Indiana Tribüne, Volume 16, Number 325, Indianapolis, Marion County, 13 August 1893 — Page 7
ttgrlcchlsÄeS Drod. Hofrath Tr. Vcnndorf hielt bei !egeliheit der diesjährigen Philologen crsnmlnllnig in Wien einen interessanten Vortrag über das Brod, dessen 'ich die alten Griechen bedient haben. Bit entnehmen den bezüglichen AusFührungen folgendes: Wenn bei Homer eine Mahlzeit ge'childcrt wird, dann Ijeißt es immer, 3cif die Tische mit Fleisch, Brod und LZein beladen werden. Diener tragen öas frisch gebratene Fleisch hinzu, und die Schasjncrin legt auf jeden Tisch Lrod. indem sie von den reichlich vor handcnen Borräthen nimmt. WaS a für Brod war, das hat man bis ;c&t vergeblich zu ergründen versucht, clbst die Bildwerke vermochten darüber eine Auskunft zu geben, da auf den zahlreich dargestellten Schmausscenen nichts zu erkennen war. wa als Brod hätte angesprochen werden können. Auf jinem ganz besonders deutlichen Vasen Mloe, das den über der Leiche Hektars schmausenden Achilleus darstellt, erblickt man auf dem Tische zerschnittene Fleisch Stücke und Schalen mit Wein, daneben tiegcn sechs bindcnartig herabhängende Gegenstände und einen siebenten gleich -zestaltetcn halt Achilleus an beiden ßnden zusammengebogen in der linken Hand. Die Beobachtungen, welche die nach Syrien zur Ausgrabung von Gjilbaschi kntsandte Erudition über die Nahrung der dortigen Landbevölkerung gemacht hat. haben auch hier zur Aufklärung geführt und. wie so häufig, auch in die tm Falle gezeigt, daß die Erkenntniß öes Alterthums am besten durch die Beobachtung der in den Stätten des kllterthums selbst noch heute üblichen Sitten und Gebrauche gefördert wird, soweit nicht etwa die fortschreitende und alles ausgleichende Civilisation schon alle Spuren vernichtet hat. Die Landlcute Kleinasiens bereiten ihr Brod in folgender Weise zu: Tie .Frauen, denn diesen liegt daS Geschäst ob. am srühen Morgen den Tagesbc 'Sarf für die Familie herzustellen, seuch len das grobe Gersten oder Weizen.mehl. das sie immer in einem kleinen Sack bei sich führen, mit Wasser an und kneten es in einem flachen Holzgesäf: zu flachen Rundklchen. welche die Ticke kines starken V!esserrückens und einen Durchmesser von etwa 30 Zentimeter haben. Diese Mehlkuchen werden bann auf einem gestielten, dünnen, runden Eisenblech über dem Jeuer im ter mehrmaligem Umdrehen leicht er hitzt, wenn sie fertig sind, wie eine Binde zusammengerollt und von den länuern so als TagcSvorrath in dem großen Lcibgürtel getragen. Man zer schneidet sie nicht, sondern zerreißt sie bissenweise, indem man Käsedrocken in oie abgerissenen Bissen einwickelt oder saure Milch damit auftunlt. In den besseren Häusern, in denen die Famil um einen niedrigen Nundtisch gelauert das Mahl verzehrt, dienen die Fladen auch als Teiler, auf die jeder seinen Spciseanthcil häuft; beim Essen brockt man dann davon ab und reinigt sich schließlich die Finger daran. Mit Sauerteig hergestelltes und im Ofen gebackcnes Brod ist eine Leckerkost, die nur mitunter als Dessert aufgetragen wird. Aehnlich ist die ganze Sitte in Egypten. Abessinien. Syrien und in weiten Theilen BordcrasienS. Es leuchtet ein. wie ähnlich die Form dieser Brode den auf den Bascnbilderu . dargesteUten. bindensörmigcn Gegen ständen ist. so daß es gar nicht fraglich fein kann, daß die Maler der betreffen den Gesäße wirklich Brod, so wie es zu ihrer Zeit bei den Mahlzeiten gedräuch lich war. haben darstellen wollen. Da noch lassen, sich von der ältesten Zeit her drei Berwendungsarten des Getreides . luücrscheideu. In ältester Zeit hat man sich begnügt, die noch weichen oder ..auch trockckn Körner mit Steinwerk zeugen zu zerquetschen oder zu schroten, zu. rösten und so zu genießen; einen Fortschritt bezeugt die Herstellung eines . wehr oder weniger dicken Breie au? .Mehl, der durch verschiedene Zuthaten i wohlschmeckender gemacht und gekocht .oder ungckocht als Speise wie als Trank .genosien wurde, an dritter Stelle folgt ibic oben geschilderte Zubereitung, wo .ein, in Form von Fladen oder Klößen .gekneteter Teig auf heißen Steinen, in der Asche oder sonst auf irgend eine 'Wcife geröstet -wurde. (Frst später ist ,d:r .Sauerteig ersunden worden und zwar in Egypten. dort haben ihn auch djc. Juden kennen gelernt, die das srü her. bei ihnen übliche ungesäuerte Brod -.nur: zum Passahfcst bclbehaltcn baben. .Wann der Sauerteig zu den Griechen .gelangt ist. läßt, sich nicht mit Bestimmt .heit.angcbcn. jedenfalls nicht zu früh; -,nn, fünften Jahrhundert ist er aber je lüenmlis allgemcm bekannt. Erst mit Äcr :l;i:nührunq .des Sauirteigs ent iluickelt stch das Gewerbe der. Bäcker, die !thrc Brode und buchen in den mannig Wachsten Formen lxrstcllen. 3i? dahin arHieHvrstellunH des Brol'kS Sache Zr,Framn. besonders der Slavinnen. Dö.ßtin Italien die 'breiartige Sorm deS Bildes fitz? werngfcens bei ter Ver chrknq der Götter bis in spate Zeiten erballeu hat. ist bekannt, aber mich in der Aamilic ist dc? Gebrauch des tSnls". des Ärcies, lunge allein .Glich gewrs so dc erft itc zweiten Jahr Hundes n. Lf)r. sich ,in Roiu id.2s BäckergrVerbe .entwickelt. Zu toai nördliche!! Völkern ist derauerteigNa türlich nn& viel später gekommen. WaS für eine lesae Entwicklung bis zu den apvetitkichen Milbroden.'Sipfeln oder wie sonst la Morz.engebäck tzcißt, ohne d.is uns der FrüktückStisch jetzt nicht mehr denkbar ist! die Kämpfe im Hinterland von Stet mixun Von der Station Balinga im südfi chen Kamerungcöüt h-2t Premierlieute nant v. Stetten, die traurige Nachricht nach Deutschland gelangen lassen, daß die auf r Station befindlich: Europäer der königlich baierische Pre nierlieutknant v. Volckamer, so de,
ihm beigebene Zahlmeister Scadock im Kampfe mit dem Stamm der Bar rcngo ihr Leben verloren haben. Ueber die Einzelheiten des Vormarsches v. Stettens und der Vorgänge in Balingz theilt der kaiserliche Gouverneur Zimm:re? Folgendes mit: Am 26. Februar verließ die Ezpe dition v. Stetten Jdia. setzte am 3. März beiMangamde über den Sanaga und marschirte am folgenden Tage, der Route Ramseys folgend, weiter, wobei sie an: 4.. 5.. 6. und 8.März mehr oder weniger heftig beschossen wurde, einen Mann verlor und 14 Verwundete erhielt; v. Stetten selbst bekam zwei ungefährliche Schüsse in den rechten Arm. Am 13. März traf die Erpedition in Aambafa ein, v. Stetteu berichtet so dann: DaS Erste, was wir fuhren, war, daß Liutenant von Volckamer. Scadock und Häuptling Balinga im Ge sechs gegen die Barrongo gefallen seien. Ich drängte dah.'r am nächsten Mor gen schnell nach Valinga. um von den Utberlebenden daö Nähere zu erah. ren. Um 10 Uh? traf iH auf der ota tion ein. Auf d:r Station selbst fand ich vollkommene Anarchie vor. Die in Mehrzahl befindlichen Dahomes hat ten -z Akkraleute entwaffnet. Ein Dahome hatte sich zum Headman gemacht, die meisten Stationsgebäude verkauft und verschleudert, die Koffer von Volckamer erbrochen und den In halt ebenfalls meistentheils verbraucht. Die Katastrophe lege ich mir nach den verschiedenen Erzählungen sowie den Aufzeichnungen v. Volckamers folgen dermaßen zurecht: Ramsey hatte bei Gründung der Station Lieutenant von Volckamer 43 Leute zmückgelassen. Ramsey schreibt, daß selbst während seines kurzen Auf entHalts in Balinga er von demHäupt ling verschiedene Male angegangen wurde, denselben bei seinen Kriegszü gen zu unterstützen. Diesem Vertangen konnte sich Lieutenant v. Volckamer trotz langen Weigerns endlich nicht rnehr entziehen. Nach seinen Auszeichnungen scheint sein Verhältniß zum Häuptling nie ein sehr herzliches gewe sen zu sein, besonder? wurde er von diesem oftmals mit Lebensmitteln im Stiche gelassen. Meiner Erfahrung nach sind die Balinga ein räuberisches Gesindel. Während ich auf demMarsche mit den Jaunde nicht den geringsten Anstand hatte, hatte ich mit den Balinga stets Unnnehmlichkeiten. Dem steten Drängen BattngaS nachgebend, zog Lieutenant v. Volckamer am 27. September mit Scadock und 26 Leu ten der Station gegen die Barronqo. Das Gefecht scheint anfangs glücklich verlaufen zu sein; die Barrong, räum ten ihr Dorf, welches nun von den Aa linga geplündert wurde. Da indessen die Patronen zu Ende waren, kamen die Aarkongo zurück. Lieutenant v. Volamer ordnete den Rückzug an.Bei demselben wurde er. Scadock und 58a Zinga niedergemacht, ebenso 16 Leute der Station und viele Valingaleute.v. Stetten ließ sodann die Brronqo und deren Aundesaenossen bestrafen und ihre große stattliche Stadt zerstä ren. Die Station selbst war milttä risch vorzüglich angelegt und von Vremierlieutenant v. Volckamer tadellos ausgebaut. Trotzdem hat v. Stetten von ihrer Wiederbesetzung abgesehen, weil die Balinga mit allen umliegenden Völkerschaften in Krieg leben und deshalb die Stansbcsatzunz un verhältnißmäß.ig stark sein müßte. Unterofficier Bärmann ist mit der abgelösten Besatzung von Balinga über Jaunde zur Kilste zurückgekehrt. Wo durch v. Volckamer schließlich sich zu dem verhängnißvollen Zuge nach dem drei Stunden nordöstlich von Balinga gelegenen Barrongo bestimmen ließ, läßt sich nicht mehr feststellen. Frühere Verfuche'des Häuptlings Valinga. ihn hierzu zu bewegen, hatte er stets abgewiesen. Es kann wohl angenommen rerden, daß. wenn v. Volckamer sich auf die 'Station Balinga beschrankt hätte, er heute noch am Leben wäre, denn sie war für denFall eines AngriffeS mit 'Mazim und Schnellfeuerge schütz sowie dazu gehöriger Munition causgerüstet und wohl befestigt. ttuch.titt.sociallstischer JukunstS staat".' Jwdcr Deutsch-Australischen Post". .Ansang Mai. lesen wir: Im Laufe dieses Monats werden 500 .Pioniere, die Vorläufer einer Be wegung, -welche nicht unbcdeutendcDi mensionen anzunehmen verspricht. Au pralien verwssen, um sich.in Paraguay anzusiedeln und dort ein neues Au ftTalien zu begründen. I)er Gründer urw.L-eiter dieser Bewegung.jst Mr. W. Lane. ein hervorragendes Mitglied der Lrisbiner Presse und der socialistischen Agitation. Die neue Eolonie soll auf cornunistischer Grundlage errichtet werden; große 'Vorsicht in cher Auswahl icr Mitglieder war aher von vornherein geboten. Diesellzen .bestehen hauptsächlich auscSchaffchecrn. Sta tions- And Farniarbciter iwid nur einer kleinen Anzahl von Handwerkern. Jedes Mitglied mß 60 Pfottd Ster ling (300 Dollars) zu den Fl.ds der Societät Äazahlen; der Beweis einer solchen Summe kann als BeweÄ für die Arbeit und Szarfähigkeit der Mitglieder orgefehen werden. Der Ori der neuer Niederlassung ist in Ysrague, 119 Meilen wn Asuncion. in dei Nachbarschaft n Villa Rico und pvei geographischeMujen von einer Bah entfett. Der Flv Tibicuari durchstrZint dicfelbe und ift schiffbar für Booje. Zahlreiche kleine Ströme versehen die Niederlassung mit Wasser während des ganze Jahrei und können eventuell zum Tuiben de? nothwendigen Maschinen verwendet werden. 100 (englische) Quadratmei. len Land sind der .Association" von der Regierung unentgeltlich zum Eigenthum verschrieben worden, und letzjere hat eS tbknfatt untkönmen, dst
Einwanderer und Ihre Effekten unent
geltlich auf ihr Land zu befördern und keine Zölle auf letztere zu erheben. Das der Association gewährte Land besteht aus zwei Arten. Hoch- und Flachland. Letzteres ist Graöland von nicht unbedeutender Fruchtbarkeit und waldlos. Qb dasselbe späterhin für den tlckerbau zubereitet werden kann, ist zur Zeit noch fraglich. Das Hochland ist mit starkem Baumwuchs bestanden, welch letzterer auS meist nützlichen und vielen werthvollen Arten besteht. DleS Land wird als im höchsten Grade fruchtbar und zum Acker und Gar tenbau geeignet geschildert. Da Klima ist sehr gesund. Dürren sind unbekannt, der Regenfall ist ein sehr stetiger; ein Monat soll selten ohne Reaen vergehen. Die natürlichen Bedingungen eine? erfslgreichenAnsiedlung sind daher vor Handen. Die Frage ist nur, ob die in. ter Organisation und das Verhält niß der Gesellschaft zu der Regierung des Landes ebenso günstig sind und bleiben werden. So langte, wie die en thusiastischen Gründer die Leitung deS Unternehmens in Händen behalten werden, wird den Mitgliedern eine arbeit same. aber gesicherte, freie und in vie len Beziehungen beneidenswerthe Exi stenz gesichert sein. Was nachher komnit, ist jedoch nicht vorherzusehen. Des Weiteren ist zu befürchten, daß die Regierung von Paraguay früher oder später eine weniger freundliche Stel lung gegen eine Association einnehmen mag, welche in Folge ihrer Zusammen stellung und Organisation einen Staat im Staate bUdet. Was immer jedoch die Befürchten gen sein mögen, welche sich dem Beo dachter dieser neuen Bewegung aus drängen, alle Australier rrnden derselbe den besten Erfolg wünsche. Das Unternehmen ist entstanden aus selbstlosem Mitgefühl für die Tausende, deren Zukunft unter bestehenden Umständen hoffnungslos ist. ist be zründet auf der Basis deöWzhlspruchö: .Einer für Alle. Alle für Einen" und in der Hsffnung. daß eS der Bevölke rung Australiens ,in Beispiel bieten möge, demgemäß sie ihr eigenes HauS eeformiren könsen. immer für' Zweifel und Befürchtungen auffleigerr mögen, die Ehrlichkeit und Redlichkett der Leiter gehört nicht dazu. ,.G7ück aus ist daher der Ruf, welche wir dem neuen Unternehmen nachrufen. Mit diesem Ruf mischen sich, jedoch Betrach' .nzen wenig erfreulicher Ar, über die Umstände, welche eine so große Zahl der moralisch und wirthschaftlich wichtigsten Mitglieder unsere? Devolkerung verleitet, diesem Lande den Rücken zu kehren. Trotzdem unser Australien Raum genug hat, um 100 Millisnen Einw,hner zu ernähren; irotzdem es "deren augenblicklich nur vier Millionen birgt; trotzvem nur der geringste Theil deS Landes urbar gemacht ist. finden diese Arbeiter und ilcinen da pitalisten es unmöglich, sich hier ein Heim zu sichern. Wahrend vsn allen Serien gepredigt wird, daß kleine Eapitalisten. die den Landbau verstehen, die besten Einwanderer sind, zwingen wir solche Leute zur Auswanderung. ES würde zu weit führen, wollten wir den Grund dieser Anomalie erörtern, genug, wenn die Darlegung derselben unsere Leser dazu führt, sich selbst da ruber klar zu werden, welches die Umstände sind, die das weite Australien zu eng für seine kleine Bevölkerung rnachen." Beschwtndelte ttinwander. Ueber den Dampfer Rrt Sea. welcher 974 Einwande-rer nach dem Hafen r?on New Aork brachte, .und die Art und Weise, wie diese befördert wurden, bringen die New Forker Zei' tungen interessante aber wenig erbau liche Nachrichten. Nachdem dn Dam pferRed Sea"-m Donnerstag Aben an der Quarantäne eintraf Nd am Freitag früh nach Jnspicirung seiteni der Quarantänebeamten auö der Qua rantäne entlassen wurden, da ,sich an Bord des Dampfers keine Patienten befanden, die ein Quarantäniren der selben erheischt hätten, langte de, Dampfer an dem für ihn bestimmten Woodruff-Dock in Brooklyn an. Bis zur genannten Stunde hatte sich wedei der als Eonsignee bezeichnete Vertreter der 31. 2). Firma Barder & Co.. noch uch der Vertreter der Bremer Firma Cuno Schwod, Herr Vür ger, -zur Stellung der vom Ein wanderungs-Commissär Dr. Senner Erlangten Bürgschaft gemeldet, ob gleich der letztere Vertreter -sich noch vor wenigen Tagen bereit erklärt hatte, die verlangte Bürgschaft zu beschaffen. Gegen 12 Uhr Mittag erschien James Barder und erklärte im Namen feiner Firmadaß er wohl als Consignee für den genannten Dampf fungire. frch aber nicht veranlaßt fühle, die verlangte Bürgschaft sür dieFracht. in diesnn Falle die Einwanderer. 'zu stellen. Vorder fügte dieser Erklärung hinzu, daß sich noch zu letzterSiund per Kabel n die . betreffende 'Zrem Firma gewandt und dieselbe um Regeilung dieser bringenden Frage crsuchi chabe, worauf er jedoch eine keine? n?egs entgegenkommende Antwort er holten habe. Da nun daS 'Landen der Possagiere ernti nicht zu einer regulä res Dampferlurie gehörigen 'Dampfers ohre Leistung ter betreffenden Bürg schaK auf der Einwanderer-J-nsel nicht juläsxg ift, so sah der Einwanerungs Conmussär sich vcrcnlaßt.die ih?l durch das Geetz vorgeschic'ebenen Maßregeln zu ergrufen und BesZtz von dem 'Dam pser zu hmen, um 'die vorgeschriebene ärztliche Besichtigung und Registrirunz der Zwischendecks-Passsgiere aus Uth Dampfer selbst vorneh!n zu lassen. Zu diesem Zwecke sandte er eine Än zahl Beamte dks ärztlichen Stabes und der übrigen Departements unter Füh rung des Hülfs.Einwanderu?gZCom ziissäri McSweeney an Bord UiXam pfers, z,d der U$txt nhm skmell
Besitz von dem Dämpfer'Md Sea-. Es wurde nunmehr sofort mit der ärztlichen Besichtigung der Passagiere begonnen ,die im Allgemeinen durch aus kein ungünstiges Resultat zeigte, zumal wenn man die Strapazen der langen Reise und die Folgen der wei ter unten näher erörterten schmähli chen Behandlung der Passagiere in Bremen und während der Reise in Be tracht zieht. Diese Besichtigung, die aus Ellis Island in wenigen Stunden be endigt worden wäre, nahm mehr als einen Tag in Anspruch. Die armen Passagiere hatten natürlich den Scha den davon. Aber daran schienen sie schon gewöhnt zu sein; denn in Bre wen war es ihnen noch schlimmer er gangen. Dort wurden sie von der Firma Cuno Schwöb, der Agentin der Einwanderer Commission Louis Scharlach & Co. von New Aork. in Empfang genommen und man ver sprach ihnen, sie umgehend Hieher zu befördern. Dieses Versprechen wurde jedoch seitens jener sauberen Agenten nicht gehalten und die meisten wurden 14 bis 16 Tage in Bremen zurückge halten. Dies bestätigt folgende von zahlreichen Passagieren des Red Sea" unterzeichnete eidliche Angabe: Ich. Endesunterzeichneter, bin als Passa. gier per Dampfer Red Sea " hier angekommen und erkläre freiwillig, daß ich in Bremen Tage liegen bleiben mußte, ehe ich mit dem Dampfer Be förderung erhalten konnte. EinGrund für die Verzögerung wurdz mir nicht angegeben. Der Dampfer Red Sea" , wurde mir als ein regulärer Passa gier-Dampfer dargestellt, doch stellte eS sich heraus, daß derselbe früher als Frachtdampfer gefahren ist, zu derReise nach New Aork 19 Tage gebrauchte, die Räumlichkeiten an Bord nur für diese Reise hergerichtet. f?mutzig. schlecht gelüftet, die Abteilungen nicht gut ge trennt waren. Auch die Nahrung war von schlechtem Material, nicht gut zu bereitet und in ungenügender Quanti ! l''L . . r. l M ? . m 'r r.
rar genese?!, in ven 'camsenen Ze nach Angabe aufgefüllte Zeit deS Aufenthaltes in Bremen schwankt, wie gesagt, zwischen 14 Tagen und drei Monaten. Auf diese Weise wurden die armen Einwanderer in gewissenloser Weise in Trubel und Schaden ge bracht: in Bremen durch verzögerte Einschiffung, in New York durch verzögerte Ausschiffung. (Anz. d. 23.) Allerlel vom Mars. Zu Arequipa in Peru. 2420 Meter über dem Spiegel der Südsee, ift von der Harvard-Sternwarte m Cam bridg: ein FilialObservatorium einge richtet worden. Dasselbe steht unter der Leitung von W. H. Pickering und hat, begünstigt durch die ungtöhnliche Klarheit und Ruhe der Luft in jener Höhe, wichtige Untersuchungen anstellen können. Von besonderem Interesse sind die bei der letzte Erdnähe des Mars dort ausgeführten Beobachten gen über diesen Planeten. Es ergab zich, daß in der Atm,sphe desselben ,n Höhe. bis zu 30 Kilometern gewaltize Wolkenmassen vorhanden sind.daß aber diese Atmosphäre selbst weniger dicht ist. als unsere irdische Lufthülle. Die von Professor Schiaparelli ent deckten langen, gradlinigen Canäle der MarZoberfläche wurden ebenso gesehen, wie in Mailand, daneben noch andere schmalere, von denen einige nur wenige Meilen Breite haben können. Verdop pelungen der Canäle zeigten sich dies mal nicht, was Professor Schiaparelli auch vorausgesagt hatte. Gewisse dunkle Regicmen der Marsoberfläche waren von schmalen, schwarzen, ge krümmten und verzweigten Linien durchzogen, die an unsere Fluhsysteme erinnerten. Doch waren diese Linien zu breit, um Flirßbetten zu sein, viel leicht bezeichnen sie aber den Lauf von Flüssen auf demMars. Zwei auSge dehnte Flächen der Oberfläche deS Planeten zeigten sich unter sehr gün. ftigen Umständen blau und sind wahr scheinlich Meere, andere dunkle Fla chen erschienen zu Zeiten grünlich, zu anderen Zeiten farblos. Diese grün lichen Flecke zeigten sich selbst bisweilen in der Nähe der Pole, obgleich diese sonst weiß und wahrscheinlich vonEis und Schneimassen umlagert sind. Sehr merkwürdig sind gewisse äußerst kleine schwärzliche Punkte von30 100 englischen Meilen Durchmesser. Sie zeigen sich meist da, wo zweiEa n'äle sich vereinigten, und im Ganzen wurden mehr als 40 derselben entdeckt. Pickering bezeichnet sie der Einfachheit halber als Seen, ohne damit etwas über ihre wahre Natur aussagen zu wollen. Die nächste Erdnähe deSMar ftndet im kommenden Jahre statt. De? Planet bleibt dann zwar etwas wei ter von der Erde entfernt, als 1892, allein dafür hat er einen günstigeren Stand am Himmel, und man darf .auf fernere Ausschlüsse über die Beschassenheit seiner Oberflach: rechnen. Xtx vcyneider ccilg in schlauer Patron. Am letzten Sonntag nahm er seinen Jungen mit nach dei Kirche und als eben der Klingelbeutel herumgehen sollte, kneifte er den Kna. ben in die Seite, fo daß derselbe auf schrie. Nun toax der Vater natürlich genöthigt, den Sohn aus der Kirche hinauszuführen und als er wieder zurückkam, war die Collecte glücklich vorüber. Vor dem Examen. Schluß :ine Stxdentenbriefe : Mit be jtem Gruß verbleibe ich Euer auf die nächsten dai Wochen gespannter Soh Carl Welch ein Gefiihl mußt dll, o großer Mann, bei der Verehrung dieser Menge haben," sagte Uz Blau trumpf. Da ließ sich ein Niese für Geld sehen. Ich tretedir einen gisj Theil meines Vermögen? ab", sagte der Banker zu seiner Frau. Da hatte tt ihr die lojtbare Schlepp abgetreten.
Konstantin der ,,f o&e". Ein wahres Geschichtsbild von Th. C.
Die Weltgeschichte soll ein Spiegel der Wahrheit sein. Leider ist e3 aber nur zu bekannt, daß auf keinem Gebiete mehr UnWahrhaftigkeit herrscht, als auf dem Gebiete der Geschichte. Der offene und versteckte Servilismus modelt gar zu gern und in der Regel mit unlauteren Absichten. Manische sich nur die meisten der in den Schulen, besonders den Volksschulen gebrauchten, von den Behörden vorgeschriebenen Geschichtsbücher an. Wohl ist es nicht angebracht, daß unmündige Schüler alles erfahren; was sie aber erfahren, sollte wenigstens wahr sein. In der Weltgeschichte und noch mehr in der Kirchengeschichte wird uns so mancher Mann als höchst verdienstvoll gepriesen, der im Grunde genomrnen doch nur ein höchst anrüchiger Charakter war. So wird der römische Kaiser Konstantin als der erste Christ auf dem Kaiserthron, als derjenige, der das verfolgte Christenthum zurStaatsreligion erhob, hochgerühmt und weil er in Verbindung mit feiner Mutter und Frau Kirchen baute, soll er sich die wichtigstenVerdienste um das Seelenheil der sündigen Menschheit erworben haben. Ja. ein antisimitischer Poet hat ihn inu Drama Der Sieg des Christenthums" als Märtyrer und Held gefeiert. Wie aber sieht dieser Kaiser im Licht der Wahrheit aus? Konstantin war zuerst mit Maximius und Licinius zugleich Beherrscher des Römerreiches. Mazimius wurde aber durch Hofintriguen bald gestürzt und zwischen den Schwägern Licinius und Konstantin kam es zu blutigen Kriegen um die Alleinherrschaft. Konstantin erlitt trotz zweimaligen Sieges so große Verluste, daß er es für gerathen hielt, im Jahre 314 auf Licinius' Friedensvorschläge ein zugehen; er verfuhr dabei aber so wenig brüderlich, daß er sich weit größere Ländermassen zur Verwaltung zueignete. alsLicinius. Letzterer war in seiner Regierung unvorsichtig insofern, als er offen auf alle mögliche Weise Schätze zusammenraffte und von seinen heidnischen Göttern nicht ablassen wollte. Konstantin war vorsichtiger; er nahm offen den Christen nichts, desto mehr aber auf hinterlistige Weise, indem er sich scheinbar il rem Glauben zuneigte, um ihre Güter zu verwalten. 323 brach auf Zettelungen Konstantins t$ neuer Krieg aus, in welchem Licinius durch die numerische Stärke der Konstantin'fchenHeere geschlagen wurde. Er mußte sich dem Sieger ergeben und wurde von diesem, hingerichtet, obgleich ihm die Erhaltung seines Le bens eidlich zugesagt worden war. Zwei Jahre darauf erlitt auch sein erst elfjähriger Sohn der dem Sieger einmal hätte gefährlich werden können dasselbe Schicksal. Konstantin stand auf der Höhe und die Schmeichler fanden sich leicht. Sie täuschten ihn in der heuchlerischsten Weise über sich und seine Pflichten. Er Fesiel sich in dem Gedanken, der Heilig ste und Frömmste zu sein, und betrachtete, wie seine Theologen und geistlichen Hofschranzen ihn lehrten, jeden Widerstand gegen sich als Empörung gegen Gott und seine Gesalbten ; sein Wille ward Gesetz. Dvs mußte sogar feine eigene Familie empfinden, gegen die er sich auf eine Weise betrug, welche ganz dem Aerfahren orientalischer Despäten glich und seinem Christenthum wenig Ehre machte. Nachdem er seinen Schwager Licinius getödiet und sich sogar nicht gescheut hatte, das Haupt seines anderen Schwagers Magentius beim Einzüge in Rom vor sich hertragen zu lassen, ließ er auch seinen ältesten Sohn Crispus umbringen. Was ihn zu diesem Schritte bewog. ist unbekannt. Nach der einen Angabe hätte Kaiserin Fausta im Sinne der Potiphar an ihrem Stiefsohn Crispus gehandelt, nach einem anderen Berichte hätte wirklich ein unerlaubtesÄerhältnijj zwischen beiden bestanden. Fausta wurde übrigens auch einige Zeit nach her getödtet. In seinem riesigen Ehrgeiz faßte Konstantin den weittragenden Entschloß, (Int neue Hauptstadt des Reiches zu gründen, die dem alten Rom in keiner Hinsicht nachstände. Er ermähNe dazu die Stadt Byzanz am Bosporus. Um diese schnell mit Einwohnern zu füllen, ließ er in bestialischer Weife aus allen Gegenden des Ostens Leute zusammentreiben, und weil damals die Kunstdenkmäler in keiner griechischen oder römischen Stadt fehlen durften, ließ er aus Griechenland alles nur irgend Transportirbare nach Byzanz schleppen. Er verschwendete ferner ungeheure Summen, um daselbst Paläste und Kirchen zu errichten. Da Lbrigens die Stadt vorzugsweise eine christliche sein sollte, so ließ Konstantin die herbeigeschleppten, theilweise den Privateigenthümern ohne jedwedes Recht der Entschädigung fortgenom menen Kunstwerke, um ihnen ihr heid nisches Aussehen zu nehmen, verstüm meln und wunderlich entstellen : Athene bekam ein Kreuz an ihre Seite u. der alte Mars mußte Petrus spielen. Die Gründung der neuen Stadt, in welche Konstantin seine Residenz verlegte, war in vier Jahren (326 330) vol lendet. Der eitle König gab ihr den Namen Neu - Rom, dieser ward jedoch noch zu seiner.Zeit von den Höflingen und dann auch vom Volke das Völk macht ja gar zu gern nach, was der Hof thut in KonftantnopoliZ umgewandelt. Dieser Wechsel der kaiserlichen Residenz hatte schlimme Folgen. Wäh rend in Rom immer noch Verhältnißmäßig viel abendländische bürgerliche Freiheit herrschte, wurde am neuen Ho ager alles in den knechtischen ori, Lntalischen Geist gezwängt.
Die ganze Staatsverwaltung erstarrte im Formalismus ; die Geschäfte gingen langsam und heute würden wir sagen büreaukratisch von Statten, und die Beamten, nach oben schmeichlerisch und servil, nach unten roh, drückten das arme Volk auf eine schändliche Weise und sogen esiach allen Regeln der Kunst bis auf's Mark au5.Auch die Besteuerung wurde geändert ; der Hof brauchte zu viel Geld, und die bisherige, in Naturallieftrungen bestehende Steuer reichte nicht mehr aus zur Erhaltung des Heeres. Es wurden deshalb drei Arten von Abgaben : Grundsteuer. Kops'Ieuer und Gewerbesteuer eingeführt. Zur Erhebung der Grundsteuer wurde alle 16 Jahre das ganze Land sammt allen zu den einzelnen Gütern gehörenden Sklaven, unfreien Bauern und Thieren in gleiche Hufen eingetheilt und danach während einer sögenannten Jndiction, d. h. einer Periode
von 15 Jahren, die Steuer jährlich ausgeschrieben und erhoben. Da nun bis zum Ende dieser Steuerperiode gar keine Rücksicht auf die seit dem ersten Jahre verödeten und vom Feinde besetzten Felder und auf die unterdes sen gestorbenen Sklaven und Thiere genommen wurde, so war das ganze System sehr drückend für die übrigen Güter, deren Besitzer die gesammte Steuer allein bezahlen mußten. Noch weit größer war das Uebel durch die rücksichtslose Strenge, mit der man die Steuern eintrieb, und durch das Heer unbarmherziger Beamten, das sich alle 15 Jahre zur Erneuerung der Steuerreqister über das Land ergoß und mit entsetzlicherHärte und unter den furchtbarsten Strafen für jede Verheimli chung der steuerbaren Gegenstände, so gar bis auf die einzelnen Bäume und Rebstöcke herab aufschrieb. Die zweite Abgabe, die Gewerbesteuer. betraf alle Arten von Geschäften und wurde alle vier Jahre mit glei cher Rücksichtslosigkeit neu geregelt. Die Kopfsteuer endlich wurde von den Sklaven und unfreien Bauern erhoben. Die Bezahlung wurde den Armen sehr schwer, denn nur selten waren ihre Herren unh Aussouger. die großen Grundbesitzer, bereit, die Abgaben für sie zu übernehmen. Der Druck der verschiedenen Steuern und die vielen anderen Staatslasten erzeugten eine neue Klasse der Vevölke rung. den im Alterthum fast unbekannten Mittelstand .zwischen Sklaven und. Freien. Da aber diese kleinen Bauern. Kolonen hießen sie, durch verschiedene Verhältnisse öon den großen Gutsbesitzern abhängig waren, so nah men letztere den Kleinbauern bald auch die letzten Reste ihrer Selbstständigkeit. In diesen Kolonen zeigen sich die ersten Spuren der Leibeigenschaft des Mittel alters. Auch die Hof- und Rangordnung ward durch Konstantins Zeit in neue Bahnen gebracht. Ossicielle Ae!anntmachungen verkündeten, daß Rangcrdnung die Hauptsache im Staate sei und daß es nichts Verderblicheres gebe, als wenn Jemand sich den Rang eines anderen anmaße, oder ein Bürger eine gewisse Geltung haben wolle, ohne ein Diplom über sein Verdienst aufweisen zu können. Sobald dieser Grundsatz aufgestellt war, mußte das Verdienst um die Person des Kaisers jedem andern vorgehen und jedes Streben für das allgemeine Beste schwinden, weil Ehre und Einfluß ganz allein von Hof kabalen abhängig waren. Konstantin stiftete nicht nur gewisse untereinander abgestufte Hofämter mit bestimmten Auszeichnungen, sondern er sührte auch eine gesetzliche Rangordnung ein. die sich an die Bekleidung der Aemter knüpfte, bald aber von Staatsämtern und Verdiensten um den Staat unabhängig wurde. Die ersten Personen des Reiches nächst dem Kaiser waren die sog. Nobilissimi, d. h. die Prinzen von Geblüt und die zum Rang derselben erhobenen Männer. Manchen Hofprediger unserer Zeit muh es mit Neid erfüllen, wenn er erfährt, daß die Hofpricster Konstantins, fast alle zur ersten Klasse gehörten. Dann kam die Hofwürde der Patrizicr, woran sich als dritte Stufe die des Konsulats als eines bloßen Ehrentitels ohue Verdienste anschloß Außer diesen hchsten" Würden gab es noch Erlauchte, Hochansehnliche. Vielberühmte u. s. w. Die Leiblakoien des Jmverators waren .Vielbcrühmte". Alle die Hofschranzen suchten in regem Wetteifer . sich die Gunst des Herrschers zu sichern, indem sie unter, neben oder über ihnen Stehende verlästerten und verklatschten. Die regelmäßige Strafe für einen solchen vermeintlicben Majestätsverächter war die grausamste Hinrichtung. Von christlicher Liebe findet sich weder beim Kaiser, noch seinen Hofpriestern, noch seinen Höflingen eine Spur. Die bisher bestehende Einrichtung des römischen Heeres wurde von Konstantin ebenfalls umgeändert. Die beiden Obersten der Prätorianer, nach unseren Begriffen der kaiserlichen Garde, behielt er zwar bei, nahm ihnen aber die Verwaltung der Justiz, die sie bisher gehabt hatten und machte sie zu bloßen bürgerlichen Statthaltern. Er trennte die Militärgewalt ganz von der Verwaltung. Den Oberbefehl über die Truppen übertrug er besonderen Generalen, welche mit der Civilpolizei und dem bürgerlichen Gerichtswesen nichts zu thun hatten. I Ferner zog er die Truppen, welche ' bisher in Burgen, befestigten Lagern und besonderen Standquartieren gelegen hatten, in die Städte. Unter den Bürgern betrugen sich aber die Krieger in einer solchen Weise, daß die Auswanderung immer größeren Umfang annahm. Die Generale wurden von ihren Officieren beobachtet
und bei passenden und nicht passendes Gelegenheiten verklagt und die Subal-, tern- und Unterofficiere mußten sich das Gleiche von ihren Soldaten gefallen lassen; Die letzteren wurden daher in demselben Grade ein Gegenstand der Fürsorge und Pflege für die Regiernng, in welchem sie ein Gegenstand ihrer Furcht waren. Die Militärausgaben wuchsen in's Ungeheure. Dies konnte nur auf Kosten des fleißigen Bürger- und Bauernstandes geschehen, den man nicht zu fürchten brauchte, und um welchen sich daher Niemand kümmerte. Eine bürgerliche Demokratie gab es noch nicht. DaS Loos des Mittelstandes war um so trauriger, da die Regierung auch für den Pobel der großen Städte durch öffentliche theure Belustigungen Sorge zu tragen und außerdem das Heer der Beamten und Hofschranzen zu unterhalten hatte. Bringt man dabei noch die herrschende Schwelgerei und Weichlichkeit mit in Anschlag, so wird
i man, selbst ohne an den größeren , Muth und die physische Ueberlegenheit ' der barbarischen" Grenznachbarn zu denken, den raschen Verfall des Staates und seinen 200 Jahre nach Konstantins Zeit erfolgten gänzlichen Un- . tergang begreiflich finden. I In Ungnade gefallene Hofpriester ' wurden in echt christlicher Liebe an lebendigem Leibe geschunden und hingerichtet. Neue traten an ihre Stelle und tauften immer größere Scharen zur Errettung aus dem Sündenpfuhl. Charakteristisch ist es übrigens, daß' Konstantin selbst sich erst auf dem Sterbebette taufen ließ. Er stark 337 in Nikomedia und lebt in der Ge schichte weiter als der erste chrisi liche" Kaiser. 1 Der halbe Schimmel. Dem Neuen Wiener Tagblatt entnehmen wir folgende Gerichtsverhandlung : Herr Rosche, Director einer reisenden Volkssänger - Gesellschaft, hatte gegen die bei ihm engagirt gewesene Sängerin Gisi Riedel beim Bezirksgerichte Hernals die Strafanzeige wegen Veruntreuung eines Reisevorschusses in der Höhe von 3 fl. 50 kr. erstattet. Heute hatte sich die genannte Sängerin vor dem Strafrichter über diese Beschuldigung zu verantworten.' Richter : Was haben Sie auf diese Anzeige zu entgegnen ? Die Angeklagte schweigt. Richter : Haben Sie meine Frage nicht verstanden ? Angekl. (mit kaum vernehmlicher, hei sercr Stimme): Ich bitt', ich bin schwerhörig. Richter (ganz erstaunt): Ja. sind Sie die Sängerin Riedel. Angekl.: Ja. Richter : Sagen Sie mir. wo singen Sie denn ? Angekl.: Ich habe für diese Saison kein Engagement gefunden. Der Richter und der öffentliche Ankläger bemühten sich nun mit Aufgebot aller ihrer Stimmmittel, der schwerhörigen Sängerin den Grund der Anklage darzulegen. Als sie endlich begriffen hatte, warum sie vor Gericht citirt worden war, erklärte sie ganz entrüstet, sie habe nichts veruntreut. Director Rosche habe ihr von Olmütz aus einen Engagemcntsantrag gestellt und ihr gleichzeitig die Reisespesen im Betrage von 3 fl. 50 kr. mitgeschickt. Diesen Engagemenieantrag habe sie jedoch ohne Einwilligung ihres Gatten nicht annehmen können. Richter : Haben Sie den Reiscvorschuß dem Director zurückgeschickt ? Angekl.: Nein, er ist mir mehr schuldig ! Richter : Was ist er Ihnen denn schuldig? Angekl.: Mindestens den halben Schimmel ! Richter : Was ? Einen halben Schimmel ? Angekl.: Ich bitt', ich und mein Mann, der Klavierspieler ist, waren bereits bei Dir.tor Rosche engagirt,' wir haben aus Theilung gespielt und haben von dem Einkommen einen Schimmel und einen Wagen, mit dem wir fuhren, gekauft. In Folge dessen gehört der halbe Schimmel uns. AlS wir Director Rosche verließen, verlangten wir unseren Antheil am Schimmel. Er sagte aber, er könne den Schimmel nicht theilen, und gab uns nichts heraus und da habe ich mich nun mit dem Reisevorschuß von 3 fl. 50 kr. theilweise bezahlt gemacht ; der halbe Schimmel ist freilich mehr werth ! Die Angeklagte wurde vom Nichter glänzend freigesprochen, da das Gericht die Angaben der Sängerin bezüglich ihrer Eiqenthumsansprüche an den Hai ben Schimmel nicht in Zweifel zog. Moderne Gespenstergeschichte. Ter Schriftsteller Pumper weiß sich vor seinen Gläubigern, die ihn Tag und Nacht verfolgen, nicht mehr zu retten. Da kommt ihm ein genialer Gedanke; er verreist auf einige Tage und schickt dann eine Notiz an die Zeitungen, des Inhalts, daß er vor einigen Tagen am Herzfchlag verfior den sei. Die Zeitungen widmen ihm einige Nachrufe, seine Freunde beweinen ihn und die Gläubiger schreiben ihre Forderungen anf'S Verlustkonto. Nach einiger Zeit zeigt er sich wieder ruhig auf der Strafe, um eines Tage? seinem bösesten Manichäer in die Arme zu laufen. Nanu! ich denke. Sie sind todt!- rief der Glaubiger erfreut. DaS bin ich auch, aber da heute so schönes Wetter ist. bat mir der todten gröber bis sechs Uhr Urlaub gegeben. Sie entschuldigen, oberes ist dreiviertel ich muß wieder in mein Grab", rief Pumper und verschwand. Ein Muthloser. Mari:: Sie sagen mir, daß Sie mich seit fün? Jahren lieben, aber erst heute Abend den Muth gesunden haben, mir dies zu sagen. Carl : Ja ! Marie : Nun wohl, es thut mir leid, aber, ich kann Ihre Frau nicht werden. Ein Man, der so wenig Muth hat, würbe sich am ?nde schlafend stellen, während Ti-be ihm seine Pantofseln edlen l
