Indiana Tribüne, Volume 16, Number 325, Indianapolis, Marion County, 13 August 1893 — Page 2

Gioe Vussührung Richard HL

Wie vor Jahren einmal im fürstlich ulko'wski'schen Hoftheat:r in Matzleinsdorf Shakespeares Richard der Dritte" aufgeführt wurde, davon .erzählt das Wiener Tagblatt" nach den Erinnerungen eines Mitwirlendcn. Drrector Niklas hatte in seinemKunsttempel Schauspieler, welchen er Gagen zahlte freilich nicht über 30 Fl. und solche, welche ihm dafür zahlten, daß sie spielen bürsten. Eines Tages kam ein junger Mime, tar in derWahl seiner Eltern überaus vorsichtig gewesen war. -zum ulten Niklas und -sagte ihm mit dem Vollbewußtsein drs grofcen Künstlers, der an einem kleinen Theater gastirt : .Ich will vor rinigen Regisseuren .für ein Engagement am Burgtheater Prole spielen. Ich spiele Richard IN. Ich zahle Ihnen 50 Fl. für die Vorstellung ; meine Kostüme habe ich mir selbst machen lassen, nebenbei bemerkt, kosten sie 500 Fl'" Der Direcwr bekuckte sich den Mimen, der ihn im großen Lewinsky-Pathos also ansprach, bedeckte mit der Hand sein linkes Auge, was eine seiner gewohnlichen Bewegungen war, .und meinte : Na :ja ! Wir könnend 'ja machen V Der große Tag brach heran. Das Haus war dicht gefüllt, unter den Gästen befanden sich einige Größen des Burgthcaters, Theateragentcn und Direktoren. Die Freunde des Kunstjüngers hatten die Werbetrommel tüchtig gerührt. Die Gäste waren auf die Leistung des Richard" auf's Aeußerste gespannt. Nach einer Polka, von der Klavierspielerin des Theaters heruntergehackt, sollte der Lorhang in die Höhe rauschen. Ungefähr einen Meter hoch war er aufgezogen und schon sah man die stark wattirten Beine des mißgestalteten Gloster. als er plölich stecken blieb und weder auf- noch nidergehen wollte. Die Beine des Gloster tanzten nervös auf der Bühne herum. Dazwischen hörte man die Stimme des Directors: Jessasl I han' was um d' Erd' r (Sein Lieblingsausdruck.) Haslinger !" rief der Director kreischend. Haslinger hieß 'das Factotum, das Theaterdier.er, Jnspicient.Schauspieler, Theatermaler und Gott weiß was noch Alles in einer Person war. 'Haslinger i Auf mit'n Vorhang !" Haslinger zerrte aus Leibeskräften, und der bezähmte Widerspenstige glitt in die Höhe. Mit diesem heiteren Anfang war die Reihe der tragikomischen Zwischensälle eröffnet. Bald verlor der Herzog von Gloster, welcher im düstersten Lewinsky-Tone declamirte, seinen Mantel, dann siel der todte König Heinrich VI., offenbar entsetzt über die Brautwerbung des grundschlechten Richard, von der Bahre. Als bei der Krönungsfcierlichkeit Richard III. .der Haslinger im Dränge der vielen Geschäfte, die er gleichzeitig zu besorgen hatte, einen Trompetenstoß vergaß, hörte man plötzlich den Director das versäumte Signal lustig durch rn gesungenes : Tatatra V nachholen. . Die Heiterkeit ward von da ab unverwllstlich. Jede Schqndthat des Blutigen" rief dank der prächtigen Darstellung und der -trefflichen Regie Lachstürme hervor. Den Höhepunkt erreichte der Ulk in der Schlachtscene im fünften Acte. Die Schlacht bei Bosworth war ein Meisterstück von scenischer Kunst. St. Georg ! Beseel' uns mit dem Grimme feuriger Drachen ! Ein auf sie ! Unsere Helme Zrön' der Sieg !" Mit vollem Pathos derlamirte Richard diese Stelle, sschwang sein Schwert, wobei r den Sofsitenhimmel mit tinem Streich spaltete, und stürzte mit seinen Getreuen in die Schlacht. Die Bühne blieb nun leer: die sämmtlichen Schauspieler und sogar oer dienst--thuende Feuerwchrmcmn wirkten ern der Darstellung der Schlacht bei Bostvorth mit. Der Director hatte sich dieTrommel vorbehalten und wirbelte drauf los. Haslinger gab die Trompetensignale, weil er aber zu falsch blies, erbarmte sich der dienstthuende Feuerwehrmann seiner und zum allge meinen Ergötzen erklangen die bekannten Feuerwehr - Signale : ..Wasserzuführen!" Aussetzen!" Pumpen !" etc., zum Schlüsse ertönte der bekannte Jnfanteriemarsch, dazwischen rasselten die Säbel und die Mimen riefen : Sankt Georg !" Hoch Richmond V ..Heil und Sieg !" durcheinander. Als nun ein Trupp flüchtiger Streiter Richards (zwei Mann) über die Bühne zogen, denen die Richmond'schcn Schaaren (abermals zwei Mann) mit lautem Feldgeschrei auf dem Fuße folgten, brach das Publikum in dröhnenden Beifallssturm aus. Dieser feierliche Augenblick griff der Klavierspielerin des Theaters, welche das Orchester repräsentirte, mit so siegreicher Gewalt an's Herz, dah sie an ihr Klavier eilte und "den Kriegslärm hinter den Kulissen mit der Melodie : 0, Du mein Oesterreich !" begleitete. Dieser patriotische Abschluß der Schlacht bei Bosworth brachte die Gallerie vollständig zur Raserei. Vor Begeisterung sangen die Zuhörer mit. Die Verzweiflung Richards ließ das Publikum ganz kalt. Das Ende ging in dem lauten Jubel der Zuhörer unter. 7 Ein Trost. . ist ja jra rnerschad', daß man meinen Men nicht zum Stadtrath gewählt hat. Die halbe Stadt hätt' e' Freud' d'rüber g'habt." Na trösten Sie sich.Frau Nachbarin da freut sich halt jetzt die ndere Hälfte. ' Der Uuterschied. Wissen Eie, was für ein Unterschied zwischen dem Tiozenes und Ihnen iÖ? Nun? Jener sei stets im Faß, Bit sitzen stets vor dem naß!

Mutter.

Zin Charncrbild von Job. 6cht0QT4 Also, meine geehrten Freunde uni Tischgenossen, laen Sie uns das Glas erheben und stoßen Sie mit mii an aus das Wohl der Brauteltern, auf das Wohl von Herrn und Frau Doktor Lindner. Sie leben hoch!" Die Gläser llangen, die Musit spielte einen Tusch und: Dreimal hoch!" tönte es .in heller Festesfreude. Die Tischgesellschaft hatte sich erhoben und nun eilte Alles t?on seinen Plätzen den Brauteltern zu. um mit ihnen anzustoßen, vorauf das junge Paar. Der Bräutigam verneigte sich n--fpettvoll und küßte der Schwiegermutter die Hand, die Tochter erfaßte sie innig und sagte: Liebe Mutter, .auf Dein und des lieben Vaters Wohl und Deinen baldigen Besuch!" Dann siel die junge Braut dem Vater um den Hals; Geliebtes Vaterl. was .wirst 5enn ohne mich ansangen?" rief sie; es ist doch zu dumm. Daß so ein Ingenieur dahergelaufen kommt und .mich entführt!" Mit diesen Worten wandte sie sich in komischer Koketterie halb dem Vater, halb zu ihrem Bräutigam. worauf Herr Doktor Lindner die Hand seiner Tochter in Die des Bräutigams legend sagte: Lieber Firnes, bewahren Sie mir mein Mädel gut, es ist ein Prachtexemplar von .einem Kind und es soll .mich freuen, wenn Sie's verdienen. Und nun, auf die Plätze. Kinder, ksmm. Fridl, neben mich!" Erst noch anstoßen. .Herr Schwiegervater und diesmal Ihnen ein Spezielles und das Versprechen, daß ich Frida gut halten will," fügte Funck lachend hinzu. Inzwischen war auch die übrige Vesellschaft, Brautjungfern und junge Leute und die paar Verwandten des Bräutigams Lindners selbst hatten keine näheren Verwandten herbeigeeilt, um persönlich das Wohl von ,Hrn und Frau Doktor" auszubring:n, .worauf der alte Funck sich zu seiner Dame wandte: Gnädige Frau, auch Ich trinke auf Ihr und Herrn Doktors Wohl und daß Sie den Verlust der Tochter nicht allzu stark empfindenl" Frau Martha neigte den Slopfc Ich danke Ihnen, Herr Funck, und ich wünsche Ihnen an Frida eine treue und liebenswürdige Schwiezertochter" Das Festmahl wurde fortgesetzt; man hielt jetzt schon an Spargeln mit Zunge. Der Bräutigam war ben dabei. der Braut vorzulegen, die achtlos Hand in Hand mit dem Vater dasaß. Kind. Kind, wie soll ich's denn wirklich aushalten ohne Dich!" rief dieser. Jeden Tag Nachricht, mindestens eine Karte. Das mußt Du mir versprechen, und dann, lieb' den Funck nicht zu sehr. Hörst Du? Ich hab' ältere Ansprüche!" Die jungen Leute rechts riet links vom Brautpaar schäkerten und trieben allerhand Possen. Der ültt Funck saß still in seine Spargeln vertieft und Frau Martha überschaute die Hochzeitstafel. sah die jungen Mädchen kichern und erröthen und dachte an ihre eigene, ferne Mädchenzeit. Gerade an einer solchen Tafel war es, bei der Hochzeit einer älteren Freundin, wo sie. im tteien duftigen Mullkleidchcn, ihn zuerst erblickte, ihn, Herrn Doktor Lindner. ihren späteren Gatten, damals ein junger Student von kaum dreiundzwavzig Jahren, und wo zuerst diese ahnungswse Jugendliebe aufkeimte, die das Schicksal ihres Lebens bilden sollte. Das Schicksal ihres Lebens? Wirklich? Dieser Mann mit dem Graukopf ueben der Braut, war das ihre Jugendliebe, war das der Mann, um den sie jahrelang mit der aufopferndsten Treue, mit der hingebendsten Liebe gekämpft hatte, derselbe, mit dem sie den Brautstand durchlebt, diesen wonnigen Brautstand, voll übermächtigem Sehnen und Hoffen und Träumen? Sie lächelte bitter und der alte Funck fragte besorgt, ob sich die gnädigeFrau ganz wohl fühlet O gewiß, ganz wohl," entgegnete sie, nur ein klein wenig, es ist eben nicht alle Tage .Hochzeit." Und es heirathet nicht alle Tage die einzige Tochter," meinte der alte Funck, worauf er ritterlich schwieg. Jetzt beugte sich der Bräutigam über seinen Vater weg zu Frau Martha.: Ist es wahr, liebe Schwiegermutter, daß Sie sechs Jahre auf cen Schwiegervater gewartet haben?" Sechs und ein halbes Jahr," erwidcrte Frau Martha. Und darf ich fragen, wie das kam? Ich meine, daß Sie gar so lange zu warten hatten?" Soll ich die alten Geschichten erzählen?" fragte Frau Lindner müde lächelnd sie werden Sie kaum interesstren." .Doch, doch." bestätigte der Vräutigam, es ist auch, weil der Papa sagt. Wir hätten nicht so eilig Hochzeit machen brauchen und er gäb' die Frida nicht her." Nun." zählte Frau Martha. .als ich meinen Mann kennen lernte, stand er gerade im Staatseramen. Nach einem Jahr war er damit fertig, dann arbeitete er zwei Jahre als Asststenzarzt und da meine Eltern nicht einwilligten, mich einem Unvermögenden Manne zu gecen, und ohne ihre Einwilligung oder vielmehr ohne ihre materielle Unterstützung an eine Heirath nicht zu denken war, so mußte eine dreijährige, selbstständige Praxis unserer öffentlichen Verlobung vorangehen." Ei, e!, gnädige Frau, da haben Sie also frühzeitig warten und sich gedulden gelernt bemerkte ihr Tischherr. Warten? O. jawohl. Sie hatte gewartet und gewartet und gekäNpft und gekämpst viele Jahre. Worauf hatte sie wohl gewartet? WsS gab eö

fcnrn Großes zu erkämpfen? Und dabei siel ihr Blick wieder auf die la chenden jungen Mädchen. Was wollte sie denn damals mit dieser stürmischen Leidenschaft, mit diesem trotzigen Lebensmuth? War nicht alles Wunschenswerthe erreicht? Hatte sie nicht den geliebten Mann gefunden, war nicht ein Kind da. eine Tochter, gesund, kräftig und blühend, und waren nicht ihre äußeren Verhältnisse die Denkbar günstigsten? Was wollte sie damals? War sie nicht glücklich? Nein, ste war nicht glücklich. Sie war betrogen und enttäuscht. Und während sie ihr Ohr ihrem Nachbar zur -Rechten lieh, der etwas Verbindliches sagte, klangen diese Worte in ihr nach, wiederholten sich in ihr, um sie nicht mehr loszulassen betrogen und enttäuscht! Wer sie betrog? Das Leben. Was sie enttäuschte? Das Leben. Oder auch die Liebe? Ja, auch die Liebe. Und die Ju gend. Auch die Jugend. Alles ernüchterte, enttäuschte, betrog sie. Aber es war ihre Schuld Was hatte sie venn erhofft? Eine neue Tischrede! Verehrte Freunde und Verwandte! Sie sind hier zu einem Feste versammelt, wo zwei treue, liebende 'Herzen sich in innigster Vereinigung für's Leben zusammenthun, wo sie, begleitet von dem Segen der Eltern, hinausziehen ." Frau Martha hörte nicht weiter. Sie versank in stilles Träumen. Und das ganze Leben zog an ihr vorbei, kalt und grau und wunschlos. Wie anders hatte es kommen können? Etwa so, daß ihr Mann das Muster eines Ehemannes geblieben wäre, der ewiae

Tauber, der sie ein halbes Leben lang mit seiner ehelichen Liebe gequält hätte? Die sogenannte eheliche Liebe! Die Liebe überhaupt! Die hatte sie erfahren. Nicht daran denken! Vrrr! Und sie schüttelte sich fast vor Kälte und Schmerz, und ein Grauen stieg in ihr auf vor den Bildern, die sie in der Seele trug. Wieder ein Hoch und diesmal auf Papa Funck. Da werde ich ein volles Glas leeren müssen," meinte Frau Martha. Ich danke, gnädige Frau." erwidcrte der alte Herr, und ich hoffe nur, der Wein wird auf ihre Wangen die Rothe" zurückbringen, die Ihnen der Abschied von Frida raubt." O, die Nöthe ist längst entschwunden. lieber Herr Funck. Nicht wahr. Fritz?" wandte sie sich an ihren Mann, der Funck gerade zutrank, Du kanntest mich noch mit blühenden Wangen, es ist aber lange her." Geh. Martha." erwiderte dieser, wer darf das sagen? Die ganze Gesellschast ist darüber einig, daß Du meine schöne Frau bist und die schönste Schwiegermutter im ganzen Kreise." Und lustig erhob der Doktor sein Glas: Es lebe die schönste Schwiegermutter!" Frau Martha lächelte nur; sie war in der That schön, von mächtiger, vornehmer Schönheit. Ihr hoher Wuchs, ihre weiße Gesichtsfarbe, die reine, formvollendete Stirn, die ausdrucksvolle Nase und das fein modellirte Kinn machten sie noch in ihren Jahren zu einer ausfallenden Erscheinung. Aber sie fühlte das nicht. Sie fühlte nur, wie einsam und kalt es in ihr war und um sie wie lügenhaft und hohl und leer. Sie blickte ihre Tochter an, die, von Seide und Myrthen und Schleier umwallt, heiter lächelnd an der Seite ihres Bräutigams saß. Wenn sie wüßte, was das Leben ihr geben würde, wäre sie dann wobl eben so ruhig? Und da fiel ihr die f. : cv-n : nytnt .yvujeu ein, ein UCIUC5 UN engsten Familienkreise; da kam ihr die arme Frau in den Sinn, die ihr beim Abschied die Hände gedrückt und s.' herzzerreißend geschluchzt hatte. Kind. Kind, es ist Dein eigener Wille! Du liebst ihn ja!" hatte ihre Mutter ausgerufen und sie. im Glück, im Liebesrausch, hrttt diese Worte nicht verstanden. Heute verstand sie Alles. Alles, AlleZ, Alles, was das menschliche Herz verstehen kann. Die ersten, leide.'.fchaftlichen Wochen nach der Hochzeit waren von süßrm. schwärmerischem Glück erfüllt geWesen. Dann begann das Dämmern der Erkenntniß Die Glocke des Festordners ertönte. Ich bitte für einige Augenblicke um Ruhe. Eine wandernde Schauspielertruvve wünscht dem jungen Paare seine Aufwartung machen zu dürfen!" Wieder ein Läuten und jetzt theilte sich der Vorhang und auf der Bühne erschienm ein paar Blumen streuende Kinder, zugleich aber vernahm man hinter ver Bühne einen mehrstimmigen Gesang: Dem jungen Paare Heil und Glück und Segen, und Fried' und Freuden immerdar." Wie der Gesang Frau Martha berührte, war es ihr, als müßte sie laut aufschreien vor Schmerz. Diese Erniedrigung all' ihr Leben! Diese Selbstbeherrschung, diese Hchvchelei und diese Einsamkeit! Und wie der Mann es nicht fühlte, wie er sich herabwllrdZgte. wie er Die herabwürd'igte, die er zu lieben wähnte! Er lebte in dem festen Glauben an seines Weibes unveränderter Liebe; er war zufrieden, so zufrieden, daß es ihm Jeder ansah. Und Martha? Sie fühlte und erkannte es wohl, drei Wolen nach der Hochzeit zuerst, ganz leise und ahnungsvoll und dann immer eindringlicher und heftiger. Sie fühlte fast visionär, wie ihre Liebe schand und schwand, und wie alle Zukunftsbilder und Zukunftsträume zusammenstürzten. Und mt entsetzliche Oede ergriff sie. eine entsetzliche Oede und Leere und Verlassenheit.. Das war in den ersten Monaten. Dann hatte sie den Schlag verwunden. Mit ihrer starken, energischen Natur eine andere Hoffnung ergrissen und tm

Sichere Sehnsucht. Eine andere Sehnsucht! Sie wußte nur selbst nicht welche. Aber eine Sehnsucht war es. eine Sehnsucht nach etwas Unerfüllbarem, nach etwas Mystischem. nach Der Bethätigung und Verkörperung ihres Selbst, nach einer großen Arbeit oder nach einem ttinde. Und diese Sehnsucht sollte sie noch nicht zur Ruhe kommen fassen. Eine Arbeit oder ein Kind! Und das Kind war es. das sich zuerst einstellte. Doch, seltsam genug, da sich ihre Hoffnung erfüllen sollte, schämte ne sich duser Hoffnung, verschloß sich in ihr Zimmer und weinte. Ein lauter Applaus schreckte Frau Doktor Lindner aus ihren Erinncrunzen. Das Festspiel war zu Ende; es war ein eigens auf die Hochzeitsfeierlichkeit von einem Freunde Funck's verfaßtes, kleines Singspiel, das mit mannigfachen Anspielungen auf iie Familie reichlich Stoss zum Lachen bot. Die Gesellschaft schrie und jubelte; Fächer. Boiiquets, Orangen wurden auf die Bühne geworfen imd immer und immer wieder erscholl den Schauspielern und Sängern ein Da 3apo". Schließlich wurde der Verfasser auf die Bühne gerufen und nun fing's erst recht an ein Hoch- und Lravogeschrei. bis der vielbeschäftigte Toastmeistcr im Namen aller guter Thristen Ruhe gebot. Man war beim Plumpuddmg angelangt und fand allgemein, daß er sehr zut sei, was einen der jungen Leute zeranlaßte, aufzustehen uud einen Toast, einen letzten Toast auf den Vlumpudding uszubringen, wobei cr SchMers Worte Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes Parten" zum ?luszangspunkt nahm. Die gute tim mung hatte ihren Höhepunkt erreicht und Champagnerlaune wirbelte in allen Köpfen. Die junze Frau eilte zu ihrer Mutter: Manchen, welch ein Herrliches Fest!" und der Doktor nickte liebenswürdig seiner Frau zu: In der That glänzend. Martha". Auch Papa Funck wußte sich nicht genug in Lobes:rhebungen über dieses wohlgelungene Arrangement" und über den Chic der Frankfurter" zu ergehen. Frau Martha war es, wie wenn sie In einen Abgrund blickte. Lllles dies, vachte sie, wie verschieden vom wirkliHen Leben, wo nichts als Schmerz und Widerwille oder Dummheit und Leere zder Rausch und Nüchternheit. Und ivollen die Menschen wirklich ein Fest begehen. )varum ziehen sie, sich nicht zurück an's Meer, auf eine stille Insel )der in den Urwald oder in die Wüste? Wenn es wirklich Glück gibt oder auch aur Zufriedenheit, braucht es da Menschen und Mahlzeiten und Tischreden und Aufführungen und Ballkleider und Tanz? Welcher Aufwand von Kraft. VZühe und Kosten für einen Abend! Und das Resultat? Und der Inhalt? Sind wir klüger geworden? Erst morgen ausschassen und dann wieder fragen. Und sollten wir morgen noch nicht ernüchtert sein und übermorgen nicht, in zehn Jahren, wenn das Fest längst vergessen und die Jugend längst )ahin ist. in zehn Jahren sind wir's ?ewiß. Und nun gedachte Frau Martha wieder der ersten Zeit ihrer he, ier Geburt ihres Kindes und dessen. Das vorausgegangen. Sie versetzte sich in jene Zeit zurück, wo. weil sich ihr Wunsch erfüllen, weil sie Mutter werden sollte, sie sich das Haar gerauft hatte in Angst und Verzweiflunq. Cin Kind! Durfte sie ein Kind haben? Liebte sie ihn denn noch, den Vater ihres Kindes? Und wie damals, so saßte sie heute bei der Erinnerung ein mildes Leid. Liebte ich ihn? Ich weiß es nicht. ?!ur eins war mir klar: Liebte ich ihn nicht, dann durste ich trotz Religion und Staat kein Kind haben." Und zeitlebens erschien ihr der kleine Krausköpf mit ihres Mannes Augen, Haltung und Geberde als ein lebender Vorwurf. Sie hatte nie für Frida Mutterliebe empfunden und ihr Leben mar nicht weniger einsam als vordem. Was ihren Gatten anbetrifft, der von der ersten Stunde an sein Töchterchen abgöttisch liebte, so hatte sieüber ihn nicht zu klagen. Er war stets gut und liebevoll gegen sie ud nur ihr erschien :r wie ein todtes Glück. Die Tafel war zu Ende, von allen Seiten erscholl Gesegnete Mahlzeit!" Herr Funck reichte Frau Martha den Ärm und führte sie in den Saal. Doktor Lindner führte seine Tochter und auf der andern Seite ging ihr Bräutigam. Die jungem Leute gingen theils paarweise, theils zu mehreren. Man nahm auf den verschiedenen Sophas und Dwans Platz und wartete nur, bis der Tisch abgeräumt war und die Polonaise beginnen sollte. Der Doktor ließ seine Tochter nicht los, bis sie ibm immer und immer wieder versprachen hotte, täglich zu schreiben und ihren Kann nicht zu lieb zu haben, wozegen dieiec ernstlich protestirte. Ich glaube gar. Herr Funck ist eifersüchtig, das wäre mir früh!" rief ein munteres sunges M'idchen, und gar auf den Vater. Da muß Frau Doktor erst recht kifersüchtiz auf Frida werden. Das wäre aber nett!" Lautes Gelachter folgte dem Scherze. Frau Martha wandte sich zu dem Zungen Mädchen: .Eifersüchtig, das ist häßlich. Greta. So häßlich, daß man nicht einmal Witze darüber macht." In ihr aber krampfte und zuckte und riß etwas. Das sind die Gestalten des vergangenen Lebens", sprach sie zu sich selber. Das sind die Schatten dessen, was Du todt glaubst, was längst, was langst vorüber, aber nicht todt ist. Das sind die Qualen.die Du einst erduldet hast, sie fassen Dich wieder, sie wollen

j Dich nicht los lassen, nicht los lassen diesen Abend!" Eine furchtbare Angst kam sekundenlang über Frau Martha, bis sie, die Stolze, wieder die Herrschaft über sich gewann. Und aber

mals fühlte vre Llebe dieses Mannes, die sie bedrückte und die sie nicht erwi dern konnte, fühlte unsägliches Mitleid mit diesem Manne, den sie wie ein Kind behandelte und wie ein Kind liebkoste und bei dem sie dadurch mehr und mehr an Reiz verlor, bis seine Natur den Ausweg gefunden hatte. Den Ausweg! Sie lächelte dazu, sie fand sein Leben gut und natürlich, im Innern aber schrie sie auf vor Weh und Scham. Eifersucht! Wenn in großes, starkes, volles Menschenher zerrissen und verachtet in den Staub geworfen wird, erniedrigt, verbraucht und entehrt, nennt rnan das dann Eisersuchtl Die Untreue ihres Gatten war das Letzte, was sie in ihrer Liebe erlebt hatte. Das xoat das Ende! Verwundet bis auf's Blut, siech am Herzen und müde vom Leben zog sie sich in sich selbst zurück. Nun war sie zwanzig Jahre verheirathet. Wie lange sollte das noch so gehen? Der Krauskopf trennte sich heute von ihr, ihr Mann war der Unveränderte. Gute, Liebevolle und Bcrständnißlose geblieben, der an dem Mädel mit närrischer Zärtlichkeit hing und seiner Frau beständig im Stillen das Unrecht abbat, sie aerlassen zu haben, heute, tot auch cr müde und alt war. Die Klänge der Musik forderten zur Polonaise auf. Sie weredn nicht tanzenentgegnetk Martha liebenswürdig, ich werde mich von denStrapazen des heutigenAbends erholen. Aber ich bitte, Herr Funck das soll Sie nicht stören " Gnädige Frau, das ist kostbar, ich alter Kerl, höchstens aus Aufmerksamkeit gegen meine Tischdame könnte ich mich einem so seltsamen Vergnügen unterziehen." Ihrer liebenswürdigen Tischdame," sagt man ja wohl," meinte Frau Martha übermüthig. Da sagt man die Wahrheit, denn liebenswürdig sind Sie, na, noch vieles Andere, aber davon zu reden ist hiel nicht der Ort!" O bitte, Sie müssen es mir sagen, ich erlasse es Ihnen nicht, mir zu sagen, was ich noch bin, wie ie mich sonst noch beurtheilen. Erscheine ich Ihnen gefühllos? Oder kalt, wik Frida behauptet? Denken Sie v.ux, da! Kind hat seinem Vater zuerst von der Verlobung mit Jbrem Sohn erzählt, sie behauptete. Mama ist zu kalt, sik kann nicht verstehen, daß ich den Funcl liebe," Und nun frage ich Sie, Funä den Aelteren, stimmen Sie mit Ihrer Schwiegertochter überein?" Ich stimme, wenn Sie wünschen, mit Jedem Lberein. aber mit Frida besonders gern," sagte Funck. Nun darf ich fragen, da Sie schon davon reden, was Sie dem Kind auf diese Be merlung erwiderten?" Eben endigte die Polonaise in einen Walzer und nun drehte und Wirbel tk Alles im Saale. Der Doktor schritt auf seine Frau zu: Martha, thu mii die Liebe und walze ein einziges Mai mit mir durch den Saal." Sie erbleichte und sah ihn starr an. Martha, wie damals, weißt Du noch? Komm, tanze mit mir!" Wie damals werden wir niemals wieder tanzen, Fritz," sagte sie. Nun dann, wenn nicht wie da mals, so wie heute." Und er umschlang sie und drehte sik im Kreise, daß alle Paare stehen blie bcn und nur auf sie schauten, die ma jestätisch, königlich dahinschwebten. Und da war es Martha plötzlich, als cb sich ' Alles in ihr löste, aller Schmerz und alles Leid, da war ii ihr, als ob das ganze Leben mit eincmmal vorüber wäre und als ob sik es zum letztenmal überschaut hätte. Was hatte sie von ihm erwartet? Immer und immer diese Fragc und als Antwort nur jenes unbestimmbare, entschwundene Sehnen. Was sie erwartet hatte, wußte sik nicht, aber waI sie jetzt erwartete, wußte sie: Ruhe, ewige Ruhe, ein einsames. verwahrlostes Grab, ohne Blumen. ohne Liebe. Ein Grab, in dem sie sich so geborgen fühlen wird, sc sicher vor dem Leben! Und Vergessenbeit wollte sie haben und Tod und Ausgelöscht sein! Niemand sollte ihr'.r gedenken, wenn sie gestorben war. Niemand um sie trauern, von ihr redkn. Und bei diesen Gedanken ward Frau Martha so ruhig zu Muth, sc frei, so heiter, so selig. Und dik Sehnsucht ergriff sie, eine frohe und leichte Sehnsucht, die Sehnsucht, eins zu sein mit der Natur, zu verschmel zen, aufzugehen, sich aufzulösen in ibr. Und diese Sehnsucht wußte sie. würde nicht vorübergehen; sie kannte ihr Ziel, sie fühlte, daß eö ihr zu Theil werden mußte. Das junge Paar war verschwunden, aber der Ball noch lange nicht zu Ende. Da vergnügte man sich noch mit Tanzen und Hofieren und Aeugeln. Herr Doktor Lindner hatte tapfer mitgetanzt, wenngleich er gerne sich zu den Alten zählte. Endlich erschien das junge Paar wieder, in Reisetoilette, um sich zu verabschieden. Die Musik verstummte und es erfolgte eine letzte Umarmung, ein letztes Lebewohl und ein letztes: Bewahr' mir mein Kind gut und mach' es glücklich!" Feuchten Auges stand der Vater, ruhig und beherrscht blickte Frau Martha: Gottlob. Frieda ist ganz wie der Vater, welch' ein Glück, daß ich keine Kinder habe." AuS der Rechenstunde. Für einen Groschen bekommst Du 25 BonbonS: wieviel für eine Mark, Lud wig Müller? Ich habe aber keine Mark. Nun. dann denke Dir mal, Tein Onkel aus Hamburg käme zu Euch zum Besuch und schenke Dir eine Mark. Na, da kennen Sie te aber schlecht!

esundyeits und LchönheltS pflege.

Mitesier und Eandabreibungcn. Zu den häufigsten Leiden junger Mädchen und Frauen gehören die Mitesser und die entzündliche Steigerung dieses Uebels, die Finnen. So unschuldig und bedeutungslos für die Gesundheit dasseve an sich auch ist. so bildet es doch eine Quelle vielen Kummers, da es meist gerade in einem Lcbensalter auftritt, wo man gegen derlei Verunzierungen, Unreinlichkeiten des Teints ganz besonders empsind lich zu sein pflegt, nämlich vom Backsischalter bis in die 20er und 30er Jahre hinein. Ein herausgedrückter Mitesser sieht aus wie eine ganz kleine Made mit schwarzem Kopf, und dne volksthümliche Meinung geht in der That auch dahin, den Mitesser für ein kleines Mädchen" zu halten, welches an Leben und Gesundheit des daran Leidenden zehre. Das ist nun glückltcherweise nicht der Fall, da der Mitesser gar nicht zu den lebenden Wesen gehört, sondern nichts ist, als ein kleiner Talgpfropf, dessen der Luft ausgesctztes Ende schwarz gesärbt erscheint. Wie ein deutscher Arzt schreibt, sindet man bei mikroskopischer Untersu chung den Mitesser bestehen aus verschrumpften Zellen und Zellentrümmern, Fett und zuweilen einem kleinen Wollhärchen. Genug, es ist nichts als ein Talgpfröpfchen, welches seine wurmförmige Gestalt dadurch -rh.ilten hat, daß es mit starkem Druck die enge Mündung der Talgdrüse hervorgepreßt wurde, gerade wie der aus der Nudelmaschine hervorgepreßteTc'g eine wurmförmige Gestalt annimmt. Die Entstehung der Mitesser ist znrückzuführen auf eine Anomalie der Verdornung, wobei eben die Talgdrüsenössnungen sich mit epidermisartiger Masse ausfüllen und zugleich dunkel, ja schwarz färben. Man sieht an zahlreichen Stellen des Gesichts schwarze Punkte von verschiedener Größe, d. h. erweiterte und verstopfte Ausführungsgänge von Talgdrüsen. Drückt man nun mit beiden Daumennägeln dagegen, so schießt der kleine Mitesser mit dem schwarzen Punkt, dem Kopf" voran, hervor. Nach dem Ausdrücken bleibt eine Oessnung, ein kleines Lochzurück, die leere Talgdrüse, die sich allmalig wieder schließt. . ! Das Verhalten der Mitesser ist übrigens recht verschieden. Zuweilen sind an einzelnen Stellen so zahlreiche und dichtgedrängte Mitesser zu sehen, daß die Haut ordentlich höckerig und schwarz punktirt erscheint; andere Male beobachtet man sie als einfache, vertiefte, über das Gesicht verstreute, schwarze Punkte von sehr verschiedener Größe, die man beim Darüberstreichen mit dem Finger als ganz kleines Kn'ötchen wahrnimmt. Die Drüse ist. so prall mit Talg gefüllt, daß sie ein wenig über die Haut hervorragt; kommt nun hierzu, wie es häusig geschieht, eine entzündende Reizung, so wird aus dem Mitesser eine Finne. Der gewöhnlichste Sitz der Mitesser sind Nase. Wange. Stirn. Lippen, und am häufigsten daran zu leiden haben Blonde und Vlntarme, serner P:?sonen mit gestörten Magen- und Darmfunktwnen, ohne daß freilich Andere grundsätzlich davon verschont bleiben. Die Vertreibung der Mitesser ist nicht immer so einfach, wie man wünscht und glaubt, zum größten Theil wohl deshalb, weil ihre Entstehung und ihr Auftreten unzweifelhaft auf Rechnung eines konstitutionellen Zustandes gesetzt werden muß. Aus diesem Grunde thut Vielen eine gründlia?e Veränderung der äußeren Lebensverhältnisse sehr wohl, oder wo das nicht angängig ist, das zeitweilige Vertauschen des Bureaus. Schulzimmers und der damit unweigerlich verbundenen Lebensweise mit Landaufenthalt, wo die bessere Athmungsluft und. energischere Bewegung den Appetit stärken und die Verdauungsfunktionen regeln, die Wangen erblühen lassen, mit einem Wort, den ganzen Menschen gesund machen. Leider können daS nicht Alle haben, aber auch diese, sollten doch- wenigstens nach Möglichkeit den Genuß der fristen Luft und zum Sichausarbeiten" des Körpers geeignete Bewegung durch Eintritt in einen Turn-, Ruder-, Radfahrer-Klub. Pflege der Bewegungsspiele im Freien etc.. soweit wie möglich sich verschaffen und die Verdauung regeln, um m'.t der allgemeinen Kräftigung und Gesundung des Körpers eine verstärkte Anwartschaft au? die Hebung des zwar bedeutungslosen, aber doch entstellenden Uebels zu erlangen. Die örtlichen Mittel werden um so erfolgreicher und nachhaltiger wirken, je mehr ihrer Wirkung aus eben gedachte Art vorgearbeitet wird. Gewiß lassen sich durcn kräftigen Druck mit den Daumennögeln eine Anzahl von Mitessern entleeren; aber Mancher. der den Versuch gemacht hat, aus diese Weise des Uebels Herr zu werden, wird die Erfahrung gemacht haben. daß seine tägliche Arbeit sich mit der Zeit nicht verminderte, sondern vermehrte, als ob sür jeden ausgedrückten Mitesser zwei oder drei neue entstünden, und daß allmälig erst einzelne. dann zahlreiche Finnen sich einstellten, wo früher nur Mitesser waren. Die Behandlung ist zu gewaltsam und reizt die Talgdrüsen allzusehr, so daß diese mit der Zeit in einen entzündlichen Zustand gerathen. Noch ärger wirkt in dieser Richtung der für die Operation des Ausdrückens vielfach empfohlene und beliebte Uhrschlüssel, weil seine Einwirkung eine noch rohere sein muß, um den Mitesser aus seiner Hohle herauszubefördern. Daumennägel wirken doch wenigstens theilweise durch Druck von

unten, jedenfalls aber von der Seike. und doch gelingt es auch hiermit nicht einmal immer, den Mitesser auszudrücken. Es kann das daran liegen, daß die Oennung der Talgdrüse zu sest verschlossen ist, sehr oft aber sicherlich daran, daß die Talgdrüse schief in der Haut steckt wie die 5)aare, währcnd der Druck, namentlich der des Uhrschlüssels, in einer Weis: wirkt, als wäre die Richtung der Talgdrüse in der Haut eine gerade. Und besonders diese durch w!edert?lte, aber der gebliche Versuche mißhandelten Mit esser entwickeln sich am ehesten zu Puftcln (Finnen). In neuerer Zeit werden gegen die Mitesser Sandabreibungen mit vielem Erfolge angewendet, ebenso auch gegen die Finnen, und manche Aerzte empfehlen diese einfache, unschädliche BeHandlungsweise ganz besonders. Zuerst wird das Gesicht einer gründlichen heißen Seifenwaschung unterzogen und dadurch einige Zeit lang warm und feucht erhalten. Die Sandabreibung selbst wird in der Art vorgenommen. daß man mit einem schwach angefeuchteten, in feinstem Sand getauchten Flanellstück das Gesicht und nötigenfalls den Hals abreibt, zuerst ganz gelinde, später aber, je nachdem man es verträgt und bedarf, in kräftigerer Weise. Zuletzt wird der Sand abgewaschen und die Haut gut abgerieben. Stellt sich nachher ein Gefühl von starkem Brennen ein. so pudert man die Haut oder wäscht sie mit lauem Wasser ab. Diese Hautabreibungen stellen unteren mechanischen Mitteln gegen unremen Teint" eines der rationellsten Mittel dar. Deshalb werden dieselben überhaupt Damen mit unreiner, schmutziger Hautfärbe bestens empfohlen, sie sollen schoner und nachhaltiger wirken, nicht blos momentan, sondern von Grund aus die Haut verbessernd, als alle Schminken.

Bäume und Steine von lebend! gen Menschen. Ein Reisender in Abyssinien be merkte, als er von dem Flusse Moi schime seinen Rückzug angetreten, unweit des Weges alte verdorrte Bäume und Steine, die er den Tag vorher nicht gesehen. Einer seiner Begleiter, ein Eingeborener, rief beim Anblick dieser alten Baumstümpfe sogleich aus :Das sind Räuber, die uns überfallen wollen !" Ich lachte, denn in einem der nächsten Bäume erkannte ich deutlich einen alten, vom Feuer verkohlten Stumpf. Um mir zu beweisen, daß es nichts, als nackte Bareas (abyssinische Sklaven) waren, nahm er meine Flinte, kroch in dem langen Grase unbemerkt vorwärts und. schoß den nächsten Baum nieder, der denn auch schreiend hinstürzte. Der Schuß wirkte auf die anderen Bäume und die Steine, die einst die Lyra des Orpheus. Alle bekamen Leben und lösten sich in schnelllaufende, schwarze Menschen auf. die freilich nicht, wie die Bäume des Orpheus, vor Freude auf uns zu, sondern aus Furcht von uns wegtanzten. Mir schien es unmöglich, daß die Kerle sich so täuschend in Bäume und Steine verwandeln konnten, bis einige Mitglieder meines Gefolges, die einst mit zu dem Geschäft gehört hatten, mich überzeugten, indem sie sich theils zu Steinen zusammenwickelten, theils zu Bäumen mit grotesken Aesten und Zweigen gliederten. Einige Stellungen dabei waren so verrenkt und anstrengend, daß die Leute damit in Europa als gymnastische Künstler Aufsehen gemacht hätten. GedankenspäHne. Wenn Du die Fehler einer Frau er fahren willst, so wende Dich an ihre Busensreundin. ES gibt Bücber. die Jedermann lesen sollte und eben deswegen liest sie Nie mand. Freunde sind wie Regenschirme nicht zur Hand, wenn's regnet. Man kann lieben, ohne glücklich zu sein: man kann glücklich sein, ohne zu lieben: aber zu lieben und glücklich zu sein, ist ein Wunder. Wie die Gesellschaft jetzt beschaffen ist, muß man entweder gehen oder lau sen; wer still steht, ist verloren. Geprellt. Ein Handwerks bursche sieht in der Ferne einen Fußgendarmen, nach dem er sich von Zeit zu Zeit scheu umsieht. Der Gendarm bemerkt das und wittert Unrath. Wie er einen schnelleren Marsch an schlägt, nimmt der Handwtttsburfche Reißaus. Der Gendarm eilt natürlich hinterher und holt ihn nach einem viertelstündigen Wertlauf ein. Ihre PaVieres herrscht er den Flüchtling an. Der überreicht sie, sie sind in txfter Ordnung. Warum flohen Sie denn so eilig?- fragte der Gendarm. Oh", erwiedert der Handrertsbursche, ich habe einen Herrn um etwas Feuer cugebettelt und wußte nicht, ob das ver boten ist.Immer besser. Herr (auf dem Balle): Wer war denn die Dame, neben der Sie eben seen? Dame: Das warja meine Mama. Herr: Haben Sie denn noch ei Mama? Dame: Welche Frage! Herr: Ach, entschuldigen Sie, ich wollte fragen: Haben Sie denn schon eine Mama? Dame : Das verstehe ich gar nicht. Herr: Ach. was rede ich denn! Ich habe bis dahin immer gemeint. Sie wären Ihre Mutter. Sie wären Ihre Tochter, wollte ich sagen Ihre Tochter wäre Ihre Mutter Ihre Mutter wäre Ihre Tochter!