Indiana Tribüne, Volume 16, Number 318, Indianapolis, Marion County, 6 August 1893 — Page 4

SndZnna TribttneErscheint Täglich und Sonntngs.

Tie tägliche .Tribun:" kostet durch den Träger lliSent per Woche, die SonntagSTrtdüne- b EentS per Woche. Beide zusammen 15SentS oder CC Cent pcrMonat. Per Post zugeschickt in Vor auöbezahlung tsptx Jahr. Ossice : No. 18 Sud Alabama Str. Indianapolis, Ind., G. August 1893 MaggleS Vtkehrung. Von egdolm. Maggif, Du brauchst heute nicht mit dem Frühstück auf mich zu warten, ich komme ein roenig später nach Hause." Der Kommerzienrath Wulfs war im Ae griff, auszugehen, und rief diese Worte ins Wohnzimmer hinein, wo seine Frau, eine Dame in den mittleren Iahien, an ihrem Nähtisch beschäftigt war. Ich will doch nicht hoffen, daß wiever eine Auktion Dein längeres AuSbleiden veranlaßt?" Die Stimme klang ein wenig scharf. .Ich gehe nur dahin, um zu hören, wie hoch d Gebote gehen. Es sind übrigens ausgezeichnete Bilder, aber ich glaube kaum, daß si einen entsprechenden Preis erzielen, dazu sind' die Zeiten zu schlecht..Ach, ich kenne Dich! Selbst roenn Du jetzt sagst, daß Du nichts kaufen roi'jst, bleibst Du sicher bei dem einen oder dem anderen Stück hängen. Alle Gemälde, die wir hier hängen haben Die Eommerzienräthin warf einen verdrießlichen Blick auf die Wände des Zimmers sind nichts als Geld, das Du auf diese Weise weggeworfen hast. Du solltest wirklich ein wenig mehr an die drückenden Zeiten denken." " .Jede andere Frau wurde sich über eine jolche Verschönerung iheö HeimS freuen rief der Commerzienrath aus, indem er feinen Blick voller Wohlbehagen über die schöne Gemäldesammlung gleiten ließ, welche die Wände gierte, .und noch dazu, wenn man bedenkt, wie billig ich dazu gekommen bin. Das habe ich Dir doch fchon oft erzählt." .Uno ich habe Dir doch gewiß auch schon oft genug erzählt, daß eS eine Menge von Dingen gibt, die weit unentdehrlicher sind, als Gemälde, dte ja keinem Menschen nützen." .Liebste Frau, Du hast ja AlleS, was Dein Herz begehrt, und dies ist nun einmal meine kleine Liebhaberei." Die Frau Commerzienräthin ging ungeduldig im Zimmer auf und nieder. .Hier ist z. B. Dein Lehnstuhl, das alte gläßliche Ungeheuer, das nun schon zwei volle Jahre auf einen neuen Ueberzug gewartet hat, den hätten wir für das Geld anschaffen können, das Du im vorigen Monat für die Waldlaudschast ausgabst." Ihr Mann lächelte. .Es ist doch wett erbaulicher, einen schönen Wald anzuschauen, als einen neuen Lehnstuhl bezug. Mir ist mein Lehnstuhl gut ge nug, ich sitze ebenso bequem darin, als wenn er überzogen wäre." .Die Sprungfedern sind ganz herun: ter gesessen." .Das ist ja gerade das angenehme dabei," lachte der Eommerzienrath. .Ja. Gottlob," rief die Eommerzien räthin in gereiztem' Tone aus. .Du kannst es ruhig mit ansehen, wie AlleS um Dich her verkommt ; der Teppich, den wir seit unserer Hochzeit haben, ist so abgetreten und verblichen, daß er wohl einer Ablösung bedarf. Von unserem täglichen Eßservice garnicht zu reden, das geht mehr und mehr in die Brüche; aber Dir ist das Alles einerlei, wenn Du nur Deine Wände mit den abscheulichen Gemälden behängen kannst, die mir nur Verdruß bereiten." .DaS kommt nur daher, weil Du sie nicht mit dem richtigen Blk betrachtest; sie machen mir so unendlich riel Freude, und weil ich nicht die Mittel habe, um zroße Reisen zu machen, so sind sie exn vorzüglich eS Surrogat. Es ist nur lana, weilig, daß Du meinem Geschmack nicht theilst " er näherte sich ihr vertraulich: .daß meine kleine Frau gar nicht ein wenig künstlerisch angelegt ist." .Willst Du es mir nun noch gar zur Last legen, daß ich haushälterisch bin und die Interessen des HaufeS wahre?" Unsanft schob sie den Arm ihres ManneS bei Seite. .Aber Maggie, Da bist die tüchtigste kleine Frau, die beste, sorgfältigste Haus hälterln, ich weiß garnicht, was ich ohne Dich anfangen sollte!" .Ach, Du willst mich nur milder stimmen, weil Du heute auf die Auktion gehen willst, aber ich sage Dir, eine ander Ansicht bringst Du mir niemals bei, die Gemälde uud ich, roir sind und bleiben Todfeinde." Sie verschwand aus dem Zimmer und der Eommerzienrath. ging auf die Auktion. . Frau Maggie hatte ihr Frühstück allem verzehrt, sie ließ das Kotelette auf dem Tische stehen, es war kalt geworden, und kalt sollte es bleiben. Dann kleidete sie sich um und ging in ihre gemüthliche Wohnstube, wo sie sich an den Nähtisch setzte. Ihr Blick schweifte umher und Mied mit besonderer Hartnäckigkeit an allen Mängeln hängen. Die Tischdecke von gepreßtem Sammet, wo die Unter läge' schon durchzuscheinen ansing, entlockte ihr einen Seufzer, die Gardinen waren gestopft, am schlimmsten aber sah es mit dem Lehnstuhl aus; die Arm, lehnen waren ganz abgenutzt und eine weiße, gehäkelte Decke verbarg einen sehr defekten glücken; aber der Stuhl hatte ine gehörige Tiefe, einen geräumigen 'Schooß, der die rundliche Gestalt des Kommerzienraths liebevoll umschloß, und dieser befand sich nie so gut, als wenn er nach Tische in aller Nuhe sein Nachm,t tagsschläschen indem alten Stuhl machen konntet . Von seinem Platz auf dem Lehnstuhl Hatte er ei herrliche Aussicht aus alle Landschaften an der Wand, die Pfeife im Munde, konnte er in aller Be quemlichkeit nach der Schweiz und nach Tirol reisen. In der Nahe des Ofeos stnd ein lang aufgeschossene Etagere Aus sui iicmlii iwtfcliani Leine; si,

fehlte sich sichtlich bedrückt durch den großen Stapel von Büchern und Zeltschriften. Frau Wulfs hatte sich schon langst einen Bücherfchrank gewünscht, aber damit hatte eS lange Weile. Sie kniff die Lippen fest zusammen, ließ die Nadel hastig durch ihr Nähzeug stiegen und blickte flüchtig nach dem Sekretär hinüber, wo die fünfzig Kronen lagen, die sie sich von ihrem Wirthschaftsgelde aufgespart hatte, damit hatte sie den Lehnstuhl kaufen und ihren Mann zum Geburtstag überraschen wollen, aber nun ihr traten die Thränen in die Augen nun verdiente er dies Geschenk wirklich nicht, nahm er doch niemals Rücksicht auf ihre Wünsche, vielleicht heute, in diesem Augenblick würde er ihr wieder ein Gemälde ins HauS schicken. Sie fühlte sich tief Unglück lich, und die heißen Thränen, die auf ihre Arbeit sielen, galten dem Mitleid, das sie mit sich selber empfand. ES fiel ihr nicht einen Augenblick ein, den Blick zu erheben und einen Ersatz für alle die anderen Mängel im Zimmer zu suchen; hätte sie das gethan aber nein, sie batte ja keinen Sinn dafür, sie wollte nicht sehen, daß die schönen Bilder an den Wänden dem ganzen Zimmer Glanz verliehen, eö zu einem belebten, stimmungsvollen Raum machten, wo man gern eilte. Nur schade, daß Frau Maggie Wulfs so entsetzlich praktisch war. Nur einmal im Jahre ließ sieden Bilder ihre Fürsorge angedeihen und zwar, wenn sie von der Wand genommen imi der großen Reinmacherei unterworfen wurden. Hier ging sie fast zu gründlich zu Werke, wenigstens meinte der Kommerzienrath das, roenn er seine Frau mit den Bildern wie mit dem anderen HauS geräth herumhantiren sah. Er hängte

sie llets selbst wieder an ihren Platz, denn kein Anderer wußte, in welcher Ordnung sie gehangen hatten. Seiner Frau war e? völlig einerlei, ob die Tiroler Land fchaft au der entgegengesetzten Wand in eine verkehrte Beleuchtung kam. oder ob das kleine feine Sonnenuntergangsidyll hinter der Flügelthür ein kummervolles Dasein fristete. Zum Glück , wachte aber der Kommerzienrath über seinen Schätzen. Frau Wulfs saß noch immer an-ihrem Nähtisch und ließ ihre Blicke nach eigenem Gutdünken durch das Zimmer schweisen. Plötzlich fuhr sie zusammen, es hatte geschellt. Sie wurde nicht sonderlich überrascht, aber doch unangenehm berührt, als ein Dienstmann mit einem Gemälde im Arm eintrat. .Bitte schön! Darf ich mir eine Mark eusbitten?" Frau Wulfs griff in die Tasche und bezahlte die Mark; mit bitterem Lächeln dachte sie daran, wie viele Markstücke schon denselben Weg gewandert waren. Der Dienstmann verschwand, nachdem er das Gemälde vorsichtig an die Wand gestellt hatte, die Rückseite dem Zimmer zugekehrt. Die Eommerzienräthin stand nicht einmal auf; sie maß nur stüchtig mit dem Auge den Umfang des Gemäldes, der kein ganz unbedeutender war, sie empfand keine Neugierde, das Bild selber zu sehen. Dann arbeitete si scheinbar ruhig weiter, das stürmische Wogen ihrer Brust bekundete jedoch, daß eS auch in ihrem Innern arbeitete. ES schellte abermals. Diesmal blickte Frau Wulst ein wenig erschrocken auf, als sich die Thür öffnete. Eine junge Dame in einem großen Nadmantel trat schüchtern ein. Frau Maggie. die sich förmlich erleichtert suhlte, erhob sich und bat die Dame, näher zu treten. .Ich möchte gern, sind Sie nicht die Frau Eommerzienräthin? Ich habe gehört, daß Ihr Herr Gemahl die Kunst protegirt. Ich habe" die Stimme klang verlegen und unruhig. .Sie müffen nicht böse werden, wenn ich eS Ihnen zeigen dürfte sie zcg etwas unter dem Mantel hervor, das, obwohl es verhüllt war, einem Gemälde glich. Frau Wulfs erhob sich und erwiderte kalt:'. Sie brauchen sich nicht zu bemühen ; mein Mann ist nicht zu Hause und ich, ich kaufe keine Gemälde." Die letzten Worte wurden mit unnöthiger Strenge gesagt. Die feinen Finger, welche die Hülle des Bildes entfernten, zitterten, ein bleicheS. tieftrauriges Antlitz blickte auf, und eine fchma6)e, bittende Stimme sagte: .Mein Mann ist Maler; er ist krank und bettlägersg, er kann nicht arbeiten, ich bin fchon bei Vielen gewesen; Sie können mir glauben, es ist schwer. Wir haben drei kleine Kinder. ES ist hart, so von Haus zu Haus zu gehen und abgewiesen zu werden." .Es thut mir sehr leid, aber ich habe keine Verwendung für Gemälde; wie Sie sehen, sind wir reichlich damit versorgt." Die junge Frau blickte sich voller Bewunderung um. .Ja,, ein so schöne? Heim, so eine wohlhabende Häuslichkeit!" Maggie Blick siel auf das eben angekommene Bild. .Außerdem hat mein Mann heute erst ein Gemälde gekauft; dort steht eS. ES geschah sehr gegen meinen Wunfch, und zwei Bilder an einem Tage, da? ist denn doch zu arg!" Frau Wulsf wandte sich ärgerlich ab. Die Frau des Malers hatte inzwischen ihr kleines Bild enthüllt, sie sühlte. daß sie in einem unglücklichen Moment gekommen war, wollte aber doch die Hofsnung, daS Herz der Kommerzienräthin zu rühren, nicht ganz ausgeben. Das Gemälde stellte eine Haidelandfchaft dar. Das Haidekraut stand in voller Blüthe, die dunkeloiolette Farbe war wie weicher Sammet, der sich schmiegsam über die Hügel dahinzog. Darüber wölbte sich der hellblaue Himmel mit den weißen Sommermolken. .Es ist nur ein kleines Bild, und sehr billiges kostet nur 4l) Mark!" - , Die Kommerzienräthin würdigte es keines Blickes. Sie war ungeduldig, daß die Andere nicht gehen wollte. .Weshalb schickt Ihr Mann feine Bilde, nicht auf die Auktion? Wie ich höre, wird heute eine Kunstauktion abgehalten, dort würde er sicher Absatz für seine Ar: beiien sinken." . ,Ach, Sie sollten nur wissen, welche .Preise man dort erzielt! ES ist las reine Elend, besonders wenn man nicht il glücklich ist. einen belökZNten Namen

zu haben ; vst werden kaum die Ai'.Zlagen gedeckt. Wie viel wochen-, ja monatelange Arbeit wird dort fortgeworfen, und dock,', wir sind ja natürlich froh, wenn wir nur etwas anbringen; mein Mann hak heute auch ein Bild auf bei Auktion, aber ich lenne daS Schickfa! desselben noch nicht. Zl.weilen ist daS Gebot so niedrig, daß der Maler sein Arbeit selbst behalten muß." Die Eommerzienräthin machte eine abfertigende Bewegung. .Wie gesagt. Sie sehen, daß Ihnen ein Anderer fchon zu: vorgekommen ,)t." sie zeigte auf da? Bild, das nach der Wand zugekehrt stand. Die junge Frau sah eS muthlos an. .Darf ich einmal sehen, u;j es vorstellt?" fragte sie. .Bitte!" Das Bild wurde umgewendet, und im selben Augenblick ertönte ein leifcr Schrei der Ueberraschung. .Mein Gott! Das ist ja meines Mannes Arbeit! Die Nordseepartie ! Das ist ein guter Bekannter von mir und das Bild hat Ihr Herr .Gemahl gekaust? Ach. dann hat es keine Noth! Es ist sicher gut bezahlt worden, der Edle hat eine gute That vollbracht!" Ihr Augen leuchteten, ihre Wangen glühten. .Wie soll ich. Ihnen danken, gnädige Frau; o. wenn Sie wüßten wenn Sie wüßten !" In tieser Bewegung sank sie in einen Stuhl ; ihre Augen füllten sich mit Thränen, während sie die Hand nach dem Bilde ausstreckte. .Wenn Sie müßten, was dieses Bild meinem Manne gekostet hat! Seine Gesundheit, seine Kräste. sein Leben hat er dabei zugesetzt. Von dort hat er sich seine Krankheit, feine Schwäche geholt, .dort, an dem milden Nordseestrande. zwischen fc?n Dünen. Sehen Sie, wie daS Riedgras sich hin und her bewegt, wie der Sand fegt und der Sturm tobt! ES ist meisterhaft wiedergegeben, men jfühlt den Wind, wie er die Uebermachi i gewinnt, wie sich die ganze Natur beugen muß, und der Mensch auch, ja der Mensch auch. Er ist nie krank gewesen, bis mir !dort oben an die Nordspitze von Jütland 'gingen. Wir verlebten dort unsere Sommerferien, und er malte. Keine !Ruhc gönnte er sich, es zog ihn hinaus us die Dünen, gleichviel, wie das Wetter war! ES rief ihn mit lauter .Stimme. Die Nordsee mußte nichts von Ferienzeit, sie tobte und schäumte, Tag ans,' Tag ein, und der Sturm machte die Musik dazu, es arbeitete und kämpfte da draußen, unsichtbare Mächte trieben ihr Spiel. Er wollte all' diese Größe. diese Gewalt, auf die Leinwand fesseln. Ich begleitete ihn jeden Tag da hinaus. mußte mich aber umwenden, ich konnte nicht feststehen, so peitschten mich Sand nd Wind ; er wollte aber nicht nachgeben, er lebte und athmete nur sür sein Werk. bis es vollendet war. Dann reisten wir nach Hause und dann kam der Husten; seine Brust war angegriffen, der Arzt sagte, es sei eine Folge von Unvorsichtig' keit und Ueberanstrengung; aber er machte uns Hostnung aus Genesung. Ein Jahr verging, es wurde nicht besser; toL Aild.'i,k "nverkauft. auck de ,.,lnung schlug fehl, und nun geht eS seständig bergabwärts. Die junge Frau hatte auS ihrem tief'ten Herzen mehr zu sich selbst, als zu chcer Umgebung gesprochen, den Nlick unverwandt auf das verhängnißoolle Ge zrälde gerichtet; eS war. als hätte sie ihre veele aus der Leinwand in der Dünen zelassen. Jetzt schwieg sie erschrocken und erhob sich hastig. Frau Wulfs hatte ihr schweigend zugehört. Der Schmerzensausbruch, dessen Zeugin sie gewesen war, kam so natürlich. so ganz unüberlegt. Man fühlte es, daß den Worten Wahrheit zu Grunoe lag. Sie schaute die jugendliche Gestalt an, die wie ein Bild der Sorge. deZ Elends, und der Armuth vor ihr'stand, ihr wurde so eigenartig weich ums Herz. Sie ließ denBlick von ihr nach demGemälve hinüber gleiten und verstand zum ersten Mal in ihrem Leben, daß ein Bild reden kann; sie verstand seine Sprache. Die fliegenden Wolken, der dahinjagende Sandsturm, das brausende Meer mochten vom künstlerischen Standpunkt schön sein, aber das war nicht ihr Maßstab; sie urtheilte nur nach rciu menschlichen Gefühlen. DaS Bild erzählte ihr von dem Kummer und dem Unglück zweier junger Menschenkinder, es bewirkte eine ganze Umwälzung in ihren Gedanken und Gefühlen. Sie vermochte nicht zu reden; aber die junge Frau fühlte, daß sie ihre Sympathie gewonnen hatte. .Jetzt gehe ich frohen Sinnes von dannen. Mein Herz ist von Dank erfüllt. Wollen Sie Ihren Herrn Gemahl grügen und ihm meinen Dank aussprechen? Eine innere Ahnung sagt mir, daß daS Bild nicht für einen Spottpreis erkauft wurde; ich habe die Hoffnung, daß sich das Unglück vielleicht noch in Glück verwandeln mag, und hier in der freundlichen Umgebung, hier in Ihrem Hause hat es einen schönen Platz hier weiß ich es gern!" Sie trocknete ihre Thränen. .Sie müssen verzeihen, daß ich so wehmüthig bin; aber eine Künstlerlaufbahn ist" schmor, nicht immer begegnet man fo guten Menschen!" Sie packte ihr Haidebild ein ; aber Frau Wulst hielt sie zurück. .Ich habe Lust, Ihr kleines Bild zu kaufen, eS gefällt mir so gut." .Gott fegne Sie! Sie sollen es für 30 M. haben!" " .Nein, nein, nicht unterm Preis ! Die Kommerzienräthin nahm das Bild in die Hand. .ES ist hübsch, nicht wahr? Die Stimmung ist so weich, so wohl thuend " Viel sah Frau Wulfs freilich nicht, eine verratherische Feuchtigkeit umschleiette ihr Auge, die Haidehügel tanzten so eigenthümlich auf und nieder. Sie legte das Bild vorsichtig hin und näherte sich dem Secretär, öffnete die Klappe und nahm die fünfzig Mark heraus, die für den Lehnstuhl bestimmt gewesen waren. Sie sandte ihnen keinen Seufzer nach, als sie sie mit wahrer Herzensfreude in die Hand ihres GasteS legte. .Aber das ist zu viel," stammelte Yie junge Frau. .Behalten Sie eS nur und kommen Sie einmal wieder. Lassen Sie mich boren, wie es Äbne und Äre Manne

geht. Vielleicht kann ich ihm etwas fchik k?n. stärkenden Wein oder nahrhaftes ($tn, und die Kinder, ach, Sie haben Kinder!" .Drei süße kleine Wesen!' .Und wir haben gar keine'" erwiderte Frau Wulst leise. .DaS ist sowohl gut wie traurig man will sie ja so gern vor Hunger schützen, sie heranwachsen und gedeihen sehen." Maggie drückte still ihre Hand. .Auf Wiedersehen!" fagte sie. Wie merkwürdig verändert hatte sich Frau Wulsfs Aussehen in dieser kurzen Zeit ! Der starke, strenge Ausdruck war einem milden, weichen gewichen, der ihr nock jugendliches Anklitz bezaubernd kleidete, eine zarte Röthe lag auf ihren Wangen und ihre Lippen warenzu einem Lächeln leicht geöffnet. Als die junge Frau sie verlassen hatte, rief sie schnell daS Mädchen herbei, stieg selber auf eine Trittleiter und hängte die Bilder auf ; erst die braufende Nordsee und darunter die blühende Heidelandschajt. S e ertappte sich dabei, daß sie das Bild betrachtete, der wilde Sandwirbel durchfegte gleichsam ihr Innere?, brachte neue, unbekannte Gefühle ans Tageslicht. Die zwangen sie, ihre kühle, praktische Natur vor etwas Großem, Gewaltigem zu beugen, das stärker war, als all das Alltägliche, Materielle, an dem sie gehangen, in das sie 'sich eingefponnen hatte. Die Geschichte deö Malers, das Leid der jungen Frau, ihr gemeinsamer Kampf ums Dasein, das war ein aus dem Leben gegriffenes Bild voll tiefen Ernstes, und dies Bild war für immer an die meerumbrausten Dünen gekuüpft. Und als dann ihr Blick auf das kleine Bild darunter siel, sah sie abermals die Freude der jungen Frau, empfand sie das frohe Bewußtsein, Gutes gethan zu haben; Friede und Harmonie strömten ihr aus der Leinwand entgegen. Jetzt konnte ihr Mann gern kommen, Alles war an seinem Platz, fein kleines Frauchen auch. Endlich hörte sie, wie der Schlüssel in der Entreethür herumgedreht wurde ; einen Augenblick später kam der Kammerzienrath herein, ein klein wenig verlegen und erzwungen heiter. .Ja. eS ist ein wenig spät geworden verteufelt viele Bilder" sein Blick streifte suchend umher: .ist nicht etwas für mich abgegeben? Ja, e; erging mir, wie Du sagtest, Maggie, ich blieb an einem Seestück hängen. Du mußt es mir diesmal verzeihen, ich konnte nicht widerstehen!" Maggie hatte ihm den Rücken zugewendet. .Sie ist natürlich böse," sagte er. .Ich dachte, es hier aufzuhängen!" Er machte einen schnellen Anlauf, stand aber plötzlich starr vor Staunen still. .Mein Gott, was ist denn das?" Nie in seinem Leben war es vorgekommen, daß Maggie einem Bilde seinen Platz angewiesen halte. Sie wandte sich um und schob ihren Arm in den seinen. .Ich war auch der Ansicht, daß es sich am besten hier ausnehmen würde, das Bild ist sehr hübsch, Paul, ich danke Dir von ganzem Herzen dasür!" Der Eommerzienrath stand wie vom Blitz getroffen oa, er glaubte, daß sie ihn zum Besten haben wolle, oder das sie phankasire. .Ich habe in Deiner AbWesenheit ebenfalls ein kleines Bild gekaust." fuhr sie fort: .auch ich konnte nicht widerstehen, ich will es Dir schenken." Maggie küßte ihren Mann. Nein, ein Irrthum war hier nicht möglich ! Maggie sprach im vollen Ernste ; ihre Stimme war so sanft und liebevoll, hier war eine Aenderung vor sich gegangen. deren Ursache er sich nicht erklären konnte. .Aber, liebste Maggie, so erzähle mir doch die abscheulichen Bilder. Deine Todfeinde wie ist es nur zugegangen, daß Du Dich mit ihneu ausgesöhnt hast?" Maggie war ganz bunkelroth gewor den. sie sah so verlegen aus. als wenn sie selber auf die Auction gegangen wäre und nun beichten sollte. Endlich erZiähl'e sie ihr kleines Erlebniß mit der Frau des Malers. Der Eommerzienrath hatte ein Gefühl, als hätte er feine Frau bis auf den heutigen Tag nie recht gekannt, er ward nicht müde, sie zu loien, sie zu küssen, und AlleS ganz auS gezeichnet zu sinden. Wieder und wieder rief er aus: .Rein, daß ich das an Dir erlebe!" .Weshalb hast Du mir penn niemals erzählt, daß man mit dem Ankauf von Gemälden ein gutes Werk thut? Daß die Bilder wirklich Nutzen stiften?" .Aber liebes Kind, das konntest Du Dir doch felbst denken!" .Du hättest mir die Augen offnen jol len, ich wäre nicht so unzufrieden gewesen, wenn ich gemußt hätte, daß das Geld, welches ich als vergeudet ansah, Lust und Freude in eine bedürftige Fami lie bringen könnte." .Ja, dag war'dumm von mir!" rief er aus. .Ich hätte Dich bei Deinem wunden Punkte, Deinem guten, vörtrefflichen Herzen fassen sollen, dann hätten mir unS alle die häuslichen Scenen erspart, die unsere Gemälde hervorgerufen haben." .Und ich hoffe doch, daß Du einen guten Preis für dies letzte Bild bezahlt hast?" Der Kommerzienrath machte ein bedenkliches Gesicht. .Ich wollte Dir eigentlich einreden, daß ich da Bild für einen Spottpreis erstanden hatte; jetzt aber, wo sich die Situation verändert hat, kann ich Dir ja die 'Wahrheit .fagt. Der Kommerzienrath flüsterte seiner Frau etwa ins Ohr, wozu diese sehr befriedigt nickte. .Und darf ich nun fragen, woher Du die Mittel hattest, ein ganzes Stück Haideland zu kaufm?' -. Maggie lächelte: .Ja. das ist mejn Geheimniß ; nach Deinem letzten Bekenntniß pflegst Du Dir ja wegen eines klefnen Geheiinnissei keine grauen Haar, wachsen zu lassen." .Ich will niemals meb? Geheimnisse vor Dir haben! Daß meme kleine Frau bcr so wohlhabend ist!" Magg e warf einen Blick auf den Lehnstuhl. .Mein Geheimniß besteht ganz einfach darin, daß sich der LebnlMl im ..Och

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