Indiana Tribüne, Volume 16, Number 318, Indianapolis, Marion County, 6 August 1893 — Page 3

Ins Muttermal. Volköromin von JCavtx Aiedk. (2. Fortsetzung.) A Drei Tage nach dessen Verschwinden. als Aennchen im Fieber und De lirium rasend dalag dem Dahinsterben nahe wurde dem armenDoktor. der seither schlaflos an dem Bette seiner Gattin gewacht, ein Brief in ei ner ihm unbekannten Handschrist gebracht. Er öffnete ihn und las die foU genden Worte: Wenn Sie bereit sein werden, das Geheimniß zu enthüllen, in dessen Besitz Sie sich befinden bereit, den Ausenthalt des Kindes anzugeben, um dem man Sie befragt, dann, aber auch nur dann, werden SieNachiichten von dem erhalten.das Sie jetzt verloren haben. Bis zu dieser Zeit mögen Sie die ganze Welt ; durchsuchen es wird fruchtlos j sein!" I Eine Adresse folgte bestehend aus ,

den ersten drei Buchstaben des Alphabetes. unter denen der Doktor postlazernd an ein Postamt in einer der.gröBereit Städte schreiben sollte. Stöeip zerknitterte der Doktor das Papier in seiner Hand'und drückte sein Gesicht in das Kissen neben seinem armen Weibchen. Die kleine Wolke, die :r an dem klaren Himmel seines Glü iti gesehen, hatte diesen ganz überzozen und für ihn Alles in tiefe, hoff nungslose Nacht gehüllt. 3. Capitel. Vierzehn Jahre waren vergangen. Es war ein finsterer Abend und Regen und Schnee fielen gleichzeitig. An der Front desHoftheaters brannten die Gasflammen hell in einerReihe von Glaskugeln. Equipagen fuhren an dem Thore vor, entleerten sich und rollten wieder davon. Hunderte von Menschen gingen scherzend und gedrängt die Stiegen empor und begaben sich durch die" Foyers in's Theater. Das Haus ward überfüllt. Es war einer der Glanzabende einer sehr beliebtenKünstlerin. die in den Affichen die .kleine Paulette" genannt wurde. Zwei Männer traten miteinander ein und nahmen ihre gut gelegenen Sitze im Parquet. Der erstere war ein junger, starker und etwas schwerfälliger Mensch, und mochte seinem Ausseben nach nicht über fünfundzwanzig Jayre zählen. Der Andere war noch jünger, aber dunkler und auffallend schön; es lag ein dämonischer Zug in seinem Antlitze. Er trug einen Mantel und schauerte unter diesem. Er nagte viel an seiner schönen, rothen Unterlippe, und war etwas brüsk in seiner Sprache und in seinen Manieren. Der erstere hieß Hermann von Varneck," war von guter Familie und besaß ein ansehnli ches Vermögen. Der Andere war ein junger Decorationsmaler ein armer Teufel, ohne Geld oder Freunde oder Familie. Sein Name war St. John. Der grüne Vorhang hob sich. Varneck zog aus einemSammt-Etuis ein mit Perlen und Gold besetztes Opernglas. Nicht so schnell, mein lieberJunge," sagte der Dekorationsmaler, unbekümmert um seine Umgebung. Sie kommt erst in der zweiten Scme. Mähige Deine Ungeduld und sieh um Dich. Die kleine Houri macht volle Häuser." Ich denke, die Hälfte aller Männer hier sind ihre Verehrer," antwortete Varneck, während das Gesicht des Blondins sich lebhaft röthete. Ihr Hus wird, wie ich höre, früh und spät belagert; aber sie hat einen Drachen, der sie bewacht, in Gestalt eine? Duena. und kein männlicher Fuß ge langt in das Innere des Hauses." St. John zuckte mit den Schultern. Die meisten Frauen tragen ihr Herz an dem Aermel," sagte er. aber was Du da sprichst, schmeckt wie nach persönlicher Erfahrung. Varneck. Hast Du etwa auch an jene verriegelte Thüre gepocht?" Varneck wurde roth wie Feuer. Und wenn ich es gethan?" So fandest Du die kleine Paulette. obgleich sie die Tochter eines Schauspielers ist, doch prüde wie eine Puritanenn." Ich fand nichts als ein fürchterliches altes Weib, mit einer hohen Haube und mit einem Barte um ihr Kinn, die augenscheinlich kein anderes Wort der steht, als das Wort: Geh!" Sie schlug mir die Thüre vor dem Gesichte zu. St. John das im Vertrauen ich würde dieses kleine Mädchen morgen heirathen, wenn sie mich haben möchte!" Ah eh?" antwortete der Maler mit einem wilden, flammenden Blicke. Eine Schauspielerin heirathen! Was würden Deine Leute dazu sagen? Was würde die Welt sagen und die Gesellschaft?" Kümmere ich mich darum?" erwiderte Varneck heftig. Der Teufel hole sie Alle! Natürlich gäbe es einen gewal tigen Lärm zu Hause, denn die Vrnecks sind stolz und hartnäckig stolz wie Lucifer selber auf ihr Blut. Aber das hätte Alles nichts zu bedeuten. Wahrhaftig, sie hat mich bezaubert. Der Gedanke an sie quält mich. Tag und Nacht, ich möchte zu ihren Füßen liegen und mich von ihr treten lassen. Ich möchte ihr Alles aufopfern, was ich rnein nenne unter dem Himmel. Ist das Liebe?" Es klingt so." sagte St. John, wie Liebe. wennMänner von fünfundzwan zig Jahren davon reden. Andere hatten dieselben Anfälle von Thorheit früher und sie haben angefangen und geendet, wie Du es wirst, mit Worten, nichts als Worten!" Der Himmel sei mit gnädig!" sagte Varneck. indem er dem Anderen einen zornigen, argwöhnischen Blick zuwarf. .Ich glaube. Du liebst sie selbst! Als Dekorationsmaler hier hast Du ofrGe

legenheit. sie zu sthen. Nicht viele ihrer Bewunderer haben Zutritt hinter die Coulissen, denke ich. Dir natürlich ist der Eintritt dahin gestattet." Und wenn ich sie liebte." antwortete St. John sorglos, so wären die Folgen des Unglücks für mich weniger groß als für Dich, mein Junge. Still, da kommt sie!" Er ergriff Varnecks Arm. Eine feurige Nöthe zeigte sich plötzlich in seinem dunklen Gesichte und überzog es ganz. In demselben Momente tanzte, leicht wie der Flaum einer Distel, die Königin des Abends, die kleine Paulette, auf die offene Scene. So jung sie lvar, so kindesgleich und so klein, sah sie wie Titania, die Elfen königm. aus. Ihr Gesicht war ein vollkommenes Oval, und weder Puder noch Schminke befand sich auf ihrer blühend weißen und rosigen Haut. Ihre Augen waren schwarz wie die einer jungen Indianerin. Ueberraschend war der Contrast zwischen der glänzenden Schwärze dieser leuchtenden Augen und der Fülle goldgelben Hares, das sich über ihre weißen Schultern und den weißeren Busen ergoß. Lieblich war die kleine Gestalt in demBühnenanzug, dem reich besetzten Mieder;bezanbernd waren die runden, weißen Arme, mit Grübchen darin wie in den üppig-run den Formen eines Kindchens, und der Fuß war vollkommen und doch wahrhast elfenartig. Beim Jupiter!" mumelte Varneck, indem er sich auf seinem Sitze zurücklehnte und sie mit flammenden Blicken verfolgte, diesen Abend ist sie am lieblichsten! Wer sah je ein solches Gesicht, mit dem Haar einer Blondine und den Augen einer Spanierin?" St. John sagte nichts. Sein Blick war fest auf die Scene gerichtet. Er schien seinen Athem anzuhalten, während er sie betrachtete. Varneck gebrauchte sein Glas eine Weile und reichte es dann seinem Gefährten, aber der Maler lehnte es ungeduldig ab. Dann saßen sie schweigend und be trachteten die Künstlerin in gleicher Weise mit glühenden, leidenschaftlichen Blicken.- Diese war bezaubernd ein Wesen, wie geschaffen aus Geist und Feuer und Morgenthau," voll seltener Anmuth und Naivität; nicht zu sprechen von ihrer wunderbaren Schönheit, die schon an und für sich gerade unwiderstehlich war. Sie erschien, erröthend in derFreude ihres Triumphes und ihre schimmernden Blicke ergossen Lichtstrahlen des Dankes in das volle Haus. In diesem Augenblicke sah Varneck seinen Gefährten aus den Falten seines Mantels ein Bouquet von Myrthen und Orangen blüthen hervorheben. einenStrauß weiß wie Schnee, und wie für eine Braut gebunden. Im Nu flog der köstlicheTribut durch den Raum und fiel genau zu den kleinen Füßchen der kleinenPaulette nieder. Sie hob ihn auf und ihre großen Augen richteten sich nach dem Parquet. Eine höhere Nöthe schoß in ihre Wangen. Sie führte das Bouquet an ihre Lippen, trank einen Moment, wie eine Biene, den süßen Duft, dann verneigte sie sich und verschwand hinter dem Vorhange. Varneck sah finster auf seinen Gefährten. Bei meiner Seele, ein artiges Zeichen!" sagte er. Warum that sie das nicht bei meinen Rosen und Veilchen? Und dieser schmelzende Blick! Hat sie Dir schon viele gegönnt? Listiger Mensch! Jedermann im Hause muß es gesehen haben. Was meinte sie damit?" Ich bemerkte es nicht." antwortete St. John sorglos. Wer darf .die Blicke eines weiblichen Wesens zu d'euten wagen? Glaube mir, was diese bedeuten, weiß Niemand als sie und der Teufel. Aber das Stück nimmt ja gar gar kein Ende! Wecke mich, wenn es aus ist." Er hüllte sich in seinen Mantel und sprach nicht wieder, bis derVorhang irct) der letzten Scene fiel. Dann sprang er empor. Halt! Sio wird noch einmal gerufen." sagte Varneck und hielt den Anderen, der ihm widerstrebte, mit einer Hand zurück; aber dieser entzog sich ihm. Bedaure." sagte er, aber es ist mir ganz unmöglich zu warten! Ich habe mich anderweitig versagt und es ist bereits spät. Laß Dich nicht stören sieh' Dich satt, so viel Du magst!" Er war fort, ehe Varneck ein Wort erwidern konnte. Rasch eilte er die Stiege hinab durch die AusstellungsHalle und gelangte auf die Straße. Das Publikum folgte ihm darunter Varneck. St. John sah unten um sich. Etwas entfernt von der Beleuchtung des Einganges, wartete ein Wagen. St. John, den Mantel emporgezogen um sein Gesicht, eilte dahin und öffnete die Wagenthüre. DieMassen des Publikums ergossen sich eben über die Stiege herab und aus dem Hause. Er hörte sie aber er hörte auch trotz dem Ge räusche einen leichten Schritt auf dem Trottoir und ein hastiges Athmen. Eine kleine Gestalt, in einen grauen Mantel gehüllt, das Gesicht mit einem dichten grauen Schleier bedeckt und in einem der mit Handschuhen bekleideten kleinen Händchen ein Bouquet von Myrthen und OrangenblütlM. rannte athemlos ihm zu. Rasch." flüsterte er. ehe wir erkannt werden!" Und er hob sie leicht in den Wagen und stieg nach ihr ein. Der Wagen fuhr die Straße hinab. Noch fielen Schnee und Regen. Die Stadt sah verlassen und öde aus. Von Zeit zu Zeit fiel das Licht der Straßenlampen durch die Wagenfen ster und traf das bleiche Gesicht von St. John, wie er da saß. und die kleine Gestalt in Grau an seiner Seite festhielt. Sie hatte ihren Schleier zurück geworfen und ihr Gesicht in ihren git renden Händen begraben. .Paulette. Geliebte, sprich - tV murmelte er.

Sie schien zu erbeben in seine? Um armung. Ach, was für ein Schauspiel! Ich dachte, daß es nimmer enden würde!" flüsterte sie. Dabei war mir. als kenne das ganze Haus mein Geheimniß. Denkst Du, daß wir beobachtet wur den?" Nein; außer von Varneck. Verdämmt sei er! Ein neues Opfer für Dich! Er scheint die Krankheit in ihrer schlimmsten Art zu haben!" Nach dieser Nacht. Wilhelm antwortete sie, wirst Du, dem Himmel sei Dank, keine Ursache mehr haben, eifersüchtig zu sein, denn, offen gesagt, die Eifersucht kleidet Dich sehr schlecht." Ich bin dessen nicht so gewiß." sagte er etwas düster, während er sie mehrmals leidenschaftlich küßte. Es ist ein Fehler in meinem Blute und nicht leicht zu besiegen." Sie erhob ihr bleiches Antlitz, von dessen beiden Seiten das aufgelöste Haar zurückfiel: Wie kindlich schön sah sie aus in dem Lichte der Straßenlampen. wenn dieses ihre Züge tras! Sie war noch in dem Costüme, in welchem sie zuletzt vor dem vollen und ihr Bei fall zujubelnden Hause erschienen mit Juwelen geschmückt, deeolletirt. halb zerdrückte Blumen in dem Haar, und über all' das hatte sie den grauen Mantel gezogen. Ich möchte wissen." seufzte sie. ob Du mich immer so lieben wirst, WilHelm, wie heute; wir sind so jung so sehr jung." Je jünger wir sind antwortete er, desto mehr Jahre des Glückes haben wir vor uns, Paulette. Nur bitte ich Dich, befreie mich von dem Haufen verdammter Narren, die Dich jetzt umgeben! Ich kann nicht leben, wenn ich es länger sehen soll, wie sie Dich angaffen! Vor Allem suche Varneck so schnell als möglich los zu werden. Ich begreife es. wie ein Mann die Frau, die er liebt, tödten kann; denn mische einen Tropfen Zweifel in die Leidenschaft, und ihr Himmel verwandelt sich in die Hölle." Sie sah ihn ein wenig überrascht und ein ein wenig zornig an. Wilhelm. Du bist eifersüchtig wie ein Türke!" sagte sie, ihr Haupt stolz zurückwerfend. Kann ich es ihnen verwehren, daß sie mich belästigen und be wundern?" Kann ich dafür, daß man mich iibreall mit Blicken verfolgt, vor und hinter lden Coulissen? Hält nicht Martha meine Thüre vor ihnen Allen fest verschlossen? Liebe ich Jemand außer Dich? Habe ich je in den fünfzehn Jahren meines Lebens Jemand in der Welt geliebt außer den armen Papa und Dich?"' . Ich wünschte, Du hättest niemals diesen Beruf erwählt," antwortete er düster. Ich habe ihn nicht gewählt!" rief sie leidenschaftlich; er wurde mir aufgedrungen es war Alles, was mir Papa geben konnte. Ich ward dazu ge boren und erzogen und nun bedeutet er für mich Nahrung, Heimath und Leden." Himmel! wo sind wir?' rief St. John, indem er aus dem Wagenfenster starrte. Endlich die Kirche ist nahe." Sie fuhr neben ihm empor. Wilhelm!" stammelte sie. laß den Wagen halten zurückfahren! Ich will nicht gehen wenigstens nicht diese Nacht! Oh. Wilhelm, halte! Ich fürchte mich!" Sie zitterte, heftig und ihr Gesicht war aschfarbig. Er schloß sie in seine Arme. Fürchten! Was meinst Du denn? Fürchten? Weßhalb? Vor wem?" Vor Dir! Ich denke an diese Heirath!" sagte sie schaudernd. Laß uns zurückkehren, ehe es zu spät ist!" Zurückkehren!" wiederholte er, und seine Arme schlössen sich um sie wieEisenklammern. Dich jetzt aufgeben? Ich? Niemals! Ich fabe Dein Versprechen und Du mußt es halten. Paulette! Stille! Stille! Oh, meineGeliebte!" Sie war seiner Umarmung entschlüpft und in dem Wagen auf ihre Kniee gesunken. Ihr Gesicht barg sich in dem Kissen des Wagensitzes und sie begann heftig zu weinen. Wilhelm! Wilhelm! Wir werden niemals glücklich sein miteinander! Wir sind zwei Kinder! Wir wissen nicht, was wir thun. Jetzt in dem letztenMomente mangelt mir der Muth. E" scheint mir, als ob ich Dich doch nich so ganz lieben würde, als ob ich Dich nur fürchtet! Laß uns zurückgehen! Laß uns zurück!" Er war in der Hengsten, Unruhe. Nicht um mein Leben!" antwortete er, und sie in seine Arme schließend, liebkoste er sie mit der Wildheit eines Panthers. .Nicht, wenn uns Beide Verderben und Verdammniß erwartete! Ich habe Dich erschreckt mit mei nem bösen Temperamente das ist Alles. Du liebst mich. Paulette; , die Kraft meiner eigenen Leidenschaft muß Erwiderung finden in einer so frischen und eindrucksfähigen Natur, wie die Deinige! Pygmalion ttißte die Statue und sie erwachte zum Leben. Paulette! Paulette! höre 'auf. zu weinen Du brichst mir das Herz! Ach. Dank dem Himmel! da sind wir endlich!" Noch während er so sprach, hielt der Wagen. Er hob sie rasch heraus. Sie standen vor einer kleinen Kirche in einem der nächstgelegenen Dörfer und durch die Fenster schimmerte Licht. Du siehst, wir werden erwartet," sagte St. John, zog die Hand seiner Gefährtin durch seinen Arm, öffnete daS Thor und ging durch den Vorgar ten. Unter einer Gruppe blätterloser Bäume an der Thüre deö Hauses hielt er plötzlich und wendete sein schmach tendes Gesicht dem Lichte zu.

Paulette." flüsterte er. mit bleichen Lippen. ..Gott verbietet mir, daß ich Dir Unrecht thue, oder Deinem Willen Zwang anlege, selbst jetzt noch. WUnschest Du wirklich zurückzugehen? Liebst Du mich denn nicht im Geringsten. Paulette!" Sie sah ihn an. während si: dastan den und Schnee und Regen auf sie herabfielen sah in sein schönes träumerisches Gesicht sie sah in ihm ihren Herrn; eine unaussprechliche Leidenschaft undZLrtlichkeit sanftigte jetzt sein Antlitz und seine Lippen erbebten. Sprich. Geliebte! Ich werde es tra gen!" Mit einem leichten Seufzer sank sie in seine Arme. Ich bin Dein, Wilhelm, nur Dein!" Dann komm," antwortete er. und sie traten miteinander in die Kirche. Außen dauerte der Regen an. Der Mond sah dann und wann gespensterbleich durch die dahintreibenden dün. neren Wolkenschichten. Und innen stand das junge Paar und lauschte den Wor ten, durch welche es vereinigt wurde. Es waren feierliche Worte, die das Bllndniß weihten! Das bleiche Kindesgesicht der Braut wurde noch bleicher, als die Ceremonie vor sich ging; der junge Bräutigam hielt ihre Hände fest in den seinigen, und sein Blick hing be ständig an ihrem Antlitze. Die Neuvermählten verließen die Kirche wieder und bestiegen den Wagen. Der Kutscher kehrte mit den Pferden um und rasch ging es zurück in die schweigende, schlafende Stadt. Es war St. John, der zuerst sprach, halb traurig. halb scherzend. Du hast keine brillante Partie ge macht. Paulette einen armen Maler von mittelmäßigem Talente, bis über die Ohren in Schulden, und ergeben der Welt, dem Fleische und dem Teufel. Glücklicherweise haben wir uns ent schlössen, die Sache geheim zu halten." Sie schwieg. Er streckte seine Arme nach ihr aus und schloß sie an seine Brust. Paulette!" sprach er, indem eine sei ner Wangen ihr Antlitz berührte, Weib, nimm' mich nun hin und thue mit mir. wie Dir gefällt. Ich binDein und Du bist mein. Obgleich die Welt noch einige Zeit von dieser Heirath nichts wissen soll obwohl es nicht sein muß. so ist es doch für uns Beide besser, wenn es für eine Zeit ein Geheimniß bleibt so erinnere Dich doch, daß von jetzt an kein Mann mehr zwischen uns treten darf, daß kein Mann mehr das Recht hat, auch nur Deine Hand zu berühren." 4. Capitel. In der Königinstraße stand daS Haus. Außen erschien es bescheiden und klein. Innen war es ' mit Geschmack und Comfort ausgestattet, denn die kleine Paulette hat seit einer Reihe von Monaten als ein Liebling des Publikums geherrscht, und ihre Sou veränität ihr eine reiche Einnahme gebracht. Es war ein kalter Winter-Nach-mittag, drei Tage nach der ziemlich traurigen Hochzeit. Auf einem purpurrothen Kntepolster vor dem offenen Feuer, in einem warmen, hellfarbigen Zimmer, saß die kindliche Schauspielerin. ganz allein. Sie trug ein einfaches, schwarzes Kleid, bis an den Hals und an die Handgelenke geschlossen. Ein einfaches Band hielt den Reichthum ihres schönen gelben Haares gefesselt. In dieser ruhigen Position sah das kleine Geschöpf noch lieblicher. noch kindlicher aus als sonst. Einige alte Schauspiele, reich gebunden, lagen neben ihrauf dem Teppich. An der Wand stand ein Piano, mit Musikalien darauf ausgestreut, aber Paulette saß schweigend und regungslos, die müßigen Hände waren ihr beim Nachdenken in den Schooß gesunken, und sie sah in das knisternde Feuer. Es wurde die Glocke gezogen.' Sie sprang von dem Kniepolster empor und lief an die Thüre. Durch die Halle hörte sie ihren treuen Drachen Martha vorwärts gehen, um zu recognosciren kein fremder Fuß follte in das Haus eintreten, so lange Martha es bewachte. Die Thüre des Besuchszimmers flog auf. Paulette blickte hinaus und sah eine dunkle Gestalt in einem Mantel. Wie ein Kind schoß sie darauf zu und machte eine fröhliche Pirouette. Du siehst sehr ermüdet und unsi cher aus." sagte sie, den Mann zum Feuer führend und in sein junges, et-, was hageres GesiKt blickend. Hast Du den ganzen Tag gemalt in Deinem traurigen Logis! Sage mir, kommen denn alle Maler so arm auf die Welt?" Armuth ist ein guter Spont," antwortete er flüchtig. Ich denke ja ich bin gewiß, daß sie in Verbindung mit Dir mich derart begeistern wird, daß ich gewiß noch etwas Gutes zu Stande bringe." Wilhelm, bist Du das, was die Leute einen guten Menschen nennen? Sage es mir!" Er sah sie betroffen an. Wenn ich den Ausdruck recht ver stehe, würde ich sagen: Nein!" Trinkst Du, oder spielst Du?" Zuweilen." Und Du hast Schulden und Du brauchst Geld?" Mein theures Kind," antwortete er launig, wer braucht denn keines? Ich habe noch niemals so glückliche. Leute getroffen." Sie lief zu einem Schreibtische, der in einer Ecke des Zimmers stand, und kam zurück mit Etwas, das sie ihm ge radezu entgegenhielt einem Päckchen Banknoten. Ich bin selbst eine große Verschwen derin." sagte sie nachdenklich, aber zu. weilen erspare ich doch eine Kleinigkeit.

I Waö! Willst Du eS nicht nehmen : tiffTi -IZiO Tv r - r .

juu iumi !lllz ann werfe lcy es p fort in den Kamin!" Ihre Augen blitzten. Sie stampfte den Boden, wie auf dem Theater. Wir müssen sein, wie die Paare in den Büchern. Ich werden Deine Schul den bezahlen und Du mußt Dich bes sern und gut sein, sehr gut. und aufhören, mich mit so düsteren Blicken zu betrachten." Sie kniete neben ihm nieder mit emvorgerichtetem Gesichte, das so lieblich war. wie eine thaufrische Blume des Feldes. Er sah hinab auf sie mit beschämtem, wirren Antlitze. Du sagtest mir." begann sie. daß) ick keine driflstTit IWtf nfmnrht Tvih r ------ -v - -s v v v v p Wilhelm. Das hast Du eben auch nicht. Weißt Du das?" .Ich weiß, daß Du die lieblichste, aber quälendste der Frauen bist," ant wortete St. John. Nichts mehr?" "Ich weiß, daß ich Dich theils durch Gewalt, theils durch Schmeichelei ge fangen; aber daß Du mich nicht liebst. daß Du niemals davon geträumt hast, mich so zu lieben, wie ich Dich liebe." Nichts mehr?" .Was sollte ich sonst wissen?" .Ich bin gewiß, daß Du es niemals erräthst. Die Person, genannt Pau leite, ist in Wahrheit zugleich namenlos und unbekannt. Wilhelm in der That, ein Findling." Er starrte sie an erröthete auch vielleicht das Wort hat einen unangenehmen Klang. Unsinn! Scherze nicht!" Das thu' ich nicht!" antwortete sie nüchtern; es ist Wahrheit, ich ver sichere es Dir. Ich brauche keine GeHeimnisse vor Dir hast Du welche vor mir?" Und sie blickte ihn wieder forschend an. Wäre es dir angenehm, meine Geschichte zu hören?" .Gewiß!" Willst Du mir versprechen, sie nicht wieder zu erzählen?" Ehrlich!" Sie warf ihr glänzendes Haar hinter ihre kleinen Ohren zurück und blickte wieder nachdenklich in das Feuer. Es sind fünfzehn Jahre her," be gann sie, mit einem hübschen, feierli chen Aussehen, seit Johann Werner, ein armer, alter Schauspieler, ausging, um in den Häfen der Nordsee einen undankbaren Sohn zu suchen, der ihm davongelaufen war, was sein Vaterherz sehr bekümmerte. Er kehrte einesNachts allein und zu Fuß zurück, auf einer finsteren Straße am Meeresufer, in einem wilden Sturme und innerlich sehr niedergedrückt, weil er von seinem Sohne nichts gehört hatte. Da fand er mich." Weiter, weiter," sagte St.John, das klingt ja wie ein dreibändigerRo man." Unterbrich mich nicht. Er hörte zu erst einen Schrei das Kreischen ei--nes Säuglings, das, wie er oft gesagt, ihm in's Innerste seines alten Herzens drang. Er folgte demselben über Felsen hinab und unten auf einem Streifen j Sand stieß er auf ein Kind, das in einen alten Shawl gehüllt, allein und verlassen dalay. während die Fluth schon ganz nahe war, die es im näch sten Augenblick hätte verschlingen müssen. Das Kind war ich." j Er blickte auf sie, ohne zu sprechen. ? Ich selbst ein. Ausgesetzte, ein Opfer der Nacht und der See. Und der gute, alte Mann hob mich auf, hüllte mich in seinen Rock und ging wieder seinen Weg weiter und so brachte er mich in sein ärmlis Quartier, und da ich keine Heimaty hatte, gab er mir die seine, und da ich weder Vater noch Mutter besaß, widmete er sein armes Leben meinemDienste und erzog mich in dem Berufe, den er liebte, und dann starb er und ließ mich der Himmel gebe seiner Seele die süßeste Ruhe zurück, und das ist Alles!" Sie schwieg eine Weile, verloren in der Erinnerung an den Pflegevater. So, nun weißt Du. wen Du ge heirathet hast." sagte sie endlich, ich hoffe. Du bist darüber nicht bekümmert; oder hätte ich esDir vorher sagen sollen? Papa und ich erwähnen diese Sache niemals gegen irgend wen ja. wir sprachen selber nicht mehr darüber." Er ließ ein kurzes, etwas erzwungenes Lachen hören. Und das ist Alles, was Du weißt, Paulette? Du hast keine Spur vonDei nem Namen oder Deiner Verwandtschaft? Sehr seltsam!" Keine Spur. Es ist wahr, es befand sich eine Kette mit verschiedenen An hängseln an meinem Halse, aber das hilft nichts, es war kein besonderesZeichen daran. Ich trage sie noch Sie wendete das Haupt, um ihm die goldenen Kettenglieder zu zeigen, die sich rings um ihren weißen Hals anschlössen.. Sieh' diese seltsamen Dinge." sagte Paulette; hier ist ein fürchterlicher Drachenkopf, mit Smaragden statt der Augen; hier ein Herz, aus dessen Ru-binen-Adern Blut zu spritzen scheint; hier wieder eine goldene Hand, die eine Schlange aus Korallen festhält. Wer kann diese kostbaren Dmge bei einem Kinde gelassen haben, das in einem schlechten Shawl an dem Meeresufer unter Felsen ausgesetzt wurde, um eine Beute der Fluth zu werden?" Hast Du nicht schon viele Stunden über dieses Mysterium nachgedacht?" fragte St. John lächelnd, und er neigte sich, um die blühend weiße Haut unter der Kette zu küssen. Hast Du nicht davon geträumt, eine geborene Prinzessin zu sein, die noch einmal zu ihrem Rechte kommen kann? Ach, welch' ein liebliches Hälschen!" Sie wich vor der Liebkosung zurück und wechselte die Farbe.

Ich habe Dir gesagt," sprach sie langsam, daß ich keine Geheimnisse vor Dir haben wolle. Du sagst, es sei ein liebliches Hälschen, Wilhelm? Warte einen Augenblick und Du sollst sehen, daß es schrecklich ist." Sie nahm eine Phiole von dem Ka-min-Gesimse, schüttete etwas von deren Inhalte auf ein Taschentuch, und fuhr damit mehrmals über den Hals. Jetzt neigte sie sich zu ihm. bleich wie ein Gespenst und fragte: Nun, sage mir, was siehst Du jetzt?" Er blickte hin und ein Schrei entfloh seinen Lippen. Was sah er? EinenHals, so wunderbar schon an Form und Farbe, wie ein Meisterstück der BildHauerei, aber mit einer breiten blut rothen Linie bezeichnet, einer schauerli chen Linie, so scharf gezogen auf der schneeigen Haut, als wenn sich jeden Augenblick ein Strom Blutes daraus ergießen könnte. Großer Gott. Paulette. was ist das?" fragte St. John, mit halb erstickter Stimme. Es ist ein Muttermal," antwortete sie. War jemals etwas häßlicher? Kains Brandmal kann nicht schlimmer gewesen sein, denke ich." Aber, gütiger Himmel, wie verbirgst Du es, Paulette? Ich sah es nie zuvor, gewiß nicht." Mein Pflegevater lehrte mich das schon vor langer Zeit ein wenig Farbe geschickt angewendet, und siehe es ist fort. Der Anblick davon macht mich krank erfüllt mich mit unaussprech lichem Entsetzen. Würde irgend wer, der das gesehen, mich wieder schön nennen?" Er streckte seine Arme aus, aber sie entwich ihm und lief wieder zu dem Schreibtisch in der Ecke. Als sie zurückkehrte, erschien der bezaubernde Hals weiß und jede Spur des Males war verschwunden. Das glänzende gelbe Haar schien mit der blühenden Haut zu kosen. Und jetzt," sagte sie, während das Blut in ihre Wagen zurückkehrte, habe ich meinen Vorrath an Bekenntnissen erschöpft. Jetzt ist die Reihe an Dir, Wilhelm." Seine Miene veränderte sich. Eine böse Versuchung. Ich würde lieber nicht von mir sprechen am wenigsten zu Dir. Laß uns einen andern Gegenstand wählen." Auch gut! Fräulein Stahl, dieSangerin, gibt heute nach dem Theater ein Souper. Willst Du dabei sein, wenn auch nur, um meine Liebhaber zu verscheuchen und mich im Zaume zu halten mit Deiner Eifersucht?" .Ist Varneck nicht einer von Fräu lein Stahls Günstlingen?" fragte St. John. Das weiß ich wirklich nicht," sagte sie gähnend, es ist aber sehr wahrscheinlich." Dann ließ sie ihr Haupt an seine Brust sinken und sie saßen am warmen Kamin, während der melancholische Wintertag hinstarb, zwei junge Thoren, aber gewiß zwei außerordentlich glückliche. Es galt ihnen ziemlich gleich, ob der Findling vomSeeufer als eine Prinzessin oder als eine Bettlerin geboren war; es galt ihnen gleich, ob derDecorationsmaler ein musterhafter junger Mann oder ein finsterer Taugenichts war mit zufriedenen Lippen tranken sie ohne Bedenken ihr kleines Maß von Glück ach, es ist so klein für uns Alle! Aber auch so muß es mitDank empfangen werden. Varneck ging diesen Abend in'sTheater und nahm einen Orchester-Sitz ein. Er hatte das Herz in seinen Blicken. Im zweiten Akte erhob er sich und warf der goldgelockten Titania der Bühne ein Camelien-Bouquet zu, aus dem ein Bracelet mit Brillanten schimmerte. Ein rasches Erröthen flog über ihr kleines Feengesicht. Sie berührte das glitzernde Ding nicht; es lag, wie es fiel, und funkelte im Lichte der Lampen, bis endlich ein Schauspieler es aufhob, und unter einem Ausbruch von Applaus es ihr an den Arm legte. In dem Momente, als der Vorhang fiel, stürzte Varneck hinaus. Er traf Paulette gerade, als sie aus dem Zimmer der Schauspieler trat. . Ich bitte, darf ich Sie zu Ihrem Wagen geleiten?" fragte er in leisem Tone und mit leidenschaftlichem Blicke. Nein, nein!" Sie trat einen Schritt zurück, dann streckte sie ihre Hand aus, in der das Bracelet lag. Nehmen Sie es, rasch! Machen Sie hier keine Scene! Rasch! Eß brennt mich in der Hand!" .Wie grausam Sie sind!" murmelte er vorwurfsvoll. Andere dürfen Ihnen schmeicheln, zum Beispiel dieser Deco rationsmaler mit dem Corsarengesicht; aber sür mich haben Sie nur Vorwürfe. Sie küssen die Blumen, die er Ihnen gibt die meinigen haben Sie ohne Zweifel unter Ihre Füße getreten." Als er noch sprach, eilte Jemand durch das Gedränge auf sie zu und stieß Varneck heftig beiseite, indem er Pau lette thatsächlich von diesem wegriß. Zurück!" zischte St. John mit bleichen Lippen. Ich hoffe, daß ich nicht nöthig haben werde. Dich zu tödten!" Mein Gott! Mensch!" schrieVarneck ganz verdutzt, was bedeutet das?" Aber St. John wartete seine Ant wort nicht ab. Er erfaßte seine liebliche Beute und eilte mit ihr die Stiege hinab. Ich werde diesem Manne noch ein Leid anthun!" murmelte er durch seine Zähne, als sie allein waren auf dem Wege zu dem Souper bei der Sängerin. Paulette faß und starrte durch das Wagenfenster, ihre schwarzen Augen blickten erregt, ihr Gesicht war blaß. Vielleicht weißt Du es nicht." sagte sie. aber Du hast nahezu meinen Arm gebrochen." (Zortsetzung folgt.)

Witz und Humor im Lande der Pharaonen.

Vom Witz und Humor im Lande der Pharaonen gibt der soeben erschienene zweite Theil des Werkes von Franz Woenigs Bilder aus der RuU turgeschichte des alten Aegyptens: Am Nil" mancherlei Proben. Wir besitzen zwei Papyri satirischen Inhalts, von denen der eine im Britischen T.'useum, der andere im Museum zu Turin konservirt wird. Beide enthalten bildliche Darstellungen, und zwar bringt der Turiner Papyrus roh, aber flott und äußerst komisch gehaltene Jllustrationen zu den anbei vermerkten Lttvesabenteuern eines alten geckenhaften Priesters mit einer Sängerin aus dem Ammonstempel. Die Bilder, wie der Alte sich den Bart schabt, die Schone sich schminkt, erwecken die Heiterkeit deZ Beschauers und erinnern lebhaft an die Schöpfungen unseres Humoristen Busch. Die Rückseite dieses Papyrus und des Papyrus im Britischen Museum füllen komische Thierscenen, wie sie sich für die Künstler det Neuzeit aus dem Thier-Epos: Reineke der Fuchs" ergeben würden. Belustigend wirken hier die Zeichnungen aus der verkehrten Welt": Ein plumpes NilPferd sitzt auf einem Sykomorenöaum und ein Raubvogel, Adler oder Sperber, steigt die angelehnte Leiter hinauf. Ein Hase führt einen Löwen am Stricke. Selbst das Heiligste bleibt den Spöttern nicht heilig: wir sehen unter anderen Gott Osiris als Esel dargestellt, vor ihm eine in Osiris entschlafene Häsin, die ihm ein Todten opfer darbringt, ihr Fürsprecher ist ein Ochse. Der Schakal erscheint mit Ranzen, Stab und Palette, neben ihm erblickt man ein Schaf; er tritt hier als Schreiber" auf, und diese Darstellung ist offenbar als Satire auf den Lehrer und Erzieher der Königlichen Kinder aufzufassen. Ihm folgt der Wolf. Er hat einen Stecken über die Schulter gelegt, an dem er einen Sack trägt. Nach Hirtenart bläst er die Doppclflöte und treibt eine flott gezeichnete Liegenheerde vor sich her. Eine feiste Katze mit gestreiftem Fell, einen gekrümmten Stab in der ausgestreckten linken Pfrte haltend, ist als Hüterin von sechs Gänsen gedacht; das siebente kleinste Ganschen trägt die Katze auf dem rechten Vorderarme. Die Aegypter waren im Allgemeinen heiteren, ruhigen und gutmüthigen Wesens; beißender Spott lag ihnen fern; und so wird es erklärlich, daß sich.außer den oben beschriebenen Papyri keine weiteren Belege in ihrer Literatur sinden, die auf eine besondere Bcvorzugung der Satire deuten könnten. Nur im privaten Briefwechsel der Schreiber", d. h. der gelehrten Staatsbeamten. tritt der Spott hin und wieder drastisch zu Tage, wenn es sich um Urtheile über Amtsgenossen handelt, die sich unverdienter Weise der besonderen Gunst ihrer Vorgesetzten erfreuen oder gar durch die Huld Seiner Majestät des Königs beglückt werden. So berichtet ein Schreiber in einem Briefe (Papyrus Anastasi 1. nach Lauth) an seinen entfernten Freund, der sich wahrscheinlich nach einigen ihm bekannten Persönlichkeiten am Hose erkündigt. hat: Laß mich Dir das Bild des Schreibers. . . . entwerfen, die Leuchte des öffentlichen Getreidespelchers. Er hat nie gearbeitet, sich nie beeeilt seit seiner Geburt; jede onstrengende Thätigkeit ist ihm ein Greuel, er kennt sie nicht, er ruht wie ein Todter im Grabe, aber seine Glieder sind gefund, doch die Furcht des guten Gottes leitet ihn nicht. Kasa, der Aufseher der Heerden, der Wortschwall. Amenuahsu, der hundertjährige, er ist noch immer frisch und munter. Nacht, der Weinsack, an dem Du Dich so manches Mal belustigt hast? Ich will Dir auch sprechen von dem Besehlshaber der Söldlinge in Anu (Heliopolis). klein war er ein Käfer, groß wurde er zum Bocke; er befindet sich sehr wohl in seinem Hause. Du hast ja bei ihm gewohnt. Hast Du nicht den Namen des . . . . gehört, des Schlemmers, der aus dem Boden hinkriecht und sich nicht sattigen kann, die Kleiber zerlumpt? Siehst Du ihn Abends in der Dunkelheit. so sagst Du: Ein Enterich ist mehr werth, als er!" Und doch ist er ein Ofsicier. ein Beamter derWage. .. Bläst man ihn an, der doch ein Ofsicier ist. so fällt, er hin, wie ein Blätterschwärm.". . . . Gewissenhaft. Gendarm Peilich wird Augenzeuge einer Thier quülerei und erstattet hierüder folgende Anzeige: Gestern Abends fünf' Uhr sah ich, wie der Kutscher Lorenz Meier in der Schmiestraße sein Pferd durch Schlage roh mißhandelte. Ich notirte ihn deßhalb und setzte meine Patrouille fort. Nach einiger Zeit aber fiel mir ein. daß ich nicht das geselich vorgeschrieben? Aergerniß an seiner Hand lungsweife genommen hatte. Ich kehrte deßhalb um, traf ihn glücklicher Weise noch bei der That, nahm daran daZ Aergerniß und ging nun auf die Sta lion." Natürlicher und unnatürlicher Tod. Ein ungarisch?? Dorsbürgermeistcr berichtete dieser Tae an seine vorgesetzte Behörde wörtlich Folgendes: Hierorts starben im Lause dcs verflossenen Monats zwölf Perso nen. Eine Person, ein Selbstmörder, starb eines natürlichen Todes, die übrigen Elf standen in ärztlicher Be Handlung." Nicht im Verhältniß. Bankier (zu feiner Frau nach der Soiree): Du, Frau, der Dichter Bitterl hätt' auch mehr Wiß' machen können für den Appetit!" Vorsichtig. A: Warum nehmen Sie denn eigentlich hren Jungen nrcht mehr mit zum Bi? B: Ter geht jetzt schon in die Schule, und la konnt' er am End' nachzahlen, wie viel ich trink !"

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