Indiana Tribüne, Volume 16, Number 311, Indianapolis, Marion County, 30 July 1893 — Page 2

2

i

Die Sagentorli in Tirol.

Die Sagenwelt in Tirol hat wie Keiner der im vorigen Jahre verstor fccne Ignaz von Zingerle belauscht ; seine Sagenschätze sind bei Wagner in Innsbruck bereits in zweiter Auflage erschienen. Eine hervorragende Rolle in dieser Welt spielen die Saligen Fräulein. Sie thun Niemandem, der ihreWege zufälligerweise kreuzt, etwas zu Leide, sind im Gegentheil dienstfertig und den Kindern sehr gewogen. Ihnen helfen sie gerne im Walde Holz sammeln, und solches Holz brennt noch einmal so gut wie anderes. Im Winter treten sie wohl in einen Bauernhof und helfen spinnen, doch darf man. sie für ihren Fleiß nicht bezahlen,' sonst kommen sie niemals wieder. Jahrelang standen manche von ihnen in Diensten des einen oder anderen Bauern. Auf den Höfen, wo Salige Leute hausten, war immer das Glück daheim Schenkten sie Jemandem einen Knauel Wolle oder einen Laib Brot, so nahm derselbe kein Ende. Der Zauber hörte erst auf, wenn der Besitz von dem Segen dieses Geschenke zu anderen Leuten sprnch. Zuweilen verliebte sich ein Saliges Fräulein in den jungen Aelple?, in dessen Haus sie Dienste that. Sie . heirathete ihn auch unter der Aedin- j guug, daß er Niemandem ihre He: tunft verrathen dürfe. Verrieth er sein Geheimniß, so verschwand sein Weib für immer. Selbst ihre Kinder -nahm die Salige" mit sich. In' Schluderns wohnten einst in einer Berghöhle dreiWaldfrauen, welche den Menschen höchst feindlich waren. Erblickten sie einen Burschen im Walde, so überfielen sie ihn und schleppten ihn mit sich in ihre Höhle. War er fleißig," so schreibtZingerle. so fütterten sie ihn, bis er recht fett war, zeigte er sich jedoch faul und ungeschickt, so wurde ihm gleich auf einem Baumstumpf "der Kopf abgehauen." Auf den Ritten, der beliebten Sommersrische bei Bozen, wird viel von dem Norgengeschlecht erzählt. Auch die Norgen verdingen, sich als Mägde und . geben ihren Hausleuten manchen wei- ' sen Rath. In Wind und Wetter, mit Backen und Säen wissen sie Bescheid. Nörglein gab es um Mean, in Ulten, zu Saltaus inPasseur und inGratsch. Auch im Sarnthal ist das kleine j Männlein im grauen Gewände mit dem langen, grauen Bart wohl bekonnt. Im Sommer treibt sich das Nörglern auf den Almcn umher, zur Herbstzeit 'aber kommt es herab zu den Höfen. Uebrigens erscheinen die klei- j nen Leute bald da, bald ' dort. Man ! kennt sie als Mühlknechte, als Ziegenund Kuhhirten, als fleißige Gehilfen des Bauers auf dem Acker, ja in den mannigfaltigsten ' Berufszweigen. Natürlich tritt auch in den tiroler Sagen' der Teufel in den verschiedensten Formen auf. Er erscheint als schmukker Jäger oder als Almer, er zeigt sich als Kartenspieler und holt sich schließlich '.den fluchenden Falschspieler ; er ist ein flotter Tänzer, der in der Nacht nach .dem Tanze seine Tänzerin abfjolt;er findet sich als Spielmann aus Kreuzwegen in der Christnacht ein. Auch Wildschütz und Junker ist der Tschuggan", der Satan, in den einzelnen Berggegenden. Im Oberinnthal. unweit Landeck, erscheint er sogar ls Baumeister, der einem armen Bauer gegen Berschreibung seiner Seele ein stattliches Haus in einer einzigen Nacht bauen will. Aber als dem Bauer bei dem wilden Lärm zu nächtliche? Stunde immer ängstlicher zu Muthe wird, vertraut er den schlimmen Pact seinem' Weibe, das rasch mit einem erlösenden Rathe bei der Hand ist. Die Bäuerin zündet flugs ein Licht an, geht in die Küche und füttert die Hennen. Als. , der Hahn die Helle sieht, meint cr den Morgen bereits angebrochen und kräht. Der Teufel glaubt, der Hahn verkünde wirklich bereits den jungen Tag und er habe somit die Frist versäumt. Er läßt den Thürstock fallen, den er eben durch dieLuft brachte, und fährt davon. Dem Bauer blieb das nahezu ausgebaute Haus, ohne daß er "dem Tschuggan" dafür seine Seele schuldig geworden war. ' P o v'U l ä r 'H n 0 g e w o r den als ?.'!ittcl, um kleine, in das Auge gelangte Körper zu entfernen: jlreb5aiia.cn oder Krebssteine. steinige weiße oder geldliche Körperchen, welche sich zwischen den Magenhäuten des Fluß lrebses bilden und bei der Häutung ausgeworfen werden, so daß sie zu dieser Zeit in den Behältern, worin man Krebse bält, sich .in Menge vorfinden. Sie sind linsengroß oder größer, auf einer Sei:e konver, auf der andern konkav wie ein Näpfchen und bestehen aus-lohlensaurem und phosphorsaurem Kalk nebst Gallerte, die beim Auflösen irr Sternchen in Salzsäure zurückbleibt und die ursprüngliche Form bcibehält. Sie dienen fein gepulvert gleich den Austcrnschalen zur Tilgung der Magen säure und theilweise noch officinell und cu den Waarenlisten zu finden. Man bezieht sie au3 Südrußland und Ealizien. Macht der Gewohnheit. Professor der Botanik (in einer hsheren Töchterschule): .Fräulein Jda, was schließen die Blumenblätter Alles ein?" (Fräulein Jda schweigt.) Professor: Lehmen Sie doch einmal eine der Blumen hier zur Hand, pflücken Sie die einzelnen Blätter ab und sehen Sie zu, waö ' sich dann herausstellt!" Fräulein-' Jda zupft Blatt für Blait bedächtig ab und haucht erröthend: (5? liebt mich!" . Immer o e v l a g t. Sag" Nazi, kriegst Da fleißig Prügel von Deinem Meister?' .Gar keine. Wenn er arbeitet, hat er dazu leine Zeit, und wenn er nicht arbeitet, hat er dazu auch keine Zeit weil ihn da die Meisterin prügelt!"

Für unsere Fra Von M. 9?. Die Ehe. Daß sie starb, war die e'nzige Sünde ihres Lebens," schrieb Clau. dius Hilarius auf das Grabmal sei ner Gattin Prisca. Wie unendlich glücklich müssen d Beiden mit einander gelebt, und wie schade ist es. daß sie uns das Recept zu ihrer Glückseligkeit nicht hinterlassen haben. Oder gibt es überhaupt kein allgemein giltigesRecept, sondern nur gute Rathschläge, welche in dem einen oder anderen Falle zu dem gewünschten Resultat führen, unter gewissen Umständen jedoch fehlschlagen ? Da lasen wir neulich irgendwo eZnen der vielen, wie die Brombeeren billigen Aphorismen, man solle in der Ehe seine Schwächen gegenseitig geduldig ertragen ; nie vergessen, daß man selbst aller rnöglichenUntugenden voll ist und nichts Unmögliches verlangen, sondern sein eheliches Leben eben aus dem Holze schnitzen, welches man hat, und nicht 'demjenigen, welches man sich wünscht. Nun. dcrRath ist ja. um eine englische Phrase zu gebrauchen, gut genug so weit, wie er geht, läßt aber einige Grundbedingungen für eine gute Ehe total unerwähnt. Wie bei der Einrichtung e!n?s Gebaudes, sei es nun eines Palastes, eines größeren Wohnhauses oder eines bescheidenen Hüttchens, das Fundament die Hauptsache ist, so tommt es beim Abschlüsse einer Ehe in allererster Linie darauf an. daß Braut und Bräutigam, die Stutzpfeiler des jungen Haushaltes, sich gegenseitig in inniger und unerschütterlicher Liebe' ergeben sind ; in Bezug auf Temperament, Herzens- und Gemüths - Eigenschaften gut zu einander passen und sich des Ernstes des Schrittes, den sie thun wollen, sowie der Thatsache, daß das Leben mehr Dornen als Rosen enthält, vollkommen bewußt sind. Nun lege man einmal diesen Maßstab an die tagtäglich vor unseren Augen geschlossenen Dutzendheirathen Ehen, richtige Ehen kann man diese Bündnisse ja nicht nennen und sehe einmal zu, was man da findet : Statt einer innigen Liebe eine rasch verfliegende Leidenschaft oder gar nur eine Laune, welcher natürlich auch jegliche Rücksicht ans Temperament und sonstige CharatlQNgenschaften qevpfert wird. Statt 'des Bewußtseins des Ernstes der Ehe brennen ein Dutzend auf je ein Hundert dieser Ers" bei der ersten Schwierigkeit, die sich erhebt, wenn möglich auch noch mit einer anderen, durch und ebenso viele Sies" gehen zurück zu ihren Eltern oder ihren Verwandten. Oder, was beinahe (so namentlich in Bezug auf das böse Beispiel für .die Nachkommenschaft) noch schlimmer ist, die jungen Leute bleiben beisammen, leben wie Hund und Katze. Geht es dann gar nicht mehr, so kommt natürlich die Scheidung mit all' ihren traurigen -Folgen für die Kindcr. Man hat als Mittel gegen die Ehemisere empfohlen, die gesetzliche Scheidung zu erschweren etc. Wir - halten nicht viel davon. Diejenigen, welche auseinander laufen wollen, laufen doch, nur dann zu allem anderen Elend auch noch ohne jegliche gesetzliche Regelung der Finanzverhältnisse für die geschiedene Frau und die der Ehe entsprossenen Kinder. Und zwei ungeberdige, sich einmal durchaus nicht vertragende Menschen mit aller Gewalt in' ein und denselben Käsig eingesperrt zu halten, thut auch nicht gut. Wenn schon gesetzlich eingegriffen werden soll, so erschwere man lieber das Heirathen und führe da eine strenge Controlle über die Einwilligung der Eltern bei Minderjährigen, Snbsistenzmittel für die' zu erwartende Familie etc. , ein, dann wird die Zahl der Scheidungen ganz von selbst geringer werden. So wie die Sache jetzt steht, wo jeder halbwüchsige Junmit cinem kaum hinter den Ohren trockenen Mädchen von irgend einem unserer hochwcisen und gestrengen Rathsherren" etc. ohne jegliche .eingehende Fragen und Ceremonien mit den Worten : So, jetzt seid Ihr ein Paar und nun seht zu, wie Ihr zurecht kommt," in das Ehejoch gespannt ' werden kann, betten die unglücklichen Ehen, die Gründe der vielen Schei- : düngen, nicht vermindert. Uebrigens : ist über das Capitel Scheidungen" noch so vielAnderes zu sagen, daß wir es, arm nicht von unserem Thema abankommen, lieber auf ein andermal zurücklegen wollen. I Die Hauptursache gegen allzu sruh . geschlossene oder aus sonstigen Gründen verwerfliche Heirathen liegt überHaupt nicht in der Gesetzgebung, der Staat kann nicht überall mit der Ruthe und dem PoNzeibüttel hinterher sein und es wäre traurig, w:nn es je dazu käme sondern in der Familie. Die Familie, das Hans der Eltern, ist der Platz, wo die jungen Leute von früh auf so viel persönlichen, moralischen Halt bekommen und unter einer, nicht grausam strengen, aber doch wohlthätig ernsten Controlle gehalten werden sollen, daß sie beim Eintritt in die sogenannten Flegeljähre nicht allzu sehr über dieStränge schlagen. ' I Es ist nicht ganz leicht, dies durchzusetzen, und doch beweist das Beispiel von Hunderten, ja taufenden FamiUltn, in welchen auch ohne pedantischen Rigorismus noch gute deutsche Zizcht herrscht, daß es geschehen kann, wenn man sich nur die nöthige Mühe gibt. ! Was die Ausrechterhaltuna in de

mtistenFallen xm schwierigsten macht, ist der Umstand, d.ife die Kinder schon nach kurzem Aufenthalt in diesem Lande die englische Sprach: sozusagen mit der Luft aufschnappen, was die Eltern nicht können. . , Gerade auf sein Englisch - aber bil det sich Jungamerika außerordentlich viel ein. Im Besitze desselben glaubt es, ein Recht zu haben, sich einen jungen amerikanischen Gentleman, beziehungsweise. eine junge amerikanische Lady zu nennen und auf die"old Dutch kolks", als an Bildung und socialer Stellung tief unter ihnen stehend, herabsehen zu können. Dieser Ueberhebnng junger Herrschaften, die sich bei laxer Erziehung schon beim kleinsten Dreikäsehoch zeigt, muß vor Allem ein Ende und ihiien sehr deutlich und energisch be greiflicb gemacht werden, daß sie keine "1(1 I) iteh foiks'Y sondern gute deutsche Eltern besitzen, deren BeseHZen sie gehorchen müssen, ob sie dies als junge amerikanische Ladies" nun gleichen" oder nicht. Ein sehr gutes Erziehungsmittel für diesen Zweck ist, streng darauf zu halten, daß innerhalb der eigenen vier Mauern Deutsch und zwar ein rnöglichst gutes und reines Deutsch gesprochen wird, und auch diejenigen Besucher, welche einfältiger Weise ihre deutsche Abstammung zu ' verleugnen suchen, speciell zu bitten, mit den'Kindern deutsch zu sprechen. Es ist wirklich, um sich vor Lachen den Kopf abzubeißen, wenn man so zuweilen in urdeutsche Familien

kommt, die sich so gänzlich (oder gänslich) aus die Yankees spielen und ihre eigenen Nasen so weit ans den Gesichtern schneiden, daß sie sagen, man könne Dieses oder Jenes nicht thun, weil es allzuDutch" aussehen würde. Es soll uns wundern, ob es einen Amerikaner oder Engländer gibt, der sich seiner Muttersprache schämt ! Hat man die Jugend erst einmal so weit, daß sie sich . in diesem Kardinalpunkte unbedingt fügt und seine Eltern nicht mehrllS "old Dutch folks' betrachtet, sondern sie achtet und ehrt, oder, noch besser, hat man es nie so weit kommen lassen, daß die elterliche Disciplin gelockert wurde, so kommt der Gehorsam m den meisten übrigen Dingen ohne besondere Schwierigkeit nach. Verbietet die Mutter, daß die Miß schon mit 15 oder 16 Jahren einen Beau hat, auf den noch ein halbes Dutzend folgen, ehe sie ernstlich wählt, I so wird das sonst so gehorsame Töchterkein wohl auch in diesem Punkte ohne weitere Zwangsmittel nachgeben. Ebenso wird es sich ein sonst wohl erzogener Jnnge kaum einfallen lassen, sich ohne jegliche vorhergehende Berathung mit den Eltern zu verloben, noch ehe er sich ein wenig in der Welt umgesehen hat. Matbcmatische Regeln, die auf alle Fälle passen, lassen sich hier nicht aufstellen. Die Liebe, vorzeitig entwikkelte Charaktereigenschaften, früher Lebensernst und eine Unzahl von kleineren Ncbenumsiänden fügen es zuweilen, daß eine Ehe, von der man nichts besonders Gutes erwartete, ausgezeichnet geht, während eine andere, von welcher man das Allerbeste erhofft hatte, mit einem ganz gründlichen Fchlschlag endet. In den meisten Fällen wird jedoch das Schicksal der Ehe durch ein: möglichst reiflich überlegte und gründliche gegenseitige Prüfung der Charaktere der künftigen Ehegatten entschieden. Holt man schon in' gewöhnlichen Fällen, Geschäfts Angelegenheiten etc. gern den Rath der Eltern ein. der be- ; sten Freunde, die man hat, um wie viel mehr sollten sie die ersten Vertrauten sein, wenn es sich um eine so wichtige Sache, wie die Ehe. handelt. Es ist ja leider wahr, daß zuweilen Kinder fast mit Gewalt zu Geld-, Speculations- und Ambitionsheirathen überredet, oder richtiger' gesagt, gezwungen werden. Derartige Fälle sind jedoch in der Minderheit und außerdem sorgt Jungamerika für gewöhnlich schon dafür, daß es keine allzu großen Opfer bringt, ohne in der einen oder anderen Weise seine eigene Rechnung dabei zu finden. Sicher ist, daß , die weitaus überwiegende Anzahl der Ehen, die mit dem vollem Sea.cn der beiderseitigen Eltern zu Stande gekommen ist. einen guten Verlauf nimmt, walrrcnd man dies von den anderen, zu welchen gewissenhafte Eltern ihre Einwilligung verweigern müssen, mcht behaupten kann. Darum, Ihr jungen Köpfchen, die Ihr so schnell fertig seid mit dem Worte, das schwer sich handhabt, wie te Messers Schneide", hört auf oie besonnenen Grauköpfe, die so viel mehr von der Welt gesehen haben, als Ihr, und die alten, aber für Euch imrncr noch in heißer Liebe glühenden Herzen der Eltern, ehe Ihr den Sprung in das Dunkle wagt - de' Wahn ist kurz, die Reu' ist lang. Anstandshalber. Uhr. macher (zum neuen Gehülfen): Haben Sie denn Herrn Müller's Wanduhr nicht mitgebracht? Gehülfe: Au. der hat nur eine Kleinigkeit gefehlt, das habe ich gleich an Ort und Stelle repa rirt. Uhrmacher: Unsinn, wenn das noch einmal vorkommt sind Sie ent lassen, Sie haben mir ja daourch einen Schaden von mindestens zwei Mark verursacht. So kann ich doch anstandöhalber nichts verlangen! Die e i n z i g c E n t s ch u l 0 gung. Lehrer: Ich kann nicht dulden, Fritz, daß Du eine halbe Stunde zu spät kommst, weil Ihr Schweioeschlachten habt! Die einzige Entschuldigung wäre es gewesen, wenn Tu recht viel hättest tragen müssen, so z. B. ein paar große Würste! Verstanden?!

Fische alö Musikanten. Von Tr. Ludwig Staby.

Stumm wie ein Fisch" ist ein alteS Sprichwort, das oft angewendet wir) und jene längst feststehende, unumstößliche Thatfache in sich schließt nach der Meinung der meisten Menschen. Ist dem nun in der That so ? sind alle Fische wirklich stumm ? Wenn man unter stumm das Fehlen einer eigentlichen Stimme, d. h. einer Lauterzeugung durch Luftbewegungen in der Lunge und Luftröhre versteht, dann hat das Sprichwort allerdings Recht, da den Fischen diese beiden Organe fehlen ; aber so eng dürfen wir den Begriff stumm nicht fassen, denn andere Thiere, z. B. die Jnsecten, die auch keine Stimme ähnlich den höheren Thieren haben, wird Niemand stumm nennen, da sie auf die , mannigfachste Weise die verschiedensten Laute und Töne hervorbringen, ich erinnere nur an das Brummen der Hummeln und das Zirpen der Grillen und Cikaden. Wie unter den Jnsecten, so gibt es auch unter den Fischen einige Arten, die befähigt sind. Laute oder Geräusch: hervorzubringen und wie bei den Insecten die verschiedenartigsten Bildun gen zur Erzeugung dieser Laute dienen, so auch bei den Fischen, die ebenso wie die Jnsecten. im Gegensatz' zu den höheren Thieren nicht Vocal- sondern Instrumentalmusik machen. Die Musikanten unter den Fischen, die also das alte Sprichwort zu Schanden machen, wollen wir etwas näher betrachten. Unter den Fischen des süßen Was. sers ist die Kunst der Musik sehr wenig und nur in der unvollkommensten Form verbreitet. Karpfen, Welse, Aale. Barben und einige andere Süßwasserfische lassen bei Beunruhigung gewisse undeutliche Töne hören, die wahrscheinlich dadurch entstehen, daß aus der Schwimmblase Luft in die Schlundröhre ausgestoßen wird. Der allbekannte, in jedem schlammigen Gewässer vorkommende Schlammbeißer, der unter dem Namen Wetterfisch oder Wctteraal in vielen Gegenden als Wetterprophet in Ansehen steht, hat es in der Hervorbringung von Tönen schon etwas weiter gebracht. Dadurch, fcaß der Darmkanal des Fisches auch als Athmungsorgan functionirt, athmet er größere Mengen Luft aus einmal ein, beim Ein- besonders aber beim Ausathmen dieser Luft, die in einer Reihe von Blasen aus demDarm entweicht, wird ein murksendes oder kollerndes Geräusch verursacht, außerdem läßt der Schlammbeißer aber zuwellen noch einen hohen, pfeifenden Ton hören, der ebenfalls durch Auspressen von Luft entsteht. Ein eigentlicher Tonapparat ist unter den Süßwasserfische nur bei einem der Familie der Welse angehörenden Fisch festgestellt worden. Dicht an der Wirbelsäule, in der'Nähe des Kopfes, besitzt dieser Fisch einen auf. beiden Seiten fein geriffelten Knochen, der zwischen zwei mit Einschnitten versehenen Knochenplatten sich bewegt und bei jeder Bewegung einen scharfen Ton hervorbringt. Erst in der unendlich reichhaltigen Fischfauna des Meeres finden wir die eigentlichen Musikanten ; einer der bekanntesten ist der im Atlantischen Ocean, im Mittelmcer und in der Nordsee häusige Knurrhahn, ein etwa 50 Ctm. langer, prächtig rosenroth und weiß gefärbter Fisch mit schwarzen, innen blau gesäumten Brustflossen, der sich durch drei freie Strahlen an jeder Seite vor. den Brustflossen, mittelst deren er sich auf dem Boden sortbewegen kann, auszeichnet. Der hübsche, absonderlich gestaltete Fisch, der häusig in Seeaquarien, so z. B. im Berliner, zu sehen ist. wird auch Meerkrähe, Meerkuckuck oder Meerrabe genannt, da er sowohl im Wasser, als auch gefangen im Netze einen sonderbar grunzenden oder knurrenden Ton von sich gibt, den er durch Aneinanderreiben seiner Kiemendeckelknochen erzeugt. Bei stillem, ruhigem Wetter versam meln sich im Mittelmeer in der Nähe der Küsten oft große Schaaren KnurrHähne, die dann ein weit vernehmbares Knurren hören lassen, so daß Fischer und Sportleute dadurch herbeigelockt werden und mit Netzen und Gewehren viele von ihnen erbeuten.' ' Am zahlreichsten sind die Musikanten in der Familie .der Umber- oder Schattenfische, die fast alle im Stande sind, Tone . hervorzubringen. Der Adlersisch läßt ein ähnliches Geräusch, wie der Knurrhahn hören, es ist aber bedeutend stärker als bei jenem, wird auf sehr weite Entfernungen vernommen und hört sich beinahe wie ein Brüllen an. An den Flußmündungen der italienischen Küste versammeln sich die Adlerfische häusig und lassen auf weithin ihre Musik erschallen, es ist n?SnIick daft aus Krund dikserlTan- .. I 7s U " ' ccrte bei den Alten die Sage vom Gesänge der Sirenen entstanden ist, die gerade an den Küsten, an denen Adlerfische häufig find, ihr Unwesen getrieben haben sollen. Wie laut die Töne, welche die Fische hervorbringen, sind, gsht schon daraus- hervor, daß die Fischer, welche dem äußerst schmackhaften Fisch eifrig nachstellen ihr Ohr auf den Rand ihres langsam 'dahin gleitenden Fahrzeuges legen und nun die Töne noch wahrnehmen, wenn auch der Fisch sich 10 bis 12 Meter unter der Oberslache befindet.' .Ein Verwandter des Adlersisches, fc,? TmmmTr nhr rnmmTftfrf tft IVW vv wv w tttv vty, ftj der bedeutendste unter den Fischmusikanten, da seine Musik sich sowohl durch die Stärke des Tones wie auch durch einen gewissen Wohlklang aus zeichnet. Der zwei bis zweiundein halb Meter Länge erreichende Fisch ist sehr weit verbreitet, da er im atlantischen wie im indischen Ocsan-vor-I kommt, sowohl an. den Küsten Amenlas, wie in indischen Archipel hat

man schon seine Musik gehört, welche Aehnlichkeit mit den Klängen einer Orgel haben . soll. Alexander von Humboldt vernahm auf seiner großen Reise in der Südsee das Trommeln und die Besatzung seines Schiffes wurde auf das höchste dadurch erschreckt, da sie sich das sonderbare, aus dem Wasser kommende Geräusch nicht erklären konnte und auch der große

Forscher, die Ursache desselben nicht kannte. Ein englischer Officier, de: China bereiste, belauschte ebenfalls ein Concert der. Trommelsische, das er mit Glockengeläute, Harfenklängen und Orgeltönen vergleicht. Begierig, die Ursache dieses Freiconcerts zu entdekken, trat ich." so berichtet er, in die Kajüte und fand den Lärm, von dem ich mich bald überzeugte, daß er aus dem Schiffsboden kam, zu einem vollen und ununterbrochenen Chorus ange-; wachsen." Ein anderer Reisender, Präger, berichtet von einem solchen Concert folgendermaßen : Im April 1860 lagen wir auf dem Pontiniak, dem größten Flusse der Westküste Borneos. Hier hörten wir zur Fluthzeit ganz deutlich Musik, bald höher, bald tiefer, bald fern, bald näher. Es klingt aus der Tiefe herauf, wie Sirenengesang, bald wie volle, kräftige Orgeltöne, bald wie leise Aeolsharfenklänge. Man hört es am deutlichsten. ' wenn man den Kopf in s Wasser taucht und unterscheidet leicht verschiedene' zusammenklingende Stimmen. Diese Musik wird, wie die Eingeborenen erzählen und sorgsame Forscher bestätigen, durch Fische , hervorgebracht." Wie bringen nun diese außerordentlichen' Tonkünstler ihre Musik zu Stande ? Früher glaubte man, daß dabei die großen Schlundzähne eine Rolle spielten, neuere Forschungen haben aber ergeben, daß dies ein Irrthum war und daß die Töne höchstwahrscheinlich in der Schwimmblase, die mit vielerlei Nebenkammern versehen, ist, besitzt nämlich eine häutige Scheide-; wand, die wie ein Trommelfell quer , durch die Blase gespannt ist und die-' selbe in zwei Theile trennt. Diese Scheidewand hat ein Loch und man! nimmt nun mit größter Wahrschein- i lichkeit an, daß, wenn der Fisch durch . dieses Loch Luft aus dem einen Theile der Schwimmblase in den anderen' preßt, das Trommelfell in Schwin- i gungen versetzt wird, wodurch die' Töne, denen die Schwimmblase noch als verstärkender Rosonnanzboden dient, hervorgerufen werden ; gewiß ein höchst 'eigenartiges Musikinstru-; ment. Professor Möbius, der eben- j falls im indischen Ocean trommelnde , Fische, aber ganz anderer Art beobachtete, konnte bei diesen eine ganz andere ' Tönerzeugung constatiren. Der be-1 treffende Fisch gehört zur Familie der Hornsische und Möbius konnte nach-! weisen, daß ein mit dem Schlüsselbein in Verbindung stehender Knochen der Tonerzeuger ist. Der Knochen ist an einer Stelle mit dem Schlüsselbein gelenkartig verbunden, so daß die beiden Abschnitte wie zwei Hebelarme wirken. Wird nun der längere Hebelarm durch die Seitenmuskeln des Rumpfes bewegt, dann gleitet der kürzere Hebelarm auf dem Schlüsselbein hin und her und erzeugt dadurch einen knarrenden Ton. Da sich nun gerade unter dieser Stelle die Schwimmblase besinn det, so wirkt dieselbe als Resonnanzboden ; die äußere Haut, die an der Stelle sehr dunn und biegsam ist, wird ebenfalls mit in Schwingung verseht und pflanzt so den Ton nach autzen fort. Bei anderen Fischen mag d Ton auf andere Weise, zum Beispiel durch Vibration gewisser Muskelpartien hervorgebracht werden,' sicheres ist darüber noch nicht bekannt und dem Forscher steht hier noch ein weites Feld offen. Fragen wir uns nun, zu was die Töne und Geräusch: der letzterwähnten musikalischen Fische dienen sollen, so ist es unzweifelhaft, daß sie denselben Zweck haben wie der Gesang der Vögel und das Musiciren der Jnsecten, nämlich den, die Weibchen anzulocken und sie durch Concert zu erfreuen. Es müthet uns gewiß seltsam an, dieselbe Erscheinung, die wir bei Vögeln und Jnsecten kennen und die. uns im Gesänge der Vögel selbst zu einer Quelle reinsten Genusses wird, in dem Reich der Fische wiederzufinden und wenn wir auch erst wenige Musikanten unter denselben kennen, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß es deren noch viele gibt, deren Musik aber so leise ist, daß sie nicht über die Oberfläche des Wassers hinausdringt. Vielleicht hat Carus Sterne Recht, wenn er sagt : innerhalb der krystallenen Wölbungen und für die darin lebenden Thiere mag es da unten ein ewiges Singen, und Klingen geben, und was dem Außen stehenden als schweigender Schooß erscheint, ist vielleicht eine niemals ruhende Flulh von Tönen, eine ewi Symphonie. - 1 Der grobe Brief. Der Michl hat heut' aus der Stadt An' Brief 'kriagt. der ihm g ärgert hat. Der Kronawirth, der hat e'ahm a schrieb n: .Die Zech' bist längst scho schuldi' blieb'n. Wennst Mi' net glei' zahlst, muaß i klag'u!" Der Sakra der! Dem will i's sag'n! Dem schreib i'. daß er's sicher woaß: Umfunst machst net an' Michl hoaß. Grob werd der. Brief, daß er si' biagt An' so oan' bat er no' net kriagt!" Der Michl bolt's Schreibzeug auf der Stell' Und schreit: Hörst, Weib' diktir' mir'n schnell!Bescheiden. A.: Ihre Frau kennt wohl auch das Sprichwort nicht: Reden ist Silber. Schweigen ist Gold? B.: Sie kennt's jchon, aber in dieser Hinsicht spielt sie die Bescheidene!

Naturwissenschaftliche Plaude reien.

9?m"rtMfJMrfitn"fi siTiStntrm V V j V . f Vy V IbMttV Wenn heutzutage ein Splitter oder ein krankhafter Auswuchs der Schädelknochen auf das Gehirn drückt oder wenn ein anderer localistrter Krankheitsproceß an den Hirnhäuten es erforderlich macht, so schreitet der Arzt zur Trepanation, d. h. er legt die Schädelknochen bloß und schneidet mit einem besonderen Instrument in Form einer kleinen Kreissäge ein Stück vom Schädelknochen aus. Diese Operation gilt bei uns. wenn auch nicht als an sich gefährlich, so doch als eine der weniger landläufigen, die in der Regel nur von chirurgischen Specialisten gemacht wird. Man sollte dielleicht denken, sie sei eine Errungenschast der Neuzeit, aber sie bildet in Wirklichkeit ein schon altes Inventarstück der Medicin, theilweise sogar der Volksmedicin. Hippokrates wandte vierhundert Jahre vor Christus die Trepanation nicht blos gegen Beschädigungen der Schädelknochen an, sondern auch gegen schweres Kopfweh und andere Zustände, wegen deren kein heutiger Arzt einen solchen Eingriff vornehmen würde. Bei den Montencgrinern soll bis in die letzte Zeit die Trepanation ein sehr gewöhnliches Mittel gegen Kopfschmerz gewesen sein, und es wird behauptet, daß einzelne Individuen die Operation bis zu sechsmal überstanden haben. Die etwaige Verwunderung darüber muß aber verschwinden vor den weit erstaunlicheren Thatsachen, welche durch die anthropologisch-archäologi-schen Forschungen der letzten zwanzig Jahre an' Licht gekommen sind. Im Jahre 1874 legte Brunieres der französischen Raturforscherversammlung einen Schädel vor, den er in einem Dolmen bei Marveljos gefunden hatte und itt dessen innerer Höhlung sich ein Stück von einer fremden Schädelplatte vorfand. Dieser fremde Schadeltheil konnte nicht durch Zufall an seine Stelle gelangt sein, er mußte vielmehr dem Tdten von seinen Angehörigen mit Absicht beigelegt worden sein, und da war kaum etwas anderes anzunehmen, als daß er den Zweck hatte, als Amulett zu dienen. Die Vermuthung, daß dem so sei, bestätigte sich bald, da man eine ganze Anzahl von ähnlichen Schädelstückchen fand, die mit Lochern zum. Durch ziehen eines Fadens versehen waren, also offenbar die Bestimmung hat. ten, umgehängt zu werden. Die nähere Besichtigung zeigte, daß die Schädelamulette häusig an einer Stelle ihres Randes eine glatte polirte" Stelle hatten, während der übrige Rand die gewöhnliche, halbscharfe Rauheit eines mit rohen Mesfern geschnittenen Knochens aufwies. Diefe anscheinend polirte Stelle zog die Anfmerksamkeit desAnthrovo logen Broca auf sich, er untersuchte sie näher und bemerkte alsbald, daß ihre Glätte nicht von künstlicher Politur, ' sondern von natürlicher Rarbenqewebsbildung herrühre. Das Gewebe, der Knochennarben ist mit solcher Sicherheit zu unterscheiden, daß an der Richtigkeit von Broca's Behauptung kein Zweifel bestehen kann; die Schädelamulette sind ohne Frage an einzelnen Stellen vernarbt. Wenn dem aber so ist, so ist auch der Schluß unvermeidlich: Vernar bung findet nur an lebenden Knochen statt, soweit also ein Schädelstück Vernarbung zeigt, muß es aus dem Schädel emes lebenden Menschen ge schnitten worden sein, bzw. es mnß einen Theil vom Rande eines Loches gebildet haben, welches in den Schädel ei?.es lebenden Menschen geschnitten wurde. Die fraglichen Amulette sind, wie gesagt, nur an einer Stelle ihres Randes vernarbt, der übrige Rand ist rauh, also ist die zweite Alternative die richtige: die Amulette sind aus dem Schädel eines Menschen entnommen, der bei Lebzeiten ein vernarbtes Loch im Schädel hatte. Diese Löcher in Schädeln aus de? neolithischen Penode, denn um die bandelt es ich, yaven ncy nun in ziemlich bedeutender Zahl gefunden, theils .vernarbt, theils unvernarbt; im ersten Fall hat der Patient die Herstellung des Loches lange genug überlebt, um das Narbengewebe zu erzeugen im letzten ist er über oder bald nach der Operation gestorben. Und zwar läßt das Aussehen der Löeher gar keinen Zweifel darüber, daß dieselben nicht durch zufälligen oder feindlichen Stoß und Schlag, sondern durch eine langdauernde, sorgfältige und mühsame Operation hergestellt sind. Einzelne Schädel lassen die Art der Herstellung des Loches ganz deutlich übersehen. So fand z. B. der Marquis v. Bute vor einigen Jahren auf der Bute-Jnsel den Schädel eines jungen Weibes, der am Schläfenbein eine künstlich erzeugte Oessnung hat. Dieselbe ist flach. trichterförmig, vertieft sich nach der Mitte zu und durchbricht in der Mitte beide Knochenplatten der Hirnschale; sie ist also offenbar dnrch allmähliches Auskratzen des Knochens mit einem schabenden Instrument (Stcinmesser) 'aevobrt worden. Eine ganze . Anzahl ähnlicher . .P. i v r :i in cyaoei iii oeianni, uno jumu ii der Schluß ni chtabzuwisen. daß die Menschen der spätern Steinzeit bereits Trepanationen vorgenommen haben. Die Mehrzahl der Schädel, in denen sich unvernarbte Trepanationslöcher befinden, gehört Kindern an; das legt den Schluß nahe, daß die Operation meist an Kindern vorgenommen wurde, daß viele Kinder über derselben oder kurz nachher ae starben sind, so daß die Knochenwunde nicht Zeit hatte, zu vernarben, und , daß eine geringere Anzahl den Einariff überlebte: von den lediern ruh

ren dann die halb oder ganz auS' gewachsenen Schädel mit vollständiger

Vernarbung des Lochrandes her, die wir kennen. . Bei dem hiermit nachgewiesenen hohen Alter der Operation begreiftman, daß sie sich im Volke erhalten hat. Der schon oben genannte Hippotrates führte die Trepanation nicht nur selbst aus, er erwähnt sie auch als eine altbekannte Operation, und die Montenegriner stehen mit der Leich1 tl . 1 r t- s i r "grell, momil uc ü) veretven unterziehen, nicht allein da: einzelne Wilde", wie Alinos nnd Riqritier. trepaniren noch heute auf dieselbeArt, wie die Menschen der Steinzeit; sie schaben mittels eines scharfen Glasspliters ein Loch in den Schädel. Ein schon lange bekannter Schädel aus der Begräbnißstätte der Inkas i rn . 4.rin ungan zeig:, oan aucy Die ausgestorbenen Ureinwohner von Peru das gleiche Verfahren kannten. Ja. selbst bis in die neueste Zeit war es bei schottischen und franz'öüsckeni Schäfern üblich, Schafe, die an der Drehkrankheit litten, durch Aufschaben des Schädels zu trepaniren unddie Quese, welche die Drehkrankheit verursacht, durch das so gebildete Loch herauszuziehen. Die Operation komt letzt ab weil die Heerdenbesitzer es neuerdings praktischer finden, daö erkrankte Schaf sogleich' zu schlachten. Aber fie zeigt, wie die Volkspraxis der Gegenwart mit ihren Wurzeln bis in die neolithischen Zeiten zurückragt. Es bleibt nun noch eine Vermu thung darüber aufzustellen, weshalb unsere Vorväter grade Stücke von trepanirten Schädeln und womöglich (stucke mit einem Theil der Trepanationsmarke als Amulette verwendeten. Das ist nicht schwer, wenn man an die Bedeutung denkt, welche eine solche Operation in der früheren Zeit haben mußte. Sie wurde, wie ihr häusiges Auftreten an Kinderschädeln beweist, vornehmlich gegen Krankheiten des jugendliche Alters ausgeführt. Kopfschmerzen mögen unter diesen eine Rolle gespielt haben, mehr aber wohl die im Kindesalter so oft vorkommenden Krämpfe nnd verwandte Zustände. Je tiefer ein Volk in der Kultur sieht, desto mehr suhlt es sich von Geistern, besonders von Teufeln umgeben und beeinflußt; für die Medicin der Urmenschen waren die Krämpfe sicher nicht Folgen eines Gehirnreizes.sondern Wirkungen eines bösen Geistes, der das Kind in Besitz genommen hatte. Pater Aurelian hatte sich damals unter lauter College befunden, und wenn man ein Loch in den Schädel des Patienten bohrte, so geschah es sicher Nicht, um das Gehirn von etnem Druck zu entlasten, sondern um dem bösen Geist einen Ausweg zu verschaffen. Ueberlebte der Arme die schlimme Operation.so war er ein wandelndes Zengniß für die Macht des Priester-Arztes über die Dämonen, und besonders das vernarbte Loch in seinem Schädel diente als Beleg. Ein Stück von der Umgebung des Loches, durch die Vernarbung als echt gekennzeichnet, das konnte man jedem bösen Geiste entgegenhalten; es rief ihm zu: Hier ist em Zeichen von der Macht, die dich und deinesgleichen gebändigt hat und noch bändigt! Daher die Bevorzugung, welche die Theile von trepanirten Schädeln als Amulette genießen. Der Glaube an die Amulettwlrkung von Schädelstücken hat sich übrigens auch bis weit in's Mittelalter erhalten; noch im Jahre 1693 empfiehlt der Arzt Lemary als Mittet gegen gegen Kopflciden das Tragen eines Schädelstückes, am besten vom Schädel eines zungen Mannes, der gewaltsam zu Tode gekommen und nicht begraben ist". Und ferner wurde noch im 17. Jahrhundert als Mittel gegen Epilepsie empfohlen, ein Schädelstück des Patienten wcgznnehmen, entweder bis auf die Hirnhaut oder auch nur - von der äußern Knochenplatte des Kopfes. Das sind offenbare Ankläge an die uralte Praxis, der letztere vielleicht sogar an die Methode des Durchschabens, weil das Durchschaben eben die äußere Knochenplatte stärker angreift als die innere. Wenn das Verständniß sür die ursprüngliche Bedeutung der Trcpanation verloren war, konnte man leicht dahin gelangen, die innere Schädelplatte nicht blos in weiterer Ausdehnung als die äußere anzuschaben, sondern sie allein zu durchbrechen und die innere unversebrt zu lassen. Splitter. Wer von einem gold'nen Ringe Eold'ne Tage sich verspricht. O, der kennt den Lauf der Dinge. Kennt das Herz der Frauen nicht! Kindermund. Der kleine Hans (sieht Professor A., der botanistrt hat. aus emer Bank leicht emgeschlummert sihen): Du, Mama, wer ist denn das? Mama: Das ist der Naturforscher B. (Kleine Pause. Plölich beginnt der Prosen or zu schnarchen). Hans: Mama, forscht er jetzt? Fatales Zartgefühl. Möchten Sie mir wohl auf einige Tage fünfzig Mark borgen d Weis fällt Ihnen ein? 2Lcnn Sie nicht Wort halten würden, könnte unsere Freundschaft einen Riß bekommen und mir ist Ihre Fnundschaft tausend mal mehr werth, als lumpige sünfzig Mark!" Auch e i it 0 I fl d. Frau A.: Was, das Kind läuft fcdon mir dreiviertel Jahren? Frau: SV: Ja. wohl, ist schon zweimal die Stiegen 'nunter g'fallen. Frau A.: Hab'n Sir a Glück!