Indiana Tribüne, Volume 16, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1893 — Page 6

Brautwahl.

Bert Marie von Ebner-Eschenbach. Es war einmal ein Märchenprinz, der edelste, schönste, liebenZwertheste von cllen, die es je gegeben hat. Als er sechßundzmanzig Jahre alt geworden, lieg die Königin, seine Mutter, ihn ru sen und sprach zu ihm : Die Zeit ist gekommen, in welcher Tu eine Lebensgefährtin wählen und einen Hausstand gründen sollst. Ae Zanntermiißen findet- man die besten Frauen, die es hentzutage giebt, auf dem Planeten Erde. Dort lebt auch die hold?, Dir bestimmte Braut, ein Wesen, lieber Sohn, Dir gleich an Seelcnadel." Der Prinz erröthete aus Bescheiden heit, und die Königin fuhr fort : Aber nicht ohne weiteres kann ein so köstliches Gut Dir zu Theil werden. Du mußt es Dir verdienen." Wodurch, o Mutter ?" Durch rastloses Suchen, o Sohn." In welcher Gegend der Erde ? In Europa." mh'a dem Lande ; in den Städten ? 3 einer Hauptstadt, unter den Töchtern des höchsten Adels, Du weißt genug, jefet gehe, mein Sohn." Aber dieser rief : Und das Erlen ungszeichen? . . . Nur das noch sage mir ; woran erkenn' ich sie?" Die Königin stieg von ihrem Thron nieder und flüsterte -ihrem Sohne einige Worte ins Ohr. II. In den Gesellschaftskreisen einer gro &tn Stadt war plötzlich ein junger Mann aufgetaucht, der allenthalben' Liebe und Bewunderung erweckte. Kei r.er der historischen Namen durfte sich . mit dem seinen messen, der in die : Sagenzeit zurückragte. Sein Stamm ' säum war so lang, daß er nrcht emmal in der' längsten Straße der Stadt ganz aufgerollt werden konnte ; sein Reich thum schien unermeßlich, seine Groß muth war es. Hochgeboren, edel und reich, was brauchte er außerdem noch zu sein, um die Herzen der Töchter und die Zustimmung der Eltern im Sturme zu erobern ? So ritterlich und so be scheiden wie er hatte noch nie ein Mann hen jungen Damen den Hof gemacht. Was sie aber am meisten an ihm entzückte, das war seine Heiterkeit und sein Witz. Daß er den letzteren stets auf Kosten des lieben Nächsten übte, daß der himmlische Prinz ein Spötter war, hatten sie bald entdeckt und bemühten srch aus vollen Kräften, diesen faden dünnen Spalt an dem Panzer seiner Vollkommenheit zu erweitern. Dies geschah aus weiblichem In stinkt. Jedes Edelfräulein, mit dem er ge lacht und gescherzt, war überzeugt, fei er Schwäche am geschicktesten geschmei chelt und damit sein Herz gewonnen zu haben. Doch keine dieser Hoffnungen erfüllte sich, und eines schmen Tages war der Prinz eben so plötzlich wie n gekommen verschwunden. III. Tasselbe wiederholte sich in vielen anderen Städten. Der Prinz begann seine Freudigkeit einzubüßen, sein Witz wurde immer schonungsloser, er spottete ziicht mehr, er lästerte. Sein Erden Vallen. das sühlte er wohl, machte ihn icbt besser, und am meisten kränkte ihn, daß er nur in seinen eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter, die Mütter, die Töchter trieben nach tvie vor Abgötterei mit ihm und ver hrten jedes seiner Worte. Ewiges Einerlei!" sagte er oft laut vor seinem ganzen Gefolge. Ich erde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als alter Junggeselle." Und wirklich begann er zu versauern tote ein solcher. Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Zkel. Lass' satteln! Unsere'Wolken dar! Die schwärzeste für mich!" b? fahl er seinem Oberstallmeister. Wir reiten!" Heute. Eure Hoheit?" versetzte der Würdenträger. Ist heute nit Hof jdall. den Eure Hoheit besuchen müs lsen'i" Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aoer er tanzte nicht, lachte nicht, schwatzte n'.cht. Er stand in einer Ecke, sah den schönen, jungen Damen, die im Takt an ihm vorüber schwedten. traurig nach und seufzte: .Keine Einzige:" IV. Die Melancholie des Prinzen ' war uf Höchste gestiegen, als er plötzlich cni anderen Ende icS Saales ein lieb liches Mädchen erb'ikte. das ruhig oa saß und. wie ec, dem Tanze zusah. Sie jedoch that cZ mit heller Zufrieden 2jeit und schien scelcnvergnügt. ) ccle!" dachte der Prinz, wie schön mußt Tu sein, um Dich so zu vergnügen am Vergnügen der Andern!" Sanft aber urwiderstehlich snzezogen, izat er vor das liebliche Mädchen hin. verbeugte sich und fragte: .,Sie tanzen flickt, mein Fräulein?" Sie stand auf, erwiderte seine Hös sichfeit und, nachdem sie sich wieder ge fpt hatte, auf seine Frage: Nein, rnein Hcrr." lli.b warum nicht?" Weil ich keinen Tänzer bekommen fjabe.'' antwortete sie voll heiterer 8leichgil:igkeit, und wie sie den Prin zen dabei mit ihren unschuldigen Au--gen anblickte, wurde ihm wohler, als ihln noch je auf Erden geworden war. deinen Tänzer heute?" Heute n.cht und nie," und sie lächle so bell, ' daß er meinte, die goldenen Zauberglöcklcin auf dem Thurme seines heimathlichen Schlosses den Morgen be grüßen zu hören. , . . Er ja?? nieder zu ihren wunder schönen Fnchen und sagte, nachdem er dieselben mit großer Äufmcrksamkei betrachtet: Sie tanzen gewiß gern und ausge. zeichnet?"

Sehr gern, o ja, d nicht schlechter als eine Andere." -Und dennoch werden Sie nicht auf

gefordert? Warum, warum?" rief der Prinz, immer mehr in's Feuer ge rathend, und ergriff ihre Hand. Die Kleine erschrak, senkte die Augen und murmelte so undeutlich, daß nur Einer, der im Begriff ist, sich zu ver lieben, es verstehen konnte: . Weil ich langweilig bin." i Langweilig? O, mein Fräu lein!" flammende Nöthe brannte auf seinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus seiner Brust. O, mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, für den ganzen Abend an Ihrer Seite Platz zu nehmen." V. Man ließ sie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der anderen kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weife ihr Er staunen darüber, daß Einer, der die Wahl unter Adler und Schwanen Jungfrauen frei hatte, sich mit einem Gänschen beschäftigen mochte. Wie auf Verabredung ließen sie ihren Witz sprühen, daß es nur so pras seile. Die Funken 'stoben, fielen über manchen guten Namen her und vcrnich teten ihn. Und der Prinz, ach, der Prinz stimmte ein. Er lh die Stirne seiner lieblichen Nachbarin sich verfinstern, aber er stimmte ein. Ja, er fand ein teuflisches Gefallen daran, jede geist reich vorgebrachte Bosheit zu. überbie ten. ES gelang ihm beispiellos. Tr Genius der Verleumdung schien über ihn gekommen, und er brachte dessen grausamste Eingebungen mit unbändi gem Uebermuth vor. Seine Zuhöre rinnen stutzten, kicherten, errötheten. Viele gaben sich Mühe, eine leise scd)a densreude zu verbergen; das waren die Pfifsiqen, die Klugen, die hatten längst so etwas" bemerkt. Einige fühlten Mitleid und Bedauern, Andere waren erstaunt. I Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aussagte, stieg i Keiner auf, in kei ner Einzigen. Und doch! in Einer doch in der Lieblichen, die der Prinz, so lange er sprach, kaum anzusehen gewagt hatte. ' Sie erhob sich klopfenden Herzens, ' Thränen des Zornes standen m lhren Augen. Von Allem, was Sie da behaup ten", sagte sie kühn und laut, glaubte ich nichts!" Nichts? . ... von Allem nichts?" Er stieß einen Schrei aus, der an den Wänden des Saales wiederhallte wie himmlische Musik, warf sich auf die 5knie vor seiner anmuthigen Gegnerin und umfaßte mit beiden Armen ihre zarte Gestalt. Du bist es!" rief er. O Mutter die ist's die gab mir das Erken nungszeichen!" Im selben Augenblick öffnet: sich die Decke, und auf ihrem mit Feuervögeln bespannten Sonnenwagen kam die Marchenkönigin Herbeigeslogen. Vor ihrer blendenden Erscheinung senkten sich alle Augen, nur die des Brautpaares nicht. Der Prinz führte seiner Mutter die Erwählte zu, und die Königin küßte sie dreimal und sprach: Sei mir gegrüßt. Du holde Selten heit. Ich wußte wohl, daß es eine längere Trennung von meinem Sohne galt, als ich ihn zur Erde sandte, eine junge Dame zu suchen, die an Ver teumdung nicht glaubt. Darauf aber, daß mein Junge gar so viel Zeit dazu brauchen würde, war ich nicht gefaßt." Die Königin hieß ihre Kinder einstei gen, die Feuervögel entfalteten ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das schöne Fecnland, aus dem Ver leumdung verbannt ist, und wo sogar die jungen Damen schweigen, wenn sie von ihrem Mchften nichts Gutes zu sn gen wiffen. Seyr natürlich! Ich bin schon am Anfang, w der Mitte und am Ende des Monats bei Ihnen gewesen, und noch niemals habe ich Sie bei Eassa getroffen!" Was kann 3'ch dafür, wenn Sie Pech haben?!" Ein tüchtigcS'VZäöchett. Frau: Aber, unser Bubi ist deute brav! Nicht ein einziges Mal hat er während des SpaziergangcZ geweint . . Kathi. schauen S' doch 'mal nach, ob er vielleicht noch schläft!" Dienst. Mädchen: JessaS na! Jest hab' i' vergess'n den Bub'n mitzunehmen!" , . i Momentane Ewigkeit. A: Wie geht eZ unserem Freund Qs kar?" B: Seit zehn Jahren ganz gleich: er ist immer und ewig in ms.:'.e::tZn:r" Gcls:crlcL:nheit!"

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Nusftkllun g von XDtltWQ OttUt' Nicht den letzten Rang nimmt unter den südamerikanischen Staaten, welche auf der Chicagoer WeitauSsiellung ver Urteil sind. Britisch Guiana ein; ja seine Ausstellung ist in Verhältniß zur Größe und namentlich zur Entwicklung des Landes eine der bedeutendsten, und verdient schon, daß man sich ein wenig bei khr aufhält. Die Ausstellung befindet sich im Ackerbaupalast, und zwar in der nord westlichen Ecke desselben. Man glaube aber darum nicht, baß sie blos land wirthschaftliche Producte enthalte; sie ist eine sehr vielseitige, und die Vcr treter von Britisch Guiana haben es besser, als die mancher größeren Län der, verstanden, im Ganzen und im Einzelnen die Ausstellung sehr auffüllig zu machen; sie haben auch ungewöhn liche. Sorgfalt daran gewendet, jedes wichtige Stück durch Placate sofort er kenntlich zu machen und zu erklären. eine Aufmerksamkeit, welche der Be suche? bei sehr vielen-anderen Ausstel lunaen vermint. Auch ist Alles höchst anziehend gruppirt. .

- ".- 2, - ''vi "i Aus Britisch Guiana. Zu den wichtigsten Industrien von Britisch Guiana gehört die Zucker industrie, und dieselbe spielt denn auch hier eine hervorragende Rolle. In einem riesigen Schaukasten sehen wir alle Arten Zuckerkrystalle in allen Far den. urld bei jeder Probe ist ange geben, durch welches Versahren ein sal cher Krystall erzeugt wird. 50 Guttun gen sind vertreten, und das Ganze bildet ein eindringliches Angebot an den amerikanischen Zuckermarkt we nigstens soweit der Rohzucker in Be tracht kommt: mit dem Raffiniren be schäftigt man sich dort nicht). Die' Urwälder von Britisch Guiana enthalten ganz vorzügliches Baubolz, uud dasselbe ist in 107 Sorten auf der Ausstellung vertreten. Ein Theil die seS Holzes ist so schwer, daß man eS nicht auf Strömen flößen kann: eine der Proben hat ein specifisches Gewicht von 1.04. Für den Schiffsbau und für die Kunsttischlerei sind die meisten dieser Holgattungen ganz besonders werthvoll. 'Ebenso wie in der brasi lianischen Ausstellung, werden auch hier viele ver Holzproben in natürli chem und polirtem Znstand gezeigt. In d.'n Wäldern von.Britisch Guiana steckt noch ein ungeheures Kapital, das auch viele amerikanische Unternehmer anlocken dürfte. GöllSü) fircx -d--V-.iV i mßM vsn? MUl V-X w$mKJ& ÖB I Fische nd Eideckisen. Die Goldfelder von Britisch Guiana wurden erst vom Jahre 1884 an aus gebeutet, aber in den wenigen Jahren sind bereits nahezu 400.000 Unzen Gold erportirt worden. Auch die dor tigen Diamantenfelder versprechen eine großartige Ausbeute, die kaum begon neu hat. Daher darf auch die niine ralische Ausstellung nicht übersehen werden, obwohl it sich natürlich noch nicht mit vielen anderen im BergbauPalast messen kann. Großes Interesse erregt die Ausstel lung der Thierwclt. Alle dort vorkom menden Arten Vierfüßler und Vögel sind hier in prächtigen ausgestopften Exemplaren vertreten. Eines der Hauptstücke bildet ein Jaguar, welcher gerade sich zum Angriff auf einen Tapir anschickt. Allizatoren. Land und Was. serSchildkröten, Schwertsische. Säge sische. eine ausgewachsene Seekuh (Ma naten) und interessante Gattungen Krabben sind ebenfalls zu sehen. Sehr groß ist di Sammlung von Affen. Richt minder bemerkenswerth sind das Rvthwild. die Eichhörnchen, die Wasch bären, Wildschweine (Peccaris) und Ichwarzge'chwnzte Ottern. Nrwaldscere. Einer der Schaukästen zeigt uns das KassawaBrot. welche die Hauptnah. rung dtt eingeborenen Indianer bildet, sehr nahrhaft ist und sich ungewöhnlich !ange hält. Das Bedeutendste unter

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der SetreideauSstellung ist der Reis lm Naturzustand. In einer Anzahl Schau kästen sind Banf, Palmen und andere

Fass, cn ausgeltellt. es weiteren nn den wir alle Arten eingemachte Früchte, ! auch Kaffee. Eho!olade, Melasse, Rum, j Tabak, Leim und vieles Andere. Die ? Jndustrierzeugnilleder Eingeborenen , fl V f...?. M .? s 1 1 1 h.r(vafn ' (t An. iiiiu cucuiu9 iut viiiiitvii, vi. i wilder? Kleidungsstücke. Eine reichhaltige Sammlung Photographien zeigt unS Landschaften und Volkstyren; auch den in Britisch Guiana erscheinenden Zeitungen ist eine besondere Ecke einge räumt. Um diese Ausstellung. richtig zu wür digen, darf man nicht vergessen, daß i Britisch Guiana noch ein wildes Land und nur in den Küstcnstüdten besiedelt ist. Seine Schahkammcrn sind sozu sagen kaum angebrochen! Cin ungewödnlicher Ritt Unter diesem Tit.'l kahlt die Köln. Bolksztg." folgende Kriegserinnerung: Zur Rekognoscirung wagte sich ein junger Officier. Lieutenant H. über die Vorposten der preußischen Besamung eines kleinen französischen Ortes in der Mhe von Orleans hinaus. Das Un glück wollte, daß eben ein Haufen Franktireurs dem Lieutenant entgegen kam und dem Umkehrenden sofort nach stürmte. Die dem Flüchtigen nachge sandten Schüsse verfehlten ihr Ziel, und H. wäre sicherlich entkommen, wäre ihm nicht von einer zweiten Truppe, die eben aus einem Seitenwege bog und einige Stück Vieh mit sich führte, der Weg verlegt worden. Der junge Soldat wehrte sich verzweifelt, erlag aber der Uedermacbt und wurde, zwischen zwei Franzosen streng bewacht, als Ge fangener nach dem nächsten französi schen Hauptquartier' eskortirt, wohin auch das mitgesührte Vieh zwei Stiere und e'.iche Kälber bestimm! war. Des Französischen völlig mächtig, plauderte er ungezwungen mit seinen Wächtern. Dabei beobachtete er, wie eins der mitgeführten Thiere, ein jun ger Stier, sich ungcbcrdig zeigie und sich plöklich allen Versuchen, ihn vom Fleck.zu bringen, widersetzte. Schläge verdoppelten nur die Wildheit des Thi'e res. Da wandte sich der deutsche Ofsi cier an seine Begleiter und erzählte ihnen mit lauter Stimme, daß er als Sohn eines Landwirths schon seit früher Jugend gelernt habe, mit störrischem Vieh umzugehen. Der Führet deZ Trupps hatte die 'Aeußerung rernommen; er trat auf den zungen Gesangken zu und fordert von ihm eine Probe seiner Kunst. Der Lieutenant zeigte sich sogleich bereit; nur verlangte er, damit durch den An blick der vielen Personen das wüthende Thier nicht unnütz gereizt würde, daß die Zuschauer sich in angemessener Entfer nnng halten' möchten. Das soll ge schehen", meinte der Führer: aber", fügte er hinzu, wenn Sie etwa den ken, bei dieser Gelegenheit davonlaufen zu können, so haben Sie sich gründlich getäuscht. Wir werden die kleinste Bewegung im Auge behalten und unsere Gewehre auf Sie richten!" Lachend versichelte der junge Offizier, daß die französische Liebenswürdigkeit ihm ohnehin schon eine Trennung von seinen neuen Freunden schwer machen würde. Dann nahm er die Leine und näherte sich ganz allein dem Stier, der mit gesenktem Haupt und tückisch blitzenden Augen den neuen Feind erwartet. Aber mit einem kurzen Satz sprang H. seitwärts und riß mit mäch'.igem Ruck an der Leine das Thier in eine andere Rich tung, die seinem tollkühnen Plan am günstigsten erschien, nach der preußischen Vorpostenlinie zu. Ehe der verdutzte Stier sein Haupt zu wenden vermochte, saß sein Bezwinger mit einem Satz ihm im Nacken, und sich an die Hörner des in rasenden Galopp fallenden ThiereS klammernd, stürmte er in die Weite, mitten durch die nach allen Seiten schreiend auseinanderstiebenden Fran zosen, die in ihrer Bestürzung das Feuern völlig vergaßen. Erst nach geraumer Zeit wurden den beiden Flüchtlingen ein paar Schüsse nachgesandt; aber der Vorsprung war bereits zu groß. Das Glück war dem waghalsigen Reiter günstig: der Lauf dcs geängftigtcn Thieres richtete sich ge rade auf das erstrebte Ziel, schon zeig ten sich preußische Soldaten, die das Schießen in der Nähe alarmirt hatte. Die ungewohnte Last und die wilde Jagd hatten das Thier erschöpft. So gelang es vereinten Kräften, das selt same Reitthier zum Halten zu bringen. Bis zum Tode ermattet, glitt der Lieutenant von seinem Sitz in die Arme seiner jubelnden Kameraden. Die ungewöhnliche Sclbstrettung des Ossiicrs erhielt durch den Höchstkom mandirenden, den Prinzen Friedrich Karl, die verdiente Anerkennung, und noch lange nach jenem Ereigniß erzählte sich das neunte Armee-CorpS von dem kecken Lieutenant, der nicht nur sich sel der von den Franzosen glücklich wieder inS preußische Quartier hcimgebrcht, sondern noch einen fetten Braten oben drein. ' . Der kleine Hans. Weißt Du. Mama, da ist recht komisch, wie Schwester Adelheit und Alfred Keck, wen er bei uns zu Besuch ist, Limo nade machen!" Mama: So? Wie machen sie denn das?" Der kleine HnS: Schwester Adelheid hält die Citrone und Alfred Keck drückt Schwester Adelheid". Sein Militär isch erGrad. In einer Gesellschaft stellten sich drei yerren einem alten Mayor a. D. vor. Müller, Hauptmann a. D." Schulze, Lieutenant der Reserve." Und nun kommt der Dritte: Bankitt Eohn, dauernd unfähig." . Vor Gericht. Richter (zum Angeklagten, der zn zehn Jahren ZuchthauS verurtheilt worden): Haben Sie, noch etwas hinzuzufügcnZ Ange klagter: Nein, ich danke, ich möchte lieber noch etwas abziehen!"

Das KindergebKude derWsrlds iifstir".-

Wenn von manchen Gebäuden und Einrichtungen des Ehicagoer Weitaus stellungsplatzes selten gesprochen wird. : so ist damit noch lange nicht gesagt. daß dieselben vön geringer Bedeutung seien. So sehr es auch die Besucher und Besucherinnen intcressiren mag, was an der Weltausstellung selbst und ihren buntgestaltigen Anhängseln zu sehen ist, so dürfte c5 ihnen doch auch , nicht gleichgiltig sein, wie weit für ihren Eomfort ln zeder Hrnncht Bor kehrungen getroffen sind! Da dürjien denn Viele mit Vergnü gen hören, daß auch für den Eomfort und das Wohl der lieben kleinen Km derwelt besondere Veranstaltungen be stehen, damit also zugleich den Eltern unter Umständen viel Sorge abgenom men ist. An dem Kindergebäude", das sich unweit des Public Eomfort Buil ding" (zum Ausruhen bestimmt) be findet und als eine Art Zubehör zu dem nördlich von ihm gelegenen Frau enpalast betrachtet werden kann, ist eigentlich nur das Eine, auszusetzen, daß es viel zu klein ist. Es würde, wenn es viermal so groß wäre, tagtäg t lich mit Kindern, besonders mit Ba ' dies", gefüllt sein. So aber müssen . jeden Tag viele Hunderte aus Raumj Mangel abgewiesen werden. 'und wer : zuerst kommt, mahlt zuerst". p 11 Fest eingeschlafen. Vom frühen Morgen bis zum spülten Abend ist dieses Gebäude geöffnet, das sowohl Schlaf und Verpstegungsgele genheiten, wie Unterhaltungen und Schule bietet und in seiner Art so in teressant ist, wie nur irgend ein Ge bäude der Weißen Stadt." GlaS Zwischenwände trennen die Erwachsenen von dem Raum,, der ausschließlich das Kleinkinderreich bildet.' und außer halb dieser durchsichtigen Glaswände ist den ganzen Tag ein solches Gedränge von Müttern, Großmüttern, Altjung fern und neugierigen Junggesellen, daß eS schwer ist,' auch nur Stehplatz zu bekommen. Wenn ja einem Erwachse nen die Vergünstigung gewährt wird, hineinzugehen, so geschieht dies nur un ter den strengen Bedingung, daß alles laute Sprechen vermieden wird, damit die Kleinen nicht aus dem Schlaf ge schreckt werden. Diese Bestimmung hat allerdings nur in den Vormittagsstunden Werth. Später erhebt sich aus den Wägelchen. Stühlchen und ischlaftrip pen ein Getöse, das auch den gewaltig ften amerikanischen Stumpre'dner un hörbar machen würde. Die Wärterin nen beeilen sich, nach Möglichkeit den Püppchen alle ihre Wünsche zu erfüllen, und das Stimmengewirr wird wieder dünner. . i it vr;i l : In guter Hut. .Ein anderes Zimmer auf demselben Stockwerk ist dem Spiel der etwas grö ßercn Kindlein gewidmet. Auch hier geht es recht bunt her: aber für Ord nung wird thunlichit gesorgt. ' Die Räume im oberen Stockwerk sind für die noch größeren Kinder sowohl zum Spiel wie zum Unterricht bestimmt. Auch die Turnerei hat, wie seinerzeit ermähnt, ihren Einzug in das Kinder gedüude gehalten. Stets bieten sich viele bunte Bilder in diesem Gebäude, in welchem natür lich außer Besuchern des Weltausstel. lungsplatzes auch Insassen desselben ihre Kleinen unterbringen können. Die Zuschauer sind ebenso bemerken5werth,' Wie die Kinder selbst'.- Es ist immer ein allerliebstes Schauspiel für Jeden, den überhauptdergleichen anzieht, wenn Mütter ihre Kinder hier abholen.' Falls, wag nicht selten vorkommt. Erstere ihren Eheck" verlieren, können sie gewöhnlich (damit'aller Betrug ver mieden wird), ihr Liedes nur ' dann haben,, wenn dieses sie identisicirt", ohne daß sie ein Wort sprechen odereine besondere Bewegung machen. Da gibt es denn allerhand gelu-o;ene Auftritte. .Aus der JnstruktionS stunde. ; Unteroffizier: Rekrut Leh mann, 5 warum , soll , ein ordentlicher Mensch nicht Karten spielen?" Leh mann '(freundlich): .Ja, ja,' Herr Un terofsiier, warum auch nicht?"

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Eine starke Frau. Von AgntS Thal. Der Arzt war gegangen: in der Krankenstube flackerte das Nachtlicht auf, um dann knisternd zu verlöschen. Ein solch' letztes Aufflackern der Lebens, flamme war die Besserung, welche in dem Befinden der Kranken eingetreten war; sie wird vorübergehen, und die Lebenskraft verrinnen, stetig, unauf haltsam. Der Sanitätsrath hatte es dem gebrochenen Manne gesagt, der dort im Nebenzimmer verzweifelnd die Hände rang. Wir sind am Ende un seres Könnens, das junge Leben zählt nur mehr nach Stunden. Versagen Sie ihr nichts mehr, und tragen Sie's wie ein Mann!" Ein Mann, dem das Einzige genommen wird, das er aus dem Sturm des Lebens sich gerettet, das ihn noch an'S Leben hält! Mühsam drängte er das Schluchzen zurück, das den Schlummer der Kranken hätte stören können; auf seine Lippen trat eine wilde Verwünschung, eine Anklage gegen eine höhere Macht, die es zuließ, daß sein Schatz, das einzig ihm geblie bene Kind, vor ihm zur Ruhe geh' mußte. Es war das älteste aus der fröhlichen kleinen Schaar, die ihn einst umringte; mit welcher Freude hatte er das Gottes gcschent empfangen, wie hatte er sich bemüht, dem Kinde zulieb, wieder ein Kind zu werden! Und es hing an ihm mit nllerJnnig keit seines kleinen Herzens, sein erstes Stammeln Ab ihm den Vaternamen. Da kamen trübe, schwere Tage mit erschreckender Deutlichkeit zogen sie in den langen Stunden dieser furchtba ren Nacht an ihm vorüber. Da lag der Liebling mit sieberglühendem Gesichtchen, mit pfeifendem Athem in der Wiege. Der Würgengel der Kinder, die grause Diphtheritis, war ihm drohend nahegetreten. Und als er dem alten Hausärzte überströmenden Her zens für die Rettung des Kindes ge dankt, da hatte dieser'zemcint: Dan ken Sie Ihrer Frau! Nicht meine Kunst allein, ihre Sorgfalt, ihre Ruhe und Geistesgegenwart vor Allem haben uns die Kleine erhalten." Wo weilte sie jetzt, warum war ihr Platz .leer an dem Lager, aus dem ihr Kind mit dem Tode rang. Sie war von ihm gegangen, schon vor Jahren; kein heftiger Sturm hatte das Band gewaltsam zerrissen, das einst zwei Glückliche umschloß. Lang sam unmerklich war die Entfremdung zwischen sie getreten; mit ihrem eisigen Hauche hatte die Enttäuschung das Herz der Frau erkaltet, und als die Stunde der Prüfung kam, da fand sie zwei Menschen, die miteinander inner lich nichts mehr gemein hatten, die einander nichts mehr waren. Nicht ohne seine Schuld heute gestand er sich's ein nicht ohne seine Schuld! AuZ dem Frieden des Bürgerhau seZ hatte er das junge Mädchen geholt, daß ihm vertrauend die Hand reichte; aber bald zeigte sich, wie verschieden die Naturen waren, die ein kurzer Liebes frühling zu ewigem Bunde zusammen führte. Sie, aufgewachsen in den en gen, vielleicht engherzigen Anschauun gen ihres Kreises, er, durch sein lang jähriges, ungebundenes Garconlcben zeder Rücksicht entwöhnt. Eine ge ringfügige Kleinigkeit, ein Nichts war es gewesen, was der jungen Frau die ersten Thränen kostete; er lachte und endlich wandte er sich verdrießlich ab, sie war doch gar zu empfindsam! Dann kam eine Zeit, in der sie es schon gelernt hatte, sich zu beherrschen; zu stolz, zu klagen, wo die .Klagen nie willig Ohr fand, ging sie schweigend den Pflichten nach, die das HauS. die Kinderstube ihr auserlegten. Aber ihr Antlitz war blaß, ihr Schritt schleppend geworden und wenn ihr Mann ihr ins Auge sah, da stands wie Vormurf dar in zu lesen; von Vorwürfen aber war er kein Freund. Warum auch? Er war sich keiner Schuld bewußt. Oder war es Schuld zu nennen, was so vie len Anderen vor und neben ihm gern geübte Gewohnheit war? Wie die An deren seines Kreises, suchte er Zer streuung. geistige Anregung am Stamm tisch, bei gleichgesinrnen Freunden, bei einem unschuldigen Kartenspiel. Wenns auch einmal darüber Mitternacht wurde, nun. er kam doch spät aus d;m Kontor und war ja stets ängstlich bemüht, sie und die Kinder nicht zu wecken! War es seine Schuld, daß sie, in den klein lichen Begriften ihrer spießbürgerlichen Erziehung besangen, den grünen Tisch wie das Blendwerk rier Hölle !aßte? Sollte er darum auf so harmlose Le densgenüsse verzichtend Lächerlich ! Die Kinder freilich, die bekam er sei ten zu sehen aber was soll er auch in der Kinderstube? Wenn er die Klei nen geküßt und vielleicht einmal hoch in die Lüste geschwenkt hatte, daß sie hell auflachten, dann wußte er nichts mehr mit ihnen anzufangen; sie hatten ja auch die Mutter, die den ganzen langen Tag um sie war. So lange die Leut chen noch so klein sind, verlangen und brauchen sie Niemanden als die Mut ter; spater, ja spater würde er sich schon mehr mit ihnen beschäsiigcn kön nen. i So lebten sie denn nebeneinander hin. anscheinend in Ruhe und Frieden: aber immer kälter ward der Gruß, mit dem sie einander begegneten, immer länger blieb er von seinein Heim weg. in dem kein freundliches Wort, kein liebevoller Blick seiner harrte. Immer mehr spann sie sich in die Enge ihrer Kinderstube ein. Und doch gelang es ihr nicht, das. was sie als Unglück em Pfand, ganz den Augen der Welt zu entziehen, bald galt sie als eine ver nachlüfsigte Frau, bald mußte sie sich mitleidige. Blicke, schonende Worte ge fallenlassen, das, za das mochte daZ Härteste gewesen sein! . - iUnd dann war. der. Sturm gekom men, unter dem eine Welt in ihren Fugen ertrachte: auch sein HauS tonnte ihm nicht widerstehen, auch sein

' Wch'.stand zerbröckelte, und vor der

Sorge der Noth schwand auch Ut Schatten ehelichen Glücks, den er oi5 jetzt besessen. Er hatte nichts aus den? allgemeinen Verfall retten können, und es ward ihm schwer, wieder Amt undi Brot zu finden; zu viele verunglückte Existenzen machten ihm' diese streitig. Er war des Ringens nicht gewohnt und muthloS gab er es auf. Sie hatte treu

'zu ihm gestanden das Bewußtsein . der Pflicht hob ihre gesunkenen Lebens ! geister wieder und. was sie an per sönllchem Vermögen bei aß. gab sie willig her, um den Mangel von ihrem Hause sern zu ballen. ES war ihr dies nicht eben hoch zu veranschlagen: ihr fehlte der Eigenthumssinn, der an deren Frauen jedes Stück ihres Be sitzes lieb und werth macht. Die kost baren Steine, der Schmuck, waren ihr nie eine Freude gewesen: darum war nur natürlich, daß sie leicht hingab,, was ihr das Leben nie verschönt hatte. Aber endlich ward sie es müde, den Schwachen zu stützen, den Haltlosen zu halten. Sie hatte es versucht, seinen Ehrgeiz aufzustacheln, hatte ihm die Pflicht vor Augen gehalten, die er ihr ihren Kindern gegenüber hatte. Und ff ihre ruhige Art und Weise von dem Schild abglitt, als den er mulhlos das allgemeine Unglück vor sich hielt, da steigerte sie sich selbst zu einer Heftig keit, von der sie sich mehr Eindruck auf ihn verfprach. Sie ließ eZ an Vor würfen, an bitteren Bemerkungen nicht fehlen; doch als er ihr einst in der Er regung ein böses Wort gesagt, als er ihr die Anklage entgegenschleüderte, daß sie. ihre Art zu leben, die alleinige Schuld an dem Zusammenbruch trage, war sie gegangen: Ich nehme meine Kinder mit mir; für Dich allein wirst Du wohl sorgen können." Das war ihr Abschiedswort gewesen. Er hatte sie ziehen lassen, sollte er sie zwingen, sein Elend zu theilen? . Und doch könnte er es nicht ertragen, daß die Frau, der er einst den Himmel auf Erden versprochen, nun durch alle Qualen irdischer ?!oth und Trübsal schreiten sollte. In Selbstvorwürfen sich verzehrend, ward er immer erbit tcrter, immer muthloser, immer unge eignete? zu dem schweren Kampf ums Dasein. Seine Kinder hatten in der Familie seiner Frau eine Zuflucht ge funden, während sie selbst in rastlosem Streben, mit einer Energie und Aus dauer. wie man sie dem verwöhnten Mädchen, der des Lebens unkundigen Frau, nie zugetraut hätte, sich mühte, eigenen Erwerb, eine Stellung zn fin den. Und sie hatte Beides errungen. Die Welt aber, die stets bereit ist, den ersten Stein auf die Frau zu wer fen, die criis dem engen Bannkreis tritt, den Sitte und Gesetz ihr gezogen, für sie hatte sie nur Worte des Lobes, der Anerkennung: Man rühmte den Muth, mit dem sie sich einen neuen Wirkung? kreis geschaffen, die Milde und Seelen stärke, mit denen sie ihres Amtes als Oberin des Pslcgerinnenhauses waltete, man nannte sie eine starke Frau. Jawohl, mit starker Hand hatte sie sich und die Kinder losgerissen von dem Heim, in dem sie doch mit tausend Fä den wurzeln sollten ; hatte sie den Ge liebten ihrer Jugend, den Vater ihrer Kinder verlassen, als sie ihn ihrer nicht mehr würdig fand. Einmal noch war er vor sie hinget ten: als es galt, das Recht zu wahren, welches das Gesetz ihm verlieh, das Recht auf seine Kinder. Auf neuer Basis war eZ ihm gelun gen. sich eine bescheidene Existenz zu gründen. Nun sollte sie den Schatz mit ihm theilen: ein Kind nur verlangte er von den dreien, welche sie der Vatcrliebe entzogen hatte. Sein AeltesteS, ein Mädchen, war mit ihm gezogen; dem heranwachsenden Kinde war eS als Pflicht erschienen, für den einsamen Mann zu sorgen, seinem Lebensabend Werth und Gehalt zu verleihen; stark wie die Mutter, wählte sie den Weg der Pflicht. Sie hatte nicht wohl daran gethan. Damals hatte er empfunden, daß die Rache süß: er sah. wie die Frau unter dem Schlage litt, dem- sie ihr Hauvt lautlos beugte, aber unbeirrt ging sie ihre- Wcgs Ihre milde Hand pflegte die Wunden, ihr liedreicher Zuspruch tröstete die Kranken und ihr eigenes, ihr geliebtes Kind mußte allein und verlassen sterben! Heute Morgen, als der Arzt jede Hoffnung aufgab, war sie telegraphisch verständigt worden; früher hatte er es nicht über sich, vermocht, sie zu rufen; und doch las er das unausgesprochene Sehnen im Blicke seines Kindes, doch sah er die ängstliche Spannung, mit der sie auf jeden nahenden Tritt horchte, die traurige Enttäuschung, die sich in ihren Zügen malte, wenn wieder nur die Fremde eintrat. Ein leiies Stöh nen drang aus dem Nebenzimmer, ihm klang eS wie ein banger Angstruf. Würde sie sterben, ehe ihr Sehnen ge stillt ward 5. Mit schrillem Laut ertönte die Haus glockc; ein rascher und doch ängstlich zagender Schritt näherte sich. Auch die Ktanke hatte ihn gehört., mühsam rich tete sie sich auf, die abgezehrten Arme streckten sich der hohen Frauengestalt entgegen - eine Mutter kam, ihr Kind sterben zu sehen! An einem schönen Frühlingsmorgen ward es zu Grabe getragen. Golden zitterten die Sonnenstrahlen durch das Land, in den Wipfeln der Bäume regte sich'S von jungem Leben; die Welt prangte in Hosfnungsgrün und an dem Sarge sprach der Priester von der Vorsehung, von der Eltern Treu und Leid. Er sprach von den auf opfernden Mühen und Sorgen des VaterS, von der treuen Hut der Mut ter, die ihr Kind dem Tode' noch abzu ringen gefucht; er sprach von der Liebe, welche diese Mutter so vielen anderen Kranken und Verlassenen widmete, von dem Schmerze,-' den nur die Liebe überwinden könnte,- von', dem Frieden, den die Liebe in die Welt gebracht. Da sank die starke Frau, in die Kniee m:& weinte ö':"::l:'5