Indiana Tribüne, Volume 16, Number 339, Indianapolis, Marion County, 27 August 1893 — Page 3

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(". Fortsetzung.) JRtln, ich thue es nicht. Wie sollte ich? Ich habe mein ganzes Leben hier gelebt und sie hat mich niemals besucht, noch mir erlaubt, sie zu besuchen. Es ist wahr, wenn ich meine Augen schließe und nachdenke und zuweilen im Schlafe sehe ich ach so ferne und wie im Nebel! aber so zärtlich und liebevoll das Gesicht einer schönen Frau, mit reichem Haar, das sie umfluthete. wieDich das Deinige; aber ich denke dabei, daist nicht meine Mutter. Das ist meine einzige Erinnerung von der Welt außerhalb des Instituts." Wie seltsam!" sagte Paulette. Weißt Du, wie lange Du hier bist, meine Liebe?" Sechzehn Jahre immer, seit meinem dritten Geburtstage." Ein lauter.gleichsam klagenderWindstoß ging durch die Bäume am Spielplatze draußen. Paulette lauschte einen 'Augenblick und dann fuhr sie 'fort: Aber ihre Briefe, theure Sibyl sie schreibt Dir sehr regelmäßig, dessen bin ich gewiß hast Du ihre Briefe?" Sibyls Antlitz besänftigte sich nicht im mindesten. So wie sie sind. Ein Mutterherz zeigt sich gewiß nicht darin sie belästigt mich nicht mit Gefühlen. Aber :s heißt, sie sei krank und gebrechlich, oas soll Alles erklären." Aber was kann sie damit bezwecken. Dich so lange hier zu halten?" sprach Paulette nachsinnend und voll inniger Sympathie mit ihrer Freundin. Kann sie Dein Alter vergessen haben? Weiß sie, wie schön Du bist? Ich hätte niemals gedacht, daß sich eine Mutter von einer Tochter von achtzehn Jahren so freiwiliig fenchalten könne." Du siehst, daß es möglich ist," txwiderte Sibyl trocken. Mama beschränkt sich ausschließlich darauf, meine Rechnungen zu bezahlen, mir monatlich einen Brief von fünf oder sechs Zeilen zu schreiben und mir eine Menge Nadelgeld zu senden so daß ich immer mehr habe, als andre Mädchen im Pensionate. O Paulette, es ist ungeheuerlich! Warum holt sie mich nicht von hier fort? Schon vor langer Zeit habe ich Alles gelernt, was man hier lernen k.inn. Wie müde bin ich dieses Ortes! Wie hasse ich ihn! Wie jeh.".e ich mich fort!" Und mit großem Schmerzensgefühle schlug sie ihre kleinen, weißen Hände jujarnnien. Paulette umschlang und küßte sie. Die zvei Mädchen schienen ?inander sehr zugethan. Natürlich gewiß. Warum solltest Du nicht? Ich sehne mich auch zu gehen obgleich man hier sehr gut ge zen mich war und ich Allen Sorge genug gemacht habe. Ich sehne mich Thuringen zu sehen und Schloß Weißenthurn und Hiköa, von der mein Vormund so viel spricht. Man hat doch noch so viel vor sich mit achtzehn Iahren! Es ist abscheulich, daß man Dich hiereingeschlossen hält, wie eine Nonne. Qil1n denn die Lehrerinnen nicht den wahren Grund davon?" Nein,.i6 habe sie gefragt. Sie antworteten. Mama sei sehr krank als zb sie nicht gerade in diesem Falle eine erwachsene Tochter sehr nöthig haben könnte. Horch! Ich bin gewiß, daß ich endlich einen Wagen hör." Sie lauschten. Ein schwaches Klinzeln tönte bis in den Eorridor.' Bormüri'dchen!" rief Paulette und roarf sich in die Arme ihrer Freundin. Einen Moment nachher erschien eine zroße, graue Frauengestalt im Corri)or. Sie näherte sich Paulette, mit einer Karte in einer Hand und einer Kerze in der anderen. Das Licht der Letzteren strömte voll auf die zwei wartenden Mädchen. Mein theures Kind.- rief Miß Anzus. eine von den unteren Lehrerinnen, .Genera! Freiherr von Weißenthurn ist hier." Komm' mit mir. Sibyl," sagtePaulette, ihre Gefährtin bei einer Hand erfassend. Sie eilten eine Stiege hinab. Tu mußt meinen theuren, alten Lö7v:n sehen. Wir können nur einen AuAnblick mit ihm allein sein. Rasch! Nasch, ehe die Lehrerinnen und Vit anderen Mädchen sich um uns sammeln, um mich abreisen zu sehen." Ach, Du wirst mich vergessen. Pauleite ich weiß es!" seufzte Sibyl. Du wirst mir nur zuerst einige Briefe schreiben. dann wirst Du mich dergessen das ist der Lauf der Welt." Der Welt!" rief Paulette. sich auf oen letzten Stufen rasch umwendend. Was weißt Du von der Welt? Du bist Dein ganzes Leben hier eingeschlössen gewesen. Was Erfahrung betrifft, bin ich zweimal so alt wie Du, thörichtes Kino! Ja, Du bist nur ein Kind, ich aber habe den Jahrmarkt oes Lebens gründlich kennen gelernt! ftein, ich werde Dich niemals vergessen. Du hast sehr Unrecht, das zu sagen. Bormündchen! Vormundchen! Äormündchen! Hier bin ich und hier ist meine Busenfreund in, Sibyl Amstein!" Dies Letzte sprach sie, als sie in daZ Speisezimmer flog und ihre Arme um den Nacken des Generals schlug. Er stand am Eingange, sie erwartend, in der That ein alter Löwe von großer, kräftiger, aufrechter Gestalt, in einen Mantel gehüllt, das weiße Haupt unbedeckt und sein broncefarbiges Gesicht zeigte den Ausdruck zärtlicher Erwartung. Paulette zog sein Haupt zu sich und küßte den Alten auf eine seiner rauhen Wangen. Hier bin ich." wiederholte sie, und hier ist meine theure Freundin, Sibyl Arnstein." Und wundervoll gut siehst Du aus, meine Liebe," sagte der General, in

dem er ryr, wie ewem Z?Znde, eine Hand auf's Haupt legte. Du bist auch qewachsen einenZoL oder mehr, möchte ich sagen. Und dies ist Dein: Freundin? Ich freue mich, sie kennen zu lernen." Ueber Pciulettens aoldgelocktes Haupt sah er nach Sibyl hinüber. Das Mädchen war an der inneren Thüre zögernd stehen geblieben und d:s Licht jiel voll auf ihre junge Schönheit, auf die schlanke, hohe Gestalt, auf das wohlgebildete Antlitz mit den dunklen Augen und dem dunkeln Haar. Der General starrte sie an und sein Lächeln und seine höfliche, wohlwollende Miene verschwand. Der Name ich hörte den Namen nicht!" sagte er rasch. Arnstein!" antwortete Paulette. Ich habe es doch ein Dutzendmal in meinen Briefen geschrieben. Vormund. Ich -bitte, komme doch näher, Sibyl. Ihr zwei müßt Euch kennen lermn Ihr müßt Freunde werden." Sibyl kam näher und verneigte sich vor dem alten Soldaten. Ich würde Sie mehr lieben," sagte sie traurig lächelnd, wenn Sie nicht meine beste Freundin fortnehmen würden." Er antwortete nicht sogleich. Sein ganzes Aussehen hatte sich verändert und war düster und kalt geworden, aber die Adenx auf seiner Stirne schwollen dick an. Unsinn!" brach c? endlich los; Du machst sehr schnelle Freundschaft, wenn Du diese Kleine noch so kurze? Zeit schon Deine b:ste Freundin nennst. Arnstein! Beim Donner des Himmels! Ich hatte gehofft, diesen Namen nie wiedr zu hören in meinem Leben!" Sibyl wich zurück. Seine Augen flammten vor. wiloem Feuer, während er sie anstarrte. Aus's .Höchste beunruhigt trat Paulette zwischen die Beiden. Vormund. Vormund!" rief sie. in Thränen ausbrechend, was ist denn so Fürchterliches an Sibyls Name? So warst Du noch nie! Du bist ja gar nicht mehr Du selbst!" Sibyl stand regungslos beiseite. Er besänftigte sich etwas, als er Paulettens Thränen sah, aber seinGesicht blieb düster. Wahr!" rief er rasch. Welche Ursache habe ich, eine solche Scene zu machen? Ich vergaß mich. Verzeihe mir, Kind, auch Deine Freundin soll mir verzeihen. Ich habe ein schlechtes Temperament. Was ist ein Name? Der Ihrige hat für mich nur einen unangenehmen Klang, weil ihn einst eine Person trug, die mir schweres Leid zufügte. Was kann sie dafür? Man muß meinem Alter verzeihen, aber es ist wahr, ich habe ein Herz wie ein Mühlstein. Ist Dein Gepäck bereit, Paulette? Dann verabschiede Dich und laß uns gehen." Er war in einem Momente kalt und mürrisch geworden. Er wendete sich von den beiden Mädchen ab und starrte durch's Fenster bin.us. Paulette berührte Sibyls Arm. Ist das nicht seltsam?" flüsterte sie. Dein Name! Beach!? es nicht, ich bitte Dich, er wird es bis morgen wieder vergessen haben alte Leute haben oft wunderliche Launen. Da kommenFräulein Mathilde und die Angus. Umarme mich! Du wirst mir trotzdem schreiben, mich trotzdem besuchen in Thüringen. Und nun Allen mein Lebewohl!" Eine lebhafte Bewegung folgte. Alles drängte sich, den scheisenden Lieblmg zu umarmen. Die Träger brachten das Gepäck herab und die schrillen Stimmen der Mädchen ertönten durcheinander. Sibyl Arnstein stand da wie eine Statue sie hörte die Bemerkung machen, daß es eine schlechteNacht zum Reisen sei. und dann schlangen sich Paulettens Arme zum Letztenmale um sie, und deren Küjjc bedeckten ihr Gesicht. Lebewohl! Lebewohl! Soll sie nicht kommen und mich in Weißenthurn besuchen. Vormund?" hörte sie Paulette flüstern. Wenn Du es wünschest." antwortete er kalt. Schloß Weißenthurn wird Deine Heimath. Es steht Dir frei, dahin einzuladen, wen Du willst!" Sibyl sah nur noch, wie Paulette vom Wagen aus einen Blick nach ihr zurückrichtete. Sie sah noch einmal das finstere Gesicht. des Mannes, der, wie es schien, eine ihr unerklärliche tieseAbNeigung gegen sie hatte; dann rollte der Wage.n fort; Fräulein Angus schloß unter einem Seufzer die Thüre und Alles war vorüber. Siby! setzte sich auf der Stiege nieder. Für einen Moment schien ihr, als ob Alles rings um sie schwimme. Sie werden sie sehr vennissen," sagte die Unter-Lebrerin zu ihr. Wann wird die Reihe an mich kommen? O, Fräulein Angus, wann wird die Reihe an mich kommen?" rief Si byl weinend aus vollem Herzen. Bald, lassen Sie es uns hoffen," seufzte die Lehrerin, da Sie sich doch darnach sehnen, uns zu verlassen." Kann denn Jemand damit zufrieden sein, wenn es immer so fortgeht?" fragte das Mädchen, die Hände ringend. Ich kann es nicht und will es nicht! Ich werde sterben, wenn ich länger hier bleibe ich werde es wahrhaftig!" Fräulein Angus, an solcheAusbrüche gewöhnt, antwortete zunächst mit einem Seufzer, dünn sagte sie: Die Theeglocke hat geläutet, und man muß essen und trinken, wenn es Einem auch schwer ist ums Herz." Essen und trinken? Ja; und ob auch Weltreiche zusammenfallen und das Leben leer wird von Allem, was es begehrenswerth macht. Sibyl erhob sich von der Stiege und ging traurig in den Epeisesaal, wo die andern Zoglinge versammelt waren, um den Thee zu nehmen. Die Wahrheit zu sagen, war sie bei diesen nicht sehr beliebt, sowohl ihres vornehmem Wesens als auch

shrer aulzerordentlichen Schönheit w: gen, und weil sie so wenig über sich selbst wußte und gleichsam nur dem Institute anzugehören schien. So ist also Paulette fort!" plauderten die Mädcken leithin. Glückliches Geschöpf! Dieser alte Vormund soll reich sein wie ein Jude. Er hat ein großes Schloß. Ah, wie viel Liebhaber sie haben wird!" Man lachte, man beneidete Paulette. Kommen zunächst nicht Sie daran, Miß Arnstein? Wann gehen Sie denn einmal?" NiemalZ." antwortete S'.byl trocken. Ich werde ohne Zweifel eine Nonne weroen und den Schleier nehmen." In ihrem Schlafzimmer obcn saß sie diese Nacht lange wach und starrte hinaus m die Finsterniß, bis eines der Mädchen ihr zurief: Es ist besser, Sie gehen schlafen, Sibyl. Sie bekommen sonst die galoppirende Schwindsucht im Zug am Fenster und verderben Ihre Schönheit durch- Nachtwachen." Als FräaleinAngus auf ihrer nächtlichen Runde an die Thüre kam, sah sie das Mädchen noch träumerisch am Fenster sitzen, aber sie störte sie nicht. Und was dachte Sibyl? Meine Mutter! Wo ist meine Mutter diese Nacht? Wie viele Jahre nsch meine besten Jahre soll ich hier zubringen? Ich hoffe, daß ich sie lieben konnte. Ob ich sie jetzt liebe? Ach, ich kann es nickit sagen. Liebt sie denn mich? Gewiß nicht, würde sie mich sonst immer von sich ferne halten? Wer liebt überhaupt mich? Kein menschliches Wesen in der Welt, außer Pauleite, und die wird mich jetzt in ihrer neuen Heimath vergessen bei dem schrecklichen alten Manne, der bei meinem Namen schon in Zorn gericth." Sie ging endlich zu Bett, während diese Gedanken sie noch wie Bienen umschwärmten. Sie schlief nur wenige Stunden, dann erwachte sie. Die Uhr schlug sechs. Der Rea.cn peitschte das Fenster in der Nähe ihres Bettes. Zu Füßen des Letzteren stand Fräulein Angus, eine Kerze haltend, deren mattes Licht mit der Dämmeruna kämpfte. Was gibt es?" rief Sibvl emporfahrend und betroffen durch diesenAnblick. Wis ist geschehen?" Die Unterlehrerin hielt ihre dünne Hand vor die flackernde Flamme. Stehen Sie sogleich auf!" sagte sie kurz. Man hat nach Ihnen gesendet, Fräulein Arnstein!" 9. Capitel. Mit einem Schrei sprang Sibyl auf den Boden, erfaßte ihre Kleider und legte diese eilig an. Ist es möglich? Wer ist gckommen?" rief sie athemlos. Beruhigen Sie sich," antwortete die Lehrerin. Ein alter Mann einDiener Ihrer Mutter. Ich werde Ihnen packen kelfen. Ein Wcrgen wartet und man scheint große Eile zu haben." Endlich! Endlich! Die Thüren ihres Gcsängnisses waren offen und sie konnte gehen! Sie fiel auf ihre Kniee, betete haftig. unzusammenhängend und machte mit kalten, zitternden Händen ihre Toile!:?, während einige der Mädchen ihren Koffer packten, schlössen und ihn aus dem Schlafgemache zogen. Das Frühstück wartet," sagte Fräuleili Angus. Ich bin gewiß, daß Sie versuchen werden, ein wenig zu essen. weil ich es selbst bereitet habe." Frühstück! Sie zwang sich, einen Bissen Semmel zu nehmen und eine Tasse Kaffee hinabzubringen. In der Halle fand sie einen Mann wartend, der sie in die Arme ihrer unbekannten Muttö bringen sollte. Sibyl eilte zu dem Manne. Si' sind gekommen, um mich abzuholen?" rief sie und sah aus, als ob sie bereit wäre, den demüthigen Befreier zu umarmen. Er hob seine milden Augen, sah auf die bezaubernde julze Schönheit und verbeugte sich höflich. Befindet .sich meine Mutter besser? Ist sie ganz widergenesen?" fragte Sibyl. Es geht ihr besser," sagte der alte Mann. Ist es eine lange Reise?" Etwas mehr als vierundzwanzig Stunden," antwortete er und zog ein Billet aus der Tasche, das er ihr abermals mit einer Verbeugung überreichte. Sibyl vsfnete den Brief und las: Begib Dich ohne Furcht unter die Obhut meines treuen Dieners Naman. Er bringt Dich sicher zu Deiner Mutter Kein Wort weiter. Das Herz des Mädchen schlug so bange, als ob es ihr zerspringen wollte. Leidenschzftlich zerriß sie den' Papierstrerfen und warf dann die Stücke beiseite. O Mutter, Du verschwendest nicht viel Worte an mich!" lachte sie bitter. Nun gut. Felix, lassen ie uns gehen. Wie bedauerlich es ist. daß Pauleite nicht noch einige Stunden warten konnte, wir wären dann gemeinschastlich von hier geschieden!" Sie nahm rasch Abschied von Allen und hielt sich dabei noch am längsten bei der Unterlehrerin, FräuleinAngus, auf. deren Augen von Thränen überflogen, als sie Sibyl zum letzten Male umarmte. Dies war die einzige Person, welche das schöne, dunkeläugige Mädchen wirklich liebte und die mit Kummer von ihr schied. Dann blies der kalte Morgenwind in Sibyls Gesicht die Luft der Freiheit die Wagenthüre schloß sich und das Mädchen verließ für immer diesen Ort. Es lag eine Reise von mehr als vierundzwanzig Stunden vor ihr, wie der Bote gesagt hatte. Eine ungeheure Distanz für ein Mädchen, das bisher wie eine Nonne gelebt, das sein Dasein, abgeschlossen von der Welt, in einem Institute zugebracht! Sie sprach nicht zu

dem Manne, der in einer Wagenecke saß und sie beobachtete. So neugierig sie auch sein mochte, sie konnte keine weiteren Erkundigungen über ihre Mutter bei dem Diener einholen. So fuhren sie in völligem Schweigen dahin. Sibyl starrte hinaus in die regnerische Landschaft und harrte auf die Bahnstation, von der aus ihre lange Reise erst eigentlich beginnen sollte. Endlich saß sie in dem Eisenbahn wage, in einen Shawl gehüllt, Bücher und Reifetaschen neben sich; und ihr nahe saß der Diener, wachsam wie immer, und Sibyl begann um sich zu blicken. Die Sitze des Wagens waren größtentheils besitzt. Viele bewundernde Blicke richteten sich auf das unverschleierte Mädchen mit dem entzückenden Antlitz und betrachteten dann ihren schweigsamen Begleiter. Sie betrachtete all' die Scenerien, die an den Wagenfenstern vorüberglitten, bis ihre Augen müde geworden waren. Dann zählte sie die Stunden, die noch verfließen mußten, ehe sie die Heimath erreichen konnte, wenn überhaupt ein Ort, der ihr ganz fremd war und wo nur eine Mutter lebte, die ihr bisher so wenig Liebe bewiesen, eine Heimath genannt werden konnte. Wie lanasam schien ihr die Eile des

(keuchenden Dampfrosses! Wie schlug ihr Herz bange bei dem Gedanken, daß ihr nun endlich das Mysterium ihreZ Lebens enthüllt werden sollte! Man dinirte auf einer Station und nahm auf einer andern einen wahrhaft kläglichen Thee. Dann bemühte sich Sibyl, einige Nachtruhe zu finden, denn ihre fieberhafte Ungeduld hatte si: etwas beruhigt und ihre Augenlider wurden schwer. Der Begleiter kauerte sich in die Nähe und beobachtet: sie unermüdlich. ES war doch freundlich von Mama," dachte Sibyl, mir einen so aufmerksamen Menschen als Begleiter beizugeben." und dann verfiel sie in den Schlaf. Rasselnd und keuchend ging derTrain weiter. Ihr Begleiter weckte sie am andern Morgen, als es Zeit war, ein hastiges Frühstück zu nehmen, das er ihr durch das Wagenfenster reichte. Ich habe acht lange Stunden verschlafen," sagte Sibyl, sich entschuld!gend. Aber ich bin auch Mama um acht Stunden näher." Sie lehnte sich auf ihren Sitz zurück und beobachtete die fliegende Landschaft und den unaufhörlich fallenden Regen. Ihre Füße und Hände waren wie Eis; ihr Gehirn war wie im Feuer. Man näherte sich den Vorstädten einer Stadt, als sich der Diener vorwärts lehnte und ihren Arm berührte. Sie sind nicht gewöhnt, zu reisen." sagte er. Sie sehen aus. als wenn Sie einer Ohnmacht nahe wären. Nehmen Sie diesen SchluckWein." Er hatte eine Flasche und ein Trinkglas in der Hand. Er füllte das GlaS und reichte es ihr hinüber zu ihrem Sitze. Sie streckte die Hand aus, um es zu nehmen, als es plötzlich einKnarren, Krachen und einen Schrei gab, dem eine dichte Finsterniß folgte. Hebt sie sorgfältig auf!" sagte die Stimme eines Mannes. Ein Gewicht auf ihreBrust gepflanzt, wie der Fuß eines Riesen, schien Sibyl zu Staub zu zermalmen. Plötzlich wurde diese Last von irgendwem gehoben und bei Seite geworfen. DasMädchen öffnete ihre Augen und sah um sich. Ueber ihrem Haupte erblickte sie im Dämmerlichte den Himmel. Regentropfen fielen ihr in's Gesicht. Sie sah auch einen steilen Erddamm und eine Brücke, und auf der anderen Seite Wagen auf Wagen gethürmt in einer fürchterlichen Verwüstung. Laternen leuchteten hie und da in der Finsterniß wie die Augen eines Cyclopen. Sie hörte Gestöhne und Schreie, voll unaussprechlicher Angst. Das Gewicht, das auf ihre Brust gedrückt hatte und beiseite geworfen worden war, lag ihr nahe. Ihre Augen richteten sich darauf. Es war der todte Körper von ihrem Begleiter. Ein Arm schlang sich um sie er hob sie empor. Ihre Augen sind offen," sagte dieselbe Stimme; sie hat Bewußtsein," und dann neigte , sich ein Antlitz, halb von einem Barte bedeckt, tief über Sibyl. Mein armes Mädchen, wo sind Sie verletzt?" Sie versuchte es, sich auf einen Ellbogen zu stützen, aber die Bewegung preßte ihr einen ScbmerzenZschrei aus. Sie sank unter die Trümm:r zurück. Wir müssen hier ein Tragebett haben," rief der Mann einer andern Gestalt zu, die sich nahebei in der FinsterNlß bewegte. Wallner, helft mir, wir wollen sie zusammen in mein Hauö bringen." Sibyl hatte jcht Krast genug, sich mit dem anderen Arme etwa? emporzurichten und sie that es, verwirrt und erschrocken. Wer seid Ihr?" stammelte sie. Wohin wollt Ihr mich bringen?Das bärtige Gesicht neigte si zu ihr. Nach meinem eigenen Hause in der Nähe." antwortete der Mann in sanftem Tone. Es hat hier ein fürchterliches Unglück gegeben. Sie sind verletzt." . Sie wurde sanft emporgehoben und auf ein Tragebett gelegt,das mit einem Mantel bedeckt war. Sibyl trug man über Waqentrllmmer dahin, bis man einen Seitenweg erreichte. Wir werden die Haushälterin und die Mädchen schön in Verlegenheit bringen, Herr." sagte der Mann, der vorher Wallner genannt worden war. Ich will es wagen," antwortete der andere kurz; nur vorwärts! Das arme Kind muß ohnedem fast zwei Stuu-

den unter den Trümmern zugebracht haben." Kind!" rief Wallner; meiner Treue, Herr, sie sieht mir sehr wohl erwachsen aus." Still, Narr! Und gebt auf den Thorpfosten Acht!" Die Beiden kamen auf einen Gartnweg, voll der Düfte feuchten Immergräns, wo eine Menae Hunde, von verschiedener Race und Größe, auf sie losstürzten und sie anbellten. Ein Lichtstrahl traf dasGesicht des verwundeten Mädchens, Gestalten bewegten sich um sie und Eine schrie laut auf vor Entsetzen. Still doch!" rief der Mann mit dem Barte. Ich habe diese Nacht schon genug jammern hören! Der Teufel hole die Hunde! Jagt sie fort, Wallner! Oeffnen Sie das Gastzimmer. Fräulein Monika es ist wahrscheinlich so dumpfig wie ein Kerker. Vorläufig will ich sie in mein Zimmer bringen." Das Tragebett wurde zunächst eine große Stiegenhalle empor gebracht. Mehr todt als lebendig wurde Sibyl auf ein Bett gelegt, in einem schönen Gemache, das ein imKamin brennendes

. Feuer wohl durchwärmte. Der Mann j mit dem Barte begann geradezu, ihr ; die Kleidung von der Schulter und ; dem Arm abzuschneiden. ! Gott, Herr von Varneck! Thäte Wallner nicht gut, sogleich zu einem Doktor zu gehen? Sie scheint sehr arg verletzt!" So sagte eine Frau, in Schwarz gekleidet, die Fräulcin Monika genannt worden war und welche nun neben dem Bette der Verwundeten stand. Den Doktor!" wiederholte Varneck in einem unbeschreiblichen Tone, indem er an den Kleidungsstücken weiter schnitt. Der Himmel segne S:o! Er hat jetzt so viel Leidenden beizuspringen und könnte nicht kommen, wenn er auch wollte. Hm! eine ausgerenkte Schulter und der Vorderarm gebrochen. Vandagen und Holzspähne, Fräulein. Ich bin selbst Wundarzt genug, denke ich, um einen Knochen einzurichten." Das alte Fräulein eilte fort und kam bald mit den verlangten Gegenständen zurück. Was für ein junges Geschöpf!" siüsterte sie, indem sie auf das verwundete Mädchen herabsah. War sie ganz allein, Herr von Varneck?" Das kann ich nicht sagen." antwortete er kurz. Hier ist ein Taschentuch mit einem Merkzeichen in einer Ecke vielleicht ihr Name. Nun, bringen Sie etwas Riechsalz und em Glas Wein." Er vollzog seine Aufgabe mit raschen und geschickten Händen. Sibyl lag da, mit weit geöffneten Augen, mit den weißen Zähnen auf ihre bleichen Lippen gepreßt vor Schmerz, und ertrug die Marter der Operation regungslos und ohne auch nur einen Laut. Er hatte das kaum erwartet und als er fertig war, trat er zurück und betrachtete sie mit Ueberraschung. Mein armes Kind!" sackte er, Sie haben es mit wahrem Muthe ertragen! Das Riechsalz! Sie wird ohnmächtig, nachdem Alles vorüber ist, recht nach Frauenart!". Einmal in der Nacht erwachte Sibyl und öffnete ihre Augen; da sah sie auf dem Tische eine mit einem Schirme beschattete Lampe und Medicinflaschen, und daneben saß das alte Fräulein in einem Lehnstuhle und nickte. Durch den ganzen folgenden Tag wurde das Zimmer dunkel und ruhig erhalten. Niemand trat ein, als das Mädchen Anna und Varneck. welcher kam. um nach dem verwundetenArme zu sehen. Betrachten Sie sich als meinen Gast," sagte er höflich, und nicht als eine Fremde. Sie haben gut geschlafen. Sie haben kein Fieber. Ich prophezeie Ihnen eine baldige Wiedergenesunz." Sie blickte ruhig zu ihm empor. Er war von großer Gestalt, mit einem gutmüthigen Gesichte, ein Paar hell leuchtender blauer Augen und einem blonden Barte es war Hermann von Varneck, ungefähr drei Jahre nachher, nachdem er als Liebhaber von Paulette Werner eine so ernste Erfahrung gemacht hatte. Sie sind sehr gütig," sagte Sibyl mit schwacher Stimme. Waren Sie auch in dem Zuge?" Nein, ich ging nur hinab, um den armen Unglücklichen beizuftehen, und kam durch einen Zufall auf Sie. Darf ich fragen, wie es kam, daß Sie allein reisten?" Ich war nicht allein," antwortete sie. Ein Diener meiner Mutter war bei mir. Ich sah seinen todten Körper auf dem Bahndamme." Soll ich nicht ihren Freunden telegraphiren? Sie sind jetzt ohne Zweifel in großer Besorgniß um Sie." Sie lächelte sektsam. Ich denke nicht. Ich habe daS Mißgeschick. unter meinen eigenenVerwandten eine Fremde zu sein. Doch werden sie vielleicht gerne erfahren, daß ich lebe." Er sah sie erstaunt an. Unzweifelhaft! Ich werde mit Vergnügen an den Telegraphen befördern, was Sie mir dictiren." In zwei und einer halben Zeile aab Siby! die Nachricht von Felix Tod, von ihrer Rettung und der Unterkunft, die ? sie gefunden, wo sie eme weitere Weisung von ihrer Mutter erwarte, die für sie blos ein Schatten und ein Name war. Mit einem halb unterdrücktenLächeln erhob sich Varneck. nachdem er das Telegramm niedergeschrieben hatte. Sie werden natürlich hier bleiben, bis Ihre Freunde kommen, Sie abzuholen," sagte er und eilte aus dem Ztmmer. In der zweiten Nacht wachte Anna bei Sibyl. Sie fand diese ziemlich ruhelos und aufgeregt. Wird sich Mama um mich kllmmern?" wiederholte sich Sibyl oft im Stillen und bewegte häufig daö $aut

voll Schmerzen auf demKissen wird sie endlich besorgter um mich sein, wenn sie erfährt, daß ich dem Tode so nahe war?" Diese Frage wurde endlich so beängstigend für sie und das Zimmer war so todtenstille, daß sie mit einem Male bange ausrief: Sprechen Sie mit mir! Halten Sie mich ab vom Nachdenken! Mein Kopf will mir zerspringen und ich kann nicht schlafen. Sprechen Sie von irgend etwas, was es auch immer sein mag!" Annas rundes Gesicht drückte große Theilnahme aus. Meine Theure!" sagte diese, es ist Ihnen schwer, allein zu sein unter Fremden bei Ihren Leiden, und das ist kein Wunder! Ich will gewiß sprechen, obwohl Fräulein Monika es mir verboten hat. Es "kommt mir auch nichts schwerer an, altz so schweigend dazusitzen. Sie finden das Haus wohl ein wenig düster. Es ist Herrn von Varnecks LLndsitz aber er kommt nur her, wenn er eben die Laune dazu hat und seiner Mutter aus dem Wege gehen will, obwohl man das .nicht sagen soll. Ich will Ihnen ein Geheimniß sagen, wenn Sie es gerne hören wollen." Nicht, wenn es Jemand Anderen betrifft, als Sie selbst!" antwortete sie. Mein Gott warum sage ich auch Geheimniß?" fuhr Anna nach einem Seufzer fort. Jedermann weiß es. Herr von Varneck hatte eine unglückliche Liebe." Sibyl antwortete nicht. Sie beobach tete die Schatten an der Wand über ihrem Haupte. Es war irgend eine leichte Person," fuhr Anna fort, durch das Schweigen ermuthigt. Man schoß ihretwegen auf ihn und er war dem Tode nahe. Sein? Mutter war wie wahnsinnig, und er ist seither auch nicht mehr derselbe wi sonst. Er lebt hier oft abgeschlossen V y . o . . r t 1 V Z.

w:e ein 'concn, was gewi zeigi, oag sein Herz schwer verwundet ist. Da er der Letzte seines Stammes ist, möchte ihn Frau von Varneck gerne verheira, then, was er aber nicht thun will. Und was sie betrifft, ist sie von sehr stolzer und hartnäckiger Art. Wir hier fürchten sie alle wie Gift. Wenn sie ihren Sohn nicht auf die eine Art beherrschen kann, versucht sie es auf eine andere Weise. Wenn ein Befehl nicht hilft, wird sik ohnmächtig. Wenn sie streiten, was oft geschieht, wird sie ohnmächtig. Mari möchte in jeder Tasche ein Riechfläsch chen haben, wenn sie da ist. Dann ist noch ihre Nichte, Fräulein Lucie, ganz nach demselben Muster. Es ist kein Wunder, wenn Herr von Varneck fro ist, fern von ihnen leben zu können." All' das wurde so rasch gesprochen, daß Sibyl gar keine Gelegenheit fand, dem Redefluß desMädchens Einhalt zu thun." Nicht doch," sagte sie nur einmal. Herr von Varneck wird es nicht germ haben, daß Sie solcheDinge einerFrem den erzählen." Ach, was das betrifft, weiß es Za doch Jedermann, wie ich schon vorhin gesagt habe," antwortete sie hartnäckig, Es gibt Dinge, die man gar nicht ver borgen halten kann. Sein Benehmen isi jaStadtgespräch. Er ist oft halbeNächti aus, reitet durch die Wälder oder segelt auf dem See, oder ist unten in einem finsteren Zimmer und spielt seim große Orgel oder Physharmonika. biEinem der Kopf zerspringen könnte. Seine wunderlichen Launen nehme gar kein Ende seit jener Affaire mit der leichten Person. Es ist bekannt. ferne und nahe," und sie plauderte sc fort, bis Sibyl auf ihre Kissen zurück' sank und die müden Augen schloß. Di monotone Stimme der Schwätzerin brachte ihr endlich den Schlaf. Als Sibyl am nächsten Morgen spät erwachte, fand sie dieLuft desZim mers stark parfümirt. Ein Strom von Wohlgerüchen umduftete sie. Sie sak auf einem kleinen Tischchen einenKorb. gefüllt mit Orchideen und Lorbeerzwei gen, mit Rosen und Reseda. Ah," flüsterte sie, tief athemholend, und sog den süßen, ihreNerven beleben den Duft ein. Fräulein Monika näherte sich ihr rasch. Ich stimme nicht bei, daß Blumen in ein Krankenzimmer gebracht wer den," sagte sie, aber Herr von Varneck Wollte sie hier haben. Wenn Sie es wünschen, will ichAnna läuten und wir können Sie auf das Sopha heben. Ich habe Ihnen einen Schlafrock von Frau von Varneck gebracht, Sie sind ungefähr von Ihrer Größe." Sie legte ein weißes Morgenkleid mit rothen Seidenbändern auf das Bett. Anna wurde gerufen, ein Sopha an den Kamin gerollt und Sibyl auf des sen Kiffen gebracht. Bringen Sie mir einen Zweig Reseda wollen Sie?" sagte sie zu Mo nika. Wie gütig ist es von Herrn von Varneck. mir das zu senden!" Es war ein trüber Tag, voll kalter Regengüsse und fliegender Wolken. Durch den Contrast schien innen Alles so wohlig und freundlich. Sibyl träumte die langen Stunden ungestört fort; sie saß in den weichen Kissen, wie ein Vogel im Neste, und Fräulein Monika strickte schweigsam in der Nähe. Es dunkelte frühzeitig und die Dämmerung sank wie ein Trauerkleid außen auf die grüne Landschaft. So ruhend, sah Sibyl plötzlich eine Gestalt, die im Schatten der Thüre stand und sie bobachtete. Es war Hermann Varneck. Er stand so still, daß er selbst wie ein Theil des Schattens erschien; als sie aber dieAugen auf ihn richtete, trat er näher. Lichter, Fräulein Monika." rief er. Wollen Sie auch nach Thee läuten? Wir wollen ihn hier nehmen, wenn Fräulein Arr.stein nichts gegen deGesellschast ihres Arztes einzuwenden hat." (Fvrtseung folgt.)

Ginfluh deö Tabaks auf die Gf selligkeit.

Ein Mann, der nicht raucht, scheint seine Muße nicht in dem Maße zu ge, nießen, wie einer, der raucht meinte neulich ein Correspondent der Tit Bits" und wenn er nicht etwa ein anziehendes Steckenpferd" hat, scheint er kaum zu wissen, was er mit sich an fangen soll. Wenn er ein verheirathe ter Mann ist, so ärgern ihn möglicher--weise die Kinder, oder wenn er nach dieser Seite hin keine Ablenkung sindet. so wandert er durchs ganze Haus, steckt seine Nase bald hierhin, bald dorthin und endigt schließlich in einem Zwist mit seiner Frau, m dem er irgend eine Kleinigkeit hervor, sucht, woran er was auszusetzen sin. det. Der Raucher hingegen langt,' sobald er seine Abendmahlzeit beendet hat. sich seine Pseife die Friedenspfeife" herunter oder holt seine Cigarre hervor, setzt sich in einen be. quemen Stuhl, athmet ein paar Passs" des beruhigenden Krautes ein und vergißt in zehn Minuten alle kleinen Unannehmlichkeiten, er ist in Frieden mit sich und der Welt. Nichtraucher scheinen selten mit der gemüthlichen Behaglichkeit still zu sitzen wir ihre rauchendzn Brüder. Wenn sie sich mit einem Freunde unterhalten, wandern ihre Augen über das ganze Zimmer, ja in der Mitte einer interessanten Unterhaltung jagen sie einem einen Schreck ein. indem sie plötzlich aufspringen, um ein Bild gerade zu hängen oder einen Zierrath anders hinzustellen. Sie isoliren sich gern von der Gesellschaft und stehen dher nicht gerade in dem Rufe, gemüthliche Menschen zu sein, kurz, sie sind nicht aesellia. Aber wenn ein Kreis von Rauchern zusammenkommt, heraus kommen die Pfeifen oder Eigarren. und unter herzhaftem Gcplauder und Gelächter ist schnell die Zeit verstrichen. Man kann dreist die Behauptung aufstellen, daß die Mehrzahl der Frauen rauchende Männer vorzieht. Man frage nur einmal herum unter den Damen, besonders unter den ver heiratheten, sie sind ohne Ausnahme auf Seiten der Rauchn. Sie sagen. Männer mit einer Pfeife oder Cigarre sehen zufriedener aus. man kann leicht ter mit ihnen umgehen, sie sind gesell!ger. weniger reizbar. Es liegt etwas Befriedigendes und Besänftigendes in dem Tabak, so sehr auch seine Gegner gegen ihn anschreien. Ohne Zweifel ist Tabak, übermäßig genossen, schädlich. Aber Wein, Spiritussen und Bier sind das auch, ebenso wie Essen. Gehen, Laufen, Reiten und alles An dere. ftbald es übertrieben wird. Der Rath eineÄ Philosophen: Genieße jeden Luxus, den Du Dir leisten kannst, aber ergieb Dich nicht einem auf Kosten t.ller Anderen ist jedenfalls be herzigenswerth. Alle guten Dinge auf Erden sind uns gegeben, um mit Mäßigung genossen zu werden. Ehre, dem Ehre gebührt: Ein höherer Verwaltungsbeamter in Ostpreußen hat bekanntlich einen Brief zurückgewiesen, weil derselbe außer sei nem Namen keinen der ihm zukommenden Titel trug. Er erklärte gleichet tig, daß er nie einen Brief,' dessen Adresse nicht seine vollständige Titula. tur tras.e, annehmen würde. Zur Permeldung unbestellbarer Sendungen wäre also dem ostpreußischen Würden träger dringend zu empfehlen, an alle seine Korrespondenten ein vollständiges Verzeichniß seiner Titel zu senden. Damit sie sich besser dem Gedächtuin einprägen, könnte man sie vielleicht in folgende, sanzdareNeimlem bringen: Meine genaue Adresse! Schreibe, wenn Tu schreibst an mich. Die Adrene gut und richtig. Denn es sind ganz sicherlich Meine vielen Titel wichtig! Also weis' ich daraus hin. Und nun merke Dir, ich bin: Erbenstiftungs Kammer- Kalkulator. Kommunal Landziegelei Administrator und Justiz Oekonomi: Vcrmes sungs Kommissariats - Kolloborator, Steuer-Tebitoren - Pfändungs Mobi liar-Tarator, orftadt-Armen - Hospital - Inspector, Kirchen Miniftcrial Kanzleivire.'tor, Konnstorial-Teposttal-Rendant. Teich Tamm Wehr Ufer und FlußbriickenbaulenUten'ilien-Jn-tendant. Land-Zeuer-Societäts -Kata stersührungsse.retär. Fürstlicher Ver waltungs-Kassen-Kor.troüeur, Gemein de-Wiesen-ZinszahtBuchhal:eracceffift. Central-Stadt-Hypctyelenwesen - Kanzelist, Croßherzogthums.Urkunden-Ar chivar. Alumnen - Instituts Schul Aibliothckar, Vikariats . Recvslratur Vorsteher, Lehr tisendien Pensio natZ.Aufseh.'r, Magistrat?- und RathHaus Kastellan und Jeuerlöschungs Apparats VerwahrungZ Schuppen Pforten Schlüssel .AsservationZ Ver trauen-lnann. An rechter Stelle. Prä sident: . Ta finde ich aber weder unter den Belastungszeugen noch bei den Entlastungszeugen die an der Sache doch sehr wesentlich betheiligte Schwiegermutter des Angeklagten auf geführt. Herr Vertheidiger!-' Ver tbeidiger: Tie kommt unter die mil dernden Umstände, Herr Präsident!In München warfeine Dame aus Verleben ein Eouvcrt mit 60 4 Gulden in österreichischen Ban! noten in den Toiletten-Küdel. welch' letzterer alsbald in die im Hofe befind liche Kchrrichttonne umgeleert wurde. Als der Verlust bemerkt wurde, war der Kehrricht bereits abgeholt. Auch ist unermittelt geblieben, wo derselbe abgeleert wurde'. Sohn des Hauses: Sie sind diese Nacht betrunken nach Hause gekommen, Johann; meine Mutter wird meinen, ich sei's wieder gewesen !- Tiener: O, gnä' Herr, so schlimm var's nun doch nicht!-