Indiana Tribüne, Volume 16, Number 318, Indianapolis, Marion County, 6 August 1893 — Page 7

sclvstvcrniHtuttg. (Correipznxzz ttu RudlanS.

C!n zehr interessante? Capitel in der Culmr- undciztcszeschichte der Menschhm i,t dasjenige der Entstehung, QnU Wickelung und Ausbreitung religiöser Wahnvorstsllunzen. Diese Ablenkungen vom dincren Wege religiöser hellbringender Erkenntniß, mögen sie nun im Christenthum, Judenthum, Islam oder wo es auch sei, ihren Ausgangspunkt nehmen, sind überall für denjenigen Cul turhistoriker, der den Menschen in der Erscheinungen Flucht studirx und den Flu then und Strömungen in dem bewegten Fluidum des menschlichen Geistes in al len ihren. Jrrgängen folgt, von großer, ebenso manches Räthsel lösender, wie manches psychologische Räthsel schaffen der Bedeutung. Die christlichen Sau lenheiligen, der inoische Fakir, der mu hamedanische Derwisch, der russische Ros kolnik, der sich zu Tode fastet, u. f. w. sie sind Alle für den mit tieferem psycho logischen Maß das Werden des menschli chen Geistes ergründenden Beobachter ungemein wichtige Typen, durch die er die Bahn des RingenS nach Erlösung aus den Widersprüchen deö Lebens und der Natur intensiver erkennen lernt, daS überall gleich mächtig Pulsirende Leben der Seele in anderer, besonderer Erschei nunasform sich documentiren sieht. Wie der Arzt aus den Krankheitserscheinun gen eines Organismus Gewinn zieht für die ideal-theoretische Aufstellung eines vollkommen gesunden Organismus, so schöpft ferner auch der Culturhistoriker aus der Krankheitsgeschichte des' mensch lichen Seelen- und Geisteslebens bessere Erkenntniß über die in vollem normalen Einklang mit dem Welt und Lebensge setz sich bewegenden Regungen und Strö müngen der Seele und des Geistes. Von diesem Gesichtspunkte, den wir nur mit ein paar Worten andeuten kenn ten, vor All:m interessirt uns eine merkwürdige Erscheinung im russischen Seetenthum, dem Raskol : der Wahn der elbstvernichtung aus religiösen Zwek !cn. Diese Erscheinung findet sich glückliche? Weise nur in einigen extremen, naturgemäß verfolgten Secten, ja zuweilen selbst nur bei einzelnen Personen, die kaum dazu kommen, sich Anhänger für ihre Lehre zu gewinnen, aber sie tritt zu seilen in so unglaublich kraffer Form lus, daß der Abgrund des Aberglaubens und die Macht des Fanatismus geradezu niederschmetternd wirken. Als Beleg sei zleich ein Fall vorgelegt, der vor nicht zar langer Zeit, im Jahre 1847, sich im Vouvernement Perm abgespielt und den Herr Prugawin, der Vieles zur Cbarak teristik des Raskol veröffentlicht, in sei icn in der Russkaja Myfil" jüngst er 'chienenen Skizzen, die denselben Gegen 'tand behandeln, erzählt. Wenn auch sie sühnende irdische .Gerechtigkeit den Helden des blutigen DramaS tröstlicher iLeise erreichte und ihn mit der verdien ten lebenslänglichen Zwangsarbeit be graste, so hatte er doch schon Gelegenheit zehabt, seinen grausamen Fanatismus in einer Reihe beklagensweither, theilreise freiwilliger Opfer zu besiegeln. Peter Cholktn, ein Bauer der Gräsin Sttozanow, in einem Dorfe in der Nähe Ser Kama lebend, vertiefte sich gern in die Lectüre religiöser Schriftcn. DaS Ielesene in seiner Weise mißverständlich zuslegend und zu dieser falschen Ausle lung wahrscheinlich auch durch die in Ztußland insgeheim ziemlich lebhaft cir:ulirenden sectirerischen Schriften geführt, setzte sich in ihm die Ueberzeugung fest, daß die Zeit des Antichrist getominen sei, und daß es des Menschen Pflicht lei, sich uus dem Getriebe der sündigen Welt zu entfernen, um seine Seele zu ketten. Dies könne aeschehen, wenn man in den dichten Wald fliehe, wo sei .ies Häschers Hand Einen sinden kann, und sich dureb Hunger und Durst einem freiwilligen Opscttod? wcih:. Ei gelang ihm, für diese selbstmörderische Irrlehre UnHänger zu sinden, und .so flüchteten eines Tazeö Peter Cholkin's Mutter, sein Bruder Andrei mit der Frau, die Lauern Fcdor und Prokosi Alferow (letz!erer mit Fra und Kindern), Constan tin Raskcnow und 5lusma Pospelow mit öeffen Schwester Alexandra Pospelow and einigen Bindern unter Peier Chol kin'i Führung in den Wald. Vordem ;alt es jedoch noch ein Hinderniß zu überwinden, das die Fliehenden im Wal öe h! verrathen können. Andrei Chol kow dUß ein sechsmonatliches Töchter chen. welches durch Weinen und Schreien den Aufenthaltsort der Entflohenen preikjebtn konnte. Peter Eholkin be stand darauf, das Kind muffe getödtet iveren, Andrei Cholkow und deffen Frau widersetzten sich dem nicht, wahrscheinlich in dem bei vielen russischen Sectirern verbreiteten Glauben, daß die unbefleckte Engelsseele für sie vor dem Richterstuhle Äottes erlösende Fürbitte zu leisten die ttrast hätte, und Peter Cholkin bereitet dem Leben deS unschuldigen Kindes mit dem Messe? ein rasches Ende ! Nun zieden sie Alle m den dichten Wiffemskl-Wald. Dort wird zuerst ein verborgener Ort aufgesucht und durch Stämme und Aeste eine Stätte sicheren Unterkommens hergestellt. Unterdessen verfertigen die Frauen leinene Todten Hemden. Endlich ist zum Opfer Alles be reit. Fünf Kinder von drei bis zehn Jahren und Constantin Bashenow wer den demselben zuerst geweiht. Ihnen wurde gesagt: Ihr habt Euch von allen irdischen (teuflischen) Dingen losgesagt... Ihr seid dem Hungertode geweiht... bittet weder Brod noch Waffcr . . . fastet zwölf Tage und Ihr werdet im Him melreich sein" und raan sperrte sie ein. Die Kinder erhielten im paar Bissen Brod, Bashenow nichts. Nach vier Ta gen unsäglicher Qual konnte letzterer die Thränen, das Geschrei, daS Flehen der Linder nicht mehr ertragen, er rief, er sage sich loS von der schrecklichen Lehre, man solle ihm die Freiheit geben. Aber Peter Chollin drohte, ihm den Kopf ab zuschlagen, wenn er emen Fluchtversuch unternehmen wollte. Trotzdem gelang es ibm in der folgenden Nacht, unter Beihilfe deS Prokosi Alferow zu entfliehen, wobei letzterer mit Frau und Kin dern sich ihm beigesellte. Diese Flucht versetzte die Zuückgeblie benen in große Erregung, da sie den Ver rath ibres Aufenthaltes fürchteten. Sie beschlossen deshalb, tiefer in den Wald zu flüchte, wozu aber wieder die entkräf XtUn, fchreiendkn Kinder, ein Hinderniß

waren. Es wurde rasch der Entschluß

gesaßt, sie sämmtlich zu todten und so gleich in Ausführung gebracht. An neuer Stelle wurden Die drei grauendem von ihnen freiwillig gewählten Hunger tod vrelgezeben. Bier Xage hatten it . . - r- r r gehungert, als y.Q in oer erne urn men verncbmen ließen: es waren Bau ern, die aus die Suche nach den Flücht lingen auögcsandt worden waren. Da die Frauen ihnen auf weiterer Flucht hinderlich gewesen wären, wurde ihnen vorgeschlazen, ihr Blut für den Hei land zu opfern", wozu sie ihre Einwllli gung geben, und so tödteten die Brüder Cholktn mit dem Beil ihre eigene Mutter. Andrei Eholkin sein Frau, Kusma Pospelow seine Schwester. Nun wollten die Uebrigen fliehen, um sich einen neum Ort zu suchen, an dem sie für Christ sterben könnten-, wurden aber endlich er griffen und gerichtet. So sielen acht Seelen einer grausam religiösen Irrlehre zum Opfer, einer der rechtsten Ausschreitungen religiösen Fa na'.iemus. Selbftvernichtung all Sühn rpfer nicht durch direkten Selbstmord, fondern durch langsame Ertödtung des .rleisches. durch Hunger, alö eines Mit; keli der Reinigung des sündhaften Men scben, sindet man mehrfach von einigen, übrigens immer mehr aussterbenden er tremen russischen Secten gepredigt. Da diese Todesart aber gerade eine der schwersten und mit den unerträglichsten Qualen verbunden ist, so ist sie na türlich ohne Gewaltsamkeiten nicht durch zufübren. So wird erzählt, daß im zwei ten Biertel dieses Jahrhunderts fünfzehn Personen, Männer und Frauen aus dem Dorfe Atschita im Kreise Kraffnousimsk beschlossen hatten, im Walde durch frei willigen Hungertod daZ Heil ihrer Seele zu retten. Um jede Flucht unmöglich zu machen, hatten sie sich mit Ketten und Schlöffern versorgr. sich mittelst derselben einzeln an Bäumen angekettet, die Schlöffer vorgelegt und dann die Schlüssel von sich geworfen. So verbrachten sie mehrere Tage, furchtbar geplaat nicht nur durch Hunger und Durst, fondern auch durch )!yriaden von Mücken, Bremsen, Käfern und allerlei Jnsecten, die sie umsummten und zerstachen, bis endlich ein Jäger, der sich zufällig in die Tiefe des Waldes verirrte, Menschen stöhnen und schreien hörte, und sie, nachdem er die umherliegenden Schlüsse! gefunden, aus ihrer . furchtbaren Lage, die ihnen alle Opferlust begreiflicher Weise vertue den, erlöste. Trotzdem blieben nur We nige am Leben ; dre Meisten warfen sich mit Heißhunger auf die ihnen im Dorf gebotene Nahrung und starben darauf. Ferner sind noch einige viel grausigere Fälle freiwillig gewählten, gewaltsam ausgeführten Hungertodes bekannt, deren schreckliche Aufzählung wir hier unter lasten. Was aber treibt die Menschen so hart nackig in den Tod ? Es ist oft die An sicht ausgesprochen worden, daß die Strenge der russischen Regierung gegen die Naskolniki den Fanatismus derselben immer höher gesteigert und in ihnen schließlich den Glauben geweckt hat, eS sei besser, freiwillig den Tod zu erleiden, als sich den Händen der Gegner zu über geben. Diese Ansicht ist unseres Erach tens keineswegs ganz zutreffend. Abge sehen davon, daß der Staat, der doch daran interessirt ist, sich seine Glieder zu erhalten, Lehren, welche den Selbstmord und die absolute Weltflucht als erstre benswerthes Endziel predigen, überhaupt nicht dulden kann, sinden wir bei denke treffenden Sectanten kaum eine Andeu tung, daß Verfolgung ihnen den Tod willkommen mache ; es ist im Gegentheil ein Dogma, eine fest eingewurzelte Ueberzeugung, die sie zum Opfertod drängt, und diese Ueberzeugung ist: die Welt ist so sündhaft geworden, daß es für die Menschen kein Heil mehr giebt, sie müssen Alle zu Grunde gehen, und nur Derjenige, der sich gleich ChriswS selbst opfert, kann hossen, vor dem Throne Gottes Gnade zu sinden. Dieser Glaubenssatz wird gesteigert durch die überall in Nußland bei einzel nen Leuten im Volk verbreitete Ansicht, daß der Tag deS jüngsten Gerichts, des Weltuntergangs, nahe sei eine Idee, die bereits insofern greifbare Form an zunehmen beginnt, als man hier und da der wunderbaren Nachricht begegnet : fern in orientalischen Landen sei aus dem Schooße einer unreinen jüdischen Jungfrau der Antichrist schon geboren und lebe jetzt verborgen in den Bergen, um plötzlich, wenn er das dreißigste Jahr überschritten, über die Welt daherzufah ren und sie der Macht Gottes zu enttei öenl Dadurch erklärte z. B. die Bäuerin ivkakimow, welche im Jahre 1870 im Kreise Schradinsk des Gouvernement Perm ihr anderthalbjähriges Kind in den brennenden Ofen warf, ihr furchtbares Lerbrechen, für welches sie sich getrost ser weltlichen Macht zur Verantwortung ind Strafe stellte, weil sie wüßte, daß ihr im Himmel dies Opfer hoch angerechnet werden würde. Wie in diesem Zalle die Verfolgung durch den Staat nicht die geringste Rolle spielt, indem Sie Verbrecherin das Recht deS Staates mr Verfolgung selbst vollkommen aner kannte, so ist dies bei allen russischen Sectirern der Fall, welche die Selbst Vernichtung als einziges Erlösungsmittel verkünden. Viel gewichtige? ist die Rolle, welche hl solch' religiösem Wahn daS Unbeha zen des Bauern mit seinem Dasein spielt. deren Grund wieder darin liegt, daß der Trieb zur Arbeit bei ihm im Ganzen ein so wenig kräftiger ist. In Folge der lT.4. W..l'V C ? unausreiqenoen uvonoung cteiesxne des kommt der Bauer im Allgemeinen aus dem Elend deS täglichen Lebens nie heraus, mit diesem Elend halten der Trunk, das Laster ihren Einzug, und so bildet sich bei tieferen Gemüthern, wenn von irgendwo, durch einen wandernden Sectirer, denen man in Rußland überall begegnet, oder aus einem anderen Wege ein kleiner Samt in die Seele geworfen wird, die qualvolle und verderbliche An schauung heraus, daß die Welt ein der Herrschaft des Lasters verfallenes Jam merthal ist, dem opfermutbig sich zu ent ziehen, ein Gebot religiöser Pflicht ist eine Anschauung, die bei etwas lebhaste rem Ersassen sich um so mehr sofort zu j einem sanatlschen Wahn steigern kann. weil bei der herrschenden Unbildung deS ! Volke-, dessen Geist nicht im Mindesten i Kritik zu übe vermag und durch weite- ' , ? r w . i . m reb.wruoetn immer xujer in vle .msan

ge der einseitigen Richtung hineingettte den wird, in die er gelangt ist, bis er sich in ihnen vollständig verliert. Es ist sehr bemerkenswerth, daß bei den russi

schen rationalistischen Sectirern, nament lich den ktundlsten, die Lehre von der Sclbstvernichtung nicht existirt und für sie auch kem Boden daselbst vorhanden ist, weil bei ihnen die redliche Arbeit als eine der ersten Pflichten des Sittengebo teS im Vordergründe des Gott wohlge fälligen Lebens steht. Dort jedoch, wo dieses wundersame Allheilmittel gegen alle ranlyerren der eere seyrr. ,,r ven seltsamsten und verderblichsten Ausschrei tungen Thür und Thor geöffnet und selbst so grausigem Wahn, wie derjenige, der uns hier beschäftigt, der Weg geeb net. Diese unselige Idee der Selbstvernich tung tritt in Rußland auch noch in an derer Form auf ,als in der oben erwähn ten des Hungeropfers. So ist sie z. B. bei den sogenannten Wanderern" hier und da als Rother Tod" verbreitet, wenn der Verfaffer eines Artikels über die Wanderer" im Gouvernement Ko stroma in der russischen Wochenschrift Nedelä" recht unterrichtet ist. Er ver sichert, daß im Laufe der Jahre mehrere Leute im Kreise Kineschma plötzlich spur los verschwunden seien, und vielen sei die Ursache bekannt : sie hätten freiwillig daS Opfer des Rothen TodeS" auf sich genommen. Er beschreibt den Vorgang m i .-r. iV I soigenoermagen, naryoein ci u.ig?n bemerkt, daß meist nur Diejenigen, bis ernst erkrankt sind und keine Hoffnung auf Wiedergenesung haben, sich in solcher Weise opsern : Derjenige, der sich zum Tode vorbe-. reitet, wird in einer unbewohnten Hütt niedergelegt ; bei ihm bleibt nur einer der Lehrer (Prediger), der Wanderer", welcher Psalmen liest. Nach einiger Zeit öffnet sich eine Fallthür im Boder und eS erscheint die Verkörperung des Rothen TodeS", ein stämmige? Baue, in rothem Hemd mit einem rothen Kiffen in der Hand. . . Er legt daS Kiffen aus den Kopf des Liegenden und setzt sich darauf, so daß der unter dem Kiffen Be sindliche nothwendig ersticken muß. Zt weilen geschieht es, daß ungeachtet bei festen Entschlusses des sich Opfernden den Tod zu ertragen, und der Gebete de' Gläubigen" um Aufnahme der Seel des Ä.ärtzreri", die LebenSinstincte üb--den Fana.wurus den Sieg davon traget und der rothe Mann der verzweifeltet Gegenehr des unglücklichen Op;e:S nich widersteht. Dann wird der Versuch wie derholt und die Gläubigen" beten mi! verdoppelter Inbrunst um re Erlösuni 1. . . . r r . i i oer ceuc. semoynria? aoer gelingt oti Erstickung gleich beim ersten Mal; du Verlörperunz deS Rothen TsdeS" ziehi sich dann durch die Fallthür zurück, unt die Schaar der draußen harrenden Glätt eigen" betritt die Hütte, um den Todter insgeheim zu bestatten." Des VerfafferS Bericht stammt aui jüngster Zeit und kann an sich durchaus nicht alö unglaubwürdig gelten, da ei gerade das Eigenthümliche des religiösen Fanatismus izt, daß innerhalb des der kehrten Anschauungskreises, in welchem er lebt und webt, selbst daS Gräßlichst, als gerecht erscheint, insofern auch hier der Zweck das Mittel heiligt. Bei dem großen, vielfach bezeugten Geschick de, Raskolniki, ihre Lehren und ihren Eul tuS geheim zu halten, kann es auch nicht wundern, daß der Arm der Gerechtigkeit diesen sectirerischen Verbrechen noch nicht auf die Spur gekommen ist, obwohl ein derartiger Proceb im Anzüge gewesen ist, aber wegen Mangel an Beweismate rial fallen gelassen werden mußte. Der russische Raskol weist noch viel andere Fälle fanatischer Selbstvernich tung auf. Im Jahre 1827 beschlossen 60 Sectirer, zu Denen gehörend, welche das irdische Leben als die Allherrschaft der Sünde ' betrachteten, freiwillig zu sterben, um sich das Himmelreich zu er werben. Es waren darunter ganze Fa milien, Männer, Frauen, Kinder. Und nun begann ein furchtbares Schlachten, indem man blos mit dem Beil hantirte und sich gegenseitig todtschlug. Fünf, unddreißig Personen kamen auf diese W'se um. Die Anderen wurden durch dai mittlerweile herbeigeströmte Volk an der Ausführung ihres Vorhabens ver. hindert. E'ner der Hauptanstifter der Metzelei, der als Letzter den Opfertod lei. den sollte, wurde nach erhaltener Spieß ruthenftrafe zu ewiger Zwangsarbeit ver urtheilt. Die Erinnerung an diesen furchtbaren Massenmord soll im Ssara towschen Gouvernement bis jetzt noch fortleben. Erwas Aebliches war an demselben Ort bereits im Jahre 1302 passirt, als 81 Personen freiwillig zu sterben beschlossen und ihren Tod m selbftentfachten Flammen fanden. Dies führt uns zu dem merkwürdigen Capitel der Selbstverbrennungen rn Rußland. ES ist bekannt, daß die Ras kolniki in früherer Zeit in zahlreichen Fällen, wenn sie den gegen sie ausge sandten Agenten der Regierung nicht mehr Stand zu halten vermochten, sich verschanzten und dann den Bau, in wel chem sie sich befanden, in Brano steckten, in den Flammen ihren Tod sindend. Die Zahl solcher Fälle, deren ältester auS dem Jahre 1679 stammt, wo mit einem Schlage 1700 Personen im Kreise To bolsk freiwillig den Flammentod nah men, läßt sich nicht constatire.. fcr s weit die gegenwärtig mögliche Reuu... reicht, ist die Zahl der auf solche Weise Umgekommenen auf über zehntausend Seelen zu sixiren. Vor zwer Jahrhun derten, als eine blutige Fehde zwischen den Raskolniki und der Regierung ge führt wurde und man es auf beiden Sei ten an Grausamkeiten nicht fehlen ließ, mag die erbarmungslose Vernichtung, welche den Glaubensfanatikern von Sei ten ihrer Sieger drohte, ihnen Wohl den Gedanken eingegeben haben, daß eS bes ser sei, gleich durch freiwilligen Opfer tod sich Erlösung zu erwerben, als sich von dem Feinde abschlachten zu lassen. Wie erbittert der Kampf geführt wurde, kann man z. V. daraus ersehen, daß im Jahre 16L7 die Raskolniki daS Kloster Poleostrow förmlich mit einer Kanone und sonstigem Kriegszeug belagerten (in einer Stärke von 1200 Mann), die Uebergabe des Klosters erzWangen, das selbe beraubten, die Mönche schlugen und aus demselben hinausjagten, und sich selbst in demselben installiern, bis sie schließlich, als die Regierungstruppe kamen, selbst zur Uebergabe sich gezwun

gen sahen und nun da toster anzünde -ten und alle in den Flammen umkamen. Hier war der Feuertod zugleich eine That verzweifelter Nothwehr ; aber bis in die neueste Zeit hinein sinden wir außerdem eine Reihe von Selbstverbren nungen, bei denen die Verfolgung keines Wegs als Motiv der That angenommen werden kann, wie z. V. in jenem Fall auS dem Jahre 1660 im Gouvernement Olonetz, wo fünfzehn Personen beiderlei Geschlechts in den Wald gingen, sich dort einen geschlossenen Raum zimmerten, einschlössen und in den Flammen aufgin gen. Hier war eS der nackte, religiöse Fanatismus, waS sie zu der schrecklichen That veranlaßte, die Ueberzeugunz. daß nur auf dem Wege dieses OpfettodeS sie zu ewigem Heil kommen konnten. In

einigen Liedern oder Hymnen der RaS kolniki sind übrigens auch direkte Hin ' weise auf die sühnende und reinigende Macht des Feuers vorhanden, durch wel ' cheS die Sünde der Welt getilgt werde könnte. So sind denn auch Fälle von Selbstverbrennung einzelner Personen-in Rußland bis auf die jüngste Zeit consta ' tirt worden (wobei nicht außer Acht ge lassen werden muß, daß bei der immen , sen Größe deS russischen Reichs nur daS Wenigste bekannt wird), so noch zulekt im Jahre 1833; die letzte bekannte Mas senSelbftverbrennung ist die obener wähnte aus dem Jahre 1860. Die durch die Aufhebung der Leibeigenschaft her vorgerufene heilsame Umgestaltung der Bauernverhältnisse in Rußland w,rd wahrscheinlich auch darauf nicht ohne Einfluß geblieben sein daß auS späterer Zeit solche Fälle nicht mehr zu verzeich nen sind. Die weitere Entwickelung des russi schen Bauernstandes auf der Bahn, wel ehe nach der Aushebung der Leibeigen schast das moderne russische Staatswesen verfolgt, wird ohne Zweifel mit der Zeit auch allen übrigen Ausschreitungen des religiösen WahneS in Rußland, dem diese kurzen Notizen gewidmet waren, ein Ende bereiten, denn bei der gesun den. durchaus realistischen Naturanlage deS russischen Volkes können sie nur als eine temporäre Krankheitserscheinung be trachtet werden, die durch Ursachen in'S Leben gerufen und gefördert wurden, die auS mannigfachen Gründen hier nicht näher erörtert werden können. Aber wenn sie auch einst verschwunden und überwunden sein werden, wird der Cul turhistoriker. sobald erst daS reiche Mate rial. welches sich bisher noch kaum an die Oeffentlichkeit wagen darf, vollstän dlg vorliegt, mit bedeutendem Interesse aus sie zurückkommen können, weil sie in so vielen Beziehungen eine ganz eigen thümliche ErscheinungSart religiösen Fa natiSmuS' darbieten. Dies festzustellen, muß das Werk einer besonderen Unter suchung bleiben. LluS der Jugendzeit der Königin Victoria von England. Es war die Aufgabe der Herzogin ro& Kent, der Mutter der Königin Victoria, gewesen, ihre Tochter möglichst einfach zu erzieben, da der Hof Georgs IV'., wie überhaupt cr königliche Haushalt, sich durch die allergrößte und uusinnigste Ver fchmendungSfucht beim Volke durchaus unbeliebt gemacht hatte. Diese in mancher Hinficht strenge Er ziehungsart, die bei der Herzogin durch daS eigene Einkommen einer kleinen deutscheu Fürstin bedingt mrde, hat bei ihr rer Tochter einen trefs!ichen Erfolg gelie fert; denn die Königin ist in ihrem Haushalte niemals verschwenderisch geroeseu. MrS. Oliphant erzählt aus der Zeit, als Priuzessin Victoria eben neun Jahre alt war: ,Die kleine Prinzessin roußte weder zu dieser Zeit noch etliche Jthre später irgend etwas von ihrer er, habenen Wurde. Sie wurde roit der größten Einfachheit und Nkgelmäßigkeit erzogen, wie selten Kinder von viel nied rigerem Nange, und schon früh lehrte man sie, ihre Auögc.ben innerhalb der Grenzni ihres Einkommens" zu regeln, obwohl dieses Einkommen nur das Ta schenaeld eines Kindes war." Miß Martineau (die Schriftstellerin), eine Autoritit, die, wo sie enthusiastisch ge stimmt ist, sich nicht leicht irrt, giebt uns in ihrer Skizze über die Herzogin von Kent eine Anekdote, welche die Sorge für die fürstliche Erziehung besser beleuchtet, als die Aussage, welche derselben vorher geht, nämlich, daß die Prinzessin mit so viel Ehrlichkeit und Sorgfalt in Bezug auf Eeldangelegenheiten erzogen wurde wie irgend ein Bürgerkind. Sehr wenige Bürgerkinder, glauben wir, wurden jemals so strenge bewacht, in Hinblick auf eine kleine Ertraausgabe. Miß Martineau erzählt: Es wurde in Tunbridge Wells (eineii? Badeorte in der Grafschaft Kent) allgemein bekannt, daß die Prinzessin in einem Vazar nicht habe eine Schachtel Spielzeug kaufen können, weil sie ihr Geld schon anderweitig aus: gegeben. In diesem Bazar hatte sie Geschenke für fast alle ihre Verwandten gekauft und ihren letzten Schilling ausgegeben, als sie sich noch eines KousinS erinnerte und eine Schachtel Spielzeug sah, die wohl für ihn aepaßt hätte. Der Preis war eine halbe Krone, die Vcrkäu fer stellten natürlich die Schachtel zu den anderen Anttufen; allein die Gouvernante der kleinen Dame hielt sie davon iurück und sagte: Nein, Sie sehen, die Prinzessin hat kein Geld mehr, daher kann sie natürlicher Weise die Schachtel nicht kaufen." Hierauf war nun daS nächste Anerbieten, die Schachtel zurück zustellen, bis sie gekauft werden könnte und die Antwort wer: ,O ja, wenn Sie so gut fein wollen, das zu thun." Am Geldteze, schon vor 7 Uhr Morgen, erschien die Prinzessin auf ihrem Esel., um ihren Ankauf einzulösen." Es macht mir ordentlich Sorge, woher unsere Kinder, wenn sie einmal alt werden, genug Licht her nehmen sollen, um zum Lesen genug zu sehen.Sin Freund: Irr wiefern?" Alter Herr: Als ich noch ein Junge war, gebrauchten wir Unschlitt-Kerzen; die gaben Licht genug für junge Augen wie die meinen. Als ich älter -fcrnrtt, kamen die Lampen, dann kam GaZ und jetzt haben wir elektrisches Licht. Ich kann bei demselben ebenso gut lesen wie früher bei dem Kerzenlichte. Wer was soll aus den armen Kindern wer ben, mtt dem elektrischen Lichte U qmnenT

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Für unsere Frauen.

S o n n t c g s r u h e. Sechs Tage sollst Du arbeiten, und am siebenten sollst Du ruhen!" gebietet unS schon die heilige Schrift, jedoch mit Ausnahme der Frauen und namentlich der Mütter," dürfte in Parenthesis füglich dabei 5ei::c?!t sein, denn auf das Weib erstreckt sich dieses weise Gebot leider gar nicht, oder nur in sehr beschränktem Masie. Einer großen Anzahl von deutschen Frauen wird faktisch keine Sonntagsruhe zu Theil, und wie gewöhnlich gerade denjenigen, welche der Erholun.z am allerdringlichsten bedürften. Nicht solchen Damen, die an zedem der sechs Tage gleich wenig leisten, gilt meine Sympathie, wenn ihnen auch durch eigene Schuld der Sonntag mit seinen vermehrten geselligen Verpflichtungen ein größeres Maß von Arbeit auferlegt, denn sie können ja zu irgend einer beliebigen anderen Zeit die entbehrte Sonntagsruhe nachholen, sondern jenen, die schon während der ganzen Woche über Gebühr angestrengt sind, und also das größte Anrecht auf eine wohlthuende Abwechs lung hätten. Wie viele, viele Frauen gibt es, denen jeder Tag, jede Stunde sein wohlgefülltes Maß an Arbeit bringt, da muß gewaschen und gebügelt werden, nicht nur einmal in der. Woche, sondern so oft es die geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Wäscheund Kleidungsstücke nöthig macht, der Einkauf besorgt, gekocht, gespült, gekehrt, gescheuert und geputzt werden. Und so gznz nebenbei nur sollen die Kinder, die dort gerade nicht in geringer Anzahl vorhanden sind, gepflegt, gekleidet, genährt werden, was allein schon die ganze Zeit und Kraft eines Menfchen erfordern könnte. Da gibt es keine richtige erquickende Nachtruhe, denn oft spät Abends und schon wieder beim ersten Morgengrauen öffnet das kleine Geschöpfchen sein hungriges Mündchen und die brave Mutter muß zu jeder Zeit bereit sein, es zu befriedigen, die eigene Müdigkeit und das Bedürfniß nach Ruhe darf da natürlich nicht in Betracht kommen. Wie häusig bei Krankheiten in der Familie sindet die Frau überhaupt gar keinen Schlaf und muß aber doch am nächsten Morgen wieder zur Stelle sein. Und wenn dann Tag um Tag jed mit seiner besonderen Arbeit dahingegangen, ohne RuhePunkt, ohne Unterbrechung, wenn die mühselige Woche am Camstag in womöglich noch angestrengterer Thätig keit ihren würdigen Abschluß gefunden, dann sollte ran meinen, erscheint endlich auch sür sie der von allen arbeitenden Menschen sehnlichst errvartete Sonntag. Aber wo bleibt die wohlverdiente Ruhe für die Frau und Mutter? Am Sonntag ist der Mann und sind die übrigen Glieder der Familie zu Hause, da möchten sie Alle gerne einmal etwas Besseres zu Tisch vorgeseht bekommen, und die Frau scheut natürlich keine Mühe, um den Ihngen auch eine möglichst gute Mahlzeit zu bereiten. Da kommen auch die größeren und kleineren Leutchen, die alle zur Feier des Tages besser und sorgfältiger gekleidet sein wollen und sollen, und die Mutter muß gar oft noch Mit der Nadel oder dem Bügel eisen nachhelfen, um die Toilette in Stand zu setzen, wenn die Zeit vorher nicht dazu ausreichte. Vielleicht wlrd sich der Vater dann wohl herbeilassen. das Jüngste für ern Weilchen zu über nehmen, nachdem er in aller Gemüthsruhe erst seine Zeitung gelesen. Ist aber die Hauptmahlzeit vorbei, dann muß der arme Mann, welcher sich wahrend der ganzen Woche doch so abgeplagt hat. endlich seinen Feiertag genießen. Und auch die größeren Kinder haben an den Arbeitstagen keine Gelegenheit, frei aufzuathmen, also will die Mutter ihnen doch jetzt nicht die Freude verderben und so geht Alles dem Vergnügen nach. Nur für die Hausfrau und Mutter bleibt es selbstverständlich, daß sie die geho rige Ordnung in der Küche und auf dem Eßtisch wieder herstelle, und dann wie gewöhnlich, sei es nun im oder vor dem Hause, sich um die Kleinsten kümmere, denn wer sollte es sonst wohl thun? Das ist es eben, worauf ich die Auf merksamkeit der deutschen Familien lenken möchte, weil es in vielen derselben gar Niemand beifällt, daß auch dre Hausfrau ein Geschöpf sei. welches der Ruhe und Erholung ebenso be darf, wie ihre Umgebung. Daß auch ihr wie anderen Menschenkindern das Recht zusteht, wenigstens während einiger kurzen Mußestunden das thun zu können, was sie gerne möchte, nicht was sie unbedingt muß. um sich kei ner Vflichsverletzung schuldig zu ma chen. Strickteste Pflichterfüllung ist ein sehr schönes Ding, und erhebt über manchen Zweifel, vieles Unge mach im Leben, wer aber stets und unaufhörlich nur seinen Pflichten nachgehen muß, ohne irgendwelche Rechte zu genießen, der gibt sich mit der Zeit vollständig aus. Und das geschieht bei den meisten deutschen Frauen. Ihr Körper wie ihr Geist fordern gebieterisch etwas Ruhe, ein klein wenig Erholung, und da sie ihnen konsequent versagt bleiben, rächt sich die Ueberarbeitung früher oder später sowohl an ihnen selbst, wie ihren Nachkommen. Allerdings mag man dies vielleicht nicht gleich merken, denn das schwache Geschlecht besitz! eine geradezu unglaubliche Zähigkeit und, Ausdauer im Placken, Mühen und Entsagen, aber schließlich darf man sich nicht wundern, wenn solchen übermüdeten, abgehetzten Frauennach und nach alle Lebensfrische und Freudlgkeit abhanden kommt, wenn sie alle Freundlichkeit gegen ihre Umgebung

verlieren, wenn sie anstatt den sonnig lächelnden den verbitternd-scheltenden Mittelpunkt der Familie bilden, wenn sie barsch, launenhaft und rücksichtslos werden, sich selbst und anderen das Dasein verleidend. Und alle dem könnte leicht abgeholsen werden, wenn sich sämmtliche Familienmitglieder vom Hausvater, angefangen bis herab zu den leistungsfähigen Kindern in dem Be'ireben vereinen würden, die Arbeitslast der Mutter wenigstens an Sonntagen zu vermindern, auch ihr etwas Ruhe zu

gönnen. Ja wir werden doch nicht ' etwa den ganzen Sonntag Z.indsmagd spielen!" entgegnen mir etwas aufgebracht die deutschen Ehemänner. Fräuleins und Jungen. Nein, das nicht gerade, aber wenigstens aus Stunden sollten die Frauen von dem anstrengenden Kinderposten abgelöst werden, damit auch sie ihre beiden Arme und Hände einmal ordentlich ausstrecken und kinderfrei bewegen können. Während wir Deutschen sonst in gar vielen Stücken den Amerikanern zum Vorbild dienen können, dürften manche unserer deutschen Ehemänner das richtige Verständniß der allgemeinen Sonntagsfeier von den angloamerikanischen Gatten erlernen. Der Amerikaner hilft seiner Frau am Sonntag, so viel er nur kann, er träat sein Baby umher, rollt den Kinderwagen auf der Straße und führt am Sonntag Morgen die ganze kleine Schaar cerne spazieren, wahrend die Mutter dtrselben sich dann ruhig und ungestört in Haus und Küche beschastigen mag. Kurz, er ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Weib, welches während der ganzen Woche fleißig arbeitet, geradeso wie er, auch dasselbe Anrecht auf Ruhe hat, wie er, und daß er also das Privilegium der Sonntagsrast nicht allein für sich in Anspruch nehmen kann, sondern daß der Frau ihr redlich Theil an der Sonntagsruhe gebührt, und er also dazu beitragen muß. sie ihr zu gewähren und zu ermöglichen. in LicbeSaventeuer Philipp IV. von Spanien. Eine der Damen, welche Philipp der Vierte am leidenschaftlichsten geliebt hat, war die Herzogin von Albuquerque : es wurde ihm aber schwer. Gelegenheit zu sinden, sich ihr zu nähern. Der Herzog, ihr Gemahl ließ sie nicht aus den Aügen und die Liebe des Königs stieg um so höher, je mehr Hinderni'sse sich ihm in den Weg stellten. Eines Abends beim Spiele that er. als erinnere er sich plötzlich, daß er sogleich einen Brief schreiben müsse. Er rief deshalb den Herzog Albuquerque. der sich mit in dem Spielzimmer befand, und forderte ihn auf.' sich an seiner Stelle an den Spieltisch zu setzen. Dies geschah, der König begab sich in sein Kabinet, nahm einen Mantel um, verließ auf einer Nebentreppe den Palast und fand sich mit einem seiner Günstlinge bald in dem Hause der Herzogin ein. Der Herzog, der mehr an seine Angelegenheiten, als an das Spiel des Königs dachte, kam bald zu der Ueberzeugung, daß Jener ihn nicht ohne Absicht an den Spieltisch zu fesseln versucht habe, klagte deshalb nach kurzer Zeit über heftige Schmerzen, gab die Karten einem Andern und eilte nach Hause. Der König war dort eben angekommen ; er befand sich noch in dem Vorhofe, und versteckte sich, als er den Herzog kommen sah. Aber ein eifersüchtiger' Ehemann sieht auch im Dunkeln : der Herzog bemerkte den König, ließ jedoch kein Licht bringen, um ihn nicht erkennen zu müssen, sondern ging mit einem dicken Stock bewassnet, auf den Monarchen zu. fuhr ihn an. als halte er ihn für einen Dieb und schlug ohne alle Rücksicht auf ihn los. Der Begleiter des Königs wurde ebenso wenig geschont ; dieser sükchtete aber noch Schlimmeres, und rief mehrmals, um den Herzog zum Einhalten zu bewegen, er sei ja der König : der Herzog ließ sich aber nicht irre machen, er schlug noch kräftiger auf Beide zu. weil sie sich erfrecht hatten. den Namen des Königs hier zu mißbrauchen, und drohte, sie in den Palast führen zu lassen, damit sie der König hängen lasse. Der König selbst aber sagte trotz der Schläge, die er erhielt, kein Wort rftid schlich endlich in Verzweiflung davon. Der Vorfall hatte keine üblen Folgen für den Herzog von Albuquerque, imGcaentbeil. nach einiger Zeit scherzte der König selbst darüber, da ihm durch jenes kraftige Mittel die lebe zur Herzogin ausgetrieben worden war. Spruch. Treue Freunde zu gewinnen Leider ziemlich schwer ! Treue Freunde zu behalten Leider noch weit mehr ! Niemanden zum Feinde haben Wirtlich grobes Glück ! Feinde sich zu Freunden machen Bravo ! Meisterstück ! Bedenkliche E r mu n t e cung. Ein junger Mann besucht einen bekannten Kritiker und gesteht ihm er röthend. daß er heimlich dichte. Gleichzeitig überreicht er demselben ein Heft voll von Versen mit der Bitte, ibm rundmca ju saaen. ob er weiter dickten solle oder nicht. Einige Tage später erhält er sein Heft zurück mit dem Vermerk: Dichten Sie nur getrost weiter, aber heimlich!" Auf der Promenade: Herr: Hören Sie. Sie sind aber unver schämt im höchsten Grade! Crst bitten Sie mich um Feuer für hre Cigarre und nun sprechen Sie mich auch noch um eine Gabe an? Bettler: Ja. gnüdi ger Her.'! Tann merkt es jener Polizist nicht so leicht, das; ,ch bettle i

Seldstverraty

Die junge Frau Assessor hatte schau derhaftes Unglück in der Küche. Cd wohl sie täglich versicherte, daß sie aus gezeichnet lochen könne, mißlang ihr ebenso pünktlich jtten Tag das Csien natürlich stels ohne ihre Schuld und nur durch irgend welche mißgünstige Zufälle. Diesen schenkte aber der Assessor, nachdem er Wochen lang mit größter Sclbstbeherrschungdie ur. glaub lichsten Sachen verschluckt hatte, zule kein vertrauen mehr und wagte sogar eines Tages, nach dem vollkommenen Fiasko einer Lende mit Trüffeln, offen seine Zweifel an dr Kochkunst CmilicnS auszusprechen. Nun aber gab'S eine schreckliche Scene! Verkennung, Undank uno Lied Iosigkeit warf ihm die kleine reizende Frau vor. Schließlich brach sie in ein so schmerzhaftes Schluchzen aus. dah er sich im Stillen einen heiligen Eid ab legte, in Zukunft ohne Widerrede Alles essen zu wollen, was sie ihm vorsehen werde. " Am nächsten Tage kündigte sie denn auch, als er heimkehrte, mit strahlen dem Gesichte einen diesmal aber schon wirklich ausgezeichneten" Rehschlegel an. welche Nachricht der Assessor um so gefaßter entgegennahm, als er vorsorg lich bereits durch ein Frühstück im Wein restaurant sich für alles Kommende präparirt hatte. Ter Nehschlegel er wies sich allerdings wieder zäh und ohne jede Würze aber der Gatte hütete sich, davon eine Silbe zu sagen und brachte mit schern barem Appetit und geheuchelter Aner kennung auch einige Bissen hinunter dann jedoch ging's nicht mehr. Er wollte schon troti lhreS miötrauisch aus seinem Antlitz ruhenden Blickes die Ga bel weglegen da schellte eS außen. Er sprang auf und hinaus. Ach Kind-, rief er, als er zurücklehrte, denke Tir nur. unsere arme Wäsche rin. die sieben Kinder und seit Mona ten einen kranken Ä!ann hat, ist wieder außen: sie jammert, daß sie schon seit zwei Tagen nichts zu essen mehr im Hause hatten! Wenn ich mir vorstelle, daß wir da so schlemmen, und Andere leiden die bitterste Noth ... . Weißt Tu was, die armen Leute sollen' auch ein mal gut haben: Begehen wir eine heroische That, geben wir der Wüsche rin den Rehschlegel!" Und mit gutgespielter Begeisterung ergriff er die Platte und wollte schon damit hinauseilen da fiel sie ihm in den Arm und rief entsetzt: Um Got teSwillen nicht, Hugo die richtet mich ja sonst bei allen Bekannten auS! Ein Jugendstreich Friedrich l' Als Friedrich der Zweite in Rheinsberg wohnte, wurde er gleichzeitig Kommandeur der in Neu-Ruppin garnisonircnder Soldaten. Bei einer Jnspection der Truppen wohnte er dem Gottesdienste bei, fand sich jedoch durch die Predigt des Geistlichen wenig erbaut. Beim Mittagessen erschien, wie es beim früheren Kommandanten üblich gewesen, der Geistliche ungeladen, worüber der Kronprinz sich sehr wunderte und ihm Bescheid ertheilen ließ, künstig erst nach erfolgtcr Einladung zu erscheinen. Da letztere aber. nie erfolgte, so sing der Geistliche in seinen Predigten an zu sticheln und nannte Friedrich einen Herodes. der die Toch ter der Herodias, des Königs Soldaten. vor sich tanzen ließe, dabei aber gelegentlich ihn. als einen Johannes, zu entbauvken aedäckite etc. etc. Als Friedrich dies erfuhr, nahm er einen Ossicier mit sich, beide vermummt und mit Raketen versehen, und ginq unr Mitternacht zur Wohnung des Predigers. Der Ossicier drückte die Fensterscheibc des Schlafzimmers ein. ließ eine brennende Rakete in die Stube fliegen und steckte sein scheußlich bemaltes Gesicht hinein. Entsetzt sprangen der Geistliche und seine Frau aus dem Bette, fanden jedoch vor Verwirrung keinen Ausweg. Mehrere Raketen nöthigten endlich das Ehepaar, durch das Hoffenster das Weite zu suchen. Allein unter dem Fenster war eine mit Wasser angefüllte .Düngergrube, in welche Beide hineinsprangen. Unbekleidet, todtenbleich und kaum vor Schmutz kennbar. fanden sie beim Nachbar, der nicht weniger erschrak, ein Nachtlager, nachdem sie in abgerissenen Sätzen erzählt, daß der Gottseibeiuns sie vertrieben habe. Alle Nachforschungen, wer die Ruhestörer gewesen seien, waren erfolglos. Erst später erzählte der König bei Tafel diese Geschichte von dem Geistlichen, den er aber durch eine bessere Pfarrstelle sür den gehabten Schreck zu entschädigen suchte. Sehr schmeichelhaft. Was wäre es doch sür eine herrliche Sache, wenn alle Männer Vögel waren ! sagte eine junge Dame zu einer andern. Ach, meine Liebe, alle die mich liebten, waren es. Wie so ? fragte die erstere. Nun, weshald weil alle fortgeflogen sind ! Lange Jugend. Manche Leute behaupten, daß Frauen länger leben a13 Männer. Das ist unzweifelhaft der Fall. ' Ich kenne eine reizende junge Schauspielerin, die vor vierzig Jahren bereits spielte, und sie ist heute erst zweiunddreißig Jahre alt. Ersatz. Schneider: Ten An ;ug will ich Ihnen gern liefern ab r Sie müssen wenigstens eine Anzahlin g machen!" Studiosus: Hm. d"5 paßt mir nun gerade nicht!.. Wissin Sie was. statt der Anzahlung will ich gleich noch einen Uederzieher dazu be stellen!E o u l a n t. Gläubiger: Wenn es Ihnen auf ein Mal zu fchwer fällt, tonnen Sie ja den Betrag auch in drei oder vier Raten bezahlen!.- Schauspieier: Ach nein, Meister, kommen Sie ' lieber immer g'.eich sür daS Ganze!"