Indiana Tribüne, Volume 16, Number 332, Indianapolis, Marion County, 20 August 1893 — Page 3

i

t 1 9 52

.

v r

Mermal. Lslkeroman von Zka,er Aiebl. (4. Fortsetzung.) Äuch das ging vorüber und sie war todt ein fliegendes Atom, das sich emporhob zur Sonne und ein großer Friede kam über sie und dann hörte sie cinc Stimme dieselbe, die sie schon einmal wie von einem ferneren Sterne vernommen, und diese sagte: Wird sie leben?Eine ander antwortete: Wir wollen 'es hoffen. Sie ist jung und hat eine kräftige Constitution." Fürchterliche Tage. An einem schönen Morgen öffneten sich Paulettens Augen in einem dünnen Gesichte, daZ so weiß war wie eine Schneeflocke, sie öffneten sich noch einmal zu wirklichem Leben. Zwei Personen standen flüsternd an ihrem Bette. Die eine war Martha; die Andere ein großer Mann mit grauem Barte und einer Stirne wie Jupiter. Mit einer dünnen, rauhen Stmme lief sie ihm bittend zu: Ach, Sie sind da? Ich ließ Sie doch unten im Parcsuet. Das ist sehr hartnäckig von Ihnen. Ueberdies habe:lSie mir noch nicht einmal Ihren Namen gesagt." Er neigte sich über sie und sah hinab über das kranke, kleine Geschöpf. Ah, Herr General, sie ist besser!" sagte' Martha. Geben Sie ihr em zum Schlafen," antwortete er düster, was Martha sogleich that, und Paulette versank bald in einen tiefen, süßen, schmerzbesänftigenfer Schlummer. Von dieser Stunde an kam und ging er fortwährend dieser große, seltsam: Mann, den Martha General nannte. Ist das Ihr Name?" fragte Pauleite eines Tages mit bebenderStimme, als er am Fuße ihres Bettes stand und auf sie hinabblickte. Sie mögen mich nennen, wie Sie wollen antwortete tt milde; mein Name ist Freiherr von Weißenthurn." Leben Sie hier?" fragte sie, wie ein neugieriges Kind. Nein," antwortete er sanft; hundert Stunden von da, in Thüringen." So weit!" seufzte sie. Was thun Sie denn hier in dieser Stadt?" Ich sorge für Sie!" sagte er lächelnd. Ich bin wohl sehr krank gewesen?" Sehr krank." Sehen Sie nicht irgendwo da einen Handspiegel?" Er trat an einen Toilettentisch und brachte ihr einen Spiegel. Sie nahm ihn mit zitternder Hand, blickte hinein, und sah ihr kleines weißes Gesicht, mit großen Augen, die aus ihren Höhlen starrten, und kurzes gelbes Haar, das in Locken sie umgab, wie den Kopf eines Kindes. Ich habe doch keine Narben?" sagte sie erbebend. Nein, keine," erwiderte er. Sie ließ den Spiegl auf die Bettdecke sinken und verfiel wieder in Schweigen. Jetzt verschwand der General und Martha trat ein. Setze Dich." sagte Paulette, ich wünsche mit Dir zu sprechen. Ich bin seitWochen krank gewesen, nicht wahr?" Ja?" Und Krankheiten kosten Geld, wie ich seinerzeit bei meinem armen Papa erfuhr. Habe ich Geld in meiner Börse?" Nicht einen Pfennig." Aber es scheint mir, daß wir Alles haben, was nöthig ist, Martha, und wir sind ja noch in unserer Wohnung. Wie kommt das?" Der Herr General!" 'sagte Martha lakonisch. Sie schwieg wieder eine Weile und starrte auf die Wand. Was hast Du Neues gehört, Martha, seit ich hier liege?" Ich habe gehört, Fräulein, daß der Herr, der hier geschossen wurde, so rseit wieder hergestellt ist, daß er die Stadt verlassen konnte. Ich habe gehört, daß seine reiche Mutter in großer Eile hierherkam, um ihn von hier fortzunehmen. Sonst nichts." Ein Krampf zog das dünne Gesicht der kleinen Reconvalescentin zusammen. Denke! Es war noch eine andere Person da." .Ich habe von Niemanden etwas gesehen oder gehört. Vom Theater waren Leute da, ich sagte ihnen, daß Sie krank seien. Dann kam auch der Herr General. Ah, was hätte ich thun sollen ohne ihn?" Er ist reich, denke ich?" sagte Paulette. Er hat auch blaues Blut, und er ist ein Held er ist im Kriege gewesen." Ich will versuchen," stammelte die kleine Kranke, indem sie ihre dünnen Hände an ihre Stirne drückte ' ich will versuchen, nachzudenken, was wir thun sollen, Martha." Am nächsten Tage bat sie, ans dem Bette gehoben und auf einen Lehnstuhl neben den Kamin gesetzt zu werden. 'Sie sah träumerisch auf die glühenden Kohlen, sie hatte einen Shawl um ihre zierliche Gestalt genommen und ein Ausdruck tiefer Wehmuth lag in ihren Zügen, als die Thüre sich öffnete und General Weißenthurn auf der Schwelle it dbt?. Was! Auf und gekleidet?" begann r, munter eintretend. Gut! Und was thun S?e, ich bitte? Nur nicht weinen!" Nein," wiederholte sie, nicht wer Fien!" Er trat an den Kamin und sah auf sie hinab, wie eine .Ceder des Libanon auf irgend eine Lilie des Feldes. Aber Sie thaten es doch!" rief er. .WidersprechenS icht. Sie Haien au fceintr .

Das W

Sie schüttelte ihr Haupt. Er betrachtete sie mit einer Art grimmigen Humors. Ich habe etwas von JhrerGeschichte zu erfahren gesucht," sagte er mit trockcnem Tone, und ich fand, daß Sie, wie die Leute sagen, in der Welt allein dastehen, meine Theure!" Es ist wahr." antwortete sie. Und daß Sie der Bühne müde sind? Ich denke, ich hörte Sie das sagen an jenem Abende, als ich Sie zuerst sah.' Mein früherer Geist hat mich verlassen!" rief sie, ihre dünnen Hände faltend. Ich könnte jetzt nicht auftreten und wenn mich das allein vor Hunger schützen würde." Nun, beim Himmel," sagte er, indem er freundlich unter seinen weißen Augenbrauen auf sie herabsah. Sie io&AS nicht sich selbst überlassen bleiben, da Sie Niemand haben! Nicht wahr, ich habe doch ein Recht, so zu sprechen?" Sie nickte traurig. Ich bin ein verlassener alterMann, fuhr er langsam fort; der letzte eines alten Stammes; es lebt nur noch eine Person, in derenAdern meinBlut fließt. Das Leben in Schloß Weißenthurn, besonders mit Hilda, ist düster wie der Tod. Ich würde ftoh sein, tot etwas zu sehen, was jung und heiter ist, etwas wie Sie. meine Theure!" Er streckte ihr plötzlich ferne alten, aber starken Hände entgegen. Ein Blick in Ihr Angesicht, das einem anderen Gesichte so ähnlich ist, das ich einst kannte, hat mich tief im Herzen berührt. Kommen Sie, Mädchen! Beginnen Sie, wenn Sie wollen, von dieser Stunde an ein neues Leben werden Sie mein Adoptivkind das Kind meiner alten Tage!" So schwach sie war, erhob sie sich und sah ihn bestürzt an. Meinen Sie das wirklich können Sie das meinen!" rief sie. Gewiß. Sind Sie mir nicht JhrLeben schuldig? Ein Mensch fühlt immer eine Neigung für den, dem er etwas Gutes gethan. Ich kam in Geschäften

hierher. Diese sind besorgt und ich kehre in die Heimath zurück. Aber ich werde Sie für einige Zeit in ein Jnsti tut bringen Sie sehen, daß ich die Sachen bereits überdachte und Pläne für Ihre Zukunft machte. BergessenSie Ihr vergangenes Leben. Vor Hilda und allen Anderen werden Sie meinPflege-kmd-sein, das mir ein verstorbener Freund hinterlassen das wird uns Beide vor neugierigen Fragen schützen, wollen Sie dem Wunsche eines alten Mannes nachkommen? Wollen Sie mir folgen?" Ob ich kommen will!" sagte sie. Ach. Sie spotten meiner! Wird Jemand, der ertrinken soll, eine Hand annehmen, die sich zu seiner Rettung die tet? O freudig, selig, und ich segne Sie dafür ich segne Sie dasür!" Sie eilte auf ihn zu wie ein Kind, und küßte seine Hand und sank vor ihm auf die Kniee und erzählte ihm dieGeschichte ihres Lebens wie Joseph Werner sie vor Jahren an dem Teufelsfelsen gefunden, wie er sie für dieBühne erzogen und gestorben. Nur eines ließ sie aus St. JohnS Name und ihre verhängnißvolle Heirath. Das konnte sie nicht über ihre bleichen Lippen bringen. Er hörte freundlich zu. Mein armes Kind," sprach er, vergessen Sie Alles, was ich Ihnen gesagt habe, und beginnen Sie ein anderes und glücklicheresLeben. Ueber denScan dal, der vor einigen Wochen die Stadt :rfüllte, richte ich keine Frage anSie; ich kümmere mich nicht darum. Ihr kindliches Angesicht straft die Gerüchte Lügen, lassen Sie uns dieselben unter keinem Borwandr mehr erwähnen. Wir müssen die Stadt verlassen, sobald Sie reisen können. Ruhen Sie und suchen Sie rasch Kräfte zu gewinnen Ihre Zukunft ist nun gesichert." Sie erbleichte ein wenig unter seinen ernsten Blicken. Wie gerne hätte sie ihn ihr Herz weiter geöffnet, ihm ihr ein ziges großes Geheimniß mitgetheilt! Sie dachte daran, was sie St. John geschworen. Ihre kalten Lippen blieben stumm. Ich werde Sie immer lieben ich werde Sie noch segnen mit meinem letzten Athemzuge!" Das war Alles, was sie sagte. Als er sie verlassen hatte, eilte Paulette zu ihrem kleinen Schreibtische, nahm daraus St. Johns Porträt und ihren Heirathsschein und blaß und zitternd trug sie beide an das Kaminfeuer. Ihre schwarzen Augen blitzten und ihre kleine Gestalt schien sich zu er Höhen, während sie so dastand. Ich will ein neues Leben beginnen." murmelte sie ich will Alles vergessen! warum sollte ich nicht? Er hat mich vergessen und verlassen." Sie zerriß den Heirathsschein in Stücke und warf diese in die Gluth. Dann schleuderte sie das Porträt nach, ohne nur einen Blick darauf zu richten. Sie holte tief Athem, als ob sie sich einer schweren Bürde entledigt hätte. Sei vernichtet," rief sie. Du einzi ger Beweis einer großen Thprheit! Ja, ich bin frei; denn jetzt wird es keine lebende Seele wissen keine lebende Seele unter der Sonne!" 7. Capitel. Doktor Philipp Walter schritt durch die Dorfstraße hina.'.f. öffnete die Git!erthüre seines lleincit, zierlichen Gartens und ging zwischen sprossenden Leihen von Buchsbaum den Pfad ent--ang nach seinem kleinen, weißen Hause. Es war in der Abenddämmerung eines Frühlii'qstages. Ein Fenster der bescheideneii Wohnung war offen und an diesem saß eine Frau in Trauerkleidung, mit einer Weißnähern in ihrem Schooße und sah ängstlich binaus auf ihn. Ei war Annchen.

Als seine Hand die Thüre berührte, stand sie auf, legte ein Buch bei Seite und ging ihm entgegen. Sie drückte ihre beiden Hände auf seinen Arm und starrte ihm mit offenen Augen in'sGesicht. Ist er gekommen?" fragte sie ath'Mlos. Ja," antwortete er. Ja, ja, Gott sei Dank!" und er zog sie freundlich zurück in das Zimmer und schloß die Thüre. Sie setzten sich nebeneinander an dem Fenster nieder. Ihr Athem kehrte zurück. Sie zitterte aber vom Kopfe bis zu den Füßen. Auch das Antlitz des Doktors war aschfarbig. Hier," sagte er und zog aus seiner Roektasche einen Brief, dieses Jahr ist die Reihe an Dir, ihn zu öffnen, Annchen." Sie sprach keinWort, mit einer angst vollen Miene nahm sie das Schreiben aus seiner Hand, riß eine Ecke desCouverts auf. zog daraus einen Streifen Papier und las die folgenden Zeilen: Wie lange werden Sie noch schweigen? Wo ist das Kind? AntwsrtenSie und dann, aber nicht früher, sollen Sie Nachrichten von dem hören, was Sie verloren haben." Das Papier flatterte aus Annchens Hand. Sie umschlang den Nacken des Doktors. Es lebt also noch!" rief sie weinend. Es lebt noch, mein armes Kindchen!" Sein Gesicht war auch voll Erregung. Er hob den Papierstreifen auf und las ihn ebenfalls eifrig. Dann saß :r schweigend, während sein: Gattin ihr Antlitz an seiner Brust verbarg. Ja," antwortete er mit einem schweren Seufzer. Dank dem Himmel! Ja. Ist der Brief nicht ganz so wie alle anderen?" Wort für Wort. Unser Feind hat nicht die Absicht, uns einen Trost zu geben. Laß uns den Brief zu den andern legen komm!" Die Beiden erhoben sich und gingen zu einem alten Schreibpult, in welcher ein Päckchen Briefe lag, alle genau so wie der, den er in seiner Hand hielt. Mit Zittern löste Aennchen einen Band von den Briefen. Dann zählte sie diese, einen nach dem andern. Vierzehn!" sagte sie kläglich, und jeder kam am Geburtstage unseres Herzchens. OY, Philipp, denkst Du, daß unser Feind weiß, daß es ihr Geburstag ist?" Es ist nicht wahrscheinlich." antwortete er, weil es auch der Jahrestag ihres Verlustes ist!" Wahr," seufzte Aennchen. Wir ha ben jetzt vierzehn Jahre gelebt ohne sie. Sie ist heute sechszchn. Philipp!" Er antwortete nicht. Sie standen nevoneinander über das alte Schreibpult gelehnt, die seltsamen Briefe vor ihnen ausgebreitet. Vierzehn Jahre hatten sie nicht sehr verändert. Der Doktor sah noch kümmerlich und arm und abgearbeitet aus. Er war etwas grau und einige tiefe Furchen waren in sein geduldiges Gesicht gezeichnet, obgleich man ihn noch einen Mann in den bestenJahren nennen konnte. Was Annchen betraf, war sie auch trotz der erduldeten Leiden noch eine schöne, süße Frau. Ihr wunderbares Haar, mit dem ihr ftrndche einst gespielt, war noch glänzend und in Fülle vorhanden. Grübchen zeigten sich jetzt freilich nicht in ihren Wangen, weil sie nicht lächelte; und in ihrem nüchternen, schwarzen Kleide, io'e sie deren immer trug seit dem Verluste ihres Kindes, sah sie mit ihrem blenden Haare, ihren melancholischen blaue! Augen unaus sprechlich traurig und doch unussprechlich lieblich aus. Für dieses Paar hatten die letzten vierzehn Jahre nur ein langes, unausyörliches Nachforschen bedeutet und im mer hatte die Hoffnung sie getäuscht und Schmerz und Sehnsucht undGram waren ohne Ende genesen. Die vierzehn Briefe in dem alten Schreibpult trugen Poststempel von eben so dielen verschiedenen Orten, Der Feind, mit dem sie es zu thun hatten, war sehr schlau. JedeS Jahr war an die grausamen, eintönigen Zeilen eine neue Adresse angehängt. Der Doktor hatte einen großen Theil seiner Lebenskraft und seiner Zeit zu Nachforschjungen verwendet Belohnungen angeboten, immer und immer wieder seinen Feind mit Hilfe dieser Arjefe auszuspüren gesucht! Aber Alles vergebens. Vierzehn Jahre! Und er ist noch kinderlos und Herzchen" ist, wie es scheint, für immer verloren. Und zu denken," sagte Annchen, indem sie die Briefe mit ihrer zitternden Hand berührte zu denken. Philipp, daß wir immer so bange auf dieseBritfe blicken, daß die einzige Hoffnung unferes Lebens diese wenigen Worte sind, welche diese schreckliche Frau uns von Jahr zu Jahr sendet!" - Schrecklich!" wiederholte der Doktor

traurig. Ja; denn sie ist gewiß wahnsinnig. Die Hartnäckigkeit, mit der sie an den Glauben von meiner Schuld sich festklammert, ohneBeweis und ohne Verstand, überzeugt mich davon." Wahnsinnig!" sagte die unglückliche Mutter schaudernd; und sie ist alle die Jahre die Hüterin unseres Herzchens gewesen! Unser Kind ist heute noch in ihren Händen, und wer weiß, was es leidet! Ach. schlafend :ind wachend habe ich fürchterliche Visionen über das Schicksal meines süßen Kindes! Ich sehe die Gefahren, die es bedrohen! Wie habe ich gebetet, um nur zu erfahren, daß mein Kind sicher und glücklich fei! Wie oft . habe ich dem Himmel gelobt, dann mit Allem zufrieden zu sein!" Annchen!" Er drückte sie zärtlich an seine Brust. Die Sorge ist ,ein mächtigeres Band als das Glück sie hatte zwei Herzen untrennbar vereint.' Wo sie auch immer sein mag,- sagte er. sie ist in Gotteö Hand. Es gibt keinen anderenTrost für uns unter dem

Himmel. ES ist wahr, es ist ein schwe. res Kreuz für solche Schultern, wie die Deinigen." Trage ich es denn allein?" antwortete sie muthig. Das Haar meines lieben Mannes ist an den Schläfen vor der Zeit grau geworden Krähenfüße zeigen sich unter seinen Augen. Sechszehn Jahre, Philipp, ist Herzchen heute! Was hat sie gethan all' diese Jahre? Wie und wo hat sie ohne unS gelebt? Sie muß zur Jungfrau herangewachsen sein. Schließ' Deine Augen und stelle Dir einen Moment lang vor, wie sie aussehen mag." Ihr Antlitz erhob sich zu dem sei nen. Welch' ein Bild der Zärtlichkeit, der Sehnsucht und Geduld! DaS Licht der untergehenden Sonne ergoß sich durch das offene Fenster und ihr PurPurschimmer siel auf das unglückliche Elternpaar. Ich denke mir sie," sagte der Doktor, klein und schön, wie Du es bist und warst das schöne Dorfm'ädchen das ich vor siebzehn Jahren gefreit und gewonnen." Mein Lieber, nein." sagte die Gattin des Doktors, Herzchen war wie Du, schon als Kindlein. Sie hat Deine dunklen Augen. Sie muß groß sein und eine Brünette. Hältst Du es für möglich. Philipp, daß sie irgend eine Rückerinnerung haben kann. die schwächste die allerschwächste. aber doch eine Rückerinnerung an uns. Lieber?" Es ist nicht wahrscheinlich." antwortete er voll Schmerz. Es wird mir sehr schwer Dir nicht auch? sie mir als ein erwachsenes Mädchen vorzustellen sie mir anders zu denken, denn als Kind, wie ich sie aus den Armen trug, oder wie sie auf dem Teppich saß. mit ihrem Spielzeug beschäftigt." Sie berührte geradezu mit Verehrung einen Haufen Spielzeug, das bei den Briefen in der Schublade lag Kinderspielzeug, sorgfältig aufbewahrt eine Puppe ohne Kopf, Klappern und kleines metallenes Kochgeräthe. einen kleinen abgetragenen Pantoffel und dergleichen mehr. Komm," sagte der Doktor, indem er sie von diesen traurigen Erinnerungen wegzog, als ob er ihren Anblick selbst nicht ertragen könne, laß uns den letzten Brief zu den andern legen, Annchen, und die Schublade für ein Jahr schließen." Sie seufzte tief auf, aber sie widerstand nicht. Sie gingen zu dem Fenster und standen da miteinander und sahen hinaus auf den Sonnenuntergang, dessen rotheS Licht den zierlichen, angenehm duftenden Garten erfüllte. Erinnerst Du Dich, mein Lieber," sagte Annchen. wie ungerne ich es sah, daß Du zu Frau Christoph gingest in jener Nacht? Glaubst Du. daß jenes Kind wirklich bei ihr gelassen wurde und wenn es geschah, was mag sie wohl damit gethan haben?" Ohne Zweifel wurde es bei ihr gelassen," antwortete der Doktor. Die Dame sprach darüber zu ernst, als daß ich zweifeln könnte. Was sie dem Kinde that, ist eine ander Sache. Vielleicht kehrte der Vater zurück und forderte obgleich ich das nach der Scene, welche ich in der Nacht seiner Geburt erlebte, nicht wohl glauben kann. Gewiß ist, daß eine Partei vorhanden war, welche von der Mutter gefürchtet wurde von der sie das Kind fern zu . halten wünschte. Wahrscheinlich brachte es diese doch in ihren Besitz FrauChristoph mag es ausgeliefert haben." Was für eine Partei, Philipp?" Ich habe keine Spur davon. Seltsam genug, erkannte ich die Mutter nicht, als sie hierher kam, so geschickt verkleidet, um mich zu bestechen, die Nacht vor Herzchens Verluste." War es die Mutter selbst, oder eine Botin?" Sie war es selbst." Ich möchte wissen," sprach Annchen, ob sie die Gattin dieses Mannes war dieses Hauptmann Roland, wie er sich nannte." Gattin oder Maitresse. Sie schienen ernstlich mit einander zerfallen zu sein. Roland war nur ein angenommener Name. Die Polizei konnte keinen solchen Mann entdecken. Das Geheimniß v,n dem Verluste dieses Kindes und damit auch von dem Verluste des unseren liegt, so fürchte ich. mit Frau Christoph in ihrem Grabe," sagte der Doktor. Jetzt wurde das Zimmer dunkel, sie wendeten sich von dem Fenster ab und die Frau des Doktors läutete nach dem Thee. Traurig ließen sich die Beiden an dem Tische nieder. 'Wo immer sie auch an dieser.iAbend sein mag, Gott segne und beschütze sie!" sagte die kleine Mutter feierlich. Wo immer sie weilen mag, Gott fegne und erhalte sie!" antwortete Doktor Walter. Der Mond erhob sich über die Landschaft und schien in das Zimmer. Die Nacht war tageshell, die Luft voll der balsamischen Düfte des Frühlings. In der Ferne rauschte die silberschimmernde See und ihre Brandung schlug gegen den Felsen des Ufers. Sie beendeten das Mahl und erhoben sich. Nimm Deine Haube, Annchen," sagte der Doktor, und wir wollen e! nen kleinen Spaziergang machen." Sie gehorchte sch:veigend. Er bullte ihrenduelfarbigenShawl um sie, ?iahm ihre Hand, zog diese durch seinen Arm und sie gingen den Weg hinab und schritten auf der Landstrasx weiter. Wohin gehen wir?" fragte sie. indem sie in sein ernstes Antlitz blickte. Wohin Du willst." sagte er. - Du weißt ja, daß ich nicht so leicht müde werde." Dann," sagte Doktor Philipp, laß uns auf der Straße bis zu dem derhängnißvollen Hause gehen."

Sie hielt sich an seinem Arme fest und glitt an seiner Seite so. rasch und still hin, wie ein Schatten. So wanderten die zwei Gestalten, ruhig und geduldig, im Mondlicht. Der Doktor ging gesenkten Hauptes. Annchen erhob das ihrige und sah würdevoll nach dem blauen Nachthimmel. Sie begegneten Niemand. Die einsameUferstraße war leer und verlassen. Man sah meilenweit in das Mr hinaus, auf dem die feinen Wellen glitzerten und funkelten. Die Beiden gingen fort, bis sie zu' einem niedrigen, schwarzen Hause kamen, das zur Seite der Straße unter einem Felsenriffe stand, der ruhelosen Fluth gegenüber. Das Haus war jetzt unbewohnt und hne Zeichen von Leben. Kein menschliches Wesen hatte seit Jahren dort gehaust. In Folge dessen war das Gebäude sehr in Verfall gerathen. Die Fenster hatten die Hälfte ihrer Schei bin verloren. Die Thüre war ohne Schluß undAregel. Sie gab der Berührung des Doktors leicht nach und n tret ein und Annchen folgte ihm. Waö hatte ihn an diesen unglücklichen Ort gebracht? Er wußte es nicht. Ein gewisser innerer Drang. Er war in derselben Weise schon früher allein hierhergekommen. Die arme Frau hing sich scheu cm seinen Arm und sah in der wüsten Stube um sich. Es war dieselbe, in der das ausgesetzte Kmd seinen ersten Athemzug gethan. Sie war ganz leer, nur Schmutz und Spinnengewebe zeigten sich. Eine Fledermaus floh neben ihnen durch das scheibenlose Fenster. Strahlen des Mondlichtes ströwten herein und fielen auf eine Wand und auf den Fußboden.Dokwr Walter schritt umher, in tiefe Gedanken versunken. Ja." murmelte er, die Christoph

ist in ihrem Grab und diese vierWände sind so stumm, wie sie. Nichts kann hier Zeugniß geben von dem, das zu wissen, ich Jahre meines Lebens dahingeben möchte." Annchen blieb an dem Fenster, ihre Hand auf das Fensterbrett gestützt, und ihre blauen Augen richteten sich hinaus auf die Felsen und daS Meer. Das Bett stand in dieser Ecke, sagtest Du, Philipp. Hier starb sie also. Ich habe oft davlm geträumt sah das Weib hier liegend und die schöne wahnsinnige Frau Dich anklagend, wie Du es mir beschrieben hast." Er antwortete nicht. Er starrte auf die Fugen und Risse der Wände, stieß seinen Spazierstock in einige, so daß viel Staub aufflog und mehrereFleder mäuse das Weite suchten. Man möchte meinen," sagte Annchen, die ihn bobachtete, daß Du etwas suchst, Philipp." Was könnte ich hier zu finden erwarten? Der Plafond sieht aus, als ob er sogleich auf uns herabfallen müßte; den Fußboden sieht man kaum mehr sieh' daher!" Der Feuerherd des Zimmers war von Stein und er stand von demRauchfange ungefähr eine halbe Elle entfeint. Unversehens berührte an diesem der Fuß des Doktors etwas, das sich bewegte, und er kniete nieder und hob mit beiden Händen einen der kubisch behauenen schmutzigen Steine. Das Mondlicht fiel darauf, aber das ge nügte nicht, daß der Doktor genau sehen kennte. Was thust Du?" sagte die Frau; zu was kannst Du das brauchen, Philipp?" Es kann da etwas darunter liegen," sagte er, halb lachend vielleicht ein verborgener Eingang oder ein Schatz." Du wirst Dir wehe thun," antwor tete sie; Du siehst ja doch nichts in der Dunlilheit." Ich habe Zündhölzchen in meiner Westentasche. Könntest Du nicht eines anbrennen, daß wir unter den Stein sehen?" Sie zog ihm ein Zündhölzchen her aus, um seiner Laune nachzugeben, und brannte eines an. Sein Licht fiel hell auf den Stein und in eine Höhlung darunter. Die Höhlung war nicht groß aber in derselben lag ein schmutziges Päckchen,' mit Moder und Staub bedeckt. Ah!" rief der Doktor. Die Frau erfaßte das Päckchen und hob es heraus. Das Licht des ZündHölzchens ging aus und ein rother Funken fiel aus ihrer rechten Hand zu Boden. Auch der Stein entfiel des Doktors Handen. Annchen ging an's Fenster zum Mondlichr. Komm' und sieh', Philipp!" rkef sie, was kann es sein?" Sie gab ihm das Päckchen, damit er es öffne.. Er zog mehrere Umhüllungen von schmutzigem Papier davon ab und kam endlich zu dem Gegenstande, den es einschloß. Er nahm diesen zwischen Daumen und Zeigefinger. Es war ein Ring. Beide betrachteten ihn genau und schweigend. Es war ein ziemlich ungewöhnlicher Ring, gemacht für den zarten Finger einer Dame. Das Metall war rothes, römisches Gold, die Zeichnung glich einem feinen Zwirngewinde und sie trug einen Schild von blauem Email, worauf sich der Buchstabe W. erhob ein Basrelief in Brillanten. Auf der inneren Fläche des Schildes war ein Name eingravirt. Mit Hilfe eines anderen Zündhölzchens entzrf ferten sie den Namen ohne Schwierig keit. Er lautete: Elwine!" Doktor Walter und seine kleineFrau sahen einander an. f Was bedeutet das?" fragte sie athemlos. Er schwieg eine Weile nachdenklich. Ich denke," antwortete - er "idann langsam, e geht diese zwei Frauens Personen an." . .Die verstorbene Cbrikovb :.i j

Und d Mutter deS vernrißtenKin' des. Es ist ein kostbares Geschmeide, wie Du siehst. Ohne Zweifel gehört t ihr." Und Du denkst, daß es die alte Per son gestohlen hat?" rief Annchen, in dem sie sich bemühte, beim Mondlichte in seinem Antlitze zu lesen. Es kann auch bei dem Kinde gelas sen worden sein," antwortete er. ES ist wahrscheinlich, daß die Christoph eS hier derbarg, weil sie nicht wagte, da es so markirt ist, damit in anderer Weise zu disponiren." Wahrhaftig, es muß so sein!" rief sie, tief Athem holend, und diefer Namen, dieser Buchstabe auf dem Schildchen ah, Philpp, Philipp!" Bst!" antwortete er. Laßt uns

keine falschen Hoffnungen hegen. Es kann viel für uns bedeuten, aber vielleicht auch nichts. Elwine! Das ist ein Name, den Hunderte von Frauen haben. W. ist ein Anfangsbuchstabe für diele Tausende." Sie sah ernst und feierlich in sein bleiches Angesicht. Laß uns die Gabe Gattes nehmen, wie sie geboten wird.Philipp. Es ist ihr Name der Name der Frau, welche unser kleines Herzchen stahl ihr Name und ihr Ring. Ist es nicht et was? Ist es nicht eine Spur?" Das ist es! Die erste, die wir seit vierzehn Jahren gefunden. Seltsam! Ich bin vorher viele Dutzendmale an tt:sen Herd getreten und habe nie etwas bemerkt. Liebe, laß uns gehen!" Er legte den Ring wieder in seine frühere Umhüllung und steckte ihn sorgfältig in seine Brusttasche. Sie traten hinaus, drückten die morsche Thüre zu und gingen heimwärts. W!" sagte Doktor Walter halblaut vor sich hin, mit bebenden Lippen; ja es gibt viele, ach sehr viele Namen, welche mit diesem Buchstaben begin nen!" 8. Capitel. Zwei Mädchen gingen in der Däm rnerung in einem ziemlich dunklenCorridor des Pensionates auf und ab. Draußen fiel Regen. Die Bäume auf dem Spielplatze bogen und neigten ihre Zweige und stöhnten im Winde, als ob in jedem eine wehklagende Dryade eingeschlossen wäre. Die beiden Mädchen hielten sich im Gehen, nach der Weise ihres Geschlechtes und Alters, mit den Armen , umschlungen und machten traurige Gesichter. DieJüngere war in einem Reifeanzuge und schwang ihren Hut mit einer Hand. Ihrem gan zen Aussehen nach schien sie voll ErWartung. Horch! Ist das ein Wagen. Sibyl?" rief sie jetzt und lief zu einem Fenster am Ende des Corridors. Wie lärmend der Wmd ist diesen Abend! Man hört nichts als das Rauschen der Zweige und das Stöhnen der Aeste. Warum kommt Vormundchen nicht?" Es fehlt noch eine halbe Stunde an Sechs," erwiderte die Andere, die Sybil genannt worden war, ein Mädchen mit großen dunklen Augen und einem Teint wie Sammt. Du sehnst Dich, von hier fortzugehen, Paulette. Du wirst mich in einer Woche vergessen bei diesem Vormund und in seiner schönen Heimath in Thüringen. Ich hoffe, Du wirst nicht kurzweg heirathen, wie es so diele Heldinnen in den Romanen thun." Sie starrte durch das Fenster Paulette Werner General Weißen thurns Mündel, wie er sie nannte. Die Gestalt war noch klein, aber fehlerlos in der ganzen Erscheinung und voll der wunderbaren Anmuth, welche einst in dem Schauspielhause Arnstein das Publikum bezauberte. Sie hatte auch das blühend weiße und rosige Gesichtchen, die schmachtenden schwarzen Augen von einst und das goldig schim mernde Haar. Aber ihre Schönheit war doch etwas verändert, es war nickt länger die eines Kindes, sondern die einer stolzen, selbstbewußten, glänzen den jungen Dame. Vormundchen heirathen!" rief sie mit einem fröhlichen Lachen. Meine Theure, er ist siebzig Jahre alt ein Patriarch aber, oh, groß und aufrecht und stark wie ein aller Löwe. Zufällig machtest Du immer Besuche bei aude ren Mädchen, wenn er hierher kam, mich zu sehen." Du bist'ihm wohl sehr zugethan, nicht wahr?" sagte Sibyl zerstreut. Ja," antwortete Paulette, mit ihren schlanken, ringlosen Fingern auf der Fensterscheibe trommelnd; wie könnte ich anders? Er ist so gütig gegen mich gewesen gütiger als ich es sagen kann. Und dabei stehe ich außer ihm ganz allein auf der Welt. Du hast eine Heimäth und eine Mutter, aber ich habe keine." Sibyl trat langsam dem Fenster näher. Sie war ein merkwürdiges Mädchen, schon dem Aussehen nach groß und vornehm trug sie ihr graues Schulkleid wie einen Purpur mit Hermelin. Wie sie dastand, so still, gleich einer Statue im Zwielichte, hätte man sie mit der Diana vergleichen können. Ihr Antlitz war dunkler, üppig und zart es war voll bestrickeirder Lieb lichkeit, die zugleich die Seele und die Sinne erfaßte. Sie hatte schwarze, große Augen und eine Fülle glänzend schwarzen Haares umlockte die schöne, glatte Stirne. Keine Heimath, keine Mutter wie die meine!" wiederholte sie, mit den Schultern juckend. Meine Freundin, Du weißt' so viel vom Groß-Mogul, als ich von einerHeimath außer diesen Mauern von einem mütterlichen Wesen außer den Lehrerinnen hier." Aber Du hast doch ihre Briefe, theure Sibyl. und gewiß erinnerst Du Dich ihrer ein wenig ein klein wenig?" Die mit den schwarzen Augen lachte bitter. Qtrtltduna solar.)

ein Münchener Hausherr.

Ein Münchener Hausherr alten Schlcges ist gewöhnlich eine äußerst höfliche Persönlichkeit, meist jugendlich gekleidet, mit gemessener Haltung, hervorstehendem Bäuchlein und einem Durchschnittsgewicht von 96 Kilo. Der Hausherr spricht außer am Stammtisch sehr wenig, zieht ans eine an ihn gerichtete Frage den goldenen Kneifer aus der Brusttasche, setzt ihn bedächtig weit vorn auf der Nasenspitze und er theilt dann die erbetene Audienz. Sei ner Stellung bewußt, betritt dieser Mann auch als Angeklagter den Gerichtssaal nicht mit jener bänglichen Befangenheit, wie Einer, der von Fortunas üblerLaune zu leiden bat; der behäbige Hausherr fürchtet außer Miethszinsrückgang und Bankkrach nichts auf der Welt. Stolz .vie ein Spanier kommt der Privatier und Hausbesitzer N. von der straße in den Gerichtssaal geschritten.. Die rechte Hand spielt mit der goldenen Uhrkette; mit der Linken, die einen feinen steifen Filz hält, wird eine Pantomime als Gruß gegen denNichtertisch ausgeführt. Richter: Herr N. . . .! was haben Sie zu der An klage wegen Sachbeschädigung und Ruhestörung zu sagen, die Sie am 14. April l. I. vor Ihrem Aewesen vcrübt haben sollen? Angekl.: Die G'schicht ist die! Seit a' zwanz'z Jahrl leb' i mit alle meine Nachbarn in größter Freundschaft. Dös hoaßt: I' red' Kein' an rnd dank', toenr. ini Oaner grüaßt. Mehr kann Neambt vo' mir verlanga. Mein' Nachbarn, an Wirth sein Anwesen, is von mein' durch ein' eisernen Zaun trennt, der Zaun g'h'ört eahm, der Stoansock'l mein. Auf oanmal laßt der Nachbar sein Zaun anstreicha. da steiat der Maler herüber in mein' Gar ten und streicht meine Seit'n auch braun. So a Frechheit ärgert mi' und i' geh' außa und will den Burschen weiterjaa'n. Der geht net und weil i mein Zaun selber streich laß' und nix G'schenkts mög. überHaupts mein' Lieblingsfarb an meiner Seit'n hmmal'n will und dös Busserlbraün da net aussteh'n kann, so mach' i' dei Sach' a End und wirf a paar Händ' voll Sand in die Malerei 'nein. So schön hat's grad net ausg'segn, wie dos von der Sandmalerei im Volksgarten, aber i' arbeit Gott sei Dank net um'S Brot, aber der Maler hat si' alei' druckt. Wissen S', dem war's um die Mischung in sein' Farbhaferl und an sein Klüftl hätt' si' a was hingenga m'ög'n. Also Herr Stadtrichter! Wenn i' mein Haus ausmal'n lhua oder an Sandverputz selber mach', das ist meine Sach'. D'rum hat der Gro ber 'naufg'schrieb'n: wenn's nur hall und mir g'fallt Also mit d Sachbeschädigung is nix! Richter: Und bezüglich der Ruhestörung? Angekl.: Oh mei'! Bin selber froh, wenn i' mein Ruah hab' und der Zinß richti' eingeht. Natürli, wenn Oanel mich anmault und net 'nausz'bringa is, nacha kann i' do' net 's Gebcib'ch hol'n und eahm d'Allerheilinglitane! vorbeten! I' hab' halt g'sagt! Hunds, häutena Fretter! schaugst, daß d' außi kimmst. Du Kuahkaibl Lberanand'! Da san nachn a Haufa Weiber un Kinder 'rumg'stand'n und die ham g'lacht, g'ärgert hätt' mi' bald i' selm drüber, aber wegen der Bagaschi? Na! da greift nix an. Richter: Ist vielleicht der Herr (auf einen Anwalt zeigend) für Sie als Rechtsbeistand erschienen? Angekl.: Na, na! danl schön! Vielleicht a andersmal, beut b'sorg i' dös scho' selber. Wissen S' schlechte Zeiten und dann möcht' i' ka' Luxussteuer zahl'n. Wegen Sach beschädigung erfolgte Freisprechung, wegen Ruhestörung erhielt der Haus Herr sechs Mark Geldstrafe. Zum Kapitel d e S D u e l l Unfugs liefert ein württemöergischeZ nationalliberalcS Blatt folgenden neuen Beitrag: Jm württembergischen Ober lande bekommt ein junger Beamter und Reserveofsicier mit einem mehr a!S ÜOjährigen Oberförster Streit und for dert ihn zum Duell auf Säbel heraus. Dem Oberförster ist die Sache zu dumm; er lehnt ab. Unter ihm steht ein Rc vieramts.Assistent, der gleichfalls Re. serveofficier ist: an ihn ergeht die Wci jung, jeden außerdienstlichen Umgang mit seinem Vorgesetzten zu meiden. So greift ein Officierögericht ein in bürgerliche Verhältnisse und erschwert amtliches Wirken. Und alles, indem es sich über ein Staatsqejetz wegsetzt! Es fehlt nur noch, daß jetzt sofort von militärischer Seite eine Untersuchung angestellt wird über den Weg. auf dem die Kunde von dieser Vergewaltigung an die Oeffentlichkeit gelangt, und dag man die Tadler derselben zu strafen sucht; das läge so ganz in dem System. Wir sind nur begierig darauf, ob sich die staatlichen Behörden diese militä rische Verhetzung von' Beamten ruhig gefallen lassen. JhreRache. Erinnerst Du Dich noch der Magda Meyer, über die Hermann Schulze voriges Jahr ein für sie so iv?nig schmeichelhaftes Gerede in Umlauf gesetzt hatte ? Ja. gewiß. Was ist mit der ? Die hat sich an ihm fürchterlich aerächt. Wieso denn ? Hat sie ihnverklagt ? Nein ! Sie hat ihn geheirathet ! Frommer Wunsch. 2cch ter: Wo gehst Tu oenn hin. Papa?" . Vater: In den Verein zur Hcduug der Sittlichkeit, wir wollen die verirr ten Jünglinge des Landes vom Ver derben retten." Tochter: Ach. Papa, bei der Gelegenheit rette doch eine:: gleich für mich mit!" Wir sollten schon des wegen Niemand wissentlich wehe thun, weit es unwissentlich ohnehin oft genuz geschieht. , Wer keinem Irrlicht je zum Opfer siel, hat sicher auch nicht nach dem Lichte aeltredt.

7

i