Indiana Tribüne, Volume 16, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1893 — Page 7

Llyreidmaschlne.

Bon Cs stetigen. John SparkS war dem großen Pub likllm keine unbekannte Persönlichkeit. Unter der fettgedruckten Aufschnft: Z Er kratzte Zwanzig Jahre - und noch länger" war sein Porträt in nahezu allen großen und kleinen Z-itungen er schienen, nnd darunter folgte seine per Änliche Ansicht über eine gewisse Art von BlutreinigungZpillen, welche er als . -! p , m r ur t - eine groganige, emzrg in oer yeiqichi der Medicin dastehende Erfindung priei. und dann kam zu guterletzt eine ruh rende Erzählung, wie er sein ganze Leben unter einem beständigen Jucken der Haut zu leiden gehabr hatte, bis der Zufall ihm eines TageS dieses wunderbare Mittel in die Hand gespielt und er fortan gesund und glücklich war. In Wirklichkeit verhielt sich die Sache etwas anders. SparkS fuhr damals mit einem Koh lenwagen von HauS durch die Straßen New VzrkZ. und da mochte es wohl ganz zufällig geschehen, daß er sich am Lücken kratzte. Ein änlicher, feiner Herr beobachtete jedoch diesen Vorganz mit ungetbeilter Aufmerkiamkeit und trat scbueknch an das stillstehende Fuhrwerk heran. .Ich könne dieses entsetzliche Jucken der Haut,- sagte er leutselig. Neh men Sie von diesen Pillen, und Sie werden ein anderer Mensch sein.-- Mit diesen Worten händigte er dem Kohlenmann ein zierliche Schächtelchen ein, niest; wohlwollend mit dem Kopfe uno ging seiner Wege. Etliche Tage später zog Sparks wie der mit seinem Kohlenmagen umher, als der ältliche, feine Herr ihm neuer dingS begegnete und schon von Weitem rief: .Nun, waS halten Sie von meinen Pillen?0, ich glaube, sie schaden nichts Und das Jucken der Haut ist "wie weggeblasen, nicht so? .DaZ gerade nicht, aber es ist auch nicht stärker, und w:nn nicht der verteufelte Kohlenstaub - .Sehen Sie, wie meine Pillen auch bei Ihnen Wunder gewirkt haben? Bei Leibe, Sie sollen mir nichts dafür be zahlen,- fuhr der ältliche, feine Herr begeistert fcrt. wiewohl Sparks in die ser Hinsicht nicht die leiseste Absicht ver rieth, .aber wenn Sie aus Dankbarkeit ein paar Zeilen niederschreiben wollen, worin Sie feierlich erklären, daß meme" Pillen Svarks maß den Mann mit erstaun ten Blicken. .Es ist ein großer Dienst, den Sie jljttn leidenden Mitmenschen ervei sen,- sprach dieser salbungsvoll und zog langsam eine Fünf-Dollarnote au', der Tasche. .Wie viel ist tiV fragte der Koh. lenmann kurz und kniff dabei das rechte Auge zu. Ja. mein Freund, das kommt'darauf an wenn Jemand so lange gelitte hat wie Sie. Sparks schmunzelte mit pfiffiger lln Verschämtheit, und der Pillenerzeuger fragte in ungenirtem Tone: .Könnten Sie unter Umständen wohl zwanzig Jzhre gekratzt haben ?- .Gemi, ich müßte eben sehr jung angefangen haben." .Bortrefflich! Nehmen Sie dieö für Shren Zeitverlust und lassen Sie das Uebrige meine Sorge sein." Sparks war immerhin etwas betrof. sen, als er kurze Zeit darauf fein bescheidenes .Ich" in tausendfacher Ver vielfältigung erblickte. Und erst die Beschreibung seiner entsetzlichen Leiden! Er war fast zu Thränen gerühit und überdies konnte er jetzt manchmal nicht umhin, ein unausstehliches Jucken der Haut zu verspüren. DieS waren übri genS nicht die alleinigen Wirkungen der von ihm gepriesenen BlutreinigungS Willen, sondern Sparks gelangte allmä lig zu der Ansicht, daß es auf der Welt Kluge und Einfältige gäbe, und daß man ganz cy-t sein Fortkommen finden iönne, ohne stets mit Kohlenstaub be .deckt zu sein. Wie gesagt, war nur noch mit hal bem Kopfe bei seinen Kohlenkübeln. Er dachte viel nach, überlegte noch mehr, und als das Vertrauen in die Dumm heit seiner Nebenmenschen bei ihm hinlänglich gefestigt war, beschloß er, einen kühnen Versuch zu macheu. Sparks verkaufte demgemäß sein Kohlengeschäft nnd wendete sich einem Unternehmen von ungeheurer Tragweite zu. ES handelte sich um eine großartige Ersin dung, dern Prioritätsrechte, wie eS hieß, bereits für alle Staaten der Erde zuit Ausnahme von Marokko gesichert waren. TaS Sparks'fch: Patent, welches ix. einem phosphoreZzirenoen Flie genvapier bestand, bot den große Vortheil, daß sich die Fliegen, ob ihrer ausgesrrochenen Vorliebe für leuchtende Gegenstände, auch in der Dunkelheit -fangen ließen und somit vou dem Er, finde? eine ungestörte Nachtruhe ga rantirt werden konnte Trotz dieser unleugbaren Nützlichkeit bedürfte eS dennoch neS äußerst findigen Kopfes, um dem neuen Artikel die (zZunst deS großen Publikums zu ero bern und Sparks sparte weder Schlau, heit uoch Druckerscöwärze, um dieses : Ziel zu erreichen. I allen Zeitungen tanckten seine Inserate auf, welche re gelmäßiz mit den Worten begannen: Tod! deinen Pardon! Sie müssen ster den! Und hierauf folgte die grauenerregende Schilderung einer von Fliegen hetmzc Achten Schlafstube. Sparks kannte sein Publikum. Er hatte nicht umsonst zwanzig Jahre lang gekratzt, .und da es nun auf eigene Rechnung ging, entwickelte seine Phantasie Bllder doppelt verwegenerer Art. Sparks war tbri ein ausgesprochen drastische Ta lenk, wie solches noch nie vorher im Dienste von irgend einem Fliezenpapier gestanden hatte, und wenn ihax die Inspiraiion. eine glückliche Reklameivee 'inzab, dann lief er in cUtr Eile zu Miß Miller, um mit ihrer Hilfe das Kind seiner Muse zux Welt zu bringen, denn Sparks konnte nicht schreiben. . . . Z)aZ.war der chwae .Punkt .in U'wtsx-

Dasein, der gleich eine'r drohenden'Wolke den Horizont seiner bisher so glücklichen Laufbahn verdüsterte. . Svarks war in äußerst gehobener Stimmung. Sein Fliegenpapier fand reißenden Absatz und noch war nicht der große Trumps ausgespielt, von welchem sich sein geschäftllcher Ehrgeiz einen noch weit größeren Ausschwung ver sprach. Hatte er bisher seine Leser durch Vorführung von Scenen der Fliezenverheerungen eingeschüchtert, so wollte er mit einem Male umsatteln und durch rührende Schilderungen im gestörten, häuslichen Glückes derart aus ihr Gemüth wirken, daß sie mit Thrä nen in den Augen nach seinem patentir ten Fliegenpapier greifen würden. Ha, das war eine capitale Idee! .Und wenn nur Einer von Fünfzig hängen bleibt!- dachte Sparks, während er den Eingang emeS siebenstöckiger Geschäftshauses betrat und sich in deir Fahrüuble niederließ .Miß Mille, in ihrer Office?" fragte er gleichzeitig .Jeden Tag von neun bis fünf,"! taine:e der Schwarte, welcher das; Vehikel auf und abwärts dirigirte, und seltsam genug, hatte der Bursche dieS mal'nicht gelogen. Miß Miller hielt ihre Osfice.Stun den sehr pünktlich ein. Sie war toe glückliche Besitzerin einer RemingtonSchreibmaschine und ihre Gewandtheit auf diesem Feld stand Jedermann gegen ein b:stimmtes Entgelt zur Verfügung. Abgesehen von dem Umstände,' daß Miß Millers Eltern Müller hießen, war nichts Bemerkenswerthes an ihrer Per son. Sie hatte eine Stumpfnase und sah gern zum Fenster hinaus. Wenn ihr Blick manchmal das gegenüberlie gende HanS streifte, fühlte sie stets ein anderes Augenpaar auf sich gerichtet, welches einem jungen Mann gehörte, der ein hungriges Aussehen und blos neun Dollars die Woche hatte, und züchtiglich wandte sie sich allemal wieder ihre? Schreibmaschine zu, während er seinen Herzenskummer in ein blaulinnr teS Geschäftsbuch eintrug. Wie jedoch die Siebe nun einmal er sinderisch ist, trat der besagte junge Mann selben Tage bei Miß Miller ein und ersuchte sie, unter seinem Diktat einen Brief n'.ederzuschreiben, welcher für ihn von größter Wichtigkeit sei. DieS sagte er in sichtbarerer Aufregung. Miß Miller hingegen bewahrte eine kühle Berufsmiene, rückte ihren Stuhl an die Schreibmaschine, tastete etliche Male spielend über die Klappen, w durch sie kundgab, daß nunmehr Alles bereit sei, und der junge Man be gann: .Geehrtes Fraulein !- Miß Miller hatte die Abschrift in einem Nu heruntergerasselt, und ihr Gegenüber diktirte mit schmachtender Betonung weiter: .Wiercohl ich nicht die Ehre hatte, Ihnen vorgestellt worden zn sein, so ge nügte doch Ihr Anblick, um in mir Gefühle wachzurufen, welche seither unum schränkt in meinem Herzen gebieten. Da auch S meine Blicke nicht ganz unbemerkt ließen, so erflehe ich von Ihnen das erlösende Work, welches über meine künftige Seligkeit entschei den und mir sagen soll, ob Sie das LooS eines Mannes theilen wollen, der Ihr Glück zur einzigen Aufgabe seines Lebens machen würde. Sprechen Sie dieses Wort aus und beglücken oder ver nichte Sie damit Ihren Sie ewigliebenden Der junge Mann hatte mit weinerlicher Stimme geendigt, und die Schreib Maschine gab ' einen kreischenden Ton von sich, als Miß Miller den sertiggestellten Brief hervorzog und ihn mit unnahbarer Kühlheit überreichte. .Nun, mein Fräulein?- wagte der erfinderische Jüngling zu fragen. .Eine Seite.... macht sünfzig Cent.- entgcgnete Miß Wciller in so vollendeter Fassung, daß der junge Mann mit nervöser Hast einen Dollar aus der Tasche zog und denselben blu tenden HerzeuS auf das Pult legte. Miß Miller hingegen bedauerte lebhaft, jöafc sie kein Kleingeld hätte, und so wollte Jener wiederkommen, wie er mit einem vernichtenden Blicke sagte, aber als er der Thür zuschritt, packte eS ihn noch einmal mit wildem Weh: ' .0, Ihr Weiber.- knirschte er. .Jetzt habe ich einen halben Dollar geopfert, und noch immer will sie nichts von mir wissen !" Fast gleichzeitig trat Mr. SparkS mit einem seltsam verklärten Gesichts ausdrucke ein und begrüßte die Dame indem er ausrief: .Ich komme heute i einer wichtigen Angelegenheit zu Ihnen! Wollen Sie genau meine Worte zu Papier bringen, denn es handelt sich um viel, sehr viel für mich verlieren Sie keine Silbe von dem, was ich Ihnen diktiren werde, und sagen Sie mir dann zum Schluß, ob Sie damit eiuverftanden sind, mein Fräulein.SparkS sah Miß Miller' dabei so freundlich an, seine Diamantknöpfe blinkten so eigenthümlich, daß die junge Dame von einer süße Ahnung erfaßt wurde und - sich mit siegesheiterem Lächeln an die Schreibmaschine setzte. SparkS ließ einen langen, prüfenoen Blick auf ihr ruhen, und in seinem Kopfe tauchten Bilder auf, welche sein Blut in rascheren Umlauf setzten .... Er sah schon.' wie jedes Auge, daß auf seinem geplanten Inserate geruht, feucht wurde und unzählige Hände nach seinem pa tentirten Illegenpapier griffen. Miß Miller klapperte ungeduldig zum Zei chen des Beginnens, ob schon sie recht wohl errieth, worauf da? Ganze hinaus sollte, aber immerhiu mnßte er sich deut licher erklären. . . . dann. . . . dann war sie ja gern bereit.... SparkS ließ nicht auf sich warten und begann ' völlig im Geiste seiner erzreifenden Schilde rung mit gerührter Stimmung zu dik tiren: Sennen Sie das Glück einer schö nen, ungestörten Häuslichkeit? In der trauliche Stube ist die Familie ver sammelt, wohin das Auge blickt, über all peinliche Sauberkeit, und keine Fliege stört dettefen.eiliattt Frieden! WeS

halb wollen 'Sie'diesem Glück auö'dem Wege gehen? O, lassen Sie mich der Wegweiser Ihres Glückes sein! ES löstet nur.... .Nur ein Wort und daS lautet: Ja'.keischte jetzt Miß Miller, die nicht län ger an sich halten konnte, jählings ihre Schreibmaschine verließ und' SparkS schluchzend um den HalS siel, indem sie' rief: .Ja, wir wollen einander angehören für das ganze Leben!" .Aber mein werthes Fräulein-, ächzte SparkS, während er sich aus ihrer krampfhaften Umarmung loszumachen suchte; eö war doch blos von meinem patentirten Fliegenpapier die Rede !- .Ach, wie sind doch gerade die brav, sten Männer so schüchtern! ES braucht ja keiner weiteren MaSke, da wir unsere beiderseitige Neigung kenne?,- repli zirte Miß Miller schalkhaft und gab dem Widerstandslosen einen herzhaften Kuß. In diesem Augenblick öffnete sich die Thür, und auf der Schwelle stand der verschmähte junge Mann, mit einem halben Dollar in der Hand und den Stachel der Eifersucht im Herzen. Miß Miller hatte trotz dieses unerwar teten Besuches ihre Fassung allsogleich wiedererlangt und sagte' freudiger Erregung: .Hier stelle ich Ihnen mei nen Bräutigam Mr. Sparks vor wir haben uns soeben verlobt.Und SparkS verneigte sich, weil ihm eigentlich sonst nichts übrig blieb, aber insgeheim dachte er: .Oh Schmach! Daß ich an meinem eigenen Fliezenpapier hängen bleiben mußte!" In spanischen Sldelökatastrophen. In Spanien geht es mit dem bcgü. ttrtcn, historischen Adel reißend schnell zu Ende; in vielen Fällen ist er selber daran schuld, in anderen die Macht und die Ungunst der Umstände. Dazu ge hört die nach der legten Revolution erfolgte Aufhebung der Fideikommisse, toclchc nur noch in Arragonien. das in dieser Hinsicht Privatrcchte besitzt, wci terbcstchcn wcrdcn. Die heutige Generation Maioratshcrren. d. h. diejenigen, welche cs schon vor 1868 waren, sitzen noch scst im Sattel des großen histori schen Vermögens, halten eS auch, der Strömung des Jahrhunderts entgegen, nach Kräften zusammen; z. B. die Her zöge von Mcdina Eeli. Medina Sido nia, Medina dc Rio Seco, Medina de la Torre, Fernern Nunez, Villlhermosa. Andere Aristokraten versuchten nach dem Beispiel des Marquis Salamanca dieser ein neugebackener Finanzaristokrat mit dem Kopf durch die Wand zu rennen; weiter erzählt wird von diesem Marquis, dessen Familie heute in Mad rid im (5lcnd lebt, daß er, als einst während des Spiels eine Dame sich nach einer hcrabgcfaUcnen Fünfundzwanzig franknote bückte, eine Tausendsranknote anzündete, um der Dame beim Suchen zu leuchten. Augenblicklich ist in der spanischen Hauptstadt wieder einmal das Schicksal des Vermögens der Her zöge von Ösuna der beliebte Gesprächs stoff; wieder einmal, weil dieses Schick sal schon vor 10, 20 und 30 Jahren in Aller Mund gewesen. Der Herzogs titel von Osuna ist seit seiner Stiftung im Jahre 1502 ununterbrochen im Ve sike der Familie Tellez gewesen; vor fünfzehn Jahren starb der letzte Herzog. Er war vermählt mit einer österrcichi schen Prinzessin S., welche so schön war und auch als Wittwe noch so schön blieb, daß sie viele Jahre später den Zwiespalt in die Frmilie des jungen Alfons XII. zu tragen vermochte, ie vermählte sich endlich mit dem belgischen Herzog Ssint Croir und starb bald nach dieser zweiten Vermahlung. Die Ehe des Herzogs von Osuna mit der Prin zessin war kinderlos geblieben; als er starb, theilten sich seine vielen aristokra tischen Verwandten in seine zahllosen Adelstitel und beabsichtigten dasselbe auch mit seinem Vermögen zu thun. Der größte Theil des letzteren aber war schon-zu Lebzeiten des Herzog? seinett besonderen Weg gegangen; über den Rest wird nunmehr gerichtlich verhan delt. Das Vermögen der Osunas warf schon zu Philipps II. Zeiten eine jähr lichc Rente von 110.000 Golddukaten ab; durch umsichtige Verwaltung soll cs um die Mitte des gegenwärtigen Jahr Hunderts bis auf 7 800 Millionen Franken angewachsen sein. Da geschah cs während der Regierung Jsabellas der Zweiten daß der' letzte Herzog von Osuna a!S spanischer Gesandter nach Petersburg geschickt wurde, und daß er dort auf den Einfall kam, nicht allein der russischen Aristokratie, sondern sogar bem Zaren in Prachtentfaltung txt Spitze zu bieten. Er unterhielt die Gesandtschaft mit all ihren Sekretären, Attaches und Kavalieren aus eigenen Mitteln, miethete, wenn er eine Jagd abhalten wollte, die im Rayon derselben liegenden Ortschaften viele Meilen in der Runde,- kaufte ein Pferd, welches dem Kaiser zu theuer gewesen war, ließ es vor das Marmorpalais führen und erschießen u. s. w. Obgleich er sich in Petersburg aufhielt, mußte in den fünf ztg Schlössern, welche er in allen Thei len Spaniens besaß, doch allnächtlich Alles auf einen Ball und eine fürstliche Mahlzeit gerüstet sein, und die Diener in Galalivreen nahmen ihre für solche Fälle bestimmten Posten ein. So kam denn das ungeheure Vermögen ins Rol len. Aber das Vertrauen in feine Unerfchöpflichkeit war so groß, daß die Anleihen dem Herzog keine Schwierig leiten bereiteten. Und was waren das für Anleihen? Man spricht auch hier von Hunderten von . Millionen ; die Schulden des Prinzen von Wales sind demnach, verglichen mit den Schulden dieses spanischen Granden, eine unca valicrsmäßige Kleinigkeitskrämerei. Die Osunaschuld wurde von der Börse für gleichwerthig mit einer Staatsschuld ge halten; sie wurde stets .Schuld" und nicht . Schulden- genannt. Der Herzog besaß eine innere und äußere, stehende

und schwebende Schuld; seine Obli.zationen waren ein - Werthpapier, ein Staatspapier,' sie stiegen und sanken. lIHkrzoL . jktrb, jfi , gwgen..beun

ruhigende' Gerüchte über den Zustand des Vermögens um, die, Gläubiger reg ten sich. Sie wurden aber bald be ruhigt; denn der traurige Rest ' des monumentalen Vermögens genügte im merhin noch über die Maßen, um die ungeheure Schuld zu begleichen und die Osunapapiere im Kurse zu erhalten. In diesen Tagen handelt es sich um die öffentliche Vcrsteigernng der Mobilien und des Inventars der Herzöge von Osuna, welches zu umfangreich ist, als daß selbst der anspruchsvollste Erbe sich damit belasten möchte. Der .Palacio des las Vistillas", der herzogliche Palast der OsunaS ist von dem Herzog von Mon tellano übernommen worden; das mäch tige Gebäude ist von Möbeln und Ge räthschasten derartig vollgepfropft, daß der letztgenannte Herzog, um sich Lust zu machen, zwei Drittheile des vorhan denen unter den Hammer bringen läßt, und zwar zu Spottpreisen; es waren nicht weniger dc?.' vierzehn Staats equipagen vorhängn, welche entschließ iich des zu jeder gchirigen Zaumzeuges sür ein Viergespann kür 45000 Pescs das Stück verlaust worden sind. Dann die Rüstkammer, welche so groz ist, daß aus ihr ein mittelalterliche Ka vallerieregimcnt ausgerüstet werden könnte; an Schwertern, Lanzen, Helle barden und Harnischen ein ganzes Arse nal. Die aus Metall und künstlerisch hergestellten Tischgcräthe, deren die Her zöge sich auf der Reise zu bedienen pfleg ten, füllen einen weiten Saal aus. Von den Gegenständen des Porzellan geschirrcs enthält jede Kategorie Hun derte, manche Tausende von Nummern; wie werthvoll sie sind, geht daraus her vor, daß trotz der Auktion, zu welche? Pfandvcrlciher und Antiquitätenhändler ein großes Kontingent stellten, dennoch mehrere Hundert Teller das Stück fü? 10 Pcsstas verkauft worden sind.

Der Bater des französischen Jour naliSmuS. Dem Begründer der ersten französi schen Zeitung, Theophäst Rcnaudot, ist jüngst ein Denkmal gesetzt worden. Rcnaudot war 45 Jahre alt geworden, als er am 30. Mai 1631 die erste Rum wer seines La Gazette" genannten Blattcs erscheinen ließ. Er that es, wie er schreibt, um bei dem Publicum, zu dem er sprechen müsse, besser bekannt zu werden. Er war kein gewandter Schreiber. Seine Hand war eher schwerfällig, aber sein Geist hatte die Sache richtig erfaßt, und man erkennt. den prophetischen Blick des Mannes in den Worten: .Die Presse hat in ihrem Wesen das mit den Gießbächen gemein, daß sie durch den Widerstand groß wird." Im Uebrigen war die .Ga zette. die spätere Gazette de France," ein kleines, mageres Blättchen, und es darf nicht verschwiegen werden, daß sie unter die vielverlästerte Klasse der heute so genannten Reptilien gehörte. Sie enthielt amtliche Depeschen, Berichte, über auswärtige Politik und Halbamt liche Artikelchen, die im Auftrage Ri chclicuS oder deS Königs hergestellt wur den. Was die Einrichtung anbelangt, so erschien das Blatt am Freitag in zwei Hesten. Das eine, das den Titel La Gazette- trug, enthielt Nachrichten aüS dem Westen und Norden Europas, während daS zweite unter dem Titel L'Ordinaire Berichte aus dem Süden und Osten brachte. Es ist anzunehmen, daß diese Eintheilung mit den Postderhältnissen und der durch diese bedingten Fertigstellung des Blattcs zusammen hing. Dazu kam unter dem Titel .L'Extraordinaire" eine wenig unter haltende Monatsbcilage. Das ganze Blatt war im modernen Sinne nichts weniger als interessant. Die Artikel Rcnaudots sind kurz, tro ckcn und abgerissen und die zur Unterhaltung bestimmten Geschichten, die wir heute zumeist unter die vermischten Nachrichten verweisen würden, sind viel fach ungeheuerliche Klatschbasereien, Wundergcschichtm und Enten der ge ringsten Sorte. Interessant ist eine kleine Nachricht über ein im Jahre 1661 in Uzes abgebranntes Feuerwerk, die jüngst ein Mitarbeiter des Figaro unter den vergilbten Blättern ausgegraben hat. Der Eorrespondent, der sie ein sandte, war kein geringerer, als Frank rcichs großer Dichter Racine, der da mals bei seinem Oheim Sconin weilte, um sich für den geistlichen Stand vor zubereiten.- Was den Preis der Ga zctte anbelangt, so herrscht ziemliche Unklarheit. Aus einem Schreiben Re naudots an einen Zeitungsmann in Köln scheint indessen hervorzugehen, daß die Nummer Sol ParifiS gleich 6 Cen times verkauft wurde, was nach heuti gcm Gcldwerthe etwa 15 Centimes gleichkäme, d. h. dem Preise, zu dem man gegenwärtig den Figaro kauft. Angrisse und Anfechtungen hatte der Gründer und Leiter der Gazette soviel zu erdulden wie die späten Nachfahrer, die gleich ihm ihren Beruf verfehlt und sich der Zcitungsschreiberci zugewandt haben. In Flug und Schimpfblättern wurde sein Wirken, sein Lebenswandel und sogar seine Nase, die ihm, wie eS scheint, nicht gerade zur Zierde gereichte, auf'S Gröblichste verunglimpft und verhöhnt. Man verlästerte ihn als Alchy misten. Schwindler und Wucherer, verglich ihn mit Türken und Renegaten und nannte ihn den Großlügner und Großzeitungsschreiber von Frankreich. Auch sein Ende war ein trauriges. Er hatte wegen der unentgeltlichen Behandlung der Armen an die mcdicinische Fakultät in Montpellier appellirt und dadurch sich mit der Pariser Fakultät überworfcn. Die Doktoren von Paris klagten wegen Eingriffs in eines ihrer ausschließlichen Vorrechte, und der Pro ceß nahm für Rcnaudot einen Unglück liehen Ausgang. Richelieu und der Pater Joscph. seine alten Beschützer, waren nicht mehr unterden Lebenden und das Parlament zerstörte mit einem Schlage alles, was der erfindungsreiche Mann mühevoll ersonnen und in's Leben gerufen hatte. Er starb, 70 Jahre alt, am 25. October 1653, verlassen und im Elend. '

Für unsere Frauen. Plauderei von Mutter S.

Eine Unglückliche. An Friedoline ! Wie ich Jbnen ra then soll, ist mir ?:icht klar. Sie sagen, Sie wollen, sich gnz meinen Rathschlägen fügen, da Sie großes Vertrauen auf mein Urtheil haben. Aber beden ken Sie einmal, wälzen Sie dadurch nicht eine große Verantwortung auf mich? Wie Sie selbst sagen, sind Sie von gut.'r Familie, haben aber einen Irrthum begangen und sind mit dem Kutscher Ihrer Eltern durchgebrannt. Sie waren durck seine annere körver lichen Vorzüge geblendet und etwas ro( mantljch angelegt, deshalb konnten Sle die hohle Nuß von der echten nicht un terscheiden. Sie haben die Erkenntniß theuer bezahlen müssen. Dies läßt sich denken; denn, wenn ein feines, gut er zogenes Mädchen aussindet. daß der Mann, dem sie sich zu eigen giebt, noch nicht einmal lesen und schreiben kann, und die Umkehr ist ihr abgeschnitten sie sieht die lange trostlose Leere vor sich und den Abgrund, in den ihre eigene j Thorhcit sie gestürzt ha so bringt ' diese Erkenntniß dem Weibe die bitterste Stunde seines Lebens. Wenn Sie mir dann noch weiter er klären, daß Sie durch Stol; abaehal : ten wurden, sich in Ihrer Noth anIhre ! Familie zu wenden und lieber die ! Suppe, die Sie sich eingebrockt hatten, 1 All iill AM sliM 1 t. X A UUU) UU?Ctll IUÜUU11, U lUJlil IU li ganz gut verstehen, denn ich würoe in demselben Falle genau sogehandelt ha beu. Daß der Löwenanthcil der Ernäh rung der Familie auf Ihre Schultern siel, ist doch bei Ihres Mannes man gelhafter Bildung selbstverständlich; daß Ihre Familie sich von Jahr zu Jahr vermehrte, ist nur natürlich: daß Ste durch die Erfahrung zu der Etn sicht gelangten, daß eine gute Erziehung und ' Schulung Ihren Kindern von größtem Nutzen im Leben werden und Sie alle Ihre Kräfte anstrengten, um Ihren Kindern dieselben angedeihen zu lassen, ist nur zu begreiflich. Ihre Leiden sind entsetzlich! Aber Allem, sagen Sie, wurde die Krone aufgesetzt, ' als Ihr Mann zu trinken ansing, eifersüchtig und zuletzt noch handgreiflich wurde und Sie in Gegen wart Ihrer Kinder, denen Sie alle profane Reden verboten hatten, mit den gemeinsten Schimpfnamen belegte. Armes Weib! Sie haben den Becher der Misere des Lebens bis zur Neige leeren müssen. Nun fragen Sie mich, was Sie thun sollen? Ob Sie sich von Ihrem, Manne trennen sollen? Oder vb Sie Ihr Kreuz wieder auf die Schul lern laden und um Ihrer Kinder Wil len es weiter schleppen sollen? Sehen Sie. das ist nun die heikle Frage. Wenn eine Frau das größte Contin zent zur Erhaltung der Familie bei tragt, so ist doch anzunehmen, daß eZ ibr in keinem Fall so wohl wird, daß sie ihrem Manne Grund zur Eifersucht gibt. Aber manchen Menschen ist nichts heilig nicht Vater, nicht Mutter, nicht Schwester, nicht Bruder ihre An schau ungsweisc ist so gemein, daß sie sogar das Verhältniß zwischen Vater und Tochter begeifern der Mensch urtheilt den immer von sich selbst aus. Nehmen Sie mir die Bemerung nicht übel, aber eine Frau, die sich von lhrem Manne schlagen laüt, ist selbst schuld daran. Wenn ein Mann, wie Sie mir sagen, mir nach dem Leben trach tete und Mordversuche auf mich machte, so wäre es mir unheimlich in seiner Gesellschaft. Er kann Ihnen und Ihren Kindern gefährlich werden. Auch ist seine gemeine Schimpferei den KiN' dern gegenüber kein gutes Beispiel. Wenn ich sage, daß eine grau selbst schuld ist. wenn sie ihr Mann prügelt, so meine ich nicht, daß sie cs verdient, sondern, daß sie es sich qcfallen läßt. Es giebt doch Gesetze dafür. Nehmen Sie doch einen Vcrhaftsbefehl heraus; natürlich müssen Sie Zeugen haben wcnn nichts Anderes, so doch Ihre Beulen. Ob Sie sich von ihm trennen sollen, dies müssen Sie sich selbst klar machen, denn manche Frauen sind so schwach, daß sie ohne ihren Mann nicht leben können und nach kurzer Zeit wieder mit ihm zusammen leben, wenn er ihnen Besserung verspricht; deshalb rathe ich Ihnen,' prüfen Sie sich selbst, ehe Sie diesen Schritt unternehmen, denn das charcktcrlose Auseinander gehen und wieder Zusammenlaufen hat keinen Zweck. Freilich, wenn man an seinem Manne keinen Ernähier hat und soll sich dann noch Grobheiten ge. fallcis lassen, so geht das doch über die Hutschnur. Es ist schon schlimm ge nug, wenn der Ernährer grob ist ; wenn man, wie Sie, einen unwissenden Mann Lesen und Schreiben gelehrt, ihm ein schönes Heim geopfert hat. ihm eine treue, brave, arbeitsame Gattin gewesen ist, während er dafür gar rnchts geleistet und nur als Hemmschuh ge dient hat, dann sehe ich ein Zusam mcnleben mit einem solchen Menschen nicht ein. Ob Sie ihn aber abschütteln können, ist eine andere Frage, denn wenn ein Mann schon einmal mit einem Schieß oder .Stecheisen seiner Frau unter der Nase herumgefuchtelt ist. so ist doch an zunehmen, daß er dasselbe auch nach der Trennung versuchen und Sie in Ihrem Versteck aufsuchen wird, um sei nen Zweck auszuführen. Ich weiß als Ihnen ganz Fremde natürlich nicht, ob Ihr Mann ein desperater Mensch ist oder ein Großprahler letztere sind gewöhnlich feig, vor denen braucht man sich nicht zu furchten. Nun kommt es auch auf Sie an haben Sie den Muth, sich Ihrer Haut zu wehren was ich bezweifle, denn eine Frau, die Eou rage hat, läßt sich nicht prügeln ha den Sie den Muht, rufen Sie die Gesetze an und lassen Sie sich' schützen; im anderen Falle nützt Ihnen auch dies nichts, denn wie oft zieht eine Frau die Klage im letzten Augenblick zurück, wenn de? Vater ihrer Kinder in die

Zelle abgeführt werden soll. Jede Frau muß sich ihre Stellung selbst er kämpfen, in socialer Beziehung, sowie ihrem Manne' und ihren Kindern ge genüber. Ich kann Ihnen in dieser Beziehung gar nicht rathen, ich kann Sie nur'fra gen fühlen Sie sich start genug Ihr halbes Dutzend Kinder, von denen das älteste vierzehn Jahre ist. selbst zu ernähren? Können Sie Ihren Knaben und Mädchen bis zu deren Sclbststän digkeit einen besseren Schutz angedeihen lassen wie jetzt? Sie sagen, wenn er Ihnen nach dem Leben trachtete und Sie verwundete, wer würde dann während Jhrr) Siech thums sich um Ihre Kinder kü umern? Hat der Mann, den Sie geliedt haben und der Sie noch liebt (sonst wäre er nicht eifersüchtig) keine Liebe zu seinen Kindern? Und können Sie nicht auch nach der Trennung krank werden? Und wo kämen dann Ihre Kind?r hin? Müssen sich dann nicht auch fremde Leute ihrer annehmen. Oh, Sie sind in schlimmerLaze, und Ihnen zu rathen oder zu helfen, ist schwer. Ach, was doch ein einziger Schritt vom rechten Wege ab sür ent setzlich: Folgen haben tann. Könnte ich doch zedcm jungen Mädchen die Worte zurufen: Begehe keine That, die den Blick Deiner Mutter zu scheuen hat". ' ' Unlängst war ich eine Strecke auf Long Island gefahren, um eine Freun din zu besuchen, da bestieg ein ganz junges Mädchen den Zug; in ihrer Be gleitung war ein Mann,' dem man den Sport auf den ersten Blick ansehen konnte. Ein hoher Cylinder saß ihm im Nacken, die Hände stocken in Hand schuhen von d:r Farbe, daß man glau den sollte, er hätte Blutwurst gemacht, zwischen dem erst:n und zweiten Finger hielt er einen ausgelöschten Cigarren

stummel; da. wo ehemals Grübchen in ' seinen Wangen waren, zeigten sich jetzt schon scharfe Linien. Der Mann legte j sofort den Arm um das Mädchen, das weinte. ' Du wirst doch jetzt nicht mehr wei nen.- hörte ich ihn sagen. Das Kind neigte den Kopf auf sein Taschentuch: er bemühte sich um sie wie ein Mann, der ein Weib glauben ma chen will, daß er sie liebt. Wirst Tu mir auch treu bleiben?" hörte ich sie lispeln. Sicher." war seine Antwort, Du kannst Dich auf mich verlassen." Ich habe meiner Mutter nichts davon gesagt, daß ich Dich heute hier treffe," und wieder senkte sich ihr Gesicht auf ihr Taschentuch. Das ist recht," flüsterte er ihr. in's Ohr. sage es ihr auch in Zukunst Nicht." 'Der Mann sprach noch Vieles auf das Mädchen ein, so daß, als der Zug hielt und wir aussteigen konnten, das Müdch.'n wieder holdselig lächelte bis ihr Unglück über sie hereinbricht denn daß der Mann es nicht ehrlich mit ihr meinte, ist doch aus den Worten zu erkennen: Sage es auch in Zukunft Deiner Mutter nicht." Wenn Sie Ihrer Mutter von der Liede zu Ihrem Kutscher gesprochen hätten, glauben Sie nicht selbst, daß ie jetzt nicht in -solcher Lage wären? Sie hätte Ihnen doch gerathen, wenig stens Ihre Liebe zu prüfen oder hätte doch den Menschen erziehen oder wenig stcns ein Handwerk lernen lassen. Sie waren ja noch Beide so jung, aber da sitzt der Haken. Es ist doch mertmür big. daß ganz gute und wohlerzogene Mädchen nach vierzehntägiger Bekannt schaft ihr ganzcsVertrauen einem frem den Manne zuwenden können und ihrer Mutter, die sie seit Jahren gehegt und gepflegt, ihr Vertrauen entziehen und ihr ihre Liebe. Sorgfalt und Güte mit dem schwärzesten Unaank belohnen können. Wer soll es denn besser mit sei nen Kindern meinen als die Eltern. Sich scheiden ZU lassen.würde ich sehr venig Frauen rathen, denn eine Frau nimmt unter dem Schutze ihres Mannes eine ganz andere Stellung ein, als sie als Wittwe oder gar geichieoene Frau thut. Sie freilich brauchen mit einer solcben Thatsache nicht zu rechnen. Die Frauen aber selbst sind es, die ihren unglücklichen Schwestern kein Zartge fühl und kein Verständniß entgegen bringen. Lassen Sie mich zur besseren Erklärung folgendes Gejchichtchen er zählen : Bei einer Frau, die von ihrem ersten Mann geschieden war. ab.'r zum zwei ten Male und diesmal glücklich verhei rathet war, fand eine Ka,seegeiellschast statt. Nun traf es sich, daß eine Zer eingeladene!! Damen eine Freundin, die nicht in den Kreis gehörte, mit brachte. Als die Damen fort waren, kam ich zu lhr. Denken Sie sich." sagte sie zu mir. Seitvem die Damen fort sind, kann ich meine Diamant breche nicht mehr fmsen." Sie werden sie verlegt haben," war? ich ein. Nein, ich habe schon überall ge sucht und kann sie nicht finden," ant wartete sie. Haben Sie ehrliche Dienstboten ?" war meine nächste Frage. Gewiß," antwortete sie, sür die gehe ich ein." Nun, dann wird die Nadel sich schon wieder finden." Mit diesen Worten verließ ich sie. Als ich einige Tage sväter sie wieder traf, war meine erste Frage, ob sie ihre Broche wieder gefunden. O ja," sagte sie, und erklärt mir, wo sie dieselbe fand. Gesetzt den Fall. Sie hätten Ihre Broche aber nicht wieder gefunden, wen hätten Sie da beschuldigte frug ich sie. Nun, natürlich keine von den Da. men aus meinem Kreis, sondern die Fremde, die eingeführt wurde." sagte sie. Wissen Sie. daß die Frau vor ihrem Manne getrennt lebt?" frug ich veiter. i 3ä, das weiß ich." war ihre Ant roort. ' Nun, dann kann ich nicht begrei fen, sprach ich, wie Sie diese Frau

verdächtigen konnten, da sie doch ant Erfahrung wissen sollten, daß eine solche unglückliche Frau quasi, unt dem Schule der gesummten Frauenwelt stehen sollte, denn beinah: alle Frauen wcrdcn zur Scheidung durch die Untreue ihrer Männer getrieben." I, das ist wahr." rief sie. JbaS ist ganz, mein Fall, wie ich Ihnen schon: erzählt habe. Würden Sie," war ihre nächste Frage, sich nicht auch von Ihrem Manne scheisen lassen, wenn Sie 5kweise seiner Untreue hätten?" Ach." sagte ich, das haben Sie mich schon einmal gefragt und ich din Ihnen ausgemichen. Nun denn, wenn Sie meine Meinung wissen wollen wenn sich alle Frauen scheiden lassen wollten, deren Männer ihnen untreu sind, wie viele Ehescheidungen gäbe tt dann? Natürlich haben die meisten Frauen keine absoluten Beweise, sie können nur muthmaßen und dariu sind sie groß. Ich glaube, daß seh? wenig Männer dem Zauber des Ewig Weiblichen widerstehen können, außer sie werden von ihren Frauen aus dem Zauberbann und es wird ihnen alle? sauler Zauber fern gehalten." Todesfurcht.

Ein Beispiel, wie die Todesfurcht leicht jedes andere Gefühl zu übenrtfl tigen vermag, liefert eine Begebenheit, welche sich vor nicht langer Zeit in Schweden zutrug und daselbst großes Aufsehen machte. An einem kalten Wintertage fuhr eine Frau in ihrem mit einem Pferde bespannten Schlitten nach einem entlegenen Dorfe. Sie hatte ihre drei Kinder bei sich, eins von sechs, eins von drei und eins von anderthalb Jahren. Der Schnee lag hoch und bald ließ sich das Geheul einiger Wölfe hören. Dieses kam näher und näher und die Frau erkannte bald, da? sie von sechs Wölfen verfolgt wurde. Das Pferd brauchte sie nicht zur Eile anzutreiben, denn es hatte die Größe der Gefahr recht wohl erkannt, es lief nicht mehr, sondern es flog und hatte einen weiten Vorsprung vor den Wölfen. Aber bald kamen die gierigen Bestien näher und immer näher, die Gefahr erreichte die höchste Stufe; die unglückliche Mutter verfiel der Ber zmeiflung. denn nur aus Verzweiflung konnte sie thun, was sie that. Als die Wölfe sich auf den Schlitten stürzen wollten, ergriff sie im Wahn sinn eines ihrer Kinder und warf c zum Schlitten hinaus, den Wölfen zu. Diese blieben zurück, verzehrten die Beute, die ihnen geboten, und kämpften: um die blutigen Ueberreste; aber bald suchten sie, gieriger noch als vorher, die Spuren des Schlittens wieder auf, jagten ihm nach und die Mutter mit ihren noch übrigen deiöen Kindern Hort das Geheul bald von Neuem, daZ ihnen den Tod verkündigt. DaS schreckliche Opfer wurde zum zweiten Male, dann zum dritten Male gebracht und die Frau erreichte so, um den BreiS des Redens ihrer Kinder, wohlde halten daS Dorf. An den ersten Hausern desselben blieben die Wolse zurück. Die Unglückliche befand sich aber in einem Zustande, den man sich kaum vorstellen, noch m.'nig.'r beschreiben kann, und versuchte in d;ni Dorfe zu erzählen, was geschehen war; die Leute aber, die sich erst mitleidig um sie ge drängt hatten, wichen mit Grauen unv EntseSen vzn ihr zurück, und ein -Bauer, der einen eisernen Stab in der Hand hatte, schlug sie mit den Worten: Die Mutter, welche ihre Kinder hin gibt, um sich selbst zu retten, verdient nicht mehr zu leben," nieder, dar, sie lautlos zu Boden fiel. Der Mörder, der nicht zu entfliehen versuchte, wurde verhaftet. Ich hae gethan was rechi war," behauptete er. Gott verzeihe ihr.- Er w:irde zum Tode verurtheilt, aber später begnadigt. Wer war ffranz Schubert? Im Jahre 1817 erhielt die Musika lienhanolung von Breitlopf und HärteZ in Leipzig auS Wien von einem gemis sen Franz Schubert eine Eomposilion von Goethes Erlkönig zum Druck und Verlag angeboten. Aus Wien? Von ' Franz Schubert? Das ging nicht mir rechten Dingen zu. Franz chuber lebte ja in Dresden, er war dort roU bestallter königlicher Kirchencomposi teur", ein würdiger Mann von 4i Iah ren, wie hätte der auf folche Allotria verfallen sollen? Die Verlagsband lung schickte diesem also das Manuskript zu und bat um Aufklärung. Daraus erhielt sie folgende Antwort: .Ich muß Ihnen melden, daß ich vor ungefähr zehn Tagen einen vn Ihnen mir schätz baren Brief erhalten, wo mir Dieselben ein von mir sein sollendes Manuskript, der Erlkönig von Goethe, überschickten. Zu meinem grölen Erstaunen melde ich. daß diese Kantate niemals vor mir componirt worden. Ich werde selbige in meiner Verwahrung behalten, urn etwa zu erfahren, wer dergleichen Mach wert an Ihnen auf so unhöfliche AN übersendet hat. und um auch den .Pa tron zu entdecken, der meinen Namm so gemißbraucht. Uebrigens bin ich Ihnen Dero gütige Uebersendung freundschaftlich verbunden und ver bleibe mit vollkommenster Hochachtung u. s. w." Cd die Verlagshandlung daranf das .Machwert" zurückgefordert und doch gedruckt bat, davon schweigt die Geschichte. Jedenfalls lemtt den königlich sächsischin Höfcomposi:eur feint Menschensecle mehr, und sein junger, damals n.'ch unbekannter Wiener Na mensvetter zählt zu den größtcn Genien der Menschheit. Aufsatzdlüthe Otk, lag in ruhigem Schlummer alsplöK ttch Fußtritte au fein Ohr schlugen, woson er erwachte. Z m H e i r a t hS b ü r e a u. 33a? Mädchen, das ich Jnen empfehle, ist ung, schön, brav, bau-lich. rorzgliche Köchin, hochgebildet. . I" .Zur Sache. zu? Sache!" Bin doch dabei!" .Durchaus nicht Sie sind imrnex ur bei der Person!"