zusammen und brach seine Erzählung ab. So neugierig wir auch auf die Schilderung der Correction waren, unterließen wir es doch, den Erzähler darum zu bitten, als wir sahen, wie mächtig ihn die Erinncrk'.ng er-
schütterte. Bald darauf verabschiedete man sich in sehr trüberStimmung. Ein Nihilisten - Jour ist eben nicht heiter. London, im JunZ 1893. Todtenst-dt. Ausstellung.
Man mag es, abgesehen vom wissen. schaftlichen Interesse, recht sinnreich finden, daß auf einer Weltausstellung auch die Vergänglichkeit alles Jrdi-. schen" ausgestellt wird, wenigstens alles glänzenden Menschenwerkes. Jedenfalls ist der antike Friedhof im anthropologischen Gebäude der Chicagoer Weltausstellung das wegen der ungünstigen Umgebung und des gelehrten Anstriches nicht so viel Zu. svrucb findet, wie es verdiente sehr sehenswerth für Jedermann, dessen Denken und Sinnen überhaupt jemals über den flüchtigen Augenblick hinausgeht. Am stärksten in dieser Todtenstadt ist Südamerika, und darunter wieder die westliche Küste desselben, vertreten, und gerade hierdurch thut sich diese Ausstellung besonders hervor. Ist doch der alte Friedhof von Ancon in Peru, 23 Meilen von Lima, einer der ältesten und merkwürdigsten der Welt, und sein Inhalt könnte großentheils von Unkundigen mit Reliquien aus der egyptischen Pharaonenzeit und sonst! gen antiken orientalischen Grabstücken verwechselt werden. 127 Gräber haben allein aus dem Friedhof von Anvon für die Ausstellung herhalten müs sen. Der Superintendent der archärloaischen Abtheilung, George A. Dorsey, hat 16 Monate lang in den südamerikanischen Gräbern herumgesucht, um eine möglichst vollständige Sammlung zu erhalten. Da liegen nun die alten Peruaner die schon zur Zeit der spanischen Eroberung längst in das Todtenreich eingegangen waren in der Weißen Stadt so friedlich, wie in dem harten cementartigen Kies von Ancon, und neben ihnen erblickt man die Töpferci-Arbeitcn, Geräthe, Wassen und getreu wiedergegebene: Nah. rungsmittel, von denen sich die Todten auf ihrer langen Reise erhalten soll ten. Peruanische Mumien. E ist schier ein Wunder zu nennen, daß diese Ausstellung so vollständig werden konnte. Schon von der spa nischen Eroberern wurde in jener Todtenstadt herumgewühlt, und viele Tö-pferei-Artikel wurden weggenommen, und in der Neuzeit machten sich Neliguieniäger und Grabschänder viel in Ancon zu schassen. Während deS Krieges zwischen Chile und Peru in: Jahre 1879 ca.mpirten 2000 chilenische Soldaten in der Nähe von Ancon, und sie rissen fast täglich Hunderte von Gräbern auf, blos zu dem Zweck, die Töpfe herauszunehmen und zu zerschmettern. Drei Meilen weit über das Wü stengebiet hin sind dortherum Schädel. Knochen, Kleidungsstücke und GefLße zerstreut. Obwohl sich nicht einmal die Zeit mehr feststellen laßt, in welcher das be treffende Geschlecht gelebt hat, liefern die Gräber genügenden Beweis dafür, daß wir es hier mit einem sehr betriebsamen Volke zu thun haben, welches zugleich die Jagd liebte, ein ziemlich ausgebildetes Neligionssystem hatte und dem Vergnügen der Kinderwelt nicht geringe Aufmerksamkeit widmete. Wir lernen auf der Ausstellung nicht nur die Begräbnißgebrauche dieser vorgeschichtlichen Peruaner. sondern auch ihre Fortschritte in der Kleider-, Töpfereiartikel- und Massenfabrikation kennen. Thönerne GcfZge u den Katabom'en. Offenbar wurden gewöhnlich ganze Familien in einem Grab beerdigt. Dabei fällt ein merkwürdiger Umstand auf, nämlich: daß in allen Fällen, die man bis jetzt untersuchen konnte, alle Leichen in dem nämlichen Grab zur gleichen Zeit beerdigt worden zu sein scheinen. Sollte auch dort der schaurige Brauch bestanden haben, wenn das Haupt einer Familie starb, die überlebenden Angehörigen zu tödten oder lebend mit zu begraben? Hr. Dorsey und andere Forscher konnten nicht Yxt geringsten directen Anhaltspunkte für eine solche Theorie finden, welche übrigens noch nicht einmal ausreichend wäre zur Erklärung dieser all gemeinen Erscheinung. EinstweilVi ist Hr. Dorsey zu dem Schluß gelangt.
ban die vielen Gräber m Ancon durch irgend eine große Seuche gefüllt wor-
den seien, welche sehr viele Familien völlig dahingerafft r)abe. (Es ist daker bacillenfürchtigen Vesuchern zu rathen, sich nicht zu nahe an diese Ausstellung heranzuwagen, denn wer weiß, zu welcher Niedertracht so ein südlicher Vacillus oder seine Nachkoinmen selbst nach Jahrtausenden noch sähig sind?) Lei Bereitung dieser Gräber wurde der Sand von der Oberfläche abgeschöpft, und dann wurde in dem festen Kiesboden ein Loch gemacht, dessen Tiefe zwischen G u. 20 Fuß schwankte. In dieses wurden die Leichen nebst Zubehör gelegt. Niemals befeuchtet ein Regen die Oberfläche von Ancon. Der Kies enthält große Mengen Salzstoff. und die Leichen, die in Kleidunasuuae und Blätter eingeschlagen wurden, waren zur Zeit ihrer Entdeckung ziemlich gut erhalten, obgleich sie offenbar mit keinerlei Einbalsamt. rungs-??luidum delt worden waren. 3ft V"" . i''i''"!r. WÄM m&w: 7rw'A W7k iflpfffiÄ yQ ß'MWfpi w &4C5ir? kKorb und Arbett?gerath. Die Arme wurden dicht über die Brust gefaltet, und die Beine fast stets ' heraufgezogen, bis die Knie beinahe das Kinn des Todten berührten; dann : wurde die Leiche in Tuch geschlagen ! und mit Stricken aus Llama-Wolle j oder Menschenhaar fest zusammengebunden. Vor die Leiche des Familienvaters wurden Töpfe mit Nüssen und Pal gestellt. Mann und Weib wurden fast immer nebeneinander geleat. Neben den Mumien fand man Säckchen mit Medicinen hängen, sowie Täfclchen mit hieroglyphischen Inschriften. welche die Wissenschaft wahrscheinlich niemals wird entziffern können! Außerdem fanden sich Säckchen mit Mais und Bowlen mit Erdnüssen. Neben die Leiche der Frau wurde ein zierliches.ausNinde gefertigtesKästch. gestellt, mit Handarbeits-Werkzeugen und Lebensmitteln ?füllt; und zu ihren Fußen ein einfacher Webstuhl, mit Kämmen aus Cactus-Nadeln. Unerklärt ist auch der oft sich zeigende Brauch geblieben, einer Mumie einen falschen Kopf aufzusehen, dessen Haupttheil ein mit Stroh gefülltes Säckchen war. während die Augen aus Muscheln bestanden,, die Nase aus Wolle.und der Mund aus Strick; oben war ein BandhäuZitchen aus Stroh aufaesekt. Das Aeußere der eingeschrumpften, rissigen Haut an den Mumien, die man bis jetzt geöffnet weist auch darauf hin, daß jene Nation reichlich Farbe an Leichen, und wohl auch an lebenden Körpern anwende, ten, sei es, um ihnen ein kriegerisches Aussehen zu geben, sei es auch blos des Schmuckes halber. Eine ausgestellte Mumie. 3coch eine Menge anderer GrabReliquien enthält diese merkwürdige Ausstellung, darunter allerlei Obst, getrocknete Fische. Meerkrabben u.s.w. Aus Gräbern der kleinen, ge-genwär. tig unbewohnten Insel La Plata. etwa 30 Meilen von der Küste von Ecuador entfernt, sind Geräthe, Kriegskeulen,' Scepter, holzgeschnitzte Bilder, sowie solche ausGold und Silber und sehr vollendete Töpfereiwaaren ausgestellt. Die nordchilenische Stadt Jqnique, welche ganz und gar auf einem altertbümlichen Friedhof erbaut wurde, ist ebenfalls durch interessante GrabReliquien, darunter auch Modelle voi. Booten und Rudern, vertreten. Ein Theil dieser Sammlungen aus südamerikanischen Staaten soll der Weltausstellnngsstadt nach Schluß der Aufstellung dauernd erhalten bletben, namentlich sämmtliche peruanische Sachen. Kasernhofblüthen. Feldwebel lzum Rekruten, der krumme Leine hat): Richt mit Ihrem rechten, sondern mit Ihrem linken Türkensübel muffen Sie antreten!Unterossizier (zu einem Soldaten beim (uen.AuStf,?Zs,n' N I machen ja gerade cin Gesicht wie die BenuS von Milo. a;? sie in den sauren Apfel aus Paris beißen sollte!Die Hauptperson. Bei der Hebeseier eines Hauses hält der Maurerpolier folgende Ansprache an die versammelten Arbeiter: Seben Sie, meine Herren, bei so einem großen Bau sind dreierlei Sorten Menschen . veiazaillgl! i,i zunächst Eener. der ' versteht et, aber er kann et nich det is der Herr Baumeetter; dann sind eine janze Menge, die können et. aber sie verstehen et nich det seid Ihr. die Ardeiler; und schließlich jibt es noch Emen, der versteht et und er kann et ooch det bin ick, der Herr Maurer-'polier!"
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HofbräuhauSkur.
Von Jan van Zuy len. Sie müssen einmal aus dem ewigen Einerlei heraus," sagte mein freund, der Doctor. Gehen Sie auf's Land, machen Sie eine Kur durch, gleichgiltig, welche, in Marienbad, in Ilranzensbad, aber trinken Sie nicht zu viel Masser, denn es ist nicht harmlos. Fahn Sie ab!" Auf's Land? Rein. Marienbad? granzensbad? Kenne ich auswendig. Wasser? Nein. Und doch eine Kur! Nach kurzem Besinnen entschied ich mich für eine Kur im Hofbräuhause zu München. Die Luft ist dort vorzüglich, im Hofe nämlich; liebenswürdige Erinnerungen knüpften sich an ihn und ick war lange nicht dagewesen. Ich wollte sie auch wiedersehen, die wallenden Wolken von Malzdunst, die durch die Gatter streichen, voll Wohlgeruch ::nd verheizender Feuchtigkeit. Wenn es irgend geschehen kann, reise ich am liebsten bei Tage. Man sieht dann die grüne Gegend und ist weniger Gefabren ausgesetzt, als in der Nacht. Es ist auch 'von Wichtigkeit bei meiner Vorliebe für die Halbcouves. die auf der Stirnseite mit Glasscheiben ausgestattet sind. Kommt es einmal zu einem Zusammenstoß, so leistet ein solches Halbcoupe keinen erheblichen Widerstand, ist sofort plattgedrückt und man mit. Da dies eben bei Tage nicht so leicht vorkommen kann, saß ich in dem engen Raum stillvergnügt und blickte auf das Gefilde hinaus und nach den fernen Bergen, vor denen der Traunstein in seiner edlen Gestalt sich erhob. Was hat man in der Nacht davon? Nichts. Man sieht nichts von all' dieser Herrlichleit. nichts von der Bergwelt hinter Salzburg, nichts von den breiten Firnen, die von Neichenhall und Berchtesgaden herüberblinken in lichter Pracht. ..Gut." wird Jemand sagen, das habe ich schon so oft gesehen." Es ist vielleicht ein Grund, aber immerhin bleibt es ein erfrischendes Vergnügen, an einem klaren Sommertag diese wundervolle Erscheinung an sich vorüberziehen zu lassen, zumal wenn man in einem Halbcoupe mit Glasscheiben sitzt. Man hat ja auch den Stefansthurm schon oft gesehen und blickt doch jedesmal, wenn man in seine Nähe kommt, mit Freude an ihm hinauf. Auch die Münchner ffrauenthürme kenne ich schon auswendig und doch erfüllt mich jedesmal von Neuem ihr Anblick mit Wohlbehagen, und ich lobe mir die Bayern, daß sie ihnen die .Gestalt von Humpen gegeben haben. Früher habe ich mir oft gedacht, wenn ich als Frühschoppen nur den einen Frauenthurm halb voll undAbends den anderen ganz voll haben könnte! Wie würde ich da den Deckel aufschlagen und so einen Thurm an den Mund setzen und seinen Inhalt langsam durch die Gurgel rinnen lassen! Ja, das war früher; jetzt bin ich weit genügsamer. Der Mensch veredelt sich mit der Zeit, er hält Maß in allen Dingen und ein Maßkrug hält auch einen guten Schluck. Wenn der Eilzug die Stadt in wertem Bogen umfahren hat und sich dem Hauptbahnhof nähert, da sieht man sie schon, die lieben 5Ieller; da ist der Hackerbräu, Pschorr, Franziskaner und wie sie alle heißen, und man begrüßt sie etwa wie, wenn man einmal wieder nach Marienbad kommt, den Ferdinandsbrunnen. den Kreuzbrunnen und die Waldquelle. Auf einem der Keller sind im schwarzen Schatten dichtbelaubter Kastanien helle Gestalten zu sehen, von denen jede einen grauen Punkt vor sich auf dem Tische hat: Studenten mit Maßkrügen. Sie blikken eine Weile nach dem langsam rollenden Zug. der über die Wechsel klirrt, berüber und trinken dann weiter. Sie trinken vielleicht so lange, bis ihr Bildniß, dick und fett, in die Fliegenden Äi'.?tter" gelangt. Wenn man in München schönes Wetter trefft, ist es dort ganz reizend, namentlich nach Sonnenuntergang, sobald die Maßkrüge ihre Hauptwan derung antreten. Man sieht sie wohl den ganzen Tag, aber doch nur vereinzelt, am Abend dagegen in ganzen Sckwärmen. Ueberall begegnet man Mädchen und selbst Kindern, die, den arauen Krug mit dem zinnernen Klappdeckel in der Hand, über die (va'ie geden. In der Nähe des Hofbräuhauses ist das Gewimmel am größten. Dahin lenkte auch ich meinen Schritt, denn ich wollte die Kur sofort beginnen. Durch das große Thor kam ich auf den Hof. Er ist etwas verschönert; das Gatterwerk, durch das früher der Malzdunst strich, ist nicht mehr da, statt seiner eine feste Wand mit Arkaden. Dort saßen an vielen langen Tischen auf dopelt so dielen langen Bänken, dicht aneinander gedrängt, wohlgekleidete Leute, Hemdärmelige Leute, rettigschälende, wurstknackende, käseschneidende Leute mit dem Maßkrug vor sich. Wenn ich dort hätte Platz nehmen mögen, hätte ich doch keinen gefunden. Einige der hemdärmeligen Personen hatten ein so volles, breitgedrückies Sitzfleisch und, so stramme Hosen darüber, daß es aussah, als seien sie mit der Bank verwachsen und wollten sich nimmer von ihr trennen. Auf dem Fußboden lagen die Schalen, Häute und Rinden der verbrauchten Lebensmittel. Die Tische zeigten sich ebenfalls von solchen Abfällen und von nassen Ringen bedeckt. Im offenen Hse war es auch voll von Menschen. Sie hatten ihre Maßkrüge auf Fässer, auf die Gesimse der Mauer, in die Fensteröffnungen, ja selbst auf die Pflastersteine gesetzt. So war es früher auch. Nirgends war ein Platz für mich armen Kurgast. Ich ging in's Innere hinein, am triesenden Schank vorbei. Alles war voll in dem langen niedrigen Saal; es waren wenigstens doppelt so viele Leute nigegen als unter den Arkaden uud sie
zeigten sich ebenso mannigfaltig gekleioet. Naß war es auch überall; im Teiche von Bethesda konnte es nicht nasser und voller von Kurgästen gewesen sein. Dämmerung und Dunst erfüllten den Raum. Ich ging hinaus in's Freie und dabei litt ich die Qualen des Tantalus, als mir immerwährend die vollen Maßkrüge an der Nase öorbeiqetragen wurden. Betrübt verließ ich das Hofbräuhaus, mich tröstend, daß ich morgen Vormittags einen Platz finden und mich dann rächen werde. Als ich nun draußen stand und zu:rst rechts nach demOrlando diLasso", dann links nach der Regensburger Wurstküche" hinüberblickte, wo ich früher so manchen Trost gefunden hatte, sah ich zu meinem Erstaunen ein wunderschönes Wirthshaus vor mir, eine neue Filiale des Hofbräuhauses. Flugs ging ich hinein. Ein Prachträum that sich vor mir auf; die Wände braun getäfelt, die Fenster mit GlasMalereien verziert, die kassettirte Decke oon vornehmen Säulen getragen. Dioans längs der Wand. Alles großartig und stylvoll im elektrischen Licht. Mir war zu Muthe, wie den Kindern im Walde, wenn sie in das hellerleuchtete Feenschloß gelangen; so groß war der Gegensatz zwischen den demokratischen Zuständen im Hofbräuhause und diesem vornehmen Saal. Jetzt haben sie inMünchen noch mehrere solcher Räume, die an stilvoller Ausstattung ihresgleichen suchen. Darinnen ist aber die Bedienung wie in iedem anderen bayrischen Wirthshause. Die Kellnerinnen dort sind ja wahre Muster an Flinkheit und Umsicht, und wenn sie auch in Frage und Antwort kurz sind, lassen sie Artigkeit nicht vermijen. Rasch kommen sie daher, und steht der Deckel offen, heißt es: Wollen's noch eins?" Dann fliegt auch schon der Maßkrug an leichter Hand durch den Saal und kommt voll wieder zurück. Stark sind sie wie die Möglichkeit; sechs volle Maßkrüge tragen sie in jeder Hand und halten noch drei mit jedem Arm gegen den Leib; so schreiten sie durch den geräumigen Saal. Das soll einmal Jemand versuchen. Ich habe in meinem Leben schon von mancher Jungfrau einen Backenstreich erwischt; es war jedesmal mehr Vergnügen als Schmerz dabei; ?on einer solchen Kellnerin aber möchte ich keinen erhalten. Wenn das Königreich Bayern in Kriegsnoth einige Rezimenter zu Pferd aus seinen Kellnerinnen bilden möchte, würden diese nicht allein rasche, umsichtige Soldaten sein, sondern auch mit furchtbarer Kraft dreinhauen. Am nächsten Vormittag versuchte ich abermals mein Glück im Hoföräuhause. Aber mir schien, als hätten die Gäste vom vorigen Abend sich gar nicht fortgerührt; die Hemdärniel stützten sich noch auf den Tisch, die strammen Hosen noch auf die Bank. Nirgends ein Platz. So ging cs den ganzen Tag. Allmälig ward mir zu Muthe, wie dem Fuchs bei oen hochhängenden Trauben; nach meiner Erfahrung in der stolzen Filiale am Abend' vorher fand ich, daß das Hofbräuhaus im Vergleich mit früherer Zeit zu viel Malz und zu wenig Würze nehme, daher sein Erzeugniß etwas süß sei. Schon in Augsburg hatte ich dies gehört und auch von einigen Münchnern. Alte Erinnerungn hiclten mich noch fest, aber dann ging ich, zögernd und' etwas betrübt. Eine Kur hatte ich im Hofbräuhause halten wollen, aber dieses hatte mich oon sich kurirt. Ich ging nicht wieder hin. Als das ehrwürdige Gebäude hirfter einer Straßenecke verschwunden ioar, beschleunigte ich meine Schritte, um nach dem Sterneckerbräu im Thal zu gelangen. Er ist auch ein alter Vekannte? von mir. Die Wirthsstube ist dunkel und schmucklos, aber ein kcrniger Trunk wird Einem dort vorgesetzt. Christine, die Kellnerin, besorgte dies in ihrer flinken Weise. Sie kann .'uch achtzehn volle Maßkrüge auf einmal iraarn und ist dabei, wenn man sie srag?, zur Antwort freundlich bereit. Weiß Gott, ich habe das kraftvolle und doch gütige Wesen der Bayern so gern; es hat etwas dem österreichischen Verwandtes. und wäre mir Wien nich! so an's Herz gewachsen, möchte ich es unter allen deutschen Städten noch am liebsten mit München vertauschen.
.Eine ganze Diebes bände stand kürzlich vor dem Militär bezirksgcricht in Würzburg in Bauern. Bon dem für dic Remontepferde be stimmten Hafer hatten entwendet der Sergeant Karl Klo, Schuhmacher aus Impflingen (B.-A. Landau. der Sergeant Anton Rohrbacher. Sckuh macher aus Hessen, Sergeant Emil Klober. Kaufmann aus Worms und Unteroffizier Georg Töpfer aus Efselden bci Müllhausen i. E.. sämmtliche vom. ü. Ehevaurleger-Regimcnt in Saargemünd. Den von den Unterosfizicren den Pferden abgezwackten Hafer verkauften sie in Quantitäten bis zu 30 Lentncr insgesammt J0 Zentner im Durchschnittspreise von ti bis 9 Mark per Eentner. Tadei benutzten sie Militür-Fuhrwerk und ließen das In-Säckefasien. Aufladen und Fortführen durch Soldaten, möglichst Rekruten, besorgen. DieMilitär-Säcke wurden umgekehrt und mit den Zeichen von Feuerstein versehen, welcher meist den Hafer' ankaufte. Tie Sache kam durch ' ein anonymes, an den Negi-mcn:s-ommandeur gerichtetes Schrei ben auf. Tie drei Soldaten erhielten neben Degradation je sechs Mona'.e Keföngniß. während Unteroffizier Töpfer freigesproch? wurde. Gewissenhaft. Fräulein: Schm Sie, ich würde niemals einen Manu beirathen, der mich nur des Geldes halber nähme'." Herr: ,Na, Na!" Fräulein: Nein, weii ich ilm betrügen müßte, ich habe ja keins!"
Ter Vater der Zlkörder.
Der Vater der Mörder' das ist der Beiname, den ein zum Tode verurtheilter Verbrecher dem früheren Chef der Pariser Sicherheitspolizei, Herrn Jacob, gegeben hat, de? vor einigen Tagen gestorben ist. Herr Ja:ob war während seiner Amtszeit allgemein beliebt ja selbst die Äerbrecher hatten ihn nem. die er dem Gerichte auslieferte, daher sein Beiname. Seine Laufbahn war ungewöhnlich. Von Beruf war er ursprünglich Schulmeister; .er wurde dann vom Gymnasium in Lens als PolizeiCommisjar nach Voulogne-sur-Seine versetzt. Dann wurde er nach Paris berufen; er erhielt hier zunächst ein Polizei - Commissariat und wurde schließlich von dem damaligen Polizeipräfecten Leon Renault zum Chef der Sicherheitspolizei ernannt. In dieser Stellung hat er sich sehr auszezeichnet, und nicht wenige Verbrecher danken es seinem Scharfblick, daß sie ihre That auf der Guillotine büßen mußten. Eine der berühmtesten Kriminalgeschichten, mit denen er sich zu beschäftigen hatte, war die Blutthat des Studenten der Medizin Lebiez und des Agenten Barre, der beiden Mörder der Milchhändlerin Gillet in der Nue Paradies, welche die Unvorsichtigkeit begangen hatte, dem Barre anzuvertrauen, daß sie 14,000 Francs in Werthpapieren besitze. Barre bat die Frau Gillet, ihm Milch ?,u bringen, und eines Morgens, als sie die Milch in ein Gefäß gießen wollte, versetzte ihr Barre zwei heftige Hammerschläge auf den Kopf, während Lebiez ihr mit einem spitzen, eisernen Instrument mehrere Stiche in die Brust beibrachte. In wenigen Augenblicken war die That vollbracht. Lebiez. der Student der Medizin, zerschnitt nicht sofort die Leiche, weil er wußte, daß zwei Stunden nacü dem Tode das Blut nicht so reichlich fließt. Die beiden Mörder verbrachten die Jeit im Kaffeehause. Lebiez zerschnitt dann die Leiche, trennte mit einem Rasirmesser den Kopf, die Arme und Beine ab und legte die Glieder in einen Koffer seines Genossen Barre, während dieser sich nach der Wohnung der Milchhändlerin begab und hier die Werthpapiere wegnahm; Herrn Jacob gelang es, sich der Mörder zu bemächtigen, die am 31. Juli 1878 zum Tode verurtheilt wurden. Einige Monate später, am 25. März 1879,' hatte der Chef derSicherheitspolizei den Mörder der Frau Lcclere ausfindig zu machen, die ui'.tcr besonders geheimnißvollen Umständen in ihrer Wohnung getödtet war. Es gelang Jacob, einen jungen zwölsjahrigen Burschen, Namens Ollivier, einen Vetter der Ermordeten, zu verhaften, dem eine Vorliebe fürUhren ciacnthümlich war und der die arme Frau getödtet hatte, um in doci Besitz ihrer Uhr zu gelangen. Der Chef der Sicherheitspolizei verhörte ihn; der junge Mörder zeigte nicht die geringste Reue. Ich weiß," sagte er, daß man Kinder nicht guillotinirt. weshalb s)ll ich mir also Sorge machen!" Drei Jahre später wurde der junge Ollivier bei einer Revolte auf der Insel Non getödtet, wohin er als Sträfling gesandt worden war. Merkwürdigerweise fand man auch jetzt wieder eine Uhr in seiner Tasche, die er gestohlen hatte. Der Verbrecher, der dem Chef der Sicherheitspolizei Jacob den Leinamen Vater der Mörder" gab, nar ein Mönch Namens Albert, der cm 25. October 1877 hingerichtet wurde. Er wollte auf der Guillotine eine Anspräche halten. Als man ihm das nicht gestattete, bat er den Herrn Jacob, ihm die Hand zu reichen. Als der Chef der Sicherheitspolizei ihm diese Bitte gewährte, rief Albert gerührt aus: Ich bin glücklich," und sich an die anwesende Menge wendend, fügte er binzu: Das ist der bravste Mensch der Welt!" In seiner Zelle im Gefängnib La Grande Roquette hatte er ;m versiegeltes Papier hinterlassen, welcües erst nach seiner Hinrichtung geösfnet werden sollte. Das Papier enthielt die Worte: Laßt den HenkerRoch verhaften, dieser Mensch mißfällt mir mehr als irgend Jemand; was den Herrn Jacob anbetrifft, so verehre ich ihn er ist der Vater der Mörder!" Aus Graz wird berich' tet. daß sich ein Kreis von Freunden und Verehrern P. K. RoseggerS zusammenge unden hat, um anläßlich dessen fünfzigsten Geburtstages ein groneZ steierisches Nationalfest zu veranstalten. Zum Festplae ist eine in der Nahe von Mürzzuschlag malerisch gelegene Hoch flache auserjchen. Ein Comiie in Graz hat die Herausgabe einer prachtvoll ausgestatteten Festschrift in die Hand genommen, in der aller bedeutenden Landsleute und Persönlichkeiten, die auf den Lcb.-n-lauf AoscggcrS Einfluß genommen haben, gedacht werden wird. Rosegger ist am 31. Juli 18-13 in Al pel bei Krieglach geboren, beging somit am 31. Juli seinen fünfzigsten Ge burtstag: als Festtag ist jedoch der 13. August in Aussicht genommen. Getäuschte Erwartung. Schmidt (in ein Eisenbahn (?oupe steigend, wo Schulze allein sitzt): .Ah. Morgen, mein lieber Herr Schulze. Rauchen Sie?" Schulze (freudiz): 0, gewiß." Schmidt laussteigend: Dann will ich mich doch lieber in ein NichtrauchcrCoupe setzen." N u r N o b e l. .Dieser Schmuck kostet 250 Mark. Herr Baron bei Baarzahlung aber nur 230 Mark!" Glauben Sie, mir liegt an lumpigen 20 Mark etwas Ich bleib' ihn schuldig'." Vielversprechender An fang. Patient: Tarf ich nun wie der ein Glas Vier trinken?" Arzt: .Vorläufig wenigstens Wasser aus dem Bierglas'."
